Von Bernd auf Samstag, 05. Februar 2022
Kategorie: Spanien

Dos Hermanas

Samstag, 5.2.2022

Es regnet fast die gesamte Nacht, doch gegen Morgen beruhigt sich die Lage, das heißt, es bleibt dabei, dass es wieder nicht genug Wasser gibt. Aber der Himmel hüllt sich noch in trübes Grau. Allerdings hat es bereits um 8:30 Uhr 11 °C, immerhin.  

Hornachuelos hat seine Aufgabe erfüllt, uns eine entspannte Nacht zwischen zwei Großstädten zu liefern und spendete uns sogar noch eine weitere Nacht als Zugabe. Wir können diesen Stellplatz als Sprungbrett in Richtung Córdoba oder Sevilla nur wärmstens empfehlen, selbstverständlich auch für alle, die den Naturpark erwandern oder mit dem Rad erkunden wollen.  

Nachdem alles Notwendige erledigt ist, reisen wir um 11:45 Uhr ab, jetzt bei schon 17 °C und einem unverschämt blauen Himmel. Darauf kann man sich in Andalusien meist verlassen.  

Auf direktem Weg schiebt der Franz seine Nase in Richtung Sevilla, wie schon auf dem Weg nach Córdoba durch weite, fruchtbare Ebenen, in denen jetzt auch wieder Gewächshäuser zu sehen sind, allerdings in die Landschaft integriert, zwischen die Hügel gesetzt und weder fürs Auge noch für die Natur eine Zumutung. Wir fahren nicht nach Sevilla hinein, sondern schwenken bei Tarazona südlich auf die SE-40 und steuern Dos Hermanas, eine Vorortsiedlung südlich von Sevilla, an.  

Um 13:45 Uhr kommen wir dort am Campingplatz Villsom an [N 37° 16' 42,6'' W 005° 56' 14,6'']. Es hat 17 °C ohne Wolken, ist aber etwas diesig. Für alle, die nicht in die Stadt fahren wollen, bietet sich der Platz als Sprungbrett nach Sevilla an; der Bus hält wenige Schritte vom Camping entfernt und fährt eine knappe halbe Stunde ins Herz der Stadt.

Die erste wichtige Aktivität ist eine Kaffeepause und anschließend Löcher in die Luft zu gucken. Um 17:45 Uhr kommen dann die Mädels zu ihrem Recht auf einen Spaziergang – und dann sind wir schlagartig nicht mehr davon überzeugt, dass Camping Villsom ein so exzellentes Sprungbrett nach Sevilla ist, jedenfalls nicht für Hundebesitzer.  

Wenn man den Campingplatz verlässt, lockt von schräg gegenüber die Andeutung einer Wiese, die man begehen und bespielen könnte. Doch der Weg zu ihr, gleich gegenüber dem Eingang, ist der Weg durch eine Müllkippe. So etwas hat die Welt nicht gesehen: Alles, was Menschen nicht mehr brauchen können, liegt hier, teilweise kniehoch, in der Landschaft, von Pampers bis zum Heißwasserboiler, von der zerfallenen Werkzeugkiste bis zu Kloschüsseln, einfach alles! Kaum dass wir in dieses Inferno eintauchen, hebt Hedda das rechte Vorderbein, weil sie sich einen Nagel eingetreten hat, zum Glück nur zwischen die Ballen und die Haare, sodass nichts passiert ist. Von da an gehört Leinenführigkeit zum Überlebensprinzip. Wir sind schockiert. Dass die Spanier mit der Vermüllung ihres Lebensraums lockerer umgehen als wir, lässt sich nach sechs Wochen im Land schwer ignorieren, aber das hier...  

Wir finden einen Weg aus diesem Dreck und gehen in die anschließende Siedlung, die kaum charmanter ist als die Müllkippe: holprige Sandstraßen (vemüllt), vernachlässigte Haus- und Hofeinfahrten (vermüllt), alles bedeckt mit Hundekot. Langsam bessert sich der Zustand der Häuser und sogar der Straßen, aber letztlich haben wir auch dann noch das Gefühl, in einem Slum von Sevilla spazieren zu gehen. Den Blick vom Boden zu heben, empfiehlt sich nicht nur wegen des Hundekots nicht, sondern weil auf Kopfhöhe auch nicht viel Ansprechenderes zu sehen wäre. Dann doch lieber Augen runter und durch. Als wir um 19 Uhr wieder zurück sind, waren unsere Hunde, abgesehen von den ersten drei Minuten, keine Minute von der Leine, und dementsprechend enttäuscht schmeißen sie sich vors Womo und hoffen auf bessere Zeiten. Aber woher nehmen?  

Wir machen uns Reis mit Scampi in Sepia-Tinte, weil wir finden, Fröhlicheres wäre eine unpassende Beschönigung unserer Lage. Wir nennen ihn ‚Schwarzer Reis im Trauerkleid'.