Samstag, 31.12.2011, Silvester
Endspurt für das Jahr 2011, einem Jahr, das es wirklich in sich hatte. Die Umwälzungen im arabischen Raum wären allein genug Historie für ein einziges Jahr. Mubarak und Ben Ali weg vom Fenster, Gaddafi, Bin Laden, gestrichen von der Liste der Diesseitigen – aber ist die Welt besser geworden?
Quoth the raven: Nevermore*.
Doch nicht genug: Fukushima, Fluten, Überschwemmungen und eine niederträchtige Abfolge bösartigster Hurrikane und Taifune – Weckrufe für eine sich taifunartig um die eigene Hoffart drehende Menschheit?
Quoth the raven: Nevermore.
Wenn das schon alles gewesen wäre! Staatspleiten, Finanz-Overkill, Hedgfond-Harpyien, Derivat-Drückerkolonnen, Monetenmafia, seelenloses Fitch-Hiking, skrupelfreies Moody-Bluesen, europäische Wohlstandsnivellierung auf Armenstandard durch Standard Pooring, Böse-Börsen-Buben, Bunga-Bunga-Präsidenten, Merkosy-Marktwirtschaft – kann’s noch schlimmer kommen?
Quoth the raven: Evermore.
Und wer uns zu all diesem Unglück auch noch alles verlassen hat! Über Ludwig Hirsch und Georg Kreisler hatten wir schon Gelegenheit, die angemessen Worte zu finden. Aber die mortale Phalanx der ganz Großen macht uns arm. Night Owl Gerry Rafferty mit 63 vom Suff dahin gerafft. Immerhin hat er es fast dreimal so lange durchgestanden wie Amy Winehouse. Gary Moore bekommt mit 59 keinen Blues mehr. Dann die großen Aktricen Liz Taylor, Maria Schneider (die vom Letzten Tango in Paris) und Anni Girardot, das späte Mädchen. Loriot! Wer soll ihn denn ersetzen? Die Knollennase Dirk Bach etwa? Auch Franz-Josef Degenhardt spielt jetzt wieder mit den Schmuddelkindern. Und dann noch Václav Havel, den vermutlich die Verzweiflung über seinen missratenen Nachbarn Orban zum Aufgeben bewog. Da wird es einem ganz gruselig vor so vielen Untoten, die den Lebendigen das Leben noch ziemlich schwer machen dürften. Beschwert sich jemand, dass wir Bernd Clüver und Witta Pohl unerwähnt lassen? Die sind halt vom Schatten der Großen zu stark verdunkelt worden. Ups! Das Urgestein unterschlagen: Jopi Heesters, mit 108 Jahren an Heiligabend zu den Enkeln gegangen (andere gehen zu ihren Vätern); mit dem Termin erhofft er sich offenbar per Stairway to Heaven als überständiges Christkindl einen direkten Zugang zum Paradies zu ergattern. Mit ihm aber schließt sich der Kreis wieder, denn sein berühmtestes Lied „Heut geh‘ ich ins Maxim“ klingt in unseren Ohren heute wie ein Champagner-Round-Up von Wallstreet-Gel-Bürschchen und Insurance-Jongleuren bei einer After Work Party: Heut geh ich ins Maxim / dort bin ich sehr intim / Ich duze alle Damen / Ruf sie beim Kosenamen / Lolo, Dodo, Joujou / Cloclo, Margot, Froufrou / Sie lassen mich vergessen / Das teure Vaterland. // Dann wird champagnisiert / und häufig cancaniert / Da geht’s ans Kosen, Küssen / Mit allen diesen Süßen / Lolo, Dodo, Joujou / Cloclo, Margot, Froufrou / Da kann ich leicht vergessen / das teure Vaterland.
Was steht uns nun 2012 bevor? Wir begeben uns nicht aufs aalglatte Börsenparkett mit unseren Vorhersagen, lassen uns weder verkohlen noch verzinken (für diejenigen, denen diese Kryptik zu undurchschaubar ist: gemeint sind Anja Kohl, ARD-Börsen-Jubelperserin und Franz Zink, ZDF-Börsenverkohler), sondern legen uns auf zwei Hundertprozentige fest (ähnlich apodiktisch wie der Hundertjährige): Deutschland wird am 1. Juli in Kiew Fußball-Europameister und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ist am 21. Dezember Weltuntergang. Hat jemand etwas dagegen?
