G-Deih und G-Schrei

G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 4

4. Woche (06. 10. -12. 10. 2015)

Dienstag, 06.10.2015

Jetzt geht es schon wieder los mit der waidwunden Zitze: Fianna ist sehr reduziert, hat sichtlich Probleme und nach dem sehr kurzen Morgenspaziergang 39,6° Fieber. Also gibt jetzt die Chefin die Eitersennerin und tut, was und wie sie von Karin gelernt hat. Dabei zeigt sich, dass es der obere Milchkanal ist, der Probleme macht und immer wieder vereitert. Aus den anderen fließt pure Milch. Dieser Erkenntnisgewinn hilft aber nicht weiter; es muss gestrichen, massiert und gemolken werden, bis nur noch Milch kommt. Eine gute halbe Stunde geht das so, und Fianna ist ein Lamm und ein Vorbild an Geduld und Duldsamkeit. Wir fragen uns natürlich, woher der Eiter immer wieder kommt und ob eventuell das Antibiotikum nicht richtig wirkt, denn eigentlich müssten die Keime längst erledigt, zumindest erheblich geschwächt sein. Wir fragen über Karin beim Tierarzt nach, ob wir eventuell das Amoxiclav durch etwas anderes ersetzen können, aber das wird abgelehnt: Amoxiclav ist und bleibt das für Welpen verträglichste Antibiotikum. Also weiter streichen, massieren und melken, bis sogar der Eiter aufgibt. Als auch aus dem oberen Milchgang nur noch Milch kommt, kleben wir die Zitze zu. Fianna bewegt sich zwar wieder freier, ist aber noch längst nicht wieder die alte. Das ging samstags schneller. Und weil die Chefin heute einen längeren Termin mit ihrem Arbeitgeber hat, schiebt der Vize Stall- und Krankenwache.

Gestern nahmen einige G-Schwader-Angehörige die Ernährungsfrage eindeutig auf die zu leichte Schulter, während andere die klare Absicht erkennen ließen, niemals an Auszehrung sterben zu wollen. Die entschlossensten Überlebensstrategen sind Grille (1480) und Gamba (1470), die beide 100 g zulegten, gefolgt von Gruschel (1420, +80). Gundel (1400) und Gosh (1380) reüssieren mit sättigenden 70 g. Auch Greco (1440) und Greta (1400) werden mit zusätzlichen 50 g noch gut über die Runden kommen. Bei 20 g plus könnte man ja schon mal über eine partielle Unterversorgung nachdenken, allerdings auf Basis von 1530 (Girgl) und 1490 (Grappa) wirkt dieser Ansatz eher etwas bemüht. Selbst Gustl mit seiner Nullnummer (1400) kommt durch die Gesichtskontrolle: Keine eingefallenen Bäckchen. Und Gaudi, der camouflierte Gandhi, scheint der Quadratur des Gewichtskreises auf der Spur zu sein, weil er selbst mit -10 und bei 1300 einen ausgesprochen properen Eindruck macht, allerdings scheint er von seinen zwischenzeitlichen Absichten, das Feld von hinten aufrollen zu wollen, Abstand genommen zu haben. Und ehrlich gesagt sind 550 g über alle doch gar nicht so schlecht. Mama Fianna würde das bestätigen. Aber dennoch beschleicht uns der Verdacht, dass sie langsam an ihre Kapazitätsgrenzen kommt, elf immer hungrige Starkwüchsige allein versorgen zu können. Wir werden wohl bald richtig zufüttern müssen. Die winzigen Milchschüsselchen werden da nicht mehr reichen.

Dem Mittagsspaziergang schließt sich Fianna freudig an, obwohl sie sich bis dahin sehr zurückgezogen hatte. Der Vize beschließt, die etwas angeschlagene Mutter selbst entscheiden zu lassen, wie weit ihre Beine sie tragen sollen. Er geht also nicht wie gewohnt voraus und gibt die Richtung vor, sondern lässt sie an jeder Weggabelung selbst entscheiden, wohin sie sich wenden will. Und sie wendet sich und wendet sich und wendet sich - aber nie in Richtung Haus und Hof. Der Vize bricht das Experiment ab, weil die Kinder sonst vielleicht doch noch hungers sterben müssten, während er sich am Ende seiner Kräfte hinter seiner Schrittmacherin in Richtung Santiago de Compostela schleppt.

So kommen gleich im Anschluss an den Ausgang die Kleinen doch zu ihrer Mittagsspeisung, bei der der Vize wie ein Fragezeichen mit in der Kiste kauert, um die abgeklebte Zitze mit seiner Hand vor zu großen Zudringlichkeiten zu bewahren. Wir haben heute ein etwas anderes Pflaster als gestern aufgebracht, das zwar bis jetzt gehalten hat, aber von den Seiten zugänglich ist, sodass die hungrigen Monster leicht ihre Schnuten unters Pflaster schieben und es ablösen könnten. Da muss verhindert werden. So hockt der Vize zusammengekrümmt wie ein ungeschlüpfter Vogel in der Kiste und seine lebensrettenden Finger werden von uneinsichtigen und undankbaren Hungerleidern eingesabbert und attackiert. Ja, sie haben schon Zähne, zarte noch, aber einsatzwillige.

Jetzt wäre es doch gut zu wissen, ob die Mutter noch Fieber hat oder nicht. Rektale Fiebermessungen sind nicht die Sache von Schöngeistern. Schon die Weigerung des Messobjekts, den Schwanz zur Messung oben zu halten, indem sie ihn nach unten presst wie Kinder den Po zudrücken, wenn man ihnen Fieberzäpfchen applizieren möchte, bringt ihn an die Grenzen seiner Fähigkeiten als Stationsschwester, pardon: -bruder. Irgendwie bringt er das Thermometer, eines dieser Turbometer, das schon piept, bevor es richtig untergebracht ist, dann an den Ort der zu messenden Hitze und liest Sekunden später 38,0°. Seine medizinischen Grundkenntnisse reichen aus, um diese Messung als Fehlmeldung zu diagnostizieren, was ihn zu einem neuerlichen Penetrationsversuch zwingt. Diesmal piept das Turbometer 39,5°. Er gibt auf und rechnet den rasanten Temperaturanstieg Fiannas peinlicher Berührtheit und kochender Ungehaltenheit zu. Er schreibt in die Krankenakte: "Patientin nach Augenschein in einsatztauglicher Verfassung". Es wird schon nicht zu übersehen sein, wenn sie in die Knie geht.

Um aber den bösen Keimen nicht vollends das Feld zu überlassen, macht er der Patientin einen Quarkwickel auf die Zitze. Das geht ihm jetzt wieder leicht von der Hand. Schön dick den Quark auftragen, der eigentlich ins Kinderfutter gehört, einen kleidsamen Mulltupfer drauf und eine flotte Diplomatenschärpe um den Leib gewickelt - fertig ist die Rennsemmel mit Rallye-Streifen. Fianna ist es schnurz, nur die Kleinen scheinen ihre Mutter etwas peinlich zu finden. Tatsächlich sind sie vermutlich nur verstimmt, weil ihre zunehmenden Versuche, der Mutter im Stehen an die Milchspender zu gehen, mit dieser Saug- und Zuzelverhinderunsschärpe völlig ins Leere gehen. Aber ein neuer, und für die Mutter äußerst unangenehmer Entwicklungsschritt kündigt sich mit großen Schritten an: Nur wenige Tage noch und sie werden ihr wie die Blutegel am Bauch hängen, wo immer sie geht und steht. Fianna wird bald nur noch auf der Flucht sein.

