4. Woche (22.03. - 28. 03. 2017)
Mittwoch, 22. März 2017
Chico und Harpo Marx, der NamenspatronBevor wir irgendetwas anderes tun oder auch nur im Sinn haben sollten, beugen wir Haupt und Knie, um Harpos frühem Bruder Chico Marx zu gedenken, der heute vor 130 Jahren das Licht der Welt erblickte und ihr bis zu seinem Hinscheiden einen speziellen Glanz verleihen durfte. Wie bescheiden nehmen sich neben ihm die Geburtstage von Maximilian I. oder Wilhelm I. aus. Da freuen wir uns deutlich mehr über die Menschwerdung von Andrew Lloyd Webber, André Heller, Hugo Egon Balder und Bruno Ganz, ja sogar über Armin Hary, den ersten Menschen, der die 100 Meter in 10,0 Sekunden lief und damit bis zum heutigen Tag der schnellste Deutsche ist, dürfen wir uns freuen, in einer Nation voller Schlafmützen ein erinnerungswürdiges Ereignis. Selbst gegen ihn machen die Hochadeligen nichts her und wenig Eindruck. Jedoch über allen thront Chico, woran auch die Hochwürdigen Webber, Heller, Balder und Ganz ganz und gar keinen Zweifel lassen und sich freiwillig hinter ihm einsortieren.
Jetzt erst ist Zeit, einen Blick aus dem Fenster zu werfen – und ihn am liebsten gleich draußen zu lassen und das Fenster wieder zu schließen: Es regnet, 6° C. Der Frühling kommt mit güld'nem Bande? Schande. Er ist in irgendeiner italienischen Bar bei Espresso und Campari verhockt, wie die Schwalben, denen schon an Gregori nahgesagt wurde, dass sie eigentlich in der Gegend sein müssten: "Um den Tag des St. Gregor, da kommen auch die Schwalben vor." Das war am 12. März. Heute sind wir zehn Tage weiter und eine Schwalbe kommt noch immer nicht vor; keine Schwalbe und kein Frühling, und wenn sich schon eine Schwalbe gezeigt hätte, machte sie noch nicht mal einen Frühling, geschweige denn einen Sommer. Nix ist schick zum Hl. Chic.
Dann eben einen hoffnungsfrohen Blick auf die Statistik der laufenden Fettwerdung, die nach der ersten Fleischfütterung erfreulich sein müsste. Ist sie aber nicht, jedenfalls nicht so, dass man abheben müsste. Vermutlich ist doch das meiste Fleisch direkt aus dem Fell der Gourmets ins Recycling der Mutter gewandert. 510 g für alle? Das hätte Fianna mit ihrer Voralpenmilch wahrscheinlich auch noch hingekriegt. Lobend hervorzuheben ist eigentlich nur Hugo, der sich mit 100 g (1350) redlich bemühte und zum Lohn vom Vor-Hubsi-Platz auf den viertletzten Platz gehüpft ist. Auch Hartl mit 80 g darf sich unserer Wertschätzung sicher sein, 80 g (1440) befördern ihn von Platz sechs auf Platz vier. Für eine Gewichtsmatrone wie Hakuna, die allerdings keineswegs so matronal aussieht, sind 80 g nichts, was Erwähnung findet, obwohl diese Missachtung natürlich zutiefst unfair ist, aber die erwirtschafteten 1550 Gramm ändern nichts an ihrem Status: 2. Platz, wie gehabt. Den Rest im Schnelldurchlauf: 1. Hallodri (1700, +20), 3. Harpo (1470, +30), 5. Hobo (1410, +50), 6. Platz Hias (1380, +30), 7. Hetty (1370, +10), 9. Hedda (1310, +20), 10. Halina (1300, +40), 11. Hubsi (1170, +20).
Jedem sein eigenes Tellerchen Fianna hat zwar noch immer Milch und lässt ihre Kinder auch davon profitieren, aber sie folgt in dieser Hinsicht ihrer Mutterpflicht, nicht ihrer Neigung; die Kleinen werden inzwischen ziemlich massiv. Wenn sich die ganze Bande auf sie stürzt, verfolgt den Betrachter schon mal das Bild einer Spinnenmutter, die von ihrem Nachwuchs ausgesaugt und hingemetzelt wird. Solche Bilder im Kopf und die Gewissheit, dass Fiannas Voralpenvorzugsmilch immer noch die beste der Welt ist, aber nicht mehr ausreicht, um allen gerecht zu werden, füttern wir nun konsequent täglich zu: Welpenmilch und Fleisch, heute noch einmal Tatar, das wir aber, erstens zur Übung und zweitens wegen der besseren Kontrolle, erstmals aus Einzelschüsseln füttern. Es fasziniert uns, wie beherrscht die Hallodris sind und konsequent von ihrem Tellerchen lecken. Die Konsequenz endet mit der Geschwindigkeit der Nahrungsaufnahme, weil die Hallodris noch nicht gelernt haben, mit einem leeren Schüsselchen zur Essensausgabe zu wackeln und um einen Nachschlag zu bitten. Den Nachschlag liefert den Turboschlingern die Schüssel des Nachbarn. Und den Rest erledigt die Mama. So wird das nun weitergehen, weil wir natürlich bestrebt sind, dass auch Hubsi, Halina und die anderen Slim-Fast-Models die Abgabe am 24. April erleben, denn eines ist klar: In der Natur hätte Fianna nicht genug Nahrung für elf, nicht einmal über die Jagd könnte sie so viel Kalorien herbeischaffen, dass alle genug bekämen. Für die Welpen ist unser Einschreiten also ein Segen, für Fianna dagegen eine schlechte Nachricht, weil wir mit der Zufütterung ihre Ration abregeln, sonst geht sie binnen Wochenfrist auf wie ein Kugelfisch.
