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G-Deih und G-Schrei
- G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 2

2. Woche (22. 09. - 28. 09. 2015)
Dienstag, 22. 09. 2015
Es herbstelt morgens beträchtlich, aber blitzblank bei 7° C. Da wird sogar der Vize gefragt, ob nun er der präsenile Bettflüchter sei, als er kurz vor 6 Uhr in der Küche erscheint und offenbar einen arbeitswilligen Eindruck macht. Ausnahmsweise sei's die Lerche und nicht die Nachtigall, die ihn betört und tatendrängig mache, veredelt er mit Shakespeare den eh schon schillernden Morgen. Und mit Schillers "Frisch, Gesellen, seid zur Hand" wird um 6 Uhr die Waage aktiviert. Und was nun auf diese gelangt, hat es zumeist in sich oder besser: an sich. Wir beten die Auflastungsliste von oben nach unten herunter: Gamba +100 (760), Girgl +90 (800), Greta +90 (700), Gruschel +80 (660), Grappa +70 (750), Gustl +60 (720), Gundel +60 (720), Gosh +60 (700), Gaudi +60 (630), Greco +50 (730), Grille +0 (680). Das summiert sich auf pappsatte 660 g Zunahme. Und dass Grille offenbar lieber zirpt als zuzelt, scheint ihr nicht zu schaden.
Eigentlich war Fianna für unseren Geschmack gestern zu wenig in der Schnullerbox, andererseits sind die Welpen bestens versorgt. Das liegt auch daran, dass sie mittlerweile einen kräftigen Zug entwickelt haben, der die Zitze schnell anspringen lässt. Man hört das, weil schon Sekunden, nachdem einer angedockt hat, das zufriedene Knarzen aus der Kiste schallt, was eindeutig auf eine reichlich sprudelnde Quelle hindeutet. Das korrespondiert natürlich perfekt mit dem ritualisierten Turbosaufen auf der Wiesn (für Ausländer: Oktoberfest), das seit Samstag in vollem (sic!) Gange ist. Selbst die magersüchtigsten Jungfrauen und schwindsüchtigsten Jungbullen erklimmen die Sitzbank, zittern mit ihren Spindelarmen den massigen Maßkrug in die bierdünstige Luft, grölen zum Tusch der Musikanimationsmaschine "Oans, zwoa, gsuffa" - und purzeln kurz darauf von ihrer Bank wie unsere satten Kinder von der Tankstelle. Allerdings werden unsere Saufkumpane dabei fett, die anderen bloß grün im Gesicht. Die unseren bekommen stramme Wadln, die dortigen weiche Knie. Die einen bekommen davon einen Filmriss, die unseren einen Milchschi... Ups ...
Fianna in PutzlauneWeil wir schon gerade dabei sind: ein Wort zur Hygiene. Die kleinen schwarzen Pinienkerne der Welpen hat Fianna, wie berichtet, nach kurzer Eingewöhnungszeit entsorgt. Die neuartigen hellbraunen Breiwürstchen beseitigt sie jedoch nur, wenn sie ihr beim Ablecken der kleinen Hintern sozusagen auf der Zunge zergehen. Sobald diese aber unaufgefordert abgesetzt werden und den Teppichboden ihrer Einraumwohnung berühren, ruft sie nach dem Personal: Nicht mehr meine Baustelle! Und schon nimmt die Laufleistung der Waschmaschine, die sich in den letzten Tagen deutlich reduziert hatte, wieder zu.
Die füllig gewordenen Proportionen unseres Nachwuchses bleiben auch nicht ohne Folgen, denn schön langsam wird der Platz im Aussiedlerkörbchen, in das die Kinder nach dem Wiegen und zum Bettenwechsel gepackt werden, ziemlich knapp, und aus dem Elferrat wird ein Flüchtlingsrat. Wir hatten es gestern bereits prophezeit; noch hauen sie nur aus dem Korb ab, aber die 10-Zentimeter-Sperre der Kiste wird sie schon in den nächsten Tagen nicht mehr aufhalten können. Der Ordnung halber und die Befriedigung der Neugier dienend, müssen wir wohl auch den Namen der kleinen Republikflüchtlinge nennen: Es sind Grille und Girgl. Girgl legt einfach sein Tonnengewölbe auf den Korbrand und schaukelt sich wie eine Robbe drüber. Grille dagegen, das haben wir schon zur Kenntnis genommen, ist geschickt und geschmeidig; die bewältigt den Korbrand mit einer Art seitlichem Fosbury-Flop. Aber man kann es den beiden wirklich nicht verübeln: Die Elf sind schon so umfänglich geworden, dass sie wie Sardinen in der Dose gestapelt liegen. Wenn da Fluchtgedanken wachsen, muss man sich nicht wundern.
Ordnungshalber sollten wir noch erwähnen, dass wir bei Fianna ab sofort Podophyllum und Arnica absetzen. Wir haben keinerlei Hinweise, dass die inneren Verletzungen nicht wunschgemäß verheilt wären und der Stuhl ist fest und gut geformt; Durchfall wegen der vielen Nachgeburten ist nun auch nicht mehr zu erwarten.
Die zweite Woche lässt sich gut an.
Mittwoch, 23. 09. 2015
Es stürmt nachts, Regen peitscht ganz schauerlich gegen die Fenster. Als sich der Vize um halb sechs an seinen Saisonarbeitsplatz im Erdgeschoß begibt, regnet es immer noch bei 7° C. Der geht ja schon gut los, der Herbst und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass jetzt Kürbiszeit angebrochen ist. Und das letzte Bad in der Mangfall ist - jedenfalls für uns - auch schon Vergangenheit. Fianna ist härter im Nehmen und wird sich demnächst bestimmt kein Bad ausreden lassen. Doch bis dahin muss sie sich noch ein wenig gedulden.
