Dienstag, 06.12.2011
...
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat."
- "Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern."
- "Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach:" So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"
Von drauß' vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hier innen find!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?
Es regnet draußen, nicht nur im Walde, woher er kommt, der Knecht Ruprecht mit der Rute, sondern auch hier vor unserer Heimstatt. Dabei handelt es sich vermutlich um den letzten Tag des vorhergesagten Schneefalls, der halt wegen der Klimaerwärmung ein bisschen anders daher kommt. Macht ja nix, sollen die Schifahrer halt auf Wasserschi umstellen, ist doch auch ein schöner Sport. Ein bisschen elastisch darf schon sein, woher soll denn der Hundertjährige wissen, was uns so alles einfällt in einem Jahrhundert, und Schnee ist ja nichts anderes als gefrorenes Wasser; also: es schneit, wie prophezeit, nur etwas moderner.
Jetzt aber die Probe aufs gestrige Köttbullar-Exempel: was spricht die Waage?
Die Waage spricht: 1160 Gramm mehr seit gestern, macht gute 100 Gramm für jeden Fettfritzen. Das sind die Zahlen, die man erwarten darf, wenn die Fremdmahlzeiten die Muttermilch deutlich übersteigen. Franzi bietet sich zwar noch immer an, hat aber nicht mehr allzu viel zu bieten. Aber sie ist verantwortungsbewusst und unverdrossen und nimmt unsere Unterstützung gern an, ehrkäsig ist sie wahrlich nicht. Bin ich euch nicht mehr gut genug? Kann ichs ja ganz bleiben lassen! Das ist der Dank für all die Plackerei, bei der ersten Gelegenheit stürzt man sich auf jeden marktschreierisch angepriesenen Fraß. Geht doch gleich zu McDonalds, schlimmer kann das auch nicht sein… Nein, so ist unsere Franzi nicht, sie weiß, dass ihre Ressourcen ausgebrannt sind und weiß die gereichte Hand zu schätzen – vor allem wenn darin auch etwas für sie ist.
Also: 105 Gramm und ein paar Zerquetschte für jeden Fiesling. Schon bei Franca bestätigt sich, dass Durchschnittswerte reine Zahlengaukeleien sind (deswegen veröffentlichen wir so etwas, weil wir euch allen etwas vorgaukeln wollen, aber ihr merkt ja nichts…), die so viel inhaltliche Schwerkraft haben wie die Aussage, dass es draußen dunkler ist als drinnen. Franca legt als nur 70 Gramm zu, was für ihre Verhältnisse allerdings ein Kraftakt ist, und wiegt nun 1320 Gramm. Dass sie damit niemand überholt hat, bedarf keiner Erwähnung. Exakt 100 Gramm schwerer, mit 80 Gramm Plus, ist Fine, die damit weiterhin Rang 10 belegt. Auf Rang 9 verharrt Fanni mit 1530 Gramm und höchst bemerkenswerten 130 Gramm Auflastung. Flori ist mit 1570 Gramm der Nächste und er hat sogar 140 Gramm am Stück auflegen lassen. Platz 7 gehört dem Junior mit 1580 Gramm und nur bescheidenen 80 Gramm Zuwaage. Rang 6 ist für Fianna reserviert: 1600 Gramm, 120 mehr als gestern, nur noch zweitstärkste Frau von Welt, die Bally Prell der Fieslingsfritzen abgespatzt vom Wuchswunder Frenzy, die sich mit sagenhaften 150 Gramm Auspolsterung und 1610 Gramm an ihr vorbeischob, womit sie, so viel dürfen wir schon verraten, den heutigen Vogel abgeschossen hat. Wir geben die Bally-Prell-Plakette an Frenzy weiter. Platz 4 verteidigt Ferdi mit stabilen 1620 Gramm und einer Zulage von ebenso stabilen 110 Gramm. Jetzt geht’s aufs Stockerl und da moderiert Frau Langeweile die ewig gleiche Polonaise: Fado 1700 Gramm (+60), Felix 1730 (+140), was aber auch nicht weiterhilft, weil sich der Platzhirsch Franz nicht ins Bockshorn jagen ließ, 120 Gramm beisteuerte und mit 1830 Gramm weiterhin unangepöbelt den Tambourmajor gibt.
Die Köttbullar-Mahlzeit war als erfolgreich, unsere Fritzlein bekommen langsam Pausbäckchen.
Nachts sind die Wonneproppen noch immer in der Kiste und das geht auch bisher anstandslos; es ist Ruhe, die Fritzlein mümmeln, Friede, Freude, Eierkuchen. Es ist – nein, nicht Flix! – es ist Franz, der heute eine neue Runde im Zusammenleben zwischen der Krone der Schöpfung und deren Kronprinzen einläutet. Die Kronprinzen und -prinzessinnen müssen, wie das hier seit je her Usus ist, morgens zur Raumpflege in die Kiste, denn elf ausgeschlafene, jubilierende und viertelstarke Morgenlerchen machen jeden Putzversuch zur Seifenoper.
