I-Wurf

3. Woche (15.03. - 21. 03. 2017)

Mittwoch, 15. März 2017

"Lukretia feucht, bleiben die Kornsäcke leicht". Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, abgesehen davon ist Lukretia trocken, was den Kornsäcken entgegenkommen müsste – wenn da nicht dieser Gregorius gewesen wäre, an dem die Bauern hätten säen müssen, dafür aber nur Kuhdung versprüht haben. Mal sehen, wie die unfeuchte Lukretia das dennoch hinkriegt.

Nach zwei Wochen darf man schon mal eine erste Zwischenbilanz der Gewichtsrallye ziehen. Dabei kristallisiert sich Hallodri eindeutig als effektivster Futterverwerter heraus. Offenbar hat er auch den unwiderstehlichsten Zug in der Kehle, denn wenn man den kleinen Kerl nach einem Tankaufenthalt von oben betrachtet, sieht er aus wie ein Formel-1-Rennwagen mit seinen Kühlerbeulen in der Fahrzeugmitte oder als ob er ein Sherry-Fässchen quer geschluckt hätte. Gestern ließ er es etwas gemütlicher angehen und begnügte sich mit 30 g plus (1310). Immer noch, und zwar absolut unangefochten, hält Hakuna den zweiten Platz mit 1190 Gramm. Sie hat von Hallodri jenen Teil, den er üblicherweise für sich beansprucht, übernommen und 130 Gramm draufgelegt. Dritter der Speckrangliste und letzter Elfer des Elferrats ist Hobo mit 1100 Gramm und 80 g Zugewinn. Mit 1090 Gramm (+20) führt Hartl die Tausender-Gruppe an. Ihm folgen Halina (1080, +60), Hugo (1070, +70), Hetty (1060, 0) und Hias (1050, +50). Die Nachhut der sogenannten Utaus befehligt Harpo mit 980 Gramm (0), gefolgt von Hedda (930, 0) und dem fixen Hubsi (760, 0), der dieser Nullnummer-Truppe einen zünftigen Abschluss beschert.

Hallodri und HalinaHallodri und HalinaHeutHoboHobo hängt gern abe ist ein reges Kommen und Gehen beim Blues, das den Hallodris reichlich Gelegenheit gibt, sich in Szene zu setzen. Sie sind ja nun den ganzen Tag Freigänger und nutzen ihre Freiheit, den Besuchern zu zeigen, was sie schon draufhaben. Hallodri weiß, was er kann, klettern beispielsweise, und er ahnt offenbar auch, dass die Besucher ebenfalls über seine Fertigkeiten Bescheid wissen, weshalb er sich gerne von seiner Feldherrenseite zeigt und seine Kommandostimme ertönen lässt; Hallodri ist der Lautsprecher der Truppe. Dass der kleine Hubsi ein ziemlich Fixer ist, hat sich auch schon herumgesprochen, mit Kraft und Masse kann er eben keinen Staat machen, dafür mit Schläue und einem wachen Geist. Hedda und Halina gehören auch zur Abteilung "Geschick & Wendigkeit", sind schon gut auf den Beinen und oft dort, wo es die Rosinen abzugreifen gibt. Hias wiederum scheint das bayerische Erbe in sich zu tragen: erdverbunden, zufrieden und schwer aus der Ruhe zu bringen. Was für alle gilt: Sie verteilen ihre kleinen Darmwürmchen jetzt in der ganzen Küche. Herzerweichende Figuren bekommt man da zu sehen, wenn sie versuchen, einen Buckel zu machen, dabei mit den Hinterbeinchen wegrutschen und wie ein alter Putzlappen herumliegen. Es ist ein gewaltiger Entwicklungssprung, den sie soeben vollziehen, wenn sie nun immer häufiger versuchen ihre Stoffwechselendprodukte selbst zu entsorgen und nicht Mama so lange lecken zu lassen, bis Darm und Blase dem Reiz nicht widerstehen können und losbullern. Sie wollen es jetzt selbst hinbekommen, und den meisten gelingt es schon, wenn auch manchmal erst nach mehreren Anläufen mit HugoHugo braucht zum Denken Blut im Hirnlängeren Erholungsphasen dazwischen. Dieser Entwicklungsschritt bleibt natürlich nicht ohne Folgen für das Hauspersonal (in das die Besucher einbezogen werden): Putzen, wischen und waschen. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Fianna stetig mit wachem Blick unterwegs ist und wegschlabbert, was sie sieht und riecht. Und solange sie in der Nähe ist und ihrer Verpflichtung, das Nest und dessen Umgebung möglichst geruchsfrei zu halten, nachkommen kann, nehmen wir ihr diese Arbeit auch nicht ab; das ist Teil ihrer mütterlichen Aufgaben und soll nicht durch unser Einschreiten verschüttet werden. Wir können es abwarten, dass sie sich weigert, diesem Job nachzukommen; spätestens nach der ersten Entwurmung wird ihr Begeisterung für diese Form des Hausputzes deutlich nachlassen.

Abends müssen die Hallodris wieder in die Schnullerbox, was sie ohne Widerspruch geschehen lassen. Dann kommt Mama nochmal zu ihnen, reicht ihnen einen letzten Snack und dann sinken sie dahin, knisternd, krähend, gurrend und quietschend.

Viel Eindruck macht ein kurzes Video, das die Chefin in den Hallodri-Chat stellt, welches eine ranke und schlanke Mama Fianna zeigt: So kurz nach der Geburt und schon wieder so in Form! Was ihre Konstitution angeht, gibt es auch keine zwei Meinungen, sie ist einfach in bestechender Form und voller Energie. Die Körperformen sind aber ein bisschen gefaked (alternative Wahrheit), weil die Chefin unterschlägt, dass die Mutter nun bereits ihre Unterwolle abwirft, wie ein Vogel seine Federn in der Mauser. Der Vize meint, dass man unter diesen Umständen leicht einen schlanken Fuß präsentieren kann. Wenn er seine Kopfwolle verlöre, würde er vielleicht auch so markig elegant aussehen wie Yul Brynner und niemand würde geflissentlich unterschlagen, dass er eine Glatze hat. Eine Gazelle hat doch auch eine schlankere Silhouette als ein Moschusochse, oder?

 

Donnerstag, 16. März 2017

Mit einem knappen Minusgrad begrüßt uns der Donnerstagmorgen, freundlich ist er auch und noch immer nicht feucht. Da muss der Bauer auf die Gertrud hoffen, soll er nicht alle Hoffnung fahren lassen müssen. Nachmittags schwingt sich dieser Donnerstag bis zu 16° C auf und lässt die Frühlingsknospen in der Seele platzen.

HubsiHubsiDas Wiegetribunal des Morgens bestätigt den Eindruck, dass Fiannas neun Zapfstellen, von denen eine eher eine Tropfstelle ist, keine gleichmäßige Gewichtsentwicklung über alle Hallodris hinweg garantieren können. Das ist keine epochemachende Erkenntnis, wird aber mit dem Heranwachsen der Kundschaft deutlicher. Immer schaffen einige einen tiefen Schluck aus der Pulle, während andere mit dem Noagerl (Exobavarisch: Neige, Rest) vorlieb nehmen müssen. Gestern betrug der Profit über alle 430 Gramm, heute immerhin 540 Gramm. War gestern vor allem Hakuna die Profiteuse des Zapfhahn-Fightings, mit Abschlägen Hobo, Hugo und Halina, sind es heute Hias und Hedda, was belegt, dass die Hungerleider genug Ehrgeiz und Energie haben, sich durchzuboxen, bevor ihnen der Schnauf wegbleibt. Hedda ruhte sich gestern mit 930 Gramm noch auf dem vorletzten Platz aus und arbeitete sich nun nach einer Gewaltleistung von 140 g (1070) auf den drittletzten Platz vor; hängst du unten drin, hängst du eben unten drin. Hias raffte ebenfalls 140 g in sich hinein, was ihn allerdings wegen des kompakten Mittelfeldes spontan vom viertletzten auf den dritten Platz katapultierte. Mit 60 Gramm liegt auch Hetty noch auf jenem Leistungsniveau, das man unter den gegebenen Umständen gerade noch erwähnt. Bei den reduzierten Ansprüchen des gestrigen Tages reicht so etwas zu einem Sprung vom siebten auf den vierten Platz. Die anderen beten wir jetzt einfach herunter: Hakuna 40 g (1230, weiterhin 2. Platz), Halina 40 g (1120, 6. Platz), Harpo 40 g (1020, 10. Platz) und 30 g meldet Hobo (1130, 4. Platz). Zum Schluss memorieren wir die Magermilchtruppe: Wir verbuchen 20 g für Hallodri (1330, 1. Platz) und Hugo (1090, 8. Platz), 10 g für Hubsi (770, Rote Laterne) und eine glatte Nullnummer für Hartl (1090, 7. Platz). Da alle zusammen einen äußerst vitalen Eindruck machen und wir bei dem kleinen Hubsi geradezu froh sind, dass er nicht schwerer ist, weil er ein smartes Bäuchlein mit sich trägt, das nicht auf Auszehrung schließen lässt, haben wir keinen Grund, aktiv zu werden. Wir werden in den nächsten Tagen mit der Zufütterung beginnen, wenn die ersten Zähnchen durchbrechen, um Fianna dann zu entlasten. Uns ist auch wichtig, dass der Leckreflex der Welpen bereits aktiviert ist, weil wir sie nicht ohne Not mit Fläschchen füttern wollen, auch, um das Risiko einer Lungenentzündung zu umgehen, die schnell eintritt, wenn sich ein Zwerg verschluckt und etwas in die Lunge bekommt. Die Hallodris schwächeln nicht und sind bestens drauf, also haben auch wir keine Not in hektische Betriebsamkeit zu verfallen.