Um den alten Werbespruch "Ob's stürmt oder schneit, wir sind stets bereit" zu neuen Ehren kommen zu lassen, stürzen wir uns auch bei herbstlichem Mistwetter in die Gewichtsregistrierung unseres Nachwuchses, und dazu brauchen wir keine herbsttaugliche Medima-Unterwäsche, sondern eine Waage und ein Schreibgerät. Und los geht's, diesmal nicht von links nach rechts, auch nicht vom größten Zugewinn zum geringsten, sondern ganz unspektakulär vom Schwergewicht zum Hungerhaken. Der Waagen-Pascha ist unser Girgl, gelegentlich auch liebevoll Pavian gerufen (wegen der roten Po-Markierung), mit 840 g (+40). Nur winzige 10 Gramm hinter ihm lauert Gamba mit 830 g (+70) auf ihre Chance. Der Rest betrachtet die 800 g-Latte noch von unten: Gundel 790 g (+70), danach Grappa (+20), Greco (+40) und Gosh (+70) mit 770 g. Bereits 100 g hinter dem Girgl-Pascha verharren Gustl (+20) und Greta (+40) bei 740 g. Grille sitzt auf der 700 g-Latte und baumelt entspannt mit den Beinchen (+20), und dann kommen die Leichtgewichte Gruschel mit 690 g (+30) und Gaudi, der sich langsam von hinten heran robbt, mit 670 g (+40). Das sind schon wieder stattliche 460 g Aufbauhilfe. Stramme Leistung, Fianna.
Auf Besucherbeinen schläft es sich vorzüglichEs fällt nun zunehmend auf, dass die Welpen mehr und mehr ihre Umwelt wahrnehmen, obwohl sie noch immer nicht sehen und hören können. Wenn man sich an oder in die Kiste setzt, kommen sie schon angewackelt und suchen den Kontakt mit etwas, von dem sie nicht wissen, was es ist. Ist das Gottvertrauen, Leichtsinn, Übermut? Nichts von allem: Es ist die Wärme, die sie anlockt und die mit Streicheleinheiten antwortet. So entsteht die erste Prägung auf den Menschen, obwohl sie keine Ahnung haben, was das sein soll: Mensch. Jedenfalls scheint es etwas zu sein, das warm ist und guttut. Dass ihre Mama warm ist und guttut, haben sie schon längst verknüpft, und deshalb wieseln sie sofort herbei, wenn Fianna in die Kiste steigt, selbst, wenn sie keinen Laut von sich gibt: Sie nehmen ihre Wärme und ihren Geruch wahr und suchen sofort bei ihr Schutz, Geborgenheit und natürlich Kalorien.
Die Mutter selbst kann sich allerdings schön langsam auch schon wieder etwas anderes vorstellen, als ihr Leben in einer Kindertagesstätte zu verbringen, selbst wenn der Seehofer Horst auf die Idee kommen sollte, das verschmähte Betreuungsgeld jetzt zum Trotz an Hundekrippen auszuschütten. Sie lässt keine Gelegenheit aus, ihre Chefin beim Spaziergang zu animieren, endlich wieder etwas in ihren Augen Sinnvolles zu tun, z.B. Fußlaufen. Ständig hopst sie an ihrer Begleiterin hoch, zwickt sie in den Arm und in den Po: Nun komm schon, mach schon, sag's schon. Und wenn die dann das Zauberwort spricht:"Fianna, Fuß", dann schwebt ein glückstrahlender Hund wie ein Lipizzaner neben ihr. Kinderbetreuung ist zwar notwendig und wichtig, klar, aber doch nicht alles. Oder? Wie hat Wolf Biermann schon richtig erkannt? "Das kann doch nicht alles gewesen sein, das bisschen Fernsehen und Kinderschrein. Da muss doch noch irgendwas drin sein."
Ja, es ist noch was drin, und zwar in Fianna: sehr dünner Stuhlgang. Die verspeisten Nachgeburten sind zwar längst Vergangenheit, aber Fianna braucht einfach viel Eiweiß, und davon macht sich vor allem der Quark bemerkbar, der, obwohl laktosefrei, doch ziemlich durchputzt. Die eine verträgt das besser, die andere hadert ein wenig damit. Also - man ist ja flexibel - revidieren wir unsere Entscheidung von gestern und setzen Podophyllum wieder auf den Speiseplan.
Donnerstag, 24. 09. 2015
Die Nacht ist die Komplizin der finsteren Absichten. Und so ist es nur folgerichtig, dass die Chefin des nachts auf ihrem Aussiedlerlager im Wohnzimmer das Gefühl nicht los wird, dass da draußen in der Küche etwas faul ist und sich nicht schweren Herzens, sondern mit schwerer Gliedern erhebt und nach dem Rechten sieht. Vermutlich waren es nicht ihr feine Intuitionen, sondern unspezifische Geräusche, die an ihr schlummerndes Ohr gedrungen waren - Geräusche von freilaufenden Hundekindern. Freilaufend ist zwar etwas hochtrabend, freirobbend wäre zutreffender, aber das kommt in diesem Fall aufs Gleiche raus. Drei aus Fiannas G-Schwader sind über die 10 cm-Latte gefloppt und haben sich auf den Weg gemacht, seltsamerweise ohne das sonst bei solchen Gelegenheiten übliche Zeter und Mordio der Ausgestoßenen und im Niemandsland Gestrandeten. Vielleicht haben sie unterdrückt gejammert oder sich nur mit vorgehaltenem Pfötchen tuschelnd über die weitere Vorgehensweise verständigt; jedenfalls kann von Panik und Hilfeschreien nicht die Rede sein. Auch Fianna zeigt nur wenig Bestürzung, sondern verfolgt die Zwergenprozession mit nicht geringem Interesse. Gerne würden wir den Followern unseres G-Wurfs die Namen der drei Musketiere nennen, aber die Registrierung der nächtlichen Grenzübertreter war der Chefin in ihrem somnambulen Grenzzustand nicht in den Sinn gekommen; Wiederherstellung der Ordnung war das Gebot der Stunde, Verhaften, Rückführen - und Weiterschlafen. So klafft bedauerlicherweise eine schmerzliche Lücke in der Biografie des G-Wurfs.
