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Agility

Agility ist eine relativ junge Sportart, in welcherr der Hund durch Hör- und Handzeichen des Hundeführers durch einen immer wechselnden Hundernisparcour gelenkt wird. Die Klassen sind nach Größe der Hunden und Leistung unterteilt. Geschwindigkeit, Beweglichkeit und Präzision sind die Erfolgsfaktoren.
Der Hovawart wird bei dieser Sportart sicher viel Spaß finden, Medaillenanwärter ist er selten, weil er zu groß und zu schwer ist, um mit den wendigeren Rassen seiner Klasse mithalten zu können.

 

Herzlich Willkommen bei den Hovawarten vom Bairischen Blues

Achtung:

Dies ist eine alte Version der Homepage von den Hovawarten vom Bairischen Blues. Sie wird nicht mehr aktualisiert.

Alle aktuellen Informationen sind hier zu finden: www.baiblues.de

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RZV-LogoVDH-LogoWir züchten im Rassezuchtverein für Hovawarthunde e.V (RZV), einem Mitglied des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) und der Fédération Cynologique International (FCI).

FCI-Logo

 

bjarni 1 klbjarni 4 klAls Vater für den G-Wurf haben wir den gut vierjährigen Bjarni vom Vierseitenhof ausgesucht.

Bjarni ist ein kräftiger, blonder Rüde mit einem mittleren Temperament und einem super Nervenkostüm. Herausragend ist sein überaus freundlichen Wesen .

 

 

 

 MG 6276 1 kl MG 6298 1 klWir haben Bjarni im Juni besucht und wir Menschen sowie Fianna haben Bjarni sofort ins Herz geschlossen. Bjarni hat uns überaus freundlich auf seinem Grundstück empfangen und Fianna auch gleich heftig umgarnt. Diese war sehr angetan von dem blonden Galan und tobte mit ihm stundenlang über den Hof, bis beide dann glücklich und zufrieden nebeneinander zur Ruhe kamen.

Am nächsten Tag konnten wir auf der Clubsiegerschau des RZV die Souveränität von Bjarni erleben. Mit seinen anwesenden 9-Monate alten Söhnen vom Brockengarten spielte er hingebungsvoll und im Ausstellungsing mit den anderen Rüden benahm er sich vorbildlich. Und ganz nebenbei wurde er auch noch mit einem Vorzüglich bewertet.

Aber nicht nur Bjarni kennen wir, nein, auch sein Vater Balou vom Wildanger ist uns gut bekannt. Balou wurde aktiv im VPG-Sport geführt, und Balou war unter anderem auch der Vater von Brunis (Anouks Tochter) einzigem Wurf.
Mütterlicherseits kennen wir Bjarnis Oma Blue vom Scheunenweg ebenfalls und waren von ihrem Typ, ihrer Markenzeichnung und ihrem Temperament begeistert. Wir haben mit Anouk die Ostertage 2003 bei Blue im Spreewald verbracht und im Gegenzug machte Blue mit ihren Menschen bei ihrem ersten Deckakt im Dezember 2003 bei uns in Bayern Station.

Wir freuen uns sehr auf die Verpaarung von Fianna und Bjarni - nun muss unser Mädchen nur noch läufig werden. Wir erwarten Welpen in den Farben schwarzmarken und vielleicht auch blond.

Bei Interesse an einem Welpen aus dieser Verpaarung freuen wir uns über eine frühzeitige Kontaktaufnahme.

Fianna vom Bairischen BluesEtwa im Oktober erwarten wir Fiannas Läufigkeit, die sie schon seit September mit nachdrücklicher Markierungstätigkeit bei hohem Bein ankündigt. Dabei liegen uns zwei Termine im Weg, und zwar die 18-monatige Wartezeit nach dem Deckakt im Juli 2015, wenn dabei mehr als acht Welpen aufgezogen wurden, die erst im Januar 2017 verstreicht und zweitens unsere geplante und gebuchte Blues-Freizeit in Sewekow in der Woche nach Ostern, genau genommen vom 17. bis 23. April 2017. Die Schonzeit für Fianna wurde uns von der Zuchtleitung um einen Monat verkürzt, weil Fianna nun wirklich nicht den Eindruck macht, einen längeren Aufenthalt im Muttergenesungswerk zu benötigen. Somit wäre ab Mitte Dezember ein Deckakt möglich. Und wenn man sich diese Terminplanung genau betrachtet, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass eigentlich nur ein Fenster von etwa einer Woche bleibt, um beiden Terminen gerecht zu werden.

Da sich unsere Hündinnen nur selten an die von uns zur Wahl gestellten Termine gehalten haben, bezweifeln wir aus Erfahrung Fiannas Kooperationsbereitschaft; entweder sie entschließt sich für einen zu frühen Termin oder sie wird uns hinhalten und zwingen, die Ostereier im eigenen Mangfalltaler Garten zusammen mit ihren Kindern zu suchen.

Als der Oktober ereignisleer verstreicht und auch weitere Hündinnen bereits wochenlang überfällig sind, stellen wir uns langsam auf die bei Hündinnen nicht seltene hormonelle Winterdepression ein, mit der sie einen Wurf so lange hinauszuzögern suchen, bis zumindest ein Teil der Welpenzeit ins Frühjahr fällt, was von der Natur zwar wohlbedacht, aber in unserem Falle schlecht gemacht ist.

Mit Ablauf des Novembers haben wir keinen Zweifel mehr an der Richtigkeit dieser Theorie. Eine verfrühte Deckbereitschaft ist überstanden, jetzt gilt es für Fianna, das Deckfenster Mitte Dezember möglichst genau zu treffen, damit die Osterfreizeit nicht in Gefahr gerät. Nur hat uns noch niemand gesagt, wie man es anstellt, eine Hündin zu motivieren, auf den Punkt genau die Rute zur Seite zu legen. Sogar die Zuchtleitung und die kluge Heerschar der Zuchtwartinnen zucken bedauernd die Achseln. Auch die Chefin, selbst Mitglied in der Erweiterten Zuchtleitung des RZV, lässt sich zu keiner Aussage bewegen.

Währenddessen wachsen die Welpenbestellungen kontinuierlich an, ebenso die Nachfragen, was denn nun los sei und wann endlich mit der frohen Botschaft zu rechnen sei. Unser Tipp: 24. Dezember, da wird schon seit 2000 Jahren die Frohe Botschaft verkündet. Indes schauen wir Fianna tief in die Augen, aber sie lässt den Blick über die Brachen des Mangfalltals wandern wie einst Moses den seinen über das Volk der Israeliten. Die Deckpartner im tschechischen Přerov werden schon mal vorsorglich nach deren Feiertagsplanungen abgefragt und geben grünes Licht: keine Planungen, die eine Hochzeit verhindern würde.

Neben der schwindenden Hoffnung auf einen Osterurlaub im nördlichsten Brandenburg treibt uns die Sorge um, dass uns Fianna wieder zu logistischen Verrenkungen der ganz speziellen Art nötigen könnte, nämlich ausgerechnet zwischen den Feiertagen ein Labor für die Decktagsbestimmung zu benötigen; da machen die nämlich alle das, was man gewöhnlich an diesen Tagen macht: Urlaub. Mit dieser Spezialaufgabe betraute sie uns bekanntlich schon Ende 2014, und das Ergebnis der Tour de Force durch das nördliche NRW ist bekannt: nada, rien, nichts, außer einem aufgeblähten Tacho – und einem spürbar ausgedünnten Kontostand.

Fianna hebt bei unseren Spaziergängen weiterhin unverdrossen alle paar Meter ein Bein bis übers Becken, um sich ein paar Tröpfchen aus dem Leib zu pressen, die Rüden des Mangfalltals gehen darauf höchsten pflichtschuldigst ein, Begeisterung versagen sie sich. Nahezu jedes Gespräch oder Telefonat beginnt oder endet mit der Stereotype: immer noch nichts?

Nein, verehrtes Publikum: immer noch nichts!

Am Morgen des 10. Dezembers, eines prächtig strahlenden Samstags, wird der Aushilfschef des Blues bei der Zubereitung eines Obstsalates zärtlich von hinten in die Arme genommen und mit der Frage konfrontiert: "Wolltest du nicht immer schon die Weihnachtstage in Tschechien verbringen?"

"?"

"Rotbraune Schmierblutung!"

Statt Freude wird der Kalender entfaltet und der kennt keine Gnade: Wenn alles von jetzt ab nach dem offiziellen Fahrplan verläuft, geben wir die Welpen ab, wenn die Osterfreizeit in Sewekow gerade zu Ende ist. Gut getimet, rabenschwarzer Verdrusszwerg!

 

Sonntag, 11. Dezember, 3. Advent

Die morgendliche Nachkontrolle versiegt in dem Satzfetzen: "Fehlanzeige! Nix mehr!" Eine Falschmeldung also, die im Englischen hoax heißt, ein Wort, in dem immerhin der Ursprung Jux steckt, also auch als Schabernack durchgehen kann. Der scheint ihr gelungen zu sein, der Fianna vom Bairischen Blues. Vielleicht kann man aber aus diesem Jux das Beste machen und in naher Zukunft einen schnuckeligen Rüden Hoax taufen. Interessenten für diesen Namen können sich schon mal melden. Wir warten vorerst ab, ob sich Fianna einen hoax geleistet hat oder doch demnächst einen Hoax liefert.

 

Montag, 12. Dezember

Die erste Maßnahme, welche die Chefin nachmittags, nach ihrer Heimkehr von der Schule trifft, ist der Fingertest, dem Fianna geradezu euphorisiert entgegenfiebert: Noch keine unserer Hündinnen hat sich so bereitwillig auf den Rücken gelegt und über alle Backen gestrahlt wie dieses kraulsüchtige Früchtchen. Und nun ist sich die Fortpflanzungsbeauftragte des Blues sicher: Kein hoax, aber demnächst einen Hoax! Fianna ist läufig, demnach ist ihr also auch kein Runtime-Error unterlaufen, wie man eine fehlerhafte Läufigkeit ja vielleicht auch nennen könnte.

 

Dienstag, 13. Dezember

Sicher ist sicher: Die erste Morgenhandlung ist die stabile Rückenlage für Fianna, die sie weiterhin unter vorauseilendem Gehorsam einnimmt. Ja! Es stabilisiert sich. No hoax! Go, Hoax, go!

Wenn Fiannas Hitze nach dem gleichen Schema wie 2015 abläuft, wäre am 27. Dezember Hochzeit. Sofern diese erfolgreich über die Bühne geht, würde Fianna um den 28. Februar im Kindbett liegen und um den 25. April würden die Welpen den Blues verlassen.

 

Mittwoch, 14. Dezember

Der erste Besuch bei unserem bewährten Fortpflanzungsorakel Dr. Dusi-Färber in Baldham bei München. Fürs erste geht es nur darum, bei Fianna eine bakterielle Untersuchung vorzunehmen, um einen Killerangriff auf Erys Spermien und die kleinen Früchtchen im Keim zu ersticken. Am Freitag bekommen wir die Laborauswertung und werden dann sehen, ob wir Gegenmaßnahmen ergreifen müssen; nur selten blieb uns das erspart.

 

Freitag, 16. Dezember

Fianna beherbergt zu viele Streptokokken und Staphylokokken, was zwar eher normal ist, aber die Frucht schädigen kann. Wir beginnen deshalb mit einer kurzen Antibiotikum-Kur.

Schön langsam verwandelt Fianna unser Heim in eine Art Schlachthof, aber weil sie eine sehr zivilisierte Dame ist, wischt sie ihre Spuren meist selber wieder weg; das hat sie von ihrem großen Vorbild Anouk gelernt, die in dieser Hinsicht schon fast einen Putzfimmel hatte.

Draußen markiert Fianna wie der Pinkelprinz von Hannover; kein Rüde quetscht mehr aus sich heraus als sie.

 

Sonntag, 18. Dezember

Abends schneit es und das Mangfalltal trägt ein fadenscheiniges, weißes Kleidchen.

 

Mittwoch, 21. Dezember

Vormittags konsultieren wir mit Fianna wieder unser Fortpflanzungsorakel. Diesmal steht das ganze Prognose-Programm an: Ein Blick in Fiannas Heiligtum mittel Vaginoskop, um die Veränderung der Vaginalschleimhaut zu begutachten, die sich im Laufe der Hitze signifikant verändert und Hinweise auf den richtigen Deckzeitpunkt liefert. Zudem wird ein Abstrich genommen, um unter dem Mikroskop die Entwicklung der Zellen zu begutachten, die sich ebenfalls typisch verändern. Und zum Schluss muss Fianna zur Bestimmung ihres Progesteronwerts noch einen bayerischen Fingerhut (also das doppelte Maß extra-bayerischer Fingerhüte) Blut spenden. Für diese Auswertung des Progesteronwerts haben die meisten Tierärzte nicht die Erfahrung und das Personal, und die üblichen Schnelltests zur Bestimmung des Progesteronwerts haben die Aussagekraft einer Kristallkugel, teilweise, wie wir selbst schon erfahren mussten, sind von deren Interpretation sogar die Tierärzte überfordert. Dann gleich richtig, und wenn man eine Tierärztin mit Spezialisierung auf Fortpflanzungsbiologie in der Nähe hat, macht es Sinn, sie zu Rate zu ziehen. Bisher sind wir damit bestens gefahren.

 

Donnerstag, 22. Dezember

Per Telefon erfahren wir das Progesteron-Ergebnis: 0,34. Damit hat Fianna zu diesem Zeitpunkt der Läufigkeit nahezu den gleichen Wert wie beim G-Wurf (0,3). Wenn wir morgen wieder zum Orakel gehen, erwarten wir demnach einen Wert um 1.

Heute war ein verspäteter Nikolaus da, vermutlich ein verfrühter Weihnachtsmann. Jedenfalls hing eine Tasche an der Haustür, als der Chef-Dienstleister des Blues von seinen Besorgungen nach Hause kam. Inhalt: ein Sortiment Gaumenschmeicheleien aus dem Feinschmeckersegment. Da jubelt das Herz des Genießers und ist voller Dank. Auf der beigefügten Karte liest er Weihnachtswünsche und den Dank für "den tollsten Hund aus dem G-Wurf". Das freut den Züchter sehr, lässt ihn aber auch zweifeln, ob sich die anderen zehn Nachwuchseigner dieser Ansicht anschließen können. Falls also jemand der Meinung sein sollte, nur einen zweittollsten Hund abbekommen zu haben, darf er sich gerne laut protestierend melden, das wäre dann so etwas wie der erste Shitstorm, der eigentlich ein Candystorm ist. Da sind wir aber mal gespannt. Wir berichten.

 

Freitag, 23. Dezember

Morgens Regen auf den gefrorenen Boden, da kommt mancher vom rechten Weg ab, wir schaffen es problemlos zu unserem Orakel, wo Fianna die gleiche Prozedur wie mittwochs über sich ergehen lässt, stoisch und ohne Pferdetritt, den sie dem Orakel beim G-Wurf noch verpasst hatte. Die Vaginoskopie lässt vermuten, dass sich Fianna im Gleichschritt mit ihrer letzten Läufigkeit bewegt, was auf einen ersten Decktermin am Mittwoch, den 28. Dezember schließen lässt. Morgen bekommen wir den Progesteronwert per Handy.

Nach dem Arzttermin hat sich die Chefin ein Freudenfeuerwerk für die kleine Schwarze ausgedacht: Hundeplatz! Ein bisschen Revieren, und das auch noch mit ihrem Sohn Girgl, der auch dringend Beschäftigung braucht, weil er alle Unarten eines unterbeschäftigten Jungbullen zeigt. Das trifft sich gut, der Hundeplatz liegt praktisch auf dem Heimweg, also gibt's ein wenig Vorweihnachtssport bei grauem Hochnebelwetter. Immerhin ist der Regen weg. Dafür sind die Weihnachtsurlauber da, augenscheinlich bewegt sich ganz Deutschland, Holland und Belgien in Richtung Süden, was uns zu abenteuerlichen Schleichfahrten auf Wegen zwingt, die ebenso verstopft sind wie die Rennstrecken, weil die neuen Navis offenbar vor keiner Bauernstraße und keinem Forstweg mehr haltmachen.

 

Samstag, 24. Dezember, Heiligabend

Wir besuchen mit Fiannas Halbschwester und Freundin Effie und deren Personal den Münchner Tierpark Hellabrunn, eine uralte Tradition: Hellabrunn an Heiligabend. Vor allem bei einer aktuellen Läufigkeit bemächtigt sich unser eine diebische Freude wegen der aufgebrachten männlichen Caniden im Zoo, die sich gerne auf die duftströmende Besucherin stürzen würden, von dieser aber nur über die Absperrungen hinweg zum Affen gemacht werden; Wölfe haben wir am Rad drehen sehen, Hyänen, denen das Lachen verging und afrikanische Wildhunde, die völlig hospitalisiert die Reviergrenze niedertrampelten und um Gnade flehten. Doch heute: nichts davon! Kein artfremder Rüde nimmt irgendeine Notiz von unserer Fianna, was darauf schließen lässt, dass ihre Duftemission noch unterhalb der Reizschwelle liegt, die jene Herrschaften am lauschigen Heiligabend aktiv werden lassen.

Besuch im Tierpark HellabrunnDas Wetter hat sich zwar von der dauernebligen Hochlage einer windigen und wolkigen Tieflage zugewandt, aber es ist trocken, und dementsprechend entspannt schlendern wir durch den Tierpark. Bei den Tigern fühlt sich Effie wie einst Popey und meint, mal schnell über den Wassergraben springen zu müssen, um den Bettvorlegern da drüben die Leviten zu lesen. Fianna bleibt dabei gelassen, zeigt aber ausgerechnet bei unseren heimischen Luchsen einen Heidenrespekt, stellt die Nackenbürste und schlägt den größtmöglichen Bogen. Ob Effie nachts auf der Boxerzeitung geschlafen hat oder mit sechseinhalb Jahren bereits prädement ist, lässt sich bei ihr, die bei der Wahl zwischen Tod und Teufel gerne mal beides nimmt, so ohne weiteres nicht beurteilen, aber dass Fianna ein ausgesprochen bodenständiges Instinktverhalten hat, schätzen wir sehr an ihr: Warum sich vor dem Fremden fürchten, wenn das Böse liegt so nah? Womit wir mitten in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit angekommen wären, der wir damit auch gleich wieder den Rücken kehren, und zwar mit der Mitteilung, dass uns die Temperatur von 5° C an diesem Heiligabend nicht einlädt, den Zoobesuch, wie in den vergangenen vier Jahren, mit einem Weihnachtsschluck im Biergarten der Harlachinger Einkehr zu beschließen. Wir ziehen den häuslichen Punsch vor und die Vorhänge zu.

Am späten Nachmittag meldet das Handy der Zuchtmeisterin einen Progesteronwert von 1,3. Das liegt weiterhin im Plan und wir richten uns darauf ein, am Dienstagabend eine letzte Orakelvisite zu machen, um dann vermutlich blitzschnell am Mittwochmorgen nach Tschechien zu dieseln.

Nach einem sehr weihnachtlichen Roastbeef legt das Christkind dem Ersatzchef des Blues eine nigelnagelneue Kamera (für Insider und Kenner: Canon EOS 7D Mark II) auf den Gabentisch und – sorry, liebe Leute, jetzt muss erst mal alles liegen bleiben! So sehr ihr ein Recht habt, über den Fortgang des im Endstadium befindlichen Anlaufs zum H-Wurf informiert zu werden, jetzt gibt's Wichtigeres zu tun ...

 

Montag, 26. Dezember, 2. Weihnachtsfeiertag

Fianna nach ihrer WeihnachtsfährteFianna nach ihrer WeihnachtsfährteDie Weihnachtsfeiertage ziehen gemächlich dahin: Spaziergänge bei lauen, bis zu 12° C warmen Tagen mit Sonne, Wolken und Wind, Kameratestläufe, behäbige Vorbereitungen auf unsere Mähren-Fahrt und eine weihnachtliche Fährte für Fianna, damit die Sportlernase nicht einrostet.

Noch immer erleben wir keinen Rüdenzulauf, was vermutlich daran liegt, dass die Mehrzahl der hiesigen Rüden keine mehr sind. Die anderen verteilen sich großräumig – und Blacky, der vielmals bewährte Testliebhaber auch schon so in die Jahre gekommen ist, dass auf ihn nur noch sehr bedingt Verlass ist. Im übrigen liegt er vermutlich unterm Weihnachtsbaum und pflegt seine alten Knochen.

Heute ist die letzte Antibiotikum-Gabe fällig, sodass nun auch von der pharmakologischen Seite alles bereit ist für den Hochzeitstermin.

 

Dienstag, 27. Dezember

Morgens um 8 Uhr ist die Temperatur wieder auf 0° C unten, bei frischem blauen Himmel, aber Fiannas Hitze steigt und lässt sie nicht ruhen. Der Morgenspaziergang an der Mangfall ist eine Aneinanderreihung angehobener Pinkelbeine, mal links, mal rechts, aber generell macht sie einen sehr rastlosen Eindruck. Vor allem treidelt sie uns weit voraus, ein Verhalten, das wir so von ihr nicht kennen, weil sie eigentlich immer in unserer Nähe ist, damit ihr bloß keine Sporteinlage, kein Ball und kein Happen entgeht. Das Rätsel löst sich angesichts von Ben, einem Hovawartmischling und einer von Fiannas Top-Favoriten, der mit seinem Herrchen einige hundert Meter vor uns dahinschlendert. Die Begrüßung ist gewohnt und hovawartgemäß stürmisch, doch schon Sekunden später schlenzt sie die Rute zur Seite und Ben reitet auf ihrem Sterz. So bodenlos ihre Moral ist, so hodenlos ist der Liebhaber und so folgenlos ist der abgewürgte Akt. Aber wir wissen nun, dass sie ab sofort keinen mehr von der Bettkante schubsen würde, und dennoch folgt sie uns auf unseren Ruf und lässt ihren fragmentierten Lover zurück, der an der langen Leine bitterere Tränen als Petra von Kant weint.

Bald mahnen uns schon die digital erhobenen Zeigefinger (digital digits), um Himmels Willen bloß nicht jetzt noch den richtigen Termin zu verschludern. Gemach, gemach: Erst visitieren wir heute um 19 Uhr nochmal das Orakel, dann werden wir uns zur Ruhe legen und morgen früh im vollgepackten Franz II nach Přerov rollen. Erfahrungsgemäß ist es meist zu früh und selten zu spät.

19 Uhr: Der letzte Orakelbesuch. Wieder das volle Programm, und die Ärztin ist beim Blick in Fiannas Innenleben sehr angetan: Das sieht schön aus, resümiert sie. Zytologie und Progesteronwert bekommen wir morgen Mittag. Da sind wir definitiv schon längst unterwegs.

 

Mittwoch, 28. Dezember

Fianna in der KojeFianna bereitet sich mental vorUm 7 Uhr, bei 3°C, nehmen wir das tschechische Deck-Abenteuer unter die Räder. Bereits im Chiemgau werden wir von Schneeregen heruntergebremst. Den Grenzübergang Walserberg passieren wir bei 2° C und verdichtetem Schneeregen, der sich schon wenige Minuten später entschließt, endlich ein richtiger Schneefall sein zu wollen und ab Thalgau stottern wir uns in einer langen Schlange mit 40 bis 50 km/h hinter zwei Räumfahrzeugen in Richtung Osten. Die durch säumiges Hormonverhalten an dieser Wetterkalamität Schuldige ruht derweil aufgeräumt in der Koje des Chauffeurs. Ab Laakirchen läuft’s dann wieder planmäßig bei Regen und tiefgrau verhangener Kulisse.

Wir holen uns per Handy Fiannas Progesteronwert von gestern Abend beim Orakel ab: 4,8 ng/ml. Ab 5 ng/ml kann man mit dem Eisprung rechnen – das könnte Fianna jetzt schon erreicht haben – und der optimale Zeitraum für eine sichere Befruchtung liegt etwa zwei Tage nach dem Eisprung. Deswegen empfiehlt uns die Dottoressa, einen Deckversuch bei unserer Ankunft zu versuchen, aber erst am Freitag, besser noch am Samstag nachzudecken.

Um 10:55 Uhr biegen wir bei Krems und Regen auf die A 22 und etwa eine Stunde später auf die A 5 in Richtung Brno (Brünn). Der Regen musste sich mittlerweile den vereinten Kräften von Sonne, Wolken und Wind beugen, was der Ödnis dieser Landschaft sehr entgegenkommt. Auf der B 7 schlängeln wir uns danach durch Dörfer und kleine Ortschaften des Weinviertels, die den zerfallenen Charme des früheren deutschen Zonenrandgebiets verströmen nach Norden. Um 12:45 Uhr erstehen wir dann die für das Selbstverständnis jeder Nation offenbar obligatorische Eintrittskarte nach Tschechien in Form einer 7-Tage-Vignette für 17 €. Nun geht es zügig bei einem dem Eintrittspreis angemessenem Prachtwetter weiter, vorbei an Brno, bis wir um 14:20 Uhr bei blankblauem Himmel und 4° C vor Erys Hofeinfahrt in Kozlovice bei Přerov die Triebwerke abstellen. 666 km haben wir heute für Fiannas Liebesleben investiert.

Wir werden von Hanka, Erys Haushofmeisterin, und Elena, Erys Züchterin, herzlich begrüßt. Letztere ist extra aus Wien angereist, um Fiannas Liebesbemühungen zu dolmetschen, weil Hanka weder Deutsch noch Englisch oder Französisch spricht, und Tschechisch so ziemlich die einzige Sprache nördlich und südlich des Äquators ist, die wir nicht fließend in Wort und Schrift beherrschen. Zwar ist die Liebe eine Himmelsmacht und die einzige Sprache, die alle einander Zugeneigten schnell zusammenführt, aber zwischen Brautwerbern und Zuhältern versagt ihr Zauber.

Der BrauttanzDer Brauttanz - zu schnell für den Bräutigam und für den FotografenDiese halten sich nicht lange mit Vorreden auf, sondern schicken die Hauptdarsteller unverzüglich in den Ring, also in Erys Hof. Ery lässt sich auch nicht bitten und drängt zur Erledigung der Angelegenheit, nur der Braut steht der Sinn nach Turtelei und Vorspiel. Sowie er sie in seinen Fängen glaubt, entschlüpft sie ihm, umgarnt und betanzt ihn. Ery wiederum ist nur schwer vermittelbar, warum er mit Dübel und Bohrer in der Hand, drauf und dran, ein Loch in die Wand zu treiben, erst mal seinen Namen tanzen und alle Propheten rückwärts hersagen soll. Da ranzt er die Braut knurrig an, ruft sie zur Ordnung und zum Vollzug, aber die entwindet sich ihm wieder und wieder und tanzt wie Suleika. Bevor der mehr raum- als brautgreifende Liebhaber des Narrentreibens überdrüssig wird, greifen wir ein und stellen die Braut in Position, was dieser offensichtlich auch recht ist. Doch nun, das Ziel zum Greifen nahe, ist der Bräutigam so übermotiviert, dass ihm nicht mehr viel gelingen mag. Also packen wir das Brautpaar weg und überbrücken den Nachmittag und das Moratorium mit Tee und Selbstgebackenem und nutzen die Gelegenheit zum deutsch-tschechisch-slowakischen Kulturaustausch.

Der Deckakt am 20. DezemberThe making of...Gegen 16 Uhr starten wir einen neuen Versuch, geben der Braut sofort klare Verhaltensanweisungen, denen sie ohne Widerstand nachkommt, und um 16:05 Uhr ist es vollbracht. Drei Zuchtspezialistinnen sorgen für den unwiderruflichen Vollzug, indem sie Braut und Bräutigam in Position halten, und auch damit ist das Pärchen einverstanden. 24 Minuten bleiben sie nun, erst übereinander, dann nebeneinander vereinigt, bevor die Braut dem zukünftigen Kindsvater wieder den Laufpass gibt. Wir sitzen noch eine Weile bei Hanka zusammen, erledigen den Papierkram und berichten der Welt vom erfolgreichen Vollzug.

Danach passiert nicht mehr viel; wir lassen Fianna noch kurz die Beine vertreten, genehmigen uns ein kleines Häppchen auf die Faust und sind um 20 Uhr schon in der Koje – eine kurze Nacht, ein langer Tag und fast 700 Kilometer fordern ihren Tribut.

Der Himmel ist sternenklar bei 2° C. Die Heizung bullert uns heimelig in den Schlaf.

 

Donnerstag, 29. Dezember

Fianna läuft sich lockerFianna läuft sich lockerNach rund zwölf Stunden Bettruhe fühlen wir uns um 8 Uhr frisch wie der junge Tag, und der ist richtig frisch: 1° C und fast kein Wölkchen am Himmel über Přerov. Heute haben wir frei, weil uns das Baldhamer Fruchtbarkeitsorakel ja empfohlen hatte, frühestens am Freitag einen zweiten Deckversuch zu wagen. Wir schlendern mit Fianna um die Felder und geben ihr die Möglichkeit, ihren Triebstau nach der langen Fahrt und dem Hormonspektakel mit Ery abzubauen. Die kleine Bäckerei in Kozlovice akzeptiert erwartungsgemäß weder Kreditkarten noch Euros, und so hilft uns Elena mit ihren restlichen Kronen aus, damit wir nicht wieder nach Hause fahren müssen, ohne die Bekanntschaft mit den leckeren tschechischen Backwaren gemacht zu haben. So kommen wir also dank Elena zu einem standesgemäßen Frühstück. Um 11 Uhr verabschieden wir uns von ihr, weil ihre Dolmetschermission im wesentlichen erfüllt ist: Was gefragt werden musste, wurde gefragt, was besprochen werden musste, wurde besprochen, was geklärt werden musste, ist geklärt. Am Freitag sollte das gesprochene Wort nicht mehr die Hauptrolle spielen; für den Fall, dass es gebraucht würde, hat Hanka ihren Neffen bestellt, der etwas Englisch spricht, jedenfalls genug, um die Liebesbemühungen nicht an unserer Sprachlosigkeit scheitern zu lassen.

Schweres GeläufSchweres GeläufDen Vormittag vertreiben wir uns mit allerlei kleinen Geschäftigkeiten und um 13:15 Uhr brechen wir zu einem weiteren, diesmal ausgreifenderen Spaziergang auf, jetzt allerdings bei 3° C im Schatten, was im vollen Sonnenschein ein paar entscheidende Celsiusgrade mehr ausmacht, jedenfalls so viel, dass der geschmeidige Morgenspaziergang auf gefrorenem Geläuf nun in eine Schlammschlacht ausartet, so viel Schlamm, dass wir Mühe haben, unsere Beine zu heben. Wer das erlebt hat, begreift, warum die größten Feldherren aller Zeiten, Napoleon und Hitler, ihre heroischen Ziele im russischen Schlamm liegenlassen mussten. Auch Fianna kommt ein paar Kilo schwerer zu ihrem Rollmobil zurück, was die Reiseleitung in erhebliche Schwierigkeiten bringt, denn so kommt kein Hund und auch kein Mensch in den Zweier-Franz. Die folgende halbe Stunde bleibt der Rückabwicklung der Verschlammung vorbehalten. Um halb vier Uhr gibt es dann Kaffee und Stollen aus der Heimat.

Um 18:20 Uhr machen wir uns auf den knapp drei Kilometer langen Weg ins Zentrum von Přerov, weil man natürlich nicht wieder abreisen kann, ohne die bekannt leichte Küche der Böhmen und Mähren getestet zu haben. Im Internet wird ein Restaurant, das 'U Labute', mit vielen Lorbeeren überhäuft, also rufen wir dort wegen einer Reservierung an. Englisch scheint nicht die bevorzugte Geschäftssprache im 'U Labute' zu sein, aber Deutsch ist es auch nicht, noch nicht einmal im Ansatz. Am anderen Ende macht sich offenbar Verzweiflung breit und verliert sich in Gestammel. Dann ist die Leitung stumm. Ein zweiter Versuch, beginnt mit einem Verzweifelten „Oh“ und endet ebenso abrupt wie der erste. Beim dritten Versuch wird gar nicht mehr abgehoben. Es reicht uns: Wer im Internet mit einer englischen Speisekarte für sich wirbt, sollte wenigstens des kleinen englischen Alphabets mächtig sein und sich vor allem nicht so rüpelhaft benehmen. Das gibt, so viel können wir schon mal versprechen, eine fette Null im TripAdvisor. Die allerdings nicht der Küche gilt, die uns vorbehalten bleibt, sondern dem Personal.

Wir marschieren natürlich dennoch los und sehen uns um, welche gastronomischen Verlockungen Přerov so zu bieten hat. Ein einladendes Restaurant ist bis auf den letzten Platz voll, ein weiteres finden wir trotz Hand-Navigator nicht, einem dritten wollen wir uns nicht anvertrauen, und schließlich landen wir im 'U Madony', das zwar vorwiegend als Pizzeria Karriere macht, aber auch eine umfangreiche landestypische Karte hat. Unsere Wahl fällt auf eine Art Zwiebelsuppe mit geschmolzenem Käse, Knoblauch, Speck und Schwarzbrot-Croutons, dann eine gegrillte Hühnerbrust mit Kartoffeln (Reiseleiterin) und einem langsam gegarten Schwein ‚Sous Vide‘ mit Kartoffelbrei und Babykarotten (Chauffeur). Dazu ein Glas Wein und ein tschechisches Bier. Um es kurz zu machen: Die Suppe ist jede Wiederholung wert, einfach sensationell, der Rest ist belanglos und keine weitere Betrachtung wert. Das Personal müssen wir jedoch sehr loben, ausgesprochen freundlich, fix und ansehnlich. Das Beste jedoch kommt zum Schluss: umgerechnet 17 € zahlen wir für alles zusammen (außer dem Personal natürlich).

Von der Kleinstadt Přerov mit ihren knapp fünfzigtausend Einwohnern haben wir uns nicht viel erwartet, ein Kleinstadt in der Provinz eben, wie so viele auf der Welt. Und so stellt sie sich dann auch dar: Ein kleiner, alter Stadtkern mit einem großen Einkaufszentrum, ein paar Restaurants, Kneipen, Bars und Puffs, dem von den Zeugen sozialistischen Wohnungsbaus förmlich die Luft abgedrückt wird. Ohne jeden Übergang drängen sich die Plattensilos wie eine mausgraue Zwangsjacke bis an den alten Stadtkern heran und marginalisieren ihn. Wir haben schon viele solcher Städte gesehen und sie dennoch nie als hässlich und als Zeitverschwendung empfunden. Nicht New York, Rio, Tokio, auch nicht Paris, Berlin oder Rom sind es, die uns die Welt begreifbar machen und erschließen. Um sie zu verstehen, muss man Anderlecht sehen, Neugablonz, Bremerhaven, Ostrołęka oder eben Přerov, die alle keine Schönheitskonkurrenz gewinnen werden, sich aber auch nicht mit Pomp und Flitter bedeutender machen als sie sind. So wie von zehntausend Menschen maximal einer für das Titelblatt eines Glamour-Magazins taugt und die anderen 9999 dennoch keine schlechteren Menschen sind, taugen auch nur zwei Dutzend Städte für die Aufnahme ins Weltkulturerbe; der Mangel ist das, womit wir am reichsten gesegnet sind.

Um 21:15 Uhr sind wir wieder bei Fianna zurück, und sternklare -1° C lassen eine frostige Nacht erwarten. Um Gas zu sparen, entscheidet die schwäbische Hausfrau, ein bisschen von Hankas Strom zu naschen und den Heizlüfter zur Unterstützung der Gasheizung einzusetzen.

Nicht alle Entscheidungen schwäbischer Hausfrauen sind untadelig und folgenlos – und das Schweigen des Chauffeurs ist nicht immer eine Tugend.

 

Freitag, 30. Dezember

Der vorletzte Tag des Jahres 2016 beginnt für uns um 7:15 Uhr mit wolkenlosen -6° C – und einem zwangsenleerten Warmwasserboiler. Wohnmobile haben schlauerweise ein Sicherheitsventil, das bei Unterschreitung einer bestimmten Temperatur öffnet und so den Boiler vor Schaden bewahrt. Als unerfahrene Wintercamper haben die schwäbische Hausfrau und ihr Chauffeur nicht bedacht, dass der Heizlüfter dem Temperaturfühler des Franz II sehr beruhigende Werte liefert, welche den Franz wiederum veranlassten, sein Gas für schlechtere Tage aufzusparen. Der Heizlüfter machte den Innenraum mollig warm, und schickte das ganze Heizsystem schlafen. Und so fröstelte der Boiler und er wurde inkontinent. Der Wasserverlust ist zu verschmerzen, unangenehmer ist, dass man eine ganze Weile heizen muss, bis das System wieder auf eine Temperatur gebracht ist, die dem Sicherheitsventil Entwarnung signalisiert, sodass es sich wieder schließen lässt. Zudem will die Heizung erst einmal gar nicht anspringen, weil auch im Gasfach eine Temperatur herrscht, die das Gas sehr träge machte. Da gilt es gelassen zu bleiben und sich zu loben, dass man einen Heizlüfter dabei hat, der jetzt wirklich zeigen kann, was er drauf hat.

Wir nehmen also den Heizlüfter in Betrieb und schreiten zur zweiten Decktat, die wir mit Hanka für 8 Uhr vereinbart hatten, weil sie heute wieder arbeiten muss, allerdings erst, so versicherte sie uns, wenn die H-Milchbabies in trockenen Tüchern sind.

2. DeckaktInnig vereint für 23 MinutenNach der Erfahrung mit Erys Pflichteifer und Fiannas reizender Turteligkeit, greifen wir heute gleich zu einem perfiden Trick: Wir lassen die beiden, wie vorgestern, kurz ihren Kopulationstanz aufführen, der Fianna zur Hochform auflaufen und Ery an die Grenzen seines Gleichmuts bringt. Dann hält Hanka Ery fest. So vom Manne und seiner Zudringlichkeit befreit, stürzt sich Fianna auf ihre Chefin und reagiert sich mit wilden Tanzschritten an ihr ab, springt ihr fast bis über den Kopf, tanzt mit ihr herum, wie ein Derwisch am Stecken, und das bringt das Fass bei Ery nun wirklich zum Überlaufen: Anstatt sich mit ihm zu beschäftigen und der Frauenpflicht nachzukommen, geht sie freudentanzend fremd. So viel Treulosigkeit befeuert Erys Besitzansprüche maximal und sein erster Zugriff nach seiner Freilassung ist dementsprechend zielsicher: Er greift sich die Braut im Nacken und tut, was ihm sein Mannesstolz gebietet: Um 8:02 Uhr am 30. Dezember ist das Paar zum zweiten Mal innig vereint und bleibt 23 Minuten in enger Verbundenheit. Die ganze Zeit über pumpt Fianna in sich hinein, was sie ihm entlocken kann. Dazwischen wird ihr die Angelegenheit allerding mal etwas zu langweilig, sodass sie den einen oder anderen schwachen Versuch unternimmt, das Anhängsel wieder los zu werden, schließlich ist es kein Vergnügen, sich bei -6° C Frostbeulen an den Ballen und vielleicht gar eine Lungenentzündung und Rheumatismus zu holen, nur um dem Herrn zu Willen zu sein. Aber Fianna ist bei all ihrem Temperament und ihrer Frohnatur auch eine solide und ernsthafte Partnerin, die sich ihrem Auftrag sehr bewusst ist, nämlich, sich in Mähren zu vermehren. Schließlich hocken zu Hause die Leute an den Smartphones und warten auf die Vollzugsmeldung. Fianna bleibt ihnen nichts schuldig und auch Ery hat seine Schuldigkeit getan. Dann gibt es noch ein Foto und ein Lächeln für die Welt, wir nehmen uns in die Arme, sagen Danke und trennen uns. Für Ery und Hanka ist alles gelaufen, der Englisch sprechende Neffe darf sich am Geschehen freuen, ohne wirklich gebraucht zu werden – und für Fianna und uns fängt es jetzt erst an.

