7. Woche (25.12. – 31.12.)

Sonntag, 25.12.2011, 1. Weihnachtstag

 

Auch ohne dicken Schneeflausch auf Flur und Dächern haben Tage wie dieser etwas von einer natürlichen Geräuschlosigkeit, als ob das Leben über einen dicken Teppich liefe. Man traut sich ja kaum in gewohnter Lautstärke „Guten Morgen“ zu sagen, man haucht es mehr, von der Tiefgründigkeit des Datums in die Knie gezwungen, man schält sich lautlos aus der Decke, um das Echo der Stillen Nacht nicht zu besudeln, man erschrickt am ordinären Dröhnen der Klospülung und wünscht sich, die würdelosen Stoffwechselvorgänge wenigstens für einen Tag außer Betrieb setzen zu können.

Und dann gibt es da noch elf von solchen Anwandlungen unberührte Christtagsschänder, denen des Herrn Geburt nicht mehr wert ist als ein Sammelruf nach der Futterschüssel. Und natürlich müssen wir sie auch heute Morgen in den Garten lassen, um den Augiasstall zu reinigen, denn Stall ist nicht Stall, nicht einmal in solchen heilsbringenden Zeiten. Während die einen bei dem Wort Stall an Krippe, Ochs, Esel, Maria, Josef und geschäftige Englein denken, reduziert sich dieses Bühnenbild bei uns auf „Maria und Josef, wie siehts denn hier aus!“ – man kann sich das denken – oder doch besser nicht. Wie gesagt, man wünschte sich an solchen Tagen ein

Franzi mit Fetzer jr. und Franz
Stille Spiele im Weihnachtsparadies
Stoffwechselmemorandum, aber wenn das uns schon nicht gelingt, wie sollte es dann den kleinen Fieslingsschweinen gelingen? Und weil die Dinge so sind wie sie sind, müssen die kleinen Schweine auch heute in den Garten und man hofft, dass sie die Klappe halten am heiligen Christtag und nicht lauthals irgendwelche frohe Botschaften verkünden. Doch mit dieser Truppe sind wir in der Tat gesegnet, gebenedeit seist du, Franzi und gebenedeit sind die Früchte deines Leibes und gebenedeit seist du, Fetzi aus Landshut, die ihr uns still vergnügte Kinder beschertet. Als hätte ihnen ein fürsorglicher Zahnarzt aufgetragen, alle zusammen eine halbe Stunde lang brav auf imaginäre Wattetampons zu beißen, tollen sie lautlos durch ihr Paradies. Kein Mucks zu hören, höchstens ein Hecheln oder Quietschen, wenn einer über den Haufen genagelt wird.

Nach dem Frühstück und dem Wiegen, wenn alle wieder in der guten und gepflegten Stube zusammen sind, lassen sie dem aufgestauten Vokaldruck freien Lauf und während Frauchen mit ihren beiden Damen durchs leicht frostige, aber zutiefst schweigsame Mangfalltal schlendert, machen zuhause elf Kakadus von Captain Silver einen Stimmband- und Gehörgangstest. Selbst das bei Bedarf orkanartige Organ des Zeremonienmeisters taucht bei dieser Kakophonie unter wie eine Heulboje bei zwölf Windstärken. Aber so recht beschweren kann man sich nicht: die Stille Nacht ist ja bereits vorüber.

Ein Wort zum angesprochenen Frühstück: Heute ersetzen wir die Welpenmilch durch Ziegenmilch, die ähnlich gut und gehaltvoll ist wie die Welpenmilch. Der Hintergrund ist, dass wir testen wollen, wie das funktioniert und bei den Fritzen ankommt, weil die späteren Welpenbesitzer dann auf den Kauf der teuren Welpenmilch verzichten können, zumal einige dieser Kakadus relativ schnell keine Lust mehr auf Welpenmilch haben und sie gelegentlich auch nicht mehr vertragen werden. Dann bleibt man auf einem Eimer sündteurer Welpenmilch sitzen, und das muss nicht sein. Heute Morgen machen sie keinen Unterschied und schlabbern die Ziegenmilch genauso nachdrücklich wie ihre Welpenmilch. Wir werden sehen; wenn es klappt ist es ideal, wenn nicht, muss eben das Standardprogramm wieder aktiviert werden.