Um 6:30 Uhr steht für alle wieder das Wiegeritual auf dem Programm, und da hat die Nacht ihre Macht bereits verloren: keine Hinweise auf die Identität der nächtlichen Ausrücker. Wir reiben uns die geröteten Augen und verzeichnen 940 g für Gamba, das sind 110 g mehr als gestern. Das ist die Vorstufe zur Adipositas und außerdem ein gültiges Alibi für den nächtlichen Ausflug, weil es schwer vorstellbar ist, dass sie diese Wamme über die Sperre hätte wuchten können. Girgl hat demnach mit 930 g seine Pole-Position verspielt. Aber auch für ihn gilt: Wer an einem Tag 90 g zunimmt, hat nachts nichts unternommen, was seine Kalorienbilanz beeinträchtigen könnte. Girgl wird also auch freigesprochen. Gundel ist die erste, die ihr Geburtsgewicht (400) mit 870 g verdoppelt hat, aber auch das sind 80 g mehr als gestern, weswegen wir geneigt sind, auch sie von jeglicher Mittäterschaft freizusprechen. Gosh bringt es auf 820 g (+50) und seine bisher gezeigte bayerische Bierruhe schließt eine solche nächtlich Wesensveränderung eigentlich auch aus, allerdings, wenn man an Dr. Jekyll und Mr. Hyde denkt... Wer weiß schon, welche finsteren Anlagen in einem solchen Hosenmatz ihr Unwesen treiben. Aber nein, das schließen wir aus. Bei Grappa sind wir uns schon nicht mehr so sicher: 810 g und nur 40 g Auflastung, das würde durchaus Raum für ein kleines nächtliches Abenteuer lassen. Und ihr ist schon einiges zuzutrauen. Bei 780 g für Greta und ebenfalls 40 g plus müssten eigentlich die gleichen Vorbehalte gelten, aber irgendwie trauen wir das der Greta nicht zu. Andererseits haben wir schon häufig Bekanntschaft mit diesen Rudelabtauchern gemacht, von denen man meint, dass sie nie und nirgends dabei sind und bei genauem Hinsehen sind sie überall als Strippenzieher mit von der Partie, nur so geschickt, dass sie nicht auffallen. Aber bei den ebenfalls gemeldeten 780 g für Greco und einem Zugewinn von nur 10 g, da könnte man ins Grübeln kommen, zumal er ja nicht der erste Grieche wäre, der derzeit einiges auf sich nimmt, um seinem Schicksal zu entgehen. Andererseits: Welches Schicksal sollte ihn schon so früh im Leben ins Abenteuer stürzen lassen? Na, man weiß nie. Und die 750 g für Gustl bei nur 10 g Zuwaage? Das könnte sich ebenfalls ausgehen. Der könnte tatsächlich in den grausen Weiten der Küche einiges an aufgebauter Substanz wieder verloren haben. Wir registrieren einen hinlänglichen Verdacht. 730 g für Grille und 30 g Zuwachs machen uns ebenfalls hellhörig; die Grille scheint nämlich schon jetzt ein ziemlich pfiffiges Mädchen zu sein und zur Anstifterin eines kleinen nächtlichen Ausflugs durchaus geeignet. Hinter ihrem Namen machen wir nur ein kleines Fragezeichen und ein ziemlich fettes Ausrufungszeichen. Und auch die Gruschel (700, +10) erfüllt das Täterprofil ohne Wenn und Aber. Und unterschätzt uns unseren Gaudi nicht: 690 g (+20) machen ihn mitverdächtig, obwohl er bisher überwiegend als liebenswerter Gaudibursch aufgefallen ist, der mit sich und der Welt zufrieden ist, so zufrieden, dass er vornehmlich auf dem Rücken liegend trinkt. Er macht also das, was die Wiesnbesucher nach dem Besäufnis machen - auf dem Rücken liegen - schon frühzeitig zur Strategie, dann kann er nicht mehr umfallen. Aber ob er den Lockrufen der Grappa, Gruschel und Grille widerstehen kann? Wir verdächtigen ihn mit zweifelndem Herzen. Und welche Erkenntnisse haben wir nun auf der Waage gewonnen? Dass alle zusammen 490 g zugenommen haben und es zu viele Verdächtige gibt.
Den Rest des Donnerstags können wir dem Vergessen übergeben.
Freitag, 25. 09. 2015
Girgl öffnet zuerst die AugenDer dicke Girgl blinzelt uns an. Der dicke Girgl riskiert die ersten Blicke. Wir sind verzückt, immer wieder tief gerührt über diesen ersten Augen-Blick in die Welt. Dazu kommt, dass es in allen vorangegangenen Würfen ein Mädchen war, der die Neugier zuerst die Augen öffnete und es war auch niemals der / die Erstgeborene. Der Girgl also ist unser erster Erstdurchblicker. Dass er bei der anspruchsvollen Aufgabe, die vielen Kalorien sinnvoll unterzubringen, auch noch Zeit fand, sich um seine Sehschlitze zu kümmern ist erstaunlich. Wir begrüßen Girgl im Reich der Formen und Farben und all dem, dessen Anblick ihm erspart geblieben wäre, wenn er einfach die Augendeckel verschweißt gelassen hätte.
