5. Woche (13. 10. -19. 10. 2015)
Dienstag, 13.10.2015
Als die Chefin die Welpen und uns morgens gegen 5 Uhr von der nächtlichen Plärrkonferenz erlöst, ist es wieder totenstill beim Blues. Aber es leben alle noch, wenn man es nach dieser Nacht auch kaum noch körperlich erfühlen kann, das, was man für gewöhnlich als Leben bezeichnet. Wir sind eher taub gegenüber allen Außenreizen und machen uns Sorgen, dass die nächtliche Stimmlage einen andauernden Tinnitus auslösen könnte. Der schaurige Chor schläft einen finsteren Erschöpfungsschlaf. Und den hätten wir auch nötig.
Passend zum Grauen der Nacht geriert sich der Morgen: Mehr Herbst geht fast nicht mehr; der Nebel tropft vom Himmel, den Bäumen fallen die Kleider vom Leib, und das alles bei garstigen 5° C. Da wünscht man sich beinahe, dass es wieder grause Nacht würde. Zu der Erkenntnis war ja schon Herzog Wellington vor Waterloo gekommen, als er stöhnte: "Ich wollte es wäre Nacht, und die Preußen kämen". Dem Wunsch schließen wir uns an, also: den mit der Nacht; die Preußen haben den Ruf ja pflichtschuldigst in die Tat umgesetzt, obwohl sie es nicht bis Waterloo geschafft haben, sondern nur bis Bayern. Die wissen eben, wo es schön ist.
Nachdem gestern die ersten vier die Zwei-Kilo-Hürde genommen haben, interessiert es uns natürlich, wer sich ihnen heute angeschlossen hat. Die Vorreiter selbst hinterlassen heute einen etwas erschöpften Eindruck und tragen zum Gewichtsaufkommen wenig bei: Girgl 2190 (+10), Grappa 2100 (0), Greco 2090 (+50) und Greta 2050 (+50). Die neuen Vierpfünder sind Gundel mit 2010 (+60), Gustl 2000 (+100) und Gruschel, ebenfalls glatte 2000 (+70). Somit fehlen noch vier, die noch ein bisschen zu naschen haben: Grille 1950 (+50), Gamba (+110) und Gosh (+100) beide mit 1930, die sich wenigstens erkennbare Mühe gegeben haben. Das Ende ziert der geradezu mühelose Gaudi, der selbst bei 1800 keine Notwendigkeit sieht, Gas zu geben und sich mit 20 g begnügt (1820). Bei so wenig Ehrgeiz des gesamten G-Schwaders wundert es uns nicht, dass nach dem ganzen Fütterungsaufwand nicht mehr als 620 g zu Buche stehen. Was reißt man sich denn fast das Herz aus dem Leib, um die Brut g-deihen zu lassen, wenn die so lustlos auf dem Angebot herumkaut? Naja, vermutlich ist es die Mutter, bei der immer weniger Milch und schon gar kein Honig fließt.
Wer wagt es, uns noch einzusperren?Um 8 Uhr geht die Chefin mit der Mutter ihren morgendlichen Patrouillengang durchs Mangfalltal und der Vize muss den Feudel schwingen. Dazu sperrt er den Kakophonie-Clan in die Box, weil sonst die Kinder gewienert würden, nicht aber der Boden. Eigentlich sollte das die erste Outdoorphase des Tages sein, wenn alle raus dürfen, ihr Frühstück bekommen und dann - hoffentlich - die Klappe halten und sich noch einmal einkuscheln. Aber das G-Schwader war wegen des bescheidenen Wetters noch nie draußen, also entfällt diese Variante aus Gründen der Vernunft und der nachbarlichen Rücksichtnahme; denn dass die, da draußen in der bösen Welt alleine ausgesetzt, geduldig auf den Wiedereinlass warten, würde selbst einem Zwangsoptimisten nicht in den Sinn kommen. Also begleiten sie mit ihren süßen Stimmchen den Vize bei seiner Arbeit aus der Schnullerbox heraus. Dabei fällt ihm auf, dass der Grieche schnell lernt: Gestern noch nieste er Ho-Tschi, heute morgen kräht es schon zusammen mit Grappa das ganze Lied, ohne Textaussetzer. Sie sind doch gescheit, Fiannas Kinder, nur eben ein bisschen sehr laut für das sensible Ohr des Feudelmeisters. Allerdings postuliert schon Schiller in seiner Glocke: "Wenn gute Reden dich begleiten, dann fließt die Arbeit munter fort". Und so fließt dem Vize die Arbeit am Küchenboden munter fort und mit ihr fließen die Überreste des gestrigen Tages dahin.
Später werfen wir den Kleinen erstmals etwas Trockenfutter in Brocken auf den Boden. Und auch das wird anstandslos akzeptiert und vereinnahmt. Die größte Herausforderung ist dabei, die Bröckchen auf der Erde als Futter zu identifizieren. Auch in dieser Disziplin gibt es naturgemäß Schnellspanner und langsame Brüter, solche die den Braten schon riechen, wenn er eigentlich noch gar keiner ist und andere, die sich die Brocken in die Füße treten, ohne zu merken, dass die zum Futtern sind. Wir helfen dann eben etwas nach: "Gucke da!" "Stell dich nicht so!" "Dumme Socke, schau auf den Boden und nicht uns auf die Nasenspitze!" Es soll ja schon vorgekommen sein, dass einer infolge ununterbrochener Heiligendevotion verhungert ist. Das wollen wir unseren lieben Kleinen ersparen.