Was immer es war, Ziegenmilch war es sicher nicht, aber irgendetwas hat gestern die Fritzlinge mit einem Schlag vom Weltergewicht ins Halbmittelgewicht befördert: 2860 Gramm Fett- und Muskelanlagerung binnen eines Tages. Wir schwören, von unserer Weihnachtsente haben sie nichts bekommen, auf Ehr und Treu. Der bisherige Spitzenwert war 2640 Gramm am 21. Dezember, auch schon ein „giant leap“, doch knapp drei Kilo an einem Tag ist monströs. Mal sehen, ob das später noch getoppt wird. Wenn wir diese 2860 durch elf teilen, ergibt sich ein durchschnittlicher Zuwachs von 260 Gramm. Dass Franz an diesen 260 Gramm nicht scheitern würde, war abzusehen; er macht 310 Gramm gut, überspringt erwartungsgemäß die fünf Kilo (5300) und bleibt auf dem Sonnenplatz. Und Felix will sich nicht abschütteln lassen, auch wenn es ihm Mühe bereitet: 290 Gramm (4900), Platz 2. Auch auf Platz drei pure Langeweile: Fado lässt mit 330 Gramm nichts anbrennen (4710) und sichert sich seinen Stammplatz. Platz 4 bekommt einen neuen Platzhalter: Flori. Er kommt von Platz 7- adipöse 360 Gramm (4600) haben es möglich gemacht. Platz 5 belegt weiterhin mit stoischer Ruhe Ferdi. Mit dem exakten

Fianna vom Bairischen Blues
Fianna
Durchschnitt von 260 Gramm und 4580 lässt er den Positionskampf an sich vorbei rauschen. Vom 8. Platz auf den 6. rückt Fianna vor: 350 Gramm sind kaum weniger unanständig als Floris 360 und bescheren ihr satte 4570 Gramm rabenschwarzer Leibesfülle. Frenzy kann dagegen trotz stabiler 240 Gramm (4500) ihren 6. Rang nicht halten, sondern muss eine Stufe zurück auf 7. Aber dann: gestern noch strahlender Dritter mit 4380 Gramm versandelt der Junior anscheinend jede Mahlzeit und muss sich mit 70 Gramm plus (4450) und Platz 8 zufrieden geben. Das nennt man mal eine Fettschmelze. Den 9. Platz teilen sich Fanni (+160) und Fine (+240) mit 4030 Gramm und blicken ohne Grund recht hochnäsig auf die Einzige unter vier Kilo herab: Franca, die Elfe mit der Nummer 11. Dabei muss sie sich mit ihren ambitionierten 250 Gramm von diesen beiden hoffärtigen Blondchen wirklich nicht anrüpeln lassen…

 

Der Spielplatz
Der Spielplatz
Man kennt das: Weihnachten ist, Geschenkpackungen werden mit eiligen Fingern aufgebrochen, Glückslaute werden ausgestoßen, ach, wie schön, oh, wie aufmerksam, ei, wie teuer - und anderen Tags liegt das ganze Zimmer unter einer Decke von mehr oder weniger nützlichem Geraffel und Verpackungsmaterial. Wer Kinder hat, kennt diesen Zustand. Wir haben
Das Bällebad
Das Bällebad ist der Renner
Kinder, elf sogar, und deswegen ist auch für diese gestern Weihnachten gewesen und das Christkind gekommen und hat neue Spielsachen fürs Welpenparadies gebracht. Die liegen jetzt im Garten herum. Zu den aufregendsten Neuerungen gehören ein Bällebad und ein Flattervorhang aus Plastikstreifen. Während sich das Bällebad sofort großen Zuspruchs erfreut, fristet der Flatterer im hinteren Gartenteil ein eher zurückgezogenes Leben. Aber der kommt schon noch ins Spiel, wir kennen das, plötzlich, wie auf ein geheimes Kommando stürzen sich alle drauf und wollen nicht mehr von ihm lassen. Aber alles hat seine Zeit, die Zeit des Flattermanns kommt noch.

