3. Woche (27.11. – 03.12.)
Sonntag, 27.11.2011, 1. Advent
Was für ein Tag! Blitzblau, glasklar, mittags um die 10 Grad, ja, ein richtiger Frühlingstag, von 1. Advent keine Spur. Den Glühweinverkäufern wird ziemlich warm werden, wenn sie heute ihre Umsätze zählen, das können sie vermutlich ihren Vorschulkindern überlassen.
Advent bedeutet ja bekanntlich Ankunft und demzufolge kommen auch bei uns ein paar Besucher vorbei. Wir stecken auch ein Lichtlein an, für sie und uns, und fragen uns, wie sich ein Advent mit Weihnachten und Silvester, das ganze Holder-Knabe-mit-lockigem-Haar-Prosit-Neujahr-Paket also, mit Welpen anfühlen wird. das ist absolutes Neuland für uns, selbst Franzi kann uns da nicht weiterhelfen, obwohl sie an Silvester gezeugt wurde, aber das gilt in dem Zusammenhang wohl nicht. Erste Einschnitte in die Festtagsrituale müssen schon zur Kenntnis, mit Bedauern kundgetan und verdaut werden: Das Fünf-Gänge-Menü mit Freunden, das traditionelle „Apfändsschlingen“, ist in diesem Jahr vom Programm genommen, sonst kommt noch aus Versehen ein Fiesling in die Röhre: gefüllte Fieslingsbrüstchen in Blätterteig beispielsweise; dafür wäre Franz dann wohl erste Wahl. Oder Fieslingspastete im Ingwermantel… Nein, dazu wollen wir es gar nicht erst kommen lassen, deshalb müssen wir in diesem Jahr auf dieses Ereignis verzichten. Weihnachten mit Welpen dürfte etwa so gewöhnungsbedürftig sein wie Weihnachten bei Planter’s Punch und 35° unter Palmen. Wer es erlebt hat, ist ganz verrückt danach; wir haben es mit allen Körperfasern genossen und aufgesaugt. Ob wir die Welpenweihnacht in ebenso sehnsüchtiger Erinnerung bewahren werden, wird sich weisen.
Erst einmal wollen wir aber sehen, wer denn überhaupt für eine kulinarische Verwendung geeignet wäre. Die Drei vom Nockerl-Klub wohl eher nicht. Franca hat sich zwar fast schon grob fahrlässig 80 Gramm angefressen und verharrt nun bei 890 Gramm, aber das ist weder für Pastete noch für eine Füllung genug. Frenzy mit 950 und Fine mit 920 machen das Kraut bestimmt auch nicht fett. Das wäre vielleicht ein Diätmenü! Die Well-Done-Klasse, die bestenfalls für die Vorspeisenkarte à la gebratene Täubchenhälften mit Akazienhonig auf Rohkostsalat taugt, beginnt bei Fanni mit 1020 Gramm (+30 und Geburtsgewicht verdoppelt), der Nächste in der Reihe mit 1030 (+30) ist Felix (der hat zu viel Action, als dass an den was dran wächst), ihm folgen Flori mit 1050 (+50), Ferdi mit 1060 (+40 und verdoppelt), Fianna mit 1070 (+60) und Fetzer jr. mit 1080 (+50). Und auch er ist noch mindestens drei Armlängen von der Premier League weg, dort ist seit heute Franz nicht mehr allein, sondern hat plötzlich einen brandgefährlichen Konkurrenten bekommen: Fado, der mit 110 Gramm Plus allen anderen die Butter vom Brot gefressen hat und damit nicht nur mit 1150 Gramm den zweiten Platz belegt, sondern auch sein nicht gerade zartes Geburtsgewicht von 560 Gramm verdoppelt hat. Kandidat für einen Rollbraten! Nur Franz hat noch schlechtere Karten, wenn es ums Überleben an Weihnachten geht: gestopfter Franz mit Knödel und Rotkraut, warum nicht? - von 1190 Gramm können schon ein paar schwache Esser satt werden.
Bevor die Fritzen frisch in den Topf kommen, müssen sie aber noch einen etwas peinlichen Beitrag für die Wissenschaft leisten, ihr wisst schon, die Sache mit der Verwurmung der Welpen. Bisher mussten wir nur zweimal Franzis Hinterlassenschaften einschicken, beide Male Wurm-negativ, jetzt müssen die Fritzen ihren Arsch selbst hinhalten – ´tschuldigung -, aber es geht eben nicht anders, weil die Verdauungsrückstände noch vielfach von Muttern entsorgt werden und das kleine Stinkwürstlein, das seinen Duft aus der Kiste verströmt, nur selten bei der Produktion ertappt wird und deshalb nicht zugeordnet werden kann. Deswegen müssen die Fritzen und
politisch korrekten Fritzinnen ihren Allerwertesten hinhalten. Auf den Chefinnenschoß gehievt, auf den Rücken gelegt, Mordiogeschrei mit Vergeltungsandrohung , dann ein angefeuchtetes Wattestäbchen in den zarten Fieslingsshintern geschoben - man macht sich keine Vorstellung, wie eisenhart dieser verschlossen werden kann bei gleichzeitiger scheunenweiter Öffnung der am anderen Welpenende angebrachten Öffnung. Nein, nein, das tut nicht weh, es ist nur unangenehm, so unangenehm wie ein Zäpfchen, das in den Hintern soll und einfach nicht den Weg hinein finden will, weil der ganze Körper Alarm schlägt: dieses Ende ist per Definition ein Ausgang und kein Eingang – Schotten dicht! Wer schon mal einem Kind ein Zäpfchen zu applizieren versuchte, kann sich ungefähr vorstellen, was hier abgeht. Unser Vorteil: die Zäpfchen schmelzen unter den Bemühungen dahin, das Wattestäbchen nicht - Nachteil für die Fieslinge. Am Ende müssen alle ein bisschen Darminhalt spenden und haben schon Sekunden später die ganze Aufregung vergessen; wackel, wackel, schnatter und erzähl…In Zukunft wird die Chefetage des Blues in der Pflicht sein, wenn dieses sehr bodenständige Ritual durch ein eher bodenliegendes ersetzt wird und die Kleinen bei ihren Klogängen verfolgt und ihre „Liegenschaften“ aufgesammelt und verplombt werden müssen – errötend folgt er ihren Spuren. Der Chef sieht sich schon wie Sherlock Holmes, hexenbucklig gebeugt, mit Glas vor dem geröteten Auge durch den Garten streichen, dass ihm kein noch so heimlich abgesetztes Würstlein entgehe. Bonus-Gag, wenn dieses Würstlein sekundengeschwind im kniehohen Schnee versinkt und sich an der Eissohle mit sieben anderen abgetauchten Würstlein verbrüdert und dem Herrn mit dem Glas vor dem roten Auge die Zunge zeigen: Ätsch und Bäh. So kann die ganze Wissenschaft zusammenbrechen, wenn ein ermüdeter Mitarbeiter das falsche Objekt dem ebenso falschen Subjekt zuordnet. Bei einer Doktorarbeit auf solcher Datenbasis wäre es dann auch schon wurscht, ob korrekt zitiert wird oder nicht. Sie stinkt so oder so zum Himmel. Noch dienen wir aber der Wissenschaft aufopferungsvoll und auf höchstem Niveau (obwohl der Text dies kaum vermuten lässt).
