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G-Deih und G-Schrei
- G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 8

8. Woche (03. 11. - 11. 11. 2015)
Dienstag, 03.11.2015
Der Countdown läuft. Von nun an geht's bergab.
Vorweg aber macht sich morgens helles Erstaunen breit, als wir nur neun stramme Häuflein in der Küche vorfinden, und das nach diesem stuhlgangabstinenten Abend. Das Geheimnis ist natürlich, die Bande vor dem Aufwachen zu erwischen. Wenn sie einmal wach ist, gibt es kein Halten mehr. Aber nun, da sie alle draußen im Garten sind, füllt sich dieser mit einer ansehnlichen Menge von Endmoränchen. Und wenn wir die ein wenig liegen lassen, könnten wir sie fast mit bloßen Händen aufsammeln - bei -2° C. Und dieser Morgen ist von einer glasigen Klarheit, das Licht wie gefangen in einer Kristallgrotte. Dieser Himmel tut, als hätte er das Wort Abschied nie gehört.
Die Waage verzeichnet heute einen neuen Zuwachsrekord: 410 g von Grappa an einem Tag! Vor kurzem staunten wir noch über 500 g an zwei Tagen. Große Bewegungen und Wachablösungen sind aber nicht zu verzeichnen: Girgl 6250 (+320), Greco 5950 (+230), Grappa 5900 (+410), Grille 5640 (+300), Gustl 5640 (+180), Gamba 5500 (+220), Gosh 5460 (+150), Gruschel 5410 (+340), Greta 5370 (+350), Gaudi 5360 (+290), Gundel 5160 (+240).
Auf ihn mit Gebrüll!Nach diesem brillanten Morgen steht ein langer und sonniger Spieltag auf dem Programm. Ein neuer Spielgefährte ist Gulliver, der lila Plüschbär, und das G-Schwader beschließt offenbar einstimmig: Gulliver muss sterben, zumindest aber muss er raus, weg aus dem Paradies. Vertreibung. Abschiebung. Verschleppung. Es macht uns schon nachdenklich, dass die Schlange und das Krokodil als Lieblingsschlaf- und Kuschelplätze dienen, der einfältige rosa Bär aber keinerlei Daseinsberechtigung zu haben scheint. Ist das nun auch wieder Natur, wie beim Profit und der Moral oder ist es entglittene Kultur?
Wenn das G-Schwader nicht mit Gulliver beschäftigt ist, rast es unermüdlich durchs Paradies. Die Kleinen haben inzwischen ein blindes Verständnis mit ihren Beinen, kennen die Tücken und Heimtücken jeder Ecke, fallen kaum noch auf irgendwelche Fallen herein, obwohl sich der Garten laufend selbständig verändert: Bretter werden verschoben, Tunnels rollen mit dem Wind, stehendes Gerät wird umgerannt und wird zum liegenden Gerät. All das bereitet den Zwergen keinerlei Kopfzerbrechen mehr, als wären sie sich bewusst, dass sie selbst die kreativen Umgestalter ihres Gartens wären. Sie haben sich ihre Welt untertan gemacht. Und nun sollen sie sie schon bald wieder verlassen...
Wir wollen wieder rausWie wenig selbst diese kleine Zwergenbande Lust darauf hat, ihren Paradiesgarten zu verlassen, demonstrieren sie uns abends, als wir sie, ihrer Meinung nach, zu früh ins Haus holen. Jetzt besinnen sie sich wieder einmal auf ihr profiliertes Protestpotential und plärren sich, an der Sperre zum Transit hängend, die Seele aus dem Leib und uns die Ohren vom Kopf. Ton- und Taktgeber sind Grappa und Girgl, der Grieche hat offenbar derzeit nichts zu sagen oder er hat seine Stimme abgegeben. Und schau mal einer an: Gundel, die künftige Oberschwäbin, mausert sich zur Oberprotestantin. Na, da kommt sie ja hin, wo sie hingehört.
Mittwoch, 04.11.2015
Auf Frauchens Arm kann Gaudi sogar das Magengrimmen ertragenNun also doch! Gaudi hat Spritzdurchfall. Die Lache, die er morgens in die Küche spritzt, sieht ungefähr so aus wie das pürierte Platinum, stinkt aber bestialisch. Und Gaudi verweigert auch das Frühstück. Immer erwischt es die Zartesten zuerst. Das Problem ist, dass die Welpen in den ersten Wochen ihre Immunisierung durch die Muttermilch erhalten, wenn die Mutter aber nicht mehr liefert, baut der Immunschutz schnell ab. Ein externer Immunschutz durch Impfung ist aber frühestens in der achten Woche sinnvoll, weil der jetzt noch vorhandene Immunschutz der Mutter eine Impfung wertlos machen würde. Andererseits reicht er nicht mehr aus, die Welpen vor Angriffen zu schützen. Diesen Zustand zwischen zwei wirksamen Immunisierungen nennt man auch Immunlücke, und in die können Viren und Bakterien nahezu ungehindert stoßen. Bisher hatten wir zweimal Infektionen, beide Male ziemlich heftig. Wir können jetzt nur abwarten, was aus der Gaudi-Geschichte wird. Wir helfen ihm mit mehreren Gaben Nux Vomica und Oral Pädon und gegen 11 Uhr ist er schon wieder auf dem Weg der Besserung, ist mit den anderen unterwegs und frisst einer Rose das Etikett weg. Die Rose schützen wir mit dem bodenlosen Eimer, der bisher Teil des Welpenparcours war; Gaudi braucht unseren Schutz nicht mehr. Wenn das tatsächlich alles gewesen wäre, müssen wir uns nicht beklagen, normal ist, dass die Welpen 24 Stunden platt und elend sind und dann wieder wie Phönix aus der Asche auferstehen. Alles vorbei. Wenn das wirklich alles war, dürfte es als Gaudi-Syndrom in die Geschichte des Blues eingehen. Aber längst ist nicht aller Tage Abend.
Der malade Gaudi macht uns ganz kopflos, weswegen wir vergessen haben, der Statistik den ihr gebührenden Raum einzuräumen. Auf der Waage zeigen sich heute drei Gruppen: die S-Klasse, also die mit 300 g und mehr, die Z-Klasse (Zwischenklasse), die ausschließlich aus Greta besteht mit 250 g und dann die A-Klasse (Abstinenzklasse) unter 200 g. Zur S-Klasse zählen Girgl (370), Gosh (320), Grappa (300) und Grille (300). Dazwischen Greta mit 250. Die A-Klasse rekrutiert sich aus Greco (190), Gamba (190), Gundel (150), Gruschel (140), Gaudi (130) und Gustl (120). In der Praxis bedeutet das, dass Greco seinen sicher geglaubten zweiten Platz wieder an Grappa verloren hat und dass Gosh und Gamba sowie Greta und Gruschel die Plätze getauscht haben:
Girgl 6620 (370), Grappa 6200 (300), Greco 6140 (190), Grille 5940 (300), Gustl 5760 (120), Gosh 5780 (320), Gamba 5690 (190), Greta 5620 (250), Gruschel 5550 (140), Gaudi 5490 (130), Gundel 5310 (150).
Gegen 9 Uhr trifft hoher Besuch beim Blues ein: Susann, die diplomatische Vertretung von Bjarni (Barni), dem Papa des G-Schwaders. Normalerweise ist das die Gelegenheit, unseren Welpenkäufern den Vater vorzustellen, aber das klappt eben nicht immer, zum Beispiel klappt es nicht, wenn der Papa nicht allein lebt, sondern mit anderen Hunden, Katzen und Pferden, die alle versorgt sein müssen. Dann muss sich eben die diplomatische Abordnung alleine auf den Weg machen, und Susann wollte die lange Strecke von Hildesheim nicht mit dem Auto fahren. Deshalb kommt sie ohne Barni eingeflogen. Und nun ist sie da und wir freuen uns von ganzem Herzen, sie ein paar Tage bei uns zu haben.
Die stolze Deckrüdenbesitzerin beim BabyshootingUm 11 Uhr packen wir die wilde Elf wieder einmal ins Blues-o-Mobil und kutschieren sie ins Grüne, nur etwa zwei Kilometer in Richtung Sterneck, wo wir sie bei einem Modellflugplatz ins Freie setzen. Es ist Frühling im Mangfalltal und mehr als die völlig neue Umgebung machen den Zwergen die 15° C zu schaffen; es ist richtig warm. Fiannas Kinder zeigen keine Scheu vor der neuen Umgebung und flitzen ziemlich munter herum. Klar, dass der eine oder die andere den Kompass falsch justiert hat und seine Einheit verliert, aber das ist schnell geregelt. Es stehen ja genug Hände zur Verfügung, zumal noch zwei Bekannte mit einem Kleinkind dazukommen, wodurch, vom Baby abgesehen, auf elf Welpen zehn Hände kommen. Natürlich gibt es auch in diesem Kindergarten Abenteurer, die sich beispielsweise in einen hüfthohen Wassergraben verlaufen, der dankbarerweise kein Wasser führt. Aber man muss durch das Ufergestrüpp steigen, um einen solchen Irrläufer wieder aus dem Loch zu fischen. Ganz wichtig hat es bei solchen Aktionen natürlich Mama Fianna, ohne deren Mitsprache und Einmischung nichts geht; sie ist ständig um ihre Kinder, hat alle im Blick, führt sie herum und zeigt ihnen ihr angestammtes Revier. Und wie sie es von ihrer Mama Franzi gelernt hat, zeigt sie ihren Kindern die lieben Mäuslein und bringt ihnen bei, wie man ihnen auflauert.