Hias und der SchrumpfkopfIrgendwie kommt die auf Reduktion gesetzte Fianna damit nicht sofort klar, aber mit der Lösung des Problems in einen inneren Konflikt, der von einem Schafskopf ausgelöst wird. Der Schafskopf ist getrocknet und deshalb so etwas wie ein amazonischer Schrumpfkopf, könnte also das vorenthaltene Futter als eine interessante Variante ersetzen. Gleichwohl: Fianna steht nicht besonders auf Schaf und bei Trockenzeug ist sie sowieso rosinenpickerisch. So wird aus dem Nahrungsmittelersatz ein Erziehungsmittel: Sie trägt es herum, präsentiert es ihren Kindern, und wenn die sich angestachelt und aufgehetzt über das Schrumpfschaf hermachen wollen, fällt der Watschenbaum um. Meins! Nase weg! Und dann trägt sie es herum und lässt es mit den gleichen finsteren Absichten in der Nähe einer anderen Welpenversammlung fallen. So kann man sich auch den Tag vertreiben – und dem Nachwuchs das kleine Einmaleins der Etikette beibringen. Das hat sie bestimmt noch von ihrem großen Vorbild Anouk in Erinnerung, die eine Großmeisterin in der Disziplin der Disziplinierung war.
Schafkopf hin, Kindererziehung her: Wenn wir Fianna etwas nehmen, bekommt sie dafür etwas anderes als Ausgleich; das Gleichgewicht des Wohlbefindens muss immer gewahrt bleiben. Die Chefin geht wieder mit ihr auf die Fährte. Dass Fianna darüber fast ein Ei legt vor Freude, wissen alle, die sie kennen, aber dass die Chefin fast noch ein Ei daneben legt vor Freude über die Suchleistung ihrer Kindsmutter, die augenscheinlich gar nichts vergessen hat, die konzentriert und zielstrebig wie in ihren besten Tagen die Wiese abschnüffelt, das war so nicht abzusehen. Doppeltes Glück und Feierlaune beim Blues.
Und Hetty freut sich darüber so, dass auch sie nicht nachstehen will und ebenfalls ein Ei legt, dorthin, wo man es kaum übersehen kann – hinaus ins Treppenhaus. Begeisterung lässt alle Vorsicht schwinden, und dem Vize entfährt darob beinahe auch ein Ei. Jeder legt noch schnell ein Ei und dann eilt die Nacht herbei. Eia Popeia...
Donnerstag, 23. März 2017
"Weht kalter Wind am Ottotag, das Wild noch vier Wochen Eicheln mag". Schwein gehabt. Der Hochnebel hängt fast bis auf den Boden, die Luft ist Wasser gefüllt, aber die Temperatur bewegt sich zwischen 7° C und 14° C. Viel Wind wird nur beim Bairischen Blues um die Welpen gemacht. Kalt ist der jedoch auch nicht, manchmal besteht er sogar mehrheitlich aus heißer Luft. Das Wild darf sich also langsam auf zarte Knospen freuen.
Die Einzelfütterung bringt es an den Tag: Wir haben Raubritter, die selbst unter Aufsicht kalten Herzens zugreifen und sich des Mundraubs schuldig machen. Anders ist die Spreizung des Speckzugewinns von 0 bis 200 nicht zu erklären. Was den Chronisten zutiefst an seiner Weltsicht erschüttert, ist, dass drei der skrupellosesten Raubritter Raubwanzen, also weiblichen Geschlechts sind. Dass Frauen nicht besser sind als Männer, bestenfalls ungenierter, ist weithin unstrittig, spätestens seit heute jedoch mit Zahlen belegt. Die kälteste Schnauze ist – Halina! Halinchen, die sich häufig gerade noch vor Hubsi retten konnte, dieses Halinchen ergaunert sich 200 g auf einen Streich. Gut, sie kann es brauchen, aber nur mit plötzlich auftretender guter Futterverwertung kann das auch nicht begründet werden. Andererseits freut es den Chronisten zu sehen, dass die Süße auch einen Schuss Perfidie unter ihrem Pelz trägt. Venus im Pelz sozusagen. Nummer 2 der Mundraubritterinnen ist Hedda, die Halina mit 190 g nicht wirklich nachsteht, als Drittdrittlerin allerdings auch gute Gründe für einen effektiven Beutezug aufführen kann. Und dann hätten wir da noch Hetty, der man keine Mangelernährung nachsagen, aber bei längerer Betrachtung alles zutrauen kann. 160 g hat sie sich abgezweigt, davon sicher den Großteil aus eigenen Beständen rekrutiert, aber bestimmt auch aus Nachbars Metzgerei geplündert. Die 120 g für Hias kann man als Ergebnis nicht ganz korrekter Futteraneignung interpretieren, muss man aber nicht; seine Vita lässt auch eine Interpretation als Selbstversorger zu. Die Tabelle des 23. März sieht demnach so aus: 1. Hallodri +80 (1760), 2. Hakuna +70 (1620), die kommt auch ohne Lotsenrollgriff links und rechts gut durchs Leben, 3. Hetty +160 (1530, vom 7. Platz hochgenassauert), 4. Hartl +80 (1520), 5. Harpo +30, Hias +120, Hedda +190 und Halina +200 (alle 1500), 9. Hobo 0 (1410, Absturz vom 5. Platz), 10. Hugo +50 (1400) und 11. Hubsi +100 (1270), eine Schande eigentlich, dass man seine 100 g nicht extra erwähnt, vor allem, weil er über jedem Verdacht steht, seine Geschwister zu beklauen. So etwas tut Hubsi nicht, und heute standen nun einmal die zwielichtigen Gestalten im Mittelpunkt unseres Interesses. Wir loben also Hubsi explizit für diesen Kraftakt. Insgesamt ergibt dieser Tag der Gourmands 1060 Gramm Auflastung, was alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt – bald aber selbst nur noch eine Randnotiz sein wird. Es wird jetzt ziemlich stramm bergauf gehen mit den Gewichten der Hallodris.
