Sonntag, 08.01.2012
Tief in der Nacht, eher schon am frühen Morgen, rumort es im Erdgeschoss. Der Herr dreht und wendet sich und wartet auf eine Reaktion der Chefin. Die bleibt aus, nur unten rumort es weiter. Keine Reaktion von nebenan. Aber sie lebt, daran besteht kein Zweifel. Der Umtrieb im Welpenreservat hört nicht auf.
Er:“Du solltest mal runter schauen.“ Es ist schließlich seit sechs Würfen ungeschriebenes Gesetz, dass die naseninsuffiziente Chefin den ersten Schritt in den Augiasstall tut.
Sie:“Es ist halb vier“.
Er:“?!“ Aber immerhin kennt sie die Uhr. Sie schweigt und ruht wie ein Fels. Weitere Worte erscheinen bei einer so ausdrucksschwachen Diskussionsführung so sinnvoll, wie der Versuch, die Chinesische Mauer mit einem Chinakracher zum Einsturz bringen zu wollen. Der Herr bricht also mit einer unverrückbaren Tradition und macht die Chefin – lautlos – für den fortschreitenden Verfall der Sitten verantwortlich. Er schlüpft in Socken, Hose, Jacke.
Sie: „Schau aber von außen rein.“ Darauf wäre er nicht gekommen.
Er: „Sieht aber so aus, als ob das Terrassenlicht brennt; da sieht man nichts.“
Sie: „ Es ist eine helle Nacht.“ Es regnet.
Er begibt sich zur Tür, draußen meldet sich der Bandit Rossi.
Sie, durch die fast schon geschlossene Tür hinterher:“ Tritt aber nicht auf den Stein.“
Er: „Welchen Stein?“ Er ist eher in Gefahr, auf den Banditen zu treten.
Sie: „ Den auf dem Gully, den Ton kennen sie, dann wissen sie Bescheid.“
Ach so: vor dem Ausgang der Hundedusche haben wir einen noch nicht fertiggestellten Abfluss mit einer Granitplatte abgedeckt, damit sie nicht hineinstolpern oder dessen Innenleben zerpflücken.
Er schleicht die Treppe hinunter, vor ihm der Bandit: „Bäh“. Der Bandit miaut nämlich nicht, er kräht oder blökt, so wie er nicht schnurrt, sondern röchelt.
Er: „Halt die Klappe!“
Bandit: „Bäh!“ Sie stiefeln beide, der Bandit vor ihm, die Treppe hinunter, ohne Licht, weil die da unten ja überrascht werden sollen.
Der Bandit, lauter: „BÄH!“
Er:„Halt endlich das Maul, rotes Arschloch!“
Der Bandit, empört: „KRÄH!“
Der Herr schleicht an der Tür zum Welpenreservat vorbei und kann durch das Riffelglas hindurch keinerlei Bewegung erkennen. Au weia, das verheißt nichts Gutes, eigentlich müsste man sie da drinnen verteilt herumliegen oder wandern sehen. Er schleicht durch die Hundedusche ins Freie und tritt –Plopp plopp – auf die Gullyabdeckung, also doch!, stellt natürlich sofort fest, dass das Terrassenlicht brennt, hat sie gestern Nacht vergessen, weswegen ein Blick um die Ecke ins Wohnzimmer überflüssig scheint; man kann durch ein innen dunkles und von außen beleuchtetes Fenster nicht nach drinnen blicken. So ist es auch: er starrt in ein tiefschwarzes Loch. Doch halt! Da bewegt sich was, etwas Weißes, am Fenster. Felix? Nein, der ist größer und baumelt nicht, obwohl er es gelegentlich verdient hätte. Ah! Im Fenster schwebt noch immer ein roter, beleuchtbarer Weihnachtsstern und aus dessen unterem Ende hängt ein Stromkabel heraus (das hatten die vor 2000 Jahren auch schon besser im Griff, ohne Kabel). Dieses Kabel ist zu kurz und reicht nicht bis zum Fußboden, deshalb muss es verlängert werden. Und genau diese weiße Kupplung des Verlängerungskabels schaukelt - nicht im Wind, das kann nicht sein. Also kehrt, plopp-plopp, auch schon egal, Sch…gully, durch die Dusche zurück in den Hausflur und ins Welpenreservat, jetzt ganz ohne jede Vorsichtsmaßnahme – und tatsächlich: sieben Fritzen jubelnd und grölend im Wohnzimmer, im kleineren Teil, wo die Couch steht und ein paar Pflanzen und Krempel, aber dort fühlen sie sich wohl, dort räumen sie auf, dort bauen sie ein Nest und richten es ein. Kein Pardon, auch die letzten Mohikaner haben keine Sonderrechte! Sie werden abgeschoben und ausgewiesen und in ihr Reservat zurück gebracht. Die Freudenfeiern der Wilden Sieben kann man sich ausmalen.
