Achte Woche von Frau Fischers Fritzen - So

8. Woche (01.01. – 08.01.2012)

Sonntag, 01.01.2012, Neujahr

8°C, immer wieder Regen, Schnee und Wolkenberge, ein unwirtlicher Neujahrstag.

Manchem wird ja schon beim Blick und Gedanken auf ein ganzes, langes, vor ihm liegendes Jahr flau im Magen, aber was sollen wir da sagen, vor denen nicht nur 366 Tage mit unbestimmten Ausgang liegen, sondern nur noch eine Woche mit sehr bestimmtem und unerfreulichem Ausgang, dem Ausgang unserer Fritzlein nämlich, von denen wir nicht lassen wollen. Wir haben sie wirklich alle ganz fest ins Herz geschlossen, so fest wie noch keine Kinder vorher. Es gab immer Welpen, zu denen wir keinen rechten Draht bekamen, die uns zwar lieb waren, das schon, aber nicht so teuer wie die meisten anderen. Diese elf Fritzen mit ihrer Frau Fischer sind unbezahlbar. Vielleicht macht uns die Tatsache, dass wir selbst eine dieser fünf jungen Damen adoptieren wollen, das Leben so schwer, weshalb unser Blick besonders geschärft und mit voraus eilender Liebe auf sie alle gerichtet ist. Man ist nicht unbefangen, sondern gefangen in den eigenen Wünschen und Erwartungen. Da fällt keiner durchs Sieb, auch nicht die Jungs, die von uns nichts zu befürchten haben. Nur ein Kandidat in der Todeszelle hat vermutlich eine ähnliche Panik wie wir vor dem Ende dieser Woche. Das Schlimme ist, dass diese Woche so voll gepackt ist, dass sie zu allem Überfluss auch noch wie im Flug vergehen wird. Als ob wir das bräuchten! Stehen bleiben soll sie, die Uhr, einrosten, einfach ihren Dienst einstellen – dann bliebe, erfreulicher Nebeneffekt, auch der 21. Dezember aus. Aber wer glaubt an so etwas? Eher wird man von einem verloren gegangenen Brotmesser aus der ISS aufgespießt, als dass die Zeit aufhört, dem Ende aller Dinge entgegen zu eilen. Wir müssen auf die Zähne beißen und hoffen, dass es ein Leben nach den Fritzen geben wird.

Natürlich erfahren solche Sentimentalitäten in der Realität immer wieder herbe Rückschläge, so etwa heute Morgen beim Anblick des Fritzenlagers. Eigentlich müsste es ja heißen: Anruch. Was die uns heute bieten, gleicht einer Verhöhnung unserer veröffentlichten Zuneigung. Der Herr denkt jedenfalls ernsthaft darüber nach, sich den Kotznerv operativ entfernen zu lassen, egal ob irgendeine Kasse dafür aufkommt oder nicht. Vor diesem Hintergrund zählt man die Tage wieder ganz anders! Die einen zählen, wie oft sie noch schlafen müssen, bis das Christkind kommt und der Herr zählt, wie oft er noch putzen muss, bis die g’schlamperten Christkindl gehen. Keine Frage: Diese Morgenlage macht den bevorstehenden Abschied leichter. Allerdings nur, solange der Mist stinkt und der Herr der Kloschüssel näher ist als die Rückstände der Fritzen.

An diesen Rückständen gemessen, müssten die Fritzen über Nacht eigentlich abgenommen haben, doch das liegt weit jenseits der Aussage unserer Waage: 2950 Gramm sind das absolute Top-Ergebnis seit es Fritzlein gibt. Da fragt man sich schon, woran so etwas liegt, an dem Trofu-Brei mit „Schokopops“ wird es sicher nicht gelegen haben, auch der Rest der Silvesterspeisen fiel keineswegs aus dem Rahmen. Es scheint wirklich so zu sein, dass zwei, drei Tage Anlauf genommen und gesammelt wird und dann bricht wieder so ein Tollhausergebnis heraus; fast drei Kilo! Und das liest sich dann so: Franz 7000 (+500), Felix 6460 (+240), Flori 6250 (+360), Ferdi 6000 (+360), Fado 5980 (+170), Fianna 5920 (+190), Fetzer jr. 5710 (+300), Frenzy 5580 (+200), Fanni 5560 (+360), Fine 5160 (+160) und Franca 4780 (+150). Da sollten sie heute ausreichend Bewegung bekommen, damit die Massen etwas durchgeschüttelt und aufgelockert werden.

Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so. Dem Wetter zufolge sind die Spielrunden heute von unterschiedlicher Intensität und Dauer, mal drinnen, mal draußen, entscheidend ist, ob das Wasser nur unten steht oder von oben fällt. Stehendes Wasser, das haben sie von Mama, sind wunderbare Badepfützen, spritzen vorbildlich beim Durchqueren und sind die ideale Ergänzung des Spielparcours. Fallendes Wasser ist so verzichtbar wie Wasser im Grog.

Flori mit dem Kalbsfuß
Flori versucht sich am Kalbsfuß
Wir mischen uns ein, indem wir ihnen den Gasfuß quasi ans Herz legen. Der schwarze Cento hat nämlich gestern als Mitbringsel einen richtigen, kompletten Kalbsfuß und einen Mordsknochen mitgebracht. Die verstecken wir nacheinander im Revier. Und dann geht‘s los. Der Kalbsfuß, der zuerst entdeckt wird und seinen Auftritt bekommt, legt schon in der ersten Viertelstunde vermutlich mehr Kilometer zurück als zu Zeiten, als noch ein Kalb an ihm hing, er ist heiß begehrt und ebenso umkämpft. Das Charmante ist, dass sie eigentlich nicht so recht wissen, was sie mit ihm anfangen sollen, weil der Huf unzerstörbar und das amputierte Bein mit einem stabilen Fell überzogen ist. Doch mit der Zeit kommen die Tüfteler und Ingenieure zu ihrem Recht und beginnen, das Fell von der Schnittstelle her zu knacken, zu schlitzen und zu zerschleißen, bis es nachgibt, sich
Rudelbildung am Kalbsknochen
Rudelbildung am Kalbsknochen
weitet, einem Fangzahn Raum bietet, von der Hinterseite angreifbar wird. Franca und Flori tun sich da, wie erwartet, hervor, wobei Franca kaum genug Zeit bekommt, ihre Ideen einzubringen, bis sie von ihren Mitessern verdrängt wird. Doch Flori macht schon seinen Schnitt. Es ist beeindruckend, wie selbstverständlich und ohne großes Strategiemeeting sie wissen, was zu tun und wo anzupacken ist. Aber es ist auch tröstlich zu sehen, dass unsere Fritzlein eben noch Kinder sind, die schnell die Lust verlieren, wenn das Ergebnis ihrer Bemühungen keinen zählbaren, bzw. fressbaren Erfolg zeitigt. Dann geht man wieder in den Pfützen plantschen. Oder macht sich über einen Kalbsknochen her, der plötzlich im Revier herum liegt. Dieser Knochen verspricht größere Beute, weil an ihm noch reichlich Fleischanhaftungen zu finden sind, die allerdings nur unter erheblichen Anstrengungen zu ernten sind. So soll es auch sein.

Franca mit ihrem Pansenstück
Franca zerlegt ihren Pansen
Am späten Nachmittag belohnen wir dann all die Mühen mit einem Stück ungewaschenen Pansen für jeden. Und jetzt zeigen sie im Nu das klassische Beuteverhalten und verteilen sich strategisch klug im ganzen Welpenparadies, damit jeder seine Ration in Ruhe genießen kann. Auch jetzt zeigen sich wieder sehr unterschiedliche Herangehensweisen; die einen zerlegen den zähen Lappen nach Plan, Quadratzentimeter für Quadratzentimeter, bis nichts mehr übrig ist. Der König in dieser Disziplin, und das hätten wir nicht erwartet, ist der Junior. Eigentlich hätten wir auf die Tiefbohrer und Ingenieure gesetzt – und dann hätten wir ein Vermögen verloren. Die meisten anderen zerlegen den Pansen, bis sie keine Lust mehr haben und glauben, man könne den Rest jetzt im Ganzen
Anouk und Franzi entgeht nichts
Anouk und Franzi sind jederzeit auf Augenhöhe mit dem Pansen
vertilgen. Da sind wir dann wieder gefragt, ihnen die Gummischläuche aus den Schlünden zu ziehen, damit sie nicht daran ersticken. Die geretteten Pansenstücke fallen unseren argusäugigen Damen zu, denen nichts von dieser Pansenschlacht entgeht und die offensichtlich jederzeit wissen, welcher Lappen hinter welchem Strauch oder Spielzeug zerwirkt wird.

Danach sind alle hin und kaputt – platt. Das war heute im Wortsinn Knochenarbeit, das geht an die Kraft und an die Ausdauer. Ob welche Muskelkater in den Kiefern haben? Flori hat jedenfalls abends Durchfall, und das schmeckt uns deutlich weniger als den Fritzlein der Pansen geschmeckt hat.

Flori vom Bairischen Blues
Flori
Flori, wenn wir ihn schon gerade erwähnen, ist noch immer der Flori von vor drei Wochen. Flori ist Ingenieur, wenn es Probleme zu lösen gilt, ansonsten ist er Charmeur. Noch immer ist Flori unser Schatten, liegt uns auf den Füßen herum und belastet unsere Arme, bis die Dehnfugen ächzen. Wie schon damals gesagt, ist an ihm offenbar nichts Böses und das ist so geblieben. Er sucht unsere Nähe, aber auch die seiner Geschwister. Und wenn diese Nähe zu nah wird und Ohrfeigen verteilt werden, ist Flori auch recht freigiebig. Er weiß sich seiner Haut zu wehren und haut zu, wenn er es nicht umgehen kann; dann aber herzhaft. Und er hat natürlich Grund, sich seiner Haut zu wehren: Flori ist nämlich einer unserer Schönsten, da muss man schon darauf achten, dass einem der Balg nicht gerupft wird. Tatsächlich hat Flori alles, was der Rassestandard für einen Rüden so vorsieht und das auch noch an den richtigen Stellen und im rechten Maß. Man müsste ihn eigentlich in Formalin legen und für die Nachwelt bewahren, den schönen, sanften Flori, aber dann würden wir ja nie erfahren, wie schön und unvergleichlich sich unser Flori noch herauswächst, und das wäre unverantwortlich. A so a scheener Bua gehört hinaus in die Welt, in die Betten der Welt, zu die Madln mit die feschen Wadln und nicht in die Vitrine! Allerdings sollte er bis dahin seinen Durchfall unter Kontrolle bringen.

Achte Woche von Frau Fischers Fritzen - Mo

Montag, 02.01.2012

Halbe Kraft voraus, zumindest, was die Fettstatistik angeht, halbe Kraft im Vergleich zu gestern. Wir erinnern uns: 2980 Gramm hatten wir gestern. Und heute? 1460 Gramm. Ein Pansen allein macht halt doch kein Prachtexemplar, wenn man sich sonst von unbesiegbaren Knochen am Leben halten soll. Man könnte meinen, sie hätten sonst den ganzen Tag nichts bekommen. Aber offensichtlich haben wir wieder so einen Diättag und außerdem hat Flori immer noch Durchfall und etwas abgenommen. So richtig auf die Fettpauke gehauen haben gestern nur einige wenige. Schauen wir mal etwas genauer hin. Franz war vielleicht der mit Kaumuskelkater und ist deswegen weit von seiner üblichen Form geblieben: 40 Gramm, in der Summe 7040. Felix hat offenbar die Chance gerochen und einen Aufholversuch mit 250 Gramm gestartet, was ihn aber auch nur auf distanzierte 6710 Gramm bringt. An den sieben Kilo hat er noch zu kauen. Dann klafft bereits eine Riesenlücke zu einem Fünferpack, das gerade die sechs Kilo gemeistert hat: Flori, trotz -70 Gramm mit 6180 noch auf dem dritten Platz. Dann Ferdi mit 6120 (+120), Fado 6110 (+130), Fianna 6040 (+120) und Fetzer jr. mit 6000 (+290). Und am Ende bleibt sowieso alles beim alten. Frenzy 5730 (+150), Fanni 5650 (+90), Fine 5320 (+160) und Franca 4960 (+180).

