
Montag, 21.11.2022
5. Tag nach Kuno
Das Wochenende nach Calw und Frankenthal verlief beschaulich und mit der Aufbereitung unserer Erinnerungen und den ersten Vorbereitungen auf das Großereignis.
Nun ist beim Bairischen Blues der Alltag wieder eingekehrt. Außer bei Hedda: Sie wirft ihre Rute angesichts jedes Rüden noch immer provokant zur Seite. Dabei hoffen doch so viele Rüdenbesitzer in der Nachbarschaft, dass unsere beiden Animierdamen endlich wieder abrüsten; manche wissen schon nicht mehr, wo sie spazieren gehen sollen, um die Duftwolken des Bairischen Blues zu umschiffen. Manch ein Hundemann sieht schon ganz elend aus, weil er seit Wochen die Nahrung verweigert. Gemach, liebe Nachbarn: Bald geht alles wieder seinen geregelten Gang.
Dienstag, 22.11.2022
6. Tag nach Kuno
Die Welt nimmt Kenntnis von der frohen Botschaft kurz vor der Adventszeit, und schon gehen erste Namensvorschläge ein. Von Killer ist da die Rede, von Konfuzius, Kalahari und Kalamari, aber immerhin ist noch keine Kimberley im Angebot. Man darf gespannt sein, was die Welt der Nomenklatoren noch so alles ausbrütet.
Montag, 28.11.2022
12. Tag nach Kuno
Grau sind alle Katzen in der Nacht. Grau ist der Novembernebel über dem Mangfalltal. Und grau ist alle Theorie. Nichtsdestotrotz müsste sich jetzt ganz theoretisch bald eine Befruchtungsreaktion bei Hedda bemerkbar machen: In dieser Woche sollte die Nidation der Follikel in der Gebärmutter vonstattengehen, was gewöhnlich sichtbare Zeichen wie Schmierblutungen oder Übelkeit mit sich bringt. Noch zeigt Hedda keine Anzeichen und ist froh und munter.
Zur späteren Verwendung nehmen wir heute in vorauseilender Gewissheit einer Schwangerschaft Heddas Gewicht und Maße, um künftige Veränderung für die Welt verfolgen und dokumentieren zu können.
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Datum |
Tag |
Gewicht |
Vorne |
Mitte |
Hinten |
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28.11.2022 |
12 |
29,6 kg |
73 |
71 |
63 |
Samstag, 3.12.2022
17. Tag nach Kuno
Der Himmel hängt voll dichtem Nebel, und zwischen Nebel und Erde wabern dicke Wassertropfen; das Mangfalltal ist ein frostiges Waschhaus.
Morgen feiern wir den 2. Advent, ein Begriff, der bekanntlich die Ankunft des Erlösers beschreibt. In unserem Fall wären wir schon einigermaßen erlöst, wenn wenigstens ganz normale Kinder ihre Ankunft ankündigen würden. Aber bisher kündigt niemand nichts an. Hedda bleibt gelassen, fröhlich und gelöst.
Wir bleiben geduldig und voller Zuversicht und feiern heute mit Freunden ein in lockerer Folge zelebriertes Adventsmenü, das sogenannte Vagener Apfändsschlingen, mit einem üppigen Sechs-Gänge-Menü.
Und siehe da: Es tut sich was, es zeigt sich was.
Ein solches Fest mit Freunden und guten Bekannten ist für Hedda eine Premium-Gelegenheit zu schmusen und allen auf den Wecker, besser noch auf den Schoß zu gehen. Doch heute ist ihr Blick unentwegt in die Ferne gerichtet, hinaus in den Garten; sie jumst und sumst wie an dem Tag, als ihr die Hitze zu Kopf stieg und wir umgehend den Franz fertigmachen mussten, um ihren Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Heute pfeift sie noch zusätzlich, fast möchte man sagen: aus allen Löchern. Sie wandert umher und will in den Garten. Lassen wir sie hinaus, hockt sie dort und sehnt sich nach der Gesellschaft von Fianna, die keine Sekunde daran denkt, ihr Bett mit der frostigen Nebelküche zu tauschen. Hedda schlurt wieder in die Tafelrunde, umkreist die Tafel und wandert wieder zur Tür, um hinausgelassen zu werden, und jumst und sumst und pfeift. Sie findet im Sitzen und Starren keine Ruhe. Etwas treibt sie um. Hedda hat Hormone, so wie andere Rücken oder Knie haben. Die Gäste nehmen sie mit glänzenden Augen in die Arme, als würde ihnen die Ankunft des Jesuleins demonstriert. Es sind aber nur (mit allem Vorbehalt) Kaschmir, Kauderwelsch und Kaugummi, die sich gerade häuslich in Heddas Gebärmutterhörnern einnisten.
In dulci jubilo…
Samstag, 10.12.2022
24. Tag nach Kuno
Schon seit Tagen durchdringen Freudenschreie das World Wide Web, Jubelrufe von Blues-Gefolgsleuten über den ersten Schnee in Norddeutschland und im Osten: Endlich ist er da, der segensreiche Winterbote, und schwarze Lieblinge mit gepuderten Nasen grimassieren in die Kameras.
Nun sehet, jetzt verkünden auch wir im Süden die große Freude, dass unsere Mädels frostige Behänge an den Beinen tragen und die Bäume sich unter der weißen Prachtlast biegen. Der Chronist erwägt derweil einen längeren Auslandsaufenthalt. Falls Hedda uns jedoch mit Kindersegen beglücken sollte, wird er sich wohl mit der frostigen Last arrangieren müssen...
Sonntag, 11.12.2022, 3. Advent
25. Tag nach Kuno
Winterwunderland
im Mangfalltal. Die Bäume und Sträucher verneigen sich demütig unter ihrer Last vor dem Bairischen Blues, der noch vor dem Frühstück zwei Stunden durch die Wattewelt wandert. Hedda und Fianna müssen sich nach zwei Jahren wieder an den Umgang mit einem Frisbee gewöhnen, weil wir den vergangenen Winter bekanntlich im Süden verbrachten. Das Frisbee-Szenario folgt jedoch noch immer dem gewohnten Muster: Fianna buddelt ihre Scheibe beim Versuch sie auszugraben immer weiter ein und lässt sie dann Scheibe sein und liegen. Das ist die Chance für Hedda, beide zu retten und uns stolz zu übergeben.
So weit, so unspektakulär. Auffälliger sind die zarten Haartollen, die sich an Heddas Flanken ausprägen, und das, obwohl sie eben mal wieder abhaart. Diese kleinen Seitenspoiler waren bisher bei all unseren werdenden Müttern ein sicheres Zeichen, dass sich in ihrem Inneren etwas regt und die Form verändert.
Wir nehmen deshalb wieder einmal Maß und registrieren: vorne drei Zentimeter mehr. An den Plätzchen kann es nicht liegen. Jedenfalls bringt uns das der Gewissheit näher, auch wenn es sich auf den ersten Blick nicht erschließt, warum anfangs ausgerechnet der Brustumfang wächst, anstatt des Bauchumfangs. Vielleicht ist das geweitete Herz der werdenden Mutter die logische Erklärung dafür.
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Datum |
Tag |
Gewicht |
Vorne |
Mitte |
Hinten |
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28.11.2022 |
12 |
29,6 kg |
73 |
71 |
63 |
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11.12.2022 |
25 |
29,3 kg |
76 |
71 |
63 |
Anlässlich seiner frostigen Spaziergangsfüße macht sich der Chronist eine Namensnotiz: Kross und Knackig sollen zwei Lieblinge heißen.
Montag, 12.12.2022
26. Tag nach Kuno
Knutschkugel oder Krampus?
Sehet, wir verkündigen euch große Freude: Euch werden alsbald Kindlein geboren! Der Bote, der uns diese Gewissheit verschaffte, heißt längst nicht mehr Erz Engel, sondern Ultra Schall.
Heute um 8:30 Uhr liegt Hedda auf dem Rücken und gewährt uns aufschlussreiche Einblicke in ihr Innerstes: Es pulst in ihrem Bauch – Hedda trägt. Gut gemacht Kuno!
In dulci jubilo!
Dienstag, 13.12.2022
27. Tag nach Kuno
Nach dem gestrigen Ultraschall hat sich die Zuchtmeisterin für drei Tage davongemacht: Weiterbildung! Dem Chronisten bleibt dabei vor allem, die Weiterbildung von Heddas Schätzen im Auge zu behalten – und natürlich, seine Schätzchen zu bewegen und zu bespaßen.
Dieser Spaß hat jedoch über Nacht ein arges Loch bekommen: Morgens misst er -15 °C im Mangfalltal, die sich auch im Tagesverlauf auf nicht viel mehr als -12 °C erwärmen. Da stapft er dann mit Frostfingern, einer roten Renntiernase und wässernden Augen durchs Land und lässt Frisbees fliegen. Wärmt er sich die Finger in der Jacke, hängen im unverzüglich zwei Eisprinzessinnen an der Tasche, in der Hoffnung, Belohnungen abgreifen zu können. Und in dieser Hinsicht sind sie sehr hartnäckig. Also werden die Finger wieder geopfert, und Frisbees schwirren durch die Luft.
In der Hoffnung, dass Hedda trotz der widrigen Bedingungen weiterbrütet und nicht die gesamte Belegschaft resorbiert, denkt er sich neue passende Namen aus. Kaltschale beispielsweise oder Kristall wären nicht schlecht. Kamtschatka ist sogar ein Volltreffer, weil der Name bei geschickter Verwendung bereits das Rückrufkommando einschließt: Come Tschatka!
Auf jeden Fall behält er sich vor, einen fünfprozentigen Erschwerniszuschlag auf den Welpenpreis zu erheben.
Mittwoch, 14.12.2022
28. Tag nach Kuno
Als wir am Montag einen tiefen Blick in Heddas Brutkasten werfen durften, nutzten wir die Gelegenheit, gleich noch Fiannas alljährlichen Senioren-Check anzuschließen. Das Ergebnis erfüllt uns mit Freude. Der langjährige Knoten an ihrer Milcheiste gibt weiterhin Ruhe, wächst nicht und verändert sich nicht. Therapie: weiter beobachten. Hinzu kommt eine Zyste, die aber bei Hündinnen, anders als bei Menschen, in den meisten Fällen unbedenklich ist, sich sogar häufig von selbst wieder erledigt. Therapie: beobachten. Darüber hinaus vibriert der Schallkopf vor Freude über eine augenscheinlich intakte Organwelt: Herz, Nieren, Leber, Milz und Darm zaubern auch auf das Gesicht der Ärztin einen freudigen Glanz. Und heute haben wir das Ergebnis der Blutprobe bekommen: Blutwerte 1 A!
