G-Deih und G-Schrei

G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 3

3. Woche (29. 09. - 05. 10. 2015)

Dienstag, 29. 09. 2015

Wir wollen die Spannung nicht ins Unerträgliche steigern und vor allem anderen klarstellen: Wir haben keine Werwölfe. Pünktlich um Mitternacht sitzt der Tausendsassa-Vize vor der Schnullerkiste, lässt keinen Knirps aus den Augen und fragt mit suggestiver Schamanenstimme: "Wer Wolf?" Gackern. Knarzen. Ächzen. Aber kein: "Hier Wolf". Einzeln nimmt er sich dann die Krallen vor und sucht nach Anzeichen ungebührlichen Wachstums. Nichts. Im Gegenteil: Er befindet, dass sich das Betreuerteam bis auf Weiteres nicht mit Krallenpflege beschäftigen muss, die ja schon letzte Woche eingeplant war. Unspannendes G-Schwader, diese elf. Nichts als Kuschelknirpse, keinerlei Potential zum Bösen schlechthin. Keiner, der das Zeug hätte, Rosmarie ein schwarzes Baby zu machen. Der Vize neigt nicht zur Trunksucht, hätte jetzt aber gerne ein belgisches 'Mort Subite' als Schlummertrunk. So setzt er sich bei unterkühlten 4° C auf seine Mangfalltaler Terrasse, begnügt sich mit einer 'Maxlrainer Schloss Weißen'' und sinniert über die Zukunftsfähigkeit des Bairischen Blues nach, wenn es noch nicht einmal zu einem klammheimlichen kleinen Werwolf reicht, nachts unter vier Augen, so ganz unter uns. Der kahle Schädel des Vollmonds legt sich dabei auf seine Schulter und flüstert spöttisch: "Werwölfe, Süßer, sind mein Metier. Da lass ich keinen Vize ran." Touché. Die Riposte erspart er sich beschämt und baut sich lieber wieder an den neuen Errungenschaften der Knirpse auf. Gestern Abend, zum Beispiel sind die ersten fast aus dem Nichts richtig gelaufen. Fast nur, aber immerhin, schließlich ist ein Fliesenboden die ultimative Herausforderung für matschige Welpenbeinchen. Man nimmt jetzt schon langsam die fernen Weiten der Küche ins Visier, kriechend, rutschend, schlitternd, gelegentlich scheiternd, vorn dran immer Gruschel, die jede Gelegenheit wahrnimmt, sich vor die Kiste zu legen, sobald sie geöffnet ist; da schlummern alle in den Tiefen ihres Kreißsaals, nur Gruschel hat offensichtlich mit diesem Lebensabschnitt bereits abgeschlossen.

Mit solchen, letztlich doch sehr tröstlichen Gedanken beschließt der Vize den Vortag früh am nächsten Tag und kommt dementsprechend schwer in die Gänge, als die Nacht schon um kurz nach 6 Uhr ein Ende haben soll. Nebel liegt auf den Wiesen und Feldern, oben drüber wölbt sich ein wolkenloser Himmel, und mit 2° C ist dem Unausgeschlafenen nicht nach Frühsport im Freien.

Das Gewichtsprotokoll zeigt sich, um das Börsenrotwelsch zu bemühen, uneinheitlich. Gamba, die Unersättliche, bringt es beispielsweise nur auf enttäuschende 20 g plus, hält aber mit 1200 g immer noch deutlich die Spitze. Vielleicht nutzt sie die Schwäche ihres härtesten Konkurrenten Girgl, der sich eine Blöße gibt und einen Nulldiät-Tag einlegt und mit weiterhin 1100 g den zweiten Platz behauptet. Aber er muss sich sputen, denn mit 1070 g hängen ihm Grappa und Greco auf den Fersen, beide mit 20 g plus, was bedeutet, dass sie anscheinend ein kleines Privatduell abgesprochen haben: gestern beide 1050, heute 1070; ausgerechnet die beiden Gelben. Gosh liegt mit 1020 g auf dem fünften Rang und ist seit Anfang der Vertreter des Durchschnittsgewichts (heute 1013): Seit Anfang an tanzt er auf oder ums Mittelmaß herum. Mittelmäßig ist er deshalb nicht, dagegen müssen wir uns verwehren, aber ausgewogen ist er schon. Gustl ist der erste Low-Performer, derjenigen also unter einem Kilo: 990 g (+40), 980 g bringt Greta auf die Wage, allerdings mit einem Aufschlag von 70 g. Ebenfalls 980 hat Grille (+60). Aber dann zeigt sich schon der Gaudibursch: 110 g hat er sich angemampft und trägt nun 970 g mit sich herum. Damit hat er Gundel überholt, die gestern 40 g verloren hat und auf 960 abgerutscht ist. Schlusslicht ist die quirlige Gruschel, die entweder zu wenig Zeit zum Fressen hat oder zu viel Energie verbraucht: 950 (+30). Das sind heute schwächliche 340 g Zuwachs.

DSC07258 1 200Die Küche wird zum LaufstallDie Kleinen werden jetzt immer agiler, treiben sich viel in der Küche herum, erobern sich Zentimeter für Zentimeter. Manche tun das lautlos und höchst konzentriert, andere kommentieren alles und bitten schon mal um ein Taxi nach Hause. Vor allem werden jetzt die Geschäft fast ausschließlich außerhalb der Schnullerbox erledigt, in die wir uns nun ohne große Bedenken setzen können, um mit den Zwergen zu schmusen. Zwischen all diesen anstrengenden Verrichtungen legen einige eine schöpferische Pause ein, setzen sich hin und betrachten die Welt, vielleicht denken sie nach, wie es jetzt weiter geht. Damit sind sie nicht alleine ...