Nach soviel aufopferndem Einsatz an der Puppy-Front zieht es den Vize in sein Arbeitszimmer im ersten Stock, weil dort noch ein Berg Arbeit auf Erledigung wartet. Die Tür bleibt offen, damit ihm auch nichts entgeht, denn noch kommentieren die Kleinen alle ihre Heldentaten mit lauten Jubelschreien, erst später agieren sie lautlos, weswegen man sich immer den Spruch im Sinn haben sollte: "Silence is golden. But if you have a puppy: Silence is suspicious". Und es dauert nicht lange, bis ihm höchst verdächtiger Kindergesang an die Ohren dringt. Er stürmt ins Erdgeschoß und wird im Treppenhaus und an der Kante zur Kellertreppe von einer kleinen Schar Pioniere begrüßt: Gundel, Gruschel, Greco und Grille, das Quartett infernal des G-Schwaders. Und wie die sich schon fix seinen Zugriffen entwinden und die Biege machen, sich gegenseitig anspornen und ihn ihrem Spott preisgeben. Doch noch ist er Herr der Lage (da zeigt der Vize, dass er eigentlich ein Leader ist), noch kriegt er das marodierende Pack in den Griff, noch lassen sich die Mädels überzeugen (da kennt er sich noch immer aus) und wieder einweisen. Nur der Grieche macht Schwierigkeiten. Der Grieche widersetzt sich uneinsichtig und nachdrücklich unter Einsatz seiner noch spärlichen Waffen den Anweisungen des einzig derzeit anwesenden und demnach zuständigen Vollzugsbeamten und muss unter Zwangsmaßnahmen zurückgesiedelt werden. Außerhalb der heiligen Hallen des Blues wäre jetzt gemäß § 113 StGB eigentlich mindestens eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe zu erwarten; bei besonders schweren Fällen wie diesem (Waffeneinsatz!) werden sogar bis zu fünf Jahre fällig. Der gnädige Vize drückt jedoch beide Augen zu, weil der Delinquent noch nicht im strafmündigen Alter ist. Aber die kriminelle Energie ist erkennbar, und es muss den Anfängen gewehrt werden: Noch heute müssen die Sperren aus dem Lager geholt werden, bevor eine Auswanderungswelle über uns schwappt.

Die Maßnahmen und Maßregelungen haben eine äußerst geringe Halbwertzeit. Als die Chefin nach Hause kommt, ist die halbe Bande schon wieder im Eingang, um Göttinmutter zu begrüßen. Das liegt vermutlich weniger an der Erkenntnis, dass die Chefin kommt, sondern daran, dass sie ihrer Mama nun auf Schritt und Tritt folgen, und die lässt natürlich keine Begrüßung ihres Heiligenbildchens aus. Und so schleppt sie das Brutpack in ihrem Kielwasser mit. Nun reichen schon vier Hände kaum aus, um die Situation zu entschärfen (Kellertreppe! Genickbruch!!). Die gute Nachricht: Der Vize kann es sich ersparen, die Chefin von der Notwendigkeit der Territorialsperren zu überzeugen.

IMG 7772 200Erste Speisung am Futterring: das funktioniert ja schon ganz gut Die bIMG 7777 200...auch wenn zum Schluss die Tischsitten etwas verrohen este Entspannungstherapie ist fürs erste immer noch der Futternapf. Nach den Einzelspeisungen aus dem Terrakotta-Napf erhöhen wir nun nachmittags die Anforderungen: Gemeinsame Speisung aus dem Futterring. Das Handlungsdreieck beim Nachwuchs bewegt sich dabei zwischen schnurdummer Tollpatschigkeit, Damenringkampf im Quarkschaum und effizienzgetriebener Habgier. Da aller Anfang schwer ist und mancher gelungene Anfang nicht wesens-, sondern zufallsgetrieben ist, bleiben die Namen der Tollpatsche, Ringkämpfer und Gierschlünde im Giftschrank des Blues versiegelt auf alle Zeiten. Schließlich bewältigen sie alle die Herausforderung mannhaft, wobei die größte Herausforderung die Durchsetzungspower gegenüber den Geschwistern ist. Und deshalb machen wir das ja auch: Wir sind keine Helikopter-Eltern, die ihre Schützlinge intravenös ernähren, damit sie bloß nicht zu kurz kommen und um alles in der schnöden Welt nicht mit der Hinterlist des Seins konfrontiert werden. Beim Blues bekommt man eine gelegentlich anspruchsvolle, aber zukunftstaugliche Schule. Memmen hat der Blues noch nie ins Leben entlassen.

Anschließend bekommt auch Fianna nochmal Quark - auf die Brust. Der erste Wickel hat ihr offensichtlich gut getan: Die Zitze ist weitgehend abgeschwollen und kühl. Wie schon beiläufig erwähnt: Männerhand auf Damenbrust vertreibt sogar dem Keim die Lust.

IMG 7781 200Hinter Gittern Die Sperren werden dann am frühen Abend aus dem Keller gezerrt, instand gesetzt und so aufgebaut, dass die zwei Zugänge zum Wohnzimmer und der Treppenhauszugang verrammelt sind. Der Vize gibt den Orbán und heraus kommt Guantanamo II. Vor allem Girgl kann diesem Hochsicherheitstrakt nichts abgewinnen und tigert an der Sichtsperre zum Wohnzimmer entlang wie ein hospitalisierter Eisbär und schreit seine Nichteinverständniserklärung zu uns herüber. Er hat große Vorbilder in dieser Disziplin, Adrian etwa, Bertl, Casper oder Franz, heldenhafte und berüchtigte Blues-Choleriker. Mal sehen, wie viel Potential im Girgl steckt; für den Anfang ist das schon nicht schlecht. Der Knirps ist ja gerade mal drei Wochen alt und hat eine Stimme wie Carreras.

Dabei ist der Girgl nur der lautstarke Wortführer, maulen tun sie jetzt alle, laut und präzise, nicht mehr dieses jammernde Schwurbeln, dieses Knarzen und Meckern, nein, jetzt wird Jähzorn artikuliert, scharf und schneidend, man gibt sich Widerworte und keift gemeinsam gegen den Leviathan jenseits des Hochsicherheitstrakts. Kinder sind so, wenn sie wachsen; teils zuckersüß, teils unausstehlich. Jetzt sind sie gerade unterzuckert.

Zum Abschluss misst die Chefin noch einmal Fieber bei Fianna und ermittelt reelle 38,7°. Der Vize singt ein Lied auf die Hohe Schule der Hausmedizin und legt der fast genesenen Patientin noch einen letzten Wickel für die Nacht auf. Überdosieren kann man Quark ja nicht, schon gar nicht an der Brust. Höchstens im gesprochenen wie geschriebenen Text...

 

Mittwoch, 07.10.2015

Fiannas maroder Milchspender scheint wieder funktionsfähig. Die Zitze sieht sehr schön aus, wenn auch etwas befremdlich mit all den getrockneten Quarkstreuseln, die sie verzieren. Die Zwerge stört es jedenfalls nicht; sie gehen, nachdem die Schärpe entfernt ist, zum Tagesgeschäft über und machen einen Saugtest, der anscheinend erfolgreich ist. Wir hoffen, dass das nun die letzte Attacke dieser Art war.