Franz vom Bairischen Blues beim Foto-Shooting
The Making of Franz
Egal, wie das Wetter ist, wir brauchen Fotos! Fotos für die Welpenordner. Immer in der letzten Woche steht uns dieses Ereignis ins Haus, weil wir natürlich möglichst aktuelle Bilder haben wollen, keine mit Bart aus der vierten Woche. Doch in dieser Jahreszeit tut man sich etwas schwerer mit den Wetterbedingungen, und weil der Terminplan sowieso voll ist, kann man auf eigene Befindlichkeiten keine Rücksicht nehmen, sondern muss raus, wenn die Bedingungen halbwegs passen. Minus 1° haben wir morgens, aber der Himmel ist uns gnädig und zeigt sich im Laufe des Vormittags immer wieder einmal von seiner freundlichen Seite. Also, nichts wie raus, einzeln, auf die Pinkelwiese um die Ecke, Welpe in die Wiese setzen, selber, keinen Matsch und Schlamm scheuend, ebenfalls auf die Knie und auf den Bauch – und Feuer frei. Über zwei Stunden beschäftigen uns unsere Kinder da draußen, bis wir die Fotos im Kasten haben. Bis auf Franz und Fanni sind wir mit den Bildern auch recht zufrieden, aber diese beiden hätten in vordigitalen Zeiten einen Fotografen an den Rande des Bankrotts getrieben, weil er etwa die Hälfte seines Jahresetats für Filmrollen an diese beiden hätte verschwenden müssen. Schon drei Zentimeter über der Grasnarbe sind die beiden in Bewegung und mit Berührung der Grasnarbe auch schon weg. So schnell kann man kaum auf den Auslöser drücken, und wenn doch, dann ist das Bild bei diesen trüben
Fanni vom Bairischen Blues
Fanni hat Besseres zu tun als zu posieren
Lichtverhältnissen nicht scharf. Was hätten wir in den Kinderschuhen der Fotografie gemacht, als die Motive minutenlang still sitzen mussten? Die moderne Technik hat wenig Göttliches, aber in diesen Momenten weiß man sie zu verehren. Dennoch sind die Nerven irgendwann an dem Punkt angelangt, wo man diese ADHS-Welpen am liebsten auf die Grasnarbe betonieren würde, um wenigstens ein ordentliches Bild zu bekommen. Wenn wenigstens das Wetter den Fotografen gelassen sein ließe, aber in dieser Matschpampe versinkt nicht nur dieser selbst, sondern auch seine Lust und gute Laune in der Scholle. Und hinterher sind dann alle ganz glücklich über die zauberhaften Konterfeis ihrer Lieben und verschwenden keine Sekunde an die Geburtsqualen dieser Portraits. Ist ja auch wurscht und im Preis inbegriffen. Fürs erste sind wir bedient und außer Laune.

WelpentouristenNachmittags kommt dann der engste Freundeskreis zu Besuch, die, mit denen man plaudern und fachsimpeln will, in deren Anwesenheit man die Anwesenheit der Fritzlein getrost mal außer Acht lassen kann, weil sie keine Anleitung brauchen, keine Anregungen, keinen Zuspruch, weil sie selbst genug Erfahrung haben und wissen, wie der Hase, besser: der Welpe läuft. Da genießt man entspannt seinen Kaffee und später servieren wir ein deftiges, dem Wetter angemessenes Coq au Vin. Aber vorher müssen sie noch arbeiten. Wir wollen nämlich unsere Kinderschar noch einmal austreiben, so etwas wie einen Almabtrieb machen, weil das sicher die letzte Gelegenheit sein wird. Und bei dem fortgeschrittenen Bewegungstrieb ist jede Hand notwendig, um die Bande zusammenzuhalten. Wir treiben die Fritzlein nur hinüber auf die Haus- und Pinkelwiese, dorthin, wo sie heute schon ihr Foto-Shooting absolviert haben. Weil es schon ziemlich dämmert, ist es wirklich eine gute Idee, viele helfende Hände zu haben, denn im Dunkeln, das wissen auch die kleinen Fieslinge, ist gut Munkeln, und im Schutz der Dämmerung wird man schnell mal übersehen. Und dennoch reichen zehn Leute mit 20 Händen kaum aus, die wie Sternfahrer auseinander strebenden Fellknäuel unter Kontrolle zu halten. Der eine flitzt gen

Stranger in the Night
Stranger in the Night
Westen und zwar mit Turbo, der andere nach Osten, ebenfalls mit Turbo, wieder eine purzelt über die Gabbionen der Straßeneinfassung, eine andere stürzt kopfüber in eine Schlammpfütze und steuert laut maulend den Heimathafen an. Dazwischen der Chef und einige andere, die völlig unsinnigerweise auch noch mit Kameras hantieren, weil bei dieser Beleuchtung sowieso nur noch Farbpaletten abgelichtet werden, doch diese verhinderten Dokumentationsspezialisten haben keine oder höchstens eine Hand frei und spielen so ein falsches Spiel und den Fritzlein in die Füße, die sie immer fixer wirbeln. Letztlich müssen sie sich aber doch dem menschlichen Willen unterordnen und werden nach Hause expediert. Nach dem schon erwähnten Coq au Vin sind dann alle Strapazen vergessen und die Stimmung wieder auf Allzeithoch. Als wir die letzten verabschieden, wird uns bewusst, dass es auf unbestimmte Zeit sein wird, bis wir in dieser Besetzung und vor allem aus einem solchen Anlass zusammen gesessen sind. Da packt uns dann die Wehmut.

Später am Abend wird diese durch Kleinmut abgelöst: mehrere Fritzen haben Durchfall und zwar keinen, den man als Malheur abtun könnte; die sind richtig malad. Franz erwischt es am schlimmsten, er will abends nicht fressen und würgt ständig herum, bringt aber nichts heraus. Ihm geht es wirklich nicht gut, während die anderen wenigstens ihren gewohnten Umtrieb noch beibehalten. Haben sie einfach zu viel gefressen heute? Die Besuchergratifikationen, all die Knabbereien und Stäbchen und Stengelchen können einem schon einmal den Magen verrenken. Oder haben sie sich doch drüben auf der Pinkelwiese etwas geholt? Wir gehen mit Sorgen ins Bett. Dabei hatten wir doch nun wirklich allen Grund zur Hoffnung, diesen Wurf ohne jeden ernstlichen Durchfall über sie Runden zu bekommen. So kurz vor dem Ziel…

Achte Woche von Frau Fischers Fritzen - Di

Dienstag, 03.01.2012

Uns interessieren nur zwei Dinge: wie ist die Morgenlage und wie ist die Viruslage? Denn dass wir einen Virus erwischt haben und kein Überfütterungsproblem, haben wir uns über Nacht eingestanden. Man muss den Dingen in die Augen sehen.

Die Morgenlage mit vier Durchfalllachen und sonst nur festem Material ist fürs Erste ein erfreulicher Morgengruß. Das hätte schlimmer kommen können. Die Stimmungslage der Fritzen ist bestens und auch Franz mischt wieder in gewohnter Präsenz mit. Die Gewichtskontrolle gibt dann allerdings beredten Aufschluss darüber, wer gestern gelitten hat und wer nicht. 940 Gramm Gewichtszunahme sagt eigentlich alles. Wir machen das heute so, dass wir die Statistik nach Gewichtsgewinnern und –verlierern unterteilen. And the winners are: Flori 6550 (+370), Frenzy 6090 (+360), Fianna 6390 (+350), Felix 6930 (+220), Ferdi 6310 (+190), Fanni 5730 (+80), Fetzer jr. 6030 (+30). Franca macht die Nullnummer: 4960 (0). And now the losers: Fine 5180 (-140), Fado 5910 (-200) und am Ende der malade Franz mit 6720 (-320), womit er seine satte Führung an Felix abgeben musste.

Zerrspiele
Franca, Flori und der Junior
So schön der Morgen daherkommt, mit wolkenlosen und windigen 0° C, so schnell vergeht uns die gute Laune wieder, denn der Virus hat noch ein paar Pfeile im Köcher. Im Laufe des Vormittags geht die Spritzerei wieder los, querbeet, doch wer schießt und wer nicht, können wir nicht zweifelsfrei identifizieren. Trotzdem sind die Fritzen putzmunter und toben bei 6° bis 8° durch den Garten, dass man ihnen den Infekt nicht anmerkt. Wir geben ihnen vormittags Bactisel ins Futter und nachmittags gibt es gekochtes Huhn und Reis mit MoorLiquid der Firma LupoSan, einem Moorextrakt zur Regulierung der Magen- und Darmflora. Wir haben bei Durchfall damit gute Erfahrungen gemacht. Schau mer mal. Eigentlich ist das, was wir bisher als Krankheitsbild sehen von der ganz harmlosen Sorte, aber erstens weiß man nie, was der Virus sich noch so ausdenkt und zweitens ist morgen Impftermin und da sollten die Kandidaten einigermaßen fit sein; Kranke werden nicht geimpft und dann fliegt uns der ganze Terminplan um die Ohren. Vielleicht sollten wir auch noch erwähnen, dass wir in dieser Woche zur letzten Kotsammelaktion im Dienste der Wissenschaft aufgerufen sind und uns dieser verflüssigte Aggregatszustand bei diesem Geschäft nicht wirklich entgegen kommt.

Die Erfahrung täuscht uns dann doch nicht: am späteren Nachmittag legt der Virus noch eine Schippe drauf und einige ein bisschen lahm. Am schlimmsten erwischt es Fianna, die sich, wie gestern Franz, eine volle Rechte einfängt und darnieder liegt. Sie will nichts futtern und ist apathisch. Den anderen geht es aber, wie gehabt,

Anouk und Felix
Felix, der Schatten seiner Tante
trotz Durchfall prächtig. Sie sind draußen, weil wir fast den ganzen Tag Sonne haben, sie toben und raufen und ab und zu treten sie zur Seite und aus: Spritz – und schon geht es wieder weiter. Seltsam, dieser komische Virus. Felix ist in diesem Lust- und Frustspiel der strahlende Held. Als sei er teflonbeschichtet reitet er durch diesen Virenbeschuss und produziert ausschließlich kompakte Wurstsorten. Er scheint wirklich unkaputtbar zu sein. Erst spielt er Linus, den jugendlichen Hovirüden unserer Freundin Ela schwindelig, dann arbeitet er Lily, seine Halbschwester Exe, auf und wenn ihm das Material ausgeht, vergeht er sich an seiner Tante Anouk, bis er leergespielt in eine Ecke sinkt und neue Kräfte für die nächste Runde tankt.