 

Mittwoch, 30. 09. 2015

Um 5:30 Uhr wird die Waage scharf gemacht. Und schon sind wir in Feierlaune: Tärätärä und Tusch, jawoll, der Gaudi hat das Kilo voll! Das gleiche gilt für Gruschel, die trotz ihrer Energieleistungen Zeit gefunden hat, um 50 g zuzulegen. Der Gaudibursch macht sich also anheischig, die Rote Laterne auf Dauer loszuwerden. Nicht sehr viel mehr haben nämlich mit 1040 g Gundel und Gustl zu bieten, wobei der entscheidende Unterschied in den +80 für Gundel liegt, währen Gustl nur 50 zulegen kann. Aber die beiden sind für den kleinen Gaudi nicht in unerreichbarer Ferne. Davor treiben die Gelben, Grappa und Greco, ihr Spiel mit uns und den Geschwistern: Gestern beide 1070. Und heute? 1070! Beamtenmikado. Wer sich zuerst bewegt, verliert. Grille hat sich kurz angebunden vor die beiden Abstinenzler gesetzt, wahrscheinlich weil sie erkannte, dass die beiden drauf und dran sind, sich in gegenseitiger Beobachtung zu Tode zu hungern und dachte, dass ihr das nie in den Sinn kommen würde; 100 g plus sind eine Kampfansage. Und deshalb ist sie auf 1080 vorbeigezogen. Greta muss sich mit ihren 1090 und 110 g plus wahrlich auch nicht verstecken, wie sie überhaupt eine ganz beeindruckende Hündin ist, die selten auffällt, aber irgendwie schon eine richtige kleine Persönlichkeit ist. Und damit wären wir in der Upper-Class, die bei Gosh mit 1100 g (+80) beginnt. Mit 70 g plus hat sich Girgl auf 1170 g geschoben, aber zu einer Wachablösung reichte das längst nicht: Gamba thront on Top wie die Queen und denkt nicht daran abzudanken. Warum auch? Die anderen sollen sich selber ein bisschen anstrengen, wenn sie ihre 1250 g (+50) knacken wollen. Daran hat sogar der Girgl mächtig zu schlucken. Nach dem etwas durchwachsenen (aber völlig normalen) Zugewinn von gestern, sind die 620 g heute eine Verheißung. Jedenfalls signalisieren sie, dass die Knirpse wohlauf sind, und wenn sie so kindische Spielchen spielen können wie Grappa und der Grieche, kann es ihnen eigentlich an nichts mangeln.

Nach dem Morgenritual machen wir um 7 Uhr gemeinsam einen Spaziergang, die Leiber im Nebel, die Köpfe im Gold der aufgehenden Sonne. Der Herbst kann ein Traum sein. Heute Morgen ist er es. Wir fühlen uns sogar bei 3° C wie in warme Tücher gehüllt so wohlig und genießen es, gemeinsam unterwegs sein zu können, was halt leider nicht immer klappt.

DSC07276 1 200GretaDie Kinder machen heute wieder einen Riesenschritt nach vorn; es ist überhaupt faszinierend, wie schnell ihre Entwicklung voranschreitet: Morgens werden sie unter Aufbietung aller Kräfte erstmals an einen Tisch gesetzt und abends speisen sie bereits mit Messer und Gabel. Irre! Greta entdeckt Fiannas Wasserschüssel auf dem Boden, eine Schüssel übrigens, die seit dem ersten Tag ihres Lebens an genau dieser Stelle steht. Aber für die Kleinen existierte sie bis jetzt nicht; bis zu jenem Augenblick, an dem Greta sich denkt 'Hoppla, was steht denn da rum' und ihre Nase hinein steckt. Ein zweites Mal denkt Greta 'Hoppla', leckt ein bisschen andächtig und weiß nicht, ob sie dieses reichhaltige Gebirgswasser aus dem Mangfallgebirge dem ebenfalls reichhaltigen Mamacocktail vorziehen soll. Es scheint ihr zu munden, aber zu einem abschließenden Urteil ist sie noch nicht bereit. Nur selten geschieht in einem G-Schwader etwas unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Gosh und Girgl sitzen wenige Zentimeter daneben, fast wie Statler und Waldorf auf ihrem Balkon, und lassen die Szene auf sich wirken. Dann rücken sie vor und stecken die Nasen ebenfalls in den Napf. Verwirrung und Verwunderung. Potzderdaus - und nochmal die Übung. Dabei darf man sich das nicht so vorstellen, dass die beiden ihre Nasen gesellschaftstauglich und kontrolliert in das Wasser tauchen, nein, sie bautzen fast kopfüber in den Napf und kommen entsprechend getaucht wieder hoch. Und nun sitzen die drei, Greta, Gosh und Girgl, vor dem spirituellen Quell und lecken sich gegenseitig die Nasen. Die Szene ist herzzerreißend und ein Meilenstein in der Entwicklung: erstmals etwas anderes als Mamaquell auf der Zunge!

Die Mama kommt trotz des Konkurrenzquells noch längst nicht aus der Mode, im Gegenteil: Die Mama wird jetzt erst richtig wahrgenommen und zum Mittelpunkt des Lebens. Bisher sind sie zu ihr gekrochen, weil ihr Programmcode das so vorsieht. Jetzt nehmen sie ihre Mama als eigenständiges Wesen wahr, sie spüren ihr mit den Augen und der Nase nach, folgen ihr und suchen sie. Sie beobachten sie, pendeln und taumeln dabei im Sitzen herum, weil Mamas Wege nicht immer mit dem Gleichgewichtssinn und der Muskelkraft der Kleinen kompatibel sind. Und wenn sie ihr tatsächlich ein paar Schritte folgen, nutzen sie die Gelegenheit gerne, um, wie bereits erwähnt, ihre Geschäft zu erledigen. Für den Vize bedeutet dies, dass die kurze Periode zwischen eingesautem Bettzeug und eingesautem Küchenboden vorüber ist. Ein paar wenige Tage nur konnte er sich entspannen und hielt sich mehr im Erdgeschoß auf als im Waschkeller. Das ist nun vorüber. Wir haben uns schon seit einigen Würfen entschieden, die Teiche mit alten Handtüchern aufzunehmen, anstatt mit anderem saugfähigem Material, was üblicherweise gerne genommen wird. Uns ist das einfach zu viel Müll, man produziert nichts als Müllberge, die entsorgt werden müssen. Unsere Mülltonne hat nur eine begrenzte Kapazität und der Kachelofen freut sich auch nicht auf Tonnen von Zeitungspapier. Das hat er mit der Nachbarschaft gemeinsam. Und eine Tonne verpisstes Altpapier im Papiercontainer zu entsorgen, ist auch eine Schweinerei. So liegen bei uns immer ein paar alte Handtücher herum, die neben den Flüssigrückständen auch die kleinen Würstchen noch gut aufnehmen können. Später geht der Kot, wie vorgesehen, in die Toilette. Dafür ist sie da. Aber mit dem Sittenwandel des G-Schwaders, jetzt den Küchenboden zu benutzen und das Lager zu schonen, legt der Vize wieder Höhenmeter um Höhenmeter zurück. Andere freuen sich, einen Eintrag im Gipfelbuch machen zu können; der Vize macht in der Waschküche eine Strichliste wie ein Knastbruder.