Das Hochzeitsfoto zum H-Wurf

Inzwischen hat der Heizluftikus sein Werk getan, das Sicherheitsventil schließt wieder, wir besorgen von Elenas restlichen Kronen etwas fürs Frühstück, verbinden das mit einem kleinen Spaziergang und frühstücken um 9 Uhr. Neben der Freude um den zweiten gelungenen Deckakt, begleitet dieses Frühstück in Kozlovice die Zufriedenheit um ein sehr harmonisches und unaufgeregtes Deckgeschehen, weil es von Leuten begleitet wurde, die ihre Hunde kennen und ihr Verhalten interpretieren können und deshalb das Richtige zum richtigen Zeitpunkt tun. Es waren zwischen allen Beteiligten nicht viele Worte nötig, um die Dinge laufen zu lassen, wo sie sich entwickeln müssen und sie zu unterstützen, wo es ein bisschen der Nachhilfe bedurfte. Wir wissen das sehr zu schätzen und einzuordnen.

Um 10 Uhr ist Franz II im Reisemodus und wir verlassen Hanka, Ery und Kozlovice Richtung Brno mit dem Ziel Südsteiermark. Das eigentliche Ziel ist ein Campingplatz auf Krk (Kroatien), da wir dort aber bis spätestens 17 Uhr vorstellig werden sollten, entschließen wir uns für einen Zwischenstopp in der Steiermark, wir sind ja schließlich nicht auf der Flucht. Also fahren wir zurück nach Brno, richten die Nase unseres Franz um 11 Uhr südlich, in Richtung Wien und überqueren um 11:30 Uhr die österreichische Grenze. Weiter geht es in Richtung Graz und schnurstracks auf die slowenische Grenze zu. Um 14:45 Uhr verlassen wir bei Leibnitz die Autobahn und steuern um 15:25 Uhr die 'Teichstub’n' in Gabersdorf an. Bevor wir uns dort vor Anker legen können, muss der Chauffeur aber noch ein T-Shirt durchschwitzen und die Reiseleiterin einen Hysterieanfall unterdrücken, weil uns das Navi anstatt zu den Teichstub’n auf einen Kirchplatz lotst, von dem kaum mehr ein Entkommen möglich scheint. Vermutlich fragt sich der geneigte Leser nun, wie blöd man sein muss, um sich auf einen Kirchplatz locken zu lassen. Die Antwort ist erfrischend schlicht: Weil man erstens seinem Navi eine angemessene Ortskenntnis zutraut und weil, zweitens, der erste Eindruck durchaus die Möglichkeit offen lässt, dass es hinter dem Platz weitergeht, zumal dieser erste Eindruck – drittens – nicht der eines Platzes ist, sondern der einer etwas verbauten Durchfahrt. Wenn man dann dort steht und der Navi erleichtert „Sie haben Ihr Ziel erreicht, das Ziel liegt rechts“ raunt, rechts aber nur eine Kirchenfassade aufragt und links ein ausladendes Pfarrhaus den Weg versperrt und das rückwärtige Ende des Platzes von einer Mauer und Grünzeug markiert wird, ist man ein Stück schlauer – und in der Falle. Der Versuch, auf diesem mit Waschbeton-Bottichen, Eisenpollern und Infotafeln verstellten Platz, 730 cm Franz II zur Umkehr zu bewegen, gleicht dem Versuch, mit einem Öltanker im vollbesetzten Lindauer Hafen zu wenden. Je koboldhafter die Reiseleiterin von Bottich zu Poller wieselt, immer die zwei Zentimeter bis zum ultimativen Lackschaden im Blick und gestikulierend die guten Geister und den Chauffeur beschwörend, doch bittschön ein Einsehen zu haben, folgt dieser seiner Bestimmung und verrückt den Franz Zentimeter um Zentimeter, bis er feststeckt wie der Korken in der Flasche und einsehen muss, dass als einziger Ausweg der bleibt, den Franz auf demselben Zentimeterparcours wieder in die Ausgangsposition zu manövrieren, und den Kirchplatz rückwärts zu verlassen. Das wäre von Beginn an die bessere Variante gewesen, aber wann bietet sich einem leidenschaftlichen Chauffeur schon mal die Gelegenheit, sich und seinen Franz auf der Rasierklinge tanzen zu lassen? Das Manöver gelingt, der violette Kopf der Reiseleiterin verblasst in Richtung rosa und das T-Shirt des Chauffeurs ist reif für die Wäsche.

Wenige Meter nach der Kircheinfahrt führt eine schmale Zufahrt hinunter zur Teichstub’n, die man von oben nicht sehen kann, schon gar nicht, wenn man ihre Lage nicht kennt. Seither wissen wir, dass auch moderne Navis auf Sicht navigieren und empfehlen tiefergelegenen Wirten, ihren Namen aufs Hausdach zu pinseln, damit sie von den Navis identifiziert werden können.

Dann liegen wir fest (N 46° 48‘ 07,7‘‘ E 015° 34‘ 27,2‘‘) und der Kilometerzähler bleibt bei 481 km stehen. Der Himmel über Gabersdorf hat sich beim Harakiri-Manöver nicht verfinstert, sondern trägt noch immer keine Wolke, wie schon den ganzen Tag über. 2° C lassen eine weitere frostige Nacht erwarten.

Teichstubn in GabersdorfStellplatz der Teichstubn in GabersdorfDie Teichstubn in GabersdorfDie Teichstubn in GabersdorfDie Teichstub’n gehören zu den vielen Gasthäusern in Österreich, vornehmlich Landgasthäusern, die kostenlose Stellplätze mit Strom und manchmal auch Wasser anbieten. Bedingung ist, dass man sich im Restaurant verköstigt. Das ist eine ausgesprochen sympathische und geschäftstüchtige Lösung, die nur Gewinner hat. Die Teichstub’n offerieren 15 Plätze mit Strom rund um einen kleinen Teich, bewacht von der darüber thronenden Kirche und umspielt von einem geschäftigen Bach. Um unsere Stromversorgung kümmert man sich sofort und überaus freundlich, obwohl das ganze Anwesen im Winterschlaf zu liegen scheint. Nach einem Spaziergang mit Fianna gehen wir ins Wirtshaus zum Essen. Die Teichstub’n sind, wie gesagt, in einer Art Winterruhe, deshalb gibt es nur eine reduzierte Winterkarte: ½ Backhendl, ganzes Backhendl, ganzes Backhendl kreativ, Cordon Bleu und Zander auf Reis. Das Backhendl kreativ ist ein ganzes Backhendl, zum lebenden Hendl zusammengesteckt, und auf Gemüse. Wir entscheiden uns für zwei halbe Backhendl mit gemischtem Salat, natürlich mit steirischem Kürbiskernöl, Pommes für die Reiseleiterin, Kartoffelsalat (natürlich mit steirischem Kürbiskernöl) für den Chauffeur. Dazu zwei Puntigamer und zwei steirische Weißburgunder für die wieder entspannte Reiseleiterin. Die herzliche Kellnerin korrigiert unsere Das Backhendl kreativ der TeichstubnDas kreative Backhendl der TeichstubnBackhendl-Bestellung von zwei halben auf ein ganzes, was den Preis um 1 Euro reduziert. Das um 1 Euro reduzierte Backhendl ist riesig, köstlich knusprig und auch die Salate sind ohne Fehl und Tadel. Noch fehlerfreier (falls das möglich ist), sind die Wirtsleute und das Personal: herzlich, freundlich, zuvorkommend und bester Laune. Sowohl der Wirt wie auch die erfrischende Kellnerin, beide hundenarrisch, bestehen darauf, das wir unsere Fianna in die Stube holen, worauf uns für den Rest des Abends der Gesprächsstoff nicht ausgeht und Fianna Streicheleinheiten bis zum Schnurrpunkt sammelt. Wie in die Internetwerbung der Passus „Keine Tiere“ gelangen konnte, bleibt uns ein Rätsel. Unsere Frage nach der ausgelobten Campertoilette beantwortet der Wirt zurückhaltend und mit einem verhaltenen Kopfschütteln, weil die nicht mehr in bester Verfassung sei, was aber nichts ausmache, weil er für uns einfach das Haus auf- und das Licht anlasse. Fürs neue Jahr seien einige Arbeiten in Planung, wozu auch neue Toiletten gehören sollen. Wer in diese Gegend kommt, sollte die Teichstub’n nicht umfahren, Gastlichkeit und Herzlichkeit wird hier ganz GROSS geschrieben. Wir bedanken uns und hoffen, bald wieder eine Gelegenheit zu haben, hier eine Nacht rasten zu können. Schließlich sind wir jetzt neugierig, welche Geheimnisse die Saisonkarte birgt, draußen unter dem lauen steirischen Himmel am Teich.

Um 22:15 Uhr beenden wir den Tag bei klaren -4°C und einer Erfahrung, die uns völlig fremd geworden ist: Die Klamotten stinken nach Rauch, ach ja, in Österreich darf man im Gasthaus noch rauchen, und hier raucht jeder, was Gemütlichkeit verströmt, aber auch Gestank. Doch dafür hat der liebe Gott die Frischluft erfunden, und die ist hier heute hinlänglich frisch. Und trotz oder gerade wegen der hinlänglich frischen Luft, bleibt der Heizlüfter heute aus; unser Vertrauen in Franzens Heizung ist grenzenlos.

Mit diesem Tag enden Fiannas Aufzeichnungen bezüglich ihrer Bemühungen um unseren H-Wurf. Ein kurzer Urlaub und die Geschehnisse auf Fiannas Weg bis zur Geburt werden in einem neuen Buch protokolliert.

2. Woche (08.03. - 14. 03. 2017)

Mittwoch, 8. März 2017

Eine alte Bauernregel besagt: "Perpetua kalt, Winter lang". Perpetua war gestern und nun stellt sich die Frage: Sind ganztägige Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt für die Jahreszeit kalt oder eher die Norm? Müssen wir also noch mit mehr Winter rechnen? Und was bedeutet nun der Losspruch für heute: "Wenn's donnert um St. Cyprian, zieht man noch oft die Handschuh' an"? Von Donner kann weit und breit nicht die Rede sein, gestern nicht, heute nicht und morgen sehr wahrscheinlich auch nicht. Heute Morgen messen wir -2° C, die sich später auf bis zu 10° C aufheizen, was jedenfalls auch nicht mehr als kalt bezeichnet werden kann. Gegen die Bauernregeln war sogar das Orakel von Delphi ein Ausbund an Klarheit. Immerhin blitzt überall zartes Blau durch die Wolken und ist ein Fingerzeig, dass nun bald auch zartes Blau unter den Lidern unserer Hallodris hervorblitzen müsste, wenn sie ihre Augen öffnen. Lange kann es nicht mehr dauern. Wir kreieren also einen neuen Losspruch, speziell für Caniden- und Felidenzüchter: "Wenn's Blau unter den Lidern blitzt, ein Augapfel im Köpfchen sitzt". So uninterpretierbar wünscht man sich eine Bauernregel, nicht so ein Geschwurbel, das tägliche Wetterumstürze induziert.

Halten wir uns also weiterhin an Fakten und stellen fest: Die ganztägige Abwesenheit der Chefin bringt die Kinder in die Nähe des Grabes! 320 Gramm Gewichtszunahme für elf Welpen am achten Lebenstag ist ein ernährungsphysiologisches Desaster, von dem der Vize nicht weiß, ob er es sich selbst oder der pflichtvergessenen Mutter zuschreiben soll? 320 Gramm hat der Elferrat schon am dritten Tag gestemmt. Wir müssen nun nicht gleich das Sterbeglöckchen in Schwingungen versetzen, so ist es auch nicht, und die Bande macht auch nicht den Eindruck, als ob wir die UNICEF bemühen müssten, aber Fragen müssen sich beide gefallen lassen, die Mutter, weil sie vor HettyHetty auf der Waagelauter Trennungsschmerz ihre Pflichten vernachlässigt und der andere, weil er keine Autorität hat, sie an diese zu gemahnen. Welch ein Loser-Duo! Doch zwei echte Situationsgewinnler bringt dieser Tag immerhin, wie es selbst dann noch Gewinner gibt, wenn die halbe Welt in Schutt und Asche fällt. Der eine ist Hallodri, der Fiannas sparsame Öffnungszeiten optimal genutzt und 70 g aufgeladen hat, was ihn zum Schwergewicht und Gewichtsvorsitzenden des Elferrats macht – 850 Gramm. Der abgelöste Ex-Vorsitzende Hartl brachte es nur auf 20 g plus und 810 Gramm. Die weitere Reihenfolge sieht so aus: Hetty 790 (+20), Halina 780 (+20), Hobo 770 (+40), Hedda 720 (+60), Hias 720 (0), Hakuna 710 (+20), Hugo 700 (+20), Harpo 680 (0) und Hubsi 530 (+50!!), der zweite Krisenkönig. Der Kleine ist ein cleverer Kriegsgewinnler; wenn sich die anderen von der Situation überraschen lassen, greift er zu. Unterschätzt mir nur die Kleinen nicht, Napoleon, Picasso, Chaplin, Kant, Gysi...

Deutlich souveräner betreibt Fianna ihre Babyfürsorge bei der Revierpflege: Zuwanderer, Durchreisende, Eindringlinge, Gestrandete, Gegenwärtige und Allgegenwärtige – alles wird als potentieller Problem- oder gar Schadbär eingestuft. Nur ausgewiesene Freunde duldet sie weiterhin in ihrem Revier und behandelt sie mit unverminderter Freundlichkeit und Zuneigung. Alles andere wird beargwöhnt und, sofern wir nicht unseren Einfluss geltend machen, weggemährt. Aggressiv wird sie dabei nicht, aber groß und mächtig, schicksalsträchtig wie der legendäre Watzmann eben; Fianna gibt die Mangfalltaler Watzfrau. Selbstzweifel befallen sie nur, wenn das vermeintliche Opfer unbeeindruckt bleibt, wie der Elektriker, der sich um unsere HugoHugo und sein GeierPhotovoltaikanlage kümmern soll, ausgewiesener Hundefreund und -kenner, und sich mit unserer Zustimmung ihrer Kinderkiste nähert und sich von einer mährenden und sich vor ihren Welpen querstellenden Mutterhündin nicht beeindrucken lässt, ihr sogar dreist die Schlappohren krault, wo sie ihm doch sogar auf die Zehen steigt und ihr Waffenarsenal aufblitzen lässt. Zefix, hat dem der Strom das Hirn zerfressen? Fianna weiß, wann sie verloren hat oder zumindest keine Punkte mehr sammeln kann und betrachtet die Szene aus dem defensiven Rückraum, jederzeit bereit ihre Meinung bei Bedarf wieder zu ändern. Und gut erzogen, wie sie ist, begleitet sie unseren Besuch schließlich in aller Form wieder zur Tür und komplimentiert ihn mit der ihr innewohnenden Höflichkeit wieder hinaus. Wäre der Photovoltaiker Vorhut einer osteuropäischen Knackerbande, wüsste er nun, dass beim Blues die zu erwartenden Verluste höher ausfallen würden als die erhofften Gewinne.

Heute gehen für den Vize die stillen Tage im Kämmerlein zu Ende: Die Chefin zieht mit ihrer Kindsmutter wieder ins Schlafzimmer. Die Tür bleibt offen und Fianna tapert zwei- bis dreimal die Nacht zu ihren Kindern, legt sie sich an die Brust, putzt ihnen die Hintern, kommt dann wieder zu uns, haut sich dröhnend und stöhnend in die Ecke, damit wir auch Notiz von ihr und ihrem Engagement nehmen und setzt ihren unterbrochenen Schlaf fort. Das tun wir auch in der Gewissheit, dass die kleine Schwarze weiß, was sie zu tun hat.

 

Donnerstag, 9. März 2017

Es donnert noch immer nicht um St Cyprian herum, aber es nässt, es seicht, es schifft, es plätschert den lieben, langen Tag, die Wolken hängen fast bis zum Boden und das Thermometer hängt rund um 7° C fest. Zusammen mit dem Schmelzwasser reicht ein solcher Tag aus, dass die Mangfall vollläuft und Fiannas Flanierwiesen knöcheltief unter Wasser stehen. Ein einziger Tag nur! Das kommt davon, wenn man alles ungeniert betoniert, ramponiert und kanalisiert. Wenn wir unsere Kinder aufs blanke Holz legen und ihnen keinen saugenden Laken und Vetbeds unterschieben würden, würden ihre kleinen Bächlein, sofern sie nicht von der Mama entdeckt und aufgeleckt werden, auch unsere Küche fluten. Diese Erkenntnis hat sich den Machern des Bairischen Blues sogar schon bei ihrem ersten Wurf erschlossen, und zwar ganz ohne bodenphysiologische und rheologische Gutachten.

Fianna im Kuddebett mit AussiedlerkörbchenVize, reich mir die Kinder!Die pitschnassen Wiesen sind nicht der Anlass, dass Fianna heute Morgen die kurze Spaziergangsvariante wählt, sich also an den Kreuzwegen konsequent für die kurze Biege entscheidet, ein Entscheidungsmuster, das ihr Musterkatalog normalerweise nicht im Angebot hat. Fianna hat Sehnsucht nach ihren Hallodris und volle Milchtanks. In solchen Augenblicken zeigt sich, dass ihr Mamaprogramm nun voll von ihr Besitz ergriffen hat und alles sonst Wichtige aufgeschoben werden muss.

Gestern hat sich der Elferrat offenbar darauf verständigt, Fastenzeit Fastenzeit sein zu lassen und mal richtig über die Stränge zu schlagen. 560 Gramm Aufschlag deuten jedenfalls nicht auf Selbstkasteiung hin. Dass Hallodri groß herauskommen will, hat er gestern schon angedeutet, indem er Hartl die Krone des Wammerlprinzen abgenommen hat. 70 g war sein Testballon schwer, und der hat voll eingeschlagen. Da kann so einer schon mal einen Höhenflug anstreben und es am nächsten Tag mit 100 g versuchen, mit der Gewissheit, dass ihm bei diesem Zwischenspurt kaum einer folgen kann. Und so geschah es: 950 Gramm! Und wenn man sich nun nach einem Verfolger oder einer Verfolgerin umsieht, geht der Blick ins Leere; die nächste Messgröße liegt bei 830 Gramm, 120 Gramm zurück. Kann man da noch von Verfolger sprechen? Die 830 Gramm (+40) gehören Hetty, die sich aber eigentlich auch schon dem Fußvolk zurechnen muss, weil ihr die nächsten direkt an den Fersen kleben: 820 Gramm für Halina (+40) und Hartl (+10). 800 Gramm (+30) meldet Hobo. Hedda ist mit 790 Gramm (+70) offenbar voll HoboHoboim Bilde, wenn es um die Besetzung der besten Zapfstellen geht, ein Spielchen, das auch Hugo nicht schlecht zu beherrschen scheint: 780 Gramm (+80); da hat einer noch was vor. 760 Gramm (+50) lässt sich Hakuna in die Bücher schreiben und Harpo ließ sich mit +70 (750) auch nicht lumpen. Hias bescheidet sich dagegen mit 10 g plus (730). Und wer hätte darauf gewettet, dass Hubsi einen hinter sich lässt? Keiner! Das wäre ja direkt monströs gewesen und hätte Fiannas Milchproduktion in die Nähe von Müllermilch bringen müssen. Deshalb ein Hoch auf 60 g Auflastung (590) für Hubsi.

Man sollte ja nicht alle Lebensäußerungen und Verhaltensweisen seiner Kinder gleich überinterpretieren und symbolisch aufbrezeln, aber man darf über die Symbolik eines abgehalfterten Wammerlprinzen Hartl nachdenken, wenn dieser sich in seiner Schnullerbox vor der Chefin aufbaut – hinterrücks, wohlgemerkt –, einen Buckel macht und ihr exemplarisch eine prächtige Wurst vor die Füße setzt. Will er damit ausdrücken (herausdrücken?), dass ihm das alles wurscht ist oder gegebenenfalls darauf hinweisen, dass einer, und er ist immerhin der erste mit dieser ausgeprägten lebenserhaltenden Funktion, der solche Abgänge vorzuweisen hat, eben auf der Waage nur noch mit einer Art Restlast dienen kann. Was im Umkehrschluss hieße, dass die Geschwister überbewertete Schlackenhalden sind und man ihnen vor dem Wiegen erst einmal die Därmchen ausdrücken müsste, um zu seriösen Wiegeergebnissen zu kommen, was er im Falle seines Bruders Hallodri sehr gerne auch selber übernehmen würde. Wie dem auch sei, die Chefin kann sich gar nicht mehr einkriegen wegen dieser Mordwurst des Hartl vom Bairischen Blues, Ex-Wammerlprinz, aktueller Darmol-Repräsentant. Manche können sich eben auch in vorangeschrittenem Alter über jedem Scheiß freuen.

Hakuna und Hubsi leisten sich dagegen einen sehr eigenen Blick auf die aktuellen Ereignisse in der Schnullerbox, indem sie nämlich ihre Lider als Erste einen winzigen Spalt öffnen und versuchen, sich einen Überblick zu verschaffen, was ihnen im Augenblick nur sehr schemenhaft gelingen dürfte. Ein Segen eher als ein Schaden, denn wer weiß schon, was mit der Seele eines Kindes geschieht, wenn sein erster Blick auf ein dampfendes Darmendprodukt fällt? Slumbewohner müssen über Generationen mit so etwas klarkommen, aber doch kein Spross des Bairischen Blues'. So jemand wird doch vermutlich depressiv oder Richter.

Und der Vize denkt vor dem Einschlafen darüber nach, ob er diesen 9. März nun wegen des Wetters und der Ereignisse in der Kinderstube als Scheißtag bezeichnen darf? Wurscht, er macht es einfach.

 

Freitag, 10. März 2017

Und wieder geht der Blick zuerst in den Bauernkalender und dann hinaus aus dem Fenster und hinüber zum Thermometer. "Friert`s am 40-Ritter-Tag, so kommen noch 40 Fröste nach." Knapp über 0 Grad, also definitiv kein Frost! Entwarnung. "An Vierzigritter kalter Wind, noch vierzig Tage windig sind." Kälte ist bereits geklärt, aber die Bäume regen sich nicht, also auch kein Wind. So kann's weitergehen. "Regen, den die 40 Märtyrer senden, wird erst nach 40 Tagen enden." Nein, es ist wolkig und von Regen ist auch bei den Wetterfröschen heute keine Rede mehr. Alles gut. Oder doch nicht so ganz? "Wie die vierzig Märtyrer das Wetter gestalten, wird es noch 40 Tage halten." Das ist nun doch eine kalte Dusche: Bis nach Ostern wolkig bei 0 bis 5 Grad? Da würden ja die Hallodris zu Stubenhockern ausgebildet. Wer traut sich denn, solche apokalyptischen Aussichten in die Welt zu setzen. Immer diese Märtyrer, die ganze Welt seit Menschengedenken voller misslauniger und miesmacherischer Märtyrer. Und bloß weil die Bibel einen Narren an der Zahl 40 gefressen hat, sollen auch wir uns mit solchen nicht enden wollenden Aussichten anfreunden. 40 Tage und Nächte dauerte angeblich die Sintflut, das finden die 40 Ritter auch für uns gerade angemessen. Moses kuschelte 40 Tage mit seinem Herrn auf dem Berg Sinai, Jesus fastete 40 Tage in der Wüste, bis er nur noch Hirngespinste und Teufelszeug wahrnahm, und die Israeliten irrten nach ihrem Abmarsch aus Ägypten 40 Jahre durch die Wüste, bis sie endlich nach Hause fanden. Und wir sollen uns demnach auch mit 40 Tagen Gruselwetter anfreunden? Nix da, wir sprechen der biblischen Zahlenrabulistik und ihrer distanzlosen Gefolgschaft das Misstrauen aus und glauben an die Corioliskraft und die Macht der Jetstreams, an den Golfstrom und das Azorenhoch. Gerne auch 40 Tage lang.

Auch die Hallodris halten nichts von Zahlensymbolik und schon gar nichts von 40-tägigem Fasten bis Karsamstag (falls jetzt jemand nachzählt: Sonntage sind ausgenommen, weil an Sonntagen nicht gefastet wird!) und genehmigten sich auch gestern wieder einen ordentlichen Schluck aus Mamas Pulle, deutlich weniger zwar als am Vortag, aber offensichtlich waren einige noch mit Verdauen beschäftigt. Die mit dem langsamen Stoffwechsel sind Hubsi, Hedda und Halina, die alle ihr gestriges Gewicht gehalten haben. Bescheiden zugelegt haben Hobo (820) und Hias (750) mit jeweils 20 Gramm. Ebenfalls noch im ernährungsphysiologischen Normverhalten mit 40 Gramm plus bewegen sich Hartl (860) und Hakuna (800). Doch dann entlarven sich die Zitzenkicker und Ellenbogenrempler: Hallodri (1020, Geburtsgewicht verdoppelt) und Harpo (820, Geburtsgewicht verdoppelt) mit je 70 Gramm mehr. Hetty belegt mit 910 Gramm (+80) den zweiten Platz auf der Speckrangliste, schafft aber bei ihrem luxuriösen Geburtsgewicht die Verdoppelung trotzdem noch nicht. Der gewaltigste Zitzenzuzler war gestern Hugo mit 90 Gramm plus (870). Damit haben diese Vier allein 310 Gramm der gesamten 430 Gramm für sich in Anspruch genommen, das sind 72 Prozent des Bruttozitzenprodukts. In der Schnullerbox geht es zu wie im richtigen Leben. Damit das nicht so weitergeht, vermitteln wir speziell Hubsi heute ein paar Zusatztanktermine, weil das zarte Kerlchen sonst von den Ellenbogen der Großökonomen, rein sozialmarktwirtschaftlich natürlich, kampfsportlich ausgehebelt wird. Wir sorgen dafür, dass bei uns keiner bei Hartz IV landet, nur weil es seine Mutter bei den ausgeglichenen Startbedingungen nicht so genau nahm.

Heute, knapp zwei Wochen nach der Geburt, dürfen die ersten Interessenten den Hallodris ihre Aufwartung machen, Kreißsaalpersonal und Nachbarskinder durften ja vorher schon. Acht Leute lassen sich diesen Premiumtermin nicht entgehen und hocken, gottlob nicht alle gleichzeitig, andächtig und voller Rührung um die Blues-Krippe herum. Nach anfänglichen Ressentiments arrangiert sich Fianna mit dem Andrang und den Zudringlichkeiten der Schaulustigen, platziert sich leger zwischen sie und macht das Beste daraus, indem sie sich ganztägig und ganzkörperlich durchwalken lässt. Die von Hand zu Schoß gereichten Hallodris lässt sie dennoch nicht aus den Augen und ein in einer Jackentasche versenkter entginge ihr gewiss nicht. Ihren Mutterpflichten kommt sie ebenfalls zuverlässig nach, indem sie die Speisung des Elferrats zu einem kleinen Event macht, vor allem dann, wenn sich das ganze Mitleid der Besucher und deren Fürsorgeautomatismen über ihre Trödler und Schlafmützen ergießt, jene also, die mit falsch kalibriertem Kompass maunzend und gurrend durch die Kiste irren – und wenn sie nicht geholfen werden vielleicht gar 40 Tage lang.

Hubsi riskiert ein AugeHubsi riskiert ein AugeUnd natürlich gilt das größte Interesse den Augen, ob und welche sich schon geöffnet haben. Aber viel hat sich noch nicht getan, winzige Schlitze sind es noch immer und für einen tiefen und innigen Blick reicht es noch nicht.

Erys TorteEin süßer Dank an EryEine der acht Besucher ist heute auch die Hospitantin Alexandra, die sich die Bitte des Chronisten, auch Ery mit einem Sahnemuffbeutel zu bedenken, so zu Herzen genommen hatte, dass sie ihm gleich eine ganze Herztorte gebacken hat. Nicht weniger als diesen herzigen Rotweinkuchen hat er auch verdient. Wegen deiner Kinder, lieber Ery, haben wir leider keine Zeit, ihn dir persönlich zu überbringen, deshalb lassen wir ihn uns in deinem Namen schmecken. Das geht doch in Ordnung, oder?

Als die letzten Besucher spät abends wieder weg sind, legt sich eine zufriedene Müdigkeit über den Blues. Fianna ist auch so mit sich im Reinen, dass sie vor der Box liegen bleibt, während wir ins Schlafgemach abwandern. Sie will eine Zeit mit ihren Hallodris alleine verbringen und gegebenenfalls noch einen kleinen Night-Cup spendieren, einen Absacker für die Erschöpften und Zerschmusten. Dabei muss sie wohl auch eingeschlafen sein, denn erst eine knappe Stunde später gesellt sie sich zu uns – da hat der Rote Korsar schon längst seine Chance erkannt und ergriffen und sich in den Arm des Vize gekuschelt und ihn in den Schlaf geschnurrt. Fianna durchbricht bei ihrer Ankunft diesen eingeschnurrten Schlaf, indem sie dem Vize die Frage nach der Korrektheit dieser Beischlafgemeinschaft stellt. Der Korsar macht sich klein, kriecht vorsichtshalber unter die Decke und schnurrt dafür umso lauter. Mit einer großen Handvoll Zärtlichkeiten lässt sich Fianna überzeugen, dass der Rote rechtmäßig dort ruht und ihr dadurch kein Schaden entsteht. Sie rumpelt sich in die Ecke und lässt den Roten schnurren, bis ihm die Luft ausgeht. Und wenn er erstickt, soll es ihr auch recht sein. Den Gefallen tut er ihr aber nicht, sondern kuschelt und schnurrt durch, bis der Morgen mit roten Bäckchen aus den Federn steigt.

 

Samstag, 11. März 2017

Gut, dass die 40 Märtyrer einen Tag früher zu Wort kommen, sonst hätten wir jetzt Frost bis Ostern, denn die roten Bäckchen des Morgens sind den -3° C geschuldet, mit denen er uns aufwartet. Aber der Mangfalltaler Himmel ist, wie es sich gehört, weiß-blau.

Ob es an diesem Spätwinterwetter liegt oder der an der verloschenen Macht der wetterfatalistischen Rittermärtyrer aus dem frühen 4. Jahrhundert oder einfach nur, weil es heute Samstag und die Chefin ganz entspannt ist: Fianna zieht nicht zu ihren Kindern nach Hause sondern ihre wieder erweiterten Kreise durch ihr Revier, dort entlang, wo sie gerne mit ihrer Chefin an den langen und terminfreien Morgen flaniert.

Die Waage macht uns heute schwindelig, denn wie es funktioniert, dass an einem besucherintensiven Tag 670 Gramm zugenommen werden kann, ist das Geheimnis der Hallodris, zumal sich ihre Mutter meist zwischen den Beinen der Schaulustigen tummelte, anstatt ihrer Mission nachzugehen. Nein, sie hat schon getan, was getan werden musste, aber 670 Gramm waren da doch eigentlich nicht drin.

Da sich an den vorderen und hinteren Platzierungen nichts verändert hat, eine solche Wachablösung auch nicht zu erwarten war, bauen wir die Speckrallye der Zugewinnler von oben nach unten auf. 130 Gramm stehen da als Angebot im Raum. Bietet jemand mehr? Nee! And the winner is: Hias! Von 750 auf 880 Gramm (dafür hätte der dyskalkulatorische Chronist beinahe einen Taschenrechner gebraucht). Damit hat sich Hias vom Vorhubsiplatz auf den HartlHartl saugt sich fest7. Platz katapultiert. 110 Gramm eigneten sich Hartl und Hakuna an. Hartls Ergebnis ist historisch und wissenschaftlich besonders wertvoll, weil er sie von 860 Gramm ausgehend erzuzelte, was ja immer schwieriger ist, als von einem niedrigeren Ausgangspunkt aus. Außerdem konnte Hartl den Beleg liefern, dass männliche Besucherfinger durchaus ergiebig sind, wenn man sich nur lange und innig genug an ihnen festsaugt, immerhin eine knappe Viertelstunde und so innig, dass auch ein Spaziergang mit dem am Finger baumelnden Hartl denkbar gewesen wäre. Entsprechend lange Baraufenthalte bei Mama sind nicht dokumentiert. Hartl erlutschte sich damit wieder den zweiten Platz. Hakuna erarbeitete sich den 4. Platz von einer 800-Gramm-Basis aus und ganz ohne Zuhilfenahme irgendeines Fingers. Geht also auch. Strahlende 80 Gramm (670) meldet Hubsi, der seine Verdauungsdepression überwunden und den letzten Platz mit Ausrufungszeichen stabilisierte. Mit 70 Gramm (890) gehört Hobo am heutigen Tag eigentlich schon zu den Low-Performern, wogegen er an anderen Tagen damit Staat machen könnte, und entsprechend unspektakulär ist seine Platzierung: Rang 6. Hugo konnte 60 Gramm erwirtschaften (930), auch nicht schlecht, aber ... siehe Hobo. Der Lohn, Platz 3. Hallodri ließ es bei 50 Gramm bewenden (1070), wozu sich auch den Schlund verrenken? Das sind immer noch 100 Gramm vor Hartl, dem Zweiten, also FC-Bayern-Klasse. Hias bleibt Hias (trotz der bemühten 130 g) und mia san mia. Scheiß di nix, dann feit da nix (Exobavarisch: Mach dir keinen Kopf, dann klappt's schon). Gegen Ende registrieren wir Hedda (+40 g, 830) und Platz 9 sowie Halina (+20 g, 840) und Platz 8. Das Ende des Fettgerangels markieren ausnahmsweise Hetty (910, Platz 5) und Harpo (820) mit je einer Nullnummer. Harpo hat sich damit auf den vorletzten Platz geträumt; ein bisschen mehr Engagement, bitteschön, vor allem für uns, die wir immer an Eides Statt versichern müssen, dass mit euch Fastenkönigen auch wirklich alles in Ordnung ist.

HarpoHarpo geht stiftenNachdem das erste Indoor-Shooting, wie berichtet, nur suboptimales Material lieferte und heute der Himmel so herzerweichend blaut, bitten wir die Hundsbuam und Herzibopperl zu einem Outdoor-Shooting in den Garten. Das klappt dann schon besser, erstens, weil der Vize die Models nicht mehr erwürgt, sondern, zweitens, auf einem Vetbed drapiert, was sie trotzdem zu FotoshootingBaby-Shooting - So wird's wasAbwendungen und Fluchtversuchen animiert. Man kann die Models platzieren, wie man will, immer drehen sie sich weg. An der Sonne, in die sie schauen müssen, kann es noch nicht liegen, dazu sind die Äuglein noch nicht offen genug. Was ist es? Ein gestörtes Magnetfeld im Garten des Blues, eine aufgebrachte Wasserader unter uns? Oder der Fluch der 40 damischen Ritter? Wir wissen es nicht, es ist immer so gewesen und wird vermutlich auch immer so bleiben. Und es wird die Stimmung des Vize auf ewig ramponieren. Deswegen ist das Shooting jetzt auch Chefsache und die Mama führt Regie. So wird es dann auch was.

Und weil sich heute nur zwei Besucher zu uns verirren, verstreicht der Samstag sehr entspannt. Nicht für den einäugigen Korsar, der heute seinen Einsatz verpasst und wie immer im Bad schlafen muss. An einer vor dem Bett liegenden Fianna wagt er sich dann doch nicht vorbei. Und das ist es auch, was sie ihm dringend rät.

 

Sonntag, 12. März 2017

"Gregori zeigt dem Bauern an, ob im Feld er sähen kann" oder "Wenn Gregorius sich stellt, muss der Bauer aufs Feld". Wir wollen jetzt nicht kleinlich sein und nachfragen, was der Gregorius denn angestellt hat, dass er sich reumütig stellen muss; so tief wollen wir nicht in die Tiefe der Bauernseele eindringen. Eher schon stellt sich die Frage, wie der Gregor dem Bauern anzeigt, dass er säen kann (bei welcher Gelegenheit man auch gleich noch die Rechtschreibung – säen, nicht sähen – korrigieren kann). Die Zusammenhänge sind offenbar nicht nur für den Chronisten allzu nebulös, sondern auch den Bauern wenig hilfreich, die sich damit behelfen, aufs Feld zu fahren und braune Brühe zu verspritzen, so viel, dass der Vize gar nicht mehr weiß, wohin er seine Mutterhündin führen soll, wenn er sichergehen will, dass sie sich nicht komplett verschissen und stinkend zu ihren Welpen legen muss. In jedem Fall ist nach der Heimkehr erst mal eine Dusche angesagt. Wenn unter diesen Umständen auch noch folgender Spruch Gültigkeit haben würde "Wenn Gregori fällt, heißt`s die Saat bestellt", wird dieses Jahr außer Greifvogelansitzen nicht viel wachsen auf den Feldern des Mangfalltals. Gesät ist jedenfalls nicht geworden. Weiterhin lernen wir, dass um St. Gregor die Schwalben "vorkommen", was darauf schließen lässt, dass dieser Bauernkalender aus dem südbadischen Raum stammen muss, jedenfalls nicht aus dem Mangfalltal, wo auch am Gregorstag, entgegen aller Vorhersagen, das Eis nicht "ins Meer schwimmt". Immerhin messen wir heute Morgen -4° C. Ach ja, sollte es heute windig sein, werden wir – na, wer ahnt es schon? Genau! – 40 Tage Wind haben. Es ist wolkenlos, kein Wind und die Moral von der Gregorigeschicht lautet: Ist das Bauernbrevier zu schrill, macht das Mangfalltal, wie immer, was es will. Ist nicht ganz rhythmisch, dafür aber wahr.

Die Gewichtstabelle gibt heute wenig Anlass zum Jubeln: 330 Gramm sind nicht üppig. Die Tabelle spaltet sich in Profiteure und Abgehängte auf. Die Profiteure sind Harpo (+90, 910) und Hakuna (+80, 990), eventuell noch Hallodri, der mit +60 Gramm (1130) an der Grenze zum unspektakulären Zugewinn liegt. Alle anderen haben sich unwesentlich angereichert oder ihr Gewicht gehalten. Somit bleibt es dabei, dass Hallodri der einzige und absolut unangefochtene Doppelpfünder ist. Hakuna hechelt mit ihren 990 Gramm schon mit gehörigem Abstand hinterher.

Die Elf am 7. Märzund vor sechs TagenDie Elf am 12. MärzDie Auslastung des Kuddebetts heuteTrotz dieser letzten Schwächephase füllt sich das Kuddebett nun in einem Maße, dass man sich nur noch die Augen reiben kann. Legt man sich ein Bild des Kuschelbetts daneben, das noch nicht einmal eine Woche alt ist, sieht man, dass die Hallodris (und nicht nur der Hallodri) beinahe explodiert sind. Mama Fianna macht doch einen sichtbar guten Job.

Ebenso rasant wie die Gewichte entwickeln sich die Fertigkeiten der Knirpse. Einige sind in ihrem bescheidenen Rahmen schon recht gut zu Fuß, taumeln zwar noch herum, als ob sie auf der Deichkrone von einer Bö erfasst würden, aber fast stündlich sieht man ihre Fortschritte. Andere, und das ist fast noch beeindruckender, beschäftigen sich nicht so sehr mit ihrer Körperstatik, sondern nehmen Kontakt zu ihrer Umwelt auf. Sie können zwar nur schemenhaft sehen, aber eine in die Kiste gehaltene Hand wird nach Vermögen angesteuert, taumelnd und schleudernd, aber sie wird erreicht, angestupst und angelutscht. Der Nestverbund reicht jetzt schon nicht mehr aus, sozialer Kontakt jenseits des Geschwisterkreises wird wichtig. Aus Stubenhocker werden Naseweise.

