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G-Deih und G-Schrei
- G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 6

6. Woche (20. 10. - 26. 10. 2015)
Dienstag, 20.10.2015
Jetzt geht es mit den Temperaturen in den Keller, nahe an die Frostgrenze immerhin, und der Vize muss sich die Sicht aus dem Auto freikratzen. So wünscht man sich das: Erst Nebel und Regen und dann sofort Frost. Und wo bleibt der Herbst, also der mit Sonnenschein und brennenden Bäumen? Der kommt heute! Es ist nämlich nicht einfach nur frostig, sondern frostig, weil sich der Himmel über Nacht völlig entblößt hat und wie am allerersten Tag strahlt, so wie damals, als unser Planet geschöpft wurde. Der Hauptverantwortliche wird seinerzeit ja kaum einen vernieselten und verbieselten Drisseltag im Sinn und zusammengebastelt haben. Der Vollständigkeit müssen wir anfügen, dass sich dieser Tag dann nachmittgas seiner unverschämten Blöße bewusst wird und wieder verhüllt wie weiland jene zwei im Paradies. Aber fürs erste reicht das, um Fiannas Kindern einen zauberhaften Tag in ihrem Paradies zu bescheren.
Diese frostige Morgen lässt die Kleinen sich auf der Terrasse zusammenkauern, schweigend und leise schnatternd, während wir drinnen für die Wiederherstellung der Ordnung sorgen. Das klingt logisch, dass sie sich zusammenkuscheln und so der Kälte trotzen, muss aber nicht so sein; einige ihrer Vorfahren hatten sich für die Klagetherapie entschlossen, der Erkenntnis folgend, dass Kreischen und Brüllen, wenn es nur exzessiv genug betrieben wird, Seele und Muskeln wärmt. Die Nachbarschaft erstarrt allerdings dabei; morgens um sechs ist deren Welt dann nicht mehr in Ordnung. So gesehen schafft dieses G-Schwader schnatternd und schweigend Wärme, nicht nur für sich, sondern auch für unser seelisches Gleichgewicht und eine wohltemperierte Nachbarschaft. Wenn das so bliebe...
Gewichtsmäßig haben sich gestern alle ordentlich ins Zeug gelegt. Tabellenführer ist weiterhin und erwartungsgemäß Girgl mit 3210 (+110). Hinter ihm klafft jedoch schon eine markante Lücke, deren erste Lückenschließerin Grappa ist: 3080 (+180). Ebenfalls 3080 bringt Greco auf die Waage, allerdings mit nur 100 g plus. Mit 3040 g (+100) beschließt Grille den Sechspfünder-Block. 2930 g (+170) bringt Gustl auf die Waage, für Gruschel stehen 2880 zu Buche (+150), Greta meldet 2860 (+90) und Gundel 2810 (+160). Gamba lässt 2760 g anschreiben (+170), Gosh 2740 (+150) und der Gaudi meldet stolze 2700 g (+120), macht zusammen einen Zugewinn von 1500 g.
Aufbau des Flattervorhangs - und alle Welpen helfen fleißig mitHeute holen wir den Flattervorhang aus dem Lager, an dem die Zwerge sofort so interessiert sind, dass wir es kaum schaffen, ihn aufzuhängen. Und als er dann hängt, wird er intensiv inspiziert und zum Inventar genommen. Fortan wird er kaum noch als Hindernis bei den Sauserunden wahrgenommen, nur Greta versucht gelegentlich, eines der Bänder, und damit den ganzen Vorhang, durch die Buchshecke hindurch in ihre Spielzeuggrube zu ziehen, die sie sich dort unübersehbar angelegt hat. Mit dieser Aufgabe ist sogar die Feinmechanikerin des G-Schwaders überfordert.
Während die Kinder immer fideler werden, reduziert Fianna ihre Futtergaben auf etwa zweimal am Tag. In der sechsten Woche sollten sich die Knirpse schon langsam damit abfinden, dass die Küche des Hotels Mama demnächst schließt. Uneinsichtige Dauergäste ruft sie herzhaft zur Ordnung und bedeutet ihnen, dass ihr Bauch nun langsam nur noch ihr gehört. Aber sie belässt die Frustrierten nicht in ihrem Tal der Tränen, sondern bietet ihnen ein Spielchen an, was diese gerne annehmen, obwohl sie erkennbar verunsichert sind und dieses Verhalten ihrer Mama noch nicht so richtig einordnen können. Wir dagegen stehen fasziniert vor diesem pädagogischen Lehrstück, das Fiannas Vorgängerinnen zwar auch zur Aufführung brachten, aber selten so klar und unmissverständlich wie sie es macht, ein pädagogisches Lehrbeispiel, wie es sich jeder Hundeausbilder und Erzieher zu Herzen nehmen sollte: Lass deinen Zögling nicht im Frust hängen, sondern biete ihm immer eine Lösung an. Anders gesagt: Setze niemals die Peitsche ohne das anschließende Zuckerbrot ein. Fianna braucht dazu kein Lehrbuch; sie weiß einfach, was zu tun ist. Nur die Krone der Schöpfung meint, auf die Prügel noch den Tadel folgen lassen zu müssen und auf diesen ein unbefristetes Grollen. Auf dem Weg zur Schöpfungskrone sind uns augenscheinlich eine Menge Perlen aus derselben gefallen, weshalb sie gelegentlich einen so abgewirtschafteten und glanzlosen Eindruck hinterlässt.
Den Kindern ist das einerlei, sie lassen sich von Mama gerne inspirieren. Vor allem aber legen sie zunehmend höchsten Wert auf Gartenfreizeit; Einschlüsse im der Küche monieren sie lauthals. Sie tun dabei, als wären sie alle Möpse, die in die Küche kämen, dem Koch ein Ei stählen und dann von vielen Köchen erschlagen würden. Wie ein kollektives Gedächtnis scheint diese Mopsgeschichte in ihnen zu arbeiten und ihnen den Aufenthalt in der Küche als nicht zukunftssicher erscheinen zu lassen, zumindest tagsüber, wenn draußen der Herbst brilliert. Der Gruppendruck der Aufständischen ist dann so groß, dass man sie gerne wieder ins Freie entlässt, wo sie sich in schwarzbraune Engel verwandeln.