Fianna vom Bairischen Blues
Fianna
Fianna ist hingegen auf Sparflamme gestellt, eine Schalterstellung, die ziemlich untypisch für sie ist. Fianna ist nicht mehr so ungeschliffen wie noch vor drei Wochen, aber ihren Wesenskern hat sie nicht verloren. Sie ist hart, schlagfertig und treffsicher, aber nur mehr, wenn die Situation es aus ihrer Sicht erfordert, und weil sie als mächtigste der weiblichen Fritzen den Rüden als satisfaktionsfähig erscheint, meinen sie, ihr gelegentlich eine Lektion auf dem Paukboden erteilen zu müssen. Das geht selten gut, denn Fianna ist nicht nur die gewichtigste Dame, sondern auch die gehaltvollste, da ist nicht nur Masse, da ist richtig viel Klasse. Die Frontschweine können es natürlich trotzdem nicht lassen, weil das männliche Naturell offensichtlich eine drängende Todessehnsucht in sich birgt. Und so können sie diesem Gevatter täglich einige Male in die Augen blicken. Ganz anders zeigt sich Fianna im Kampfspiel mit Schwächeren, da liegt sie unten, lässt sich herumrollen und traktieren, bis auch das letzte Weichei ein herkulisches Gefühl in sich spürt (was dann gelegentlich zu Größenwahn und ein paar Backpfeifen von den Bossen führt). Fianna ist tatsächlich immer noch die schwarze Witwe, aber auch ein Friedensengel mit Fehlfarbe. Beeindruckend ist ihre Kampfkultur, die von ihrer Seite völlig lautlos abläuft. Die meisten Hunde, und natürlich auch Welpen, knurren und keifen, wenn sie raufen, nicht so Fianna, sie arbeitet stumm, ohne ein Quäntchen Energie in Lautäußerungen zu vergeuden. In ihrer Freizeit hat sie eigentlich nur Blödsinn im Kopf und ihr Ohrfeigengesicht signalisiert ganztägig Spaßalarm. Nein, in Fiannas Nähe wird nicht nur gerauft. Die Heldentenöre haben auch viel Spaß mit ihrer gutgelaunten Schwester, die eben nicht nur im Kampfspiel auf Augenhöhe ist, sondern sich auch im Sandkasten zu nichts zu schade ist. Hetzspiele sind ihr nämlich genauso lieb wie Kampfspiele, Spielsachen klauen und verschleppen ist ihre Leidenschaft; und so sieht man Fianna selten allein, sondern meist mit ein paar Anhängseln durch den Garten hetzen, die ihr das soeben Geklaute wieder abnehmen wollen. Und, auch das hat sich nicht geändert, was immer sie tut: sie verliert uns nicht aus den Augen. Auch in der achten Woche ist sie unser Schatten, verfolgt uns und animiert uns zu Kuscheleinheiten. Als ob wir uns insgeheim nicht schon längst entschieden hätten. Aber Fianna überlässt nichts dem Zufall. So wird sie denn höchstwahrscheinlich uns zufallen. Noch so eine Rabennase!

Achte Woche von Frau Fischers Fritzen - Mi

Mittwoch, 04.01.2012

Heute gibt es nur zwei beherrschende Themen: der Virus und der Tierarzt. Fangen wir mit dem für uns schlimmeren an, dem Durchfall. Was uns die Fritzen heute Nacht hinterlassen haben, qualifiziert sie für den Namen „Fäkalfieslinge“. Es gibt zwar noch einige richtige Lachen, aber das Meiste ist schon in einen breiigen Zustand übergegangen, sodass die Alarmglocke nicht anschlägt. Aber dieses „Meiste“ ist so viel, dass der Eindruck entsteht, jeder wollte sich noch einmal richtig wichtigmachen. Fianna macht auch schon wieder einen aufgepumpten Eindruck und stolziert mit dicken Backen umher. Dafür hat sich Franz beim Virus für einen zweiten Durchgang freiwillig gemeldet. Er schlurft entsprechend transusig herum. Wir sind noch nicht direkt guter Dinge, aber eben auch nicht schlechter Dinge. Das alles ist nicht viel mehr als pillepalle, mal vom Geruch und dessen Verursachern abgesehen. So etwa müsste es riechen, wenn die Verleger von Dantes Comedia die Seiten, auf der die Hölle beschrieben wird, angemessen olfaktorisch benetzen würden, dann würde nicht nur kein Mensch dieses Buch kaufen, sondern der ganze Buchladen würde auf Wochen hinaus zugesperrt und grundsaniert. Ja, so etwa müsste das Inferno riechen. Zur Strafe müssen die Fäkalfieslinge heute etwas länger vor den Toren antichambrieren, bis wir sie wieder einlassen können, aber bei 4°C ist das machbar und Regen und Wind fegen ihnen die Pestilenz aus den Kleidern.

Doch dann sind wir natürlich gespannt, was der Virus für die Fettstatistik bedeutet. Nochmal weniger als gestern bedeutet er: 840 Gramm. Man vermutet ja so etwas, zumal man in diesem Geschäft auch nicht mehr so ganz frisch ist, aber 840 Gramm über 11 Welpen verteilt, lassen ahnen, dass da ein paar einen sehr schlanken Fuß bekommen haben. Same procedure as yesterday: Fine 5650 (+470), das nennt man Turboerholung, zum

Morgenstimmung im Transit
Morgenstimmung im Transit
Verzweifeln ist aber, dass selbst dieses Pfund immer noch nicht zu mehr als dem vorletzten Platz reicht. Fetzer jr. 6490 (+360), auch er ist bisher trocken durch den Virenregen marschiert. Fado 6170 (+260), ist also wieder bei der Musik und pfeift La Paloma. Felix 7100 (+170), der Glückliche macht seinem Namen alle Ehre und trotzt allen Anfechtungen. Ferdi 6330 (+20) weiß anscheinend nicht so recht, ob er krank sein will oder nicht und muss lernen, dass der Virus im Zweifel sogar schneller ist als ein Porsche-Ferdi. Flori 6560 (+10), ein Ausläufer hat ihn wohl gestreift. Franca schafft zum zweiten Mal in Folge die Nullnummer: 4960 (0). Ob sie kränkelt oder ob sie den Rest der Fäkalbande nicht ungebührlich bedrängen und deren Missgeschick für sich ausnützen will, bleibt ihr Geheimnis. Vielleicht hat sie in diesem Gestank aber einfach keinen Appetit, was sie allerdings schlagartig in den Augen des Herrn zu einer Übernahmekandidatin machen würde... Frenzy 6060 (-30) ist auch glimpflich davongekommen. Fanni 5670 (-70), mit der Delle kann sie unter diesen Umständen hochzufrieden sein. Franz 6650 (-70), die zweite Minusrunde hintereinander sagt alles über den Zustand des Maladen Franz, der nur im ersten Leben ein Dicker Franz war und jede Hoffnung fahren lassen muss, den Geschmeidigen Flix noch einzuholen (falls den nicht doch noch Montezumas Rache ereilt). Der Trauervogel dieser Runde ist nicht sehr überraschend Fianna: 6000 (-390). Da hat einer aber ordentlich hingelangt. Aber Fianna hat genug Substanz um zurück zu kommen.

Fetzer jr. vom Bairischen Blues
Fetzer jr.
Der Junior Fetzer ist auch so ein Kandidat, der sich anscheinend recht elegant durchs Leben windet, manchmal geschickt, manchmal unscheinbar, wie beim Virusbefall, wo er sich möglicherweise einer Tarnkappe bedient, um vom Virus nicht ausfindig gemacht zu werden und manchmal holterdipolter auf die dreiste Tour. Er verfügt also über ein sehr umfangreiches und karriereförderliches Verhaltensrepertoire. Das Auffälligste an Fetzer jr. sind seine „Lackschuhe“, die er als rußig-schwarzen Überzug über die Zehen trägt, elegant: Frack und Lack, Junior-Jopi, und manchmal, wie erwähnt, kommen er tatsächlich wie ein Salonlöwe daher. Manchmal, eher selten, aber immerhin. Die meisten seiner Geschwister können höchstens mit dem Begriff Löwe etwas anfangen, so etwas liegt ja auch im Paradies herum und quietscht. Aber Salon? Slalom vielleicht durch den Hindernisparcours, mehr nicht. Die dazu gehörigen Umgangsformen sind ihnen völlig Banane. Aber so ein Exemplar wie den Junior muss man auch mal haben. Allerdings ist diese Inkarnation des Junior Fetzers eher eine Randerscheinung, eine gewisse Zeit des Tages verbringt er als unscheinbarer Dr. Jekyll oder als furchtbarer Mr. Hyde. Was den Jekyll angeht, wissen wir oft Stunden nichts von unserem Junior, er gibt den Tarnkappenbomber wie beim Virenbeschuss. So unscheinbar kann er sein, dass er wie vom Erdboden verschwunden ist und man ihm auch große Qualitäten als Mauerblümchen bescheinigen könnte. Wenn man es nicht besser wüsste! Denn wenn der Mr. Hyde von ihm Besitz ergreift, ist der ganze Junior eine einzige schmerzbringende Waffe, dann packt er sich alles, was ihm vor die Kiefer kommt, und was nicht freiwillig kommt, wird gegriffen. Keine Spur mehr von Mauerblümchen, schon gar nicht von Frack und Lack. Jetzt klebt auf seiner Visitenkarte das martialische Motto „Mut und Blut“. Doch zwischen diesen verschiedenen Inkarnationen des Junior Fetzers gibt es ganz lange Phasen eines völlig normalen und liebenswerten Welpen. Da will er schmusen und spielen und will von beidem eigentlich gar nicht lassen. Fetzi ist dann ein Ausbund an Spielfreude, Ausdauer und Leidenschaft wie wenige sonst. Dann strahlt der ganze Kerl schiere Lebensfreude aus, dann besteht sein Lebensinhalt aus Bällen, Tauen, Schweinen, Hühnern und Tigerfuchswürmern. Verglichen mit dem als Raufbold verschrienen Flix, hat dieser seine Rüpelphase schon weitgehen überwunden, während Fetzi sie gerade entdeckt. Und in ein paar Tagen oder Wochen, weiß er nichts mehr von einem Mr. Hyde und nichts von einem Mauerblümchen und wird ein richtig prächtiger, fescher junger Bursch sein, auf den seine neuen Leute stolz sein können.

Um 9:30 Uhr liegen die Folterinstrumente beim Tierarzt für uns bereit. Annemarie und Hermann, das Haushälterpaar unserer Doosie, unterstützen uns bei dieser Aktion, weil man zu zweit mit elf Welpen eine ziemlich traurige Gestalt abgibt und bei dem inzwischen immer heftiger werdenden Wind und Regen gleich noch ein bisschen trauriger aussieht, bis man die ganze Bande be- und entladen hat. Der Transport selbst geht wie die Fahrt zum Waldparkplatz vonstatten: die Chefin sitzt im mittleren Wagenteil, die Fritzen werden ihr durch ein Seitenfenster zugetragen und dieses dann verschlossen, die Zugänge zu den Boxen von Mama und Tante, die natürlich als Kriseninterventionsteam dabei sein müssen sowie die Durchschlupfe in den Fahrerbereich sind mit tausend Decken verrammelt, der Chef fährt. Brumm-brumm, ab geht die Welpenpost. Nach einer halben Stunde mit völlig friedlichen und entspannten Fritzlein sind wir da und entpacken den Welpenknäuel, diesmal auch mit Hilfe des gerührten Praxispersonals. Wenn der Blues kommt, herrscht in der Schiele‘schen Praxis zu Stephanskirchen eitel Sonnenschein. Wie zuverlässig unser Krisenpräventionsteam arbeitet, sehen wir daran, dass sich Franzi alle neu ins Behandlungszimmer gelieferten Kinder sofort zur Brust nimmt und sie auf diese Weise positiv einstimmt; sie weiß ja, dass ihnen hier nichts Schlimmes droht. Anouk fläzt derweil so entspannt und desinteressiert mitten im Zimmer, dass selbst der hysterischste Welpe nicht an einen bevorstehenden Tod denken könnte. Das erzielt also schon mal seine Wirkung, allerdings wirkt sich diese Wirkung auch in sprudelnden Pinkellachen aus, die uns schon befürchten lassen, dass die TA-Rechnung um einen nicht unerheblichen Posten: Papiertücher aufgebläht sein wird. Elf Welpen schaffen es, fast einen ganzen Tagesvorrat Papiertücher zu versauen. Gut, das man in dieser Praxis Kredit hat.