Die kurze Zeit zwischen der ersten Morgenspeisung und dem Wiegetribunal einerseits und dem unvermeidlichen Verdauungsschlaf gestalten sich die Hallodris nun immer aktiver selbst. Vor allem das angrenzende Wohnzimmer übt einen unwiderstehlichen Reiz aus und weckt den Forschergeist. In jedem Wurf gibt es die Existenzsicherer und die Adrenalinjunkies, die sich allerdings im Laufe ihres Aufenthalts bei uns immer wieder abwechseln; wer heute auf dem Adrenalintrip ist und die Polkappen inspizieren möchte, hockt morgen eingewickelt in einer Schafwolldecke in der Ofenecke und umgekehrt. Alle Welpen machen die Entwicklungsschritte nach ihrem ureigenen Fahrplan, für Hetty und FiannaHetty holt sich Mut bei ihrer Mama ...Hetty... und nimmt sich den Hocker vorCharakterprognosen taugen solche Beobachtungen in den meisten Fällen wenig. Heute sind es Halina, Hartl, Hias, Hakuna, Hubsi und Hedda, die ihre Kreise markant erweitern, die Küche durchstreifen und in den vorderen Teil des Wohnzimmers vordringen, immer kommunizierend, gackernd gickelnd, wobei ihre Rufe eher Positionsmeldungen sind als Alarmrufe. Hetty, der man von Anbeginn an kein Hasenherz attestieren kann, wagt sich gleich mal an eine sehr genaue Inspektion der Wohnzimmerlandschaft. Sie erledigt das mit sicherem Schritt, nicht kriechend und sichernd, nähert sich den Objekten offen, muss dann jedoch der unbekannten Bedrohung durch einen Polsterhocker Tribut zollen und Mama rufen, ein Ruf, der auch von Fianna nicht als Positionsmeldung eingestuft wird, weswegen sie umgehend herbeieilt, ihr Mut zuspricht, worauf Hetty, mit frischem Mut betankt, sich nun dem Objekt auf Kontakt nähert und sich an ihm aufrichtet – die erste Hallodra, die ihre Expedition in die dritte Dimension ausdehnt. Nachdem dieser Hocker nichts Spektakuläres hergibt, macht sie sich weiter auf den Weg, streicht herum, immer leise maunzend und kneisternd, nie aber verunsichert oder ängstlich. Erst als sie zwischen Sessel und Lautsprecherbox festsitzt, offensichtlich mit ihrem Erobererlatein am Ende, bringt sie der Vize zu zwei ihrer Geschwister, die Mamas bisher unberührtes Kuddebett im Wohnzimmer belagern. Dort kuscheln sie sich zusammen und vereinen sich im Schlaf und ihren Heldenträumen.

HakunaHakuna mit der KatzenschüsselFür die Gartenlaubenabenteurer bieten die leeren Katzenschüsselchen genug Anreize, der Welt neue Aspekte abzugewinnen: Edelstahl gehört bisher nicht zum Erfahrungsschatz, Geruch von Katzenfutter ebenso nicht und die Musik, die man den Schüsseln entlocken kann, ist auch aus unbekannten Sphären. Es gibt nichts in diesen Tagen, was für die Entwicklung der Knirpse nicht gut genug wäre; es muss nicht immer der erratische Hocker sein. Für Halina ist es der Separatistenplatz unter dem Küchenblock, der ihr Schutz bietet und den niemand ohne ihre Zustimmung betreten kann.

Dieser Entdeckertrieb der Hallodris setzt reichlich früh ein: Lange können wir nicht mehr warten, bis wir die Absperrungen zum Wohnzimmer aufbauen. Bei ihren Vorgängern mussten wir uns damit erst mit Beginn der vierten Woche auseinandersetzen.

Wenn sich der Tag zur Ruhe legt, wird der Rote Korsar so aktiv wie die Hallodris tagsüber. Nach der erfolgreichen Vorarbeit der vergangenen Tage, schreitet er nun laut schnurrend ins Schlafzimmer und legt sich zum Vize. Fianna hat resigniert, sie stellt sich schlafend und tut, als ob sie noch nie etwas von der Infiltration ihres Hoheitsgebiets durch einen roten Kater gehört hätte. Wer sich überzeugen will, dass deutsche Sprichwörter manchmal an Dämlichkeit kaum zu überbieten sind, sollte mal in diesem Zusammenhang das folgende memorieren: Der Klügere gibt nach. Der Wahrheit die Ehre gibt nur der Spruch, den sich keiner zu formulieren traut, weil er so unmoralisch daherkommt: Der Dreistere setzt sich durch. Aber so ist es.

 

Freitag, 17. März 2017

Um das Orakel der Gertrud richtig zu interpretieren, werfen wir einen Blick aufs Wetter: Morgens -1° C und wolkenlos, später immer noch wolkenlos, aber recht windig, nachts Regen und 11° C. Und was sagt die Wetterhexe Gertrud dazu? ""Friert's an Gertrud, währt der Winter noch zwei Wochen." Da geben wir mildernde Umstände, weil es nur morgens ein wenig friert: eine Woche Winter. Maximal. "St. Gertrud sonnig, wird's dem Gärtner wonnig." Das sieht doch gut aus. "Sonniger Gertruden Tag, Freud dem Bauern bringen mag". Ja, das kennen wir schon und halten fest: Die Bauern feiern heute ihre Gertrud und die Gärtner rasseln schon mal mit den Samentütchen. Allerdings sollte man den kleinen Konjunktiv nicht überlesen, der in einer konjunktivfreien Welt so gerne unter den Tisch gewischt wird: "...bringen mag" steht da, nicht bringen wird. So formulieren Juristen und Politiker, damit man sie nicht festnageln kann, weil sie nämlich auch gesehen haben: "Sieht St. Gertrud Eis, wird das ganze Jahr nicht heiß". Und weil keiner weiß, ob das kleine Morgenfröstchen da noch mitzählt, schiebt man das Konjunktivchen vor sich her und wäscht sich am Jahresende die Hände in Unschuld. Uns ist das schnurz, ob uns die Gertrud aufs Glatteis führt oder den Kartoffeln im Acker das Wasser abdreht, weil das richtige Leben, ganz ohne Konjunktiv, sowieso bei uns und den Hallodris abgeht.

Die Hallodris sind morgen so was von putzmunter, dass sie fast Purzelbäume schlagen. Sie machen sich jetzt schon zaghaft an unsere Zehen ran, ohne Zähne noch, aber investigierend und drangsalierend. Immer wieder schiebt sich in solchen Augenblicken Halina ins Bild, die sonst eher unauffällig agiert, aber die großen Auftritte offenbar gerne für sich reserviert.