Nun wird es aber Zeit, endlich das zukünftige Welpenparadies im Garten vorzubereiten: Wir stellen die Welpengitter ausbruchssicher auf und machen aus unserem Garten einen Hochsicherheitstrakt. Und dann ist es soweit: Im grauen herbstlichen Nieselbiesel darf Fiannas G-Schwader den ersten Blick in die kleine, weite Welt machen. Für uns ist das immer ein großer Augenblick, weil es natürlich spannend ist zu sehen, wie sie sich anstellen. Die Kinder haben es dabei leichter, denn sie wissen ja nicht, was wir mit ihnen vorhaben, wenn wir ihre Mama in den Garten rufen und sie ihr brav folgen. Und eh sie sich versehen, sind sie draußen, spüren zum ersten Mal in ihrem Leben Steinboden unter den Füßen und lernen, dass es statt kuscheliger Decken auch noch so etwas seltsames wie Grasboden, ebenfalls klitschnass, gibt. Aber sie machen ihre Sache erstaunlich gut, was wesentlich darauf zurückzuführen ist, dass sie schon einige Tage älter sind als ihre Vorgänger, als wir diese in den Garten entließen. Ein paar Tage machen in diesem Alter einen großen Unterschied. Viel selbstsicherer sind sie schon, als jene, die teils zitternd wie Espenlaub herumstanden, sich keinen Schritt bewegten und um Erlösung flehten. Diese hier staunen zwar, ertasten sich die neue Welt vorsichtig, aber sie zeigen keine Scheu; einige machen sich sofort über die herumstehenden Herbstpflanzen her, andere untersuchen unverzüglich den ausgehöhlten Baumstumpf - und Grappa stapft ohne zittrige Beinchen munter hinter ihrer Mama bis in den entlegensten Gartenteil. Erst als diese sich aus dem Staub macht, schneller als Grappas kurze Beine sie tragen können, wird es ihr ein wenig mulmig und sie ist dankbar, dass wir ihr den Weg zurück zeigen.
Grille erkundet die neue WeltAuch Grille nimmt ihre erste kleine Reise unter die Füße, was uns nicht wundert, weil Grille immer die Nase im Wind hat und die Mädels generell etwas forscher sind; sie sind halt den Kerls nicht nur bei den Menschen immer einen Schritt voraus. Aber auch die Bürschchen können ihre Neugier nicht verbergen und stapfen munter herum, wenn sie auch sorgsam darauf achten, ihre Mama immer in Sicht- und Griffweite zu wissen. Wir erlösen sie schon nach wenigen Minuten wieder, und dafür sind alle dankbar. Jetzt muss das Neue erst einmal überschlafen und verarbeitet werden. Nicht zu viel auf einmal, sonst läuft der Lernspeicher über.
Wenn wir schon gerade dabei sind und die erste Hälfte unserer Welpenzeit verstrichen ist, könnten wir ja mal einen kurzen Blick auf Fiannas Kinder werfen und sie charakterlich ein bisschen einordnen; dabei sollte man nie vergessen, dass das nur eine Momentaufnahme sein kann, weil nix fix ist und alles einem steten Wandel unterliegt. Und Welpen in diesem Alter ändern ihr Verhalten manchmal schneller als sich das Wetter wendet.
Girgl ist der unangefochtene Chef des G-Schwaders. Führend in der Gewichtstabelle, ist er auch führend im Ring des Bairischen Blues. Bei den üblichen kleinen Keilereien zwischen den Geschwistern, die absolut normal und notwendig für die Persönlichkeitsbildung sind, ist Girgl immer mit von der Partie und baut sich über seinem Kontrahenten auf. Allerdings ist er kein aufbrausender Großkotz und aufgeblasener Pfau, sondern einfach nur überlegen, was er in der arttypischen Weise demonstriert. Wir haben auch nie den Eindruck, dass ihm seine Geschwister aus dem Weg gehen, weil sie ihn lieber von hinten sehen. Solche rüden Kaliber hatten wir früher auch schon, doch davon ist Girgl weit entfernt. Er ist einfach nur souverän, ohne das immer gleich raushängen lassen zu müssen. Seit einigen Tagen findet er sogar Gefallen daran, einige seiner Geschwister auf sich herumturnen zu lassen, dann liegt er unten und gibt den Spaßbär. Seine Lieblingsturnerin ist derzeit Gundel, aber auch der Gaudibursch hat viel Narrenfreiheit bei ihm, ohne einen echten bayerischen Grant bei ihm zu provozieren. Mit dem "roten Po" als Anführer sind wir sehr glücklich.
Der Gustl ist ein lustiger und ausgesprochen verschmuster Kerl mit einem unverschämten Bonbonblick. Der Kerl ist ein echter Schwerenöter, der es der Chefin richtig angetan hat. Meistens schafft er es mit dieser Masche auch auf einen Schoß. Dann ist er der arm-selige Gustl im Glück, der mit allen Beinen nach oben genießt. Allerdings ist er kein Weichei, das sich kraulen lässt, während bei den anderen die Post abgeht: Da mischt er dann schon auch ordentlich mit. Bei ihm ist auffällig, dass er bereits schöne, lange Spielphasen hat und auch mit sich alleine klarkommt. Gustl ist ein für sein Alter ausgesprochen ausgeglichener Rüde.
Greco ist eine Marke. Greco gehört zu denen, die überall sind, aber dabei gar nicht auffallen. Wenn man aber abends Bilder sichtet, stellt man fest: der ganze Tag ein Greco-Festival; überall ist der gelbe Po unterwegs. Kurioserweise ist auch die gelbe Schulter, Grappa, meist an seiner Seite. Die zwei ziehen durch die Lande und hecken Unsinn aus. Er gehört zu denen, die immer alles im Blick und dann im Griff haben, immer dabei, überall unterwegs. Wenn ihm langweilig ist, macht er auch mal seine Geschwister an und haut sie kurz in die Pfanne, um sie dann anschließend mit einem breit grinsenden "Give me five" wieder zu versöhnen. Wie man gerade gesehen hat, macht er gerne auch mal als Chefkrakeeler auf sich aufmerksam und sich unbeliebt, am liebsten zusammen mit Grappa; geteiltes Leid ist halbes Leid und gedoppelter Protest ist viermal so laut. Er ist häufig antizyklisch unterwegs, schläft, wenn die anderen Rabatz machen und nervt die schlafenden Geschwister, wenn er munter ist. Menschenarme verschmäht er auch nicht, allerdings nur, wenn ihm danach zumute ist; locken lässt er sich nicht. Aber er hat viel Spaß daran, mit uns Menschen zu spielen, und seine Spielphasen sind auch schon sehr ausgeprägt.
Gosh ist als Herzensbrecher die Steigerung von Gustl. Für ihn scheint das ganze Leben eine Narrhalla-Party zu sein: Spaß und Spiel, opulente Mahlzeiten und Amouren mit Menschen – was sich bietet, wird genommen, wie es kommt. Man kann gar nicht anders: Wenn Gosh vor einem steht und himmelt, muss er auf den Arm. Und er himmelt viel und effektiv. Allerdings ist er auch einer, der nach all dem Trubel und der Lebensfreude seinen Ausgleich im Alleinsein findet: Er verdrückt sich gerne und häufig alleine in die Schnullerbox, um ganz für sich das Erlebte zu verarbeiten. Sollten seine Geschwister dann der Ansicht sein, ihm Gesellschaft leisten zu müssen, kratz er schon mal die Kurve und verzieht sich in eine einsame Ecke zum Krafttanken. Wenn er aber am Gesellschaftsleben seiner Geschwister teilnimmt, ist er ein gern gesehener Kumpel, der zu jedem Unsinn und zu jeder Rempelei eingeladen wird. Gosh ist einfach ein zauberhafter Kerl; davon scheinen auch seine Geschwister überzeugt zu sein.