Gamba, Gruschel und Greta zeigen schon, was sie von Mama Fianna gelernt habenUnd schon stecken drei die Köpfe in den Boden und machen sich mit den Gerüchen und Tönen aus der Unterwelt bekannt. Zum Schluss der Einweisung gelingt es Fianna doch tatsächlich, eine Maus zu erwischen, was sie bis zu dem Augenblick noch nie geschafft hat, aber der Stolz der Mutter lässt sie über sich hinauswachsen. Wir trotzen ihr das Mäuslein wieder ab und sie gibt es unter leisem Protest wieder her. Nun wissen ihre Kinder also auch wie die Mäusejagd funktioniert. Wir haben immer gesagt, dass wir nur nahezu fertig ausgebildete und lebenstaugliche Hunde übergeben. Ein Reh oder ein Fuchs war leider gerade nicht abkömmlich...
Der morgens noch angeschlagene Gaudi ist munter dabei, sucht sich allerdings früh einen Schatten. Die Idee finden auch andere nachahmenswert, und schon liegt die Meute zusammen und döst. Völlig unbeeindruckt, weg vom Lager, sozusagen mitten in der Prärie machen sie ein Mittagsschläfchen. Für uns heißt das, dass 45 Minuten genug sind und wir rufen sie zu uns.
Sammeln zum HeimwegWir stehen etwa 50 Meter entfernt, und sofort sind alle hoch und stürmen auf uns zu. Das funktioniert also auch schon bestens. Nicht ganz bestens. Zwischen der Spielwiese und den Autos liegt der besagte Graben mit einem nur schmalen Übergang. Als die ersten hinter uns her stürmen, überqueren wir den Graben, um zu den Autos zu gelangen und sie folgen uns natürlich. Aber nicht alle sind so fix wie die ersten, Gaudi zum Beispiel ist noch etwas schläfrig und der Grieche auch. Als die endlich kapieren, was da abgeht, sind wir mit der Hauptabteilung längst über dem Graben, was zur Folge hat, dass die Nachzügler natürlich nicht den Übergang suchen, den sie noch gar nicht kennen können, sondern den kurzen Weg quer durch den Graben wählen wollen. Das ist nun ganz und gar nicht in unserem Sinne, weil wir keine Lust haben, die beiden aus dem Ufergestrüpp zu bergen und herüberzubringen. Also versuchen wir, sie mit der Stimme zu bremsen - und tatsächlich halten sie ein. Dann schicken wir Fianna hinüber, aber auf dem offiziellen Weg, nicht, wie sie es vorhat, mit einem mächtigen Sprung, und siehe da: Die zwei Träumer lassen sich von ihrer Mama brav auf den rechten Weg führen. Ist doch schön, wenn eine Mutter noch so viel Autorität hat. Um 12 Uhr sind wir wieder im Paradies und die Freigänger sind fürs erste richtig platt. Es gibt ja auch viel zu verarbeiten. Ab in den Schlaf.
Nachdem die kleinen Wandervögel sich erholt haben, geht es wieder rund im Paradies - und Gaudi ist mit vollem Einsatz dabei. Wenn es nicht mehr war, was der Virus zu bieten hatte, soll's uns recht sein.
Am späten Nachmittag gibt es Rinderpansen in schönen Fetzen; das ist natürlich noch etwas anderes als der bekannte Ziegenpansen. Da läuft die Bande aber zu voller Form auf und man schenkt sich nichts - und zwar im Wortsinn. Vor allem Greco gibt absolut nichts her und kämpft um jeden Bissen. Die Mutter wird von uns auch reichlich beschert, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommt. Und so findet jeder schließlich ein lauschiges Plätzchen, um das gummige Ding zu zerwirken. Nur wir müssen aufpassen, dass sie die Reststücke nicht im Ganzen verschlucken, aber auch in dieser Hinsicht sind sie schon wahre Meister. Nach dieser Sonderspeisung entfällt heute die abendliche Fleischmahlzeit.
Grappa mit Sonderrechten Wir genießen zusammen mit Susann und Chrissi den Abend und plaudern uns die Nacht lauschig. Gaudi und Grappa streifen noch herum und wollen noch nicht schlafen, also holen wir sie kurz entschlossen in unsere Tafelrunde, was ihnen offenbar nicht übel gefällt. Ganz brav sind sie und fast schon Teil der Familie. Die geben wir einfach nicht weg...
Donnerstag, 05.11.2015
Es zieht wieder ein schöner Herbsttag ins Land; morgens ist es zwar noch leicht bewölkt, aber dann wirft der Himmel alles von sich und beweist mit strahlenden 16° C nachmittags, dass der Herbst wirklich noch reichlich schöne Tage haben kann. Was immer in den letzten Tagen noch passieren sollte: Wir hatten bisher einfach nur ein unverschämtes Glück mit dem Wetter.
Gaudi ist immer noch stabil, was man von seinem Kot noch nicht so recht sagen kann. Wichtiger ist im Moment, dass alle anderen keine Anzeichen einer Krankheit zeigen.
Es überrascht uns nicht, dass Gaudi gestern nur 40 g zugenommen hat, eher, dass auch die anderen sich sehr zurückgehalten haben, wenn man mal von Grille mit 210 g absieht. Aber das Gesamtergebnis sieht doch recht bescheiden aus; vorgestern konnten wir 3030 g melden, gestern 2460 g und heute landen wir bei 1460 g. Wir ahnen, dass es an der ausgefallenen Fleischmahlzeit liegt und der Pansen zwar den Magen füllt, aber, wie man weiß, einen deutlich geringeren Nährwert hat. Weil sich alle so bescheiden gegeben haben, ist auch die Tabelle ohne besondere Vorkommnisse:
Girgl 6760 (+140), Grappa 6320 (+120), Greco 6300 (+160), Grille 6150 (+210), Gustl 5930 (+170), Gamba 5870 (+180), Gosh 5830 (+50), Greta 5700 (+80), Gruschel 5670 (+120), Gaudi 5530 (+40), Gundel 5500 (+190).
Die Aufnahmen mit Grille entlarven die Hilfsmittel, ... Foto: C. PinnekampWir n
...die für die "Poser"-Fotos zum Einsatz kommen.
Hier: Grappautzen das Prachtwetter für eine Foto-Session im Grünen: Einzel-Shooting für den Welpenordner. Dazu werden die kleinen Herrschaften einzeln auf die Wiese, gleich um die Ecke, gebracht, und während die Chefin den Pausenclown und die Animateurin gibt, liegt der Vize im Gras und feuert aus allen Rohren. Heute gibt ihm auch Chrissi noch Feuerschutz und feuert ebenfalls, was das Zeug hält. Bei den meisten Modellen ist die Aufgabe nicht allzu schwierig, aber ein paar wenige haben immer den Teufel im Leib und Hummeln im Hintern. Gruschel ist so eine, die keinen Augenblick stillhalten will, dauernd auf Achse ist und es nicht abwarten kann, den Fotografen persönlich zu begrüßen. Grille und Grappa sind vom gleichen Schlag, eine echte Herausforderung an die Animateurin, diese Quecksilber-Sister für wenige Sekunden in einer "Passfoto"-Position zu stabilisieren. Heute brauchen wir keine sausenden und tobenden und kletternden Motive, heute hätten wir gerne ein Motiv wie aus dem Mädchenpensionat: still sitzend und ebenso freundlich wie herzerweichend blickend. Herzerweichend ist bei diesen Mädels nur der Nervenabrieb beim Studiopersonal.
Eine Sekunde nicht aufgepasst, und schon mopst sich Gruschel den FederfeudelGaudi gehört auch zur Zickzack-Fraktion, aber ihm verzeihen wir das, weil seine Umtriebigkeit nur ein Beleg seiner völligen Genesung ist. Aber natürlich setzt auch er unsere Nerven auf eine harte Probe. Als Gegenmodell profiliert sich Greco, bei dem es nicht darum geht, ihn für einen Moment zur Ruhe zu bringen: Er bricht ständig unter der Last seines Ziegen-Pansen-Ripperl-Ranzens zusammen, als ob ihn seine Beine nicht mehr tragen wollten. Der Vize fühlt sich an das Distichon des Simonides erinnert, der den Toten der Thermopylenschlacht von 480 v. Ch. ein Denkmal setzt: "Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl." Nur dass diesem Mangfalltal-Griechen kein Gesetz befahl, sich auf die faule Haut zu legen oder den toten Mann zu spielen, im Gegenteil. Schließlich kriegen wir auch ihn noch auf die Beine, was bei den erschlagenen Spartanern leider nicht mehr gelang. Einen Sondereinsatz bekommt Gruschel noch, weil Carl und Katharina die Fotoaktion aus ihrem angrenzenden Garten genauestens verfolgen und Gruschel, die Rote, wie sie sie wegen ihrer roten Nackenmarkierung nennen, in ihren Garten einladen. Dazu lässt sich die Rote nicht zweimal bitten und mischt innerhalb von Sekunden den ganzen Garten auf: Objekt der Gruschelbegierde sind zwei Laufenten, die ordentlich in Bewegung geraten, als ihnen Gruschel ein kleines Round-Up anträgt. Der ganze Hund ist ein einziges Spaßpaket: fliegende Ohren, fliegende Beine, flatternde Zunge und Augen wie Sternwerfer. Maximaler kann sich Lebensfreude nicht ausdrücken, auch zum Vergnügen der Kinder und der ganzen Familie, weniger zu dem der Enten. Gruschel, die Chefbotschafterin für Hundefrohsinn.
