Vierte Woche von Frau Fischers Fritzen - Fr

Freitag, 09.12.2011

Der heutige Freitag beginnt mit 3° C und wolkenlosem Himmel, schwingt sich mittags zu wolkigen 14° C auf und endet nachts bei 7° C und Regen. Soviel zum Thema: 9. – 19- hellt sich auf und gefriert! Mehr sagen wir dazu nicht mehr.

Mehr sagen wir aber zur Gewichtsentwicklung, wenn auch nicht wirklich viel. Tatsächlich haben alle Vierpfund-Kandidaten den Sprung über die Hürde geschafft. Der Junior hat nur das Nötigste getan und schafft 2040 Gramm (+80). Mehr hat sich Ferdi ins Zeug gelegt: 2200 Gramm, das sind 240 Gramm Aufschlag. Wenn man bedenkt, dass heute nur insgesamt 1120 Gramm zu Buche stehen, hat er sich von diesem Kuchen ein ordentliches Stück genommen. Flori ist der Minimalist in Sachen Futterverwertung: 60 Gramm haben ihm gereicht, um sich und uns nicht zu blamieren und eine Punktlandung auf 2000 Gramm hinzukriegen. Da zeigte Frenzy schon einen anderen Ehrgeiz und drehte dem maulfaulen Kerl eine Nase: 120 Gramm und weiche Landung auf 2020. Auf die Mädels ist eben Verlass. Tusch, Frenzy! Somit sind nur noch die drei Leichtgewichte Franca, Fine und Fanni von der Vierpfünderschaft entfernt, und zwar deutlich, und Fianna, der wir mit 1980 Gramm den Sprung für morgen vorhersagen. Vorne ist alles beim alten; Franz regiert (2240), Ferdi pariert mit 240 Gramm und 2200 beim Fettbörsenschluss, und die Möchtegerne Felix und Fado (2150) verlieren an Boden. Aber noch ist nicht der Strich unter der Tabelle, noch sind (fast) alle Optionen offen - außer der, dass die Mannequin-Fraktion am Ende ganz oben steht.

Natürlich nutzen wir den recht brauchbaren Tag immer wieder für einen Ausgang im Garten und die kleinen Fritzen zeigen sich schon recht trittsicher, Die kleine Franca, der wir schon einen enormen Entwicklungssprung bestätigt haben, ist ganz und gar auf Outdoor eingestellt, hier blüht sie plötzlich auf, schubst Bälle herum, schleppt jegliche Krimskrams mit sich und ist einfach wie ausgewechselt. So eine Nudel!