Gaudi hat sich aus unerfindlichen Gründen den zutreffendsten aller zur Auswahl stehenden Namen ausgewählt: Er ist wirklich ein richtiger Gaudibursch. Klein und leicht, auch leichtfüßig wie ein Hofnarr, treibt er seine Scherze, gaukelt und poltert herum, knufft und pufft seine Geschwister - und entwischt ihnen wie ein Kobold auf einen Menschenarm, wenn sie ihm das Handwerk legen wollen. So klein er ist, so durchsetzungsfähig ist er. Er ist auch nicht schmächtig, eher knuffig und von der Milchbar seiner Mutter lässt er sich nicht so ohne weiteres verdrängen; er weiß sich durchzusetzen. Flitzeflink ist er bei seinem Gewicht natürlich auch, was ihm nicht wenige Vorteile verschafft. Gaudi ist eigentlich immer mittendrin, statt nur dabei, nur sieht man ihn halt nicht immer auf den ersten Blick. Wenn man genauer hinsieht, ist der Gaudibursch bestimmt dabei, der Schlingel.
Generell dürfen wir ziemlich erfreut feststellen, dass wir bei den Rüden keinen Aggressive Leader haben, keinen ungehobelten Rambo oder Mobbing-Proll. Solche hatten wir schon, aber - und das versöhnt immer wieder - keiner ist es später geblieben, alle sind sie gut verträgliche Burschen geworden. Wir dürfen also hoffen, dass von den jetzigen Jünglingen alle ihre guten Tischsitten beibehalten werden.
Bei den Hündinnen ist Gruschel die Rennsemmel und immer vorne dran. Häufig sieht man sie als rotes Duo mit Girgl auf der Pirsch. Anbrennen lässt die wirklich nichts; wo Gruschel ist, ist vorne. Die freche Nase hat sie immer im Wind und treibt ihre Späße mit den Geschwistern. Wir fragen uns gelegentlich, ob so jemand ein Ohrfeigengesicht hat, weil er so ist oder ob sie so ist, weil sie ihrem Ohrfeigengesicht gerecht werden will. Trotz ihrer vielen Verpflichtungen, findet sie zwischendrin immer wieder Zeit, einen Schoß zu entern und Herzenswärme zu tanken und ist dann für Minuten eine richtige Kuschel-Gruschel. Und schon ist sie wieder auf und davon und um die Ecke und gruschelt irgendwo herum. Wenn sie dieses Temperament behält, wird sie sich als erste den Titel "Pumuckl des Bairischen Blues" verdienen und ihre Herrschaften standesgemäß fordern.
Grille steht in ihrem Forscherdrang ihrer Gruschel-Schwester in nichts nach und ist auch immer in der ersten Reihe zu finden. Über diese beiden könnte man fast eine Schablone legen, wenn Grille nicht ein bisschen spröder wäre als ihre Schwester. Das soll heißen, dass Grille bei all dem Wind, den sie sät und bei all dem Umtrieb, den sie anzettelt, distanzierter und autonomer ist. Manchmal ist sie auch einfach berechnender: Gruschel schlägt ein Rad, weil sie radschlagen und durch die Luft fliegen will, Grille schlägt ein Rad, weil sie jemanden beeindrucken will. Gruschel läuft dann davon und freut sich über das gelungene Rad und Grille will wissen, wer es gesehen hat. Grille hat bei all ihrer Leichtigkeit und Fröhlichkeit schon einen sehr ausgeprägten eigenen Kopf und ist schon jetzt ein Ausbund an Hovawart: mutig, durchtrieben, durchsetzungsfähig, lustig und die größte Charmeoffensive seit Michelle Hunziker. Der Vize meint, wenn er wählen dürfte, wäre sie die Seine (nein, nicht die Hunziker).
Greta ist sehr verspielt, aber eine sehr intensiv spielende Hündin. Sie muss alles in die Pfoten nehmen und untersuchen, ernsthaft und interessiert, aber auch aus reiner Spielfreude. Anfangs war sie immer unscheinbar und unsichtbar wie ein Phantom, von dem man weiß, dass es existieren muss, aber eben nie gesehen wurde. Aber das täuschte sehr. Greta war immer präsent, nur nicht auf die gelegentlich krawallige Art von Gruschel und Grille. Sie war immer eine, die sich zuerst ans Abenteuer wagte oder ein neues Spielzeug erkundete und herumtrug, aber kein Aufhebens darum machte. Es interessierte sie und deshalb beschäftigte sie sich damit. Zur Rampensau wird man damit erst später, wenn die anderen ihr Pulver schon verschossen haben. Wir haben es schon einmal gesagt: Greta kommt langsam, aber gewaltig.
Gundel ist auch so eine Schablone zu Greta wie Grille zu Gruschel. Auch sie wirkt erst einmal eher zurückhaltend, ist aber eine aufopferungsvolle Spielratz und traut sich viel mehr zu, als man ihr zutraut. Die kleine, schwarze Hexe lernt gerade das Große Hexeneinmaleins, aber auch das macht sie hingebungsvoll und nicht coram publico, sondern in ihrer kleinen Hexenküche, und immer, wenn sie eine neue Zauberei dazugelernt hat, lässt sie uns und ihre Geschwister daran teilhaben. Und sie lernt schnell und effektiv. Dazwischen braucht sie immer mal einen Schoß. Mittlerweile kommt niemand mehr auf die Idee zu fragen: Wo ist denn Gundel?