HubsiHubsi verdautDie Waage erfährt heute eine jener seltener Momente, an denen wir sie der Lüge bezichtigen, was beim Blues selbst in Zeiten der alternativen Wahrheiten nicht zum Umgangston gehört. Doch heute sehen wir nach, ob nicht doch jemand über Nacht ein Fake-News-Modul eingebaut hat, ein Trumpolin der beliebigen Wahrheiten. Es ist Hubsi, der der Waage Ungemach bereitet, weil sie ihn mindestens viermal ertragen muss, bis wir resignieren und der Anzeige glauben: 940 Gramm. 170 Gramm Auflastung. 22% mehr Gewicht als gestern. An einem Tag! Das heißt, dass wir gestern entweder eine allgemeine Gewichtsexplosion zu verzeichnen hätten oder Hubsi einigen, die auf der Strecke bleiben mussten, den Rahm abgeschöpft hat. Bei 570 Gramm Zugewinn sind noch genau 400 Gramm zu verteilen, was einen Schnitt von 40 Gramm bedeutet. Hartl verzichtete auf seinen 40 Gramm Anteil und beschied sich mit 0 (1090). Das ist der dritte Fastentag in Folge, was ihm nun den drittletzten Platz beschert. Hias hatte auch keine Lust, sich mit dem wild entschlossenen Hubsi um die Sahne zu prügeln und legte ebenso einen Fastentag ein (1190), was ihm dennoch nicht seinen Bronzeplatz auf dem Stockerl kostete. Der Dritte im Fastenzirkel ist Hobo mit 1130 Gramm; er tummelt sich weiterhin im unteren Mittelfeld (7. Rang). Das bedeutet, dass die 400 Gramm nun nur noch auf sieben Hallodris verteilt werden müssen, was einen Schnitt von 57 Gramm ausmacht. Davon kann man tatsächlich auf die Dauer HarpoHarpo - Wie man sich bettet, so liegt manüberleben. Das die derzeitigen Überlebenskünstler Hallodri und Hakuna heißen, hat sich bereits herumgesprochen und bestätigt sich auch heute wieder. Beide greifen je 70 g ab. Die Folge ist eine fulminante Absetzbewegung der beiden: Hallodri 1400 Gramm (Goldpodest), Hakuna 1300 Gramm (Silber). Und danach kommt lange nichts, die 1200er Linie bleibt unbesetzt. Je 60 g reservierten Hedda (1130, 8. Platz) und Harpo (1080, 10. Platz) für sich, was jedenfalls Hedda einen Platz nach oben rutschen lässt. Halina (1170, 4. Platz) und Hugo (1140, 6. Platz) melden 50 g plus. Bleibt noch Hetty mit 40 g plus und 1160 Gramm (5. Platz). Interessant ist, dass unter den ersten Fünf drei der vier Hallodras rangieren, sich also gegen die Muskelaspiranten noch nachdrücklich behaupten können.

Es kann je mal jede(r) für sich im stillen Kämmerchen einen Wettschein ausfüllen, auf dem er/sie die Schlussreihenfolge in der achten Woche prognostiziert. Das Spiel ist beliebt, weil es wenige Spiele mit einem größeren Aha- und Frustfaktor gibt. Vergesst alles, was ihr einmal in einem miefigen Klassenzimmer gelernt habt: Die Ersten werden mit Sicherheit nicht die Letzten sein. Sicher ist nur, dass das Kamel Hallodri eher durch ein Nadelöhr geht, als dass Hubsi den Staffelstab als erster ins Ziel trägt. Trotz der Gewaltaktion von gestern.

Wenn man gerade noch nicht aufgehört hat, den Kopf zu schütteln, bleibt einem das Herz stehen: ein Anflug von Durchfall? Was man überhaupt nicht brauchen kann, ist Durchfall in diesem Alter. Die Winzlinge haben ja noch fast nichts dagegen zu setzen. Irgendeine(r) hat irgendetwas nicht im Griff. Allerdings machen alle einen unverdächtigen Eindruck, quietschen herum, rangeln und rennen; krank sieht niemand aus. Also: beobachten! Die Chefin geht zur Arbeit und der Vize geht auf Beobachtungsposten. Keinen Arsch lässt er aus den Augen. Nur einmal, als er es nicht mehr vertreten kann, die kleinen Pfützchen unbeachtet zu lassen und sich an deren Beseitigung macht – dünner Kackhaufen!! Ein knapper Meter hinter ihm. In der Gegend hält sich fast die ganze Mannschaft auf, Identifikation ausgeschlossen. Aber die Mannschaft ist immer noch wohlauf und krakeelt herum. Beobachtungsposten! Der Vize schleicht herum wie Winnetou am Silbersee. Aber nichts. Nichts mehr. Irgendwann erschlafft der Ermittlungseifer und mündet in stündliche Kontrollen. Nichts, kein Durchfall mehr. Die Chefin berichtet bei ihrer Rückkehr, dass sie mal nachgelesen habe und fündig geworden sei: Haben wir immer mal wieder gehabt. Kein Problem, kein Grund zur Sorge. Der Vize bestätigt ihr, dass auch bei ihm die Sorgen inzwischen verflogen seien, weil die Ärsche offenbar wieder dicht sind. Aber man kann denken, was man will: Wer lesen kann, ist im Vorteil. Aber wer kann schon lesen, wenn er schnüffeln und eskortieren muss?

Ein ganz anderes, wenn auch völlig unverdächtiges Problem ist der Haaranfall, bedingt durch Haarausfall bei Fianna. Wir haben es ja kürzlich schon erwähnt, dass sie aufgrund des Hormonwechsels nach der Geburt schon mächtig abhaart. Nun fliegen bereits überall Fellmäuse aus Unterwolle herum, hängen sich in die Vetbeds und konsolidieren sich in der Waschmaschine. Wir haben den Eindruck, dass sie beim letzten Mal nicht so früh dran war und auch ihre Vorgängerinnen langsamer abwarfen. Nur deshalb schreiben wir das nun auf, damit wir beim nächsten Wurf wieder etwas zum Nachlesen haben. Verbunden mit dem frühen Haarwechsel hoffen wir natürlich, darauf, dass sie dann auch sehr früh wieder eingekleidet ist und wieder ihr prächtiges Haarkleid präsentieren kann, denn nichts ist schlimmer als eine völlig abgehaarte Hündin mit einer Rute wie ein Pfeifenreiniger. Denn: "Ist die Hündin Ostern ohne Haar, fröstelt es das ganze Jahr".

 

 Samstag, 18. März 2017

Kann noch irgendjemand etwas mit dem Namen Kyrill anfangen? Das war der Orkan, der vor zehn Jahren am 18. und 19. Januar mit Windgeschwindigkeiten deutlich über 200 km/h über Europa fegte und 47 Tote hinterließ. Heute macht sich sein kleiner Enkel, ausgerechnet am Tag des Cyrill anheischig, es seinem Opa gleich zu tun. Aber wie das mit Enkeln so ist: Nur noch eine halbe Portion gegenüber uns damals, die wir noch Saft und Kraft hatten, eben ganze Kerle waren. Der Opa hat ganze Wälder und Strommasten umgenietet, der kleinen Cyrill arbeitet sich an morschen Ästen ab. Wenn er meint, dass er sich damit ein bisschen anwanzen und um gut Wetter bitten kann, hat er sich getäuscht: Auch Schmalspurvandalen sind unerwünscht, zumal der Nachwuchs-Popeye auch noch fetten Regen vor sich her treibt, was vor allem beim Vize größte Misslaune auslöst. Brillenträger kombiniert mit Regen und Sturm, mehr muss man dazu nicht sagen. Immerhin pustet der kleine Cyrill richtig viel Frischluft durchs Anwesen des Blues, was ja auch nicht schaden kann. Wir können es auch kurz machen: Schietwetter, wie der Hamburger sagen würde.

HundehaufenHundehaufenDie Hallodris wissen noch nichts von Wetter, sie haben ein Klima, und zwar das ihren Bedürfnissen angepasste Raumklima. Wenn wir jetzt Fenster und Türen öffnen würden, wüssten sie schlagartig, was eine Klimakatastrophe ist und wären damit schon erheblich schlauer als viele jener, die sich für besonders schlau halten. Die Hallodris wickeln ihr Leben in vorgefertigten Ereignisschatullen ab: einspeisen, ausscheiden, schlafen, spielen und wiegen. Die drei ersten Punkte sind existentiell, die anderen volatil, was heißen soll, dass sie sich verändern oder gar ganz verschwinden. Spielen wird kaum verschwinden, sich aber verändern und heißt dann erobern, jagen, sporteln und kämpfen, im schlimmsten Fall mobben und malträtieren. Das Wiegen ist hingegen so etwas wie der kleine Cyrill: eine vorübergehende Erscheinung. Auch heute müssen die Hallodris die Prozedur wieder über sich ergehen lassen, was naturgemäß immer schwieriger wird, weil sie keinen Gedanken darauf verschwenden, sich hinzuhocken und zu warten, bis die Chefin die Dioptrien fokussiert hat und im schwiemeligen Licht des frühen Morgens die angezeigten Zahlen identifiziert. Das Wiegen ist somit eine Unterart des Spielens geworden, ein Spiel ohne Regeln, außer der, dass einer versucht auszubüxen und der andere ihn daran zu hindern sucht. Alcatraz im Mangfalltal. Die Spannung ist dadurch schon frühmorgens immer höher als man es sich für diese Tageszeit wünscht, weil die Knirpse inzwischen glitschig und wendig wie Fische sind, dazu schnell wie die Asiatische Grippe. Heute ist die Spannung zudem hoch, weil man natürlich wissen will, wie der kleine Hubsi aus dem 22%-Hoch herausgekommen ist.