Gamba (links) und Schwester Gundel (rechts): so sehen keine unterernährten Mädels ausUm 6:30 Uhr bekommt dann die Freude einen unerwarteten Dämpfer: Die erstgewogene Gamba hat von gestern auf heute 30 g abgenommen. Es gelingt uns zwar nicht, ihrer rollenförmigen Figur einen sichtbaren körperlichen Verfall zu unterstellen, dazu ist sie immer noch zu proper und griffig. Aber 30 Gramm?! Eine weitere Messung lässt uns noch ratloser zurück: Gundel gestern 80 plus, heute nichts, obwohl wir Stein und Bein schwören könnten, sie gestern als sehr frequente Barbesucherin in Erinnerung zu haben. Und dann auch noch der Girgl mit den Augensternen: Gestern 90 g plus und heute ebenfalls Stillstand. Bei aller Liebe, das kann er nicht auf das bisschen Augenöffnen schieben. Uns beschleicht der Verdacht, dass wir die Knirpse für diese seltsame Gewichtskurve nicht haftbar machen dürfen - eher schon uns: Fehlmessung, bedingt durch eine kreative Waage, alternde Augenpaare und schummriges Morgenlicht. Nun wären wir nicht beim Blues, wenn jetzt nicht der Verursacher mit gestrecktem Finger dingfest gemacht würde. Die Chefin bezichtigt den Turmschreiber, nicht gemerkt zu haben, dass sie ihm fragwürdiges Zahlenmaterial geliefert habe. Der Turmschreiber keilt zurück, dass er erstens nur Schreiber sei und der Fehler immer an der Quelle, also an der Messung zu suchen sei, außerdem er deswegen zurecht der Schreiber sei, weil ihm die Welt der Zahlen von jeher fremd gewesen sei und immer noch ist, während sie, das Mathematikgenie, doch viel eher hätte stutzig werden müssen.
Sie: Aber das muss man doch sehen.
Er: Was interessiert mich die Zeile von gestern.
Sie: Lustloser, desinteressierte Handlanger!
Er: Und wer hat die Zahlen vom Papier ins Excel übertragen? Ha?
Sie: Da geht man doch davon aus, dass alles geprüft ist, außerdem musste das schnell gehen.
Er: Aha. Soso...
Die Zuständigkeit der Fehlmessung bleibt, wie zu erwarten, im Dunkeln, weil sich nur im Erfolgsfall Bereitwillige finden, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dann aber gleich alle. Der Makel bleibt traditionell ein Waisenkind. Die Mess-Tragödie des Blues ist die Tragödie der Welt: Immer machen diejenigen einen Job, die nicht dafür gemacht sind. Der Chronist des Blues ist zwar des Schreibens mächtig, aber nicht des Rechnens. Und die Rechnerin des Blues tut es nicht, sondern lässt Microsoft rechnen. Zudem fühlt sich das Schreibmodul des Turmschreibers unterfordert, wenn es nur Zahlenreihen schreiben soll und das Rechenmodul der Chefin springt nicht an, wenn die Excel-Maschine ihre Dienste anbiedert. Und so kann es dann zum Eklat kommen. Wir streuen also einen Berg Asche auf unser Haupt und gehen in Büßerlumpen und bitten um Vergebung für diesen Fehltritt, wie es uns die Wolfsburger gerade vormachen. Aber wir versichern auch, dass der Fehler ein rein menschlicher ist und wir keine Hundsburger Depp-App in die Waage eingebaut haben, welche die Welpenkäufer zuverlässig gleich morgens in einen Glücksrausch versetzen soll.
Allerdings sind mit dieser Fehlmessung auch die gestrigen Investigationsergebnisse bezüglich einer Fluchttäterschaft hinfällig. Wenn Gewichte einen Hinweis auf die Fähigkeit oder Unfähigkeit zum Ausbüxen liefern sollen, stehen wir nun mit leeren Händen da. Welche Zahlen wären denn nun verwertbar? Wir schließen die Akte Boxenflucht.
Die nun wieder korrekten Gewichte (ohne fragwürdige Differenzangaben): Girgl 930, Gamba 910, Grappa, Gundel und Gosh 870, Gustl und Greco 810, Greta 790, Gruschel und Grille 760, Gaudi 710.
Später ergibt sich dann eine unerwartete Gelegenheit, einen der mutmaßlichen Ausreißer doch noch zu identifizieren, als nämlich ein Winzling geschwind wie der Wind über das Zehnerbrett woppt, sich erstaunt und verdutzt draußen umsieht - und sich genauso flink wieder in die Kiste zurück hebelt. Wir trauen unseren Augen nicht. Das ist eine echte Premiere im siebten Wurf. Noch nie hatten wir einen Welpen gehabt, der in diesem Entwicklungsstadium wieder zurück in die Kiste huscht, seinen Ausgang aktiv und selbst beendet. Ist das Genie oder frühkindliche Durchtriebenheit? Normalerweise wissen die Zwerge nichts mit der Situation anzufangen, jammern ein bisschen und schreien dann Mordio. Nicht das da. Wir sind so angewurzelt, dass wir nicht einmal auf die Idee kommen nachzusehen, wer das ist. Und schon ist der Freigänger wieder zwischen seinen Geschwistern untergetaucht und die Chance vertan, einen mutmaßlichen Boxenflüchtling zu identifizieren. Dieser Ausreißer muss heute Nacht dabei gewesen sein, sonst wäre er nicht so cool geblieben.
Aber das Freigängertum bleibt nicht auf diesen Freigang beschränkt. Immer mehr Mitglieder des G-Schwaders nutzen jede Gelegenheit, sich mal umzusehen, weil wir einfach das kleine Brett rausnehmen und somit die Tor zur Welt öffnen. Das ist wie bei der Maueröffnung, plötzlich sind alle da und machen davon. Und weil sich Fianna malerisch und einladend wie eine Festwirtin vor den Küchenschrank legt, haben sie auch keine Hemmung ganz anstandslos einen kleinen Snack vor den Toren zu nehmen. Für Fianna ist das auch völlig in Ordnung und auch ihre Kinder halten das offenbar für das normalste der Welt. Die haben es ja schon faustdick hinter den Ohren.