Alle paar Wochen muss der Vize aus zehn Kilo Rindfleisch ein nahrhaftes Barf-Futter für die Katzen kreieren. Das ist zwar keine intellektuelle Herausforderung, zieht sich aber hin und wird zur Bedrohung für die Welpen, wenn diese dem Katzenfutterproduzenten unentwegt zwischen die Füße laufen. In diesem Sonderfall kommt dann das Gegenteil des Kücheneinschlusses, nämlich der kollektive Küchenausschluss zum Zuge: alle raus in den Garten. Damit dem Vize beim Hantieren in der Küche nichts entgeht, was da draußen so gespielt wird, bleibt die Terrassentür und damit der Transit offen. Die Sperre zur Küche bleibt natürlich zu. So kann ihm nichts entgehen und im Wege stehen. Aber so sehr sich die Freiheitskämpfer den Ausgang ertrotzt haben, so sehr treibt sie die Neugier nach drinnen, um zu sehen, was ihr Zuchtmeister da so geschäftig zu erledigen hat. Jetzt hängen sie also an der Sperre und wollen alle rein in die Küche. Jetzt machen sie Terror um sich Einlass zu ertrotzen. Die Welt, so ahnt der Vize, während ihm die Ohren sausen, ist nichts als Stückwerk. Und plötzlich - gottlob hat er den schlürfenden Chinesengang schon so verinnerlicht, dass er von ihm sogar in Abwesenheit seiner wuselnden Begleiter nicht mehr lassen kann - stehen zwei knirpsige Fellknäuel hinter ihm und fragen: "Was machsn du da? Ist das für u-uns?" Ja, Zackenbarsch und Zölibat, was machen die denn da? Haben diese Terrier doch tatsächlich den Zugang für sich aufgesprengt, so, dass er zwar immer noch hält, aber diesen beiden einen Durchschlupf bot. Keine Ahnung, wie sie das geschafft und die anderen davon nichts spitzgekriegt haben. Und jetzt macht er, was er der Chefin zur Last gelegt hatte: Er nimmt die beiden ohne Ansehen ihrer Person und bringt sie nach draußen, rückt den Zugang zurecht - und hat keine Ahnung, wer die Eindringlinge waren. Ja, er hat's wirklich vermasselt. Wieder klappt eine unersetzliche und unverzeihliche Wissenslücke in der G-Schwader-Chronik.
Tauziehen von Gruschel und Girgl - wer ist der Stärkste im Land?Wirkliche Ruhe kehrt erst ein, als der Vize seine Fleischverarbeitung abgeschlossen hat. Jetzt breitet sich Alltag im Paradies aus. Und wenn man sich Zeit nimmt, entdeckt man Dinge, die würde man nicht ohne Weiteres glauben. So liegen nachmittags neun Geschwister im Korb neben der Terrassentür und entspannen vom anstrengenden Aufdringlichsein, während zwei so eine Art Wache schieben; sie lungern lässig auf der Terrasse herum und wenn sie Jacketts anhätten, würde man ihre Ausbeulungen unter den Achseln sehen können. Die Szene erinnert ein wenig an Erdmännchen, bei denen auch immer Wachpersonal im Einsatz ist, wenn der Rest schläft. Und dann fährt ein Kind auf dem Fahrrad an unserem Garten vorbei, die zwei spitzen die Ohren (soweit das anatomisch möglich ist) und richten sich kerzengerade auf wie Erdmännchen mit unverwandtem Blick Richtung Gehsteig - und im selben Augenblick ist die schlafende Neun auf ihren 36 Beinchen und stürmt in Richtung Buchshecke, hinter der ein mächtiges Hochbeet die Sicht versperrt und erst dahinter der Gehsteig verläuft. Sehen können sie definitiv nicht, was oder wer da draußen sein Unwesen treibt, aber sie hören es und sie ahnen es und sie spüren es. Der Wachtrieb des Hovawarts hat seine erste Bewährungsprobe bestanden. Sie bellen ein bisschen herum, wenn man das Geraune Bellen nennen darf, aber sie machen sich bemerkbar und signalisieren, dass hier etwas nicht in Ordnung ist und werden ausgiebig gelobt, womit dann auch die ganze Ernsthaftigkeit in Sekunden verflogen ist und aus den Scharfmachern wieder selig spielende Kinder werden.
Mittwoch, 21.10.2015
Auch dieser Morgen beginnt klar und mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Den G-Schwistern scheint auch heute das Schnabelwerk eingefroren zu sein, jedenfalls dringt kein Laut von der Terrasse in die Küche. Fast beschwingt tanzt da der Feudel, zumal immer noch sehr wenig nächtliche Rückstände die Morgenstimmung verderben. Gestern Nacht musste der Vize sechs Därmlinge entsorgen, die Chefin heute Morgen fünf. Das sind genau elf über die Nacht. So viel Minimalismus ist uns fremd und verunsichert uns fast; die werden doch nicht noch ein paar dieser Dinger irgendwo versteckt haben. Nein, davon kann man nicht ausgehen, außerdem würde die Nase des Vize sofort Alarm schlagen. Wir sind eher der Ansicht, dass die abendlichen Fleischrationen anstatt der früheren Trockenfutterportionen für den reduzierten Output verantwortlich sind. Sicher kann man sich nicht sein, aber ein Ansatz wäre es, der zukünftig verfolgt und verifiziert werden müsste.
