6. Woche (05.04. - 11. 04. 2017)
Mittwoch, 5. April 2017
Es liegt eine unheimliche Stille über dem Anwesen des Blues. Der Vize traut seinen Ohren nicht: nichts! Stille! Es bedrückt ihn im Bett die Frage, ob die vor wenigen Tagen erfolgte Zustellung eines Werbebriefs der Firma Amplifon (Hörgeräte) doch kein auf sein Alter gezielter Affront, sondern schiere Vorsehung war. Lässt ihn sein bislang noch alltagstaugliches Gehör im Stich? 6 Uhr und die Hallodris liegen offenbar in süßer Ruh. Oder sind sie etwa der eigenen Giftgasproduktion erlegen; Sumpfgas liegt bekanntlich schwer am Boden und die Hallodris tun dies auch. Während die Zeit mit Denken und Grübeln verstreicht, dabei die Frage Überhand gewinnt, ob es zuträglicher ist abzuwarten oder nach dem Rechten zu sehen, übersieht der Vize, dass er eigentlich auch aufstehen könnte, denn der Schlaf ist ihm bereits abhanden gekommen. Doch er liegt ähnlich schwer wie Sumpfgas in den Federn. Um 6:30 Uhr rumort es dann doch unter ihnen, und zwar erwächst dem sphärischen Schweigen binnen Sekunden akustischer Hochdruck, begleitet von Geräuschen, die vermuten lassen, dass dort unten Polka getanzt wird. Welch ein Glück. Ruhe bis 6:30 Uhr, aber es lebt noch, was da kreischt. Wie bescheiden man geworden ist. Wie glücklich man über eine Stunde mehr Schlaf sein kann. Das Glück der Chefin geht durch die Decke, als sie nur fünf, kaum der Erwähnung werte, Häuflein zählt. Also nix wie raus mit der Bande, Milchspeise in die Ringe und ab. Nach dem Frühstück zieht die zu erwartende Darmol-Prozession durch den Garten, die Hallodris vorneweg, die Chefin mit Eimerchen und Schaufel hinterher. Und dann kuscheln sich die von jeglicher Last Befreiten in ihr Terrassenbett und verlängern die Nacht auf unbestimmte Zeit. Viel versäumen sie heute auch nicht, denn der Himmel hängt sein Wasserbett schwer über die Köpfe der Hallodris: Es ist Waschküche bei 5° C. Also Augen zu und durch.
Die von der Chefin eingesammelte Speisekarte von gestern ist etwas dünner als die letzten Tage, was daran liegen wird, dass die Hallodris gestern erstmals Gekochtes kredenzt bekamen. Wir werden diese Erfahrung noch häufiger machen, weil sich der Darm auf die unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Speisen einstellen muss. Ein Welpendarm ist kein Tausendsassa, der schon bei Geburt alles kann; er muss erst lernen, mit allem fertig zu werden, was ihm geliefert wird. Und diese Vorgänge verändern kurzfristig den Zustand der Endprodukte. Wir machen das gerne, weil wir, soweit es in unserer Macht liegt, Hunde übergeben wollen, die mit ihrer zukünftigen Futterwelt im Reinen sind. Die Käufer unserer Hunde bekommen somit einen Hund, dessen Darm mit allem, was man üblicherweise füttert, zurechtkommt. Damit sind unsere Welpenkäufer in der Futterwahl frei, ohne sich um die Umstellungsprozesse und deren Folgen kümmern zu müssen. Aber es handelt sich dabei nicht nur um schiere Menschenfreundlichkeit unsererseits, sondern vor allem um Hundefreundlichkeit: Welpen, die ihren Magen-Darm-Trakt in dieser frühen Phase nicht entwickeln können, die im schlimmsten Falle völlig unzulänglich gefüttert werden, behalten ein Leben lang einen Reizdarm mit allen Folgen für sie und ihre Besitzer. Es ist nach unserer Auffassung Aufgabe des Züchters, einen auch in dieser Hinsicht stabilen und gesunden Hund abzugeben. Auch wenn es manchmal besch...eiden ist.
Fianna säugt noch immer unverdrossenMuttermilch gehört nicht zu jenem Nahrungsangebot, das den Hallodris Probleme bereitet, und davon scheint auch Fianna überzeugt zu sein, denn kaum ist sie von ihrem Morgenspaziergang zurück, baut sie sich vor ihren Kindern auf und bietet ihnen die Brust. Wie viel sie noch zu liefern hat, wissen wir nicht, aber offenbar hat sie noch etwas zu bieten und ihre Kinder wissen es sehr zu schätzen. Es fasziniert uns anhaltend, wie konsequent Fianna ihren Mamajob erledigt, dabei auch keine Rücksicht auf sich nimmt, weil die Hallodris ihr jetzt schon richtig wehtun; die Krallenspuren an ihrem Bauch sprechen eine deutliche Sprache.
Nach der Vorzugsmilch am Morgen lassen wir die Bande wieder ins Haus, weil es draußen einfach zu garstig ist, nicht dass sie uns bis zur Abgabe noch zu Yetis mutieren. In der Küche legt sich Fianna nun zu ihren Herzgewächsen und bespielt sie mit Ausdauer und Leidenschaft. Bei dieser Leidenschaft muss wohl Hartl ein bisschen zu leidenschaftlich geworden zu sein, jedenfalls steht Hartl nach dem Frühstück und vor der Abreibunger mit einem Mal im Fokus ihres Interesses und sie liest ihm die Leviten, was der Spargeltarzan aber wohl nicht gelten lassen will und Widerworte gibt, worauf aus den Leviten eine Abreibung wird. Fianna bringt ihm die Anstandsregeln derer vom Bairischen Blues nachdrücklich bei. Als er endlich ihren Fängen entkommen und unter dem Küchenblock davongekommen zu sein glaubt, erwartet sie ihn an der anderen Seite des Küchenblocks, nimmt ihn in Empfang und schenkt ihm noch eine ein. Das war's. Sie leckt ihm die Nase, beendet den Benimmuntericht, und Hartl trollt sich heftig grummelnd in den Transit. Doofe Mama! Wir können Hartl verstehen, mehr noch sind wir von Fiannas pädagogischen Maßnahmen begeistert; sie ist herzensgut und jederzeit für ihre Kinder da, aber auf der Nase lässt sie sich nicht herumtanzen. Da fällt der Watschenbaum um.
Fianna im Kreise ihrer LiebenEs besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass Hartls Unmut gar nicht so sehr gegen seine Mama gerichtet ist, sondern gegen seine Geschwister, die ihn durchs Feuer gehen ließen und weiter ihren Vergnügungen nachgingen, den neuen Bälledom umstürzten und die Bälle unter Begeisterungsstürmen durch die ganze Küche trieben. Das setzt dem Stolz eines jungen Helden mächtig zu.