Die teilweise geschlossene Milchbar hat, trotz der Gemeinschaftsspeisung, Auswirkungen auf die Gewichtsentwicklung gehabt. Nein: Auch heute steht keiner vor dem Goldenen Tor, aber 470 g als Gesamtzuwachs sind etwas spartanisch. Und natürlich werden, wie im richtigen Leben, die Fetten immer noch fetter und die Darbenden haben das Nachsehen. Einer dieser Fetten ist Girgl (1630, +100), dem eine Ein-Tages-Diät bestimmt nicht schaden würde und der offensichtlich auch beim Herausschreien seines Unwillens nicht an seine Energiereserven muss. Auch Grappa mit ihren 1570 g (+80) hat offensichtlich dafür gesorgt, dass der reduzierte Nachschub nicht zu ihren Lasten geht. Und natürlich der gewaltbereite Grieche: ebenfalls 80 g (1520). Die zwischenzeitliche Aussicht auf einen längeren Haftaufenthalt scheint nicht merklich an ihm genagt zu haben. Greta, die eigenwillige Stille vergeudet ihre Energie nicht mit Larifari-Aktionen, sondern packt, ohne dass es einer merkt, mal eben 90 g drauf und schwingt sich auf 1490 g hoch. Die hat Stil, das muss man ihr lassen. Und nun kommen wir zum ernährungsbezogenen Fußvolk: Gamba (1470, +0), Gruschel (1460, +40), Gundel (1450, +50), Gustl (1430, +30), Grille (1430, -50), Gosh (1410, +30) und zum Schluss der knuddelige Gaudi mit 1320 ( +20).

Es gibt dann morgens wieder eine Sammelspeisung am Ring, was inzwischen schon kein Aufsehen mehr erregt; sie tun altklug und so, als ob das für sie ein alter Hut wäre. Wie immer gibt es die Ärmelaufkrempler und Hosenträgerschnalzer sowie die Feingeister, die jeden Happen genießen, bevor sie sich den nächsten holen. Das sind diejenigen, die am Rand des Futterrings ablecken, was die Grobkulinarier mit ihren Füßen nach draußen befördert haben. Auch im Tierreich gibt es solche, die sich von den Brosamen am Tisch des Reichen ernähren, wobei es sich in diesem Fall nicht so sehr um Reiche, sondern um Randalen handelt. Wir werden ja morgen sehen, wer auf der Leckstrecke nicht auf seine Kosten gekommen ist und auf eine Sonderspeisung an die "Tafel" gebeten werden muss. Aber was für ein Zwitschern und Keckern als die Futterglocke leer ist! Hungerleider wie Speckbarone tun sich nun zusammen und beschweren sich lauthals über die ihrer Meinung nach künstliche Verknappung des Nahrungsangebots. Da sind sie sich einig und gemeinsam laut. Wortführer und Schreihälse gibt es nun nicht mehr, nur krähendes Protestvolk. Fehlt noch, dass sie sich Warnwesten überziehen und wie die Gewerkschafter in Trillerpfeifen pusten.

Am späten Vormittag nehmen wir (also: die Chefin) zur Sicherheit bei Fianna eine Temperaturkontrolle vor, damit uns nichts entgeht: 38,5°. Entwarnung, und die Zitze sieht auch wirklich wieder gut aus, wenn auch nicht mehr so kauzig wie mit den Quarkstreuseln.

Die aktive Teilnahme der Welpen am Leben beschränkt sich nicht auf den Protest am leeren Futterring, sondern betrifft den gesamten Alltag. In erster Linie heißt das: Sie stehen immer und überall im Weg. Sie folgen uns und beobachten uns unentwegt, sie kontrollieren, ob wir alles richtig machen. Dabei sind ihre Bewegungsmuster so unorthodox, dass man ständig Gefahr läuft, einen zu treten, weil sie auch keine Scheu haben und keine Gefahr kennen. Es ist kein Problem, sich lautlos hinter einen Fuß zu setzen, der dem Vize gehört und der gerade mit Inbrunst ein Mahl zubereitet und nur an Zutaten denkt, nicht aber an G-Tier. Man entwickelt instinktiv einen schlurfenden Chinesengang, bei der die Füße nicht mehr angehoben werden, was nicht nur der Sicherheit der Welpen dient, sondern auch der Verteilung ihrer Hinterlassenschaften, die, und auch das ist ein Gesetz, jetzt schon so weit wie möglich von der Schlummerbox entfernt abgesetzt werden - und das ist genau dort, wo der Vize hantiert und kocht.

Da wir ab sofort zwei externe Speisungen anbieten, werden die Hinterlassenschaften schnell an Quantität und olfaktorischer Qualität zunehmen, und die Tretminengefahr wird allgegenwärtig. Andererseits werden wir Fiannas Futterration nun deutlich reduzieren. Manche Ernährungsexperten empfehlen, einer Hündin, die mehr als acht Welpen aufzieht, so viel Futter zu geben, wie sie möchte und vertragen kann. Wir finden, das, was Fianna bisher bekommen und eingespeist hat, reicht wahrscheinlich für die doppelte Zahl von Welpen; also, verehrtes Publikum, anschnallen bitte, es folgt der bisher gültige Speiseplan der Fianna vom Bairischen Blues, der sich hinter denen von August dem Starken, Otto von Bismarck, Max Reger oder Ludwig II wahrlich nicht zu verstecken braucht: Morgens, gleich nach dem Aufstehen, gibt es 200 g Sahnequark mit einem Eigelb und Frubiase Calcium. Nach dem Morgenspaziergang werden 300 g Trockenfutter fällig, um die Mittagszeit erwartet die Mutter ca. 300 g gekochtes Hähnchen mit Reis oder Flocken. Am späteren Nachmittag dürfen es noch einmal 300 g Trockenfutter sein und den Abend beschließen dann 250 g rohes Rind, ebenfalls mit Reis, Nudeln, Kartoffelflocken oder, was sonst zur Verfügung steht. Doch gemach, gemach, das ist noch nicht alles. Für den kleinen Hunger zwischendurch warten frische Hühnerschenkelchen auf Fianna, auch mal etwas abgestürzte Wurst oder Käse, Trockenleckereien wie Pansen, Huhn, Pute, Kaninchen, dazu die mannigfaltigen Freundschaftsgaben der Besucher, die ja nicht dazu gebracht wurden, um sich in unserem Lager für schlechte Zeiten zu stapeln; die wollen respektiert und kurz gehalten werden. Und natürlich findet sich ein etwas nachlässig entleerter Sahnebecher, eine Rührschüssel mit Teigresten und - ganz wichtig - unvollständig geleerte Katzenschälchen. Und was sowieso nie fehlen darf, sind die die Stimmungsmacher und Belohnungsleckerli beim Spaziergang. Das summiert sich vermutlich auf 3000 Kilokalorien. Wir finden, Fianna sieht dabei prächtig aus und versorgt ihre Kinder ohne Fehl und Tadel. Weder sie, noch ihre Kinder machen einen notleidenden Eindruck.