HallodriHallodriDie motorischen Fertigkeiten beeindrucken naturgemäß mehr als die stillen sozialen Aufbauten. Wenn der Hallodri mit einem einzigen, wuchtigen Kraftakt seinen doppelpfündigen Leib zu Mama ins Kudde wuchtet, löst das im Publikum ein andächtiges Staunen aus, eine Übung, die den zierlichen Hubsi noch überfordern muss, nicht weil er ungeschickter ist, sondern weil er die körperlichen Voraussetzungen noch nicht erfüllt, sich hochzuwuchten und darüber zu stemmen. Es käme ja auch kein Mensch mit 1,60 Meter auf die Idee, sich im Hochsprung zu üben und mit den 2-Meter-Typen mithalten zu wollen. Der Hallodri hat die Größe und die Kraft, die er dafür braucht. Aber auch Hetty und Hedda sind schon ziemlich wieselflink über den Wulst und bei Mama, wenn sie hören, dass die Zapfhähne geöffnet werden. Hias ist dagegen ein beharrlicher Heimwerker am eigenen Leib: Unverdrossen und unermüdlich arbeitet er sich an den Tücken des glatten Fliesenbodens ab, glitscht und gleitet, schlürft und scheitert, aber wir prophezeien, er wird eines Tages der flinkste und spursicherste der ganzen Bande sein.

Die Chefin ist heute den ganzen Tag in Vereinsangelegenheiten außer Haus, was den Vize zum Chef macht – und Fianna gleich testen lässt, ob er auch dazu taugt. Sie beschert ihm, als sie sich in der Küche erhebt, eine mächtige Blutspur, die sie anschließend durchs ganze Erdgeschoß zieht. Zur Strafe muss sie dafür wieder ein Thermometer ertragen, das eine kuschelige Temperatur von 37,8° anzeigt. Auch sonst macht Fianna keinen elenden oder reduzierten Eindruck, also wird schon alles in Ordnung sein. Wer glaubt, die Geburt eines Elferrats sei eine schnell erledigte Sache, sollte sich zur Belehrung die konstituierende Sitzung eines rheinischen Karnevalsvereins zu Gemüte führen. Wem das Lachen dann nicht vergangen ist, kann auch Chef eines Elferrats mit der Präsidentin Fianna werden, ohne sich aus Angst vor dem Tod zu entleiben. Wie ihre Vorgängerinnen hat auch sie jederzeit einen fragwürdigen Scherz auf Abruf parat.

Dennoch ist der Vize und seine Hallodri-Mama ein Herz und eine Seele, vor allem bei einem langen Spaziergang durch den lauwarmen Sonntag. Sie zieht nicht nach Hause zu ihren Welpen, genießt die Sonne und die fliegenden Bälle, während der Interimschef eifrig damit beschäftigt ist, diese in die güllefreien Korridore zu werfen. Unbeschwert könnte man das Treiben bezeichnen, allerdings nicht so ganz unbeschwert, weil Fianna noch sichtbar durchgetretene Füße hat, was man von ihr nun wirklich nicht gewohnt ist. Auch daran kann man erkennen, das die Geburt noch nachwirkt: Die Hormone, welche die Sehnen und Bänder für die Geburt weich und geschmeidig machten, machen auch vor den Beinen und Füßen nicht Halt. Und deswegen patscht die sonst so edle Swingerin mitunter daher wie ein Plattfußindianer.

Fotostudio des BluesSo gesehen ist also alles, wie es sein soll und zur vollen Zufriedenheit des Vize angerichtet. Nur einen Wunsch hegt er tief in seinem Herzen, und es ist derselbe, der ihn schon sieben Mal um diese Zeit im Würgegriff hatte: Lass es endlich richtig losgehen mit den Knirpsen, lass sie endlich richtig lebendig werden, lass es endlich nach draußen gehen, in dieser Kreißsaalküche kriegt man einen Lagerkoller und wird schwermütig, wenn man mit der Kamera im Anschlag wartet, dass endlich mal ein Hallodri etwas tut, das es lohnt, den Finger am Auslöser zu drücken. Und wenn sich ein bisschen etwas tut, steht immer jemand oder etwas im Weg oder... Immer die gleichen an ihren Geschwistern lutschenden Tollpatsche zu fotografieren, ist nicht seelenfüllend.

 

Montag, 13. März 2017

Wolkenlos kriecht der Montag aus seinem -6° C frostigen Lager und hat immer noch keine Schwalbe im Gepäck. Eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer, aber ein frostiger Gregor macht halt auch keine Schwalbe. Es stellt sich die schicksalhafte Frage, ob wir nun damit rechnen müssen, auch die nächsten 40 Tage keine Schwalbe zu Gesicht zu bekommen. Auch die sorgenvolle Blicke während des Tage in den weiß-blauen Himmel vertreiben die Befürchtungen bezügliche eines eventuell schwalbenfreien Sommers nicht.

Lange, aber nicht unerwartet lange Gesichter, gibt es auch beim Blick in die Gewichtstabelle. Ein Tag ohne die Chefin verhöhnt die Lehre vom immerwährenden Aufschwung und verhagelt die Bilanz: 270 Gramm! Ein kostenbewusster Unternehmer hätte für eine solche Ausbeute seinen Laden gar nicht erst aufgesperrt. Andererseits, und das sollte man bei solchen Erwägungen auch immer berücksichtigen, gibt es sogar an solchen Tagen Kundschaft, und nicht unbedingt die schlechteste. 100 der 270 Gramm gehören nämlich Halina, die das ganze Angebot getestet und für gut befunden hat; eine solche Kundschaft bleibt schon mal hängen. Wenn man die 50 Gramm von Hallodri, der sich nie für nichts zu schade ist, sowie die 40 Gramm von Hedda addiert, bleiben für den achtköpfigen Rest der Mannschaft noch 80 Gramm, die es nicht wert sind, in ihrer ganzen Bescheidenheit dokumentiert zu werden. Nur die strammen Wammen und Wadel ohne Fehl und Tadel der Hallodris lassen uns vom Gedanken an eine Zwangsernährung Abstand nehmen. Für eine neue Ausgabe des Bauernkalenders reichen wir folgenden Vorschlag ein: Ist die Hebamm' nicht im Haus, geht der Amm' die Milli aus.

Wie stramm die Wadeln der Hallodris sind und wie viel Leben auch nach einem Fastentag in ihnen steckt, zeigen Hetty, Hakuna, Hallodri und Harpo, als sie sich direkt nach dem Wiegen aus dem Kudde davonmachen und einen Inspektionsgang in der Küche wagen. Von weichen Beinchen kann nicht die Rede sein, eher von herzerweichender Komik. Aber Mumm hat die kleine Viererbande für elf. Zirpend und kauderwelschend strapsen sie durch ihr noch immer unbekanntes Revier und bitten bald um ein Taxi zu Mami. Nur Hallodri erledigt die Heimkehr auf eigene Faust, zielstrebig und trittsicher, so, wie ein erprobter Liebhaber das Fensterln bewerkstelligt.

Die Chefin ist nach den Erzählungen des Vizes über die gestrigen Spaziergänge stark verunsichert, was nicht allzu häufig vorkommt, denn den heutigen Morgenausgang hält Fianna wieder kurz: Erster Winkel links, zweiter Winkel links, dritter Winkel links, und schon sind die beiden wieder zurück. Ein lustvoll ausgedehnter Morgenspaziergang sieht definitiv anders aus. Sie wird sich vermutlich denken, was hat der, was ich nicht habe? Ein Auto, ist die verblüffend simple Antwort! Die Lösung ist schlicht und für jeden Welpenbesitzer ein Naturgesetz: Pack den zögerlichen Hund ins Auto und fahre nur ein paar hundert Meter weg, schon ist er freudig bei der Sache. Beim Start direkt vom Nest, wählt der Welpe wie die welpenprogrammierte Mutterhündin den kurzen Weg.

Was dem Nesthocken entgegenwirkt, ist die Neugier, deshalb macht die Chefin heute mal die Schnullerbox auf. Die Mutter wird deshalb ihr nesthockendes Verhalten nicht ändern, aber die Hallodris wird es hinauslocken. Und kaum ist die inzwischen auf 30 Zentimeter angewachsene Barriere abgehoben, sind die Ersten draußen, nur eine Handbreit vor dem großen Tor, aber einfach hinaus geschritten, naja: hinaus gewackelt. Es ist etwas ganz anderes, ob man aus dem Kudde der Mama fällt, in das man gesetzt wurde oder ob man seine Höhle aus eigenen Stücken verlässt. Der Schritt hinaus ist nicht deshalb wichtig, weil der Vize lamentiert hat und in der Kiste keine Bilder mehr bekommt (so viele wird es hier in der Küchen auch nicht geben), sondern weil das Reizniveau in der Box ausgereizt ist. Alle versuchen, auf dem engen Raum ihre Beinchen auszuschütteln, klettern über den heiligen Elefanten ihrHugoHugo ist ein besserer Jäger als Spaziergängerer Oma Franzi, der nicht nur sie, sondern auch alle ihre und Fiannas bisherige Welpen überlebt hat und geduldig wie ein ausgestopfter Buddha alles mit sich machen lässt. Eine weiße Ratte, eine schwarze Ratte, ein Flauschi – nicht genug, um der kleinen Welt der Hallodris einen neuen Kick zu geben. Die Außenwelt, für die sie sich nun entschieden haben, muss man bestehen. Es sind nur drei, die sich hinauswagen, und zwei machen schnell wieder einen Rückzieher, auch weil die Mama in der Kiste liegt: Warum in die Ferne schweifen, wenn die Gute liegt so nah? Nur Hugo treibt sich noch vor der Tür herum und macht umgehend Erfahrung mit den Tücken der Welt. Als nämlich die Chefin ein kurzes Video von der Boxenöffnung per WhatsApp in den erlauchten Kreis der Welpenaspiranten schickt und dabei eine Sequenz zu sehen ist, wie Hugo sich einen Stoffgeier greift (der, in den er sich schon zu Wochenbeginn in der Kiste verguckte), vor sich herschiebt, hinter sich herzieht und besteigt, gibt das asoziale Netzwerk seine ganze Bandbreite zum Besten. Während die einen sich euphorisch über den frühkindlichen Beutetrieb begeistert zeigen, raunen die anderen über eine Fehlorientierung und -steuerung, der man eventuell mit einem Psychologen begegnen müsse. Kaum ist der kleine Kerl aus der Box, soll er schon auf die Couch! Also, alles was Recht ist: Hugo ist kein Psycho, er ist ein Beutehugo, der von der Symbolik der Menschenwelt offenbar mehr versteht als diese und sich deshalb sofort über einen Geier hergemacht hat. Ob er eventuell nur auf die Geiermilch scharf sei, sorgt sich jemand? Geiermilch? Da fragt man sich doch, wer auf die Couch muss? Der Hugo doch nicht!

Hugos Weltraumspaziergang währt naturgemäß nicht lange, dann zieht er sich freiwillig in sein sicheres Lager zurück. Ohne Geier. Während abends Besucher um die Box sitzen, öffnen wir sie wieder und lassen die Hallodris zum allseitigen Vergnügen ein letztes Mal an diesem Tag hinaus. Zwei der elf hauen an diesem späten Abend noch eine Nummer raus. Hallodri klettert nämlich Hallodrials vom JagenHallodriHallodri hält mehr vom Spazierengehenumgehend ins Kuddebett zu seiner Mutter (Oh, ah und uiii), hangelt sich zwischen deren Rücken und dem Küchenbuffet, vor dem das Bett liegt, zum anderen Ende, stürzt kopfüber hinaus, dreht um, stemmt sich wieder hinein und legt sich zu seiner Mama, die ihren Sohn und die Huldigungen des Publikums voller Stolz in Empfang nimmt. Unglaubliches Staunen, der Kerl ist eine Wucht und ein Bewegungsgenie. Hobo will da nicht nachstehen und zeigen, dass auch er was kann. Auf den Beinen der Kreißsaalhospitantin Alexandra ruhend, lässt er seinen Pummelpo nach hinten sinken und plätschert ihr einen Teich zwischen die Beine auf den Küchenboden. Dafür erntet er nicht so viel Respekt wie der Hallodri, aber ein lautstarkes Hallo und bestimmt nicht weniger Aufmerksamkeit.

Es sind solche Momente, die uns das Herz öffnen. Es sind solche Momente, die uns immer wieder züchten lassen, die uns den mangelnden Schlaf vergessen lassen, den Ausnahmezustand, in dem man acht Wochen lebt, die Geruchsbelästigung und die Dauerübersäuerung des Magens vom vielen Kuchen. Das alle nehmen wir gerne immer wieder in Kauf, das alles geht immer wieder weg, aber die Erinnerungen an solche Momente bleiben und diejenigen, die für sie verantwortlich sind: die Kinder, die Knirpse, die Hallodris und viele von denen, die an diesen Eskapaden der Zwerge ebenso viel Spaß haben wie wir.

 

Dienstag, 14. März 2017

Heute liegt das Glück 870 Gramm schwer in der Kiste: die Gewichtstabelle. 870 Gramm, und das trotz der vielfältigen Attraktionen und Herausforderungen. 100 Gramm schreiben wir für Hallodri auf (1280), ebenfalls 100 für Hartl (1070) und 60 Gramm für Hakuna (1070). 120 Gramm lässt Hetty aufschreiben (1060), Hobo, der Deichgraf von gestern, bringt es auf 130 Gramm (1020), Halina, ebenfalls 1020 Gramm schwer, legt 80 Gramm zu. Die letzten beiden Doppelpfünder sind Hias (1000, +110) und Hugo (1000, +30). Harpo hat es nicht mehr weit bis zum ersten Kilo (980, +40), aber Hedda muss noch ein bisschen Gas geben (930, +30). Und Hubsi mampft sich 70 Gramm an und landet bei 760.

Die Elf am 14. MärzKrafttanken für große TatenViel mehr Glück und Erwähnenswertes gibt dieser Dienstag nicht her, außer dass es Hedda und Hetty jetzt dem Hallodri nachmachen und fix ins Kudde zu ihrer Mutter steigen. Hilfe brauchen sie keine mehr. Der Lernprozess ist atemberaubend. Die anderen bemühen sich, dem Küchenboden kleinere Wegstrecken abzutrotzen und werden dabei immer geschickter. Am Ende der kommenden Woche werden wir uns nicht mehr vorstellen können, wie tapsig sie heute noch sind.

3. Woche (15.03. - 21. 03. 2017)

Mittwoch, 15. März 2017

"Lukretia feucht, bleiben die Kornsäcke leicht". Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, abgesehen davon ist Lukretia trocken, was den Kornsäcken entgegenkommen müsste – wenn da nicht dieser Gregorius gewesen wäre, an dem die Bauern hätten säen müssen, dafür aber nur Kuhdung versprüht haben. Mal sehen, wie die unfeuchte Lukretia das dennoch hinkriegt.

Nach zwei Wochen darf man schon mal eine erste Zwischenbilanz der Gewichtsrallye ziehen. Dabei kristallisiert sich Hallodri eindeutig als effektivster Futterverwerter heraus. Offenbar hat er auch den unwiderstehlichsten Zug in der Kehle, denn wenn man den kleinen Kerl nach einem Tankaufenthalt von oben betrachtet, sieht er aus wie ein Formel-1-Rennwagen mit seinen Kühlerbeulen in der Fahrzeugmitte oder als ob er ein Sherry-Fässchen quer geschluckt hätte. Gestern ließ er es etwas gemütlicher angehen und begnügte sich mit 30 g plus (1310). Immer noch, und zwar absolut unangefochten, hält Hakuna den zweiten Platz mit 1190 Gramm. Sie hat von Hallodri jenen Teil, den er üblicherweise für sich beansprucht, übernommen und 130 Gramm draufgelegt. Dritter der Speckrangliste und letzter Elfer des Elferrats ist Hobo mit 1100 Gramm und 80 g Zugewinn. Mit 1090 Gramm (+20) führt Hartl die Tausender-Gruppe an. Ihm folgen Halina (1080, +60), Hugo (1070, +70), Hetty (1060, 0) und Hias (1050, +50). Die Nachhut der sogenannten Utaus befehligt Harpo mit 980 Gramm (0), gefolgt von Hedda (930, 0) und dem fixen Hubsi (760, 0), der dieser Nullnummer-Truppe einen zünftigen Abschluss beschert.

Hallodri und HalinaHallodri und HalinaHeutHoboHobo hängt gern abe ist ein reges Kommen und Gehen beim Blues, das den Hallodris reichlich Gelegenheit gibt, sich in Szene zu setzen. Sie sind ja nun den ganzen Tag Freigänger und nutzen ihre Freiheit, den Besuchern zu zeigen, was sie schon draufhaben. Hallodri weiß, was er kann, klettern beispielsweise, und er ahnt offenbar auch, dass die Besucher ebenfalls über seine Fertigkeiten Bescheid wissen, weshalb er sich gerne von seiner Feldherrenseite zeigt und seine Kommandostimme ertönen lässt; Hallodri ist der Lautsprecher der Truppe. Dass der kleine Hubsi ein ziemlich Fixer ist, hat sich auch schon herumgesprochen, mit Kraft und Masse kann er eben keinen Staat machen, dafür mit Schläue und einem wachen Geist. Hedda und Halina gehören auch zur Abteilung "Geschick & Wendigkeit", sind schon gut auf den Beinen und oft dort, wo es die Rosinen abzugreifen gibt. Hias wiederum scheint das bayerische Erbe in sich zu tragen: erdverbunden, zufrieden und schwer aus der Ruhe zu bringen. Was für alle gilt: Sie verteilen ihre kleinen Darmwürmchen jetzt in der ganzen Küche. Herzerweichende Figuren bekommt man da zu sehen, wenn sie versuchen, einen Buckel zu machen, dabei mit den Hinterbeinchen wegrutschen und wie ein alter Putzlappen herumliegen. Es ist ein gewaltiger Entwicklungssprung, den sie soeben vollziehen, wenn sie nun immer häufiger versuchen ihre Stoffwechselendprodukte selbst zu entsorgen und nicht Mama so lange lecken zu lassen, bis Darm und Blase dem Reiz nicht widerstehen können und losbullern. Sie wollen es jetzt selbst hinbekommen, und den meisten gelingt es schon, wenn auch manchmal erst nach mehreren Anläufen mit HugoHugo braucht zum Denken Blut im Hirnlängeren Erholungsphasen dazwischen. Dieser Entwicklungsschritt bleibt natürlich nicht ohne Folgen für das Hauspersonal (in das die Besucher einbezogen werden): Putzen, wischen und waschen. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Fianna stetig mit wachem Blick unterwegs ist und wegschlabbert, was sie sieht und riecht. Und solange sie in der Nähe ist und ihrer Verpflichtung, das Nest und dessen Umgebung möglichst geruchsfrei zu halten, nachkommen kann, nehmen wir ihr diese Arbeit auch nicht ab; das ist Teil ihrer mütterlichen Aufgaben und soll nicht durch unser Einschreiten verschüttet werden. Wir können es abwarten, dass sie sich weigert, diesem Job nachzukommen; spätestens nach der ersten Entwurmung wird ihr Begeisterung für diese Form des Hausputzes deutlich nachlassen.

Abends müssen die Hallodris wieder in die Schnullerbox, was sie ohne Widerspruch geschehen lassen. Dann kommt Mama nochmal zu ihnen, reicht ihnen einen letzten Snack und dann sinken sie dahin, knisternd, krähend, gurrend und quietschend.

Viel Eindruck macht ein kurzes Video, das die Chefin in den Hallodri-Chat stellt, welches eine ranke und schlanke Mama Fianna zeigt: So kurz nach der Geburt und schon wieder so in Form! Was ihre Konstitution angeht, gibt es auch keine zwei Meinungen, sie ist einfach in bestechender Form und voller Energie. Die Körperformen sind aber ein bisschen gefaked (alternative Wahrheit), weil die Chefin unterschlägt, dass die Mutter nun bereits ihre Unterwolle abwirft, wie ein Vogel seine Federn in der Mauser. Der Vize meint, dass man unter diesen Umständen leicht einen schlanken Fuß präsentieren kann. Wenn er seine Kopfwolle verlöre, würde er vielleicht auch so markig elegant aussehen wie Yul Brynner und niemand würde geflissentlich unterschlagen, dass er eine Glatze hat. Eine Gazelle hat doch auch eine schlankere Silhouette als ein Moschusochse, oder?

 

Donnerstag, 16. März 2017

Mit einem knappen Minusgrad begrüßt uns der Donnerstagmorgen, freundlich ist er auch und noch immer nicht feucht. Da muss der Bauer auf die Gertrud hoffen, soll er nicht alle Hoffnung fahren lassen müssen. Nachmittags schwingt sich dieser Donnerstag bis zu 16° C auf und lässt die Frühlingsknospen in der Seele platzen.

HubsiHubsiDas Wiegetribunal des Morgens bestätigt den Eindruck, dass Fiannas neun Zapfstellen, von denen eine eher eine Tropfstelle ist, keine gleichmäßige Gewichtsentwicklung über alle Hallodris hinweg garantieren können. Das ist keine epochemachende Erkenntnis, wird aber mit dem Heranwachsen der Kundschaft deutlicher. Immer schaffen einige einen tiefen Schluck aus der Pulle, während andere mit dem Noagerl (Exobavarisch: Neige, Rest) vorlieb nehmen müssen. Gestern betrug der Profit über alle 430 Gramm, heute immerhin 540 Gramm. War gestern vor allem Hakuna die Profiteuse des Zapfhahn-Fightings, mit Abschlägen Hobo, Hugo und Halina, sind es heute Hias und Hedda, was belegt, dass die Hungerleider genug Ehrgeiz und Energie haben, sich durchzuboxen, bevor ihnen der Schnauf wegbleibt. Hedda ruhte sich gestern mit 930 Gramm noch auf dem vorletzten Platz aus und arbeitete sich nun nach einer Gewaltleistung von 140 g (1070) auf den drittletzten Platz vor; hängst du unten drin, hängst du eben unten drin. Hias raffte ebenfalls 140 g in sich hinein, was ihn allerdings wegen des kompakten Mittelfeldes spontan vom viertletzten auf den dritten Platz katapultierte. Mit 60 Gramm liegt auch Hetty noch auf jenem Leistungsniveau, das man unter den gegebenen Umständen gerade noch erwähnt. Bei den reduzierten Ansprüchen des gestrigen Tages reicht so etwas zu einem Sprung vom siebten auf den vierten Platz. Die anderen beten wir jetzt einfach herunter: Hakuna 40 g (1230, weiterhin 2. Platz), Halina 40 g (1120, 6. Platz), Harpo 40 g (1020, 10. Platz) und 30 g meldet Hobo (1130, 4. Platz). Zum Schluss memorieren wir die Magermilchtruppe: Wir verbuchen 20 g für Hallodri (1330, 1. Platz) und Hugo (1090, 8. Platz), 10 g für Hubsi (770, Rote Laterne) und eine glatte Nullnummer für Hartl (1090, 7. Platz). Da alle zusammen einen äußerst vitalen Eindruck machen und wir bei dem kleinen Hubsi geradezu froh sind, dass er nicht schwerer ist, weil er ein smartes Bäuchlein mit sich trägt, das nicht auf Auszehrung schließen lässt, haben wir keinen Grund, aktiv zu werden. Wir werden in den nächsten Tagen mit der Zufütterung beginnen, wenn die ersten Zähnchen durchbrechen, um Fianna dann zu entlasten. Uns ist auch wichtig, dass der Leckreflex der Welpen bereits aktiviert ist, weil wir sie nicht ohne Not mit Fläschchen füttern wollen, auch, um das Risiko einer Lungenentzündung zu umgehen, die schnell eintritt, wenn sich ein Zwerg verschluckt und etwas in die Lunge bekommt. Die Hallodris schwächeln nicht und sind bestens drauf, also haben auch wir keine Not in hektische Betriebsamkeit zu verfallen.

Die kurze Zeit zwischen der ersten Morgenspeisung und dem Wiegetribunal einerseits und dem unvermeidlichen Verdauungsschlaf gestalten sich die Hallodris nun immer aktiver selbst. Vor allem das angrenzende Wohnzimmer übt einen unwiderstehlichen Reiz aus und weckt den Forschergeist. In jedem Wurf gibt es die Existenzsicherer und die Adrenalinjunkies, die sich allerdings im Laufe ihres Aufenthalts bei uns immer wieder abwechseln; wer heute auf dem Adrenalintrip ist und die Polkappen inspizieren möchte, hockt morgen eingewickelt in einer Schafwolldecke in der Ofenecke und umgekehrt. Alle Welpen machen die Entwicklungsschritte nach ihrem ureigenen Fahrplan, für Hetty und FiannaHetty holt sich Mut bei ihrer Mama ...Hetty... und nimmt sich den Hocker vorCharakterprognosen taugen solche Beobachtungen in den meisten Fällen wenig. Heute sind es Halina, Hartl, Hias, Hakuna, Hubsi und Hedda, die ihre Kreise markant erweitern, die Küche durchstreifen und in den vorderen Teil des Wohnzimmers vordringen, immer kommunizierend, gackernd gickelnd, wobei ihre Rufe eher Positionsmeldungen sind als Alarmrufe. Hetty, der man von Anbeginn an kein Hasenherz attestieren kann, wagt sich gleich mal an eine sehr genaue Inspektion der Wohnzimmerlandschaft. Sie erledigt das mit sicherem Schritt, nicht kriechend und sichernd, nähert sich den Objekten offen, muss dann jedoch der unbekannten Bedrohung durch einen Polsterhocker Tribut zollen und Mama rufen, ein Ruf, der auch von Fianna nicht als Positionsmeldung eingestuft wird, weswegen sie umgehend herbeieilt, ihr Mut zuspricht, worauf Hetty, mit frischem Mut betankt, sich nun dem Objekt auf Kontakt nähert und sich an ihm aufrichtet – die erste Hallodra, die ihre Expedition in die dritte Dimension ausdehnt. Nachdem dieser Hocker nichts Spektakuläres hergibt, macht sie sich weiter auf den Weg, streicht herum, immer leise maunzend und kneisternd, nie aber verunsichert oder ängstlich. Erst als sie zwischen Sessel und Lautsprecherbox festsitzt, offensichtlich mit ihrem Erobererlatein am Ende, bringt sie der Vize zu zwei ihrer Geschwister, die Mamas bisher unberührtes Kuddebett im Wohnzimmer belagern. Dort kuscheln sie sich zusammen und vereinen sich im Schlaf und ihren Heldenträumen.

HakunaHakuna mit der KatzenschüsselFür die Gartenlaubenabenteurer bieten die leeren Katzenschüsselchen genug Anreize, der Welt neue Aspekte abzugewinnen: Edelstahl gehört bisher nicht zum Erfahrungsschatz, Geruch von Katzenfutter ebenso nicht und die Musik, die man den Schüsseln entlocken kann, ist auch aus unbekannten Sphären. Es gibt nichts in diesen Tagen, was für die Entwicklung der Knirpse nicht gut genug wäre; es muss nicht immer der erratische Hocker sein. Für Halina ist es der Separatistenplatz unter dem Küchenblock, der ihr Schutz bietet und den niemand ohne ihre Zustimmung betreten kann.

Dieser Entdeckertrieb der Hallodris setzt reichlich früh ein: Lange können wir nicht mehr warten, bis wir die Absperrungen zum Wohnzimmer aufbauen. Bei ihren Vorgängern mussten wir uns damit erst mit Beginn der vierten Woche auseinandersetzen.

Wenn sich der Tag zur Ruhe legt, wird der Rote Korsar so aktiv wie die Hallodris tagsüber. Nach der erfolgreichen Vorarbeit der vergangenen Tage, schreitet er nun laut schnurrend ins Schlafzimmer und legt sich zum Vize. Fianna hat resigniert, sie stellt sich schlafend und tut, als ob sie noch nie etwas von der Infiltration ihres Hoheitsgebiets durch einen roten Kater gehört hätte. Wer sich überzeugen will, dass deutsche Sprichwörter manchmal an Dämlichkeit kaum zu überbieten sind, sollte mal in diesem Zusammenhang das folgende memorieren: Der Klügere gibt nach. Der Wahrheit die Ehre gibt nur der Spruch, den sich keiner zu formulieren traut, weil er so unmoralisch daherkommt: Der Dreistere setzt sich durch. Aber so ist es.

 

Freitag, 17. März 2017

Um das Orakel der Gertrud richtig zu interpretieren, werfen wir einen Blick aufs Wetter: Morgens -1° C und wolkenlos, später immer noch wolkenlos, aber recht windig, nachts Regen und 11° C. Und was sagt die Wetterhexe Gertrud dazu? ""Friert's an Gertrud, währt der Winter noch zwei Wochen." Da geben wir mildernde Umstände, weil es nur morgens ein wenig friert: eine Woche Winter. Maximal. "St. Gertrud sonnig, wird's dem Gärtner wonnig." Das sieht doch gut aus. "Sonniger Gertruden Tag, Freud dem Bauern bringen mag". Ja, das kennen wir schon und halten fest: Die Bauern feiern heute ihre Gertrud und die Gärtner rasseln schon mal mit den Samentütchen. Allerdings sollte man den kleinen Konjunktiv nicht überlesen, der in einer konjunktivfreien Welt so gerne unter den Tisch gewischt wird: "...bringen mag" steht da, nicht bringen wird. So formulieren Juristen und Politiker, damit man sie nicht festnageln kann, weil sie nämlich auch gesehen haben: "Sieht St. Gertrud Eis, wird das ganze Jahr nicht heiß". Und weil keiner weiß, ob das kleine Morgenfröstchen da noch mitzählt, schiebt man das Konjunktivchen vor sich her und wäscht sich am Jahresende die Hände in Unschuld. Uns ist das schnurz, ob uns die Gertrud aufs Glatteis führt oder den Kartoffeln im Acker das Wasser abdreht, weil das richtige Leben, ganz ohne Konjunktiv, sowieso bei uns und den Hallodris abgeht.

Die Hallodris sind morgen so was von putzmunter, dass sie fast Purzelbäume schlagen. Sie machen sich jetzt schon zaghaft an unsere Zehen ran, ohne Zähne noch, aber investigierend und drangsalierend. Immer wieder schiebt sich in solchen Augenblicken Halina ins Bild, die sonst eher unauffällig agiert, aber die großen Auftritte offenbar gerne für sich reserviert.

HubsiHubsi verdautDie Waage erfährt heute eine jener seltener Momente, an denen wir sie der Lüge bezichtigen, was beim Blues selbst in Zeiten der alternativen Wahrheiten nicht zum Umgangston gehört. Doch heute sehen wir nach, ob nicht doch jemand über Nacht ein Fake-News-Modul eingebaut hat, ein Trumpolin der beliebigen Wahrheiten. Es ist Hubsi, der der Waage Ungemach bereitet, weil sie ihn mindestens viermal ertragen muss, bis wir resignieren und der Anzeige glauben: 940 Gramm. 170 Gramm Auflastung. 22% mehr Gewicht als gestern. An einem Tag! Das heißt, dass wir gestern entweder eine allgemeine Gewichtsexplosion zu verzeichnen hätten oder Hubsi einigen, die auf der Strecke bleiben mussten, den Rahm abgeschöpft hat. Bei 570 Gramm Zugewinn sind noch genau 400 Gramm zu verteilen, was einen Schnitt von 40 Gramm bedeutet. Hartl verzichtete auf seinen 40 Gramm Anteil und beschied sich mit 0 (1090). Das ist der dritte Fastentag in Folge, was ihm nun den drittletzten Platz beschert. Hias hatte auch keine Lust, sich mit dem wild entschlossenen Hubsi um die Sahne zu prügeln und legte ebenso einen Fastentag ein (1190), was ihm dennoch nicht seinen Bronzeplatz auf dem Stockerl kostete. Der Dritte im Fastenzirkel ist Hobo mit 1130 Gramm; er tummelt sich weiterhin im unteren Mittelfeld (7. Rang). Das bedeutet, dass die 400 Gramm nun nur noch auf sieben Hallodris verteilt werden müssen, was einen Schnitt von 57 Gramm ausmacht. Davon kann man tatsächlich auf die Dauer HarpoHarpo - Wie man sich bettet, so liegt manüberleben. Das die derzeitigen Überlebenskünstler Hallodri und Hakuna heißen, hat sich bereits herumgesprochen und bestätigt sich auch heute wieder. Beide greifen je 70 g ab. Die Folge ist eine fulminante Absetzbewegung der beiden: Hallodri 1400 Gramm (Goldpodest), Hakuna 1300 Gramm (Silber). Und danach kommt lange nichts, die 1200er Linie bleibt unbesetzt. Je 60 g reservierten Hedda (1130, 8. Platz) und Harpo (1080, 10. Platz) für sich, was jedenfalls Hedda einen Platz nach oben rutschen lässt. Halina (1170, 4. Platz) und Hugo (1140, 6. Platz) melden 50 g plus. Bleibt noch Hetty mit 40 g plus und 1160 Gramm (5. Platz). Interessant ist, dass unter den ersten Fünf drei der vier Hallodras rangieren, sich also gegen die Muskelaspiranten noch nachdrücklich behaupten können.

Es kann je mal jede(r) für sich im stillen Kämmerchen einen Wettschein ausfüllen, auf dem er/sie die Schlussreihenfolge in der achten Woche prognostiziert. Das Spiel ist beliebt, weil es wenige Spiele mit einem größeren Aha- und Frustfaktor gibt. Vergesst alles, was ihr einmal in einem miefigen Klassenzimmer gelernt habt: Die Ersten werden mit Sicherheit nicht die Letzten sein. Sicher ist nur, dass das Kamel Hallodri eher durch ein Nadelöhr geht, als dass Hubsi den Staffelstab als erster ins Ziel trägt. Trotz der Gewaltaktion von gestern.

Wenn man gerade noch nicht aufgehört hat, den Kopf zu schütteln, bleibt einem das Herz stehen: ein Anflug von Durchfall? Was man überhaupt nicht brauchen kann, ist Durchfall in diesem Alter. Die Winzlinge haben ja noch fast nichts dagegen zu setzen. Irgendeine(r) hat irgendetwas nicht im Griff. Allerdings machen alle einen unverdächtigen Eindruck, quietschen herum, rangeln und rennen; krank sieht niemand aus. Also: beobachten! Die Chefin geht zur Arbeit und der Vize geht auf Beobachtungsposten. Keinen Arsch lässt er aus den Augen. Nur einmal, als er es nicht mehr vertreten kann, die kleinen Pfützchen unbeachtet zu lassen und sich an deren Beseitigung macht – dünner Kackhaufen!! Ein knapper Meter hinter ihm. In der Gegend hält sich fast die ganze Mannschaft auf, Identifikation ausgeschlossen. Aber die Mannschaft ist immer noch wohlauf und krakeelt herum. Beobachtungsposten! Der Vize schleicht herum wie Winnetou am Silbersee. Aber nichts. Nichts mehr. Irgendwann erschlafft der Ermittlungseifer und mündet in stündliche Kontrollen. Nichts, kein Durchfall mehr. Die Chefin berichtet bei ihrer Rückkehr, dass sie mal nachgelesen habe und fündig geworden sei: Haben wir immer mal wieder gehabt. Kein Problem, kein Grund zur Sorge. Der Vize bestätigt ihr, dass auch bei ihm die Sorgen inzwischen verflogen seien, weil die Ärsche offenbar wieder dicht sind. Aber man kann denken, was man will: Wer lesen kann, ist im Vorteil. Aber wer kann schon lesen, wenn er schnüffeln und eskortieren muss?

Ein ganz anderes, wenn auch völlig unverdächtiges Problem ist der Haaranfall, bedingt durch Haarausfall bei Fianna. Wir haben es ja kürzlich schon erwähnt, dass sie aufgrund des Hormonwechsels nach der Geburt schon mächtig abhaart. Nun fliegen bereits überall Fellmäuse aus Unterwolle herum, hängen sich in die Vetbeds und konsolidieren sich in der Waschmaschine. Wir haben den Eindruck, dass sie beim letzten Mal nicht so früh dran war und auch ihre Vorgängerinnen langsamer abwarfen. Nur deshalb schreiben wir das nun auf, damit wir beim nächsten Wurf wieder etwas zum Nachlesen haben. Verbunden mit dem frühen Haarwechsel hoffen wir natürlich, darauf, dass sie dann auch sehr früh wieder eingekleidet ist und wieder ihr prächtiges Haarkleid präsentieren kann, denn nichts ist schlimmer als eine völlig abgehaarte Hündin mit einer Rute wie ein Pfeifenreiniger. Denn: "Ist die Hündin Ostern ohne Haar, fröstelt es das ganze Jahr".

 

 Samstag, 18. März 2017

Kann noch irgendjemand etwas mit dem Namen Kyrill anfangen? Das war der Orkan, der vor zehn Jahren am 18. und 19. Januar mit Windgeschwindigkeiten deutlich über 200 km/h über Europa fegte und 47 Tote hinterließ. Heute macht sich sein kleiner Enkel, ausgerechnet am Tag des Cyrill anheischig, es seinem Opa gleich zu tun. Aber wie das mit Enkeln so ist: Nur noch eine halbe Portion gegenüber uns damals, die wir noch Saft und Kraft hatten, eben ganze Kerle waren. Der Opa hat ganze Wälder und Strommasten umgenietet, der kleinen Cyrill arbeitet sich an morschen Ästen ab. Wenn er meint, dass er sich damit ein bisschen anwanzen und um gut Wetter bitten kann, hat er sich getäuscht: Auch Schmalspurvandalen sind unerwünscht, zumal der Nachwuchs-Popeye auch noch fetten Regen vor sich her treibt, was vor allem beim Vize größte Misslaune auslöst. Brillenträger kombiniert mit Regen und Sturm, mehr muss man dazu nicht sagen. Immerhin pustet der kleine Cyrill richtig viel Frischluft durchs Anwesen des Blues, was ja auch nicht schaden kann. Wir können es auch kurz machen: Schietwetter, wie der Hamburger sagen würde.

HundehaufenHundehaufenDie Hallodris wissen noch nichts von Wetter, sie haben ein Klima, und zwar das ihren Bedürfnissen angepasste Raumklima. Wenn wir jetzt Fenster und Türen öffnen würden, wüssten sie schlagartig, was eine Klimakatastrophe ist und wären damit schon erheblich schlauer als viele jener, die sich für besonders schlau halten. Die Hallodris wickeln ihr Leben in vorgefertigten Ereignisschatullen ab: einspeisen, ausscheiden, schlafen, spielen und wiegen. Die drei ersten Punkte sind existentiell, die anderen volatil, was heißen soll, dass sie sich verändern oder gar ganz verschwinden. Spielen wird kaum verschwinden, sich aber verändern und heißt dann erobern, jagen, sporteln und kämpfen, im schlimmsten Fall mobben und malträtieren. Das Wiegen ist hingegen so etwas wie der kleine Cyrill: eine vorübergehende Erscheinung. Auch heute müssen die Hallodris die Prozedur wieder über sich ergehen lassen, was naturgemäß immer schwieriger wird, weil sie keinen Gedanken darauf verschwenden, sich hinzuhocken und zu warten, bis die Chefin die Dioptrien fokussiert hat und im schwiemeligen Licht des frühen Morgens die angezeigten Zahlen identifiziert. Das Wiegen ist somit eine Unterart des Spielens geworden, ein Spiel ohne Regeln, außer der, dass einer versucht auszubüxen und der andere ihn daran zu hindern sucht. Alcatraz im Mangfalltal. Die Spannung ist dadurch schon frühmorgens immer höher als man es sich für diese Tageszeit wünscht, weil die Knirpse inzwischen glitschig und wendig wie Fische sind, dazu schnell wie die Asiatische Grippe. Heute ist die Spannung zudem hoch, weil man natürlich wissen will, wie der kleine Hubsi aus dem 22%-Hoch herausgekommen ist.

