Donnerstag, 29.12.2011

Heute Morgen ist Turboputzen angesagt. Der Wettergott gebärdet sich wie ein richtiger Ungeist und beschert uns Regen satt bei 2°C. Da heißt es, den Morgenausgang so kurz wie möglich zu gestalten. Für den Herrn der Wringe bedeutet das eben Turbofeudeln – und das bei einem Sudelfeld, das zu den ausgeprägtesten der jüngsten Vergangenheit gehört. Kaum ist man aus den Federn, ist man schon wieder durchgeschwitzt.

Mit den Gewichten geht es wieder in die gewohnten Regionen: 2390 Gramm über alles. Franz (6260, +270), Felix (5840, +260), Fado (5470, +210), Fianna (5420, +270), Ferdi (5420, +210), Flori (5330, +50), Fetzer jr. (5310, +170), Frenzy (5080, +100), Fanni (4910, +370!), Fine (4780, +340!) und Franca (4200, +140).

Fanni vom Bairischen Blues
Fanni
Die richtigen Bringer waren also Fine und vor allem Fanni, deswegen werfen wir einen Blick auf die zweite Blondine in der Fritzenschwesterschaft. Fanni gehört mit Sicherheit zum Liebsten, was dem Blues entsprungen ist. Fanni ist eine rundum freundliche Hündin, der jeder Gedanke an das Böse in der Welt fremd ist. Sie ist lustig und voller Bewegungsfreude. Wenn man Fanni kurz charakterisieren wollte, müsste man sagen: wo gefeiert wird ist Fanni, wo gefeuert wird, sind die anderen. Das wäre dann allerdings doch zu schön gefärbt, denn natürlich mischt sich auch Fanni in die Alltagshändel ein, schon weil sie es gar nicht immer verhindern kann. Wer mitten in einer Demo steckt, kann den Strahl des Wasserwerfers nicht immer vermeiden. Wenn sie aber ins Handgemenge gezogen wird, langt sie zu. Zum Prügeldirndl taugt Fanni nicht. Dennoch liegt ihre Kernkompetenz eher bei den Soft Skills als bei jenen Elemantarteilchen des Zusammenlebens, die dies zuweilen zu einer endlosen Reihe von Showdowns machen. Fanni ist ein leidenschaftlicher Schoßbesetzer und Armsurfer. Wenn es ums Kuscheln geht, ist Fanni die begnadetste Frontfrau, die man sich wünschen kann, vorausgesetzt, man hat Zeit, Geduld und wohlproportionierte Oberarme; auch fünf Kilo hängen sich an. Wenn sie aber nicht schmust, spielt sie, huscht über den Parcours, schiebt Bälle vor sich her und hat immer ein Auge dafür, wo gerade eine neue Spielbank eröffnet wird. Fanni ist ein zartes Wesen, ohne fragil zu sein. Sie ist zurückhaltend, ohne Außenseiterin zu sein. Wir persönlich finden es jedenfalls außerordentlich erfrischend, dass bei der Annäherung eines Fritzlings nicht automatisch alle Sperrgürtel und Selbstschussanlegen um uns herum aktiviert werden müssen. Ein Fanni-Biss ins Fersenbein kommt leicht in Verdacht, vergnügungssteuerpflichtig zu sein. Ein solcher Hausgenosse müsste eigentlich als permanenter Stimmungsaufheller von den Kassen bezahlt werden. Unsere Fanni verleitet zu abgedroschenen Wortspielen: Sunny-Funny.

Nicht nur Fanni, auch bei anderen Fieslingen entwickelt sich jetzt die Rudimentärform des Bellens. Heilix Blechle, zum Wegschmeißen komisch diese raunzigen Stimmversuche. Aber es sollen ja richtige Hovawarte und Wachhunde mit einem sonoren und einflussheischenden Organ werden, Da lohnt es sich, früh zu üben. Für seine Stimmlage kann ja keiner was, aber so ein wohltönender Bariton hinter der Haustür sorgt schon für die gewünschte Distanz auf der anderen Seite der Tür; und manch einer, vor allem solche, die wissen, dass sie nicht überall gern gesehen sind (z.B. messianische und andere Klinkenputzer) nehmen schon gerne mal Reißaus, bevor sie auf die Klingel gedrückt haben. So ist selbst unser Seelenheil durch unsere Sonoras nie in Gefahr. Wir kennen eine Hovawarthündin, die leider über ein eher ungenügendes Organ verfügt und deren Lautäußerungen beim Stellen und Verbellen im Schiutzdienst etwa so klingt wie wenn die Hausfrau das Familiensilber aus dem dritten Stock wirft. Da müssen selbst die Schutzdiensthelfer an sich halten, um nicht los zu prusten. Aber sie kann halt nix dafür, umso schöner, wenn die Natur frühzeitig die Weichen stellt, damit unsere Fritzlein wohltemperierte Baritone entwickeln.

