Montag, 05.12.2011
Dahin ist er, dahin, der goldene Herbst. Es stürmt, es regnet, nein, es seicht!, die Welt bereitet sich auf ihren Untergang vor, der sich auch dadurch nicht mehr aufhübschen lässt, dass sich der Regen im Laufe des Tages zu jahreszeitlich angemessenem Schneeregen herausputzt. Kälte macht unseren Fieslingen nichts aus, aber diese ekelhafte Nässe ist noch nichts für sie. Sie werden also warten müssen.
Da erinnern wir uns doch an die früheren Konsultationen des unbestechlichsten aller aufrechten Wetterfrösche, den Hundertjährigen Kalender. Für den Dezember prophezeit er uns folgendes: 1.-2. noch sehr kalt. Hier ist vor allem das noch zu beachten. Wir erinnern uns: gestern Mittag 12,5° c, am 1. 10° C, am 2. 8,5° C - noch sehr kalt! Schau mer mal, wie es zwischen dem 3. und heute sein sollte: 3.-6. täglich Schneefälle. So, so… Gibt es auch regionale Ausgaben des Hundertjährigen, solche, die dem Kleinklima vor der Haustür verpflichtet sind? Für die Zugspitze wollen wir den Schneefall nicht anzweifeln. Aber hier im lauen Mangfalltal? Machen wir weiter, denn eigentlich interessiert uns ja, was den Fieslingen bevorsteht und wann wir Hoffnung haben, sie wieder mal in die Freiheit zu entlassen: 7. es regnet. Das werden wir überprüfen, könnte aber nach den heutigen Zuständen zutreffen. Jetzt aber: 9.-19. hellt sich auf und gefriert. Das hieße zehn Tage reinste Freude für die Fritzen und Fritzinnen. Dann aber soll es wieder bäh werden: 20. -25. unfreundlich und Regenwetter (typisch Weihnachten), aber vom 28.-31. wieder kalt. Also, haben wir doch jede Menge Outdoor-Zeiten für Frau Fischers Gefolge zu erwarten. Wir werden es ja bald wissen – und wehe! Unsere Kleinen brauchen Luft zum Wachsen und Gedeihen.
Es bestehen keine Zweifel, dass sie sich in ihrer Wohnküche sauwohl fühlen, zumal sie keinen ernstzunehmenden Vergleich haben; zwanzig Minuten mit weichen Beinen im Grünen ist bestimmt nicht der Hit, den man stündlich einmal hören müsste. Allerdings bietet die Indoor-Verwahrung für die Kleinen wenig Gelegenheit, sich ihren Bedürfnissen entsprechend auszuleben. Die Spielzeuge werden zwar kompromisslos bearbeitet, aber die großen Reizpunkte fehlen hier doch. So gibt man sich eben Mühe, aus dem Mangel eine Tugend zu machen und seine Fortschritte an dem verfügbaren Material zu vervollkommnen.Fine und Ferdi machen das sogar zu nachtschlafender Zeit. Als nämlich die Chefin während der Zeit der Hundewache (in der Seglersprache die besonders unbeliebte Wache zwischen Mitternacht und vier Uhr) mit Franzi zum Bardienst das Fieslingsterritorium betritt, kommen ihnen bereits laut grölend zwei mutmaßlich angetrunkene Fieslinge entgegen getaumelt: Fine und Ferdi, ausgebüxt aus Fortezza, der unbezwingbaren Franzensfeste. Es geht kein Weg daran vorbei, wir müssen die 30-Zentimeter-Hürde um 10 weitere Zentimeter aufstocken. Und so geschieht es: weggesperrt wegen schlechter Führung, Sippenhaftung wegen der Unvernunft zweier haltloser Fieslingsbengel.
Trotz dieser Verfehlung einzelner ist die Kiste weiterhin eine stolze Burg und eine sichere Bank für die Kleinen. Obwohl sie sich nun unbeschränkt frei bewegen dürfen, ziehen sich alle immer wieder in die Schnullerbox zum Schnullern zurück. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich sehr von allen ihren Vorgängern, die meist schon nach wenigen Tagen kein Interesse mehr an der Kiste hatten und sie höchstens noch als Bedürfnisanstalt benutzten, weswegen wir sie, nachdem wir diese Erfahrung im A-Wurf machten, ab dem B-Wurf zügig wieder abbauten, weil wir der Meinung waren, dass die Schnullerkiste kein Welpenabtrit sein sollte. Doch diesmal ist alles anders; fast immer liegen ein paar Schnullerbabys in der Kiste und benutzen sie als das, wofür sie gedacht ist. Auch Franzi zieht sich gelegentlich in die Kiste zurück, ruft mit leisem Onk-onk ihre Kinder zu einem Imbiss. Schön, dass das Geburtshaus in Ehren gehalten wird. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass Franzi in dieser Kiste das Licht der Welt erblickte? Vielleicht erzählt sie ihnen aufregende Geschichten von Tante Farah und Onkel Ferro, wer weiß schon, welche Geheimnisse der Himmel für uns bereit hält?