Ob sich Gundel auch über diese sehr menschlichen Probleme Gedanken macht? Jedenfalls kratzt sie sich am Ohr, wie wir das gerne tun, wenn wir hinter einer Sache her grübeln. Für Gundel ist das jedoch ein weiterer Meilenstein in ihrer Geschichte: Das Ohrkratzen mit den Hinterbeinchen ist ein höchst komplexer Bewegungsablauf, der sehr viel Koordination und Gleichgewicht voraussetzt. Gundel ist die erste, die das kann. Uns überrascht das nicht, weil Gundel wirklich das stillste aller stillen Wasser dieses Wurfs ist. Sie ist sehr unaufgeregt, souverän und taff. Sie ist fast lautlos, jammert kaum einmal, selbst in für andere verzweifelt ausweglosen Situationen sucht sie eine Lösung, ohne um Hilfe zu schreien. Vielleicht hat sie ja doch einen kleinen Zauberstab versteckt, dem sie die Lösung unlösbarer Probleme anvertrauen kann. Ob mit oder ohne Zauberstab: Gundel macht sich ihre Welt lautlos und entschlossen untertan.

Hiermit verabschieden wir den September des Jahres 2015, der für uns in vieler Hinsicht ein denkwürdiger bleiben wird. Mal sehen, ob der Oktober mithalten kann.

 

Donnerstag, 01. 10. 2015

Der Oktober beginnt - Achtung: Klischee! - golden: blankblau, 1° C um 7 Uhr und von einer recht griffigen Ostlage wie von einem Pfefferminzbonbon freigepustet. Huschala, da muss doch der griesgrämige Gevatter Frost schon irgendwo hocken und auf seine Chance spekulieren.

 MG 7412 1 200Gaudi ist ein großer Chiller - da verpasst man schon mal die eine oder andere MahlzeitDem emsigen Gaudi ist gestern schon wieder der Löffel aus der Hand gefallen, so ein Träumer: Mit 1060 g (+60) hat ihm Gruschel fix die Rote Laterne wieder umgehängt. Die smarte Gruschel hat nämlich schnell noch ein Löffelchen drauf gelegt (+80) und geht mit 1080 in die Chronik ein. Aufs gleiche Ergebnis kommt Gundel, die allerdings nur 40 g plus macht. Grille, Gosh und Gustl teilen sich die 1100, wobei die Differenz den Unterschied macht: Gosh macht nämlich überhaupt keinen Unterschied (+0), Grille legt 20 g drauf und Gustl 60, womit bewiesen wäre, dass es eben nicht entscheidend ist, was hinten raus kommt, sondern, was vorne rein geht. Greco häufelt 50 g an und verzeichnet 1110 g. Mit 30 g plus schafft es Greta auf 1120 g und den 4. Platz. Überholt wurde sie von Grappa, die mit +70 komfortable 1140 g schaffte. Und ganz vorne drehen, mehr oder weniger ohne Konkurrenz, Gustl und Gamba ihre Runden: Gustl mit 1210 g (+40) und Gamba, Queen of the Schwarts 1280 g (+30). In Summe sind das 470 g, die Mama Fianna abdrücken musste.

Daran liegt es aber nicht, dass die Mama beim Morgenspaziergang wieder Durchfall hat, der sicher auch nicht von den frostigen Temperaturen kommt. Woher er tatsächlich rührt, wissen wir nicht. Er ist nicht dramatisch, kein Spritzdurchfall, aber eben auch nicht zu ignorieren und für alle Beteiligte lästig. Deshalb bekommt Fianna jetzt einen Esslöffel "Moor" ins Futter. Der (politisch korrekte, nicht der unkorrekte mit dem h) Moor, ist ein Moorextrakt, den es von Luposan oder PetBalance gibt und die Darmflora, nach unserer Erfahrung, sehr schnell regeneriert. Das ist keine Chemie, aber mindestens so wirkungsvoll. Und unsere Hunde haben sich nie darüber beschwert. Also: Moor im Futter saniert die Mutter.

Und dass es ihr nicht schlecht geht, zeigt sie beim Mittagsspaziergang, weil sie immer nerviger wird, immer mehr Gas geben will, weil ihr der Trieb schon an die Schädeldecke wächst. Außerdem hat sie beim Ballspielen schon fast wieder ihr altes Tempo.

 MG 7406 1 200Gundel auf ErkundungstourDie Welpen wissen zwar nicht, was Mama da draußen so treibt, aber auch ihr Spieltrieb erwacht zunehmend; sie spielen jetzt wirklich miteinander, tollpatschig zwar und unbeholfen, aber zu einem Biss in die Knubbelnase des anderen reicht es schon. Die Bühne dafür steht jetzt hauptsächlich vor der Kiste und in der Küche, die von einigen schon komplett erkennungsdienstlich behandelt worden ist. Allen voran Gundel, die sich wirklich keinen Fleck und keine Ecke entgehen ließ. Andere ziehen die Höhlenvariante vor und schlafen flach wie die Flunder unterm Küchenblock. Eine richtig coole Socke ist Gruschel, die einfach wie eine Säulenheilige mitten in der Küche sitzt und sich umsieht, Radar an und Rundumblick, dann macht sie sich auf und stiefelt ohne Hemmung und Beklemmung herum. Die Gundel und die Gruschel, alle Achtung. Aber meist sind es, nach unserer Erfahrung, die Mädels, die zuerst die Scheu besiegen auch wenn die Jungs später immer behaupten, dabei gewesen zu sein.

