G-Deih und G-Schrei

G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 7

7. Woche (27. 10. - 02. 11. 2015)

Dienstag, 27.10.2015

Morgens tropft uns der Hochnebel auf die Füße, später hält er etwas mehr Distanz, aber dass ein Tag so grau sein kann, wäre beinahe deprimierend, wenn da nicht unsere Kinder wären, die Licht in unsere Hütte bringen.

Das Speckbarometer zeigt heute folgendes: Girgl - was sonst? Grille hat ihren zweiten Platz wieder an Grappa verloren, Gosh und Gustl haben einen gewaltigen Zwischenspurt eingelegt. Das war's. Weil aber heute so gar nichts los und zu vermelden ist, machen wir es uns gemütlich und schreiben das Tableau ohne weiteren Kommentar nieder:

Girgl 4400 (+180), Grappa 4310 (+210), Grille 4210 (+50), Greco 4170 (+120), Gosh 4080 (+240), Gustl 4070 (+310), Gamba 4010 (+180), Gruschel 3990 (+160), Greta 3910 (+70), Gaudi 3740 (+110), Gundel 3700 (+110).

Was gibt es von diesem Tag ohne Eigenschaften, von dem nicht ein einziges Foto existiert, sonst noch zu berichten? Wir haben erstmals gekochten Fisch gefüttert, den das G-Schwader genauso emotionslos weggeputzt hat wie alles andere. Uns schwant, Fiannas Kinder haben stark verkümmerte kulinarische Anlagen, eher könnte man sie als prollinarisch bezeichnen: viel und billig, also der überquellende Schnitzel-Pommes-Teller für unter 10 €. Dass sie uns so etwas antun...

 

Mittwoch, 28.10.2015

Der Morgen beginnt mit hochnebligen 9° C, aber dann zeigt sich doch die Sonne und treibt die Temperatur bis auf 13° C hoch, bevor sich abends Nebel ins Mangfalltal schiebt. Es gibt ja keinen Grund zu klagen, selbst wenn wir uns gelegentlich den goldenen Oktober wünschen: Es ist trocken, und das bisschen Nebelnieseln ist kein Grund zur Klage. Man kann sich ganz anderes Wetter vorstellen (auch das kennen wir), das jeden Kindergärtner an den Rand der Verzweiflung treibt: Regen, Matsch und Kälte. Das alles zusammen haben wir leidvoll erfahren und wünschen es uns für immer und ewig nicht wieder. So aber haben wir und Fiannas Kinder ein entspanntes Reifen unter nicht immer heiterem bayerischem Himmel. Die Heiterkeit liefern wir und unsere Besucher gratis dazu.

 MG 8782 200Wer 370 g zunimmt, der kann auch einen Clown erlegenAuf der Waage gibt es heute eine Art Zwergenaufstand. Es ist Gamba, die das Leben in der hinteren Tabellenhälfte satt hat, immer nur beiläufig erwähnt zu werden, sozusagen Beiwerk zu sein, so eine Art Sättigungsbeilage oder Tellergarnitur. Zumindest scheint das ihr Empfinden gewesen zu sein, als sie gestern beschloss, in den Kommentarspalten auftauchen zu wollen. Sie verwirklichte dies mit einem bislang nicht gesehenen Akt der Selbststopfung, so wie es bei den Gänsen für die fette Leber gemacht wird und schaffte es doch tatsächlich, sich 370 g Masse unter das Fell zu stopfen. Und dieser grenzwertige Selbstversuch katapultierte sie vom siebten auf den dritten Tabellenplatz (4380). Vor ihr rangieren nur noch Girgl (4640, +240) und die in Sachen Masse unnachgiebige Grappa (4400, +90), die allerdings wegen eines Fastentags ihren zweiten Rang fast noch an Gamba verloren hätte. Noch verdutzter dürfte Grille sein (4360,+ 150), die vermutlich noch nie so weggerempelt wurde, und das, obwohl sie sich in Sachen Kalorienbilanz nichts vorzuwerfen hat. Dahinter passiert dann genau das, wovor Gamba die Flucht nach vorne angetreten hat: nichts, jedenfalls nichts, wofür man als Chronist eine griffige Formulierung suchen müsste. Es herrscht der Gähnfaktor des Tabellenmittelfelds: Greco 4320 (+150), Gustl 4250 (+180), Gosh 4230 (+150), Gruschel 4120 (+130), Greta 4060 (+150). Doch dann kommt wieder Stimmung auf, weil auch die Purzel am Ende einen Aufstand versuchen, dem allerdings nur statistische Bedeutung zukommt. Gaudi mampft sich 200 g auf die Rippen (3940), kommt aber nicht vom Fleck. Und Gundel, die es sogar auf 230 g bringt, muss erkennen, dass ihr Schicksal das der Laternenträgerin zu sein und bleiben scheint (3930), obwohl sie sich bis auf zehn Gramm an den Gaudimax herangefuttert hat.

Anders als der gestrige Tag ohne Eigenschaften, ist dieser in zweierlei Hinsicht substantiell gefüllt: Gustl muss zum Tierarzt und unsere Doosie kommt zu Besuch. Gustl muss sich sein Schwanzspitzchen röntgen lassen, das mit dem Makel eines nicht zugelassenen Wirbelkörpers behaftet ist. Und weil da ein Angestellter des Blues fahren und ein anderer den kleinen Gustl betreuen muss, kommt Doosie mit Begleitung, um Fiannas rührige Bande zu bewachen, weil Fianna natürlich auch mit zum Doc muss, um ihrem Buben seelisch beizustehen und außerdem auch nicht ohne Aufsicht mit ihren Kindern allein bleiben soll.