IMG 7852 200Grille macht's vor: Pummelbauch nach der Fütterung. Und wenn der Futterring nicht leer gewesen wäre, hätte sie auch noch weiter gefressen Wer diese Zahlen sieht und zu hören bekommt, dass er noch mehr füttern soll, so viel bis der Hund endet wie die Kochpartie aus dem "Großen Fressen", weiß, warum er den Ratschlägen der Ernährungsexperten und Diäthysteriker mit sehr gesundem Misstrauen begegnet. Bei unserem A-Wurf haben wir irgendwo gelesen, dass man Welpen so viel geben sollte, bis sie von sich aus nichts mehr nehmen, also pappsatt die Schüssel beiseite schieben. Weil, so der Autor, gesunde Welpen auch ein gesundes und natürliches Sättigungsempfinden hätten. Nicht, dass wir den Unsinn glaubten, aber es reizte uns schon sehr, den Versuch einmal zu machen und zu sehen, wie Blues-Kinder mit der ungezügelten Maßlosigkeit umgehen. Ergebnis: Der Versuch wurde nach einem Tag abgebrochen. Die Welpen hätten das Futter auch dann nicht abgelehnt, wenn sie fett wie eine vollgesogene Zecke durch ihr Reich gerollt wären. Wir schrieben uns demnach ins Stammbuch: Unsere Welpen sind nicht normal. Unsere Welpen sind degeneriert. Trost: Unsere Welpen sind Hovawartwelpen (wovon das Ernährungsgenie keine Ahnung hat). Möglicherweise ist ja diesem Experten seine humanistische Bildung im Wege gestanden und er orientierte sich an dem edlen Satz: Mens sana in corpore sano, der gerne mit "In einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist" übersetzt wird. Blöd nur, dass man fix auf dem Holzweg landet, wenn man einem mutwillig verkürzten Zitat auf den Leim geht; der Originaltext von Juvenal lautet nämlich "Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano", und das bedeutet, man solle darum beten, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist sei. Das eine ist ein Postulat, das andere ein (frommer) Wunsch. Somit ist der Autor dem irrigen Postulat aufgesessen, nach dem ein gesunder Welpe auch ein gesundes Futterverhalten zeigt. Züchter und Welpenbesitzer wissen, dass das im Sinne des Zitats eben nur ein frommer, aber dummer Wunsch ist. Gänzlich wirr wird der Wunsch im Zusammenhang mit einem Hovawart. Ein Hovawart ist gerade nicht normal, wenn er Futter ablehnt, dann wäre der Hovawart kein Hovawart! Dass uns ausgerechnet Anouk in ihren drei Würfen auch Kinder bescherte, die richtige Futtermäkler waren oder sind, widerlegt dieses Gesetz nicht, sondern ist ein Erbstück von der Mutter und eine Ausnahme von der Regel. Anouk war halt immer etwas eigen und anders. Darauf eine Futterempfehlung aufzubauen, wäre mehr als fahrlässig.

Zurück zum Tagesgeschehen: Für Fianna gibt es ab morgen jedenfalls eine Trockenfutterration weniger. Und mit dem fortschreitenden Versiegen ihrer Milchquellen werden wir schnell auf Normalportionen zurückgehen. Aus und vorbei mit dem Kalorien-Schlaraffenland.

Zum Schluss noch ein Wort zum heutigen Wetter, über das wir nicht reden wollten, aber wenn es schon sein soll, dann kann man es auch am Ende des Tages tun, weil es etwas Endzeitliches hat, das heutige Wetter: Dauerregen, Land unter, nichts als Wasser, Wasser, Wasser. Gute Nacht, vielleicht gibt es ja morgen schon wieder Lichtblicke.

 

Donnerstag, 08.10.2015

Ja, der Regen hat sich verausgabt und seine leeren Tragesäcke hängen schwer und schwarz über unseren Köpfen. Ein Lichtblick sieht anders aus.

Ein Blick auf die Gewichte - und elf Lichtblicke! Girgl hat von der Hausse am Ring für seine Verhältnisse wenig profitiert, aber die Pole-Position mit 1680 g (+50) behalten. Aber die kaltblütige Fettmamsell Grappa rückt ihm gnadenlos auf den Leib: +90 = 1660 g. Wir hoffen in ihrem Sinne sehr, dass dieses Rennen nicht zu ihren Gunsten ausgeht (mal abgesehen davon, dass Girgl krank würde, was wir nicht hoffen wollen). Und dann schon Greta, die unscheinbar Effektive, macht 150 g gut und wirkt mit ihren 1640 g keineswegs überproportioniert. Die gilt es im Auge zu behalten, die kommt langsam aber gewaltig. Und danach ist eine Runde lang nichts zu sehen. Die nächsten sind Greco und Gundel mit 1570 g, wobei sich Greco im Normalbereich bereicherte (+50), Gundel dagegen 120 g inhalierte, was sie bestimmt nicht mit der Verwertung der Randreste geschafft haben kann. Sie war also vermutlich bei den Durchstechern. Einen schicken Pas de deux haben Gustl und Gruschel aufs Parkett gezaubert, Gustl mit 100 g plus, Gruschel mit 70 g, Schlussbild 1530 g. Gosh gibt sich Mühe, den Anschluss nicht zu verpassen, ist aber zu gesittet, um sich den Tischsitten der anderen zu beugen; Ergebnis: 100 g plus reichen trotzdem nur für 1510 g. Hinter ihm reiht sich Gamba mit 1490 g und wenig ambitionierten 20 g plus ein. So, wer fehlt dann noch? Grille, zum Beispiel, die auch nicht mehr als 40 g zwischen die plappernden Kiefer stopfen konnte und auf 1470 g hängen bleibt - gleichauf mit dem Gaudibursch, der es sich hat schmecken lassen: 100 g sind wieder mal eine Kampfansage. Mal sehen...

IMG 7795 200Greco als Fußballstar Die KIMG 7822 200Gaudi hat die Ikea-Ratz erlegt nirpse erkennen nun auch immer mehr, dass es zum Zeitvertreib noch andere Objekte gibt als die Mama und die Beine und Laufwege der riesigen Zweibeiner; sie beschäftigen sich nun auch mit allem, was herumliegt, Spielsachen zum Beispiel, die meist noch begutachtet, aber noch nicht richtig bespielt werden. Erst ganz langsam werden sie auch herumgetragen, soweit die Körperkraft es hergibt oder ein wenig an ihnen geknabbert. Die begehrtesten Spielsachen sind die Pinkelhandtücher, mit denen wir ihre Teiche entfernen; in die würden sie am liebsten eintauchen, und die werden auch herumgezerrt wie nichts anderes. Besonders knifflig wird die Angelegenheit, wenn man gerade dabei ist, einen Teich zu entfernen und es hängen zwei des G-Schwaders dran und zerren dagegen - ja, das geht jetzt los. Der Hundesportler freut sich über eine solche Konterbande. Und natürlich werden mit jedem Tag die Beine, vor allem die Fersen der Zweibeiner interessanter, aber auch die Zehen, sofern sie nicht verpackt sind, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Und so wird es auch zunehmend komplizierter, sich in der Küche zu bewegen, weil die Kleinen offensichtlich einen Satz schon fest verinnerlicht haben: Wo du hingehst, mein großer Bruder, will auch ich hingehen.

IMG 7829 200Gustl schnullert noch am liebsten am Finger Diese Anhänglichkeit zeitigt noch andere Folgen, an die der geneigte Leser dieser Seiten kaum denkt: Die Tagesbilder und Galerien, die bei vielen große Begeisterung auslösen, haben häufig eine mühsame und beladene Geschichte, weil dem Zwergenpack nichts mehr entgeht und weil es in diesem Lebensabschnitt schon so kamerageil ist, dass sich fast jeder Politiker eine Scheibe davon abschneiden könnte. Kaum geht man in die Hocke, schon stürzt das Motiv, das gerade noch in stiller Versunkenheit vor sich hin spielte oder dödelte mit Hurra auf den Fotografen - Motiv kaputt. Sollte man sich gar der optimalen Perspektive zuliebe auf den Boden legen, wird man besiedelt wie der Hundehaufen von Schmeißfliegen. Wir warten auf die Outdoor-Saison, wenn man mit dem Tele arbeiten kann - aber selbst das werden sie fix spitzkriegen und angerast kommen. Die Leichtigkeit des Genusses entspringt immer den Mühen des Werdens. Nur beim Kinderkriegen und -haben ist dieses Prinzip verkehrt, dort mündet der Genuss des Werdens in die Mühen des Seins.