Quoth the raven: Nevermore.
Doch, ein bisschen schon: um die Fritzlein wär’s nämlich jammerschade. Denen wenden wir uns auch jetzt wieder zu.
In ihrem Paradies liegt Schnee, nicht viel, aber genug zum ausgelassenen Schneeblödeln. 2° Minus halten das Geläuf in Form und bei Laune. Im Lauf des Vormittags fängt es dann allerdings zu pappschneien an, richtig fetter Schmand fällt da vom Himmel, und weil ein solcher Schnee eben sehr nah ans Wasser gebaut hat, kippt der gelierte Aggregatszustand am späten Nachmittag wieder in Richtung Wasser. Beim Vagener Silvesterfeuerwerk singt dann der Regen wieder leise Lieder. Aber es scheppert trotzdem lang und laut; doch dazu später mehr.
Nach dem Motto: jeder legt noch schnell ein Ei, blicken wir ein letztes Mal für dieses Jahr auf die Kalorienstatistik, nur kurz, weil wir wegen der Feierlichkeiten keine Zeit für ausführliche Betrachtungen haben. Franz 6500 (+200), Felix 6260 (+370), Flori 5890 (+230), Fado 5810 (+210), Fianna 5730 (+40), Ferdi 5640 (+ 10), Fetzer jr. 5410 (+80), Frenzy 5380 (+250), Fanni 5200 (+80), Fine 5000 (+120) und Franca 4630 (+130).
Nach der morgendlichen Putzaktion kommen die Fritzlein wieder ins Haus und der Herr verlässt dasselbe, um Frühstück zu holen und seine drei Damen bei ihrem Morgenspaziergang aufzusammeln. Doch als die gesamte Chefetage wieder zuhause eintrifft, steht dort alles Kopf: elf Fieslinge toben im Wohnzimmer oder, um es mit Jopi Heesters auszudrücken, es wird cancaniert. Irgendwie sind sie in den Transit eingedrungen und haben dort eine offene Flanke gefunden, weil wir, wenn die Sperre zum Transit zu ist, ein Seitenteil des Transits aufschieben, um uns besser bewegen zu können und nicht immer klettern zu müssen. So stand ihnen also, nachdem die Transitsperre geknackt war, nichts mehr im Wege. Wer der Panzerknacker war, lassen sie uns nicht wissen; sie sind zu sehr mit Johlen, Cancanieren und Marodieren beschäftigt, als dass sie unserem investigativen Nachfragen auch nur eine Spur Beachtung schenken wollten. Vielleicht war ja Franca die Dosenöffnerin, sie hat uns ja schon einmal gezeigt, dass Fort Knox zu knacken ist, ohne uns ihr Geheimnis mitzuteilen. Oder hat der Herr die Sperre schlampig verschlossen, nicht sauber in den Türausschnitt geschoben und damit eine winzige Öffnung für eine naseweise Nase gelassen, durch die sich bald ein ganzes Fieslingskörperchen und anschließend das ganze Rattenpack schieben konnte? Es wird eines der ungelösten Rätsel der Menschheit bleiben und mit ihr am 21. Dezember 2012 verdampfen, verdunsten, zerplatzen. So what? Allerdings sind wir jetzt und knapp ein Jahr vor dem Finale erst mal fast eine Stunde damit beschäftigt, den Fetenmüll zu beseitigen, Lachen zu trocknen, Darmprodukte aufzusammeln und den Dielenboden zu schrubben, Pflanzenreste zu entsorgen, nun ja, man kennt das ja: nach jeder ausgelassenen Feier vermiest einem der Anblick und die Beseitigung deren Überreste noch nachträglich den Spaß. Wir tragen es mit Fassung, was bleibt uns auch übrig? Nur das Frühstück wird nach diesem Bubenstück ein Spätstück.
