Freitag, 16.12.2011
Der Freitag kommt mit 2° C und höchst schäbig gekleidet daher. Was soll ein Tag bringen, der so aufsteht? Der Wetterbericht sagt es uns: Sturm! Als das Thermometer mittags auf 12° C steigt, sind wir langsam überzeugt, dass der Deutsche Wetterdienst diesmal die Nase gegenüber dem Hundertjährigen vorne hat.
Im Gewichtskarusell gibt es keine Ausreißer, wenn man davon absieht, dass Franz Felix davon zieht: gestern noch trennten sie nur 50 Gramm (Franz 3100, Felix 2950), heute hat Franz Super getankt und einen Zwischenspurt hingelegt, dass es Felix bei der Verfolgung fast aus der Kurve getragen hätte: Franz 3280, Felix 3050) Die Plätze eins und zwei sind damit aber weiter in fester Hand, obwohl Fado mit glatten 3 kg Ansprüche an Felix‘ Position geltend macht. Wie schnell aber 50 Gramm verspielt sind, hat Felix gerade erst leidvoll erfahren müssen. Als Vierter folgt Ferdi mit 2940 Gramm und als Fünfter der Junior mit 2930. Flori belegt mit 2880 Gramm den 6. Platz, mit großem Abstand gefolgt von Fianna mit 2760 Gramm. 2730 Gramm stehen für Frenzy auf dem 8. Platz zu Buche, danach versucht Fanni mit 2600 Gramm noch etwas Anschluss zu halten. 2510 Gramm lassen Fine auf dem 10. Platz noch nicht aussichtslos in die Zukunft blicken, was für Franca nicht behauptet werden kann: mit 2290 Gramm kann sie bestenfalls noch die Dralle Drolli in der Liliputwelt werden, aber dass sie pfiffig ist, beweist sie uns ja jeden Tag, ein pfiffiger Miniaturschatz halt.
Aber der Ausflug ins Gewichtskarusell greift den Tagesereignissen dieses Schwarzen Freitags voraus, wohl auch, weil man sich mit bestimmten Dingen nur ungern auseinander setzen will und sich deshalb lieber in schrulligen Miniaturen ergeht. Aber wir kommen ja nicht drum herum…
Um drei Uhr nachts begann der Tag: Franz sang sein Lied. Oben in den Schlafgemächern drückte man Augen und Ohren zu in der Hoffnung, er werde bald an Stimmverlust leiden. Er litt nicht, fuhr aber doch freundlicherweise den Masterpegel herunter, so dass oben wieder der Schlaf Einzug halten konnte, oder etwas dem Schlaf irgendwie Ähnliches. Die Töne sind spitz und kristallig schrill und die Gedanken wandern zu den Nachbarn. Das Konzert, bei dem er gelegentlich geschwisterliche Unterstützung bekam, plätscherte dahin, verstummt auch mal, brauste aber gegen 5 Uhr wieder zu voller Lautstärke auf. Im Schlafgemach zieht man sich jetzt endgenervt und verzweifelt die Decken über den Kopf, nur die Mama und die durchgeknallte Tante nehmen keinen Anstoß am Furiengesang. Wir hätten gerne ein paar Takte mehr geschlafen, Frauchen hat freitags keine Schule! Bei einer kurzen Atempause gegen 6 Uhr fällt der Chef in einen anfallartigen Tiefschlaf, der ihm einen lustvollen Traum beschert. Er träumt von einem gleißend weißen Designerhaus an irgendeinem gleißend weißen Strand mit gleißend-glitzernder Brandung, in dem sich plötzlich aus den oberen Geschossen Welpen, Tausende von Welpen, wie Kakerlaken über die Treppenfluchten ergießen, über Galerien abstürzen und sich in einem gigantischen leblosen Kakerlaken-Welpen-Haufen im Keller türmen, ein blutender, nie gesehener Fleischberg, dem immer noch spitze Schreie entsteigen. Es ist kein Traum, das Elend ist Wirklichkeit, nur der leblose Fleischberg bleibt ein Traum. Die da unten haben jede Menge Leben im Leib! Viele wird es freuen, wir gehören zu den Wenigen.
Gegen 7 Uhr beenden wir unsere Qualen und steigen hinab. Was sich uns dort offenbart spottet jeder Beschreibung und entzieht sich unserer Vorstellungskraft: die ganze Dusche ist über und über – Verzeihung – verschissen, wabernde Teiche von Urin und von Kot und die Wände bis in Reichhöhe der Akrobaten kunstvoll gestrichen; aus dem taufrischen Hundehaus ist das Braune Haus von Vagen geworden. Das sind die Momente, in denen man seinem Schöpfer dankt, dass er einen mit einem unverwüstlichen Herzen und einer hohen Reizschwelle ausgestattet hat. Alle raus und mit Entsetzen dem Entsetzlichen ins Auge sehen. Hilft ja nichts…
Der Rest des Tages bringt keine Höhepunkte mehr, die nach diesem noch erwähnenswert wären. Wir stellen das Hundeduschen-Experiment ein, die Fieslinge haben gewonnen. Der Raum ist zu klein, sie können sich nicht in Ecken zum Lösen verdrücken, sie rasen umher, weil sie raus wollen, gehen an den Wänden hoch, weil sie einen Ausweg suchen und das Ergebnis ist das Vorliegende, das wir zu unserer und aller Schonung nicht fotografisch dokumentieren. Aus ist es, die Fritzen kommen nachts wieder in die Küche und wir werden auch in Zukunft tun, was wir fünf Würfe lang getan haben. Never change a running system! Es war eine schöne Idee, ein kleiner Traum, aber wenn wir ihn weiter verfolgen, können wir die neue Dusche gleich generalüberholen. Nein- Schluss!
Im übrigen: Wer noch immer bei Pro7 und SAT1 herumhängt auf der Suche nach The Voice of Germany, kann sich das schenken und zu uns kommen: wir haben sie! Franz vom Bairischen Blues ist die Stimme Deutschlands.
Nachts sind die Fritzen wieder in ihrer geliebten Küche und draußen tobt Tief Joachim über die Dächer. Beim Einschlafen trösten wir uns, dass wir die zerbrechlichen Kleinen bei diesem Wetter sowieso nicht in die Besenkammer gesteckt hätten…

