- Aktuelle Seite:
-
Start
-
Die Geschichte von Frau Fischers Fritzen
- Fieslinge - Woche 1

Sonntag, 13.11.2011
Da liegt er also, der um zwanzig Minuten verspätete Elferrat des Bairischen Blues mit seiner Sitzungspräsidentin Franca Fischer, schnullert und schunkelt an der Bar, plappert und nörgelt und quengelt und quietscht – Fieslings-Fassenacht am Day After.
Was diesen gestrigen 12. November allerdings als besonders bedenklich in die Geschichtsbücher eingehen lassen wird, ist die beängstigende Tatsache, dass mit Berlusconi ein Fiesling abgetreten ist und nördlich der Alpen elf neue Fieslinge ihre Köpfe in die Luft recken. Dagegen war die antike Hydra, der für jeden abgeschlagenen Kopf nur zwei neue nachwuchsen, ein regeneratives Armutszeugnis.
Dieser 12. November ist historisch gesehen ein mittelmäßig denkwürdiger Tag, wenn man einmal von der Verrentung der Habsburger im Jahre 1918 und der damit einhergehenden Gründung der Republik Österreich absieht. Obwohl, wer weiß, manchmal hat man bei einem Blick über die Alpen schon den Eindruck, dass die österreichische Hydra recht vermehrungsfreudig ist und für jeden – symbolisch – abgeschlagenen Habsburgerkopf 111 republikanische Wasserköpfe gewachsen sind. Aber es steht uns nicht zu, über unsere transalpinen Schwestern und Schwäger zu räsonieren, wo wir doch auch ein durchaus denkwürdiges Ereignis an diesem Tag in unserer Geschichte verzeichnet haben, eines, was, so trauen wir uns zu wetten, keiner auf dem Radar hat: am 12. November 1848 wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold für die Fahne der deutschen Republik festgelegt. Und so ganz von ungefähr kommt es nicht, dass dieses edle Stück Tuch heutzutage mehrheitlich als „Adenauer“ verulkt wird. Versulzung und Verwasserkopfung dürften ebenfalls die Eltern für diesen wenig ehrfürchtigen Kosenamen sein.
Ansonsten halten wir noch fest, dass an diesem Novembertag des Jahres 1944 das größte deutsche Schlachtschiff, die „Tirpitz“ auf den Grund der Nordsee geschickt wurde und 1204 Seeleute mit sich nahm. Von kulturell immenser Bedeutung ist der 12. November 1780, als vier bayerische Bauernburschen in Wolfersdorf (Hallertau) ein Tanzverbot missachteten, vor den bayerischen Kadi mussten und deshalb aus diesem Anlass erstmals der Volkstanz „Zwiefacher“ Erwähnung fand. Achtung, Franzi: Zwiefacher, nicht Elffacher!
Lassen wir das, mit dem Zwölften ist nicht viel Staat zu machen, nicht mal für einen popeligen Gedenk- oder Aktionstag reicht es, kein Weltfruchtsafttag, kein Internationaler Tag der Abrissbirne, einfach nichts; der Zwölfte steht wie der Kaiser ohne Kleider herum. Wenigstens bringen elf kleine Fieslinge ein bisschen Denkwürdigkeit in die Ödnis dieses Tages.
Schicksalsbedingt sind die Fieslinge im Sternzeichen des Skorpions oder als chinesischer Hase geboren. So kann sich also jeder selbst entscheiden, ob er die Fieslinge den Hasen oder Skorpionen zuschlagen möchte. Als kleine Entscheidungshilfe geben wir folgendes zu bedenken: Der Hase, so liest man, sei ein äußerst feinfühliges und kultiviertes Wesen, das ein ruhiges und friedliches Leben genießen möchte. Das klingt doch stark nach Weichspüler und wäre beim Blues doch eher als astrologisches Missmanagement zu verbuchen. Also, schauen wir eben beim Skorpion nach: Der Skorpion sei ein zartes Wesen, in dem eine unbändige Kraft und Energie waltet, steht da. Klingt schon besser, nur beim zarten Wesen, möchten Zweifel aufkommen. So richtig viel Zartes ist dem Blues selten entsprungen. Nochmal zurück zum Hasen: Trotzdem ist er kontaktfreudig, wenn auch niemals aufdringlich. Das werden unsere Besucher demnächst bald selbst beurteilen können… Der Skorpion scheint für den westlichen Astrologietyp schon eher in die Nähe der Wahrheit zu reichen: Er geht mit aller Zähigkeit bis an die Grenzen. Ja, das walte Wotan! Was das bei einem Hovawart bedeutet, kann bei denen nachgefragt werden, die einen solchen vom Blues haben und der noch nicht mal ein Skorpion ist. Um den Hasenfüßen richtig auf die Schliche zu kommen, ziehen wir uns den Rest ohne Unterbrechung rein: Das Besondere an Hase-Charakteren ist ihr Hang zur Harmonie, Schönheit und Anmut. So sanft und sensibel sie sind: sie bleiben immer ein bisschen unergründlich und wissen genau, was sie wollen. Sie zeichnen sich durch Umsicht, Gelassenheit und Taktgefühl aus und zeigen sich diskret und vornehm. Die Familie bedeutet Hasen viel, aber die alltäglichen Pflichten sind nicht ihre Sache. Sie haben andere Stärken! Sanft … sensibel … diskret … vornehm… Taktgefühl? Ja, dass die alltäglichen Pflichten nicht ihre Sache sind und sie andere Stärken haben – unterschrieben. Wer sich ein solches Kaninchen erhofft, möge sich doch zur Abrundung noch die westlich-geerdete Skorpion-Version zu Gemüte führen: Den Skorpion umgibt eine Aura des Geheimnisvollen. Rätselhaft und verschlossen wirkt er und doch kann man sich seiner Ausstrahlung kaum entziehen. Er verströmt Macht, wie andere Heiterkeit. Kein anderes Sternzeichen hat eine solche Präsenz, wie der Skorpion. Herrscherplanet ist Pluto. Er ist einer der vielen Namen von Hades, dem Herrscher der Unterwelt, dem Jäger der Seelen. Der Skorpion muss durch das Dunkel seiner Seele wandern, um das Licht zu finden. Er muss die Tiefen seines Unbewussten durchwandern, bevor er zu sich findet. Hinter seinem unbändigen Kampf- und Erkenntniswillen steckt nur der Wunsch, sich selbst zu besiegen. Nur der Sieg über sich selbst befriedigt den Skorpion wirklich. Jawoll, Pfote drauf! Jedes Wort eine Offenbarung und Erleuchtung!