Grappa ist nicht nur schultergelb, sondern auch die weibliche Ausgabe des gelben Greco: raumgreifend, schlitzohrig und laut, am liebsten vorlaut. Ihre letzte Stimmprobe, natürlich im Duett mit Greco, klingt uns noch in den Ohren. Trotz ihrer robusten Art schleppt sie einen großen Sack voller Liebenswürdigkeiten mit sich herum, den sie auch gerne überall ausschüttet und alle damit besticht. Über sie können wir wirklich viel lachen. Grappa spielt viele Rollen ziemlich perfekt für ihr Alter, egal ob Scherzkeks oder Mama Africa; man nimmt ihr alles ab, weil sie unbeschwert fliegen und sich manifest durchsetzen kann. Dass sie Letzteres immer wählt, wenn es um Leben oder Tod geht, sieht man an ihrem Gewicht; da versteht sie keinen Spaß. Abseits der Nahrungsquellen ist sie umso friedfertiger, provoziert niemanden, lässt sich aber euch nicht provozieren und könnte sich in ihr Familienwappen durchaus das bayerische Lebensmotto: "Leben und leben lassen" sticken lassen.
Gamba ist momentan die ruhigste in der Mädchenbande, dennoch weit davon entfernt ein Mauerblümchen zu sein. Sie ist nicht so unterrepräsentiert, wie es scheint, drängelt sich aber nicht ständig ins Scheinwerferlicht. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass ihre unscheinbare lila Markierung so untergeht und optisch einfach nicht so dominant ist wie das Gelb und Rot des Führungspersonals. Das gilt möglicherweise auch für die grüne Greta, das nicht so gut hervorsticht aus dem dunklen Pelz. Wenn man genauer hinsieht, steht Gamba aber nie abseits, lässt sich nie die Butter vom Brot nehmen und lässt auch keine Spielrunde aus. Bei ihren Geschwistern ist sie bestens akzeptiert. Und auch wir haben jederzeit ein Paar offene Arme für sie.
Fiannas G-Schwader scheint vom Temperament ein wirklich sehr ausgeglichener Wurf zu sein. Sie sind alle spritzig und voller Leben, aber nicht so durchgeknallt, wie wir es auch schon erlebten. Es gibt auch keinen richtigen Raufbold und keinen Prügelknaben; sie vertragen sich alle wirklich gut und die täglichen Raufereien und Rangeleien brauchen sie für die Entwicklung ihres Sozialverhaltens. Was können wir uns mehr wünschen? Wir sind gespannt, wie sich die elf bis zur achten Woche weiterentwickeln werden; da haben sich schon manche Mauerblümchen (die wir wirklich nicht haben) zu mächtigen Solitären entwickelt und großspurige Tiger sind schon mal als Bettvorleger gelandet.
Bezüglich der weiteren Entwicklung trägt die Mama immer weniger bei: Ihr geht ganz langsam die Milch aus. Heute legt sie sich noch dreimal zu ihren Kindern, aber die fordern natürlich mehr. Immer häufiger versuchen sie nun ihr Glück im Stehen, doch darauf lässt sie sich nicht ein und maßregelt sie deutlich. Wir sind begeistert, wie sich Fianna gegen ihre Kinder und zu ihrem eigenen Nutzen durchsetzt, schließlich tut diese Hochhüpferei und Zitzenzerrerei richtig weh und das lässt sie sich nicht bieten. Wem die stabile Seitenlage nicht genügt, muss sich auf einen Anpfiff einstellen, der nicht von schlechten Eltern, beziehungsweise einer schlechten Mutter ist. Fianna ist eine ausgezeichnete Mutter. So gesehen trägt sie also doch maßgeblich zur Entwicklung ihrer Kinder bei; mit Kalorien versorgen können auch wir sie, aber aus ihnen herzerwärmende Hovawarte machen kann nur sie.
Nach dem Fiasko der vergangenen Nacht, dürfen sich die Terroristen heute auf ihre erste "Freinacht" freuen: Die Box bleibt offen, der Terror hat gesiegt. Egal, Hauptsache die Nacht ist ruhig.
Mittwoch, 14.10.2015
Die Nacht war so ruhig, dass wir den Flügelschlag der Engel hören konnten. Fianna musste zu uns ins Schlafzimmer, die Schlafzimmertür blieb zu, sodass sie nicht auf die Idee kommen konnte, eine kleine Inspektionsrunde bei ihren Kindern zu machen, und sie machte auch keine Anstalten dazu. Kein Ton drang die ganze Nacht zu uns.
Weil das Wetter immer noch uneinsichtig nässt, müssen die Kinder auch heute die Putzrunde in ihrer Kiste überstehen, was erwartungsgemäß nicht allen gefällt. So singen sie alle gemeinsam das Lied, das sie gestern von Greco und Grappa gelernt hatten. Diese Kinder sind wirklich hochbegabt; wie schnell sie lernen! Nur Gruschel findet, dass das ganze gewerkschaftliche Getriller und Gegröle wenig zielführend ist und man sein Schicksal selber in die Hand nehmen müsse - und überwindet die Bretterwand. Sie sieht sich um und schaut, wo ihre Geschwister bleiben, und nachdem ihr keiner gefolgt ist, kommt sie zum Putzmajor gewackelt und macht ordnungsgemäß ihre Meldung: Freifrau Gruschel vom Bairischen Blues meldet gehorsamst den Ausbruch. Der Putzmajor verkneift sich ein Lachen und packt die Freifrau wieder in die Kiste. Aber die ist augenblicklich wieder da, macht ihre Meldung und wird wieder eingewiesen. Viermal geht das so, bis ihre Kraft (oder bayerisch: ihr Irxenschmalz) aufgebraucht ist. Nun muss sie sich dem Protest der anderen, der Versager, von denen es einige versucht haben, aber alle gescheitert sind, doch noch anschließen. Auch der Pavian und Platzhirsch Girgl musste beschämt aufgeben. Die Freiheit ist halt vornehmlich reine Kopfsache. Und der Putzmajor wischt und wäscht und wundert sich.
Heute haben nur noch zwei das Etappenziel von zwei Kilo verfehlt: Gaudi und Gamba, beide mit 1970 g, was nicht weniger heißt, als dass der Gaudibursch nicht mehr alleiniger Inhaber der Roten Laterne ist. 150 g hat er zugenommen, Gamba nur 40, und das kommt dabei heraus: ein aufgeschlossener Gaudi.
Die anderen gaben nach der bescheidenen Performance von gestern ordentlich Gas: Girgl +170 (2360), Greco +190 (2280), Grappa +90 (2190), Greta +90 (2140), Grille +170 (2120), Gruschel +90 (2090), Gustl +80 (2080), Gundel +70 (2080) und Gosh +140 (2070), macht 1280 g und mehr als das Doppelte von gestern. Geht doch.