Machen wir die Sache nicht spannender als sie ist: Hubsi hat wohl Gefallen gefunden, in der Speckrallye ein bisschen mitzumischen und nochmal 50 g aufgepolstert; nix mehr mit Verdauungspause. Das macht für ihn 990 Gramm und weiterhin den letzten Platz. Allerdings ist er damit Harpo (1090) bis auf 100 g auf den Leib gerückt, weil der nicht mehr als 10 g zusammenkriegt. Vorgestern lagen zwischen den beiden noch 250 Gramm. 50 g davor fastet nun Hugo mit einer Nullnummer (1140), der dadurch drei Plätze einbüßt. Auch Hobo ist zwei Plätze nach hinten gerutscht (1060, +30). Ihm tut es Halina gleich, leistete sich ebenso einen Fastentag und sackt mit ihren 1170 Gramm vom vierten auf den siebten Platz. Da fragt man sich: Wer sind denn die Kriegsgewinnler? Wenn viele verlieren, müssen einige wenige gewinnen. Jetzt kommt der Name Hartl ins Spiel: Er hat sein dreitägiges Fastengelübde gebrochen und sich nicht mit langwierigem Fastenbrechen abgegeben, sondern umgehend einen Schweinsbraten mit Knödel vertilgt, was ihm 90 g (1180) und drei Plätze näher am Licht einbringt. Hedda liefert ebenfalls 1180 Gramm bei 50 g plus, was auch für sie drei Bonusplätze abwirft hat und sie mit Hartl gleichstellt. Bei Hias hat es nur für 20 g gereicht (1210), Platz 4, einen Platz eingebüßt. Ihre Chance genutzt hat Hetty: Mit 60 g Zuschlag kletterte sie vom fünften auf den dritten Rang (1220). Der Rest ist bekannt. Hakuna mit 40 g plus und 1340 Gramm lässt keine Zweifel an ihrer Lauerposition aufkommen. Für Hallodri ist auch das kein Bedrohung, die ihn von seinen Routinen abhält; er gibt sich keine Blöße, frisst sich wieder 60 g an und liegt nun mit 120 g Vorsprung soweit vor Hakuna, dass sie sich bald beim Vize ein Fernglas leihen muss, um ihren Bruder nicht aus den Augen zu verlieren (1460).

HeddaHedda protestiert bei der WelthunderechtskommissionHugoHugo nimmt's, wie es kommtNach dem Frühstück nehmen wir uns die Bande ein zweites Mal zur Pediküre zur Brust; der Schutz von Mamas Schnullerbrust hat oberste Priorität. Sie nehmen es deutlich gelassener als beim ersten Mal; die Hundsbuam halten dennoch mit Körpereinsatz dagegen, während es die Herzibopperl mit Schnullern und Kneifen an den Fingern versuchen. Dann hat, mitten in der Aktion, die Mama ihren Auftritt, legt sich neben den Folterstuhl und offeriert ihren Herzensbrechern zum Trost und zur Entspannung die Bar. Zack, sind alle weg, die bereits Pedikürten wie die Unbeschnittenen. Pause. Mama lässt sich Zeit. Das Personal hat sowieso Zeit. Und dann kann es weitergehen – mit einer satt zufriedenen Kundschaft. Ihnen liegt das Fett derart in den Eingeweiden, dass sie zu keiner Gegenwehr mehr in der Lage sind. Es fehlt nur noch, dass sie bei der Behandlung rülpsen. Merke: Der nächsten Nagelpflege geht eine Zwischenmahlzeit voran. Auf die Idee hätten sogar wir schon kommen können. Vielleicht sollten wir mal Fiannas IQ mit dem unseren vergleichen? Oder doch besser nicht.

HiasHias zieht Milch vorWeil wir schon im Betriebsmodus sind, entwurmen wir die Bande nachmittags gleich noch. Dreimal muss das in den acht Wochen erledigt werden. Wir wissen nicht, ob die Hallodris schon so gereift oder einfach fatalistisch weggetreten sind, jedenfalls ernten wir kaum Widerstand. Hubsi und Hobo müssen wir von der Bar ihrer Mutter abploppen, und es scheint, dass sie nicht kapieren, was da mit ihnen geschieht, jedenfalls machen sie den Eindruck, als würden sie gerade einen Film anschauen.

Die Besucher halten sich heute in Grenzen, die Bude wackelt also nicht, aber die Rollläden rappeln. Der kleine Cyrill tobt ums Haus und Bandit macht die Lichter aus. Gute Nacht. Die Achselhöhle des Vize schnurrt...

 

Sonntag, 19. März 2017

Bevor wir uns mit dem heutigen Josefitag beschäftigen, sehen wir aus dem Fenster, was wir uns auch sparen könnten, weil man selbst bei komplett verdunkelten und verrammelten Fenstern wüsste, was draußen los ist: Der kleine Cyrill, der heute genau genommen hier nichts mehr zu suchen hätte, aber dem Josef noch ein wenig in die Suppe spucken möchte. Der Namenstag aller Josefs und Josefas, aller Seppl, Bepperl, Jupps und Josefinen, kommt in Bayern gleich nach dem Starkbieranstich und der Wiesneröffnung. Und weil der Josef so ein ganz Heiliger ist, der allerdings von seiner Maria recht hinter die Fichte geführt wurde, was ihm viel Mitleid einträgt, muss sein Tag ein Glückstag sein fürs ganze Jahr. "Ist's am Josefstag schön, kann's nur gut weitergehn", "Ist es klar am Josefstag, erspart er uns viel Not und Plag", "Ist's an Josef klar, gibt's ein gutes Honigjahr". Au weh, Zwick. Das riecht nach Ungemach. Der kleine Cyrill ist doch ein ganz abgefeimter Lackl. Machen wir es kurz: Es wird ein besch...eidenes Jahr. Aber einen Spruch findet der Chronist noch, der ihm auch unter diesen Umständen ein Lächeln ins Gesicht zaubert, vor allem eingedenk der Zentimeter hohen Güllelachen, mit denen die Landmänner in Erwartung einer größeren Regenmenge die Felder geflutet haben: "Am Josefstag soll der faulste Bauer auf dem Acker sein". Richtig, und zwar jetzt sofort, barfuß und bis die Frühlingsdüfte wehen.

Nachmittags zeigt der Josef dem Cyrill, wer heute das Sagen hat und schickt ihn weiter. So endet der Tag mit Sonne, Wolken und immer noch viel Wind bei 14° C und einigermaßen versöhnlich, was die Aussichten angeht. Aber die Bauern bleiben draußen!

Die Waage gibt uns heute die Gelegenheit, gleich drei Großereignisse zu melden. Zuerst die richtig pfundigen Ergebnisse: Hubsi hat die Kilomarke gepackt, ist also jetzt ein echter Zweipfünder: +50 = 1040 = 11. Platz. Zwischen ihm und Hallodri liegt dennoch fast ein ganzes Pfund, weil der heute die Dreipfünder-Marke geknackt hat (+40, 1500). Die Pole-Position ist ihm weiterhin sicher. Das dritte Großereignis trägt die Visitenkarte von Harpo. Dieser unauffällige Vor-Hubsi, der gestern gerade noch 100 g zwischen sich und Hubsi schieben konnte, soff sich in einem exzessiven Akt 150 g drauf (1250), was ihn vom 10. Rang auf den 5. hochschnalzt. Gegen diese Tartarenmeldung bleibt sogar Fianna mit ihren WelpenViel Betrieb an der HausbarHetty mit ihren 90 g (1310), die sie nah an Hakuna heranbringt, blass. Der 3. Platz ist dadurch mehr als gefestigt, zumal Hakuna eine Nullnummer liefert (1340), aber weiterhin den 2. Platz behauptet. Auch Hedda zeigt mit 70 g Ambitionen, nicht nur, um sich weiter vorne zu postieren, sondern um den Wettern, die wir gestern angestachelt haben, das Leben schwer zu machen: 1250 Gramm, 4. Platz. Damit bringen sich gleich drei Amazonen hinter Hallodri in Position. Frauenpower pur, und der Hallo lacht dazu. Für die anderen bleibt da nicht mehr viel Lorbeer. Hartl fastet wieder, 1180, Absturz auf den 9. Platz. Hugo liefert reelle 50 g (1190), eins hoch, 8. Platz. Verbleiben noch Hias, Halina und Hobo. Hobo mag sich nicht aufraffen, kann natürlich nicht wissen, dass Harpo so in die Vollen haut und geht ihm mit schlappen 10 g (1170) so auf den Leim, dass nun er der Vor-Hubsi ist. Ein ähnliches Bild liefert Hias, allerdings auf höherem Niveau: +10 (1120) schickt ihn zwei Plätze nach unten (6. Platz). Halina erarbeitet sich 20 g, und hält mit 1190 Gramm ihren 7. Platz. Wir halten also fest: Hallodri ist auf seinem eigenen Trip, Hubsi hält am hinteren Ende das Tempo und dazwischen ist alles möglich.

HugoHugos RestaurantbesuchNachHoboHobo hat tadellose Tischsitten dem ersten Frühstück bei Mama gibt es für die Hallodris den ersten Restaurantbesuch, weil wir Fianna jetzt unter die Arme greifen wollen, um nicht zu sagen: unter die Brüste. Die ersten Zähne brechen durch, und die Zukunft mit kleinen Vampiren ist für eine Mutter eine Qual. Deswegen konfrontieren wir jeden einzelnen Hallodri mit einer kleinen Schüssel Welpenmilch. Dass das erste Erstaunen mindestens so groß ist wie die Hilflosigkeit und das Unvermögen, verwundert nicht, das haben alle ihre Vorgänger schon durchmachen müssen. Trotzdem sind wir vom schnellen Umsetzen der neuen Herausforderung sehr angetan. Die Meisten schnabeln und schlecken mit großer Begeisterung, aber fahrig um sich herum, entdecken schnell, dass sich die Mühe lohnt und geben sich dann auch mehr Mühe. Am Ende sehen alle aus wie Kleopatra nach ihrem Bad in Eselsmilch, was ihre Mama animiert, ihre Kinder wieder sauber zu kriegen und dabei noch den Rest abzusahnen. So ist allen gedient. Ja, da hatten wir schon erheblich bemerkenswertere Chaoten als diesmal; eigentlich stellten sich nur Hetty und Halina HallodriHallodri mag es entspanntetwas dusselig an, nicht weil sie zu dämlich sind, sie haben ja schon bewiesen, dass es ihnen nicht an Hirnschmalz und Esprit fehlt, nein, weil sie zu viel auf einmal wollen und zu hektisch sind. Deshalb schusseln sie so herum. Das glatte Gegenteil ist Hobo, der von uns wegen seiner exzellenten Tischsitten die Goldene Schnabeltasse verliehen bekommt. Hobo, der Landstreicher, hat die besten Tischmanieren. Verrückte Welt.

FiannaFianna kommt auch nicht zu kurzHobo legt nach und beweist, dass er tatsächlich viel Sinn für Etikette und Manieren hat, indem er sich zur Erledigung seines großen Geschäfts in den Eingangsbereich begibt, weit weg von seinen Wohnräumen, dorthin, wo sich eigentlich nur seltsame Figuren aufhalten, die kommen und gehen und vom Personal Besucher oder Interessenten genannt werden. Was das bedeutet? Keine Ahnung, scheiß drauf.

Weniger auf Etikette hat ein(e) andere(r) im Sinn, möglicherweise aber vom gleichen Denkansatz getrieben, der/die der Chefin direkt nach dem Restaurantbesuch in den Pantoffel pinkelt, was die Chefin jedoch nicht dazu bewegen kann, ihre kurz nach der Bronzezeit Hand gedengelten und mit allen Farben der Restauration verzierten Pantoffel zu entsorgen. Sie werden gereinigt und wieder ihrer Bestimmung zugeführt. Noch nicht einmal Entrüstung kann ihr dieser Akt der provokatorischen Insubordination entlocken, nur ein wenig bedrohliches: «Wer war der Saubär?» Was belegt, dass sie die Mädchen aus der Verdachtszone entlässt. Wildpinkler sind immer Männer und Männer sind außerdem Pantoffelhelden. Noch Fragen?

Es ist keine Frage: Aus den Maulwürfen werden Hunde, man kann es fast stündlich neu erleben. Nicht nur, dass ich jetzt, wie oben schon angedeutet, die ersten Zähne zeigen, was aus dem Maulwurf einen Hund macht, nein, sie bellen auch schon, so ein kauziges Kläffen, ein ausgespucktes BÄH, an dem sie sich nun ausgiebig üben. Manchmal aber, und dann wird es gruselig, liegen sie zusammen, meist kurz vor dem Einschlafen oder in der ersten Schlafphase, und heulen wie junge Wölfe. Dann zieht ein Klang durchs Haus, als ob eine Schar Tauben mit ihren Pfeifen vorbeiflögen, ein dünner, äolischer Ton, der einem dennoch durch Mark und Pfennig geht (Sorry, Herr Draghi: durch Euro und Cent klingt wirklich bescheuert).

Was macht einen Hund noch aus, außer dass er Zähne hat und bellen oder heulen kann. Dass er wie ein Hund liegt, zum Beispiel in der Sphinxstellung: Beine hinten angewinkelt, vorne ausgestreckt, Kopf erhoben. So liegt ein Hund da, ein Wachhund allemal. Und so liegt jetzt Hetty da – und leckt sich genüsslich die Pfoten. Noch sind die Beinchen matschig, werden aber schon hingebungsvoll gepflegt. Da springt ein Herz auf und streut Schmetterlinge.

Vor kurzem hatten wir schon geunkt, dass wir nun bald unsere bewährten Absperrungen zum Wohnzimmer und ins Treppenhaus aufbauen müssen, weil die Hallodris alles im Sturm erobern. Doch diese Notwendigkeit hat sich fürs Erste erledigt. Sie sind zwar immer noch unterwegs, aber das bislang Eroberte scheint ihrem Expeditonsgeist zu entsprechen, mehr brauchen sie noch nicht. Mal kurz um die Ecke biegen und zu Mama ins Wohnzimmerkudde ist Abenteuer genug, ein Blick in den Abgrund der Kellertreppe ist gruselig genug, alles weitere hat Zeit. Also haben auch wir noch etwas Zeit, aber natürlich lassen wir die Knirpse nicht aus den Augen und wenn das nicht zu umgehen ist, kommen sie in die Schnullerbox, Klappe zu und gut ist es. Vor allem in dieser Disziplin sind H-Benichts und H-Selmäuse vorbildlich: Obwohl sie nun schon seit einigen Tagen Freigänger sind, lassen sie sich immer noch anstandslos kasernieren, egal ob es für Besorgungen und Erledigungen ist, zum Putzen oder einfach nur nachts zum Schlafen. Wir hören von ihnen keinen Protest, sie kugeln sich zusammen und tun, was Welpen am besten können: schlafen. Da haben wir schon andere Erfahrungen gemacht, Kampfansagen und breiten kollektiven Widerstand schon am zweiten Tag des Freigangs. Die Hallodris sind in dieser Hinsicht wirklich sehr handzahm.

Nach sehr viel Besuch heute, bei dem sich Fianna immer noch als unbestechliche Gouvernante zeigt, die niemand ungeprüft in die Nähe ihrer Kinder lässt und ihre Meinung deutlich kundtut, bekommen die Hallodris den zweiten Teil der ersten Entwurmung, weil das Flubenol an zwei Tagen hintereinander gegeben werden muss. Gestern schon einigermaßen unbeeindruckt, sind sie heute zu erschöpft von all den Schößen und Händen, dass man ihnen auch Reißnägel oder Montageschaum zwischen die Kiefer schieben könnte. Und dann ist Feierabend für alle. Und heute stellen wir ihnen erstmals eine Wasserschüssel in die Box, weil sie nun schon weniger Flüssigkeit von ihrer Mama bekommen.

 

Montag, 20. März 2017

Jetzt dürfen die Bauern, wie versprochen, wieder vom Acker: Es ist Frühlingsanfang, die Frühlingslüftchen und -düftchen wehen, morgens noch unter einem bewölkten Himmel, später bei zunehmend freundliche Wetter und 14° C. "Wie das Wetter am Frühlingsanfang, so ist es den ganzen Sommer lang". Das ist erheblich erfreulicher als die Josefi-Prognose. Also halten wir uns an die Frühlingsprognose. Obwohl natürlich auch jetzt wieder delphisches Geschwurbel dazukommt: "Wie sich die Sonne zum Frühling wendet, so auch unser Sommer endet". Was heißt denn: wendet. Wohin wendet sich die Sonne? Etwa gar von uns ab? Und vor allem: Soll das heißen, dass der Sommer erst zum Ende hin freundlich wird wie heute? Das Orakel macht uns sehr betroffen, der Winter fällt – und alle Fragen offen.

Der Restaurantbesuch hat der Speckstatistik der Hallodris sehr gut getan; 830 Gramm sind eine sehr ansprechend Leistung und sie hat der Tabelle neues Leben eingehaucht. Jetzt geht's los, jetzt zeigt sich, wer ein Kämpfer ist. Der Hallodri kämpft nicht, muss nicht kämpfen, nur tun, was er immer tut: mampfen. Das bringt ihm auch heute wieder 50 g und eine Gesamtbilanz von 1550 Gramm ein. Wer soll ihn vom 1. Platz verdrängen? Hakuna hätte das Zeug dazu, aber als Mädchen in der Endabrechnung keine Chance (merkt eigentlich jemand, dass wir hier laufend Wetttipps abgeben?). Wer jedoch ein bisschen Quark, Eier, Ziegenmilch und Öl an einem Tag in 130 g Speck umwandelt, hat großes Potential. Dabei sieht sie gar nicht so mächtig aus, während Hallodri seine Pfunde stolz zu Markte trägt. Hakuna lässt somit 1470 Gramm anschreiben und ist Hallodri bis auf 80 g auf die Pelle gerückt. Für alle, die meinen, eine Welpenspeck-Wette sei ein Kinderspiel, den weisen wir auf den nun folgenden 3. Platz hin. Wer war vor drei Tagen noch auf dem zehnten Rang und gestern auf dem fünften? Harpo! So schnell kann es gehen! Gestern 150 g aufgeladen und heute 160 g, macht an zwei Tagen 310 g. Wir sind nicht sicher, ob wir einen solch unwiderstehlichen Vormarsch schon einmal erlebt haben und sind auch zu faul, die alten Gewichtstabellen durchzuwühlen. Harpo meldet heute 1400 Gramm und belegt sicher und endsatt den 3. Platz. Dieser Harpo muss im Auge behalten werden. Und wer nun gedacht hat, das war's mit den Überraschungen, den müssen wir schon wieder enttäuschen, weil es da noch einen gibt, der vorgestern auf dem achten Platz residierte, gestern auf den Vor-Hubsi-Platz gestürzt ist und heute wie der Phönix aus der Asche auf dem 4. Platz thront: Hobo, der Landstreicher und Achterbahnkönig. Er hat, soviel dürfen wir verraten, mit 190 g heute den Vogel abgeschossen und landet bei 1360 Gramm. Wir ziehen den Hut und verneigen uns in Ehrfurcht. Sakra! Der Gegenentwurf dazu sind Hetty und Hedda: Null, nix, nada, Ramadan. Hetty rutscht mit 1310 vom 3. auf den 5. Platz und Hedda mit 1250 vom 5. auf den 7. Rang. Da ist richtig Bewegung im Laden. Hias hängt weiterhin unentschlossen im Mittelfeld herum, nachdem er anfangs noch im Topteam mitspielte. Heute stehen für ihn immerhin 70 g (1290) auf der Haben-Seite und der 6. Platz. Hugo meldet 70 g, eigentlich durchaus erwähnenswert, aber heute eher Kleingeld: 1250 Gramm und 7. Platz zusammen mit Hedda. Hartl ist so einer, der nach mehr aussieht als er auf der Waage hält und sich deshalb zuverlässig im unteren Drittel herumtreibt. Heute gründet er mit ebenfalls 70 g plus und 1250 Gramm mit Hedda und Hugo das Siebener-Trio. Dennoch – Achtung, Wettbiester – steckt in Hartl Potential, behauptet jedenfalls der Vize. Mit 1240 Gramm und 50 g plus muss sich Halina nicht grämen, aber wer sich ohne Sinn und Verstand auf ein solches Fressen einlässt, treibt Schindluder mit seiner Figur. Deshalb ist der vorletzte Platz ein Ehrenplatz der Vernunft. Die gestrige Hausse war für Hubsi nun wirklich zu viel, wo hätte er das, was er gebraucht hätte, um mitzuhalten, auch hinpacken sollen. Wir meinen, 50 g Zuschlag ist aller Ehren wert, denn auch Hubsi sollte auf seine Linie achten, sonst sieht er bald aus wie kleines dickes Uwe. 1090 Gramm, Platz 11. Und der Vize legt sich fest: Hubsi wird nicht als letzter über die Ziellinie gehen.

Beim Morgenspaziergang in der lauen Frühlingsluft darf Fianna eine komplette Unterordnung laufen und strahlt hinterher mit dem Frühling um die Wette. In diesen Momenten verschwendet sie keinen Gedanken an ihre Kinder, da ist sie nur noch auf Empfang und weg von all dem Tageskram. Dass ihr die Milchtüten bei jedem schnellen Schritt fast um die Ohren fliegen und munter Beifall klatschen, bringt sie nicht aus der Konzentration. Sie könnte ewig so weitermachen, na, vielleicht nur halbewig, jedenfalls bis sie wieder zum Melken muss.

Hugo Der Kreativität sind keine Grenzen gesetztMit Fiannas Kindern geht es rapide voran. Ihre Bewegungsmuster sind nun sehr frei und kreativ. Das heißt für uns, dass es keine unkontrollierte Bewegung mehr geben darf, überall kann sich ein Hallodri herumtreiben. Obwohl sie sich natürlich noch nicht stabil auf den Matschebeinchen bewegen, sind sie schon ziemlich flott unterwegs, und ihre Wege ähneln dem eines Schnittmusters. Das gilt natürlich vor allem für die Küche, die sie nun komplett in ihren Besitz genommen haben und sich dort überall herumtreiben und sei es nur, um im hintersten Eck einen kleinen Teich abzuladen. Jetzt beginnt für uns die geraubte Zeit, was nichts anderes bedeutet, als dass man sich nichts mehr vornehmen kann, weil der Zeitplan von den Welpen bestimmt wird. Wenn man sich vornimmt, Kartoffeln zu schälen und zu kochen und in einer Stunde zu essen, ist das nur eine Fata Morgana. Denn schon das Kartoffelschälen wird durch unentwegtes Teichtrocknen und Würstchensammeln so in die Länge gezogen, dass kein Zeitplan mehr gehalten werden kann. Die nächsten Wochen werden eine Reise in der Zeitmaschine, an deren Zeiger die Hallodris kurbeln. Seltsamerweise ist gerade dieser Aspekt der Welpenaufzucht in der Gesamtbetrachtung kaum präsent. Obwohl er so sicher wie das Amen in der Kirche kommt, denkt man im Vorfeld keinen Augenblick daran und merkt dann, dass die verflogene Zeit und all das, was darin unerledigt liegenblieb, großteils auf diese Zeitmaschine zurückzuführen ist.

Wie soll man sich denn bitteschön verhalten, wenn einem so ein Dreikäsehoch auf den Fuß tritt und eine Streicheleinheit einklagt? Ignorieren? Ja, sicher und ganz bestimmt. Man nimmt das Päckchen hoch oder hockt sich zu ihm und gibt ihm, was er jetzt braucht. Die Kartoffeln werden dann etwas länger gar. Die Hallodris sind eben jetzt überall und nehmen uns zur Kenntnis. Sie steuern uns bewusst an, reagieren sogar schon auf Lockrufe. Sie nuckeln an den Fingern, untersuchen die Hausschuhe und sind so schnell wieder weg und hinter einer neuen Entdeckung her, wie sie gekommen sind. Die Summe dieser Nebenbeschäftigungen lässt die Hauptbeschäftigung in den Hintergrund rücken.

Aber natürlich wären die Hallodris keine Hallodris, wenn sie sich nur mit uns beschäftigen wollten. Es gibt noch viel zu entdecken und zu erproben. Zum Beispiel den gesamten Korridor, dort woher all die Leute immer kommen und wohin sie immer gehen. Hetty treibt sich dort mit Vorliebe herum und dem Vize den Schweiß auf die Stirn bei dem Gedanken, er würde ihre Expedition einmal übersehen und müsste die Kleine aus dem Keller klauben, weil es ihr auch die Kellertreppe sehr angetan hat. Es wird doch Zeit für die Sperren!

Füttern am FutterringFüttern am FutterringEine andere Qualität der Fortentwicklung zeigt etwa Hobo, als er sich zwar zu seiner Mama und deren geöffneten Bar ins Kudde begibt, aber bevor er sich den Saugstutzen zuführt, erst einmal ins Bett pinkelt. Vielleicht steigt ihm ja der Durchmarsch auf der Speckrolle gerade ein bisschen zu Kopf. So etwas würde Hartl nie machen, der in der Lokalisierung seiner Mutter der bei weitem Pfiffigste ist; wo immer sie sich niederlässt, ist Hartl auch schon bald da. Offensichtlich begnügt er sich dabei, mit Mama zu kuscheln, sonst müsste sich seine Dauerpräsenz erfolgreicher in der Gewichtstabelle niederschlagen.

HalinaHalina rockt den RingMit dieser Mobilität und Kreativität beginnen nun auch die echten Schaunummern, auf die man sich einerseits freut, vor denen man aber auch größten Respekt hat. Noch immer werden die Hallodris in die Schnullerbox gepackt, wenn wir außer Haus sind, weil wir das Wohnzimmer und den Eingangsbereich noch nicht gesichert haben. Dieser ist wegen der Kellertreppe besonders kritisch, aber die Tür in den Flur können wir nicht schließen, weil wir Fianna die Möglichkeit geben müssen, selbst zu entscheiden, ob sie bei ihren Kindern sein möchte oder lieber Abstand hält. Deswegen kommt die Bande in die Schnullerbox, dann kann Fianna zu ihnen oder es lassen. Heute streicht der Vize mit seiner Kindsmutter nachmittags durchs Mangfalltal und holt anschließend die Chefin von der Bahn ab. Da liegt bei ihrer Rückkehr mitten in der Küche eine seltsam zerknüllte Decke. Unter ihr lugt, nachdem das Objekt genauer unter die Lupe genommen wird, weil der Vize bei allen Heiligen versichert, dass diese Decke bei seinem Abgang noch im Kudde lag, das verschlafene Gesichtchen von Halina hervor. Hat es doch dieser Dreiviertelzwerg glatt geschafft, die 30 Zentimeter hohe Boxensperre zu überwinden. Wie sie das geschafft hat, bleibt ein Rätsel, denkbar wäre aber, dass Fianna in der Kiste lag und für Halina eine perfekte Ausstiegshilfe abgab. Jedenfalls scheint sie sich nicht sonderlich gegrämt zu haben, hat sich eine Decke geholt, darin eingerollt und gewartet, was der Tag noch bringen wird. Mein lieber Mann, das ist schon ein starkes Stück für einen dreiwöchigen Zwerg.

FiannaMama macht alle wieder stubenreinAll diese Erlebnisse und Abenteuer kosten natürlich immens viel Kraft – und deshalb füttern wir heute die Welpenmilch gleich aus dem Futterring, damit sie sich noch ein bisschen verausgaben können und dann hoffentlich auf keine blöden Gedanken mehr kommen. Das Chaos am Ring ist bei jedem Team immer das gleiche, die einen blicken die Situation sofort, die anderen lutschen am versabberten Rand herum, die dritten baggern mit Ganzkörpereinsatz durch den Ring und die vierten nehmen zwar ein Maul voll, wissen aber immer noch nicht so recht, was sie jetzt damit anstellen sollen. Eines haben am Ende alle gemeinsam: Sie sind noch mehr mit süßer Milch verkleister als gestern im Einzelprogramm. Mutter Fianna übernimmt es mit Begeisterung, ihre Kinder wieder gesellschaftsfähig zu züngeln.

HalinaHalina ist völlig plattEs wird nur wenige Tage dauern, dann haben sie dieses Programm so gut im Griff, dass wir kaum noch wissen werden, wie wir den Futterring, oder bald schon zwei Futterringe, auf den Boden bringen sollen, so werden sie uns umlagern.

Zum Ende dieses ereignisreichen ersten Frühlingstag, den die Bauern hoffentlich wieder getrocknet und in warme Tücher gehüllt bei ihren Familien verbracht haben, muss noch eine Erfolgsmeldung abgesetzt werden: Die Darmwürstchen der Hallodris sind trotz der neuen externen Fütterung und der Entwurmung perfekt geformt und zeigen keine Neigung zum Durchfall. Das ist, für Außenstehende vielleicht nicht ganz nachvollziehbar, fast schon die schönste Meldung des Tages. So ein Welpendarm muss sich an all das Neue erst anpassen, da ist eine stabile Kotkonsistenz ein ausgezeichnetes Zeichen.

Worüber man sich nicht alles freuen kann...

 

Dienstag, 21. März 2017

Der Frühling ziert sich noch. Gestern ging es ihm noch ein bisschen wie den Hallodris: Große Klappe, aber dann geht ihm doch der Schneid aus. Macht nichts, er und sie sind ja erst am Anfang. Wird schon noch werden. Heute sieht es noch nicht danach aus; es ist ganztägig stark bewölkt, allerdings bei herzwärmenden 16° C. Man kann ja nicht gleich alles haben.

Heute hat der Hl. Benedikt seinen Ehrentag, und es müsste doch mit dem Hl. Luzifer (uuups, Luzi) zugehen, wenn dem bäuerlichen Regelwerk dazu nichts einfiele. "Willst Gerste, Erbsen, Zwiebeln dick, so säe sie an Benedikt". Das lässt sich bestimmt auch umwidmen: "Willst du die Hallodris dick, stopf sie mit Fleisch an Benedikt". Die Vielfalt der Verfasser solcher Regeln lässt sich mit großem Vergnügen an den beiden folgenden Beispielen festmachen. Hier der kurz Angebundene, der Agrarpragmatiker: "Benedikt macht Möhren dick". Genau. Das reicht, versteht jeder. Anderer Meinung ist der verblümelte Agrarlyriker: "Der Benedikt leitet deine Hand, säest du mit ihm die Frucht in's Land". Wie rührend. Man sieht förmlich den Sämann über den Acker streifen und mit ausgreifenden Bewegungen seinen Samen streuen. Ganz anders sind da die Allgäuer gestrickt; bei denen sagt man schlicht: "St. Benedikt, 's Fidle zwickt" (Exo-Alemannisch für Fidle: das Gesäß). Damit hätten wir ausreichend gut über den Bene gesprochen, was sein Name ja letztlich bedeutet (bene = gut und dictus = gesprochen), schlussendlich wird der, über den man so gut spricht, ein Gesegneter. Und vor den dampfenden dicken Bohnen wünschen wir gesegnete Mahlzeit. Bene. Ach was: Benissimo.

Gar nicht bene ist der zunehmend starke Drang der Hallodris ins Familienwohnzimmer. Aber wir haben immer noch keine Lust, die Fluchtsperren aus dem Vordach zu holen. Der anticynische Schutzwall muss noch ein wenig warten, dafür genießen wir die durch die Freizügigkeit gegebene Möglichkeit zu Charakterstudien. Die Herumstreuner, die Mamakinder, die Möchtegerns und die Nimmermüden, alle sind vertreten. Solche, die fix um die Ecke biegen, weil sie genau wissen, dass die Mama dort liegt und immer einen Snack bereithält, sich aber für den Rest der Landschaft wenig interessieren. Die Herumstreuner sind die, die unentwegt sabbelnd durchs Wohnzimmer cruisen, ohne Ziel und ohne Plan, sich aber das Gelände einprägen und womöglich ihren eigenen Lageplan abspeichern. Die Nimmermüden sind die, deren Kreise nicht so weit gezogen sind, sich aber immer wieder auf den Weg machen, immer wieder einen Anfang wagen, aber über diesen nicht so recht hinauskommen. Am ulkigsten sind die Möchtegerns, die lauthals ankündigen, lauthals abdrehen, sich lauthals beschweren, lauthals einen neuen Versuch wagen, ihre Mutter lauthals verantwortlich machen, und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu guter Letzt ganz kleinlaut einen Teich auf die Dielen plätschern. Da uns die Erfahrung sagt, dass alle Hallodris diese Entwicklungsstadien mehr oder weniger deutlich durchlaufen, ist diese Beobachtung nur eine Momentaufnahme, weshalb es keinen Sinn macht, vor allem aber nicht fair wäre, den Typen jetzt Namen zuzuordnen; der Möchtegern kann schon morgen ein Streuner sein und der Streuner ein Mamakind. Panta rhei – alles fließt.

Doch dann kommt der magische Augenblick, der Streuner, Mamakinder und Möchtegerns mit einem Mal zu einem einzigen und einigen Wesen verwandelt, zu einem Wachhund, zu einem Hovawart. Es ist jener Moment, als der Nachbar seine wohlbehütete Harley aus dem Winterschlaf erweckt und ihr einen Frühlingsbrunftschrei entlockt, ein mächtiges, ein markerschütterndes und herzbebendes Dröhnen und Grollen, das sogar die Mangfall einen Moment über die Verlegung ihres Bettes nachdenken lässt. In diesem archaischen Augenblick merken sie alle auf, sitzen sie alle auf – Mamakinder, Möchtegerns und Streuner – und melden! Melden so laut bellend, wie sie es schon können, beschweren sich, fordern die sofortige Beendigung der Ruhestörung und gehen dann in ein kollektives Heulen über. Die Hallodris sind schon richtige Hovawarte! Wir könnten heulen, so herzerweichend und putzig ist die Szene.

Weniger spektakulär, aber nicht weniger aussagestark ist der Moment, in dem Halina, in sich und ihre Welt versunken, sitzt und sich mit dem Hinterbein am Ohr kratzt. Ein Hund ist erst ein Hund, wen er sich am Ohr kratzen kann, wie ein Rüde erst ein Rüde ist, wenn er das Bein hebt. Halina ist ein richtiger Hund, ein kleiner, ein tollpatschiger noch, aber ein Hund. Wenn man das sieht, ahnt man, wie nahe der Tag der Abgabe bereits ist. Es sind ja nur noch fünf Wochen, und die verfliegen noch schneller als die vergangenen drei.

HakunaHakuna ist ganz angetanFast belanglos, ja geradezu unangebracht trivial, erscheint uns an solchen Tagen ein Blick auf die Gewichtsstatistik. Deshalb fassen wir uns kurz. Alle zusammen nehmen 480 g zu; das ist so bescheiden, dass es nur belanglos sein kann. Die Highlights setzen der Erst- und Letztgeborene, also Hartl und Hallodri. Hartl hat Nachholbedarf und befriedigt diesen mit 110 g, macht 1360 Gramm und Platz vier zusammen mit Hobo und Hetty. Hallodri spielt sich mit seinen Geschwistern: 130 g (1680) und naja, was schon? Stockerl ganz oben. Die anderen im Schnelldurchlauf: 2. Platz Hakuna (1470, 0), 3. Platz Harpo (1440, +40), 4. Platz Hobo (1360, 0), Hetty (1360, +50) und Hartl, 7. Platz Hias (1350, +60), 8. Platz Hedda (1290, +40), 9. Platz Halina (1260, +20), 10. Platz Hugo (1250, 0) und 11. Platz Hubsi (1120, +30).

HiasHias ist begeistertWie haben wir weiter oben bei der Würdigung des Benediktus schon angekündigt? "Willst du die Hallodris dick, stopf sie mit Fleisch an Benedikt". Das machen wir nun auch. Dort, wo das agrarische Geheimbündlerbrevier recht hat und konkret ist, soll und kann man ihm getrost folgen. Wir reichen den Hallodris erstmals echtes Fleisch, denn was ein echter Hund und Bayer ist, braucht Fleisch, und die Hallodris tragen den stolzen Namen vom Bairischen Blues und keineswegs Hallodris vom Veganen Blues. Tatar gibt es, für jeden ein Bällchen – und für jeden ein Abenteuer. Woher sollen sie auch wissen, wie man so etwas zwischen die Kiefer HarpoHarpo besteht auf Fleisch mit Knochennimmt und was man dann damit macht. Dass sie aber echte Bayern und Karnivoren sind beweisen sie schon Sekunden später, als sie sich sehr schnell auf diese Speise einstellen, sie sich mit Verve in den Gaumen schaufeln und verarbeiten, mitunter nochmal vor- und herausarbeiten (so etwa wie Wiederkäuer), aber dann ist es vertilgt und macht Laune auf mehr. Morgen wieder. Vorteil der Fleischspeise: Die Kinder sind deutlich weniger eingesaut als bei der Milchspeisung. Nachteil: Fianna hat kaum etwas zu putzen, und so bleibt ihr der Schnabel sauberer als ihren Kindern.

GismoGismo und HartlNachmittags haben wir noch ein Highlight für die Zwerge: Ihr Halbbruder Gismo (Gosh) kommt zu Besuch, und der ist so verliebt, dass er sogar Fianna die Arbeit abnimmt. Gismo leckt die Teiche auf, Gismo leckt den Kleinen das Hinterteil, damit sie sich lösen können, Gismo kugelt sie herum und spielt mit ihnen wie ein verliebter Gockel. Gismo legt sich sogar hin, um ihnen seinen Bauch zu bieten, was die Hallodris aber schnell als Fake der besonders üblen Sorte identifizieren: Eine Zitze ist keine Zitze! Gismo ist nur unterwegs, immer darauf bedacht, keine(n) zu vernachlässigen oder zu vergessen, Gismo ist überall, vor allem aber mittendrin. Fianna lässt ihren Sohn gewähren und vertraut ihm ohne Wenn und Aber. Sie zieht sich ins Wohnzimmer zurück und gönnt sich eine Mütze voll Schlaf; auf den ist Verlass, kein Grund, ein Auge an ihn zu verschwenden.

So ganz ungewöhnlich ist Gismos Verhalten nicht, denn in der freien Wildbahn sind die jungen Rüden dafür vorgesehen, nach und nach die Mutter zu unterstützen und ihr immer mehr Arbeit und Erziehung abzunehmen. Etwa in der achten Woche übernimmt dann der Vater – damit der Nachwuchs auch das Richtige lernt und von den Weicheiern nicht verzärtelt wird. Gismo verhält sich also eigentlich ganz normal, aber für uns ist auch das eine herzerweichende Szene.

Fianna mit WelpenDemnächst wegen Überfüllung geschlossenEs scheint als ob Fianna Gismo darum beneiden würde, dass er nur eine Zitze am Bauch hat und in Ruhe gelassen wird. Langsam wir ihr der Ansturm der nun schon bewaffneten Hungermäuler lästig. Natürlich macht sie ihren Job, da lässt sie sich auch nichts nachsagen, aber gelegentlich, vor allem bei der letzten Versorgung nachts, geht sie dazu über, im Sitzen oder sogar im Stehen zu säugen. Die Meisten, bis auf die zu kurz Gekommenen, schaffen es schon, der stehenden Mutter das Gesäuge anzuzapfen. Und das sieht richtig gewalttätig aus. Kaum anzunehmen, dass die Mutter das anders empfindet. Es hat schon seinen Grund, dass wir nun massiv zufüttern. Die Mutter wollen wir uns nicht wegfressen lassen, es reicht ja schon, wenn sie uns in den verbleibenden Wochen die Haare vom Kopf fressen.

