2. Woche (20.11. – 26.11.)
Sonntag, 20.11.2011
Wieder so ein ultraschöner Spätherbsttag, der so gar nicht zum Image des Totensonntags passen mag. Aber die Dinge gehen heute trotzdem, wie es sich gehört, sehr still vonstatten beim Bairischen Blues, es ist kein Lärmen und kein Randalieren, Frau Fischers Gefolgsleute schnullern leise brabbelnd in der Box und Mama Franzi liegt große Strecken des Tages davor und döst, aber immer mit einem Ohr und einem Auge auf ihre Fieslinge.
Die haben heute allen Grund mit sich und der Welt zufrieden zu sein, sie haben anständig zugenommen (430 Gramm) und fühlen sich wohl. Es ist anzunehmen, dass diese Marke auch nicht allzu häufig zu übertreffen sein wird, nicht, solange Franzi alleine für die Verpflegung sorgen muss. Wenn wir in unseren alten Aufzeichnungen blättern, finden wir eigentlich keinen Tag, über 600 Gramm. 580 Gramm hat Franzi am 16. November geschafft, mehr wird kaum möglich sein. 600 Gramm Gewichtszunahme bedeuten eben 1200 ml Milch, die Franzi produzieren muss. Wenn diese Menge auf acht oder neun Welpen zu verteilen ist, werden die eben schneller fett als die elf vom F-Wurf. So gesehen ist auch die Faustregel, dass die Welpen nach etwa zehn Tagen ihr Gewicht verdoppelt haben sollten, eine ziemliche Luftnummer: mit sechs Welpen um 400 Gramm Geburtsgewicht schafft die Hündin das wahrscheinlich schon am achten Tag, aber bei elf Kindern mit einem durchschnittlichen Geburtsgewicht von 535 Gramm ist das nicht zu schaffen. Unser dicker Franz mit einem Geburtsgewicht von 630 Gramm müsste nach dieser Planvorgabe zehn Tage lang jeden Tag im Schnitt 63 Gramm zunehmen, um die 1260 Gramm zu erreichen, so viel Zitzenzeit räumt ihm Franzi hoffentlich nicht ein. Und wenn dann die Produktion noch langsam anläuft, wie in diesem Falle, weil Franzi halt noch ein bisschen brauchte, bis sie voll einsatzfähig war, dann ist ein solcher Plan eine ebensolche Schaumschlägerei und Protzerei wie Ackermanns 25% Eigenkapitalrendite.
Wenn wir ehrlich sein sollen, ist es im Augenblick ziemlich langweilig rund um Frau Fischers Fritzen, sie schlafen oder trinken – that’s it. Kleine Erlebnisspitzen wie Franz‘ und Fines unfreiwillige Ausreißversuche haben noch Seltenheitswert, für Kabinettstückchen und Bühnenzauber sind die Zwockel noch zu klein und Dramen gesundheitlicher Art wünscht sich sowieso niemand. Franzi fällt aktuell auch kein Blödsinn ein, der berichtenswert wäre und Anouk holt sich ihre alten Erziehungsprogramme aus dem Safe und sieht schon mal nach, was noch auf dem neuesten Stand ist, beziehungsweise, was neu auszuprobieren wäre. Dieses Stöbern im Maßregelungskatalog für Erzieherinnen, Tanten und Gouvernanten ist heute ähnlich unpassend wie es ein Halloweenfest auf dem Friedhof wäre: heute ist nämlich Weltkindertag der UNICEF, der Tag der Rechte des Kindes. Darunter versteht man nicht, wie man dem Kind möglichst wirkkräftig eine platzierte Rechte einschenkt. Aber Anouk war schon immer ein wenig antizyklisch getaktet, das wird sich auf ihre alten Tage hin auch kaum noch ändern. Eine wirklich liebenswerte Schrulle…
Montag, 21.11.2011
Auf, Freunde, das Catering ist da
Wir haben den Eindruck, dass Frau Francas frische Fritzen schön langsam die Welt auch akustisch erfassen; immer wieder mal scheinen sie auf Laute zu reagieren, den Kopf zu heben und die Quelle orten zu wollen. Dafür spricht, dass bei den meisten jetzt so eine Art Innenohr zu erkennen ist. Nach der Geburt sitzen am Kopf nur zwei Ohrlappen, wie mit Knetmasse angeklebt, eine Öffnung gibt es nicht, jetzt aber strukturiert sich das, was einmal ein richtiges Hundeohr werden will, wobei man den zukünftigen Besitzern der Wahrheit zuliebe getrost ins Ohr flüstern darf, dass dieses Ohr, so perfekt es auch modelliert sein wird, auch später nur partiell hörfähig sein wird (Mäuse, Kühlschranktür, Annäherung eines Intimfeindes in zwei Kilometer Entfernung, Postauto), also seine angeborene Insuffizient weitestgehend beibehalten wird. Aber was wäre ein Hovawart ohne seine federnden und wippenden Schlappohren? Wer fragt da nach Funktionalität?