Danach entsorgt der Herr noch elf Häufen – elf! – von sieben Welpen zwischen 22 und 3:30 Uhr, allerdings sehr stramme und ordentliche Häuflein, die des Herrn Herz zu dieser frühen Stunde dann doch erfreuen. Und schon liegen sie wieder herum, sind zufrieden, rollen sich ein und machen keinen Ausbruchsversuch mehr. Der Zustand des Transits lässt auch keine Rückschlüsse auf einen technischen oder planerischen Fehler zu, der ihnen den Ausbruch ermöglichte. Der Transit ist intakt, aber nicht an seinem Platz. Der Fehler dürfte oben im Schlafzimmer zu suchen sein, dort, wo jemand so tut, als sei das alles nicht seine (ihre!) Angelegenheit. Doch: Wer hat gestern
Ab 11 Uhr kommt die zweite Auflage des Ablassfrühstücks zur Aufführung – wir müssen jetzt auch von den letzten Lieblingen ablassen. Die Duplizität der Ereignisse verdient keine weitere Erläuterung. Um 14 Uhr sind alle, bis auf Fetzer und Fianna, weg. Für den Junior schlägt die Stunde um halb sieben. Und fortan sind wir allein mit einem kleinen, aber sehr liebenswerten Zuwachs: Fianna darf bleiben. Der Blues ist ärmer geworden und trotzdem größer.
Epilog
Die Anrufe und Mails haben bestätigt, was wir erwartet und vorher gesagt hatten: Alle, auch Flori, der am weitesten reisen musste, haben die Fahrt gut überstanden und machten ihr neues Reich ohne große Umstände zu ihrem eigenen. Auch die ersten Nächte verliefen ohne Beschwernisse, meist musste nur eine Pinkelpause in den Nachtschlaf gestanzt werden und dann war wieder Ruhe bis morgens. Auch Fianna musste einmal gegen halb vier raus und gönnte uns danach unseren Schlaf wieder. Sie kam zu uns ins Schlafzimmer, missachtete das bereit gestellte Kuddebett und legte sich unters Bett, aber so, dass die Nase heraus lugte – richtig naseweis, die Kleine.
In den Welpenschulen bestechen die Fritzen durch ein sehr breitbrüstiges Selbstvertrauen und durch Handlungssicherheit; an Selbstzweifeln scheinen sie auch außerhalb ihres Stammsitzes nicht zu leiden. Es scheint also alles gerichtet für eine erfolgreiche Karriere als Hovawart vom Bairischen Blues.
Bei Franca machte diese Karriere einen kleinen Umweg über Start. Nach zweieinhalb Wochen, in denen die Äußerungen ihres Selbstbewusstseins den Mut des weiblichen Personals ihrer neuen Unterkunft schrumpfen ließ und so ihr Selbstbehauptungswille im Quadrat zu deren Mutlosigkeit wuchs, mussten wir alle die Reißleine ziehen. Franca kam vom Tegernsee wieder zurück ins Mangfalltal, wo sie uns eine Woche eine so liebenswerte Mitbewohnerin wurde, dass das Herz beinahe den Verstand umnebelte, weil wir sie gar nicht mehr hergeben wollten. Doch nach einer Woche bekam Franca eine sehr hoffnungsvolle zweite Chance, die wir alle zusammen beim Schopfe nahmen und es nicht bereuen mussten. Auch Umwege sind Wege, die ans Ziel führen.
Franca, die Frau Fischerin und Erstgeborene des F-Wurfs, lebt nun in Holzkirchen, nur ein Katzensprung von ihrer Schnullerbox entfernt.
Wie viel Selbstbewusstsein und Durchsetzungswillen in dir kleinem Persönchen stecken, haben deine Erstbesitzer erfahren müssen. Nach einigen Wochen des Hinterherhinkens hinter deinen Geschwistern entwickeltest du dich zu jener pfiffigen und lebensfrohen Maus, die wir am Schluss so liebten und bewunderten. Aber auch deine Kampfeslust hast du entdeckt und deinen zarten Körper so geschickt ins Getümmel geworfen, dass mancher Bolide sich erstaunt die Augen rieb. Wir auch. Wir haben keinen Zweifel, dass auch dir in deinem neuen Heim, in dem Musik und Kunst den Takt vorgeben, das Feinsinnige zum Lebensinhalt werden wird. Beinahe wärst du am Ende noch eine von uns geworden, so sehr hatten wir dich ins Herz geschlossen. Jetzt lässt du dich Franzi rufen und trägst somit den stolzen Namen deiner stolzen Oma im Pass und den großen Namen deiner Mama im Munde und in die Welt hinaus. Dieser Verantwortung solltest du dir jederzeit bewusst sein und dich ihr würdig erweisen.