Es liegt etwas in der Luft: Weihnachten! Zumindest hat es den Anschein, weil schon wieder ein Paket eingetroffen ist, diesmal von Papa Bjarni. Haben wir ihm also Unrecht getan, als wir ihn verdächtigten, das Motto 'Aus den Augen, aus dem Sinn' zum Lebensinhalt gemacht zu haben und dass er möglicherweise in der Kneipe saß, als sich seine Lebensabschnittspartnerin mit seinen Früchten herumquälen musste? Wir bereuen und geloben, nichts Derartiges jemals wieder unterstellen zu wollen. Bjarni schickt uns, nach eigener Einschätzung, ein "paar Dinge, die die Welt nicht zwingend braucht, die euch aber vielleicht doch Freude bereiten". Das wären - Bjarni ist nicht nur ein grundliebenswerter Kerl, sondern offensichtlich auch ein sehr praktisch veranlagter - Feuchttücher ... "falls mal was daneben geht". Das ist wirklich sehr aufmerksam. Allerdings reicht das Format der Tüchlein bestenfalls noch bis zur nächsten Woche für das, was da so daneben geht. Dann müssten wir auf Küchentücher ausweichen. Daneben finden sich noch Energieriegel ... "gibt verbrauchte Energie zurück!" Ein Kümmerer und Sorger ist er auch noch, der Papa. Bjarni, die heben wir uns bis zum Schluss auf, noch kommen wir klar. Weiter geht's mit Entspannungstee ... "für durchwachte Nächte". Nehmen wir gerne an, hoffen allerdings, dass wir ihn nur zum Genuss trinken können, weil die durchwachten Nächte hoffentlich bereits der Vergangenheit angehören. Jetzt aber: ein Entspannungsbad ... "falls die Chefin mal Zeit hat". Das bringt den Vize sehr zum Grübeln, so sehr, dass er sich zusammen mit Gundel auf den Küchenboden setzt und sich hinterm Ohr kratzt. Soll das heißen, dass der Vize sowieso nie Zeit hat oder dass er ein solches Bad mangels Einsatzes nicht braucht und weil er eigentlich sowieso immer entspannt ist oder dass bei ihm - Entspannungsbad hin, Entspannungsbad her - sowieso Hopfen und Malz verloren ist? Wenn du, verehrtes Schwiegerbürschchen diese Fragen nicht schlüssig beantworten kannst, reißen das auch die Gummibärchen ... "so zwischendurch" nicht mehr raus. Und schon gar nicht die Leckerlis für die weltbeste Hundemama! Die "G-Eier Wally für Fiannas G-Schwader und gegen's G-Schrei" wird abgeliefert, obwohl zu befürchten ist, dass das G-Zänk um die Wally das G-Schrei eher noch anschwellen lässt. Trotz der kleinen Irritation um das Entspannungsbad ist der Vize nebst Anhang sehr gerührt und bedankt sich herzlichst bei Bjarni nebst Anhang. Doch dann - "P.S. Teelichter für den Vize, weil er noch so lang auf seine Weihnachtsleckereien warten muss!" Oooch, ist das aber lieb! Ähm, eine Frage, Bjarni: Soll der Vize jetzt als Leckereien-Ersatz an den Teelichtern lecken oder doch zwecks Erleuchtung anzünden?

Geht ja schon goldig los, der Oktober...

 

Freitag, 02. 10. 2015

Der Oktober geht nicht nur gut los, sondern der Goldene Oktober geht weiter: 3° C und kein noch so kleines Wölkchen am Himmel. Was soll da noch schiefgehen?

Werfen wir mal einen Blick auf die Waage. Gamba kann es sich leisten, eine Nullnummer zu präsentieren und auf 1280 stehen zu bleiben, weil Girgl nicht genug ansammeln kann, um ihr den ersten Platz abspenstig zu machen: 60 g plus sind zwar beachtlich, aber nicht genug, wenn am Ende des Tages nur 1270 g zu Buche stehen. Der folgende Dreierpack liegt mit 1190 g schon 80 g hinter Girgl: Grappa, Greco und Grille; und das ist schon ein erwähnenswertes Ergebnis, weil es die Gelben schon wieder gemacht haben: Gestern noch um 30 g getrennt, hat sich diesmal Greco auf die Socken gemacht, 80 g aufgelegt und Grappa eingeholt. Die beiden treiben ihren Schabernack mit uns. Aber vor allem Grille, das Laura-Wontorra-Double, hat heute gezeigt, dass nicht nur viel Luft in ihr steckt, sondern dass sie ziemliche Nehmerqualitäten hat: 90 g hat sie zugenommen. Mit 1060 g ist Gosh der nächste, der sich nach oben gearbeitet hat: 1160 (+60). Gustl und Greta teilen sich den Platz auf der 1040, wobei Gustl (+40) einen Rang nach oben und Greta (+20) einen nach unten gerutscht ist. Ist ja auch egal. Gundel hält mit 1110 (+30) den vorletzten Platz und Gaudi wartet geduldig, bis seine Stunde kommt (1090, +30). Bis dahin besetzt er beharrlich Schöße und tankt Kraft. Summe: 510 g.

 MG 7410 1 200Das kleine FrühstückchenNach dem Wiegen hängen zehn an Mutters Trinkzapfen (oder versuchen einen zu ergattern), nur Gundel spielt selbstvergessen mit einem Fellquietschie. Davon wird man schlau, aber nicht gewichtig. Gundel hat wieder einen Meilenstein gesetzt, weil dies das erste aktive Spiel mit einem Objekt ist, das sie sich bewusst ausgewählt hat und nun gedankenverloren herumschubst.

Auch Fianna liefert eine Premiere, zumindest im Hause des Bairischen Blues: Sie ist die erste Hündin, die sich zum Säugen komplett auf den Rücken dreht, damit die Zwerge ungehindert von beiden Seiten Zugang haben. Wahrscheinlich hat Bjarni schon recht, wenn er meint, dass sie die weltbeste Mama ist. Aber eigentlich reicht die Welt sowieso nur bis zum Horizont, der Rest ist Erzählung. In unserer Welt ist sie jedenfalls die erste, die sich auf diese Weise ausplündern lässt und somit zweifellos die beste.

Wie lange Fianna das noch so hingebungsvoll praktiziert, werden wir bald sehen, denn jetzt kommen die ersten Zähne. Da wird es mit ihrer Geduld bald ein Ende haben, wenn die Racker versuchen, sich nicht nur mit den Klauen, sondern auch mit Zähnen am Mamaquell festzubeißen.