Gestern war Franzi fleißig mit ihrem Getränkeservice: 530 Gramm haben die Ziehkinder aus ihr heraus gezogen. Was schon lange zu vermuten war, nämlich dass Franz‘ urbayerische Seele auch in seinen Körpermaßen ihren Niederschlag finden wird, kann jetzt, zumindest vorerst, als bewiesen abgeheftet werden: 940 Gramm und 70 Gramm Zuwachs auf bereits hohem Niveau sprechen eine deutliche Sprache. Und kein ernsthafter Gegner in Sicht! Die nächsten Verfolger sind Fetzer jr. und Fado mit 860 Gramm. Dann folgt schon die erste Amazone, wer anders als Fianna könnte das sein?, mit 830 Gramm , an deren Fersen sich Felix, der Vergnügte, mit 820 Gramm heftet. Die weiter Reihung liest sich so: Ferdi (810), Flori (790), Fanni (760), Frenzy (750), Franca (690) und das Schlussschnuckelchen Fine mit 670 Gramm.
Franzi scheint mit dem Ergebnis ziemlich zufrieden zu sein, jedenfalls drückt sie sich heute und drückt sich viel herum; irgendwie hat sie keine rechte Lust auf Fiesling-Sitting. Dafür mögen zwei Gründe die Ursache sein. Erstens produzieren ihre Kinder nun die ersten kleinen Würste, die wie kleine Salatschnecken aussehen, aber im Gegenteil zu diesen und ihrer Größe unmäßig stinken. Und das stinkt auch Franzi, die sich nicht mit der verbreiteten Meinung abfinden will, dass Mütter gegen die Ausdünstungen ihrer Kinder resistent sind, ja diese sogar als Wohlgeruch wahrnehmen sollen. Nichts für Franzi: Gestank ist Gestank und da ist sie zu hundert Prozent der Hund ihres Herrchens. Der zweite Grund für Franzis Zurückhaltung ist die Tatsache, dass die Fritzen inzwischen einen Zug haben wie eine komplette Jahreshauptversammlung von Feuerwehrkommandanten: kaum liegt sie drin, ist sie leer wie ein Löschteich nach einem Großeinsatz. Nachschub kann sie auch außerhalb der Fritzenbude organisieren.
Diese Fieslingsfritzen verlassen ihr Heim nun schon sehr eigenmächtig und vor allem absichtlich. Das kommt noch nicht häufig vor, aber dann geschieht es ihnen nicht, sondern sie suchen die Herausbeförderung. Dabei haben es naturgemäß, wie überall auf der Welt, diejenigen leichter, die oben liegen und oben schwimmen, weil sie die unter ihnen Liegenden als Staffelei und Aufstiegshilfe benutzen, ungeachtet deren Befindlichkeit. Wer oben ist, kommt weiter, wer unter liegt, hat aufgrund seiner misslichen Position meist nicht einmal das Nachsehen. Jammern hilft da auch nicht weiter… Flori ist heute oben gelegen und über seine Geschwister hinweg getürmt. Und wie nutzt er seine neue Freiheit? Er setzt eine Stinkwurst auf den Boden und verteilt sie auf einer Fläche von 1 qm. O, wie das stinkt! Wenn man die Geruchsdichte dieses Darmwürmleins hochrechnet, müsste bei jedem erwachsenen Hundehaufen Giftalarm ausgelöst werden; das wäre eine unendliche Symphonie! Ist es da ein Wunder, dass Mama Franzi ihren großartigen Sohn nicht lobt, sondern das Weite sucht?