Franz vom Bairischen Blues gibt Laut
Erst mal die Forderungen deutlich machen
Franz ist da aus anderem Holz geschnitzt. Das stille Spiel ist nicht seine Kernkompetenz. Franz ist ja eher laut und wer Gerümpel im Schnabel herumträgt, kann sich nicht angemessen artikulieren, zumindest jetzt noch nicht, später wird ihm das gelingen. Dabei ist Franz ein ganz Gutmütiger, so eine Art Tiefenentspannter, der, wie wir schon ausführten, unglaublich innig und lautlos mit Franca liegen oder spielen kann. Er ist kein Krawallo! Aber über Franzens leidenschaftlichen Freiheitsdrang haben wir uns schon verbreitet, und wenn ihn dieser zum Protest gemahnt, dann ist Krawallo noch nicht einmal mehr das angemessene Etikett für ihn. Heute muss Franz wieder einmal, wie jeden Tag, in die Box, weil geputzt werden muss, und heute ist nach Franzens Kalender der Tag der Tage, jener, an dem definitiv mit dem Leben im Laufstall ein Ende sein muss. Franz raunt laut. Franz
Franz vom Bairischen Blues nimmt seine Rechte selbst in die Hand
Nur Feiglinge leben freiwillig hinter Mauern
rumort. Franz dreht am Pegel, Franz grölt. Franz arbeitet sich an der Barriere ab, die ihn von der Welt trennt. Franz schreit. Franz arbeitet die Boxenwand von innen auf, bearbeitet sie mit allem was er hat. Franz macht Klimmzüge und plärrt dabei. Die Klimmzüge bringen ihn bereits auf Brustniveau mit der Boxenkante und Franz laufen vor Anstrengung, Wut und Stimmdruck fast die Augen über. Franzens Gesang bringt schon fast die Gläser zum Klingen – da ist er drüber. Plumps. Pardauz, da liegt der stolze Franz auf dem Boden, rappelt sich auf und wackelt davon. Doch das Flurbereinigungspersonal ist not amused und schafft ihn wieder dorthin, woher er kam. Franz fängt die Vorstellung von neuem an und landet wieder unsanft auf der Nase. Das Problem ist, dass er selbst nach dem vierten Mal dieselbe noch immer nicht voll hat und es ein weiteres Mal versucht. Woher
Franz vom Bairischen Blues - kopfüber in die Freihei
Hals über Kopf in die Freihet
nimmt der Knirps nur die Kraft?! Das Putzpersonal fragt sich, ob der Feldversuch bis zur totalen Erschöpfung des Probanden weiter geführt werden sollte, oder doch die Plackerei belohnt werden müsste. Natürlich wird sie belohnt! Nach dem nächsten erfolgreichen Versuch darf sich Franz auf seine Decke schleppen und neue Kräfte sammeln. Es ist nicht geklärt, ob der Versuch wegen des warmen Herzens des Putzmeisters abgebrochen wurde oder aus reinem Selbstschutz, weil bei Franzens Vollton-Performace nicht nur die Luft, sondern auch die bereits etwas waidwunden Nerven vibrierten. So ist jedenfalls Franz der Liebling der Nation, ohne auch nur einen Finger dafür krumm gemacht zu haben, einfach, weil es ihn gibt, weil Frauen wohlbeleibte Männer zu schätzen wissen (solange es nicht ihre eigenen sind) und weil wegen eines existenzbedrohenden Mangels an Typen, jeder das Typenschild bekommt, der in typenreicher Zeit noch mit dem großen Haufen gelaufen wäre; Soziologen nennen so etwas neuerdings auch das Guttenberg-Gefälle, welches die gesellschaftliche Überhöhung eines grauen Flanellzwergs zum Paradiesvogel beschreibt. Doch eigentlich müssen wir diese Einordnung dem Franz gegenüber sofort wieder zurücknehmen, weil der ja nicht nur gelegentlich eine an der Klatsche, sondern wirklich was auf der Kiste hat. Immerhin hat er es nicht nur bei der lauthalsen Ankündigung großer Taten belassen, sondern diese ein ums andere Mal in die Tat umgesetzt, wie einst der unselige Sisyphos. Wenn wir ihn gelassen hätten, hätte er um seine Freiheit vermutlich bis zum Exitus gekämpft. Das sind Kerle! Dieser unser Franz ist ein ganz großer Franz, nicht nur weil er um seine Freiheit kämpft wie ein Großer, sondern weil an seiner Seite auch die Schwächeren nicht verkommen. Er ist sich für kein Spielchen zu schade und gibt gerne den „großen Bruder“ für die, die in seinem Schatten Geborgenheit suchen. Und dem Felix haut er auch mal eine auf die Nase. Deswegen kommt es auch nur selten zum Bullen-Showdown, weil beide wissen, was sie an einander haben. Und weil alle ihren Franz so schätzen, lassen sie ihn sein Steckenpferd reiten und schlafen unbeeindruckt, während er für ihre Sache kämpft. Der Franz wird’s schon richten. Entweder er holt sich eine blutige Nase oder etwas für uns raus. Hinter einem solchen Burgfried lässt es sich sorgenfrei schlummern.
Die Viererbande erobert Anouks Bett
In fremden Betten tobt sich's gut

Doch Franz ist nicht ganz allein bei seinen Extratouren. Abends bricht er plötzlich mit Verstärkung ins Wohnzimmer ein, räumt Widerstände in Form einer liderlich befestigten Barriere nahezu mühelos beiseite und bricht mit seinem Rollkommando in fremdes Territorium ein. Die Mitmarodeure heißen Felix, Fine, Fanni und Ferdi (die drei Blonden hat er vermutlich zur Beschwichtigung der dort lebenden Ureinwohner mitgenommen). Aber auf diese haben es die Usurpatoren gar nicht abgesehen, ihr Ziel ist Tante Anouks Kuddebett mit flauschigem Winterbezug. Mit großem Gejohle dringt die Bande in Anouks Reich ein, pöbelt und randaliert wie einst die Langobarden in Rom und vertreibt eine völlig entnervte Anouk aus ihren Gemächern, wie jene einst den Romulus Augustulus aus seinem Reich. Anouk wählt als Rückzugsort das Sofa, von dem herab sie das Treiben