Die Chefin hat sich entschieden, heute wieder in die Familiengruft zum Schlafen zu gehen; so lange hat sie noch bei keinem Wurf an der Welpenperipherie gewacht. Fianna findet diese Idee absolut preiswürdig und verschwindet ohne Kommentar, aber mit einem Schwein und einer Ratte im vertrauten Schlafgemach. Was die Chefin aber versäumt, als sie entschwebt, ist, das 30 cm-Brett in die Kiste zu schieben; das kleine Brett hat mit den Erfahrungen von heute definitiv ausgedient. Als der Vize kurz nach ihrem Abschied nach dem Rechten sieht, ist es auch schon wieder passiert: Fünf Freunde lungern vor der Schnullerbox herum, kacken und pinkeln sich leer, finden aber den Weg nicht mehr zurück. Wer sich solche Mühe gibt, seinen Schlafplatz rein sauber zu halten, darf als stubenrein gelten (eine Preisanpassung ist aber noch nicht zu erwarten, weil der Vize mit den trüben Augen im Schummerlicht die Edelwelpen nicht identifizieren kann). Und während die Chefin bereits den ersten Ster Holz sägt, rettet der Vize mitten in der Nacht den Nachwuchs und macht auf Hygienemeister.
In drei Monaten ist Weihnachten, aber heute fühlt es sich an, als ob das Weihnachtsfest beim Blues einen kleinen Testlauf absolvieren würde. Zwar sind Lebkuchen und Pfeffernüsse noch immer verpönt, aber die ersten Geschenke trudeln trotzdem schon ein. Ein Paket. Darin nichts als Flugzeug, Zerrzeug, Kauzeug und natürlich Knabberzeug. Und elf Welpenhalsbänder unterschiedlicher Farbe. Ja, bist du denn narrisch, liebe Bruni[1]? Mensch, pack deine ganze Entourage ein und komm mit ihr hierher, damit wir euch alle ans Herz drücken können. Aber Vorsicht: Wir drücken sehr fest, wenn uns danach zumute ist. Wir sind einfach nur gerührt. Danke, ganz herzlichen Dank!
Und dann kommt noch eine Mail folgenden Inhalts:
Liebe Fianna-Familie,
jetzt habe ich eben die ganze G-Schichte gelesen und frage mich: Wann gehts weiter?
Wie schafft es jemand, bei einem so großen Wurf mit der entsprechenden Arbeit ein derart spannendes Tagebuch zu schreiben?
Ich wünsche Fianna alles Gute und Chefin und Vize durchgeschlafene Nächte.
Die erste Frage, wann es weitergeht, ist schnell beantwortet: Hoffentlich zu Beginn der dritten Lebenswoche, wenn die Arbeit nicht überhand nimmt und uns überwältigt (siehe Frage zwei). Wie man es schafft, Tagebuch zu schreiben, ist schwerer zu beantworten. Wahrscheinlich weil man Freude daran hat. Wir hatten schon beim ersten Wurf das Bedürfnis, die Entwicklung für uns zu dokumentieren, auch als Hilfe für die folgenden Würfe. Jeder weiß, wie schnell man Dinge vergisst, und so ein Tagebuch hilft uns dann wieder auf die Sprünge; man wird erinnert und kann Vergleiche ziehen. Die spröde Dokumentation hat sich jedoch schnell verselbständigt, weshalb man vermutlich davon ausgehen muss, dass nicht wir das Tagebuch schreiben, sondern das Tagebuch uns als Schreibgehilfen für in eigener Sache benutzt. Irgendwie so oder so ähnlich muss es sein. Aber in der Tat geht jede Menge Zeit dafür drauf - und morgen beginnt der Besucheransturm. Deshalb: Schnell noch eine kleine Mütze Schlaf ... für uns, die Welpen, die Besucher - und das Tagebuch. Gute Nacht und vielen Dank für den liebevollen Kommentar.
[1] Eines der blonden Süßherzen aus unserem B-Wurf. Heute eine immer noch liebenswerte, dabei gestandene und charakterstarke Oberallgäuerin.
Samstag, 26. 09. 2015
Der Schlaf des Vize ist unruhig, weil er bei jeder kleinen Wachphase überzeugt ist, dass die Welpen heute Nacht verhungern, während ihre Mutter mit Schwein und Ratte im Schlafzimmer schlummert. Die Nacht ist nicht nur die Komplizin der finsteren Absichten, sondern mehr noch die der schwarzen Gedanken. Die Einen wachen schweißgebadet in Erwartung eines anstehenden Vortrags auf, die Anderen wegen einer unaufschiebbaren Beichte und der Vize wegen gerade ihr Leben aushauchender Fiannakinder.
Wie anders als grau und trüb kann ein solcher Morgen aussehen? Sogar die Sonne hält ihr Antlitz verhüllt in Erwartung von neun verhungerten Welpen; Girgl und Gamba werden uns wohl bleiben, weil sie jetzt schon einen Kriegswinter überleben könnten. Aber die anderen, vor allem die Hungerhaken? Eine Nacht ohne Nachschub? Nie!
Um 6 Uhr schleppt er sich gerädert ins Parterre und stellt schon mal fest, dass alle noch Lebenszeichen von sich geben. Um 6:15 Uhr muss dann die Wahrheit auf den Tisch, also den Wiegetisch. Als wäre sie aus Spott und Hohn gefertigt, steht Fianna neben dem Turmschreiber und grient ihn an: "Na, Alter? Soll ich dir für den Kreislauf einen Prosecco bringen?" Der Chronist muss immer wieder nachfragen, ob das Messergebniss auch einer späteren Revision standhalten würde? Und die Chefin, selber fasertief baff, bestätigt: Mehrmals gewogen und ohne Befund.
Und so sieht das dann aus: Girgl 990 (+60, Geburtsgewicht verdoppelt), Gustl 860 (+50), Gruschel 820 (+60), Greta 830 (+40, Gewicht verdoppelt), Grappa 980 (+110, Gewicht verdoppelt), Greco 930 (+120, Gewicht verdoppelt), Gundel 890 (+20), Gosh 890 (+20), Gaudi 780 (+70), Gamba 1040 (+130, Gewicht verdoppelt und die erste Doppelpfünderin), Grille 840 (+80). Das sind 760 Gramm Zuwachs über den Tag. Der Vize unterstellt seiner Hündin, dass sie aus lauter Bosheit jede seiner Tiefschlafphasen abgepasst hat, um zu ihren Kindern zu eilen und ihnen einen Milchshake anzudrehen. Das ist doch unerhört...