Von der Waage lesen wir ab, dass wir nun etwas mehr für die Hallodris tun können, weil Fianna zwar noch ihren Leib spendet, aber den Bedürfnissen ihrer Schar nicht mehr Herr wird. Das müssen wir ausgleichen. 1560 g Zunahme bedeutet einen Zuwachs im Schnitt von knapp 142 g. Von diesen 1560 g hat allein Hubsi 200 g für sich abgezwackt, was ihm zwar keine Positionsverbesserung beschert, aber ein wohliges Gefühl im Bauch (2570, 11. Platz). 190 g Hias auf der Waagegriff Hallodri, der es am wenigsten nötig hat, ab (3480, 1. Platz). Und zwischen diesen beiden deutlich vom Feld Abgesetzten tobt ein zäher Positionskampf auf einem Schlachtfeld von 210 g Unterschied: 2. Hugo 3100 (+100, Platz behauptet), 3. Hetty 3060 (+120, Platz behauptet), 4. Hakuna 3030 (+130, einen Platz rauf), 5. Hobo 3010 (+80, einen Platz runter), 6. Hartl 2960 (+170, hoch von 8), 7. Hedda 2940 (+100, eins runter), 8. Halina 2920 (+120, eins runter), 9. Hias 2910 (+180, trotz Gewaltleistung hängen geblieben), 10. Harpo 2890 (+170, dito). Man sieht: Es geht zäh voran, selbst wenn man bereit ist, sich den Magen zu verrenken.
Diesen Bedingungen nun Rechnung tragend, füttern wir ab heute vier Mal, um die größeren Mengen besser verteilen zu können. Heute gibt es beispielsweise morgens pro Welpe etwa 75 ml Welpenmilch, am späten Vormittag 40 g eingeweichtes und püriertes Trockenfutter, nachmittags 40 g Fleisch (heute rohes und gewolftes Rinderherz plus gekochten Karotten) und abends wieder 40 g Trockenfutter.
Dazu fallen schon mal verschiedene Sorten Knabberstangen ab, die ein sehr positives Echo auslösen und auf die sie sich stürzen, als hätten sie heute noch darben müssen. Die Mehrzahl der Hetty mit Knabberstange im TransitKnabberer müssen sich unermüdlich gegen ihre Geschwister und vor allem gegen ihre Mutter zur Wehr und durchsetzen. Nur Hetty zeigt wieder einmal keine Neigung zum Teilen, Altruismus ist in Nahrungsangelegenheiten ihre Sache nicht, und schafft es, mit ihrer Stange unbemerkt im Transit zu verschwinden und das Stäbchen unter Ausschluss der neidischen Öffentlichkeit zu verarbeiten. Doch selbst als sie entdeckt und zur Herausgabe der Beute aufgefordert wird, leistet sie erfolgreich Widerstand und schlägt den hungrigen Mob in die Flucht. Irgendwo muss ja der 3. Platz im Ranking seine Ursache haben.
Harpo mag Leberwurst aus der TubeHeute gibt es sogar Geflügelleberwurst aus der Tube, die ein einfühlsamer Besucher spendet, und die offenbar so mundet, dass sie dafür sogar übers Wasser gehen würden; Harpo jedenfalls hat den aufrechten Gang ins Repertoire aufgenommen, um an das Tuben-Manna zu kommen. Da sind wir mal gespannt, wie sich diese Kalorienorgie morgen in der Tabelle auswirken wird.
Wir geben auch gerne zu, dass wir gelegentlich Leckereien vor die Perlen werfen, um auch mal ein Foto schießen zu können, was mit jedem Tag schwieriger wird, vor allem wenn wir ohne Besucher mit den Hallodris alleine sind. Es soll ja Leute geben mag, die glauben, dass ihre Welpen Rampensäue sind, die keiner Kamera aus dem Weg gehen können, doch das ist natürlich eine Legende. Tatsächlich stürzen sie sich auf alles, was vor ihnen in die Hocke geht und ihnen in ihrer Vorstellungswelt einen Antrag auf ein fröhliches Spielchen macht – auf ihn mit Gebrüll. Und schon hängen sie an uns, zerren an den Hosen und den Fersen und den Zehen, am liebsten aber am Kameragurt. Beste Bedingungen für authentisches und herzergreifendes Bildmaterial. Man kann in dieser Situation vermutlich erstklassige Panoramafotos vom Garten machen, auf denen aber dummerweise kein Welpe zu sehen ist.
Abends werfen wir noch einmal einen Blick aus dem Fenster und einen in die Bauernregeln: ganztägig Grauwetter. Und was sagen die Weisen aus dem Bauernland dazu? "Ist St. Vinzenz Sonnenschein, gibt es vielen guten Wein." Macht ja nichts, trinken wir eben Bier. Schaurig schön ist allerdings der zweite Losspruch, der eher nach einer Geheimlosung von WikiLeaks klingt: "Wenn St. Vinzenz tritt in die Hall', so bringt er uns die Nachtigall." Geht's noch?
Donnerstag, 6. April 2017
Der Tag beginnt bedeckt und frisch und windig bei 4° C. Sehr viel wärmer wird es heute auch nicht mehr, obwohl sich die Wolken auflockern und auch der Sonne Platz machen, damit sie ein paar Lichtpfeile verschicken kann.
