Samstag, 10.12.2011
Wir haben Halbzeit; vier Wochen fulminantes Fieslings-Festival hinter uns und vier Wochen fulminantes Fieslings-Festival vor uns.
Wir mögen gar nicht darüber nachdenken, dass wir schon auf dem halben Weg zum Abschied sind. Während die einen mit vereinten Kräften die Zeiger beschleunigen wollen, hängen wir uns mit unseren bescheidenen Kräften an diese, damit sie langsamer rücken. Ach, menno, auch wenn uns Franz heute wieder einen besonderen Beweis seiner Stimmkraft liefert, ein Konzert für Solist und zehn Schläfer, wollen wir auf diese Fritzen von Frau Fischer einfach nicht mehr verzichten. Sie sind jetzt in einem Alter, in dem die Wässerchen, die sie trüben könnten, noch ziemlich klar sind und in dem Übergriffe und Gemeinheiten so putzig sind wie die künstlerische Relevanz des hiesigen Bauerntheaters. Wenn der Geisacher Bepp zornrot über die Bühne tobt, weil ihm der Oberbichler Sebi die Krautner Marjorie ausgespannt hat, und der Bepp dem Sebi finstere Drohungen widmet, die so authentisch klingen wie die McDonald’s-Werbung vom Schubeck Alfons, wenn er dabei zornbeflügelt über die Bühne schwebt wie der Calmund Kalli, dann muss das Publikum lachen, obwohl es um den Sebi fürchten sollte. Komik ist wenn man trotzdem lacht, Bauernkomik ist, wenn man die tragischen Momente verlacht und sich vor den romantischen fürchtet. Wir lachen viel über unsere Fritzen und vor allem dann sehr ausgiebig, wenn sie sich besonders anstrengen, uns zu piesacken. Dieses Lachen wird uns bald vergehen, das Theater wird seine künstlerische Relevanz erlangen und wir werden, jede Wette, an den richtigen Stellen aufjaulen. So viel ist sicher und dennoch können wir von den frischen Fritzen nicht genug bekommen.
Halbzeit ist immer eine passende Gelegenheit, eine Zwischenbilanz zu ziehen (Männer, wir liegen 0:5 hinten, das war nichts bisher, aber verloren is‘ noch nix, weil aus ist erst, wenn der Schiri pfeift, und außerdem ist der Ball rund undsoweiterundsoweiter…). Das wollen wir auch tun, ohne einem lachhaften Zweckoptimismus das Wort zu reden.
Optisch reiht sich dieser Wurf in Franzis Würfe ein, wobei ihm die Ausreißer nach oben und unten fehlen; es fehlt die nahe ans Ideal heranreichende Perfektion einer Echo, aber auch die Negation des Standards in Sachen Weiß einer Daxi. Franzi verteilte den Inhalt ihres Füllhorn in allem gleichmäßig auf alle: Hier ein bisschen zu wenig Farbe, dort ein bisschen zu viel, und das Weiß verteilt sich unproblematisch auf viele Körperpartien und Kinder, nicht alles auf einer Brust wie bei Daxi. Bezüglich der Gewichte gibt es nichts Spektakuläres: Frau Fischers Fritzen sind leichter als ihre direkten Vorgänger und liegen etwa gleichauf mit den Doras. Franzis Würfe waren bisher sehr triebig, aber weniger aggressiv als Anouks, dieser hier zeigt seine Trieblage bisher vor allem in einem sehr hohen Spielniveau, das teilweise mit sehr langen und intensiven Spielphasen besticht. Dabei sind diese Fritzen alles andere als Fieslinge, sie sind eher zurückhaltend, nicht zögerlich oder ängstlich, eher besonnen (jawoll, die Welt besteht nicht nur aus Flix und Franz!), sie sind nicht so durchgeknallt, wie wir es schon erlebt haben, dass einem dauernd der Draht aus der Mütze fliegt, weil die
Nachwuchshelden von einem Extrem ins andere fallen. Irgendwie wirkt dieser Wurf reifer für sein Alter, als ob Franzi ihre eigene Reife an ihre Kinder weiter gegeben hätte. Wie hätte auch ein Kobold seriösen Nachwuchs generieren sollen? So seriös kann kein Deckrüde sein, es sei denn er wäre eine Schlafmütze vom Format eines Riesenfaultiers. Franzis Lebensabschnittspartner gehörten nicht dazu und Fetzer schon gleich gar nicht. Wir sind jedenfalls sehr angetan, die Fritzen sind lustig und fidel, neugierig und tatendrängig, sie stehen mit ihren Stummelbeinchen breitbeinig auf der Erde und machen einen ausgesprochenen cleveren Eindruck. Dass sie genug Pfeffer haben, werden wir bald spüren und ihre zukünftigen Herrschaften werden auch noch genug damit zu kämpfen haben. Sie stehen schon sehr selbstbewusst im Leben und es ist unsinnig anzunehmen, dass sie sich demnächst zu Angsthasen und Duckmäusern reduzieren werden. Kurz: wir sind mehr als zufrieden; wir strahlen wie Fukushima, nur nicht so lange.Über Franca und Franz haben wir schon ein bisschen etwas gesagt. Jetzt sollen auch die anderen zu ihrem Recht kommen.