Gemeinsamer ZeltaufbauNachdem wir gestern die neuen Reviergrenzen für die Kinderschar abgesteckt haben, werden heute die Gerätschaften und Spielsachen aus dem Dachboden geholt und verteilt, alles zur Prägung der Kleinen, damit wir sie mit ziemlich viel Wassern gewaschen ins Leben entlassen können. Der Herbstnebel und -regen ist ja zu so etwas nicht zu gebrauchen. Und dann wird der berühmte Transit zwischen Küche und Terrasse, quer durch das Wohnzimmer errichtet, die Küchensperre geliftet und die Schar in die feuchte Freiheit entlassen. Munter stürzen sie sich hinaus, fühlen sich auch schon ein klein wenig heimisch, gehen auf Erkundungspirsch und helfen uns bei unseren Gestaltungsarbeiten, wie etwa beim Aufbau des Zirkuszelts. Aber dann geht es ihnen wie der Butter in der Sonne: Sie schnurren förmlich zusammen. Natürlich ist der Garten noch kein vertrautes Revier, der aufgestellte Korb und die aufgebaute Hundehütte sind fremd und noch kein tauglicher Zufluchtsort, und so sitzen sie plötzlich völlig ermattet irgendwo herum und kämpfen mit dem Schlaf, taumeln wie betrunken hin und her, bis sie sich doch noch in eines der angebotenen Refugien aufmachen und sich vom Schlaf übermannen lassen. Nur Gaudi und Greco bleiben mannhaft auf der Terrasse sitzen, bis ihnen die Köpfchen auf die Brust fallen und sie zusammengesunken dahocken wie zwei übermüdete Fiaker. Bevor sie umfallen, sammeln wir die kleinen Wachposten (oder sind es doch Schlafposten?) ein und legen sie zu ihren Geschwistern.
Unsere Kinder Benta und Dacapo kommen heute zu Besuch vom Bayerischen Wald herunter, um sich ihre Nachfolger anzusehen. Für Dacapo ist der Spaß überschaubar, weil erwachsene Rüden wenig Verständnis für das Gewusel und Gewimmel um sie herum haben; sie machen sich aus dem Staub, wenn immer es geht. Und so ist auch Dacapo meist da, wo ihm bestimmt keine Welpen ans Gemächt gehen kann, um dessen Milchtauglichkeit zu testen. Benta dagegen ist zweimalige Mutter und wie Chilli völlig welpengaga. Wenn sie könnte, würde sie Fianna das Angebot machen, ihren Job zu übernehmen. Aber soweit kommt es nicht, weil sich die beiden nicht begegnen sollten: Im Freien kommen sie gut miteinander aus, aber im Haus stellen sie Besitzansprüche, die dem häuslichen Frieden eher abträglich sind. Also werden sie wechselseitig voneinander getrennt, sodass beide immer wieder auf ihre Kosten mit den Welpen und uns kommen.
Aber Benta und Dacapo sind nicht die einzigen, die uns heute besuchen - der Strom will gar nicht enden. So viele kommen heute, dass der Vize ständig meint, es wäre Wochenende: Ja, ist denn schon wieder Wochenende? Nein, wir schreiben Mittwoch und am Ende des Tages haben sich 27 liebe Menschen bei uns die Klinke in die Hand gegeben. Heute mit dem Welpenauslauf ist ja auch viel mehr zu sehen und zu fotografieren als in der Indoorphase. Und die Kleinen geben alles und machen die Besucher glücklich. Als uns die letzten um 20 Uhr verlassen, bleiben uns nur noch Benta, Dacapo und ihr Gesinde. Wir machen uns noch einen netten Abend und fallen bald tot erschöpft in den Schlaf: die Kinder, Dacapo, Benta, Fianna und wir auch. Puuh...
Donnerstag, 15.10.2015
Weil heute der Vize etwas zu feiern hat, hat der Welpengott mit ihm ein Einsehen und beschert ihm morgens um kurz vor 7 Uhr eine blitzblanke Küche. Zwar ist die Tretminen-Entsorgung Chefsache, aber man startet doch ganz anders in den Tag, wenn die Luft halbwegs rein ist. Halbwegs, denn die Teichlandschaft hat sich natürlich über Nacht prächtig entwickelt, weshalb ein Duft wie im Oktoberfest-Pissoir in der Luft liegt. Dafür füllt sich mit der Freilassung der Fiannakinder der Welpenpark augenblicklich mit Tretminen und zwar so vielen, dass man vermuten muss, sie haben sich extra zum Wohle des Vize die ganze Nacht zurückgehalten und nun einiges nachzulegen. Aber, wie gesagt: Tretminen sind Chefsache.
Trotz des wohlmeinenden Zutuns der Welpen, ist der Tag auch kein anderer als seine Vorgänger: ein trüber, grauer und nasser Herbsttag mit Hochnebel knapp über den Baumspitzen und später wolkenverhangen.
Der Gaudibursch hat sich schon wieder abhängen lassen: 210 g hat Gamba aufgeladen und sich auf 2180 hochgeschwungen, der Gaudi begnügte sich derweil mit 90 g, was ihn aber eben doch als letzten in die Vierpfünderklasse befördert (2060). Noch viel bescheidener gab sich gestern Gosh mit nicht nennenswerten 10 g, die ihn gerade noch vor Gaudi einreihen (2080). Der zauberhafte Gustl hat sich auch nicht mehr als 20 g schmecken lassen und tapert mit 2100 g ziemlich unambitioniert vor den beiden her. Was ist denn da los? Hat das Trekking-Abenteuer im Vagener Wildpark so viel ihrer Substanz gefordert? 2160 g bringt Gundel auf die Waage, auch nur 60 g mehr als gestern. Aber jetzt: Einen mächtigen Satz macht Gruschel mit 170 g und landet bei 2260. Ebenfalls 2260 g zeigt die Waage bei Greta, bei der allerdings nur 120 g dazukommen. 2370 meldet Grappa und ist stolz auf ihre 180 g mehr. Ebenfalls 2370 g erreicht Grille, die allerdings noch mehr Grund hat, auf sich stolz zu sein: 250 g plus! 120 g macht Greco gut und steht nun bei 2400. Nur noch 90 g Vorsprung hat Girgl, aber mit 130 g plus zeigt er, dass er nicht gewillt ist, dem Griechen das Feld zu überlassen.