Das TeufelsradDem Frühstück heute Morgen, das wie an allen letzten Tagen aus Welpenmilch aus dem Ring besteht, verschaffen wir den Hallodris ein Spektakel der besonderen Art, indem wir unseren Drehteller für Wurst und Käse auf den Küchenboden stellen, damit Fianna ihn schrankfertig putzen kann. Die kleinen mobilen Kugelporsches sind natürlich sofort zur Stelle, um ihrer Mama zur Zunge zu gehen und besteigen den Drehteller, den Mama nun, wie wir sie instruiert haben, in Kreisbewegungen versetzt: Hollaraidulljöh, ist das schö! Wir haben unseren Spaß, die Hallodris haben ihren Spaß und wieder etwas dazugelernt, nur Fianna ist eingeschränkt amused, weil sie etwas von ihrem Routinenachschlag abgeben musste. An anderer Stelle haben wir schon mal angekündigt, dass wir demnächst, wenn die Zwerge noch sicherer auf den Beinen sind, einen Tennisball an eine Strick binden und die kreiselnde Bande von oben attackieren, was als Mangfalltaler Teufelsrad in die Geschichte eingehen wird. Alle, die die Absicht haben, bei uns zu frühstücken, seien an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Drehteller selbstverständlich so gereinigt wieder zum Einsatz kommt. Hundespeichel ist ja bekanntlich antibakteriell.
Die Wohnzimmerwelt, verrammeltDer Flur, verriegeltAls sich etwas später Hedda und Hartl zum wiederholten Mal aufmachen, sich nicht nur das Wohnzimmer untertan zu machen, sondern gleich noch die Mangfalltaler Waschküche zu inspizieren und nach Sonnenflecken Ausschau zu halten, beschließen wir, jetzt doch mit einiger Verzögerung die Welpenabwehrgitter aufzubauen und aus dem Paradies in Blues ein charmefreies Alcatraz zu machen. Diese Maßnahme ist alternativlos, so alternativlos wie kaum eine andere, wenn wir nicht um unser Eigentum und das Leben unserer Kinder gebracht werden wollen. Nun ist unser Wohnzimmer vor den Welpen sicher, diese vor einem Absturz in den Keller und der legendäre Transit gibt den Hallodris ungehinderten Zugang zu Küche und Garten, ganz wie es ihnen (und uns!) beliebt.
Jetzt beginnt erst die eigentliche Welpenzeit, jene Zeit, die der Chronist so sehr herbeigesehnt hat, mit fröhlichen und quirligen Kindern unter bayerischer Sonne.
Freitag, 24. März 2017
Nun haben die Rehe aber wirklich Schwein gehabt, denn heute wabert wieder dicker Bodenhochnebel durchs Tal, so ein zäher Gumminebel, der noch nicht mal durch einen strammen Ostwind zum Auszug bewegt werden kann. Hätte dieser Wind schon gestern vorbeigeschaut, wären die Rehe weiter auf Eicheldiät geblieben. So aber haben die Bauern die A-Karte, denn "Scheint auf Sankt Gabriel die Sonn, hat der Bauer Freud' und Wonn". Dumm gelaufen, zumal die Waschküche sich den ganzen Tag hält und somit Freud und Wonn aussperrt.
Die Gewichtstabelle hält nach der gestrigen Hausse heute ein wenig inne: 840 Gramm sind sehr ansprechend und erfreulich, aber nichts, was den Statistiker mit Adrenalin füllt. Demnach gibt die Tabelle auch nicht viel her, das der Erwähnung wert wäre. Hobo darf man lobend erwähnen, der nach einem Fastentag 140 g aufgelegt hat, Hugo auch, der 100 g schaffte, mehr aber noch Hias, der nach den 120 von gestern heute schon wieder 100 g verstoffwechseln muss und dabei nicht überfordert scheint. Diese konsequente Arbeit an der eigenen Vervollkommnung bringt ihn heute bereits auf den 3. Platz. Über Hallodri muss man wahrscheinlich auch ein Wort verlieren: Auf Hubsidiesem Niveau 110 g aufzusatteln ist eine Demonstration des Willens und der Stärke: Haut rein, was ihr könnt, ich kann immer mehr. In dem Kerl steckt der ganze FC Bayern im Taschenformat. Charmante Erwähnung verdient auch das Pärchen Harpo und Halina, die derzeit Hand in Hand mampfen und marschieren; nach den gemeinsamen 1500 Gramm gestern erwirtschaften sie jetzt einvernehmliche 90 g und hocken, zusammen mit Hetty, auf dem 1590er Podest. Nicht übersehen sollte man, dass mit dem heutigen Tag alle das Zertifikat der geprüften Dreipfünder ausgehändigt bekommen. Alle, außer Hubsi natürlich, der unverwüstlich und unverdrossen hinterher wieselt, wie der Chronist jederzeit davon überzeugt, am 24. April nicht als Letzter über die Ziellinie zu gehen. Bravo, Hubsi, aus solchen Holz werden Helden des Alltags geschnitzt.
Eindeutiger Kommentar zur WohnzimmersperreDie Tabelle in der Übersicht (und für die, die es nicht interessiert, in der Wegsicht):
1. Hallodri (1870, + 110), 2. Hakuna (1660, +40), 3. Hias (1600, +100), 4. Hetty (+60), Harpo (+90) und Halina (+90) alle 1590, 7. Hartl (+30) und Hedda (+50), beide 1550, 9. Hobo (+140) und Hugo (+100), beide 1500 und 11. Hubsi (+30, 1300).
Tagesmenü: RinderhackAußer der Milchspeise geben wir heute kein Tatar mehr, sondern wechseln zum etwas bodenständigeren Rinderhack, sonst besteht die Bande womöglich ihr ganzes Leben auf zartes Beefsteak Tatar. Ab heute geht es in die kulinarischen Niederungen – Landhausküche.