 

Freitag, 09.10.2015

Der Gaudibursch! Kaum hat er mal ein großes Maul voll genommen, verdaut er wieder einen Tag, soll heißen: Der Knirps hat eine Nullnummer eingelegt, weiterhin 1470 g. Damit ist natürlich im Rennen um den Platz an der Speckseite kein Blumentopf zu gewinnen, schon gar nicht, wenn die lieben Geschwister seinen Aussetzer gnadenlos nutzen. Grille etwa, die gestern mit ihm noch gleichauf war: +40 (1570). Oder Gustl. Auch keiner von der Speckfraktion, aber mit +40 und 1570 g schon 100 g weg. Und Gamba erst: Gestern nur 20 g vorne, heute mit +90 auf 1580 auf und davon. Auch Gosh ist weg, ebenfalls keiner, den wir bislang zu den Brechern zählen mussten: +70 und ebenfalls 1580. Wenden wir uns jenen zu, mit denen sich der putzige Gaudi nie messen musste und nie messen werden muss. Am unteren Ende dieser Phalanx residiert Greta, die zwar 1600 g auf die Waage bringt, aber 40 g abgenommen hat. Ob sie mit Gaudi Schach gespielt hat? Gruschel liegt jetzt vor ihr, weil sie 90 g gutmachte (1610). Gundel zieht unbeeindruckt von dem, was vor und hinter ihr passiert ihre Kreise: 110 plus (1680). Mit 1740 (+70) liegt Greco aber noch deutlich vor ihr und schon knapp hinter Girgl, der sich ausnahmsweise mit 80 g beschieden und somit seinen Platz an der Sonne aufgegeben (1760) hat. Den hat nun Grappa: 140 g plus ist keine Kampfansage, sondern Akt der geschwisterlichen Supression und Demütigung, weil sie dem Girgl den Schneid abgekauft und ihn abgespatzt hat: 1800 g, und das ist kein hauchdünner Vorsprung, das sind gleich 40 g, die sie dem Girgl abgeluchst hat. Girgls 80 g plus wirken dagegen wie der Versuch, mit einem Laubbläser gegen einen Taifun anzupusten. Jetzt hat die Grappa das Rennen also doch für sich entschieden, was wir gestern noch nicht hoffen wollten. Nun hoffen wir, dass das nicht das letzte Wort ist - und sind ziemlich zuversichtlich.

Ruhig gleitet der Tag dahin, nur ein Kurzbesuch von Tante Chilli, der nach ihrem Geschmack getrost hätte viel länger ausfallen können. Es herrscht eine entspannte Ruhe vor dem Wochenendansturm.

IMG 7845 200Eingeweichtes Trockenfutter- kein Problem für die Kleinen Dennoch gibt es ab jetzt praktisch keinen Tag mehr ohne eine neue Erfahrung für das Mini-G-Schwader. Um 18:30 Uhr beginnt für die kleinen schon wieder eine neue Zeitrechnung: feste Nahrung. Nach der Mamamilch und der LMU-Milch aus kleinen und großen Näpfen steht nun ein Futterring mit püriertem Trockenfutter auf dem Speiseplan. Zur Sicherheit geben wir ein wenig Ulmenrinde (Cortex ulmi campestris pulv.) dazu, um gleich etwas dagegen zu wirken, falls die Umstellung auf ihre Därme schlagen sollte. Das Fress-G-Schwader hält sich nicht mit überflüssigen Fragen zum Inhalt auf, sondern stürzt sich, inzwischen schon routiniert, auf das Angebot und haut es kompromisslos weg. Da tapert keiner mehr wie ein Schlafwandler auf der Suche nach der Verheißung in der Küche umher, um erst an breiten Rücken und anschließend an einem leeren Büffet zu scheitern. Nein: Sie wissen schon, was da geboten ist. Grund dafür ist, dass wir seit drei Tagen wieder den Futterruf "Matze, Matze, Matze" eingeführt haben, wenn immer es angerichtet ist, und das hat sich in ihnen schon eingebrannt: "Matze, Matze, Matze" bedeutet, so schnell wie möglich dem Ruf entgegen zu laufen, dort wartet zwar keine Goldeimerchen am Fuße des Regenbogens, aber ein voller Napf. Dieser Ruf hält sich ein Leben lang; selbst unsere Kinder vom A-Wurf reagieren nach fast zwölf Jahren noch auf den Ruf, selbst wenn er zuhause nicht mehr gepflegt wird. Das sollte man sich merken: Mit einem Lautsignal und Futter bricht man jedes Hundeherz auf Dauer, ein Trumpfass für jede Erziehung und Ausbildung.

Nach einer solchen Fressorgie sollte man aber nicht an Erziehung denken, denn selbst wenn die Zöglinge geistig noch aufnahmefähig wären: körperlich sind sie es nicht mehr. Die sehen jetzt von oben aus wie Kugeln mit Beinchen, so eine Portion Trockenfutter beansprucht schon einen anderen Platz als die Flüssignahrung, und wahrscheinlich fühlen die sich jetzt auch wie wir nach einer doppelten Portion Schweinshaxn mit Knödel und Kraut (für die Franken: Es darf auch Schäufele sein). Die Wirkung der festen Nahrung zeigt sich auch fast umgehend in den kleinen Würmern, die nun zahlreich unseren Küchenboden verzieren, dunkelbraune, feste Kotwürmchen, etwa halb so lang und dick wie ein kleiner Finger. Aber fest! Ob es an der Ulme liegt oder ob sie auch ohne sie fest wären, ist egal. Andererseits zeigen diese Würmchen, wie effektiv die LMU-Milch ist, weil wir mit ihr kaum Rückstände hatten, also fast alles verwertet wird. Nachdem die Zwerge uns die unverwertbaren Teile des Trockenfutters zur treulichen Weiterverwertung oder Entsorgung überlassen haben, fallen sie um und schlafen wie tot. Verdauen ist eben sehr, sehr anstrengend.

Mit der festen Nahrung stellen wir jetzt auch erstmals ein Schüsselchen mit Trinkwasser auf, das später auch mit in die Schlummerbox kommt. Auch das registrieren sie im Laufe des Abends schnell und bedienen sich ohne große Umstände.

Eine Maßnahme müssen wir heute unbedingt noch umsetzen, und die betrifft die Mutter. Seit Tagen räumt sie abends das gesamte Kinderzimmer aus und trägt die Spielsachen ins Schlafzimmer. Wenn sie dort blieben, würden wir uns dort zwar wie in einer Obletter-Außenstelle fühlen, aber dort bleiben sie nicht. Fianna räumt das Gelumpe nachts wieder runter und zeigt jedes Teil einzeln ihren Kindern. Und jedesmal werden sie wach und krakeelen vor Freude. Und die Mutter zieht wieder ab, um sich neue Munition zu holen. Damit muss Schluss sein, wir sind doch nicht bei einer Ronald-MacDonald-Party. Deshalb wird der Korb mit den Spielsachen, einschließlich des riesigen Krokodils, das auch mehrmals die Nacht die Seiten wechseln musste, unerreichbar für die Mutter auf den Tisch gestellt.

Das gefällt ihr überhaupt nicht! Anstatt mit dem Vize die Schlussrunde durch die Welpenstube zu gehen und ihn dann in die Kuschelkammer zu begleiten, bleibt sie heute unterm Wohnzimmertisch liegen. Beleidigt. Oder hofft sie, mit einem kleinen Husarenstück die Dinge wieder zurechtrücken zu können?