Doch trügerisch ist das Schummerlicht des dauervernebelten Tages, in dem 5890 Gramm kleiner Skorpione wie Englein in der Wiege liegen, gurren und schnurren und sich schon wie ein in Testosteron gebadetes Hadesgeschwader um die Tankstellen prügelt. An Lebenswillen scheint es ihnen nicht zu mangeln. Mutter Franzi tut ihr Bestes, erleichtert ist sie ja um etwa ein Drittel ihres Normgewichts, wenn man zur Fieslingsmasse noch Fruchtwasser und Plazenten hinzurechnet. Ganz spickerig liegt sie in Fortezza und lässt sich verzehren. Sie blutet enorm viel und kann den Verwesungsgeruch, der sie umwabert selbst nicht leiden; immer wieder klagt sie, verlässt die Kiste und besteht darauf, dass die Suite in einen kultivierten Zustand gebracht wird. Mittags hat sie wieder Wehen und danach sieht die Luxussuite aus, als hätte dort ein Ritualmord stattgefunden. Das ist aus ästhetischer Sicht wenig erquicklich, aus gesundheitlicher aber geradezu famos: Franzi blutet alles heraus, was noch an Gebärresten – Blutgerinnsel, Gewebefetzen, Nachgeburten – in ihr sitzt. Bei Anouk mussten wir immer nachhelfen, die war so etepetete, dass sie nicht einmal bluten wollte, was zur Folge hatte, dass sie in hohes Fieber gelaufen ist. Da nimmt man eine Schlachtbank gerne in Kauf. Und tatsächlich liegt der höchste Temperaturwert, den wir bei Franzi messen, heute Abend bei 38,89° - das ist das Paradies. Wenn das so bleibt, geben wir einen aus; elf Geburten sind, entgegen dem Augenschein, nämlich kein Kindergeburtstag.
Die unvermeidliche Folge dieses nicht enden wollenden Blutflusses ist ein nicht enden wollender Wäscheberg. Nun weiß man ja, dass jeder Geschichtenschreiber seine Geschichten mit kleinen handwerklichen Tricks appetitlicher macht, niedliche Katastrophen einbaut, Stolpersteine, über die das handelnde Personal straucheln muss, retardierende Elemente, die nach dem Hoffnungsschimmer direkt in die Endkatastrophe führen – all das braucht der Geschichtenschreiber des Blues nicht, weil in dieser Zuchtstätte der Running Gag quasi eingebaut ist. Wer die früheren Aufzeichnungen gelesen hat, kann sich vielleicht an die Auseinandersetzungen mit der zickigen Waschmaschine erinnern, just in dem Moment, wo sich die Wäsche babybedingt schulterhoch türmt und immer weiter wuchert, schneller als die Wascheinheiten im Keller arbeiten können. Und dann der traditionelle Stillstand, summ summ summ, Machinchen summ herum. Ihr habt es geahnt: die Maschine, mutmaßlich gewerkschaftlich organisiert, stellt ihren Dienst nach etwa acht Stunden Dauerbetrieb ein. Summ summ summ… Nun ist die Kellerassel des Blues zwar schon erfahren in den einschlägigen Handgriffen, aber diesmal will der dienstbare Ungeist nicht so recht, läuft zwar immer wieder an, auch zu Ende, verweigert aber bei der nächsten Ladung wieder ihren Dienst. Das liegt daran, dass sie sich neuerdings entschieden hat, von einem leicht und dauerhaft zu lösenden Verstopfungsproblem auf ein elektronisches umzusteigen, das zuverlässig nach 30 Minuten die Maschine zum Summen bringt und nur durch eine kleine Notoperation behoben werden kann. Man hat ja sonst nichts zu tun! Wenn man jetzt eine gute, alte Waschküche hätte, mit einem guten, alten, riesigen Waschkessel, Feuer drunter und nach mir die Sintflut. So aber sieht man sich gezwungen, den Fortschritt auf Knien zu überwinden, Knie, die schon Wasserschäden aufweisen. Das sieht sehr nach einer Trennung aus. C’est laver…
Wer jetzt glaubt, die Kellerstory sei schon fertig erzählt, der irrt, denn dann wäre es ja keine Geschichte, wäre ja alles schon bekannt und bestenfalls nur aufgewärmt. Nein, so uninspiriert ist keine Bluesgeschichte. Wir haben jetzt nämlich auch noch einen gewerkschaftlich organisierten Trockner! Der stellt auch seine Dienste ein. Da kannst du rein schmeißen, was du willst, es kommt nach drei (!) Stunden genauso nass wieder raus. Jetzt wünscht man sich einen guten, alten Trockenboden oder die gute, alte Bleichwiese, am besten bei 30° Außentemperatur. So aber gleichen die Hallen des Blues einer Wäscherei und Heißmangel. Ob wir dem Trocknerspuk auf die Schliche kommen, ist noch nicht ausgemacht. Fürs erste setzen wir auf einen nachlassenden Blutfluss bei Franzi. Bis allerdings die Berge von Pinkeltüchern anfallen, wenn die Fieslinge Küchenfreigang haben, sollte irgendeine Lösung gefunden sein, eine Loslösung vom Trockner kommt nicht in Frage, dazu hat er noch nicht genug Dienstjahre auf dem Buckel. Spannende Zeiten allenthalben.