Den Hallodris ist das sowieso Jacke wie Hose, weil sie nun mit Wesentlicherem beschäftigt sind, als sich mit der Abgrenzung von Tatar gegen Rinderhack abzumühen. Sie sind nämlich mittlerweile in der Lage, die Vorgänge in ihrem Lebensraum zuzuordnen, die Menschen einzusortieren und die ganze Szenerie zu interpretieren. Die Folge ist, dass man nun nicht mehr unbegrüßt bleibt; sobald man sich in die Küche begibt, wird man von einigen freundlich und fröhlich begrüßt. Sie stellen sich auf einen Fuß und blicken einen mit großen blauen Augen an, sie hängen sich an die Hacken und folgen uns getreulich wie die Jünger ihrem Herrn, was jeden Schritt zu einer potentiellen Gefahr macht, weil die Kugelporsches spontane Bewegungen und Richtungswechsel im Programm haben, die vom Cortex eines adulten Homo sapiens kaum vorhersehbar sind. Demgemäß wird seine Motorik um einige Verwindungen, Pendelbewegungen und Pirouetten bereichert, die im alltäglichen Bewegungsrepertoire seit der Kopulation auf der Rückbank eines VW Käfers verschüttet waren. Die Hallodris revitalisieren all diese motorischen Schätze wieder. Eine besondere Freude ist ihnen die Fahrt auf einem Pinkelhandtuch. Kaum erkennen sie, wie ein Mensch ein Handtuch über ihre Hinterlassenschaften wirbelt, kommen sie herbeigeflitzt, hocken sich schon drauf oder krallen sich an ihm fest, und lassen sich durch die Küche wirbeln und kutschieren: 'Eine Putzfahrt, die ist lustig, eine Putzfahrt, die ist schön, denn da kann man seinem Putzi kräftig auf die Nerven geh'n'. Vor allem, wenn Putzi noch Programmpunkt 7 bis 48 auf der Agenda als unerledigt gekennzeichnet hat, z.B. das Verfertigen der Chronik der laufenden Ereignisse.
Hetty nimmt alles, woran man zuzeln kannHetty, so viel scheint klar, hat noch Ziele in ihrem Leben; eines davon ist, nicht im Niemandsland der Speckrollenstatistik zu dümpeln und offenbar traut sie unseren Menüvorschlägen dabei nicht über den Weg. Deshalb ist sie allzeit auf dem Sprung, sich Mamas Vorzugsmilch, möglichst unter Ausschluss der geschwisterlichen Öffentlichkeit zu sichern. Zweimal direkt hintereinander schafft sie das auch, jedesmal zapft sie alle Hähne der Mama bis zum letzten Tropfen ab, ganz vorne beginnend und dann von Zapf zu Zitz sich nach hinten arbeitend. Mama ist dabei so entspannt – wahrscheinlich, weil der Rest der Bande davon keinen Wind bekommen hat –, dass sie sich nach der Entleerung der linken Milchleiste genüsslich auf die andere Seite rollt und Hetty noch eine Partie anbietet, die diese bis zur Neige absahnt. Das ist so eine Art doppelter Kokslinie für Hetty. Am Ende schwebt sie zwischen Laktose-High und Fettembolie, gerade dass sie uns nicht in die Küche reihert und dazu psychedelische Lieder singt. Wir machen uns einen Vermerk für morgen: Hetty, Gewicht!
Samstag, 25. März 2017
Wem soll man sich heute Morgen nun zuerst zuwenden: Hetty oder der heiligen Jungfrau? Das wird beim Blues pragmatisch entschieden, weil die spirituellen Angelegenheiten in der Verantwortung des Chronisten liegt, während sich die Chefin ums Handfeste kümmert. Und da sie zuerst aus den Federn ist, keinen Sinn für die Heilige Jungfrau, sondern ausschließlich für ihren morgendlichen Fahrplan hat, darf sich der Chronist und Vize noch einmal im Bett wenden, bis er sich den spirituellen Belangen zuwendet. Drunten wird derweil Statistik gemacht. Und es tut sich Ungeheuerliches. Umsturz. Revolution. Aufstand der Unanständigen. Hallodri ist entthront! Dabei sieht das Gesamtergebnis der gestrigen Leistungsschau mit 960 Gramm nicht spektakulär aus, das sind statistisch gesehen für jeden gerade mal 87 g. Wie irreführend Statistik sein kann, belegt dieses Ergebnis, dass etwa die gleiche Relevanz wie die Frage hat, welche Gemeinde Deutschlands das höchste Pro-Kopf-Einkommen verzeichnet? Na, weiß es jemand? Antwort: Heilbronn mit 39.524 €. In den anderen Gemeinden Deutschlands tragen die Bürger im Durchschnitt nur 20.507 € ins Finanzamt. Staunt jetzt jemand? Kein Grund, so sieht eine Statistik aus, wenn man Wesentliches unterschlägt, zum Beispiel, dass in Heilbronn Dieter Schwarz, der LIDL-Eigentümer sein Vermögen versteuert. Und genau so aussageschwach ist unsere Statistik mit den 87 g pro Kopf, wenn man berücksichtigt, dass Hartl und Hias eine Nullnummer geliefert haben, Hallodri nur 10 g, Hedda 30 g, sowie Hubsi und Harpo nur 40 g zu versteuern haben. Jetzt verteilen sich die verbleibenden 840 g nur noch auf fünf Köpfe, denen nun 168 g pro Nase an die Rippen gewachsen sind. Dass selbst dieser Durchschnitt der Wirklichkeit nicht wirklich nahetritt, werden wir gleich sehen. Nun denn... Beschäftigen wir uns doch einmal mit Hetty, die gestern die doppelte Kokslinie inhalierte. Bei ihr bleibt die Waage auf 1830 Gramm stehen, was einen Zugewinn von 240 g und den 3. Platz bedeutet. So ungefähr hatten wir uns das gestern schon gedacht. Bei welcher Gelegenheit und mit welchen Methoden sich jedoch Hakuna um 250 g angereichert hat, blieb uns verborgen. Durch das Loser-Ergebnis von Hallodri (1880) mit nur 10 g geht sie mit 1910 Gramm an ihm vorbei. Richtig coole Nummer. Hugo verdient sich ebenso einen Eintrag ins Geschichtsbuch: Mit 170 g plus und einer Schwerkraft von 1670 Gramm ist er vom Vor-Hubsi-Platz auf den 4. Platz geklettert (zusammen mit Halina). Wo Sieger aufsteigen, müssen Verlierer abstürzen. Hias hat seine Nullnummer (1600) mit einem freien Fall vom 3. auf den 8. Platz gebüßt. Hartls Abstieg vom 7. auf den 10. Platz ist kaum weniger bemerkenswert: Wir haben einen neuen Vor-Hubsi. Da werden 100 g plus plötzlich zum belanglosen Nebengeräusch, aber das hat Hobo nicht verdient: 100 g plus, 1650, von neun auf sechs. Tusch!