Ob dieses Power-Supplying auch den Welpen die Augen über den Trickreichtum ihrer Mama geöffnet hat, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber dass nach dem gestrigen Durchblicker-Girgl nun bis auf Gundel, Gosh und Gaudi alle die Augen offen haben, könnte ein Indiz dafür sein. Aber eigentlich ist es völlig egal: Jetzt haben die Zwerge plötzlich Gesichter, was das Kindchenschema zur vollen Blüte verhilft.
Besuchstag ist jetzt fast jeden TagDem können auch und gerade die Besucher nicht widerstehen, die ab heute zahlreich bei uns einfallen dürfen. Eigentlich hat so ein Zwerg noch nicht viel und ebenso eigentlich hat man auch nach einer halben Stunde alles gesehen, was es momentan zu sehen gibt: eine frequentierte Milchbar sowie schlafende und Würstchen produzierende Kleinsäuger, also nichts Weltbewegendes. Aber diese Menschen müssen sich nach zwei, drei oder gar vier Stunden mit Gewalt losreißen, weil wir sonst im Garten Zelte für eine Welpenbesichtigungkolonie errichten müssten. Erstaunlich, oder? Hartgesottenes Profitmaximierungspersonal und unbestechliche Durchsetzungsfachkräfte hocken auf dem Boden mit einer ächzenden Fellwalze im Schoß und kuddern mit verklärtem Blick "dutzi, dutzi, dutzi". Wer sich diese Welt ausgedacht hat, müsste dringend mal auf die Couch. Andererseits haben wir weniger als nichts dagegen, wenn sich Menschen mit Kleinhunden anstatt einer neuen Intrige beschäftigen. Das macht die Welt für einige Stunden friedlicher und nichts hat sie dringender nötig. Also kommt ruhig in Scharen, auch die, die keinen Welpen von uns bekommen oder wollen und macht in der Blues-Küche ein Peace-Sit-In, vermutlich das erste seit John und Yoko in Amsterdam 1969.
Die Welpen genießen die menschliche WärmeAber so ganz korrekt ist es natürlich nicht, dass die Welpen nur schlafen, trinken und Würstchen produzieren; sie kuscheln sich auch aktiv an die Besucher, legen sich einladend auf den Rücken um eine Bauchstreicheleinheit zu provozieren, saugen an allem, was ein Mensch zum Saugen zur Verfügung stellt, wenn es sich ergibt auch an einem Knabenkinn, auf dem danach ein peinlicher Knutschfleck zurückbleibt. Außerdem zeigen sie anscheinend demonstrativ, wie schnell sie sich in ihrem fragilen Echsengang mit ausgestellten Schultern bewegen können, machen auch mal Liegestütz, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt und andere liegen schon wie richtige Hunde herum, nicht wie ein aufgerollter Engerling auf der Seite, sondern mit erhobenem Pendelkopf in der Platzstellung. Beeindruckend und eine zuverlässige Dutzi-dutzi-dutzi-Garantie. Hund' san's scho (Für Exo-Bayern: Ganz schön durchtrieben)!
Doch als der letzte Besucher gegangen ist, fallen sie in sich zusammen wie ein Soufflé in der Backröhre, wenn man die Ofentür öffnet. Schluff. Im Gegensatz zum Soufflé bekommen die Zwerge aber bald wieder Luft unter die Flügel. Und jetzt ist für heute Feierabend.
Sonntag, 27. 09. 2015
Das morgendliche WiegenBevor die Sonntagsbesucher eintreffen, gilt es, die gewohnt Ordnung herzustellen, damit hier nicht alles aus dem Ruder läuft. Putzen, wiegen, Morgenspaziergang mit Fianna, alles hat auch sonntags seinen Platz und seine Berechtigung. Das G-Wichts-Bulletin sieht heute folgendermaßen aus: Gamba 1120 (+80): Wenn die so weitermacht, platzt sie demnächst. Girgl 1050 (+60 und ebenfalls die Kilo-Latte übersprungen). Das gleiche gilt für Grappa: 1020 (+40). Was haben wir da nur für Weiber ins Nest bekommen, die kann man später vermutlich nur als Wiesn-Bedienungen einsetzen. Ob die jemals über eine Meterhürde kommen, ist fraglich (Hinweis für zukünftige Hundesportler). Der Grieche Greco beweist, dass man mit Muttermilch besser reüssieren kann als mit Schafskäse und Retsina: 1000 (+70). Gosh bleibt dran und will sich nicht abhängen lassen, Sacklzefix nochamal: 960 (+70). Und dann folgt schon Gundel mit 920 (+30). Mit Gruschel beginnt die Fraktion der Federgewichte: 900 g'radaus (+80), Greta 890 (+60), 860 für Grille (+20), ebenfalls 860 für Gustl, der einen Fastentag eingelegt hat und am Ende der allzeit fidele Gaudi mit 780 (+70). Und wenn man seinen Lieblingen beim Wiegen tief in die Äuglein schaut, entgeht es einem auch nicht, dass nun auch Gundel und Gosh einen Blick riskieren. Fehlt nur noch der Gaudibursch.
Um 14 Uhr beginnt sich der Streichelzoo zu füllen und die Welpen haben wieder reichlich zu tun, um das zahlende Publikum zu erfreuen. Um den Kleinen ihre Marketingaufgabe zu erleichtern, haben wir die Sperre vor der Kiste entfernt, sodass sie raus und rein können, wann sie wollen. Fianna begutachtet jeden Besucher und gibt ihm klare Verhaltensregeln mit, die er auch tunlichst einhalten sollte. Aus den Augen lässt sie keinen, vor allem Kinder beäugt sie mit unverhohlener, aber beherrschter Skepsis. Mit der Zeit legt sie sich auch zwischen die Kinderkrauler und lässt sich in ihrer höchst zurückhaltenden und subtilen Art verwöhnen bis kein Haar mehr an seinem Ort ist, aber nachlässig wird sie zu keiner Zeit.