Fado beim Tierarzt
Fado muss Blut liefern
Die folgende Behandlung der Fritzen geht ebenso unspektakulär über die Bühne wie die Anfahrt. Was haben wir da nicht schon erlebt und in früheren Tagebüchern berichtet: Mordio schreiende Patienten, hysterisch kreischende Patientinnen, Morddrohungen, gerichtet ans Praxispersonal und die Züchter, sich windende und fischartig herum schnellende Todeskandidaten. Man muss es sagen, meist waren es die Rüden, unter denen wiederum die selbst ernannten Helden, die ihrem Zorn und ihrer Wut, aber auch ihrer maskulinen Feigheit vor dem Arzt freien Lauf ließen. Man kennt das ja: im Bierzelt sich mit der dicksten Kellnerin anlegen und im Sprechzimmer vor der zartesten Tierärztin winselnd und wuiselnd einknicken. Nichts von alledem bei den Fritzlein. Zuerst wird bei jedem die
Fanni beim Tierarzt
Fanni übt Zähnezeigen
Temperatur gemessen, weil wir natürlich sehen wollen, was der Virus angerichtet hat und ob wir überhaupt impfen können, aber wir können Entwarnung geben: alle, auch der noch immer malade Franz sind fieberfrei. Dann werden sie ein bisschen gerneraluntersucht, Augen Nase, Zähne, Ohren, Herz und Lunge, was man eben so macht, wenn man als Tierarzt seinen Job ernst nimmt. Dann wird ihnen Blut für die Gendatenbank abgenommen, anschließend werden sie geimpft und zum Schluss wird der Transponder gesetzt. Damit diese Eingriffe in den höchst persönlichen Lebensbereich gleich von Anfang an positiv belegt werden, unterstützt eine Tube NutriCal am vorderen Welpenende dessen Wohlbefinden, während weiter hinten manipuliert wird. So einfach geht das, und zwar so
Frenzy beim Tierarzt
Frenzy wird geimpft
einfach, dass noch nicht einmal der Einschuss des Transponders bei den meisten mehr als ein erstauntes Augendrehen auslöst. Auch bei der Blutabnahme, die schon lästig ist und unangenehm piekst, lassen sie sich kaum etwas anmerken und nehmen die kleine Tortur gelassen und tapfer hin. Nur Franca setzt doch noch einen kleinen dramatischen Akzent, weil sie gleich zwei Venen zur Verfügung stellen muss; die erste will einfach nicht spenden. Franca hat ihren Blutdruck auf „todesnah Null“ gedrückt. Das gelingt ihr allerdings kein zweites Mal, weswegen der kostbare Saft aus der zweiten Vene fließt. Wir
Fianna beim Tierarzt
Fianna bekommt ihren Chip
sind da ganz gelassen, es stehen ja noch einige weitere Zapfstellen zur Verfügung, es muss nicht immer das linke Hinterbein sein. Nach knapp zwei Stunden ist alles überstanden, die meisten Tapeverbände mit gegenseitiger Hilfe abgefummelt und die Fritzenschaft wieder im Auto verstaut. High Noon sind wir wieder zuhause, wo wir feststellen, dass es wieder ein paar Schlaumeier geschafft haben, sich klammheimlich durch den Deckenverhau in Anouks Box zu bohren – weil das Wachpersonal geschlafen hat! Wer Lust hat, kann ja mal raten, um welche Mauerspechte es sich dabei handelt.

Das Wetter zeigt sich jetzt gerade wie unser Fetzi von seiner Mr. Hyde-Seite. Es pisst sich ein und der Wind schleift die Hausecken platt. Vielleicht ist das der Gegenwind auf der Zielgeraden, durch den wir nun müssen. Noch drei Tage bis Waterloo…

Achte Woche von Frau Fischers Fritzen - Do

Donnerstag, 05.01.2012

Wir müssen uns auch an diesem, dem drittletzten Fritzleintag mit dem unerfreulichen Durchfalltehma beschäftigen. Das meiste und schlimmste liegt hinter uns – aber den alerten Junior hat es doch noch erwischt! Doch auch er ist ziemlich über den Berg, der sich erst gestern vor ihm aufbaute, sein Output zeigt schon wieder Spuren von Land. Wie sehr wir wieder in der Spur sind, belegt die Gewichtszunahme, die man eigentlich Gewichts-Tsunami nennen müsste: 2560 Gramm! Da kann kein großer Leidensdruck mehr vorhanden sein. Das muss man sich aber schon genau ansehen, welch ein Erdrutsch sich da gestern still und leise aufbaute.
Franz: 7300 Gramm, jawohl, richtig gelesen, das sind nämlich stolze 650 Gramm Zuwaage! Und damit hat er in einem beim Blues nie dagewesenen Kraftakt, den schon siegessicher herumtänzelnden Felix die Krone geklaut.

Ferdi vom bairischen Blues
Ferdi
Felix: 7160 Gramm. Wer vor lauter Hoch- und Übermut sich mit 60 Gramm zufrieden gibt, muss mit einer solchen Retourkutsche rechnen: Platz 2. Flori: 6810 (+250), stellt sich neben Felix als kerngesund und kerndlg’futtert heraus. Kein Virus ist bei ihm gelandet und so hält er völlig zu Recht den 3. Platz. Auch Ferdi erweist sich als widerstandsfähig, obwohl er zwischendurch mal schwächelte, aber auf der Fettrolle immer im Plus blieb: 6750 Gramm, das sind 420 mehr und Platz 4. Auch Fado ist wieder in der Erfolgsspur: 6440 Gramm sind 270 plus und Platz 5. Dann kommt der Junior, der, wie berichtet, gestern einen Streifschuss hinnehmen musste und mit 90 Gramm minus bei 6400 Gramm und Platz 6 landet. Damit war er gestern der einzige mit Reduktionsdiät. Die erste Dame ist Fianna, die ihren Walkürenstatus längst einer properen Dorfschönheit geopfert hat und mit 6320 Gramm (+320) auf Platz 7 rangiert. Jedenfalls bestehen keine Zweifel mehr, dass sie ihre Schwäche überwunden hat. Frenzy folgt mit 6200 Gramm und 140 Gramm Auflastung auf Platz 8. Zum Schluss die langweiligste aller langweiligen Reihenfolgen: Fanni 5930 Gramm und 260 Gramm plus hat auch ihr Zwischentief überwunden und belegt den gewohnten 9. Platz. Rang 10 ist für Fine reserviert: 5690 Gramm (+40). Und am hinteren Ende des Elferrats thront quietschfidel Franca mit 240 Gramm mehr und einem 5200-Gramm-Pölsterchen.
Jetzt sind wir uns sicher, dass wir den Virus erfolgreich in die Flucht geschlagen haben und frohgemut in die Zukunft blicken können.

Draußen stürmt es sehr ungemütlich bei 4°C, und Regen ist auch dabei, wie man sich fast denken kann. Demnach ist heute Housekeeping angesagt, weil noch nicht einmal die Hemmungslosesten der Fritzen Lust auf Ausgang haben; wahrscheinlich haben sie Angst, dass ihnen die Ohren um die Ohren fliegen.

Die Wiegeprozedur versorgt uns nicht nur immer wieder mit überraschenden Ergebnissen, sondern auch mit kleinem Amüsement wegen der Schrullen der Fritzen. Die meisten nehmen diese tägliche Prozedur völlig stoisch hin, lassen sich auf die Waage hieven, gucken sich um, inhalieren die kleinen Leckereien, die wir ihnen auf die Waage legen, damit sie beschäftigt sind und halten still. Es gibt nur zwei Ausnahmen von dieser Regel. Das ist zum einen Frenzy, die Wiegen einfach doof findet und keine Bestechung akzeptiert, sondern mit allem, was sie hat, signalisiert, dass ihr diese Prozedur nicht geheuer ist. Sie stellt sich einfach an, als ob man ihr zumutete, vom Zehn-Meter-Turm zu springen.

Fanni auf der Waage
Fanni auf der Waage
Die zweite Ausnahme ist Fanni, die schon beim Fotoshooting zusammen mit Franz als ADHS-verdächtig aufgefallen war. So benimmt sie sich auch auf der Waage. Nicht dass sie Angst hätte, sie kann einfach keine Sekunde still halten und ist schon wieder von der Waage, bevor sie drauf sitzt. Deswegen kommt sie jetzt immer in den Einkaufskorb, dem sie nicht entkommen kann (auch Flori haben wir auf diese Weise schon übertölpelt, aber der ist wieder zur Ruhe gekommen). Jetzt staunt sie nur noch, sitzt wie Häschen in der Grube und wir bekommen von ihr vermutlich das zuverlässigste Messergebnis von allen.

Aber die Wiegerei fördert noch andere Erkenntnisse zutage. Franca hat zum Beispiel als Erste den Zusammenhang von Wiegen und Leckerli über den Vorgang auf der Waage hinaus projiziert, also eine richtige geistige Transferleistung erbracht. Weil jeder nach dem Wiegen auch noch ein paar Bröckchen auf dem Küchenboden serviert bekommt, ist Franca seit ein paar Tagen während der gesamten Prozedur in Lauerstellung und jagt dem Beschenkten seinen Lohn der Angst ab. Das scheint eine logische Schlussfolgerung zu sein, und doch haben wir dieses konsequente Erfassen einer Situation und die noch konsequentere Umsetzung in all den Jahren so noch nicht erlebt. Nicht alles, was uns folgerichtig erscheint, muss auch für einen Welpen dieses Alters schlüssig sein, nicht einmal, wenn es um so elementare Dinge wie Fressen geht. Standard ist, dass nach dem Wiegen losgelöst und aufopfernd gespielt wird, als Stressabbau sozusagen. Zwischenzeitlich stellt sich aber der ganze Fritzenhaufen beim Wiegen ein, erbettelt milde Gaben und lauert wie die Geier, dass etwas abfällt. Das erleichtert uns die Arbeit ungemein, weil alle um uns herum greifbar und dadurch, bis auf Frenzy, auch beim Wiegen ganz entspannt sind, wartet doch nach dem Intermezzo gleich wieder eine Gratifikation auf dem Küchenboden. Das macht das Wiegen zum Großereignis, dem jeder beiwohnen will. So exemplarisch wie Franca das auf die Reihe bekommen hat, haben wir das in all den Jahren noch nicht erlebt. Schlaues Kind, unsere Frau Fischer. Manche kommen eben langsam, dann aber gewaltig.

Die einzige Ausnahme bei dieser Leckerlipiraterie macht gelegentlich Felix, der sich, wie gewohnt, um seine Tante kümmert und ihr auf den Geist geht, also keine Zeit für so etwas hat. Aber das müssen wir nicht mehr weiter vertiefen; Felix und Anouk gäben Stoff genug für ein eigenes Buch.

Es gibt noch etwas, was uns bisher noch nie so aufgefallen ist, wie bei diesem Wurf, was nicht unbedingt an den Fritzen liegen muss, sondern auch an unserer Beobachtungsgabe, die sich (hoffentlich!) auch weiter entwickelt. Es ist die Identifikation von neuem Spielzeug. Wenn immer wir etwas Neues zum bestehenden Spielzeug hinzu geben, wird es sofort als neu erkannt und ausgiebig genutzt. Das funktioniert auch, wenn wir das in Abwesenheit

Flori vom Bairischen Blues
Kein Spielzeug bleibt unentdeckt
der Welpen irgendwo ab oder dazwischen legen, egal, ob im Haus oder im Garten; sobald sie dazu kommen, erkennen sie, dass es etwas Neues gibt, das umgehend ausprobiert werden muss. Auch mitten in einem Berg alten Spielzeugs wird das neue sofort entdeckt. Heute ist es ein kleiner Plastikschuh, kaum 10 Zentimeter lang, mitten unter dem ganzen anderen Kram – und schon balgen sich alle um den Schuh. Man kann daraus lernen, wie hoch der Reiz eines Spielzeugs für einen Welpen dieses Alters ist und wie wichtig es ist, diese Reize ständig zu erneuern und nicht nur immer das alte Geraffel anzubieten; schon in diesem Stadium langweilen sich die Welpen schnell mit dem Bekannten und stumpfen dabei ab. Dabei muss es nicht immer etwas Aufwändiges und Großes wie der 50 Zentimeter große Alienbär sein, nein, eine Klorolle und ein Joghurtbecher tun es auch. Viel mehr Begeisterung als mit einem Joghurtbecher kann man sowieso kaum auslösen (aber Vorsicht damit: Plastikalarm!). Jedenfalls sind wir tief beeindruckt von dieser Leistung der Fritzen, denen einfach nichts entgeht.