Man muss aber unserer Franzi zugutehalten, dass sie trotz dieser Abscheulichkeiten ihrer Kinder unverdrossen deren Hintern putzt, wenn sie bei ihnen liegt - nachträglich räumt sie die Rückstände nur widerwillig weg. Aber die Pflege des hinteren Endes ist nicht alles, wenn auch etwas gesellschaftlich Unvermeidliches, mindestens genauso wichtig ist, die Pflege der Nägel - man denke nur an den garst’gen Struwwelpeter. In unserem Fall geht
es nicht um die Einhaltung gesellschaftlicher Normvorstellungen, sondern um die Unversehrtheit von Franzis Schnullertüten. Nachdem sich Anouk auf diese Weise einmal eine veritable Mastitis eingefangen hat, weil ihr ihre Lieblinge die Brust aufschlitzten, sind wir in dieser Hinsicht sehr eigen: Off limits für Struwwelpeter und Struwwelpetras. Wir nutzen die günstige Zeit nach einem Baraufenthalt, wenn sie alle in einem trägen Verdauungstief hängen, um ihren Unmut im Wortsinn im Griff behalten zu können, man macht sich nämlich wenig Vorstellungen, wie wehrhaft diese Zwerghosenscheißer schon sein können. Und wenn es um die Frage geht: abgeschnittene Nägel oder abgeschnittene Zehen, ist jeder Trick erlaubt, die Pedikanten in Ruhe zu halten.
Wie seit dem ersten Wurf bestens bewährt, übernimmt der fehlsichtige Chef diese feingliedrige Aufgabe, weil die Chefin zwar auch fehlsichtig ist, aber dazu noch grobmotorisch. Diese Mischung verspräche munteren Blutfluss. Die Feinmotorik des Chefs hat in den vergangenen Jahren dagegen keinen einzigen Blutstropfen aus einem Welpenzehlein entspringen lassen. Mit filigraner Feinmotorik nähert er sich einem Opferbeinchen – und schnipp und schnapp knibbelt er die Krallen ab. Das geht auch diesmal wieder gut, wenn auch die Zeit, die man gemeinsam miteinander verbringen muss, bei Fetzer jr. und Fanni besonders ausgedehnt ist. Diese beiden denken nicht daran, sich irgendetwas, und sei es nur ein kleines Nägelein, amputieren zu lassen. Der Junior schwingt sich sogar zu dem Versuch auf, den Chefknipser in die Brust zu beißen; keine Zähne im Maul, aber La Paloma pfeifen wollen. Wir pfeifen im eins, geben ihm eine kleine Backpfeife, bewerfen ihn also mit einem Wattebäuschen, und schneiden ihm zur Strafe die Nägel noch weiter runter als den anderen. Das nennt man dann eine Art Identitätsverlust. Fanni dagegen spielt ihre enorme Kraft aus, die in diesem kleinen Körper steckt und eine Wendigkeit, mit der sie auch als glitschige Meerjungfrau Karriere machen könnte. Doch letztlich muss auch sie Abschnitte in Kauf nehmen und die kleinen Nägelchen als Verlust ausbuchen. Die anderen sind dagegen eher wurschtig, protestieren mehr oder weniger, lassen es aber nach ein paar ordentlichen Zugriffen geschehen.
Nach diesem Angriff auf ihre Integrität fallen die Fieslinge in einen satten Tiefschlaf, in dem sie vermutlich Racheszenarien für die Zeit ausbrüten, wenn sie einmal groß sind und richtige Krallen haben und vorne richtige Zähne, dann … ja, dann sind sie nicht mehr bei uns...