Der Blick auf die Gewichtstabelle bestätigt die Binse, dass die Reichen immer reicher werden und die Fetten immer fetter. Hugo, der bislang Zweitplatzierte will offenbar nach ganz oben und macht Hallodri eine Kampfansage: 250 g. Das bringt ihn mit 3350 Gramm näher an Hallodri ran, aber nicht auf Griffweite. Der kontert nämlich lässig mit 230 g, die ihm mit 3710 Gramm noch genügend Raum lassen, eine Diätrunde einzulegen, wenn ihm einmal danach sein Hedda hätte noch gerne einen Nachschlagsollte. Danach sieht es jedoch nicht aus. Aber auch Harpo hat seinen Anspruch auf einen Platz unter den Zelebritäten angemeldet: ebenfalls 230 g. Mit den erwirtschafteten 3120 Gramm rückt er vom vorletzten Platz auf den 6. Platz vor, den er mit Hedda teilt, die mit 180 g Zuwachs in die Registratur kommt. Ein zäher Kämpfer an der Gewichtsfront ist Hobo, der mit 190 g wieder einmal bei den Top-Anlegern ist; 3200 Gramm lassen ihn von fünf auf vier vorrücken. In diesem eng gepackten Mittelfeld hat Hetty alle Kiefer voll zu tun, um sie Hobo mit Müh und Not und 170 g vom Leib zu halten: Mit 170 g kann sie gerade noch 30 g zwischen Hobo und ihrem 3. Hubsi auf der WaagePlatz puffern. Weil Harpo einen so kräftigen Satz nach vorne gemacht hat, lassen Halinas 180 g sie mit 3100 Gramm um einen Rang auf neun abrutschen. Das gleiche gilt für Hakuna; 160 g sind eine feine Tagesleistung, aber Hobos Kraftakt schickt sie um einen Platz nach unten (5. Platz, 3190). Auch Hartl hat das Nachsehen: 150 g ergeben 3110 Gramm und den 8. Platz, zwei Plätze weiter unten, weil Hedda und Harpo aus seinem Windschatten vorbeigezogen sind. Für Hias gilt, dass 100 g Zuwachs in der aktuellen Boom-Lage einfach zu wenig sind; dann findet man sich mit 3010 Gramm auf dem Vor-Hubsi-Platz wieder. Und Hubsi muss wirklich mehr tun als die seriösen 140 g, wenn er die Prophezeiung seines Vizes nicht ins Reich der Legenden befördern will: 2710 Gramm, das sind noch immer 300 g hinter Hias und eine Menge Verdauarbeit, wenn er ihn überholen will.
Manchmal fragt man sich als Züchter, warum man sich das alles antut, die Dauerüberschwemmung der Küche, die Tretminen, die von keiner UN-Menschenrechtskonvention geächtet werden, der Gestank, der durchs Haus wabert, das Schlafdefizit und die Sorgen, ob alles gutgeht und wir das Zauberpack nach acht Wochen auch vollzählig an den Mann und die Frau bringen – und dann kommt so ein kleiner Hugo daher und liefert die Antwort darauf: Es sind die täglichen Perlen, die uns die Hallodris liefern und ihre Vorgänger geliefert haben, es sind die Schmonzetten und die Schlaglichter auf ein stilles Glück, auf einen kleinen Geniestreich und ein unerwartetes Husarenstück. Heute dürfen wir Hugos Morning-Show erleben und davon berichten.
Nach dem Morgenappell im Garten (Spielen, Futtern, Wiegen, Toben) holen wir die Bande wieder ins Haus, weil es unangenehm frisch und windig ist. Nach einigen kleinen Undichtigkeiten, die draußen nicht mehr zu erledigen waren, versinken alle in den zweiten Schlaf. Alle, außer Hugo. Hugo ist munter und tatendrängig und nach Kasernierung steht ihm der Sinn ganz und gar nicht. Deshalb beschließt er, unser Frühstück mit wohlgesetzten Gesangseinlagen zu bereichern. Hugo singt. Hugo jodelt. Hugo durchschreitet alle Belcanti von Caballé bis Gabalier, streut auch mal einen Westernhagen ein und versucht uns am Ende sogar mit der neuen deutschen Weinerlichkeit eines Tim Bentzko zu beeindrucken (Ich bin doch keine Maschine. Heul). Hugo mixt das alles am Sperrgitter zu eine neuartigen Cover-Version des Gefangenenchors aus Nabucco. Wir frühstücken und stellen das Radio lauter. Hugo passt sich der neuen Gefechtslage an und dreht auch auf. Die Geschwister schlafen. Weil wir unter dem akustischen Dauerbeschuss heute besonders emotionslos und zügig unser Frühstück hinter uns gebracht haben, holt sich die Chefin die vierbeinige Klagemauer an den Frühstückstisch, den er nun mit gespannter und stummer Freude abwandert und inspiziert (Hugos Zukünftigen gestehen wir ohne schlechtes Gewissen, dass er ein Stückchen Wurst bekommen hat, weil wir uns momentan selbst die Nächsten sind). Hugo scheint glücklich zu sein, was die Chefin zu der Hoffnung veranlasst, ihn wieder zu seinen Geschwistern entlassen zu können. Doch Hugo ist mit dieser Welt und diesem Morgen noch nicht fertig. Nun stimmt er ein Solo an, dass irgendwo zwischen Schimpanse und Pfau angesiedelt werden muss, ein Glissando aus spitzen Krakeelschreien und einem verzweifelten Keckern. Dazu zerrt er am Sperrgitter wie einst Schröder, der ins Kanzleramt wollte. Das klingt und wirkt nun so endzeitlich bedrohlich, dass die Chefin den Sterbenden dem Vize ans Herz legt, weil der gerade an einem Beuteltee mit der Bezeichnung "Innere Ruhe" nippt, was, wie sie meint, bei günstigen Bedingungen auf den Leidenden überspringen könnte. Der Vize reduziert mit dem pumpenden Hugo an der Brust seinen Herzschlag auf die Frequenz eines Blauwals, damit seine innere Ruhe zur äußersten Ruhe von Hugo werden möge. Der strebt jedoch wieder zum Tisch und weg vom pulsenden Herzen. Hugo ist auch mit dem Frühstückstisch noch nicht fertig, vor allem vom Latte-Schaum hat er noch nicht genascht, was schleunigst nachzuholen ist. Also reißt er sich los und nascht vom Schaum und wieselt wie ein Haustroll über den Tisch. Das ist zu viel für des Vizes innere Ruhe, worauf er den Pumuckl wieder in die Küche setzt. Es scheint die richtige Maßnahme zu sein, denn es tritt eine seltsame und irgendwie gespannte Ruhe ein, die das Blues-Personal mit gedämpftem Plaudern und Zeitungsrascheln füllt. Und dann erhebt sich ein neuerliches Glissando, ein Jubelgeheul, eine Triumphfanfare – allerdings nicht aus der Küche, sondern aus dem Transit. Und dort sitzt er, der kleine gelbe Arsch, und jauchzt und jubelt, weil er es geschafft hat, eine weiche Stelle der Sperre auszubaldowern, das Möbel beiseite und uns ein paar Meter näher auf die Pelle zu rücken. Nun ist er aber irgendwie alleine, keine Geschwister, kein relaxierendes Herz, alleine im unbelebten Niemandsland des Blues und weint gar jämmerlich. Die Einsamkeit des Herzens treibt ihm das Wasser in die Augen. Der Vize kann das Elend nicht mehr mit ansehen und schmeißt den Jammerlappen in den Garten, wo er sich in sein riesiges Bett rollt und Sekunden später tiefenentspannter ist als der Vize mit seinem Beuteltee und dem Wal-Trick jemals sein kann. Dafür züchtet man. Für solche unvergesslichen Moment, die man noch Jahre später erzählt und die den vergreisenden Gesichtern Lachfalten schenken.