Gaudi hat sich einen ganz besonderen Schlafplatz ausgesucht: das Krokodil als UnterlageGirgls einsames Rennen an der Speckfront setzt sich heute Morgen fort: 3390 g (+180) sind eine Kampfansage, die sich allerdings die gelben Geschwister Greco und Grappa nicht zweimal sagen lassen. Immer wieder scheinen sie Vergnügen darin zu finden, sich im Parallelschwung durchs Leben zu futtern, so auch gestern wieder: beide +190 und somit beide schiedlich-friedlich auf 3270 vorgerückt. Es wird interessant sein zu sehen, wann der Hündin bei diesem Speckschwartenrennen der Schnauf ausgeht. Mit 160 g plus und 3200 hält Grille Kontakt nach vorne und den Rest auf Distanz. Dieser Rest beginnt bei Gustl mit 3030 g (+100) und Gruschel (3020, +140). Weiter geht es in der bekannten Reihenfolge mit Greta (2990, +130). Gamba hat sich mit 2900 (+240) wuchtig nach vorne geschoben (wuchtig ist unseres Finanz-und-Heimat-Söders Lieblingsvokabel, also müssen wir sie auch einmal einsetzen, nicht dass er es uns dereinst, wenn er Bayernkönig geworden ist, übelnimmt). Gosh bleibt ihr mit 2880 (+140) knapp auf den Fersen. Gundel hat gestern mit 60 g plus (2870) zwei Plätze verloren. Den Schluss macht wie immer Gaudi mit 2820 (+120), und darüber gibt es auch nichts zu meckern.
Gustl mit seiner PansenstangeNach dem mittäglichen Trockenfutter (Platinum in Brocken) geben wir zur Belustigung unserer Besucher noch ein paar getrocknete Pansenstangen aus, dabei zeigen Girgl, Gosh und Gustl schon beachtliche Fortschritte in Sachen Beutesicherung. Man kann nicht so schnell schauen, wie die drei mit ihrer Stange wie vom Erdboden verschluckt sind. Selbst Grille, die begnadetste Spürhündin, weil sie vermutlich alle bislang benutzten Verstecke fein säuberlich kartographiert hat, tut sich schwer, den dreien auf den Fersen zu bleiben. Nur Mama behält den Überblick und jedes ihrer Kinder im Auge und klaut denen, die nicht ständig auf der Flucht vor ihr sind, skrupellos ihre Beute aus dem Schnabel. Diese Lernrunde geht wieder eindeutig an die Mama, die ihren Kindern zeigt, dass das Leben kein Ponyhof ist, was diese nur murrend akzeptieren wollen. Greco ist der letzte, den sie beklauen kann, weil der sich wieder einmal so in seinen Reifen drapierte, dass er sogar dem kleptomanen Auge seiner Mutter entgangen war. Doch letztlich zählte sie wohl die Häupter ihrer Lieben und stellte fest, dass noch eines fehlte. Und dann ging sie auf die Suche und fand den Griechen im Reifen. Diese Reifenprüfung hat der Kleine nicht bestanden.
Unsere Besucher haben ihren Spaß, die Kinder ihre Lektion und die Mutter eine ganze Tüte Pansenstangen im Bauch. Sie weiß halt nur noch nicht, dass ihr die abends wieder abgezogen werden, denn wer nur noch Sparmilch ausgibt, darf nicht mehr auf Doppelrationen hoffen.
Donnerstag, 22.10.2015
Der Morgenfrost der vergangenen Tage hat ausgedient: Um 7 Uhr verzeichnen wir heute schon 7° C. Das verspricht doch einiges, ohne gleich übermütig werden zu wollen.
Bei der Morgenlage auf der Terrasse ist es auch heute wieder schläfrig still, und auch die Wägeprozedur der Chefin bringt das Kinder-G-Schwader nicht aus der Ruhe. Und schon mit dem ersten Bestücken der Waage stellt sich der Chefin die Frage: Wo war Girgl gestern? Was hat der gemacht? Tatsächlich hat er nichts gemacht - kein Gramm zugenommen hat er! Girgl legte ein Speck-Sabbatical ein. Die 3390 g von gestern reichen ihm zwar heute auch noch für die Pole-Position, aber man macht sich ja direkt Sorgen um den kleinen Kalorienbaron. Aber nichts deutet auf eine Unpässlichkeit hin. Diese Manna-Pause lässt Greco Morgenluft schnuppern, der sich mit 3370 (+100) so nahe an ihn heranschiebt, dass der Girgl schon seinen Atem im Nacken spürt. Irgendwie muss das gestern ein komischer Tag gewesen sein, denn auch Grappa schwächelt mit bescheidenen 60 g (3330) beträchtlich und muss den Schulterschluss mit Greco aufgeben. Grille hält den vierten Platz mit 3290 g, obwohl auch sie mit 90 plus keine metabolische Großtat vollbrachte. Wenigstens Gustl hat sich einige Mühe gegeben und mit 160 plus (3190) seinen Platz souverän verteidigt. Aber es ist nicht mehr Gruschel, die ihm getreulich folgt, sondern Greta, die mit 3140 (+150) ein deutliches Lebenszeichen (nein, heute lassen wir das "wuchtig" bleiben) gibt. Gruschel teilt sich jetzt den Platz mit Gamba (3060), mit dem Unterschied, dass Gruschel bescheidene 40 g auflegte, Gamba dagegen mit 160 g brilliert. Es folgen Gosh und Gaudi - Stopp! Gaudi? Tatsächlich hat der kleine Mann die Bürde von zusätzlichen 190 g zu tragen, was ihn auf die Stufe mit Gosh hebt, der es bei 130 g belassen hatte. Somit ist heute Gundel die Treuhänderin der Rote Laterne: 2930 (+60).
Insgesamt hat das G-Schwader 1140 g zugenommen. Für uns ist das ein Signal, dass wir jetzt auf vier Mahlzeiten täglich erhöhen müssen, weil Fianna ihre Milchbar nur noch einmal am Tag geöffnet hat. Das reicht natürlich hinten und vorne nicht mehr.