IMG 7489 1 200Chilli würde Fianna so gerne bei der Welpenaufzucht helfenNachmittags kommt Chilli wieder einmal zu Besuch und versucht sich gleich als zweite Tankstelle, muss aber enttäuscht einsehen, dass damit Schluss ist: Eine Zitze ist eher etwas für die private Andenkensammlung, als für den aktiven Einsatz an der Babyfront. So gern würde sie ihr großes Herz über die Fiannakinder schütten, aber dann schämt sie sich wegen der Leerstellen an ihrem Bauch und verzieht sich ins Kuddebett im Wohnzimmer. Ooch, Chilli, bist doch im Herzen und im Kopf intakt, was brauchst du da noch eine Molkerei?

Die Fiannakinder sind ihr jedenfalls nicht böse, weil sie ihre Tante Chilli auch ohne Molkerei ins Herz geschlossen haben und sich sehr darauf freuen, wenn sie bald wieder kommt. Für jetzt beschließen sie, sich anderweitig zu beschäftigen und beginnen kleine Klettertouren auf Menschenschöße. Gaudi hat die ja schon länger entdeckt und mit gewaltigen Anstrengungen erklommen. Jetzt erkennen auch seine Geschwister die Vorteile dieser wärmenden Bodenerhebungen; und wenn sie sie dann erstiegen haben, sind sie so erschöpft, dass sie eine lange Ruhepause auf ihnen auskosten. Jeden Tag die Welt erobern. So geht es an. Später muss man sie dann nur noch mal schnell retten, weil man sie zu ausgiebig erobert hat.

 

Samstag, 03. 10. 2015

Die frostige, aber goldene Ostlage ist einer seichlauen und wolkigen Westlage gewichen: 8° C um halb acht; da kommen einem ja fast Hitzewallungen.

Feiertag ist heute, 25 Jahre Wende, wie die einen sagen, Wiedervereinigung, wie es die anderen verstehen. Nicht mal da sind wir uns einig geworden. 25 Jahre Neue Bundesländer! Wie lange braucht man, bis man nicht mehr neu ist? Wie wäre es, wenn ein Ehemann seine Gattin anlässlich der Silberhochzeit als seine "neue Frau" vorstellte? Ein beschwerliches und sperriges Volk, das deutsche. Heine hat schon gewusst, was ihn umtrieb, als er sang: Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Fairerweise müssen wir zugeben, dass er das in etwas anderem Zusammenhang so empfand. Aber recht hat er schon, der alte deutsche Heini.

Ob dieser seltsame Feiertag auch in den Welpen zwiespältige Gefühle anzettelt, wissen wir nicht, komisch ist nur, dass sie heute Morgen erstmals richtig laut sind, in ihrer Schlummerbox herumkreischen, auch etwas zornig und jähzornig sind. Ob das eine Chorprobe sein soll: Einigkeit und Recht und Freiheit. Mit der Freiheit hat man - zugegeben - so seine Probleme hinter einer Bretterwand. Und wann, wenn nicht heute, sollte man denn sonst protestieren? Gut, dann eben auch Freiheit! Hoch die Mauer und raus (oder rein?) mit der Meute. Und was passiert dann? Sie bringen die blitzsaubere, eingefahrene und eingerostete Pepita-Ordnung völlig durcheinander, stehen im Weg rum, legen sich überall quer und verrichten ihre Notdurft nach Belieben. So haben wir uns das schon gedacht. Nur gut, dass Fianna eine unbestechliche Sauberfrau ist, die ihren Kindern mit großem Eifer hinterher leckt und versucht, alles wieder ins Reine zu bringen. Man muss die Absicht loben, auch wenn man nacharbeiten muss. Vor wenigen Tagen wäre das Malheur noch überschaubar gewesen, aber nun haben sie sich auf ganzer Linie breitgemacht, sind ausgeschwärmt, haben sich jeden Lebensraum in dieser Küche erobert; da muss man mitunter schon auf Zehenspitzen gehen, um den Hinterlassenschaften zu entgehen.

Die nächste Feiertagsüberraschung beschert uns die Waage: Das ist keine Gewichtszunahme, das ist eine Explosion! 1030 g für elf Welpen gegen Ende der dritten Lebenswoche sind eine füllige Angelegenheit. Und jetzt hat Girgl ernst gemacht, genug von den gambischen Aufplustereien gehabt, 140 g zugelegt und mit 1410 g die Queen vom Thron verjagt. Noch nicht einmal die Lauerstellung dahinter ist ihr geblieben; auf die hat sich nämlich Grappa gedrängt: 1330 (+140). So geht das ganz flott. Mit 1310 g (+30) hat Gamba aber noch Luft nach unten. Unters Fußvolk gerät sie noch nicht. Mit ebenfalls 140 g plus (1280) hat Gustl einen kühnen Satz nach vorne gemacht, hart bedrängt von Gruschel (1260, +130), die sich mit breiten Ellenbogen in die Bonzenfraktion arbeitete. Greco hat offensichtlich verschlafen, dass seine Mikadopartnerin Grappa andere Pläne verfolgt und steht nun mit 1250 (+60) ein bisschen bedröppelt da, zumal der Gaudibursch plötzlich neben ihm auftaucht, der plötzlich so knuffig aussieht wie ein Buckelvolvo, was kein Wunder ist, wenn man über Nacht 160 g pummeliger wird. 1230 g bringt Grille auf die Waage (+40), die sich vielleicht verplappert hat. Gosh gibt bald den Gaudi, wenn er so weitermacht (1220, +60), obwohl er sich ja Mühe gegeben hat, wie man sieht. Fehlen nur noch die Schlusslichter Greta und Gundel; mit 80 g plus hat es Gundel auch nur auf 1190 gebracht wie Greta mit 50+. So ungerecht kann die Welt sein. Wann hat denn Fianna die zwei Liter Milch produziert?