Machen wir die Sache nicht spannender als sie ist: Hubsi hat wohl Gefallen gefunden, in der Speckrallye ein bisschen mitzumischen und nochmal 50 g aufgepolstert; nix mehr mit Verdauungspause. Das macht für ihn 990 Gramm und weiterhin den letzten Platz. Allerdings ist er damit Harpo (1090) bis auf 100 g auf den Leib gerückt, weil der nicht mehr als 10 g zusammenkriegt. Vorgestern lagen zwischen den beiden noch 250 Gramm. 50 g davor fastet nun Hugo mit einer Nullnummer (1140), der dadurch drei Plätze einbüßt. Auch Hobo ist zwei Plätze nach hinten gerutscht (1060, +30). Ihm tut es Halina gleich, leistete sich ebenso einen Fastentag und sackt mit ihren 1170 Gramm vom vierten auf den siebten Platz. Da fragt man sich: Wer sind denn die Kriegsgewinnler? Wenn viele verlieren, müssen einige wenige gewinnen. Jetzt kommt der Name Hartl ins Spiel: Er hat sein dreitägiges Fastengelübde gebrochen und sich nicht mit langwierigem Fastenbrechen abgegeben, sondern umgehend einen Schweinsbraten mit Knödel vertilgt, was ihm 90 g (1180) und drei Plätze näher am Licht einbringt. Hedda liefert ebenfalls 1180 Gramm bei 50 g plus, was auch für sie drei Bonusplätze abwirft hat und sie mit Hartl gleichstellt. Bei Hias hat es nur für 20 g gereicht (1210), Platz 4, einen Platz eingebüßt. Ihre Chance genutzt hat Hetty: Mit 60 g Zuschlag kletterte sie vom fünften auf den dritten Rang (1220). Der Rest ist bekannt. Hakuna mit 40 g plus und 1340 Gramm lässt keine Zweifel an ihrer Lauerposition aufkommen. Für Hallodri ist auch das kein Bedrohung, die ihn von seinen Routinen abhält; er gibt sich keine Blöße, frisst sich wieder 60 g an und liegt nun mit 120 g Vorsprung soweit vor Hakuna, dass sie sich bald beim Vize ein Fernglas leihen muss, um ihren Bruder nicht aus den Augen zu verlieren (1460).

HeddaHedda protestiert bei der WelthunderechtskommissionHugoHugo nimmt's, wie es kommtNach dem Frühstück nehmen wir uns die Bande ein zweites Mal zur Pediküre zur Brust; der Schutz von Mamas Schnullerbrust hat oberste Priorität. Sie nehmen es deutlich gelassener als beim ersten Mal; die Hundsbuam halten dennoch mit Körpereinsatz dagegen, während es die Herzibopperl mit Schnullern und Kneifen an den Fingern versuchen. Dann hat, mitten in der Aktion, die Mama ihren Auftritt, legt sich neben den Folterstuhl und offeriert ihren Herzensbrechern zum Trost und zur Entspannung die Bar. Zack, sind alle weg, die bereits Pedikürten wie die Unbeschnittenen. Pause. Mama lässt sich Zeit. Das Personal hat sowieso Zeit. Und dann kann es weitergehen – mit einer satt zufriedenen Kundschaft. Ihnen liegt das Fett derart in den Eingeweiden, dass sie zu keiner Gegenwehr mehr in der Lage sind. Es fehlt nur noch, dass sie bei der Behandlung rülpsen. Merke: Der nächsten Nagelpflege geht eine Zwischenmahlzeit voran. Auf die Idee hätten sogar wir schon kommen können. Vielleicht sollten wir mal Fiannas IQ mit dem unseren vergleichen? Oder doch besser nicht.

HiasHias zieht Milch vorWeil wir schon im Betriebsmodus sind, entwurmen wir die Bande nachmittags gleich noch. Dreimal muss das in den acht Wochen erledigt werden. Wir wissen nicht, ob die Hallodris schon so gereift oder einfach fatalistisch weggetreten sind, jedenfalls ernten wir kaum Widerstand. Hubsi und Hobo müssen wir von der Bar ihrer Mutter abploppen, und es scheint, dass sie nicht kapieren, was da mit ihnen geschieht, jedenfalls machen sie den Eindruck, als würden sie gerade einen Film anschauen.

Die Besucher halten sich heute in Grenzen, die Bude wackelt also nicht, aber die Rollläden rappeln. Der kleine Cyrill tobt ums Haus und Bandit macht die Lichter aus. Gute Nacht. Die Achselhöhle des Vize schnurrt...

 

Sonntag, 19. März 2017

Bevor wir uns mit dem heutigen Josefitag beschäftigen, sehen wir aus dem Fenster, was wir uns auch sparen könnten, weil man selbst bei komplett verdunkelten und verrammelten Fenstern wüsste, was draußen los ist: Der kleine Cyrill, der heute genau genommen hier nichts mehr zu suchen hätte, aber dem Josef noch ein wenig in die Suppe spucken möchte. Der Namenstag aller Josefs und Josefas, aller Seppl, Bepperl, Jupps und Josefinen, kommt in Bayern gleich nach dem Starkbieranstich und der Wiesneröffnung. Und weil der Josef so ein ganz Heiliger ist, der allerdings von seiner Maria recht hinter die Fichte geführt wurde, was ihm viel Mitleid einträgt, muss sein Tag ein Glückstag sein fürs ganze Jahr. "Ist's am Josefstag schön, kann's nur gut weitergehn", "Ist es klar am Josefstag, erspart er uns viel Not und Plag", "Ist's an Josef klar, gibt's ein gutes Honigjahr". Au weh, Zwick. Das riecht nach Ungemach. Der kleine Cyrill ist doch ein ganz abgefeimter Lackl. Machen wir es kurz: Es wird ein besch...eidenes Jahr. Aber einen Spruch findet der Chronist noch, der ihm auch unter diesen Umständen ein Lächeln ins Gesicht zaubert, vor allem eingedenk der Zentimeter hohen Güllelachen, mit denen die Landmänner in Erwartung einer größeren Regenmenge die Felder geflutet haben: "Am Josefstag soll der faulste Bauer auf dem Acker sein". Richtig, und zwar jetzt sofort, barfuß und bis die Frühlingsdüfte wehen.

Nachmittags zeigt der Josef dem Cyrill, wer heute das Sagen hat und schickt ihn weiter. So endet der Tag mit Sonne, Wolken und immer noch viel Wind bei 14° C und einigermaßen versöhnlich, was die Aussichten angeht. Aber die Bauern bleiben draußen!