Gut, dass die Schaukel 100 Kilogramm trägtDer Tag hält so in etwa, was er morgens versprochen hat, schwingt sich auf diesig weiß-blaue 12° C hoch, bevor er sich abends wieder im Hochnebelniesel versteckt. Da sind die Kinder putzmunter, und wir spendieren ihnen die knallrote Pendelschaukel von IKEA, auf die sie sich mit Karacho stürzen - und gottlob nicht mit ebensolchem Karacho auf der anderen Seite wieder runterkrachen; die Zwerge haben ihre Beinchen und den ganzen Rest schon richtig geschickt unter Kontrolle.
Es tummelt sich wieder einiger Besuch bei uns, der den Körperübungen der Nachwuchs-Äquilibristen begeistert beiwohnt. Insgesamt treiben sich heute 17 Leute bei uns herum, aber durch das ständige Kommen und Gehen, angereichert durch die Kleinkunststücke der elf Zwerge wirkt der Tag auf uns wie ein Besuch im Cabaret.
Was uns mehr als all die Kunststücke und Verzückungen von diesem Tag in Erinnerung bleibt, ist, dass die Kleinen mit einem Mal mächtige Würstchen aus ihrem hinteren Ende drücken. Warum so gänzlich ohne Übergang? Und warum heute, wo doch die Gewichtstabelle keinerlei Hinweis auf eine Überfütterung zulässt? Alle, aber wirklich alle haben sich offenbar verabredet, von den Kinderwürstchen Abschied zu nehmen und uns mehr Bewegung zu verschaffen, weil von den Endprodukten bisherigen Ausmaßes drei oder vier auf ein Schäufelchen zur Beseitigung gingen, jetzt aber beansprucht ein, bestenfalls zwei Endmoränen den gleichen Platz, und so streunen wir ständig durch unseren Garten, vom Häufchen zum Eimerchen und vom Eimerchen zum Häufchen und wieder zum Eimerchen... Schön, dass unsere Besucher Mitleid mit uns haben und uns beim Eimern und Schaufeln tatkräftig unterstützen.
Freitag, 23.10.2015
Ein trüber Hochnebelnieseltag nimmt seinen Anfang, der sich auch bis zum Ende nicht eines Besseren besinnen will. Dieser Oktober scheint einfach partout ein November sein und bleiben zu wollen.
Wen wunderts, dass die Zwerge so viel zunehmen - wo sie doch keine Gelegenheit auslassen, zusätzlich einen Happen abzubekommenBeim Wiegen orientieren wir uns heute erst einmal am hinteren Ende, weil wir natürlich neugierig sind, ob Gaudi wieder gebummelt hat und von Gundel die Rote Laterne erneut umgehängt bekam. Aber der Kleine blieb auf dem Quivive und ließ Gundel (3080, +150) nicht vorbei, was doch ein bisschen erstaunt, weil 150+ für ein Federgewicht ja keine geringe Leistung sind. Warum das so ist, wird schnell klar, weil Gaudi gleich 210 g zulegte und sich mit 3220 g deutlich von Gundel absetzt. Und auch Gosh, der gestern noch gleichauf mit Gaudi war, steigt auf die Herausforderung ein und legt sogar 230 g auf (3240). Diese Ergebnisse lassen aufhorchen: Was war da gestern los? Warum legen die so zu, wenn sie solche Häufchen absondern? Der Stoffwechsel ist ein modernes Buch mit sieben Siegeln. Die nächste in der Reihe ist Gamba, die mit 240 g ebenfalls auftrumpft und bei 3300 g landet. Gruschel liefert +250 und schreibt am Ende 3310 g auf. Greta bringt 3360 g auf die Waage, das sind auch 220 plus. Knapp davor kann sich noch Gustl schieben (3370), der aber mit +180 schon fast auffällig ist. 150 g meldet Grille und kann damit zwar ihren vierten Platz mit 3440 halten und nach hinten Distanz schaffen, verliert aber nach vorne den Anschluss. Dort, auf dem dritten Rang, taucht heute Greco auf, der mit 160+ auf 3530 g kommt, aber eine wild entschlossene Grappa vorbeiziehen lassen musste: plus 260 (3590). Unsere Frage, wann sie wohl im Rennen mit dem Griechen den Kürzeren ziehen wird, hat offenbar ihren Ehrgeiz zur vollen Blüte gebracht; denn auch zum leidenschaftslosen Girgl (3600, +210) fehlen ihr heute nur noch 10 g. Insgesamt überraschen uns unsere Kinder mit eindrucksvollen 2260 g. Und das, obwohl die Mama nur noch lustlos ihre Bar öffnet und wir schon glaubten, das Völkchen müsste darben.
Vigo sieht zwar nicht aus wie ein Hovawart, doch das hält die Meute nicht vom Spielen abWir bekommen heute noch Besuch von Balou, dem früheren Dulin aus unserem D-Wurf. Weil Balou nicht der herzhafteste Kämpfer an der Welpenfront ist (was ihn kaum von den meisten Rüden unterscheidet), bringt er noch den jungen Australian Shepherd Vigo mit, der ihm mit seinen fünf Monaten schon aus Altersgründen den Rücken im Welpenrevier freihalten kann. Und so kommt es dann auch: Der Ausssie macht sich schnell bekannt und ist schon bald beliebter Mittelpunkt und begehrter Spielpartner des G-Schwaders. Und je länger er sich im Getümmel tümmelt, desto eifriger und rasanter sind er und die Kleinen bei der Sache. Balou hat Freischicht, die er aber nicht im Welpenrevier verbringt, sondern in den Tiefen des Hauses; sicher ist sicher. Ein kleiner, aber sehr feiner Nebeneffekt dieses Besuchs: Balous Händchenhalterin Nadja bringt die Mitgift für die Welpen vorbei, die kleinen Geschenke, die sie am Tag ihres Auszugs mitnehmen dürfen, Knuddelkram, Decken und einiges mehr. Wir freuen uns und Balou ist heilfroh, als dieser Besuch in seiner Wiege, den er sich vermutlich anders vorgestellt hatte, endlich vorbei ist.