Frenzy hat ihr Zelt in Übersee aufgeschlagen, nein, nicht in Amerika, sondern in Übersee am Chiemsee.
Und doch hat dieses Bild von Jenseits des Großen Wassers etwas Symbolisches für Frenzy, die ständig mit einem Beinpaar sicheren Halt im alten Europa suchte und mit dem anderen Paar mutig den Schritt auf unbekanntes Terrain wagte. Noch hast du, liebe Frenzy, deine Mitte nicht gefunden, noch bist du hin- und hergerissen zwischen Fluchtreflex und Kampfbereitschaft. Deine neuen Leute haben genug Hundeverstand und Erfahrung, auch mit Hovawarten, um dir deine Stärken aufzudecken. Und mit drei Kindern im Haus wird es dir kaum langweilig werden; da wirst du dich behaupten müssen. Aber genau damit hast du ja nie ein Problem gehabt. Nein, Sorgen machen wir uns um dich wirklich keine, wenn wir an dich und deine Leute denken, sind wir ganz entspannt.
Flori, der schöne Flori, hört jetzt auf Nero und lebt als „Juniorchef“ des Landhaus Schiffmann in Brauneberg an der Mosel. Und dass es ihm auch an gar nichts mangelt, geht ihm der alte Hovi Duke zur Hand.
Weinseligkeit könnte deine Bestimmung sein, so offen, aufgeschlossen und frohgemut wie du durchs Leben gehst. Schier unerschöpfliche Menschenliebe zeichnet dich aus, und die ist in einem Hotel auch unverzichtbar. Stell dir vor, du wärst so ein richtiger bayerischer Grantler, dem erst nach der dritten Maß ein freundliches Wort auskommt, um nach der vierten schon wieder ins Obszöne abzugleiten! Da hältst du dich doch lieber an den alten Lateinspruch: In vino floritas, lässt die Gläser klingen und hältst die schönen Dinge des Lebens so hoch, dass du dich gleich selbst zu einem gemacht hast; selbst ist der schöne Mann. Lieber Flori, wir wissen dich in guten Händen und sind überzeugt, dass du den Ruhm des Bairischen Blues nähren und mehren wirst: ein Strahlemann wie du kann doch gar nicht anders als die Menschen verzaubern. Jedenfalls bist du uns Grund genug für eine Reise an die Mosel.
Fetzer jr., der Zarte mit den Lackschuhen, ist ins Schwabenland gezogen, nach Korb im Remstal.
Dir haben wir ein sehr umfangreiches Verhaltensrepertoire zwischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde bescheinigt. So etwas, lieber Fetzi, muss man immer positiv sehen, weil es deine neuen Leute dazu zwingt, ebenfalls ein paar neue Seiten an sich kennenzulernen und zu entwickeln. Kann doch auch nicht schaden, nicht wahr? Wozu sonst holte man sich einen Hovi in die Familie? Tatsächlich bist du eben ein kleiner übermütiger Lümmel im Sonntagsfrack, dessen Amplituden zwischen Größenwahnsinn und Schnullerbedürfnis immer flacher werden. Am Ende werden nur noch moderate Schwingungen eines ausgesprochen liebenswerten Burschen übrig bleiben. Du bist uns sehr ans Herz gewachsen, weil du so ein munterer, herzhafter und herzlicher Pfiffikus bist. Wenn dazu noch schwäbische Bauernschläue kommt… Dein Ex-Chef weiß, was das bedeutet.
Fine, die kleine Blonde, muss von allen in die zweitgrößten Schuhe schlüpfen und Anouks Schwester Ronja in Regensburg eine würdige Nachfolgerin sein.
Niemand hat es in einer solchen Rolle leicht, aber mit deinem Charme und deiner Lebensfreude wird dir das gelingen, auch, weil deine neuen Leute viel Liebe und Lebensfreude in sich haben und in ihren Herzen neben einem unverrückbaren Platz für Ronja noch genügend Raum für eine Herzensbrecherin wie dich bereitstellen können. Dein sonniges Wesen wird noch vielen Todgeweihten letzte Glücksmomente bescheren, wenn du mit deiner Chefin auf Krankenbesuche gehen und letzten Trost spenden wirst. Manche werden mit deinem Namen auf den Lippen sterben: Fine. Schon deswegen hätten wir dich nicht behalten dürfen.
