Die zweite Woche von Frau Fischers Fritzen - 2. Teil

Donnerstag, 24.11.2011

Ja, san’s jetzt narrisch, die Österreicher? Kaum klappt der Kreisler den Flügel zu, setzt sich auch der Ludwig Hirsch auf die Flügel seines großen schwarzen Vogels und fliegt ihm hinterher. Ist felix Austria jetzt wirklich von allen guten Geistern verlassen? Ist Österreich und der Rest der Welt wirklich so satireschwarz geworden, dass seine Stilbildner zu Überzeugung gekommen sind, nicht mehr gebraucht zu werden? Der große amerikanische Singer-Songwriter, der einer der bedeutendsten Lehrmeister des frühen Kreisler war, sagte Anfang der 1970er-Jahre auf die Frage, warum er sich von der Bühne zurück zöge und wieder seinen bürgerlichen Beruf als Mathematikdozent aufnähme, dass die Narren auf der Bühne nicht mehr gebraucht würden, wenn die Narren regierten. Ist es in Österreich jetzt auch soweit (in Deutschland gibt es ja schon lange keine Kreislers und Hirschen mehr, nur noch Comedians)? Aber Tom Lehrer hat sich doch nur von der Bühne davon gemacht, nicht gleich aus dem Leben! Doch was will man schon geltend machen, wenn der große schwarze Vogel , den man immer herbei gerufen hat, endlich kommt? Und a bisserl näher am Tod als am Leben war der schwarze Poet immer schon und vorhergesagt hat er auch, dass er Schluss macht, wenn es ihm zu viel wird: Und wenn ich einmal genug hab' / und mir die Zähnd mit einer Black und Decker putz' / und mir Piranhas in's Fußbad einehau, / merkt's Euch, liebe Leut', ich kann gehen, wann und wie ich will, / das geht Euch überhaupt nix an.
Schad, dass einem DJ Ötzi die Poesie für einen großen, ach was, für überhaupt irgendeinen Abschied fehlt – dann müssen‘ s halt bleiben, die Poesielosen, und verstopfen die Zugänge zum scharfen Feinsinn, zur Bos- und Großheit. Und der Hinterseer Hansi hat aufgrund dieser Diagnose sowieso das ewige Leben. Dann sag ich nur: Gut‘ Nacht, felix Austria – aber es ist keiner mehr da, der diese besingen könnte.

Felix eint um Ludwig Hirsch
Es ist zum Heulen!
Komm, kleiner blonder Flegel, komm Felix ohne Austria, vertreib uns die dunkelgrauen Stimmen. Hol uns mitten ins Leben z’ruck. So ein Sonnenschein wie unser Felix hat dem Ludwig vielleicht gefehlt, weshalb Züchter länger leben als Dichter.

Wir rufen den heutigen Tag als Tag der Frenzy aus, die nach ihrem Schwächeanfall vor drei Tagen offenbar richtig Fuß gefasst hat und das, was sie vorne hinein befördert auch auf den Rippen ablagert: 50 Gramm hat sie zugenommen und wiegt jetzt für diese Gewichtsklasse charmante 790 Gramm, immerhin 40 Gramm mehr als Franca und Fine, die sich schön langsam als die Zuckerpüppchen der Fieslinge erweisen. Jetzt sieht man schon eine Tendenz, wohin die Reise geht, allerdings nur sehr vage und auch nur für die ersten Wochen. Oft genug haben sich die Feingliedrigen Kistenschnuckelchen später zu Schlachtschiffen entwickelt und die Fähnleinführer der Speckrollenbrigade sind plötzlich hängen geblieben und ein eher mittelkräftiger Hund geworden. Aber für diese ersten acht Wochen kann man sagen, dass Franca und Fine am Ende nicht die Bannerträger sein werden und der dicke Franz wird sich auch nicht zum Spargeltarzan herunter hungern. Aber es wird noch interessante Verschiebungen geben und zuhause werden die Zukünftigen mitfiebern, wenn ihr Liebling aus der Tiefe des Raumes 10-Gramm-weise das Feld von hinten aufrollt und die anderen werden um ihren Conan, den Zerstörer, zittern, wenn der plötzlich ins Niemandsland der Mittelklasse durchgereicht wird. Isser krank? Wird er vernachlässigt? Und, ich schwöre, alle werden sie mit Tüten voller nahrhafter Zugaben hier erscheinen, offiziell als Gratifikation für die leidende Mutter und die tapfere Tante ausgewiesen, aber unmissverständlich als Wink mit dem Zaunpfahl auf die Unterernährung ihres Lieblings verweisend. Und ich schwöre euch, es wird alles in der tapferen Mutter und der klagenden Tante versenkt werden, jeder Krümel wird seiner offiziellen Bestimmung übergeben.