Wenn wir schon Franca, die Frau Fischer, in Verdacht haben, diesen Hunnensturm ausgelöst zu haben, bleiben wir doch gleich noch einen Moment bei ihr. Genauer hinsehen wollten wir, so haben wir es vor drei Wochen versprochen, was aus der kleinen Franca geworden sein wird. Also, sehen wir eben etwas genauer hin. Was sollen wir sagen? Klein ist sie immer noch und eine Tüftlerin und Tiefbohrerin, wenn es darum geht, irgendein Problem oder eine Aufgabe zu lösen und zu stemmen auch. Franca, das kann man jetzt schon sagen, hat einen riesigen Sprung gemacht. Wir machen es uns einfach und sagen es mit Mutter Kempowski aus Tadellöser & Wolff , die ihren Sohn Walter mit So klein, wie er is, so fix isser beschrieb. Mehr ist fast nicht zu Franca zu sagen. Sie ist eine Fixe und Pfiffige, eine unermüdliche Spielmaus, mit immer noch dem gleichen Nachdruck, wenn es darum geht, den Dingen auf den Grund zu gehen. Sie ist auch vorn dran, wenn es Neues zu entdecken gibt. Das Bällebad hatte in Franca seine erste Besucherin, und sie bestieg es nicht mit hochgekrempelten Röcken und spitzen Zehen sondern stürzte sich mit Lust in die vielen bunten Smarties. Sie gehört aber immer noch nicht zu den Raufbolden der Fritzenschaft, vermutlich signalisiert ihr wacher Geist, dass ihre Körpermaße dafür nicht die besten Voraussetzungen schaffen und sie vielleicht noch ein bisschen an ausgleichenden Taktikvarianten arbeiten müsse, um der körperlichen Unterlegenheit etwas entgegensetzen zu können. Allerdings hat sie bereits sehr erfolgreich an der Ausbildung ihrer Waffen gearbeitet, Francas Kieferschluss lässt längst keine Rückschlüsse auf ihre Körpergröße mehr zu. Vielleicht übt sie ja immer noch heimlich mit Franz, der weiterhin ihr fast ständiger Begleiter und Beschützer ist. Das Pärchen müsste man erfinden, wenn es bei uns nicht schon existierte. Sagen wir es kurz: so klein, wie sie is, so fix isse! Um sie machen wir uns längst keine Gedanken mehr, die kommt durchs Leben, nicht mit der Faust auf dem Tisch, sondern mit Schmalz in der Hirnbüchse und einem Herz auf dem rechten Fleck. Der anfängliche Entwicklungsrückstand ist längst nur noch ein körperlicher. Diese Franca hat wirklich das Zeug zur Frau Fischer und zur Bannerträgerin ihres Fritzenhaufens.
Die Spiele dieser kleinen Fritzen werden immer vielfältiger; alles wird einbezogen, fast stündlich werden neue Spiele erfunden. Ein ganz neues Spiel ist der Kampf um den Küchenblock, jenes Möbels, unter dem der Junior noch vor Tagen stecken geblieben war wie der Korken in der Flasche. Einer kriecht auf die untere Ebene zwischen Gemüsekorb und Seitenwand und die anderen versuchen, ihn daraus zu vertreiben; sie kläffen von der Seite, schnappen von unten, zerren am Korb (wie schwer ein bisschen Gemüse sein kann!), versuchen, den Blockwart von hinten am Schwanz aus dem Block zu zerren. Es geht zu wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Und was man da hört, ist schon ein richtiges kleines Bellen. An diesem Spiel beteiligen sich eigentlich alle einmal. Wir hätten beinahe unser sehr verspätetes Frühstück sausen lassen, weil wir uns von dem Spektakel nicht trennen können. Nur Felix beteiligt sich staunenderweise eher selten: er hat sich schon größere Aufgaben vorgenommen, zum Beispiel Tante Anouk am Schwanz durch die Küche zu ziehen oder ihr ein Ohr abzukauen. Er darf halt einfach alles. Dafür wird er geputzt, gehudert und gepudert und kriegt noch ein Küsschen. Wenn je ein Welpe nach Strich und Faden verzogen wurde, dann dieser verflixte Flix. Aber Anouk lässt nichts an sich heran, sie ist überzeugt, dass das ganz und gar ihre Sache sei und uns das nichts anginge. Kannst zerschellen an dem Hund… Wenn man sich fragt, warum immer diese Nassauer mit Hundeblick so komfortabel durchs Leben gleiten, muss man sich nur dieses Pärchen vor Augen halten. Alles klar?