Seit heute, so viel muss noch zum Schluss angeführt werden, seit heute rotiert eine neue Waschmaschine im Keller. Die alte hat zwar seit zwei Tagen klaglos ihren Dienst versehen, aber eben erst, als wir ihr mit einer Nachfolgerin gedroht und diese auch bestellt hatten. Es ist wie die Geschichte mit dem Zahnarzt: wenn man sich entschlossen hat hinzugehen, sind die Schmerzen wie weg geblasen. Aber das ist dann halt zu spät und eine Trennung nicht mehr zu verhindern. Wir hatten es angekündigt, es kam, wie es kommen musste – so können wir uns nicht verschiffschaukeln lassen: C’est laver!.
Dienstag, 22.11.2011
Schock in der Morgenstunde! Nur 220 Gramm Gewichtsaufschlag, dabei 30 Gramm Verlust bei Frenzy! Stillstand bei Fianna, 10 Gramm plus bei Fine, 20 Gramm für Franca, Flori und Fetzer jr. , 30 Gramm für Franz, Fado und Felix und nur Ferdi (40) und Fanni (50) erfüllen unsere Wünsche. Was ist da los? Die Fritzen wirken alle frisch und munter, zeigen aber eine Kalorienspreizung, die erst auf den zweiten Blick einen gewissen Rückschluss zulässt, einen Verdacht hochkommen lässt. Kann es sein, dass Franzi ihre Mutterpflichten an Frauchens Arbeitstagen etwas schleifen lässt? Dass sie lieber irgendwo herumlungert und –liegt, um auf Frauchens Rückkehr zu warten als ihren Kindern ein Land mit fließend Milch ohne Honig zu bescheren? Genau danach sieht es aus! Und wenn sie dann der Überdruck doch ins Lager zwingt, kegeln die magenknurrigen Ellenbogen-Machos die Feingliedrigen vom Tresen, dann setzen sich die breiten Schultern durch. Da muss man sich nicht wundern, wenn Hirn, Witz und Feingeist in der Welt so dünn gesät sind – weil die schon aussortiert sind, bevor sie ihre Macht entfalten können. Frau Fischers intrauterine Vorzüge scheinen extrauterin wenig zu gelten. Da müssen wir nachhelfen, weil wir in unserer Zivilisation nicht nur die bedingungslosen Kampfschweine groß werden, sondern auch die körperlich etwas Benachteiligten zu ihrem Recht kommen lassen wollen. Punkt. Dann wollen wir mal sehen, wer in fünf Wochen wen am Nasenring durch unseren Garten schleppt, die Hosenträgerschnalzer die Hinterkünftigen oder anders herum. Wir werden das Experiment verfolgen.
Im schnöden Blues-Alltag bedeutet das, dass der Chef während der Abwesenheit der Chefin für das Wohl der Feinsinnigen persönlich verantwortlich ist, dass er Franzi mit ausgefeilten Motivationstechniken dazu bringen muss, sich ihren Kindern zu öffnen. Zufüttern, was die andere Möglichkeit wäre, macht noch keinen Sinn, es wäre denn mit der Flasche, aber so hinfällig sind die am unteren Ende des Body-Mass-Index bei weitem nicht, dass man sich diese Viecherei antun muss. Da müsste schon Gefahr für Leib und Leben im Verzug sein, und davon sind wir eine mittlere Galaxie entfernt. Und selbst können die Schnuten noch nicht aus einer Schüssel sippeln, dafür fehlen ihnen noch ein paar Tage Entwicklung ihrer Feinmotorik (mal sehen, ob sie danach eher dem Chef oder der Chefin nachkommen?). Was bleibt also? Franzi, ab in die stabile Seitenlage und Milch Marsch! Geht doch. Erst werden die Hungerleider angelegt, ein Tank-Bonus so zu sagen, und erst dann kommen die Stabilo-Bosse nach und nach zum Zuge. Wollen doch mal sehen, ob beim Blues das Gesetz des Dschungels fröhliche Urständ feiern darf.