Die Wurfkiste wird abgebaut
And the children go to summer camp and then go to university
And they all get put in boxes and they all come out the same. (Pete Seeger)
Heute wird die Schnullerbox wieder abgebaut und bis auf unabsehbare Zeit eingelagert. So spät ist das noch nie geschehen, außer beim A-Wurf, wo sie bis zum Schluss stand. Aus diesem Kardinalfehler haben wir aber schnell gelernt, denn die Kiste wurde ja nicht mehr als Schlaf-, Spiel- und Kuschelplatz genutzt, sondern als Pissoir. Und als wir sie abbauten, wussten wir, warum wir den ordinären Geruch trotz allen Putzens nicht losgeworden sind (wer beim Oktoberfest so eine Massenpissrinne schon mal aufsuchen musste, weiß, was das bedeutet). Durch die Ritzen war dauernd die Seiche gelaufen und hat sich mit den Tagen zu kristallinen Lachen aufgebaut. Bei den folgenden Würfen bauten wir die Kiste dann sofort ab, wenn die Welpen die Küche als festen Schlafplatz und im Gegenzug die Kiste als Pinkelplatz nutzten. Da war dann Schluss - und den bestialischen Geruch waren wir auch los. Aber diese Fritzlein haben erst jetzt angefangen, ihre Notdurft in der Kiste zu erledigen, bis heute haben immer welche drin geschlafen, oder bei Anouk gekuschelt und getrunken. Und solange war natürlich an einen Kistenlokus nicht zu denken. Doch nun haben sich auch diese Aktivitäten immer mehr nach draußen verlagert – und die Kiste ist fällig. Gut hat sie ihren Job gemacht, die neue, alte Kiste, in der schon Franzi das Licht der Welt erblickte und die den Fritzlein offenbar ein sehr geliebtes Lager war. Schau mer mal, wann sie wieder zum Einsatz kommt.

Während dieses „Abbruchs“ hatten wir die Welpen natürlich im Garten, denn mit so vielen eifrigen Helfern würden wir vermutlich noch morgen sitzen und schrauben und Schrauben suchen und putzen und stapeln und Fritzlein vor dem Erschlagenwerden retten. Nein, das geht gar nicht. Aber wir sind natürlich gespannt, wie sie reagieren, wenn ihr Erstlager plötzlich weg ist, dafür an dieser Stelle ein Tisch und darunter zwei Waschschäffer mit Handtüchern und Vetbets stehen. Sie reagieren emotionslos. Sie schauen, nehmen zur Kenntnis, orientieren sich und prägen sich die neue Lage ein und gehen zur Tagesordnung über. Wer also glaubt, einem Welpen nichts zumuten zu können, hat hier einen Beweis, dass sie höchst flexibel auf Veränderungen reagieren. Wegen so etwas lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Spielen, kuscheln und Milchzuzeln kann man auch woanders. Kein Problem.

Franz vom Bairischen Blues
Franz hat's eilig ...
Nur unser Franz, also nicht Franzi, sondern Mighty Franz, scheint seinen Unmut artikulieren zu müssen. Diesmal geht es nicht um Freiheitsberaubung, schließlich war die Kiste nicht immer seine beste Freundin, aber ohne seine Zustimmung empfindet er einen solchen unauthorisierten Abbruch als Zumutung. Ausgerechnet Franz, den wir schon so gelobt hatten, dass er darauf besteht, für seine großen Geschäfte in den Garten gelassen zu werden, ausgerechnet dieser Franz scheißt uns nach über einer Stunde Outdooring unmittelbar nach dem Einlass mitten in die Küche – dabei war die Terrassentür und damit die Option immer noch offen. Und gleich hinterher, Entschuldigung, aber das muss jetzt sein, brunzt er uns auch noch in die Ecke! Vielleicht sollten wir mit den Charakterportraits einfach aufhören, wenn man immer nur Lügen gestraft wird.

Trotzdem gibt diese Unmutsäußerung Grund zur Feststellung, dass wir nun, in der Mitte der siebten Woche, mit Ausnahme eines kleinen flüssigen Intermezzos, immer noch stramme Häuflein zu beseitigen haben. Ob’s an der Ulmenrinde liegt, am winterlichen Wetter oder daran, dass Franzi noch immer 2-3-mal täglich säugt? Von Anouks Milchbeitrag gar nicht zu reden. Wir wissen, dass wir den Wurf nicht vor der Abgabe loben dürfen und noch alles möglich ist, aber es ist sehr angenehm, bis hierher gekommen zu sein, ohne viral abgeschlaffte Welpen herum liegen zu haben, die Odellachen absetzen. Wir hoffen das Beste und drücken uns und den Fritzlein die Daumen.

 Diese Fritzlein sind heute auch sehr rechtschaffen müde, denn wieder war Tag der sehr Offenen Tür und da reicht es auch den Kleinen am Abend. Noch ein bisschen spielen, still, vergnügt und innig, ein bisschen an Tante Anouk knibbeln und dann hinübergleiten in Morpheus‘ Arme. Ach, wie süß die Englein schnurpseln…