Doch abgesehen von diesen kontemplativen Momenten in der Kinderschar haben wir nun alle Mühe, diesen immer flinkeren und schnelllebigeren Flohzirkus im Auge zu behalten. Kaum nehmen wir für einen Augenblick die Sperre zum Treppenhaus weg, ist uns Fianna in unserem eigenen Windschatten entwischt und stapft durchs neue Reich wie eine wohlbetuchte Shopperin durch die Handtaschenabteilung, ein Blick links, ein abschätziger Blick rechts – und schon ist sie wieder in der Ausnüchterungszelle, wo sie hingehört; besoffen vom Freiheitsdrang.
Auch die kleine, feine Franca passt sich diesem Niveau immer mehr an, zurückgeblieben ist sie nur im Gewicht, was ihren Aktionsradius angeht, braucht sie keinen Vergleich mehr zu scheuen. Wegen ihrer zierlichen Gestalt ist sie auch geschwind wie der Teufel und blitzschnell um die Ecken und somit immer in Gefahr, unter die Räder, beziehungsweise unter die Stiefel zu kommen. Wir können gar nicht genug aufpassen, sie nicht zu übersehen. Das Mucksmäuschen muckt auf und wagt sich mit besonderer Begeisterung an menschliche Zehen und ist in dieser Disziplin inzwischen führend; kein Fiesling kann so sich fies festbeißen wie Frau Fischer.Heute gibt es abends wieder Fleischbällchen à la main, wie man diese besondere Art der Handaufzucht bezeichnen könnte. Heute haben sie auch alle verstanden und lassen keine Schwierigkeiten im Umgang mit den Kügelchen erkennen; sie hauen rein und sie sauen rein und sie gebärden sich wie beim Jüngsten Gericht am allerletzten Tag. Natürlich gibt es Hauptschweine und Nebenschweine in diesem Plot, Schlingmaschinen und Feinschmecker, gediegene Mundwerker und Zappelphilippinen, alles vorhanden, aber alles auf hohem Niveau. Chapeau, in Sachen Kulinarik spielen die Fischer-Fritzen fast schon in einer eigene Liga.
Wir wollen noch kurz zum Schluss einen Blick auf die Speckrollenstatistik werfen, um vergleichen zu können, wie sich diese Hundskugeln (nix zum Lachen: so hieß die älteste Wirtschaft Münchens – seit 1440 -, die leider seit dem 1. Juni diesen Jahres ohne Pächter und geschlossen ist) aufs Ergebnis auswirken werden. Gestern hatten die Fritzen 980 Gramm zugenommen, heute waren es 780. Dabei ist Franz mit 1710 Gramm weiterhin der unumstößliche Leader of the Speck. Mit 1640 lässt allerdings Fado den Abstand nicht zu groß werden. Felix ist der Dritte auf dem Stockerl mit 1590 Gramm. Dann müssen wir aber schon auf 1520 Gramm hinunter blicken, um Fetzer jr. zu entdecken, da klafft schon eine Lücke. Ihm folgt mit 1510 Gramm Ferdi. Jetzt erst kommt mit Fianna (1480) die erste Dame, die ganz langsam das Tempo der Fressmaschinen nicht mehr mithalten kann. Danach reiht sich auch schon Frenzy mit 1460 Gramm ein; damit konnte man in den Anfangszeiten auch nicht unbedingt rechnen. Flori ist mit 1430 Gramm der zarteste unserer Buben, aber sicher auch der Formvollendetste – so a scheener Bua. Somit fehlen nur noch Fanni mit glatten 1400 Gramm, Fine mit 1360 und Schneckerl Franca mit 1590. Jetzt warten wir auf das morgige Ergebnis und rollen uns mit unseren Fieslingen in die Kiste. Gute Nacht, Freunde.