So eine jugendliche Seniorin lässt die Hütte heller erstrahlen als es der strahlendste Tannenbaum vermag. Also noch einmal alle zusammen: In dulci jubilo…
Freitag, 16.12.2022
30. Tag nach Kuno
Es schneit den ganzen Tag. Die Hermelinliebhaber kriegen sich nicht mehr ein vor Freude und posten sich zu vor Begeisterung. Na denn: Prost! Der Chronist muss unter diesen Umständen die Zuchtmeisterin von der Bahn abholen, weil die bei Schnee nicht weiterfahren kann: Türen verklemmt, Weichen fest, Signalanlagen im Frostschock – es lebe die Deutsche Bundesbahn, die völlig analog (fast) allen Widrigkeiten trotzte.
Samstag, 17.12.2022
31. Tag nach Kuno
Die Wolken lassen Licht ins Tal und alsbald sogar die Sonne. Morgens rutscht die Zuchtmeisterin mit ihrem vierbeinigen Gefolge auf Skiern über ungespurte Äcker und Wiesen. Auch ihr Herz hüpft vor Freude, obwohl ihr der Sinn nicht nach Hermelinmantel steht.
Hedda teilt ihre Freude, obwohl sie nun schon fast die Hälfte der Schwangerschaft hinter sich gebracht hat. Wer noch so rank und schlank ist, kann auch noch eineinhalb Stunden rennen und Frisbees jagen. Die muntere Seniorin liefert dagegen einen Einblick in die Gründe ihres Top-Zustands: Sie lässt die Chefin spuren und schnürt in ihrem Windschatten hinterher. So macht es im übrigen auch der Chronist im Wohnmobil, wenn er es nicht eilig hat: Er hängt sich hinter einen LKW oder Bus und lässt sich ziehen. Die Alten des Blues sind eben vom gleichen Holz.
Wie nehmen wieder einmal Maß und stellen fest: Es tut sich was. Gemächlich zwar, aber unübersehbar. Und die Zwergenbande rutscht langsam von der Brust in den Bauch.
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Datum |
Tag |
Gewicht |
Vorne |
Mitte |
Hinten |
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28.11.2022 |
12 |
29,6 kg |
73 |
71 |
63 |
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11.12.2022 |
25 |
29,3 kg |
76 |
71 |
63 |
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18.12.2022 |
31 |
29,7 kg |
73 |
74 |
65 |
Montag, 19.12.2022
33. Tag nach Kuno
Es hat für Dezember ungewöhnlich vi
Halina. Hedda und Fiannael geschneit in den vergangenen Tagen und die Temperaturen blieben stabil unter Null Grad. Das weckt zwangsläufig die Hoffnung auf eine weiße Weihnacht – kann sich noch jemand an die letzte erinnern (Alpöhis und Polarkreissiedler ausgenommen)?
Heddas Schwester Halina ist heute zu Besuch. Seit ziemlich genau einem Jahr haben wir uns nicht mehr gesehen, aber die Mädels bleiben ein Herz und eine Seele und Halina ist immer noch bei uns zu Hause: Sie tobt durchs ganze Haus und verteilt Klamotten und gute Laune. Vor allem aber riecht sie sofort die kleinen Braten, die in Heddas Bauch gedeihen und geht, zumindest scheint uns das so, mit ihrer Schwester deutlich rücksichtsvoller um als es zwischen den beiden Rüpelinnen für gewöhnlich der Brauch ist. Der Bauch verändert den Brauch! Das allein ist schon eine frohe Botschaft zur rechten Zeit.
Dienstag, 20.12.2022
34. Tag nach Kuno
Es zeichnet sich ab, dass der mediale Tanz um die weiße Weihnacht schon heute ausgetanzt sein dürfte: Der Schnee wird Matsch und die Felder apern aus.
Wir beschäftigen uns demnach mit Schnee von gestern. Dabei sollten wir uns mehr mit unserer werdenden Mutter beschäftigen als damit, ob die Leute an Weihnachten Skifahren können. Im Gegensatz zum Schnee macht Hedda nämlich Fortschritte, und zwar vorwärts, nicht wie jener rückwärts. Selbst Nachbarn, die nicht mit dem Brutgeschäft vertraut sind, erscheint sie nun schon ein wenig rundlicher, etwas matronenhafter im Körperbau. Die Taille füllt sich zaghaft und die Seitenspoiler zeigen sich nun so deutlich, dass sie sogar Uneingeweihten auffallen. Das alles hindert sie allerdings nicht daran, weiterhin, gegen jede Vernunft, wie ein Quidditch-Ball durchs Mangfalltal zu zischen. Verehrte Welpeninteressenten, nehmt diese Information nicht auf die leichte Schulter: Eure Kinder nehmen diese Eigenschaft schon vor der Muttermilch in ihren Programmcode auf! Und niemand soll hinterher sagen, man habe es nicht gewusst… Man hätte es, wie so vieles andere, wissen können.
Mittwoch, 21.12.2022
35. Tag nach Kuno
Heute steht uns die längste Nacht des Jahres bevor: Es ist Wintersonnenwende. Wo und wohin sie sich heute wenden wird, wird sie selbst wissen: Bei uns kann das nicht stattfinden, denn wo keine Sonne ist, gibt es auch nichts zu wenden, egal ob sunny side up oder sunny side down. Womöglich verbirgt sich dahinter das Geheimnis, warum vor 5000 Jahren an diesem Tag die Druiden und Hexen im Steinkreis von Stonehenge und anderswo ihren Hokuspokus veranstaltet haben, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Klar ist auf jeden Fall, dass es von nun an wieder bergauf geht (es sei denn, Putin hätte einen anderen Plan), allerdings wird es morgens erst noch ein wenig länger dunkel bleiben. Dafür bleibt es nachmittags einen Lichtblick länger hell.
Reinhard Mey feiert heute seinen 80. Geburtstag. Vielleicht hat die längste Nacht seiner Geburt ihn dazu bemächtigt eine so ausuferndes Oeuvre mit nächtelangen Texten vorzulegen. Wobei: Hannes Wader, der in diesem Jahr ebenfalls seinen 80. Geburtstag feiern konnte, kam gleich nach der kürzesten Nacht des Jahres (23. Juni) zur Welt und zeichnet sich dennoch nicht durch gebotene Kürze und Verstraffung aus. Die Theorie sollte also noch einmal überprüft werden. Wir gratulieren jedenfalls und wüschen noch ein langes Leben und weiterhin so viel Schaffenskraft und Standvermögen: Drei Stunden Konzert allein auf der Bühne, wie kürzlich in München, schafft vermutlich nur noch Mick Jagger – aber der ist ja erst 79!
Donnerstag, 22.12.2022
36. Tag nach Kuno
Für die Zuchtmeisterin ist mit dem heutigen Tag das Schuljahr beendet. Wir feiern mit einem Frühstück auf dem Miesbacher Wochenmarkt fröhlichen Ausstand und den Einstand in die Weihnachtsferien.
Diesen frohgemuten Aus- und Einstand ermöglicht eine erfrischende Morgensonne, die den frühen Regen vertrieben hat. Doch schon bald, nachdem wir wieder in unseren vier Wänden sind, wird der Himmel wieder blickdicht. Der Nachmittag bringt einen strammen Wind und 10 °C. Die Langlauf-Ski verschwinden im Keller.
Weil es wegen
des Marktbesuchs morgens nur für eine knappe Geschäftsrunde reichte, geht es nun mit den Mädels auf mittelgroße Tour: 10 km bergauf und -ab, durch Wald und Feld, über Stock und Stein, durch Schmand und Schmodder. So eine Runde dauert zwei bis drei Stunden, und füllt Leib und Seele mit Nadelduft und Sternenstaub.
Solche ausgedehnten Spaziergänge hielten wir für all unsere werdenden Mütter bereit, manche waren schon so hochschwanger, dass sie bei einem Blick zurück nicht einmal ihr eigenes Schwanzende mehr erkennen konnten.
Geschadet
hat es keiner, im Gegenteil. So kommt nicht nur der mütterliche Kreislauf in Bewegung, sondern der Nachwuchs gleich mit der richtigen Einstellung in die Welt. Schade nur, dass das malade Knie des Chronisten eine solche Landpartie nicht klaglos überstehen würden. Es ist ein Kreuz – doch Stopp: Das kommt erst später, noch ist erst Weihnachten…
Freitag, 23.12.2022
37. Tag nach Kuno
Während sich in großen Teilen der USA ein Bomben-Zyklon mit bis zu -40 °C und Neuschnee bis über 50 cm ankündigt, versinkt das Mangfalltal im Regen bei über 11 °C. Und es ist richtig stürmisch; fast fühlt man sich wie in der Bretagne. Gut so, auf diese Weise haben viele Familienfeier-Rundreisenden wenigstens realistische Chancen das neue Jahr noch zu Gesicht zu bekommen.
Samstag, 24.12.2022, Heiligabend
38. Tag nach Kuno
Das Weihnachtswetter bleibt stabil atlantisch, nur der Regen hält sich etwas mehr zurück.
Effie, Hedda und Fianna mit PersonalDie Zuchtmeisterin trifft sich heute mit den Hunden und einer guten Freundin und ihrem Anhang im Münchner Tierpark Hellabrunn. Dahinter verbirgt sich ein alter, aber in den vergangenen Jahren aus dem Tritt gekommenen Brauch, den wir seit ungefähr 30 Jahren pflegen und nur unter absolut tierpark-unpässlichen Wetterbedingungen aussetzten.