Im Überblick sieht das dann so aus: 1. Hakuna (1910, +250), 2. Hallodri (1880, +10), 3. Hetty (1830, +240), 4. Halina (+80) und Hugo (+170), beide 1670, 6. Hobo (1650, +100), 7. Harpo (1630, +40), 8. Hias (1600, 0), 9. Hedda (1580, +30), 10. Hartl (1550, 0), 11. Hubsi (1340, +40).
Das ist das amtliche Endergebnis am Tag der Verkündigung, womit wir endlich beim spirituellen Teil der Chronik angelangt wären und der Vize mitspielen darf.
"Ist der Sonnenaufgang an Mariä Verkündigung klar, gibt's ein gutes Jahr". Der Sonnenaufgang findet hinter dickem Hochnebel statt, deshalb verheißt der Chronist ein schlechtes Jahr. Ins gleiche Horn stößt dieser Spruch: "Schöner Verkündigungsmorgen, befreit von allen Sorgen". Die ab Mittag sich durchsetzende und Frühling spendende Sonne hat demnach nur noch korrektiven Charakter: "Mariä Verkündigung schön und rein, wird das ganze Jahr recht fruchtbar sein". Das mag den Landmann und den Gärtner beglücken, dem Tunix und Lebemann ist's wenig Trost. Und mit dem letzten Losspruch springt dann endlich der Draht aus der Mütze: "Wenn Maria sich verkündet, Storch und Schwalbe heimwärts findet." Störche gibt es bei uns nur selten und die Schwalben sollten eigentlich schon lange da sein, wie wir bereits am 12. des Monats gelernt haben. Der Vorschlag des Chronisten zum peinlichen Schwalbenthema wäre: "Wenn man die Schwalbe jeden Tag verkündet, sie sicher einmal heimwärts findet". Bis jetzt wurde noch keine gesichtet. Oder wie wär's mit dem: "Wenn Maria ihren Fehltritt ohne Schwalben gesteht, kaum noch Hoffnung auf Zwitschern im März besteht".
Doch woran ziehen wir uns eigentlich hoch? An der Abwesenheit von Schwalben etwa, wo heute Elton John seinen 70. feiert, ein Vöglein, das die Schwalben musikalisch weit in den Hintergrund drängt und uns mehr Sommersonne in die Herzen sang als Schwalben Sommer machen können, vor allem wenn man die verregneten einbezieht. Zugegeben: Wir wissen nicht, wie viele Tonnen Mücken er zu unserem Wohle in seinem Leben verspeist hat. Da können wir auf die Schwalben weniger verzichten als auf Elton John. Deshalb der Vorschlag zur Güte: Elton singt uns im Winter bei einem schönen Tässchen Tee Sommer in die Herzen und die Schwalben versüßen uns den Sommer mit ihrem Appetit. Nur sollten sie dann langsam kommen, das Schwirrzeug hat sich längst in Stellung gebracht.
Wirh a little help from our friendsHErste gemeinsame Paradiesbesichtigungeute ist der Tag, an dem aus unserem Garten ein kleines Welpenparadies wird: Der Parcours wird aufgebaut. Zwei Tunnels, ein Zirkuszelt für die Abendvorstellung, hier und da ein Holzpodest, Bretter zum Aufstieg, Kellergitter, zwei Mülleimerdeckel zum Karussellfahren und anderer Trödel. Aber vor allem wird der Zaun errichtet, damit das Vergnügen der Hallodris begrenzt bleibt und unseres unendlich wird.
Wir sind erstaunt, wie professionell die Hallos damit umgehen, vor allem Hartl kann sich gar nicht sattsehen, schnüffelt sich von Station zu Station, stellt sich vor und meldet sich an – angenehm, Hartl vom Bairischen Blues – und bleibt dabei völlig unbewegt und geschäftsmäßig. Er wird viele Fragen zu beantworten haben, wenn ihn seine Geschwister im Nest löchern. Aber auch sie haben zu erzählen, weil sich alle umtuen und sich den neuen Reizen nicht verschließen. Sie sind unbekümmert, ohne kopflos zu sein. Ängstlich ist keine(r). Aber Hartl hat auch die Objekte in der Ferne der Gartengalaxie besucht, wohin sich die anderen noch nicht gewagt haben. Doch alle betrachten es als große Annehmlichkeit, ihre Geschäfte nun auch im Freien erledigen zu können, wobei wir feststellen, dass die festen Hinterlassenschaften nicht mehr so fest sind wie bisher: Die Vorzugsmilch Fiannas, die sie Hartl, der ErobereraHedda und Harpo helfen beim Aufbauuch im neuen Paradies anbietet, was die Vertrautheit mit diesem entscheidend steigert, die gehaltvolle Welpenmilch und das gegenüber dem Tatar deutlich fettere Rinderhack verleihen dem Stuhl deutlich mehr Geschmeidigkeit, allerdings weit jenseits jeder Sorgenschwelle.
Hallodri ist schon in seinem ElementDDer Transitamit die Hallodris nun freien Zugang zum Garten und in die Küche haben, wird der legendäre Transit durch die gute Stube des Blues gebaut. Jetzt können sie rein und raus, wann sie wollen und wir nichts dagegen haben, was ihnen den Luxus beschert, ihre Stoffwechselendprodukte in Küche, Flur, Garten und Transit großzügig und gerecht zu verteilen. Womit sie auch umgehend beginnen. Mit dem Transit ist die letzte Phase des Welpenparadieses geschaffen, jetzt muss es nur noch mit Leben gefüllt werden. Dafür werden wir zusammen mit den Hallodris schon sorgen. Heute halten sie sich für den Rest des Tages draußen auf und sind abends für neue Großtaten viel zu müde. Morgen ist ja auch noch ein Tag, und zwar ein schöner, wie der amtliche Wettermelder verkündet, da muss man nichts übers Knie brechen, da wächst das Leben ganz von selbst um einen herum ... I guess that’s why they call it the Blues...