 MG 8723 200Doosie inmitten des G-SchwadersFür diejenigen, die mit den Dingen des Blues nicht so bewandert sind: Doosie aus unserem D-Wurf wurde im Sommer von einer Zecke beinahe mitten aus dem Leben gebissen: Hirnhautentzündung, so stark, dass Blut in der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) war. Doosie war praktisch von der Nasen- bis zur Schwanzspitze gelähmt, komplett ohne jeden Reflex. Viel Hoffnung durften wir und ihre Leute uns wirklich nicht machen. Aber entschlossen durften sie sein, das Unmögliche doch möglich zu machen. In einem unglaublichen Kraftakt, mit unerschütterlichem Willen, Doosie zu retten und dauernder Physiotherapie und Gymnastik, angeleitet und begleitet von einer befreundeten Tierärztin, ist Doosie nun wieder in der Lage zu liegen, wie ein Hund liegt und sich sogar schon wieder für Sekunden aus eigener Kraft aufzusetzen. Zusammenkünfte mit uns und Fianna befeuern zudem ihren Ehrgeiz und Willen in besonderem Maße an, wodurch ein Besuch beim Blues nicht nur der Kinderbetreuung dient, sondern eine weitere Reha-Maßnahme ist. Zudem hat Doosie als Mutter ein Riesenherz für Kleinzeug und wird ihr Herz für unsere Racker in elf Stücke teilen. Diese Annahme ist zwar uneingeschränkt richtig, aber die gute Absicht, Doosie in den Welpenauslauf auf die Terrasse zu legen, erweist sich schnell als allzu blauäugig, nicht weil Doosie den Welpen Schaden zufügen würde, sondern weil diese ihr zu massiv zu Leibe rücken; sie kommen nicht damit klar, dass ein Artgenoss, zumal ein so großer, sich nicht wehren und davonlaufen kann, also versuchen sie alles, um herauszubekommen, was mit diesem wehrlosen Geschöpf los ist und wie man es unter Umständen in Bewegung bringen könnte. Also legen wir Doosie jenseits des Gitters neben das Wasserbecken, das neulich Grilles Gefallen gefunden hat, und nehmen sie so aus der Schusslinie. Jetzt liegt sie sehr entspannt und noch interessierter hinter dem Gitter und die Bande steckt die Nasen durch die Stäbe und palavert mit ihr. So haben alle das Ihrige: Doosie ihre Ruhe und die Kinder ihre Dame ohne Unterleib. Es ist nicht zu übersehen, dass Doosie fast im Paradies ist und alle Anstrengungen unternimmt, dieses auch noch selbst zu betreten. Sie rackert und kämpft sich immer wieder hoch, um den entscheidenden Schritt zu machen, schaffte es aber noch nicht. Doch ihr Ehrgeiz brennt. Ihr Wille will. Und mehr Therapie geht nicht, zumal Doosie ein Willenswunder ist, das nicht aufgibt und den Kopf zwischen die Schultern nimmt, um Hindernisse wegzuräumen.

Jetzt gibt sie erst einmal die liebe Tante und ihr Pflegepersonal kümmert sich um die wilde Elf, während wir den Gustl greifen und zum Tierarzt fahren. Der Vize kutschiert, die Chefin macht es sich im Fond mit dem kleinen Gustl auf dem Schoß bequem. Zu Beginn der gut halbstündigen Fahrt klagt er uns etwas kleinlaut sein Leid, aber als wir ihn dann zu seiner Mama in deren Abteil geben, vergisst er das Gesumme und Gebrumme, das Rattern und Rumpeln um sich herum und schläft an Mamas Bauch ein. Auch beim Tierarzt ist er Herr der Situation, thront royal auf der Rezeptionstheke und lässt sich Leckereien reichen; das hat er von Oma Franzi, die jedoch niemals auf freundliche Gaben wartete, sondern in Eigenregie, aufrecht stehend, die Leckerlischale ausräumte. Franzis O2 0 200Gustl's Rutenanomalie: wir haben sie weiß auf schwarzTod hat auch in dieser Hinsicht eine Lücke gerissen; niemand nach ihr hat sich so um die Belustigung des Praxispersonals so verdient gemacht. Im Sprechzimmer begutachtet Gustl alles, inspiziert jede Ecke, pinkelt unter den Behandlungstisch und rollt sich dann mitten im Zimmer zusammen und schläft, bis die Dottoressa erscheint und an ihm den kleinen Welpencheck vornimmt, um sicherzustellen, dass an dem Knuddel alles in Ordnung ist. Es ist alles in Ordnung - bis auf das Knubbelchen am Schwänzchen. Und deswegen muss er jetzt in die Strahlenschleuder. Tapfer hält er sich dort, ohne zu murren lässt er das über sich ergehen. Und dann haben wir Gewissheit: Das vorletzte Glied von Gustls Rute ist ein Keilwirbel. Das wird zwar den kleinen wie den großen Gustl ein Leben lang nicht daran hindern, kerngesund und ein Keilwirbelwind zu sein, aber es wird ihm, davon müssen wir jetzt ausgehen, einige wenige große Momente der trauten Zweisamkeit vorenthalten, weil er sehr wahrscheinlich ein zuchtbuchamtliches Siegel bekommen wird, das ihn davon abhalten soll, weitere kleine, keilwirbelige Gustls zu produzieren, vulgo: Zuchtausschluss. Die Rückfahrt bestreitet er wie die Hinfahrt: entspannt in Mamas Armen und im Gefühl, heute der Mittelpunkt der Welt gewesen zu sein.

Zurück im Welpenparadies und bei Doosie ist erwartungsgemäß alles in Sahne, Doosie erdrosselt sich vor Freude fast mit ihrem eigenen Schwanz und die Welpen plappern alle durcheinander, weil sie uns ja so viel zu erzählen haben, schließlich waren wir ja lange zwei Stunden weg.

