Donnerstag, 08.12.2011
Wir können alle beruhigen, die Angst hatten, dass Frau Fischers Fritzen weiter so ungeniert in den Kalorientopf stippen, dass sie bald platzen. Heute waren es „nur“ 1470 Gramm in der Gesamtbilanz. Und es sind einige bemerkenswerte Kennzahlen zu berichten. Da wäre Franca, die Maßlose auf bescheidenem Niveau: 150 Gramm auf einmal! Dafür hatte sie vor wenigen Tagen fast eine ganze Woche gebraucht. Näher ans Hauptfeld rückt sie mit den erreichten 1580 Gramm natürlich auch nicht. Nur Fine bleibt noch in Sichtweite, Fine, die immerhin auch stolze 140 Gramm auflegte und bei 1630 stehen blieb. Ein Meilenstein ist, dass wir heute die ersten drei Vierpfünder melden können. Das ist natürlich Franz (2110, +170), Fado (2090, +160) und Felix (2050, +140). Dazu kommen noch einige Perspektivspieler mit Aussicht auf die 2000 Gramm für morgen: Ferdi und Fetzer jr., beide mit 1960 Gramm, Flori mit 1940 Gramm und, wenn sie sich ein wenig anstrengt, Frenzy mit 1900 Gramm. Mehr muss heute nicht sein, entscheidend ist für uns und alle, die sich auf einen kleinen Fritzen freuen, dass alle in bester Verfassung sind und ihren Tag genießen.
Es ist kein Zufall, dass Franca jetzt auch auf der Waage ein wenig mehr ins Blickfeld rückt: Franca macht mächtige Aufholschritte. Wenn wir jetzt behaupten würden, dass Franca nie eine Riesin werden würde, könnte uns das gleiche passieren wie vor Jahren mit Benta. Da hatten wir im Brustton der Überzeugung doziert, dass das Schnuckelchen und Nesthäkchen immer eine eher Kleine bleiben würde, und wie hat uns daraufhin die Wirklichkeit zusammen mit Benta an den Ohren gezogen, dass sie ganz rot wurden vor Scham: Benta ist heute ein großrahmiges Schlachtschiff, das es mit ihrer nicht gerade zierlichen Mutter Anouk locker aufnimmt. Nein, so etwas kommt uns nicht mehr über die Lippen, schließlich werden nicht nur unsere Welpen jeden Tag ein bisschen schlauer, sondern auch wir sind, wenn auch der Prägephase weit enteilt, durchaus noch lernfähig, und zwar mit jedem Wurf. Natürlich ist Franca weiterhin die Kleinste und Leichteste. Aber der Menetekel-Spruch Gewogen und zu leicht befunden trifft für sie längst nicht mehr zu. Sie ist nicht die Aufschneiderin und Windmacherin in der Truppe, sie ist eher die stille Antizyklische. Wenn die Mehrheit schläft, geht Franca gern auf Entdeckungstour und lässt dabei wenig aus, kaum etwas entgeht ihrem Forschertrieb. Wenn aber die anderen auf den Putz hauen, zieht sie sich gerne in die Schnullerkiste zurück und drückt ein Auge zu. Dennoch ist sie keine Außenseiterin oder Mauerblümchen. Sie ist ein sehr selbstbewusstes und eigenständiges Persönchen geworden, das aber offenbar keine Lust hat, ihre Zeit mit Pöbeleien zu vergeuden. Dass sie nicht neben der Musik herläuft, belegt schon die Tatsache, dass sie Franz‘ beste Freundin ist. Sehr häufig, wenn man zwei innig und lautlos miteinander rangeln, kneifen, schnabeln oder einfach aneinander geschmiegt in der Kiste liegen sieht, sind es Franz und Franca. Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Ohne Franz ist Franca meist intensiv mit irgendeiner Sache beschäftigt, das kann der 35. Versuch sein, auf Franzis Elefanten zu klettern, ohne gleich wieder auf die andere Seite hinunter zu plumpsen. Wenn sie eine Sache in Angriff nimmt, lässt sie erst locker, wenn sie sie bewältigt hat, wenn ihr der Dampf ausgeht oder wenn sie von einer vorbei marodierenden Horde zum Aufgeben gezwungen wird. Und oft genug sieht man dann den Rest der Bande, wie sie sich am gleichen Problem versuchen, sich aber, wie man sich denken kann, dabei nur gegenseitig im Weg stehen. Wenn man Franca aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist sie nicht nur keine Außenseiterin, sondern häufig genug Initiatorin und Ansporn für ihre Geschwister. Wer die Konzentrationsfähigkeit von Welpen kennt, die ja ebenso kurz ist wie bei Menschenkindern, weiß diesen Durchhaltewillen zu schätzen; da ist ein Tiefbohrer am Werk, eine Schwester Leichtfuß ist Franca nicht. Wir beobachten sie mit besonderer Freude, weil umtriebige und schräge Vögel bei uns eher die Regel als die Ausnahme sind, weshalb die Tiefgründigen in einen Hauch Exotik gehüllt durch unsere Hallen streifen. Diese Frau Fischer werden wir uns in der zweiten Halbzeit sehr genau ansehen.Wir haben jeden Tag wieder Grund, über das Lerntempo der Fritzen zu staunen. Auch