Die Waage gibt uns heute die Gelegenheit, gleich drei Großereignisse zu melden. Zuerst die richtig pfundigen Ergebnisse: Hubsi hat die Kilomarke gepackt, ist also jetzt ein echter Zweipfünder: +50 = 1040 = 11. Platz. Zwischen ihm und Hallodri liegt dennoch fast ein ganzes Pfund, weil der heute die Dreipfünder-Marke geknackt hat (+40, 1500). Die Pole-Position ist ihm weiterhin sicher. Das dritte Großereignis trägt die Visitenkarte von Harpo. Dieser unauffällige Vor-Hubsi, der gestern gerade noch 100 g zwischen sich und Hubsi schieben konnte, soff sich in einem exzessiven Akt 150 g drauf (1250), was ihn vom 10. Rang auf den 5. hochschnalzt. Gegen diese Tartarenmeldung bleibt sogar Fianna mit ihren WelpenViel Betrieb an der HausbarHetty mit ihren 90 g (1310), die sie nah an Hakuna heranbringt, blass. Der 3. Platz ist dadurch mehr als gefestigt, zumal Hakuna eine Nullnummer liefert (1340), aber weiterhin den 2. Platz behauptet. Auch Hedda zeigt mit 70 g Ambitionen, nicht nur, um sich weiter vorne zu postieren, sondern um den Wettern, die wir gestern angestachelt haben, das Leben schwer zu machen: 1250 Gramm, 4. Platz. Damit bringen sich gleich drei Amazonen hinter Hallodri in Position. Frauenpower pur, und der Hallo lacht dazu. Für die anderen bleibt da nicht mehr viel Lorbeer. Hartl fastet wieder, 1180, Absturz auf den 9. Platz. Hugo liefert reelle 50 g (1190), eins hoch, 8. Platz. Verbleiben noch Hias, Halina und Hobo. Hobo mag sich nicht aufraffen, kann natürlich nicht wissen, dass Harpo so in die Vollen haut und geht ihm mit schlappen 10 g (1170) so auf den Leim, dass nun er der Vor-Hubsi ist. Ein ähnliches Bild liefert Hias, allerdings auf höherem Niveau: +10 (1120) schickt ihn zwei Plätze nach unten (6. Platz). Halina erarbeitet sich 20 g, und hält mit 1190 Gramm ihren 7. Platz. Wir halten also fest: Hallodri ist auf seinem eigenen Trip, Hubsi hält am hinteren Ende das Tempo und dazwischen ist alles möglich.

HugoHugos RestaurantbesuchNachHoboHobo hat tadellose Tischsitten dem ersten Frühstück bei Mama gibt es für die Hallodris den ersten Restaurantbesuch, weil wir Fianna jetzt unter die Arme greifen wollen, um nicht zu sagen: unter die Brüste. Die ersten Zähne brechen durch, und die Zukunft mit kleinen Vampiren ist für eine Mutter eine Qual. Deswegen konfrontieren wir jeden einzelnen Hallodri mit einer kleinen Schüssel Welpenmilch. Dass das erste Erstaunen mindestens so groß ist wie die Hilflosigkeit und das Unvermögen, verwundert nicht, das haben alle ihre Vorgänger schon durchmachen müssen. Trotzdem sind wir vom schnellen Umsetzen der neuen Herausforderung sehr angetan. Die Meisten schnabeln und schlecken mit großer Begeisterung, aber fahrig um sich herum, entdecken schnell, dass sich die Mühe lohnt und geben sich dann auch mehr Mühe. Am Ende sehen alle aus wie Kleopatra nach ihrem Bad in Eselsmilch, was ihre Mama animiert, ihre Kinder wieder sauber zu kriegen und dabei noch den Rest abzusahnen. So ist allen gedient. Ja, da hatten wir schon erheblich bemerkenswertere Chaoten als diesmal; eigentlich stellten sich nur Hetty und Halina HallodriHallodri mag es entspanntetwas dusselig an, nicht weil sie zu dämlich sind, sie haben ja schon bewiesen, dass es ihnen nicht an Hirnschmalz und Esprit fehlt, nein, weil sie zu viel auf einmal wollen und zu hektisch sind. Deshalb schusseln sie so herum. Das glatte Gegenteil ist Hobo, der von uns wegen seiner exzellenten Tischsitten die Goldene Schnabeltasse verliehen bekommt. Hobo, der Landstreicher, hat die besten Tischmanieren. Verrückte Welt.

FiannaFianna kommt auch nicht zu kurzHobo legt nach und beweist, dass er tatsächlich viel Sinn für Etikette und Manieren hat, indem er sich zur Erledigung seines großen Geschäfts in den Eingangsbereich begibt, weit weg von seinen Wohnräumen, dorthin, wo sich eigentlich nur seltsame Figuren aufhalten, die kommen und gehen und vom Personal Besucher oder Interessenten genannt werden. Was das bedeutet? Keine Ahnung, scheiß drauf.

Weniger auf Etikette hat ein(e) andere(r) im Sinn, möglicherweise aber vom gleichen Denkansatz getrieben, der/die der Chefin direkt nach dem Restaurantbesuch in den Pantoffel pinkelt, was die Chefin jedoch nicht dazu bewegen kann, ihre kurz nach der Bronzezeit Hand gedengelten und mit allen Farben der Restauration verzierten Pantoffel zu entsorgen. Sie werden gereinigt und wieder ihrer Bestimmung zugeführt. Noch nicht einmal Entrüstung kann ihr dieser Akt der provokatorischen Insubordination entlocken, nur ein wenig bedrohliches: «Wer war der Saubär?» Was belegt, dass sie die Mädchen aus der Verdachtszone entlässt. Wildpinkler sind immer Männer und Männer sind außerdem Pantoffelhelden. Noch Fragen?

Es ist keine Frage: Aus den Maulwürfen werden Hunde, man kann es fast stündlich neu erleben. Nicht nur, dass ich jetzt, wie oben schon angedeutet, die ersten Zähne zeigen, was aus dem Maulwurf einen Hund macht, nein, sie bellen auch schon, so ein kauziges Kläffen, ein ausgespucktes BÄH, an dem sie sich nun ausgiebig üben. Manchmal aber, und dann wird es gruselig, liegen sie zusammen, meist kurz vor dem Einschlafen oder in der ersten Schlafphase, und heulen wie junge Wölfe. Dann zieht ein Klang durchs Haus, als ob eine Schar Tauben mit ihren Pfeifen vorbeiflögen, ein dünner, äolischer Ton, der einem dennoch durch Mark und Pfennig geht (Sorry, Herr Draghi: durch Euro und Cent klingt wirklich bescheuert).

Was macht einen Hund noch aus, außer dass er Zähne hat und bellen oder heulen kann. Dass er wie ein Hund liegt, zum Beispiel in der Sphinxstellung: Beine hinten angewinkelt, vorne ausgestreckt, Kopf erhoben. So liegt ein Hund da, ein Wachhund allemal. Und so liegt jetzt Hetty da – und leckt sich genüsslich die Pfoten. Noch sind die Beinchen matschig, werden aber schon hingebungsvoll gepflegt. Da springt ein Herz auf und streut Schmetterlinge.

Vor kurzem hatten wir schon geunkt, dass wir nun bald unsere bewährten Absperrungen zum Wohnzimmer und ins Treppenhaus aufbauen müssen, weil die Hallodris alles im Sturm erobern. Doch diese Notwendigkeit hat sich fürs Erste erledigt. Sie sind zwar immer noch unterwegs, aber das bislang Eroberte scheint ihrem Expeditonsgeist zu entsprechen, mehr brauchen sie noch nicht. Mal kurz um die Ecke biegen und zu Mama ins Wohnzimmerkudde ist Abenteuer genug, ein Blick in den Abgrund der Kellertreppe ist gruselig genug, alles weitere hat Zeit. Also haben auch wir noch etwas Zeit, aber natürlich lassen wir die Knirpse nicht aus den Augen und wenn das nicht zu umgehen ist, kommen sie in die Schnullerbox, Klappe zu und gut ist es. Vor allem in dieser Disziplin sind H-Benichts und H-Selmäuse vorbildlich: Obwohl sie nun schon seit einigen Tagen Freigänger sind, lassen sie sich immer noch anstandslos kasernieren, egal ob es für Besorgungen und Erledigungen ist, zum Putzen oder einfach nur nachts zum Schlafen. Wir hören von ihnen keinen Protest, sie kugeln sich zusammen und tun, was Welpen am besten können: schlafen. Da haben wir schon andere Erfahrungen gemacht, Kampfansagen und breiten kollektiven Widerstand schon am zweiten Tag des Freigangs. Die Hallodris sind in dieser Hinsicht wirklich sehr handzahm.

Nach sehr viel Besuch heute, bei dem sich Fianna immer noch als unbestechliche Gouvernante zeigt, die niemand ungeprüft in die Nähe ihrer Kinder lässt und ihre Meinung deutlich kundtut, bekommen die Hallodris den zweiten Teil der ersten Entwurmung, weil das Flubenol an zwei Tagen hintereinander gegeben werden muss. Gestern schon einigermaßen unbeeindruckt, sind sie heute zu erschöpft von all den Schößen und Händen, dass man ihnen auch Reißnägel oder Montageschaum zwischen die Kiefer schieben könnte. Und dann ist Feierabend für alle. Und heute stellen wir ihnen erstmals eine Wasserschüssel in die Box, weil sie nun schon weniger Flüssigkeit von ihrer Mama bekommen.