Also, schauen wir uns noch mal die Hitparade von oben her an. Franz hat 40 Gramm zugelegt, damit ist er mit 1060 Gramm immer noch konkurrenzlos und kann sich diese gelassene Gangart leisten. Am nächsten auf den Fersen ist ihm Fianna mit 990 Gramm – und 110 Gramm plus! Aus einer Verpaarung zwischen ihr und Franz könnte

Fado ist Weltkulturerbe
Wie schnell so etwas gehen kann ..
Cindy aus Marzahn stammen. Auf Platz drei rangiert Fado mit plusminus Null, aber immer noch 970 Gramm. Ja, der Fado hat die ererbte Schwere des Iberers, der am Punto Final mit den Füßen im Tejo sitzt, mal einen Stückchen Käse pickt, mal ein Scheibchen Speck verdrückt, mal ein Schlückchen Roten sippt, im rosa Licht der ertrinkenden Sonne auf Lissabon blickt – und trotzdem einen Körper wie ein Betonmischer hat. Lebensart eben, Überlebensart.
Das ist die Premier League, danach klafft eine Lücke bis zu den 910 Gramm von Flori (+60), Felix (±0) und Ferdi (+30). Knapp dahinter haben es sich mit 900 Gramm Fanni (+60) und der Junior (+20), auch noch in der Mittelklasse, bequem gemacht. Und dann folgen die eingangs erwähnten Baisser-Törtchen in ihrer eigenen Klasse. Dass so ein nichts wie Frau Fischer den Taktstock bei den Fieslingen schwingen soll, ist schwer begreiflich; aber Jeanne d’Arc soll ja auch nur ein Floh gewesen sein.

Wir werden jedenfalls sehen, wie sich die Gewicht entwickeln, denn heute säugt Franzi erstmals im Sitzen, weil ihr die Bande so nachstellt, wenn sie in die Box geht, das sie sich nicht mehr getraut sich hinzulegen (den Anouk'schen Trick wird sie nicht mehr lernen). Also sitzt sie und die Fritzen hängen ihr wie kleine Proviantbeutel an den Zitzen. Ob das Auswirkungen auf den Speckaufbau hat, werden wir sehen.

 

Freitag, 25.11.2011

Interessiert es jemanden, dass heute Internationaler Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen ist? Was höre ich da: Hauptsache, es hat sich nicht schon wieder ein Österreicher davon gemacht? Der Haderer etwa, welch ein Gedanke! Aber so nonchalant kann man diesen Aktionstag nicht beiseiteschieben, denn diese zu beseitigende Gewalt umfasst neben Vergewaltigung, Zwangsheirat, Beschneidung, etc. auch so Blues-relevante Tatbestände wie Sextourismus und häusliche Gewalt. Es stellt sich nämlich die Frage: fällt die Fahrt der läufigen Hündin zum Rüden unter den Tatbestand des Sextourismus‘? Und wie steht es mit der häuslichen Gewalt? Erfüllen an der Brust hängende und mit den Krallen schlitzende Welpen bei einer säugenden Hündin den Tatbestand der häuslichen Gewalt? Müssen wir uns auf eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof gefasst machen? Ja, da lacht ihr! Heutzutage wird man schon vom Nachbarn bei der Gemeinde angezeigt, wenn der Hund in seinen eigenen Garten sch… Ja, sicher! Wer‘s nicht glaubt, soll weiter schlafen. Wir gehen jetzt einmal davon aus, dass keiner unserer Besucher zu jenem um sich greifenden Gesellschaftsschimmel gehört, der alles Leben unter sich erstickt.

Damit wären wir bei unseren Besuchern angekommen, die ab heute in noch unbekannter Zahl sechs Wochen lang bei uns ankommen werden: der Blues ist geöffnet! Interessenten, Freunde, Familie, Nachbarn und zuchtbedingte Altlasten haben ab sofort Zutritt und sind gern gesehen. Und die ersten sieben Stunden mit Ahs und Ohs und O-wie-süß liegen hinter uns und unseren Mädels. Wir leben alle noch, die Welpen auch, es ist alles in bester Ordnung. Nur ein Problem liegt auf unseren Seelen wie 17 Semmelknödel im Magen: wir wissen nicht, ob Franz entdeckt den Quietschiewir Franz längs oder quer teilen sollen. Nachdem Felix schon vor seiner Geburt ausverkauft war, stürzen sich alle auf den Charming Boy Franz, den dicken Bayernfranz, der für seinen Erfolg eigentlich nicht viel mehr macht als wachsen und fett werden. Das muss man sich erst mal trauen! Da werden wir wohl in den kommenden drei Wochen ein paar Casting-Runden einstreuen müssen, bis wir verkünden können: And the winner is… Ach übrigens: Anzahlungen auf unser Schweizer Nummernkonto erhöhen die Chancen nicht!