Welpentaxi beim Bairischen BluesNachdem dieser spezielle Ententanz und das Shooting vorüber sind, packt die Chefin fünf aus dem G-Schwader in Anouks Gitterbox (die sie nie mehr benutzen sollte) und schiebt sie nochmal hinüber auf die Wiese, um dort Chrissi und Susann Modell zu stehen. Wie sie da zusammengepfercht unterwegs sind, vermitteln sie eher den Eindruck von Käfighühnern auf einem asiatischen Wochenmarkt, als den stolzer und freier Hovawarte. Sekunden später ist der Eindruck wie weggewischt und die einzig traurige Gestalt der Szenerie ist die von allen guten Geistern verlassene Gitterbox. Nun haben wir wirklich genug Bilder im Kasten, um unseren Welpenordner und noch ein paar Galerien damit füllen zu können.
Abends schlägt dann der Virus wieder zu: Gamba verweigert das Futter und erbricht sich. Grappa liefert breiigen Stuhl. Und gegen 23 Uhr findet der Vize eine stinkende, braune Lache in der Küche vor, ohne Absender. Möglicherweise ist Grille die Verursacherin, die sich so weit zurückgezogen hat, dass der Vize sie beim Zählappell, bei dem er nur auf zehn kommt, erst gar nicht findet. Erst ein zweiter und sehr genauer Blick identifiziert sie tief hinter dem Korb mit Handtüchern.
Eigentlich müssen wir dem Virus dankbar sein, denn ohne ihn wäre uns bei dieser braven Gesellschaft schon lange der Erzählstoff ausgegangen.
Freitag, 06.11.2015
6 Uhr, halbamtliches Bulletin aus dem Krankenlager: Grille ist krank und erbricht Schleim. Gamba ist auch reduziert. Die anderen scheinen momentan ohne Befund zu sein.
Wir sind gespannt, wie sich das Krankheitsbild auf der Waage widerspiegelt. Girgl zeigte keinerlei Anzeichen von Unwohlsein, kam aber dennoch über 170 g plus nicht hinaus (6930). Grecos verhaltene Motorik und Geistesgegenwart am Futter verhalf ihm zu weiteren 350 g, was ihn auf 6650 g anhebt und seiner gelben Schwester Grappa weiter enteilen lässt. Die mäkelte sich auf 90 g hoch, obwohl wir bei ihr nichts erkennen konnten, was auf einen Virusbefall hindeutet (6410). Noch bescheidener, aber eindeutig virusgeschwächt kommt Grille aus der Nacht: +40, 6190. Gustl geht unbeirrt seinen Weg: 6100, +170. Nun müsste sich eigentlich Gamba anschließen, aber die lässt auf sich warten. Gosh ist an ihre Stelle gerückt: 6020, +190. Darauf folgt Greta, die sich gestern offensichtlich in jeder Hinsicht schadlos gehalten hat: +300 und glatte sechs Kilo. Und plötzlich taucht da der rekonvaleszente und offenbar wiedergeborene Gaudi auf, als ob ihm der Virus einen Turbo eingepflanzt hätte: 420 g plus, eine Monstermarke und 5950 g, nur knapp die 6000er-Marke verfehlt. Immer noch keine Gamba. Zuerst meldet sich Gruschel: +190, 5860. Und erst jetzt, mit 130 g minus auf den vorletzten Platz gerutscht Gamba (5740); da hat der Virus jetzt schon ganze Arbeit geleistet und sie ist noch längst nicht durch. Am Ende schert sich Gundel um nichts, legt 160 g zu (5660) und lässt sich von der Unruhe vor ihr nicht anstecken.
Zum Frühstück gibt es heute gekochtes Hühnchen mit Reis, dazu Bactisel (Darmflora) und Ulmenrinde (Magen). Gamba und Grille verweigern das Frühstück. Vormittags erbricht sich Gamba immer wieder mal und hat fast 39° Fieber. Ihr geht es wirklich nicht gut. Und dann fängt auch Gosh an, sich seines Mageninhalts zu entledigen. Das trifft sich wirklich gut: Heute ist nämlich Impftermin!
Um 11 Uhr packen wir alle, auch die Kranken, unterstützt von Annemarie, die ihre Doosie heute zuhause ließ, ins Auto und fahren nach Stephanskirchen zu unserem Doc des Vertrauens. Gamba bekommt einen Vorzugsplatz auf dem Schoß der Chefin, die anderen verhalten sich sehr pfleglich, weil ihnen die Fahrerei nun schon sehr bekannt vorkommt.
Beim Tierarzt angekommen sind sofort alle Hände zur Stelle, um unsere Fracht zu entladen (an solchen Tag nimmt sich komischerweise kaum jemand frei), und so füllt sich das Sprechzimmer mit elf Welpen einer Kindsmutter, einer Ärztin, einer Annemarie, einer Chefin und einem Vizechef und dann noch mit bis zu vier Helferinnen. Ein ganz schöner Aufmarsch für einen so banalen Anlass: Impfen, Chippen, Blutentnahme. Die Zwerge verteilen sich nach ein paar Erkundungsrunden im ganzen Raum und legen sich zur Ruhe. Das Begleitpersonal füllt währenddessen den Abfalleimer mit durchgepinkelten Fließtüchern. Und dann schreiten wir zur Tat. Als erste wird Gamba auf Herz und Nieren untersucht und wegen des Fiebers vom Impfen ausgeschlossen. Gechippt wird sie aber und Blut für die Forschungsdatenbank muss sie auch abliefern. Das tut sie ohne Murren und mit einer Tube Nutri-Cal zwischen den Zähnen, eine Vitaminpaste, die seit Blues-Generationen die meisten Kandidaten vergessen lässt, was mit ihnen geschieht.
Vorne schmeckt's gut nach Vitaminpaste, da ist Gosh der Pieks hinten total egalGrille und Gosh werden auch eingehend auf Herz und Nieren untersucht (wie natürlich auch alle anderen) und fürs Impfen freigegeben. Auch sie machen keine weiteren Umstände, schlabbern vorne ihre Paste und lassen hinten hinten sein. Diesmal haben wir einen sehr überschaubaren Anteil unverträglicher Patienten, nämlich nur zwei. Vor allem, und das müssen wir betonen, verhalten sich die Buben richtig tapfer; sie sind es nämlich, die üblicherweise am meisten herumplärren und -zicken, als ob man sie schlachten wollte. Sie geben sich revolutionär, obwohl sie nur die Hosen voll haben. Nicht so die G-Schwaderbuben. Außer Girgl. Der verweigert jede Mitarbeit, vor allem klemmt er die linke hintere Vene ab, die, wie bei allen, zum Blutspenden vorgesehen ist. Girgl klemmt hinten und mault vorne, verweigert sogar konsequent die Vitaminpaste. Nach der halben vorgeschriebenen Dosis Blut versiegt die Quelle und wir müssen ihn auch rechts zur Ader lassen. Das hat er nicht bedacht, der Trotzgockel, jetzt wird er auch noch rechts malträtiert. Schließlich ist das Röhrchen voll und Girgl hat die Nase voll, aber durch seine Renitentz trägt er nun als einziger zwei blaue Verbände an den Hinterbeinen, das Fußvolk hat nur einen - unübersehbare Insignien der Macht; der General hat ja auch mehr Lametta als der Kanonier.
Doch Girgl ist nicht als einziger verhaltensauffällig: Gundel steht ihm nicht nach. Für uns kommt das nicht überraschend, weil die anfangs eher zurückhaltende Gundel in letzter Zeit mächtig an Profil gewonnen hat und offensichtlich heute eine Kostprobe ihrer Widerstandskraft und ihres Willens geben will. Gundel sagt sofort "bäh" zum Nutri-Cal, obwohl sie noch gar nicht richtig weiß, was ihr blüht und dann verweigert sie die Blutabnahme links komplett, sie wehrt sich so, dass die Ärztin nicht einmal zum Stich kommt. Also probieren wir es rechts - und jetzt klappt es seltsamerweise ohne größere Gegenwehr. Aber mit Vitaminpaste lässt sie sich auch weiterhin nicht bestechen; wenn die Laune schlecht ist, soll sie es bitteschön auch bleiben. Blöd nur, dass sie sich links gar kein Tröpfchen abzapfen ließ, so muss sie auf die zweite Beinschärpe verzichten, die Girgl doch einiges an Solitärglanz beschert.
So ein Tierarztbesuch macht ganz schön müdeAber mit allen anderen läuft die Aktion wie am Schnürchen und so sind wir um halb zwei wieder zuhause, und die Zwerge haben auch das hinter sich. Außer Gamba, die muss noch einmal antreten, was nicht problematisch ist, weil sie später abgeholt wird, wodurch wir nicht in Zeitnot sind.
Dieser Tag ist gelebt und irgendwie gebraucht. Es zerrt schon an den Nerven, wenn der Nachwuchs schwächelt und sichtbar krank ist, obwohl wir uns über den Grad der Krankheit nicht zu beschweren brauchen. Das geht viel schlimmer.
Gamba, Grille und Gosh bekommen abends nochmal Hühnchen mit Reis wie morgens, die anderen Fleisch. Gosh und Grille scheint es zu munden, nur Gamba lässt die Hälfte liegen. Die hat es kräftig erwischt.