 

Montag, 20. März 2017

Jetzt dürfen die Bauern, wie versprochen, wieder vom Acker: Es ist Frühlingsanfang, die Frühlingslüftchen und -düftchen wehen, morgens noch unter einem bewölkten Himmel, später bei zunehmend freundliche Wetter und 14° C. "Wie das Wetter am Frühlingsanfang, so ist es den ganzen Sommer lang". Das ist erheblich erfreulicher als die Josefi-Prognose. Also halten wir uns an die Frühlingsprognose. Obwohl natürlich auch jetzt wieder delphisches Geschwurbel dazukommt: "Wie sich die Sonne zum Frühling wendet, so auch unser Sommer endet". Was heißt denn: wendet. Wohin wendet sich die Sonne? Etwa gar von uns ab? Und vor allem: Soll das heißen, dass der Sommer erst zum Ende hin freundlich wird wie heute? Das Orakel macht uns sehr betroffen, der Winter fällt – und alle Fragen offen.

Der Restaurantbesuch hat der Speckstatistik der Hallodris sehr gut getan; 830 Gramm sind eine sehr ansprechend Leistung und sie hat der Tabelle neues Leben eingehaucht. Jetzt geht's los, jetzt zeigt sich, wer ein Kämpfer ist. Der Hallodri kämpft nicht, muss nicht kämpfen, nur tun, was er immer tut: mampfen. Das bringt ihm auch heute wieder 50 g und eine Gesamtbilanz von 1550 Gramm ein. Wer soll ihn vom 1. Platz verdrängen? Hakuna hätte das Zeug dazu, aber als Mädchen in der Endabrechnung keine Chance (merkt eigentlich jemand, dass wir hier laufend Wetttipps abgeben?). Wer jedoch ein bisschen Quark, Eier, Ziegenmilch und Öl an einem Tag in 130 g Speck umwandelt, hat großes Potential. Dabei sieht sie gar nicht so mächtig aus, während Hallodri seine Pfunde stolz zu Markte trägt. Hakuna lässt somit 1470 Gramm anschreiben und ist Hallodri bis auf 80 g auf die Pelle gerückt. Für alle, die meinen, eine Welpenspeck-Wette sei ein Kinderspiel, den weisen wir auf den nun folgenden 3. Platz hin. Wer war vor drei Tagen noch auf dem zehnten Rang und gestern auf dem fünften? Harpo! So schnell kann es gehen! Gestern 150 g aufgeladen und heute 160 g, macht an zwei Tagen 310 g. Wir sind nicht sicher, ob wir einen solch unwiderstehlichen Vormarsch schon einmal erlebt haben und sind auch zu faul, die alten Gewichtstabellen durchzuwühlen. Harpo meldet heute 1400 Gramm und belegt sicher und endsatt den 3. Platz. Dieser Harpo muss im Auge behalten werden. Und wer nun gedacht hat, das war's mit den Überraschungen, den müssen wir schon wieder enttäuschen, weil es da noch einen gibt, der vorgestern auf dem achten Platz residierte, gestern auf den Vor-Hubsi-Platz gestürzt ist und heute wie der Phönix aus der Asche auf dem 4. Platz thront: Hobo, der Landstreicher und Achterbahnkönig. Er hat, soviel dürfen wir verraten, mit 190 g heute den Vogel abgeschossen und landet bei 1360 Gramm. Wir ziehen den Hut und verneigen uns in Ehrfurcht. Sakra! Der Gegenentwurf dazu sind Hetty und Hedda: Null, nix, nada, Ramadan. Hetty rutscht mit 1310 vom 3. auf den 5. Platz und Hedda mit 1250 vom 5. auf den 7. Rang. Da ist richtig Bewegung im Laden. Hias hängt weiterhin unentschlossen im Mittelfeld herum, nachdem er anfangs noch im Topteam mitspielte. Heute stehen für ihn immerhin 70 g (1290) auf der Haben-Seite und der 6. Platz. Hugo meldet 70 g, eigentlich durchaus erwähnenswert, aber heute eher Kleingeld: 1250 Gramm und 7. Platz zusammen mit Hedda. Hartl ist so einer, der nach mehr aussieht als er auf der Waage hält und sich deshalb zuverlässig im unteren Drittel herumtreibt. Heute gründet er mit ebenfalls 70 g plus und 1250 Gramm mit Hedda und Hugo das Siebener-Trio. Dennoch – Achtung, Wettbiester – steckt in Hartl Potential, behauptet jedenfalls der Vize. Mit 1240 Gramm und 50 g plus muss sich Halina nicht grämen, aber wer sich ohne Sinn und Verstand auf ein solches Fressen einlässt, treibt Schindluder mit seiner Figur. Deshalb ist der vorletzte Platz ein Ehrenplatz der Vernunft. Die gestrige Hausse war für Hubsi nun wirklich zu viel, wo hätte er das, was er gebraucht hätte, um mitzuhalten, auch hinpacken sollen. Wir meinen, 50 g Zuschlag ist aller Ehren wert, denn auch Hubsi sollte auf seine Linie achten, sonst sieht er bald aus wie kleines dickes Uwe. 1090 Gramm, Platz 11. Und der Vize legt sich fest: Hubsi wird nicht als letzter über die Ziellinie gehen.

Beim Morgenspaziergang in der lauen Frühlingsluft darf Fianna eine komplette Unterordnung laufen und strahlt hinterher mit dem Frühling um die Wette. In diesen Momenten verschwendet sie keinen Gedanken an ihre Kinder, da ist sie nur noch auf Empfang und weg von all dem Tageskram. Dass ihr die Milchtüten bei jedem schnellen Schritt fast um die Ohren fliegen und munter Beifall klatschen, bringt sie nicht aus der Konzentration. Sie könnte ewig so weitermachen, na, vielleicht nur halbewig, jedenfalls bis sie wieder zum Melken muss.

Hugo Der Kreativität sind keine Grenzen gesetztMit Fiannas Kindern geht es rapide voran. Ihre Bewegungsmuster sind nun sehr frei und kreativ. Das heißt für uns, dass es keine unkontrollierte Bewegung mehr geben darf, überall kann sich ein Hallodri herumtreiben. Obwohl sie sich natürlich noch nicht stabil auf den Matschebeinchen bewegen, sind sie schon ziemlich flott unterwegs, und ihre Wege ähneln dem eines Schnittmusters. Das gilt natürlich vor allem für die Küche, die sie nun komplett in ihren Besitz genommen haben und sich dort überall herumtreiben und sei es nur, um im hintersten Eck einen kleinen Teich abzuladen. Jetzt beginnt für uns die geraubte Zeit, was nichts anderes bedeutet, als dass man sich nichts mehr vornehmen kann, weil der Zeitplan von den Welpen bestimmt wird. Wenn man sich vornimmt, Kartoffeln zu schälen und zu kochen und in einer Stunde zu essen, ist das nur eine Fata Morgana. Denn schon das Kartoffelschälen wird durch unentwegtes Teichtrocknen und Würstchensammeln so in die Länge gezogen, dass kein Zeitplan mehr gehalten werden kann. Die nächsten Wochen werden eine Reise in der Zeitmaschine, an deren Zeiger die Hallodris kurbeln. Seltsamerweise ist gerade dieser Aspekt der Welpenaufzucht in der Gesamtbetrachtung kaum präsent. Obwohl er so sicher wie das Amen in der Kirche kommt, denkt man im Vorfeld keinen Augenblick daran und merkt dann, dass die verflogene Zeit und all das, was darin unerledigt liegenblieb, großteils auf diese Zeitmaschine zurückzuführen ist.

Wie soll man sich denn bitteschön verhalten, wenn einem so ein Dreikäsehoch auf den Fuß tritt und eine Streicheleinheit einklagt? Ignorieren? Ja, sicher und ganz bestimmt. Man nimmt das Päckchen hoch oder hockt sich zu ihm und gibt ihm, was er jetzt braucht. Die Kartoffeln werden dann etwas länger gar. Die Hallodris sind eben jetzt überall und nehmen uns zur Kenntnis. Sie steuern uns bewusst an, reagieren sogar schon auf Lockrufe. Sie nuckeln an den Fingern, untersuchen die Hausschuhe und sind so schnell wieder weg und hinter einer neuen Entdeckung her, wie sie gekommen sind. Die Summe dieser Nebenbeschäftigungen lässt die Hauptbeschäftigung in den Hintergrund rücken.