Über Franz, alias Hofer Andi, ist schon so viel gesagt worden, dass alles weitere eigentlich überflüssig ist.
Über deinen Freiheitsdrang ist alles gesagt (und wie wir hörten, hat sich daran nichts geändert), aber auch über deine Lebensfreude und soziale Kompetenz, die dich für alle deine Geschwister zum begehrtesten Spielpartner machte. Wir hatten den Eindruck, dass die Lethargie deiner verbliebenen Geschwister, als du gegangen warst, wesentlich damit zu tun hatte, dass ihnen der gute, alte Franz abhanden gekommen war. Als Nervensäge bekommst du in unserer Galerie einen prominenten Platz, aber auch als Seelenbalsam bist du bestens zu gebrauchen; wir haben schon erkannt, dass in dir mehr steckt als nur ein hysterischer Klaustrophobiker mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Du drehst am Rad, aber auch am Rad der Welt, beides nachhaltig und mit Vorsatz.
Deinen ersten Wohnsitz wirst du nun in Lauf an der Pegnitz, im Frankenland, nehmen (vielleicht schaffst du es ja, die anhaltenden Hahnenkämpfe zwischen Altbayern und Franken zu entschärfen) und dir diesen mit einem Hovi-Jüngling Adonis teilen. Was ihr da zusammen aushecken werdet, kann man sich denken. Aber du hast auch noch einen Zweitwohnsitz am Waginger See im Chiemgau, wo wir dich gerne besuchen werden und wo auch deine Schwester Fine eine Ferienwohnung besitzt. Einer Familienaufstellung der besonderen Art steht also nichts im Wege.
Fado, der Schwarze Iberer, hört jetzt auf Paul, bleibt in der Nachbarschaft und schlägt sein Lager in Kolbermoor, nur wenige hundert Meter von seiner Halbschwester Lily (Exe), auf.
Wie ein von der letzten Eiszeit ausgespuckter Basaltblock ragtest du unerschütterlich zwischen deinen Geschwistern hervor. Du warst Eisbrecher und Herzensbrecher, Tiefenentspannung und Hochgefühl. Für deine Geschwister warst du immer der mit dem dicken Fell, an dem man sich versuchen konnte. Wenn dem mit dem dicken Fell dann mal der Kragen platzte, mussten sie sich wieder die Knöpfe an den Pelz nähen. Dein Name kommt vom lateinischen Fatum, was Schicksal oder göttlicher Wille bedeutet und bezeichnet einen portugiesischen Musikstil, der von unglücklichen Liebschaften und der Sehnsucht nach besseren Zeiten erfüllt ist. Weil du aber ein waschechter Bayer bist, steckt in dir so viel Hallodri, dass es gar nicht zur Saudade kommen kann, sondern du einfach ein richtiger kleiner Saubazi bist. In der Süddeutschen Zeitung vom 29. November 2011 fanden wir einen Artikel mit der Überschrift: Der Fado ist jetzt auch Weltkulturerbe. Das wäre eine Karriere! Deinen Leuten wäre es schon genug, wenn du dich an die ortsüblichen Sitten und Gebräuche halten würdest. So ein Fado kann nämlich ganz schön unter die Haut gehen…
Fanni, das süße Schnittchen, zieht nach Gerolsbach im Landkreis Pfaffenhofen.
Auch du musst dir deinen Platz im Rudel mit drei Kindern erarbeiten. Wir haben geschrieben, dass du wahrscheinlich das Liebste bist, was dem Blues jemals entsprungen ist, und dabei bleiben wir. Spielen, rennen, kuscheln, blödeln, das ist deine Welt, und davon kannst du nicht genug kriegen. Wenn es deine Leute also richtig anstellen, vor allem natürlich die Kurzen, dann wirst nicht nur du für sie ein Glücksfall sein, sondern sie auch für dich. Aber bei dir kann man doch gar nichts falsch machen, du gehst auf die Menschen zu, bist immer freundlich, immer gut gelaunt, setzt deine Waffen nur mit Bedacht ein und gibst über deine Befindlichkeit immer brav Auskunft. Du bist wie ein offenes Poesiealbum. Ein bisschen hypermobil bist du allerdings auch, so eine, die wie eine Flipperkugel unterwegs ist und plötzlich wie ein Lichtstrahl aus dem Wurmloch geflogen kommt und verschwunden ist, bevor man dich zu fassen bekommt. Wir haben viel Spaß mit dir gehabt und können uns nicht vorstellen, dass es irgendjemand geben könnte, dem du nicht ebenfalls ein Sonnenschein wärst.