Wenn wir schon gerade bei Franz sind, drängt sich ein Blick aufs Speckrollen-Ranking förmlich auf.
Premier League: Franz 1150 (+90), Fado 1020 (+50).
Frenzy vom Bairischen BluesWell-Done-Klasse: Fianna hat sich vorerst aus der Elite heraus gehungert: 990 (0), Ferdi 970 (+60), Felix 960 (+50), dann die 950er: Flori (+40), Fetzer Jr. (+50) und Fanni (+50).
Baisser-Klasse: Frenzy 840 (+50), Franca 790 (+40) und Finchen 780 (+30).

 

Samstag, 26.11.2011

Flori vom Bairischen Blues
Der verdoppelte Flori
Es hat gar nicht so lange gedauert, bis wir heute ausrufen können: And the winner is … - und jetzt gefriert allen Franzensanbetern das Herz: Wer bekommt den Zuschlag? Werden sie es sein? Welcher Schleimer hat sich nach vorne geglibbert? Entspannt euch, liebe Leute. And the winner is – Flori! Er ist der erste, der sein Geburtsgewicht von 490 Gramm heute mit pfeilgeraden 1000 Gramm verdoppelt hat, nach genau 14 Tagen. Einen klassenübergreifenden Sprung, einen Quantensprung hat er dennoch nicht hingekriegt; er bleibt in der Well-Done-Liga der Mittelprächtigen.
Premier League ist und bleibt einzig und sehr allein Franz mit 1170 Gramm. Danach ist Mittelklasse angesagt: Fado (1040) führt diese Liga an, gefolgt von Fetzer jr. ( 1030), der sich mit einer Auflastung von 60 Gramm in den Kreis der Topverfolger gerempelt hat. Ihm folgt Ferdi (1020) und Fianna (1010), die gelegentlich wie eine schwarze Bienenkönigin zwischen all den Wohlproportionierten thront. Nach ihnen der verdoppelte Flori und Felix mit 1 Kilo. Mit 990 Gramm gehört natürlich auch Fanni noch in diese Klasse.
Für Frenzy, dem Ex-Sparmodel sehen wir uns gezwungen, wenn auch nur vorübergehend, bis sich die Lage stabilisiert, eine eigene Klasse zu kreieren, die wir mit dem Arbeitstitel Hoffnungsträger-Klasse bezeichnen: mit 930 Gramm (+90) ist sie von den Kilo-Wuchteln doch noch zu weit weg, um sie dort einzugliedern, aber der Baisser-Klasse (oder gefällt euch Salzburger Nockerln besser?) mit 840 Gramm für Fine und 810 für Franca ist sie mindestens genauso weit entwischt wie denen da oben. Es wird spannend werden zu verfolgen, ob ihr Weg nach oben führt oder ob sie wieder in die Arme ihrer Schwestern zurückkehrt.

Jetzt aber, und das ist die eigentliche Botschaft des Tages, geht es sichtbar Schlag auf Schlag. Die Fritzen der schmächtigen Frau Fischer geben jetzt richtig Gas. Bewegung ist in der Kiste, wie noch vor zwei Tagen undenkbar. Sie hören jetzt ganz eindeutig und versuchen die Lautquelle anzusteuern. Sie sehen immer besser, manchmal kann man richtig zuschauen, wie sie ihre Optik einstellen, wie sie versuchen, die verschwommen Konturen aus dem Nebel heraus zu fokussieren und sie anzusteuern. Wenn wir uns der Schnullerkiste nähern, kommen die meisten angewackelt, natürlich nicht ohne das dazugehörige Indianergeheul. Auch die Besucher, die uns wieder durch den Nachmittag begleiten, bekommen die Aufmerksamkeit, die sie sich wünschen.
Die Kleinen nehmen jetzt sehr viel wahr und fordern Aufmerksamkeit ein. Abends, nachdem der Chefchronist seine zwei Damen noch einmal kurz draußen gelüftet hat und sich sein Schlummerbier aus der Küche holt, geht mit einem Mal der Rabbatz los; sie hören den Ankömmling und sind sofort hellwach und hollaraidulljoh, wo ist der Chef, her mit ihm, wir wollen noch ein bisschen Unterhaltung. Franzi verdreht die Augen und wünscht sich, dass der Alte jetzt endlich eine Biege macht, damit Ruhe einkehrt.