Heute entgeht ihnen nicht nur nichts, sondern heute sind sie selbst im Zentrum des Interesses: nachmittags kommt das Normenkontrollteam, alias: die Zuchtwartinnen zur Wurfabnahme. Alle, die diese Prozedur kennen, können jetzt ein paar Zeilen nach unten rutschen und sich die Erklärung, was da passiert, schenken. Bei der Wurfabnahme wird der Welpe zuerst alleine in seiner bekannten Umgebung auf den Boden gesetzt, der Zuchtwart spricht ihn an, um zu sehen, wie er auf ihn reagiert, freundlich, desinteressiert, abweisend. Danach wird der Welpe in einen ihm unbekannten Raum gebracht, allein mit dem Zuchtwart, der ihn eine Minute nicht beachtet, um zu sehen, wie sich der Welpe in einer unbekannten Umgebung verhält. Nach dieser Minute spricht der Zuchtwart den Welpen an. Der Welpe wird nun animiert, über ein Plastikfolie zu gehen, es wird auf eine Plastikbox geklopft, um das Verhalten gegenüber Geräuschen zu testen, ein Ball wird angeboten und ein Lappen als Beute. Der Welpe soll auf all diese Reize positiv und interessiert reagieren, die Beute annehmen und, idealerweise, wegtragen. Nach diesem Test in einer ihm unbekannten Umgebung wird er wieder in bekannte Umgebung gebracht und optisch beurteilt. Danach wird er noch einmal auf den Boden gesetzt und er soll wieder mit dem Zuchtwart Kontakt aufnehmen, um zu sehen, ob ihm die Überprüfung zu sehr zugesetzt hat oder ob er das alles gelassen hinter sich gebracht hat.

Die eigentliche Herausforderung der ganzen Beschau ist, dass es nahezu unmöglich ist, elf Welpen über den ganzen Zeitraum bei Laune und wach zu halten; immer wird man welche aus dem Schlaf holen müssen, was dann zu ebenso verschlafenen Ergebnissen führt. Aber daran ist nichts zu ändern.

Fado bei der Wurfabnahme
Fado, ganz cool
Die optische Überprüfung ist ohne größere Beanstandungen über die Bühne gegangen. Dass bei einigen schwarzmarkenen Kandidaten die Marken sehr spärlich ausgeprägt sind, konnte nicht überraschen. Frenzy hat als einzige die Neigung zu einer Doppelmarke an der Brust, die beobachtet werden muss, weil sie eventuell zu einem Zuchtausschluss führen könnte. Alles andere sind kleine Schönheitsfehler ohne Wert, auch, dass Franz bisher nur einen Hoden hat, sorgt nicht für Aufregung, er ist nicht der erste Rüde, bei dem zu diesem Zeitpunkt noch nicht beide Hoden abgestiegen sind.

Der Wesenstest bestätigt dann größtenteils, was wir acht Wochen erlebt haben: sehr aktive, neugierige, freundliche, fröhliche und triebige Fritzen.

Franz bei der Wurfabnahme
Franz, der Hodenlose
Alle suchen in der ihnen bekannten Umgebung aktiv den Kontakt zum Zuchtwart oder nehmen ihn wenigstens problemlos auf.
Am fremden Ort werden Flori, Ferdi, Franca, Felix, Franz, Fanni, Fetzer und Fianna sofort aktiv, Ferdi, Franz und Fanni zeigen zusätzlich viel Aktivität. Fine und Fado warten einen Moment ab, bis sie aktiv werden, nur Frenzy verweigert sich, will nicht.
Flori, Felix, Fine, Fanni, Fetzer, und Fianna untersuchen den neuen Raum selbständig und intensiv, Fado, Ferdi, Franca und Franz machen sich auch selbständig, aber weniger intensiv auf den Weg, und Frenzy will nicht, untersucht nicht.
Bei den akustischen und optischen Einflüssen beschäftigen sich Felix, Fine, Fetzer und Fianna mit allen Situationen selbständig und aktiv, Flori, Fado, Ferdi, Franca, Franz und Fanni lassen sich gut motivieren und heranführen – Frenzy untersucht vorsichtig und jammert.
Fine bei der Wurfabnahme
Fine
Flori, Felix, Fine, Franz, Fanni und Fetzer sind sofort am Beutespiel interessiert, gehen darauf ein und tragen den Lappen weg. Fado wartet kurz ab, bevor er sich darauf einlässt, trägt dann aber den Lappen. Fianna ist ebenfalls sofort interessiert und spielt, trägt aber den Lappen nicht. Ferdi geht auf das Beutespiel wenig ein und Frenzy spielt nicht.
Bei der Erscheinungsbildbeurteilung sind fast alle aktiv und neugierig, Fado und Ferdi sind gelassen und freundlich, Frenzy duldet die Prozedur ebenfalls gelassen.
Nach der Erscheinungsbildbeurteilung sind alle, bis auf Frenzy sofort wieder aktiv, sie wartet kurz ab, ist dann aber ebenfalls aktiv.
Ferdi und Frenzy bekommen ein ruhiges Temperament bestätigt, alle anderen sind lebhaft.

Franca bei der Wurfabnahme
Franca, ganz entspannt
Das ist ein Traumergebnis, das auch Frenzy mit ihrer Verstocktheit nicht schmälern kann. Es gibt in diesem Tableau immer einen oder eine, die einfach an diesem Tag keine Lust haben, sich verweigern und uns die Nase drehen. Wir erinnern uns an einen Kandidaten, der während der gesamten Zeit am fremden Ort sich keinen Millimeter bewegte und konsequent haarscharf an der Zuchtwartin vorbei schaute. Manche wollen sich nicht vorführen lassen, sind mit dem falschen Bein aufgestanden oder sortieren noch die Schlafperlen in den Augen.

Frenzy vom Bairischen Blues
Frenzy
Sicher ist Frenzy keine, die ohne Helm mit dem Kopf voran durch eine Mauer gehen würde, aber eine Transuse ist sie genau so wenig. Frenzy ist eine Familienglucke, im Rudel fühlt sie sich wohl und geborgen und dreht ordentlich auf. So ganz auf sich allein gestellt, braucht sie ein bisschen Anlaufzeit, die sie unter dem gestrengen Zeitmanagement der Normenkontrollkommission nicht hat. Interessanterweise hatte Frenzy keinerlei Respekt vor der großen weiten Welt, als wir am Waldparkplatz spazieren gingen, da stapfte sie los, scherte sich nicht um ihren Haufen und spielt Hänschen klein und ging, wie jener, ganz allein in die weite Welt hinein. Wer Frenzy in ihrem Element erlebt, weiß auch, warum sie bei uns den Beinamen Turbo-Frenzy hat: sie ist schnell, überall dabei und wieselflink um die Ecken. Und einen ordentlichen Fangzahn hat sie auch. Wenn es um die wichtigen Beutestücke wie den Pansen ging, war sie sofort aktiv, zeigte richtig viel Aktivität, ließ keinen ran und trug den Lappen blitzschnell davon. Vielleicht ist Frenzy nur die Schlaueste von allen, die sich für einen alten Staublappen nicht krumm macht, aber für einen Pansenlappen auch noch den Hilfsmotor anwirft. Frenzy gehört zu jenen, die ständig raus in den Garten wollen, die Gas geben wollen, die sich auch am wenigstens um Schietwetter scheren und bei jeder Kaffeefahrt an Bord sind. Nur das Wiegen ist nicht ihre Sache, auch die Bestecherli können sie da nicht überzeugen. Weil wir unsere Frenzy so erlebt haben, lässt uns dieses Streichergebnis völlig kalt, es hat fast einen komödiantischen Anstrich; wir wissen nicht, ob uns Frenzy einfach nur ein bisschen verarscht hat und uns die Null-Bock-Tussi vorspielte oder ob sie doch mehr beeindruckt war als es die vergangenen Wochen erwarten ließen. Letztlich ist auch das egal, weil Frenzy demnächst nicht in einem Gruselwald ausgesetzt wird, in dem es vor feueräugigen Zuchtwartinnen und drohenden Feudeln wimmelt, sondern sie wird das bekommen, was sie zu großer Form auflaufen lässt: ein richtig tolles Rudel mit Kuschelgarantie. Mal sehen, ob dann Klagen kommen, dass Frenzy laufend die Geschirrhandtücher und Socken klaut. Es würde uns sehr wundern, wenn es anders wäre.

Heute gehen ganztägig orkanartige Stürme über das Blues-Lager hinweg, so gemeine, dass selbst Frenzy keinen Bock auf Outdooring hat, die anderen gleich gar nicht. Was sich nach Kaffeekränzchen im Haus anfühlt, droht aber bei einem unausgelasteten Fieslingshaufen in Ungemach umzuschlagen. Erstens hatten sie bisher viel zu wenig aktive Bewegung, da hilft auch kein noch so aktives Lappentragen, und zweitens haben alle das Bedürfnis, den Kommissionsstress abzubauen. Machen wir uns nichts vor: auch die Souveränsten der Fritzen drehen nach einer solchen Herausforderung am Rad, das bleibt nicht in den Kleidern hängen. Da käme es uns sehr gelegen, wenn sie draußen die Sau raus lassen könnten, aber das geht eben heute nicht. Im Haus sind sie kaum zu ertragen. Wenn die Synapsen auf Schnellfeuer gestellt sind und turbofunken, muss Unsinn heraus kommen. Die Lage ist besonders bedrohlich, wenn die Lautstärke gegen Null geht, wer Kinder hat, kennt das. Auch in unserer Küche wird es plötzlich verdächtig still, nur kleine Kiekser sind gelegentlich zu hören, kleine Jubelschreie. Der Grund ihrer stillen Begeisterung ist eine Schwachstelle in unserer Küche, die allerdings vor diesen Fritzen noch

Das Welpenversteck unter der Küchenzeile
Ein idealer Tummelplatz
keine Bande entdeckt hatte. Links und rechts vom Küchenherd sind in der Küchenzeile Aussparungen, in denen wir Backbleche und Ähnliches deponieren. Die Verkleidung des Herdes selbst reicht nicht ganz bis zur Wand, sodass zwischen Herdverkleidung und Wand eine Lücke klafft, durch die man steigen kann, wenn man schmal genug ist, sich zwischen den Backblechen durchzudrücken. Und schon ist man unter dem Herd und hinter der Küchenzeile verschwunden und kann ganz fabelhaft Versteck spielen. Zu allem Überfluss ist die Verblendung der Küchenzeile an den Herdabschrägungen nicht mehr fest; mit etwas Geschick kann man die heraus puhlen und kommt so auch unter den Herd. So eröffnet sich dem Willigen und Mutwilligen ein Paradies für Räuber und Gendarm. Und genau so finden wir diese stummen Marodeure vor: zwei, es sind Felix und Franca, haben sich durch die Bleche hinter den Herd gewunden, die anderen keifen durch das Loch in der Verblendung zu ihnen hinunter, um sie herauszulocken. Das geht zu weit; dahinter gibt es Kabel, die nicht zum Verzehr geeignet sind. Die Entfernung dieser entfesselten Spieler vom Tatort gestaltet sich allerdings nicht einfach, denn wenn man einen entfernt, stürzen sich zwei andere auf den von ihm freigegebenen Platz am Loch. Einzeln muss der Chef, der sich, wie immer bei solchen Einsätzen allein zu Hause befindet, die Kämpfer in den Garten und den Sturm bringen, um sie fern zu halten und abzukühlen. Anschließend werden die Öffnungen in den Aussparungen mit Ytongsteinen verrammelt und die Bleche wieder in die Aussparungen geschoben, die Löcher in der Verblendung werden verschlossen und mit Pflastersteinen unverrückbar gemacht. Dann dürfen wieder alle rein – und alle, wirklich alle, stürzen sich wie ein Mann auf die zwangsweise verlassene Baustelle, um dort weiter zu machen, wo sie aufgehört hatten. Aber Fort Knox ist nicht mehr zu knacken. Fast eine Stunde dauert es, bis auch der Letzte einsieht, dass da nichts mehr zu holen ist. Wie gesagt: diese Konstruktion ist so provisorisch, solange wir hier leben. Der Rote Bandit macht sich gerne mal einen Scherz daraus, dahinter und darunter zu verschwinden, wenn ihm an kalten, nassen Tagen langweilig ist. Aber kein Welpe hat dies bisher versucht oder gar geschafft.