Damals durften die Königspinguine an Heiligabend ihren ersten Winterspaziergang im Tierpark machen. Nachdem sich die Tür zu ihren Stallungen öffnete, watschelten und torkelten diese arktischen Oberkellner unter den Jubelrufen des Publikums durch ein hunderte Meter langes Spalier und genossen ihren Auftritt sichtlich. Jedenfalls konnte von Scheu keine Rede sein. Von diesem Tag an durften sie täglich ihre Parkrunde machen. Das ist alles Vergangenheit, weil die Zuschauer es von Jahr zu Jahr nicht mehr beim Spalier belassen wollten, den Tieren zu nahetraten und sie sogar von ihren Kindern jagen ließen. Daraufhin hatte die Parkdirektion die Nase voll und ein Einsehen und, wie so oft, die Einsichtigen das Nachsehen. Schluss, Ende.
Doch wir gingen weiterhin jedes Jahr in den Zoo und läuteten damit die Weihnachtszeit ein. In den vergangenen Jahren war oft sogar noch ein kuscheliger Biergartenbesuch bei 20 °C in der Harlachinger Einkehr drin. Und mit den Jahren fanden sich immer mehr Freunde, die uns begleiteten und Hellabrunn zu einem Eckpunkt in ihrem Jahreskalender machten. Heute sind sie nur zu sechst mit drei Hunden; der Chronist hats an den Bronchien und freut sich auf Weihnachten 2023. Schöne Bescherung!
Sonntag, 25.12.2022
39. Tag nach Kuno
6 °C, Wolken, Sonne und Nebel, irgendwie apokalyptisch dieser Weihnachtsmorgen.
Der Bairische Blues erfreut sich an diesem Morgen einer Wiedergeburt, nämlich der eines von Fianna im ersten Schnee verschusselten Balls. Heute, in der grünen Frühlingswiese, bittet er um Wiederaufnahme in die Familie und macht alle glücklich. Die seligmachendsten Geschenke bereitet eben immer noch das Leben, nicht das Christkind, der Weihnachtsmann oder gar der dauerbesoffenen Santa.
Wir nehmen routinemäßig wieder Maß:
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Datum |
Tag |
Gewicht |
Vorne |
Mitte |
Hinten |
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28.11.2022 |
12 |
29,6 kg |
73 |
71 |
63 |
|
11.12.2022 |
25 |
29,3 kg |
76 |
71 |
63 |
|
18.12.2022 |
31 |
29,7 kg |
73 |
74 |
65 |
|
25.12.2022 |
39 |
31,4 kg |
77 |
78 |
69 |
Um Messfehler handelt es sich bei dieser Entwicklung sicher nicht (die bei einem dauerbewegten Objekt schon mal dazugehören). Für uns ist immer wieder frappierend, mit welch einer preußisch-bürokratischen Pingeligkeit Hündinnen ihre Würfe abwickeln: Exakt diese Werte verzeichnete Hedda am 40. Tag des J-Wurfs. Sollte sich ein nativer Preuße wegen des eintägigen Versatzes in seiner Ehre verletzt fühlen, möge er das unserer bayerischen Näherungsmentalität zuschreiben; man bleibt hierzulande gerne mal im Vagen – und wir leben sogar in Vagen. Also bitteschön…
Wir wünschen nun allen Preußen, Bayern, Levantinern und Schlawinern, Weltbürgern, Abgehobenen und Niedergekommenen, Links-, Rechts- und Durchdrehenden, vor allem aber jenen, die wir heute gerne in den Arm nehmen würden, es aber wegen der Ferne nicht können, eine stimmungsvolle Weihnachtszeit.
Nachtrag:
Gerade erreicht uns eine fast unwirklich frohe Botschaft: Eine langjährige Freundin, der Mitte des Jahres ein geplatztes Hirn-Aneurysma beinahe das Leben, zumindest aber die Zukunft genommen hätte, ist auf einem strammen Weg der Besserung. Sie verschickt Weihnachtsgrüße! Erstmals selbst geschrieben und auch noch in tadellosem Deutsch. Sie habe allen Grund zur Annahme, bald wieder im Leben zurück zu sein, in ihrem alten Leben, nicht in irgendeinem alternativen. Man kann sich vor Rührung kaum halten. Ein letztes Mal für dieses Jahr: In dulci jubilo!
Montag, 26.12.2022
40. Tag nach Kuno
Heute, am 2. Weihnachtstag, trifft sich die Familie traditionell in der Heimat der Zuchtmeisterin zum Familienessen. Für Hedda und Fianna bedeutet das immer großes Glück, weil ihnen viel zusätzliche Aufmerksamkeit sicher ist. Das bedeutet allerdings auch, gelegentlich die Notbremse zu ziehen, weil Hedda zwar zunehmend mehr Futterbedarf hat, der jedoch nicht unkontrolliert vom Herzen der Anwesenden in ihrem Schlund verschwinden sollte.
Im vergangenen Jahr waren wir mit unserem Womo-Franz zu diesem Termin gefahren und anschließend gleich weiter hinaus in die weite Welt: Frankreich, Spanien, Portugal, England, Irland… Heute sind wir mit dem Pkw unterwegs und abends wieder zuhause. Der Bairische Blues bläst den Sabbatical-Blues.
Aber statt Kerry und Kilkenny warten in diesem Winter Kokolores und Katzlmacher auf uns; man kann eben nicht alles haben.
Wunderschönes WeihnachtsgeschenkBevor wir uns wieder dem Geschäftlichen zuwenden, wollen wir uns bei unseren vielen lieben Freunden bedanken, die uns alljährlich zu Weihnachten mit Segenswünschen, Danksagungen und oft genug auch mit kleinen Geschenken überhäufen. Auf diese Weise erleben wir alle Jahre wieder, dass diejenigen, die ihren Job als Züchter mit Liebe machen, den Verlust ihrer Welpen mit einem unschätzbaren Übergewinn an Freunden und Weggefährten vergolten bekommen. Herzlichen Dank euch allen.
Mittwoch, 28.12.2022
42. Tag nach Kuno
Falls sich jemand fragt, wie groß Karamasow und Kassandra derzeit sind, haben wir die Antwort: Ungefähr viereinhalb Zentimeter. Die Organe sind in ihrer Anlage entwickelt und der Darm, der für einigen Tage aus der Körperhöhle ausgelagert wurde, um schneller wachsen zu können, ist wieder in den Körper zurück gewandert, der „Bruch“ geschlossen. Hedda zeigt nun schon stolz ihre Zitzen her, verliert jede Menge Fell und kann eine gewisse Verformung ihrer grazilen Körperformen nicht mehr ganz verbergen.
Wir kommen schön langsam ins letzte Drittel der Schwangerschaft – und von nun an geht’s zügig voran. Jetzt ist Turbo-Wachstum angesagt. Deswegen füttern wir Hedda ab jetzt dreimal, erstens, weil sie mehr braucht und zweitens, weil der verfügbare Platz für den Magen immer knapper wird. Diese zusätzlichen Futtergaben haben allerdings auch zur Folge, dass der Chronist seine nächtliche Pinkelrunde mit den Mädels nicht auf das nötige Minimum beschränken kann, sondern Hedda etwas länger ausführen muss, um ihr eine Abfuhr der mehr zugeführten Ballaststoffe zu ermöglichen. Davon macht sie nun auch dankbar Gebrauch.
So wie es bei den Föten vorangeht, geht es nachts mit den Temperaturen wieder einmal bergab. Lange bleibt es aber nicht winterlich, im Gegenteil, fürs Jahresende sind sogar Frühlingstemperaturen vorhergesagt. Dann müssen sogar die Föten hecheln – die tun das tatsächlich –, weil sie auf diese Weise den Mangel an Schweißdrüsen ausgleichen müssen, nicht, dass Hedda lauter Hitzköpfe ausbrütet! Aber das muss ihnen erst mal jemand nachmachen: im Fruchtwasser hecheln, ohne sich zu verschlucken. Wir werden in Hedda hineinlauschen, ob wir ihr Hechelkonzert hören können.
Samstag, 31.12.2022
45. Tag nach Kuno, Silvester
Jetzt sieht man die SchwangerschaftAuch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Hedda kann nun ihren Zustand vor niemandem mehr verbergen. Aber sie verändert auch ihr Wesen. In gewisser Weise ist diese zurückhaltende, abwägende, verantwortungsbewusste Hündin nicht mehr unser spritzfideler Kobold Hedda. Das ist natürlich nicht nur nachvollziehbar, sondern zeugt davon, dass auch Hündinnen an der Größe der Aufgabe wachsen. Für uns ist dieses betuliche Wesen zwar befremdlich, aber da wir wissen, dass sie auch nach ihrer ersten Kinderschar wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurückfand, freuen wir uns auf die Tage, wenn sie wieder im Mittelpunkt ihrer Interessen stehen wird.
Den Jahreswechsel feiern wir mit Heddas Bruder Nando (Hallodri) bei uns. Neben einem üppigen Festmahl fällt vor allem die üppige Ballersehnsucht auf: Als ob man hier alle eingesparten Ausgaben während der vergangenen Jahre der Feuerpause lockergemacht hätte, kracht es nun ringsum, als wäre es die ultimativ letzte Chance, die Schwarzpulverindustrie zu beglücken und den Himmel zu vernebeln. Fast 20 Minuten kracht und scheppert es im sonst so friedlichen Mangfalltal. Ein blanker Himmel und 3 °C machen die nächtliche Ballerei zu einem lange nicht mehr erinnerten Vergnügen. Fianna, Hedda und Nando wissen nicht so recht, ob sie dem Spektakel draußen oder drinnen beiwohnen wollen, dementsprechend halten sie sich mal im Freien oder drinnen auf. Angst haben sie keine, aber wir haben den Eindruck, dass es für sie nach fünf Minuten gut und gerne hätte vorbei sein können. Wir halten fest, dass die Welpen, egal, welchen Namen sie einst tragen werden, nach dieser Nacht mit einem verdienten Sammelnamen ins Leben treten können: Knallchargen!
Sonntag, 1.1.2023
46. Tag nach Kuno, Neujahr
Es ist ein Wunder der Natur: Bei fast frühlingshaften Morgentemperaturen pfeifen die Vögel im Wald und in den Feldern, und wir fragen uns, wie es so viele von ihnen geschafft haben, den nächtlichen Artilleriebeschuss zu überleben. Und dann singen die auch noch! Morning has broken like the first morning...
