Dienstag, 13.12.2011

Wenn man aus dem Fenster schaut und den Nebel sieht, später den trüb herum ziehenden Wolken nachhängt, kann man die Schweden verstehen, die heute mit ihrem Lichterfest der Lichterkönigin Lucia huldigen. Der 13. Dezember ist deshalb der erwählte Luciatag, weil er vor dem Gregorianischen Kalender der kürzeste Tag des Jahres war und man so den anwachsenden Tag mit Lichtern feierte. Nun haben die Schweden vor allem nördlich des Polarkreises reichlich Grund zu einem solchen Sehnsuchtsfest, aber wir zwacken uns einfach ein Stückchen von den Schwedenlichtern ab und tragen es in unsere bescheidene Hütte. Abwechslung in der Ödnis plärrender und stinkender Kinder hat immer etwas Erhellendes.

Vier Ausbrecher
Fine, Flori, Felix und Fianna
Wir wiederholen uns ungern: morgens rebelliert Franz in der Schnullerkiste und seine Wilde 10 randaliert. Business as uusal also. Auch die Gewichtstabelle kommt zu keinen großartigen neuen Ergebnissen, außer dass Franz‘ Konter jetzt gesessen hat: 2740 Gramm! Felix ist bei 2700 die Luft ausgegangen. Vielleicht sollte er nicht auf Franzens Heul- und Sirenenaktionen einsteigen, dann hätte er vielleicht mehr Luft zum Ende hin. Franz schadet aber offensichtlich seine eigene Energieverschwendung nicht, Franz, der Dudel hat offenbar einen eingebauten Sack, der ihn immer mit frischer Energie und Stimme versorgt und noch genug Reserven für die Fettanlagerung zur Verfügung stellt. So gesehen ist Franz ein Wunder an Energieeffizienz.

Felix und Flori vom Bairischen Blues auf einem Kellergitter
Felix und Flori erobern das Gitter für sich
Am späten Nachmittag bringen wir ein paar Spielsachen und Gerätschaften zum Turnen und Toben in den Garten. Vor allem sind das eine ganz normale Europalette mit einem Brett als Aufstiegshilfe, ein Tunnel, eine frei schwingende Schaukel und ein Gitterrost. Vom ersten Moment an zeigen die kleinen Fritzen keine Berührungsängste, sondern stürzen sich mit großem Interesse darauf. Besonders beeindruckend ist immer wieder, wie selbstverständlich diese kleinen Abenteurer über ein ausgelegtes Kellergitter wackeln, ohne auch nur darüber nachzudenken, dass man drüber vielleicht nachdenken müsste. Sie gehen einfach drüber. Und welch ein Aufstand, welch unsägliche Auftritte erlebt man mit erwachsenen Hunden, die so etwas als Welpe nicht gelernt haben. Dabei ist es so einfach. Wir erinnern uns: wir befinden uns entwicklungstechnisch in der Prägephase, jetzt lernt der Hund wie von selbst und nimmt die Dinge hin, wie sie kommen. In diesem Alter hat man kaum Scheu vor irgendetwas, in diesem Alter ist alles ein Wunder und dieses Wunder ist nur für einen selbst gemacht: Alles gehört mir, alles ist meins und alles ist eins. Und so stapfen sie über das Kellergitter, versuchen die Palette zu erklimmen, was gelegentlich an der Koordination scheitert und toben mit knapp weniger als Lichtgeschwindigkeit durchs Tunnel; Angst, dass es am Ende keinen Ausgang geben könnte? Fehlanzeige. Wo es rein geht, muss es auch wieder raus gehen. Das Leben hat noch keine Nackenschläge verteilt und keine Wände vor die Köpfe gestellt. Das Leben surft noch auf einer perfekten Welle, rein ins Tunnel, raus aus dem Tunnel für jetzt und immerdar.

Fanni vom Bairischen Blues erarbeitet sich die Freischaukel
Fanni an der Freischaukel
Wir müssen das Spiel schon bald abbrechen, weil es dunkel wird. Aber das schadet ja nichts; wer jetzt mit so viel Begeisterung bei der Sache ist, geht morgen mit großem Tatendrang wieder dran, um sich neu zu versuchen. Dies ist im übrigen auch das Prinzip in der Hundeausbildung und –erziehung: Aufhören, wenn der Hund alles richtig macht und mit großem Spaß bei der Sache ist, dann wird er morgen wieder mit Freude an die Sache gehen. Wenn er über den Punkt hinaus mit einer Sache beschäftigt wird, wird er am nächsten Tag mit einigem Widerwillen antreten und immer weniger Lust haben. So dreht sich die Spirale rasant nach unten und am Ende haben wir einen Hund, der nicht um alles in der Welt jagen wird, selbst wenn wir ihn zum Jagen tragen.