 MG 8738 200Und alle drauf auf das neue SchaukelteilUm ihr Interesse von uns abzulenken, stellen wir ihnen die Pendelschaukel ins Paradies und sofort sind wir und Doosie die belangloseste Nebensache der Welt. Dieses freischwingende Brett fordert höchste Körperbeherrschung und es vergeht keine Viertelstunde, da haben sich alle elf mindestens einmal an diesem Schleudergerät versucht. Aber auch bei diesen protokollieren wir, wie bei ihren Vorgängern: Es ist unglaublich, welche Körperbeherrschung die Zwerge schon haben. Natürlich purzeln sie allesamt nach wenigen Sekunden vom Brett, aber wie sie bis dahin die zum Teil sehr kabbeligen Schwingungen austarieren, ist eine Augenweide und eine Freude für das Lachmodul der Anwesenden.

Zur Belohnung gibt es anschließend wieder Ziegenpansen - und das dazugehörige Pansen-Round-Up kreuz und quer über feste und schwankende Untergründe. Einfach untergründig schön...

 

Donnerstag, 29.10.2015

Es ist Herbst, Nebel gibt den Ton an, obwohl oder gerade weil er jeden anderen verschluckt. Später gibt er den Blick auf Wolken, für Augenblicke sogar auf die Sonne frei, bis er dann in Nieselregen übergeht.

Die Morgenroutine dieses Donnerstags unterscheidet sich in nichts von den vorhergegangenen, misten, putzen, wiegen. Die Waage hält auch heute wieder eine Überraschung für uns bereit. Girgl ist es nicht. Wenn wir uns gestern über das langweilige hintere Ende der Tabelle ausgelassen haben, war das nur sehr unvollständig, denn das langweiligste an dieser Tabelle ist Girgl; ob der 100, 200 oder 500 g zunimmt, interessiert eigentlich niemanden mehr. Wo Girgl ist, ist vorn, womit er sich als neues Wappentier Bayerns ins Spiel bringt. Machen wir es also kurz: Girgl 4870 (+230). Damit touchiert er schon beinahe die 5-Kilo-Marke, während die Letzten heute die 4-Kilo-Hürde übersprungen haben. Auch das ist nicht die Meldung des Tages. Die gehört Greco. Der Grieche lässt sich nur ungern bewitzeln und Gähnfaktor im hinteren Tabellenteil will er schon dreimal nicht sein, also hat er wohl seinen Reifen verlassen, möglicherweise der Mehrzahl seine Geschwister ihren Pansen geklaut und sich 370 g angefressen. Das hat zuletzt Gamba mit deutlichem Erfolg geleistet, und auch Greco wird für die herausragende Mundraubleistung belohnt: zweiter Platz, 4690 g. In einer durch und durch profitorientierten Gesellschaft wird nicht Moral belohnt, sondern der durch unmoralisches Handeln erwirtschaftete Zugewinn. Kapitalismuspropheten werden sich die Hände reiben und jubeln: Die Natur ist unser Lehrmeister. Lassen wir das, sicher ist nur, dass Greco wahrlich nicht der erste Grieche ist, der es hierin zu einer gewissen Meisterschaft gebracht hat. Dass Grappa sich auf so hohem Niveau von ihrem Dauerkonkurrenten in die Schranken weisen lassen muss, wird sie, davon sind wir überzeugt, nicht ruhen lassen: 4620 (+220). Und Gustl, der Keilgewirbelte, schiebt sich mit zusätzlichen 270 g immer weiter an die Sonnenplätze: 4520 g. Gamba kann mit 120 g heute nicht ganz mithalten und rutscht wieder ein wenig ab (4500), aber dass sie sich auf diesem Niveau halten könnte, war auch eher unwahrscheinlich. Grille hat Federn lassen müssen und landet auf einem wenig spektakulären sechsten Platz: 4490, +130. Und dann schwenkt die Tabelle wieder in die ausgetretenen Gleise: Gosh 4420 (+190), Gruschel 4400 (+280), Greta 4270 (+210), Gaudi 4160 (+220), Gundel 4050 (+120). Irgendwie kommt man schwer aus diesem Loch, selbst wenn man so massige Ergebnisse wie Gruschel liefert. Und auch Gaudi oder Greta tun, was sie können, aber jede Tabelle hat eben ihre Kopf- und ihre Fußzeile. Hätte sie das nicht und stünde da in jeder Zeile die gleiche Zahl, wäre sie noch langweiliger als wenn immer die gleichen vorne und hinten aufgeführt sind. Es ist ja keine Qualität an sich, Speck anlagern zu können. Und es ist kein Mangel, mit weniger auf den Rippen gesund und munter zu sein.

IMG 8852 200Eine wahrhaft göttliche Auszeit in dem Welpentrubel - wir haben es genossenWenn wir schon beim Essen und Genießen sind, müssen wir an diese Stelle Gaudis zukünftigen Napfbefüllern danken, die uns, weil wir uns unvorsichtigerweise als Austernliebhaber geoutet haben, mit einem "Fresskorb" voller Austern, Chablis und Beiwerk beschenkt haben. Das hat uns glücklich gemacht, haben wir doch schon seit Juni in Frankreich keine Austern mehr genossen. Jetzt feiern wir ein Austernfest, begießen Gustls Keilwirbel mit Chablis und trinken auf Doosies Genesung. Wer niemals eine Auster schlürfte, weiß nicht, wie uns zumute ist. Wenn der Himmel Stil hätte, würde er keine Tränen, sondern Austern weinen. Sterben unter einem Austernregen müsste der ultimative Glücksschritt ins Jenseits sein.