Frenzy ist so eine Grenzgängerin zwischen dem seriösen neuen Typ von Franzi und dem alten von Anouk. Anfangs unscheinbar, klein und sanft, etwas verhuscht und gelegentlich eher ängstlich als kampfeslustig. Jetzt aber legt sie die Karten auf den Tisch, zieht Trumpf um Trumpf und macht sich breit im Feld der Fritzen. Keiner zieht die Kleine, die keine Kleine mehr ist, sondern längst in die Gewichtsdomäne der Brüder eingebrochen ist, keiner zieht diese Frenzy mehr über den Tisch. Die langt richtig zu. Frenzy entwickelt sich zusehends zur Kneifzange der Fieslinge, zum Schnappi der Fritzen; wenn es weh tut, hat Frenzy ihre Werkzeuge im Spiel. Aber sie ist eine lustige Nudel, keine Spur von humorloser Beißstute, nimmermehr!, sie hat den Schalk gepachtet, gibt die Nimmermüde und ist in jedem Knäuel dabei. Wo es raucht und zundert, ist nicht nur Felix dabei, sondern zunehmend auch Frenzy (und, soviel vorweg: Fianna). Sie keilt aus und steckt männiglich ein. Sie ist von dem Holz, das wir mögen, ein ehrliches, gerades Wesen, das aus seinen Gefühlen kein Geheimnis macht, sondern zupackt, wenn ihm danach ist und kuschelt, wenn die Kuschelstunde schlägt. Als wir sie Frenzy tauften, das ja Wahnsinn oder Raserei bedeutet, war sie von diesen Eigenschaften noch Lichtjahre entfernt, jetzt nähert sie sich ihrem Namen an, aber nur so viel, dass sich in Richtung frenetisch bewegt, etwa, wenn sie frenetischen Beifall für eine gelungene Aktion bekommt. Frenetisch hat die gleiche Abstammung wie frenzy und steht nicht nur für rasend, überschäumend und ungebändigt, sondern heute vor allem für voller Begeisterung. So sehen wir inzwischen unsere Frenzy: voller Begeisterung.
Flori ist der neue Mann, von dem Frauen immer schwärmen (Neue Männer braucht das Land), obwohl die neuen Frauen davon anscheinend auch schon wieder abgekommen sind. Egal, Flori ist so einer, wie er vermutlich vor Jahren hätte sein sollen: sanftmütig, aufmerksam, verständnisvoll, ach ja, so ein ganz Guter eben, wie es ihn eigentlich nirgendwo gibt, außer in der Phantasie von Frauen – und bei uns. Unser Flori ist so einer. Sanftmütig, ein ständiger Schatten, vorsichtig und rücksichtsvoll. Wenn wir kochen, liegt uns etwas, nein, nicht zu Füßen, sondern auf den Füßen: Flori. Wenn uns etwas am Hosenbein zupft – Hallo, Herr Nachbar, ich hätt da mal ne Frage: Flori. Wenn jemand auf einem x-beliebigen Arm ohne jeglichen Argwohn einschlummert: Flori. Flori scheint noch vor dem Sündenfall im Paradies gezeugt und erst heute zu uns gekommen zu sein. Aber Flori hat auch eine sehr irdische Seite: er ist unser Chefingenieur. Wenn er nicht Arme besetzt oder träumt, erkundet er, zerlegt mit Engelsgeduld, geht den Dingen auf den Grund, will wissen, will erspüren, will bosseln. Er ist also in zweifacher Hinsicht tiefgründig, nur abgründig ist er nicht. Noch etwas ist er: schnell, flott auf den Beinen, nicht so schnell wie Porsche-Ferdi, aber richtig fix. Wozu er diese Fertigkeit bei seiner beschaulichen und entschleunigten Lebensführung überhaupt braucht, wird sich hoffentlich noch offenbaren. Vielleicht steckt ja noch viel mehr in ihm und er gibt die ganze Wahrheit wie ertappte Politiker nur scheibchenweise preis. Ein richtig liebenswertes Bürschchen, unser Flori, der eigentlich auch gar nicht anders heißen darf. Man stelle sich diesen sanften Wuschel als Fitzcarraldo, den Zorn Gottes vor…