 

Samstag, 10.10.2015

Das kleine Bubenstück ist Fianna offenbar nicht geglückt, jedenfalls ist sie irgendwann in der Nacht lautlos zu uns geschlüpft. Zur Strafe hat sie aber der Chefin zweimal Beine gemacht, sie zu ihrem Mutterdienst in die Küche zu begleiten und Händchen zu halten. Die Chefin ist morgens wenig amused und nur schwach entfaltet, also ziemlich zerknittert.

Nachdem sich die Boxentür morgens öffnet, stürmen zehn ausgeschlafene Fiannakinder nach draußen und erledigen ihre Morgentoilette, nur eines besudelt das Schlafzimmer. Diskretion ist auch hier angesagt. Aber das sieht jetzt schon sehr abenteuerlich aus, alle die Würmchen und Teiche, die im morgendlichen Eifer verteilt und verstrichen werden.

Aber das Kraftfutter von gestern zeigt nicht nur auf unserem Küchenboden seine Wirkung, sondern auch auf der Waage. Ziehen wir eine Kurzbilanz von oben nach unten: Girgl 1890 (+130; Pole-Position zurück erobert), Grappa 1840 (+40; Verschnaufpause), Greco 1820 (+80), Greta 1780 (+180; !), Gundel 1770 (+90), Grille 1720 (+180; !), Gruschel 1710 (+100), Gustl 1690 (+120), Gamba 1660 (+80), Gosh 1650 (+80), Gaudi 1550 (+80). Ergibt einen Bilanzüberschuss von 1150 g. Sauba, sog i!

Die Knirpse sind superlustig und gut drauf und spielen mit uns und miteinander wie die Teufelchen. Das Leben scheint ein einziges Fest zu sein, wenn auch die Feierzeiten noch relativ kurz sind, bevor die Müdigkeit wieder zuschlägt.

Heute ist Fiannas Schwester Fine kurz zu Besuch. Die beiden Schwestern vertragen sich schon immer prächtig, und dass das nicht nur an schönen und sorgenfreien Tagen so ist, beweist Fianna, indem sie sich bei Fines Ankunft völlig entspannt zeigt und sich sogar zurückzieht, als diese ihre Kinder begutachtet. Fine, selbst keine Mutter, könnte sich wohl vorstellen, eine zu sein, jedenfalls vermittelt sie den Eindruck; sie geht ganz auf im Welpenschnüffeln und -schubsen. Aber Fine wäre nicht Fine, wenn sie nicht noch einen kleinen Spaß für uns auf Lager hätte: Die Grobmotorikerin tritt uns vor lauter Begeisterung und Geschäftigkeit die Guantanamo-Sperre ins Wohnzimmer um - und schon ergießt sich die schwarzbraune Zwergenflut ins Wohnzimmer und macht es sich untertan. Ist doch auch wurscht, lassen wir sie eben.

Das Leben scheint wirklich ein einziges langes Fest zu sein, denn hier im Wohnzimmer gibt es natürlich Dinge zu entdecken, die es eigentlich gar nicht gibt, jedenfalls bisher nicht gab. Blumentöpfe bieten reichlich Explorationsmöglichkeiten und ein Schrank, indem man ein Geschwister sieht, ohne zu wissen, dass man das selber ist. Danach ist des Türglas eingeschlabbert wie sonst nur das Gesicht des Vize, wenn er sich seiner Schützlinge annimmt. Allerdings schmeckt der Vize stacheliger - also besser Türglas! Eiserne Stuhlbeine, hölzerne Tischbeine (da wird der Vize gleich noch stacheliger), Vorhänge, an denen man nicht nur zerren, sondern in die man sich auch zum Schlafen wickeln kann. Ein Paradies, in dem keiner mürrisch den Finger hebt und zürnt: Von diesem Bein sollst du nicht naschen - und dann die Ausweisung veranlasst. Die Ausweisung erfolgt erst, als sich einige anheischig machen, auf diesen geheiligten Dielenboden zu pinkeln, ihn zu entweihen, was schon all ihren unbeherrschten Vorgängern ebenso die Vertreibung aus dem Paradies bescherte. So tummeln sie sich wässernd und stuhlend wieder durch die Küche und erfinden sogleich ein neues Spiel: Schlittenfahren auf dem Teichwischtuch, wo doch der Vize so fix mit dem Fuß auf dem Tuch hin- und her wienert, geile Nummer so eine Teichtuchpartie durch die Gute Stube, und jeder, den man bei dieser Sause passiert, springt gleich mit auf, wie bei einer Polonaise. Und der Vize erinnert sich wieder, wie schwer das ist, drei oder vier am Handtuch hängende Kinder mit dem Fuß durch die Küche zu scheuern. Die Welperei hat nicht nur viel Arbeit und zeitweise Sorgen im Gepäck, sondern viele liebenswerte Schnurren. Zudem wirft sie immer wieder existenzielle Fragen des Lebens auf, z.B.: Warum pinkeln die denn überhaupt so viel, wenn sie doch weniger flüssige und dafür mehr feste Nahrung zu sich nehmen?

IMG 7874 200Grappa macht vor, wie man Hackfleisch von Menschenfingern herunterlutscht Der Blues füIMG 7893 200Gruschel machts nach hlt sich nicht im Stande, all diese tiefschürfenden Fragen zu beantworten, aber er fühlt sich verantwortlich, seinen Besuchern und Welpenkäufern immer wieder mal eine kleine Freude zu machen. Und weil heute Samstag ist, der immer reichlich Besucher herbeischleppt, lassen wir sie am Leben des Blues aktiv teilhaben (Die Frage um Teilhabe, Ganzhabe oder Anteilhabe hat sich ja zu einem gesamtgesellschaftlichen Grundsummen hochgebrummt) und deshalb gehen wir mit gutem Beispiel voran: Heute steht erstmals echtes Fleisch auf dem Speiseplan des G-Schwaders, Rinderhack, ganz fein gewolft, das nun in Bällchen zugeteilt wird. Und IMG 7900 200Und auch Gamba findet Gefallen daran daran darf sich nun unser Publikum abarbeiten, wenn ihnen eine kleine Naschkatze auf dem Schoß den Fleischbrei in den Händen verreibt und von den Fingern schlotzt; Welpenzeit ist immer auch Varieté-Zeit, Spaßhaben am Dabeisein und Selbermachen. Heute ist Puppy-Nutrition-Party beim Blues. Und weil die Welt zwar manchmal einen anderen Eindruck vermittelt, aber letztlich doch ein Ganzes und unteilbar ist, dürfen sie im Anschluss auch die Hinterlassenschaften dieser Nascherei beseitigen, die an Größe schon deutlich gewonnen haben. Halbe Sachen machen wir nicht. Was die Fertigkeiten des Fütterungspersonals angeht, sind wir so diskret wie wir es meist auch gegenüber unserer Schutzbefohlenen sind, aber für diese können wir sagen, dass sie sich leidlich passabel anstellen und alle ihre Portion ordnungsgemäß zerwirken. Die Schlauesten kriegen aber schnell wieder mit, dass sich auf all den Schößen Reste sammeln, die nach einer Zweitverwertung schreien. Mal sehen, ob sich diese Nachschlagverwalter morgen auf der Waage outen. Wir schweigen dazu beharrlich.