Nachmittags setzt Hakuna ein Glanzlicht, weil sie voller Begeisterung mit Mamas viel zu großem Ball am viel zu langen Strick durch den Garten wieselt, mit der kugelrunden Materie kämpft, mehr stolpert als wieselt, aber es immer wieder schafft, ihren missgünstigen Geschwistern ein Schnippchen zu schlagen und ihnen mit ihrer Beute zu entkommen. Sogar Mama ist so berührt von dem Zauberstück ihrer Tochter, dass sie sie mitsamt ihrer Beute stellt, auf den Rücken dreht und ihr das Bäuchlein massiert und ausstreicht. Und Hakuna liegt wie ein Maikäfer auf dem Rücken und zappelt vor Vergnügen. So sehen sie aus, die Bausteine des Züchterglücks.
Und dann geht es an diesem Tag auch noch weiter. Die Kreißsaal-Hospitantin Alexandra spendiert den Hallodris einen Weihnachtselch, so ein Ungetüm, das, wenn man es an der richtigen Stelle zwickt, herumhüpft, ho-ho-ho sagt Hobo mit dem Ho-Hound dreckig lacht. Der Rotnasenrudi wird sofort umlagert und mit äußerstem Interesse begutachtet, allerdings nicht sehr lange, weil die Aufmerksamkeit von Kindern sehr kurzlebig ist und die Hallodris bayerisches Blut führen und von degeneriertem Weihnachtsviehzeug nur schwer in Wallung gebracht werden. Da geht es ihnen wie ihrem Vize. Ein rechter Krampus – immer herzlich willkommen, aber ein Ho-Ho mit Säufernase? Da braucht er nur zum Wirt gehen, da sieht er die Figuren das ganze Jahr. Hetty allerdings scheint dem Ho-Ho auf die Schliche kommen zu wollen und bearbeitet ihn so lange, bis er auf ihr Kommando ho-ho sagt und lacht. Und dann probiert sie es wieder. und wieder. Nach ein paar Minuten weiß sie, an welcher Stelle, nämlich an der linken Hand, der Cola-Wichtel in Betrieb gesetzt werden kann. Und das begeistert sie so, dass wir ihr zu unseren Seelenrettung den Ho-Ho-Kasper wegnehmen müssen, um nicht reif für die Insel zu werden. Was für eine Leistung von Hetty, die es geschafft hat, das Geheimnis des Ho-Hos zu knacken. Dafür erdulden wir sogar dessen lärmende Fröhlichkeit ohne Widerspruch. Wenigstens für kurze Zeit.
Die Nacht ist kurz, aber das Glück, das unser dieser Tag gespendet hat, wiegt den Schlafmangel locker auf. Wenigstens für kurze Zeit.
Freitag, 7. April 2017
Es ist heute Morgen recht kühl, um 7° C, wolkig und windig. Das hält sich so den ganzen Tag, auch mit etwas Sonne, aber alles in allem haben wir heute ein sehr angenehmes Welpenwetter, das die Hallodris aktiv macht und nicht den Schatten aufsuchen lässt.
Und so kann man morgens schon die ersten quietschfidelen Rufe durch den Garten schallen hören, die sich inzwischen schon wie richtiges Bellen anhören. Es geht voran mit den Hallodris, auch stimmlich, was uns gute Laune macht, aber morgens um sechs unter Berücksichtigung der Nachbarschaft zum Schweigen gebracht werden muss. Dann muss eben alles weg, worum man sich balgen und anmaulen kann, tabula rasa bis auf Weiteres.
Beim Wiegen ist sowieso meist andächtige Stillen, einerseits weil die Chefin ein bisschen "Vogelfutter" verteilt, damit die Bande beschäftigt ist, andererseits, weil alle gespannt sind, was der andere zu bieten hat. Langweilig ist es immer, wenn Hallodri oder Hubsi in den Wiegestand gehoben werden. Wen interessiert es schon, ob Hallodri 100, 200 oder auch 300 g zugenommen hat? Das löst ein müdes Gähnen aus. Ebenso ergeht es Hubsi, der immer einsam seine Wiegeprozedur absolvieren muss, weil selbst seine Geschwister nicht mehr an einen Scoop glauben. Dabei geben die beiden sich heute nicht viel. Hallodri liefert 150 g (3860) und zieht weiter seine Kreise. Hubsi schafft immerhin 140 g und bleibt erwartungsgemäß mit 2850 Gramm das Schlusslicht. Ein Kilogramm liegt zwischen den beiden und es ist zu vermuten, dass sich dieser Abstand noch vergrößern wird. Viel spannender ist die Frage nach den Positionsrangeleien zwischen Hallodri und Hubsi. Und hier ergibt sich, dass Hugo seinen 2. Platz und Hias seinen vorletzten Platz verteidigt hat, beide mit je 120 g plus. Für Hugo errechnen sich somit 3470 Gramm und für Hias 3130. Hartl kann auch keine Begeisterung auslösen, weil er gerade auf seinem 8. Platz hockt wie ein verstockter Altbauer auf seinem Erbhof (3240, +130). Die anderen haben jedoch die Tabelle ein bisschen in Bewegung gebracht. Hakuna beispielsweise Hubsimit 220 g. Das lässt sie mit 3410 Gramm von fünf auf drei rücken. Hetty (3380) und Hobo (3350) hat sie damit nach unten, auf den 4. und 5. Platz durchgereicht, die beide gerade mal 150 g zustande brachten. Halina dagegen hat Hedda und Harpo weggevespert. 210 g bringen ihr den 6. Platz, das ist ein Aufstieg um drei Plätze. Hedda rutscht mit 150 g (3270) um einen auf den 7. Platz und Harpo verschlechtert sich gleich um zwei Plätze auf neun (3220, +100). Wir sind richtig gespannt, ob sich eine(r) noch zu einem Solo aufraffen kann, so richtig Schwung in die Bude bringt und den anderen den Schweiß auf die Stirn treibt.