Samstag, 07.11.2015
Morgens finden wir wieder eine braune Lache in der Küche vor, Absender natürlich unbekannt.
Die Gewichtstabelle schüttelt es heute kräftig durcheinander, weil die Kranken zum Teil deutlich an Gewicht verloren haben, was kein Wunder ist; die Zwerge haben in diesem Alter einfach noch nichts zuzusetzen, die wirbelt jedes Lüftchen kräftig herum. Girgl ist jetzt ein Vierzehnpfünder, und zwar so demonstrativ, dass man fast noch seinen Zorn auf die gestrige Zumutung beim Tierarzt herausspürt: 440 g (7370). Grecos Zuwachs hält sich zwar in Grenzen, aber er lässt nichts anbrennen: 6790 (+140). Grappa bringt auch heute nur 90 g zustande; das sieht fast so aus, als ob sie latent mit dem Virus im Clinch läge (6500). Gustl ist eindeutig stabil und ohne Befall: 6300 (+200). Auch Greta geht allen Anfechtungen bislang aus dem Weg und dokumentiert das mit beachtlichen 260 g (6260). Ein Jungbrunnen war der Virus für Gaudi; nach der gestrigen Hausse von 420 g, legt er heute nochmal 240 drauf und schwingt sich über die Sechs-Kilo-Marke. Gruschel legt 200 g auf und steht bei 6060 g. Aber jetzt geht es in den Keller: Grille verliert 170 g und bringt heute 6020 g auf die Waage. Auch an Gosh ging die Attacke nicht spurlos vorüber: -90 g (5930). Gundel muss keinen Tribut an den Virus zahlen und verlässt mit 5800 g (+140) den letzten Platz. Auf dem kauert nun die etwas eingefallene Gamba, die nochmal 290 g abgenommen hat (5450). Das ergibt am 54. Tag eine Gesamtbilanz von 1160 g. Was müssten wir wohl heute ohne unseren Rudel-Pykniker Girgl, und den Gustls, Gruschels und Gretas protokollieren?
Erfreulich ist, dass alle am Frühstück teilnehmen und keine(r) den Verdacht auf einen Infekt schürt.
Nur dauert dieses Empfinden nicht lange; kaum haben wir es gedacht und uns gefreut, legen sich Greta und Greco nieder. Als wir vom Morgenspaziergang zurück sind, begrüßt uns schon an der Tür der unverkennbare Duft einer braunen Lache. Es ist müßig, darüber nachzugrübeln, von wem sie stammt, wir putzen sie weg, schmeißen die mutmaßlich gesunden in den Garten, wo es zwar ein bisschen regnet, sie aber unter dem Balkon genug Schutz haben. Greco und Greta bleiben in der Hütte, weil sie einfach im Moment nichts dagegenzusetzen haben. Und sie scheinen die Sonderbehandlung zu schätzen.
Nach dem kleinen Regen spannt sich ein herrlich blauer Himmel übers Mangfalltal, was aber nicht verhindert, dass nun Stück für Stück einer nach der anderen schwächelt und sich krank meldet. Eigentlich sind wir nur noch auf Patrouille, um Darmrückstände zu beobachten und zu begutachten, um den Durchblick zu behalten. Durchfall, Erbrechen und Appetitlosigkeit steht heute als Motto über dem Tag, obwohl die Ausprägung der Krankheit nicht sehr stark ist. Die meisten kommen einigermaßen gut damit klar, sind aber eben nicht in der gewohnten Verfassung. Nur Girgl und Gustl tanzen ungebrochen durchs Paradies. Uns kommt der Verdacht, dass sie die Gnade der Erstgeborenen empfangen haben: den Löwenanteil der Kolostralmilch. Diese erste Milch ist das Wertvollste, das eine Mutter mitgeben kann, sie ist eine Art erste Lebensversicherung. Die späteren Welpen bekommen davon immer weniger ab und sind deshalb vermutlich anfälliger. Gaudi war der Drittletzte, Gamba die Vorletzte und Grille die Letzte. Grille ist ein besonders kräftiges und stabiles Mädchen und konnte sich deswegen länger zur Wehr setzen, aber die anderen beiden sind von der zarteren Sorte, und schon erwischt es sie. Dass sich dann die anderen mit der Zeit anstecken, überrascht natürlich nicht. Unter diesem Aspekt versteht man, warum es keine Kleinigkeit ist, wenn eine Hündin nicht säugt oder säugen kann.
Ein solcher Virusbefall kommt natürlich nie gelegen, aber wenn er mit dem Impftermin und heute mit der Wurfabnahme zusammentrifft, kommt er besonders ungelegen. Andererseits sind die Welpen zu einem so späten Zeitpunkt schon erheblich widerstandsfähiger als eine oder zwei Wochen früher. Irgendwie passt eine Krankheit eben nie.
Unsere Zuchtwarte Christine und Geli bei der Protokollierung der ErgebnisseNachmittags
Geli und Gamba zeigen die "moderne" Form der Zahnkontrolle: Finger in Welpies Maul, Welpie beisst drauf, dann die Abdrücke zählenkommt also zum letzten Mal das Normenkontrollkomitee, um unseren Kindern, na, sagen wir mal, die Taufsprüche mit auf den Weg zu geben. Selten ist es uns leichter gefallen, eine Wurfabnahme zu protokolieren: Es gibt kaum etwas zu bemängeln. Die optischen Mängel sind geringfügig wegen der teilweise knappen Marken. Sonst ist alles ohne Beanstandung. Alle zeigen sich bei der Erscheinungsbildbeurteilung gelassen und freundlich. Beim Wesenstest in einem unbekannten Raum sind fast alle mit Feuer und Flamme dabei, zeigen zumeist einen ausgeprägten Beutetrieb und viel Neugier und Aktivität. Sie sind lustig und triebig und die Zuchtwartinnen haben dauernd ein Lachen und glänzende Augen in den Gesichtern. Das ist mehr, als man erwarten darf, weil man es kaum schafft, alle Welpen in einem munteren und ausgeschlafenen Zustand zu präsentieren; bei einer Prozedur, die sich über Stunden hinzieht, sind immer welche verschlafen. Aber diese hier sind offenbar schnell putzmunter. Wir müssten lügen, wenn uns das nicht mit Freude und auch ein bisschen Stolz erfüllte.
Jede Regel hat Ausnahmen, und unsere Ausnahmen heißen Gaudi und Greco. Gaudi fühlt sich in dem fremden Raum nicht wohl und verweigert die Mitarbeit, zu der er allerdings sofort bereit ist, wenn man sich mit ihm zusammentut. Solange er alleine agieren soll, stellt er sich quer, gemeinsam wird er aktiv. Ja, solche hatten wir immer schon, kleine Querköpfe, die ihre Unsicherheit in Starre verwandeln. Heute ist bei allen längst der Knoten geplatzt und sie unterscheiden sich nicht von ihren Geschwistern. Was wir aber von Gaudi zu behaupten wagen: Er wird nie eine Einhand-Weltumsegelung wagen, aber zusammen mit seinen Leuten fährt er auch über den Styx. Durch Dick und Dünn wird er mit ihnen gehen.
Greco ist ein Sonderfall, Greco ist gerade auf dem Höhepunkt seiner Auseinandersetzung mit dem Virus. Man merkt ihm an, dass er will, aber nicht kann. Er ist einfach zu schlapp. Wenn immer ihm sein Kopf sagt: "Mach jetzt mal los", knicken ihm die Beinchen weg. Die Zuchtwartinnen haben ihm deswegen auch ins Protokoll geschrieben, dass er krank und nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Wir sagen ihnen dafür im Namen Grecos Dankeschön.
Nicht vergessen dürfen wir natürlich Gustl, der nun in seiner Ahnentafel einen Zuchtausschluss wegen seines Keilwirbelchens stehen hat. Aber das wussten wir ja schon und seine zukünftigen Leute auch.
Fianna und Barni, das war eine Glanzleistung! Erst habt ihr offensichtlich wirklich euer Bestes gegeben und dann hat Fianna noch neun Wochen hart hingearbeitet, um aus den Rohdiamanten strahlende Klunker schleifen. Ihr seid wirklich wunderbar!
Sonntag, 08.11.2015
Der letzte ganze Tag mit dem G-Schwader. Ein letzter Tag voller schwerer Gefühle. Meist gibt man die Bande mit einem lachenden und einem weinenden Auge ab, weil sie uns einerseits so sehr ans Herz gewachsen sind, andererseits aber so unerträglich und nervig sind und einem das Leben wirklich schwer machen. Fianna Kinder haben uns das Leben bis heute nicht schwer gemacht; sie sind lustig, umtriebig und voller Schalk, aber sie sind keine Vandalen und Dauerkrakeeler. Die Körbe im Küchenblock sind noch immer unangetastet! Da fällt es uns umso schwerer, sie morgen wegzugeben. Ein Trost ist nur, dass wir sicher sind, elfmal eine gute Wahl getroffen zu haben.
Morgens finden wir wieder braune Lachen in der Küche vor, können aber nicht feststellen, dass eine(r) auffällig krank ist. Wir tun also, was wir nun acht Wochen getan haben: putzen und wiegen.