Und was haben wir der Welt noch mitzuteilen? Nichts. Zu diesem Zeitpunkt haben wir uns bei früheren Würfen die Finger wund getippt, weil uns jene Mieslinge und Fieslinge von einer Verlegenheit in die nächste Notlage stürzten, das Wohnzimmer verwüsteten oder nachts gemeinschaftlich auf der Straße spazieren gingen. Nichts davon. Fiannas G-Schwader ist beinahe ein chronistischer Totalschaden. Dafür werden ihre neuen Herrschaften viel Freude an ihnen haben.

 

Freitag, 30.10.2015

Heute hat der Meteorologe leichtes Spiel: ganztägig Hochnebel um 10° C.

Girgls eintönige Präzision an der Futterverwertungsfront ist atemberaubend: neuerliche 220 g heben ihn gleichsam schwerelos über die 5-Kilo-Marke (5090). Dass sich Grappa den griechischen Affront nicht bieten lassen würde, war klar, und so tat sie es dem Griechen mit 360 g fast gleich und landet auf 4980 g. Respekt! Greco hatte gestern nichts zu klauen und natürliche Futteraufnahme befeuert ihn nur unvollständig, deswegen muss er wieder zurück auf den dritten Platz: 4890, + 200. Auch Grille will sich nicht so leicht nach hinten abschieben lassen und legt mit 310 g kräftig zu, wodurch sie wieder auf Platz vier vorrücken darf. Dafür werden Gustl und Gamba wieder nach hinten gereicht: Gustl 4710 (+190), Gamba 4600 (+100). Und am Tabellenende liefern sich immer die gleichen ihr Schneckenrennen: Gosh 4580 (+160), Gruschel 4550 (+150), Greta 4460 (+190), Gaudi 4360 (+200), Gundel 4320 (+270). Allerdings muss man anerkennen, dass sich die Schlusslichter weiterhin mit sehr beachtlichen Ergebnissen durchs Leben fressen und nicht abreißen lassen wollen.

 MG 8731 200Gaudi und Gosh mit der KrawallsockeHeute hören wir die Knirpse erstmals bellen. Bisher war es so ein indifferentes Raunen und Räuspern, aber das jetzt, das war richtiges vorstimmbrüchiges Bellen. Wenn man versucht, ein G-Schwister aus einem Versteck herauszulocken, tut man das jetzt mit bellen. Auch die Krawallsocke ist ein Bellbeschleuniger. Die Krawallsocke ist eines der fabelhaftesten und billigsten Spielsachen: Ein paar Steine in eine alte Blechdose, diese in einen alten Socken, oben zubinden und fertig ist die Krawallsocke. Nichts ist hier im Paradies beliebter als die Krawallsocke. Fast ständig hat irgendeine(r) das Schepperding zwischen den Zähnen und wird damit - seit heute fröhlich bellend - durchs Paradies gehetzt. Nichts geht da drüber.

Freitagnachmittag ist turnusmäßig Hundeplatz in Siegertsbrunn. Die Chefin hat seit Wochen HPE, das ist zwar nicht so gefährlich wie HIV, auch nicht so ansteckend, aber mitunter eine Belastung für die Mitmenschen: HundePlatzEntzug kann die Psyche eines sonst umgänglichen Menschen ins Unumgängliche verändern. Ob sie selbst diese Wesensveränderung an sich bemerkt hat oder einer inneren Stimme gefolgt ist, kann hier nicht geklärt werden, jedenfalls hat sie beschlossen, heute mit der ganzen Mannschaft auf den Hundeplatz zu fahren und alle künftigen Besitzer eingeladen, dort zu erscheinen, falls es in deren Terminplatz passt. Also stopfen wir in unserem Welpenmobil wieder einmal alle Durchschlüpfe hinter dem Fahrersitz, wo sich kein Sitz befindet, mit Decken voll, damit die lieben Kleinen nicht abhauen können. Dann nimmt die Chefin auf dem Sitz schräg hinter dem Fahrer Platz, lässt sich die Kleinen einzeln durchs Fenster reichen, setzt sie auf den Boden neben sich, und als alle gezählt und registriert sind, geht sie ab, die Welpenpost nach Siegertsbrunn. Elf zu allem bereite Heranwüchsige. Doch auch in dieser Disziplin machen sie keinen Versuch, es ihren Vorgängern gleichzutun. An manche Welpenausfahrten wollen wir gar nicht mehr denken; es fühlt und hört sich heute noch so an, wie es Dantes Inferno uns ausmalt. Tinnitus war das mindeste, was wir zu verzeichnen hatten. Nichts von alledem. Grille und Gruschel versuchen abwechselnd und standhaft, über die Mittelkonsole zum Vizechauffeur zu gelangen, Girgl mault ein bisschen herum, der Grieche auch, aber der Rest belässt es bei gelegentlichen Jammerversuchen und wenig ambitionierten Beschwerden. Und dann rollen sie sich ineinander und schlafen knarzend. Außer Grille und Gruschel. Und als wir nach einer halben Stunde am Hundeplatz ankommen, haben es Greta und Gaudi doch glatt geschafft, durch oder über die Deckenverstopfung zu ihrer Mama ins Abteil zu klettern. Klammheimlich. Pssst, Mama. IMG 8868 200Erst wird noch fleißig geübt...Spannungs- IMG 8878 200..doch dann erkundet das G-Schwader lieber die Weiten des Hundeplatzesund erwartungsgeladen begrüßt uns dort das Empfangskomitee, um ihre Lieblinge in Empfang zu nehmen. Und dann geht es auf dem Platz zur Sache. Die größte Herausforderung ist letztlich, die kleinen Raser bei zunehmender Dunkelheit unter den Sträuchern ausfindig zu machen. Mama Fianna ist gänzlich außer sich vor Begeisterung und Fürsorge, dass ihr ja kein Schutzbefohlener abhanden kommt. Nach einer knappen Stunde geht es wieder ins Auto und nach Hause. Kaum ein Laut ist zu hören, glückliche und zufriedene Erschöpfung leistet ganze Arbeit.