Hobo bringt den Lavendel in FormWegen des famosen Welpenwetters sind die Hallodris heute vom Frühstück bis gegen zwanzig Uhr durchgängig im Freien. Dabei kennen sie kaum Ruhepausen; einer oder eine hat immer etwas zu schaffen oder zu erledigen, z. B. die Minze kurz halten, den Lavendel in Form bringen oder die Buchshecke untergraben. Komplette Ruhe gibt es heute kaum und wir fragen uns, wann die todmüde umfallen? Wir versuchen diesen Prozess zu Hakunaprovozieren, indem wir ihnen den Kettengalgen und das Federbrett in ihr Paradies stellen, aber auch damit werden sie schnell fertig, integrieren sie in ihr Leben und gehen weiterhin ihren Geschäften nach. Der Kettengalgen ist ein einfaches Gestell, von dem Ketten herabhängen, durch die sie laufen sollen, ohne sich zu scheuen. Da scheut aber keiner und keine; sie packen sich die Ketten und versuchen, die Der Kettengalgenganze Apparatur durch den Garten zu zerren. Das Federbrett ist eine Sandwichkonstruktion von zwei stabilen Bodenbrettern, die durch Bettfedern verbunden sind. Wer auf das Federbrett tritt, kommt sich augenblicklich schwer betrunken vor, weil das Ding nach allen Seiten nachgibt und schaukelt. Aber auch davon sind die Hallodris nicht sonderlich beeindruckt, sondern probieren es aus und legen es zu den Akten. Dann gehört dieser Taumler eben auch dazu, steht halt ein bisschen im Weg, aber dann rennt man eben drüber; was soll der Das FederbrettKinderkram? Im Grunde finden sie Alexandras Erlebnistunnel mit den vielen Fäden bedeutend interessanter. In dem geht die Party ab. Auch der Ho-Ho kommt wieder ins Spiel und wird mit Leidenschaft niedergemetzelt. Geschieht ihm recht. Ganz zum Schluss gibt Hedda noch eine Kostprobe von einem professionellen Beutespiel mit einem Ball, den sie sich immer wieder greift, ihn schüttelt, fortschleudert und ihm konsequent wieder nachsetzt, kontert, wenn man mit ihr daran zerrt, nicht nachgibt bis ihr offenbar die Nackenmuskeln schmerzen: Der Zwerg hat eine klare Positionierung zu Mein und Dein und den nötigen Willen, diese Meinung durchzusetzen. Aber nicht nur Hedda überzeugt mit diesem Spiel: Generell wird das Spiel jetzt ausdauernder, intensiver und tiefer und hat die Phase des kurzen Anspielens und wieder Vergessens hinter sich gelassen. Den Besuchern bieten die Hallodris heute eine große Show und schicken sie mit einem glücklichen Gesichtsausdruck wieder nach Hause; sie wissen, was sich gehört und verstehen etwas von Marketing.
FiannaUndHedda tankt nach Fianna? Macht einfach mit, ist immer zwischendrin und mittenmang dabei, versäumt es aber auch nicht, ihren Mutterpflichten nachzukommen. Immer wieder versammelt sie die Bande unter ihrem Bauch, dreht dann irgendeinen Kandidaten auf den Rücken, pflegt ihn sorgfältig, ohne eine Widerrede zuzulassen und entlässt ihn wieder zu seinen Geschwistern. Was für eine großartige Mutter! Wenn wir sie nicht in ihrer Brutpflege stören müssten, könnten wir sie den ganzen Tag umärmeln. Wir sind mindestens so verzückt und verzaubert wie unsere Gäste, mit einem Unterschied: Wir haben sie alle den ganzen Tag und die ganze Nacht und nicht nur mit ihren Zaubereien, sondern auch mit ihren Schweinereien. Aber das Glück ist doppelwandig.
Samstag, 8. April 2017
Der 8. April des Jahres 2017 besticht durch seine Bedeutungslosigkeit, ein Tag ohne Eigenschaften.
Er beginnt draußen vor der Tür mit Temperaturen knapp über 0° C und schwingt sich zu einem wolkenlosen Frühlingstag mit bis zu 15° C auf. Darüber kann man sich freuen, vor allem, wenn für abends die Grillpremiere des Jahres 2017 in kleinem Kreis geplant ist. Wenn man den Lossprüchen des heutigen Tages folgt, könnte die Begeisterung etwas kleinmütiger ausfallen: "Wenn`s viel regnet am Amantiustag, ein dürrer Sommer folgen mag." Gegenprobe: "Ist's um Amandus schön, wird der Sommer keine Dürre seh'n." Das kann nur heißen, dass wir einen feuchtfröhlichen Sommer zu erwarten haben. Trost spendet der Blick auf frühere Lostage, die uns das Gegenteil prophezeien. Der Realitätscheck erfolgt dann etwa Ende Oktober.
Die Gewichte sind ebenso eigenschaftslos wie der ganze Tag, nur Hetty hat das Programm nicht verstanden und 250 g zugelegt, was ihr die anderen Schnarchnasen übelnehmen. Aber so verhalten sich skrupellose Karrieristen, halten sich an keine Abmachung und nutzen die Zurückhaltung der anderen zum eigenen schändlichen Vorteil. Hetty trägt diese Unsolidarität nach vielen Tagen wieder den zweiten Platz ein. Wie sehr sich dagegen die anderen an die geheime Abmachung gehalten haben, kann man an der Fettbilanz ablesen: 1510 g. Völlig ambitions- und lustlos. Geradezu Arbeitsverweigerung.
HalinaDie Bilanz: 1. Hallodri 4030 (+170). Man kommt nicht umhin zu erwähnen, dass Hallodri damit als erster Achtpfünder geführt werden muss, was auch niemand überrascht. 2. Hetty 3630 (+250), 3. Hugo 3580 (+110), 4. Hakuna 3570 (+160), 5. Hobo 3530 (+180), 6. Hartl 3410 (+170), 7. Halina (+60) und Hedda (+100), beide 3370, 9. Harpo 3300 (+80), 10. Hias 3280 (+150), 11. Hubsi 2930 (+80).
Der Versuch, Hallodris Flucht nach vorne durch eine vegane Ernährung zu stoppen, indem wir ihn wie einen Papagei aus der Hand mit Banane stopfen, schlägt fehl, weil auch Hartl und Hias Gefallen an dieser Leckerei finden, und durch ihre Begeisterung sogar ihre Mutter anlocken, die ihnen den ganzen Bananenrest wegfrisst, obwohl sie sonst nie auf Banane steht. Wir stellen den Versuch ein, um keine unabsehbaren Kolateralschäden zu provozieren.
Und dann, im Laufe des Vormittags, bekommt Hedda Durchfall. An den Bananen kann es nicht liegen, denn sie hatte keine. Sie ist ziemlich schlapp. Wir verabreichen ihr Oral Pädon für den Elektrolyt-Haushalt, vermischt mit aufgelösten Kohlekompretten. Nachmittags macht sie wieder mit und ist wieder wohlauf. Wir sind gespannt, ob sie ein Einzelfall bleiben wird oder andere mit hineinzieht. Wir wetten auf das Zweite.
