Von Bernd auf Freitag, 14. Januar 2022
Kategorie: Spanien

Oliva, Camping Azul

Freitag, 14.1.2022 

Es gibt Tage, da wacht man morgens auf und meint, man träumt. So ein Tag wie heute zum Beispiel, wenn man die Augen noch nicht einmal aufhat und den Regen aufs Franzendach trommeln hört. 9:30 Uhr ist es, 10 °C hat's und es plätschert, was runtergeht. So stand das nicht auf der Agenda, die zwar derzeit ausgesprochen dünn ausfällt, aber für heute einen Besuch auf dem Wochenmarkt in Oliva vorsah. Natürlich per Rad! Der Plan war: Kleines Frühstück auf die Faust, vorzugsweise Croissants und ein kleiner Kaffee, um uns dann auf dem Markt ein wenig landestypisch weiter zu verwöhnen. Wir beschließen abzuwarten und es bei dem kleinen Frühstück zu belassen, in der Hoffnung die Lage bessert sich. 

Und tatsächlich: um 12:30 Uhr ist der Regen durch, es hat 12 °C, dazu ein Wolken-Sonne-Mix, der einer Fahrt nicht entgegensteht. Eher erhebt sich schon die Frage, was vom Wochenmarkt so spät noch über ist oder ob er schon abgeräumt ist. Rund 6,5 km liegen zwischen Azul und Oliva, also keine große Sache. Als wir ankommen ist der Markt tatsächlich schon zu großen Teilen geräumt oder wird demontiert, vor allem Obst und Gemüse gibt es kaum noch. Was noch in Mengen zu haben wäre, sind Klamotten, Schuhe, Taschen, Rimsch und Ramsch, nichts wonach uns der Sinn steht. Vor allem das Kleidungsangebot unterscheidet sich erheblich von französischen Märkten, wo man häufig sehr Geschmackvolles findet. Der Markt in Oliva erinnert doch mehr an eine Altkleidersammlung für Afrika. Ein bisschen Obst nehmen wir mit, viel haben wir sowieso nicht vorgesehen, weil wir nur mit einem Rucksack angeradelt sind, dessen Fassungsvermögen sich in Grenzen hält. Aber wir kommen doch noch zu unserem Markterlebnis, weil Oliva auch eine Markthalle hat, nein, keine wie Valéncia, aber eine dem Ort angemessene, in der es alles gibt: Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst, Fisch schon nicht mehr, Käse, Eier und Süßes. Und diese Markthalle ist gleich dort, wo auch der Wochenmarkt ist und hat außerdem bis 14:30 Uhr geöffnet. Wir kaufen etwas spanische Wurst und Schinken, auch ein Iberico ist dabei, und dann ergänzen wir an einer Bar unser angefangenes Croissant-Frühstück durch zwei Baguettes, einmal mit Lachs und einmal mit einem herzhaften Iberico (mit feinstem Olivenöl beträufelt!), begleitet von zwei Bierchen und einem Kaffee zum Schluss. Jetzt ist der Tag eindeutig rosiger als der Himmel, dem man aber auch nichts mehr vorwerfen kann. Als wir die Markthalle wieder verlassen, ist der Wochenmarkt weg, wie vom Erdboden verschluckt und alles ist picobello sauber.  

Noch sind wir nicht ganz am Ende unseres Bedarfs angekommen, deswegen gehen wir noch zu Mercadona, etwa für ein wenig Marmelade oder etwas Hundefutter, was in der Markthalle fehlte. Mercadona ist eine spanische Handelskette, die vor allem Regionales im Angebot hat, Biologisches und, wo immer möglich, bei den Erzeugern der Umgebung einkauft. So etwas unterstützen wir, wenn immer es geht, finden etwas für die Hunde und auch für uns, ziehen dann noch ein paar Meter weiter zur Bäckerei Sanchis, wo wir schließlich noch süße Stückchen für den Nachmittagskaffee einkaufen. Und dann geht es wieder nach Hause, wo wir um 15 Uhr ankommen.  

Jetzt ist Zeit für den Nachmittagskaffee – und höchste Zeit für eine geradezu schicksalhafte Entscheidung: Wann verlassen wir Camping Azul? Weil wir noch eindeutig mehr Vorräte brauchen, als das, was wir mit Rucksack oder in Radtaschen auf den Rädern transportieren können, müssen wir demnächst einen Supermarkt mit dem Franz ansteuern. Das Schwarze Loch, um das diese Entscheidung kreist wie der Kater um die rollige Kätzin, heißt Sonntag, weil da die Geschäfte, auch Supermärkte in Spanien, anders als in Frankreich, geschlossen haben. Deswegen muss die Frage beantwortet werden: morgen oder montags? Infolge der schon erwähnten schweröligen Denkvorgänge zieht sich eine solche Selbstvergewisserung hin, findet schließlich aber doch ein Ende im Entschluss: Montag! Bis morgen schaffen wir es kaum, unseren eigenen Entschluss geistig zu manifestieren und die Konsequenzen einzuordnen, noch würden wir bis dahin wissen, was unser nächstes Ziel sein könnte. Und nicht zuletzt müsste die Frage beantwortet werden, wie wir bis morgen den Franz fahrbereit bekämen. Die Entscheidung für den Montag als Abreisetag lässt keine Zweifel darüber, dass unsere Schlagzahl immer langsamer wird. Wenn wir so weitermachen, sind wir im Juni noch nicht einmal in Gibraltar.  

Nach dem Mittagssnack in der Markthalle und den süßen Stückchen am späten Nachmittag gönnen wir uns abends nur einen Bodega-Barrique und ein paar Knoblauch-Brotchips dazu. Völlig im Reinen mit unserer Entscheidung scheint auch der Himmel zu sein: makellos klar ist er um 21 Uhr. Und auch die 9 °C sind ein Versprechen.