Die Waage verblüfft uns: Girgl hat abgenommen, obwohl wir ihm nichts anmerkten. Vermutlich kämpfte er einen stillen Kampf mit dem Virus, wollte nicht auf seine letzten Tage noch als Weichei verabschiedet werden. Aber das Ergebnis lässt keinen Zweifel zu: -150 g (7220). Grappa ist vorgerückt, weil andere nachgelassen haben: 6600 (+120). Bei Gustl haben wir uns offenbar nicht getäuscht, denn wer sich 300 g anfressen kann, kann nicht krank sein (6600). Und plötzlich taucht der Gaudi da vorne auf, ein "Kriegsgewinnler" nach überstandenem Beschuss: +230 (6420). Greta hatte auch zu kämpfen und tritt auf der Stelle 6260 (0). Grille ist auch wieder bei den Lebenden (6250, +230), ebenso Gosh (6200, +270). Wer jetzt überzeugt war, wir hätten Greco vergessen, der irrt: Den hat es richtig erwischt und ist einmal durchgereicht worden, was bei -590 g (6200) nicht verwundert. Umso bemerkenswerter ist seine Willensleistung gestern bei der Wurfabnahme; der Grieche kann nicht nur im Reifen liegen, er hat Kampfgeist, wenn es darauf ankommt. Chapeau, kleiner Mann. Gruschel ist unauffällig (6180, +120) und Gamba hat wahrscheinlich den Großteil von Grecos Verlust bei sich angelagert (5960, +510). Auch eine Art G-Schwisterliebe. Und für Gundel ist es natürlich nicht zielführend, wenn sie Substanz abgibt, denn so kommt man da unten nicht raus: 5750 (-50).
Der Augenschein, dass niemand sichtbar angeschlagen ist, bestätigt sich beim Frühstück; da hauen alle rein als wäre es die letzte Mahlzeit vor einer Atlantiküberquerung. Wir haben also Hoffnung, dass das Schlimmste vorüber ist.
Ob sie schon ahnen, dass es ihr letzter gemeinsamer Tag ist?Der Morgen ist herrlich bei 10° C und der Tag schwingt sich bis auf verschleierte 19° C hoch. Und was machen wir? Wir stellen die Welpenordner zusammen, schreiben hier und da noch ein bisschen um und etwas Neues dazu, legen die Geschenke bereit, bringen den Drucker zum Glühen, stapeln und sortieren Papiere, also alles Dinge, die der Stimmung nicht immer zuträglich sind. Und was machen die Kinder? Sie toben durch den Garten, kacken dünn und erbrechen sich gelegentlich. Aber solange sie so toben können, ist kein Anlass zur Alarmstimmung. Sie sind einfach noch nicht wieder stabil und der Virus verschafft sich einen langen Abgang. Beim Wein schätzen wir das, beim Virus nicht. Jetzt ist sogar Gustl noch ein wenig in den Streubereich des Kometenschweifs des Virus geraten, aber er macht nicht den Eindruck, als ob er ihm klein beigeben wollte.
Und dann ist alles bereit zur großen Abschiedsparty. Nur wir nicht.
Montag, 09.11.2015
Es deutet sich wieder ein schöner Tag an und wir tun so, als wenn es nicht der letzte wäre. Wir putzen und wiegen, und dieses Ergebnis wird das Schlussbild des G-Schwaders sein. Also: Girgl ist über dem Berg, den erst die Waage sichtbar machte und die auch heute belegt, dass er nicht ganz ungeschoren davonkam (+80). Dennoch hat es den Anschein, als ob er ein kräftiges Rescue-Paket Kolostralmilch abbekommen hätte. Gustl hat tatsächlich auch noch eine Streifschuss abbekommen (-120), Gruschel hat alles längst hinter sich (+230), Greta ist noch ein wenig angeschlagen (-70), Grappa kann längst wieder lachen (+350), Greco ist durch und auf dem Weg zu alter Stärke (+410), Gundel hat keine Sorgen (+250), Gosh kommt aus dem Tal (+50), Gaudi hat Spaß an der Speckrallye gefunden und mampft sich aufs Stockerl (+290; was'n Endspurt!), Gamba ist längst wieder in alter Form (+350), was auch für Grille gilt (+200).
Dennoch zeigt dieses Bild, dass es Zeit wird, die Zwerge loszuwerden. Grille läutet heute Morgen den zweiten Durchgang des Virus ein und hängt ein bisschen in den Seilen. Das Frühstück lehnt sie ab, ist aber mittags wieder am Napf. Es ist auch dies kein schwerer Beschuss, aber es hört halt nicht auf, wenn sie sich immer wieder gegenseitig anstecken.
Jetzt also das Gewichtsvermächtnis des G-Wurfs vom Bairischen Blues:
Girgl 7300, Grappa 6970, Gaudi 6710, Greco 6610, Gustl 6480, Grille 6450, Gruschel 6410, Gamba 6310, Gosh 6250, Greta 6190 und Gundel 6000.
Mama und Ziehmama nehmen ganz alleine Abschied von der RasselbandeWir nehmen uns Zeit für eine abschließende Kuschelrunde, reden den Zwergen noch einmal ins Gewissen, gute und anständige Hovawarte zu werden und ihrer Mama, ihrer ganz großartige Mama, keine Schande zu machen. Und wir sagen ihnen auch, dass es im hohen Norden, wo ihr Papa lebt, auch ein Internet gibt, und der sie auch mit dem liebevollen, aber kritischen Blick eines Vaters verfolgen wird. Sie sollen sich also anstrengen und auch ihren Papa ein bisschen stolz machen. Was soll man sagen? Kinder eben. Sagen "ja, doch" und sind schon wieder fort, wichtige Dinge zu erledigen. Vielleicht ist es auch besser, dass sie sich losreißen, wenn wir es schon nicht übers Herz bringen.
Um 11 Uhr gibt es beim Blues traditionell für alle ein Weißwurstfrühstück. Die ersten trudeln gegen 10:45 Uhr ein - und alle haben strahlende Gesichter. Wir offenbar nicht, denn woher kämen sonst die Fragen, wie es uns jetzt geht. Ja, mei, wie wird's schon gehen? Während des Brunch' erklärt die Chefin den Welpenordner, gibt die nötigen und wichtigen Hinweise und verweist auf die unumgänglichen Pflichten eines Welpenentführers: Erster Anruf nach der Ankunft zuhause, zweiter Anruf nach der ersten Nacht. Alle geloben Gehorsam. Und dann geht es los: Besprechung es Wurfabnahmeprotokolls und Kaufvertrags, Übergabe der Mitgift und - raus mit euch...
Gundel verlässt uns um 12:50 Uhr als erste in Richtung Schwaben. Zehn Minuten später zieht Gustl ins Frankenland. Weitere zehn Minuten später macht sich Greta auf den Weg in den Bayerischen Wald. Das geht so Schlag auf Schlag, dass selbst die Mama den Überblick zu verlieren scheint. Um 13:20 Uhr verlässt uns Grappa, um 13:35 Uhr verabschieden wir Gaudi nach Starnberg. Gosh geht als nächster um 13:50 Uhr und Greco folgt ihm um 14 Uhr. Das geht so schnell, dass wir jetzt eine kleine Atempause erbitten. Mit Gruschels Leuten, die für die letzte Entführung heute verantwortlich sind, genehmigen wir uns einen Kaffee im leergefegten Welpenparadies. Um 15 Uhr verlässt uns Gruschel in Richtung Königsdorf. Schluss für heute: Girgl, Gamba und Grille bleiben noch bis Mittwoch. Galgenfrist.
Fianna hält sich richtig tapfer, obwohl sie das alles nicht so ganz auf die Reihe kriegt. Wir haben ihr schon seit ein paar Tagen Ignatia gegen den Weltschmerz gegeben, was uns bei Anouk und Franzi gut geholfen hat, nachdem Anouk einmal bei der Abfahrt des letzten Welpen buchstäblich zusammengeklappt ist: Weltschmerz, Herzschmerz, Verlustgefühle. Wie sehr Fianna das Ignatia hilft, wissen wir natürlich nicht, aber sie verhält sich ziemlich normal, obwohl sie irgendwie aus dem Zählen nicht rauskommt. Irgendetwas ist da doch oberfaul. Aber wenn schon acht abgehen, beschäftigt sie sich eben umso mehr mit den verbliebenen dreien. Fianna ist wirklich eine rührende Mutter.
Viel Zeit zur Trauer und zum Nachdenken haben wir nicht, denn um 18 Uhr ist Impftermin mit Gamba. Wir packen die Kleine ins Auto, Fianna lassen wir bei Girgl und Grille. Gamba ist auf dem Schoß der Chefin nahezu tiefenentspannt und absolviert die Fahrt klaglos. Natürlich ist der Zwerg im Warteraum des Tierarzt Blickfang Nr. 1 und Mittelpunkt des Interesses. Gamba liegt herum lässt sich liebkosen und alles stoisch über sich ergehen. Die Tierärztin untersucht sie und hat erwartungsgemäß keine Einwände mehr gegen einen kleinen Pieks. Den nimmt Gamba ohne zu zucken und schon ist auch das erledigt.
Still ist es beim Blues. Fianna kümmert sich um ihre Kinder, wir uns um uns. Drei Kinder sind so gut wie keine Kinder. Warum fällt dem Vize jetzt bloß das Lied von den elf kleinen Negerlein ... uuups ... den elf kleinen Schwarzmarkenen ein?
Dienstag, 10.11.2015
19° C und wolkenlos, ein Frühlingstag im November. Was haben wir nur für ein Glück mit dem Wetter!