IMG 7512 1 200Für jeden Welpen einen StreichelschoßMöglicherweise ahnte Fianna schon, was auf sie und ihre Kinder heute zukommt: Samstag und Feiertag! Das heißt zwangsläufig ein Haus voll Besuch, und davon auch noch reichlich Kinder, die, wie sie weiß, immer eine besondere Herausforderung sind. Dagegen hat sie ihre Kinder mit dem nächtlichen Fettpolster gewappnet; die Dicken sollen ja gemütlicher und gelassener sein, sagt man. Allerdings, als uns die letzten Besucher am frühen Abend verlassen, ist es mit unserer Gelassenheit vorbei: Fianna macht auf uns einen leidenden Eindruck. Sie verzieht sich immer wieder unter den Wohnzimmertisch oder in den Eingangsbereich, auch will sie nie bei ihren Kindern zum Säugen liegen bleiben, sondern steht schon nach wenigen Sekunden wieder auf. Dazu zieht sie den Rücken auf. Keine Frage Fianna geht es gar nicht gut. Fianna hat Schmerzen. Wir messen Fieber: 39,3°. Das ist nicht lustig. Wir suchen ihr Gesäuge ab und werden schnell fündig: Fianna hat eine eitrige Zitze, dick, heiß und zweifelsfrei sehr schmerzhaft. Die Chefin geht mit ihr mal kurz raus, damit sie ihre Dinge erledigen kann, aber selbst dazu muss Fianna sich zwingen, kann kaum richtig gehen und drängt sofort wieder nach Hause. Eine weitere Fiebermessung ergibt 39,6°. Mit Bord- und Hausmitteln, so viel ist uns schnell klar, ist da nichts mehr auszurichten. Alarmanruf bei unserer tierärztlichen Dorf-Außenstelle Karin, jene Karin, die sich schon bei der Geburt in Bereitschaft gehalten hatte. Karin ist seit vielen Jahren TA-Assistentin, mit sehr viel Erfahrung und allen veterinären Wassern gewaschen. Nach wenigen Minuten ist sie da und massiert Fianna die Milchdrüse frei. Fast 45 Minuten kommt da überwiegend Eiter und wenig Milch. Jetzt wissen wir auch, warum Fianna nicht bei ihren Kindern liegen bleiben wollte. Aber sie duldet diese Tortur heldenhaft: Sie jammert nicht, sie schnappt nicht, auch dann nicht, wenn sie fast in die Knie geht vor Schmerzen. Aber das Zeug muss raus. Wir können nun auch sehen, dass vermutlich eine kleine Kralle die Zitze an der Spitze ein wenig geritzt hat; das reicht für die Keime als Einfallstor. Und so ein eitriges Abszess explodiert geradezu, da kann man beim Wachsen zusehen. Karin gibt nicht auf, bis kein Eiter mehr kommt, dann kleben wir ein großes Pflaster drüber, denn das, was diese Zapfstelle liefern würde, wäre weit schlimmer für die Welpen als die Schwiegermuttermilch, von der Grappa ihren Namen hat. Karin hat ein Antibiotikum mitgebracht (Amoxiclav, ist gut verträglich für die Welpen) das wir jetzt zweimal täglich geben müssen, dazu Metacam einmal täglich gegen das Fieber. Und jetzt legt sich Fianna auch wieder zu ihren Kindern und versorgt sie wie immer, wobei sie auch während der sehr maladen Zeit nie aufgehört hat, ihre Kinder zu pflegen, nur Säugen, das konnte sie nicht mehr ertragen. Nun also geht auch das wieder. Um 21:30 Uhr ist Karin wieder weg und wir voller Dankbarkeit. Und Fianna geht es sichtlich besser, ihr Blick ist wieder klar und sie bewegt sich wieder normal. Der Chef kühlt ihr noch mit einer Kaltkompresse die heiße Brust (es gibt Dinge, für die Männer einfach geschaffen sind), was Fianna sichtlich angenehm ist.

Während die Chefin am Wohnzimmertisch sitzt und Bilder sortiert und der Vize Fianna am Boden die Brust kühlt, kommt plötzlich Gruschel ins Zimmer geeilt, jawoll: geeilt, im Stechschritt quasi, auf sehr flinken Beinen und schnurstracks, als hätte sie ihr halbes Leben in diesem Raum verbracht, treibt sich zwischen Stuhlbeinen und Notenständerbeinen herum, wirft einen Blick nach links und einen nach rechts, prägt sich das Gelände und die Umgebung ein - und marschiert ebenso spektakulär unspektakulär, ohne zu wanken und entschlossen auf direktem Weg wieder in die Küche, legt sich aufs Ohr uns schläft. War das eine Erscheinung? Wir sehen uns an und schütteln die Köpfe. Die einzige, die keine Verwunderung zeigt, ist Fianna, die die Erscheinung ebenfalls interessiert verfolgt, aber offensichtlich ihre Kinder kennt und sich deshalb nicht wundert. Aber was für ein Modell haben wir denn da im Stall?

IMG 7543 2 200Maniküre am AbendBevor wir uns zur Ruhe legen, die wir heute dringend brauchen, knipsen wir den Knirpsen noch die Zehennägel, die aber noch nicht richtig lang sind; da haben wir zu dieser Zeit schon andere Klauen erlebt. Aber es sind ja auch keine Werwölfe im G-Schwader. Trotzdem, die sollen nicht noch weiteren Schaden anrichten können.

Nachts ist Fianna ruhig; sie ist eindeutig auf dem Weg der Besserung. Zweimal geht sie hinunter zu ihren Kindern, damit die über Nacht nicht verhungern (nach 1030 g heute Morgen!) und kommt entspannt wieder, wobei sie allerdings jeweils von der Chefin begleitet wird, die keine Ruhe hat und dabei sein will, auch um zu überwachen, ob das Pflaster hält. Das Pflaster hält und die Chefin nutzt die Gelegenheit, nochmal Fieber zu messen: 1:30 Uhr 38,7°. Danach kann sie sich wieder sehr entspannt ins Bett legen.

Dieser Tag der Deutschen Einheit ist am Ende zu einem Tag der Eitrigen Gemeinheit geworden. Gut, dass er vorbei ist.

 

Sonntag, 04. 10. 2015

Um 7:15 Uhr hat Fianna bescheidene 38,3° und wird von uns für gesund erklärt. Das Pflaster hat gehalten und das Euter ist prallvoll, wie man sich denken kann. Aber noch dürfen wir keinen Welpen dran lassen.