Zurück zu unserer Wöchnerin. Sie ist in einem sehr erfreulichen Zustand, obwohl die Spuren des Vortages natürlich nicht zu übersehen sind. Vor allem hat sie wenig Appetit. Wichtig, wie schon erwähnt, ist, dass sie ohne Fieber aus der Sache kommt und dass sie keinen Durchfall bekommt. Die Nachgeburten, die sie verspeiste - wie viele es waren, haben wir nicht sehen können, weil manches hinter ihrem und unserem Rücken geschah - sind wahre Eiweißbomben, die normalerweise einen richtigen Hydrantenstuhl zur Folge haben. Dem begegnen wir mit dem in allen Würfen bewährten Podophyllum, und bisher ist Franzi in dieser Hinsicht absolut stabil. Wir geben ihr, trotz ihrer eifrigen Bluterei, Metrovetsan, was sich auch immer bewährt hat, um sicher zu gehen, dass wirklich alles aus Franzi geschwemmt wird, was nicht in sie hinein gehört. Lieber Blut und Sabber als eine Sepsis und Infektionen. Arnica-Globuli bekommt sie auch, um die Heilung all der vielen Traumata in ihren Gebärwegen zu unterstützen. Dazu kommt Frubiase-Calcium, damit sie nicht wegen der Laktation in einen lebensbedrohlichen Kalziummangel läuft. Von unserer Ernährungsberaterin haben wir noch Stillkräuter bekommen, die wir ihrem Futter beimischen (weil sie sie als Tee verweigert), um die Milchproduktion zu fördern. Das ist bei einer so gewaltigen Geburt nicht falsch, denn ein bisschen scheint Franzi an dieser Baustelle etwas im Verzug zu sein. Gestern Abend hatten alle zusammen 150 Gramm abgenommen, was nicht schlimm ist, aber darauf hin weist, dass Franzi noch nicht auf volle Produktion umgestellt ist. Und da sie heute auch nicht so richtig ans Futter will, fehlen ihr natürlich die Briketts, die sie braucht, um elf Gierschlünde abzuspeisen. Aber das kommt noch, da haben wir keine Sorge.
Noch haben wir kein Wort über die Rolle unserer Großfürstin Anouk seit Beginn der Geburt verloren. Das ist schnell erzählt. Nachdem sie als Erste gerochen hat, dass es los geht, war sie schwer zu beruhigen: Geburten sind ihre Zuständigkeit, da kennt sich keine so gut aus wie sie. Typisches Verhalten des Seniorchefs, der nicht sehen will, dass der Nachwuchs aus den Windeln gewachsen ist. Weil sie dann mit ihrer langen Nase allzu vordringlich wurde und zu allem ihren Senf liefern musste, haben wir sie ausgesperrt; da saß sie dann wie der Löwe über der Einfahrt zum Lindauer Hafen, stundenlang und unverrückbar hinter der Glastür, drehte den Kopf und kurbelte mit den Ohren, damit ihr nichts entgehe. Wir haben sie
dann später wieder in den Kreißsaal gelassen und sie hat eingesehen, dass sie nicht gebraucht wird, in ihr Kuddebett geschmissen und trotzig geschlafen. Irgendwann fordert die Natur eben ihren Tribut, geschlafen hat sie gestern kaum, da fallen die Augen schneller zu, als der gebotenen Wachsamkeit angemessen wäre. Aber dann, nachmittags, als Franzi einen kurzen Pinkelausgang zur Wiese machen durfte und der Chef die Schnullerkiste auf Vordermann brachte, war sie blitzschnell zugegen und stöberte hastig mit ihrer langen Nase wie eine Hexe mit dürren Fingern im Auslagerungskörbchen herum, in dem die Kleinen den Zimmerservice abwettern mussten: tarieren, studieren, sortieren, die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen, franziskanisches Mittelmaß, nun ja, so schlecht auch wieder nicht, aber da ein weißer Fleck, dort zu wenig Farbe, hier natürlich zu viel Farbe, kein Verlass auf die jungen Burschen mehr heute, und da!, der blonde Knirps mit einer Feder auf dem Kopf, shocking! – Anouk hau jetzt ab und denk an deinen Albin, ja, der mit dem weißen Fleck auf der Birne, na? – ok, ok, geh ja schon, hätt‘ wirklich schlimmer kommen können. Jetzt mach dich vom Acker, wenn Franzi kommt, musst du hier nicht mehr herum klauben. Sie ist eben ein Muttertier, wie alle Muttertiere. Aber das Herz hat sie am einzig richtigen Fleck.Die Nacht beschert der Chefin, die natürlich weiterhin im Wohnzimmer nächtigt, einen unruhigen Schlaf. Franzi macht herum, sortiert ihre Kinder, beschwert sich, wenn nicht die gewünschte Anzahl bei ihr liegt, tippelt heran, macht Meldung, will, dass ein Machtwort gesprochen wird und die pflichtvergessenen Säuglinge angelegt werden (im Gegensatz zu Anouk trägt sie ihre Kinder nämlich nicht). Sie will in den Garten, um zu pinkeln, sie will in den Garten, um zu kacken, sie will in den Garten nur zum Stöbern, sie will in den Garten, um am Terrassenbecken zu trinken und wenn sie endlich wieder in der Kiste liegt, verspeist sie laut schmatzend eine neue Nachgeburt .Wie viele hat die denn? Da soll man sich wundern, dass der Hund keinen Hunger hat. Aber so lange alles gesund ist….