So sehr es schmerzt, aber es wird Zeit, dass sie ihre überschüssigen Kräfte draußen in der Welt erproben. Der Blues wird ihnen langsam zu klein.

Achte Woche von Frau Fischers Fritzen - Fr

Freitag, 06.01.2012, Dreikönigstag

Für unsere Fritzlein kommen die drei Heiligen aus dem Morgenland ein bisschen spät, verbummelt haben sie sich um acht Wochen. Wenn sie etwas Gold liegen lassen wollen, soll uns das recht sein, aber mit Weihrauch und Myrrhe können wir jetzt nichts mehr anfangen: als Räucherware hätten wir sie etwas früher gebraucht, dann wäre uns vielleicht der Virus aus dem Weg gegangen. Aber der ist jetzt Geschichte, wie schon morgen Frau Fischers Fritzen Geschichte sein werden. Uns ist schon ganz schlecht. Mit Weihrauch würde das bestimmt nicht besser.

Dieser letzte Tag ist traditionell der Abschieds- und Arbeitstag: Abschied nehmen, kuscheln, knuddeln, klagen und all die organisatorischen Dinge erledigen, die uns auf andere Gedanken bringen, Käuferordner zusammenstellen, Kaufverträge schreiben, Mitgift bereitstellen, fürs Frühstück morgen einkaufen, was eben so anfällt. So geht der Tag vorüber. Deshalb wollen wir diesem letzten Tag auch nicht mehr Aufmerksamkeit schenken als er verdient und uns lieb sein kann. Natürlich setzen wir die Fritzlein auch heute in die Waagschale, damit sie gewogen und nicht zu leicht befunden werden und stellen fest, dass nun auch der letzte Rest eines Virus genauso der Vergangenheit angehört wie ab morgen die Wiegerei: 2650 Gramm sprechen für sich. Schnelldurchlauf: Franz 7580 (+280), Felix 7440 (+280), Flori 7050 (+240), Ferdi 7000 (+250), Fetzer jr. 6780 (+380), Fado 6710 (+270), Fianna 6590 (+270), Frenzy 6310 (+110), Fanni 6260 (+330), Fine 5820 (+130) und Franca 5310 (+110). Da ist ein sehr befriedigendes Ergebnis, da braucht sich keiner beschweren, dass er einen Hungerhake ausgehändigt bekommt. Die Fritzen sind stramm und kompakt und haben alles am rechten Fleck, jawoll, das Herz auch.

Ein letztes Rudelkuscheln
Ein letztes Rudelkuscheln im Schneetreiben
Draußen saust immer noch ein deftiger Wind um die Häuser, bringt ein paar Schneeflocken mit, macht aber mit -1°C keinen Strich durch die Rechnung, den Garten noch einmal voll ausleben zu dürfen. Dabei scheiden sich heute die Geister, während die einen gar nicht mehr rein wollen, zieren sich die anderen, raus zu gehen. Sollen sie es halten, wie sie es wollen; heute ist sozusagen ganztägig Freinacht. Und sie nutzen diesen letzten Tag, als wüssten sie, dass ein solcher nie mehr wieder kommen wird, dass es der letzte sein wird, an dem sie alle zusammen spielen und kuscheln werden. Sie kommen kaum zur Ruhe, es ist als ob sie alles nochmal probieren und anfassen müssten, als ob sie sich von jedem einzelnen, in all den Tagen lieb gewonnenen Teil, verabschieden müssten. Die Schlafphasen reduzieren sie
Fetzer jr. mit Futterschüssel
Der Junior macht fette Beute
auf das Nötigste und sind wie der Igel beim Wettlauf mit dem Hasen immer schon da. Uns macht das alles nur trauriger. Heute macht uns sogar traurig, wenn sie uns an die Wäsche gehen und unsere Hände perforieren. Was ist schon eine getackerte Hand gegen ein welpenleeres Haus?

Anders geht es da Anouk und Franzi. Während Anouk mit stoischer Ruhe die Zudringlichkeiten und Schmusereien ihrer Neffen und Nichten erduldet und oft genug erwidert, kann Franzi wirklich schön langsam keinen Welpen mehr sehen; sie ist mit der Welpenwelt fertig, und das nicht nur, weil sie definitiv keine mehr bekommen wird, sondern weil sie mental und

Die Fritzen und die Kartonage
In dieser Kiste reisen wir nicht!
körperlich ausgemergelt ist wie Ötzi aus dem Eis. Trotzdem steht sie noch immer, und das ist wirklich außergewöhnlich für diesen Zeitpunkt, ihren Mann oder besser: ihre Mutter und säugt noch mindestens zweimal täglich im Stehen. An diesem Programm beteiligt sich auch Anouk immer noch, will nicht schwächeln und Franzi ein wenig von ihrer Last abnehmen. Es ist zutiefst anrührend, wenn man die beiden morgens nach dem Spaziergang auf der Terrasse stehen und ihre Mutterpflichten verrichten sieht; links hängen fünf und schmatzen, rechts sechs und grunzen, als ob die Welt aus nichts als Glück bestünde. Wie viel bei dieser Speisung tatsächlich noch abfällt, wissen wir nicht, aber für die Fritzen ist es ein unverzichtbares Ritual wie für uns die Wiegeaktion.

Fado vom Bairischen Blues
Fado
Einen Fritzen haben wir uns in den vergangenen Tage nicht unter die Lupe genommen, einer fehlt noch, das holen wir jetzt nach: Fado. Als einen durch nichts zu erschütternden schwarzen Iberer haben wir ihn vor vier Wochen charakterisiert, einer, dem nur ein „hoppala“ entfährt, wenn hinter ihm eine Schrankwand einstürzt, aber auch einen, der mit Hingabe und unverhohlener Freude unsere Nähe sucht und schätzt. Damit könnten wir jetzt auch aufhören: Fado ist vermutlich jenes Fritzen-Exemplar, das sich charakterlich am wenigsten verändert hat. Er ist noch immer von einer unbändigen Ruhe und Gelassenheit beseelt, geboren, um selig auf den Wellen des Lebens zu surfen und ein Lied zu pfeifen. Im Frack wäre er die Idealbesetzung für einen Oberkellner in einem Wiener Kaffeehaus, dem das „Küss die Hand“ selbst dann nicht im Hals stecken bleibt, wenn er von einer Bande pubertierenden Texanerinnen zum Gespött gemacht wird. So etwas ficht den Fado nicht an. Fado ist ein stabilisierendes Element im fragilen Gleichgewicht der Fritzenschaft. Dort wo dauernd etwas in Bewegung ist, wo aus Raufbolden Dandys werden und aus Zimtzicken Ladys (und anders rum), verhält sich ein unverrückbarer Monolith Fado wie der Pin auf einem Plattenteller: er sorgt für Halt, Gleichlauf und Harmonie. Fado ist gutmütig, aber nicht doof, schon gar keiner, dem man ungestraft den Pelz einseift, einem Pelz im übrigen, der so flauschig ist, als ob er täglich shampooniert würde. Nein, Fado, ist kein Maulheld und kein Lautsprecher, kein Möchtegern und kein Blender, Fado ist ein durch und durch ehrlicher Bursche, dem Hinterhalte und Ränkespiele ein Gräuel sind. Und er ist ein unerschütterlicher Menschenfreund. Noch immer genießt er unsere Nähe, wenn er auf der Waage sitzt, strahlt uns an, lässt sein Schwänzchen rotieren und würde sich gerne als Ersatz für all jene Geschwister zur Verfügung stellen, die es mit der Waage nicht so sehr haben: nehmt mich, ich halt‘ auch ganz bestimmt still. Gerade in den letzten beiden Wochen schloss Fado sich uns immer mehr an, rückte ins Zentrum des Geschehens, war ständig zugegegen, immer irgendwie around, wurde so zum Allrounder der unaufdringlichen Art. Zum Champagner-Schorsch eignet sich Fado sicher nicht, als Portwein-Paul in einer heiteren Kellerrunde kann man ihn sich aber gut vorstellen.

Champagner oder Portwein – uns ist heute weder nach dem einen noch nach dem anderen. Wir erledigen bis zum bitteren Ende, was erledigt werden muss und ziehen uns dann die Decken über den Kopf. Wir könnten aber genauso gut versuchen, im Stehen zu schlafen oder uns zu besaufen. In einer solchen Nacht ist alles eins, wie im Hexeneinmaleins.

Achte Woche von Frau Fischers Fritzen - Sa

Samstag, 07.01.2012

In orthodoxen Ländern mit julianischem Kalender wird heute Weihnachten gefeiert. Das mag auch für diejenigen zutreffen, die heute ihren Liebling dem Bairischen Blues entwenden dürfen, die ein Geschenk erwarten dürfen, sechs bis acht Kilo gewichtig und quicklebendig. Für uns ist heute alles andere als Weihnachten.

Wir machen einen letzten offiziellen Gewichtsdurchlauf, weil es der letzte sein wird, bei dem alle zusammen aufgeführt sein werden. Morgen wird die Gewichtstabelle Zahnlücken ausweisen und dementsprechend wenig Biss haben. Diese Routine ist inzwischen so verinnerlicht, dass wir uns schon alle auf einander verlassen können. Wir wissen, dass Frenzy immer noch keinen Bock auf Wiegen hat, wir wissen, dass Fanni auch an diesem, ihrem letzten Wiegeritual eingekorbt werden muss, wir wissen, dass Franca unerschütterlich den Kleinen Zehnten vom Platinum einklagen und andere dazu animieren wird, wir wissen, dass Fado uns anstrahlen wird und, wenn es nach ihm ginge, den Rest seines Lebens auf dieser Babywaage verbringen könnte; es ist ein Stück unseres Lebens und unseres Alltags geworden.

Ein letztes gemeinsames Frühstück
Henkersfrühstück
Na denn, die Finalgewichte des Fritzen-Wurfs – und, zefix, der Flix hat es doch noch geschafft! 7620 Gramm für Felix (+180), 7610 Gramm für Franz (+30). Vielleicht liegen sie ja auch gleichauf, weil bei diesen Zappelphilippen sowieso jedes Messergebnis ein Näherungswert ist. Gleichwohl hat Franz auf der Zielgeraden austrudeln lassen – selber schuld. Flori 7240 (+190), Ferdi 7050 (+50). Das war dann die Galerie der Vierzehnpfünder. Fado 6850 (+140), Fianna 6790 (+200), die sich damit genau so knapp an Fetzer vorbeigemampft hat wie Felix an Franz: Fetzer 6780 (0). Frenzy 6500 (+190), Fanni 6410 (+150), Fine 6020 (+200). Als einzige unter sechs Kilo verbleibt Franca mit 5640, aber beachtlichen330 Gramm plus – Tageswertung für Frau Fischer. Wir versiegeln hiermit die Gewichtstabelle des F-Wurfs für alle Zeiten. Fin, Fine, Finito…

Abschied vom F-Wurf
Abschied von Herzen und herzhaft
Um elf Uhr beginnt der Aufmarsch der Kidnapper. Wir frühstücken gemeinsam, regeln, was zu regeln ist, plaudern und trauern, wie wir das nun schon in der sechsten leidvollen Auflage praktizieren dürfen. Rund um 14 Uhr herum verlassen uns nacheinander Fine, Fanni, Franz und Frenzy und wir geben ihnen unseren Segen und den Wunsch auf ein langes, glückliches Leben mit auf den Weg. Was allerdings überhaupt nicht geklärt ist, ist die Frage, mit wem Franca jetzt spielen soll, wenn ihr Leib- und Magenfranz weg ist?

Wir ziehen uns zurück und stellen fest, dass sieben verbleibende Welpen, für viele Züchter ein voller Wurf, für uns so leblos wie der Chicagoer Zentralfriedhof sind. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Restfritzen sehr introvertiert geworden sind; sie haben gespürt und spüren es immer noch, dass da etwas ganz Unheilvolles im Gange ist. Ihr Spiel war schon morgens ziemlich verhalten und ist jetzt beinahe ganz zum Erliegen gekommen; verstreut liegen sie in der Küche und starren in die Leere, streichen mal suchend und ziellos umher, um sich alsbald wieder klagend niederplumpsen zu lassen.