Desweiteren wird dieser Freitag in keiner Chronik besondere Erwähnung finden: kein Wetter, keine Ein- oder Ausbrecher und nur zwei Besucherinnen. Da packen wir die Gelegenheit beim Schopf und bauen die Schlummerbox ab. Seit Tagen wird sie kaum noch zum Schlummern, sondern fast nur noch zum Pullern genutzt, und das hat sie nicht verdient. Also: Weg damit bis zum nächsten Mal. Jetzt rücken wir an ihre Stelle den Küchen- und Wiegetisch (wenn wir drinnen wiegen) und schaffen wieder ein bisschen mehr Platz für uns, die Kinder und die Besucher.
Samstag, 24.10.2015
Der Tag begrüßt uns mit Hochnebel und 9° C. Aber es riecht schon nach Sonnenschein und guter Laune.
Wir sind natürlich schon gespannt wie ein Flitzebogen, was uns die Waage heute zu berichten hat, ob der Gaudi etwa ... und die gelbe Grappa... Also beginnen wir heute wieder von vorne mit dem Führungsquartett. Girgl langweilt sich und uns, weil er einfach ein emotionsloser Kalorienverwerter ist, den nicht einmal ein Ausrutscher aus dem Gleichgewicht bringt. 190 g packt er drauf und lässt 3790 g aufschreiben. Die Frage, wer als erster die Vier-Kilo-Marke reißt, stellt sich nicht mehr. Dafür hat der Grieche zurück- und Grappa aus dem Feld geschlagen: 250 plus, macht 3780. Jetzt liegt er nur 10 g hinter dem offenbar unaufholbaren Fressstoiker. Grappa hatte noch am Vortag zu verdauen und belässt es bei 160 g (3750). Die vierte im Bunde ist wie immer Grille, die mit 190 g keine Fragen aufkommen lässt (3630). Und dann kommt lange nichts; der ganze 3500-Bereich bleibt unbesetzt. 3490 g meldet aber Gosh, der sich kontinuierlich nach oben schiebt, heute schon auf dem fünften Platz thront, wo er sich doch kürzlich noch mit Gaudi herumschlug. Wer aber brav futtert und schon wieder 250 g auflegt, hat sich das auch verdient. 3480 stehen für Gruschel zu Buche (+170), Gustl liefert 3470 g (+100), ebenso Gamba, allerdings mit 170 g plus. Es folgt Greta mit 3430 (+70). Den Schluss bilden Gaudi (3360. +140) und Gundel (3240, +160), die sich offenbar mit der Roten Laterne angefreundet hat.
Die ersten Sekunden an der Futterbar sind ganz manierlichHeute
...bis Greco dann quer über die Schälchen läuftMorgen füttern wir erstmals nicht aus den Futterringen, sondern aus der Futterbatterie mit Einzelschalen, vor allem, weil wir dadurch mehr Kontrolle haben, wer wie viel abbekommt, was nur unvollständig gelingt, weil die Bande überhaupt keine Probleme mit den Schüsseln hat und die schnellsten Schlinger sich sofort quer über die ganze Batterie durch die Schüsseln fressen. Aber ein bisschen mehr Kontrolle haben wir dennoch, vor allem aber haben wir Spaß, den Kampfgeist der Bande zu beobachten, wie sie gleich drei Köpfe in eine Schüssel stecken, um nur ja keinen Futterrest zu übersehen oder ihn etwa einem G-Schwister zu überlassen.
Und dann öffnet sich der Nebel und gießt goldene Herbstsonne über uns und die Kleinen. Man liegt im Liegestuhl, saugt sich mit Sonne voll, plaudert mit den Gästen und weiß, dass diese Tage gezählt sind. Aber für das G-Schwader ist so ein Tag ein Geschenk des Himmels.
Grappa, Gruschel und Gamba beim Kampf um den PansenAm späten Nachmittag liefern wir top-frischen Ziegenpansen in Stücken aus, der ist zwar einmal gewendet, um den Großteil des Inhalts loszuwerden, aber ausgeschüttelt ist er nicht, das heißt, dass sich in seinem Inneren noch jede Menge unverdautes Gras und Stroh befindet. So ein Pansen ist für einen Hund Haute Cuisine, kulinarisch kaum zu toppen, außerdem ist er durch das anverdaute und gesäuerte Grünzeug ein Jungbrunnen für den Verdauungstrakt und er trägt nicht auf, weil er nicht sehr gehaltvoll ist. Jetzt also stürzen sich Fiannas Ziegenmeuchler auf die gummigen Fetzen, die wir so portionierten, dass sie für die Kleinen handhabbar sind, aber nicht so klein, dass sie zu schnell im Schlund verschwinden können. Da haben wir auch unsere Erfahrungen, wenn so ein Gierschlund versucht, das ganze Gummiteil auf einmal zu verschlucken und wir ihm das Ding wieder durch den Schlund aus dem Magen zerren mussten. Diese hier machen das aber wirklich gut, kommen bestens mit dem unbekannten Beutestück klar und keiner versucht, es im Ganzen zu verschlingen. Für den Augenblick sind alle damit beschäftigt, ihren Schatz zu sichern. Die Herausforderung ist dabei, die eigene Beute zu sichern, die der anderen nicht aus den Augen zu verlieren und drittens, möglichst gleich einem G-Schwister die frische, noch unvergrabene Beute abzujagen. Dass bei dieser Multitasking-Übung mindestens eine Aufgabe unerledigt bleibt, liegt auf der Hand. Die Praxis ist noch ungnädiger: Meist gelingt keine der Übungen; man verliert die anderen aus dem Blick und die eigene Beute. Dann geht man wieder räubern und ein anderer hat das Nachsehen. Die Pansenjagd entpuppt sich so als eine Art Reise nach Jerusalem. Und dass wegen der Übergabe eines Stücks Pansen nicht verhandelt wird, sondern männiglich zugegriffen und geraubt wird, was zwingend eine zünftige bayerische Wirtshausrauferei zur Folge hat, kann man sich denken. Allerdings raufen die Gs wie bayerische Sozialarbeiter in Designer-Jeans, blutrünstige Mordbuben wie die aus dem D-Wurf sind sie bei weitem nicht. Jene haben sich so gefetzt, dass wir daraufhin zwei Würfe lang keinen Pansen mehr fütterten, weil wir Angst hatten, irgendwann Verluste realisieren zu müssen. Nein, diese hier sind Gentleman-Rüpel und Lady-Wrestler, die sich fast nach Knigge verhauen. Vermutlich war Reinhard Meys "Heiße Schlacht am kalten Buffet" eine schlimmere Orgie als diese Auseinandersetzung zwischen Priesterseminaristen und Nonnenfürzlein. Bloß der Girgl gibt den Wildschütz und den Kneißl. Aber auch die anderen kommen alle der Reihe nach zu einem Beuteerfolg, der meist so schnell vergeht, wie er erkämpft war. Grille darf sich noch einer gewissen Amazonenhaftigkeit rühmen, Grappa sowieso. Die drei setzen vor allem ihren Körper ein, die anderen setzen auf Grips, List und flinke Beine. Wir wollen mal sehen, ob sich die schlimmsten Räuber morgen auf der Waage outen werden.