Montag, 14.11.2011
Franzis Blutungen lassen langsam nach und die vergangene Nacht war, sehr zu Frauchens Freude, deutlich ruhiger. Franzis Rektaltemperatur liegt bei 38,65° und befriedigt somit alle Wünsche. Ihre Wünsche befriedigen wir in Form eines Stückchens Leberwurstsemmel, welches allerdings Anouk einklagt. Die Morgenrunde geht heute nicht mehr ohne Franzi! Zwei Tage nach der Monstergeburt besteht sie auf einen, wenn auch kleinen, Spaziergang. Nebel liegt über dem Mangfalltal, das Thermometer rutscht knapp ins Minus, es ist ein Tag ganz nach Franzis Geschmack. Der Spaziergang ist nicht länger als einmal um die Hauswiese, also mit Morgentoilette und Mäusewacht bei low speed und gerade mal zehn Minuten. Der Ball bleibt in der Tasche, weil sie noch nicht wieder so richtig stabil auf den Beinen ist, Muskelkater hat und alle Knochen, Bänder und Sehen steif vom Herumliegen sind. Natürlich hat sie auch noch Leibschmerzen, aber so etwas stört einen fidelen Hund nicht: Hauptsache, mit Frauchen und der Großgöttin Anouk hinaus ins Land. Da freut sich nicht nur Franzi, sondern auch Anouk geht das Herz auf, die, obwohl sie die Umstände als Wöchnerin kennt, nur schwer mit einer reduzierten Franzi umgehen kann, da leidet sie insgeheim mit und macht sich Sorgen. Frauchens Morgenstimmung muss erst gar nicht gesondert beschrieben werden. Und heute kommt Franzi zum Abräumen des Frühstücks aus der Kiste gewackelt, die alten Routinen stellen sich wieder ein und werden wieder wichtig. Wer so viel Hunger hat, hat jedes Recht der Welt, nachzusehen, ob nicht ein Stück Käse oder Wurst entbehrlich wäre, die Frühstücksentsorgung ist so zu sagen, die Tafel des Bairischen Blues. Franzi, wir hätten dir deinen Anteil in die Kiste gebracht, aber nein, das normale Leben nimmt wieder Fahrt auf.
Heute hat Franzi allerdings einen Mordsappetit; die Qualen der Geburt verlieren langsam ihren Schrecken. Neben einem Becher Hüttenkäse und Welpenmilch zum Frühstück verspachtelt sie noch ein ganzes Kalbsherz (ca. 650 g) und mehrere Hände voll High Energy Trockenfutter für Junghunde. Ob das dem heutigen Weltdiabetestag angemessen ist, sollen andere beurteilen; unser Franz hat Hunger! Unsere Franzi hat elf Milchegel am Bauch hängen, die sich zwar schon nahezu perfekt umschichtig an der Bar organisieren, aber deswegen nicht weniger aus ihr heraus lutschen. Die Fieslinge haben zwar gestern noch immer nicht sehr viel zugenommen, mancher sogar etwas abgenommen, was kein Beinbruch ist, aber wir sehen daran sehr deutlich, dass diese Geburt Franzi massiv zugesetzt hat. Jetzt hat sie wieder richtig Schmacht und sie bekommt, was sie verträgt und dann werden die Gewichte schnell nach oben rauschen. Bei allen bisherigen Würfen haben wir Anouk und Franzi nach unserem Gefühl und den erkennbaren Bedürfnissen der Hündinnen gefüttert – und wir sind damit gut gefahren. Anouk und Franzi haben allem Anschein nach keinen Mangel gelitten und die Welpen haben auch nie irgendwelche Mangelerscheinungen gezeigt, weder als Kleine noch als Erwachsene. Sehr viel können wir also nicht falsch gemacht haben. Diesmal wollen wir es aber genau wissen und holen uns externen Rat. Schon die Trächtigkeitsphase haben wir von unserer lieben Freundin Dr. Dagmar Nagel begleiten lassen, die eine ausgewiesene Ernährungsfachfrau ist und uns sehr exakt Franzis Bedarf auf wissenschaftlicher Basis errechnet hat. Das machen wir jetzt weiter und sind dann schon erstaunt, auch wenn man die Dinge im Gefühl hat, wie sehr sich die Bedürfnisse einer Hündin in dieser Phase verändern. Dass beispielsweise der Kalziumbedarf stark nach oben geht, kann man sich denken, ohne deswegen Anspruch auf den Nobelpreis erheben zu müssen, dass er sich aber vervierfacht, dürften nur wenige wissen: uns hat das in dieser Höhe jedenfalls überrascht. So wachsen die Fieslinge mit ihrer Fischerin quasi unter wissenschaftlicher Obhut heran. Dazu passt, dass wir heute eine weitere Kotprobe von Franzi verschickt haben, um die Studie über die „Verwurmung von Saugwelpen“ nicht ins Stocken geraten zu lassen.
Frau Fischer und ihre frischen Fritzen interessiert das recht wenig, Hauptsache die Quelle versiegt nicht. Franzi tut alles dafür, dass das nicht passiert und liegt unverdrossen in ihrer Franzensfeste und produziert Vorzugsmilch, was offenbar nicht jeden der Fieslingsfritzen gleichermaßen zufriedenstellt.