Die SchnullerboxDas sollte ein paar Tage reichenIn dieser Nacht legen wir auf das 30-Zentimeter-Brett vor der Kiste noch das 10-Zentimeter-Brett, um ganz sicher zu gehen. Beim Einschluss versucht Halina mit Nachdruck und Raffinesse, über die Barriere zu kommen. Da sie es schon einmal geschafft hat, wollen wir ihr kein zweites Erfolgserlebnis gönnen. Fianna bleibt in dieser Nacht noch eine ganze Weile in der Küche bei ihren Kindern, bis sie sich zu uns gesellt. Da hat der Rote Korsar schon längst die Herrschaft übers Schlafzimmer übernommen.

Mehr als ein Drittel unserer Zeit mit unseren Hallodris ist schon vorüber. Sie sind echte Herzgewächse geworden.

4. Woche (22.03. - 28. 03. 2017)

Mittwoch, 22. März 2017

Chico und Harpo MarxChico und Harpo Marx, der NamenspatronBevor wir irgendetwas anderes tun oder auch nur im Sinn haben sollten, beugen wir Haupt und Knie, um Harpos frühem Bruder Chico Marx zu gedenken, der heute vor 130 Jahren das Licht der Welt erblickte und ihr bis zu seinem Hinscheiden einen speziellen Glanz verleihen durfte. Wie bescheiden nehmen sich neben ihm die Geburtstage von Maximilian I. oder Wilhelm I. aus. Da freuen wir uns deutlich mehr über die Menschwerdung von Andrew Lloyd Webber, André Heller, Hugo Egon Balder und Bruno Ganz, ja sogar über Armin Hary, den ersten Menschen, der die 100 Meter in 10,0 Sekunden lief und damit bis zum heutigen Tag der schnellste Deutsche ist, dürfen wir uns freuen, in einer Nation voller Schlafmützen ein erinnerungswürdiges Ereignis. Selbst gegen ihn machen die Hochadeligen nichts her und wenig Eindruck. Jedoch über allen thront Chico, woran auch die Hochwürdigen Webber, Heller, Balder und Ganz ganz und gar keinen Zweifel lassen und sich freiwillig hinter ihm einsortieren.

Jetzt erst ist Zeit, einen Blick aus dem Fenster zu werfen – und ihn am liebsten gleich draußen zu lassen und das Fenster wieder zu schließen: Es regnet, 6° C. Der Frühling kommt mit güld'nem Bande? Schande. Er ist in irgendeiner italienischen Bar bei Espresso und Campari verhockt, wie die Schwalben, denen schon an Gregori nahgesagt wurde, dass sie eigentlich in der Gegend sein müssten: "Um den Tag des St. Gregor, da kommen auch die Schwalben vor." Das war am 12. März. Heute sind wir zehn Tage weiter und eine Schwalbe kommt noch immer nicht vor; keine Schwalbe und kein Frühling, und wenn sich schon eine Schwalbe gezeigt hätte, machte sie noch nicht mal einen Frühling, geschweige denn einen Sommer. Nix ist schick zum Hl. Chic.

Dann eben einen hoffnungsfrohen Blick auf die Statistik der laufenden Fettwerdung, die nach der ersten Fleischfütterung erfreulich sein müsste. Ist sie aber nicht, jedenfalls nicht so, dass man abheben müsste. Vermutlich ist doch das meiste Fleisch direkt aus dem Fell der Gourmets ins Recycling der Mutter gewandert. 510 g für alle? Das hätte Fianna mit ihrer Voralpenmilch wahrscheinlich auch noch hingekriegt. Lobend hervorzuheben ist eigentlich nur Hugo, der sich mit 100 g (1350) redlich bemühte und zum Lohn vom Vor-Hubsi-Platz auf den viertletzten Platz gehüpft ist. Auch Hartl mit 80 g darf sich unserer Wertschätzung sicher sein, 80 g (1440) befördern ihn von Platz sechs auf Platz vier. Für eine Gewichtsmatrone wie Hakuna, die allerdings keineswegs so matronal aussieht, sind 80 g nichts, was Erwähnung findet, obwohl diese Missachtung natürlich zutiefst unfair ist, aber die erwirtschafteten 1550 Gramm ändern nichts an ihrem Status: 2. Platz, wie gehabt. Den Rest im Schnelldurchlauf: 1. Hallodri (1700, +20), 3. Harpo (1470, +30), 5. Hobo (1410, +50), 6. Platz Hias (1380, +30), 7. Hetty (1370, +10), 9. Hedda (1310, +20), 10. Halina (1300, +40), 11. Hubsi (1170, +20).

EinzelfütterungJedem sein eigenes Tellerchen Fianna hat zwar noch immer Milch und lässt ihre Kinder auch davon profitieren, aber sie folgt in dieser Hinsicht ihrer Mutterpflicht, nicht ihrer Neigung; die Kleinen werden inzwischen ziemlich massiv. Wenn sich die ganze Bande auf sie stürzt, verfolgt den Betrachter schon mal das Bild einer Spinnenmutter, die von ihrem Nachwuchs ausgesaugt und hingemetzelt wird. Solche Bilder im Kopf und die Gewissheit, dass Fiannas Voralpenvorzugsmilch immer noch die beste der Welt ist, aber nicht mehr ausreicht, um allen gerecht zu werden, füttern wir nun konsequent täglich zu: Welpenmilch und Fleisch, heute noch einmal Tatar, das wir aber, erstens zur Übung und zweitens wegen der besseren Kontrolle, erstmals aus Einzelschüsseln füttern. Es fasziniert uns, wie beherrscht die Hallodris sind und konsequent von ihrem Tellerchen lecken. Die Konsequenz endet mit der Geschwindigkeit der Nahrungsaufnahme, weil die Hallodris noch nicht gelernt haben, mit einem leeren Schüsselchen zur Essensausgabe zu wackeln und um einen Nachschlag zu bitten. Den Nachschlag liefert den Turboschlingern die Schüssel des Nachbarn. Und den Rest erledigt die Mama. So wird das nun weitergehen, weil wir natürlich bestrebt sind, dass auch Hubsi, Halina und die anderen Slim-Fast-Models die Abgabe am 24. April erleben, denn eines ist klar: In der Natur hätte Fianna nicht genug Nahrung für elf, nicht einmal über die Jagd könnte sie so viel Kalorien herbeischaffen, dass alle genug bekämen. Für die Welpen ist unser Einschreiten also ein Segen, für Fianna dagegen eine schlechte Nachricht, weil wir mit der Zufütterung ihre Ration abregeln, sonst geht sie binnen Wochenfrist auf wie ein Kugelfisch.

Hias und der SchafskopfHias und der SchrumpfkopfIrgendwie kommt die auf Reduktion gesetzte Fianna damit nicht sofort klar, aber mit der Lösung des Problems in einen inneren Konflikt, der von einem Schafskopf ausgelöst wird. Der Schafskopf ist getrocknet und deshalb so etwas wie ein amazonischer Schrumpfkopf, könnte also das vorenthaltene Futter als eine interessante Variante ersetzen. Gleichwohl: Fianna steht nicht besonders auf Schaf und bei Trockenzeug ist sie sowieso rosinenpickerisch. So wird aus dem Nahrungsmittelersatz ein Erziehungsmittel: Sie trägt es herum, präsentiert es ihren Kindern, und wenn die sich angestachelt und aufgehetzt über das Schrumpfschaf hermachen wollen, fällt der Watschenbaum um. Meins! Nase weg! Und dann trägt sie es herum und lässt es mit den gleichen finsteren Absichten in der Nähe einer anderen Welpenversammlung fallen. So kann man sich auch den Tag vertreiben – und dem Nachwuchs das kleine Einmaleins der Etikette beibringen. Das hat sie bestimmt noch von ihrem großen Vorbild Anouk in Erinnerung, die eine Großmeisterin in der Disziplin der Disziplinierung war.

Schafkopf hin, Kindererziehung her: Wenn wir Fianna etwas nehmen, bekommt sie dafür etwas anderes als Ausgleich; das Gleichgewicht des Wohlbefindens muss immer gewahrt bleiben. Die Chefin geht wieder mit ihr auf die Fährte. Dass Fianna darüber fast ein Ei legt vor Freude, wissen alle, die sie kennen, aber dass die Chefin fast noch ein Ei daneben legt vor Freude über die Suchleistung ihrer Kindsmutter, die augenscheinlich gar nichts vergessen hat, die konzentriert und zielstrebig wie in ihren besten Tagen die Wiese abschnüffelt, das war so nicht abzusehen. Doppeltes Glück und Feierlaune beim Blues.

Und Hetty freut sich darüber so, dass auch sie nicht nachstehen will und ebenfalls ein Ei legt, dorthin, wo man es kaum übersehen kann – hinaus ins Treppenhaus. Begeisterung lässt alle Vorsicht schwinden, und dem Vize entfährt darob beinahe auch ein Ei. Jeder legt noch schnell ein Ei und dann eilt die Nacht herbei. Eia Popeia...

 

Donnerstag, 23. März 2017

"Weht kalter Wind am Ottotag, das Wild noch vier Wochen Eicheln mag". Schwein gehabt. Der Hochnebel hängt fast bis auf den Boden, die Luft ist Wasser gefüllt, aber die Temperatur bewegt sich zwischen 7° C und 14° C. Viel Wind wird nur beim Bairischen Blues um die Welpen gemacht. Kalt ist der jedoch auch nicht, manchmal besteht er sogar mehrheitlich aus heißer Luft. Das Wild darf sich also langsam auf zarte Knospen freuen.

Die Einzelfütterung bringt es an den Tag: Wir haben Raubritter, die selbst unter Aufsicht kalten Herzens zugreifen und sich des Mundraubs schuldig machen. Anders ist die Spreizung des Speckzugewinns von 0 bis 200 nicht zu erklären. Was den Chronisten zutiefst an seiner Weltsicht erschüttert, ist, dass drei der skrupellosesten Raubritter Raubwanzen, also weiblichen Geschlechts sind. Dass Frauen nicht besser sind als Männer, bestenfalls ungenierter, ist weithin unstrittig, spätestens seit heute jedoch mit Zahlen belegt. Die kälteste Schnauze ist – Halina! Halinchen, die sich häufig gerade noch vor Hubsi retten konnte, dieses Halinchen ergaunert sich 200 g auf einen Streich. Gut, sie kann es brauchen, aber nur mit plötzlich auftretender guter Futterverwertung kann das auch nicht begründet werden. Andererseits freut es den Chronisten zu sehen, dass die Süße auch einen Schuss Perfidie unter ihrem Pelz trägt. Venus im Pelz sozusagen. Nummer 2 der Mundraubritterinnen ist Hedda, die Halina mit 190 g nicht wirklich nachsteht, als Drittdrittlerin allerdings auch gute Gründe für einen effektiven Beutezug aufführen kann. Und dann hätten wir da noch Hetty, der man keine Mangelernährung nachsagen, aber bei längerer Betrachtung alles zutrauen kann. 160 g hat sie sich abgezweigt, davon sicher den Großteil aus eigenen Beständen rekrutiert, aber bestimmt auch aus Nachbars Metzgerei geplündert. Die 120 g für Hias kann man als Ergebnis nicht ganz korrekter Futteraneignung interpretieren, muss man aber nicht; seine Vita lässt auch eine Interpretation als Selbstversorger zu. Die Tabelle des 23. März sieht demnach so aus: 1. Hallodri +80 (1760), 2. Hakuna +70 (1620), die kommt auch ohne Lotsenrollgriff links und rechts gut durchs Leben, 3. Hetty +160 (1530, vom 7. Platz hochgenassauert), 4. Hartl +80 (1520), 5. Harpo +30, Hias +120, Hedda +190 und Halina +200 (alle 1500), 9. Hobo 0 (1410, Absturz vom 5. Platz), 10. Hugo +50 (1400) und 11. Hubsi +100 (1270), eine Schande eigentlich, dass man seine 100 g nicht extra erwähnt, vor allem, weil er über jedem Verdacht steht, seine Geschwister zu beklauen. So etwas tut Hubsi nicht, und heute standen nun einmal die zwielichtigen Gestalten im Mittelpunkt unseres Interesses. Wir loben also Hubsi explizit für diesen Kraftakt. Insgesamt ergibt dieser Tag der Gourmands 1060 Gramm Auflastung, was alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt – bald aber selbst nur noch eine Randnotiz sein wird. Es wird jetzt ziemlich stramm bergauf gehen mit den Gewichten der Hallodris.  

Das TeufelsradDas TeufelsradDem Frühstück heute Morgen, das wie an allen letzten Tagen aus Welpenmilch aus dem Ring besteht, verschaffen wir den Hallodris ein Spektakel der besonderen Art, indem wir unseren Drehteller für Wurst und Käse auf den Küchenboden stellen, damit Fianna ihn schrankfertig putzen kann. Die kleinen mobilen Kugelporsches sind natürlich sofort zur Stelle, um ihrer Mama zur Zunge zu gehen und besteigen den Drehteller, den Mama nun, wie wir sie instruiert haben, in Kreisbewegungen versetzt: Hollaraidulljöh, ist das schö! Wir haben unseren Spaß, die Hallodris haben ihren Spaß und wieder etwas dazugelernt, nur Fianna ist eingeschränkt amused, weil sie etwas von ihrem Routinenachschlag abgeben musste. An anderer Stelle haben wir schon mal angekündigt, dass wir demnächst, wenn die Zwerge noch sicherer auf den Beinen sind, einen Tennisball an eine Strick binden und die kreiselnde Bande von oben attackieren, was als Mangfalltaler Teufelsrad in die Geschichte eingehen wird. Alle, die die Absicht haben, bei uns zu frühstücken, seien an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Drehteller selbstverständlich so gereinigt wieder zum Einsatz kommt. Hundespeichel ist ja bekanntlich antibakteriell.

WohnzimmerabsperrungDie Wohnzimmerwelt, verrammeltFlursperreDer Flur, verriegeltAls sich etwas später Hedda und Hartl zum wiederholten Mal aufmachen, sich nicht nur das Wohnzimmer untertan zu machen, sondern gleich noch die Mangfalltaler Waschküche zu inspizieren und nach Sonnenflecken Ausschau zu halten, beschließen wir, jetzt doch mit einiger Verzögerung die Welpenabwehrgitter aufzubauen und aus dem Paradies in Blues ein charmefreies Alcatraz zu machen. Diese Maßnahme ist alternativlos, so alternativlos wie kaum eine andere, wenn wir nicht um unser Eigentum und das Leben unserer Kinder gebracht werden wollen. Nun ist unser Wohnzimmer vor den Welpen sicher, diese vor einem Absturz in den Keller und der legendäre Transit gibt den Hallodris ungehinderten Zugang zu Küche und Garten, ganz wie es ihnen (und uns!) beliebt.

Jetzt beginnt erst die eigentliche Welpenzeit, jene Zeit, die der Chronist so sehr herbeigesehnt hat, mit fröhlichen und quirligen Kindern unter bayerischer Sonne.

 

Freitag, 24. März 2017

Nun haben die Rehe aber wirklich Schwein gehabt, denn heute wabert wieder dicker Bodenhochnebel durchs Tal, so ein zäher Gumminebel, der noch nicht mal durch einen strammen Ostwind zum Auszug bewegt werden kann. Hätte dieser Wind schon gestern vorbeigeschaut, wären die Rehe weiter auf Eicheldiät geblieben. So aber haben die Bauern die A-Karte, denn "Scheint auf Sankt Gabriel die Sonn, hat der Bauer Freud' und Wonn". Dumm gelaufen, zumal die Waschküche sich den ganzen Tag hält und somit Freud und Wonn aussperrt.

Die Gewichtstabelle hält nach der gestrigen Hausse heute ein wenig inne: 840 Gramm sind sehr ansprechend und erfreulich, aber nichts, was den Statistiker mit Adrenalin füllt. Demnach gibt die Tabelle auch nicht viel her, das der Erwähnung wert wäre. Hobo darf man lobend erwähnen, der nach einem Fastentag 140 g aufgelegt hat, Hugo auch, der 100 g schaffte, mehr aber noch Hias, der nach den 120 von gestern heute schon wieder 100 g verstoffwechseln muss und dabei nicht überfordert scheint. Diese konsequente Arbeit an der eigenen Vervollkommnung bringt ihn heute bereits auf den 3. Platz. Über Hallodri muss man wahrscheinlich auch ein Wort verlieren: Auf HubsiHubsidiesem Niveau 110 g aufzusatteln ist eine Demonstration des Willens und der Stärke: Haut rein, was ihr könnt, ich kann immer mehr. In dem Kerl steckt der ganze FC Bayern im Taschenformat. Charmante Erwähnung verdient auch das Pärchen Harpo und Halina, die derzeit Hand in Hand mampfen und marschieren; nach den gemeinsamen 1500 Gramm gestern erwirtschaften sie jetzt einvernehmliche 90 g und hocken, zusammen mit Hetty, auf dem 1590er Podest. Nicht übersehen sollte man, dass mit dem heutigen Tag alle das Zertifikat der geprüften Dreipfünder ausgehändigt bekommen. Alle, außer Hubsi natürlich, der unverwüstlich und unverdrossen hinterher wieselt, wie der Chronist jederzeit davon überzeugt, am 24. April nicht als Letzter über die Ziellinie zu gehen. Bravo, Hubsi, aus solchen Holz werden Helden des Alltags geschnitzt.

Kommentar zur WohnzimmersperreEindeutiger Kommentar zur WohnzimmersperreDie Tabelle in der Übersicht (und für die, die es nicht interessiert, in der Wegsicht):

1. Hallodri (1870, + 110), 2. Hakuna (1660, +40), 3. Hias (1600, +100), 4. Hetty (+60), Harpo (+90) und Halina (+90) alle 1590, 7. Hartl (+30) und Hedda (+50), beide 1550, 9. Hobo (+140) und Hugo (+100), beide 1500 und 11. Hubsi (+30, 1300).

Tagesmenü: RinderhackTagesmenü: RinderhackAußer der Milchspeise geben wir heute kein Tatar mehr, sondern wechseln zum etwas bodenständigeren Rinderhack, sonst besteht die Bande womöglich ihr ganzes Leben auf zartes Beefsteak Tatar. Ab heute geht es in die kulinarischen Niederungen – Landhausküche.

Den Hallodris ist das sowieso Jacke wie Hose, weil sie nun mit Wesentlicherem beschäftigt sind, als sich mit der Abgrenzung von Tatar gegen Rinderhack abzumühen. Sie sind nämlich mittlerweile in der Lage, die Vorgänge in ihrem Lebensraum zuzuordnen, die Menschen einzusortieren und die ganze Szenerie zu interpretieren. Die Folge ist, dass man nun nicht mehr unbegrüßt bleibt; sobald man sich in die Küche begibt, wird man von einigen freundlich und fröhlich begrüßt. Sie stellen sich auf einen Fuß und blicken einen mit großen blauen Augen an, sie hängen sich an die Hacken und folgen uns getreulich wie die Jünger ihrem Herrn, was jeden Schritt zu einer potentiellen Gefahr macht, weil die Kugelporsches spontane Bewegungen und Richtungswechsel im Programm haben, die vom Cortex eines adulten Homo sapiens kaum vorhersehbar sind. Demgemäß wird seine Motorik um einige Verwindungen, Pendelbewegungen und Pirouetten bereichert, die im alltäglichen Bewegungsrepertoire seit der Kopulation auf der Rückbank eines VW Käfers verschüttet waren. Die Hallodris revitalisieren all diese motorischen Schätze wieder. Eine besondere Freude ist ihnen die Fahrt auf einem Pinkelhandtuch. Kaum erkennen sie, wie ein Mensch ein Handtuch über ihre Hinterlassenschaften wirbelt, kommen sie herbeigeflitzt, hocken sich schon drauf oder krallen sich an ihm fest, und lassen sich durch die Küche wirbeln und kutschieren: 'Eine Putzfahrt, die ist lustig, eine Putzfahrt, die ist schön, denn da kann man seinem Putzi kräftig auf die Nerven geh'n'. Vor allem, wenn Putzi noch Programmpunkt 7 bis 48 auf der Agenda als unerledigt gekennzeichnet hat, z.B. das Verfertigen der Chronik der laufenden Ereignisse.

HettyHetty nimmt alles, woran man zuzeln kannHetty, so viel scheint klar, hat noch Ziele in ihrem Leben; eines davon ist, nicht im Niemandsland der Speckrollenstatistik zu dümpeln und offenbar traut sie unseren Menüvorschlägen dabei nicht über den Weg. Deshalb ist sie allzeit auf dem Sprung, sich Mamas Vorzugsmilch, möglichst unter Ausschluss der geschwisterlichen Öffentlichkeit zu sichern. Zweimal direkt hintereinander schafft sie das auch, jedesmal zapft sie alle Hähne der Mama bis zum letzten Tropfen ab, ganz vorne beginnend und dann von Zapf zu Zitz sich nach hinten arbeitend. Mama ist dabei so entspannt – wahrscheinlich, weil der Rest der Bande davon keinen Wind bekommen hat –, dass sie sich nach der Entleerung der linken Milchleiste genüsslich auf die andere Seite rollt und Hetty noch eine Partie anbietet, die diese bis zur Neige absahnt. Das ist so eine Art doppelter Kokslinie für Hetty. Am Ende schwebt sie zwischen Laktose-High und Fettembolie, gerade dass sie uns nicht in die Küche reihert und dazu psychedelische Lieder singt. Wir machen uns einen Vermerk für morgen: Hetty, Gewicht!

 

Samstag, 25. März 2017

Wem soll man sich heute Morgen nun zuerst zuwenden: Hetty oder der heiligen Jungfrau? Das wird beim Blues pragmatisch entschieden, weil die spirituellen Angelegenheiten in der Verantwortung des Chronisten liegt, während sich die Chefin ums Handfeste kümmert. Und da sie zuerst aus den Federn ist, keinen Sinn für die Heilige Jungfrau, sondern ausschließlich für ihren morgendlichen Fahrplan hat, darf sich der Chronist und Vize noch einmal im Bett wenden, bis er sich den spirituellen Belangen zuwendet. Drunten wird derweil Statistik gemacht. Und es tut sich Ungeheuerliches. Umsturz. Revolution. Aufstand der Unanständigen. Hallodri ist entthront! Dabei sieht das Gesamtergebnis der gestrigen Leistungsschau mit 960 Gramm nicht spektakulär aus, das sind statistisch gesehen für jeden gerade mal 87 g. Wie irreführend Statistik sein kann, belegt dieses Ergebnis, dass etwa die gleiche Relevanz wie die Frage hat, welche Gemeinde Deutschlands das höchste Pro-Kopf-Einkommen verzeichnet? Na, weiß es jemand? Antwort: Heilbronn mit 39.524 €. In den anderen Gemeinden Deutschlands tragen die Bürger im Durchschnitt nur 20.507 € ins Finanzamt. Staunt jetzt jemand? Kein Grund, so sieht eine Statistik aus, wenn man Wesentliches unterschlägt, zum Beispiel, dass in Heilbronn Dieter Schwarz, der LIDL-Eigentümer sein Vermögen versteuert. Und genau so aussageschwach ist unsere Statistik mit den 87 g pro Kopf, wenn man berücksichtigt, dass Hartl und Hias eine Nullnummer geliefert haben, Hallodri nur 10 g, Hedda 30 g, sowie Hubsi und Harpo nur 40 g zu versteuern haben. Jetzt verteilen sich die verbleibenden 840 g nur noch auf fünf Köpfe, denen nun 168 g pro Nase an die Rippen gewachsen sind. Dass selbst dieser Durchschnitt der Wirklichkeit nicht wirklich nahetritt, werden wir gleich sehen. Nun denn... Beschäftigen wir uns doch einmal mit Hetty, die gestern die doppelte Kokslinie inhalierte. Bei ihr bleibt die Waage auf 1830 Gramm stehen, was einen Zugewinn von 240 g und den 3. Platz bedeutet. So ungefähr hatten wir uns das gestern schon gedacht. Bei welcher Gelegenheit und mit welchen Methoden sich jedoch Hakuna um 250 g angereichert hat, blieb uns verborgen. Durch das Loser-Ergebnis von Hallodri (1880) mit nur 10 g geht sie mit 1910 Gramm an ihm vorbei. Richtig coole Nummer. Hugo verdient sich ebenso einen Eintrag ins Geschichtsbuch: Mit 170 g plus und einer Schwerkraft von 1670 Gramm ist er vom Vor-Hubsi-Platz auf den 4. Platz geklettert (zusammen mit Halina). Wo Sieger aufsteigen, müssen Verlierer abstürzen. Hias hat seine Nullnummer (1600) mit einem freien Fall vom 3. auf den 8. Platz gebüßt. Hartls Abstieg vom 7. auf den 10. Platz ist kaum weniger bemerkenswert: Wir haben einen neuen Vor-Hubsi. Da werden 100 g plus plötzlich zum belanglosen Nebengeräusch, aber das hat Hobo nicht verdient: 100 g plus, 1650, von neun auf sechs. Tusch!

Im Überblick sieht das dann so aus: 1. Hakuna (1910, +250), 2. Hallodri (1880, +10), 3. Hetty (1830, +240), 4. Halina (+80) und Hugo (+170), beide 1670, 6. Hobo (1650, +100), 7. Harpo (1630, +40), 8. Hias (1600, 0), 9. Hedda (1580, +30), 10. Hartl (1550, 0), 11. Hubsi (1340, +40).

Das ist das amtliche Endergebnis am Tag der Verkündigung, womit wir endlich beim spirituellen Teil der Chronik angelangt wären und der Vize mitspielen darf.

"Ist der Sonnenaufgang an Mariä Verkündigung klar, gibt's ein gutes Jahr". Der Sonnenaufgang findet hinter dickem Hochnebel statt, deshalb verheißt der Chronist ein schlechtes Jahr. Ins gleiche Horn stößt dieser Spruch: "Schöner Verkündigungsmorgen, befreit von allen Sorgen". Die ab Mittag sich durchsetzende und Frühling spendende Sonne hat demnach nur noch korrektiven Charakter: "Mariä Verkündigung schön und rein, wird das ganze Jahr recht fruchtbar sein". Das mag den Landmann und den Gärtner beglücken, dem Tunix und Lebemann ist's wenig Trost. Und mit dem letzten Losspruch springt dann endlich der Draht aus der Mütze: "Wenn Maria sich verkündet, Storch und Schwalbe heimwärts findet." Störche gibt es bei uns nur selten und die Schwalben sollten eigentlich schon lange da sein, wie wir bereits am 12. des Monats gelernt haben. Der Vorschlag des Chronisten zum peinlichen Schwalbenthema wäre: "Wenn man die Schwalbe jeden Tag verkündet, sie sicher einmal heimwärts findet". Bis jetzt wurde noch keine gesichtet. Oder wie wär's mit dem: "Wenn Maria ihren Fehltritt ohne Schwalben gesteht, kaum noch Hoffnung auf Zwitschern im März besteht".

Doch woran ziehen wir uns eigentlich hoch? An der Abwesenheit von Schwalben etwa, wo heute Elton John seinen 70. feiert, ein Vöglein, das die Schwalben musikalisch weit in den Hintergrund drängt und uns mehr Sommersonne in die Herzen sang als Schwalben Sommer machen können, vor allem wenn man die verregneten einbezieht. Zugegeben: Wir wissen nicht, wie viele Tonnen Mücken er zu unserem Wohle in seinem Leben verspeist hat. Da können wir auf die Schwalben weniger verzichten als auf Elton John. Deshalb der Vorschlag zur Güte: Elton singt uns im Winter bei einem schönen Tässchen Tee Sommer in die Herzen und die Schwalben versüßen uns den Sommer mit ihrem Appetit. Nur sollten sie dann langsam kommen, das Schwirrzeug hat sich längst in Stellung gebracht.

Aufbau des WelpenparcoursWirh a little help from our friendsHParadiesbesichtigungErste gemeinsame Paradiesbesichtigungeute ist der Tag, an dem aus unserem Garten ein kleines Welpenparadies wird: Der Parcours wird aufgebaut. Zwei Tunnels, ein Zirkuszelt für die Abendvorstellung, hier und da ein Holzpodest, Bretter zum Aufstieg, Kellergitter, zwei Mülleimerdeckel zum Karussellfahren und anderer Trödel. Aber vor allem wird der Zaun errichtet, damit das Vergnügen der Hallodris begrenzt bleibt und unseres unendlich wird.

Wir sind erstaunt, wie professionell die Hallos damit umgehen, vor allem Hartl kann sich gar nicht sattsehen, schnüffelt sich von Station zu Station, stellt sich vor und meldet sich an – angenehm, Hartl vom Bairischen Blues – und bleibt dabei völlig unbewegt und geschäftsmäßig. Er wird viele Fragen zu beantworten haben, wenn ihn seine Geschwister im Nest löchern. Aber auch sie haben zu erzählen, weil sich alle umtuen und sich den neuen Reizen nicht verschließen. Sie sind unbekümmert, ohne kopflos zu sein. Ängstlich ist keine(r). Aber Hartl hat auch die Objekte in der Ferne der Gartengalaxie besucht, wohin sich die anderen noch nicht gewagt haben. Doch alle betrachten es als große Annehmlichkeit, ihre Geschäfte nun auch im Freien erledigen zu können, wobei wir feststellen, dass die festen Hinterlassenschaften nicht mehr so fest sind wie bisher: Die Vorzugsmilch Fiannas, die sie HartlHartl, der ErobereraHedda und HarpoHedda und Harpo helfen beim Aufbauuch im neuen Paradies anbietet, was die Vertrautheit mit diesem entscheidend steigert, die gehaltvolle Welpenmilch und das gegenüber dem Tatar deutlich fettere Rinderhack verleihen dem Stuhl deutlich mehr Geschmeidigkeit, allerdings weit jenseits jeder Sorgenschwelle.

HallodriHallodri ist schon in seinem ElementDDer TransitDer Transitamit die Hallodris nun freien Zugang zum Garten und in die Küche haben, wird der legendäre Transit durch die gute Stube des Blues gebaut. Jetzt können sie rein und raus, wann sie wollen und wir nichts dagegen haben, was ihnen den Luxus beschert, ihre Stoffwechselendprodukte in Küche, Flur, Garten und Transit großzügig und gerecht zu verteilen. Womit sie auch umgehend beginnen. Mit dem Transit ist die letzte Phase des Welpenparadieses geschaffen, jetzt muss es nur noch mit Leben gefüllt werden. Dafür werden wir zusammen mit den Hallodris schon sorgen. Heute halten sie sich für den Rest des Tages draußen auf und sind abends für neue Großtaten viel zu müde. Morgen ist ja auch noch ein Tag, und zwar ein schöner, wie der amtliche Wettermelder verkündet, da muss man nichts übers Knie brechen, da wächst das Leben ganz von selbst um einen herum ... I guess that’s why they call it the Blues...

 

Sonntag, 26. März 2017

Der Morgen beginnt mit strahlschönen -3° C um 6 Uhr, dann rafft sich dieser Frühlingstag zu weiß-blauen 12° C auf und legt sich um 24 Uhr mit -2° C und völlig unverhüllt wieder ins Bett, und zwar noch immer putzmunter, weil ihm eine Stunde fehlt: Sommerzeit. Die vom Blues scheren sich um solche weinerlichen Mir-fehlt-jetzt-den-ganzen-Sommer-eine-Stunde-Diskussionen nicht; uns fehlen derzeit mehr Stunden, da macht die Zeitumstellung das Kraut nicht fett. Viel wichtiger ist, dass es heute trocken bleibt, denn: "Ist es um Ludger draußen feucht, dann bleiben auch die Kornböden leicht." Da werden sie sich freuen die Landmänner und wir trinken darauf einen Doppelkorn.

Was draußen vor der Tür so unfeucht, leicht und beschwingt daherkommt, hat sich im Innenverhältnis des Blues zu einem verbissenen Positionskampf ausgewachsen, in dem das Imperium völlig emotionslos zurückgeschlagen hat: Hallodri hat Hakuna wieder vom Premiumplatz gewischt. Die alte Ordnung ist wieder hergestellt. 140 g hat er sich eingearbeitet, mit 2020 Gramm die Vierpfündermarke übersprungen und Hakuna mit 1940 Gramm (+30) deutlich ihre HeddaHeddaGrenzen aufgezeigt. Den 3. Platz beansprucht Hetty, allerdings schon mit 100 g Rückstand auf Hakuna, was bei einem Zugewinn von 10 g auch nicht verwundert. Vierter ist Hobo (1770, +120), der sich ambitioniert und konzentriert vom Letztdrittel-Hobo über den Mittelfeld-Hobo in die Spitzengruppe arbeitet. Auch Hugo stabilisiert sich in der oberen Hälfte auf dem 5. Platz (1750, +80). Hedda nuckelt und mampft sich 140 g auf die Modellfigur, was ihr den 6. Platz und 1720 Gramm einträgt. Den Vogel schießt Hartl ab, dem man ernährungsphysiologisch ADHS konstatieren muss; keiner irrlichtert so durch die Tabelle wie Hartl. Heute hat er es mit 160 g wieder allen gezeigt und richtet sich auf dem 7. Platz ein (1710), gestern war er noch der Vor-Hubsi – ein charmantes, aber in Ernährungsangelegenheiten unstetes Kerlchen. Der 8. Platz wird von Harpo besetzt (1700, +70), der 9. Platz geht an Hias, der sich, wie Hartl, jedes Stockerl mindestens einmal ansehen muss, was ihm beim Hallodri-Hakuna-Stockerl vermutlich nie gelingen wird. Heute lässt er sich 80 g gutschreiben und meldet 1680 Gramm. Die Durchhängerin des Tages ist Halina, die es geschafft hat mit einer glatten Null (1670) vom 4. auf den 10. Platz zu sacken. Hubsi dagegen arbeitet zäh auf den Tag hin, wo die anderen schwächeln. Heute sind es 110 g, die er sich aufgeladen, aber mit 1450 Gramm immer noch eine Menge Arbeit vor sich hat.

Heute hat das Stammpersonal des Blues einen Termin im Allgäu, weshalb gestern schon unsere Benta (bald 12 Jahre) und Dacapo (bald 9 Jahre) vom Fuße des Bayerischen Waldes angereist kamen, um sich als Welpensitter zu betätigen, was dann doch eher an ihren Führungsoffizieren hängen bleibt, weil Dacapo Welpen, wie die meisten erwachsenen Rüden, als Brechmittel empfinden und Benta wegen einer gewissen Disharmonie mit Fianna nur zeitweise als Nanny aushelfen darf, sonst müsste man die Mutter von ihren Welpen trennen, was nicht in Frage kommt. Unter normalen Bedingungen und bei geordneten Verhältnissen kommen die beiden miteinander klar, aber wenn Übermutter Fianna die Rechte auf ihre Welpen gegenüber der Ex-Übermutter Benta einklagen muss, steht das Kommunikations-Barometer auf Sturm. So also wechseln sie sich in der Hallodri-Betreuung ab und gehen sich ansonsten aus dem Weg, indem sie sich aus den Augen gehen. Und so funktioniert das auch bestens.

BentaBenta und der Vize bei der ArbeitDen Hallodris ist Tante Benta auch recht, weil sie bei schönem Wetter genug zu tun haben, sich ihr neues Paradies anzusehen und es langsam zu erobern. Den ganzen Tag tummeln sie sich im Garten herum, wobei die Schlafphasen deutlich länger sind als die Eroberungsphasen. Es gibt viel zu entdecken – schlafen wir's aus. Das lässt auf einen geruhsamen Abend im Schoß des Blues hoffen, wenn sie sich alle voller Eindrücke in ihre Schlafmützen graben. Solange sie nämlich munter sind, wir das Leben in der Küche des Blues schön langsam zu Herausforderung, weil die Knirpse nun wirklich flink auf den Beinen sind und alles herumschleppen, was sie schleppen können und sich dabei an keinerlei Verkehrsregeln halten. Wer bislang noch nicht weiß, wie der Züchterschlurfgang geht, muss es schnell lernen – oder ein Grab schaufeln. Man schreitet jetzt nicht mehr, man schlurft, weil man beim Schlurfen ein unerwartetes Hindernis nur wegschieben, beim Schreiten und Auftreten aber zertreten kann. Und bei all den Vorsichtsmaßnahmen ist noch nicht einkalkuliert, dass man neben querflitzenden Hallodris auch noch Pfützen und Endmoränchen zu vermeiden hat. Unter solchen Umständen altert man motorisch innerhalb weniger Tage um viele Jahre. Wer uns durchs Küchenfenster beobachtet, muss den Eindruck gewinnen, dass sich hier nicht die stolzen Hausherren des Blues bewegen, sondern deren unfertige Avatare.

Völlig erstaunt sind wir vom unkomplizierten Umgang der Hallodris mit den Nachtritualen. Der Vize führt die Mutter nochmal zum Pipimachen aufs angerenzende Feld, dann schickt er sie zu ihren Kindern, dass sie leer und die Kinder voll werden, und packt das Schnatterpack anschließend in die Schnullerkiste, legt die Sperre davor, macht das Licht aus und genehmigt sich ein erstes und letztes Bier an diesem Tag. Alles gut gegangen, alles wohlauf. Und die Knirpse lassen Ihre Kasernierung noch immer kommentarlos geschehen. Wir hatten hier schon Freiheitskämpfer, die uns nach zwei oder drei Tagen Freigang in der Küche die Nacht zur Hölle schrien, solche, denen der Jähzorn ob dieser Zumutung aus den Ohren spritzte. Aber die Hallodris kuscheln sich zusammen und genießen die Ruhe in ihrer Kiste. Die sind eigentlich unbezahlbar. Warum sollten wir die eigentlich weit unter Wert weggeben?

 

Montag, 27. März 2017

Absolut wolkenlos präsentiert sich der 27. März, zwischen -5° C und 15° C. Wer also im Juni größere Pläne hat, darf sich schon mal freuen: "Ist an Rupert der Himmel rein, so wird er's auch im Juni sein". Wenn das so weitergeht, blicken wir auf einen prächtigen Sommer (die Schlechtwetterunken der Vergangenheit ignorieren wir) mit vollen Kornböden und tanzenden Landmännern und -frauen. Der Blues schafft eben für seinen Nachwuchs die Bedingungen, die ihre Entwicklung maximal förderlich sind; soll bloß keiner sagen, er hätte wegen des Wetters keine Welpenschule besuchen können.

HiasHias hat die Ratte entdecktViel ist von diesem so ansehnlichen Tag nicht zu berichten. Benta und Dacapo sind wieder abgereist (mission accomplished), die Hallodris inspizieren ihr Paradies und schlafen unter südlicher Sonne im Schatten. Was die Spezialisten interessieren dürfte: Nach kurzer Irritation durch den Wechsel vom Tatar zum einfachen Rinderhack ist der Output der Knirpse wieder normal. Der Darm hat sich angepasst. Das passt.

HoboHobo geht der Sache auf den GrundDennoch bahnt sich heute eine Zeitenwende bei den Hallodris an: Wir geben erstmals eingeweichtes und püriertes Trockenfutter. Das wird dreierlei zur Folge haben: Die mitgelieferten Ballaststoffe machen die Endmoränchen sukzessive zu markanten Endmoränen, der Urin beginnt zu riechen, was zukünftig vermehrtes Putzen im Haus und häufiges Schrubben der Terrasse notwendig macht, wenn es beim Blues nicht wie ein einem Löwenkäfig stinken soll und, drittens, werden die Gewichte jetzt signifikant nach oben gehen, was zugunsten der Burschen und zum Nachteil der Dirndl ausgehen wird.