Doch heute beschließt Franz für sich (und seine Geschwister gleich mit), dass es genug sei mit der Käfighaltung und die Bretter, die in diesem Falle nicht die Welt, sondern das exakte Gegenteil bedeuteten, fallen müssten - Mr. President, tear down this wall! Aber beim Blues gibt es keinen Gorbi, beim Blues gibt es nur ungelerntes Hilfspersonal, das solche weitreichenden Entscheidungen nicht zu treffen hat. Franz findet diesen Umstand zum Schreien, vielleicht auch zum Brüllen komisch, jedenfalls macht er genau dieses und er macht es so, dass er weniger Aussetzer hat als ein professioneller schottischer Dudelsackpfeifer; ihm geht einfach die Luft nie aus, dem Franz, dem McDoodle schon. Und so schreit er und brüllt er und keift und presst, bis ihm die Augen aus den Höhlen treten. Die Herrschaften verlassen das Haus in Richtung Eisenbahn, der Herr besorgt sich Frühstück und noch ein paar andere Kleinigkeiten und als er wieder vor seine Tür tritt, schreit es drinnen immer noch franzjosefsmäßig (sind gute Kind, sind böse Kind…) – seit 45 Minuten. Es gibt keinen hinreichenden Grund zur Annahme, dass er zwischenzeitlich mal Luft geholt hätte. Der Rest der Mannschaft schläft, eventuell bereits durch eine fortgeschrittene Taubheit gehandicapt.Die Küche ist geputzt, der Boden wieder trocken, nun wird das Tor geöffnet, wie das Gesetz es befiehlt, und schon stolziert der Dudelsack des F-Wurfs, ohne den Chef eines Blickes zu würdigen, an ihm vorbei in die Freiheit, legt sich ins Körbchen und poft. Lecko, so ein Saftsack, dieser Franz! Schreit 45 Minuten ohne Punkt und Komma und jetzt liegt er quasi im Koma und träumt vermutlich von einem historischen Sieg über die Weltverbretterer. Vor wenigen Tagen hatten wir uns für Franz auch eine Karriere als Therapiehund vorstellen können, so sanft und umgänglich war er, aber dass wir es sind, die bald therapiebedürftig sein würden, stand nicht auf dem Regiezettel.
Die Dinge gehen dann wieder ihren geregelten Gang, Franz erwacht und ist der gute alte Franz, wie wir ihn kennen und lieben. Er kneift uns in die Zehen, er knabbert an unseren Füßen, ein ganz normaler Jungknirps wie seine Geschwister. Keine Spur mehr von Wolf Bierman oder Che Guevara. Er hat auch keine roten Augen und kein geplatztes Zwerchfell. Aus dem Mr. Hyde ist wieder ein Dr. Jekyll geworden. Wie erstaunlich, dass ein bissiges Monster so viel mehr geliebt werden kann, wenn es vorher seinen Auftritt als Sirene hatte. Weil auch seine Geschwister uns mit immer neuen, ausgefeilteren Zeitvertreiben belustigen und offensichtlich nichts als Flausen im Kopf haben, bringt dieser Nikolaustag viel Kinderspaß und Elternstolz.
Abends, nachdem der Nikolaus da war (der Nikolaus, nicht so ein feuerrotes Coca-Cola-Männchen mit Säufernase) und Franz nur knapp wegen seiner sonst so auffällig guten Führung nicht in den Sack kam und mit Knecht Ruprecht hinaus in die Wälder musste, gibt es eine neue kulinarische Herausforderung: Rind im Futterring mit Kartoffelbrei. Herrschaften, da ist was los! Rock am Ring ist ein Dreck gegen diesen Rock im Ring. Vor allem die Fritzen-Twiggy Franca haut sich in die Fressrinne und bohrt sich wie ein Fräskopf durch ihre Geschwister. Wir staunen fassungslos über unsere entfesselte Frau Fischer. So etwa muss sie sich gebärdet haben, als sie sich am 12. November den Weg durch Franzis Geburtskanal freikämpfte, um als Erste aufzutauchen. Frau Fischer reloaded…
Knecht Rup, was du hier innen find‘st,
Sind gute Kind, sind böse Kind.
Dem einen mag die Rute frommen,
Der and're soll den Sack bekommen.
Nur Äpfel, Nüss und Mandelkern
Frisst keines unserer Kinder gern.
Sie stehn auf Gurgeln, Pansen, Ohren,
Sind alles brave Carnivoren.
Zehn eitel Brave sind‘s, nur gute;
Doch Flix, verflixt, verdient die Rute.
Und halt!, pack noch den Franz in Jute,
Dann hält der Sack vielleicht die Schnute.