1360 g für alle zusammen ist ja kein beklagenswertes Ergebnis, aber da denken wir uns doch, dass es heute ein kleines Festmenü für die Zwerge geben sollte: gekochtes Huhn mit Reis. Zum ersten Mal so etwas Leckeres zwischen den Zähnen, da rotieren die Schwänzchen und die ganze Bande will gar nicht aufhören zu mümmeln und zu schlabbern. Aber weg ist weg. Zehn Minuten suchen sie wie Süchtige nach jedem Reiskorn im Gras und putzen sich gegenseitig die verklebten Nasen und den Pelz sauber. Mama hilft natürlich auch mit, ihre Welpen einen schicken Eindruck bei den Besuchern machen zu lassen, nicht ganz uneigennützig, wie man sich denken kann, obwohl sie selbstverständlich auch ihren Teil vom Huhn abbekommen hat.
Anschließend verteilt sich das G-Schwader zum Verdauungsschlaf, die meisten im Hundebett, ein bis zwei im Korb, ein paar hartgesottene auf dem Steinboden, von dem wir sie ins Bett bringen, was sie aber nicht akzeptieren und wieder abhauen, zurück auf den Steinboden (Sturschädel, hovawartige!) - nur Gosh dreht noch einsame Runden durch sein neues Paradies, immer den Tigerfuchs im Schlepptau, den ihm seine Mama geschenkt hat. Mit dem ist er noch eine ganze Weile beschäftigt, bis auch ihm die Augen zufallen.
Greco testet das Federbrett - geht doch schon super!Man kann sagen, sie fühlen sich schon richtig wohl in ihrem neuen Revier, überall Krempel und Gelumpe, das erkundet werden muss, auf das man klettern oder auf dem man seine Matschebeinchen auf Standfestigkeit überprüfen kann. Das Federbrett, das gautscht wie ein Schiff in Kreuzseen ist nämlich neben dem kleinen Autoreifen der Top-Act im "Erlebnispark Mangfalltal". Wie besoffene Seebären stehen sie auf diesem Brett und versuchen das Gleichgewicht zu halten, bis es sie unwiderruflich abwirft. Aber einige stellen sich schon richtig geschickt an. Der Autoreifen ist eine komplett andere Attraktion: In dem kann man zu zweit oder zu dritt prächtig toben und raufen, den Verlierer über Bord werfen und als uneinsichtiger Verlierer wieder ohne Rücksicht auf Verluste in das volle Boot springen, in der Hoffnung, dass dadurch ein anderer seinen Stammplatz verliert. König des Autoreifens, also quasi der "Auto-König", ist Greco, der so tut, als hätten wir das Ding nur für ihn in den Garten gebracht, ein richtiger Platzhirsch auf Kautschukbasis. Und auch jetzt schläft er im Reifen, so in die Höhlung gekuschelt, dass man ihn beim Zählen glatt übersieht.
Heute ist die Besucherzahl sehr überschaubar, aber Benta und Dacapo mit ihrem Gesinde sind noch da und bereiten dem Jubilar ein kleines Festessen, indisches Huhn mit Reis, und mindestens so lecker wie das Welpenhuhn von heute Nachmittag. So klingt auch dieser Tag harmonisch aus bei feiner Speis und feinem Wein. Der Vize kann sich aber im Gegensatz zu den Welpen weigern, sich morgen auf die Waage stellen zu müssen. Also noch ein Löffelchen für Grille und eins für den Griechen und noch eins für den zünftigen Gaudi - nein, alle schafft er nicht mehr...
Freitag, 16.10.2015
Es regnet bei 6° C. Das sind keine idealen Bedingungen für einen Morgen im Freien. Andererseits stellt sich die Frage, was die Bande sagen würde, wenn wir sie zum Putzen wieder in ihre Schnullerkiste stecken würden. Darüber denken wir gar nicht nach. Also raus! Sie sollen sich im Bett oder im Korb oder in der Hütte gemeinsam warmhalten, schließlich ziehen wir Hunde groß und keine Kanarienvögel. Die Entscheidung findet eine 10:1-Zustimmung - zehn pennen nach der Morgentoilette und eine hat schon wieder die Trillerpfeife zwischen den Lippen: na klar, Grappa, wer sonst. Allerdings gibt ihr der Grieche heute keinen verbalen Flankenschutz, sondern lässt sich lieber von seinen Brüdern und Schwestern wärmen. Für uns ist es ohne Bedeutung, ob eine oder elf morgens um 5:30 Uhr die Nachbarn aus dem Bett trillern. Wir greifen also zum Äußersten und zu Grappa und bringen sie ins Haus, wo sie abwechselnd von der Chefin und vom Vize auf dem Arm geschaukelt und betüttelt wird, während der jeweils andere die fälligen Morgenarbeiten erledigt. Grinst sie etwa? Fehlt nur noch, dass sie uns wie Greco mit einem verschmitzten "Give me five" das Du anbietet. Es ist eben wie im richtigen Leben: Man muss nur das Maul weit genug aufreißen und schon kommt man auf den Arm. Aber besser, wir nehmen das Kind auf den Arm, als dass sich die Nachbarn auf den Arm genommen fühlen.
Die Gewichtskontrolle bestätigt den Trend von gestern: nochmal ein bisschen weniger. 1250 g sind im Durchschnitt 113,6 g. 110 g hat Girgl zugelegt, also etwas unterm Schnitt und steht bei 2600. Greco bleibt ihm auf den Fersen: 2560 (+160), er profitiert offenbar von seinem Reifendomizil. Grille hält Anschluss und lässt sich von den Boliden nicht abhängen: 2510 (+140). Und dann klafft schon ein Riesenloch, an dessen Ende Grappa mit 2370 auf der Stelle tritt. Dann Gruschel 2350 (+90) und Gustl, der sein Hungerleiderdasein im letzten Drittel des Kalorienzuges offenbar satt hat und mit ebensolchen satten 240 g auf 2340 klettert. Das ist mal ein Lebenszeichen. Die 2200er-Fraktion führt Gundel mit 2290 (+50) an, ihr folgt mit 2280 Greta (+20), dann Gamba mit 2250 (+70). Das Schlusslicht dieser Reihe ist Gosh mit 2220 und tapferen 140 g plus, was ihn wegen des Kraftaktes von Gustl trotzdem auf den vorletzten Platz befördert. Dahinter schlendert nur noch Gaudi (2190), wenn man 130 g noch als schlendern bezeichnen kann.