Unsere Vermutung, dass den kleinen Monstern langsam etwas zu Ohren kommen könnte, bestätigt sich mehr und mehr. Sie reagieren jetzt deutlich auf Ansprache, kommen angewackelt, so schlecht die Füße tragen, aber immerhin, sie finden die richtige Richtung. Das heißt aber auch, dass Franzis Lockrufe keine Rufe in der Wüste mehr sind, sie findet jetzt tatsächlich Ansprechpartner, wenn sie sich der Schnullerbox nähert. Dass sie das unter bestimmten Umständen nur unzureichend tut, haben wir gerade behandelt. Wenn sie aber einen Fuß vor oder in die Kiste setzt und einmal pfeift, hat sie die Plagen so schnell um sich geschart, dass man das, gemessen an der Stolperei, gar nicht glauben mag und Franzi, so umlagert, nicht mehr weiß, wie sie sich zur Verrichtung ihrer Mutterpflichten hinlegen soll. Da war Anouk von seltener Durchtriebenheit: sie lockte die Bande mit wohlfeilen Versprechungen in eine Kistenecke und wenn sie alle meckernd und krälend da waren, ist sie in die andere Ecke gestapft, um sich dort niederzulegen. Nicht ganz fair, nicht ganz sauber, der Protest war unmissverständlich, aber die Finte hatte immer Erfolg (außer bei denen mit falsch gepoltem Kompass, die grundsätzlich in allen falschen Ecken nach Befriedigung suchen, nur nicht dort, wo es sie wirklich gibt; die gibt es überall – und die kommen dann eben unter die Räder, sprich unter die Mutter. Aber sie haben alle überlebt). Franzi ist dafür zu lieb, nicht hart genug, sie ist eher so eine Art Walldorf-Mutter, während Anouk eher der Hart-aber-herzlich-Fraktion zuzuordnen war. Kannst nix machen, oder eben doch, nämlich die wieselnden und wuselnden Büffetstürmer erst mal von Franzi fernhalten (Hallo Witz!), diese zur Niederlage auffordern und dann den Zugang frei geben. Sommerschlussverkauf in der Schnullerbox mit Franzi als Wühlkiste.
Zwei Dinge in eigener Sache. Der Trockner ist auch wieder zur Räson gebracht worden, hatte so etwas wie eine Arterienverstopfung. Jetzt rumpelt und pumpelt er wieder, wie in seinen besten Tagen und würde sogar Wackersteine klaglos verarzten. Wir nehmen also den früher geäußerten Vorwurf bezüglich der wurmstichigen Produkte zurück und ergehen uns in Lobeshymnen über den Bauknecht-Service.
Die zweite Angelegenheit ist die wahrscheinlich unseligste Erfindung beim Blues: die Erfindung des Tagesbildes auf der Startseite, süße Sugarbabes fürs ungeduldige Publikum. Wo, verdammte Axt, soll man aber ständig süße PuppyPics hernehmen, wenn die Models nur auf ihrer faulen Haut herum fläzen oder halb unter ihrer Mutter vergraben liegen, keinen Gedanken an einen sexy Augenaufschlag verschwenden oder einfach nur einmal ein Kopfstand machen? Erschwert wird diese Zumutung, wenn man die meiste Zeit des Tages im Keller hockt, wie wir ja schon ausgiebig genug besprochen haben. Wenn man die ergebnislosen Stunden im Angesicht einer tatenlosen Fieslingsbande in Betracht zieht, dieses zwangsweise tatenlose Herumsitzen und -stehen, dann stellt sich die Frage nach der Gültigkeit des Postulats, das wir über das tatenlose Kreißsaalteam während Franzis Niederkunft aufgestellt hatten, dass nämlich nur ein müßig gehendes Team ein gutes Team sei („Only an idling team is a good team“). Die fotografische Ausbeute dieses Eidelns ist jedenfalls sehr überschaubar und bringt das Marketingteam des Blues zuverlässig ins Schwitzen - überhaupt nix mit eidel Freude! Man muss eben auf bessere Tage hoffen und bis dahin einfangen, was einzufangen ist.