Über Felix muss eigentlich genauso wenig gesagt werden wie über Franz. Deswegen machen wir es kurz. Felix war der einzige, der schon eine neue Heimat hatte, bevor er geboren war. Und als ob ihn diese Gewissheit mit Sicherheit satt ausgestattet hätte, ging er das Abenteuer Leben an, als sei es eine einzige große Casting-Show. Felix, everybody’s darling! Felix Hütchenspieler und Felix Traumtänzer, Felix Faschingsprinz und Felix Feinsinn, Felix hier und Felix da, Felix Haudrauf und Felix Habmichlieb. Nein, es ist wirklich alles gesagt. Nur eins nicht: Felix ist ein einziges unglaubliches Naturereignis wie das Polarlicht. Felix ist das gesamte Programmheft eines großen Schauspielhauses: Kitsch und Kunst, Leichtes und Schwerverdauliches, Anrührendes und Gewöhnungsbedürftiges. Doch wäre es ein großes Schauspielhaus, wenn nicht die großen Momente überwiegen würden? Wir sind froh, dass wir uns nicht auf die Güte des Schicksals verlassen müssen, sondern Felix in nicht nur äußerst liebevolle, sondern mehrfach Hovawartrüden-erfahrene Hände geben können. Das lässt uns auf Jahre hinaus ruhig schlafen.
Felix treibt nun sein Wesen, zusammen mit der alten Napoli, nahe Mindelheim im Unterallgäu, in einem Weiler namens Katzenhirn. Und dass er dort, zwischen den Schlafstätten von Fuchs und Hase, nicht allzu weltfremd wird, darf er mit einem „eigenen Chauffeur“ auch noch auf Reisen und auf Krankenbesuche gehen. So etwas passiert auch nur einem wie Felix, der schon seines Namens wegen ein Glückskind sein muss.
Ferdi, Franzis ultimativ Letztgeborener, verbringt seine Tage im oberbayerischen, fast schon tirolischen Flintsbach.
Einer wie du, so ein kleiner Klabauter, mit fliegenden Ohren und Rockschößen, ist immer in Gefahr, Opfer größtmöglicher Liebe zu werden. So einer wird gerne gehätschelt und verwöhnt, weil man ihm nie böse sein kann. Wir wissen, wovon wir sprechen. Was haben wir gelacht, wenn dich deine Tempoläufe aus der Kurve trugen und du wie ein Torpedo mitten in einem selbstvergessenen Geschwisterhaufen einschlugst und schon wieder weg warst, ehe die Gemetzelten das Ereignis zur Kenntnis nehmen konnten. So einer bist du: blitzschnell an Körper und Geist, gewieft wie ein bayerischer Viehhändler – aber eben kein Rosstäuscher. Du kannst dir jederzeit in die Augen sehen, so wie du uns mit deinen Schwerenöterblicken oft genug an den Rand der Kapitulation gebracht hast. Dein Blick und deine ungebremste Zuneigung sind wie ein süßes Gift, das alle guten Vorsätze und Sitten im Umgang mit dir schleichend auflöst. Man muss dich im Auge behalten, so wie du uns nie aus den Augen verloren hast.
Fianna bleibt beim Blues und hat neben Fine den schwersten Job, nämlich, Anouk und Franzi eine würdige Nachfolgerin zu werden. Geht’s schwerer? Aber sie hat unsere Herzen schon früh gemeuchelt und die Fragen „Franca, Fine oder Fianna“ hat sie durch Präsenz und rabenschwarze Penetranz ausgesessen. Eigentlich stand nur die züchterische Frage: Hat sie ein Blond-Gen oder nicht? einer frühen Festlegung im Wege. Sie hat diese Frage ins Reich der Spitzfindigkeiten abgedrängt. Sie wusste offensichtlich, dass die Liebe eben hinfällt, wo sie hinfällt und nicht an einem Gen festzumachen ist.
Liebe Fianna, ab jetzt gehen wir alle durch Dick und Dünn gemeinsam (und da wird einiges anfallen!), egal ob du ein Sofawart wirst oder Weltmeister, ob du uns Kinder schenkst oder nur Sorgen – wir gehen jeden Weg gemeinsam bis ans Ende. So ist das beim Blues.
Wir schließen nun das Zuchtbuch des Bairischen Blues auf unbestimmte Zeit und danken allen, die uns bis hierher begleitet und ihr Vertrauen geschenkt haben. Wir werden weiter präsent sein, die Wege unserer Kinder verfolgen und darüber berichten. Und ihren Leuten werden wir weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen und Freunde sein.
Keep on the sunny side,
Always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life.
It will help us ev'ry day,
It will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life.