Entspannte Zwischenabnahme - auch für GruschelJetzt werden die Zwerge noch nachmarkiert und gekämmt und sie bekommen noch Verhaltensregeln eingeimpft, denn heute Nachmittag kommt die Normenkontrollkommision zum Zwischencheck. Wenn die Zwerge nicht so lustig wären, würden die Zuchtwartinnen wahrscheinlich schläfrig vom Stuhl purzeln vor Langeweile; deshalb setzen sie sich gleich lieber auf den Boden zur Arbeit. Wenn man nämlich mit einem Welpen in den Händen plötzlich einschläft, ist die Fallhöhe niedriger als vom Stuhl. So bestätigen sie uns, dass alle Näbel wohl verheilt sind, dass die frischen Zähnchen eine gut funktionierende Schere bilden, was wir bestätigen können, dass die Marken mehr geworden und andere im Kommen sind, dass die Nasen und Ohren ordentlich geputzt sind (das gehört allerdings nicht zum Standardprogramm, soll aber unsere Bemühungen würdigen) und dass das G-Schwader überhaupt ein ganz süßer und wohlgelungener Haufen ist, der nur einen schweren Mangel hat: Er langweilt einen Zuchtwart zu Tode. Keine schiefen Zähne, keine planetengroßen weiße Flecke (da sehnen sie sich mit Tränen in den Augen unsere Anouk zurück), keine Nabelbrüche, nichts. Gottseidank können wir zur Wiedergewinnung des seelischen Gleichgewichts zweier Zuchtwartinnen wenigstens unseren Gustl aufbieten, an dessen äußerstem Schwanzspitzelchen sie sich abwechseln abarbeiten, um zu dem Schluss zu kommen, der uns nicht fremd ist: Er muss unter die Röntgenmaschine, um abzuklären, ob das Knickschwänzchen ein Zuchtausschluss ist.
Spiel- und Schmusetante Chilli zu BesuchSpäter kommt Chilli nochmal zu Besuch und umgarnt Fiannas Kinder, wie nur sie das kann, und die haben schnell gelernt, dass die Tante eine ganz liebe ist, aber nichts Verwertbares zu bieten hat und deshalb lassen sie sie heute einfach in Ruhe und spielen mit ihr, beißen sie in die Zehen und in die Ohren, und wenn sie ihr das Herz ausbissen, würden sie so glücklich sterben, wie keine vor ihr.
Samstag, 17.10.2015
Morgens beim Hygienecheck ist es totenstill auf der Terrasse; selbst Grappa macht keinen Mucks - alles schläft, keiner kracht. Man könnte fast meinen, die Spezialbehandlung gestern Morgen hat sie so aus der Fassung gebracht, dass sie lieber die Klappe hält, als sich noch einmal wie ein Baby herumtragen zu lassen.
Die zweite freudige Erkenntnis dieses Morgens ist, dass die Küche nahezu clean ist - ein Häufchen! Wir rechnen das dem Frischfleisch zu, das wir gestern Abend anstatt des Trockenfutters gegeben haben. Aber wissen kann man das nicht.
Schauen wir nur mal kurz auf die Gewichte von oben nach unten: Girgl 2770 (+170), Greco 2650 (+90), Grille 2610 (+100), Grappa 2570 (+200), Gruschel 2480 (+130), Gustl 2470 (+130), Greta 2440 (+160), Gundel 2420 (+130), Gosh 2370 (+150), Gamba 2370 (+120) und Gaudi 2350 (+160). Das ergibt für heute ein Plus von 1540 g. Sehr schön.
Samstag ist es, das Wetter hat sich aufgerafft und bedient uns mit mehr Sonne als Wolken, also erwarten wir heute reichlich Besuch und, dass aus dem Welpenparadies eine Vagener Freilichtbühne wird. Die Welpen geben alles, um die Besucher zu beglücken und zu bestechen und ihr Wohlwollen zu gewinnen; schließlich geht es ja langsam darum, die richtigen Herzen zu brechen. Wenn die wüssten, dass die Herzen längst in Scherben liegen und ihr neues Zuhause bei den meisten klar und bei den anderen so gut wie geklärt ist. Und die neuen Besitzer, sofern sie heute hier sind, empfinden selbstredend die Performance ihres Herzkaspers als überragend. Was sonst!
Chilli wollte heute nochmal einen Abstecher zu ihren Lieblingen machen und zeigt nun allen Anwesenden, dass sie eine solche Schmusetante ist, wie wir ihr immer nachsagen: Für das Publikum hat diese Glucke kein Auge, nur für ihre Spielratzen und man weiß nicht, wer jetzt glücklicher ist, die Chilli oder die Zuschauer. Ungeachtet der Tatsache, dass sich die Kleinen den ganzen Tag abgerackert haben, den Zuschauerpreis zu gewinnen, ist am Ende des Tages Chilli der Star der Szene. Man spielt eben befreiter, wenn man nichts mehr zu gewinnen hat.
Gosh weiß wirklich nicht, was an der Emtwurmung gut sein sollUm die kleinen Überflieger wieder auf den Boden der Tatsachen zu bekommen, gönnen wir ihnen abends den ersten Teil ihrer zweiten Entwurmung. Sie tragen es mit Fassung und denken sich womöglich: Tomorrow is another day. Womit sie zweifellos recht hätten.
Sonntag, 18.10.2015
Wenn die Fangemeinde frühmorgens die müden Augen auf ihre Bildschirme richtet und versucht, die Zahlen der Gewichtstabelle und das Tagesbild zu fokussieren und sich nebenbei ehrlich darüber freut, dass die Informanten immer so zeitig dran sind, sind die vom Blues schon einmal durch die Gülle gewatet wie weiland Herkules durch den Augiasstall und haben dabei schon ein T-Shirt durchgeschwitzt. In anderen Worten: Wenn sich das Publikum amüsieren und faszinieren lässt, haben wir schon eine bis eineinhalb Stunden auf dem Buckel. Welpenzeit ist immer auch Schlafmangelzeit, denn im Frühtau die Zwerge, sie kräh'n, fallera. Dabei ist das G-Schwader im Vergleich mit seinen Vorgängern ein Elite-G-Schwader, zumindest was den Grölfaktor und die Inkontinenz betrifft. Das gilt morgens auch für Grille, Grappa und Greco. Es hätte viel schlimmer kommen können - aber das kann ja noch kommen.
Das Wiegeprotokoll vermeldet heute keine Sensation: Girgl 2900 (+130) - und dann lange nichts. Greco 2780 (+130), Grille 2760 (+150), Grappa 2720 (+150). Gustl ist mit 2640 (+170) ein einsamer 2600er. Dann kommen die 2500er mit Gruschel 2580 (+100), Greta 2570 (+130) und Gundel 2520 (+100). Und jetzt geht es in den Tabellenkeller: Gosh 2480 (+110), Gamba 2460 (+90) und Gaudi 2400 (+50).