Die drei letzten Mohikaner toben mit ihrer Mutter den ganzen Tag durch das viel zu groß wirkende Welpenparadies und sind fidel. Wie komisch es ist, wenn man nur drei Futterschüsseln ausbringen muss. Wenigstens haben sie einen ungezügelten Appetit. Es macht den Eindruck, als ob der Virus mit ausgezogen wäre. Nach Schwaben? Franken? Oder nur ins nahe Kolbermoor? Soll er bloß bleiben, wo der Pfeffer wächst.
Mittwoch, 11.11.2015
Bekanntschaft mit der MangfallNoch so ein Frühlingstag. Gleich nach dem Frühstück, gegen 8 Uhr, schnappen wir uns das Trio mit der Mutter und machen einen Spaziergang hinunter an die Mangfall. Munter wie tanzende Mücken sind die drei unterwegs, haben keinerlei Scheu vor nichts, flitzen hier hin und da hin, verfolgen ihre ballverrückte Mutter durch Acker und Flur und machen erstmals Bekanntschaft mit einem richtigen Fluss. Fließendes und kreiselndes und rauschendes Wasser. Wow! Ja, vorsichtig sind sie schon, das sagt ihnen ihr Instinkt vor, aber neugierig sind sie auch. Schließlich siegt die Vorsicht über den Übermut. Und dann wackeln wir nach Hause. Und schon ist Grilles neue Herrschaft da und wir müssen uns auch von der kleinen Ausbrecherin trennen. 9 Uhr ist es.
Langsam beginnen wir Spielsachen zu sammeln und zu verräumen, weil wir verhindern wollen, dass Fianna, wenn alle Kinder weg sind, deren Spielsachen jammernd durchs Haus trägt.
Um 16 Uhr schlägt die Stunde für Girgl, der allerdings das Privileg genießt, mit seiner Mama nochmal an die Mangfall zu dürfen. Klar, dass er zeigen muss, das er das da mit dem Wasser schon alles im Griff hat, der Pygmäenkönig.
Und während der noch auf Kneippkur ist, leert sich das Lager endgültig. Um 17 Uhr macht sich auch Gamba aus dem Staub.
Was bleibt ist Ramsch und unfeine Gerüche.
Es ist alles vorbereitet. Wir packen unsere Siebensachen ins Auto und fahren mit Fianna nach Hohenpeißenberg zu unserer Doosie, damit die verlassene Mutter etwas Abstand gewinnt. Mit ihrer Freundin Doosie ist sie genug abgelenkt. Und wenn wir morgen Abend zurückkehren, wird der schlimmste Kummer ausgestanden sein.
Epilog
Die Rückmeldungen bestätigen unsere Vermutung, dass alle die Fahrt gut hinter sich gebracht haben, jedenfalls hat kein Fiannakind größere Probleme gehabt. Die Nacht haben sie auch souverän absolviert, der eine musste ein wenig jammern, der andere zum Pinkeln und der dritte beides. Aber nun sind sie angekommen und bringen in die finsteren Spätherbsthütten ihrer neuen Leute neuen Glanz. Offenbar haben sie schon alle Herzen gebrochen. Warum soll es denen besser gehen als uns.
Die meisten der elf sehen wir beim Welpenkurs auf dem Hundeplatz in Siegertsbrunn wieder. Das erste Treffen ist vor allem ein seelisches Wechselbad für Fianna. Nachdem die Kleinen ihre Welpenstunde hinter sich gebracht haben, darf Fianna zu ihnen - und ist völlig außer Rand und Band. Alle nimmt sie einzeln in die Arme, knuddelt sie und leckt sie und jagt mit ihnen über den Platz, dass nicht nur uns das Wasser in die Augen steigt. Nichts ist so zerbrechlich wie ein Mutterherz und nichts ist so leicht heilbar.
Gerda AltmannGirgl, Fiannas Erstgeborener lebt jetzt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn bei seinem Großonkel Dino, (Flynn vom Fuchsiengarten), dem Bruder seiner Oma Franzi.
So selbstbewusst und souverän, wie wir dich bei uns erlebt haben, wirst du sicher auch mit dem alten Herrn umgehen, und wahrscheinlich wird dir der gutmütige Dino bald den Vortritt lassen. Dass du mit dieser Führungsrolle sehr gut umgehen kannst, hast du bei uns bewiesen: Du warst der verträglichste und gelassenste Rudelchef, den wir je hatten. Natürlich hast du deine Meinung gesagt, manchmal auch laut, aber du warst jederzeit ein Chef, wie ihn sich jeder wünscht. Du hast nie den Macho vor dir hergetragen und warst bei allen Geschwistern ein gesuchter Spielpartner. Dabei warst du ein begeisterter, aber umsichtiger Spieler, keiner, der sich Hals über Kopf ins Abenteuer stürzte; dafür hattest du ja deine Kamikaze-Sisters Gruschel und Grille, die für dich abprüften, ob das Rudel, wenn's dumm läuft, eventuell ohne Häuptling dastehen könnte. Und du warst nie ein Raufer, weil du das, was du haben wolltest auch anders bekommen hast. Ja, manchmal macht eben Masse die Klasse. Wahrscheinlich haben wir es deinem guten Vorbild zu verdanken, dass unsere Hände und Beine auch nach acht Wochen noch nahezu unversehrt sind.
Dich werden wir oft sehen, weil der Hundeplatz ebenso deine zweite Heimat sein wird, wie er es für deine Mama ist. Es wird uns viel Freude machen, dich weiterhin zu begleiten.
Wolfgang BüttnerGustl lässt sich im fränkischen Neuhaus nieder.
Du warst immer gut aufgelegt, immer lustig und es war uns, als hättest du tagein, tagaus ein Lied auf den Lippen. Den Welpenparcours hast du zu deinem persönlichen Abenteuerspielplatz gemacht, weil du dich gar nicht satt spielen konntest. Im Nachhinein sind sogar wir überzeugt, dass wir den Kettendurchlauf nur für dich aufgestellt haben, jedenfalls war keines deiner Geschwister so begeistert damit beschäftigt wie du. Du bist ein richtig herziger, aber auch pfiffiger Geselle mit einer strammen Portion herben Charmes. Standesdünkel als Zweitgeborener haben wir bei dir nie festgestellt; manchmal hast du den Reserve-Chef gegeben und dann wieder den von jeder Verantwortung befreiten Rudel-Buddy, gerade so, als ob sich der Kronprinz in Bermudas und Muscle-Shirt wirft und seinem Volk am Isarstrand Würstel grillt. Du bist ein rundum liebenswerter Knopf, der aber auch weiß, wie man einen Kompass kalibriert, um sicher und geradeaus ans Ziel zu kommen.
Wir sind überzeugt, dass du es großartig getroffen hast, denn deine Leute haben nicht nur ein großes Hundeherz, sondern auch reichlich Hovawart-Erfahrung (Ari von der Froschbrücke, Buck v. Traumjägers Feuerherz). Auf dem Hundeplatz von Großbellhofen kannst du beweisen, dass einer vom Blues nicht zu unterschätzen und ganz bestimmt kein Ungustl ist, wie unsere österreichischen Nachbarn gerne mal einen Blödmann und Kotzbrocken nennen.
P.S.: Mach dir keine Gedanken wegen des Keilwirbelchens: Kein Keil ist so mächtig, dass er sich zwischen dich und uns treiben könnte.
Carolin Beham und Rupert AignerGruschel schlägt ihre Zelte in Königsdorf auf.
Welch ein Irrwisch bist du! Manchmal hatten wir den Eindruck, du hättest die Fähigkeit zur Bilokation, ach Quatsch: zur Multilokation, also die Fähigkeit an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Wenn immer ein Mensch einen anderen fragte: "Wen hast du denn da?", kam die Antwort: "Die Rote". Du warst ständig mit mehreren oder allen zugleich beschäftigt, immer auf der Überholspur. Du hast auch alles zuerst ausprobiert, es sei denn, du hättest es vor lauter Beschäftigung übersehen. Aber das Größte für dich sind: Menschen! Kinder! Du hast sie gefangen genommen, betört, hast ihre Schöße im Flug erobert - und genauso schnell wieder verlassen, wenn eine neue Aufgabe anstand. Die Carl-Traverse müsste eigentlich in Gruschel-Traverse umbenannt werden und den Katharinen-Parcours hast du ein dutzendmal durchflogen; ein Sprungwunder bist du und ein Klettermaxe. Allerdings bist du mit deiner Vorwitzigkeit auch öfter als alle anderen ins Fadenkreuz deiner Mama geraten, die dir mehr als einmal das Kleine Einmaleins des Hunde-Knigge beibiegen musste. Und gerade deshalb hast du schon jetzt das feinste Unterwerfungsverhalten von allen. Sonst hätte dir die Mama nämlich den Vorwitz portiönchenweise hinter den Ohren herausgepult.
Dass aus dem Wildfang ein temperamentvolles, aber auch alltagstaugliches Hovawartmädchen wird, garantieren deine neuen Leute, die mit deiner Vorgängerin Bakira vom Wildblumenland auch bestens zurecht gekommen sind und auf deine Tricks und Schliche bestimmt nicht mehr reinfallen.
Silvia und Dieter HeinrichmeyerGreta zieht ins Heidelbeerparadies nach Arnbruck zu Assira vom Waldläufer, einer Enkeltochter unserer Anouk.