Der Junior Fetzer war bisher der Mann ohne Eigenschaften, die einzige Eigenschaft die ihm so etwas wie Profil gab, war, dass er den Namen seines Vaters tragen durfte. Er war also so etwas wie von Beruf Sohn. Doch gerade in den letzten Tagen schlüpft ein lebhaftes Kerlchen aus der Kapsel, einer der sich von der Last des Namens befreit, der aufdreht, der sich vor allem um jedes Spielzeug verdient macht, indem er sich ihm mit besonderer Aufmerksamkeit widmet, es rüttelt und schüttelt und irgendwie keine Ruhe hat, bis er auch dem letzten aller Spielzeuge seine Aufwartung gemacht hat. Jetzt dreht er plötzlich auf, ist bei immer mehr Partys zu sehen und scheint langsam zu spüren, dass ihm der zugeknöpfte Frack zu eng geworden ist. Bei ihm haben wir noch lange nicht alles gesehen, der Junior ist noch eine Wundertüte. Und gibt es etwas Schöneres, als eine Wundertüte zu öffnen? Wir sind uns ganz sicher, dass in dieser Tüte kein Ramsch steckt.
Fine ist die kleine Schöne, die Sanfte, die sich offenbar selbst genug ist. Sie ist schon gerne mit den anderen unterwegs, aber ihr Glück findet sie, wenn sie nach Mamas Mahlzeiten auf dem Rücken liegt und sich die Nägel macht. Dann liegt sie da, knabbert an ihren Füßen und Zehen herum, murmelt leise Lieder, jauchzt hin und wieder und spricht mit Elfen. Fine ist einfach brav, sie ist gut, so gut wie unser Flori, aber sie hockt uns nicht auf den Füßen herum, weil sie ihr Glück bei ihren Füßen gefunden hat. Wir machen uns Sorgen, ob die Zarte nicht später mal diesen bei Frauen finanziell so zerstörerischen Schuhtick entwickelt. Aber, und das ist nicht nur so her gesagt, wir befinden uns erst am Ende der vierten Woche. Eine Vorhersage über das endgültige Wesen dieser kleinen Nägelbeißerin, wäre nicht nur verfrüht, sondern höchst dumm und gefährlich. Wer einmal erlebt hat, wie im B-Wurf aus einem im Tutu herum tänzelnden Ballettmäuschen namens Beltane ein zupackendes und nichts anbrennen lassendes Vollweib namens Suki geworden ist, ist von solchen vorschnellen Prognosen fürs Leben gefeit. Wer also glaubt, mit dieser kleinen Fine auf der unkomplizierten und sicheren Seite des Lebens angekommen zu sein, der könnte möglicherweise bald auf einen Psychiater angewiesen sein.
Fianna, es hat sich schon herumgeraunt in der Gemeinde, ist Frauchens Herzgewächs. Sie hat nicht nur ein rabenschwarzes Ohrfeigengesicht, sondern ist durch und durch rabenschwarz. Eigentlich wollte sie ja auch phänotypisch ganz schwarz auf die Welt kommen, bis man ihr steckte, dass zwei schwarzmarkene Eltern keine schwarzen Kinder bekommen können (Genetik für Fortgeschrittene, kommt erst in der Unterprima dran). Da beschloss sie eben der Form halber und um Mendel nicht bloß zu stellen, sich ein wenig Makeup aufzutragen, aber nicht mehr als es die Regel als Minimum erfordert. Diese Fianna ist wirklich ein kleiner Hexensabbat, hat jetzt schon einen Beutetrieb, dessen sich auch Große nicht zu schämen bräuchten, greift sich alles, was sie kriegen kann und schleppt es herum, wenn nichts anderes verfügbar auch gerne mal ein Geschwister. Sie geht keiner Rangelei aus dem Weg und wenn Feuerpause vereinbart wurde, zettelt sie gleich ein neues Scharmützel an, dass es nicht langweilig wird. Auch die Herren von der Hosenträgerschnalz-Fraktion wissen sie richtig einzuschätzen und legen sich mit ihr nur versehentlich an, kann ja vorkommen im Eifer des Gefechts, dass man dem Falschen auf die Nase haut. Wenn diese Nase zufällig Fianna gehören sollte, muss der übermütige Macho veritable Schäden an der eigenen einkalkulieren. Nein, an Fianna vergreift sich keiner ungestraft, auch nicht Flix und Franz, die Flegel. Aber Fianna ist auch so etwas wie der weibliche Flori: man dreht sich um und wird von ihr angestrahlt. Man geht weiter, dreht sich um und wird von Fianna angestrahlt. Fianna ist unser Schatten. Manchmal, man kennt das, hat man das Gefühl, dass man beobachtet wird. Wir haben dieses Gefühl derzeit dauernd: Fianna verliert uns fast nie aus dem Blick, Fianna ist so etwas wie unsere optische Fußfessel. Und mit Tante Anouk versteht sie sich auch schon sehr gut! Die Rübe ist nicht nur wehrhaft, sondern auch noch durchtrieben…