Und nach diesem Festmahl mit Fitnessprogramm sind alle todmüde und verdauen komatös. Bald schlummern sie in die längste Nacht des Jahres: Heute Nacht wird nämlich die Uhr eine Stunde zurückgestellt. Winterzeit und für uns alle eine Stunde mehr Schlaf, die wir gut gebrauchen können.
Sonntag, 25.10.2015
Wir bemühen den alten Bundeswehrspruch "Nachts ist es dunkler als draußen" und geben ihm einen jahreszeitlichen Sinn: Morgens ist es heller als gestern. Das liegt nicht an den veränderten Weltläuften oder an neuem soldatischem Durchblick, sondern an der gewonnenen Stunde, die uns morgens richtig guttut, wenn sie uns auch abends wieder durch verfrühte Finsternis in Rechnung gestellt wird. Um 6 Uhr messen wir wolkige, aber vielversprechende 5° C.
Jetzt wollen wir aber doch wissen, wer die effektivsten Pansenräuber waren und packen das Pack auf die Waage. Girgl hat wegen diverser flagranter Raubzüge sowieso keine Ausrede und versucht gar nicht erst, auf der Waage aus seinem Herzen eine Mördergrube zu machen. 220 g sind keine Kleinigkeit und schwingen ihn als ersten über die vier Kilo: 4010! Auch Grappas 200 g und zweiter Platz mit 3950 g überrascht niemanden, der sie gestern auf der Pansenjagd erlebte. Auch Grille lässt uns nicht wirklich staunen: 220 plus und 3850 g. Fragen kommen bei Greco, dem Griechen auf: Mit 50 g plus (3830) auf den vierten Platz gerutscht, 170 g an einem Tag gegen Girgl verloren - was hat der gestern angestellt? War der überhaupt unter uns? Hat ihn jemand gesehen? Wir vermuten, dass er sich in seinem Reifen verborgen hatte, um bei der nächsten Reifenprüfung gegen seine Mutter besser bestehen zu können. Ohne Pansen ist das allerdings kein Kunststück, da weckt er die Begehrlichkeit und Findigkeit seiner Mama bestimmt nicht; die sucht doch nicht nach einem pansenlosen Kind. Liabs Herrgöttle, der Grieche, immer ein bisschen planlos zwischen Orient und Okzident. Vielleicht legen wir morgen mal gefüllte Weinblätter aus, die hat er dann für sich. Gustl meldet 200 g (3670) und gerät somit in den Verdacht der mehrfachen räuberischen Erpressung, die er allerdings geschickt undercover abwickelte. Zu den Hauptverdächtigen zählte er bei uns bis zu diesem Augenblick nicht. Bei den folgenden Herrschaften ist Täterschaft oder Nichttäterschaft schwer abzuleiten, weil ihre Gewichtsergebnisse keinen eindeutigen Schluss zulassen: Gamba 3650 (+180), Gosh 3650 (+160), Gruschel 3640 (+160), Greta 3620 (+190, bei ihr regt sich ein schwacher Verdacht), Gaudi 3530 (+170) und Gundel, die Rote Lola, 3420 (+180). Insgesamt sind das 1930 g.
Wer nun wem den Pansen nicht gegönnt hat, ist der Chefin heute Morgen ziemlich einerlei: Die Darmstatistik spricht auch ohne eindeutige Täterschaft ein deutliches Wort. Noch nie musste die Chefin so eifrig Häufen aus der Küche beseitigen wie heute. Wie gesagt: Pansen ist ein Segen für den Verdauungstrakt - was die Chefin nur zähneknirschend unterschreiben will.
Trotz des ziemlich schönen Sonntags, hält sich der Besucherstrom heute in Grenzen. Das gibt uns die Gelegenheit, die letzten, aber wirklich allerletzten Unklarheiten bezüglich des künftigen Reviers unserer Kinder zu klären. Eigentlich war schon längst alles klar, aber nun ist es amtlich:
Gambas neues Zuhause wird in Taufkirchen, am südlichen Rand Münchens sein, etwa 30 Kilometer nordwestlich ihrer Wiege. Gaudi zieht nach Starnberg, rund 40 km vom Blues. Girgl lässt sich in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, 20 Kilometer nordwestlich des Blues, nieder und Gosh hat sich für Hohenlinden entschieden, rund 30 km Richtung Norden. Grappa zieht es in den Münchner Norden, auch nur 45 km von ihrem aktuellen Zuhause weg, Greco könnte auch gleich hier bleiben, denn nach Kolbermoor sind es nur 15 km nach Osten. Greta zeigt da schon mehr Fernweh: Nach Arnbruck im Bayerischen Wald sind es 160 Kilometer. Grille ist wieder deutlich heimatverbundener und bleibt in der Nähe, in Ottobrunn nämlich, im Münchner Süden (25 km). Gruschel lässt sich 30 km südwestlich in Königsdorf (Landkreis Bad Tölz / Wolfratshausen) nieder. Gundel wird als einzige Bayern verlassen und ins oberschwäbische Meßkirch, zwischen Bodensee und Donau, auswandern (200 km). Last but not least lässt sich Gustl im fränkischen Neuhaus, zwischen Nürnberg und Bayreuth nieder (200 km). Die Kilometerangaben sind natürlich Luftlinie, denn spätestens der Versuch, Greta an der tschechischen Grenze zu besuchen, würde den Wildentschlossenen belehren, dass aus den 160 km unversehens 230 km geworden sind und ein Besuch bei Gundel würde sich auf 260 km summieren, statt der schlanken 200.