Die Viererbande macht sich über die Hausheiligen her
... und macht euch die Erde untertan ...
indigniert beobachtet, obwohl man ihr eine gewisse Altersmilde nicht absprechen kann; sie seufzt, verdreht die Augen und murmelt etwas von verzogenen Fratzen. Es müsste ja eigentlich Fritzen heißen, aber darauf kommt es gar nicht an. Nachdem Anouk entwurzelt war, macht sich der Haufe über die Staatspreziosen her, plündert einen Fotorucksack und eine Kameratasche erfreut sich ganz besonderer Beliebtheit. Wenn sie es nur dabei belassen hätten! Aber nein, wenn immer sich ein entfesselter Mob seiner Sache sicher und den Gegner wehrlos glaubt, setzt er sich über alle auch nur irgendwie vereinbarten gesellschaftlichen grenzen und lässt alle Schamgrenzen fallen. Dieser Mob hier entledigt sich völlig ungeniert seines Ballasts, entleert Darm und Blase großflächig und schnattert dabei herum wie die Gänse auf dem Kapitol. Dieser Auftritt ist ein einziges Festival (für
Anouk zieht sich indigniert zurück
Der Klügere gibt nach...
sie) und ein Inferno (für uns). Nachdem wir gesehen hatten, wie weit sie zu gehen bereit sind und wie weit sie letztlich auch gegangen sind, kommen sie unter die Arme und bekommen einen Frei-Lift back home. Man fragt sich, welche Rolle eigentlich eine Mutter in einem solchen Fall zu spielen hätte – oder eine Tante, die doch sonst immer wusste, was sich schickt und was nicht. Doch die eine betrachtet den Narrenaufzug unbeteiligt aus der Küche und die andere zieht sich, wie schon erwähnt, auf ihr Sofa zurück und mault leise. Als ob sich dadurch schon jemals etwas hätte ändern lassen.

Als letzte Mahlzeit, beinahe hätten wir diese nach den Vorgängen am Abend Henkersmahlzeit genannt, gibt es heute erstmals Pansen, gewolft und mit Kartoffelbrei geschmeidig gemacht. Ein Futterfremdeln gehört jedenfalls nicht zur Grundausstattung dieser Fritzen; sie stürzen sich auf diese ungewaschene Stinkepampe und verputzen sie mit Heißhunger und sichtbarem Vergnügen. Also Leute: Pansen wird erbeten – es muss ja nicht im Wohnzimmer sein; die Fritzen dinieren auch im Hof oder auf der Terrasse.

Und weil den kleinen Fieslingen ihre Portion Pansen nicht genug war, greifen sie auch noch Mama Franzis Ration ab, indem sie sie dazu bringen ihre Portion wieder hervor zu würgen. In der Natur ist das der Übergang von der reinen Milchmahlzeit und der richtigen Fleischmahlzeit. Weil die Kleinen ihre Fleischportion noch nicht richtig zerlegen und zerwirken können, kommt ihnen die Mama entgegen, indem sie schon mal eine entsprechend große Portion vorverdaut und sie auf Kommando wieder abgibt. Das Signal dazu geben die Welpen, indem sie ihrer Mutter an die Lefzen gehen, sie in die Lefzen beißen und bestimmte Lockrufe ausstoßen – und dann macht’s würg und schlürg und die ganze Bescherung kommt wieder hoch. In unserem Fall direkt in die Schlummerkiste, Mahlzeit. Es ist unappetitlich, aber es ist die reine Natur, anders würde es dort nicht funktionieren. Hovawarte sind noch sehr naturnahe Hunde, weshalb dieses Verhalten bei ihnen noch vielfach anzutreffen ist. Andere Rassen haben davon keine Ahnung mehr; für sie kommt das Futter aus dem Napf wie für uns der Strom aus der Wand. Für uns heißt das aber konkret, dass wir darauf achten müssen, wann wir was wo füttern, weil nicht alles vorgewürgt wird, Trockenfutter bleibt beispielsweise immer in der Mutter, während Pansen oder Innereien heiße Würgekandidaten sind. Auch wenn hier die Natur ruft, muss man die Natur nicht überall im Hause zu Gast haben. Wir erinnern uns, wie Anouk einmal die ganze Bescherung in die Schwelle der Terrassentür würgte; man macht sich keine Vorstellung, wie lange man da putzen und friemeln kann, bis die Bescherung aus all den Ritzen und Falzen wieder entfernt ist.