Heute wäre zum Beispiel eine Szene einzufangen gewesen, die einen Schuss verdient gehabt hätte, aber trotzdem kaum Tagesbild-tauglich gewesen wäre. Die Szene ist wegen der Abwesenheit der Kamera aber nicht dokumentiert. Aber sie erheitert die Gemüter. Bandit, genannt die Cola-Dose, also der Rote Kater des Blues, ist Franzis Liebling. Die Cola-Dose ist von den drei im Hause residierenden Samtpfoten die einzige, die sich einen Sch… um die Welpen schert und im Erdgeschoss ein- und ausgeht, wie es ihm beliebt. Dies tut er vor allem und mit allem Nachdruck, wenn er die Frühstücks- oder Dinner-Zeit gekommen sieht. Da zurzeit einige nachbarschaftliche Mitversorger wegen Abwesenheit ausfallen, ist er in einem nicht enden wollenden Zustand der Unterernährung, der ihn wiederum dazu zwingt, Klagerunden in der Küche zu drehen und endzeitliche Protestsitzungen zu veranstalten. Da kommt der Liebling der wachsamen Mutter aber gerade recht! Es gibt Zeiten im Leben, da spielen selbst die Liebsten keine Rolle und haben nur begrenzten Zugang – und Welpenzeit ist eine solche Zeit. Dann stöbert Franzi schrill und schrecklich durch die Kinderstube und staubt die Cola-Dose hinfort. Weil die aber vollstes Vertrauen zu seiner seltsamen Geliebten hat und sie auch in Sachen Maßregelvollzug nicht so recht ernst nimmt, zieht er meist nur seinen Kopf ein und lässt das Donnerwetter über sich hinweg rollen. Dann packt ihn die Franzi noch kurz im Genick, was sie als körperlichen Übergriff einstuft und er vermutlich als Beweis einer wunderbaren Freundschaft und der Spuk ist vorüber. Franzi kommt sich zu beklagen, dass der Kerl nicht hören will und der Bandit schreitet mit einem frommen schauer im Nacken und erhobenen Schwanzes seiner Wege. Bis zum nächsten Mal. Aber den Welpen nähert er sich nicht! Zumindest nicht, wenn wir und die Hunde zugegen sind. Aber wer weiß, was da abgeht, wenn die Hunde aus dem Haus sind, dann tanzen vielleicht die Katzen Polka.
Frau Franca Fischer riskiert einen Blick
Und dann wird dieser strahlende Tag abends noch von einem wunderbaren Lichtblick überstrahlt: Frau Franca Fischer hat als Erste die Augen geöffnet und blinzelt unsicher in die Runde. Wir glauben, haben es aber nicht überprüft, dass in allen Würfen zuerst ein Mädchen die Augen geöffnet hat. Es ist immer wieder ein unsterblich schöner Augenblick, wenn man in zwei kristallblaue Blinzelaugen blickt. Vielleicht ist es einer jener Momente voller Magie, die so viel Suchtpotential in sich tragen, dass man immer wieder und immer weiter züchten muss: dieser erste Blick in die Welt, dieses Zeichen des Lebens, weil für uns Menschen die Augen von so zentraler Bedeutung sind. Schau mir in die Augen, Kleines! Du, mein Augenstern! Holzauge, sei wachsam! Für uns Ruchlose und Schwerhörige ist selbst unser mittelmäßig begabtes Auge die Zentralinstanz unserer Wahrnehmung. Hunde würden möglicherweise sagen: Riech mir am Hintern, Kleines! oder Du, mein Nasenschwamm!
Später machen uns noch Fianna und Flori die Freude, mit uns einen Blick zu wechseln. Am liebsten würden wir mit Faust zum Augenblicke sagen: „Verweile doch! Du bist so schön!“
Mittwoch, 23.11.2011
Wie der Inhalt eines Spucknapfs hängt ganztägig zäher Nebel in der Au. Nun müsste es ja inzwischen Allgemeingut sein, dass der Herr des Blues des Nebels Duzfreund ist. Was er aber überhaupt nicht leiden kann, ist, wenn er beim Hundespaziergang im Nebel kalte Finger kriegt! Nebel ja, Eiszapfennebel, nein!
