Montag, 12.12.2011

Natürlich interessiert uns als erstes, ob Felix Franz‘ Gewichtskonter standhalten konnte. Die Antwort ist: er konnte! Franz ließ zwar keine Zweifel aufkommen, dass er seine Ansprüche auf den Titel als Fettspeicherkönig nicht aufgibt, aber Felix konnte ihn auf 10 Gramm Distanz halten: Felix (2620), Franz (2610), danach folgen Fado (2560), Fetzer jr. (2480) und Ferdi (2410). Flori und Frenzy, sieh an, die Kleine, teilen sich den sechsten Platz (2340), gefolgt von Fianna (2300) Am Ende der kommen die Diätspezialistinnen Fanni (2180), Fine (2130) und konsequent mit der Roten Laterne Franca (1980).

Wir dachten, der Nebel von gestern wäre angesichts der klaren und kalten Prophezeiung des Hundertjährigen schon genug der oberbayerischen Aufmüpfigkeit gegen oberfränkische Bevormundung (der Hundertjährige Kalender wurde erstmals im 17. Jh. vom Abt des Zisterzienserklosters Klosterlangheim bei Lichtenfels erstellt), aber wir lernen heute, dass es noch suppiger geht. Wir würden uns nicht wundern, wenn aus diesem Kunstgewaber plötzlich Freddie Mercury auftauchen und mit seiner langjährigen Freundin Barbara Valentin im Duett Bohemian Rhapsody singen würde, was im übrigen ganz hervorragend zu Franzens Gesangseinlage beim heutigen Putzgelage am Morgen passen würde. Es ist schwer auszumachen, wer mehr Druck hinter die Stimme bringt, Franz oder Freddie (bitte nicht mit unserem Ferdi verwechseln!), Nachteil Franz: ihn kennt keine Sau, außer einer verschworenen Internetgemeinde, die ihn sogar lieben gelernt hat. Aber die hört ihn nie singen! Der Herr des Blues hört ihn täglich singen, unsicher, ob es sich um Singen oder Stimmbildung handelt, und bevorzugt deshalb Freddie, des selbst bei Stimmübungen mehr Schmelz hat als Franz, wenn er schnurrt, und der einfach abgeschaltet werden kann. Was beim Franz nicht geht, weil er keinen Knopf hat und wegen der eigenen Lautstärke auch volltönige Bitten überhört. Heute hat Franz endlich Verstärkung bekommen - wir befürchteten schon, Franz hätte alle Stimmbänder seiner Geschwister konfisziert und sich zu eigen gemacht, doch heute beweisen uns zumindest einige, dass sie Franz die Bürde des Morgenprotests nicht alleine aufhalsen wollen und singen mit. Weiß jemand, wie schmerzlich Halluzinationen sein können, wie sie ins Herz einbrechen und dieses einer Zerreißprobe unterziehen? Zum Beispiel die Halluzination eines trällernden Amselbocks morgens um fünf auf Nachbars Dach. Man denkt, man wird diesen Morgengruß nie mehr erleben oder ihn verstört abweisen, weil jeder Laut zum Schmerzenslaut zu werden droht. Oder weil man sich plötzlich die missmutige Einstellung von Wilhelm Busch zu eigen macht: Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden. Doch dann denkt sich der Putzteufel: Sind eure Tage bald gezählt, die Amsel wieder fröhlich grölt. Man braucht Mut- unter Muntermacher in diesem Job. Es sei noch angemerkt, nachdem Franz wieder einmal die Bretterwand überstiegen hatte, legt er sich in seine Ecke und pennt ein -und schlagartig verstummen die Background Vocals auch. No leader, no pack.

Heute steht uns und Frau Fischers Fritzen noch ein großer Termin ins Haus: Zwischenabnahme durch die Zuchtwartin. Die Zwischenabnahme ist ein eher lockerer Termin (keine Angst, die anderen sind auch nicht unlocker), da wird eine kleine Zwischenbilanz gezogen, wie etwa: hat sich Frenzys Gletscherspalte auf der Brust zum Eisberg entwickelt oder ist sie zu einem Eiszäpfchen geschmolzen. Solche Sachen eben. Und jetzt kann man schon einen ersten Eindruck von den Gebissen gewinnen, was bei der Erstkontrolle aus naheliegenden Gründen nicht zu schaffen ist. Und so werden die Kleinen gedreht und gewendet wie Kartoffelpuffer und wir haben unseren Spaß, die Puffer eher weniger. Aber bevor es zu diesem Termin kommt, müssen die kleinen Fieslinge noch ein wenig aufgehübscht werden, vornehmlich ihre Krallen, die auch schon wieder wie Bambussprossen geschossen sind. Man will sich ja bei der Frau Zuchtwartin nicht unbeliebt machen, wenn die Probanden ihre zarte Gesichtshaut mit einem Schmiss verunstalten oder gar Schlimmeres verursachen, wie etwa Brustgravuren (in dieser Jahreszeit bekleidungsbedingt eher unwahrscheinlich) oder multiple Ohrpiercings. Gleich nach der Morgentoilette und Franzens kanonischen Einlassungen, machen wir uns ans Werk, das auch ohne himmlischen Beistand makellos gelingt; ziemlich handzahm sind sie geworden die Fieslinge der ersten Stunde. Es wird nur wenig genörgelt und wenig gezappelt beim Pediküretermin, manch einem dauert die Prozedur zu lange, weil des Herrn Optik gelegentlich nachjustiert werden muss, aber alles in allem lassen sie sich relativ klaglos die Zehen manipulieren – morgens im Vollbesitz ihrer Kräfte und noch völlig unausgepowert ist das nicht hoch genug einzuschätzen.