Es hat noch nie geschadet, ein neues Jahr mit einem aufgeräumten und aktualisierten Zahlenwerk zu beginnen. Deshalb hier der Maßnahmen-Update von heute:
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Datum |
Tag |
Gewicht |
Vorne |
Mitte |
Hinten |
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28.11.2022 |
12 |
29,6 kg |
73 |
71 |
63 |
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11.12.2022 |
25 |
29,3 kg |
76 |
71 |
63 |
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18.12.2022 |
31 |
29,7 kg |
73 |
74 |
65 |
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25.12.2022 |
39 |
31,4 kg |
77 |
78 |
69 |
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01.01.2022 |
46 |
33,1 kg |
79 |
81 |
71 |
Es geht voran, wie übrigens auch mit dem Frühling: 12 °C und ein unverhüllter Himmel.
Wir wünschen allen Freunden und Verfolgern des Bairischen Blues‘ ein unvergesslich schönes Jahr 2023.
Dienstag, 3.1.2023
48. Tag nach Kuno
Heddas Mutterinstinkte übernehmen zusehends die Kontrolle über sie. Heute zeigt sie das in Prien (Chiemsee) geradezu exemplarisch. Weil der Chronist vormittags dort einige Termine zu absolvieren hat und der ganze Blues anschließend in die Schweiz zu reisen gedenkt, vertreibt sich die Zuchtmeisterin die Zeit mit Hundespaziergängen am See. Während Fianna ihrer gewohnten Neugier freien Lauf lässt, hängt Hedda am Bein ihrer Herrin: Ich will hier nicht spazieren gehen, das ist alles fremd und viel zu gefährlich. Sie, die Weitgereiste, die überall sofort zuhause und auf Siebenmeilenstiefeln vornweg auf Erkundungstour ist, fühlt sich am heimischen Chiemsee unwohl. Doch selbst in ihrem vertrauten Mangfalltal achtet sie seit geraumer Zeit sehr auf Distanz zu anderen Hunden und lässt nur gute Freunde an sich heran, Laufkundschaft verweigert sie die Annäherung.
Nachmittags fahren wir zu Fiannatochter und Heddaschwester Hakuna ins Engadin. Als wir Samedan und das Engadin Mitte Oktober zuletzt wieder verließen, schickten wir ein Stoßgebet zum Himmel: ‚Flieg, Zeiger, flieg, damit wir uns bald wiedersehn‘. Nun ist er geflogen, wie ihm befohlen, und wir sind wieder auf dem Weg.
Bergglühen zu unserer Ankunft in SamedanUnd wie damals regnet es. Doch als wir uns gegen 17 Uhr unserem Ziel nähern, brennen die Engadiner Bergriesen in der sinkenden Sonne. Von Winterwunderland kann dennoch weit und breit keine Rede sein. Seit Jahren ist unsere erste Januarwoche diesem Besuch im Dunstkreis von St. Moritz und Pontresina gewidmet und all die Jahre erlebten wir ein glitzerndes Winterparadies unter st(r)ahlblauem Himmel, das uns süchtig und die Zuhausegebliebenen neidisch machte. Heute flankieren traurige Matschreste statt Schnee unseren Weg. In Samedan stehen die Schneekanonen wie ausrangierte Haubitzen am Rand der Trainingspiste für die Fahrsicherheitstrainings auf Eis; es ist zu warm, um Schnee zu pulvern und Eis zu machen. Vormalige Langlaufloipen versuchen sich als Wasserwirtschaftswege.
Doch wir sind da und freuen uns auf ein paar Tage Ruhe und Abgeschiedenheit auf 1700 m. St. Moritz und die anderen Ferienorte sind weit genug entfernt, zudem in dieser ersten Woche des Jahres noch schwach besucht, und die Klunkerrussen haben sich bisher auch rar gemacht.
von links: Hakuna, Hedda und FiannaAuch für die drei Mädels stehen nun Erlebnistage an; sie sind ein vertrautes und eingespieltes Team, in dem sich jede auf die andere verlassen kann und Hedda keine Sorge haben muss, unter die Räder zu kommen.
Das ist besonders wichtig, weil sich Heddas Intrauterinpersonal nun richtig dicke macht und zunehmend aufträgt. Man meint, Hedda beim Dickerwerden zusehen zu können, was ihr ganztägige Beschwichtigungsworte und Streichelhände aller Anwesenden einträgt. Ihre Lagerprobleme können diese Zuwendungen dennoch nicht lösen: Der Bauch ist nun immer irgendwie im Weg. Egal wie sie sich zu lagern versucht, es wird immer beschwerlicher und unbequemer. Nur auf einem dick mit Kissen bestückten Sofa findet sie behagliche Positionen. Das verschafft allerdings allen anderen ein Lagerproblem, weil dieses Sitzmöbel nun vorwiegend der werdenden Mutter zu dienen hat. Allerdings sorgt das auch bei ihrer Mutter und Schwester für Unverständnis, denn bislang wurde dieses Sofa in einem nicht enden wollenden Ringtausch unter den Vierläufigen weitergereicht.
Wenn Hedda nicht dieses Sofa belegt, bevorzugt sie die fußnahe Lagerung bei Frauchen oder die armnahe bei Herrchen. Ihr aktuelles Motto lautet: Wo du hingehst, will auch ich hingehen. Hedda ist unser Schatten. Manche bezeichnen dieses Nähebedürfnis auch als „Pilotfisch“.
Mittwoch, 4.1.2023
49. Tag nach Kuno
Die Temperaturen halten sich ganztägig knapp über 0 Grad, und das große Tauen geht weiter.
Seit einigen Tagen bekommt Hedda mittags als dritte Mahlzeit Welpenfutter, das ihr die Substanz liefert, Karaoke und Kiepenkerl anständig zu versorgen. Und die nehmen das Fresspaket dankend an und gedeihen augenscheinlich prächtig.
Hakuna und Hedda - Beim
best friendsSpaziergang kommt sie mit diesen Wonneproppen im Bauch bestens zurecht und tobt mit ihrer Schwester hier in vertrautem Gelände unbeschwert und ausgelassen herum. Im Gegensatz zum Chiemsee ist sie fix und flott unterwegs und wirft das Bäuchlein um sich, wie einst der Bi-Ba-Butzemann sein Säcklein hinter sich geworfen hat. Allerdings muss sie im Sprintduell mit ihrer Schwester ihrer Leibesfülle Tribut zollen. Sie, die sonst ihrer wahrlich nicht langsamen Schwester immer noch ein Schnippchen schlagen konnte, muss ihr nun oft den Vortritt lassen, was der Harmonie der beiden jedoch keinerlei Schaden zufügt. Was der Herr zusammengefügt hat, kann eine Horde Knallchargen nicht trennen. Und Hakuna ist eine überaus rücksichtsvolle Schwester, die keinen Vorteil aus der körperlichen Benachteiligung ihrer Schwester zieht.
Donnerstag, 5.1.2023
50. Tag nach Kuno
Morgendliches FitnessprogrammJetzt
Morgens ist es noch schön kaltgeht die Temperatur nachmittags schon auf knapp 10 °C hoch, aber der Himmel ist vorwiegend freundlich offen, nur gelegentlich etwas zugeknöpft, was uns allen eine schöne Zeit auch ohne den vermissten Schnee beschert.
Heddas Zitzen sind nun schon richtig weiträumig freigelegt und liefern auf Druck sogar schon etwas Milch. Bei ihrem ersten Wurf hat sie sich damit bis zur Geburt Zeit gelassen. Im Unterschied zu ihren Herrschaften ist sie demnach lernfähig und vermeidet es, selbst wichtige Dinge aufs letztmögliche Datum zu verschieben.
Was die Versorgung ihrer Kinder angeht, schreckt sie inzwischen vor nahezu nichts mehr zurück.
Stichwort 1: Pferdeäpfel. Die meisten Welpen und Junghunde stürzen sich bekanntlich auf Pferdeäpfel wie der Teufel auf protestantischen Seelen. Diese Gier lässt schnell nach und verschwindet normalerweise bald. Auch Hedda denkt seit Jahren nicht mehr über den Genuss von Pferdeäpfeln nach – bis jetzt. Die mit Pferdeäpfeln gepolsterten Wege rund um unser Engadiner Feriendomizil stürzen sie in einen wahren Genussrausch. Fianna begnügt sich wenigstens damit, sich in ihnen zu wälzen, aber Hedda verschlingt sie mit der gleichen Genusssucht wie ihr Herr eine Engadiner Nusstorte.
Als Stichwort Nr. 2 wäre Fingerfood zu nennen. Die überaus sanfte Hedda (wenn es nicht um Bälle oder Ähnliches geht) schnappt bei der Leckerligabe aus der Hand zu wie ein Piranha. Wer seine Finger nicht rechtzeitig außer Reichweite bringt, sollte bereit sein, kleinere Verluste in Kauf zu nehmen. Das Wohlergehen ihrer Kinder steht für die werdende Mutter über allem, selbst wenn es anschließend keine Finger mehr geben sollte, die sie liebkosen und füttern könnten.
Richtig beunruhigt uns heute jedoch etwas ganz anderes: Was ist bloß los mit diesem Jahr? Kaum eine Woche alt, ist es schon eine einzige Götterdämmerung. Erst steigt der Fußballgott Pelé vom Olymp, dem folgt quasi auf dem Fuß der emeritierte Gott-Stellvertreter Benedikt und nun hat auch noch die Ski-Göttin Gold-Rosi demissioniert. Wir wollen alle zusammen hoffen, dass das nicht so weitergeht, sonst wäre die Welt am Ende dieses Jahres noch gottloser als sie sowieso schon ist. Obwohl: Auf die eine oder andere selbstinthronisierte Gottheit könnten wir schon noch verzichten…
Freitag, 6.1.2023, Dreikönigstag
51. Tag nach Kuno
Das Engadin strahlt in dreiköniglichem Glanz, obwohl das reformierte Terrain für die Gabenbringer weder Weihrauch noch einen Feiertag übrig hat. Dem Himmel scheint es einerlei zu sein, weshalb er auch den Gottlosen seinen strahlenden Segen schickt und T-Shirt-Wetter bereitstellt. In unserer kleinen Einsiedelei über dem noch jugendlichen Inn geht es nicht darum, dass der Herr das Haus segnen möge (Christus mansionem beneficat C+M+B), sondern alle Segenswünsche richten sich auf die werdende Mutter: Christus matrem beneficat!