Der Grill spendet uns abends nicht nur die Energie für den nächsten Tag, sondern auch Wärme, die diesem Tag nun ausgeht wie dem angepieksten Luftballon die Luft.
Sonntag, 9. April 2017
Geht doch, möchte man den Hallodris zurufen, wenn man sich die Zahlen der Waage auf der Zunge zergehen lässt wie ein Stückchen Gänseleber: 2830 g. Wir wiederholen in Ziffern: 2-8-3-0, das gab es noch nie bei diesen H-Benichtsen. Nur Heddalein, die Durchgefallene, fällt mit einer glatten Nullnummer aus dem Rahmen und noch einmal durch. Doch das war vorherzusehen. Wenn nichts drin bleibt, kann auch nichts anschlagen. Wenn aber die anderen zehn 2830 g zulegen, also jede(r) im Schnitt 283 g, lässt sich ahnen, wo sich Hedda heute wiederfindet: auf dem Vor-Hubsi-Platz, Rang 10 und weiterhin 3370 Gramm. Aber auch der Zaunkönig Hubsi lässt keine Hoffnung auf einen Wettsieg des Vize keimen, man könnte meinen, er boykottiere diesen geradezu mit seinen untergärigen 70 g. Oder ist er einfach nur ein Zahlenfetischist, der es darauf anlegt, ein Ziel auf den Punkt anzusteuern? Mit seinen 70 g erreicht Hubsi nämlich exakt die 3000 Gramm und darf sich nun Sechspfünder nennen. Wir sind längst davon überzeugt, dass in diesem Perkeo vom Bairischen Blues ein schelmisches Naturtalent schlummert. Die nächste Messgröße darf, an heutigen Maßstäben gemessen, auch noch als bescheiden bewertet werden: 160 g. Doch irgendwie kann man sich manchmal einer kleinkarierten Schadenfreude nicht so recht enthalten, wenn ein solcher Mikrozensus ausgerechnet die gestrige Durchstecherin Hetty trifft. Sie hat wohl in einer gewissen Selbstverliebtheit vor sich hin gemampft und nicht gemerkt, was die Geschwister um sie herum abgesprochen haben: Retourkutsche. Und die ist auf ganzer Linie geglückt. Die 160 g bringen Hetty mit 3790 Gramm vom 2. auf den 5. Platz. Wer Hetty kennt, weiß dass es sie richtig wurmt und nicht ruhen lassen wird. Doch nun geht es ambitioniert weiter. Hobo und Hugo liefern jeweils 270 g. Für Hugo bedeutet das weiterhin den 3. Platz mit 3850 Gramm, Hobo sortiert sich mit 3800 Gramm direkt hinter ihm ein. 300 g meldet Hakuna. Da sie gestern nur 10 g hinter Hugo rangierte und Hetty einen Einbruch hatte, klettert Hakuna mit diesem Ergebnis und 3870 Gramm auf den Reservemeisterplatz zwei. Fußball-Liebhaber wissen, wie schwer es ist ganz unten raus zu kommen, wenn die davor nicht schlafen. So geht es Hias. Mit 320 g hat er sich wahrlich nichts vorzuwerfen, aber die erwirtschafteten 3600 Gramm nageln ihn stabil auf dem 9. Platz fest. Halina geht es wie ihm. 330 g bringen sie auch nicht wirklich voran: 3700 Gramm und 7. Platz, wie gehabt. Über Hallodri müssen wir auch reden, weil es sich verbietet, Himmelsstürmer zu ignorieren, nur weil ihre Flugbahn vorhersehbar und damit in gewisser Weise langweilig ist. Hallodri geht mit 350 g plus aus dem Rennen, was ihn auf 4380 Gramm trägt und den Abstand auf Hakuna, die Zweitplatzierte, auf 550 g anwachsen lässt. Hartl bringt 360 g mehr auf die Waage und bestätigt damit seinen 6. Platz. Der Schlussakkord bleibt heute Harpo vorbehalten: 400 g! Und es ist schon bitter, dass man mit fast einem Pfund mehr nur um einen Platz vorrückt. So teilt er sich jetzt mit Halina den 7. Platz (3700). Unsere Vermutung, dass die Bananenspeise von gestern wegen des Kohlehydratschubs messbare Auswirkungen haben müsste, gibt diese Tabelle nicht her; Hallodri Leistung lassen keine bananische Herkunft erkennen, Hartl und Hias liefern zwar für ihre Verhältnisse starke Ergebnisse, fallen aber nicht komplett aus dem Rahmen. Und der Knapp-Pfünder Harpo wurde an der Banane überhaupt nicht gesichtet. Es lohnt also nicht, der Banane eine Art segensreicher Wirkung unterstellen zu wollen.
GHias macht sich ein Bettanz und gar nicht segensreich ist der Durchfall, der nun Hubsi ereilt hat. Nach einer Hängepartie morgens und am Vormittag kommt er gegen Mittag wieder auf die Beine. Wir hatten schon recht vermutet, dass Hedda nicht die einzige bleiben wird, die uns Sorgen bereitet. Diese sechste Woche ist oft kritisch, weil die Welpen ihren Immunschutz anfänglich fast ausschließlich vom Kolostrum der Mutter in den ersten 24 Lebensstunden erhalten. In der Folge bauen sie nicht allzu viel mehr auf, aber die Wirkung des Kolostrums geht verloren, was um die sechste Woche zum Tragen kommt. Geimpft werden die Welpen aber erst am Ende der achten Woche; es entsteht also eine sogenannte Immunlücke. Wenn die Bedingungen für Keime günstig sind, wie jetzt gerade, wo wir mittags angenehme Frühlingstemperaturen haben, kann das schnell zu einem ernst zu nehmenden Befall der Welpen führen. Zwar sorgen wir mit Spiritus und Sagrotan dafür, dass sich möglichst wenig Keime ausbreiten können, aber Herr wird man ihnen nicht. Jetzt hat es also Hubsi erwischt und wieder freigegeben. Doch nun macht nachmittags Hetty schlapp, was wir schon befürchten mussten, weil sie schon bei der Vormittagsfütterung mit langen Zähnen im Futter herumnagte. Und das bei Hetty, die eigentlich etwas gut zu machen hätte. Und sie erwischt es voll, vor allem, weil sie das Oral Pädon und die Kohle nicht bei sich behält, und wir ihr den Durchfall nicht verkürzen und erleichtern können. Hetty muss sozusagen auf eigene Rechnung gegen den Virus antreten und sich deutlich länger quälen als Hedda und Hubsi. Irgendwann verzieht sie sich hinter den Bälledom in der Küche und leidet still vor sich hin. Und verschont unsere Küche dabei nicht. Irgendwann nachmittags zählt Fianna routinemäßig die Häupter ihrer Lieben und sieht, dass eines auf der Strecke geblieben. Sie geht suchen und findet Hetty hinter dem Bälledom. Nun wird dem Häufchen Elend der Po geputzt und das krampfende Bäuchlein massiert, dass es eine Wonne ist, und Hetty lässt es geschehen, weil es ihr offenbar guttut. Als am späten Nachmittag das Matze-Matze-Matze durch den Garten schallt, ist Hetty wieder bei ihren Geschwistern, bringt aber sehr zu ihrem Leidwesen noch immer keinen Bissen über die Lippen. Aber sie ist wieder auf den Beinen und auf dem Weg der Besserung. Dafür erleidet nun Hubsi einen Rückfall und schießt aus allen Rohren. Noch ist der Rest der Hallodris stabil, aber wie lange wir das halten können, wissen wir nicht. Eines ist schon heute klar: Ein Rekordergebnis wird die morgige Wiegeprozedur nicht liefern.