Jetzt kommen wir zu Fado, der in den ersten Tagen farblich von Fianna kaum zu unterscheiden war, ein schwarzer Iberer eben, der sich aber in den vergangenen Tagen seiner Verantwortung als schwarzmarkener Hovawart bewusst wurde und Marken nachlieferte. Fado ist der mit dem flauschigsten Fell und einem fast ebensolchen Gemüt, ein Menschenfreund, ohnegleichen gutmütig und über alle Aufgeregtheiten einer hektischen Kinderstube erhaben. Wie einst die Seeräuber-Jenny beim Anblick rollender Köpfe nur Hoppala sagte, würde auch Fado angesichts eines hinter ihm umstürzenden Küchenschrankes nur Hoppala sagen. Fado ist wirklich nicht zu erschüttern; wer von einer hohen Reizschwelle bei Hovawarten spricht, muss diesen Fado meinen. Trotz dieser urigen Unverwüstlichkeit ist er kein Sonderling oder Außenseiter. Fado ist immer dabei, hat keine Feinde und weiß sich zu wehren. So etwas wie Fado auf der morgendlichen Waage haben wir noch nie gehabt. Während die meisten möglichst schnell wieder runter wollen, am besten erst gar nicht rauf müssen, alles versuchen, dieser Waagschale zu entkommen, dass wir manchmal vier Hände brauchen, um die türmenden Gesellen vor einem Sturz vom Tisch zu bewahren, steht Fado fröhlich und morgenmunter in der Schale und lässt sein Schwänzlein wie einen Propeller rotieren: näher, mein Mensch, zu dir! So nah, so auf Augenhöhe, ist er sonst den ganzen Tag nicht. Diese Momente genießt der schwarze Fado und freut sich wie ein Schnitzel. Aber Fado wäre nicht Fado, wenn er dann, wenn das alles vorbei ist, in Trübsal versinken würde. Dann ist eben ein anderes Programm, wo ist das Problem?
Fanni ist, ähnlich wie Fine (ob das Blond doch mehr ist als nur eine Farbe, mal von Felix abgesehen?), eine süße Maus, auch anfangs etwas unsicher und zurückhaltend mit wachsender Sicherheit und Selbstsicherheit. Sie braucht aber die Menschen mehr als Fine, die ja mit ihren Füßen genug zu tun hat. Dass Fanni ebenso wie Fine bei der Erstürmung des Wohnzimmers mit von der Partie war, zeigt, dass wir hier keine Porzellanpüppchen heranziehen, sondern echte Hovawarte und Hovawartinnen, die selbst dann noch ordentlich Unruhe stiften können, wenn sie nicht zur Kampfsporttruppe gehören. Fanni ist aber im Hauptberuf Schmusebacke und ihr Arbeitsplatz ist auf einem Arm. Vielleicht hat sie auch deshalb am längsten von allen gebraucht, bis sie richtig flott auf ihren Beinen unterwegs war. Aber da hat sie heute längst kein Defizit mehr. Wer immer in vier Wochen Fanni in die Arme schließen darf, wird jedenfalls Probleme haben, sie dort wieder heraus zu bekommen – aus heutiger Sicht. Für die Zukunft verweisen wir auf die diesbezüglichen Ausführungen unter --> Fine
Felix! Müssen wir - oder können wir uns das sparen? Ist über diesen blonden Engel nicht schon zu viel gesagt worden? Er leidet ja schon heut nicht an Minderwertigkeitskomplexen. Müssen wir wirklich diesen Standartenträger der schlechten Manieren positiv besprechen, seine Vorzüge herausarbeiten und seinen finsteren Charakter vornehm verschweigen? Nein, müssen wir nicht! Sagen wir mal so, wir liefern die ganze Wahrheit… Oder, nein, fangen wir anders an: Felix ist der Einzige dieser Fritzen, der schon ein neues Zuhause hatte, bevor er seiner Mutter die vorletzten Qualen einer langen Geburt bereitete (warum nur fällt mir bei diesem Kind immer Rosemary’s Baby ein?). Und dieses neue Zuhause liegt vermutlich nicht ganz zufällig im Unterallgäu, irgendwo in der