Mittwoch, 30.11.2011
Bleiben wir doch gleich bei der Futterverwertung. Franca legt keinen Wert auf weitere Erwähnung und bleibt bei 950 Gramm stehen; auch eine Taktik, den Schlagzeilen zu entgehen. An der Spitze des Feldes setzt sich Franz (1350) mit einem Plus von 30 Gramm gegenüber gestern von Fado wieder etwas ab; das ist anscheinend seine Art der Zermürbungstaktik, Auflaufen lassen und dann wieder abhängen. Erwähnenswert ist, dass jetzt auch das Kuschelfinchen den Sprung über die Kilogrenze geschafft hat (1020). Der Gewinner des Tages ist aber Frenzy, die schön langsam richtig satt in die Gänge kommt; sie legt 70 Gramm zu, bringt somit 1120 Gramm auf die Waage und rangiert damit vor Fanni (1100) und nur knapp hinter Felix (1130), eine sehr beeindruckende Leistung. Die nächsten angreifbaren Ziele wären Ferdi (1140) sowie Fianna und Flori, beide 1150. Da ist was drin, die sind zu knacken; go, Frenzy, go!
Am dritten Tag des Freigangs, bewegen sich alle Fieslinge wie selbstverständlich in der Küche, die einen eleganter, die anderen eher chaplinesk. Aber schrecken tut sie nichts mehr! Fast stündlich scheint ihr Forscherdrang zu wachsen, sie voran zu treiben, sie zu motivieren und zu neuen Ufern zu locken. Die ersten wissen sogar schon, was ein Bein mit einer Hose ist und dass man sich daran fabelhaft anhängen kann. Es ist hoffnungslos zu hoffen, dass man einmal im Züchterleben ohne diese Anhängsel durchs Leben schreiten könnte. Und wenn erst einmal Zähne wachsen…
Aber dieses Anhängen ist eben auch ein Zeichen der Anhänglichkeit, ein Zeichen, dass sie unsere Nähe suchen und nicht wieder verlieren wollen; sie suchen uns und sie brauchen uns als Stütze im ach so gefährlichen Leben außerhalb der Fluchtburg. Diese Fluchtburg, ihr Kreißsaal und ihr Kinderzimmer bleibt aber immer noch die letzte Zufluchtsstätte, die man immer noch gerne annimmt und in die man sich zurückzieht, wenn es genug der Abenteuer ist.
Auch das Stimmvolumen ist mit den Körpern gewachsen, es stellt inzwischen einen eindrucksvollen Klangkörper dar, der die Chefetage des Blues an die schlimmsten Zeiten von Anouks stimmgewaltigen Würfen erinnert. Franzis Würfe waren bisher moderater in ihrer Stimmgewalt, keine Leisetreter, gewiss nicht, auch nicht wohltemperiert, aber von solidem, erdigem Klang, der die Sinne selten über die Maße reizte. Diese hier scheinen mit sehr tragenden Resonanzböden ausgestattet zu sein, so wagnerianisch aufbrausend, dass bereits jetzt die Luft vibriert. Fanni ist die Vorsängerin, Felix der Einpeitscher, Franz der Jedermann mit der Sprung auf der Platte und die anderen geben den grausen Chor der Erinnyen. Wie mag das noch werden?
