Samstag, 17.12.2011

Nach dem gestrigen Sturm von Tief Joachim liegt heute der erste Schnee. Man kann nicht behaupten, dass die Fritzen davon tief beeindruckt wären, wobei „tief“ bei gerade mal drei Zentimetern sowieso etwas hochgegriffen ist. Sagen wir es schlicht und kurz: es ist ihnen schnuppe, ob sie Gras unter den Stollen haben oder so etwas kaltes Weißes, wahrscheinlich betrachten sie diese weiße Unterlage als neuen Gag ihrer Herrschaften, die ihnen ja schon einige Bodenbeläge untergeschoben haben. Allerdings macht ihnen dieser Emergency-Schaum-Teppich reichlich Spaß und man ahnt schon bei diesem ersten Schneekontakt im Leben eines Hovawarts, dass daraus eine

Franz vom Bairischen Blues im Schnee
Franz, ein Schneeleopard?
Liebe fürs Leben werden könnte. Es wird ja in manchen Familien durchaus darüber sinniert, ob sich nicht doch irgendwann mal aus Versehen ein Schneeleopard in die Ahnentafel gemogelt hat; beißen kann er wie ein Schneeleopard, schnell kann er sein wie ein Schneeleopard, hören kann er wie ein Schneeleopard, anschleichen kann er sich wie ein Schneeleopard, das Geburtsgewicht zwischen 300 und 700 Gramm passt, die Schulterhöhe von durchschnittlich 60 cm passt und sogar der wissenschaftliche Name Unica Unica lässt Rückschlüsse auf eine heimliche Verwandtschaft zu, denn jeder Hovawart ist ein richtiges Unikum – nur bei der Sprunghöhe, die beim Irbis locker fünf Meter erreicht, hapert es ein bisschen: viele Hovawartbesitzer wären froh, wenn ihr Liebling die Meterhürde ohne aufzusetzen meistern würde. Wir können es aber dabei belassen, dass Hovawart und Schnee in jedem Fall eine innige Verbindung eingehen.

Felix vom Bairischen Blues auf der Waage
Felix, die Waage lügt nicht!
Wenn wir nur einen flüchtigen Blick auf die Gewichtstabelle werfen, finden wir Franz als König der Leoparden nachhaltig bestätigt: 3440 Gramm gegenüber 3260 von Felix. Franz hat dem Blonden gezeigt, wo der Bartl den Most holt. Die 1510 Gramm Gesamtzunahme sind zwar etwas mehr als in den letzten Tagen, bestätigt aber den Trend und unsere Vermutung, dass weder von Franzi noch von Anouk noch genügend Substanz kommt, um ein bisschen mehr anzulegen. 1510 Gramm sind im Schnitt 137 Gramm für jeden, das ist zwar nicht schlimm, dürfte aber zum Ende der fünften Woche auch etwas mehr sein. Generell sind wir immer bestrebt, unsere Hunde, auch unsere Welpen trocken zu halten, wie der Fachmann für rank und schlank sagt; uns ist es nicht wichtig, Premiumgewichte von weit über acht Kilo zur Abgabe anzusteuern, uns ist ein langsames und gleichförmiges Wachstum wichtiger. Wenn ein Welpe ein solches Gewicht erreicht, haben wir nichts dagegen, aber wir legen uns dafür nicht ins Zeug. Das Endgewicht ist sowieso genetisch festgelegt und wird nur durch starken Mangel unter- beziehungsweise durch Überfütterung überschritten. Dennoch brauchen wir für die kommenden Wochen ein bisschen „Speck“ auf den Rippen, damit der kleine Fritze sich gegen Angriffe der unsichtbaren Art wehren kann, er muss etwas zusetzen können, wenn ihn beispielsweise ein Durchfall oder eine Infektion am Schlafittchen hat. Deswegen werden wir ab heute viermal füttern. Konkret heißt das: morgens Hüttenkäse mit Welpenmilch oder Ziegenmilch und Banane, mittags eingeweichtes Trockenfutter, nachmittags Fleisch oder Fisch in allen Variationen mit Flocken, Reis, Nudeln oder Kartoffeln und abends wieder eingeweichtes Trockenfutter. Für heute wäre das allerdings nicht unbedingt nötig, denn heute kommt der Papa Fetzer sen. und stellt sich den Welpenkäufern vor. Da ist eine vermehrte Futterinfiltration anzunehmen.

Immer um diese Zeit herum laden wir die Zukünftigen zu einem zünftigen Weißwurstessen mit Public-Papa-Viewing. Dazu kommen dann selbst eingefleischte Vegetarier (gibt es eigentlich auch eingepflanzte Fleischesser?).