Hedda fit wie immerUnd das wird von Tag zu Tag wichtiger, denn von nun an wird es psychologisch: Es darf nun wirklich nichts mehr passieren. Bis zum 57. Tag muss Hedda durchziehen. Wirft sie ihr Auslieferband vorher an, ist alles verloren und vorbei. Erst ab etwa dem 56. Tag sind wesentliche Organe wie Lungen und Lebern der Welpen funktionsfähig.
Ein wenig Ballspiel muss aber noch sein
Für uns bedeutet das nicht nur viel Liebe, sondern vor allem Rücksichtsnahme. Aus Sprintspielen mit ihrer Schwester werden jetzt Trabspiele, um zu vermeiden, dass sie sich dabei noch eine Verletzung holt, die medikamentös behandelt werden müsste, zumal nun die Zeit beginnt, wo Bänder und Sehnen der Mutter zur Vorbereitung auf die Geburt weicher werden. Als ob Hedda das wüsste, hält auch sie sich mehr und mehr zurück. Vor allem aber hat sie eine Mama, die als 30-fache Mutter und 8-fache Oma nicht nur mit allen Wassern gewaschen ist, sondern eine Wachhabende ist, die sich gewaschen hat. Sie hat ihre Augen und Ohren überall und greift sofort ein, wenn auch nur die Spur einer Gefahr drohen könnte. Heute Morgen jagt sie einen herbei tobenden Border-Rüden mit einer Bürste vom Kopf bis zur Rute und einem Blick direkt aus dem siebten Kreis der Hölle über alle Berge. Und das, obwohl Border-Collies normalerweise im Zentrum ihres Beuteschemas stehen und in ihrem Herzen ein Feuerwerk von Sternwerfern entfachen. Der Bursche hatte sicher nichts Böses im Sinn, aber jetzt weiß er, was ein Cerberus ist. Die sanftmütige Fianna ist auch mit elf Jahren eine verlässliche Erzangela Gabriela mit Feuerschwert.
Nachmittags sind wir zweieinviertel Stunden rund um Samedan unterwegs. Für Hedda ist das weiterhin kein Problem. Wichtig ist, dass ihr Kreislauf in Schwung bleibt und die Muskulatur nicht schlapp macht vor lauter Schonung, denn wenig ist schlimmer als mit einer schwachen Muskulatur eine stundenlange Geburt hinter sich bringen zu müssen. Damit hatten unsere Mädels nie ein Problem.
Und die Routinen zwischen den drei Damen spielen sich immer mehr ein. Als ein außer Kontrolle geratener freewheeling Wuschel quer über die Hänge auf die drei zueilt, schickt ihm Fianna an der Distanzgrenze einen Blick über die Schulter zu, dass der auf der Stelle eine freewheeling Pirouette in den Harschschnee schraubt und mit eingewutzeltem Schwanz Fersengel gibt. Da muss sie sich keinen Millimeter bewegen oder etwas zurufen; ein Blick genügt, um Hedda freizuschaufeln.
Fianna im Ball-Knautsch-Glück und die Schwestern gemeinsam unterwegsUnd erst der kollektive Umgang mit den Bällen! Fianna spielt ihre eigene Kugel in ihrer eigenen Fianna-Welt. Entscheidend ist, was zwischen Hakuna und Hedda läuft. Wenn wir Hedda ihren Ball ein paar Meter vor sie werfen, holt sie sich ihn und ist zufrieden und stolz. Hakuna ignoriert diesen Ball, unter anderen Umständen undenkbar. Hakunas Ball dagegen fliegt weit hinaus, damit sie auch richtig Gas geben kann und Hedda denkt nicht daran, hinterherzujagen. Unter anderen Umständen undenkbar. Erst wenn Hakuna wieder in ihrer Nähe ist, starten sie ein kleines Gerangel und Gezerre um ihre Bälle, doch so rücksichtsvoll und vorsichtig, dass nichts passieren kann. Wir sind gerührt zu erleben, wie instinktsicher Hunde mit einer solchen Situation umgehen, zumal Hakuna sie nicht kennt und auch Heddas erste Schwangerschaft nicht erlebt hat. Aber sie weiß, was getan und gelassen werden muss.
Nach diesem langen Ausflug sind allerdings alle drei redlich müde, denn das harschige Geläuf und die wohlige Sonne im Zusammenspiel mit der Höhenlage haben ihnen – und uns – eine zufriedene innere Schwere verschafft. Heute können sich die drei Prinzessinnen und ihre vier Ballverteiler auf einen erfüllten Tag zurückblicken, auch wenn uns kein König über den Weg gelaufen ist, geschweige denn gleich drei.
Sonntag, 8.1.2023
53. Tag nach Kuno
Der gestrige Tag in Samedan war einer zum Austrudeln mit sonnengefluteten Spaziergängen und einem wehmütigen Abschied. Es muss geschieden sein. Gegen 22 Uhr waren wir wieder zurück im Mangfalltal. Und jetzt ist für uns alle wieder Alltag.
Heute geht es mit den Wurfvorbereitungen los: Die Wurfkiste und der gesamte Welpentrödel werden vom Dach herunter befördert und bereitgestellt. Jetzt geht es nämlich Schlag auf Schlag. Heute begnügen wir uns damit, die bereits nach dem J-Wurf gewaschenen Laken, Decken und Spielsachen noch einmal kurz durchzuwaschen, weil nach fast zwei Jahren doch ein wenig Muffelgeruch an ihnen hängt. Und wer möchte schon in miefigen Laken gebettet sein? Wer würde denn unter muffigen Umständen frohgemut in diese Welt eintauchen wollen? Kolibris und Kakadus Nest soll nach Frühling duften.
Und dann muss Hedda wieder einmal auf die Waage und unters Maßband:
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Datum |
Tag |
Gewicht |
Vorne |
Mitte |
Hinten |
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28.11.2022 |
12 |
29,6 kg |
73 |
71 |
63 |
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11.12.2022 |
25 |
29,3 kg |
76 |
71 |
63 |
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18.12.2022 |
31 |
29,7 kg |
73 |
74 |
65 |
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25.12.2022 |
39 |
31,4 kg |
77 |
78 |
69 |
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01.01.2023 |
46 |
33,1 kg |
79 |
81 |
71 |
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08.01.2023 |
53 |
34,4 kg |
78 |
83 |
71 |
Das ist ein etwas verwirrendes Ergebnis, denn bei ihrem ersten Wurf hatte Hedda am gleichen Tag nahezu das gleiche Gewicht (34,5), aber in der Mitte und hinten jeweils drei Zentimeter mehr Umfang. Soll das etwa bedeuten, dass sie wenige Schwergewichte trägt, die zwar das gleiche Gewicht auf die Waage bringen, aber weniger Platz beanspruchen? Wir werden es bald wissen.
Bis dahin waschen wir erst mal weiter. Und das wird auch das Thema für die nächsten Wochen bleiben.
Montag, 9.1.2023
54. Tag nach Kuno
Die Annäherung an den mutmaßlichen Wurftermin ist immer wieder eine Abfolge von Déjà-vu-Erlebnissen. Der Unterschied ist, dass man für gewöhnlich unter Déjà-vu eine Erinnerungstäuschung versteht. In unserem Fall handelt es sich jedoch eher um eine Erinnerungserweckung.
Heute riecht Hedda nämlich erstmals nach Welpen, verströmt diesen süßsäuerlichen Geruch, den man von Welpen kennt und den das Fruchtwasser liefert. Wir erinnern uns, dass sie uns diesen Odeur auch bei ihrem ersten Wurf relativ früh präsentierte, weshalb wir uns auch nicht sorgen, sondern genussvoll unsere Nasen in ihr Fell stecken.
Ein zweites Déjà-vu ist ihre frühe Bewegungsunlust. Gestern noch konnte sie nicht genug mit ihrer Schwester durch die Auenlandschaften rund um Samedan toben, heute, wieder im Alltag zurück, findet sie, dass jeder Schritt über die notwendige flüssige und feste Entschlackung hinaus einer zu viel ist. Dann wendet sie ihr Haupt gen Mekka, dorthin wo ihre Futterschüssel steht. Dieser Wunsch bleibt unerhört: Sie muss sich und ihre Kinder bewegen. Aber wir erinnern uns, dass sie uns schon beim letzten Mal damit einen gehörigen Schrecken einjagte, weil wir befürchteten, sie bereite sich schon auf die Geburt vor. Aber sie hat weiter getragen, wie es sich gehört. Also klingeln auch in diesem Zusammenhang bei uns keine Alarmglocken. Wir marschieren einfach weiter, und sie folgt uns.
Wir kümmern uns lieber um die weiteren Vorbereitungen und kochen einen Riesentopf Hühnchen ein, der nicht nur der geschwächten Wöchnerin eine leicht verwertbare Aufbaukost ist, sondern auch zu den Leibspeisen der Welpen gehört. Außerdem bereiten wir die zauberhafte Morosche Karottensuppe zu, die ein altes und höchst wirksames Rezept gegen Durchfall ist. Es handelt sich dabei um eine mindestens eineinhalb Stunden gekochte Karottensuppe. Das Geheimnis der Moro-Suppe ist, dass durch den langen Kochvorgang sogenannte Oligogalakturonsäuren gebildet werden, die in der Karotte sonst nicht vorhanden sind. Diese Säuren wirken antibakteriell und liefern Mineralstoffe und Spurenelemente zurück. Die Wirkung entsteht vor allem dadurch, dass sie die Durchfall erregenden Darmbakterien an sich binden und somit verhindern, dass sie sich an der Darmwand festsetzen können. Wir haben uns nicht nur einmal von der segensreichen Wirkung dieser Suppe überzeugen können. Und ganz ohne Durchfall werden wir sicher nicht davonkommen. Aber auch die werdende Mutter muss sich meist schon vorab mit dünnem Stuhl herumschlagen. Wir sind jedenfalls vorbereitet!
Dienstag, 10.1.2023
55. Tag nach Kuno
Und die Welpen sind offenbar auch bereit, denn jetzt machen sie sich bemerkbar, wenn wir die Hand auf Heddas Bauch legen. Dann bollert plötzlich ein kleiner Kopf oder Popo gegen die Hand. Es ist immer wieder ein sehr emotionaler Augenblick, das wache Leben in der Hündin zu spüren.