Wir haben gestern gelernt, dass Wurmpaste die Mäuler stopft, also schreiten wir zur zweiten Auflage der ersten Anwendung. Wenn der Umtrieb am stärksten und die Unterhaltung am lautesten ist, kommt die Ernüchterung via Spritze. Auf die Klappe, weg damit und Ruhe jetzt. Und siehe da: manch einer knurrt noch seinen Einspruch und dann ist Ruhe. Könnte man nicht jeden Tag entwurmen?... Wie erfolgreich diese Wurmkampagne ist, werden wir sehen, weil Franzi heute bei ihrem Spaziergang eine tote Maus verspeist, ein geradezu genialer Wurmträger. Da werden wir ja sehen, was die nächste wissenschaftliche Auswertung ergibt.Weil auch ein kleiner Welpenmagen auf die Dauer nicht von Wurmpaste satt wird und die Mutter heute nur 380 und gestern 410 Gramm Auflastung beisteuern konnte, entschließen wir uns jetzt, extern zu füttern. Dies ist immer ein großes Ereignis, weil es eine weitere Abnabelung von der Mutter bedeutet und die motorischen Fähigkeiten der Kleinen aufzeigt. Es ist kein Geringes, erstmals in seinem Leben Nahrung nicht aus einem Schnuller zu saugen, sondern die Nase in eine Flüssigkeit zu tauchen und zu wissen, dass man jetzt seine Zunge zum Einsatz bringen muss, und zwar anders als bisher, da die Zunge um die Zitze gelegt werden musste, um eine Art Vakuum herzustellen, damit die Milch abgesaugt werden kann. Jetzt muss die Zunge löffeln, und zwar so, dass das Gelöffelte auch seinen Weg ins Maul findet.
Felix ist der erste Testkandidat – und das ist ein Fehler! Felix steht auf vier erschütterungsfreien Beinen, senkt seine Nase in die lauwarme Welpenmilch und löffelt und löffelt und löffelt, als ob er nie in seinem kurzen Leben etwas anderes gemacht hätte. Wir schwören: nicht ein einziger seiner Vorgänger und politisch korrekten Vorgängerinnen hat auch nur einen annähernd makellosen Auftritt hingelegt. Felix schlabbert bis er nicht mehr papp sagen kann und trottet davon. So einer darf ein Maulheld und eine Nervensäge sein. So einer ist hochbegabt! Und die Hochbegabten fallen ja bekanntlich nicht nur durch ihre außergewöhnlichen Leistungen auf, sondern auch durch ihre außergewöhnliche soziale Auffälligkeit, Stinkstiefel sind diese Genies gerne. Aber wenn man weiß, dass die Stinkstiefeligkeit von einer gewissen Unterforderung herrührt, kann man dem abhelfen. Felix, du kommst ab sofort ins Sonderprogramm.
Franz allerdings fällt nicht weit hinter Felix zurück; auch er besteht die Prüfung mit Bravour, was belegt, dass nicht jeder Hochbegabte eine Nervensäge sein muss (vielleicht aber auf gutem Wege dorthin ist!). Vielleicht ist Franz gar nicht hochbegabt, sondern hat nur eine Sonderbegabung für alles, was mit Futteraufnahme zu tun hat.Nach ganz kurzen Anlaufschwierigkeiten zeigen sich auch Fado, Frenzy, Ferdi und Flori von ihrer besten Seite. Alle beeindrucken durch die schnelle Umsetzung der gestellten Aufgabe. Der Junior, Fanni und Fine erkennen den Sinn der Aufgabe nicht sofort, kommen dann aber mit der Herausforderung, begleitet von einigen humoristischen Einlagen, gut zurecht.
Fianna schießt allerdings den Vogel ab: sie weiß zwar schnell, was von ihr erwartet wird, findet aber den motorischen Zugang zur Aufgeb nicht. Sie sieht binnen Sekunden aus wie Kleopatra nach dem Bade, ist am ganzen Körper mit Milch bedeckt, was ihre Mama zu schätzen weiß, indem sie ihre schwarze Tochter mit großem Eifer von den Speiseresten reinigt. Nur Franca sieht keinen Sinn in dieser Art der Nahrungsaufnahme und stellt sich ziemlich dusslig an. Aber auch das lässt uns ziemlich gelassen, weil wir noch keinen Welpen erlebt haben, der nicht verstanden hat, wie das mit dem Essen außer Haus geht. Wir sind zufrieden: die Fieslinge sind nicht nur gut, sondern saugut, manche säuisch gut und ein paar sind einfach nur normal. Und wenn man ein Jahrhunderttalent als Ersten starten lässt, muss man sich nicht wundern, wenn die Folgenden aussehen wie aus einem Förderprogramm Entlaufene. Franzi, deine Fieslinge werden Rieslinge!