Der Sonntag kommt wie der Einheitstag daher: dampfig warm bei 9° C, bewölkt und irgendwie drückend oder erdrückend.

Auf der Waage zeigen die Sprösslinge heute wieder eine normale Entwicklung, keine Explosion wie gestern. Girgl 1470 (+60), Gamba 1370 (+60) und zurück auf Platz zwei, Greco 1350 (+100) mit neuem Ehrgeiz, Gruschel 1340 (+80), Gustl 1330 (+80), Grappa 1300 (-30) - verpennt oder verquasselt?, Gosh 1290 (+70), Grille 1290 (+60), Gundel 1270 (+80), Gaudi 1260 (+10, Magerquarkbürscherl) und Greta 1230 (+40), macht zusammen 580. Das soll für heute genug sein, was die Gewichtsanalyse betrifft.

Um 10:30 Uhr kommt unsere Karin mit den zarten Zauberhänden einer Geigelsteiner Sennerin zur Nachbehandlung. Wieder wird die Zitze ausgedrückt, bis nichts mehr kommt als Milch und wieder lässt Fianna alles geschehen. Sie begrüßt sogar Karin mit großem Enthusiasmus, obwohl die erhebliche Zweifel hatte, ob Fianna sie überhaupt nochmal ansehen würde. Mehr als das: Sie knutscht sie förmlich ab und bettelt sie an wie ein buddhistischer Bettelmönch. Trotz der richtig gut zurückgegangenen Entzündung lassen wir die Kinder noch nicht auf diesen Barhocker; man weiß ja nie, was sich weit in den Tiefen eines solchen Gesäuges noch alles selbst heranzüchtet.

IMG 7578 1 200Gaudi findet die Entwurmung gar nicht so schlechtZur Abwechslung und Zerstreuung nehmen wir jetzt die erste Entwurmung bei den Kleinen vor. Wir machen das mit Flubenol-Paste, mit der wir gute Erfahrungen haben. Offenbar schmeckt sie nicht so ekelig wie anderes Zeug, das uns vor Abscheu immer um die Ohren geflogen ist. Somit ist die Angelegenheit in aller Regel jetzt sehr entspannt, weil es die Kleinen gut annehmen und wir anschließend die Küche nicht mehr grundreinigen müssen. Einer nach der anderen wandert auf den Schoß der Chefin, bekommt die Tülle in den Schnabel gesteckt - und eh sie sich dagegen wehren können, ist die pampige Attacke schon wieder vorbei. Dieses G-Schwader, das müssen wir allerdings einräumen, ist besonders handzahm und problemlos in dieser Disziplin. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir diesmal mit der Entwurmung ein paar Tage später dran sind. Das sieht prima aus - aber Fianna, die eigentlich (sinnvollerweise!) mit den Welpen entwurmt werden sollte, ersparen wir die Prozedur, weil das alles zusammen mit der Entzündung und dem Antibiotikum nicht sehr ratsam wäre. Zudem wurde Fianna kurz vor dem Deckakt entwurmt und ist seither weder durch Mäuseverzehr noch durch quicklebendigen Kot aufgefallen. Man muss auch mal vom rechten Weg abweichen können. Deswegen kauen wir uns die Fingernägel nicht ab.

IMG 7656 1 200Doch die erste Milchmahlzeit findet dann viel mehr AnerkennungWeil das Leben, wenn es harmonisch sein soll, im Gleichgewicht von Yin und Yang getragen wird, lassen wir der Flubenol-Zumutung ein leckeres Mahl im Sterne-Restaurant folgen: Welpenmilch, mal nicht von Mama, sondern von der Chefin. Wir mixen die Welpenmilch fürs Zufüttern nach einem Rezept der LMU selbst: 125 g Magerquark, 150 ml H-Vollmilch, 3 Eigelb, 3 El Distelöl oder Keimöl. Die Menge reicht momentan für alle. Wie immer, geben wir den Brei in eine kleine Terrakotta-Schale, halten es dem Kandidaten unter die Nase und lassen ihn machen. Die meisten machen das erstaunlich gut, alle tauchen mal unter der Last des Körpergewichts in die Pampe und kommen danach entsprechend gesalbt wieder hoch, aber grundsätzlich sind diese Gs heute keine so peinliche Lachnummer, wie wir sie auch schon hatten. Aber auch diesmal zeigt sich, dass bestimmte Fertigkeiten nicht zwingend auf andere Herausforderungen anwendbar sind. Gruschel, die sonst so Souveräne und Pfiffige, die mit allem so gut zurecht kommt, stellt sich bei dieser Übung einfach nur dämlich an, dabei lässt sich nicht herausfinden, ob sie einfach nur zu bescheuert ist, die Nase in eine Schale von 12 cm Durchmesser hineinzustecken und die Zunge herauszustrecken oder ob sie diese Matschepampe einfach nur anwidert und deshalb nur weg möchte. Zum Schluss hat sie dann den Bogen raus und bekommt doch noch ausreichend ab. Ob sie es jedoch aus höherer Einsicht und Erkenntnisgewinn schafft oder ob sie sich den Fakten beugt, muss offen bleiben. Besonders professionell, geradezu sensationell souverän meistert die Quasseltante Grille diese Aufgabe: Sie fängt an zu schlabbern, noch bevor wir ihr den Versuchsaufbau erklären konnten, saut sich auch kaum ein und verlässt die Tafel fast ohne Sabberkleckse. Dieses Mahl weckt in ihr eine solche Begeisterung, dass sie fortan bei all ihren nachfolgenden Geschwistern klauen geht. Sie findet immer einen Weg an uns vorbei oder unter uns hindurch zum Schüsselchen und fordert von den Geschwistern den Kleinen Zehnten ein. So ein durchtriebenes Stück! Fehlt nur, dass sie ihre Mutter von der Seite anranzt: "Bleib mir bloß in Zukunft mit deiner Plörre vom Leib!" Mama Fianna ist aber immer gut gelaunt und lässt ihren Kindern ihre Schnurren und mischt sich unters große Schnauzenlecken, das nun anhebt: Die meisten sind ja von Kopf bis Fuß mit Babybrei verkleistert, der entsorgt werden muss, damit die Dämchen und Herrchen nicht so klebrig sind.