Auch für den Rest des Abends fällt den Kleinen nicht mehr viel ein, nur die Augen fallen ihnen noch zu.

 

Samstag, 31.10.2015 (Hallo Wien)

Ein richtig schöner Tag macht sich heute auf den Weg, den "Hallo Wien"-Gruslern ihren düsteren Tag zu verderben. Der Morgen beginnt mit Hochnebel und 8° C, aber dann schwingt sich ein weiß-blauer Königstag auf, der uns und unsere Kinder mit strahlenden 15° C beglückt.

Das Wägeprotokoll ist so prickelnd, wie Kleinkinder furchterregend sind, die einem mit verschmierten Gesichtern an der Haustüre drohen. Ob unsere Kleinkinder, die die Maskerade zum Teil von Natur im Gesicht haben, nun von Süßem oder Saurem 2500 g zugenommen haben, stellt sich nicht: Unsere Kinder werden artgerecht ernährt. Aber 2500 g sind ein deutliches Zeichen, dass sie nun in einem Alter sind, in dem sie fast explodieren. Wenn sogar der schwache Esser Gaudi 190 g zunimmt und damit das Ende des Zuwachsprotokolls markiert, ahnt man, dass die Kurve nun steil nach oben gehen wird. Das Gewichtsprotokoll, weil es ohne nennenswerte Ausschläge ist, ohne Kommentar: Girgl 5400 (+310), Grappa 5240 (+260), Greco 5120 (+230), Grille 5000 (+200), Gustl 4920 (+210), Gamba 4830 (+230), Gosh 4800 (+220), Gruschel 4790 (+240), Greta 4660 (+200), Gaudi 4550 (+190), Gundel 4530 (+210).

Diese metabolische Glanzleistung aller bekommt eine besondere Bedeutung, wenn man bedenkt, dass sie sich gestern auf dem Hundeplatz richtig ausgetobt haben und keinerlei kulinarische Sonderposten ausgegeben wurden. Andererseits haben sie sich heute Nacht wahrscheinlich so wenig bewegt, dass sie gar keine Kalorien verbrauchen konnten; vier morgendliche Häufchen in der Küche sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache bezüglich der nächtlichen Aktivitäten. Die waren scheintot. Und selbst jetzt am frühen Morgen, wenn sie eigentlich nach so viel Schlaf aufdrehen sollten, kauern sie sich still in ihrem Terrassenlager zusammen und machen keinen Mucks. Die bekommen noch die goldene Nachbarschaftsmedaille.

Diese Freundlichkeit und Gutmütigkeit des G-Schwaders wissen wir auch im Haus sehr zu schätzen, obwohl sie uns mitunter etwas verwirrt. Wer unsere Küche kennt, weiß, dass in deren Mitte ein Arbeitsblock steht, in dem mehrere Weidenkörbe Zwiebeln, Knoblauch und vieles mehr für uns bereithalten, was man schnell im Zugriff haben möchte. Diese Weidenkörbe waren bislang die ersten Opfer geschlüpfter Welpenzähne und mussten meist schon früh ausgelagert werden, worauf die Welpen den freigewordenen Raum unter der Arbeitsfläche sofort als neue Spielstube besetzten. Fiannas G-Schwader hat diesen Küchenblock kaum zur Kenntnis genommen. Ganz zu Beginn ihrer Laufübungen, als sie noch ziemlich klein waren, versuchten einige, sich an den Körben vorbeizuquetschen und sich zwischen Wand und Korb zu verstecken. An den Körben selbst haben sie sich nie zu schaffen gemacht. Als diese Übungen massebedingt unmöglich wurden, versuchten sie nicht, wie wir es auch schon erlebt haben, die Körbe aus dem Block zu schieben, nein, sie schenkten ihm einfach keine Beachtung mehr. Bis zum heutigen Tag erfüllen die Körbe im Küchenblock ihre Aufgabe und sind keinerlei Bedrohung ausgesetzt. Sollte sich also in Zukunft jemand beschweren, dass sein Hund Schuhe und Handtaschen frisst, ist dieses Problem hausgemacht und wir übernehmen dafür keine Verantwortung.

Neben den Verhaltenskonstanten "Ruhe am Morgen" und "Weidenkorbabstinenz" zeigen die Kinder aber auch laufend Verhaltensänderungen. Neulich haben wir berichtet, wie plötzlich der Wachtrieb erwachte oder das Raunen zum Bellen wurde. Eine Verhaltensänderung beobachten wir seit einigen Tagen: Der Lieblingsrangel- und Schlafplatz war das Kuddebett in der Küche, das am Gitter zum Wohnzimmer liegt. Dort traf sich immer tout le monde, die Welpen, die Mama, auch die Tanten und die Besucher zum Kuscheln, Spielen und Schlafen, dort traf man sich, um es alpenländisch auszudrücken, zum Hoagascht. Sozialmeditativ könnte man es auch als analoge Twitter- und Chat-Stätte bezeichnen. Doch diese Chat-Stätt ist mehr und mehr verwaist, ein Polstermöbel außer Funktion. Gelegentlich wird es noch benutzt, um ein Bächlein darin loszuwerden. Wir erlösen das Kuschelkudde von seiner entwürdigenden neuen Rolle und schaffen es in den Keller. Die Küche ohne Kuschelkudde wirkt allerdings so erbärmlich wie Brüssel ohne Manneken Pis.