Sonntag, 26. März 2017
Der Morgen beginnt mit strahlschönen -3° C um 6 Uhr, dann rafft sich dieser Frühlingstag zu weiß-blauen 12° C auf und legt sich um 24 Uhr mit -2° C und völlig unverhüllt wieder ins Bett, und zwar noch immer putzmunter, weil ihm eine Stunde fehlt: Sommerzeit. Die vom Blues scheren sich um solche weinerlichen Mir-fehlt-jetzt-den-ganzen-Sommer-eine-Stunde-Diskussionen nicht; uns fehlen derzeit mehr Stunden, da macht die Zeitumstellung das Kraut nicht fett. Viel wichtiger ist, dass es heute trocken bleibt, denn: "Ist es um Ludger draußen feucht, dann bleiben auch die Kornböden leicht." Da werden sie sich freuen die Landmänner und wir trinken darauf einen Doppelkorn.
Was draußen vor der Tür so unfeucht, leicht und beschwingt daherkommt, hat sich im Innenverhältnis des Blues zu einem verbissenen Positionskampf ausgewachsen, in dem das Imperium völlig emotionslos zurückgeschlagen hat: Hallodri hat Hakuna wieder vom Premiumplatz gewischt. Die alte Ordnung ist wieder hergestellt. 140 g hat er sich eingearbeitet, mit 2020 Gramm die Vierpfündermarke übersprungen und Hakuna mit 1940 Gramm (+30) deutlich ihre HeddaGrenzen aufgezeigt. Den 3. Platz beansprucht Hetty, allerdings schon mit 100 g Rückstand auf Hakuna, was bei einem Zugewinn von 10 g auch nicht verwundert. Vierter ist Hobo (1770, +120), der sich ambitioniert und konzentriert vom Letztdrittel-Hobo über den Mittelfeld-Hobo in die Spitzengruppe arbeitet. Auch Hugo stabilisiert sich in der oberen Hälfte auf dem 5. Platz (1750, +80). Hedda nuckelt und mampft sich 140 g auf die Modellfigur, was ihr den 6. Platz und 1720 Gramm einträgt. Den Vogel schießt Hartl ab, dem man ernährungsphysiologisch ADHS konstatieren muss; keiner irrlichtert so durch die Tabelle wie Hartl. Heute hat er es mit 160 g wieder allen gezeigt und richtet sich auf dem 7. Platz ein (1710), gestern war er noch der Vor-Hubsi – ein charmantes, aber in Ernährungsangelegenheiten unstetes Kerlchen. Der 8. Platz wird von Harpo besetzt (1700, +70), der 9. Platz geht an Hias, der sich, wie Hartl, jedes Stockerl mindestens einmal ansehen muss, was ihm beim Hallodri-Hakuna-Stockerl vermutlich nie gelingen wird. Heute lässt er sich 80 g gutschreiben und meldet 1680 Gramm. Die Durchhängerin des Tages ist Halina, die es geschafft hat mit einer glatten Null (1670) vom 4. auf den 10. Platz zu sacken. Hubsi dagegen arbeitet zäh auf den Tag hin, wo die anderen schwächeln. Heute sind es 110 g, die er sich aufgeladen, aber mit 1450 Gramm immer noch eine Menge Arbeit vor sich hat.
Heute hat das Stammpersonal des Blues einen Termin im Allgäu, weshalb gestern schon unsere Benta (bald 12 Jahre) und Dacapo (bald 9 Jahre) vom Fuße des Bayerischen Waldes angereist kamen, um sich als Welpensitter zu betätigen, was dann doch eher an ihren Führungsoffizieren hängen bleibt, weil Dacapo Welpen, wie die meisten erwachsenen Rüden, als Brechmittel empfinden und Benta wegen einer gewissen Disharmonie mit Fianna nur zeitweise als Nanny aushelfen darf, sonst müsste man die Mutter von ihren Welpen trennen, was nicht in Frage kommt. Unter normalen Bedingungen und bei geordneten Verhältnissen kommen die beiden miteinander klar, aber wenn Übermutter Fianna die Rechte auf ihre Welpen gegenüber der Ex-Übermutter Benta einklagen muss, steht das Kommunikations-Barometer auf Sturm. So also wechseln sie sich in der Hallodri-Betreuung ab und gehen sich ansonsten aus dem Weg, indem sie sich aus den Augen gehen. Und so funktioniert das auch bestens.
Benta und der Vize bei der ArbeitDen Hallodris ist Tante Benta auch recht, weil sie bei schönem Wetter genug zu tun haben, sich ihr neues Paradies anzusehen und es langsam zu erobern. Den ganzen Tag tummeln sie sich im Garten herum, wobei die Schlafphasen deutlich länger sind als die Eroberungsphasen. Es gibt viel zu entdecken – schlafen wir's aus. Das lässt auf einen geruhsamen Abend im Schoß des Blues hoffen, wenn sie sich alle voller Eindrücke in ihre Schlafmützen graben. Solange sie nämlich munter sind, wir das Leben in der Küche des Blues schön langsam zu Herausforderung, weil die Knirpse nun wirklich flink auf den Beinen sind und alles herumschleppen, was sie schleppen können und sich dabei an keinerlei Verkehrsregeln halten. Wer bislang noch nicht weiß, wie der Züchterschlurfgang geht, muss es schnell lernen – oder ein Grab schaufeln. Man schreitet jetzt nicht mehr, man schlurft, weil man beim Schlurfen ein unerwartetes Hindernis nur wegschieben, beim Schreiten und Auftreten aber zertreten kann. Und bei all den Vorsichtsmaßnahmen ist noch nicht einkalkuliert, dass man neben querflitzenden Hallodris auch noch Pfützen und Endmoränchen zu vermeiden hat. Unter solchen Umständen altert man motorisch innerhalb weniger Tage um viele Jahre. Wer uns durchs Küchenfenster beobachtet, muss den Eindruck gewinnen, dass sich hier nicht die stolzen Hausherren des Blues bewegen, sondern deren unfertige Avatare.
