Donnerstag, 22.12.2011
Jauchzet, frohlocket! Es ist Sonnwend, es geht bergauf! Ab sofort werden die Tage wieder länger. Der Winter, der bisher keiner ist, wird jetzt Zug um Zug, Tag für Tag mehr seiner finsteren Seite beraubt. Angesichts dieser Freude ahnt man, warum die großen Feste der Frühzeit um die Wintersonnwende gelegt wurden: man feiert den Lichtblick, die Hoffnung auf Wärme und die mit der Tageslänge wachsende Kraft und Energie. So ist es natürlich auch kein Zufall, dass wir Christenmenschen in zwei Tagen die Geburt des Messias feiern, der vermutlich auch nicht ganz zufällig als Licht der Welt bezeichnet wird, jene Geburt, die man praktischerweise auf die Zeit der Julfeste pfropfte, um die Feierlichkeiten der zu missionierenden Germanen und Kelten für die eigenen Ziele zu nutzen. Und das hat ja ganz fabelhaft geklappt, wie wir heute wissen. Und so heißt Weihnachten in skandinavischen Sprachen noch heute Jul oder Jol, selbst im Englischen ist noch der Begriff Yule bekannt. So freuen wir uns also auf die wachsenden Tage und Weihnachtsgeschenke und brauchen keine Elfenopfer mehr zu bringen, wobei wir mangels genauer Kenntnisse dieser Opferrituale nicht wissen, welches Opfer uns mehr abverlangt, das Elfenopfer oder das finanzielle Opfer der Weihnachtsgeschenke.
Ab sofort also mehr Licht. Wer jetzt schlaumeiert, Goethes angeblich letztes Wort „Mehr Licht“ sei auch auf diesen Wendepunkt der Sonnenbahn zurückzuführen, der irrt fundamental: Goethe starb nämlich am 22 März.
Trotz dieses kalendarischen Lichtblicks ist es heute trüb und regnerisch, gelegentlich auch schneeregnerisch. Genau so verläuft auch der Tag beim Blues: schleppend und bleiern. Natürlich gehen Besucher ein und aus wie jeden Tag und bringen reichlich Glanz in unsere Hütte, viel mehr als dieser sonnenfaule Sonnwendtag zustande bringt, aber dennoch liegt etwas Zähes in der Luft, als ob uns diese langsam ausginge. Doch zweieinhalb Wochen müssen wir noch durch- und Anouks Allüren aushalten. Zweieinhalb Wochen voller Freuden und Nervenattacken. Und wir spüren es tief in uns: wir wollen niemals auseinander gehen, wir wollen immer zueinander stehn, uns’re Welt ist so schön, wir wollen niemals auseinander gehen.
Nur Anouk geht uns auf den Geist, macht uns ganz schuri und meschugge, weil sie ohne Schwein und Huhn nicht mehr lebensfähig scheint, selbst beim Spaziergang besteht sie auf Begleitpersonal aus Plaste. Und sogar ihren geliebten Banditenkater Rossi lässt sie spüren, dass die Dinge hier keine Seifenoper ist, sondern eine knochenernste Angelegenheit, indem sie ihm einfach den Rückweg versperrt, als er nur mal nach dem Rechten sehen und fragen wollte, wie es denn mit dem Dinner aussehe und dabei den Fehler begeht, auf die Arbeitsplatte zu springen. Anouk legt sich davor und verfolgt fortan jede seiner Bewegungen, und wenn er ihrem Aktionskreis zu entschlüpfen droht, rückt sie nach. Nur der Beherrschung der 3. Dimension hat es Bandit zu verdanken, dass er ihr entkommt, indem er sich in einem kühnen Sprung über Anouks Kopf hinweg auf den Küchenblock rettet und sich auf und davon und aus dem Staub machen kann.