Aber natürlich wären die Hallodris keine Hallodris, wenn sie sich nur mit uns beschäftigen wollten. Es gibt noch viel zu entdecken und zu erproben. Zum Beispiel den gesamten Korridor, dort woher all die Leute immer kommen und wohin sie immer gehen. Hetty treibt sich dort mit Vorliebe herum und dem Vize den Schweiß auf die Stirn bei dem Gedanken, er würde ihre Expedition einmal übersehen und müsste die Kleine aus dem Keller klauben, weil es ihr auch die Kellertreppe sehr angetan hat. Es wird doch Zeit für die Sperren!

Füttern am FutterringFüttern am FutterringEine andere Qualität der Fortentwicklung zeigt etwa Hobo, als er sich zwar zu seiner Mama und deren geöffneten Bar ins Kudde begibt, aber bevor er sich den Saugstutzen zuführt, erst einmal ins Bett pinkelt. Vielleicht steigt ihm ja der Durchmarsch auf der Speckrolle gerade ein bisschen zu Kopf. So etwas würde Hartl nie machen, der in der Lokalisierung seiner Mutter der bei weitem Pfiffigste ist; wo immer sie sich niederlässt, ist Hartl auch schon bald da. Offensichtlich begnügt er sich dabei, mit Mama zu kuscheln, sonst müsste sich seine Dauerpräsenz erfolgreicher in der Gewichtstabelle niederschlagen.

HalinaHalina rockt den RingMit dieser Mobilität und Kreativität beginnen nun auch die echten Schaunummern, auf die man sich einerseits freut, vor denen man aber auch größten Respekt hat. Noch immer werden die Hallodris in die Schnullerbox gepackt, wenn wir außer Haus sind, weil wir das Wohnzimmer und den Eingangsbereich noch nicht gesichert haben. Dieser ist wegen der Kellertreppe besonders kritisch, aber die Tür in den Flur können wir nicht schließen, weil wir Fianna die Möglichkeit geben müssen, selbst zu entscheiden, ob sie bei ihren Kindern sein möchte oder lieber Abstand hält. Deswegen kommt die Bande in die Schnullerbox, dann kann Fianna zu ihnen oder es lassen. Heute streicht der Vize mit seiner Kindsmutter nachmittags durchs Mangfalltal und holt anschließend die Chefin von der Bahn ab. Da liegt bei ihrer Rückkehr mitten in der Küche eine seltsam zerknüllte Decke. Unter ihr lugt, nachdem das Objekt genauer unter die Lupe genommen wird, weil der Vize bei allen Heiligen versichert, dass diese Decke bei seinem Abgang noch im Kudde lag, das verschlafene Gesichtchen von Halina hervor. Hat es doch dieser Dreiviertelzwerg glatt geschafft, die 30 Zentimeter hohe Boxensperre zu überwinden. Wie sie das geschafft hat, bleibt ein Rätsel, denkbar wäre aber, dass Fianna in der Kiste lag und für Halina eine perfekte Ausstiegshilfe abgab. Jedenfalls scheint sie sich nicht sonderlich gegrämt zu haben, hat sich eine Decke geholt, darin eingerollt und gewartet, was der Tag noch bringen wird. Mein lieber Mann, das ist schon ein starkes Stück für einen dreiwöchigen Zwerg.

FiannaMama macht alle wieder stubenreinAll diese Erlebnisse und Abenteuer kosten natürlich immens viel Kraft – und deshalb füttern wir heute die Welpenmilch gleich aus dem Futterring, damit sie sich noch ein bisschen verausgaben können und dann hoffentlich auf keine blöden Gedanken mehr kommen. Das Chaos am Ring ist bei jedem Team immer das gleiche, die einen blicken die Situation sofort, die anderen lutschen am versabberten Rand herum, die dritten baggern mit Ganzkörpereinsatz durch den Ring und die vierten nehmen zwar ein Maul voll, wissen aber immer noch nicht so recht, was sie jetzt damit anstellen sollen. Eines haben am Ende alle gemeinsam: Sie sind noch mehr mit süßer Milch verkleister als gestern im Einzelprogramm. Mutter Fianna übernimmt es mit Begeisterung, ihre Kinder wieder gesellschaftsfähig zu züngeln.

HalinaHalina ist völlig plattEs wird nur wenige Tage dauern, dann haben sie dieses Programm so gut im Griff, dass wir kaum noch wissen werden, wie wir den Futterring, oder bald schon zwei Futterringe, auf den Boden bringen sollen, so werden sie uns umlagern.

Zum Ende dieses ereignisreichen ersten Frühlingstag, den die Bauern hoffentlich wieder getrocknet und in warme Tücher gehüllt bei ihren Familien verbracht haben, muss noch eine Erfolgsmeldung abgesetzt werden: Die Darmwürstchen der Hallodris sind trotz der neuen externen Fütterung und der Entwurmung perfekt geformt und zeigen keine Neigung zum Durchfall. Das ist, für Außenstehende vielleicht nicht ganz nachvollziehbar, fast schon die schönste Meldung des Tages. So ein Welpendarm muss sich an all das Neue erst anpassen, da ist eine stabile Kotkonsistenz ein ausgezeichnetes Zeichen.

Worüber man sich nicht alles freuen kann...

 

Dienstag, 21. März 2017

Der Frühling ziert sich noch. Gestern ging es ihm noch ein bisschen wie den Hallodris: Große Klappe, aber dann geht ihm doch der Schneid aus. Macht nichts, er und sie sind ja erst am Anfang. Wird schon noch werden. Heute sieht es noch nicht danach aus; es ist ganztägig stark bewölkt, allerdings bei herzwärmenden 16° C. Man kann ja nicht gleich alles haben.

Heute hat der Hl. Benedikt seinen Ehrentag, und es müsste doch mit dem Hl. Luzifer (uuups, Luzi) zugehen, wenn dem bäuerlichen Regelwerk dazu nichts einfiele. "Willst Gerste, Erbsen, Zwiebeln dick, so säe sie an Benedikt". Das lässt sich bestimmt auch umwidmen: "Willst du die Hallodris dick, stopf sie mit Fleisch an Benedikt". Die Vielfalt der Verfasser solcher Regeln lässt sich mit großem Vergnügen an den beiden folgenden Beispielen festmachen. Hier der kurz Angebundene, der Agrarpragmatiker: "Benedikt macht Möhren dick". Genau. Das reicht, versteht jeder. Anderer Meinung ist der verblümelte Agrarlyriker: "Der Benedikt leitet deine Hand, säest du mit ihm die Frucht in's Land". Wie rührend. Man sieht förmlich den Sämann über den Acker streifen und mit ausgreifenden Bewegungen seinen Samen streuen. Ganz anders sind da die Allgäuer gestrickt; bei denen sagt man schlicht: "St. Benedikt, 's Fidle zwickt" (Exo-Alemannisch für Fidle: das Gesäß). Damit hätten wir ausreichend gut über den Bene gesprochen, was sein Name ja letztlich bedeutet (bene = gut und dictus = gesprochen), schlussendlich wird der, über den man so gut spricht, ein Gesegneter. Und vor den dampfenden dicken Bohnen wünschen wir gesegnete Mahlzeit. Bene. Ach was: Benissimo.

Gar nicht bene ist der zunehmend starke Drang der Hallodris ins Familienwohnzimmer. Aber wir haben immer noch keine Lust, die Fluchtsperren aus dem Vordach zu holen. Der anticynische Schutzwall muss noch ein wenig warten, dafür genießen wir die durch die Freizügigkeit gegebene Möglichkeit zu Charakterstudien. Die Herumstreuner, die Mamakinder, die Möchtegerns und die Nimmermüden, alle sind vertreten. Solche, die fix um die Ecke biegen, weil sie genau wissen, dass die Mama dort liegt und immer einen Snack bereithält, sich aber für den Rest der Landschaft wenig interessieren. Die Herumstreuner sind die, die unentwegt sabbelnd durchs Wohnzimmer cruisen, ohne Ziel und ohne Plan, sich aber das Gelände einprägen und womöglich ihren eigenen Lageplan abspeichern. Die Nimmermüden sind die, deren Kreise nicht so weit gezogen sind, sich aber immer wieder auf den Weg machen, immer wieder einen Anfang wagen, aber über diesen nicht so recht hinauskommen. Am ulkigsten sind die Möchtegerns, die lauthals ankündigen, lauthals abdrehen, sich lauthals beschweren, lauthals einen neuen Versuch wagen, ihre Mutter lauthals verantwortlich machen, und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu guter Letzt ganz kleinlaut einen Teich auf die Dielen plätschern. Da uns die Erfahrung sagt, dass alle Hallodris diese Entwicklungsstadien mehr oder weniger deutlich durchlaufen, ist diese Beobachtung nur eine Momentaufnahme, weshalb es keinen Sinn macht, vor allem aber nicht fair wäre, den Typen jetzt Namen zuzuordnen; der Möchtegern kann schon morgen ein Streuner sein und der Streuner ein Mamakind. Panta rhei – alles fließt.