Hartl hat Besseres zu tunWir Hedda hat Spaß am Fot-Shootingnutzen den schönen Tag und machen noch einmal Portraitbilder der Hallodris. Wir erwischen dabei gerade den günstigen Augenblick zwischen Hettys Genesung und Hubsis Rückfall. Aber blass sehen die beiden dennoch aus. Von ganzer Gesundheit zeigen sich dagegen die anderen neun, die ihren bäuchlings im Gras liegenden Lichtbildner fast auffressen vor Begeisterung und Zuneigung: Die Chefin wird bei seinem Anblick fast so bleich wie Hetty und Hubsi zusammen, kann sich aber einer gewissen Varieté-Belustigung nicht enthalten, als sie sieht, wie ihm das Blut aus beiden Ohrläppchen und der Hetty ist wieder fitUnterlippe tropft. Das sieht gefährlich aus und ist der Preis, den man für die Aufzucht von vor Liebe und Zuneigung überschäumenden Herzgewächsen zu zahlen hat.
Sie sind eben irgendwie richtig gut drauf heute, haben nichts als Schabernack im Sinn und sind auf der Suche Hias, das Schlüsselkindnach der großen Showeinlage. Die gelingt letztlich Hias, der einen kompletten Schlüsselbund klaut und mit ihm unter großem Hallo und Helau durch den Garten peest und sich vor Begeisterung fast selbst überholt. Für Hias ist das nicht nur ein Paradestreich und Husarenstück, sondern gleichsam ein Schlüsselerlebnis, mit dem er sich die Herzen seiner in der Entscheidung wankelmütigen zukünftigen Napfbefüller im Handstreich erobert; jetzt hat er sie zur Entscheidung gezwungen. Strike!
Zur Neige dieses wolkenlosen Traumtags mit bis zu 17° C dürfen die Hallodris noch lange draußen bleiben und den zunehmend kühlen Abend auf der Terrasse genießen. Das ist keine reine Hallodri-Liebe, die uns dazu bewegt, sondern vor allem die Hoffnung, dass sie ihre Abendmahlzeit im Garten entsorgen mögen.
Und wir sitzen bei ihnen und werden immer trauriger, weil wir nichts hören, obwohl wir uns so konzentrieren. Der Kuckuck lebt nicht mehr! Jedenfalls, wenn wir dem heutigen Losspruch folgen: "Hört Waltraud nicht den Kuckuck schrei'n, dann muss er wohl erfroren sein". Waltraud hört ihn nicht, die Chefin hört ihn nicht und der Vize auch nicht. Dass so ein Tag so tragisch enden muss...
Montag, 10. April 2017
Um 5:40 Uhr beschließen die Hallodris, dass die Nacht nun vorbei ist. Das verursacht nur bescheidene Freude beim Personal, die sich allerdings rasch zu unverhohlener Freude aufschwingt, als sichtbar wird, dass die Küche nur ein sehr minimalistischer Augiasstall ist und die Maladen von gestern wieder mit der Musik marschieren. So gute Nachrichten kann man gar nicht früh genug bekommen, zumal sie sich im ersten Fall mit jeder verstrichenen Minute verschlechtern würde.
Dieser Morgen strahlt uns mit 3° C aus allen Himmelsrichtungen an. Nachmittags bringt es der Tag auf 22° C, wird dann aber etwas schwül und droht, uns ein Gewitter zu schicken. Windig ist es schon mal, ein wenig Regen wird mitgeliefert, aber dann ist plötzlich wieder alles in trockenen Tüchern, und um 23 Uhr registrieren wir immer noch 13° C.
Wie vermutet kamen Hetty und Hubsi gestern in der Kalorienstatistik mit einem blauen Auge davon, mussten aber keine Federn lassen. Die Null steht bei den beiden. Die anderen haben sich mit 1620 g nicht schlecht geschlagen, denn ein weiteres Kracherergebnis in Folge war auch nicht zu erwarten. Außer dass Hetty vom 5. auf den 8. Platz gerutscht ist, hat sich nicht viel ereignet; hinter Hubsi geht es sowieso nicht mehr weiter.
1. Hallodri (4490, +110), 2. Hugo (4140, +290), 3. Hakuna (4060, +190), 4. Hobo (4010, +210), 5. Hartl (3900, +130), 6. Harpo (3880, +180), 7. Halina (3810, +110), 8. Hetty (3790, 0), 9. Hias (3740, +140), 10. Hedda (3630, +260; die hatte Nachholbedarf), 11. Hubsi (3000, 0).
Hetty und Hedda haben den KnochenMan Die Mama hat ein ganzes Schweinweiß ja, dass ein nahrhaftes Fleischsüppchen einen Kranken wieder auf die Beine stellt, und deshalb servieren wir den Hallodris heute einen kräftigen Kalbsknochen, der mindestens genauso gut ist und keine Sauerei verursacht wie ein gemeinsames Süppchen. Der Knochen erregt freudiges Aufsehen und ist sofort heiß begehrt und mindestens so umstritten. Besonders tun sich Hedda und Hetty in der Eroberung und Verteidigung des Knochens hervor, wohl weil sie um dessen segensreiche Wirkung wissen, und ein bisschen schwach sind sie ja schon noch auf den Beinen. Aber auch Hugo steht sein Männchen, baut sich zu voller Stärke auf und geht auch einem Handgemenge mit Hallodri nicht aus dem Weg. Dem, so vermuten wir, ist so ein Knochen seit vorgestern nur noch randständig wichtig, seit er nämlich erfahren hat, dass er in Zukunft stolzer Wächter eines 10-Tonnen-Expeditionstrucks namens Hannibal sein darf und demzufolge noch jede Menge Knochen in der Wüste für ihn reserviert sind. Da steht man über so einem kümmerlichen Kalbsrelikt.