Seit heute sind die Weihnachtsferien wieder vorbei und die Zuchtmeisterin verwandelt sich wieder zur Schulmeisterin mit Züchtigungs- und Ertüchtigungsauftrag. Die Tagesroutinen obliegen demnach wieder dem Chronisten und Zuchtassistenten: Spaziergänge, Heddas Mittagsfütterung, Bauchkrauleinheiten, Verabreichung von Durchhalteparolen. Nach zehn Würfen geht ihm das jedoch geschmeidig von der Hand.
Mittwoch, 11.1.2023
56. Tag nach Kuno
Jetzt sollte die Gefahr eines Totalverlustes bei einer zu frühen Geburt gebannt sein. Sicher würden einige Spätbefruchtete als Frühchen immer noch nicht überleben, aber der Großteil in Heddas Brutkasten würde überleben. Jedenfalls hoffen wir das.
Andererseits zeigt Hedda bisher keinerlei Eile; nicht dass sie ihren Zustand mit Freuden auskosten würde, aber sie lebt mit ihm in Frieden und Gelassenheit. Zusammen mit ihrer Mama streift sie behäbig, aber durchaus nicht abgeneigt, über die Wiesen des Mangfalltals. Klar, würde man nach dem ersten Kotabsatz umkehren und wieder nach Hause gehen, würde sie das Angebot annehmen. Da wir aber nicht auf diese Idee kommen, freut sie sich auch nach einer Stunde noch über ihren Ball, der ihr auch in diesem Zustand nie zu viel wird. Aber wir werfen ihr ihn sehr mundgerecht zu, um Hedda nicht zu akrobatischen Fangaktionen zu zwingen.
Donnerstag, 12.1.2023
57. Tag nach Kuno
Morgendliche Hunderunde um den Höglinger WeiherDer
Fianna und Hedda gemeinsam mit Freundin Krümelbeinahe Dauerregen von gestern weicht heute Morgen einem rosa-taubengrauen Himmel über dem Mangfalltal, und bald steht der Morgenhimmel in Flammen. Und die Wetterfrösche prophezeien weitere Schritte hin zu einem bisher kaum bekannten warmen Winter. Mal sehen, ob der Schnee kommt, wenn Heddas Knallchargen ins Freie drängen. Ihnen wird das wenig Probleme bereiten, aber uns dafür mehr: nasse Kinder, Dreck und Matsche allüberall. Aber erst einmal abwarten, beeinflussen können wir das Wetter sowieso nicht.
Wir konzentrieren uns dafür auf das Machbare und Notwendige. In die Mittagsportion Welpenfutter geben wir inzwischen laktosefreien körnigen Frischkäse (Hüttenkäse), um Hedda leicht zugängliches und konzentriertes Eiweiß zur Verfügung zu stellen. Ähnliches gilt für die Abendration, bei der Pansen erst einmal vom Speiseplan gestrichen und mehrheitlich durch hochwertiges Eiweiß vom Hühnchen ersetzt wird. Zum Distel-, Raps-, Hanf- oder Leinöl, von dem wir immer einen kleinen Schuss ins Abendfutter geben, kommt jetzt einmal wöchentlich ein Esslöffel Lachsöl oder Lebertran, angereichert mit einem kleinen Löffelchen Eierschalenmehl und Bierhefe. Ein- bis zweimal die Woche geben wir noch etwas Seealgenmehl dazu. Unseren Mütter und Kindern haben diese kleine Zugaben bisher immer gutgetan.
Wer jetzt jedoch glaubt, Heddas Umfänglichkeit ließe sich auf diese schrittweise Ernährungsumstellung zurückführen, der irrt: Hedda hat ihren körpereigenen Belly-Booster angeworfen und geht auf wie ein Hefeteig. Nein, noch ist nicht zu befürchten, dass sie bald platzt, aber wenn sie eine bequeme Lage sucht und dabei ächzt und stöhnt wie ein Walross, könnte der Eindruck schon seine Berechtigung haben. Kunos Saat geht jetzt richtig auf.
Weil die Erfahrung lehrt, dass man seinen Augen nicht immer trauen kann, nehmen wir abends gleich noch einmal Maß und stellen fest: Unsere Augen lügen nicht.
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Datum |
Tag |
Gewicht |
Vorne |
Mitte |
Hinten |
|
28.11.2022 |
12 |
29,6 kg |
73 |
71 |
63 |
|
11.12.2022 |
25 |
29,3 kg |
76 |
71 |
63 |
|
18.12.2022 |
31 |
29,7 kg |
73 |
74 |
65 |
|
25.12.2022 |
39 |
31,4 kg |
77 |
78 |
69 |
|
01.01.2023 |
46 |
33,1 kg |
79 |
81 |
71 |
|
08.01.2023 |
53 |
34,4 kg |
78 |
83 |
71 |
|
12.01.2023 |
57 |
36,8 kg |
79 |
90 |
76 |
Das ist schon unerhört! So schwer war sie bei ihrem ersten Wurf noch nicht einmal kurz vor der Geburt, dafür war sie am hinteren Messgürtel deutlich umfänglicher (82). Aber für die Messebenen gilt, dass schon ein Zentimeter weiter links oder rechts eine deutliche Schwankung bringt. Der Wert für die Körpermitte liegt jedoch auf Augenhöhe mit ihrem ersten Wurf (89). Wir revidieren jedenfalls unsere kürzliche Vermutung, dass wir es mit wenigen gewichtigen, aber raumsparenden Knallchargen zu tun haben könnten und geben die neue Losung aus: Viele schwere Jungs und dralle Mädels!
Freitag, 13.1.2023
58. Tag nach Kuno
Freitag, der Dreizehnte! Das Mangfalltal ist grau verhangen bei Temperaturen knapp über 0 Grad. So weit nichts Besonderes oder Beunruhigendes.
Eine Besonderheit, die wir bisher unterschlagen haben, sollten wir der chronistischen Vollständigkeit halber dennoch erwähnen: Hedda buddelt nicht. Wenn Hündinnen sich dem Setztermin nähern, graben sie Löcher und Kuhlen, wenn vorhanden im Garten, sonst gerne in Betten oder Sofakissen. Hedda buddelt keine Löcher. Wenn wir sie in den Garten lassen, interessiert sie sich für alles Mögliche, beispielsweise für unseren wegen der hohen Temperaturen aus dem Schlaf erwachten Igel, aber nicht für geeignete Stellen, um ihre Kinder artgerecht zur Welt zu bringen. Ihre drei Vorgängerinnen hätten sich, wenn wir sie gelassen hätten, bis nach Timbuktu gegraben, haben Bäume beinahe entwurzelt und Hecken in die Nähe des Einsturzes gebracht – nicht so Hedda. Ist sie aus der Art geschlagen, also irgendwie unnormal? Wenn wir ihr alltägliches Verhalten zugrunde legen, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Hedda nie buddelt. Während Fianna jedem Mauseloch ihre Aufwartung macht, lässt Hedda sie links und rechts liegen. Wenn sie gräbt, dann nur nach ihrem Ball, der uncharmanterweise in einem Maus- oder Hasenloch gelandet ist. Die Möblierung einer Mäuseburg oder die Panik deren Bewohner interessiert sie nicht. Uns soll es sehr recht sein, im Alltag wie jetzt kurz vor der anstehenden Geburt.
Allerdings schlägt das Wetter wieder einmal atlantische Kapriolen. Im Laufe des Tages wechselt der Himmel seine Farben rasend schnell von sphärisch-blau bis bleigrau. Im zweiten Fall bringt er heftige Regengüsse mit und spart auch nicht mit Wind. Solange Hedda keine Kapriolen schlägt oder gar Kapriolen zur Welt bringt…
Samstag, 14.1.2023
59. Tag nach Kuno
Heute beginnt der Schlussspurt ins Welpenabenteuer.
Aufbau der WurfboxDas
Fehlbelegung: Fianna testet die BoxWichtigste ist jetzt, die Schnullerbox, vulgo Wurfkiste, in der Küche aufzubauen. Dazu werden alle Teile ordentlich gereinigt und desinfiziert, zusammengeschraubt und flauschig ausgelegt. Hedda lässt sich aber noch nicht in die Box locken, dafür gibt sich Fianna als williges Boxenluder. Wenn der Innendruck sich seinen Weg nach draußen sucht, weiß auch Hedda, wo sie gut aufgehoben und behütet ist. Noch überlässt sie das kuschelige Lager ihrer „gebrechlichen“ Mama.
Anschließend wird die Kinderwaage in Position gebracht und alles für die Geburt Notwendige bereitgelegt: kindersichere Wachsmalstifte zur Markierung, Frubiase Calcium gegen den enormen Kalziumverlust einer laktierenden Hündin und viel Kleinkram mehr.
Und dann kommt heute erstmals das Fieberthermometer zum Einsatz. Hunde haben eine etwas höhere Körpertemperatur als Menschen, etwa ab 37,5 °C (bis 39 °C ist bei ihnen alles normal). Wenn die Geburt bevorsteht, sinkt die Temperatur der Hündin jedoch sehr schnell um ein Grad und mehr ab (um dann schnell wieder anzusteigen). Nun sollte man sich auf die direkt bevorstehende Geburt einstellen.
Wenn man von der Geburt nicht überrascht werden will, empfiehlt es sich also, die Temperatur in den letzten Tagen zu verfolgen. Heute Mittag messen wir bei Hedda 36, 8 °C, was schon ziemlich niedrig ist. Allerdings verhält sie sich bisher völlig unauffällig, hat morgens einen langen Spaziergang absolviert, einen gesegneten Appetit, der sich auch auf den Zwieback mit Leberwurst erstreckt, den sie als Belohnung dafür bekommt, dass sie ihren Popo für die Messung geduldig hinhält. Fianna kennt die Prozedur und ist auch ohne Rektaleingriff bereitwillig zur Entgegennahme eines Leberwurstzwiebacks zur Stelle. Nichts haben Hunde besser parat als Routinen, selbst wenn sie nur in großen Zeitabständen abgerufen werden müssen.
Bisher ruht Hedda und ruht in sich, weswegen bei uns keine Hektik ausbricht. Wir werden schon rechtzeitig merken, wenn etwas im Busch ist. Erst einmal sehen, was die Temperaturmessung morgen ergibt.