Wildnis zwischen Bad Wörishofen und Mindelheim, wo es nicht einmal Füchse und Hasen zum Gute-Nacht-Sagen hin verschlägt. Diese räumliche Zuordnung ist aber nicht unwesentlich, denn Mindelheim ist die Heimat des gar gefürchteten und fürchterlichen Landsknechtführers Georg von Frundsberg (1473 – 1528), der seine militärischen Fähigkeiten und Grobheiten in die Dienste des Heiligen Römischen Reiches gestellt hatte. In solcher Umgebung werden Kerle wie Felix gebraucht und verehrt. So ein spätgeborener Landsknechtführer ist auch Felix: rau, ungehobelt, ruppig, eine echte Herausforderung, vor allem für uns, die er unentwegt drangsaliert, während er bei Besuchen nur seine vierfarbig blinkenden Visitenkarten verteilt und uns keiner glaubt, dass dieser springfidele Nurejew ein Bocksbein hat. Seinem Kampfeswillen entgeht kaum jemand, außer Fianna und gelegentlich Franz, den er aber gerne mal als Sandsack zum morgendlichen Aufwärmen instrumentalisiert. Er kommt immer breitbeinig daher, bei ihm ist fast immer High Noon und er greift sich, was nicht schnell auf dem Baum ist. Wenn wir ihn dann von seinem Opfer operativ entfernen, zeigt der kleine Landsknecht auch uns die Zähne. Dabei kann er, wenn wir ihm nicht gerade sein Opfer entreißen, richtig lieb sein, dieser Felix, den wir ja schon mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde verglichen haben. Das müssen wir ihm schon positiv in seinem Zwischenzeugnis vermerken: zu Menschen uneingeschränkt freundlich, ein Charmeur und Herzensbrecher (deswegen tut man sich ja so schwer, wenn man die Wahrheit, und nichts als die reine Wahrheit ausspricht). Zwei Umstände lassen uns trotzdem ganz gelassen in die Zukunft blicken: erstens kommt dieses kleine Frundsberglein (warum haben wir ihn eigentlich nicht gleich so genannt?) in beste Hände, die mit der Formvollendung ungeschliffener Klötze bestens vertraut sind und zweitens wagen wir zu behaupten, dass dieser blonde Suppenkasper wie alle Raufbolde beim Blues am Ende seines Aufenthalts ein richtig liebenswerter Bursche sein wird, weil auch er nur den Tiger spielt, der bald als Bettvorleger landen wird. Deshalb haben wir an unserem Felix viel Spaß, was seine Geschwister nicht immer unterschreiben würden.
Der letzte in der Geburtsreihenfolge ist Ferdi, bei dem die Mutter Franzi, nach der Versorgung seines Vorgängers mit allen Unarten, die man so mitgeben kann und woher vermutlich das Wort Mitgift kommt, einfach nichts mehr übrig hatte in ihrem Giftschrank, weshalb mit Ferdi ein freundliches Wesen ohne List und Arg zu uns kommen konnte. Ferdi ist in etwa auf derselben Ebene mit Flori und Fado einzustufen: Menschenfreund, Wonneproppen und Glückskind, immer nur lustig, immer vergnügt. Manchmal scheint er pfeifend und mit den Händen in den Hosentaschen durch sein Reich zu strawanzen, wie Hans im Glück. Ob Ferdi böse Genabschnitte in sich trägt, wird die Zukunft erweisen. Aber eines hat er allen voraus: er ist der Turbo-Ferdi, auch Porsche-Ferdi, so schnell wie dieses kleine Wollknäuel ist kein anderer unterwegs; wir vermuten, dass er sich bei Regen zwischen den Tropfen durch schummeln könnte und trocken nach Hause käme. Ferdi ist einer, dem man mit Tränen in den Augen ein nicht enden wollendes, ewiges Leben wünscht, weil solche Sonnenstrahlen so selten sind auf unserem Planeten.
Wenn wir uns heute zur Ruhe legen, wird es eine unruhige Ruhe sein, weil wir die Zeit immer lauter ticken hören. Wie ein Tinnitus tickt die Zeit in unseren Ohren: Fine Franca Fanni Ferdi - Ferdi Flori Fanni Franz - Felix Felix Fado Fetzi - Frenzy Franca Fanni Franz – Fianna Fianna Fianna Franz – Felix Fanni Fine Fine Fine da capo al fine…