Auch die Zwischenkontrolle durch die Zuchtwartin verläuft unspektakulär; es gibt keine großen Aufreger, der Zahnstand ist nach Fakten- und Alterslage ohne Beanstandung, die weißen Abzeichen sind ohne Sorgenpotential und die Fritzlein sind so in die liebe Zuchtwartin verknallt, dass sie ihr nur schöne Augen machen und zu Teilen gleich mal bei ihr in einen seligen Schlummer verfallen. Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir bei dieser Vorstellung auf Schlafmützen plädieren, aber die Realität des Alltags schließt diese Kategorisierung aus. Es ist auch nicht weiter erwähnenswert, dass Felix wieder den größten Aufstand macht, aber der Schwabe würde sagen: ´s isch nimme des, soll mit Polt gesprochen heißen: der Nurejew ist früher auch schon höher gesprungen. Er hat schon viel Luft verloren, der alte Blasebalg.

Frenzy vom Bairischen Blues bei der Zwischenkontrolle
Gletscherspalte oder Eiszäpfchen, das ist bei Frenzy die Frage
Fado vom Bairischen Blues bei der Zwischenkontrolle
Jetzt fehlt nur, dass Fado sich in Windeln legen lässt
Felix vom Bairischen Blues bei der Zwischenkontrolle
Feli und Geli - ein Herz und eine Seeli

 

 

 

 

 

 

Felix und Franz vom Bairischen Blues erlegen ein Monster
Felix und Franz streiten ums erlegte Bärenfell
Wir sollten natürlich nicht verschweigen, dass die Zuchtwartin die Fieslingsfritzen mit einem riesigen Alien-Bär bestochen hat, um ihr Stillhalten zu erkaufen. Wir haben nichts dagegen –und die Fritzen schon gleich gar nichts.

Nun wird es allerdings Zeit, die Kinder an die Freiheit zu gewöhnen und dazu müssen die nötigen Vorkehrungen getroffen werden. Erstens muss der in Generationen bewährte Transit zwischen Küche und Terrassentür, quer durchs Wohnzimmer, aufgebaut werden. Ursprünglich hatten wir vor, die kleinen Freiheitshelden über den neu gestalteten Eingang und die Hundedusche in den Garten zu entlassen. Aber wir scheuten den Aufwand, das Treppenhaus gegen Abstürze zu sichern (und uns noch mehr

Der Transit
Der Transit
Gitterüberquerungen zuzumuten) und fanden es grundsätzlich alltagstauglicher, die Bande von unseren Hauptverbindungswegen fern zu halten. Da lässt gerade einer die Welpen durch den Eingangsbereich in den Garten und der andere kommt vom Einkaufen zurück und – schwupp – drängt der ganze Haufen durch die Haustür ins Freie. Es gibt angenehmere Vorstellungen. Also kommt der alte, immer weiter verbesserte Transit erneut zu Ehren.

Die zweite Maßnahme ist, unsere neue Hundedusche als Schlechtwetterraum und als Nachtquartier für die Fritzen vorzubereiten; tagsüber, wenn sie draußen sind, sollen sie hier einen trockenen und warmen Unterschlupf finden und nachts ihre Häupter dort betten. Wir räumen also alles beiseite, was für Welpen unzuträglich ist, stellen einen großen Hundekorb mit Laken darin bereit, auch einige Vetbeds gesellen sich dazu, ein Wassernapf und ein paar Lieblingsspielzeuge. Wenn das einmal angenommen ist und funktioniert, sind die Fritzlein tagsüber bestens versorgt und wir haben morgens eine Küche, die nicht das Gegenteil ist und können mit einem Schlauch die nächtlichen Darmproduktionen wegspülen. Ein herrliches Leben steht uns bevor, keine stundenlangen Morgenrituale mit Lappen und Schrubber und Brechreiz, alles, schwupp, weg - so viel Beschaulichkeit hatten wir noch nie.

Apropos Darmproduktion: Wir warten immer noch auf Ferdis Beitrag zur Wissenschaft. Er scheint diese Promotionsarbeit fälschlicherweise als Verschlusssache zu behandeln…