Sonntag, 15.1.2023
60. Tag nach Kuno
Hedda verbringt eine unruhige und hechelnde Nacht, aber wohl weniger wegen ans Tageslicht drängelnder Kinder als zu viel Wärme im Familienschlafgemach; wir hatten vergessen, die Balkontür zu öffnen, was bei 4 °C Außentemperatur kein Problem gewesen wäre. Als das geregelt ist, findet Hedda schnell in den Schlaf – und wir auch.
Heddas Hechelnacht und ihre wuchernde Körpermasse, die sich nun langsam beginnt abzusenken und ihr mehr und mehr den Charme eines Hängebauchschweins verleiht, veranlassen uns, gleich morgens eine neuerliche Messung vorzunehmen. Selbst wenn man kein aktuelles Foto dieser sonst so helenisch aphroditischen Grazie vor Augen hat, materialisieren diese Zahlen den wohlgerundeten Körper einer Rubens-Schönheit vor unsere Augen.
Von einer Gewichtsnahme sehen wir allerdings ab, weil die Messformel einer Differenzwägung (Herr und Hund – Herr ohne Hund = Gewicht Hund) zwar das Volumen bestätigen, aber auch die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls beim Wiegevorgang „Herr und Hund“ heraufbeschwören würde.
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Datum |
Tag |
Gewicht |
Vorne |
Mitte |
Hinten |
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28.11.2022 |
12 |
29,6 kg |
73 |
71 |
63 |
|
11.12.2022 |
25 |
29,3 kg |
76 |
71 |
63 |
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18.12.2022 |
31 |
29,7 kg |
73 |
74 |
65 |
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25.12.2022 |
39 |
31,4 kg |
77 |
78 |
69 |
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01.01.2023 |
46 |
33,1 kg |
79 |
81 |
71 |
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08.01.2023 |
53 |
34,4 kg |
78 |
83 |
71 |
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12.01.2023 |
57 |
36,8 kg |
79 |
90 |
76 |
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15.01.2023 |
60 |
– |
81 |
92 |
82 |
Heddas Rektaltemperatur liegt morgens bei 37,0 °C. Ihr Stuhlgang ist mal fest, mal weich, mal breiig, entspricht also anscheinend der wechselnden Stimmungslage in der Brutbox.
Zum Frühstück bekommt sie heute Welpenfutter wie schon seit einigen Tagen mittags. Mittags reichen wir ihr dafür Hüttenkäse mit einem Eigelb und zerquetschter Banane. Hedda schlabbert nur das Flüssige, und da erinnern wir uns, dass sie schon bei ihrem ersten Wurf mit Banane auf dem Kriegsfuß stand und auch sonst eher ausgewiesene Bäh-Nana ist. Macht nichts, wir haben ja eine Resteverwerterin der Kategorie „Hau weg“ im Haus: Fianna erbarmt sich der festen Bestandteile des Hüttenkäses und der Banane. Ihretwegen kann es so weitergehen.
Heute beginnen wir auch mit dem seit unserem ersten Wurf bewährten kleinen homöopathischen Rahmenprogramm: zweimal täglich acht Tropfen Pulsatilla, was sich bei uns und vielen Züchtern als segensreich gegen eine drohende Gebärmutterentzündung bewährte.
Darüber hinaus packen wir jedoch unsere Wöchnerinnen nicht in Watte, schon eher ins Auto, damit sie nicht in Selbstmitleid verfallen und sich den ganzen Tag den Bauch halten und trostheischend stöhnen. Alltag und Routinen sind die besten Voraussetzungen für einen unspektakulären Fortgang der Schwangerschaft.
von links: Fianna, Hedda und HalinaDeshalb
Ein Zerrspiel geht auch mit dickem Bauchbesuchen wir heute Heddas Schwester Halina in Hohenpeißenberg. Gleich nach Heddas Mittagsmahl 90 km bei strömendem Regen hin und nachts bei trockenem Geläuf wieder zurück; vom angedrohten ausgiebigen Schneefall war bis auf einige versprengte Flöckchen nichts zu sehen. Wie bei Halinas Besuch bei uns, umsorgt diese ihre hochschwanger Schwester rücksichts- und liebevoll. Sie, selbst mit der Erfahrung der Mutterschaft ausgestattet, weiß nur zu genau, was sich im Inneren ihrer Schwester derzeit abspielt und behandelt sie auch bei einem längeren Spaziergang so fürsorglich, als stünde sie selbst kurz vor der Niederkunft.
Am Abendessen mäkelt Hedda dann allerdings herum und lässt das meiste liegen. Was ihr serviert wird, ist zwar hochwertiges Bio-Rind mit Reis, aber möglicherweise für ihre eng gewordene Speisekammer etwas zu viel. Einen zweiten Versuch kurz vor unserer Abreise schlägt sie ebenfalls hochnäsig in den Wind. Na denn, an Abnehmerinnen fehlt es nicht; das Rind soll nicht umsonst gestorben sein.
Als wir gegen 22 Uhr wieder zuhause sind, hat Hedda leichten Durchfall. Dennoch wird ihre anschließende Temperaturmessung vom obligatorischen Leberwurstzwieback gekrönt. Hedda hat 37,4 °C. Wir hoffen auf eine störungsfreie Nacht.
Montag, 16.1.2023
61. Tag nach Kuno
Der
Hedda beim MorgenspaziergangHimmel liegt wie eine frostig kristallblaue Glaskugel über dem Mangfalltal, was nicht nur die Seelen mit Glück befeuert, sondern auch der überwiegend ruhigen Nacht Rechnung trägt. Selbstredend hat Hedda immer wieder eindrücklich gehechelt und ihren schweren Körper geräuschvoll umgelagert, aber ihr Darm hat dicht gehalten. Ihre Morgentemperatur liegt um 6 Uhr bei 37,1 °C, was bis auf 0,1 Grad die gleiche Temperatur wie bei ihrem ersten Wurf zu dieser Zeit ist. Wenn sie sich weiterhin so penibel an ihren ureigenen Zeitplan hält, müsste sie übermorgen Abend mit der Auslieferung beginnen.
Wegen der missglückten Hüttenkäse-Bananen-Speise gestern steigen wir heute Mittag sofort auf die Welpenmilch um, die demnächst auch die kleinen Knallchargen bekommen werden, wenn Mama trockenfällt oder dem kollektiven Durst nicht gerecht werden kann. Diese Welpenmilch wurde von der LMU München für Welpen entwickelt, die dort aufgezogen werden müssen: 125 g Magerquark, 150 ml Ziegenmilch, 3 Eigelb, 3 El Distelöl. Wir geben unseren Welpen diese Milch seit unserem ersten Wurf und alle sind damit prächtig gediehen. Und vorab darf natürlich auch die Mama von ihr profitieren.
Mittags messen wir bei Hedda rektale 36,5 °C. Abends speist sie mit hinlänglichem Appetit Hühnchen mit Reis und meldet um 19 Uhr 36,6 °C.
Zur Sicherheit messen wir um 22 Uhr nochmal die Temperatur und werden mit 37,0 °C überrascht. Da ist noch nichts in Bewegung. Unter diesen Umständen begibt sich auch die Zuchtmeisterin ins Familiengemach. Andernfalls hätte sie sich wohl entschieden, mit Hedda im Wohnzimmer zu nächtigen.
Alles in allem ein Tag ohne Eigenschaften. Ein Tag, der sich in der Ruhe vor dem Ansturm versammelt.
Dienstag, 17.1.2023
62. Tag nach Kuno
Eine sehr ruhige Nacht endet abrupt um 4:45 Uhr: Hedda erbricht Schleim.
Die Morgenmessung um 5 Uhr ergibt 36,6 °C. Hedda ist wieder gut drauf, genießt ihren Leberwurst-Zwieback und liegt entspannt in der Küche herum. Doch der Welpenmilch, die wir heute zum Frühstück reichen, weil wir sicher sind, dass sie das morgendliche Welpenfutter nicht mehr akzeptiert, erteilt sie eine Absage. Fianna erklärt sich bereit, in die Bresche zu springen, kommt aber damit nicht zum Zuge. Wir steigen bei Hedda auf Hähnchen von der Hand in den Mund über. Da sagt sie nicht nein, hält sich aber bezüglich der Portion dennoch zurück.
Hedda hat jetzt viel Durst und ihr Kotabsatz kommt kleinteilig und dementsprechend häufiger, was bedeutet, dass wir sie öfter in den Garten lassen müssen. Hedda kommt nämlich nicht zu uns, um einen Austritt zu beantragen, sondern vollzieht ihn an einer für sie geeigneten Stelle. Anders ausgedrückt: Der Chronist ist heute ganztägig eine Ein-Mann-Wachpatrouille, denn die Zuchtmeisterin kommt wieder ihrer schulischen Bestimmung nach.
Hedda verbringt den Vormittag in sich ruhend auf dem Treppenabsatz zur ersten Etage. Nichts treibt sie an, nichts treibt sie um.
12:30 Uhr: 36,9 °C. So recht scheint die Schwangere nicht zu wissen, ob sie wirklich Mutter werden möchte und wenn ja, wann. Ihr Temperaturprofil schlingert um den heißen Brei herum.
Seit heute Vormittag neu im Angebot: Hähnchenstreifen von „Premiere“. Diesem Leckerzeug spricht sie mit Begeisterung zu, auch der Thermometer-Zwieback ist willkommen, nur das frische Hühnchen nicht. Das spukt sie ihrem Betreuer vor die Füße. Hedda verfolgt damit die gleiche Philosophie wie ihr Futtermeister: Leckerli geht immer! Wenn wir sie damit ernähren müssten, wäre das eher fragwürdig, aber die ein oder zwei Tage, bis sie wieder einen richtigen Schmacht hat, lässt sich damit gut leben.
Der Nachmittag verläuft unauffällig, gelegentlich kommt sie etwas heftiger ins Hecheln und wechselt häufiger ihre Ruheplätze, aber nichts deutet auf eine Zuspitzung der Lage hin.
Um 20 Uhr meldet das Thermometer 36,2 °C, und Hedda verweigert jetzt auch den Zwieback. Alles andere ignoriert sie sowieso, nur die „Premiere“-Hühnchen finden bei ihr ungehindert Eingang. Dass sie wieder einmal etwas Schleim und Galle erbricht, liegt aber sicher nicht an dieser Leckerei, jedenfalls würde sie das vehement abstreiten.