Wir lassen sie mit sich alleine, schließlich ziehen ja auch wir es vor alleine zu sein. Jeder leistet die ihm gemäße Trauerarbeit. Später tauen sie dann wieder auf und sortieren sich neu, kommen zum alten Betrieb zurück. Da haben sie uns etwas voraus.

Achte Woche von Frau Fischers Fritzen - So

Sonntag, 08.01.2012

Tief in der Nacht, eher schon am frühen Morgen, rumort es im Erdgeschoss. Der Herr dreht und wendet sich und wartet auf eine Reaktion der Chefin. Die bleibt aus, nur unten rumort es weiter. Keine Reaktion von nebenan. Aber sie lebt, daran besteht kein Zweifel. Der Umtrieb im Welpenreservat hört nicht auf.
Er:“Du solltest mal runter schauen.“ Es ist schließlich seit sechs Würfen ungeschriebenes Gesetz, dass die naseninsuffiziente Chefin den ersten Schritt in den Augiasstall tut.
Sie:“Es ist halb vier“.
Er:“?!“ Aber immerhin kennt sie die Uhr. Sie schweigt und ruht wie ein Fels. Weitere Worte erscheinen bei einer so ausdrucksschwachen Diskussionsführung so sinnvoll, wie der Versuch, die Chinesische Mauer mit einem Chinakracher zum Einsturz bringen zu wollen. Der Herr bricht also mit einer unverrückbaren Tradition und macht die Chefin – lautlos – für den fortschreitenden Verfall der Sitten verantwortlich. Er schlüpft in Socken, Hose, Jacke.
Sie: „Schau aber von außen rein.“ Darauf wäre er nicht gekommen.
Er: „Sieht aber so aus, als ob das Terrassenlicht brennt; da sieht man nichts.“
Sie: „ Es ist eine helle Nacht.“ Es regnet.
Er begibt sich zur Tür, draußen meldet sich der Bandit Rossi.
Sie, durch die fast schon geschlossene Tür hinterher:“ Tritt aber nicht auf den Stein.“
Er: „Welchen Stein?“ Er ist eher in Gefahr, auf den Banditen zu treten.
Sie: „ Den auf dem Gully, den Ton kennen sie, dann wissen sie Bescheid.“
Ach so: vor dem Ausgang der Hundedusche haben wir einen noch nicht fertiggestellten Abfluss mit einer Granitplatte abgedeckt, damit sie nicht hineinstolpern oder dessen Innenleben zerpflücken.
Er schleicht die Treppe hinunter, vor ihm der Bandit: „Bäh“. Der Bandit miaut nämlich nicht, er kräht oder blökt, so wie er nicht schnurrt, sondern röchelt.
Er: „Halt die Klappe!“
Bandit: „Bäh!“ Sie stiefeln beide, der Bandit vor ihm, die Treppe hinunter, ohne Licht, weil die da unten ja überrascht werden sollen.
Der Bandit, lauter: „BÄH!“
Er:„Halt endlich das Maul, rotes Arschloch!“
Der Bandit, empört: „KRÄH!“
Der Herr schleicht an der Tür zum Welpenreservat vorbei und kann durch das Riffelglas hindurch keinerlei Bewegung erkennen. Au weia, das verheißt nichts Gutes, eigentlich müsste man sie da drinnen verteilt herumliegen oder wandern sehen. Er schleicht durch die Hundedusche ins Freie und tritt –Plopp plopp – auf die Gullyabdeckung, also doch!, stellt natürlich sofort fest, dass das Terrassenlicht brennt, hat sie gestern Nacht vergessen, weswegen ein Blick um die Ecke ins Wohnzimmer überflüssig scheint; man kann durch ein innen dunkles und von außen beleuchtetes Fenster nicht nach drinnen blicken. So ist es auch: er starrt in ein tiefschwarzes Loch. Doch halt! Da bewegt sich was, etwas Weißes, am Fenster. Felix? Nein, der ist größer und baumelt nicht, obwohl er es gelegentlich verdient hätte. Ah! Im Fenster schwebt noch immer ein roter, beleuchtbarer Weihnachtsstern und aus dessen unterem Ende hängt ein Stromkabel heraus (das hatten die vor 2000 Jahren auch schon besser im Griff, ohne Kabel). Dieses Kabel ist zu kurz und reicht nicht bis zum Fußboden, deshalb muss es verlängert werden. Und genau diese weiße Kupplung des Verlängerungskabels schaukelt - nicht im Wind, das kann nicht sein. Also kehrt, plopp-plopp, auch schon egal, Sch…gully, durch die Dusche zurück in den Hausflur und ins Welpenreservat, jetzt ganz ohne jede Vorsichtsmaßnahme – und tatsächlich: sieben Fritzen jubelnd und grölend im Wohnzimmer, im kleineren Teil, wo die Couch steht und ein paar Pflanzen und Krempel, aber dort fühlen sie sich wohl, dort räumen sie auf, dort bauen sie ein Nest und richten es ein. Kein Pardon, auch die letzten Mohikaner haben keine Sonderrechte! Sie werden abgeschoben und ausgewiesen und in ihr Reservat zurück gebracht. Die Freudenfeiern der Wilden Sieben kann man sich ausmalen.
Danach entsorgt der Herr noch elf Häufen – elf! – von sieben Welpen zwischen 22 und 3:30 Uhr, allerdings sehr stramme und ordentliche Häuflein, die des Herrn Herz zu dieser frühen Stunde dann doch erfreuen. Und schon liegen sie wieder herum, sind zufrieden, rollen sich ein und machen keinen Ausbruchsversuch mehr. Der Zustand des Transits lässt auch keine Rückschlüsse auf einen technischen oder planerischen Fehler zu, der ihnen den Ausbruch ermöglichte. Der Transit ist intakt, aber nicht an seinem Platz. Der Fehler dürfte oben im Schlafzimmer zu suchen sein, dort, wo jemand so tut, als sei das alles nicht seine (ihre!) Angelegenheit. Doch: Wer hat gestern

Franzi versucht festzuhalten, was festzuhalten ist
Franzi versucht festzuhalten, was festzuhalten ist
Abend hier unten klar Schiff gemacht und die Kinder ins Bettchen gebracht? Und dann auch noch kneifen. Aber der Bandit ist jetzt zur Strafe draußen im Regen und saugt sich voll Wasser und ist wahrscheinlich vor Zorn noch roter als zuvor.

Ab 11 Uhr kommt die zweite Auflage des Ablassfrühstücks zur Aufführung – wir müssen jetzt auch von den letzten Lieblingen ablassen. Die Duplizität der Ereignisse verdient keine weitere Erläuterung. Um 14 Uhr sind alle, bis auf Fetzer und Fianna, weg. Für den Junior schlägt die Stunde um halb sieben. Und fortan sind wir allein mit einem kleinen, aber sehr liebenswerten Zuwachs: Fianna darf bleiben. Der Blues ist ärmer geworden und trotzdem größer.

 

Epilog

Die Anrufe und Mails haben bestätigt, was wir erwartet und vorher gesagt hatten: Alle, auch Flori, der am weitesten reisen musste, haben die Fahrt gut überstanden und machten ihr neues Reich ohne große Umstände zu ihrem eigenen. Auch die ersten Nächte verliefen ohne Beschwernisse, meist musste nur eine Pinkelpause in den Nachtschlaf gestanzt werden und dann war wieder Ruhe bis morgens. Auch Fianna musste einmal gegen halb vier raus und gönnte uns danach unseren Schlaf wieder. Sie kam zu uns ins Schlafzimmer, missachtete das bereit gestellte Kuddebett und legte sich unters Bett, aber so, dass die Nase heraus lugte – richtig naseweis, die Kleine.

 In den Welpenschulen bestechen die Fritzen durch ein sehr breitbrüstiges Selbstvertrauen und durch Handlungssicherheit; an Selbstzweifeln scheinen sie auch außerhalb ihres Stammsitzes nicht zu leiden. Es scheint also alles gerichtet für eine erfolgreiche Karriere als Hovawart vom Bairischen Blues.

Bei Franca machte diese Karriere einen kleinen Umweg über Start. Nach zweieinhalb Wochen, in denen die Äußerungen ihres Selbstbewusstseins den Mut des weiblichen Personals ihrer neuen Unterkunft schrumpfen ließ und so ihr Selbstbehauptungswille im Quadrat zu deren Mutlosigkeit wuchs, mussten wir alle die Reißleine ziehen. Franca kam vom Tegernsee wieder zurück ins Mangfalltal, wo sie uns eine Woche eine so liebenswerte Mitbewohnerin wurde, dass das Herz beinahe den Verstand umnebelte, weil wir sie gar nicht mehr hergeben wollten. Doch nach einer Woche bekam Franca eine sehr hoffnungsvolle zweite Chance, die wir alle zusammen beim Schopfe nahmen und es nicht bereuen mussten. Auch Umwege sind Wege, die ans Ziel führen.

 

Familie Schmid
Familie Schmid, Rieder-Schmid
Franca, die Frau Fischerin und Erstgeborene des F-Wurfs, lebt nun in Holzkirchen, nur ein Katzensprung von ihrer Schnullerbox entfernt.
Wie viel Selbstbewusstsein und Durchsetzungswillen in dir kleinem Persönchen stecken, haben deine Erstbesitzer erfahren müssen. Nach einigen Wochen des Hinterherhinkens hinter deinen Geschwistern entwickeltest du dich zu jener pfiffigen und lebensfrohen Maus, die wir am Schluss so liebten und bewunderten. Aber auch deine Kampfeslust hast du entdeckt und deinen zarten Körper so geschickt ins Getümmel geworfen, dass mancher Bolide sich erstaunt die Augen rieb. Wir auch. Wir haben keinen Zweifel, dass auch dir in deinem neuen Heim, in dem Musik und Kunst den Takt vorgeben, das Feinsinnige zum Lebensinhalt werden wird. Beinahe wärst du am Ende noch eine von uns geworden, so sehr hatten wir dich ins Herz geschlossen. Jetzt lässt du dich Franzi rufen und trägst somit den stolzen Namen deiner stolzen Oma im Pass und den großen Namen deiner Mama im Munde und in die Welt hinaus. Dieser Verantwortung solltest du dir jederzeit bewusst sein und dich ihr würdig erweisen.

Familie Appel
Familie Appel
Frenzy hat ihr Zelt in Übersee aufgeschlagen, nein, nicht in Amerika, sondern in Übersee am Chiemsee.
Und doch hat dieses Bild von Jenseits des Großen Wassers etwas Symbolisches für Frenzy, die ständig mit einem Beinpaar sicheren Halt im alten Europa suchte und mit dem anderen Paar mutig den Schritt auf unbekanntes Terrain wagte. Noch hast du, liebe Frenzy, deine Mitte nicht gefunden, noch bist du hin- und hergerissen zwischen Fluchtreflex und Kampfbereitschaft. Deine neuen Leute haben genug Hundeverstand und Erfahrung, auch mit Hovawarten, um dir deine Stärken aufzudecken. Und mit drei Kindern im Haus wird es dir kaum langweilig werden; da wirst du dich behaupten müssen. Aber genau damit hast du ja nie ein Problem gehabt. Nein, Sorgen machen wir uns um dich wirklich keine, wenn wir an dich und deine Leute denken, sind wir ganz entspannt.

