und nur 5 Minuten später
Morgens um 8:45 am Strand

Donnerstag, 13.1.2022 

Der Plan war, hier einen Stopp-Over auf unserem Weg in den Süden zu machen. Und jetzt kleben wir fest wie die Fliegen an der Leimrolle und kommen nicht los. Im Unterschied zur Fliege, reißen wir uns aber auch nicht die Beine aus, um loszukommen. Wir sülzen uns gerade genüsslich ein. Offenbar geht es den meisten anderen hier ebenso. Jedenfalls hat sich, so weit das Auge blickt, nichts bewegt, niemand ist abgereist, nur ein paar wenige sind dazugestoßen. Möglicherweise wachsen denen auch bald schlohweiße Bärte hier. Der Chronist denkt jedenfalls schon drüber nach, ob er nicht seinen Rasierer versetzen soll.

...ins Hinterland
Morgenrunde mit den Hunden

Wenn wir jedoch die sehr wolkigen 9 °C heute Morgen als Perspektive für die nächsten Tage verstehen sollen, müsste man eventuell doch über einen Aufbruch in den Süden nachdenken. Aber auch das Denken sülzt sich zunehmend ein und kommt nicht voran. Damit wenigstens ein bisschen vorwärtsgeht, schwingt sich die Cheflogistikerin aufs Rad und fährt bis El Verger, einem kleinen Kaff irgendwo zwischen hier und Denia zu einem renommierten und gut sortierten Camping-Shop, so etwas, das Berger bei uns ist. Den Prospekt hat sie sich an der Rezeption besorgt und ist nun nicht mehr zu halten: Es muss jetzt endlich der Gasadapter her! Rund zehn Kilometer kurbelt sie sich ab und findet einen Laden vor, der nicht nur alles hat, was ein Freizeitcamper braucht, sondern auch noch einen Berater, der perfekt deutsch spricht. 13 € kostet das ersehnte Teil, 10 € werden noch für ein Ventil fällig, das die dazu passende Dichtung hat. Einen zweiten Adapter nimmt sie für die Leipziger Schwaben aus Borna mit, die, als sie davon hörten, darum baten, ebenfalls beliefert zu werden. Noch einen kurzen Sprung hinein zu LIDL, der gleich daneben mit einem bei uns völlig unbekannten Angebot aufwartet: beste Ware und viel Frisches, vor allem Fisch direkt aus dem Meer. Das müssen wir im Auge behalten.  

"Schau, wieviel ich aufsammeln kann"

Nachdem sie stolz und glücklich zurück ist, fehlt nur noch das Gas, aber dafür haben wir schon das notwendige „Zertifikat", von der Azul-Rezeption auf einen Fresszettel gekritzelt. Das sieht also alles schon mal sehr gut aus. Und dann passiert nicht mehr viel, ein bisschen putzen, ein bisschen Doku schreiben. Das Wetter lädt ein, draußen zu sitzen, die winterlich empfindliche Haut langsam an die Sonne zu gewöhnen und unsere Seelen zu verwöhnen. Nur Hedda fällt ein wenig aus dem Rahmen, weil sie ein wenig kotzbrockig ist, kurz: unausgelastet, nörgelig und hausherrisch ungnädig gegenüber ungebetene Zaungäste. Ihre Unausgeglichenheit lässt sie wie alle Kinder an ihrer Mutter aus, die, wie die meisten Mütter, augenrollend und stoisch die Launen ihres Kindes erduldet. Gestern durfte Hedda deswegen schon mal ihre erste Unterordnung am Strand laufen, was sie umgehend wieder in ein etwas stabileres Gleichgewicht brachte. Die rüttelt sich schon wieder ein, solche Urlaubsdepressionen hat doch jeder schon mal erlebt. Richtig glücklich und ausgeglichen ist sie nur beim Strandspaziergang, wenn sie ihre filzigen Seebälle sammeln kann und stolz jedem aufzudrängen sucht. Und davon gibt es Tausende, mehr als genug, um die Sammlerin glücklich zu machen.  

Weiter überzeugt, den schlichten Genüssen eine Chance zu geben, gibt es abends schwarzen Reis (Reis mit Sepia-Tinte) mit Meeresfrüchten, den Heike heute vom LIDL mitbrachte, dazu Salat und ein Gläschen Rosé von Joeri. Braucht es mehr?