Vor und nach der kurzen, nächtlichen Pinkelrunde leckt sich Hedda intensiv und wischt hinter sich den Boden. Fianna hängt ihr am Hinterteil; Heddda hat Fruchtwasser verloren, was bedeutet, dass der erste Welpe bereits in den Geburtskanal gerutscht ist. Es wird wohl nicht mehr allzu lange dauern.
Die Zuchtmeisterin verlegt ihr Bett ins Wohnzimmer, auch um einen kurzen Weg in den Garten zu haben. Wir sind gespannt, ob wir morgen früh noch zu viert sind…
Mittwoch, 18.1.2023
63. Tag nach Kuno
Noch sind wir zu viert. Aber nicht mehr lange. Die Chefin hat sich in der Schule eine Auszeit genommen; es kann losgehen.
Hedda hat sich nachts wieder erbrochen und weiter Fruchtwasser verloren. Die Nacht hat sie bei Frauchen im Wohnzimmer verbracht, während sich der Zuchthelfer das Schlafzimmer mit Fianna teilte.
Um 3 Uhr liegt Heddas Temperatur bei 36,0 °C. Sie hechelt viel und ist unruhig. Um 7 Uhr packen sie erste Presswehen. Die Zuchtmeisterin dreht mit beiden nur eine kleine Runde um die Wiese – jetzt ist keine Zeit für morgendliches Flanieren. Draußen sind die Temperaturen auf -2 °C gesunken, was auf eine lange Haltbarkeit der Kinder hoffen lässt.
Ob ihr das Muster nicht gefällt?Nach der Rückkehr vom Kurzspaziergang zerlegt Hedda zuallererst die Auslegeware in der Wurfkiste; mit dem Arrangement scheint sie nicht einverstanden zu sein. In der Folge belässt sie es nicht bei Umdekorieren, sondern verarbeitet die Laken in handliche Stoffstreifen, die als „Wehdam-Fetzen“ in die Blues-Chronik eingehen werden.
Nach einer langen Reihe von Presswehen schreit Hedda zweimal kräftig auf, was sofort die Übermutter Fianna auf den Plan ruft, deren Hilfe jedoch nicht gebraucht wird: Der erste Welpe ist da!
Fianna ist dabei - und Hedda hat keine Probleme damitEs i
Der erste Bub des K-Wurfs ist angekommenst 8:37 Uhr. Dieser erste Welpe ist ein Rüde mit 520 g. Das Kerlchen ist super lebhaft, krabbelt hin und her und findet auch fix die Tankstelle. Hedda kümmert sich liebevoll und leidenschaftlich um ihr Büblein. Alles ist in bester Ordnung. Nur Fianna ist in großmütterlicher Aufregung.
In der Folge hat unser dicker Sonnenschein mächtig zu tun, um sich des nächsten Welpen zu entledigen. Presswehe um Presswehe läuft durch ihren Leib, bis sie es endlich um 10:12 Uhr schafft: Wieder ein Rüde, mit dem Po zuerst, was ihre Mühen erklärt, und zudem auch noch 580 g schwer. Dass er schwarzmarken wie sein Bruder ist, wundert uns nicht. Auch dieser Bursche ist voller Leben, macht sich schon richtig wichtig und hat einen weißen Brustfleck.
Kaum dass wir die Dokumentation auf den neuen Stand gebracht haben, liegt schon der nächste bayerische Bursch in der Kiste: 10:20 Uhr, schwarzmarken und 620 g schwer. Appetit hat er auch, und die Mama kümmert sich auch um ihn liebevoll, obwohl sie langsam schon nicht mehr weiß, welchen sie zuerst bedienen soll. Die kleinen Herren sind schon ziemlich anspruchsvoll für ihre wenigen Erdenminuten.
Der soll jetzt raus!Beim nächsten Welpen treibt es sie richtig um. Sie will in den Garten, macht einen Buckel und presst, aber es kommt noch nichts. Dann wieder in die Kiste und raus in die Küche und ins Wohnzimmer, Buckel und pressen – wieder nichts. Also wieder in die Kiste, die ersten drei Jungs trösten und versorgen und wieder in den Garten, durch die Büsche und die Rhododendren. Wieder kein Erfolg. Erst um 11:17 Uhr ist es dann so weit: Im Flur bringt sie stehend den vierten Knaben zur Welt, 570 g schwer und ebenso munter wie die anderen.
Wir glauben langsam nicht mehr, dass sie noch etwas anderes im Bauch hat als Rüden. Aber wir fühlen uns mit unserer Aussage „schwere Jungs“ bestätigt. Nur bei den „drallen Mädels“ hapert es gewaltig.
Die Fünferbande liegt schon in der KisteDer fünfte Knabe kommt um 12:53 Uhr zur Welt, mit 560 g auch kein Leichtgewicht. Ihn bringt Hedda stehend in der Küche, nachdem sie mehrere Gebärversuche im Garten abgebrochen hatte.
Wir reden ihr ins Gewissen: „Hedda, es gibt noch ein weiteres Geschlecht. Das solltest du eigentlich wissen.“ Ja, verehrte Verfolger und Blues-Freunde, wir wissen, dass es noch mehr Geschlechter gibt als die traditionell verbürgten, diverse und queere, schaumgeborene und geschleuderte, gepfropfte und verzopfte und viele mehr, aber eben nur bei Hominiden des 21. Jahrhunderts, nicht jedoch bei Kaniden. Jedenfalls sind uns diesbezüglich keine einschlägigen Studien bekannt.
Nummer 6 - und natürlich wieder ein BubUm 13:06 Uhr setzt sich Hedda ein weiteres Mal über unsere Wünsche hinweg und beschert uns, ebenfalls stehend in der Küche, den sechsten Knaben, mit 470 g zwar kein Leichtgewicht, aber ein Hänfling im Kreise seiner Brüder.
Wir lassen schon mal alle Hoffnung auf eine Prinzessin fahren.
13:48 Uhr: Noch ein Kerl, 540 g und rundum munter. Und die Sonne über dem Mangfalltal strahlt über Heddas Testosteron-Geschwader.
Unsere QuotenfrauUnd dann kommt sie doch noch die Prinzessin, um 14:14 Uhr, bringt ebenfalls stramme 490 g auf die Waage und lässt uns mindestens so strahlen wie die Sonne überm Mangfalltal.
Hedda kommt langsam zur Ruhe und kümmert sich aufopfernd um ihre Kinder, und wir beschließen um 15 Uhr, dass sie nichts mehr auf Lager hat und fertig ist. Sie freut sich über eine Handvoll Hühnchen und scheint mit sich und der Welt zufrieden. Wir sind es auch, jedenfalls was den Zustand der Hündin und der Welpen angeht: alle stramm und lebhaft. Hedda hat Milch, der die Kleinen kräftig zusprechen. Schwächlich scheint niemand in der Schnullerbox zu sein.
Und an der Geschlechterverteilung können wir jetzt auch nichts mehr ändern. Genau mit dieser Verteilung hat unsere Anouk 2004 den Bairischen Blues auf den Weg gebracht: sieben Jungs und zum Schluss ein Quotenmädel.
Gelegentlich musste sich Hedda bei den schweren Brocken schon ziemlich quälen, aber insgesamt erlebten wir eine ziemlich entspannte Geburt. Hedda ist wohlauf, hat wieder Appetit und umsorgt ihre Zwerge aufopfernd und liebevoll. Und auch die machen einen sehr kräftigen und gesunden Eindruck und drängeln sich an der Milchbar.
Mama Hedda mit Schneewittchen und den 7 ZwergenNachdem wir alle wieder in einen gelassenen Gemütszustand zurückgefunden haben und der Zuchtpuls wieder normal ist, köpft die Chefetage des Blues eine Flasche Rieslingsekt aus Papas Heimat, dem wir an dieser Stelle herzlich für die fröhliche Schar danken, wenn es auch durchaus etwas weniger Testosteron hätte sein dürfen, und holen uns die nötige Inspiration für die Namensvergabe. Um 19 Uhr ist auch diese zur gegenseitigen Zufriedenheit abgeschlossen. An dieser Stelle wollen wir allen danken, die uns in der jüngsten Vergangenheit mit zahlreichen Namensvorschlägen versorgt haben. Wir haben sie gewogen und einige für gewichtig genug befunden.
Der Erstgeborene soll seine Anführerrolle auch im Namen tragen: Käptn soll er heißen.
Der Zweitgeborene Bube trägt einen hübschen weißen Latz auf der Brust und soll dafür mit dem lustigen Namen Klecks belohnt werden.
Dem mächtigen Dritten im Bunde, ein knorriger und kraftvoller Bursche, gebührt die Kurzform des bayerischen Korbinian: Korbi.
Mit zarten weißen Flügelchen auf der Brust wirkt die Nummer 4 wie ein verhuschtes Königskind, dem wir den bayerischen Ehrentitel Kini verleihen, wie der schöne und legendäre bayerische König Ludwig II bis heute liebevoll gerufen wird.
Ohne Grund darf sich der nächste im Männerbund Koschi rufen lassen.
Krischan heißt der Leichteste in der Männerriege, vor allem, weil dieser Name viel mehr hermacht als es seine 470 Gramm Geburtsgewicht rechtfertigen.
Und dann fehlt da noch der letzte Knabe, und wir finden, dass in ihm sein Papa weiterleben sollte: Kuno!
Lange haben wir uns mit dem Mädchen herumgequält, weil für sie mehr als 50 Namen zur Diskussion standen, von denen ihr viele gut zu Gesicht gestanden hätten. Von Karamba war die Rede, von Kiki oder von Klara. Wir entscheiden uns für den schönen bayerischen Namen Kathi.
Bleibt uns nur noch, unseren Karambas und Karachos ein langes, gesundes und ereignisreiches Leben zu wünschen und in die Kissen zu verschwinden. Die Zuchtmeisterin legt sich, wie all die Jahre, im Wohnzimmer, nahe bei Hedda und ihren Kindern zur Ruhe. Der Assi nimmt Fianna mit ins Schlafgemach, weil die sonst die ganze Nacht über die Nase in die Schnullerkiste steckt und Hedda auf die Nerven geht. Aus der pfeift und singt es wie aus einem Vogelbauer. Das ist das Geräusch, warum man immer wieder Kinder will…