Heute gibt die Gewichtstabelle wenig her. Hubsi arbeitet mit 110 g plus weiter an seinem Aufstieg, bei Hobo (+100) hält der Drang nach oben ebenso an und Hallodri zeigt mit 100 g, dass es vergebliche Mühe ist, ihn abschütteln zu wollen.

1. Hallodri (2120, +100), 2. Hakuna (2000, +60), 3. Hobo (1870, +100), 4. Hetty (1860, +20), 5. Hugo (1810, +60), 6. Hedda (+20) und Hartl (+30), beide 1740, 8. Harpo (+30), Hias (+50) und Halina (+60), alle 1730, 11. Hubsi (1560, +110).

 

Dienstag, 28. März 2017

"Wie St. Berthold gesonnen, so der Frühling wird kommen". Ganztägig keine Wolke am Himmel von -1° C bis 15° C. Wir können uns langsam darauf einstellen, dass der Frühling kaum auszuhalten sein wird.

Das Trockenfutter hat seine Schuldigkeit getan, die Hallodris explodieren. Da aber die meisten kräftig zulegen, ist das Auf und Ab in der Tabelle überschaubar. Am bemerkenswertesten ist Halina: 260 g plus macht 1990 Gramm und den 4. Platz. Gestern hing sie noch mit zwei anderen unten drin. Die hat sie heute abgehängt. Die nächste Hausnummer liefert Hallodri, der sich neulich sehr über die Frechheit von Hakuna geärgert haben muss, dass er nun nichts anderes im Sinn hat, als ihr sein ausdrucksvolles Heck zu zeigen: 230 plus, 2350 Gramm und mit Riesenschritten vorneweg. Im Mittelfeld passiert kaum etwas, ein Platz rauf, einer runter, nichts, das uns länger als unbedingt nötig aufhalten sollte. 1. Hallodri (2350, +230), 2. Hakuna (2040, +40), 3. Hobo (2010, +140 und Hakuna scharf auf den Fersen), 4. Halina (1990, +260), 5. Hetty (1970, +110), 6, Hugo (1950, +140), 7. Hedda (1930, +190), 8. Harpo (1900, +170), 9. Hias (1870, +140), 10. Hartl (1840, +100), 11. Hubsi (1610, +50). Wir erinnern uns nicht, jemals einen so ausgeglichenen Wurf gehabt zu haben. Wenn man Hallodri und Hubsi weglässt, liegen die anderen neun in einer Spanne von 200 Gramm, das ist nichts und kann, wie wir gesehen haben, von jedem jederzeit genutzt oder versandelt werden (Wie sieht es denn aus mit den privaten Wettscheinen? Bisher traut sich noch niemand aus der Deckung.).

Seit unserem ersten Wurf schallt bei jeder Mahlzeit das berühmte 'Matze-Matze-Matze' durch die Hallen und Gärten des Blues, jener Futterschlachtruf, dem auch weit in die Jahre gekommene Nachkommen des Blues noch folgen. Heute Morgen bei der Milchspeise entfaltet er erstmals seine volle Wirkung: Wie ferngesteuert stürzen die Hallodris zur Chefin und umgehend in die Milch. Sie sind nun konditioniert und lassen alles stehen und liegen, wenn dieser Ruf erschallt. Es liegt Zirkuszauber über dem Blues.

Neben Milch und Fleisch geben wir auch heute wieder Trockenfutter, weil es zusätzliche Bausteine liefert, die die Zwerge jetzt brauchen. Bei der Fleischmahlzeit geben wir jedoch keine Kohlehydrate dazu (Reis, Nudeln, Kartoffeln), weil sie die in diesem Entwicklungsstadium noch nicht richtig verwerten können. Das kommt fast alles wieder raus und meistens in dünner Form. Das Problem hatten wir früher immer wieder, jetzt sind die Hallodri-Rückstände weiterhin fest und bestätigen diese Maßnahme.

HarpoHarpo hat die Quelle fest im BlickZu all dem gibt natürlich Mama auch immer noch etwas aus ihrer Privatmolkerei, wenn auch immer weniger und weniger begeistert. Es muss eben sein, die Produktion ist noch nicht gestoppt, also muss der Milchsee raus. Das ist wie früher in der EWG, nur kann eben Fianna aus ihrem Milchüberschuss keine subventionierte Weihnachtsbutter machen. Die Begeisterung der Hallodris ist reziprok proportional zu der ihrer Mutter. Ein Mittelweg oder ein Kompromiss ist in diesem Fall nicht in Sicht, da hilft nur die klare Ansage, wann sie sich wieder verdrücken sollen, und Fianna scheut sich nicht, diese auch zu machen.

Heddas Ausbruch...und tschüßWir erinnern uns, dass die Hallodris zum Putzen immer noch in die Kiste gesperrt werden und seit geraumer Zeit das 30-cm-Brett um ein 10-cm-Brett aufgestockt wurde. Diese Höhe hat bislang alle Ausbruchsversuche bereits im Keim erstickt. Heute nimmt nun der Vize das 10-cm-Brett nach dem Putzen weg und kaum eine Wimpernschlag später macht es hinter ihm plumps und Hedda liegt in der Küche; ohne viel Federlesens hat sie sich über das 30-cm-Brett gestemmt, um ihren Vize zu begrüßen. Die anderen mühen sich derweil mit der Übung noch ab, und wenn er ihnen etwas mehr Zeit gegeben hätte, wären auch noch ein paar andere erfolgreich gewesen. Doch so putzig diese Ausbrecher sind, wenn man sie ohne Umstände und Klettereien aus der Box entlässt, kommen sie nicht auf dumme Gedanken, mit denen man sich später ständig herumplagen muss.

HakunaHakuna packt die RatzEs sind immer wieder die Mädels, denen die großen Momente zuerst gelingen. Hedda ist körperlich nicht prädestiniert einen solchen Ausbruch zu inszenieren, da wären die Kerls eher im Vorteil, aber vermutlich liegt der Unterschied im unterschiedlichen Nutzwert von Schmalz und Hirnschmalz. Der kräftigen Hakuna durfte man allerdings schon zutrauen, mal einen Kraftakt zu präsentieren. Sie tut das mit einer Flauschratte, fast so groß wie sie selbst. Sie greift sie sich und rennt mit ihr durch den Garten und schüttelt sie wie ein Profi. Unsere bewährte und seit Anbeginn des Bairischen Blues unverzichtbare Begleiterin und Chefkommentatorin aus Dessau traf beim Anblick des Bildes von Hakuna mit der Maus den Nagel auf den Kopf: "Ameise. Trägt locker das eigene Körpergewicht". Dem ist nichts hinzuzufügen. Ihre Geschwister wollen diese Glanznummer gar nicht sehen und vergreifen sich verschämt am Verschnitt des Zitronenbaums, der einladend herumliegt und bald auf der ganzen Terrasse verteilt ist. Aber lange halten sie auch diese Anstrengung nicht aus, dann kuscheln sie sich wieder ins Bett und träumen davon, wie sie es anstellen sollen, auch mal Hakuna sein zu dürfen, mit Zitronenblätterzupfen geht man nicht in die Geschichtsbücher des Blues ein.

Die zunehmende und sich ausweitende Aktivität der Hallodris bringt einen Verlierer hervor: Bandit Rossi, der Rote Korsar. Erst wurde er aus dem Schlafzimmer vertrieben, seit Fianna wieder bei uns schläft und keinen freien Zugang zu ihren Welpen mehr braucht, wir also die Schlafzimmertür verschließen. Und nun wird er dauernd von seinen Lieblingssonnenplätzen vertrieben. Kaum streckt er seine alternden Glieder genüsslich der Sonne entgegen, irgendwo unterm Buchs oder auf der Terrasse der Lagerhütte, schon sind sie da, begrüßen ihn überschwänglich und keifen ihn an. Das ist kein Platz zum Rasten mehr. Der Rote Korsar zieht sich zurück. Der Rote Korsar kämpft nicht mit Segelschülern.

HalinaHalina langweilt sichNHoboHobo gibt sein Bestesachmittag kommt die Zuchtwartin Christine wieder, um sich die Hallodris ein zweites Mal anzuschauen. Sie ist so begeistert von ihnen, dass sie, nach eigenem Bekunden, fast einen Milcheinschuss hat. Die Hallodris nehmen sie so gefangen, dass sie nur noch Sternchen in den Augen hat. Sie sind unendlich entspannt und zugänglich. Harpo legt sich auf den Tisch und lässt sich nach Belieben herumkugeln und begutachten und hat dabei noch seinen Spaß und Zeit mit ihr zu schmusen. An Zuneigung lassen es alle nicht fehlen, Hetty greift ihr sogar prüfend in den Ausschnitt. Doch der König der Zwischenabnahme ist Hobo, der auf dem Tisch stehend ein perfektes Sitz auf Kommando macht (Perfektionisten meinen, es hätte noch ein bisschen am Tempo gefehlt) und damit seinen Preis stramm nach oben treibt.

HubsiHubsi blödeltEsHettyHetty langt zu gibt nichts umsonst auf dieser Welt, schon gar nicht einen vierwöchigen Welpen, der Sitz auf Kommando macht. Und den Spaß mit den Hallodris bekommen auch wir nicht umsonst: Wir haben schon Halbzeit und bezahlen bald mit elffachem Verlust.

5. Woche (29.03. - 04. 04. 2017)

Mittwoch, 29. März 2017

So viel Sommerzeit kann Ende März gar nicht sein, dass morgens um 4:30 Uhr die Sonne scheint oder es auch nur ein wenig hell ist; es ist also noch schwarze Nacht, als die Hallodris zur Morgenandacht bitten. 4:30 Uhr und die Bande tanzt den Pogo. Die Chefin begibt sich morgenfröhlich mit der Kindsmutter in die Küche, lässt die Schreihälse zu ihrer Mutter, die sie mit einem Morgenshake beglückt, währenddessen die Chefin die Nachterzeugnisse von elf Heranwachsenden beseitigt. Nun sind sie befriedet und zufrieden. Nach mehr ist ihnen nicht; sie waren wach und hungrig, und die Uhr können sie noch nicht lesen. Jetzt ist wieder Ruhe. Die Samariterinnen begeben sich wieder zum Vize ins Schlafgemach. Umdrehen. Eindrehen. Erst um 7:30 Uhr kommt wieder Leben in den Blues. Ausgeschlafen – was hat das wieder einmal gutgetan. Nun schreiten wir gemeinsam zur Tat und in den Tag, frisch wie der Frühlingsmorgen, der uns zwar etwas wolkig, aber mit 8° C begrüßt. "Wie der Eustas, so der Frühling", sagt der ländliche Wetterprophet. Damit verdichtet sich die Vorahnung von gestern, dass der Frühling kaum auszuhalten sein wird. Erst recht, wenn wir gleich jetzt festhalten, dass wir heute noch wolkenlose 20° C erreichen werden.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodri1Hartl vom Bairischen BluesHartl160 Gramm haben die Hallodris gestern zugelegt; das ist sehr ordentlich, aber nicht besonders ehrgeizig, für jeden eben rund 105 Gramm im Durchschnitt. Wie Durchschnittswerte zu betrachten sind, haben wir kürzlich schon erörtert. Heute haben wir es mit drei Leistungsgruppen zu tun: den Uzweihus, den Ühus und den Uhus. Die Üzweihus sind zu zweit und beanspruchen allein 360 g für sich. Es handelt sich dabei um das gelbe Duo Hetty und Hugo. Hetty reüssiert mit 190 g und übernimmt mit 2160 Gramm den 2. Platz von Hakuna. Hugo leistet sich 170 g und landet mit 2120 Gramm auf dem 4. Platz, zwei Plätze rauf. Die Ühus rekrutieren sich aus Hartl, Hallodri, Harpo und Hakuna, zusammen stehen sie für 450 g gerade. Hartl nimmt mit 120 g einen kräftigen Schluck aus der Pulle, bleibt aber mit 1960 Gramm auf dem Vor-Hubsi-Platz. Ebenfalls 120 g meldet Harpo, den die erzuzelten 2020 Hetty vom Bairischen BluesHettyGramm aber auch nur vom 8. auf den 7. Platz tragen. Die 110 g von Hakuna bringen sie gegenüber der Kampfnascherin Hetty uns Hintertreffen: 2150 Gramm, 3. Platz. Wenn zwei sich gegenseitig die Suppe weglöffeln, kann ein Dritter ungestört fett werden: Hallodri, 110 g, 2470 gesamt und auf und davon. Bleiben die Uhus, bei denen Hias ein Fahu, ein Fasthunderter, ist: 90 g (1960) bringen ihn kein Stückchen voran, sondern mit Hartl zusammen auf den Vor-Hubsi-Platz. 70 g und 2060 gesamt lassen Halina von vier auf sechs rutschen. Hobos 60 g (2070) reichen nur noch für den 5. Hedda vom Bairischen BluesHeddaPlatz, zwei runter, während Heddas 60 g (1990) nur eine kosmetisch negative Wirkung haben: eins runter auf acht. Bleibt der Hahu (Halbhunderter) unter den Uhus, Hubsi: 50 g, 1660. Er braucht auch mal Luft zum Durchatmen, so eine Aufholjagd über acht Wochen ist ein echter Ultramarathon. Da muss man sich seine Kräfte einteilen.

Heute ist ganztägig Gartenparty. Die Hallodris genießen ihren Garten, streifen herum, lassen sich von unseren Besuchern verwöhnen, bestaunen und herzen und schlummern auf ihren Schößen den Schlaf der Weltzufriedenen. Abschnittsweise öffnen wir den Transit, damit sie lernen, mit der Wahl zwischen Drinnen und Draußen zurecht zu kommen, und sie nutzen die Möglichkeit rege, um einerseits in der Höhle nach dem Rechten zu sehen und andererseits, um uns dort ein paar unerwünschte Geschenke zu hinterlassen. Die Saubären!

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiBevor die Besucher kommen, nutzen wir aber noch schnell die Gelegenheit und das Wetter, um noch einmal eine Serie Portraits von den Hallodris zu schießen. Diesmal stehen jedoch die Vorzeichen anders herum. Damals kauerten die Hallos auf dem Bärenfell, heute hocken sie aufrecht und mit freiem Blick in die Welt im Gras und der Fotovize bäuchelt auf dem Bärenfell, damit ihm der Frühlingsboden nicht die Testikel frostet. Als Ausrede für den peinlichen Auftritt muss die Sorge herhalten, er wolle die Möglichkeit verhindern, sich in einen hallodrischen Darmwurm zu legen. Der Zweck heiligt die Mittel; die Bilder sind im Kasten und ans untergelegten Bärenfell erinnert sich morgen niemand mehr.

Mit ihrem morgendlichen Auftritt haben es die Hallodris geschafft, heute als Freigänger schlafen zu dürfen. Diesen Terror zwischen Mitternacht und Frühschicht brauchen wir nicht mehr. Der Einschluss ist für alle Zeit vorüber, die Hallos liegen herum wie die Jünger am Ölberg und das Personal hat Ruhe. Bis auf weiteres ...

 

Donerstag, 30. März 2017

Mit 5° C zieht wieder ein ausnehmend schöner Frühlingstag herauf, der den ganzen Tag keine Wolke zu Gesicht bekommt, sich nachmittags bis zu 20° C hochschwingt und nachts mit einem kühlen Kopf von 4° C schlafen legt. Und was sagt der Bauernkalender dazu? "Wie der Quirin, so der Sommer." Kurz und trocken wie dieser Tag. Leute, das kann ja was werden. Packt schon mal die Badehose aus.

Zu den Gewichten ist wirklich gar nichts Gewichtiges zu sagen. Die Gesamtaufnahme beträgt 1060 Gramm. Die Höchstaufnahme verzeichnen Hugo und Hetty mit 160 g, der Negativwert von 40 g gebührt Hubsi. Die Tabelle selbst ist dabei so ereignislos, wie wir es nicht erinnern können: Nur Hedda und Harpo tauschen die Plätze, der Rest der Tabelle liegt gerade im Tiefschlaf. Wirklich erwähnenswert ist nur, dass heute alle außer Hubsi den Vierpfünderstatus erreicht haben.

1. Hallodri (2530, +50), 2. Hetty (2320, +160, hat offenbar vor, sich diesen Platz auf lange Sicht zu reservieren), 3. Hakuna (2290, +140), 4. Hugo (2280, +160), 5. Halina (+90) und Hobo (+80), beide 2150, 7. Hedda (2130, +140), 8. Harpo (2120, +100), 9. Hias (2020, +60), 10. Hartl (2010, +50), 11. Hubsi (1700, +40). Und weiterhin bleibt die Tabelle von Platz 2 bis 10 auf 210 Gramm zusammen. Ob dahinter eine Art Schwarmintelligenz steckt?

FiannaFiannas Bar ist geöffnetDer Blues nimmt die Gelegenheit wahr, heute wieder einmal gemeinsam den Morgenspaziergang zu zelebrieren, was bei Fianna immer für besondere Freude sorgt. Dennoch zieht sie noch immer spätestens ab Mitte der gewohnten Morgenstrecke nach Hause, biegt ab, ohne sich umzusehen: Dort warten meine Kinder auf mich! Dieses Verhalten zeigt sie morgens noch stark, während sie nachmittags damit sehr entspannt umgeht. Wir lassen sie gewähren und Fianna und HugoHugo in der Mamafallefolgen ihr, die uns so weit vorantrabt, wie wir es von ihr, die uns normalerweise ständig umtänzelt, nicht gewohnt sind. Wir dürfen allerdings nicht verschweigen, dass sie den Ball mit sich trägt, hätte sie ihn nicht, würde sie uns so lange anmachen, bis wir ihn werfen, damit sie ihn nach Hause tragen kann, zu ihren Kindern, die ihn auch sofort als Geschenk in ihr Terrassenbett bekommen. Fianna ist eine großartige Mama. Jetzt öffnet sie ihnen ihre Bar, die nur noch die Reste der Saison führt, aber sie nehmen auch diese Noagerl gerne an. Und dann werden die Kleinen bespielt, herumgekugelt, geleckt und gewienert und sie bekommen immer noch den kleinen Po geputzt, was sie erkennbar nicht mehr so schätzen wie früher, weil sie schon Wichtigeres im Sinn haben. Aber Mama ist unnachgiebig: Der Arsch ist pfui, der wird geputzt. Punktum, dann packt sie ihren Racker und dreht ihn auf den Rücken, allen Widerstand zum Trotz, und macht klar Schiff.

Die TransitsperreJetzt ist der Transit bei Bedarf auch von außen zuBei 20° C verbringen die Hallodris trotz Sonnenschirm den Tag fast durchgehend im Siestamodus. So stellt man sich eine mexikanische Plaza vor: in sich ver- und gesunkene Gestalten mit hängenden Köpfen, die leise vor sich hin grunzen und greinen. Fehlen nur noch die Sombreros. Mit anderen Worten: Es ist nix los auf'm Hof des Blues. Bei einem spekulativen maximalen Action-Level von 10 erreichen die Hallodris heute Nachmittag keinesfalls mehr als 2.

Bis Hetty erwacht, die Glieder streckt und auf große Taten aus ist. Doch ohne Publikum ist Helden- und Hexentum eine blutleere Kunstform. Was ist zu tun, wenn alles schläft und nur Hetty wacht? Man holt erst Mal Rat beim Chef, der eigentlich nur Vize ist, aber in Abwesenheit der Chefin aufrücken darf, nein: muss. Wer denn sonst? Sie holt sich zunächst Kraft durch eine Schmuseeinheit. Dann ist es genug. Kraft getankt, den Kopfvoller Flausen, lungert sie zu ihrer Mama, die sie gleich mal auf den Kopf stellt und nachsieht, ob sie heute schon geduscht hat. Hat sie nicht, also wird das nachgeholt. Hetty steht aber der Sinn nicht nach Körperhygiene, sie könnte sich gut die Wiederholung der doppelten Kokslinie vorstellen und geht nun ihrerseits Mama an die Wäsche, was zu einer weiteren, jedoch komplett anders gearteten Abreibung führt. Jetzt muss die schwarze Ratte herhalten, die neulich schon von Hakuna ihr Fett abbekommen hat, was die Ratte nachträglich als Wellness-Urlaub gegenüber jenem, was ihr Hetty zufügt, interpretieren würde. Eine tote Ratte ist eine tote Ratte und so lustig wie ein Ostfriesenwitz von Heino. Da erinnert sie sich ihrer Geschwister. Wozu schlägt man sich den ganzen Tag mit der Bande herum, wenn sie zu nichts taugt. Aus den Federn, Leute! Der erste, der unsanft aus den Träumen gerissen wird, ist Hallodri, der allerdings sofort Feuer und Flamme ist, dann ist Hobo dran, der sich allerdings erst noch die Farben im Gesicht nachziehen muss, weil man so verknittert und ungeschminkt nicht aus dem Bett steigt. Das Trio Infernal streicht nun durch die Schlafstellen und kickt alle ins Leben zurück, bis der ganze hallodrinische Pulk wie eine Horde besoffener Landsknechte durch den Garten marodiert, pöbelt und sich gegenseitig das Fell poliert. Nette Gesellschaft, der Fianna da das Leben geschenkt hat, sehr feine Gesellschaft. Aber der Vize kann sich mit seiner Kamera zurückziehen und bekommt wenigstens einige verwertbare Schnappschüsse.

Damit die Hallodris auch morgen noch bei Kräften sind, bekommen sie abends wieder Hackfleisch, was bei der Chefin eher weniger helfen dürfte; sie beginnt nämlich zu schwächeln und zu kränkeln. Es pfeift der Magen, zwickt der Darm, da steh'n die Zeichen auf Alarm. Wenn man sich ein Horrorszenario für die Welpenzeit ausmalen will, muss man sich eine Virusinfektion beim Personals vorstellen. Es sieht so aus, als sollten wir in diesen zweifelhaften Genuss kommen.

 

Freitag, 31. März 2017

Und wär der Morgen noch so schön,

Der Tag so nackt wie Venus,

Ist er nicht leicht zu überstehn

Mit einem Virus plenus.

Der Leidgeprüften Blick so bleich,

Doch hitzig wie 'ne Esse,

Die Glieder schüttelfrostig weich

Mit grünlicher Noblesse.

Die Chefin ist krank. Die Chefin gibt alles. Wieder her. Heraus. Von sich. Nur gelegentlich gesellt sie sich zu den Aktiven des Bairischen Blues. Ein Gespenst mit fließenden Gliedmaßen. Ein entleertes Menschenbeutelchen, ausgeräumt eher als aufgeräumt.

Der Co-Pilot muss ans Steuer. Co-Pa übernehmen Sie!

Morgens hat es 0° C, wenig weniger als das, was die Chefin in ihrem hitzig frierenden Frostkörper fühlt. Wolkenlos beginnt der letzte Tag des Lenzings, schwingt sich auf zu wolkenlosen 20° C und sinkt mit 4° C in den Gliedern nieder. "Wie der Achaz, so der Herbst." Demnach, liebe Freunde, werden wir nicht nur einen astreinen Sommer erleben, sondern uns auch noch auf einen güldenen Herbst freuen dürfen. Das wird das Jahr der Jahre. Erinnert euch an das Orakel vom Mangfalltal! Auch die Chefin wird sich bald über eine Vitamin-D-Produktion freuen dürfen, die ihr alle Leiden des heutigen Tages aus der Erinnerung pusten wird.

Fianna mit ihren WelpenDer Vize hat allerdings im Moment wenig Sinn für das Wettergeschehen im Herbst, aktuell hat er sich um seine Schutzbefohlenen zu kümmern, was andererseits auch bedeutet, dass alle anderen Räder derzeit stillstehen: Bildermangel, Chronikstopp. Die Morgenroutine, so viel muss gesagt und gewürdigt werden, leistet die Chefin noch ab, aber dann gehen ihr die Körner aus. Die Hallodris nehmen darauf keine Rücksicht. Schon vor den anderen stehen Hias und Hetty im Garten und singen "Im Frühtau zu Berge" und lassen die Sau raus, während der Rest der Bande Hobo vom Bairischen BluesHobossich noch den Schlaf aus den Augen reibt. Doch lange hält das nicht an, dann sind sie alle im vollen Betriebsmodus, was den Vize zu ausgedehnten Wanderungen durchs Paradies zwingt, bewaffnet mit Eimerchen und Schaufel, um die zweite Auflage des heutigen Tages zu entsorgen (die erste wurde schon indoors von der Chefin beseitigt). Sein Tun wird freudig umtanzt und besungen von den Hallodris, alle jederzeit bereit, ihm die Schaufel zu entwenden, nicht, um ihm die Arbeit abzunehmen, sondern um ihn zu entwaffnen. Solches Tun macht aus fein und bestens zur Aufnahme gesetzten Häuflein in den Rasen getretene Fladen, die ein verhängnisvoll langes Verharren und Scharren am selben Fleck erzwingen. Zudem ist niemand zugegen, dem er diese Enfants terribles auch nur für kurze Zeit übergeben könnte, die schön langsam auf den Geschmack gekommen sind und wissen, wie sie ihr Waffenarsenal einsetzen müssen, um sich maximalen Spaß zu bescheren. Die Fersen des sich mit Schaufel und Eimerchen kniebeugenden Vize sind ihre bevorzugten Ziele, zumal der beim Sammeln gekniffene Vize dabei so leidenschaftlich spitze Flüche ausstößt, dass sie nichts anderes als eine Aufforderung zur Wiederholung darstellen können. Der links gedrehte Klammergriff, so hat es sich bei den Jägern herumgesprochen, erfreut sich beim Sammler besonderer Beliebtheit. All dies muss der Vize schon vor dem Frühstück bewältigen, das sowieso in weite Ferne gerückt ist.

Werfen wir noch einen Blick auf die Kalorienstatistik, bevor wir diesem Märztag adieu sagen.

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiHubsi hat sich wieder einmal lobenswert hervorgetan: 200 g dürfen wir ihm ins Büchlein schreiben und die tragen ihm neben 1900 Gramm weiterhin den letzten Platz ein. Langsam zweifelt der Chronist, ob seine optimistischen Prognosen bezüglich des kleinen Schelms noch umsetzbar sind. Ganz oben, auch da verraten wir kein Geheimnis, macht einer, was er will, vor allem fette Beute: 170 g tragen ihn auf 2700 Gramm und auf und davon. 280 g beträgt der Abstand auf den 2. Platz, deutlich mehr als zwischen ihm und dem 10. Platz. Der Besitzer dieses Hakuna vom Bairischen BluesHakunaStatthalterpostens ist seit heute Hugo, der sich mit 140 g an Hakuna und Hetty vorbei schob (2420). Hetty und Hakuna hatten gestern einen eher uninspirierten Tag. Hetty meldet nur 50 g (2370, 3. Platz) und Hakuna 70 g (2360, 4.Platz). Durch die schwache Performance der beiden Dämchen kann Hobo mit immerhin 210 g zu Hakuna aufschließen und mit ihr das Treppchen teilen. Halina kommt mit 170 g mehr zur Registratur (2320, 6. Platz) und verteidigt zäh ihren Platz im Mittelfeld. 180 g sogar kann Harpo für sich beanspruchen (2300, 7. Platz) und bleibt seinen Vorderleuten auf den Fersen. Hartl raffte sich einmal richtig auf und lieferte den Strike des Tages: 220 g. Das bringt ihn mit 2230 Gramm vom vorletzten auf den 8. Platz. Ja, da darf man auch mal applaudieren, 220 g sind eine Ansage und Willensleistung. 10 g nur fehlen Hedda auf Hartl: 90 g plus ergeben für sie 2220 Gramm und Platz 9. Der Wanderpokal für die Vor-Hubsis geht heute an Hias, der trotz 160 g plus ausgerutscht ist und nun ebenso 280 g nach unten zu Hubsi hat wie Hugo oben zu Hallodri; Zahlenrabulistik nach Hallodri-Art.

Schöner März, du hast es eigentlich nicht verdient, so hinauskomplimentiert zu werden, aber der Chronist und Vize ist heute einfach platt und will keine Dankesreden mehr halten. Nur so viel: Du hast unseren Hallodris gutgetan und dich um sie verdient gemacht.

 

Samstag, 1. April 2017

Willkommen, lieber Ostermond. Zum 1. April fällt den bäuerlichen Regelkundlern nicht viel mehr als unverbindliches Gemurmel ein: "Den 1. April musst überstehn, dann kann dir manch Gut`s geschehn." Schwer vorstellbar, was einem Gutes oder auch Schlechtes widerfahren soll, wenn man diesen Tag nicht übersteht. "Säen am 1. April, verdirbt den Bauern mit Stumpf und Stiel." Hierbei scheint es sich eher um ein agrikulturelles No-Go zu handeln, denn um Hugo vom Bairischen BluesHugoeine inhaltlich nachvollziehbare Anweisung. Warum ein Bauer heute bei bis zu 22° C nicht säen sollte, dies am 31. März und am 2. April aber erlaubt wäre, erschließt sich dem der Scholle entfremdeten Chronisten nicht. Wahrscheinlich ist die Anweisung so zeitgemäß wie das frühere Verbot für menstruierende Frauen, sich die Haare zu waschen. Heute jedenfalls begrüßen wir den April recht herzlich, viel Sonne hat er im Gepäck, nachmittags auch gewittrige Wolkensäcke, die er aber nicht bei uns stehen lässt, sondern mitnimmt. Immerhin deutet er schon mal an, was in ihm (und nicht nur in den Säcken) stecken kann, nämlich die berühmt-berüchtigte Charakterstudie: April, April macht, was er will. Das werden wir abwarten und gegebenenfalls angemessen würdigen.

Die Speckrollen-Rallye kommt jetzt jedenfalls richtig ins Rollen. Heute sind es 1760 Gramm, die wir mehr verzeichnen können, und Ergebnisse unter 100 sind für Hartl reserviert. Der traut sich doch tatsächlich 80 g anzumelden und grinst dabei noch. Die erwirtschafteten 2310 Gramm lassen ihn wieder einen Platz nach unten rutschen: Platz 9. 110 g verbuchen wir für Hubsi und Hobo. Für Hubsi bewegt sich das Hamsterrad immer auf der gleichen Welle, nämlich auf der letzten, ganz unten, denn 2010 Gramm reichen eben nicht zum Vorrücken. Aber: Hubsi – Tärätärä – hat die Zwei-Kilo-Hürde gestraddelt. Glückwunsch, kleiner Kämpfer. Hobos 110 g bringen ihn auf 2470 Gramm und auf den zentralen 6. Platz, nach allen Seiten offen, obwohl seine gesamte Erscheinung eher den Weg nach oben andeutet. Hias müht sich rechtschaffen und polstert sich mit 120 g auf, was aber auch ihm nicht recht viel mehr Vortrieb bringt als Hubsi: Vor-Hubsi-Platz Halina vom Bairischen BluesHalinabestätigt, 2300 Gramm. Nur 10 g mehr und er hätte seinen erstgeborenen Bruder wieder nach hinten durchgereicht. Ausgerechnet die beiden Ersten profilieren sich als Spargeltarzans. Hallodri macht nur noch, was nötig ist, kontrolliert das Feld von vorne, jederzeit in der Lage, ein paar Scheite draufzulegen. Für ihn sind es heute 130 g, das macht 2830 Gramm und einen solitären Platz weit vorne in der Sonne. Harpo gibt mit 160 g das unscheinbare Mittelmaß oder, wie Bob Dylan es einmal nannte, den grey flannel dwarf. 160 g sieht nicht schlecht aus, reicht aber nur zu 2460 Gramm und den 8. Platz. Wer jetzt meint, 150 g Auflastung wäre eine respektable Leistung, hat die Zeichen der Zeit verkannt und wird durchgereicht. Mittelmaß wird jetzt mit Unterrang bestraft. Gottlob ist Harpo nur körperlich unteres Mittelmaß, in der Birne brilliert er und sprüht vor Leben. Was sich ja bekanntlich noch nie widersprochen hat. Achtet auf die Kleinen, mahnte der Chronist schon einmal. Halina lässt sich heute mit 180 g registrieren (2500), was ihre Überläuferposition im unteren Teil der oberen Hälfte bestätigt (Platz 5). Da die aussichtsreichen Plätze hinter Hallodri von ehrgeizigen Kampfstoffwechslern besetzt sind, lassen Hettys 190 g sie sogar mit 2560 Gramm um einen Platz auf den 4. Platz abrutschen. Die Luft ist dünn da oben und mit Stoffwechselgasen kontaminiert. Weiter oben reichen Hugo die gleichen 190 g, um ihm mit 2610 Gramm den 2. Platz zu sichern. Dass sich Hakuna der Welt nur ungern von hinten zuwendet, ist uns nicht verborgen geblieben, und so verwundert es nicht, dass sie keinen Ellenbogen ungenutzt ließ, um nach oben zu kommen. Das Ergebnis sind 240 g, gesamt 2600 Gramm, 3. Platz und an Hetty wieder vorbei. Wie schwer es ist, die geschlossenen Linien der oberen Platzhirsche zu durchbrechen, muss Hedda erfahren: 250 g zeugen von vitaler Kampfkraft, führen aber nur zu 2470 Gramm, gleichauf mit Hobo (Platz 6).

Die Chefin ist immer noch angeschlagen, aber sie hat gestern alles getan, um dem Virus seinen Stachel zu nehmen, denn heute ist ein wichtiger Tag. Gundel und Girgl aus dem G-Schwader wollen in Nürnberg ihre Jugendbeurteilung irgl vom Bairischen BluesGirgl(JB) Gundel vom Bairischen BluesGundelablegen, und da will, ja: muss der Blues anwesend sein, Mut zusprechen und die Daumen drücken. Das Fieber ist schon mal weg. Die Beine sind noch schwer und die Eingeweide noch nicht wieder konform mit den Vorstellungen der Chefin. Aber es geht, es lässt sich einrichten, weil es gehen soll und gehen muss. Wir werden derweil von Annemarie und Hermann, den Doosie-Hinterbliebenen, mit Herz, Hand und Verstand vertreten. Die JB läuft nach Wunsch, Gundel und Girgl bestehen und machen ihre Leute von Herzen glücklich. Uns selbstredend auch. Herzlichen Glückwunsch, Gundel, Girgl, Andrea, Hugo und Gerda! Prima gemacht.

Gundel nutzt die Gelegenheit und kommt nach ihrer Prüfung noch ins Mangfalltal, um ihre Halbgeschwister zu besuchen. Darüber freuen wir uns und die Hallodris, die immer für einen neuen Spielpartner dankbar sind. Der Virus sinnt jedoch auf Rache und will den respektlosen Versuch, sich seiner vorzeitig zu entledigen, nicht unbeantwortet lassen. Das Imperium schlägt zurück und die Chefin wieder in die Horizontale.

Das Wetter bezieht sich nachmittags, wie schon angedeutet, und die Luft wird schwer und schwül, aber es bleibt trocken. Und abends verziehen sich die Wolkensäcke wieder und geben den Blick in die Sterne frei.

Hartl vom Bairischen BluesHartlDieser erste etwas dampfige Tag dieses Jahres bringt Leben in jene Biester, die man am liebsten entleibt sieht: die Zecken. Und Hartl, der grinsende Spargel, fängt sich doch tatsächlich den ersten des Jahres und der Hallodris über dem rechten Augenlid. Immerhin ist er in dieser Hinsicht ganz vorne. Mit Mühe kriegt der als feinmotorischer Manikürer bewährte Vize das winzige Mistvieh aus dem zappelnden und sich heftig beschwerenden Hartl heraus. Wenn es einen Schöpfergott gibt: Wozu hat er Zecken geschöpft?

Zecken im April sind ohne Wenn und Aber überflüssig. Und eine Welpenkiste für Welpen, die nicht mehr in ihr schlafen ist ebenso überflüssig, auch weil sie sehr schnell im Wortsinn überflüssig wird: Welpen, die sie nicht mehr als Schlafstatt wahrnehemen, nutzen sie gerne als Toilette. Annemarie und Hermann bauen sie für uns ab. Dafür danken wir ganz sakrisch. Nun sind unsere Hallodris obdachlos und müssen ab sofort unbehaust nächtigen.

Und das tun sie ohne einen Laut der Klage, nehmen die fehlende Schnullerbox eigentlich gar nicht zur Kenntnis. Ihre Welt ist jetzt die Küche und das Paradies. Wer braucht da einen Bretterverschlag?

Die Chefin führt derweil einen gastralen und abdominalen Kleinkrieg mit dem Virus, der sich nicht kleinkriegen lässt. Das sieht nach einem weiteren Fronttag für den Vize aus. Aber wenigstens geht es Gundel und Girgl gut. Und natürlich den Hallodris und ihrer Mutter. Was aber, wenn der Noro neue Opfer sucht?

 

Sonntag, 2. April 2017

"Bringt Rosamund Sturm und Wind, so ist Sybille (29. April) uns gelind." "Sturm und Wind an Rosamunde, bringt dem Bauern gute Kunde." Was sich am 29. April wettertechnisch über uns zusammenbraut, ist uns derzeit herzlich egal; da sind die Hallodris aus dem Haus und dann kann unseretwegen auch die Sintflut kommen oder gerne auch ein samtweicher Samstag. Wurscht. Heute ist kein Sturm und auch kein Wind, sondern freundlich sonniges Frühlingswetter bei schon 7° C morgens. Später schaut uns die Sonne durch eine Milchglasscheibe an; aber mehr, als dass sie sich zum Ende hin bedeckt hält, können wir der Rosamunde nicht nachsagen. Der Bauer wird sich also die Haare raufen und wir uns einen Merker auf den 29. April setzen, um zu sehen, was die unstürmische Rosamunde angestellt hat.

Die Chefin ist mehrheitlich noch immer im Horizontalmodus mit gelegentlichen Aufständen, um zu sehen, ob der Vize die Lage noch im Griff hat. Hat er offenbar. Abgang Chefin. Sie bittet ihren Leibarzt um Hilfe, die er ihr auch gewährt, vor allem aber schreibt er sie krank. Keine Experimente mit der Schule und der Gesundheit. Bis Mittwoch ist die Chefin nun an die Hallodris gefesselt.

Halina vom Bairischen BluesHalinaZur Bereicherung des Welpenparadieses spenden wir den Hallodris heute einen Sack voller leerer Actimel-Fläschchen in einem umgedrehten Eimerdeckel, die unsere Kinder seit dem ersten Wurf begleiten und immer viel Freude auslösen. Nicht so sehr beim Personal, weil sie nicht nur binnen weniger Minuten im ganzen Garten verstreut sind, sondern manchmal noch nach Monaten Hugo vom Bairischen BluesHugounter irgendeinem Gartengewächs herauslugen. Wenn wir wenigstens auf diese Weise das Geheimnis der Actimel-Zucht gelüftet hätten; aber nichts da: Es bleibt einfach nur Plastikmüll unterm Rhodo und hinter der Berberitze. Wie sie dorthin über die Sperrgitter gekommen sind, bleibt das Geheimnis unserer Kinder.

