Samstag, 07.01.2012
In orthodoxen Ländern mit julianischem Kalender wird heute Weihnachten gefeiert. Das mag auch für diejenigen zutreffen, die heute ihren Liebling dem Bairischen Blues entwenden dürfen, die ein Geschenk erwarten dürfen, sechs bis acht Kilo gewichtig und quicklebendig. Für uns ist heute alles andere als Weihnachten.
Wir machen einen letzten offiziellen Gewichtsdurchlauf, weil es der letzte sein wird, bei dem alle zusammen aufgeführt sein werden. Morgen wird die Gewichtstabelle Zahnlücken ausweisen und dementsprechend wenig Biss haben. Diese Routine ist inzwischen so verinnerlicht, dass wir uns schon alle auf einander verlassen können. Wir wissen, dass Frenzy immer noch keinen Bock auf Wiegen hat, wir wissen, dass Fanni auch an diesem, ihrem letzten Wiegeritual eingekorbt werden muss, wir wissen, dass Franca unerschütterlich den Kleinen Zehnten vom Platinum einklagen und andere dazu animieren wird, wir wissen, dass Fado uns anstrahlen wird und, wenn es nach ihm ginge, den Rest seines Lebens auf dieser Babywaage verbringen könnte; es ist ein Stück unseres Lebens und unseres Alltags geworden.
Na denn, die Finalgewichte des Fritzen-Wurfs – und, zefix, der Flix hat es doch noch geschafft! 7620 Gramm für Felix (+180), 7610 Gramm für Franz (+30). Vielleicht liegen sie ja auch gleichauf, weil bei diesen Zappelphilippen sowieso jedes Messergebnis ein Näherungswert ist. Gleichwohl hat Franz auf der Zielgeraden austrudeln lassen – selber schuld. Flori 7240 (+190), Ferdi 7050 (+50). Das war dann die Galerie der Vierzehnpfünder. Fado 6850 (+140), Fianna 6790 (+200), die sich damit genau so knapp an Fetzer vorbeigemampft hat wie Felix an Franz: Fetzer 6780 (0). Frenzy 6500 (+190), Fanni 6410 (+150), Fine 6020 (+200). Als einzige unter sechs Kilo verbleibt Franca mit 5640, aber beachtlichen330 Gramm plus – Tageswertung für Frau Fischer. Wir versiegeln hiermit die Gewichtstabelle des F-Wurfs für alle Zeiten. Fin, Fine, Finito…
Um elf Uhr beginnt der Aufmarsch der Kidnapper. Wir frühstücken gemeinsam, regeln, was zu regeln ist, plaudern und trauern, wie wir das nun schon in der sechsten leidvollen Auflage praktizieren dürfen. Rund um 14 Uhr herum verlassen uns nacheinander Fine, Fanni, Franz und Frenzy und wir geben ihnen unseren Segen und den Wunsch auf ein langes, glückliches Leben mit auf den Weg. Was allerdings überhaupt nicht geklärt ist, ist die Frage, mit wem Franca jetzt spielen soll, wenn ihr Leib- und Magenfranz weg ist?
Wir ziehen uns zurück und stellen fest, dass sieben verbleibende Welpen, für viele Züchter ein voller Wurf, für uns so leblos wie der Chicagoer Zentralfriedhof sind. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Restfritzen sehr introvertiert geworden sind; sie haben gespürt und spüren es immer noch, dass da etwas ganz Unheilvolles im Gange ist. Ihr Spiel war schon morgens ziemlich verhalten und ist jetzt beinahe ganz zum Erliegen gekommen; verstreut liegen sie in der Küche und starren in die Leere, streichen mal suchend und ziellos umher, um sich alsbald wieder klagend niederplumpsen zu lassen.
Wir lassen sie mit sich alleine, schließlich ziehen ja auch wir es vor alleine zu sein. Jeder leistet die ihm gemäße Trauerarbeit. Später tauen sie dann wieder auf und sortieren sich neu, kommen zum alten Betrieb zurück. Da haben sie uns etwas voraus.