Ferdi mit seinem Pansenstück
Ferdi arbeitet sich am Pansen ab
Heute gibt es noch einmal – Weihnachten! – Pansenstücke, damit uns die Fieslinge nicht vom Fleisch fallen. Die Szenen sind bekannt, aber die Eroberungs- und Verteidigungsstrategien werden raffinierter. Und außerdem brauchen wir wieder richtige Darmfüller, weil wir wieder Kotpröbchen nehmen für die Wissenschaft, alle zwei Wochen, wie das Gesetz es befahl. Die letzten Proben waren alle wurm-negativ. Jetzt sieht man uns also wieder mit Argusaugen hinter den kleinen Ärschen herschleichen und nach Output Ausschau halten. Und immer wieder und immer noch schaffen sie es, uns ein Ei praktisch direkt hinter die Füße zu legen, ohne dass wir etwas mitkriegen. Ist das jetzt Zufall, Dämlichkeit unsererseits oder ausgebuffte Gruppenstrategie, ebenso ausgebufft wie die eingesetzten Strategien um die Pansenlappen. Der Mensch als Krone der Schöpfung wird von viertelwüchsigen Kleinsthunden vorgeführt; auf eine solche Krone könnte die Welt leicht verzichten.

Die Krönung liefert dann allerdings am späten Abend der Juniorfetzer. Sterbensnahes Gekreische aus der Küche, Endzeitalarm! Heiliger Strohsack, was ist denn nun schon wieder los? Erst mal sehen wir nichts, folgen aber der Dreiklangfanfare im Welpenfalsett und diese führt uns zum Küchenblock. In unserer Küche Mitte steht nämlich ein buchenhölzerner Küchenblock (120 x 60) mit Schubladen und Gemüsekörben. Wenn diese Körbe entfernt sind, und sie müssen in nächster Zukunft entfernt werden, sonst müssen sie auf immer entfernt werden, öffnet sich den Kleinen ein großartiger neuer Spielplatz im Küchenblock. Fetzer jr. scheint nun schon mal die Möglichkeiten eines solchen neuen Angebots testen zu wollen, schiebt aber nicht den untersten Korb von der Bodenfläche, sondern kriecht gleich ganz unter den Küchenblock, dessen lichte Weite vom Boden zehn Zentimeter beträgt. Eigentlich kein Problem, der Junior ist wahrlich nicht der erste Abenteurer, der sich dort unten durch schiebt, aber entweder macht er einen Buckel oder geht vor lauter Plärren auf wie ein Luftballon, jedenfalls steckt dieser lebende Lachsack dort unten fest wie ein Korken in der Flasche und ist nicht herauszuziehen. Wir müssen allen Ernstes den Block anheben, um diesen Irrgänger wieder zu befreien. Wir überlegen kurz, ob wir ihn gleich wegen erwiesener Lebensuntauglichkeit einschläfern sollten; so einen Blindgänger kann man ja keinem Käufer zumuten, aber wer so mit Brillantine gewichste Lackschühchen an den Füßen trägt wie dieser Junior, der verfügt möglicherweise auch über den Horizont eines Gigolos. Nur weil wir wissen, dass der Junior ins Schwabenland auswandern wird, wo man bekanntlich erst mit 40 Jahren die nötige Reife erlangt, lassen wir ihn weiterleben und schwäbisch heranreifen. In den Gitterstäben zum Wohnzimmer ist uns schon der eine und die andere stecken geblieben, weil man leicht zwischen die Stäbe gleitet, aber dann mit den abstehenden Ohren und dem Pummelbauch hängen bleibt. Gut, darüber lacht man. Auch hinter unserem Stützträger in der Küche ist schon mal einer hängen geblieben, weil er sich überschätzte, was übrigens weniger komödiantisch war, weil weder der Stahlträger noch die Wand zwischen denen der Unglücksrabe festsaß auch nur einen Millimeter zu weichen bereit waren; den mussten wir quasi herausschrauben – aber sich auf ebener Erde, auf gleitfähigem Kacheluntergrund und bei zehn Zentimetern lichter Weite festzufahren, ist ein Husarenstück, das einmalig ist und auch bleiben dürfte. Vielleicht wollte der Gigolo auch nur testen, ob sein Sixpack vom Pansenmenü nicht zu sehr geschwollen ist, dass er Abschläge bei der Akzeptanz der Damen in Kauf nehmen müsste. Wir taufen ihn El Niño, das Weihnachtsdesaster.