Als sich die Besucher wieder in aller Richtungen verstreut haben, stellen wir sehr zufrieden fest, dass es sehr nette und angenehme Besucher sind, die wir uns für unsere Kinder ausgesucht haben, aber wir können auch konstatieren, dass wir auch ungewöhnlich brave Kinder haben, die sehr zufrieden sind, nicht so jähzornig und hochfahrend wie manche ihrer Vorgänger, die aber dennoch keine Schluffis sind, deren Lebenstüchtigkeit wir in Frage stellen müssten; das G-Schwader ist eigentlich in dieser Hinsicht ein Traum. Das lässt sich auch an ihrem Kasernierungsverhalten festmachen: Wir sind nun fast am Ende der vierten Woche und sie lassen sich noch immer nachts ohne Beschwerde in die Kiste sperren. Bisher war es meist so, dass die Viertelstarken, kaum dass man ihnen die Freuden der Freiheit vor Augen geführt hatte, diese auch mannhaft und lauthals einklagten. Mehr als zwei oder drei Tage nach der Öffnung der Schnullerbox ließen die sich nicht mehr wegsperren, dann war Feuer auf dem Dach - Stimmenfeuer bis die Gläser barsten. Einen Nachteil hat natürlich auch diese Zurückhaltung: Das Nachtlager ist morgens kein Hort der Hygiene mehr. Die Welt ist zwar eine ganze und unteilbar, aber so richtig rund ist sie eben auch nicht.

 

Sonntag, 11.10.2015

Der Herbst bleibt unser zäher Begleiter seit Tagen: zäher Nebel und Niesel. Wir ziehen neue Kleider an und die Bäume werfen alle von sich. Wer noch nicht weiß, wie Herbst ist, lernt es in diesen Tagen.

Bevor wir aber in eine unangebrachte Herbstdepression gleiten, singen wir gemeinsam den ersten Teil der zweiten Strophe des October Songs von der Incredible String Band, dann geht es uns gleich wieder farbenfroher: The fallen leaves a-jewel the ground / They know the art of dying, / And leave with joy their glad gold hearts / In scarlet shadows lying.

Scharlachrote Schatten sind es nicht, die uns morgens begrüßen, eher schon schwarzfleckige Ratten, aber Stimmungskanonen sind sie allemal (by the way: Was diesen herunterfällt a-jewels auch nicht unseren Küchenground, sondern a-messes ihn; das sollte der Vollständigkeit und abschließend noch erwähnt werden). Und zudem halten wir fest, dass trotz der nun wechselnden Nahrung (Muttermilch, LMU-Milch, Trockenfutter, Fleisch) der Stuhl weiterhin fest und somit sehr erfreulich ist.

Wir schreiten zur Waage und vermelden: Es geht weiter steil aufwärts. Grappa holt wieder auf und Girgl ein: plus 140 macht 1980. Girgl benötigt für das gleiche Ergebnis nur 90 g. Tagessieger ist er dennoch nicht. Den küren wir später. Der dritte, der morgen mit ziemlicher Sicherheit die zwei Kilo stemmen wird ist Greco mit 1940 (+120). Für die anderen liegt diese Latte wahrscheinlich noch zu hoch, höchsten Greta mit 1870 (+90) kann sich daran versuchen. Gruschel (+120) und Gosh (+180) hätten zwar mit 1830 g das Zeug dazu, müssten aber nach einem fetten Tag eine zweiten folgen lassen, was meistens nicht der Fall ist. Gosh darf aber heute den Tagespreis entgegennehmen, das ist ja auch nicht zu unterschätzen. Drei teilen sich die 1820: Gustl (+130), Gundel (+50) und Grille (+100). Gamba geht ihren Weg und lässt sich nicht beirren: 1780 (+60), was für Gaudi schon immer galt: 1670 (+120), was immerhin in die Kalorienspitzentruppe des Tages gehört. Wer will, kann nun darüber räsonieren, ob eine(r) der Zugewinnspezialisten zu den Zweitverwertern der gestrigen Hackfleischparty gehören könnte.

Der Sonntag rollt ohne große Ereignisse dahin, Besucher geben sich wieder die Klinke und die Welpen in die Hand, und man spürt, dass in ihnen langsam Entscheidungsprozesse reifen, in Zweifel gezogen und umgestoßen werden, aber langsam das Bedürfnis nach einem Entschluss wächst: Der oder die soll es sein. Wenn das so einfach wäre.

Abends gibt es das restliche Rinderhack von gestern mit eingeweichten Kartoffelflocken. Da lässt sich dann kaum noch übersehen, dass der Futterring für diese Kaliber nun langsam zu klein ist, wodurch die Kleinkaliber schnell ins Hintertreffen geraten; wer Ellenbogen hat, setzt sie ein, wer nur Hunger hat, fliegt raus, anders gesagt: Rock am Ring. Die nächste Stufe ist Rock an zwei Ringen im Park (falls das Wetter mitspielt).

 

Montag, 12.10.2015

Um 4:30 Uhr beschließt die besorgte Mutter, nach ihren Kindern zu sehen - und ihnen bei der Gelegenheit das geliebte Kuschelkrokodil zu klauen und uns zu überreichen. Damit ist die Nacht vorbei. Das lassen sich die Beklauten nicht bieten, schon gar nicht, wenn nicht mal ein Schadensausgleich in Form eines Schlummertrunks dabei herausspringt. Sie machen Lärm. Richtig Lärm, elfstimmig, vielleicht auch nur neunstimmig, aber das unterscheidet niemand mehr, schon gar nicht, wenn manche ein Organ für drei haben. Jetzt ist es wohl passiert, was wir vorgestern noch mit großen Worten gelobt haben: Die schöne Zeit des duldenden Einschlusses ist vorbei. Davon darf man ausgehen. Und Fianna hat's vermasselt. Der Freiheitsdrang bricht sich Bahn, was, wenn man ehrlich ist, nach vier Wochen auch überfällig ist.

IMG 7957 200Freiheitsliebende Gundel Als die Chefin das schmale obere Brett (10 cm) von der Schnullerbox nimmt, macht es plopp und Gundel ist drüber. 30 cm sind schon kein Hindernis mehr. Wer raus will, schafft das (und wer rein will, wie wir alltäglich sehen, auch). Ob raus oder rein, letztlich kann kein Brett und keine Sperre die Freiheit unterdrücken. Wer dem alten deutschen Volkslied folgt, dass die Gedanken frei sind, darf auch folgerichtig fortfahren, dass sie freimachen, obwohl man das damals, Ende des 18. Jh. nicht laut singen oder sagen durfte. Gundel kennt weder das Lied, noch hat sie sich vermutlich viele Gedanken gemacht, aber sie hat das Bedürfnis und die Muckis, ihre Freiheit selbst in die Hand zu nehmen - und fort ist sie.

Eigentlich wollten wir dem Freiheitsdrang des G-Tiers schon längst Rechnung tragen und es in den Garten entlassen, aber es war bisher nur schaurig nass und eklig. Vor allem aber besteht die Chefin darauf, noch einmal den Rasen zu mähen, damit man die Tretminen besser sehen und entfernen kann. Das war bisher nicht möglich, der Nebel wässert unseren Garten, dass es möglicherweise für einen weiteren warmen Sommer reichen könnte. Aber langsam wird es wirklich Zeit, dass das Völkchen mal etwas von der Welt sieht.