Fianna glaubt nicht an die Vorzüge von Actimel, schon gar nicht, wenn die Fläschchen seit Generationen leer sind, deshalb zieht sie die eigene Milchbar für ihre Kinder vor, deren Produkt deshalb logischerweise Vorzugsmilch heißt. Man lernt eben nicht aus, wenn man sich beim Blues informiert. Ja, Fianna Hedda vom Bairischen BluesHeddasäugt noch immer, spärlich und mit großen Nachfülllücken, aber sie stellt sich hin und reicht den Hallodris ihre Schnuller. Es ist das Mamaprogramm, das sie abruft, das sie beherrscht, das ihr den Tagesablauf diktiert. Sie gehorcht dem Trieb, nicht dem eigenen Füllstand. Und noch immer putzt sie ihren Kindern die nun schon kräftig herangewachsenen Popos, massiert ihnen die Bäuchlein und putzt sogar noch die Teiche weg, wenn sie wieder einmal die Küche als Pissoir missbrauchen, anstatt sich als Wildpinkler zu üben.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodriMöglicherweise erkennt Fianna die Notwendigkeit der mütterlichen Zufütterung bei der Lektüre der Gewichtstabelle. Die lässt heute keinerlei Drang nach Höherem erkennen, außer bei – Hallodri. Diese Fressmaschine scheint den Rest der Belegschaft zu demotivieren und in Schockstarre zu versetzen. Was bewegt jemand, der mit 220 g Vorsprung die Tagesetappe angeht, den anderen mit 260 g den Rahm von der Milch zu schlürfen? Wo tut der das hin? Dieser Hallodri ist alles, nur nicht fett, nicht feist, nicht wabbelig, eigentlich sieht Hakuna vom Bairischen BluesHakunaman ihm sein Gewicht gar nicht an. Immer wieder stehen Besucher in unserem Garten und suchen nach einem Berggorilla, finden keinen und fragen dann: Welcher ist der Hallodri? Und wenn wir mit der Fingerspitze auf ihn deuten, ist die Enttäuschung oft genug in die Gesichter gemalt. Der da? Der ist ja gar nicht größer. Richtig, jedenfalls nicht so viel, dass man ihm seinen Appetit ansieht. Der Versuch von bekennenden Hallodri-Followern, das Mehrgewicht in seiner Hirnbüchse zu lokalisieren (außergewöhnliches Hirnwachstum), ist durchsichtig und geht ins Leere; dort ist nicht mehr als bei den anderen auch.

Also machen wir es kurz und benennen die Eckdaten des 2. April. Hallodri 260 g, 3090 Gramm gesamt, damit der erste Sechspfünder, was nun auch niemand überraschen dürfte. Ach ja: Platz 1. Ansonsten beschränkt sich das Beamtenmikado darauf, dass Hedda und Harpo sowie Hartl und Hias wieder mal die Plätze getauscht haben.

1. Hallodri (3090, +260), 2. Hugo (2750, +140), 3. Hakuna (+70) und Hetty (+110), beide 2670, 5. Halina (2580, +80), 6. Hobo (2570, +100), 7. Harpo (2550, +90), 8. Hedda (2490, +20), 9. Hias (2460, +160!), 10. Hartl (2450, +140!), 11. Hubsi (2150, +140).

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiNun bekommt auch der Vize weiche Knie und seltsame Geräusche im Bauch. Das einzige was jetzt zu tun bleibt, ist die Hände vor jedem Welpenkontakt zu desinfizieren. Auch wenn die Knie weich werden, sollte das Hirn die Übersicht behalten. Vielleicht ist ja die Sache mit dem Wind und Sturm der Rosamunde ganz anders zu interpretieren. Jedenfalls fühlt der Vize schon so eine Art Wind und Sturm in den Gedärmen. Aber wenn's den Bauern hilft...

 

Montag, 3. April 2017

Der Vize ist krank und die Chefin noch nicht wieder gesund. Was dem Vize fehlt ist das Fieber, aber die Knochen hängen ihm als schwere Last im Leib. Den Tag verbringt er schlafend oder mit dem Versuch, die Chronik voranzutreiben, was zum Scheitern verurteilt ist. Irgendwie kommt ihm sein Zustand vor wie das Wetter: wolkig, bewölkt, bedeckt, auch mal etwas Sonne, dabei wohltemperiert bis zu 18° C. Bisher durften sich die Hallodris über ein unfassbar schönes Freilandwetter freuen, Frischluft und Sonne ohne Ende. Das kann naturgemäß so nicht weitergehen, selbst wenn uns die Bauernregeln das Azurblaue vom Himmel herab lügen. Man muss zufrieden sein mit dem, was man hat, und damit können wir bisher mehr als zufrieden sein.

Hobo vom Bairischen BluesHoboDie Hallodris sehen das offenbar ebenso, jedenfalls eine kleine Schnittmenge der Hallodris. Als nämlich die Chefin mit ihrer Fianna den Morgenspaziergang mit Unterordnung zelebriert und den Vize noch tiefschläfrig im Bett wähnt, lässt sie die Knirpse in der Küche und im Transit und die Terrassentür verschlossen, damit sie nicht längere Zeit unbeaufsichtigt draußen sind. Für Hobo und Halina ist das inakzeptabel, weil sie es inzwischen gewohnt sind, ihren Tag im Freien zu verbringen; geschlagene 20 Minuten krakeelen die beiden an der Terrassentür und treiben den Gutmut des Vizes, der nicht im Bett ist, sondern sich über seine Chronik beugt, zum Unmut. Dieses exzessive Einklagen eines vermeintlichen Rechts ist ihm nicht unbekannt, aber immer wieder geeignet, ihn seine durchaus passable Kleinbürgerkinderstube vergessen zu lassen. Er belässt es jedoch, wie in all den Jahren, dabei, das Dezibel-Duo in die Küche zu schaffen, den Transit zu verrammeln und sich wieder aus dem Staub zu machen. Und siehe da: Siehst du nichts, lohnt sich nichts. Garten aus den Augen, Garten aus dem Sinn. Wie oft hat er seiner Chefin schon höflich vorgetragen, die Freischärler nicht in den Bellevue-Transit zu lassen und ihnen das Maul wässrig zu machen?

Heute ist Fianna eher ungnädig, was die Milchversorgung angeht, möglicherweise haben sich ein paar ihrer Kinder eindrücklich in Erinnerung gebracht. Jedenfalls hält sie sich heute ihren höchst persönlichen Lebensbereich von den Hetty vom Bairischen BluesHetty mit KnabberstangenSchmarotzern frei. Vom Fleisch fallen sie deshalb nicht. Die Chefin bietet ihnen heute einige jener sehr weichen Kaustangen an, die sie mit Genuss zerwirken und sich gegenseitig abjagen. Aber natürlich ist die Mutter die skrupellosester Jägerin, die nur unwillig und eher uneinsichtig von ihrem Mundraub ablässt. Zudem gibt es heute erstmals gewöhnliches Rinderkopffleisch, damit die kleinen Herrschaften in Zukunft nicht unangemessene Ansprüche stellen oder gar auf silbernes Besteck bestehen.

Am frühen Abend wollen wir sehen, was das jugendliche Raubzeug mit Fleisch am Knochen anstellt und geben ihnen frische Schafrippchen. Zwei davon legen wir für sie aus, damit sie sich daran üben können, Fianna geben wir einen zähen Zwerchlappen als Abendmahlzeit. Sie hat allerdings einen anderen Plan: Ihr sind die zwei dünnen Rippchen lieber und genug, dafür gibt sie das Gummiteil ihren Kindern. Die stürzen sich darauf wie die Geier auf Fleischlichesden toten Büffel und zerren es und sich gegenseitig im ganzen Garten herum. Immer wieder hat einer Erfolg, weil es ihm gelingt, einen winzigen Fetzen herauszureißen. Und weg ist er/sie. Die anderen beharken sich weiter, keifen und krakeelen bis sie die Kraft verlässt. Bevor sie wieder zu Kräften kommen und von vorne beginnen, nehmen wir ihnen die Reste weg, damit sie das Gummizeug in ihrer Gier nicht noch im Ganzen verschlingen. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir ein ganzes Stück Pansen oder Ähnliches wieder aus dem Hund und dessen Magen hervorgezogen hätten. Ohne Aufsicht geht bei dieser Übung gar nichts. Auffällig ist, dass Hobo dabei fehlt. Offenbar war es ihm gelungen, sich gleich zu Beginn einen größeren Fetzen zu sichern und damit in der hintersten Gartenecke zu verschwinden und ohne das Gekeife und Gezerre seiner Geschwister seine Beute zu verspeisen. Wir erleben heute die zwei Seiten eines Hundes en Miniature: Das Raubtier, das um jedes Fitzelchen Beute zu kämpfen und zu streiten bereit ist und den gelassenen Beutesicherer, der im Tarnanzug in der Ecke sitzt und genießt. Unsere Hallodris, daran besteht kein Zweifel, sind bereits richtige Raubtiere. Beutegreifer. Da können sie noch so treu schauen und die Herzen zu Tränen rühren. Die gesicherten Reste des Zwerchs geben wir Fianna, die nun damit einverstanden ist, wohl auch ihre Freude an den Kindern hatte und es nun als kalorienarme Mahlzeit akzeptiert.

Hias vom Bairischen BluesHias wird entwurmtBei all dem Vergnügen, müssen wir auch an die Pflichten und unsere Verantwortung denken: Entwurmung II, 1. Teil. Alle müssen sie auf den Schoß und den weißen Schlonz schlucken. Alle mache das mit großer Gelassenheit. Wir sind stolz. Auch die Mutter muss mitmachen, damit sie ihre Kinder nicht gleich wieder anstecken kann und unsere Mühen ad absurdum führt.

Wer jetzt das Gefühl hat, dass ihm etwas fehlt, sich also eine Art Unzufriedenheit und undefinierbarer Entzug ausbreitet, den erlösen wir jetzt mit der Gewichtstabelle. 1470 Gramm stehen heute im Goldenen Buch des Blues.

1. Hallodri (3180, +90), 2. Hetty (2840, +170, zwei rauf), 3. Hugo (2800, +50, eins runter), 4. Hobo (2780, +210, zwei rauf), 5. Hakuna (2770, +100, zwei runter), 6. Halina (2710, +130, eins runter), 7. Hedda (2700, +210, eins rauf), 8. Harpo (2640, + 90, eins runter), 9. Hias (+140) und Hartl (+150) im Parallelschwung mit 2600 auf dem Vor-Hubsi-Platz, 11. Hubsi (2280, +130).

 

 Dienstag, 4. April 2017

"Ist Ambrosius schön und rein, wird St. Florian (4.Mai) milder sein." Schön und rein ist Ambrosius mitnichten, es sei denn, Regen schlüge man der Reinheit zu. Es ist nämlich ein entsetzlich trüber, trister Regentag. Kalt ist er nicht, ganztägig um 8° C herum, also muss der Bauer nichts befürchten, denn: "Der heilige Ambrosius, schneit oft dem Bauern auf den Fuß." So weit kommt es heute nicht, aber der Frühling macht definitiv Pause.

Das BällezeltDer BälledomDer tristen Außenwelt setzt die Chefin eine kunterbunte Smarties-Welt entgegen: ein Indoor-Bällebad mit Zeltdom. Das hatten die Blues Brothers und Sisters noch nie, das ist eine Hallodri-Premiere. Sogar Fianna ist davon so angetan, dass sie sich unverzüglich in die kunterbunte Höhle stellt und die Kinder zu einem Morgen-Shake einlädt. Die lassen sich das natürlich nicht entgehen, was zu dem führt, was der Seefahrer Wuhling nennt, ein Kuddelmuddel eben. Aber diese Höhle treibt den Milchfluss offenbar in die Höhe und regt die Mamalaune an.

Damit die Erlebniswelt der Hallodris eine grenzenlose sei, liefert Alexandra, die Hospitantin, nachmittags einen handgeschöpften, also selbst produzierten, Erlebnistunnel aus Karton, der die Der Fun-Tunnel... und von innenDer Fun-TunnelDer Fun-Tunnel von außenNamen aller Hallodris und ihrer Eltern trägt. Was die Knirpse insbesondere fasziniert, sind die ins Innere des Tunnels hängenden bunten Fäden; die können sie nicht leiden, die müssen weg. Und zwar sofort. Wie die Besessenen stürzen sie sich auf die Wollfäden, um sie herauszuziehen und zu entsorgen. Vielleicht wollen sie sich damit auch ein Nest bauen, weil sie bei uns auf harten Bänken schlafen müssen. Wir jedenfalls haben alle Hände voll zu tun, ihnen die Fäden abzunehmen, weil verschluckte Wollfäden nicht zum Futterplan gehören.

hetty 1 0404 kHettyDieser graue Tag ist für die Hallodris alles andere als grau: Ein neues Bällebad und eine Adventure Tube, dazu meist in der Küche, in der sich heute das meiste abspielt und man ganz nahe an den Ereignissen dran ist. Da wäre zum Beispiel die Futterzubereitung. Die Hallodris haben inzwischen eine höllisch feine Nase und kennen die für sie bestimmten Düfte genau; kaum wird das Trockenfutter vorbereitet, tobt der ganze Haufen um die Die Futterbatterie... und zum EndeDie FutterbatterieDie Futterbatterie zu Beginn des DinnersKüchenzeile herum und randaliert: Die wissen, was los ist. Und zwar riechen sie das Trofu schon, wenn es noch gar nicht eingeweicht ist. Um sie ein wenig auszubremsen, bereiten wir für sie nachmittags gekochtes Hühnchen mit Milchreis zu. Das kennen sie noch nicht. Da bleiben sie ganz unbeteiligt. Und auch die Futterbatterie kennen sie noch nicht wie die Futterringe, auf die sie auch schon routiniert reagieren. Und dann stehen sie vor ihren ziemlich tiefen Schüsseln der Batterie und schlabbern, was das Zeug hält. Bis die Grundordnung dann doch langsam verloren und alles drunter und drüber geht.

Fianna und HakunaLeibesvisitation bei HakunaWir haben nicht den Eindruck, dass ihnen der graue Tag den Tag versaut; die Hallodris liegen kreuz und quer in der Küche und im Transit, wenn sie Laune haben auch draußen in ihrem Bett im Trockenen und verratzen die Zeit. Die übrige Zeit verbringen sie damit, uns in die Beine zu zwicken, in die Küche zu häufeln und ins neue Bällezelt zu pinkeln. Bälle vor die Säue werfen ist auch eine der Kernkompetenzen des Bairischen Blues.

Aber wir können uns doch ein klein wenig revanchieren: mit dem zweiten Teil der zweiten Entwurmung. Eindruck machen wir damit nicht.

Um den wachsenden Emotionen nicht allzu viel Raum zu geben, schließen wir die fünfte Woche geschäftsmäßig mit der Bilanzpressekonferenz.

Hallodri (3290, +110). Hugos Aktien steigen, heute auf glatte 3000 Gramm, 2. Platz (+200). Hetty, vergleichsweise schwach mit 100 g, gibt den 2. Platz an Hugo ab (2940). Hobo zeigt sich stabil und verlässlich mit Trend nach oben (2930, +150). Hakuna bleibt auf Tuchfühlung mit unsicherer Prognose (2900, +130). Hedda uneinheitlich, in der Tabellenmitte lavierend (2840, +140). Halina, dito (2800, +90). Hartl zeigt sich stark verbessert (2790, +190). Hias, unentschlossen (2730, +130). Harpo ist in der augenblicklichen Position eine heiße Kaufoption (2720, +80). Hubsi nährt Träume auf ein Happy End (2370, +90).

Zwei Wochen noch bis Buffalo...

 

6. Woche (05.04. - 11. 04. 2017)

Mittwoch, 5. April 2017

 

Es liegt eine unheimliche Stille über dem Anwesen des Blues. Der Vize traut seinen Ohren nicht: nichts! Stille! Es bedrückt ihn im Bett die Frage, ob die vor wenigen Tagen erfolgte Zustellung eines Werbebriefs der Firma Amplifon (Hörgeräte) doch kein auf sein Alter gezielter Affront, sondern schiere Vorsehung war. Lässt ihn sein bislang noch alltagstaugliches Gehör im Stich? 6 Uhr und die Hallodris liegen offenbar in süßer Ruh. Oder sind sie etwa der eigenen Giftgasproduktion erlegen; Sumpfgas liegt bekanntlich schwer am Boden und die Hallodris tun dies auch. Während die Zeit mit Denken und Grübeln verstreicht, dabei die Frage Überhand gewinnt, ob es zuträglicher ist abzuwarten oder nach dem Rechten zu sehen, übersieht der Vize, dass er eigentlich auch aufstehen könnte, denn der Schlaf ist ihm bereits abhanden gekommen. Doch er liegt ähnlich schwer wie Sumpfgas in den Federn. Um 6:30 Uhr rumort es dann doch unter ihnen, und zwar erwächst dem sphärischen Schweigen binnen Sekunden akustischer Hochdruck, begleitet von Geräuschen, die vermuten lassen, dass dort unten Polka getanzt wird. Welch ein Glück. Ruhe bis 6:30 Uhr, aber es lebt noch, was da kreischt. Wie bescheiden man geworden ist. Wie glücklich man über eine Stunde mehr Schlaf sein kann. Das Glück der Chefin geht durch die Decke, als sie nur fünf, kaum der Erwähnung werte, Häuflein zählt. Also nix wie raus mit der Bande, Milchspeise in die Ringe und ab. Nach dem Frühstück zieht die zu erwartende Darmol-Prozession durch den Garten, die Hallodris vorneweg, die Chefin mit Eimerchen und Schaufel hinterher. Und dann kuscheln sich die von jeglicher Last Befreiten in ihr Terrassenbett und verlängern die Nacht auf unbestimmte Zeit. Viel versäumen sie heute auch nicht, denn der Himmel hängt sein Wasserbett schwer über die Köpfe der Hallodris: Es ist Waschküche bei 5° C. Also Augen zu und durch.

Die von der Chefin eingesammelte Speisekarte von gestern ist etwas dünner als die letzten Tage, was daran liegen wird, dass die Hallodris gestern erstmals Gekochtes kredenzt bekamen. Wir werden diese Erfahrung noch häufiger machen, weil sich der Darm auf die unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Speisen einstellen muss. Ein Welpendarm ist kein Tausendsassa, der schon bei Geburt alles kann; er muss erst lernen, mit allem fertig zu werden, was ihm geliefert wird. Und diese Vorgänge verändern kurzfristig den Zustand der Endprodukte. Wir machen das gerne, weil wir, soweit es in unserer Macht liegt, Hunde übergeben wollen, die mit ihrer zukünftigen Futterwelt im Reinen sind. Die Käufer unserer Hunde bekommen somit einen Hund, dessen Darm mit allem, was man üblicherweise füttert, zurechtkommt. Damit sind unsere Welpenkäufer in der Futterwahl frei, ohne sich um die Umstellungsprozesse und deren Folgen kümmern zu müssen. Aber es handelt sich dabei nicht nur um schiere Menschenfreundlichkeit unsererseits, sondern vor allem um Hundefreundlichkeit: Welpen, die ihren Magen-Darm-Trakt in dieser frühen Phase nicht entwickeln können, die im schlimmsten Falle völlig unzulänglich gefüttert werden, behalten ein Leben lang einen Reizdarm mit allen Folgen für sie und ihre Besitzer. Es ist nach unserer Auffassung Aufgabe des Züchters, einen auch in dieser Hinsicht stabilen und gesunden Hund abzugeben. Auch wenn es manchmal besch...eiden ist.

Fianna säugtFianna säugt noch immer unverdrossenMuttermilch gehört nicht zu jenem Nahrungsangebot, das den Hallodris Probleme bereitet, und davon scheint auch Fianna überzeugt zu sein, denn kaum ist sie von ihrem Morgenspaziergang zurück, baut sie sich vor ihren Kindern auf und bietet ihnen die Brust. Wie viel sie noch zu liefern hat, wissen wir nicht, aber offenbar hat sie noch etwas zu bieten und ihre Kinder wissen es sehr zu schätzen. Es fasziniert uns anhaltend, wie konsequent Fianna ihren Mamajob erledigt, dabei auch keine Rücksicht auf sich nimmt, weil die Hallodris ihr jetzt schon richtig wehtun; die Krallenspuren an ihrem Bauch sprechen eine deutliche Sprache.

Nach der Vorzugsmilch am Morgen lassen wir die Bande wieder ins Haus, weil es draußen einfach zu garstig ist, nicht dass sie uns bis zur Abgabe noch zu Yetis mutieren. In der Küche legt sich Fianna nun zu ihren Herzgewächsen und bespielt sie mit Ausdauer und Leidenschaft. Bei dieser Leidenschaft muss wohl Hartl ein bisschen zu leidenschaftlich geworden zu sein, jedenfalls steht Hartl vom Bairischen BluesHartl nach dem Frühstück und vor der Abreibunger mit einem Mal im Fokus ihres Interesses und sie liest ihm die Leviten, was der Spargeltarzan aber wohl nicht gelten lassen will und Widerworte gibt, worauf aus den Leviten eine Abreibung wird. Fianna bringt ihm die Anstandsregeln derer vom Bairischen Blues nachdrücklich bei. Als er endlich ihren Fängen entkommen und unter dem Küchenblock davongekommen zu sein glaubt, erwartet sie ihn an der anderen Seite des Küchenblocks, nimmt ihn in Empfang und schenkt ihm noch eine ein. Das war's. Sie leckt ihm die Nase, beendet den Benimmuntericht, und Hartl trollt sich heftig grummelnd in den Transit. Doofe Mama! Wir können Hartl verstehen, mehr noch sind wir von Fiannas pädagogischen Maßnahmen begeistert; sie ist herzensgut und jederzeit für ihre Kinder da, aber auf der Nase lässt sie sich nicht herumtanzen. Da fällt der Watschenbaum um.

Fianna mit ihren KindernFianna im Kreise ihrer LiebenEs besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass Hartls Unmut gar nicht so sehr gegen seine Mama gerichtet ist, sondern gegen seine Geschwister, die ihn durchs Feuer gehen ließen und weiter ihren Vergnügungen nachgingen, den neuen Bälledom umstürzten und die Bälle unter Begeisterungsstürmen durch die ganze Küche trieben. Das setzt dem Stolz eines jungen Helden mächtig zu.

Von der Waage lesen wir ab, dass wir nun etwas mehr für die Hallodris tun können, weil Fianna zwar noch ihren Leib spendet, aber den Bedürfnissen ihrer Schar nicht mehr Herr wird. Das müssen wir ausgleichen. 1560 g Zunahme bedeutet einen Zuwachs im Schnitt von knapp 142 g. Von diesen 1560 g hat allein Hubsi 200 g für sich abgezwackt, was ihm zwar keine Positionsverbesserung beschert, aber ein wohliges Gefühl im Bauch (2570, 11. Platz). 190 g Hias vom Bairischen BluesHias auf der Waagegriff Hallodri, der es am wenigsten nötig hat, ab (3480, 1. Platz). Und zwischen diesen beiden deutlich vom Feld Abgesetzten tobt ein zäher Positionskampf auf einem Schlachtfeld von 210 g Unterschied: 2. Hugo 3100 (+100, Platz behauptet), 3. Hetty 3060 (+120, Platz behauptet), 4. Hakuna 3030 (+130, einen Platz rauf), 5. Hobo 3010 (+80, einen Platz runter), 6. Hartl 2960 (+170, hoch von 8), 7. Hedda 2940 (+100, eins runter), 8. Halina 2920 (+120, eins runter), 9. Hias 2910 (+180, trotz Gewaltleistung hängen geblieben), 10. Harpo 2890 (+170, dito). Man sieht: Es geht zäh voran, selbst wenn man bereit ist, sich den Magen zu verrenken.

Diesen Bedingungen nun Rechnung tragend, füttern wir ab heute vier Mal, um die größeren Mengen besser verteilen zu können. Heute gibt es beispielsweise morgens pro Welpe etwa 75 ml Welpenmilch, am späten Vormittag 40 g eingeweichtes und püriertes Trockenfutter, nachmittags 40 g Fleisch (heute rohes und gewolftes Rinderherz plus gekochten Karotten) und abends wieder 40 g Trockenfutter.

Dazu fallen schon mal verschiedene Sorten Knabberstangen ab, die ein sehr positives Echo auslösen und auf die sie sich stürzen, als hätten sie heute noch darben müssen. Die Mehrzahl der Hetty mit KnabberstangeHetty mit Knabberstange im TransitKnabberer müssen sich unermüdlich gegen ihre Geschwister und vor allem gegen ihre Mutter zur Wehr und durchsetzen. Nur Hetty zeigt wieder einmal keine Neigung zum Teilen, Altruismus ist in Nahrungsangelegenheiten ihre Sache nicht, und schafft es, mit ihrer Stange unbemerkt im Transit zu verschwinden und das Stäbchen unter Ausschluss der neidischen Öffentlichkeit zu verarbeiten. Doch selbst als sie entdeckt und zur Herausgabe der Beute aufgefordert wird, leistet sie erfolgreich Widerstand und schlägt den hungrigen Mob in die Flucht. Irgendwo muss ja der 3. Platz im Ranking seine Ursache haben.

Harpo mag Leberwurst aus der TubeHarpo mag Leberwurst aus der TubeHeute gibt es sogar Geflügelleberwurst aus der Tube, die ein einfühlsamer Besucher spendet, und die offenbar so mundet, dass sie dafür sogar übers Wasser gehen würden; Harpo jedenfalls hat den aufrechten Gang ins Repertoire aufgenommen, um an das Tuben-Manna zu kommen. Da sind wir mal gespannt, wie sich diese Kalorienorgie morgen in der Tabelle auswirken wird.

Wir geben auch gerne zu, dass wir gelegentlich Leckereien vor die Perlen werfen, um auch mal ein Foto schießen zu können, was mit jedem Tag schwieriger wird, vor allem wenn wir ohne Besucher mit den Hallodris alleine sind. Es soll ja Leute geben mag, die glauben, dass ihre Welpen Rampensäue sind, die keiner Kamera aus dem Weg gehen können, doch das ist natürlich eine Legende. Tatsächlich stürzen sie sich auf alles, was vor ihnen in die Hocke geht und ihnen in ihrer Vorstellungswelt einen Antrag auf ein fröhliches Spielchen macht – auf ihn mit Gebrüll. Und schon hängen sie an uns, zerren an den Hosen und den Fersen und den Zehen, am liebsten aber am Kameragurt. Beste Bedingungen für authentisches und herzergreifendes Bildmaterial. Man kann in dieser Situation vermutlich erstklassige Panoramafotos vom Garten machen, auf denen aber dummerweise kein Welpe zu sehen ist.

Abends werfen wir noch einmal einen Blick aus dem Fenster und einen in die Bauernregeln: ganztägig Grauwetter. Und was sagen die Weisen aus dem Bauernland dazu? "Ist St. Vinzenz Sonnenschein, gibt es vielen guten Wein." Macht ja nichts, trinken wir eben Bier. Schaurig schön ist allerdings der zweite Losspruch, der eher nach einer Geheimlosung von WikiLeaks klingt: "Wenn St. Vinzenz tritt in die Hall', so bringt er uns die Nachtigall." Geht's noch?

 

Donnerstag, 6. April 2017

Der Tag beginnt bedeckt und frisch und windig bei 4° C. Sehr viel wärmer wird es heute auch nicht mehr, obwohl sich die Wolken auflockern und auch der Sonne Platz machen, damit sie ein paar Lichtpfeile verschicken kann.

Der Blick auf die Gewichtstabelle bestätigt die Binse, dass die Reichen immer reicher werden und die Fetten immer fetter. Hugo, der bislang Zweitplatzierte will offenbar nach ganz oben und macht Hallodri eine Kampfansage: 250 g. Das bringt ihn mit 3350 Gramm näher an Hallodri ran, aber nicht auf Griffweite. Der kontert nämlich lässig mit 230 g, die ihm mit 3710 Gramm noch genügend Raum lassen, eine Diätrunde einzulegen, wenn ihm einmal danach sein Hedda vom Bairischen BluesHedda hätte noch gerne einen Nachschlagsollte. Danach sieht es jedoch nicht aus. Aber auch Harpo hat seinen Anspruch auf einen Platz unter den Zelebritäten angemeldet: ebenfalls 230 g. Mit den erwirtschafteten 3120 Gramm rückt er vom vorletzten Platz auf den 6. Platz vor, den er mit Hedda teilt, die mit 180 g Zuwachs in die Registratur kommt. Ein zäher Kämpfer an der Gewichtsfront ist Hobo, der mit 190 g wieder einmal bei den Top-Anlegern ist; 3200 Gramm lassen ihn von fünf auf vier vorrücken. In diesem eng gepackten Mittelfeld hat Hetty alle Kiefer voll zu tun, um sie Hobo mit Müh und Not und 170 g vom Leib zu halten: Mit 170 g kann sie gerade noch 30 g zwischen Hobo und ihrem 3. Hubsi auf der WaageHubsi auf der WaagePlatz puffern. Weil Harpo einen so kräftigen Satz nach vorne gemacht hat, lassen Halinas 180 g sie mit 3100 Gramm um einen Rang auf neun abrutschen. Das gleiche gilt für Hakuna; 160 g sind eine feine Tagesleistung, aber Hobos Kraftakt schickt sie um einen Platz nach unten (5. Platz, 3190). Auch Hartl hat das Nachsehen: 150 g ergeben 3110 Gramm und den 8. Platz, zwei Plätze weiter unten, weil Hedda und Harpo aus seinem Windschatten vorbeigezogen sind. Für Hias gilt, dass 100 g Zuwachs in der aktuellen Boom-Lage einfach zu wenig sind; dann findet man sich mit 3010 Gramm auf dem Vor-Hubsi-Platz wieder. Und Hubsi muss wirklich mehr tun als die seriösen 140 g, wenn er die Prophezeiung seines Vizes nicht ins Reich der Legenden befördern will: 2710 Gramm, das sind noch immer 300 g hinter Hias und eine Menge Verdauarbeit, wenn er ihn überholen will.

Manchmal fragt man sich als Züchter, warum man sich das alles antut, die Dauerüberschwemmung der Küche, die Tretminen, die von keiner UN-Menschenrechtskonvention geächtet werden, der Gestank, der durchs Haus wabert, das Schlafdefizit und die Sorgen, ob alles gutgeht und wir das Zauberpack nach acht Wochen auch vollzählig an den Mann und die Frau bringen – und dann kommt so ein kleiner Hugo daher und liefert die Antwort darauf: Es sind die täglichen Perlen, die uns die Hallodris liefern und ihre Vorgänger geliefert haben, es sind die Schmonzetten und die Schlaglichter auf ein stilles Glück, auf einen kleinen Geniestreich und ein unerwartetes Husarenstück. Heute dürfen wir Hugos Morning-Show erleben und davon berichten.

Nach dem Morgenappell im Garten (Spielen, Futtern, Wiegen, Toben) holen wir die Bande wieder ins Haus, weil es unangenehm frisch und windig ist. Nach einigen kleinen Undichtigkeiten, die draußen nicht mehr zu erledigen waren, versinken alle in den zweiten Schlaf. Alle, außer Hugo. Hugo ist munter und tatendrängig und nach Kasernierung steht ihm der Sinn ganz und gar nicht. Deshalb beschließt er, unser Frühstück mit wohlgesetzten Gesangseinlagen zu bereichern. Hugo singt. Hugo jodelt. Hugo durchschreitet alle Belcanti von Caballé bis Gabalier, streut auch mal einen Westernhagen ein und versucht uns am Ende sogar mit der neuen deutschen Weinerlichkeit eines Tim Bentzko zu beeindrucken (Ich bin doch keine Maschine. Heul). Hugo mixt das alles am Sperrgitter zu eine neuartigen Cover-Version des Gefangenenchors aus Nabucco. Wir frühstücken und stellen das Radio lauter. Hugo passt sich der neuen Gefechtslage an und dreht auch auf. Die Geschwister schlafen. Weil wir unter dem akustischen Dauerbeschuss heute besonders emotionslos und zügig unser Frühstück hinter uns gebracht haben, holt sich die Chefin die vierbeinige Klagemauer an den Frühstückstisch, den er nun mit gespannter und stummer Freude abwandert und inspiziert (Hugos Zukünftigen gestehen wir ohne schlechtes Gewissen, dass er ein Stückchen Wurst bekommen hat, weil wir uns momentan selbst die Nächsten sind). Hugo scheint glücklich zu sein, was die Chefin zu der Hoffnung veranlasst, ihn wieder zu seinen Geschwistern entlassen zu können. Doch Hugo ist mit dieser Welt und diesem Morgen noch nicht fertig. Nun stimmt er ein Solo an, dass irgendwo zwischen Schimpanse und Pfau angesiedelt werden muss, ein Glissando aus spitzen Krakeelschreien und einem verzweifelten Keckern. Dazu zerrt er am Sperrgitter wie einst Schröder, der ins Kanzleramt wollte. Das klingt und wirkt nun so endzeitlich bedrohlich, dass die Chefin den Sterbenden dem Vize ans Herz legt, weil der gerade an einem Beuteltee mit der Bezeichnung "Innere Ruhe" nippt, was, wie sie meint, bei günstigen Bedingungen auf den Leidenden überspringen könnte. Der Vize reduziert mit dem pumpenden Hugo an der Brust seinen Herzschlag auf die Frequenz eines Blauwals, damit seine innere Ruhe zur äußersten Ruhe von Hugo werden möge. Der strebt jedoch wieder zum Tisch und weg vom pulsenden Herzen. Hugo ist auch mit dem Frühstückstisch noch nicht fertig, vor allem vom Latte-Schaum hat er noch nicht genascht, was schleunigst nachzuholen ist. Also reißt er sich los und nascht vom Schaum und wieselt wie ein Haustroll über den Tisch. Das ist zu viel für des Vizes innere Ruhe, worauf er den Pumuckl wieder in die Küche setzt. Es scheint die richtige Maßnahme zu sein, denn es tritt eine seltsame und irgendwie gespannte Ruhe ein, die das Blues-Personal mit gedämpftem Plaudern und Zeitungsrascheln füllt. Und dann erhebt sich ein neuerliches Glissando, ein Jubelgeheul, eine Triumphfanfare – allerdings nicht aus der Küche, sondern aus dem Transit. Und dort sitzt er, der kleine gelbe Arsch, und jauchzt und jubelt, weil er es geschafft hat, eine weiche Stelle der Sperre auszubaldowern, das Möbel beiseite und uns ein paar Meter näher auf die Pelle zu rücken. Nun ist er aber irgendwie alleine, keine Geschwister, kein relaxierendes Herz, alleine im unbelebten Niemandsland des Blues und weint gar jämmerlich. Die Einsamkeit des Herzens treibt ihm das Wasser in die Augen. Der Vize kann das Elend nicht mehr mit ansehen und schmeißt den Jammerlappen in den Garten, wo er sich in sein riesiges Bett rollt und Sekunden später tiefenentspannter ist als der Vize mit seinem Beuteltee und dem Wal-Trick jemals sein kann. Dafür züchtet man. Für solche unvergesslichen Moment, die man noch Jahre später erzählt und die den vergreisenden Gesichtern Lachfalten schenken.

Nachmittags setzt Hakuna ein Glanzlicht, weil sie voller Begeisterung mit Mamas viel zu großem Ball am viel zu langen Strick durch den Garten wieselt, mit der kugelrunden Materie kämpft, mehr stolpert als wieselt, aber es immer wieder schafft, ihren missgünstigen Geschwistern ein Schnippchen zu schlagen und ihnen mit ihrer Beute zu entkommen. Sogar Mama ist so berührt von dem Zauberstück ihrer Tochter, dass sie sie mitsamt ihrer Beute stellt, auf den Rücken dreht und ihr das Bäuchlein massiert und ausstreicht. Und Hakuna liegt wie ein Maikäfer auf dem Rücken und zappelt vor Vergnügen. So sehen sie aus, die Bausteine des Züchterglücks.

Und dann geht es an diesem Tag auch noch weiter. Die Kreißsaal-Hospitantin Alexandra spendiert den Hallodris einen Weihnachtselch, so ein Ungetüm, das, wenn man es an der richtigen Stelle zwickt, herumhüpft, ho-ho-ho sagt Hobo mit dem Ho-HoHobo mit dem Ho-Hound dreckig lacht. Der Rotnasenrudi wird sofort umlagert und mit äußerstem Interesse begutachtet, allerdings nicht sehr lange, weil die Aufmerksamkeit von Kindern sehr kurzlebig ist und die Hallodris bayerisches Blut führen und von degeneriertem Weihnachtsviehzeug nur schwer in Wallung gebracht werden. Da geht es ihnen wie ihrem Vize. Ein rechter Krampus – immer herzlich willkommen, aber ein Ho-Ho mit Säufernase? Da braucht er nur zum Wirt gehen, da sieht er die Figuren das ganze Jahr. Hetty allerdings scheint dem Ho-Ho auf die Schliche kommen zu wollen und bearbeitet ihn so lange, bis er auf ihr Kommando ho-ho sagt und lacht. Und dann probiert sie es wieder. und wieder. Nach ein paar Minuten weiß sie, an welcher Stelle, nämlich an der linken Hand, der Cola-Wichtel in Betrieb gesetzt werden kann. Und das begeistert sie so, dass wir ihr zu unseren Seelenrettung den Ho-Ho-Kasper wegnehmen müssen, um nicht reif für die Insel zu werden. Was für eine Leistung von Hetty, die es geschafft hat, das Geheimnis des Ho-Hos zu knacken. Dafür erdulden wir sogar dessen lärmende Fröhlichkeit ohne Widerspruch. Wenigstens für kurze Zeit.

Die Nacht ist kurz, aber das Glück, das unser dieser Tag gespendet hat, wiegt den Schlafmangel locker auf. Wenigstens für kurze Zeit.

 

Freitag, 7. April 2017

Es ist heute Morgen recht kühl, um 7° C, wolkig und windig. Das hält sich so den ganzen Tag, auch mit etwas Sonne, aber alles in allem haben wir heute ein sehr angenehmes Welpenwetter, das die Hallodris aktiv macht und nicht den Schatten aufsuchen lässt.

Hakuna, Hartl und HeddaUnd so kann man morgens schon die ersten quietschfidelen Rufe durch den Garten schallen hören, die sich inzwischen schon wie richtiges Bellen anhören. Es geht voran mit den Hallodris, auch stimmlich, was uns gute Laune macht, aber morgens um sechs unter Berücksichtigung der Nachbarschaft zum Schweigen gebracht werden muss. Dann muss eben alles weg, worum man sich balgen und anmaulen kann, tabula rasa bis auf Weiteres.

Beim Wiegen ist sowieso meist andächtige Stillen, einerseits weil die Chefin ein bisschen "Vogelfutter" verteilt, damit die Bande beschäftigt ist, andererseits, weil alle gespannt sind, was der andere zu bieten hat. Langweilig ist es immer, wenn Hallodri oder Hubsi in den Wiegestand gehoben werden. Wen interessiert es schon, ob Hallodri 100, 200 oder auch 300 g zugenommen hat? Das löst ein müdes Gähnen aus. Ebenso ergeht es Hubsi, der immer einsam seine Wiegeprozedur absolvieren muss, weil selbst seine Geschwister nicht mehr an einen Scoop glauben. Dabei geben die beiden sich heute nicht viel. Hallodri liefert 150 g (3860) und zieht weiter seine Kreise. Hubsi schafft immerhin 140 g und bleibt erwartungsgemäß mit 2850 Gramm das Schlusslicht. Ein Kilogramm liegt zwischen den beiden und es ist zu vermuten, dass sich dieser Abstand noch vergrößern wird. Viel spannender ist die Frage nach den Positionsrangeleien zwischen Hallodri und Hubsi. Und hier ergibt sich, dass Hugo seinen 2. Platz und Hias seinen vorletzten Platz verteidigt hat, beide mit je 120 g plus. Für Hugo errechnen sich somit 3470 Gramm und für Hias 3130. Hartl kann auch keine Begeisterung auslösen, weil er gerade auf seinem 8. Platz hockt wie ein verstockter Altbauer auf seinem Erbhof (3240, +130). Die anderen haben jedoch die Tabelle ein bisschen in Bewegung gebracht. Hakuna beispielsweise Hubsi vom Bairischen BluesHubsimit 220 g. Das lässt sie mit 3410 Gramm von fünf auf drei rücken. Hetty (3380) und Hobo (3350) hat sie damit nach unten, auf den 4. und 5. Platz durchgereicht, die beide gerade mal 150 g zustande brachten. Halina dagegen hat Hedda und Harpo weggevespert. 210 g bringen ihr den 6. Platz, das ist ein Aufstieg um drei Plätze. Hedda rutscht mit 150 g (3270) um einen auf den 7. Platz und Harpo verschlechtert sich gleich um zwei Plätze auf neun (3220, +100). Wir sind richtig gespannt, ob sich eine(r) noch zu einem Solo aufraffen kann, so richtig Schwung in die Bude bringt und den anderen den Schweiß auf die Stirn treibt.