Felix ist beispielsweise the leader of the pack, nicht wegen seiner Führungseigenschaften, sondern wegen seiner Lautstärke; Felix quasselt und nölt, wenn er nicht gerade schläft, was eher selten vorkommt, weil er seine Stammzitze ungern abgibt. Dabei nimmt er gar nicht zu, was darauf schließen lässt, dass er den Schnabel fest um seine Zitze schnullert und dort schläft, wie ein deutscher Strandtourist auf Malle, der seine Handtücher morgens um vier Uhr auslegt und dann mit Selbstschussanlagen umbaut. Da sind wir ja mal gespannt, was aus dem Wunschbubi, dem Königstiger mit der Feder auf dem Kopf, noch wird.
Fianna ist dagegen äußerst schweigsam und ebenfalls sehr thekenresident, weshalb sie zusammen mit Franca den größten Gewichtszuwachs zu verzeichnen hat, immerhin 30 g. Und einen richtigen Stiernacken hat die Schwarze Queen und eine scheinbar unbändige Kraft: wenn man sieht, wie sie an Franzis Tankstutzen zerrt, den ganzen Körper krümmt und als Zuggewicht einsetzt, dass der Nacken schwillt, dann schaut man schon mal ins Internet, um nach einem Ersatzteillieferanten für abgezuzelte Hovawartzitzen zu googeln.
Franz ist der, der die Milchbar zur Kenntnis und sich zur Brust nimmt, aber auf einen baldigen Wechsel zur Bierbar setzt. Franz ist Franz, ein bayerisches Urviech, unvertreibbar, unumstößlich, rund und xund und jetzt schon Frauchens Liebling.
Fine ist dagegen eine Zarte, etwas Verhuschte, die jedoch als Erste auf Menschenkontakt aus ist; als die Chefin sich heute in die Schnullerbox setzt, kommt Finchen daher gewackelt, quietscht und legt sich ihr ans Bein, um zu schlafen. Satt wird man davon nicht, aber Herzen bricht man so.
Die anderen befinden sich noch im konturlosen Grau des Saugwelpen, fallen nicht auf, aber auch nicht ab, sind da und von uns allen wohl gelitten und geknutscht. Sie werden noch früh genug die ihnen angemessenen Lebenszeichen senden. Daran haben wir keine Zweifel.
Dienstag, 15.11.2011
So langsam stabilisiert sich die Gewichtsentwicklung; außer Franca, die 20 g abgenommen hat, sind alle stabil oder auf dem ansteigenden Ast. Besonders tun sich Fetzer Junior und Ferdi mit 30 g hervor und natürlich Fanni mit 40 g. Die drei zusammen belegen 100 der 170 g Zuwachs. Wir sind da gelassen und stellen fest, dass Franzi bei ihrem ersten Wurf, der sie auch mächtig geschlaucht hatte, ebenfalls schwer in die Milchgänge gekommen ist, beim zweiten dagegen sehr schnell, und der war von der Wunschtraumsorte, nach sechs Stunden alles vorbei, keine Komplikationen, keine übermäßigen Qualen, da schaltet man schon schneller von interner auf externe Versorgung um. Uns ist wichtig, dass Franzi wohlauf ist, ihr Blick ist klar, sie ist schon wieder mit allen Ohren und Augen unterwegs, damit ihr nichts entgeht, die Temperatur ist morgens mit 38,95° etwas höher als gestern, aber immer noch im tiefgrünen Bereich, die Blutungen haben wieder etwas zugenommen und sind etwas heller als die letzten Tage, womit allem Anschein nach jetzt die Geburtsrückstände draußen sind und das hier das ganze normale Nachbluten nach einer langen und beschwerlichen Geburt ist. Durchfall hat sie auch immer noch keinen und heute Morgen besteht sie darauf, eine richtige kleine Morgenrunde mit zu gehen, zwanzig Minuten, immer noch ohne Ball, weil sie den im Nebel sowieso kaum sehen könnte, und schon deutlich beweglicher als gestern. Es sieht einfach gut aus, wie es im Augenblick läuft.Nur die Sache mit der Waschmaschine und dem Trockner läuft immer noch nicht so, wie sie laufen sollte, das heißt, das Wasser läuft gelegentlich, aber auch nicht so, wie es vorgesehen ist, nämlich nach draußen, anstatt drinnen zu bleiben. Der Herr des Blues, allein zu Haus, pendelt zwischen Schnullerbox, Futterschüsseln, Hundedusche (für Franzis Hintern) und Waschkeller – und soll auch noch all das aufschreiben… Da trifft es sich vortrefflich, dass wir heute den “Internationalen Tag der Autoren hinter Gittern“ feiern; der Chronist des Blues ist ein solcher und er klagt an. Er klagt den Kindsvater an, der sich nicht mäßigen wollte, er klagt die Kindsmutter an, die sich gegen das Unmaß nicht stemmen wollte, sondern nur gegen den rammelnden Kerl, er klagt die Firma Bauknecht an, die ihn zum Knecht ihrer wurmstichigen Produkte macht (der Trockner ist anderthalb Jahre alt!), er klagt sich das klagende Herz von der Seele und schreibt seine Klage auf – und schon schwingt er mit stiller Freude den Schraubenzieher, kniet fröhlich pfeifend im Schleuderwasser, verteilt wie ein launiger Kurator halbfeuchte Bettwäsche in den Hallen des Blues, segnet die dadurch gestiegene Luftfeuchtigkeit, ach, wie freudig er sich in die Kiste faltet und entlaufene Kinder einsammelt und der nörgelnden Mutter anlegt – Writers-In-Prison-Day; es kommt alles aufs Gefängnis an…
Franzi ist’s gleich, solange der Service nicht nachlässt. Sie hat auch heute wieder einen unbändigen Hunger, haut zweimal eine Schüssel Welpenmilch mit Rahmquark weg, zwei Hühnerbrüste und mehrere Hände Trofu. In diesem Stadium kriegst du eine laktierende Hündin nicht satt. Dabei ist sie knochentrocken wie ein Stockfisch.