Zur LMU-Milch[1] geben wir heute erstmals einen Becher Hüttenkäse und eine Banane. Während das Küchenpersonal sich mit der Rezeptur der Kinderverköstigung beschäftigt, haben diese es auf die Zehen der Küchenschranzen abgesehen; wie verzogene kleine Prinzen und Prinzessinnen, die ihre Kinderfrauen aus Langeweile und Hochmut sekkieren. Diese Prinzchen vergehen sich an den Zehen des Personals, die sie betulich umgarnen und umzuzeln, dabei langsam und genüsslich in ihre waffenstrotzenden Gesichtsöffnungen hineinarbeiten und am Ende, ganz hinten, herzhaft zubeißen. Varreck! Man muss sie mögen, die Zehenmonster!
Mittags servieren wir erstmals Trockenfutter (Platinum) in Brocken im Futterring, also so eine Art Brock im Ring. Wir haben das Futter schon öfter als Hühnerfutter gegeben, d.h. zum Locken auf den Boden gestreut, weil es relativ klein und weich ist, sodass sie es gut verarbeiten können. Dennoch hält sich die Begeisterung in Grenzen; der Wechsel zwischen den Ringen ist auffällig lebhaft, weil man schauen muss, ob die anderen nicht doch etwas Schlundfreundlicheres in ihrem Ring haben. Haben sie aber nicht. Zudem stellen die Knirpse sich etwas an und verschlucken sich an den Bröckchen, weil sie sie aus dem Ring mehr inhalieren als kauen, was sie bei der viel geringeren Menge, die wir gelegentlich auf den Boden bröseln, offenbar nicht machen. Aber das lernen sie bestimmt auch noch.
Weil dieser Sonntag verregnet ist, ist es ein beschaulicher Besuchertag. Die letzten verlassen uns erst spät am Abend, was uns jedoch nicht daran hindert, heute noch den zweiten Teil der zweiten Entwurmung unterzubringen.
Und dann kriechen wir in unser Wurmloch und tauchen viel zu schnell am nächsten Tag wieder daraus hervor.
Montag, 19.10.2015
Grauer Hochnebel hängt sehr tief über dem Mangfalltal, Regen mischt sich dazu. Mit goldenem Oktober hat das kaum etwas zu tun, eher mit einem mattgrauem Platin-Oktober.
Die morgendliche Bestandsaufnahme des Vortages lässt keinen Zweifel: Die Banane im gestrigen Frühstück war zu unreif. Schon gestern waren die Rückstände der Kinder tagsüber etwas zu weich, obwohl man noch nicht von einem echten Durchfall sprechen kann, aber es macht einen Unterschied, ob man feste Würstchen entfernen muss oder breiige Fladen. Heute Morgen sind die Fladen immer noch deutlich im Vorteil gegenüber den Würstchen. Und so kommen jetzt gereiftere Bananen zum Einsatz, schließlich ist es nicht unwesentlich, ob der Brei vom Obst kommt oder andere Ursachen hat.
Den Gewichten hat die kleine Darmunpässlichkeit nicht geschadet. Girgl hat gleich 200 g zugelegt und ist mit 3100 g der erste und bislang einzige Sechspfünder. Weiter auf den Fersen sind ihm Greco mit 2980 und ebenfalls 200 plus und Grille mit 2940 (+180). Grappa beschließt diese Klasse mit 2900 (+180). Nach diesen Speckbaronen und -baronessen klafft schon ein mächtiges Loch, das es den Verfolgern schwer machen dürfte, in die Drei-Kilo-Klasse aufzusteigen. Obwohl ebenfalls 200 g zugelegt, reichte es für Greta nur für 2770 g, 2760 (+120) bringt Gustl auf die Waage und Gruschel landet mit 150 g plus bei 2730. Für Gundel stehen 2650 g zu Buche (+130), Gamba (+130) und Gosh (+110) liefern 2590 g und der Gaudimax legt sich mit 180 g plus und 2580 g hinter den beiden auf die Lauer. 1780 g Zuwachs können sich sehen lassen.
Da heute Montag ist und bei uns der Laden dicht wie bei den Frisören, genießen wir einen ziemlich entspannten Tag mit unseren Kindern, allerdings nur wenn wir sie ins Freie lassen, was wir heute etwas ungern tun, weil es so entsetzlich nässt, dass wir ein bisschen Sorge haben, die zarten Fellmäuse könnten sich die Schwindsucht holen: Kälte ist unproblematisch, aber die bis in die Knochen kriechende Kälte gefällt uns nicht, zumal das Lungerpack sich nicht an die Vorgaben hält und in den Betten ruht, sondern sich unverzüglich auf den Steinplatten verteilt, sobald man ihnen den Rücken kehrt. Aber sie haben die Freiheit geschmeckt und machen uns die Hölle heiß, wenn wir sie einsperren. Also raus mit ihnen, wird schon schiefgehen. Und dann sind sie so tiefenentspannt wie wir an einem grauen, besucherlosen Montag.
Pansenstange - nicht schlechtAls Nachtkonfekt reichen wir den Kleinen wieder mal etwas Neues: Pansen-Knabberstangen. Manche stellen sich bei der Verarbeitung der störrischen Stäbchen etwas dusslig an, andere versuchen, das Problem gemeinsam, zu zweit oder dritt zu lösen, dabei ist die eigentliche Problemlösung allgegenwärtig: Mutter Fianna, die das Zeug Stück für Stück wegräumt. Viel zu gefährlich und zu früh für ihre Kinder. Nur der Gaudibursch lässt sich anscheinend nicht beklauen; jedenfalls kaut er noch tief versunken an seinem Stäbchen, als alle anderen schon schlafen oder sich trödelnd in den Schlaf spielen.
Was von diesem Tag bleibt, ist die erhebende Erkenntnis, dass es die Banane war. Die reifen von heute liefern wieder bestens ausgereifte Verdauungsprodukte.
Scheißspiel, schon fünf Wochen rum. Wie im Flug.
[1] Wir wiederholen auf Anfrage: Eine selbstentwickelte Welpenmilch der Ludwig-Maximilians-Universität München - 125 g Magerquark, 150 ml H-Vollmilch, 3 Eigelb, 3 El Distelöl oder Keimöl)