Doch dann kommt der magische Augenblick, der Streuner, Mamakinder und Möchtegerns mit einem Mal zu einem einzigen und einigen Wesen verwandelt, zu einem Wachhund, zu einem Hovawart. Es ist jener Moment, als der Nachbar seine wohlbehütete Harley aus dem Winterschlaf erweckt und ihr einen Frühlingsbrunftschrei entlockt, ein mächtiges, ein markerschütterndes und herzbebendes Dröhnen und Grollen, das sogar die Mangfall einen Moment über die Verlegung ihres Bettes nachdenken lässt. In diesem archaischen Augenblick merken sie alle auf, sitzen sie alle auf – Mamakinder, Möchtegerns und Streuner – und melden! Melden so laut bellend, wie sie es schon können, beschweren sich, fordern die sofortige Beendigung der Ruhestörung und gehen dann in ein kollektives Heulen über. Die Hallodris sind schon richtige Hovawarte! Wir könnten heulen, so herzerweichend und putzig ist die Szene.

Weniger spektakulär, aber nicht weniger aussagestark ist der Moment, in dem Halina, in sich und ihre Welt versunken, sitzt und sich mit dem Hinterbein am Ohr kratzt. Ein Hund ist erst ein Hund, wen er sich am Ohr kratzen kann, wie ein Rüde erst ein Rüde ist, wenn er das Bein hebt. Halina ist ein richtiger Hund, ein kleiner, ein tollpatschiger noch, aber ein Hund. Wenn man das sieht, ahnt man, wie nahe der Tag der Abgabe bereits ist. Es sind ja nur noch fünf Wochen, und die verfliegen noch schneller als die vergangenen drei.

HakunaHakuna ist ganz angetanFast belanglos, ja geradezu unangebracht trivial, erscheint uns an solchen Tagen ein Blick auf die Gewichtsstatistik. Deshalb fassen wir uns kurz. Alle zusammen nehmen 480 g zu; das ist so bescheiden, dass es nur belanglos sein kann. Die Highlights setzen der Erst- und Letztgeborene, also Hartl und Hallodri. Hartl hat Nachholbedarf und befriedigt diesen mit 110 g, macht 1360 Gramm und Platz vier zusammen mit Hobo und Hetty. Hallodri spielt sich mit seinen Geschwistern: 130 g (1680) und naja, was schon? Stockerl ganz oben. Die anderen im Schnelldurchlauf: 2. Platz Hakuna (1470, 0), 3. Platz Harpo (1440, +40), 4. Platz Hobo (1360, 0), Hetty (1360, +50) und Hartl, 7. Platz Hias (1350, +60), 8. Platz Hedda (1290, +40), 9. Platz Halina (1260, +20), 10. Platz Hugo (1250, 0) und 11. Platz Hubsi (1120, +30).

HiasHias ist begeistertWie haben wir weiter oben bei der Würdigung des Benediktus schon angekündigt? "Willst du die Hallodris dick, stopf sie mit Fleisch an Benedikt". Das machen wir nun auch. Dort, wo das agrarische Geheimbündlerbrevier recht hat und konkret ist, soll und kann man ihm getrost folgen. Wir reichen den Hallodris erstmals echtes Fleisch, denn was ein echter Hund und Bayer ist, braucht Fleisch, und die Hallodris tragen den stolzen Namen vom Bairischen Blues und keineswegs Hallodris vom Veganen Blues. Tatar gibt es, für jeden ein Bällchen – und für jeden ein Abenteuer. Woher sollen sie auch wissen, wie man so etwas zwischen die Kiefer HarpoHarpo besteht auf Fleisch mit Knochennimmt und was man dann damit macht. Dass sie aber echte Bayern und Karnivoren sind beweisen sie schon Sekunden später, als sie sich sehr schnell auf diese Speise einstellen, sie sich mit Verve in den Gaumen schaufeln und verarbeiten, mitunter nochmal vor- und herausarbeiten (so etwa wie Wiederkäuer), aber dann ist es vertilgt und macht Laune auf mehr. Morgen wieder. Vorteil der Fleischspeise: Die Kinder sind deutlich weniger eingesaut als bei der Milchspeisung. Nachteil: Fianna hat kaum etwas zu putzen, und so bleibt ihr der Schnabel sauberer als ihren Kindern.

GismoGismo und HartlNachmittags haben wir noch ein Highlight für die Zwerge: Ihr Halbbruder Gismo (Gosh) kommt zu Besuch, und der ist so verliebt, dass er sogar Fianna die Arbeit abnimmt. Gismo leckt die Teiche auf, Gismo leckt den Kleinen das Hinterteil, damit sie sich lösen können, Gismo kugelt sie herum und spielt mit ihnen wie ein verliebter Gockel. Gismo legt sich sogar hin, um ihnen seinen Bauch zu bieten, was die Hallodris aber schnell als Fake der besonders üblen Sorte identifizieren: Eine Zitze ist keine Zitze! Gismo ist nur unterwegs, immer darauf bedacht, keine(n) zu vernachlässigen oder zu vergessen, Gismo ist überall, vor allem aber mittendrin. Fianna lässt ihren Sohn gewähren und vertraut ihm ohne Wenn und Aber. Sie zieht sich ins Wohnzimmer zurück und gönnt sich eine Mütze voll Schlaf; auf den ist Verlass, kein Grund, ein Auge an ihn zu verschwenden.

So ganz ungewöhnlich ist Gismos Verhalten nicht, denn in der freien Wildbahn sind die jungen Rüden dafür vorgesehen, nach und nach die Mutter zu unterstützen und ihr immer mehr Arbeit und Erziehung abzunehmen. Etwa in der achten Woche übernimmt dann der Vater – damit der Nachwuchs auch das Richtige lernt und von den Weicheiern nicht verzärtelt wird. Gismo verhält sich also eigentlich ganz normal, aber für uns ist auch das eine herzerweichende Szene.

Fianna mit WelpenDemnächst wegen Überfüllung geschlossenEs scheint als ob Fianna Gismo darum beneiden würde, dass er nur eine Zitze am Bauch hat und in Ruhe gelassen wird. Langsam wir ihr der Ansturm der nun schon bewaffneten Hungermäuler lästig. Natürlich macht sie ihren Job, da lässt sie sich auch nichts nachsagen, aber gelegentlich, vor allem bei der letzten Versorgung nachts, geht sie dazu über, im Sitzen oder sogar im Stehen zu säugen. Die Meisten, bis auf die zu kurz Gekommenen, schaffen es schon, der stehenden Mutter das Gesäuge anzuzapfen. Und das sieht richtig gewalttätig aus. Kaum anzunehmen, dass die Mutter das anders empfindet. Es hat schon seinen Grund, dass wir nun massiv zufüttern. Die Mutter wollen wir uns nicht wegfressen lassen, es reicht ja schon, wenn sie uns in den verbleibenden Wochen die Haare vom Kopf fressen.

Die SchnullerboxDas sollte ein paar Tage reichenIn dieser Nacht legen wir auf das 30-Zentimeter-Brett vor der Kiste noch das 10-Zentimeter-Brett, um ganz sicher zu gehen. Beim Einschluss versucht Halina mit Nachdruck und Raffinesse, über die Barriere zu kommen. Da sie es schon einmal geschafft hat, wollen wir ihr kein zweites Erfolgserlebnis gönnen. Fianna bleibt in dieser Nacht noch eine ganze Weile in der Küche bei ihren Kindern, bis sie sich zu uns gesellt. Da hat der Rote Korsar schon längst die Herrschaft übers Schlafzimmer übernommen.

Mehr als ein Drittel unserer Zeit mit unseren Hallodris ist schon vorüber. Sie sind echte Herzgewächse geworden.