Draußen ist heute, wie oben schon erwähnt, alles auf Schneetoben gestellt, da gibt es keine Blockwarte und Hungerleider, die sich nach oben randalieren wollen, sondern einfach nur so eine Art Ski-Jöring, einer hinter dem anderen her, bis einer keine Verfolger mehr hat, weil es alle anderen aus der Kurve getragen hat. Auch eine Variante der Selektion. Bei dieser Hatz ist Felix dann aber wieder dabei, das lässt er sich nicht entgehen. Das bessere Ende hat häufig Porsche-Ferdi für sich, weil er nicht nur blitzschnell und trittsicher ist, sondern auch nicht so viel Ballast um die Kurven jonglieren muss, wie seine schärfsten Konkurrenten. Aber die Mädels machen ihm das Leben schwer, da hat er zu tun, diese leichtfüßigen Wiesel abzuhängen.Ferdi hat sich nicht wirklich verändert seit der letzten Wesenserhebung. Er ist, wie gerade berichtet, immer noch schnell wie Nervengift, aber auch fix, wenn es um neue Spiele geht, da hat er einiges mit Franca gemein. Wenn wir den kleinen Fritzen etwas Neues vorsetzen oder, schlimmer noch, ihnen zeigen wollen, was sie da zu tun hätten, steht Klein-Ferdi schon mit erhobenem Finger, sagt, Frau Lehrerin, das kann ich schon und macht es allen vor. Er ist ein Spielratz und könnte auch als Roadrunner Karriere machen. Muskeln setzt er überwiegend zur Tempogewinnung ein, eher selten zum Raumgewinn oder Platzgewinn, was heißen soll, dass er kaum rauft und sich seine Vorteile dadurch schafft, dass er häufig schon dort ist, wo andere noch gar nicht wissen, dass sie hin wollen, und sich so manchmal Vorteile erläuft, die ihm andere erst wieder streitig machen müssen. Dieser Ferdi ist einfach ein ganz lieber Kerl, ein Schmusebär, wann immer er nicht auf der „Flucht“ ist. Man hat ja immer solche Kuschelmonster im Wurf, solche die nicht zum Kämpfen kommen, weil sie ihre Waffen erst aus dem Arsenal holen und kampffertig machen müssen – und dann ist die Schlacht meist schon vorüber. Manchmal haben wir den Eindruck, Ferdi staunt darüber, dass man die Dinge mit Fäusten regeln muss, wenn man sie doch mit Geschwindigkeit und Cleverness auch lösen könnte. Dieser Friedensengel wird dennoch von seinen Mitfritzen uneingeschränkt akzeptiert, nicht nur, weil sie ihn kaum zu fassen kriegen, um ihm die Leviten zu lesen, sondern weil er kein Außenseiter ist; die äußersten Sterne eine Galaxie gehören ja auch zu dieser, obwohl sie von der Zentralkraft weit entfernt sind und sich mit Geschwindigkeiten bewegen, von denen man da drinnen gar nichts weiß. Dort draußen lebt man leichten und schnellen Fußes, beschwingt und unbeschwert, mit wehenden Röcken und fliegenden Ohren, während die drinnen alle Pfoten voll zu tun haben, in der Enge und im Gemenge Distanz zu halten. Ferdis Sternzeichen könnte der Luftikus sein, ohne die damit unterstellte Oberflächlichkeit. Ferdi schwebt und lebt und liebt die Menschen und das Leben. Ferdi ist ein Sternenkind und ein schrecklich netter Tropf!
Anders als bei diesen Spielen, die häufig in kugelnden Welpenhaufen und -zusammenballungen enden, ist das Schlafen im Pulk jetzt out. Man ist groß und braucht kein wärmendes und nuckelndes Geschwister mehr, sondern sucht sich einen eigenen Schlafplatz auf Distanz. So liegen sie alle verteilt wie die Jünger am Ölberg, in den Ecken, unter Tischen, auf dem Alien-Bär oder im Handtuchschaff und man muss sehr genau hinsehen, wohin man tritt; elf Welpen machen sich ganz schön breit.