Völlig erstaunt sind wir vom unkomplizierten Umgang der Hallodris mit den Nachtritualen. Der Vize führt die Mutter nochmal zum Pipimachen aufs angerenzende Feld, dann schickt er sie zu ihren Kindern, dass sie leer und die Kinder voll werden, und packt das Schnatterpack anschließend in die Schnullerkiste, legt die Sperre davor, macht das Licht aus und genehmigt sich ein erstes und letztes Bier an diesem Tag. Alles gut gegangen, alles wohlauf. Und die Knirpse lassen Ihre Kasernierung noch immer kommentarlos geschehen. Wir hatten hier schon Freiheitskämpfer, die uns nach zwei oder drei Tagen Freigang in der Küche die Nacht zur Hölle schrien, solche, denen der Jähzorn ob dieser Zumutung aus den Ohren spritzte. Aber die Hallodris kuscheln sich zusammen und genießen die Ruhe in ihrer Kiste. Die sind eigentlich unbezahlbar. Warum sollten wir die eigentlich weit unter Wert weggeben?
Montag, 27. März 2017
Absolut wolkenlos präsentiert sich der 27. März, zwischen -5° C und 15° C. Wer also im Juni größere Pläne hat, darf sich schon mal freuen: "Ist an Rupert der Himmel rein, so wird er's auch im Juni sein". Wenn das so weitergeht, blicken wir auf einen prächtigen Sommer (die Schlechtwetterunken der Vergangenheit ignorieren wir) mit vollen Kornböden und tanzenden Landmännern und -frauen. Der Blues schafft eben für seinen Nachwuchs die Bedingungen, die ihre Entwicklung maximal förderlich sind; soll bloß keiner sagen, er hätte wegen des Wetters keine Welpenschule besuchen können.
Hias hat die Ratte entdecktViel ist von diesem so ansehnlichen Tag nicht zu berichten. Benta und Dacapo sind wieder abgereist (mission accomplished), die Hallodris inspizieren ihr Paradies und schlafen unter südlicher Sonne im Schatten. Was die Spezialisten interessieren dürfte: Nach kurzer Irritation durch den Wechsel vom Tatar zum einfachen Rinderhack ist der Output der Knirpse wieder normal. Der Darm hat sich angepasst. Das passt.
Hobo geht der Sache auf den GrundDennoch bahnt sich heute eine Zeitenwende bei den Hallodris an: Wir geben erstmals eingeweichtes und püriertes Trockenfutter. Das wird dreierlei zur Folge haben: Die mitgelieferten Ballaststoffe machen die Endmoränchen sukzessive zu markanten Endmoränen, der Urin beginnt zu riechen, was zukünftig vermehrtes Putzen im Haus und häufiges Schrubben der Terrasse notwendig macht, wenn es beim Blues nicht wie ein einem Löwenkäfig stinken soll und, drittens, werden die Gewichte jetzt signifikant nach oben gehen, was zugunsten der Burschen und zum Nachteil der Dirndl ausgehen wird.
Heute gibt die Gewichtstabelle wenig her. Hubsi arbeitet mit 110 g plus weiter an seinem Aufstieg, bei Hobo (+100) hält der Drang nach oben ebenso an und Hallodri zeigt mit 100 g, dass es vergebliche Mühe ist, ihn abschütteln zu wollen.
1. Hallodri (2120, +100), 2. Hakuna (2000, +60), 3. Hobo (1870, +100), 4. Hetty (1860, +20), 5. Hugo (1810, +60), 6. Hedda (+20) und Hartl (+30), beide 1740, 8. Harpo (+30), Hias (+50) und Halina (+60), alle 1730, 11. Hubsi (1560, +110).
Dienstag, 28. März 2017
"Wie St. Berthold gesonnen, so der Frühling wird kommen". Ganztägig keine Wolke am Himmel von -1° C bis 15° C. Wir können uns langsam darauf einstellen, dass der Frühling kaum auszuhalten sein wird.
Das Trockenfutter hat seine Schuldigkeit getan, die Hallodris explodieren. Da aber die meisten kräftig zulegen, ist das Auf und Ab in der Tabelle überschaubar. Am bemerkenswertesten ist Halina: 260 g plus macht 1990 Gramm und den 4. Platz. Gestern hing sie noch mit zwei anderen unten drin. Die hat sie heute abgehängt. Die nächste Hausnummer liefert Hallodri, der sich neulich sehr über die Frechheit von Hakuna geärgert haben muss, dass er nun nichts anderes im Sinn hat, als ihr sein ausdrucksvolles Heck zu zeigen: 230 plus, 2350 Gramm und mit Riesenschritten vorneweg. Im Mittelfeld passiert kaum etwas, ein Platz rauf, einer runter, nichts, das uns länger als unbedingt nötig aufhalten sollte. 1. Hallodri (2350, +230), 2. Hakuna (2040, +40), 3. Hobo (2010, +140 und Hakuna scharf auf den Fersen), 4. Halina (1990, +260), 5. Hetty (1970, +110), 6, Hugo (1950, +140), 7. Hedda (1930, +190), 8. Harpo (1900, +170), 9. Hias (1870, +140), 10. Hartl (1840, +100), 11. Hubsi (1610, +50). Wir erinnern uns nicht, jemals einen so ausgeglichenen Wurf gehabt zu haben. Wenn man Hallodri und Hubsi weglässt, liegen die anderen neun in einer Spanne von 200 Gramm, das ist nichts und kann, wie wir gesehen haben, von jedem jederzeit genutzt oder versandelt werden (Wie sieht es denn aus mit den privaten Wettscheinen? Bisher traut sich noch niemand aus der Deckung.).
Seit unserem ersten Wurf schallt bei jeder Mahlzeit das berühmte 'Matze-Matze-Matze' durch die Hallen und Gärten des Blues, jener Futterschlachtruf, dem auch weit in die Jahre gekommene Nachkommen des Blues noch folgen. Heute Morgen bei der Milchspeise entfaltet er erstmals seine volle Wirkung: Wie ferngesteuert stürzen die Hallodris zur Chefin und umgehend in die Milch. Sie sind nun konditioniert und lassen alles stehen und liegen, wenn dieser Ruf erschallt. Es liegt Zirkuszauber über dem Blues.