DSC07919 200Die Belagerung vor dem AusgangDie Kinder haben sich neu orientiert, sie liegen jetzt nicht mehr zusammen in einer Quasi-Höhle namens Kudde, sondern in der Küche verstreut, alle haben sich eine Lieblingsplatz erobert, mittendrin oder irgendwo an der Peripherie, und wenn es ihnen nach Rudelschlafen ist, kuscheln sie sich direkt an der Sperre zum Treppenhaus zusammen, was den Ein- und Ausgang, vor allem nachts, äußerst erschwert. Aber auch das hat seinen Sinn und belegt die Beobachtung von neulich: Auch hier zeigt sich der Wachhund. Die Kleinen haben die Logik des Hauses entschlüsselt, wissen wo die Zentralstellen und natürlich auch, wo, ihrer Meinung nach, die zentralen Schwachstellen sind. Und dieser Durchgang führt zum Eingang, von dort kommen die meisten Besucher und dort hinaus verschwinden sie auch wieder. Dieser Platz muss gemeinschaftlich gesichert werden. Und so liegen sie alle zusammen an der Sperre zusammengekuschelt oder etwas verstreut, aber jedenfalls so, dass man kaum weiß, wohin man den Fuß stellen soll, wenn man sie übersteigen muss. Im Gegensatz zur "Weidenkorbabstinenz" zeigt das G-Schwader hier das gleiche Verhalten, das alle ihre Vorgänger auch gezeigt haben.

Seit einigen Tagen müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass einige unserer Kinder solche Gierschlünde sind, dass sie sich regelmäßig bei der Aufnahme der Platinum-Bröckchen verschlucken und herumkeuchen und sich räuspern. Davon haben wir nun genug und weichen sogar das feuchte Platinum ein und pürieren es. Das hat zwar nichts mehr mit artgerechter Nahrungsaufnahme zu tun, verhindert aber, dass sich doch noch mal einer die Gurgel verrenkt. Wenn schon bei den Welpen kein Lerneffekt zu erkennen ist, müssen wenigstens wir die Überlegenheit des Homo Sapiens unter Beweis stellen. Zu unserer Freude können sie sich nun nicht nur nicht mehr verschlucken, sondern hauen die Brühe mit Begeisterung weg, dass es nur so spritzt.

 MG 8996 200Gustl erfreut sich an einem Ziegenripperl - wie (fast) alle GeschwisterNachmittags  MG 8995 200..nur Greco kann nicht genug bekommen und verschwindet gleich mit einem großen Trummliefern wir Ziegenrippchen mit viel Fleisch frei Garten. Schon wieder ein kulinarisches Festival beim Blues. Und die Knirpse arbeiten sich mit Eifer an den Rippen ab, verteidigen jeden Übernahmeversuch leidenschaftlich, aber nicht immer erfolgreich. Wieder einmal ist die schlimmste Mundräuberin die Mama, die ihre Beute jedoch nicht ihrer eigenen Kalorienbilanz zuführt, sondern sie zu vergraben sucht, weil Mama eben eine sehr fürsorgliche und weitsichtige Mama ist, die nicht weiß, ob nicht morgen ein kleiner Weltuntergang oder ein kollektiver Herzinfarkt des Pflegepersonals auf dem Programm steht und ihre Kinder vor leeren Schüsseln stünden, weshalb sie schon mal fürs Schlimmste vorsorgen möchte. Wir müssen diese Hamsterstrategie leider unterbinden, sonst wachsen der Buchshecke noch Ziegenbärte. Wer weiß...

Zwei Highlights hält dieser Samstag noch für unsere Welpen bereit. Das erste heißt Carl und Katharina, nein das sind keine Wirbelstürme, aber so etwas ähnliches. Carl und Katharina sind zwei Nachbarskinder, die nahezu täglich eine Spielstunde mit unseren Welpen organisieren. Heute befinden sie, dass die lose und unsystematisch herumliegenden Gerätschaften einem höheren Sinn zugeführt werden müssten und bauen aus ihnen einen zusammenhängenden  MG 8969 200Welpenparcour designed by Carl und KatharinaWelpenparcours, gegen den sich jeder Agility-Parcours als Laufstall für Anfänger ausmacht. Da geht es über Hindernisse, Wackelbretter, Schaukelbretter und durch Tunnels, dazwischen das Bällebad und das Flaschenlager und ganz am Ende der Showdown: zwei schräge Ebenen, ans Welpengitter angelegt, verbunden durch einen Gitterrost, der sogenannten "Carl-Traverse". Wer jetzt glaubt, die beiden Parcours-Architekten wären nun mit der Umgestaltung unseres Welpenparadieses zufrieden, kennt Carl und Katharina nicht. Jetzt ruhen sie nicht, bis sie jeden und jede aus dem G-Schwader zumindest einmal über diesen Parcours gelotst haben. Keine Anstrengung, keine Mühsal ist ihnen zu groß, um mit allen Mitteln der Verführung letztlich bei jedem schließlich Erfolg vermelden zu können: Das G-Schwader des Bairische Blues hat ohne Ausnahme den schwersten Welpenparcours der Welt durchstiegen und besiegt. Fiannas Kinder sind mit Feuer und Flamme bei der Sache und benehmen sich zum Teil wie zu allem entschlossene Käufer am Wühltisch. Wer solche Kinder für seine Welpen zu Verfügung hat, kann sich wirklich glücklich schätzen, auch weil Kinder eben Kinder sind und auf Ideen kommen, die bei uns schon längst verschüttet sind. Carl und Katharina haben sich um den G-Wurf unsterblich verdient gemacht, und wenn jetzt noch jemand kommt und klagt, dass sein Hund nicht über einen Gitterrost steigt, ist auch das hausgemacht wie die oben erwähnten zerlegten Schuhe.