Beeindruckend ist nicht nur die rasant entwickelte Sinnesleistung, sondern auch die Motorik gibt immer wieder zum Staunen Anlass. Gerade noch liegen sie wie Plattwürmer und Mordio kreischend auf dem Boden, schon kommen sie erhobenen Hauptes daher gewackelt und halten sich tapfer auf den mit fünf Freiheitsgraden versehenen Beinchen. Was für eine Leistung!

Franzi mit welpen am 26.11.2011
Franzi mit kleiner Besetzung im Kuddebett
Über Franzi können wir nur das Beste sagen: sie ist eine prima Mama, sie gibt ihren Kindern, was diese brauchen und nimmt sich für sich, was sie braucht – Futter ohne Ende und ausreichend frische Luft und Bewegung im herbstlichen Reizklima.

Eigentlich sagen wir immer, wir müssen die Welpen nach acht Wochen abgeben, weil jetzt jeder von ihnen groß und wichtig sein will. Aber, Hand aufs Herz, wenn wir ehrlich sind, wollen die Welpentouristen noch viel wichtiger sein. Was wäre das für eine Pleite, wenn sich die maulenden Maulwürfe in der Kiste einen Dreck um die tränenden Herzens der vor ihrer Kiste Kauernden scheren würden und, sagen wir mal, eine Runde Schafkopf spielen würden. Wer einem anderen sein Herz öffnet, erwartet schließlich, dass dieser das wenigstens zur Kenntnis nimmt. Aber, wie es scheint, ist die Sozialkompetenz unserer Premiumwelpen auch schon so ausgeprägt, dass sie keinen der Herbeigeeilten im Regen stehen lassen und sich rührend um sie kümmern. Und dann werden aus den Fieslingen flugs herzige Süßlinge und es wird, wie es sich gehört, ordentlich Süßholz geraspelt. Und aus Süßholz wird Lakritz gewonnen, die umgangssprachlich auch als Bärendreck bekannt ist. Und so ist es kein Wunder, dass von so viel Geraspel unsere Bären so viel von eben diesem Dreck absondern, dass der folgerichtig erbärmlich zum Himmel stinkt. Der Herr mag keinen Bärendreck, weder zwischen den Zähnen, noch in der Nase, deshalb wünschte er, er könnte noch auf jenen als Bärendreck bezeichneten und mit der DDR untergegangenen Dichtstoff zurückgreifen, mit dem er diesen Bären hier den Allerwertesten verstopfen könnte.

Unsere Fritzen haben heute die ersten 14 Tage ihres Lebens erfolgreich hinter sich gebracht und sind putzmunter und, wie es scheint, ebenso gesund. Rein entwicklungstheoretisch haben sie so damit auch die erste Phase ihres Lebens, die als Saugwelpe, abgeschlossen, in der ihre wesentlichen Lebensäußerungen und Aktivitäten, wie der Name schon sagt, trinken ist (wenn diese Phase nach den Verbrennungsrückständen dieser Hauptaktivität benannt wäre, müssten die Fritzen als Sauwelpen bezeichnet werden, obwohl: es kommt noch viel schlimmer, Hand drauf!). die dritte Lebenswoche wird schematisch als Übergangsphase eingeordnet, in der noch viel vom selbstbezogenen Saug- und Schlafverhalten gezeigt wird, aber noch wenig Lern- und Sozialverhalten. Diese Fähigkeiten sind eng mit den Sinnesleistungen verknüpft, die jetzt noch in einem sehr primitiven Stadium sind. Aber, wie wir schon gesehen haben, geht die Entwicklung unseres Elferrats rasant vonstatten, weshalb diese Phase auch nur etwa eine Woche andauert, bis dann richtiges und echtes Leben in die Bude kommt.

Stade Zeit in der WelpenkisteUnd morgen ist der 1. Advent, welcher der erste Sonntag im Kirchenjahr ist und der Anfang vom Ende des Kalenderjahres. Jetzt geht es dahin das Jahr, schneller als man die Kerzen anzünden und ausblasen kann, stade Zeit, sagt man hier in Bayern, von der halt nicht mehr viel übrig ist. Es ist nur viel verklärt und nichts mehr klar. Halten wir einen Augenblick mit Georg Trakl und einem Gedicht „Verklärter Herbst“ inne, nur einen Augenblick, nur auf die Länge eines Kerzenflackerns… Es ist der Liebe milde Zeit. / Im Kahn den blauen Fluß hinunter / wie schön sich Bild an Bildchen reiht - / das geht in Ruh und Schweigen unter.