Von Bernd auf Dienstag, 18. Januar 2022
Kategorie: Spanien

Finca Caravana

Dienstag, 18.1.2022

Franze hat ein wenig geflunkert, als er uns sieben oder gar zehn Minusgrade prophezeite, aber der Franz meldet morgens um 8 Uhr 0 °C. Bei diesen Bedingungen sind das ein paar Meter entfernt bestimmt -4 °C. Immerhin hängt an Franzens Heck, dort wo das Kondenswasser vom Kühlschrank und der Heizung abläuft, ein Eiszapfen. Aber dann steigt die Sonne über die Berge, orangerot erst die ganze Skyline, dann schiebt sie sich hoch und wirft Flammen übers Land. Genau so, nur auf der anderen Seite und in anderer Reihenfolge war sie gestern untergegangen. Wie kann man bloß auf die Idee kommen, dass Sonnenuntergänge nur am Meer Sprengstoff für die Herzen seien?

Das Frühstück nehmen wir heute lieber inhouse zu uns, setzen dann den Franz einige Meter weiter auf den gestern von Franze avisierten Premiumplatz und stehen nun, wie einst Polykrates, zwar nicht auf irgendwelchen Daches Zinnen, blicken aber dennoch mit vergnügten Sinnen auf nichts als Gegend, Gegend, Gegend hin.  

Die Reiseleiterin greift sich die Mädels gegen 11:30 Uhr auf einen langen Spaziergang, den der Chauffeur wegen seines Gasknies lieber ausschlägt und sich stattdessen wieder in den Chronisten verwandelt.  

Die Finca Caravana ist ein sehr spezieller Platz. Ursprünglich von Afrika-Freaks gegründet, die hier Schwung zum Übersetzen holen wollten, ist er auch heute noch ein Sammelpunkt für Afrikafahrer. Weil derzeit, aus unterschiedlichen Gründen, keine Fähren fahren und Afrika nicht erreichbar ist, ist man auf diesem riesigen Areal fast allein. Franze ist ein Unikum und Unikat und kümmert sich aufopfernd um sein Aussteiger und Weltenbummler-Reservat, pflanzt unentwegt Bäume in dieser Wüste, für die er Paten sucht, sammelt und pflegt Katzen und umsorgt seine Hunde. Wenn er kein Oberpfälzer wäre, müsste er ein Kind dieser Einöde sein. Das Leben ist hart hier. Heute Morgen, darüber haben wir berichtet, hatten wir etwa -4 °C, im Juli und August sind hier 60 °C und mehr nicht ungewöhnlich. Monatelang fällt kein Tropfen Regen, wenn überhaupt am ehesten im Februar. Das Überleben sichert ihm seine Quelle, die Fuente del Pinar, die nicht nur ihn am Leben hält, sondern auch sein Zoo und all seine gepflanzten Bäume.  

Im August 2021 kam es zur Katastrophe, die der Finca fast das Ende bereitete. In wenigen Worten: Das Areal hatte ursprünglich ein Björn gepachtet, Afrika-Freak und Weltenbummler. Der suchte einen Partner, der die Finca leiten würde, wenn er wieder einmal Afrika bereisen wollte, und andersrum natürlich auch. So kam Franze ins Spiel. Sie wurden Partner. Das Ungemach stellte sich in Person einer Schweizerin ein, die das Areal kaufen wollte und alles versuchte, die beiden hinauszudrängen. Es kam zum Kaufvertrag, aber beim Notarvertrag hatte die Dame die Kohle nicht beisammen. Stattdessen kauften jetzt Björn und Franze das Areal, was die Schweizerin zur Verschwörungstheoretikerin werden ließ und den beiden unterstellte, sie hätten sie mit Machenschaften und Intrigen aus dem Vertrag gedrängt. Und sie drohte den beiden, ihre Finca abzufackeln. Eines Tages im August 2021 war es dann soweit: Die Finca brannte lichterloh, nichts blieb erhalten, auch Franzes beide Hunde verbrannten in den Flammen. Alles war verloren. Nachweisen konnte man der mutmaßlichen Brandstifterin nichts, aber sie wurde zu jener Zeit in der Gegend mehrmals gesehen. Juristisch ist da wenig zu machen. Und sie drohte weiter, alles abzufackeln, wenn Björn und Franze weitermachen würden. Björn hatte daraufhin die Nase voll, wollte unter das alles einen Schlussstrich ziehen und den Laden verkaufen. Franze kaufte ihn und ist nun alleiniger Herr der Finca. Die Schweizerin, so hat man ihm zugetragen, lebe nicht mehr, sie habe sich das Leben genommen. So geht die kurze Geschichte der Finca Caravana. Wer mehr über sie und Franze erfahren will, muss sich auf der Website www.finca-caravana.de umsehen.  

Um 16:30 Uhr, wenn die Spanier gerade ihre Mittagsmahlzeit beendet haben, liefert Franze uns eine unglaubliche Paella direkt vor die Haustür. Wir haben von seiner legendären Paella gehört und sie gestern bestellt, und jetzt ist sie da, so frühzeitig, weil Franze meint, dann könnten wir sie noch im Freien zu uns nehmen, bevor die Sonne untergeht und es wieder richtig kalt wird. Leute, Leute! So einen Berg Paella haben wir noch nie bekommen, drei Riesenportionen für beide, und über den Genuss wollen wir gar nicht erst reden, weil er schlicht unbeschreiblich ist. Eine Flasche Roten von Joeri vernichten wir nebenher und machen anschließend noch einen keinen, sehr satten und beschwingten Spaziergang mit den Mädels.  

Zum Ende dieses wunderbaren, aber völlig ereignislosen Tages übernehmen wir noch die Patenschaft für ein Zwetschgenbäumchen, das wir einer Freundin schenken, die heute Geburtstag hat und das unter Franzes Fürsorge hier sehr gut gedeihen wird. Dann ist für heute alles getan. Jetzt warten wir auf morgen, um zu erfahren, was die Paella kostet.