Das zweite Highlight ist ein etwas hinterfotziges, weil dem heutigen "Hallo Wien" geschuldetes: Um der erpresserischen Frage nach Süßem oder Saurem zuvorzukommen, stopfen wir die Kleinen mit einer Art Süßsaurem: Milbemax. Wir entwurmen sie heute zum letzten Mal und heute ist auch der Bandwurm im Visier. Die eklige, aber immer ohne Anstand akzeptierte Paste, hat ausgedient, es kommt nun eine Tablette zu Einsatz, die sie klaglos schlucken, weil sie offensichtlich recht angenehm schmeckt. Ob das unbekannte Leckerli nun süß schmeckt oder sauer oder einfach nur lecker, müssen wir nicht wissen, Hauptsache wir haben auch diese letzte Entwurmung unter Dach und Fach.

 

Sonntag, 01.11.2015 (Allerheiligen)

Früher zogen die Damen an Allerheiligen immer ihren Persianermantel aus dem Schrank und trugen ihn zum Friedhof. Heute trägt kaum noch jemand Persianer, wenn doch, käme die Trägerin nicht nur wegen der scheelen Blicke ganz schön ins Schwitzen, sondern auch wegen der Temperaturen: Blitzblanke 15° C würden ihr die Entscheidung, das Vlies abzulegen erheblich erleichtern.

Natürlich freuen wir uns nicht, dass es nun November ist und der Tag der Trennung schmerzlich nahe rückt, aber solange der November weiterhin so schöne Tage für uns und Fiannas Kinder bereithält, lässt sich der Schmerz leichter ertragen.

Ob es die Ziegenrippchen waren oder das pürierte Platinum, der achterliche Ausstoß der Kinder ist von einer geradezu beispielhaft festen Konsistenz - und das nach einer Entwurmung. Worüber man sich als Züchter so freuen kann...

Wenn wir uns die heutigen Gewichte bei Lichte betrachten, könnte man auf die Idee verfallen, die doch sehr gespreizten Zuwächse (zwischen 70 und 320 g) mit dem Bewegungseinsatz im Katharinen-Parcours und auf der Carl-Traverse in Verbindung zu bringen. Vielleicht ist da tatsächlich etwas dran, nix is fix, aber ausschließen können wir eine Korrelation nicht. Also machen wir doch einfach den Versuch:

Girgl 5690 (+290): Stubenhocker.
Greco 5440 (+320): Sport ist Mord.
Grappa 5310 (+70): Und wenn sie nicht gestorben ist, parcourt sie noch heute.
Grille 5160 (+160): Wer durch das Gitter geht, braucht keine Carl-Traverse.
Gustl 5080 (+160): Keilwirbelwind? Kein Wirbelwind.
Gosh 5040 (+240): Weniger ist mehr.
Gamba 5000 (+170): Wer eine Runde nicht ehrt, ist den Parcours nicht wert.
Greta 4930 (+270): Probier's mal mit Gemütlichkeit.
Gruschel 4870 (+80): Hacke-Spitze-Hacke-Spitze 2-3-4.
Gaudi 4850 (300): My Baumstumpf is my castle.
Gundel 4660 (130): 1,2,3 - genug der Gaukeley.

Eine gewisse Relevanz ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen...

 MG 8981 200Gamba zeigt, dass man sich in einem Bällebad wunderbar alleine vergnügen kannAn einem so schönen Tag sind die Kinder natürlich nur draußen und vergnügen sich auch heute mit dem Parcours oder dem, was sie davon übriggelassen haben, ohne Anleitung, aber mit viel Einsatz und Spaß. Es scheint, als ob die Bockigen von gestern heute deutlich mehr Begeisterung zeigten. Eine gewisse bayerische Sturschädeligkeit, sich nicht vorschreiben zu lassen, was man tun soll, könnte dabei eine Rolle spielen.

Ein wenig geeigneter Spielpartner ist Cento, der Schwarze aus unserem C-Wurf, der heute zu Besuch ist. Cento ist zwar ein sehr verträglicher Rüde, aber er ist ein erwachsener Rüde, der Kleinzeug lieber aus dem Weg geht. Schon die Vorstellung, da könnte ein hungriger Zögling versuchen, an seiner einzigen Zitze zu zuzeln - und das versuchen sie immer! -, lässt einen Kerl wie ihn die nötige Distanz wahren. Allerdings bleibt Cento dabei sehr gelassen, geht den Kleinen aus dem Weg, ist aber nicht in Gefahr, sich beinahe alle Gräten bei der hektischen Flucht über den Zaun zu brechen, wie wir das auch schon erlebten. Wieder andere speicheln so, dass wir das Gefühl haben, der Mangfallpolder wäre nur für sie gebaut worden. Cento, Vater einer ganzen Reihe von Kindern, hat ja auch schon einige Erfahrung, die ihn die Situation ohne Stress einschätzen und beherrschen lässt.

Abends bekommen die Zwerge zur Abwechslung einmal pürierte Zucchini ins Fleisch, was sie anscheinend sehr schmackhaft finden (aber was finden die nicht schmackhaft?) und dann fallen sie nach einem langen Tag voller Eindrücke rechtschaffen müde in einen wahrscheinlich traumlosen Schlaf.

 

Montag, 02.11.2015

Erster Eindruck: Die Zucchini haben keine negativen Auswirkungen auf den Stuhlgang gehabt, die Küche ist in einem gewohnt zweifelhaften Zustand. Also haben sie das Gemüse bestens vertragen.

Zweiter Eindruck: -2° C und ein glasklarer Himmel. Ein eiskaltes Versprechen.