So verbringen wir unsere schmale Zeit mit Beobachten und Staunen und reiner Freude am Umtrieb unserer Fritzlein. Und alles bleibt liegen, weil man selbst meist auf der Lauer und auf dem Fotoansitz liegt, weil man mit einem Fritzlein auf dem Schoß ein Schlummerlied summt und den Tag verraucht , verschläft und vergeigt wie Lenaus drei Zigeuner. Obwohl uns mit diesen verbindet, dass auch wir an den Kleidern Löcher und Flicken tragen, trotzen wir nicht wie diese den Erdengeschicken, sondern erwachen spätestens abends aus dem rosaroten Traum, nur um uns eingestehen zu müssen, dass der Tag viel kürzer als irgendeiner je zuvor war und wieder alles liegen geblieben ist.
Na denn und wohlan, zurück ins Leben! Die Kleinen bekommen heute nach einer Spiel- und Toberunde, aber vor dem allgemeinen Buhbuh ihre Halsbänder angelegt, weil sie dann so fertig sind, dass sie sich in diesem Zustand gar nicht mehr mit diesen Strangulatoren beschäftigen können und sie in ihren aufregenden Schlaf mit hinüber nehmen, in dem das bisschen Halsband unter all den zu verarbeitenden Großereignissen eine Marginalie ist. Und so gewöhnen sie sich „wie im Schlaf“ an die Halsbänder. Uns ist es wichtig, dass die Welpen bei Abgabe kontrollierbar sind, damit sie beispielsweise bei einer Pinkelpause nicht unkontrolliert aus einem Auto springen können. Man könnte sagen: Lebensverlängerung durch Aktionsradiusverkürzung.
Nachmittags kommt der schwarze Cento aus dem Allgäu mit seinen Leuten, um mit uns den Jahreswechsel zu begehen. Da gibt es nochmal ein Highlight für die Fritzlein, die sich ihrem Viertelbruder gegenüber wie rechte Fieslinge benehmen, was diesen aber mit der Reife der Jahre immer weniger aus der Fassung bringt. So gleitet das altersschwache Jahr dahin und hinüber, begleitet von lustvollen Schmatz- und Schluckgeräuschen, wohlgesetzten Worten und zuletzt von einem Höllenkrach. Wer glaubt, hier auf dem Lande, sei das Schießpulver bei Regen nass, der irrt: die Mangfalltaler sind schießfreudige Feuerteufel, und wenn es regnet, wird eben dreimal so viel verballert, damit wenigstens das Spaßniveau des Vorjahres erreicht wird. In diesen Dingen ist man auf dem Lande sehr pragmatisch. Unsere Fritzlein lassen wir während des Artilleriebeschusses im Haus, der Krach ist auch da drinnen nicht zu überhören. Aber sie liegen herum oder spielen, als wären ihnen die Ohren noch gar nicht aufgegangen. Die Großen bekämpfen das Friendly Fire zum Schutz der kleinen Fritzlein mit Schimpfkanonaden, erfolglos, wie man sich denken kann, aber mit wachsender Begeisterung. Letztlich macht der Blues fast mehr Krach als die Artillerie der Nachbarschaft. Wir konstatieren also Frau Fischers Fritzen nicht nur Schussfestigkeit auf allerhöchstem Niveau, sondern sogar Artilleriefestigkeit (was nirgendwo nachgefragt wird, nicht mal bei Treibjagden) und erwägen, 100 € zusätzlich als Exzellenzabgabe einzufordern. Wer kann denn sonst mit so etwas aufwarten?
Gegen 2 Uhr verschließen wir erstmals vor dem neuen Jahr die Augen – und sind uns ziemlich sicher, dass es Fianna wird. Oder doch Fine? Ach was, nicht schon nach zwei Stunden wieder eine Entscheidung fürs Leben treffen müssen! Kennt denn dieser Entscheidungsdruck keine Grenzen, nicht mal Zeitgrenzen, Jahresgrenzen? Das geht einfach so weiter, mit einer 12 am Ende, statt mit einer 11. Die Banalität des Lebens wird mit keiner noch so aufgeblasenen Ballerei außer Funktion gesetzt. Wenn jetzt noch einer nach Fianna oder Fine fragt, kriegt er eine auf die 12.