Du warst lange Zeit die stille sich allein Unterhalterin, immer mit Dingen beschäftigt, die es zu untersuchen galt; du bist sozusagen die Feinmotorikerin des G-Schwaders. Du willst den Dingen auf den Grund gehen, lässt nicht nach und gibst nicht so schnell auf. Aber du bist zwischen den Exerzitien auch eine unwiderstehliche Schmusebacke und Spielratz. Auf den ersten Blick bist du nie in den Vordergrund getreten, hast dich nicht als Rampensau in den Vordergrund gespielt, aber wenn man genauer hingesehen hat, war immer die mit dem grünen Punkt mit im Spiel. Du bist eine kleine Persönlichkeit, die auch unter den Geschwistern geschätzt wurde und die auch Streitereien aus dem Weg gehen konnte, ohne gemobbt zu werden. Unsere Chrissi und Geli, die Zuchtwartin, haben dich sofort ins Herz geschlossen und hätten dich sofort entführt, wenn wir nicht ein Auge auf dich gehabt hätten - und darauf kannst du dir wirklich etwas einbilden.
In deinem neuen Zuhause kannst du mit Assira jetzt das tun, was ein Hovawart am liebsten tut: bewachen. Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Saubären ... das ganze Beerenfleckerl jetzt unter deinem Schutz und deiner Verantwortung. Pass bitte auf, dass für uns immer ein Kisterl überbleibt.
Sabrina Gebauer und Marc TittusGrappa zieht in den Münchner Norden und teilt ihr neues Zuhause mit der fünfjährigen Mixhündin Jazz.
Über dich ist ja fast schon alles gesagt, weil du reichlich Gelegenheit für Ratsch und Tratsch geboten hast. Wir haben deiner Stimmgewalt ein Denkmal gesetzt und deinen Freiheitsdrang gerühmt. Aber dahinter steckt kein kleiner, verzogener Trotzkopf, sondern eine große Portion Autonomie. Du entscheidest, was du willst und du machst, wofür du dich entschieden hast. Es ist kein Zufall, dass du bei unseren kleinen Ausflügen meist auf Abwegen warst; du wolltest das erkunden, was die anderen alle zusammen nicht sehen, denn das, was sie herausfinden, können sie dir ja später erzählen. Aber du stellst auch etwas dar, bist kräftig und durchsetzungsstark, wodurch du im Rat der Geschwister immer ein wichtiges Wort mitzureden hattest. Und so, wie du gefestigt und selbstsicher durchs Leben gehst, spielst du auch: Wenn du spielen willst, bringt davon nicht so schnell etwas ab. Wenn du durch den Parcours rast, dann ohne Kompromisse und mit ganzem Körpereinsatz. Lasche Kompromisse sind nicht dein Ding. Deine Mama hat dich sehr geschätzt und dir viel freie Hand gelassen. Deiner neuen Hausgenossin wirst du schon noch einige Rätsel aufgeben, aber den kleinen, brezenlutschenden Windelträger hast du längst ins Herz geschlossen, den wirst du nicht aus den Augen lassen.
Dass du jetzt Luzy heißt, wird dir ziemlich egal sein - solange du nicht mit "c" geschrieben wirst, denn zur dauerfrustrierten Beziehungsgeschädigten von Charlie Brown taugst du wirklich nicht.
Lydia und Jürgen GannsGrecos neues Zuhause liegt in Kolbermoor, bei der Hovawarthündin Benita von den Spessarträubern.
Über "den Griechen" haben wir uns immer ein bisschen lustig gemacht, und das hat seinen Grund vor allem darin, dass man sich nur über den lustig macht, der es wert ist. Man nimmt die bedeutendsten Persönlichkeiten nicht zuletzt deshalb auf den Arm, weil man von ihnen oft mehr erwartet als sie leisten können. Wir können ja nichts dafür, dass dein Lieblingsruheplatz der Reifen war, das ist nicht anstößig, aber eben ein bisschen schräg. Und schräg finden wir immer gut, weil: Square sind ja alle.
Dabei bist du wirklich ein prächtiger Kerl mit einem Herz am rechten Fleck, der aus diesem auch keine Mördergrube macht, sondern lieber an der Seite seiner Schwester Grappa schaurige Lieder für eine bessere Welt singt. Und du bist alles andere als ein Hallodri, du überlegst dir genau, was du vorhast, du schaust dir das genau an, und dann ziehst du es durch. In dieser Hinsicht hast du viel mit deiner Schwester Grappa gemein, vielleicht weil ihr nebeneinander in eurer Mutter aufgewachsen seid und euch viel über die Erwartungen an euer zukünftiges Leben unterhalten habt. So wie sie, bist du ein intensiver Spieler, auch einer, der am Beutespiel viel Gefallen findet und dann auch richtig fordernd, ausdauernd und hart sein kann. So hart, wie bei der Verteidigung von verzehrbarer Beute; deine Konterattacken gegen mundräuberische Geschwister bleibt im Gedächtnis des Blues ebenso wie deine verwirrenden Fluchtwege und deine Täuschungsmanöver. Wir haben viel über dich gelacht. Aber wie du zum Schluss bei der Wurfabnahme gegen den Virus angekämpft hast und unbedingt eine gute Figur machen wolltest, das hat uns fast zu Tränen gerührt.
Deine Grappa wird dir vielleicht ein bisschen fehlen, aber du hast ja eine andere Weggefährtin in deinem neuen Heim, die Benita von den Spessarträubern. Mit der kommst du bestimmt klar, denn du bist ja a boarischer Bursch - und die können, entgegen allen Klischees, ziemlich galant sein.
Andrea und Hugo SchorppGundel lässt sich im oberschwäbischen Meßkirch nieder.
Als wir die Anfrage deiner Leute erhielten, ob wir für sie einen Welpen hätten, haben wir schon "ja" gesagt, bevor sie die Frage ganz ausgesprochen hatten. Natürlich wussten wir damals noch nichts von dir und dass du einmal die Glückliche sein würdest. Aber eines können wir dir mit auf dem Weg geben: So viel Losglück hat nicht jeder deiner Artgenossen. Deine Leute haben sich für die Hovawarthündin Luna und unseren Arik aus dem A-Wurf aufgeopfert bis zu deren letztem Tag, haben sich für sie krummgelegt bis zum Bandscheibentotalschaden und haben sich gekümmert und gesorgt bis zum Haarausfall. Einen besseren Platz hatten wir für dich nicht.
Und wir wissen, dass du ihnen ein Leben lang ein Sonnenschein sein wirst, wie du auch bei uns ein Sonnenschein warst. Du bist das beste Geschwisterkind, das man sich denken kann: Immer mitten im Haufen, bei jedem Spaß dabei und bei jedem Unsinn Feuer und Flamme. Manch einem schien die zarte Gundel zu unscheinbar, was auch daher rührt, dass man in der Meute nicht so auffällt wie diejenigen, die sich absondern, egal ob aus Scheu oder zur Dominanzpflege. Aber wir haben dich genau beobachtet, du warst der quirlige Mittelpunkt deines Geschwisterrudels und die Strahlefrau, die du auch weiterhin sein wirst. Und wenn irgendwo zwei oder drei deiner Geschwister versammelt waren, im Bällebad oder im Kuschelkorb, warst du mitten unter ihnen. Und wenn du mal nicht als Gruppendynamikerin aufgefallen bist, hast du sicher irgendetwas stolz umhergetragen; alles hast du herumgeschleppt, nichts war dir zu schwer oder zu unförmig. Vielleicht kannst du deinen Leuten ja mal mit der Zeitung oder dem Einkaufskorb zur Hand gehen, um dir diese Leidenschaft zu erhalten und sie zu entlasten, denn bei der Fährtenarbeit, die dein Chef für dich vorgesehen hat, gibt es halt nix zu tragen. Dir fällt bestimmt was ein.
Astrid und Jürgen BrettschneiderGosh schlägt seine Hütte in Hohenlinden auf und gewöhnt sich gerade an seinen neuen Namen Gismo.
Gosh ist einer dieser Pfundsburschen, bei denen man sich schwertut, einzelne Attribute herauszuheben, weil sie ein stimmiges Gesamtpaket sind.
In erster Linie bist du ein richtiger Lauser und Schlingel, wie du es in deinem Alter auch sein sollst. Auf den zweiten Blick offenbarst du Wesenszüge, die du besonders ausgeprägt hast. Du bist ein großer und ausdauernder Spieler, nicht so ein Tüftler und Bossler wie Greta, aber einer, der sich im Spiel verlieren kann, ohne über es nachdenken zu wollen. Du warst dann manchmal richtig verloren im Spiel und weggetreten und hast bei Gelegenheit auch mal eine wilde Hatz verpasst, weil sie an dir vorbeilief, ohne dass du es bemerkt hättest. Und, auch wenn das kaum jemandem aufgefallen ist, du warst der innigste Schoßhocker und Schmuser, mit einer Ausdauer und Inbrunst wie bei deinen Spielanfällen. Aber schließlich warst du auch ein leidenschaftlicher Attackereiter, einer dem aus dem Nichts die Idee kam, einmal Dampf ablassen zu müssen, und zwar bei deinen Geschwistern und uns. Deine Geschwister haben dir dann fix den Marsch geblasen - und wir auch, aber im Gegensatz zu ihnen haben wir dich anschließend auf den Schoß genommen und dir die Nase gekrault, weil du selbst bei deinen Parforce-Ritten immer ein Schlingel geblieben bist. Ein Kerl wie du muss auch mal Dampf ablassen dürfen, was bei einem Mittelgewichtler immer eine aufwändigere und vor allem aufopferndere Strategie erfordert als bei einem Schwergewicht wie Girgl, der einfach seine Masse einsetzt. Für uns war aber besonders beeindruckend, dass du alles, was du getrieben hast, mit Nachdruck gemacht hast, du hast mit Nachdruck gespielt, gekuschelt und gerangelt, hast dich nicht leicht ablenken und abschütteln lassen, sondern auch mal nachgefasst - für einen, dessen Chef mit ihm eine Karriere als Sporthund plant, keine schlechten Eigenschaften.
