Freitag, 23.12.2011
Die vergangenen beiden Tage dürfen als Energie-neutral betrachtet werden, denn 1420 Gramm gestern und 1540 Gramm Zuwachs heute sind eher unterer Durchschnitt. Es ist also zu vermuten, dass die Energiemenge, die in der Pansenbeute von vorgestern steckte, durch deren Verteidigung und Verarbeitung wieder verbraucht wurde. Philosophisch betrachtet könnte man also am Pansengleichnis postulieren, dass man sich an den ganz großen Brocken nicht nur verschlucken kann, sondern dass der Preis für deren Erlangung, Ergaunerung , Verteidigung und Verwaltung in keinem Verhältnis zu ihrem Wert steht. Wenn wir diese Annahme zur Grundlage unserer Gewichtsbetrachtung machen, müssen wir feststellen, dass Franz am heftigsten von dieser Logik betroffen war: 10 Gramm! Wenn man einbezieht, dass die Waage immer einen kleinen Schwankungsbereich hat und selten ganz ruhig steht, könnten es sogar -10 Gramm gewesen sein. Was für ein Missverhältnis zwischen kämpferischem Aufwand und Ertrag! Dennoch bleibt er natürlich mit 4680 Gramm an der Spitze. Allerdings muss man Franz auch zugutehalten, dass er sich treppenartig nach oben bewegt, immer mal ein Diättag abwechselnd mit schierer Völlerei. Vielleicht haben wir ja gerade wieder mal seine sieben mageren Jahre hinter uns und dürfen uns jetzt auf sieben fette freuen. Allerdings ist Franz mit dieser Leistung wirklich ganz allein auf weiter Flur, obwohl auch die anderen nicht wirklich geglänzt haben (sonst wäre ja auch mehr heraus gekommen am Ende). Fine 40 Gramm und 3660 zum Fettbörsenschluss; auch sie hat sich entweder übernommen oder nichts abbekommen. Fianna bekam mit 80 Gramm auch nicht gerade viel Fett weg und steht mit 4090 trotzdem als fette Lady, Anführerin der Damenklasse, im Protokoll. Da konnten die Restmädels Frenzy (120), Fanni (140) und Franca (150) noch so effektiv ihren Pansengummi verteidigen und verwerten, an Fianna kamen sie nicht vorbei. Flori mit 130 Gramm und Felix mit 140 lassen erkennen, dass bei ihnen Aufwand und Ertrag etwa im Gleichgewicht waren. Nur Fetzer jr. mit 260 Gramm Zulage (4200) und vor allem Ferdi mit 330 Gramm (4230) hatten offensichtlich die beste Strategie und sind etwas näher an die Spitze heran gerückt.
Weil das Wetter zwar morgens nieselig und trüb daher kommt, sich aber im Laufe des Tages als recht brauchbar erweist, verbringen die Fritzlein die meiste Zeit draußen. Und sie haben richtig Spaß und drehen auf. Es ist beeindruckend, wie viel Bewegungsbedarf sie haben; sie sind kaum müde zu kriegen, jagen alles und vor allem sich gegenseitig, schleppen jeglichen Plunder herum, raufen wie eine bayerische Hochzeitsgesellschaft und machen einen allerliebsten Spektakel: große Bühne im Blues-Land, die Kleinen verkaufen sich prächtig bei den reichlich anwesenden Interessenten und Neugierigen. Als Züchter muss man da fürs Marketing nicht mehr viel machen, höchstens die Hosenbeine entzahnen und Strangulationen unvorsichtiger Schalträger unterbinden. Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie unbedarft selbst Hundebesitzer (ja, sogar Hovawartbesitzer!) den Freilauf sechs Wochen alter Hovawartwelpen betreten, so, als ob sie Meerschweinchen besuchen gingen. In der Tat ist es von außen nicht leicht vorstellbar, wie viel Energie und Kampfbereitschaft im Spiel solcher Welpen liegt. Wir erinnern uns immer wieder mit großer Freude an eine liebe Freundin und Labradorzüchterin, der wir beim Besuch einer ihrer Würfe besorgt die Frage stellten, wie lange ihr im Garten aufgebauter 30-Zentimeter-Karnikelzaun die Welpen am Ausbruch hindern würde und sie uns verständnislos ansah und antwortete: bis zum Schluss. Sie hatte nicht verstanden, was unser Problem war. Das erkannte sie bei einem Gegenbesuch bei uns und dem Anblick eines Gartens als Hochsicherheitstrakt. Als sie dann auch noch Zeuge eines fast geglückten Ausbruchsversuchs wurde, war ihr ein weiterer signifikanter Unterschied zwischen Labrador und Hovawart klar geworden. Den Besuchern unserer Fritzlein ist meist schon beim ersten Versuch eine Ahnung gekommen, was da später auf sie zukommt, was jetzt gerade auf sie zukommt ist unübersehbar, kommt meist im Mehrfachpaket, ist schnell wie ein Nest Vipern und setzt die Nadelstiche so präzise wie Muhammad Ali. Wie wir sie lieben, diese Unbeschwertheit unserer eigenen Beine, einmal am Tag nicht Opferknochen halbverhungerter Schakale zu sein.
