Achte Woche von Frau Fischers Fritzen - Di
Uns interessieren nur zwei Dinge: wie ist die Morgenlage und wie ist die Viruslage? Denn dass wir einen Virus erwischt haben und kein Überfütterungsproblem, haben wir uns über Nacht eingestanden. Man muss den Dingen in die Augen sehen.
Die Morgenlage mit vier Durchfalllachen und sonst nur festem Material ist fürs Erste ein erfreulicher Morgengruß. Das hätte schlimmer kommen können. Die Stimmungslage der Fritzen ist bestens und auch Franz mischt wieder in gewohnter Präsenz mit. Die Gewichtskontrolle gibt dann allerdings beredten Aufschluss darüber, wer gestern gelitten hat und wer nicht. 940 Gramm Gewichtszunahme sagt eigentlich alles. Wir machen das heute so, dass wir die Statistik nach Gewichtsgewinnern und –verlierern unterteilen. And the winners are: Flori 6550 (+370), Frenzy 6090 (+360), Fianna 6390 (+350), Felix 6930 (+220), Ferdi 6310 (+190), Fanni 5730 (+80), Fetzer jr. 6030 (+30). Franca macht die Nullnummer: 4960 (0). And now the losers: Fine 5180 (-140), Fado 5910 (-200) und am Ende der malade Franz mit 6720 (-320), womit er seine satte Führung an Felix abgeben musste.
So schön der Morgen daherkommt, mit wolkenlosen und windigen 0° C, so schnell vergeht uns die gute Laune wieder, denn der Virus hat noch ein paar Pfeile im Köcher. Im Laufe des Vormittags geht die Spritzerei wieder los, querbeet, doch wer schießt und wer nicht, können wir nicht zweifelsfrei identifizieren. Trotzdem sind die Fritzen putzmunter und toben bei 6° bis 8° durch den Garten, dass man ihnen den Infekt nicht anmerkt. Wir geben ihnen vormittags Bactisel ins Futter und nachmittags gibt es gekochtes Huhn und Reis mit MoorLiquid der Firma LupoSan, einem Moorextrakt zur Regulierung der Magen- und Darmflora. Wir haben bei Durchfall damit gute Erfahrungen gemacht. Schau mer mal. Eigentlich ist das, was wir bisher als Krankheitsbild sehen von der ganz harmlosen Sorte, aber erstens weiß man nie, was der Virus sich noch so ausdenkt und zweitens ist morgen Impftermin und da sollten die Kandidaten einigermaßen fit sein; Kranke werden nicht geimpft und dann fliegt uns der ganze Terminplan um die Ohren. Vielleicht sollten wir auch noch erwähnen, dass wir in dieser Woche zur letzten Kotsammelaktion im Dienste der Wissenschaft aufgerufen sind und uns dieser verflüssigte Aggregatszustand bei diesem Geschäft nicht wirklich entgegen kommt.
Die Erfahrung täuscht uns dann doch nicht: am späteren Nachmittag legt der Virus noch eine Schippe drauf und einige ein bisschen lahm. Am schlimmsten erwischt es Fianna, die sich, wie gestern Franz, eine volle Rechte einfängt und darnieder liegt. Sie will nichts futtern und ist apathisch. Den anderen geht es aber, wie gehabt,
trotz Durchfall prächtig. Sie sind draußen, weil wir fast den ganzen Tag Sonne haben, sie toben und raufen und ab und zu treten sie zur Seite und aus: Spritz – und schon geht es wieder weiter. Seltsam, dieser komische Virus. Felix ist in diesem Lust- und Frustspiel der strahlende Held. Als sei er teflonbeschichtet reitet er durch diesen Virenbeschuss und produziert ausschließlich kompakte Wurstsorten. Er scheint wirklich unkaputtbar zu sein. Erst spielt er Linus, den jugendlichen Hovirüden unserer Freundin Ela schwindelig, dann arbeitet er Lily, seine Halbschwester Exe, auf und wenn ihm das Material ausgeht, vergeht er sich an seiner Tante Anouk, bis er leergespielt in eine Ecke sinkt und neue Kräfte für die nächste Runde tankt.Fianna ist hingegen auf Sparflamme gestellt, eine Schalterstellung, die ziemlich untypisch für sie ist. Fianna ist nicht mehr so ungeschliffen wie noch vor drei Wochen, aber ihren Wesenskern hat sie nicht verloren. Sie ist hart, schlagfertig und treffsicher, aber nur mehr, wenn die Situation es aus ihrer Sicht erfordert, und weil sie als mächtigste der weiblichen Fritzen den Rüden als satisfaktionsfähig erscheint, meinen sie, ihr gelegentlich eine Lektion auf dem Paukboden erteilen zu müssen. Das geht selten gut, denn Fianna ist nicht nur die gewichtigste Dame, sondern auch die gehaltvollste, da ist nicht nur Masse, da ist richtig viel Klasse. Die Frontschweine können es natürlich trotzdem nicht lassen, weil das männliche Naturell offensichtlich eine drängende Todessehnsucht in sich birgt. Und so können sie diesem Gevatter täglich einige Male in die Augen blicken. Ganz anders zeigt sich Fianna im Kampfspiel mit Schwächeren, da liegt sie unten, lässt sich herumrollen und traktieren, bis auch das letzte Weichei ein herkulisches Gefühl in sich spürt (was dann gelegentlich zu Größenwahn und ein paar Backpfeifen von den Bossen führt). Fianna ist tatsächlich immer noch die schwarze Witwe, aber auch ein Friedensengel mit Fehlfarbe. Beeindruckend ist ihre Kampfkultur, die von ihrer Seite völlig lautlos abläuft. Die meisten Hunde, und natürlich auch Welpen, knurren und keifen, wenn sie raufen, nicht so Fianna, sie arbeitet stumm, ohne ein Quäntchen Energie in Lautäußerungen zu vergeuden. In ihrer Freizeit hat sie eigentlich nur Blödsinn im Kopf und ihr Ohrfeigengesicht signalisiert ganztägig Spaßalarm. Nein, in Fiannas Nähe wird nicht nur gerauft. Die Heldentenöre haben auch viel Spaß mit ihrer gutgelaunten Schwester, die eben nicht nur im Kampfspiel auf Augenhöhe ist, sondern sich auch im Sandkasten zu nichts zu schade ist. Hetzspiele sind ihr nämlich genauso lieb wie Kampfspiele, Spielsachen klauen und verschleppen ist ihre Leidenschaft; und so sieht man Fianna selten allein, sondern meist mit ein paar Anhängseln durch den Garten hetzen, die ihr das soeben Geklaute wieder abnehmen wollen. Und, auch das hat sich nicht geändert, was immer sie tut: sie verliert uns nicht aus den Augen. Auch in der achten Woche ist sie unser Schatten, verfolgt uns und animiert uns zu Kuscheleinheiten. Als ob wir uns insgeheim nicht schon längst entschieden hätten. Aber Fianna überlässt nichts dem Zufall. So wird sie denn höchstwahrscheinlich uns zufallen. Noch so eine Rabennase!