Fetzer vom Vögele hof
Fetzer vom Vögele Hof
Natürlich will jeder den Papa seines baldigen Hausgenossen kennenlernen und insgeheime Annahmen treffen, inwieweit sich die Kriegsbemalung des eigenen Welpen möglicherweise der des Vaters noch angleichen könnte. Die Mutter ist ja in dieser Hinsicht schon ausgetestet und lässt keine weiteren Hoffnungen zu. Aber der Papa mit seiner sehr schönen Kriegsbemalung könnte doch Anlass für den einen oder anderen Hoffnungsschimmer geben. Aber natürlich sagt das keiner, wer würde schon coram publico bemängeln, dass sein Auserwählter markenmäßig etwas knapp bestückt sei? Jedenfalls nicht vor der Weißwurst, aber hinterher haben wir es auch noch nicht erlebt, schließlich trägt auch eine Weißwurst mit Breze einen gewissen Bestechungsfaktor in sich. Dabei wäre das natürlich gar nicht mehr nötig, denn schon jetzt sind ja die kleinen Fritzen für die meisten von jeglichem Umtausch ausgeschlossen, zumindest für die, welche bereits wissen, wen sie demnächst in die Arme und ins Haus schließen dürfen.

Der Papa, und das muss man so ungeschützt und laut sagen, benimmt sich wie ein Dandy von Welt, ein Schnösel, dem nichts, aber auch gar nichts etwas anhaben kann. Wir haben bei den vergangenen fünf Würfen keinen Erzeuger (und auch keinen anderen erwachsenen Hovawartrüden) erlebt, der sich so völlig selbstverständlich in dieser seiner Welpenschar bewegte. Was wir bisher kennen sind Fluchtreaktionen, so haarsträubend, dass sie sich lieber die Gräten beim Sprung über die Welpengitter gebrochen hätten als auch nur eine Sekunde länger zwischen diesen lärmenden, stinkenden, zwickenden und zwackenden Nachzöglingen eigenen Blutes zu verweilen. Turbokomische Szenen konnten wir protokollieren, wenn mächtige Rüden mit Sabberfäden bis zum

Fetzer vom Vögele Hof
Fetzer im Welpenparadies
Boden durch den Welpenauslauf galoppierten mit einer Schleppe grölender Vatermörder hinter sich. Erwachsene Rüden können Saugwelpen nicht ertragen. Wenn sie älter werden, so ab der achten Woche, ändert sich das, weil dann in der Natur der Vater die Erziehung und Ausbildung der Jungen übernimmt. Aber Fritzen in diesem Alter sind noch unter der Würde für einen stolzen Rüden, eigentlich sogar unter aller Sau. Doch dieser Fetzer vom Vögele Hof steht mitten in unserer Küche, unter ungefähr 20 Erwachsenen, mehreren Kindern, elf Welpen und zwei Mutterschiffen und zeigt kaum sonderlich Erregung. Ja, ein paar Fäden hängen ihm vom Maul herab, aber sonst bewegt er sich fast stressfrei und ohne Hektik in diesem Tohuwabohu. Fetzer ist sich seines Herrchens gewiss, er setzt auf das eingeschworene Team und denkt sich: wo du hingehst, will auch ich hingehen. Kann man etwas Schöneres von einem androcynischen Team sagen? Wohl kaum. Wir verbeugen uns vor Christian und Fetzer sen. und sind richtig stolz auf einen solchen Papa. Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass ein solch souveränes Verhalten eines Deckrüden auch Gefahren für ihn mitbringt; er hätte an diesem Tag bestimmt viermal verkauft werden können. Aber sein Herrchen lässt nicht mit sich handeln, auch unmoralische Angebote fechten ihn nicht an, zumal er als Banker solche kennt und mit ihnen umzugehen versteht. Nein, Fetzi ist nicht verkäuflich und sein Chef nicht käuflich, ein Dreamteam eben. Eine Supershow.

Anouk mit Frenzy und Fianna
Bei der tollen Tante ist alles erlaubt
So wie Fetzer jr. den unbedingten Willen zur Vaterschaft bezeugte, offenbart Anouk den ganzen Tag über, und auch nachdem die letzten Besucher die Türe von außen geschlossen hatten, dass sie sich weiterhin mit jeder Faser zur Mutterschaft bekennt, auch wenn es nicht ihre eigene ist. Normalerweise sind nach einem solchen Tag alle hin und kaputt und verziehen sich relativ schnell in ihre Gemächer, aber nicht Anouk. Sie liegt den ganzen Abend bis spät in die Nacht im Kreise ihrer Liebsten in der Kiste, lässt sich auszuzeln, besteigen, befingern, begrapschen, abfieseln und malträtieren und ist dabei nichts als glücklich. Eine wirklich schrecklich nette Hündin; auch sie mit Franzis Welpen – ein Dreamteam. Ein Tag zum Heulen schön.