Aber bei diesen Gedanken erinnert er sich an eine Mail, die den Blues zur Geburt erreicht hat, eine aus dem hohen Norden, dort, wo Ebbe und Flut kein Ende miteinander finden, in der es heißt: "tillykke med kullet", was soviel heißt wie "Glückwunsch zum Wurf" (in Dänenmentalität aber ausdrückt: Oh Mann, wie klasse, was für ein Glück für dich, wie sehr ich dich beneide, alles, alles Liebe für dich und deine Hündin!...) und in der der F-Wurf wegen seiner vielen Fs als stylish bezeichnet wird (Franzi, Fetzer, F-Wurf und dann die elf kleinen Fs). Ja, das finden wir auch; dieser Wurf ist quasi wie aus dem Effeff entstanden (nur die Geburt ging nicht aus dem Effeff). Mien Deern, ganz lieben Dank für die guten Wünsche und alles, was du sagst, ist hundertprozentig richtig, nur in einem hast du nicht recht: auch bei uns, nicht nur am Nordseestrand, regiert die Nebelsuppe, zumindest bei uns im Mangfalltal, was wieder mal beweist, dass es ein imaginär traumhaft späthochsommerliches Bayern nicht gibt. Bayern ist nämlich fast so groß wie die Nordsee (nun ja, ein bisschen kleiner halt), aber im Gegensatz dazu gibt es in Bayern nicht nur Meer und Land unterm Meer, sondern ein Bayerisches Meer und ein Schwäbisches Meer und ein Steinernes Meer und noch viel, viel Mehr, wir haben nicht nur ein Hoch oder ein Tief über dem Meer, sondern ganz Bayern ist ein einziges Hoch und Tief, also Rauf und Runter (manchmal auch Drunter und Drüber, aber das gehört nicht hierher), ihr da oben (oder seid ihr da unten?) habt mehr Watt und wir Mehrwert, ihr habt eine Meerjungfrau, was bei uns mehr weniger vorkommt, eigentlich fast gar nicht mehr, und überhaupt ist hier mehr oder weniger einfach alles anders – sogar der Nebel, der hier in der Gegend auch nicht Nebel heißt, sondern „Näwe“ und somit fast wie Navy klingt, womit wir dann doch wieder einen Schulterschluss gefunden hätten. Aber weil hier alles so diffizil und different ist, passiert es, dass es bei uns im Mangfalltal schmuddelt und die, sagen wir mal: auf dem Hohenpeißenberg, 70 km südwestlich und fast schon grenztirolerisch, haben eine Inversionslage, was gefährlich klingt und überhaupt nichts mit eurer „lütjen Lage“ zu tun hat, sondern nichts als Sonne bringt. Aber – wenn bei uns der Krokus spitzt, der „Scheißelberger“ noch auf dem Schneeberg sitzt. Alles eine Frage innerbayerischen Proporzes. Da schenken wir uns nichts, da teilen wir und teilen aus und gönnen jedem das Seine. Also: wir gönnen denen den Nebel, den sie nicht haben und die gönnen uns die Sonne nicht. Gott mit dir, du Land der Bayern!
Nun aber zurück die Niederungen, nein, nicht von Ebbe und Flut, sondern von Kacke und Brut, mit einem scheuen Blick auf die Gewichtstabelle, die ja heute so etwas wie einen Befähigungsnachweis des Chefs in Sachen Brutmotivation darstellt. Erinnern wir uns: Die Aufgabe war, trotz Frauchens Abwesenheit Franzi zu einem gedeihlichen Brutverhalten zu motivieren. Jetzt also die Gegenprobe: 440 Gramm sieht nicht sooo schlecht aus. Franca Fischerin 40 Gramm plus –ok.
Frenzy 20 Gramm plus, immerhin, aber trotzdem noch 10 Gramm unter dem Vortagsgewicht. Was macht sie eigentlich, wenn sie an der Brust liegt? Die säuft und strampelt und werkt und schafft, hört nicht auf und dann schläft sie wie Dornröschen, sieht aus wie jemand aussieht, dem es an nichts mangelt – aber kriegt nichts auf die Rippen. Ist vielleicht so ne Art Suppenkasper?
Flori 40 Gramm plus – bon.
Fetzer, der Junior, plusminus 0? Hat der seinen Nägeln nachgeweint? Getrotzt? Gebockt? Hungerstreik wegen ein wenig Hornmaterial? So eine Mimose! Weiter:
Fine 40 Gramm plus – sehr schön.