Hallodri lässt sich den Pansen schmeckenBeim ungewaschenen Lammpansen allerdings kann Hallodri nicht mehr widerstehen und setzt auf Teilhabe, weil er nicht sicher sein kann, ob die Wüstenbewohner den Pansen ihrer geschlachteten Lämmer für ihn reservieren oder doch lieber selber verschlingen. Also reiht er sich ins Pansenfestival ein, zerrt an dem Lappen herum, klaut sich durch die Reihen, steckt Prügel ein Hakuna bringt ihren Pansen in Sicherheitund teilt welche aus, ganz wie seine Geschwister, die alle mehr oder weniger davon überzeugt sind, dass die anderen das bessere Stück abbekommen haben. Doch schließlich hocken und liegen sie im Garten verteilt und sägen und zerren und wirken an dem Gummi herum, bis sie ihm Herr geworden sind oder die Mama es für sich beansprucht.
Die Chefin war von dem nur schwach exkrementierten Hallodrilager heute morgen so angetan, dass sie sich eine Fortsetzung morgen herbeisehnt. Und dafür soll der Vize garantieren, indem ihm aufgetragen wird, eine längere Nachtschicht einzulegen, um das zu beseitigen, was die Chefin morgens nicht mehr sehen will. Dem Häufchenanfall soll also die Spitze genommen werden. Die Hallodris lümmeln quer durch die ganze Küche, grunzen und wimmern im glücklichen Pansen- und Knochenschlaf, und der Vize treibt sein Wesen: Er hantiert herum, er räumt die Spülmaschine aus, er räumt sie Spülmaschine ein, er spült Gläser von Hand, er geht auf die Terrasse und trinkt ein Bier, kommt zurück, räumt um und auf und tut alles, um die Schar aufzutreiben und in Bewegung zu bringen und mit ihnen ihren Darm und ihre Blasen. Das Zeitopfer findet kein Gehör. Sie schlafen wie besoffene Freibeuter und denken nicht daran, ihm oder besser der Chefin einen Gefallen zu tun, nur drei erheben sich kurz, um zu pinkeln. Das ist es. Gegen ein Uhr gibt er auf und trollt sich zu seinen Damen. Er war bereit sich zu opfern. Mehr kann man im Sinne des häuslichen Friedens nicht leisten – und mehr kann er heute auch nicht mehr denken. Ende.
Dienstag, 11. April 2017
Grau ist der Morgen im Mangfalltal und verhangen bei 7° C.
Rosig sind die Bäckchen der Chefin, die nur fünf Häufchen in der Küche vorfindet und dies hoffentlich dem unermüdlichen Nachteinsatz des Vizes zuschreibt. Der ist noch immer elend müde von der Hundewache und denkt nicht daran, diesen Irrtum aufzuklären. Aber: Es war wohl der Pansen, der seine segensreiche Wirkung über die Hallodris und ihre Ziehmutter brachte; es gibt ja kaum Zuträglicheres für einen Hundedarm als naturbelassener Pansen.
HallodriUnd auch in der Ranzenbilanz hat der Pansen seine Schuldigkeit getan: 2040 g sprechen eine satte Sprache. Da sich gestern keine(r) den Pansen vom Brot nehmen lassen wollte und richtig zulangte, bringt der Spitzenwert von 270 g die wiedergenesene und wieder kampfbereite Hetty nicht mehr als einen Platz nach oben: 4060, 7. Platz. Sie hat mit Halina den Platz getauscht (3960). Auch Hobo und Hakuna haben den Platz getauscht. Hobo jetzt Dritter (4200), Hakuna Vierte (4160). Sonst ist nichts Erwähnenswertes passiert, außer dass Hubsi mit 230 g die zweitbeste Bilanz vorzuweisen und immer noch den letzten Platz warm hält. Die anderen Platzierungen im Schnelldurchlauf: 1. Hallodri (4700, +210), 2. Hugo (4290, +150), 5. Hartl (4110, +210), 6. Harpo (4070, +190), 9. Hias (3920, +180), 10. Hedda (3790, +160), 11. Hubsi (3230, +230).
Ist er jetzt platt? Heiß ich jetzt Grobo?Das Hakuna: "Mach ihn platt, mein großer Hobo!"Wetter entwickelt sich wieder zu einem idealen Welpenwetter, etwas wolkig und windig bei 13° C. Damit halten sich die Hallodris sowie ihre Besucher und Bewunderer den ganzen Tag im Garten auf. Das Leben aller scheint unbeschwerter nicht sein zu können, zumal die meisten derjenigen, die nicht nur als Bewunderer, sondern auch als Kindsentführer zu uns kommen, nun auch wissen, welchen der elf sie am 24. April entführen dürfen und wir einfach wegsehen, aber fürs Schweigen die Hand aufhalten. Ein Tag in unbeschwerter Leichtigkeit, dieser 11. April.
Hugo bezwingt den RinderpansenNach dem Lammpansen-Festival versuchen wir es heute mit original stinkendem Rinderpansen, der bei den Hallodris die gleiche Begeisterung auslöst wie das Lamm. Es ist beeindruckend, mit welcher Hartnäckigkeit, fast möchte man sagen Verbissenheit, sie an diesem zähen Lappen herumarbeiten, sägen und kauen, um sich Stückchen für Stückchen verschluckfertig zu machen. Wir achten sehr darauf, dass keine(r) ein zu großes Stück verschluckt, an dem er leicht auch ersticken könnte, wenn es nicht mehr vor- und rückwärts geht. Aber die Hallodris erledigen die Zerlegarbeit mit großer Akribie, nur Hubsi nimmt es mit einem Mordsbrocken auf, schluckt ihn runter und sieht hinterher um die Taille herum aus wie ein Sumo-Ringer.
HalinaAbends bekommt dann Hakuna Durchfall, dabei wirkt sie aber nicht reduziert wie die anderen vor ihr. Vermutlich ist die darmpflegerische Wirkung von zweimal Pansen binnen eines Tages doch ein bisschen mehr als zuträglich. Aber solange nicht mehr passiert als ein dünner Output und der Hund dabei quicklebendig bleibt, können wir damit gut leben.
Abends sitzen wir mit Freunden und Kindsentführern zusammen und schwelgen in einer großen Käseplatte mit dem besten aus Frankreich und der Schweiz. Vielleicht ist die Käseplatte auch ein stilles Symbol für unsere Gefühle zu Beginn der vorletzten Hallodri-Woche: Alles Käse.