Die weiteren Schauelemente liefert Anouk mit Ihren Stilleinlagen, welche die Besucher zu ungläubigen Maulaffen machen, die meinen, in einem kitschigen Disney-Movie gelandet zu sein und nicht bei einem halbwegs seriösen Hovawartzüchter. Die weiteren hormonbedingten Auffälligkeiten
der alten Dame strapazieren wir hier nicht weiter, sondern setzen sie als Allgemeinwissen voraus und geben nur zu Protokoll, dass man sie sich als Running Gag durch den gesamten Text vorstellen darf. Anouk ist hormonell eben völlig vom Riemen. Punkt.
Franzi entledigt sich hingegen ihrer Mutterschaft mehr und mehr, was ihr unter den gegebenen Umständen sehr leicht gemacht wird. Zweimal am Tag säugt sie noch immer im Stehen, darauf besteht sie auch, aber mehr Betreuungsdienste leistet sie nicht mehr. Sie kümmert sich größtenteils um sich selbst und das tut sie auf der Flucht, dort ist sie nämlich meistens: auf der Flucht, wie Richard Kimble (die Älteren unter uns kennen den noch, die Jüngeren sollen das Internet eben mal sinnvoll nutzen). Bei einer dieser Fluchten reißt sie dann schon mal den Transit im Wohnzimmer nieder und zermalmt ihn unter ihrem darüber stürzenden Leib, was ihre Situation nicht entspannt, weil ihr nämlich augenblicklich die ganze Meute, im Wohnzimmer ausschwärmend, johlend im Nacken sitzt und sie zu Paaren treibt. Welch ein Happening, sich ungehindert ins Wohnzimmer ergießen zu können, Mama im Viereck jagen und alles niederwalzen zu dürfen, was sich einem in den Weg stellt. Wieder was gelernt – Prägungsphase eben.
Wir registrieren heute erstmals Durchfall. Bisher sind wir ja durch alle Anfechtungen geschritten wie Jesus über den See Genezareth. Identifiziert haben wir Ferdi und den Junior, die sich in Lachen entleeren. Wir haben endlich wieder Morastteiche in der Küche- züchterisches Endzeit-Glück… Fanni verweigert dann abends die Mahlzeit und ist augenscheinlich etwas krank. Wir vermuten bei ihr, dass sie sich etwas verkühlt hat, weil wir sie gestern Abend beim Einsammeln hinterm Hundekorb vergessen haben, wo sie zusammengekauert im Dunkeln lag. Erst nach über einer halben Stunde und wiederholten Zählappellen war klar, da fehlt was Blondes. Vielleicht war das zu viel Nachtfrost, der bei etwa 4° C eigentlich kein Frost war, aber so ein nackter Welpenbauch ist halt sehr empfindlich. Wir werden sehen. Und morgen ist Weihnachten, da ist ja seit 2000 Jahren die Erlösung allen Übels die Zentralbotschaft. Was soll uns da etwas anhaben?