Damit haben wir den emotionalsten Teil einer Wurfabwicklung abgeschlossen, die Wahl des künftigen Zuhauses unserer lieben Kleinen. Gerade weil wir bei diesem Wurf von Beginn an sehr viele ausgezeichnete Anfragen hatten, war die Wahl nicht einfach. Jede Führungskraft wünscht sich für die Beurteilung seiner Mitarbeiter eine möglichst breite Leistungsspanne, weil ihm da die Entscheidung zwischen Top-Performer und Lusche nicht schwerfällt, aber was macht man in einer Abteilung mit nichts als Leistungsträgern? Man hat einige harte Nüsse zu knacken und auch ein paar unruhige Nächte. Wir hatten bei unseren Anfragen praktisch keine Streichergebnisse, mussten aber dennoch streichen. Da freut man sich über ein paar unschlagbare Entscheidungshilfen: Neun der elf neuen Herrschaften unsers G-Schwaders hatten oder haben einen Hovawart und die beiden anderen haben Hundeerfahrung. Da sagt man "danke" - und muss dennoch immer noch welche aussortieren, die ebenfalls in diese Kategorie fallen. Das sind dann die Verursacher unruhiger Nächte.
Für kommende unruhige Nächte sind die nun nur noch diejenigen verantwortlich, für die wir die ganze Qual der Wahl hatten: Fiannas fröhliches G-Schwader.
Montag, 26.10.2015
Der 26. Oktober beginnt mit Nebel und 7° C um kurz vor sechs Uhr.
Die Waage bringt uns heute schlachtreife Ergebnisse, die letztlich in einen Gewichtszuwachs von 2030 g münden. Dass Girgl (4220) nicht zum Fasten gemacht ist, darf mittlerweile als gesellschaftlicher Konsens gelten, aber dass er den gestrigen 220 g nochmal 220 g folgen lässt und damit an zwei Tagen fast ein halbes Kilo aufpolstert, ist wirklich wuchtig; das muss heute so gesagt werden. Fassungslos macht uns Grille: Nach 220 g gestern, speckt sie sich 310 g auf die Rippen, dass es sogar dem Girgl die Gurgl zudreht: 530 g an zwei Tagen wuchten sie auf den zweiten Fressplatz (4160). Mit ihren 150 g (4100) plus wirkt Grappa dagegen wie eine Armenhäuslerin, die sich wieder mal mit dem Griechen herumschlagen muss, der seine Depression überwunden und 220 g anlagerte hat (4050). Zu Greta (3840, +220), die sich mächtig nach vorne gepansert hat, beträgt dessen Abstand aber immer noch sichere 200 g. Gosh liegt jetzt mit Greta gleichauf (3840, +190), aber nur knapp vor Gruschel (+190) und Gamba (+180), beide 3830. Gustl schwächelt sich mit 90 g Auflastung, womit man bei diesen G-Schwistern keinen Preis mehr gewinnen kann, und mit 3760 g auf den drittletzten Platz. Und Gaudi (3630, +100) trabt quicklebendig vor Gundel (3590, +170) her.
Um 14 Uhr sitzt der Vize in seinem Arbeitszimmer über der Terrasse. Die Balkontür hat er geöffnet, um wenigstens akustisch ein Auge auf seine Schutzbefohlenen werfen zu können, die sich bei 12° C und wohligem Sonnenschein draußen vergnügen. Der Vize geht seinem Tagwerk nach, versunken und entrückt, bis ihn ein ungewohnter Laut wieder in die Gegenwart rückt: Ein unbekannter Laut, nicht ängstlich, nicht klagend, nicht einmal besorgniserregend, aber so anders, dass es jeden Vater dieser Welt auf die Beine bringen würde. Er springt auf und hinaus auf den Balkon und schon mit dem ersten über die Brüstung geworfenen Auge weiß er Bescheid: Einer ist ausgebüxt und schlendert um das Wasserbecken jenseits der Absperrung, knarzend und quiekend, lehnt sich über den Beckenrand wie einst Narziss über die spiegelnde Fläche des Sees, um sich an seinem Spiegelbild zu ergötzen. Weil damals unglücklicherweise ein vorbeitreibendes Blatt sein Ebenbild verzerrte, starb der eitle Narziss im Glauben, er sei so schrecklich hässlich. Diese(r) da unten droht nicht den Tod brüskierter Eitelkeit zu sterben, sondern einfach nur zu ersaufen, wenn er noch einen Schritt weitermacht. Jetzt ist Gas angesagt beim Vize, Roadrunner jagt Speedy Gonzales die Stiegen hinunter und mit quietschenden Badelatschen um die Ecken. Mit einer teilgelungenen, aber aus besseren Tagen herübergeretteten Fechterflanke fliegt er über das Sperrgitter und in die heiligen Stauden der Chefin - und hat den Republikflüchtling im Arm. Wer Lust hat, darf jetzt einmal raten, wen er im Arm hält? Kleine Hilfe: Geht mit G an. Ja, blöder Scherz mit einem Loch im Spaß. Also noch eine kleine Hilfe: Hört mit e auf. Diese Kombination gibt's nur einmal, also bitte ein bisschen mehr Engagement. Immer noch nicht? Also, letzte kleine Hilfe: Geht mit G an und hört mit Rille auf. Jetzt aber! Für ein hessisches Abitur reicht's allemal. Wie und wo entkommt ausgerechnet die wamsige