Fianna 50 Gramm plus – Papas Liebling auf dem Weg zur Walküre.
Franz, der Immersatt
Franz 50 Gramm plus – mit 1020 Gramm der erste Doppelpfünder! Pfundig, Franz! Aber irgendwie nicht so richtig im Ernährungsplan des Führungsoffiziers vorgesehen; nicht Franz sollte den Löwenanteil abbekommen, sondern die Hungerhaken. Sagen wir einfach: guter Futterverwerter.
Fado, wieder ein Fehlschlag: 80 Gramm. Auch der hätte es nicht wirklich nötig.
Fanni 30 Gramm plus – das passt, die leidet nicht an Magersucht.
Felix 60 Gramm und auch nicht wirklich bedürftig, hat sich also auch vorgekrempelt; ich prophezeie, dass dieser Herzensmarodeur mal alles kriegt, was seinem Herzen als Wunsch entspringt, er ist der geborene Fingerwickler.
Ferdi 30 Gramm – passt, mehr muss nicht.
Was bleibt also unterm Strich? Die Baisse ist gestoppt, aber dennoch haben wieder die Unersättlichen das meiste abgekriegt.
Das heißt aber nicht, dass die G’stopften auch am weitesten entwickelt sind, zu Fuß sind jedenfalls die Leicht- und Mittelgewichte besser unterwegs, was natürlich, wenn man ehrlich ist, auch daran liegen kann, dass beispielsweise beim dicken Franz nicht einwandfrei auszumachen ist, ob er jetzt geht oder liegt. Die leichten Mädchen sind in dieser Hinsicht weitaus besser dran, sie sind nämlich schon recht zünftig auf ihren Matschebeinchen unterwegs; von Vorteil ist bei ihnen aber auch, dass die Nase so nahe am Boden ist, dass sie jederzeit als Stütze eingesetzt werden kann.
Auch in Sachen Lichtblick haben die Mädchen die Nase vorn, heute machen nämlich auch Frenzy und Fine die Augen auf. Und Franz kann nun auch schon sehen, welche Verwüstungen er anrichtet, wenn er durch seine Geschwister pflügt – der gute, alte Franz.
Womit wir bei einer mittleren kulturellen Katastrophe angelangt wären, beim Tod von Georg Kreisler, zu dessen bekanntesten Liedern „Der guate, alte Franz“ gehört. Dieser Georg Kreisler ist eines der wenigen Beispiele, dass es nicht stimmt, dass nur die Guten jung sterben. Aber die ganz Guten sterben eben in jedem Alter viel zu jung! Nun ist er also dahin, der boshafte Taubenvergifter, trinkt a Achterl mit seinem guaten, alten Franz, der ihm kein Freunderl, sondern ein Freund war. Und wahrscheinlich wird er sich da drüben im Himmel wieder den einen oder anderen Schiefer einziehen, weil einer wie er gar nicht anders kann („Was für‘n Ticker ist der Politicker / woher kommt er und was will er von der Welt?“); denn ein Text mit den Zeilen „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“ verstört nicht nur die ewig schrammelnden Berufswiener, sondern würde auch in der himmlischen Herrlichkeit jede Menge Irritationen hervorrufen.
Georg, alter Ego, ich trau mich und fang schon mal mit dem Lied an, das du dem Himmel widmen wirst und du machst dann halt weiter, weil du jetzt besser weißt, was es dort abzufrotzeln gibt. Ich stell mir vor: du mit deinen Knochenfingern am Flügel, links und rechts ein Engerl mit Flügerl, am Boden verstreut ein paar von dir vergiftete Tauben und der guate, alte Franz blättert dir die Partitur um: Wie schön wär’s Paradies ohne Engel / so schön wie a schlafende Frau. / Auf den Wolken gäb’s kaa Gedrängel / und der Himmel wär wirklich mal blau… Und im Hintergrund tanzen zwei alte Tanten Tango...
Vielleicht lässt du mich mal wissen, auf welcher freigesungenen Wolke du residierst – für später. Einverstanden?