Dritter Eindruck: Zucchini setzen sich bei manchen Geschöpfen direkt als Fett unter die Haut. Nicht bei Girgl allerdings, der in den vergangenen Tagen schon besser verstoffwechselt hat, aber natürlich keine natürlichen Feinde kennt (5930, +240). Greco hat sich endgültig von seinem gelben Schatten emanzipiert und den zweiten Platz fest im Griff (5720, +280), aber Grappa (5490, +180) muss aufpassen, dass sie nicht von Gustl abgelaufen wird, weil Gustl offenbar der effektivste Zucchini-Verwerter ist (5460, +380). Grille (5340, +180) ist einen Platz nach hinten gerutscht, was man ihr angesichts der 380 g von Gustl nicht verdenken kann. Bei Gosh (5310, +270) geht auch alles seinen gewohnten Gang, Gamba (5280, +280) reiht sich ordentlich im Feld ein, kommt aber selbst mit dieser Leistung nicht voran, wenn sich die anderen ebenso ins Zeug legen. Aber der Gaudibursch (5070, +220) hat eine mächtige Schippe draufgepackt und reiht sich vor der gleichgewichtigen Gruschel ein (5070, +200), weil er exakt die 20 g mehr performt hat, die er gestern noch hinten lag; so viel Einsatz muss honoriert werden. Greta verdaut noch an den 270 g vom Vortag (5020, +90) und für Gundel gilt: Wenn man abgehängt ist, bringen einen auch kraftvolle Zwischenspurts nicht sofort nach vorne (4920, +260). Mit dem heutigen, letzten Tag der siebten Woche wiegt das gesamte G-Schwader deutlich über einen Zentner (58,61 kg) und hat heute 2580 g zugenommen. Auch um solchen Unsinn der Nachwelt zu bewahren, hat der Herr Chronisten geschaffen.

Heute gibt es wieder Ziegenrippchen, über deren Geschichte man nicht viel erzählen müsste, weil sie sich nicht von der samstäglichen Ziegenripperl-Story unterscheidet, wenn da nicht Mama Fianna wäre, die sich wohl unentwegt den Kopf zerbrochen hat, wie sie diese Rippen zukunftstauglich unter Verschluss bringen kann, ohne dass die zweibeinigen Wichtigtuer ihr dauernd ins vorsorgende Handwerk pfuschen können. Und da kam sie wohl auf die bestechende Idee, die Rippen im Bällebad zu verbuddeln und einen großen Berg Bälle darüber zu häufen, damit auch wirklich keiner das Versteck entdeckt. Wie viele großartige Pläne, scheitert auch dieser erwartungsgemäß an der Praxis. So sehr sie auch buddelt und sich Mühe gibt: Die Rippchen versinken zwar zwischen den Bällen, aber der Berg will nicht wachsen, und je mehr sie sich ins Zeug legt, desto mehr Bälle zieren wie viele bunte Smarties die Umgebung des Bällebads und umso weniger Bälle stehen zur Berggestaltung zur Verfügung. An dieser Aufgabe wären auch andere als unsere Fianna gescheitert. Und als sie die Vergeblichkeit ihres Tuns erkennt und beschließt, nicht als Smartie-Sisyphos in die Geschichte eingehen zu wollen, nimmt sie sich beherzt das Rippchen, trägt es ins Haus und verzehrt es, ohne weitere vorsorgliche Aspekte zu berücksichtigen. Wir lassen ihr die Rippe, weil sie sich so viel Mühe gegeben hat und vor allem während ihres Treibens keinem ihrer Kinder ihre Rippchen klauen konnte, sodass die alle zu ihrem Recht und ihrer Mahlzeit kamen.

Zweifach lieben Besuch dürfen wir heute noch protokollieren. Unsere liebe Freundin Chrissi kommt aus Gelsenkirchen, um einige Tage Urlaub am Tegernsee zu machen und um unsere Kinder liebzuhaben und zu fotografieren. Wir freuen uns sehr, dass es nach vielen Jahren doch wieder einmal mit dem Termin geklappt hat. Und dann kommt auch Chilli noch einen ganzen langen Abend zu Besuch und bedient im Kudde (das plötzlich wieder zum Leben erweckt wird) einen Zwerg nach dem anderen. Es sieht tatsächlich so aus, als würden die alle wie im Einwohnermeldeamt eine Nummer ziehen und brav warten, bis sie dran sind und von Chilli nach allen Regeln der Tantenliebe gehudert und gepudert werden. So still ist es selten beim Blues, ganz andächtig genießen sie Chillis Fellpflege. Um 22:30 Uhr müssen wir Chilli fast mit der Flex aus dem Kudde schneiden, weil ihr, wie einem Kind, immer noch eine Ausrede einfällt, warum sie jetzt noch nicht gehen kann.

Nach diesem Tag sind die Kleinen wirklich völlig platt. Und wir auch. Die Chefin verschwindet im Schlafzimmer, der Vize in seiner Dachstube. Als er gegen halb zwölf wieder in die Niederungen herabsteigt , um nach dem Rechten zu sehen, nehmen die Kleinen keine Notiz von ihm. Selbst als er in die Küche muss, um ein Licht zu löschen, das die Chefin brennen ließ, regt sich nichts. Es raunzt nur und knarzt um ihn herum. Dann macht er mit Fianna den täglichen kleinen Nachtspaziergang. Als sie zurück sind, wirft Fianna einen Blick auf ihre Kinder, verkneift sich aber den üblichen Locklaut, weil ihr der Vize den Schnabel zuhält, und auch jetzt regt sich nichts im G-Schwaderlager. Der Vize geht zu Bett, wirft noch einmal einen Blick in die Runde: Keine Reaktion und auch noch immer keine Pfütze und kein Häufchen. Na, sauber, das wird ja morgen zünftig aussehen hier...

Aber darf das lange Ende einer kurzen Liebe so beschissen anfangen?