Dein vierköpfiges Rudel ist dir jedenfalls jetzt schon völlig verfallen und in dich verliebt. Du hast es gut getroffen. Bestimmt wirst du es schaffen, deinen Leuten die Tränen über die Trauer um deinen geliebten und verehrten Vorgänger Arko vom Wildanger trocknen zu lassen.
Brigitte Irmer und Klaus HammerGaudi residiert nun in Starnberg und hört auf den Namen Leon.
Wir haben dich immer Gaudibursch oder Gaudimax genannt - wie hätten wir dich auch sonst nennen sollen? Du bist eben ein Gaudibursch und ein Gaudimax; in deiner Gewichtsklasse empfiehlt es sich nicht, den Feldherren spielen zu wollen, dann schon lieber den Gaukler, der die Stimmung in der Truppe hoch hält. Wer seine Möglichkeiten richtig einschätzt und adäquat umsetzt, ist ein Lebens- und Überlebenskünstler. Und wie souverän du den Gaudimax gespielt hast! Alle deine Geschwister konnten dich richtig gut leiden. Du warst auch immer und überall mit dabei und schon früh mit deiner Motorik besser befreundet als einige deiner Geschwister - richtig fix und flott bist du nämlich und einer, der sich in die Kurven extra reinlegt, um die anderen aus der Spur fliegen zu lassen. Wir hatten den Eindruck, dass du mit jedem neuen Spielgerät immer gewitzter geworden bist und die meisten Geräte zusammen mit Gruschel oder Grille für die anderen getestet hast. Mit dem Mut wuchs bei dir auch der Übermut, und wir müssen gestehen, dass einige der, zugegeben sehr wenigen, Kampfabzeichen an unseren Beinen und Füßen von dir stammen. Vor allem morgens, frisch ausgeschlafen und voller Tatendrang und Übermut zog es dich am Ende deiner Anwesenheit beim Blues fast magisch an unsere Beine, am liebsten an unsere Waden. Wir können allen versichern: Der Gaudibursch hat einen markigen Griff. Und loslassen wolltest du auch nicht so richtig freiwillig. Heißt es nicht, dass die Kleinen besonders viel Gift haben? Dieser Rudelclown kann auch anders. Und so können wir auch bestätigen, dass dein Leichtgewicht nicht von mangelnder Durchsetzungskraft am Napf kommt, denn auch da hast du dir den Fleischbrei nicht vom Schnabel klauen lassen, sondern die Schultern eingesetzt und um deinen Anteil gekämpft. Daran lag es sicher nicht, dass du momentan noch im Federgewicht antreten musst. Aber Achtung, lieber Gaudi, du stehst nun vor der größten Herausforderung deines noch jungen Lebens. Bedenke, dass nur das Gewicht zählt, das von Muskeln kommt. Wer aber in einem Delikatessengeschäft und Feinschmecker-Restaurant lebt, läuft Gefahr, sich sein Gewicht anderweitig zu erarbeiten. Da auch deine Leute trotz dieser Herausforderung noch immer in Topform sind, werden sie bestimmt auf dich aufpassen und dir nur an Weihnachten und deinem Geburtstag Gänsestopfleber erlauben.
Dr. Claudia KemperGamba hat sich für Taufkirchen entschieden und für ein Leben an der Seite unserer Brianna aus dem B-Wurf.
Zu Beginn warst du eine ganz Liebe, nun, ja: Das bist du immer noch, aber nun nicht einfach nur lieb, sondern lieb mit Profil. Bei dir haben wir schon mal eingeräumt, dass uns viele deiner Aktivitäten entgangen sind, weil deine lila Markierung wie eine Tarnfarbe auf dem schwarzen Haarkleid war. Was wir aber sicher sagen können, ist, dass du dich nie versteckt hast oder als Mauerblümchen in der Ecke gesessen bist. Du warst, zumindest anfangs, keine Pionierin, aber auch keine die ständig auf Rückzug war. Vielleicht warst du einfach das, was man gelegentlich als Mitte der Gesellschaft bezeichnet. Doch das änderte sich in den letzten Wochen erheblich. Die Mitte der Gesellschaft hat sich zu einer Spitze der Gesellschaft geformt und du warst einer der Wortführer und Antreiber der Rasselbande. Bei einer Vorgängerin von dir haben wir es einmal so formuliert, sie habe den Tutu gegen Lack und Leder der Domina getauscht. Das Bild stimmt nicht ganz, weil du nie einen Tutu, bestenfalls einen Jogginganzug getragen hast. Und von Domina und Lack und Leder wollen wir bei dir schon gar nicht reden, vielleicht geht es so: Du hast den Jogginganzug gegen die Lederkombi getauscht. Du hast immer mehr Gas gegeben und dir mächtig Respekt verschafft. Am Schluss gab es keine Aktion mehr, bei der du nicht maßgeblich beteiligt warst. Deine letzte Marotte war, den Leuten die Haare vom Kopf zu fressen, was wir dir beinahe übelgenommen hätten, weil du den Eindruck vermittelt hast, wir würden dich nicht ausreichen und artgerecht versorgen.
Die Entwicklung, die du genommen hast, wird dir für die Zukunft sehr helfen, denn deine ältere Hausgenossin gehört zum Kantigsten und Profiliertesten, das der Blues hervorgebracht hat. Deine Wurfabnahme hast du jedenfalls fast mit Summa cum laude gemeistert; das wird dir demnächst ein Leben auf Augenhöhe mit Brianna ermöglichen.
Barbara FröhlichGrille hat ihr Revier nun in Ottobrunn.
Wir haben bei keinem deiner Geschwister Sorge, dass es mit seinem Leben nicht zurecht kommen könnte, aber dass du unter die Räder kommen könntest, ist für uns ausgeschlossen. Wir haben selten so ein fest im Leben verwurzeltes Kind gehabt wie dich: lebensfroh, lebensklug, lebenswillig und lebenslistig. Clever bis zur Durchtriebenheit, gedankenschnell und vorwärts orientiert. Ja, eigentlich könnten wir mit der Laudatio aufhören, weil alles gesagt ist. Aber es ist noch nicht gesagt, dass du die Auserwählte des Vize gewesen wärst, wenn sich die Frage gestellt hätte, und das ist nicht wenig. Er ist nämlich in diesen Dingen schleckig und nicht leicht zu überzeugen. Du hast es im Handumdrehen geschafft. Deswegen hat er sich auch über deine Ausreißereien mehr amüsiert als besorgt gezeigt: Eine Grille plumpst nicht ins Wasser, wenn sie nicht plumpsen will. Allerdings besteht die Gefahr, dass du gerade das im Schilde führen könntest, um zu testen, wie es dann weitergeht. Man muss bei dir mit allem rechnen. Es schreckt dich ja auch nichts: Wenn es dir sinnvoll und nötig erscheint, haust du auch mal dem Girgl eins aufs Maul, dabei habt ihr beide euch prächtig verstanden - vielleicht gerade deswegen. Nein, es schreckt dich nichts und du schreckst auch vor nichts zurück. Das Visier hast du auch beim Fressen offen, vor allem, wenn es Spezialitäten zu verteidigen gibt; dann schaust du dem Maulräuber in die Augen, damit er weiß, worauf er sich einlässt und womit er rechnen muss. Andererseits hast gerade du, neben Greco, die effektivsten Strategien fürs Verstecken und Vergraben entwickelt; du beherrscht also den schlauen Rückzug und die beinharte Abfuhr. Und auf dem Schoß des Vize bist du geschmolzen wie ein After Eight after sun.
Ein bisschen solltest du dein Temperament aber jetzt zügeln und zeigen, dass in dir auch viel Feingefühl steckt: Du hast die große Ehre neben einer großen alten Dame leben zu dürfen: Dima vom Deichselbachtal hat deinem Einzug wohlwollend zugestimmt. Die alte Dame wird im April 16 Jahre alt (was wir alle sehr hoffen) und verdient nicht nur Respekt, sondern auch viel Rücksicht.
Uns bleibt jetzt nur noch, uns bei allen von ganzem Herzen zu bedanken, die zum G-Lingen des G-Wurfs beigetragen haben. Wir wollen nicht alle anführen, weil man mit fortgeschrittenem Alter auch vergesslicher wird - und das hätte niemand verdient. Deswegen sagen wir euch allen ein herzliches Vergelt's Gott.
Und was für den F-Wurf galt, gilt auch für den G-Wurf:
Wir schließen nun das Zuchtbuch des Bairischen Blues auf unbestimmte Zeit. Wir werden weiter präsent sein, die Wege unserer Kinder verfolgen und darüber berichten. Und ihren Leuten werden wir immer mit Rat und Tat zur Seite stehen und Freunde sein.
Keep on the sunny side, always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life.
It will help us ev'ry day, it will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life.