Allerdings kommen mit der Normalisierung der Grundbedürfnisse auch die Unarten des Mamaprogramms hoch: Franzi entdeckt irgendwo im Haus einen ihrer Lieblingsquietschies und der quietscht jetzt ohne Punkt und Komma und muss nach Fortezza, die Fischers Fritzen zu beglücken, obwohl die nichts hören; es ist nicht auszuhalten. Der Quietschie kommt wieder weg, sie ahnt, wohin er gegangen ist und rettet ihn, und er quietscht wieder – jetzt ist er im Keller beim quietschenden Trockner. Weil nun das Quietschteil weg ist, quietscht Franzi mit Bordmitteln, sie randaliert herum, jumst und summst und fiemt und quengelt, immer wenn ihr an der Platzverteilung ihrer Kinder oder die ganze Richtung nicht passt. Wenn sieben an ihrem Bauch liegen, beschwert sie sich, dass ein ganz bestimmter, die Nummer acht oder zehn, nicht da liegt, wo er ihrer Meinung nach liegen sollte, der will aber schlafen, egal, er soll trinken, es ist ein ständiges Gequatsche und Gepfeife in Box. Warum ruft eine Hündin ihre fünf Tage alten Kinder, wo sie doch wissen müsste, dass die nichts hören? Vielleicht reagieren die ja auf Mundgeruch? Dazu müsste sie aber nicht vokalistisch tätig werden, das ginge auch stumm, weil Mundgeruch hat sie wegen der vielen verkackten Ärsche, die sie pflegt, einen recht strammen. Vielleicht reagieren sie auch auf den Wärmehauch? Oder sie reagieren einfach auf gar nichts, und danach sieht es aus. Wahrscheinlich ist dieses empfängerlose Quasseln so sinnvoll wie die Standardaufforderung einer Mutter an ihr herangewachsenes Kind, nicht so spät nach Hause zu kommen. Ja, sicher…
Mittwoch, 16.11.2011
Draußen liegt Nebel und drinnen Franzi, gesund und munter mit elf Fieslingen. Alles ist bestens, die Temperatur wieder gesunken, kein Durchfall und die Zwerge haben erstmals richtig zugelegt, nämlich 430 Gramm alle zusammen. Die Laktationsdiät der vergangenen Tage hat also angeschlagen. Frau Franca Fischer 30 g (550), Frenzy 30 g (550), Flori 60 g (580), Fetzer jr. 50 g (640), Fine 40 g (530), Fianna 30 g (620), Franz 40 g (680), Fado 30 g (600), Fanni 30 g (540), Felix 50 g (600) und Ferdi 40 g (590). Da kann man nicht meckern.
Nur Franzi bleibt gerade auf der Strecke, gewichtsmäßig nur, aber unübersehbar. Sie sieht schon jetzt sehr ausgelutscht aus, die Haare gehen ihr aus, überall liegen verfilzte Wollmäuse herum. Wenn man sie durchkämmt, fragt man sich, wo das noch enden soll, aber das, was an Fell bleibt, ist glänzend und speckig und zeugt davon, dass Franzi gut drauf ist. Wie gut es ihr schon wieder geht, zeigt sie beim Morgenspaziergang, wieder die 20-Minutenrunde, aber heute mit Ball, ein bisschen Ball nur, aber eben Ball: Der ganze Hund strahlt und wedelt.
Warum aber versucht Franzi jetzt, Löcher im Garten zu graben? Als Wurfnest wäre das zu spät. Wie eine Besessene treibt sie ihre Nase im hintersten Gartenwinkel in die Erde, assistiert von fliegenden Grabbeinen. Was soll das. Mäuse sucht sie hier sicher nicht. Will sie hier ihre Fieslinge entsorgen? Die sind aber quietschfidel. Und Essbares für schlechte Zeiten hat sie auch nicht dabei, keinen Pansen, keinen Knochen, noch nicht mal ein Quietschie oder ihren Ele. Vielleicht weiht sie uns ja mal ein, im Augenblick sind wir etwas ratlos. Heute ist der erste Administrationstermin für Fischers Fritzenbande: Erstabnahme durch die Zuchtwartin. Dabei geht es sehr entspannt zu, weil es in der Tat keine einschneidenden Mängel gibt, keine geknickten Ruten, keine gebrochenen Näbel, keine Tigerstreifen (noch nicht mal bei unserem blonden Königstiger Felix), keine Afterkrallen, also nichts, was die Aufmerksamkeit der Heiligen Zuchtaufsicht besonders negativ erregen würde. Ein weißes Fleckchen hier, zwei weiße Flecken da, künstlerisch wertvoll nennt sie das , was Franz da als Orden trägt, nein, sie ist begeistert von Franzis Elferrat, schöne Köpfe,
tiefes Schwarz, das Blond etwas dunkel, aber noch in beide Richtungen ausbaufähig, nur bei Frenzys Brustfleck gehen ihr die Worte aus: wie breit ist der? … halber Zentimeter oben? … ach was! Nie und nimmer! … aber nach unten spitz zulaufend … ja schon, aber nicht gleichmäßig, eher gezackt, unten dolchähnlich… Wir erlösen sie und schlagen „Gletscherspalte“ vor. Bingo, Gletscherspalte!. Frosty Frenzy trägt jetzt also eine offizielle Gletscherspalte auf der Brust. Mit Daxis brustfüllender Friedenstaube, die einst ein schmuckes Busentuch war, kann sie allerdings nicht konkurrieren, die bleibt unschlagbar. So geht der Tag gut gelaunt dahin und beim Abendessen gesellt sich Franzi sogar erstmals wieder zu uns. Und draußen schnattert und schnabelt es.