beim sechsten Wurf gibt es keine Routine und nichts ist für uns selbstverständlich. Gestern haben wir bemerkt, wie schnell die Kleinen gelernt haben, wann und wo ihr Futter zubereitet wird und dass sie um uns herum lungern und uns nicht aus den Augen lassen; das hatte noch etwas von Unsicherheit, gepaart mit Hoffnung, so ähnlich wie die Fans eines Stars vor einem Hotel herumlungern, von dem sie mehr als nur eine vage Hoffnung haben, dass er dort abgestiegen ist. Schon heute ist das alles anders: heute sind keine Zweifel mehr, heute wird nicht vor der Hoteltür herumgelungert und der Name gerufen, heute wird die Tür in aller Gewissheit, dass der oder die Angebetete sich dort drinnen aufhält, gestürmt, d.h. die Kleinen hängen uns schon an den Hosenbeinen und klagen lauthals das ein, was nun unzweifelhaft für sie bestimmt ist. Und für uns wird das Abstellen der Futterringe (einer reicht ja schon längst nicht mehr aus) auf den Boden immer komplizierter, weil die Bande schon voraus eilt und genau dort tobt, wo ihr Futterplatz ist. Wir müssen also jetzt öfter den Platz wechseln, um die Geier zu verwirren. Wir wissen, dass selbst die Fütterung im Garten, wo man meint, genügend Platz zu haben, bald schwierig werden wird, weil diese entfesselten Kugelporsches so schnell sind, dass man sie entweder zusammentritt, wenn man versucht, sie abzuhängen oder zu spät kommt und alle, egal, wohin man sich wendet, schon wieder einen grölenden Mob um die Füße herum bilden. Wie oft haben wir schon eine ganze Portion über den Hungerleidern ausgeschüttet! Ach, wie wir diese schlauen und lebhaften Kinder lieben!
Das Mangfalltal zeigt sich heute von seiner herbstlichen Seite: blauer Himmel bei sehr frischem Wind. Wie weit dieses Wetter mit dem Hundertjährigen konform geht, lässt sich nicht sagen, weil dieser den 8. geflissentlich ausspart. Vielleicht hat ihm das Fest der Unbefleckten Empfängnis, das die römische-katholische Kirche heute feiert, die Sprache verschlagen. Für die fixen Kopfrechner, die jetzt kichernd in der Ecke hocken und sich darüber lustig machen, dass Maria ihren Jesus entweder in nur 16 Tagen ausgetragen oder ihn mehr als drei Monate übertragen habe, sei ins Stammbuch geschrieben, dass es sich bei dieser unbefleckten Empfängnis nicht um die von Jesus handelt, sondern um Marias Empfängnis, also genau genommen, die ihrer Mutter. Mit diesem Dogma soll Maria, die Gottesmütter, quasi vom ersten Tag ihres Lebens von der Erbsünde befreit werden, weil selbst eine unschuldige Sünderin nicht zur Mutter Gottes taugt. Das Fest Mariä Geburt wird folgerichtig am 8. September gefeiert und zwar schon seit dem 7. Jahrhundert. Und dann haben die Chefmathematiker im Vatikan ungefähr zweihundert Jahre gerechnet und gerechnet und gerechnet, bis sie irgendwann im 9. Jahrhundert den 8. Dezember als den Tag der Empfängnis verkünden konnten. Gut Ding will eben Weile haben. Die Welt ist voller Schnurren – und beim Blues kriegt man sie kostenlos zum Abheften geliefert.
Aber zurück zum blauen und windigen Wetter. Wir holen die Welpengitter heraus und machen unseren Garten ausbruchsicher (hoffentlich!), weil wir den kleinen Fritzen heute einen halbwegs komfortablen gemeinsamen Ausgang gönnen wollen. Man weiß ja nicht, wie lange das noch gut geht mit dem Wetter, eine Armlänge weiter, drüben in Miesbach, liegt heute schon Schnee. Und dann wird die ganze Meute am frühen Nachmittag in die Freiheit entlassen. Mama und Tante sind sehr behilflich, sprechen Trost zu und geben den ein oder anderen aufmunternden Klaps, aber schon nach wenigen Minuten ist die Neugier größer als der Bammel. Interessant ist, dass die Schwierigkeiten ganz unterschiedlich erlebt werden; so gibt es einige, die mit dem Steinboden der Terrasse nicht zurecht kommen und mehr oder wenige auf dem Bauch robbend sich fortbewegen, aber im Gras keinerlei Probleme haben. Bei anderen ist es dagegen genau anders herum. Den ganz anderen ist beides egal, sie nehmen unter die Füße, was sie unter die Füße bekommen. Fürs erste Mal machen Frau Fischers frische Fritzen das aber sehr ordentlich, allerdings ist ihr Durchhaltevermögen bei dem frischen Fritzenwind überschaubar: nach einer Viertelstunde hat sich alles im bereitgestellten Kuddebett versammelt und schläft eng zusammen gekuschelt einen aufregenden, von Träumen durchwehten Schlaf. Sind schon ziemlich gute Kind, die kleinen Fieslinge.

