Sonntag, 16.1.2022
Hinter uns liegt eine sehr frische Nacht, morgens um 8:30 Uhr meldet das Bordthermometer 5 °C. Keine Wolke hat sich an den Himmel verirrt.
Wir frühstücken eine weiteres Mal draußen und haben nichts zu vermelden, außer der großen Wäsche, die vor unserer Abreise noch erledigt werden sollte. Ansonsten dösen wir den ganzen Tag in kurzen Hosen und T-Shirts vor dem Franz, obwohl es trotzdem nicht wirklich wohlig und kuschelig ist. Die Brise, die hier immer fächelt, setzt der Januarsonne noch mächtig zu. Dee Chronist schreibt an der Doku weiter, um die heimischen Nörgler und Drängler zu befriedigen und die Reiseleiterin befriedigt die Mädels am Strand. Abends machen wir uns Tagliatelle mit Lachs-Sahne-Soße. So unspektakulär können Tage sein.
Aber ein solcher Tag bietet dem Chronisten die Gelegenheit, nochmal auf die Mut-Diskussion zurückzukommen und die Angst vieler Menschen, ohne Sprachkenntnisse unterzugehen. Man könnte das einfach wegwischen und sagen: Tausende sind andauernd unterwegs und sprechen kein Spanisch, kein Französisch, viele noch nicht einmal Englisch. Aber das wäre zu billig. Es hilft ja auch nichts, einem Menschen mit Spinnenphobie zu erklären, dass das Tierchen nichts von ihm will, außer in Ruhe gelassen zu werden. Und wenn der Chronist das Poster sieht, auf dem die Bauarbeiter des Empire State Buildings auf den Stahlträgern sitzen und Brotzeit machen, wird ihm sogar auf nüchternen Magen speiübel. Hilft nichts: Angst ist Angst, selbst wenn sie nur von einem Poster ausgelöst wird.
Also gehen wir die Sache praktisch an und erinnern daran, dass heutzutage fast jeder Mensch ein Smartphone hat. Und nun stellen wir uns vor, so ein Mensch möchte im Supermercado von Camping Azul morgens Croissants fürs Frühstück kaufen, spricht aber kein Wort spanisch. In diesem Fall könnte er beispielsweise sein Smartphone hervorholen, eine Übersetzungs-App aufmachen (davon gibts genug) und in die deutsche Spalte eingeben: ‚Haben Sie Croissants?' Und schon spuckt das Display ‚¿Tienes croissants?' aus. Sollte der Reisende sich nicht getrauen, das auszusprechen, könnte er der Bäckereifachverkäuferin das Handy vor die Nase halten und die wird vermutlich umgehend mit der Frage antworten ‚una, dos, tres, cuatro, cinco?'. Dem verständnislosen Blick des Reisenden folgend würde sie die Frage vermutlich wiederholen und dabei einen, zwei, drei, vier oder fünf Finger einer Hand abspreizen. Und schon weiß der Reisende Bescheid, spreizt zwei Finger seiner Hand ab und geht Sekunden später mit zwei Croissants zu seinem Wohnmobil. Für solche und ähnliche Probleme wurde die Digitalisierung erfunden! Damit sie dem Menschen bei der Bewältigung seiner täglichen Probleme helfe.
Wie die Bewältigung von Sprachmängeln eine Leistungsstufe höher funktioniert, hat gerade gestern die Reiseleiterin bei unserem Besuch im Club Nautico Oliva demonstriert. Die Ausgangslage: Die Reiseleiterin ist Schwäbin und kann nach Selbsteinschätzung der Schwaben alles außer Deutsch. Mit ihrem Englisch kommt sie um die Welt, mit ihrem Französisch in jedem Restaurant zurecht. Beim Spanisch hapert es. Jetzt sollte es ans Zahlen gehen. Die Rechnungsanforderung haben die meisten Spanienurlauber spätestens am zweiten Tag im Repertoire: ‚La cuenta, por favor.' Doch damit nicht genug. Weil die technikaffine Reiseleiterin den Kellner fragen möchte, ob sie statt mit der Kreditarte auch mit dem Smartphone zahlen könne, wählt sie die kosmopolitisch bilinguale Variante ‚Is it possible avec ...?' Die Pünktchen symbolisieren ihren rechten Zeigefinger, der auf ihr Smartphone deutet. Sofort antwortet der Kellner mit ‚sí, sí', rauscht ab, kommt mit der Rechnung und dem Lesegerät zurück. Fertig. In beiden Beispielen, aber speziell im zweiten wird die Digitalisierung durch Einsatz des Zeigefingers manifestiert, weil der Zeigefinger im Lateinischen digitus heißt, und davon auch die Digitalisierung ihren Namen ableitet.
Also, wo ist das Problem? Is itpossible avec Zeigefinger führt direkt zum Ziel.
Und unser Ziel? Morgen reisen wir ab. Und Franz wird uns zu Franze führen. Lasst euch überraschen.