Donnerstag, 17.11.2011
So, jetzt geht das also los! Der erste Ausbrecher ist zu vermelden, wenn auch Ausbrecher wider Willen. Beim morgendlichen Wiegen kommen die Gewogenen in das kleine Aussiedlerkörbchen, erstens damit man nicht ständig die Ungewogenen aus den Gewogenen heraus sortieren muss und zweitens, weil dann am Ende alle zusammen sind und die Schnullerbox gereinigt und eingedeckt werden kann. Während der Wägeaktion steht das Körbchen noch in der Kiste, und heute denkt sich Franz, der mit dem sonnigen Gemüt, den künstlerisch wertvollen Fracktupfern und Frauchens Liebling, jener Franz also denkt sich, dass jenseits dieser Körbchenwand doch auch noch eine Welt existieren müsste, und wenn diese nur aus einer saftigen Zitze bestehen sollte, was dann allerdings so ziemlich die beste aller Welten wäre. Also steigt er einer seiner Schwestern ins Kreuz, hebt sein Haupt über den Weidenrand, stemmt sich über die Barriere, zieht und drückt, kriegt das Übergewicht - und purzelt kopfüber in den direkt vor der Kiste stehenden Wassernapf. Platsch! Ja, er lebt noch, beide leben noch, der Franz und der Napf! Der Wassernapf ist zwar ziemlich voll, aber Frauchen steht direkt daneben und hebt den Badefritz aus der Taufe. Wir taufen dich auf den Namen Franz von Wassisi. Da fragt man sich, woran man noch alles denken muss, wenn man einen solchen Haufen Grobmotoriker beherbergt. Der Napf steht jetzt dort, wo sie sich frühestens in drei Wochen wieder selbst versenken können.
Nachmittags, als Franzi mit Anouk und Frauchen von ihrem Spaziergang nach Hause kommt, folgt der Beweis, dass dieses Körbchen nur noch eingeschränkt tauglich ist. Wieder liegen die Fieslinge im Körbchen, weil Herrchen noch schnell die Kiste aufgebretzelt hat. Das Körbchen wiederum steht in der Kiste und sein Inhalt wartet auf Mama; da kommt die Mama, legt sich in die Kiste und ruft zur Happy Hour mit Milkshake, und eh wir richtig hinschauen, sind schon fünf von dieser Bande auf und davon und über den Korbrand und prosten sich zu. Die restlichen sechs schlafen weiter oder lassen sich zur Happy Hour vom Personal begleiten. Aus Kindern werden Leut‘! So schnell geht das.
Wenn wir uns die Gewichte der Fieslinge anschauen, wundert es wenig, dass sie allmählich das nötige Irxenschmalz haben, um sich über das Körbchen zu hebeln. Was, wie? Irxenschmalz? Kennt wieder mal keiner. Irxenschmalz ist bayerisch, also richtig echt bayerisch, oberbayerisch, und bedeutet Muskelkraft, vor allem in den Armen und Schultern. Hammer wieder was g’lernt. Dazu sind wir auch da. Also zurück zu den Gewichten. 580 Gramm haben
die Elf gestern aufgeladen, den Vogel hat dabei Fetzer Junior mit 90 g abgeschossen, aber unter 50 g ist kaum einer geblieben. Franzi ist also voll im Soll (oder heißt das heute „im Vollsoll?), egal, wenn es so weiter geht, sind wir rundum zufrieden und Fischers Fritzen bald rundum rund. Heute, und das lässt uns unsere Stirnen ein wenig in Falten legen, haben allerdings Franzi und Anouk Durchfall, und zwar, ohne dass wir eine Ahnung haben, woher der kommen könnte. Wenn sie irgendeine Futterunverträglichkeit haben sollten, soll es uns recht sein, das geht, wie es kommt, aber man hört, dass da etwas durchs Land zieht. Das fehlte uns noch. Dagegen wären die Schrottmaschinen im Keller nichts als Peanuts.
Freitag, 18.11.2011
Heute darf Franzi wieder die große Morgenrunde mitgehen, je nach Variante 45 bis 60 Minuten, heute sind es noch die reduzierten 45 min. Franzi schwänzelt und tänzelt und ist voll glücklich, wir finden das voll geil und ihre Kinder wahrscheinlich voll krass. Hauptsache, Franzi ist anschließend voll Milch. Für sie ist aber noch ganz etwas anderes wichtig: ihr Elefant, den holt sie sich nach Fortezza als Beistand gegen die ewig saugende Brut.Der Durchfall ist wieder weg, bei Franzi und Anouk, aber er wirkte gestern als Spaßbremse und sorgte bei den Fieslingen für eine Speckbremse. Alle zusammen haben nämlich nur 270 Gramm zugenommen, dabei zeigt sich ein erstaunlicher Effekt: die auf der Zeitachse vorne liegende Hälfte schwächelt und die „Nachgeburten“ zeigen sich unbeeindruckt, konkret heißt das Fianna nimmt 20 g ab (das schadet der nichts!), Frenzy, Flori und der Junior legen 10 g zu, Fine 20 g, ebenso der vorletzte Felix, aber der dicke Franz legt 40 g drauf und die Nachzügler Fado, Fanni und Felix alle 50 g. Kann es sein, dass die erste Hälfte der Fieslinge Hasen sind und die zweite Hälfte Skorpione? Oder sind die Fetten die samstags gezeugten und die Schmalhanse die montags produzierten? Die Welt ist voller Rätsel.