Nach all der Aufregung geht der Vize mit der Mutter im Regen spazieren, ja, inzwischen regnet es, und die Chefin wartet lieber im Trockenen auf den nun hereinbrechenden Besucherstrom, als dass sie sich die Dauerwelle ruiniert. Dem Vize ist das heute Banane, ihm ist nach frischer Luft um die Nase. Die einzige Sorge, die ihn umtreibt ist die, dass im Regen Fiannas Brustpflaster nicht halten könnte. Doch diese Sorge bleibt unbegründet: Das Pflaster hält wie Pech am Bauch. Keine Rolle und kein Bauchplatscher können ihm schaden. Die Mutter ist im Regen in ihrem Element und nervt ihren Boss ohne Unterlass, wird handgreiflich und untergriffig, fordert ihn auf, mit ihr ein bisschen Unterordnung zu machen, weil sie das Ballspielen langweilt. Sie tänzelt und schwänzelt den ganzen lieben langen Weg vor ihm her und um ihn herum, macht ihn an, staucht ihn zusammen, kneift ihn in alle verfügbaren Körperteile: nur eine kleine Lipizzaner-Einlage am Fuß! Das hatten wir schon, aber es wird immer schlimmer. Doch der Vize macht keine Unterordnung mit ihr, weil er nicht als Ursache herhalten möchte, wenn nach der Mutterschaft die Unterordnung unterirdisch sein sollte. Geht ja schnell, so eine Schuldzusprechung. Außerdem ist es beim Blues eine unumstößlicher Grundsatz: One Wo(Man) - One Dog. Die Vergesellschaftung der Ausbildung funktioniert nicht. Deshalb bekommt die Chefin bei seiner Rückkehr die Anweisung, morgen mindestens eine Stunde Unterordnung mit der Workaholikerin zu machen, Exerzieren im Schlamm, bis sie um Gnade bettelt. Im Übrigen sollte man mal untersuchen, ob ein anhaltender Triebstau auch für einen Milchstau verantwortlich sein könnte. Und warum sollte nicht auch die Milch sauer werden, wenn die Mutter sauer ist? Veterinäre an die Front: Hier wird soeben eine Doktorarbeit vergeben.

Zurück im Reich des Blues steht Fianna vor einer prall gefüllten Küche voller Besucher. Jetzt hat sie Wichtigeres zu tun, als um Unterordnung zu betteln. Jetzt ist ihr ganzer Einsatz gefordert.

Um 17:30 Uhr ist Karin wieder da, um nach dem Rechten zu sehen. Jetzt sieht die kranke Zitze noch besser aus und führt praktisch keinen Eiter mehr. Wir streichen sie noch ein wenig aus und lassen dann den schmalen Gaudi dran, dem wir die jetzt natürlich prallvolle Tankstelle gönnen wollen. Aber der Gaudibursch mag sich nicht quälen, denn so ein festgegangener Zapfhahn braucht schon ein wenig Überredung, bis er wieder anspringt und die Quelle, wie gewünscht, sprudelt. So viel Einsatz für ein bisschen Milch ist nicht Gaudis Sache. Da muss schon ein hemdsärmeliger Zapfwerker wie der Girgl ran, und der lässt nichts anbrennen, der zapft und zuzelt, bis das letzte Noagerl (dt.: bis zur Neige) ausgeschlotzt ist. Fianna ist ihrem Girgl sichtlich dankbar, dass er sie von dieser Last befreite.

Danach trudelt der Sonntag aus und wir trudeln ziemlich zügig ins Schlafkoma.

 

Montag, 05. 10. 2015

Es ist schon wieder passiert. Tatort Schnullerbox. Tatzeit: zwischen 5 und 5:30 Uhr. Ein schwarzbraunes Hovawart-Baby überwindet die 30-cm-Hürde seines Lagers und bricht aus seiner Schutzhütte aus. Danach tut es ihm leid, vor allem tut er seine Einsamkeit lauthals kund. Die Mutter eilt aus dem Schlafzimmer zu Hilfe, die Chefinspektorin eilt hinterher. Doch anstatt die Personalien festzustellen, befiehlt sie die Mutter in die stabile Seitenlage zur Speisung und legte das Flüchtlingskind zum Rest dazu. Die Mutter gibt auf Nachfrage keine Auskunft bezüglich der Identität des Flüchtlings. Schon wieder bleibt dem Blues wegen einer behördlichen Schlamperei die Identität eines Täters verborgen, dessen Fertigkeit in naher Zukunft Folgen haben wird. Deshalb wäre es sehr wünschenswert gewesen, Namen und Personalnummer zu kennen. Jedoch die Chefinspektorin agiert um diese Tageszeit nicht schlüssig, sondern wie ein behördlich tolerierter Roboter mit maximal zwei Freiheitsgraden.

Zur Entlastung der Chefin sei angefügt, dass sie heute einen Jubeltag feiert und sich deshalb alle Freiheiten nehmen kann, die sie möchte. Aber die Nummer morgens wäre wirklich nicht nötig gewesen ...

DSC07330 1 200Endlich wieder an der Mangfall: Fianna ist glücklich und Frauchen genießt den Spaziergang auchUnd DSC07374 1 200Fotografierwetterweil die Chefin heute in Feierlaune ist, der Föhn den warmen Süden ins Mangfalltal trägt, dürfen trotz Montag die nächsten Freunde kommen, auf der Terrasse schwatzen und schmatzen, der Jubilarin huldigen und nebenbei auch noch die Welpen streicheln. So ist auch heute die Bude wieder voll - und der Bauch auch.

Trotz aller Feierlaune versäumen wir nicht, den zweiten Teil der ersten Entwurmung der Kleinen vorzunehmen, der heute fällig ist. Auch eine weitere externe Speisung wird vorgenommen, sehr zum Vergnügen des anwesenden Publikums. Und weil Feiergäste ein ausgebildeteres Sitzfleisch haben als die geschätzte Laufkundschaft (die sich nur noch nicht traut, aber ein ebensolches entwickelt, wenn sie sich zur Feiergesellschaft hochgearbeitet hat), wird es spät, bis die dritte Lebenswoche von Fiannas Lieblingen zu Ende geht.

Uns wird schon ganz flau: Nächste Woche um diese Zeit haben wir schon Halbzeit. Die einen schaudert's, die anderen freut's.