Familie Schiffmann
Familie Schiffmann
Flori, der schöne Flori, hört jetzt auf Nero und lebt als „Juniorchef“ des Landhaus Schiffmann in Brauneberg an der Mosel. Und dass es ihm auch an gar nichts mangelt, geht ihm der alte Hovi Duke zur Hand.
Weinseligkeit könnte deine Bestimmung sein, so offen, aufgeschlossen und frohgemut wie du durchs Leben gehst. Schier unerschöpfliche Menschenliebe zeichnet dich aus, und die ist in einem Hotel auch unverzichtbar. Stell dir vor, du wärst so ein richtiger bayerischer Grantler, dem erst nach der dritten Maß ein freundliches Wort auskommt, um nach der vierten schon wieder ins Obszöne abzugleiten! Da hältst du dich doch lieber an den alten Lateinspruch: In vino floritas, lässt die Gläser klingen und hältst die schönen Dinge des Lebens so hoch, dass du dich gleich selbst zu einem gemacht hast; selbst ist der schöne Mann. Lieber Flori, wir wissen dich in guten Händen und sind überzeugt, dass du den Ruhm des Bairischen Blues nähren und mehren wirst: ein Strahlemann wie du kann doch gar nicht anders als die Menschen verzaubern. Jedenfalls bist du uns Grund genug für eine Reise an die Mosel.

Susanne Klingler
Susanne Klingler (& Johannes Berner)
Fetzer jr., der Zarte mit den Lackschuhen, ist ins Schwabenland gezogen, nach Korb im Remstal.
Dir haben wir ein sehr umfangreiches Verhaltensrepertoire zwischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde bescheinigt. So etwas, lieber Fetzi, muss man immer positiv sehen, weil es deine neuen Leute dazu zwingt, ebenfalls ein paar neue Seiten an sich kennenzulernen und zu entwickeln. Kann doch auch nicht schaden, nicht wahr? Wozu sonst holte man sich einen Hovi in die Familie? Tatsächlich bist du eben ein kleiner übermütiger Lümmel im Sonntagsfrack, dessen Amplituden zwischen Größenwahnsinn und Schnullerbedürfnis immer flacher werden. Am Ende werden nur noch moderate Schwingungen eines ausgesprochen liebenswerten Burschen übrig bleiben. Du bist uns sehr ans Herz gewachsen, weil du so ein munterer, herzhafter und herzlicher Pfiffikus bist. Wenn dazu noch schwäbische Bauernschläue kommt… Dein Ex-Chef weiß, was das bedeutet.

Familie AlbrechtFine, die kleine Blonde, muss von allen in die zweitgrößten Schuhe schlüpfen und Anouks Schwester Ronja in Regensburg eine würdige Nachfolgerin sein.
Niemand hat es in einer solchen Rolle leicht, aber mit deinem Charme und deiner Lebensfreude wird dir das gelingen, auch, weil deine neuen Leute viel Liebe und Lebensfreude in sich haben und in ihren Herzen neben einem unverrückbaren Platz für Ronja noch genügend Raum für eine Herzensbrecherin wie dich bereitstellen können. Dein sonniges Wesen wird noch vielen Todgeweihten letzte Glücksmomente bescheren, wenn du mit deiner Chefin auf Krankenbesuche gehen und letzten Trost spenden wirst. Manche werden mit deinem Namen auf den Lippen sterben: Fine. Schon deswegen hätten wir dich nicht behalten dürfen.

Familie Merkel
Familie Merkel
Über Franz, alias Hofer Andi, ist schon so viel gesagt worden, dass alles weitere eigentlich überflüssig ist.
Über deinen Freiheitsdrang ist alles gesagt (und wie wir hörten, hat sich daran nichts geändert), aber auch über deine Lebensfreude und soziale Kompetenz, die dich für alle deine Geschwister zum begehrtesten Spielpartner machte. Wir hatten den Eindruck, dass die Lethargie deiner verbliebenen Geschwister, als du gegangen warst, wesentlich damit zu tun hatte, dass ihnen der gute, alte Franz abhanden gekommen war. Als Nervensäge bekommst du in unserer Galerie einen prominenten Platz, aber auch als Seelenbalsam bist du bestens zu gebrauchen; wir haben schon erkannt, dass in dir mehr steckt als nur ein hysterischer Klaustrophobiker mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Du drehst am Rad, aber auch am Rad der Welt, beides nachhaltig und mit Vorsatz.
Deinen ersten Wohnsitz wirst du nun in Lauf an der Pegnitz, im Frankenland, nehmen (vielleicht schaffst du es ja, die anhaltenden Hahnenkämpfe zwischen Altbayern und Franken zu entschärfen) und dir diesen mit einem Hovi-Jüngling Adonis teilen. Was ihr da zusammen aushecken werdet, kann man sich denken. Aber du hast auch noch einen Zweitwohnsitz am Waginger See im Chiemgau, wo wir dich gerne besuchen werden und wo auch deine Schwester Fine eine Ferienwohnung besitzt. Einer Familienaufstellung der besonderen Art steht also nichts im Wege.

Familie Welter
Familie Welter
Fado, der Schwarze Iberer, hört jetzt auf Paul, bleibt in der Nachbarschaft und schlägt sein Lager in Kolbermoor, nur wenige hundert Meter von seiner Halbschwester Lily (Exe), auf.
Wie ein von der letzten Eiszeit ausgespuckter Basaltblock ragtest du unerschütterlich zwischen deinen Geschwistern hervor. Du warst Eisbrecher und Herzensbrecher, Tiefenentspannung und Hochgefühl. Für deine Geschwister warst du immer der mit dem dicken Fell, an dem man sich versuchen konnte. Wenn dem mit dem dicken Fell dann mal der Kragen platzte, mussten sie sich wieder die Knöpfe an den Pelz nähen. Dein Name kommt vom lateinischen Fatum, was Schicksal oder göttlicher Wille bedeutet und bezeichnet einen portugiesischen Musikstil, der von unglücklichen Liebschaften und der Sehnsucht nach besseren Zeiten erfüllt ist. Weil du aber ein waschechter Bayer bist, steckt in dir so viel Hallodri, dass es gar nicht zur Saudade kommen kann, sondern du einfach ein richtiger kleiner Saubazi bist. In der Süddeutschen Zeitung vom 29. November 2011 fanden wir einen Artikel mit der Überschrift: Der Fado ist jetzt auch Weltkulturerbe. Das wäre eine Karriere! Deinen Leuten wäre es schon genug, wenn du dich an die ortsüblichen Sitten und Gebräuche halten würdest. So ein Fado kann nämlich ganz schön unter die Haut gehen…

Familie Fottner
Familie Fottner
Fanni, das süße Schnittchen, zieht nach Gerolsbach im Landkreis Pfaffenhofen.
Auch du musst dir deinen Platz im Rudel mit drei Kindern erarbeiten. Wir haben geschrieben, dass du wahrscheinlich das Liebste bist, was dem Blues jemals entsprungen ist, und dabei bleiben wir. Spielen, rennen, kuscheln, blödeln, das ist deine Welt, und davon kannst du nicht genug kriegen. Wenn es deine Leute also richtig anstellen, vor allem natürlich die Kurzen, dann wirst nicht nur du für sie ein Glücksfall sein, sondern sie auch für dich. Aber bei dir kann man doch gar nichts falsch machen, du gehst auf die Menschen zu, bist immer freundlich, immer gut gelaunt, setzt deine Waffen nur mit Bedacht ein und gibst über deine Befindlichkeit immer brav Auskunft. Du bist wie ein offenes Poesiealbum. Ein bisschen hypermobil bist du allerdings auch, so eine, die wie eine Flipperkugel unterwegs ist und plötzlich wie ein Lichtstrahl aus dem Wurmloch geflogen kommt und verschwunden ist, bevor man dich zu fassen bekommt. Wir haben viel Spaß mit dir gehabt und können uns nicht vorstellen, dass es irgendjemand geben könnte, dem du nicht ebenfalls ein Sonnenschein wärst.

Familie Koch
Familie Koch (mit Felix' "Chauffeur" Joki, re.)
Über Felix muss eigentlich genauso wenig gesagt werden wie über Franz. Deswegen machen wir es kurz. Felix war der einzige, der schon eine neue Heimat hatte, bevor er geboren war. Und als ob ihn diese Gewissheit mit Sicherheit satt ausgestattet hätte, ging er das Abenteuer Leben an, als sei es eine einzige große Casting-Show. Felix, everybody’s darling! Felix Hütchenspieler und Felix Traumtänzer, Felix Faschingsprinz und Felix Feinsinn, Felix hier und Felix da, Felix Haudrauf und Felix Habmichlieb. Nein, es ist wirklich alles gesagt. Nur eins nicht: Felix ist ein einziges unglaubliches Naturereignis wie das Polarlicht. Felix ist das gesamte Programmheft eines großen Schauspielhauses: Kitsch und Kunst, Leichtes und Schwerverdauliches, Anrührendes und Gewöhnungsbedürftiges. Doch wäre es ein großes Schauspielhaus, wenn nicht die großen Momente überwiegen würden? Wir sind froh, dass wir uns nicht auf die Güte des Schicksals verlassen müssen, sondern Felix in nicht nur äußerst liebevolle, sondern mehrfach Hovawartrüden-erfahrene Hände geben können. Das lässt uns auf Jahre hinaus ruhig schlafen.
Felix treibt nun sein Wesen, zusammen mit der alten Napoli, nahe Mindelheim im Unterallgäu, in einem Weiler namens Katzenhirn. Und dass er dort, zwischen den Schlafstätten von Fuchs und Hase, nicht allzu weltfremd wird, darf er mit einem „eigenen Chauffeur“ auch noch auf Reisen und auf Krankenbesuche gehen. So etwas passiert auch nur einem wie Felix, der schon seines Namens wegen ein Glückskind sein muss.

Familie Rohde
Familie Rohde
Ferdi, Franzis ultimativ Letztgeborener, verbringt seine Tage im oberbayerischen, fast schon tirolischen Flintsbach.
Einer wie du, so ein kleiner Klabauter, mit fliegenden Ohren und Rockschößen, ist immer in Gefahr, Opfer größtmöglicher Liebe zu werden. So einer wird gerne gehätschelt und verwöhnt, weil man ihm nie böse sein kann. Wir wissen, wovon wir sprechen. Was haben wir gelacht, wenn dich deine Tempoläufe aus der Kurve trugen und du wie ein Torpedo mitten in einem selbstvergessenen Geschwisterhaufen einschlugst und schon wieder weg warst, ehe die Gemetzelten das Ereignis zur Kenntnis nehmen konnten. So einer bist du: blitzschnell an Körper und Geist, gewieft wie ein bayerischer Viehhändler – aber eben kein Rosstäuscher. Du kannst dir jederzeit in die Augen sehen, so wie du uns mit deinen Schwerenöterblicken oft genug an den Rand der Kapitulation gebracht hast. Dein Blick und deine ungebremste Zuneigung sind wie ein süßes Gift, das alle guten Vorsätze und Sitten im Umgang mit dir schleichend auflöst. Man muss dich im Auge behalten, so wie du uns nie aus den Augen verloren hast.

Fianna mit Heike
Fianna mit Heike
Fianna bleibt beim Blues und hat neben Fine den schwersten Job, nämlich, Anouk und Franzi eine würdige Nachfolgerin zu werden. Geht’s schwerer? Aber sie hat unsere Herzen schon früh gemeuchelt und die Fragen „Franca, Fine oder Fianna“ hat sie durch Präsenz und rabenschwarze Penetranz ausgesessen. Eigentlich stand nur die züchterische Frage: Hat sie ein Blond-Gen oder nicht? einer frühen Festlegung im Wege. Sie hat diese Frage ins Reich der Spitzfindigkeiten abgedrängt. Sie wusste offensichtlich, dass die Liebe eben hinfällt, wo sie hinfällt und nicht an einem Gen festzumachen ist.
Liebe Fianna, ab jetzt gehen wir alle durch Dick und Dünn gemeinsam (und da wird einiges anfallen!), egal ob du ein Sofawart wirst oder Weltmeister, ob du uns Kinder schenkst oder nur Sorgen – wir gehen jeden Weg gemeinsam bis ans Ende. So ist das beim Blues.

 

Wir schließen nun das Zuchtbuch des Bairischen Blues auf unbestimmte Zeit und danken allen, die uns bis hierher begleitet und ihr Vertrauen geschenkt haben. Wir werden weiter präsent sein, die Wege unserer Kinder verfolgen und darüber berichten. Und ihren Leuten werden wir weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen und Freunde sein.

Keep on the sunny side,
Always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life.
It will help us ev'ry day,
It will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life.