Wenig rätselhaft, dafür einfach nur traumhaft ist das Wetter; nachts sinkt das Thermometer auf -5° und tagsüber strahlt eine eisig klare Sonne vom blanken Himmel. Welch ein Herbst, und wo es schön ist, ist auch unsere Doosie nicht weit. Sie kommt uns heute besuchen und kann es gar nicht erwarten, mit ihrer heißgeliebten Mama Franzi einen ballfidelen Spaziergang zu machen. So langsam kommen für Franzi die Dinge wieder in Schwung. Mit den Halbgeschwistern in der Box hat es Doosie dagegen eher weniger, da hält sie Abstand, obwohl sie schon viel gelassener ist als bei ihren Halben vom E-Wurf, als sie sabbernd und trielend am liebsten Reißaus genommen hätte, gerne bis Timbuktu und drüber hinaus. Was treibt einem erwachsenen oder fast erwachsenen Hund beim Anblick von Saugwelpen immer wieder den Schweiß auf die Stirn? Die Welt ist voller Rätsel – uups, das hatten wir wohl schon…
Samstag, 19.11.11
Heute rutscht das Thermometer noch eine Treppe tiefer, auf – 6°, und der Himmel ist noch eine Spur brillanter. Man ahnt, dass dahinter eine kleine Bosheit des Himmels stecken könnte, der sich vom Stammpersonal des Blues vermutlich nicht immer angemessen behandelt fühlt. Diese kleine Bosheit könnte zum Beispiel darin liegen, dass man die Welt in Gold und Azur taucht, solange die Dämchen und Herrchen rund um Frau Fischer noch in der Kiste pofen und dann mit aller Perfidie runter schmeißt, was zu schmeißen ist, wenn die Knirpse auf Ausgang programmiert sind. So wird es wahrscheinlich kommen. Aber warten wir mal ab.
Weil wir aber dennoch diesem glitzernden und gleißenden Herbst nicht abhold sind, darf Franzi wieder auf die lange Runde, hinaus in das reifbedeckte Gras, sich rollen und kugeln, bis sie aussieht wie ein verkohltes Vanillekipferl.Aber auch jenseits der langen Spaziergänge nimmt sich Franzi jetzt wieder ihre Auszeiten, liegt mal draußen im neuen Anbau, bei uns unterm Tisch, stapft mal wieder nach oben, um Frauchen im Arbeitszimmer Gesellschaft zu leisten – sie gönnt sich wieder was, ist aber jederzeit für ihre Kinder zur Verfügung, schließlich müssen die Tanks geleert werden.
Nach der Durchfall-Rezession ist die Speckrollenparade jetzt wieder in der Spur: 490 Gramm sind aller Ehren wert. Einen mittelschweren Schock erleidet die Chefin allerdings beim Wiegen, als sie zur Kenntnis nehmen muss, dass Fianna 50 g abgenommen hatte, das ist auch bei diesem Bohrhammer an den Zitzen kein Faschingsscherz, da wird es ihr sehr warm uns Herz, aber nicht vor Freude. Nochmal wiegen: das gleiche Ergebnis. Aber dann, der erlösende Moment, der allerdings das durchgeschwitzte Nachtgewand auch nicht mehr rückgängig machen kann: sie hat Fianna mit Franca verwechselt! So was passiert sogar dem qualifiziertesten Personal, wenn das Sandmännchen noch mit von der Partie ist. Es ist also kein Drama in Fortezza zu vermelden, nur Dormo, der Schlaftrunkene, hat sich eine kleine Nebenrolle ergaunert.
Allerdings zeigt sich bei Franzi heute wieder etwas Durchfall (Anouk ist beschwerdefrei), da kann es dann sein, dass statt Dormo jetzt das Darmolmännchen eine kleine Rolle bekommt.
Eine Hauptrolle erkämpft sich Fine heute, die kleine Blonde. Sie kraxelt nämlich auf Mamas Nase, die an der zehn Zentimeter hohen Bordwand im Einstieg zur Kiste liegt und, man ahnt es schon, purzelt holtedipolter über die Bordwand in die Wüstenei der Küche. Da liegt sie, krält ein bisschen, ist aber nicht wirklich entsetzt, nur zittern tut sie, was aber vielleicht auch vom im Verhältnis zur Kiste recht kalten Fliesenboden kommt. Mama dreht den Kopf ein wenig, um aus den Augenwinkeln die weitere Entwicklung dieses Fauxpas zu verfolgen, macht aber keine Anstalten einzugreifen. Dafür hat man Personal. Das Kind wird wieder zurück gebracht und der Mutter an die warme Brust gelegt, Fine.Wir melden somit auch das Fine der ersten Woche von Frau Fischers Fritzen, die sich bisher so gar nicht als Fieslinge erwiesen haben. Es ist kein Zufall, dass Finchen heute aus der Kiste geplumpst ist: die Bande legte in dieser Woche kräftig zu, die Beinchen sind proper und stämmig, am stämmigsten sind Fiannas, aber auch Fines Strampler reichen aus, um die Welt schon jetzt auf eigenen Beinen in Augenschein zu nehmen. Das geht noch sehr unbeholfen und ist noch nicht als Fortschritt zu bezeichnen, eher als Forttaumler, aber die Übungen werden mit vollem Ernst praktiziert und wir geben uns noch maximal zwei Tage, bis wir die kleine 10-cm-Barriere der Box gegen die doppelt so hohe auswechseln müssen. Auch die Pigmente sind mächtig im Kommen und die ersten fangen schon an, die Embryo-Schlafstellung zugunsten einer eher relaxten, gestreckten Schlafhaltung aufzugeben. Wir sind im Soll und freuen uns auf die zweite Woche, die wir uns so sorgenfrei wie die erste wünschen.