Gruschel und Gundel sind es dann, die für Aufsehen sorgen. Fianna liegt unter dem Tisch in ihrem Kuddebett, als sich Gruschel aufmacht, ihre Schnullerbox verlässt und wie vom Weihnachtsstern geleitet, nahezu schnurstracks die zwei Meter Küchenfliesen überwindet, sich über den Wulst des Kuddebetts hangelt und bei Mama eine Extraportion Rahm abholt. Für die Nummer sollten wir eigentlich mit dem Klingelbeutel herumgehen, aber dafür waren sogar wir zu perplex. Etwa eine Stunde später, Gruschel war wieder ins Lager zurückbeordert worden, bringt Gundel die gleiche Nummer zur Aufführung. Jetzt sind wir noch verdatterter, den Klingelbeutel herumzureichen: Haben die sich abgesprochen oder heute Nacht einen kleinen Einakter eingeübt? Jedenfalls verdichten sich die Hinweise einer Haupt- oder Mittäterschaft bei der Nachtwanderung am Donnerstag. Wir werden den Fall nicht mehr aufklären, aber wegen solcher Indizien haben Unglücklichere schon mal hinter Gittern geschmort. Jedenfalls sind sie richtig cool, die zwei Weiber, die sonst nicht sehr in Erscheinung treten, aber heute einen richtigen Haupttreffer landen. Ohne jeden Stress moven sie rutschend und tapsend über die glatten Fliesen, klettern über den Bettrand als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten und legen sich zu ihrer Mutter, die ebenso verdutzt ist wie wir, sich aber nichts anmerken lässt und vermutlich bollestolz auf ihre Knaller ist. Wir schütteln nur den Kopf - aber wir haben Zeugen.
Nicht nur Gruschel und Gundel sind auf Abwegen, sondern alle sind heute viel draußen, kriechen herum, lassen sich aufsammeln und streicheln, schlafen programmgemäß auf Besucherschößen und sind alle sehr entspannt. Bei dem ganzen Gewusel sind wir dabei sehr dankbar für die Farbmarkierungen unserer Kinder, sonst wüsste niemand, wem er gerade das Bäuchlein krault. Nur Grille macht eine Ausnahme. Als wir ihr den Namen gaben, hatten wir keine Ahnung, wie treffend er passen würde: Grille ist ständig auf Sendung und kommentiert alles. Sie hat keinen Stress und keine Angst, aber sie kriecht herum und plappert und beschwert sich und ruft zur Ordnung, wenn mal etwas gegen ihre Vorstellung läuft. Man weiß immer, wo Grille ist (außer sie schläft, dann knarzt sie nur, aber das machen die anderen auch). Grille hat das Zeug, sich zur Laura Wontorra des Bairischen Blues zu entwickeln. Aber bevor wir ein dementsprechendes Zertifikat ausstellen, warten wir noch ein wenig ab; keine Vorverurteilungen und keine Vorschusslorbeeren.
Und auch Girgl hat seinen Auftritt und macht uns glücklich: Jetzt haben wir nämlich endlich einen, den wir wegen frühkindlicher Stubenreinheit teurer verkaufen können. Der Girgl kriecht nämlich plötzlich aus seinem Schlafhaufen, wackelt vor die Kiste hinaus, platziert dort eine kleine Pfütze und wandert wieder zu seinen Schlafgenossen zurück. Da wir auch für diese Meisterleistung Zeugen haben, könnte das einem Girgl-Fan teuer zu stehen kommen. Tatsächlich sieht man an diesem Beispiel, dass Welpen schon zu einem so frühen Zeitpunkt das Bedürfnis haben, ihre Wohnung sauber zu halten und dies auch umsetzen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Weil unsere Welpen immer schon zwischen Haus und Garten pendeln konnten, haben wir es fast bei allen erlebt, dass sie raus wollen, wenn sie müssen und dann wieder ins Haus kommen. Gelegentlich antizyklisch funktionierende Exemplare hatten wir auch, solche die zum Erledigen der Geschäfte vom Garten ins Haus gerannt sind. Das waren, man kann es nicht unterschlagen, immer Kerls. Aber auch die haben es später noch richtig gelernt.
Eine Verunsicherung ereilt uns aber auch noch heute: Zwei Welpen tröpfeln ein Tröpfchen flüssigen Kot auf den Küchenboden. Da schrillen bei uns sofort die Alarmglocken, dann in diesem Alter haben die Zwerge noch nichts dagegenzusetzen und sterben, wenn's dumm läuft, wie die Fliegen. Aber wir nehmen zu unserer eigenen Beruhigung an, dass es einfach die Aufregung ist, die sie nicht so kalt lässt, wie sie tun. Die Sonntagsvisite ist aber sowieso bald vorbei, und dann werden sie schnell wieder ins Gleichgewicht kommen.
Das Tagesbild von heuteZum Tagesausklang müssen wir uns noch mit einer "Rüge" auseinandersetzen, die uns ans Herz gelegt wird: Wir sollten doch bitte die Tagesbilder nicht schon abends veröffentlichen, sondern erst morgens, weil es sonst zum Frühstück nichts Neues mehr gibt. So ein Tagesbild gehöre zum Frühstück, da könne man sich morgens auf etwas freuen. Wenn's keine größeren Klagen gibt - bitteschön. Veröffentlichen wir das Tagesbild eben ab sofort, wie übrigens bei allen bisherigen Würfen, erst morgens. Und wehe, jetzt beklagt sich jemand, dass das Tagesbild zum Tag gehört und nicht zum Folgetag; zwei Tagesbilder gibt es bestimmt nicht. Wir sind schon froh, wenn wir in dieser Indoor-Phase überhaupt ein halbwegs brauchbares Bild zustande bringen und sehnen uns nach den Tagen des Freigangs, des Lichts und der Action.