Neben Milch und Fleisch geben wir auch heute wieder Trockenfutter, weil es zusätzliche Bausteine liefert, die die Zwerge jetzt brauchen. Bei der Fleischmahlzeit geben wir jedoch keine Kohlehydrate dazu (Reis, Nudeln, Kartoffeln), weil sie die in diesem Entwicklungsstadium noch nicht richtig verwerten können. Das kommt fast alles wieder raus und meistens in dünner Form. Das Problem hatten wir früher immer wieder, jetzt sind die Hallodri-Rückstände weiterhin fest und bestätigen diese Maßnahme.
Harpo hat die Quelle fest im BlickZu all dem gibt natürlich Mama auch immer noch etwas aus ihrer Privatmolkerei, wenn auch immer weniger und weniger begeistert. Es muss eben sein, die Produktion ist noch nicht gestoppt, also muss der Milchsee raus. Das ist wie früher in der EWG, nur kann eben Fianna aus ihrem Milchüberschuss keine subventionierte Weihnachtsbutter machen. Die Begeisterung der Hallodris ist reziprok proportional zu der ihrer Mutter. Ein Mittelweg oder ein Kompromiss ist in diesem Fall nicht in Sicht, da hilft nur die klare Ansage, wann sie sich wieder verdrücken sollen, und Fianna scheut sich nicht, diese auch zu machen.
...und tschüßWir erinnern uns, dass die Hallodris zum Putzen immer noch in die Kiste gesperrt werden und seit geraumer Zeit das 30-cm-Brett um ein 10-cm-Brett aufgestockt wurde. Diese Höhe hat bislang alle Ausbruchsversuche bereits im Keim erstickt. Heute nimmt nun der Vize das 10-cm-Brett nach dem Putzen weg und kaum eine Wimpernschlag später macht es hinter ihm plumps und Hedda liegt in der Küche; ohne viel Federlesens hat sie sich über das 30-cm-Brett gestemmt, um ihren Vize zu begrüßen. Die anderen mühen sich derweil mit der Übung noch ab, und wenn er ihnen etwas mehr Zeit gegeben hätte, wären auch noch ein paar andere erfolgreich gewesen. Doch so putzig diese Ausbrecher sind, wenn man sie ohne Umstände und Klettereien aus der Box entlässt, kommen sie nicht auf dumme Gedanken, mit denen man sich später ständig herumplagen muss.
Hakuna packt die RatzEs sind immer wieder die Mädels, denen die großen Momente zuerst gelingen. Hedda ist körperlich nicht prädestiniert einen solchen Ausbruch zu inszenieren, da wären die Kerls eher im Vorteil, aber vermutlich liegt der Unterschied im unterschiedlichen Nutzwert von Schmalz und Hirnschmalz. Der kräftigen Hakuna durfte man allerdings schon zutrauen, mal einen Kraftakt zu präsentieren. Sie tut das mit einer Flauschratte, fast so groß wie sie selbst. Sie greift sie sich und rennt mit ihr durch den Garten und schüttelt sie wie ein Profi. Unsere bewährte und seit Anbeginn des Bairischen Blues unverzichtbare Begleiterin und Chefkommentatorin aus Dessau traf beim Anblick des Bildes von Hakuna mit der Maus den Nagel auf den Kopf: "Ameise. Trägt locker das eigene Körpergewicht". Dem ist nichts hinzuzufügen. Ihre Geschwister wollen diese Glanznummer gar nicht sehen und vergreifen sich verschämt am Verschnitt des Zitronenbaums, der einladend herumliegt und bald auf der ganzen Terrasse verteilt ist. Aber lange halten sie auch diese Anstrengung nicht aus, dann kuscheln sie sich wieder ins Bett und träumen davon, wie sie es anstellen sollen, auch mal Hakuna sein zu dürfen, mit Zitronenblätterzupfen geht man nicht in die Geschichtsbücher des Blues ein.
Die zunehmende und sich ausweitende Aktivität der Hallodris bringt einen Verlierer hervor: Bandit Rossi, der Rote Korsar. Erst wurde er aus dem Schlafzimmer vertrieben, seit Fianna wieder bei uns schläft und keinen freien Zugang zu ihren Welpen mehr braucht, wir also die Schlafzimmertür verschließen. Und nun wird er dauernd von seinen Lieblingssonnenplätzen vertrieben. Kaum streckt er seine alternden Glieder genüsslich der Sonne entgegen, irgendwo unterm Buchs oder auf der Terrasse der Lagerhütte, schon sind sie da, begrüßen ihn überschwänglich und keifen ihn an. Das ist kein Platz zum Rasten mehr. Der Rote Korsar zieht sich zurück. Der Rote Korsar kämpft nicht mit Segelschülern.
Halina langweilt sichNHobo gibt sein Bestesachmittag kommt die Zuchtwartin Christine wieder, um sich die Hallodris ein zweites Mal anzuschauen. Sie ist so begeistert von ihnen, dass sie, nach eigenem Bekunden, fast einen Milcheinschuss hat. Die Hallodris nehmen sie so gefangen, dass sie nur noch Sternchen in den Augen hat. Sie sind unendlich entspannt und zugänglich. Harpo legt sich auf den Tisch und lässt sich nach Belieben herumkugeln und begutachten und hat dabei noch seinen Spaß und Zeit mit ihr zu schmusen. An Zuneigung lassen es alle nicht fehlen, Hetty greift ihr sogar prüfend in den Ausschnitt. Doch der König der Zwischenabnahme ist Hobo, der auf dem Tisch stehend ein perfektes Sitz auf Kommando macht (Perfektionisten meinen, es hätte noch ein bisschen am Tempo gefehlt) und damit seinen Preis stramm nach oben treibt.
Hubsi blödeltEsHetty langt zu gibt nichts umsonst auf dieser Welt, schon gar nicht einen vierwöchigen Welpen, der Sitz auf Kommando macht. Und den Spaß mit den Hallodris bekommen auch wir nicht umsonst: Wir haben schon Halbzeit und bezahlen bald mit elffachem Verlust.