Vertreiben wir uns eben die Zeit mit einem Blick auf die Gewichtstabelle mit besonderem Augenmerk auf die Frage: Wer hat die zwei Kilo geschafft? Machen wir es kurz: Girgl war mit einem Fuß schon fast drüber, 20 g fehlten ihm noch, und da hätte er schon mit einem Bandwurm im Bund sein müssen, wenn das nicht geklappt hätte. Girgl landet heute bei 2180 g, das sind nicht 20, sondern 200 g mehr. Der hat von den Zudringlichkeiten seiner Schwester Grappa offensichtlich die Nase richtig voll. Und da hat er gut daran getan; die hat nämlich auch kräftig zugelangt und mit 120 g auf 2100 gestellt. So schnell lässt sie sich nicht abschütteln. Erwartungsgemäß hat es auch Greco geschafft; 60 g sind für ihn keine Herausforderung, 100 hat er hingelegt und bei 2040 verschnauft. Und schau, Greta, die so langsam, aber gewaltig kommt, bleibt dran und macht mit 130 g plus eine Punktlandung bei 2000. Jetzt die Normalos. Gundel +130 (1950), Gruschel +130 (1930), Gustl und Grille im Gleichschritt +80 (1900), Gosh +100 (1830), Gamba +40 (1820) und - sieh mal einer an! - der Gaudibursch: +130 (1800). Er ist wieder in Reichweite.

Heute haben wir wieder einmal ein Deja-vu: Fianna spielt wie ihre Mutter das Witwe-Bolte Spiel. Das Spiel heißt so, weil dazu das Witwe-Bolte-Huhn gebraucht wird, ein unmögliches, aber nahezu seit den Anfängen des Blues ein völlig unverzichtbares Plastikhuhn, das aus nie geklärten Umständen alle Welpen und Mütter überlebt hat. Franzi hat dann das eigentliche Spiel entworfen (während Anouk das Huhn benutzt hat wie jedes andere Spielzeug). Das Spiel geht so: Fianna steht mit dem Witwe-Bolte-Huhn im Maul an der Sperre zum Treppenhaus und gibt einen gepressten Laut (klar, wer kann mit einem Huhn im Maul schon singen?). Daraufhin müssen wir die Sperre wegräumen, damit sie zu ihren Kindern kann; Fianna springt zwar im normalen Leben wie ein Schachtelteufel, aber den Fliesen traut sie nicht. Also müssen wir zur Hand gehen, wenn wir das nicht tun und sie springt, kann es passieren, dass sie - aus Trotz oder Unvermögen - die Sperre abräumt und die ganze Bande über alle Berge ist. Also räumen wir weg. Jetzt stapft sie zu ihren Kindern, präsentiert ihnen das Huhn, macht sie an, und wenn sie um sie herumschwirren und um das Huhn betteln, stapft sie wieder zur Sperre, begehrt mit dem bekannten Presston wieder Auslass und wird entlassen. Die Kinder schreien Protest. Wenn sie sich wider beruhigt und ausgiebig gepinkelt haben, schreitet Fianna wieder zur Sperre und begehrt Einlass ... das Spiel besteht aus einer Endlosschleife, bis wir keine Lust mehr haben und es unterbinden. Dann beschwert sie sich, legt sich mit dem Huhn in den Eingangsbereich und ist für dreieinhalb Minuten beleidigt. Nach Ablauf dieser Frist steht sie wieder auf, geht zur Sperre, begehrt Einlass, der Vize geht in sein Arbeitszimmer, die Chefin in sich oder anderswo hin - bis irgendwann wieder alle zusammen sind und Fianna zur Sperre geht ... Wir wissen nichts von der Magie dieses Huhns, wir wissen nicht, ob sich Fianna an ihre Mutter und dieses Spiel erinnert oder ob es ein Witwe-Bolte-Huhn-Gen gibt. Wir wissen nur, dass wir dieses Huhn schon seit mindestens fünf Würfen hätten entsorgen sollen, es aber nicht übers Herz bringen.

Was dieses Spiel für uns zusätzlich so zweifelhaft macht, ist das Aufscheuchen verschlafener oder schlafender Kleinkinder, weil es zwingend eine Flut nach sich zieht: Wenn elf Kleinkinder ihr Abwasser entsorgen und mit 44 Beinen verteilen, weil alle zur Sperre drängen, bleibt nicht nur kein Auge, sondern auch kein Fuß mehr trocken. In solchen Momenten fragt man sich, ob Welpen an sich nicht ziemlich überflüssig sind.

Dabei haben die Kleinen inzwischen genug Möglichkeiten, sich mit sich und vielem anderen zu beschäftigen; vor allem haben sie jetzt Zähne, die wir letzten Dienstag noch als "zart, aber einsatzwillig" charakterisierten. Davon ist nach einer Woche nur noch "einsatzwillig" geblieben. Grob und wirklich schmerzhaft sind sie auch noch nicht, aber zart ganz sicher auch nicht mehr; sie wissen was mit ihnen anzufangen. Das Menschenmaterial gibt dafür genug Einsatzmöglichkeiten her, wozu braucht man dann noch ein blödes Plastikhuhn. Die Welt ist voller ungelöster Rätsel.

Wie gestern angekündigt, liefern wir das heutige Trockenfutter abends in zwei Futterringen aus, und schon entspannt sich die Situation und auch die Rüpeleien lassen nach, weil manch ein ausgefahrener Ellenbogen schlicht keine Rippen findet, in die er fahren könnte. Zur Vollständigkeit und dass man einen Eindruck bekommt: 300 g eingeweichtes Trockenfutter sind das heute zur Mamamilch, die zwar spärlicher fließt und der LMU-Milch am Morgen.

Wir haben es nicht glauben wollen, dass der Morgenprotest um 4:30 Uhr wegen des geklauten Krokodils keine leere Drohung war und schließen die Bande abends wieder ein. Das hat Folgen, schwere Folgen für unsere Nachtruhe: Einen solchen lang anhaltenden Protest haben wir noch nicht erlebt, einzelne Kampfkreischer schon, auch ausdauernde, aber das hier - nein. Gestern noch eine Schar goldiger Engel und heute ein Haufen unerbittlicher Terroristen. Das Flintenweib des Haufens ist Grappa, assistiert von Greco. Was die beiden unterscheidet ist, das Grappa das ganze Lied beherrscht, während der Grieche nur den Refrain mitgrölt. Das ist etwa so, als würden wir Altachtundsechziger wieder auf die Straße gehen und "Ho-Ho-Ho-Tschi-Minh" brüllen, wobei Grappa den ganzen Text grölt und Greco nur "Ho-Tschi". Vielleicht hat er ja Schnupfen. Die anderen sind sich nicht einig, ob sie für oder gegen Onkel Ho sein sollen, krakeelen mal mit, mal lassen sie es, sitzen herum und staunen oder hocken bedröselt in der Ecke und wünschen, dass ihre Ohren verkleistert geblieben wären. Das wünschen wir für uns auch. Um 10:30 Uhr vergreift sich der Vize in der geschilderten Weise an seinem G-Schwader und löst damit das Konzert aus. Um kurz nach elf kreischen Grappa und Greco immer noch, immer mal wieder unterstützt von anderen. Kurze Ruhe, wir schlafen ein, um 2 Uhr die nächste Plärrkonferenz, wir schauen nicht weiter auf die Uhr, und dann die nächste Runde ab 4:30 Uhr. Möge es der Herr Morgen werden lassen; für heute geben wir dem Terror bestimmt nicht nach. Morgen Abend aber ganz gewiss. Die Chefin gibt auf und steht auf. Der Herr hat es noch nicht Morgen werden lassen - aber sein G-Scherr.

Halbzeit wie ein Donnerhall. Heute Nacht wäre es uns egal, wenn schon Vollzeit wäre.