Ätschebätsch, ausgeschmiert! Wo eine Grille ist, ist immer ein WegGrille diesem ausgetüftelten Mangfalltaler Guantanamo? Der Vize hat einen Verdacht. Einem Gitter fehlt das Top-Brett, weil wir die Montage auf später verschoben hatten, wie immer eben; man baut den Laufstall auf, die Zeit wird knapp und die letzten Arbeiten werden verschoben. Und verschoben. Und vergessen. Allerdings sollte das unvollendete Gitter für dieses Alter der Welpen immer noch ausreichend hoch sein. Sicher ist sicher; Brett holen, Werkzeug und Schrauben bereitlegen - und sich die neugierigen Kinder vom Leib zu halten. Nicht vergessen darauf zu achten, dass man hier im hintersten Ende des Welpenparadieses nicht auf eine unter dem Laub versteckte Tretmine tritt, denn nebenbei sind die lieben Kleinen noch eifrig zugange, den heute mutmaßlich siebten Stuhlgang zu zelebrieren. Der Vize vollzieht den Vollzug leidenschaftslos, weil er nicht daran glaubt, dass Grille hier drübergestiegen ist. Eher schon ist das Schlupfloch am Ende dieses letzten Gitters die Schwachstelle, dort, wo es am Gerätehaus anliegt, so, dass es zwar nie umfallen kann, aber unten, zwischen Hütte und Gitter einen Spalt offen lässt. Dort könnte man sich, wenn man die Luft aus dem Körper presst und mit Nachdruck schiebt schon durchschlüpfen. Und Grille ist es zuzutrauen, dass sie nicht rastet und nicht ruht, bis sie da durch ist und eher stecken bleibt wie der Korken in der Flasche, als den Rückzug anzutreten. Also muss der Vize Steine schleppen, um den Schlupf zu verrammeln. Korrekt wäre es natürlich, sich unauffällig in den Garten zu setzen und zu warten, bis die Grillmamsell einen neuen Versuch startet, denn wer einmal erfolgreich war, will es wieder sein, ein Hovawart sowieso und Grille allemal. Aber nun wird es ja auch schon wieder Zeit, Futter zu liefern und die Chefin von der Bahn abzuholen. Und so werden die letzten Gewissheiten dem allgegenwärtigen Zeitdruck geopfert. Aber nun verstopfen die Steine immerhin das Loch und ein Brett macht den Überstieg unmöglich. Hoffentlich.
Wir haben es ja schon mehrmals betont: Unsere Kinder sind ausgesprochen gut gelungen und geraten, daran ändert auch ein gelegentlicher Grille'scher Ausreißer nichts. Ohne so etwas könnten sie sich ja gleich allesamt auf eine Wolke setzen und Hosianna singen. Dass sie so gut geraten sind, ist zum großen Teil Fiannas Verdienst, auch das haben wir schon häufiger thematisiert. Aber es kann wirklich nicht häufig genug gesagt werden: Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass einer Erstgebärenden das komplette Mamaprogramm zur Verfügung steht.
Fianna im Kreise ihrer LiebenFianna ist ständig bei ihren Kindern und um sie, umsorgt sie und pflegt sie bis zum heutigen Tag. Aber sie erzieht sie auch mit fester Hand, zeigt ihnen ihre Grenzen auf, tadelt sie, und das alles nachdrücklich, aber nie grob. Deshalb wird sie von ihren Kindern auch respektiert, und wenn sie einmal deutlich werden muss, ist sofort jegliche Diskussion beendet. Aber, wie wir schon bemerkten, sie löst das Unbehagen nach einem Tadel immer wieder auf, leckt sie, wenn sie sich gefügig zeigen und bietet ihnen ein Spielchen an. Die Unterwerfungskönigin des G-Schwaders ist
Gruschel weiß genau, wie sie Mama Fianna milde stimmtGruschel. Dieser kleine Treibauf hat nicht nur jeden verfügbaren Schalk im Nacken, sondern das gesamte Unterwerfungs-Instrumentarium parat. Natürlich lässt sie es drauf ankommen, will wissen, wie weit sie gehen kann, wenn aber Mama zum fast schon Äußersten greifen muss, weil das kleine Rabenaas selbst die dritte Aufforderung, sich von ihren Zitzen fernzuhalten ignoriert und zum Schnauzgriff greift, fällt sie umgehend wie ein paralysierter Maikäfer auf den Rücken, streck alle Viere in den Himmel und versichert, dass eine solche Unbotmäßigkeit nie mehr vorkommen werde. Und schon ist der Kas g'spitzt, wie wir Bayern sagen. Mama glaubt ihr zwar kein Wort, aber sie nimmt die Entschuldigung an. Und das ist wirklich etwas Besonderes: Fianna besteht auf die Unterwerfung, sie lässt nicht locker, bis der oder die Angeklagte sich auf den Rücken legt, die Muskeln entspannt und den Blickkontakt löst. Erst jetzt ist sie zufrieden, Pseudounterwerfungen duldet sie nicht. Das schafft sehr früh klare Verhältnisse und beugt Missverständnissen vor. Weil sie die kleinen Teufeleien der süßen Engelchen schon jetzt konsequent unterbindet, braucht sie dazu meist nur kleines Besteck. An ihrem Beispiel sollten wir, die wir Hunde haben und erziehen, uns immer orientieren: Wer bei den süßen Kleinen an klaren Worten und Taten spart, braucht beim Halbwüchsigen schweres Gerät, um dem Schaden Herr zu werden. Fianna weiß das und lebt es uns und ihren Kindern beispielhaft vor.
In den verbleibenden zwei Wochen wird sie noch genug Gelegenheit bekommen, ihr Talent als Mutter und Erzieherin unter Beweis zu stellen.
Und uns hängt das Herz schon jetzt schwer wie ein Kartoffelsack in der Brust.