Gaudi ist es bestimmt komplett Banane, ob sein Bild morgens oder abends über die Bildschirme der Nation flimmert - aber sehen könnte er es jetzt auch schon. Ein bisschen verschwommen zwar, aber immerhin. Der Kleine ist jetzt auch ein Durchblicker und, wenn man unsere Meinung hören will, ein ganz pfiffiger.
Montag, 28. 09. 2015
Roter Mond, du gehst so stille... und der Bairische Blues ratzt tief und fest. Mondfinsternis überm Mangfalltal und auch sonst fast allüberall, dazu ein sternenklarer Himmel, nur der Blues will nicht mondsüchtig sein, schon gar nicht nachts um drei.
Morgens knüllt es uns zusammen wie ein Gürteltier, so frisch ist es: 2° C morgens um sieben und erste Reifspuren auf den Dächern. Geht das denn nun schon los mit der Frostelei? Wir hoffen für uns und unsere Welpen doch sehr, dass dieser Herbst noch eine Reihe warmer Tage hat.
Unser erster Blick gilt den Durchfalltröpflern von gestern: Alles bestens, keine Weiterungen. Der schwarzmarkene Spaßbetrieb ist gut drauf. Dann können wir uns ganz entspannt ans Wiegen machen.
Gamba lässt nicht nach: 1180 (+60), Girgl bleibt ihr auf den Fersen, kann aber nicht so viel trinken, wie sie verdaut: 1100 (+50). Grappa (+30) und Greco (+50) halten ihre Position in Lauerstellung mit 1050. Gundel schiebt sich mit einem Kilo (+80) nach oben und Gosh gibt sich redlich Mühe, rutscht aber hinter Gundel, weil +30 nicht einmal für das Doppelpfund reichen (990), aber immerhin zur Verdoppelung seines Geburtsgewichts. Gustl, gestern noch Vorletzter, lässt sich nicht lumpen: 950 (+90), Gewicht verdoppelt und Blues-interner Tagessieger. Da muss auch Grille passen, die trotz 60+ nur auf 920 kommt und die einzige ist, die noch nicht gedoppelt hat. Gruschel hat auch 920, aber nur 20+; sie hat den Vorteil einer Rahmsonderzuteilung im Kuddebett offensichtlich nicht genutzt. Greta bleibt mit +20 und 910 ein zartes Mädchen und der Gaudibursch hat gestern mehr schabergenackt als aufgepolstert: 880 (+10). 500 g Gesamtzuwachs sind das, auch nicht schlecht für einen arbeits- und ereignisreichen Tag. Für uns ist wichtig, dass alle wachsen und gedeihen und Fianna immer noch ausreichend Milch für elf Schluckspechte hat.
Die ganze Bande mit Mama Fianna im Kudde - da wird auch dieses schnell zu kleinNach dem Wiegen kommen die Zwerge ins Kuddebett (das Aussiedlerkörbchen hat aus Kapazitätsgründen ja längst ausgedient) und treiben dort ihre Spielchen miteinander. Bei manchen hört man schon so ein Vorstufe von Bellen, andere versuchen sich schon mit Spielaufforderungen und Greta schmust mit Fianna, die sich zu ihren Kindern gelegt hat, während die anderen sich die Wänste vollhauen. Wie soll an das Kind etwas dran wachsen? Vom Schmusen hat noch keiner überlebt.
Fianna blutet nicht mehr. Das letzte Blut registrierten wir samstags - am Sweatshirt eines Besuchers. Abschiedsgeschenk. Nein, kein Abschiedsgeschenk an den Besucher, weil sie ihm damit klarmachen will, dass er nicht mehr zu kommen braucht, sondern Abschied an den Blut-Blues des G-Schwaders. Das ist ideal gelaufen; so hätten wir uns das bei manchem früheren Wurf gewünscht. Wir geben dennoch für kurze Zeit weiter Metrovetsan, reduzieren es aber. Der Stuhlgang hat sich auch längst wieder völlig normalisiert. Doch auch in diesem Fall geben wir das Podophyllum noch weiter, weil Fianna doch ziemlich viel Eiweiß zu sich nimmt. Ab heute schleichen wir es aber aus.
Sonst gibt der Tag nicht viel Bemerkenswertes her; Montag ist Ruhe- und Regenerationstag beim Blues. Die Chefin ist beim Geldverdienen, wodurch die Kleinen endlich mal ausschlafen können und Luft bekommen, weil sie nicht den ganzen Tag von einer liebestollen Züchterin geknautscht, gezauselt und gekrabbelt werden. Und Besuchstag ist heute auch nicht: Never on Monday. Nur Fianna muss arbeiten, ihren Bauch hinhalten, Ärschchen putzen und sich die kleinen Klagelieder und Sorgen ihrer Kinder anhören. Alltag einer Mutter eben, den Fianna mit Geduld und Aufmerksamkeit meistert, kleine Fluchten inbegriffen.
Nun haben die Zwerge schon ihre zweite Lebenswoche mit Bravour und in bester Gesundheit hinter sich gebracht, haben die Augen aufgemacht und ihr Lager verlassen. Nur die Nagelpflege haben wir noch aufgeschoben: Nach dem Roten Mond von heute Morgen ist jetzt Vollmond. Und das ist Werwolfzeit. Da wird sich der Vize wohl um Mitternacht zu seinen Zöglingen begeben und schauen, ob eine(r) auffällig wird und ob er vielleicht ein außergewöhnliches Nagelwachstum zeigt. Dann wissen wir wenigstens Bescheid, wessen Nägel besonderer Pflege bedürfen. Man darf nichts dem Zufall überlassen.