Hobo vom Bairischen BluesHobo bringt den Lavendel in FormWegen des famosen Welpenwetters sind die Hallodris heute vom Frühstück bis gegen zwanzig Uhr durchgängig im Freien. Dabei kennen sie kaum Ruhepausen; einer oder eine hat immer etwas zu schaffen oder zu erledigen, z. B. die Minze kurz halten, den Lavendel in Form bringen oder die Buchshecke untergraben. Komplette Ruhe gibt es heute kaum und wir fragen uns, wann die todmüde umfallen? Wir versuchen diesen Prozess zu Hakuna vom Bairischen BluesHakunaprovozieren, indem wir ihnen den Kettengalgen und das Federbrett in ihr Paradies stellen, aber auch damit werden sie schnell fertig, integrieren sie in ihr Leben und gehen weiterhin ihren Geschäften nach. Der Kettengalgen ist ein einfaches Gestell, von dem Ketten herabhängen, durch die sie laufen sollen, ohne sich zu scheuen. Da scheut aber keiner und keine; sie packen sich die Ketten und versuchen, die Der KettengalgenDer Kettengalgenganze Apparatur durch den Garten zu zerren. Das Federbrett ist eine Sandwichkonstruktion von zwei stabilen Bodenbrettern, die durch Bettfedern verbunden sind. Wer auf das Federbrett tritt, kommt sich augenblicklich schwer betrunken vor, weil das Ding nach allen Seiten nachgibt und schaukelt. Aber auch davon sind die Hallodris nicht sonderlich beeindruckt, sondern probieren es aus und legen es zu den Akten. Dann gehört dieser Taumler eben auch dazu, steht halt ein bisschen im Weg, aber dann rennt man eben drüber; was soll der Das FederbrettDas FederbrettKinderkram? Im Grunde finden sie Alexandras Erlebnistunnel mit den vielen Fäden bedeutend interessanter. In dem geht die Party ab. Auch der Ho-Ho kommt wieder ins Spiel und wird mit Leidenschaft niedergemetzelt. Geschieht ihm recht. Ganz zum Schluss gibt Hedda noch eine Kostprobe von einem professionellen Beutespiel mit einem Ball, den sie sich immer wieder greift, ihn schüttelt, fortschleudert und ihm konsequent wieder nachsetzt, kontert, wenn man mit ihr daran zerrt, nicht nachgibt bis ihr offenbar die Nackenmuskeln schmerzen: Der Zwerg hat eine klare Positionierung zu Mein und Dein und den nötigen Willen, diese Meinung durchzusetzen. Aber nicht nur Hedda überzeugt mit diesem Spiel: Generell wird das Spiel jetzt ausdauernder, intensiver und tiefer und hat die Phase des kurzen Anspielens und wieder Vergessens hinter sich gelassen. Den Besuchern bieten die Hallodris heute eine große Show und schicken sie mit einem glücklichen Gesichtsausdruck wieder nach Hause; sie wissen, was sich gehört und verstehen etwas von Marketing.

Fianna vom Bairischen BluesFiannaUndHedda tankt nachHedda tankt nach Fianna? Macht einfach mit, ist immer zwischendrin und mittenmang dabei, versäumt es aber auch nicht, ihren Mutterpflichten nachzukommen. Immer wieder versammelt sie die Bande unter ihrem Bauch, dreht dann irgendeinen Kandidaten auf den Rücken, pflegt ihn sorgfältig, ohne eine Widerrede zuzulassen und entlässt ihn wieder zu seinen Geschwistern. Was für eine großartige Mutter! Wenn wir sie nicht in ihrer Brutpflege stören müssten, könnten wir sie den ganzen Tag umärmeln. Wir sind mindestens so verzückt und verzaubert wie unsere Gäste, mit einem Unterschied: Wir haben sie alle den ganzen Tag und die ganze Nacht und nicht nur mit ihren Zaubereien, sondern auch mit ihren Schweinereien. Aber das Glück ist doppelwandig.

 

Samstag, 8. April 2017

Der 8. April des Jahres 2017 besticht durch seine Bedeutungslosigkeit, ein Tag ohne Eigenschaften.

Er beginnt draußen vor der Tür mit Temperaturen knapp über 0° C und schwingt sich zu einem wolkenlosen Frühlingstag mit bis zu 15° C auf. Darüber kann man sich freuen, vor allem, wenn für abends die Grillpremiere des Jahres 2017 in kleinem Kreis geplant ist. Wenn man den Lossprüchen des heutigen Tages folgt, könnte die Begeisterung etwas kleinmütiger ausfallen: "Wenn`s viel regnet am Amantiustag, ein dürrer Sommer folgen mag." Gegenprobe: "Ist's um Amandus schön, wird der Sommer keine Dürre seh'n." Das kann nur heißen, dass wir einen feuchtfröhlichen Sommer zu erwarten haben. Trost spendet der Blick auf frühere Lostage, die uns das Gegenteil prophezeien. Der Realitätscheck erfolgt dann etwa Ende Oktober.

Die Gewichte sind ebenso eigenschaftslos wie der ganze Tag, nur Hetty hat das Programm nicht verstanden und 250 g zugelegt, was ihr die anderen Schnarchnasen übelnehmen. Aber so verhalten sich skrupellose Karrieristen, halten sich an keine Abmachung und nutzen die Zurückhaltung der anderen zum eigenen schändlichen Vorteil. Hetty trägt diese Unsolidarität nach vielen Tagen wieder den zweiten Platz ein. Wie sehr sich dagegen die anderen an die geheime Abmachung gehalten haben, kann man an der Fettbilanz ablesen: 1510 g. Völlig ambitions- und lustlos. Geradezu Arbeitsverweigerung.

Halina vom Bairischen BluesHalinaDie Bilanz: 1. Hallodri 4030 (+170). Man kommt nicht umhin zu erwähnen, dass Hallodri damit als erster Achtpfünder geführt werden muss, was auch niemand überrascht. 2. Hetty 3630 (+250), 3. Hugo 3580 (+110), 4. Hakuna 3570 (+160), 5. Hobo 3530 (+180), 6. Hartl 3410 (+170), 7. Halina (+60) und Hedda (+100), beide 3370, 9. Harpo 3300 (+80), 10. Hias 3280 (+150), 11. Hubsi 2930 (+80).

Der Versuch, Hallodris Flucht nach vorne durch eine vegane Ernährung zu stoppen, indem wir ihn wie einen Papagei aus der Hand mit Banane stopfen, schlägt fehl, weil auch Hartl und Hias Gefallen an dieser Leckerei finden, und durch ihre Begeisterung sogar ihre Mutter anlocken, die ihnen den ganzen Bananenrest wegfrisst, obwohl sie sonst nie auf Banane steht. Wir stellen den Versuch ein, um keine unabsehbaren Kolateralschäden zu provozieren.

Und dann, im Laufe des Vormittags, bekommt Hedda Durchfall. An den Bananen kann es nicht liegen, denn sie hatte keine. Sie ist ziemlich schlapp. Wir verabreichen ihr Oral Pädon für den Elektrolyt-Haushalt, vermischt mit aufgelösten Kohlekompretten. Nachmittags macht sie wieder mit und ist wieder wohlauf. Wir sind gespannt, ob sie ein Einzelfall bleiben wird oder andere mit hineinzieht. Wir wetten auf das Zweite.

Der Grill spendet uns abends nicht nur die Energie für den nächsten Tag, sondern auch Wärme, die diesem Tag nun ausgeht wie dem angepieksten Luftballon die Luft.

 

Sonntag, 9. April 2017

Geht doch, möchte man den Hallodris zurufen, wenn man sich die Zahlen der Waage auf der Zunge zergehen lässt wie ein Stückchen Gänseleber: 2830 g. Wir wiederholen in Ziffern: 2-8-3-0, das gab es noch nie bei diesen H-Benichtsen. Nur Heddalein, die Durchgefallene, fällt mit einer glatten Nullnummer aus dem Rahmen und noch einmal durch. Doch das war vorherzusehen. Wenn nichts drin bleibt, kann auch nichts anschlagen. Wenn aber die anderen zehn 2830 g zulegen, also jede(r) im Schnitt 283 g, lässt sich ahnen, wo sich Hedda heute wiederfindet: auf dem Vor-Hubsi-Platz, Rang 10 und weiterhin 3370 Gramm. Aber auch der Zaunkönig Hubsi lässt keine Hoffnung auf einen Wettsieg des Vize keimen, man könnte meinen, er boykottiere diesen geradezu mit seinen untergärigen 70 g. Oder ist er einfach nur ein Zahlenfetischist, der es darauf anlegt, ein Ziel auf den Punkt anzusteuern? Mit seinen 70 g erreicht Hubsi nämlich exakt die 3000 Gramm und darf sich nun Sechspfünder nennen. Wir sind längst davon überzeugt, dass in diesem Perkeo vom Bairischen Blues ein schelmisches Naturtalent schlummert. Die nächste Messgröße darf, an heutigen Maßstäben gemessen, auch noch als bescheiden bewertet werden: 160 g. Doch irgendwie kann man sich manchmal einer kleinkarierten Schadenfreude nicht so recht enthalten, wenn ein solcher Mikrozensus ausgerechnet die gestrige Durchstecherin Hetty trifft. Sie hat wohl in einer gewissen Selbstverliebtheit vor sich hin gemampft und nicht gemerkt, was die Geschwister um sie herum abgesprochen haben: Retourkutsche. Und die ist auf ganzer Linie geglückt. Die 160 g bringen Hetty mit 3790 Gramm vom 2. auf den 5. Platz. Wer Hetty kennt, weiß dass es sie richtig wurmt und nicht ruhen lassen wird. Doch nun geht es ambitioniert weiter. Hobo und Hugo liefern jeweils 270 g. Für Hugo bedeutet das weiterhin den 3. Platz mit 3850 Gramm, Hobo sortiert sich mit 3800 Gramm direkt hinter ihm ein. 300 g meldet Hakuna. Da sie gestern nur 10 g hinter Hugo rangierte und Hetty einen Einbruch hatte, klettert Hakuna mit diesem Ergebnis und 3870 Gramm auf den Reservemeisterplatz zwei. Fußball-Liebhaber wissen, wie schwer es ist ganz unten raus zu kommen, wenn die davor nicht schlafen. So geht es Hias. Mit 320 g hat er sich wahrlich nichts vorzuwerfen, aber die erwirtschafteten 3600 Gramm nageln ihn stabil auf dem 9. Platz fest. Halina geht es wie ihm. 330 g bringen sie auch nicht wirklich voran: 3700 Gramm und 7. Platz, wie gehabt. Über Hallodri müssen wir auch reden, weil es sich verbietet, Himmelsstürmer zu ignorieren, nur weil ihre Flugbahn vorhersehbar und damit in gewisser Weise langweilig ist. Hallodri geht mit 350 g plus aus dem Rennen, was ihn auf 4380 Gramm trägt und den Abstand auf Hakuna, die Zweitplatzierte, auf 550 g anwachsen lässt. Hartl bringt 360 g mehr auf die Waage und bestätigt damit seinen 6. Platz. Der Schlussakkord bleibt heute Harpo vorbehalten: 400 g! Und es ist schon bitter, dass man mit fast einem Pfund mehr nur um einen Platz vorrückt. So teilt er sich jetzt mit Halina den 7. Platz (3700). Unsere Vermutung, dass die Bananenspeise von gestern wegen des Kohlehydratschubs messbare Auswirkungen haben müsste, gibt diese Tabelle nicht her; Hallodri Leistung lassen keine bananische Herkunft erkennen, Hartl und Hias liefern zwar für ihre Verhältnisse starke Ergebnisse, fallen aber nicht komplett aus dem Rahmen. Und der Knapp-Pfünder Harpo wurde an der Banane überhaupt nicht gesichtet. Es lohnt also nicht, der Banane eine Art segensreicher Wirkung unterstellen zu wollen.

GHias vom Bairischen BluesHias macht sich ein Bettanz und gar nicht segensreich ist der Durchfall, der nun Hubsi ereilt hat. Nach einer Hängepartie morgens und am Vormittag kommt er gegen Mittag wieder auf die Beine. Wir hatten schon recht vermutet, dass Hedda nicht die einzige bleiben wird, die uns Sorgen bereitet. Diese sechste Woche ist oft kritisch, weil die Welpen ihren Immunschutz anfänglich fast ausschließlich vom Kolostrum der Mutter in den ersten 24 Lebensstunden erhalten. In der Folge bauen sie nicht allzu viel mehr auf, aber die Wirkung des Kolostrums geht verloren, was um die sechste Woche zum Tragen kommt. Geimpft werden die Welpen aber erst am Ende der achten Woche; es entsteht also eine sogenannte Immunlücke. Wenn die Bedingungen für Keime günstig sind, wie jetzt gerade, wo wir mittags angenehme Frühlingstemperaturen haben, kann das schnell zu einem ernst zu nehmenden Befall der Welpen führen. Zwar sorgen wir mit Spiritus und Sagrotan dafür, dass sich möglichst wenig Keime ausbreiten können, aber Herr wird man ihnen nicht. Jetzt hat es also Hubsi erwischt und wieder freigegeben. Doch nun macht nachmittags Hetty schlapp, was wir schon befürchten mussten, weil sie schon bei der Vormittagsfütterung mit langen Zähnen im Futter herumnagte. Und das bei Hetty, die eigentlich etwas gut zu machen hätte. Und sie erwischt es voll, vor allem, weil sie das Oral Pädon und die Kohle nicht bei sich behält, und wir ihr den Durchfall nicht verkürzen und erleichtern können. Hetty muss sozusagen auf eigene Rechnung gegen den Virus antreten und sich deutlich länger quälen als Hedda und Hubsi. Irgendwann verzieht sie sich hinter den Bälledom in der Küche und leidet still vor sich hin. Und verschont unsere Küche dabei nicht. Irgendwann nachmittags zählt Fianna routinemäßig die Häupter ihrer Lieben und sieht, dass eines auf der Strecke geblieben. Sie geht suchen und findet Hetty hinter dem Bälledom. Nun wird dem Häufchen Elend der Po geputzt und das krampfende Bäuchlein massiert, dass es eine Wonne ist, und Hetty lässt es geschehen, weil es ihr offenbar guttut. Als am späten Nachmittag das Matze-Matze-Matze durch den Garten schallt, ist Hetty wieder bei ihren Geschwistern, bringt aber sehr zu ihrem Leidwesen noch immer keinen Bissen über die Lippen. Aber sie ist wieder auf den Beinen und auf dem Weg der Besserung. Dafür erleidet nun Hubsi einen Rückfall und schießt aus allen Rohren. Noch ist der Rest der Hallodris stabil, aber wie lange wir das halten können, wissen wir nicht. Eines ist schon heute klar: Ein Rekordergebnis wird die morgige Wiegeprozedur nicht liefern.

Hartl vom Bairischen BluesHartl hat Besseres zu tunWir Hedda vom Bairischen BluesHedda hat Spaß am Fot-Shootingnutzen den schönen Tag und machen noch einmal Portraitbilder der Hallodris. Wir erwischen dabei gerade den günstigen Augenblick zwischen Hettys Genesung und Hubsis Rückfall. Aber blass sehen die beiden dennoch aus. Von ganzer Gesundheit zeigen sich dagegen die anderen neun, die ihren bäuchlings im Gras liegenden Lichtbildner fast auffressen vor Begeisterung und Zuneigung: Die Chefin wird bei seinem Anblick fast so bleich wie Hetty und Hubsi zusammen, kann sich aber einer gewissen Varieté-Belustigung nicht enthalten, als sie sieht, wie ihm das Blut aus beiden Ohrläppchen und der Hetty vom Bairischen BluesHetty ist wieder fitUnterlippe tropft. Das sieht gefährlich aus und ist der Preis, den man für die Aufzucht von vor Liebe und Zuneigung überschäumenden Herzgewächsen zu zahlen hat.

Sie sind eben irgendwie richtig gut drauf heute, haben nichts als Schabernack im Sinn und sind auf der Suche Hias vom Bairischen BluesHias, das Schlüsselkindnach der großen Showeinlage. Die gelingt letztlich Hias, der einen kompletten Schlüsselbund klaut und mit ihm unter großem Hallo und Helau durch den Garten peest und sich vor Begeisterung fast selbst überholt. Für Hias ist das nicht nur ein Paradestreich und Husarenstück, sondern gleichsam ein Schlüsselerlebnis, mit dem er sich die Herzen seiner in der Entscheidung wankelmütigen zukünftigen Napfbefüller im Handstreich erobert; jetzt hat er sie zur Entscheidung gezwungen. Strike!

Zur Neige dieses wolkenlosen Traumtags mit bis zu 17° C dürfen die Hallodris noch lange draußen bleiben und den zunehmend kühlen Abend auf der Terrasse genießen. Das ist keine reine Hallodri-Liebe, die uns dazu bewegt, sondern vor allem die Hoffnung, dass sie ihre Abendmahlzeit im Garten entsorgen mögen.

Und wir sitzen bei ihnen und werden immer trauriger, weil wir nichts hören, obwohl wir uns so konzentrieren. Der Kuckuck lebt nicht mehr! Jedenfalls, wenn wir dem heutigen Losspruch folgen: "Hört Waltraud nicht den Kuckuck schrei'n, dann muss er wohl erfroren sein". Waltraud hört ihn nicht, die Chefin hört ihn nicht und der Vize auch nicht. Dass so ein Tag so tragisch enden muss...

 

Montag, 10. April 2017

Um 5:40 Uhr beschließen die Hallodris, dass die Nacht nun vorbei ist. Das verursacht nur bescheidene Freude beim Personal, die sich allerdings rasch zu unverhohlener Freude aufschwingt, als sichtbar wird, dass die Küche nur ein sehr minimalistischer Augiasstall ist und die Maladen von gestern wieder mit der Musik marschieren. So gute Nachrichten kann man gar nicht früh genug bekommen, zumal sie sich im ersten Fall mit jeder verstrichenen Minute verschlechtern würde.

Dieser Morgen strahlt uns mit 3° C aus allen Himmelsrichtungen an. Nachmittags bringt es der Tag auf 22° C, wird dann aber etwas schwül und droht, uns ein Gewitter zu schicken. Windig ist es schon mal, ein wenig Regen wird mitgeliefert, aber dann ist plötzlich wieder alles in trockenen Tüchern, und um 23 Uhr registrieren wir immer noch 13° C.

Wie vermutet kamen Hetty und Hubsi gestern in der Kalorienstatistik mit einem blauen Auge davon, mussten aber keine Federn lassen. Die Null steht bei den beiden. Die anderen haben sich mit 1620 g nicht schlecht geschlagen, denn ein weiteres Kracherergebnis in Folge war auch nicht zu erwarten. Außer dass Hetty vom 5. auf den 8. Platz gerutscht ist, hat sich nicht viel ereignet; hinter Hubsi geht es sowieso nicht mehr weiter.

1. Hallodri (4490, +110), 2. Hugo (4140, +290), 3. Hakuna (4060, +190), 4. Hobo (4010, +210), 5. Hartl (3900, +130), 6. Harpo (3880, +180), 7. Halina (3810, +110), 8. Hetty (3790, 0), 9. Hias (3740, +140), 10. Hedda (3630, +260; die hatte Nachholbedarf), 11. Hubsi (3000, 0).

Hedda und Hetty vom Bairischen BluesHetty und Hedda haben den KnochenMan Fianna vom Bairischen BluesDie Mama hat ein ganzes Schweinweiß ja, dass ein nahrhaftes Fleischsüppchen einen Kranken wieder auf die Beine stellt, und deshalb servieren wir den Hallodris heute einen kräftigen Kalbsknochen, der mindestens genauso gut ist und keine Sauerei verursacht wie ein gemeinsames Süppchen. Der Knochen erregt freudiges Aufsehen und ist sofort heiß begehrt und mindestens so umstritten. Besonders tun sich Hedda und Hetty in der Eroberung und Verteidigung des Knochens hervor, wohl weil sie um dessen segensreiche Wirkung wissen, und ein bisschen schwach sind sie ja schon noch auf den Beinen. Aber auch Hugo steht sein Männchen, baut sich zu voller Stärke auf und geht auch einem Handgemenge mit Hallodri nicht aus dem Weg. Dem, so vermuten wir, ist so ein Knochen seit vorgestern nur noch randständig wichtig, seit er nämlich erfahren hat, dass er in Zukunft stolzer Wächter eines 10-Tonnen-Expeditionstrucks namens Hannibal sein darf und demzufolge noch jede Menge Knochen in der Wüste für ihn reserviert sind. Da steht man über so einem kümmerlichen Kalbsrelikt.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodri lässt sich den Pansen schmeckenBeim ungewaschenen Lammpansen allerdings kann Hallodri nicht mehr widerstehen und setzt auf Teilhabe, weil er nicht sicher sein kann, ob die Wüstenbewohner den Pansen ihrer geschlachteten Lämmer für ihn reservieren oder doch lieber selber verschlingen. Also reiht er sich ins Pansenfestival ein, zerrt an dem Lappen herum, klaut sich durch die Reihen, steckt Prügel ein Hakuna vom Bairischen BluesHakuna bringt ihren Pansen in Sicherheitund teilt welche aus, ganz wie seine Geschwister, die alle mehr oder weniger davon überzeugt sind, dass die anderen das bessere Stück abbekommen haben. Doch schließlich hocken und liegen sie im Garten verteilt und sägen und zerren und wirken an dem Gummi herum, bis sie ihm Herr geworden sind oder die Mama es für sich beansprucht.

Die Chefin war von dem nur schwach exkrementierten Hallodrilager heute morgen so angetan, dass sie sich eine Fortsetzung morgen herbeisehnt. Und dafür soll der Vize garantieren, indem ihm aufgetragen wird, eine längere Nachtschicht einzulegen, um das zu beseitigen, was die Chefin morgens nicht mehr sehen will. Dem Häufchenanfall soll also die Spitze genommen werden. Die Hallodris lümmeln quer durch die ganze Küche, grunzen und wimmern im glücklichen Pansen- und Knochenschlaf, und der Vize treibt sein Wesen: Er hantiert herum, er räumt die Spülmaschine aus, er räumt sie Spülmaschine ein, er spült Gläser von Hand, er geht auf die Terrasse und trinkt ein Bier, kommt zurück, räumt um und auf und tut alles, um die Schar aufzutreiben und in Bewegung zu bringen und mit ihnen ihren Darm und ihre Blasen. Das Zeitopfer findet kein Gehör. Sie schlafen wie besoffene Freibeuter und denken nicht daran, ihm oder besser der Chefin einen Gefallen zu tun, nur drei erheben sich kurz, um zu pinkeln. Das ist es. Gegen ein Uhr gibt er auf und trollt sich zu seinen Damen. Er war bereit sich zu opfern. Mehr kann man im Sinne des häuslichen Friedens nicht leisten – und mehr kann er heute auch nicht mehr denken. Ende.

 

Dienstag, 11. April 2017

Grau ist der Morgen im Mangfalltal und verhangen bei 7° C.

Rosig sind die Bäckchen der Chefin, die nur fünf Häufchen in der Küche vorfindet und dies hoffentlich dem unermüdlichen Nachteinsatz des Vizes zuschreibt. Der ist noch immer elend müde von der Hundewache und denkt nicht daran, diesen Irrtum aufzuklären. Aber: Es war wohl der Pansen, der seine segensreiche Wirkung über die Hallodris und ihre Ziehmutter brachte; es gibt ja kaum Zuträglicheres für einen Hundedarm als naturbelassener Pansen.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodriUnd auch in der Ranzenbilanz hat der Pansen seine Schuldigkeit getan: 2040 g sprechen eine satte Sprache. Da sich gestern keine(r) den Pansen vom Brot nehmen lassen wollte und richtig zulangte, bringt der Spitzenwert von 270 g die wiedergenesene und wieder kampfbereite Hetty nicht mehr als einen Platz nach oben: 4060, 7. Platz. Sie hat mit Halina den Platz getauscht (3960). Auch Hobo und Hakuna haben den Platz getauscht. Hobo jetzt Dritter (4200), Hakuna Vierte (4160). Sonst ist nichts Erwähnenswertes passiert, außer dass Hubsi mit 230 g die zweitbeste Bilanz vorzuweisen und immer noch den letzten Platz warm hält. Die anderen Platzierungen im Schnelldurchlauf: 1. Hallodri (4700, +210), 2. Hugo (4290, +150), 5. Hartl (4110, +210), 6. Harpo (4070, +190), 9. Hias (3920, +180), 10. Hedda (3790, +160), 11. Hubsi (3230, +230).

Hobo vom Bairischen BluesIst er jetzt platt? Heiß ich jetzt Grobo?Das Hobo und Hakuna vom Bairischen BluesHakuna: "Mach ihn platt, mein großer Hobo!"Wetter entwickelt sich wieder zu einem idealen Welpenwetter, etwas wolkig und windig bei 13° C. Damit halten sich die Hallodris sowie ihre Besucher und Bewunderer den ganzen Tag im Garten auf. Das Leben aller scheint unbeschwerter nicht sein zu können, zumal die meisten derjenigen, die nicht nur als Bewunderer, sondern auch als Kindsentführer zu uns kommen, nun auch wissen, welchen der elf sie am 24. April entführen dürfen und wir einfach wegsehen, aber fürs Schweigen die Hand aufhalten. Ein Tag in unbeschwerter Leichtigkeit, dieser 11. April.

Hugo vom Bairischen BluesHugo bezwingt den RinderpansenNach dem Lammpansen-Festival versuchen wir es heute mit original stinkendem Rinderpansen, der bei den Hallodris die gleiche Begeisterung auslöst wie das Lamm. Es ist beeindruckend, mit welcher Hartnäckigkeit, fast möchte man sagen Verbissenheit, sie an diesem zähen Lappen herumarbeiten, sägen und kauen, um sich Stückchen für Stückchen verschluckfertig zu machen. Wir achten sehr darauf, dass keine(r) ein zu großes Stück verschluckt, an dem er leicht auch ersticken könnte, wenn es nicht mehr vor- und rückwärts geht. Aber die Hallodris erledigen die Zerlegarbeit mit großer Akribie, nur Hubsi nimmt es mit einem Mordsbrocken auf, schluckt ihn runter und sieht hinterher um die Taille herum aus wie ein Sumo-Ringer.

Halina vom Bairischen BluesHalinaAbends bekommt dann Hakuna Durchfall, dabei wirkt sie aber nicht reduziert wie die anderen vor ihr. Vermutlich ist die darmpflegerische Wirkung von zweimal Pansen binnen eines Tages doch ein bisschen mehr als zuträglich. Aber solange nicht mehr passiert als ein dünner Output und der Hund dabei quicklebendig bleibt, können wir damit gut leben.

Abends sitzen wir mit Freunden und Kindsentführern zusammen und schwelgen in einer großen Käseplatte mit dem besten aus Frankreich und der Schweiz. Vielleicht ist die Käseplatte auch ein stilles Symbol für unsere Gefühle zu Beginn der vorletzten Hallodri-Woche: Alles Käse.

7. Woche (12.04. - 18. 04. 2017)

Mittwoch, 12. April 2017

Als ob uns ein seltsame Ahnung gestreift hätte oder besser: unseren Hugo. Als er letzten Donnerstag seine Morgen-Show abzog, attestierten wir ihm, dass er alle Belcanti von Caballé bis Gabalier durchschreiten würde – und heute hat sie Geburtstag, die Caballé, Montserrat mit Vornamen. 84 Jahre zählt sie und überlässt das Singen inzwischen gottseidank unserem Hugo. Und noch einer darf heute jubeln: der unvergleichliche Herbert Arthur Wiglev Clamor. 61 wird er heute. Wer?? Na? Keine Ahnung, wer sich dahinter verbirgt? Bitteschön: Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer. Unser Gröni! Welch eine großartige Weitsicht seiner Eltern, dass sie ihm seine Zukunft gleich mit dem Namen in die Wiege gelegt haben; clamor ist lateinisch und bedeutet Geschrei. Man stelle sich vor, der Schneider von Ulm hätte nicht Albrecht Ludwig Berblinger geheißen, sondern Albrecht Luftikus Berblinger. Was sollte so einer anderes tun als vom Ulmer Münster springen und sich das Genick brechen? Und Gröni hat auch nichts anderes getan, als sich den Vorahnungen seiner Eltern zu beugen und sie mit Leben zu erfüllen. Glamour Clamor. Die anderen Jubilare des heutigen Tages wurden von einer solchen Hypothek verschont, zum Beispiel Josef Martin Fischer (69), Joschka gerufen oder Franz Eberhard August Krüger (89), bekannt als Hatari-Hardy. Herzlichen Glückwunsch von uns allen, vielleicht können wir ja Hugo nochmal zu einem Ständchen für euren Jubeltag animieren.

So viel zum offiziellen Teil für heute, wenn schon die Bauern nichts Sinnstiftendes beitragen wollen. Wenden wir uns also wieder unserem Tagesgeschäft zu: der Gewichtskontrolle. Die fällt heute mit 2220 g sehr erfreulich aus, zu denen Hugo vom Bairischen BluesHugoallerdings Hakuna wegen ihres gestrigen Durchfalls wenig beitrug. Ganze 10 g rettet sie herüber und stürzt damit fast ins Bodenlose: von vier auf acht (4170). Das ist nicht weiter verwunderlich. Aber zwei Entwicklungen sind heute erwähnenswert. Alle, außer Hubsi, sind seit heute Achtpfünder und, zweitens, die Spreu trennt sich vom Weizen. Der Weizen, bekanntlich schwerer als die Spreu, sinkt zu Boden und die Spreu fliegt auf und davon, was sich darin ausdrückt, Hubsi vom Bairischen BluesHubsidass (wieder außer Hubsi) nun alle leichtfertigen Burschen vor den inhaltsschweren Mädchen platziert sind, also sechs Buben, dann vier Mädels und am Schluss der Zauberzwerg Hubsi, der weniger als ein Mädchen wiegt, aber ein Herz für mindestens vier seiner Brüder hat; der ist so schwerwiegend, dass er sogar noch unter den Weizen sinkt. Die großen Tagessieger sind die ehemaligen Spargeltarzane Hartl und Hias. Hartl hat ja schon seit einigen Tagen seinen Anspruch auf Höheres geltend gemacht und sich bis auf Platz fünf hochgearbeitet; doch die nun bilanzierten 290 g tragen ihn auf 4400 Gramm und Platz drei. Hias meldet mit 280 g auch Ambitionen an und klettert mit 4200 Gramm von neun auf sechs. Hugo genügen 180 g, um mit 4470 Gramm seinen 2. Platz zu bestätigen und Hallodri macht sich mit 200 g über seine Geschwister lustig; was die sich mühsam anspeichern müssen, inhaliert er im Vorübergehen (4900), das sind schlanke 430 g vor Hugo. Harpo geht mit 230 g plus und 4300 Gramm von sechs auf fünf hoch, während Hobo mit 170 g und 4370 Gramm von drei auf vier rutscht. Hubsi polstert sich mit 290 g auf und bleibt mit 3520 Gramm der gehaltvolle Bodensatz der Hallodris. Bei den Mädchen tat sich Hedda mit 240 g hervor – und bleibt trotzdem, wie Hubsi, wie mit einer Fußfessel auf dem Vor-Hubsi-Platz verankert. Halina kommt mit 200 g zur Registratur und rutscht wegen Hias' Kampfansage trotzdem einen Platz ab auf neun (4160). Hetty schafft es dagegen, mit 130 g ihren 7. Platz zu halten (4190).

Der Tag beginnt morgens mit Hochnebel und 1° C, steigert sich auf 20° C nachmittags, wobei die Sonne durch Milchglas blickt, und legt sich mit wolkigen 12° C ins Bett. So könnte es immer weitergehen.

Hartl vom Bairischen BluesHartlNicht ganz so erfreulich ist der neuerlich Durchfall morgens in der Küche, der uns aber keinen Schweiß auf die Stirn treibt, weil alle Hallodris frisch und munter in den Tag starten und keinerlei Anzeichen von Krankheit zeigen. Wir haben es schon erwähnt: So ein Welpendarm muss viel lernen, und den einen oder anderen Lerninhalt quittiert er mit Renitenz. Aber solange die Besitzer der Därme mit diesen fröhlich durch unsere Küche springen, ihre Hinterlassenschaften maximal verteilen und sich dann unermüdlich im Garten austoben, soll uns das recht sein. Ein Virus würde lägrige Leidenswürmer präsentieren, denen die Lust auf Spiel vergangen ist. Es ist also alles gut. Fast alles.

Die neue HundeliegeDer Renner - Die neue HundeliegeEine Eingebung veranlasste die Chefin, eine Welpenliege zu bestellen, und die wird heute geliefert und den Hallodris in den Garten gestellt. Wenn wir gewusst hätten, welchen Hype wir damit auslösen, hätten wir so ein Mini-Feldbett schon längst gekauft. Dieses Lager ist binnen Minuten der Renner der Saison, wird sofort belegt, und wer nicht aufs Oberdeck passt, legt sich darunter und nervt seine Geschwister durch das Gitter hindurch, das die oben Liegenden im Normalgebrauch an warmen Tagen von unten belüften soll. Nichts kann dieses Lager toppen, kein Kuddebett, keine ausgepolsterte Wanne, kein Vetbed und keine Palette, die bislang der Bungalow der Wahl war. Es gibt nur noch dieses Feldbett. Was für eine Anschaffung! So eine Sensation kostet bei Zoo Plus 29 Euro, besser haben wir unser Vermögen noch nie angelegt. Wir wollen unsere Welpenkäufer schon mal vorsichtig darauf hinweisen, dass sie möglicherweise auch nicht um diese Anschaffung herumkommen, weil es sehr gut denkbar ist, dass ihnen die Hallodris die bereitgestellten Strohsäcke und Hundepritschen, seien sie noch so teuer und trügen sie noch so stolze Namen, vor die Tür schieben und ihnen anbieten, sich Die Verpackung der LiegeDie Verpackung der Liegegefälligst selbst in diese Zumutungen zu betten. Aber 29 Euro, das wird sich wohl noch machen lassen. Für einen Engel mit Schlappohren. Außerdem bietet dieses Welpenlager den Zusatzbonus einer Verpackung, die mit ähnlich ausgeprägter Begeisterung genutzt wird. Ein besseres Schnäppchen kann man sich kaum denken, denn dieses Lager wird weit über das Welpenalter hinaus seinen Wert behalten; unsere Hallodris hatten jedenfalls alle Pfoten und Kiefer voll zu tun, um ihre bräsige Mutter von ihrer Sonnenliege zu vertreiben.

Da sind wir ja mal sehr gespannt, wer sich in Zukunft auf dieser Liege das Hausrecht verschaffen wird, Fianna oder ihre Tochter, die ihr bleiben wird. Wir jedenfalls räumen die ungeliebte Plastikwanne, die sechs Würfen eine heimelige und begehrte Schlummerstätte war, weg, weil die Hallodris nie mit ihr warm wurden und ersetzen sie durch dieses Paradebett. Da liegen sie nun drunter und drüber, so, wie es eben zugeht beim Blues, derzeit jedenfalls.

 

Donnerstag, 13. April 2017

"So wie Martin es will, zeigt sich dann der ganze April." Das macht Mut zur Verzweiflung. Martin ist ein windiger Mistkerl, bedeckt und grau, genau genommen ist er ein unfreundlicher Lackel, mit dem man nichts zu tun haben will. Zwar lässt er uns nicht frieren, weil er wenigstens so um die 12° C im Gepäck führt, die er abends dann doch auf Sparflamme von 6° C dimmt, weil er sich entblößt. Was kann man von so einem schon erwarten? Gründonnerstag heißt Martin mit Nachnamen, besser hieße er Graudonnerstag. Und dass er es gleich im Voraus weiß: Wir werden ihn für alles zur Rechenschaft ziehen, was er unseren Hallodris klimatisch antut.

Manchmal hat man Eingebungen, von denen man nicht weiß, warum und von wem sie einem eingegeben werden. Beim Eintrag der heutigen Gewichte in das Excel werfen wir aus reiner Neugier einen Blick auf die Gewichtstabelle des G-Wurfs und sind auf den Schlag geflasht: Am heutigen 45. Tag des Wurfs verzeichneten wir das gleiche Durchschnittsgewicht der Welpen. Damals wogen sie 4481 Gramm im Schnitt, heute 4482 (das eine Gramm schreiben wir aufs Konto von Messrundungen). Soll einer sagen, Genetik sei ein mendelscher Taschenspielertrick. Fianna kann nur elf, Fianna kann nur Fleckvieh und Fianna bringt immer die gleichen Stoffwechsler.

Schauen wir also mal, wie sich diese 4482 Gramm Durchschnittsgewicht auf die elf Hallodris verteilen. Man könnte sich nun fett zurücklehnen und sagen: Der Hallodri trägt die Hauptlast für diese Gewichtsentwicklung, was bei 5120 Gramm Hallodri vom Bairischen BluesHallodri ist kein Kostverächternatürlich nicht ganz falsch ist. Aber: Ohne Verantwortung für das große Ganze zu übernehmen und davonpreschen kann jeder, die Kunst liegt in der Wahrung des Gleichgewichts. Und dafür ist Hubsi zuständig. Hubsi muss bremsen, um Fiannas interne Logik umzusetzen. Für jedes Gramm, dass sich der Berggorilla aufpolstert, muss Hubsi an sich halten. Hubsi ist das mendelsche Korrektiv, das die These bestätigt. Weil Hallodri heute zwar die fünf Kilo übersprungen, aber nur vergleichsweise bescheidene 220 g zugelegt hat, darf Hubsi etwas mehr naschen und sich 270 g gönnen. Das bringt den kleinen Justus auf 3790 Punkte. Kontrollieren kann man das Feld nur von hinten, und Hubsi hält sich daran. Fast schämt sich der Vize, dass er dem Kleinen eine Gewichtskarriere prophezeit und auf einen fetthaltigen Endspurt gewettet hat, ohne zu bedenken, dass Hubsi einen Auftrag hat, dem er peinlichst und pflichtschuldig nachkommt.

Was erzählt uns die heutige Tabelle noch? Die geschlossene Männerreihe ist gesprengt, die Mädels haben sich wieder untergemischt. Dabei hat sich vor allem Hetty hervorgetan: Ihren 380 g können Harpo und Hias nichts entgegensetzen; mit 4570 Gramm rückt sie auf den 5. Platz vor. Harpo schafft nur 140 g, was natürlich in diesem Feld kaum das Überleben garantieren kann und fällt mit 4440 Gramm auf den 6. Platz zurück. Noch härter trifft es Hias. 170 g sind nicht genug, wenn man die Lage von oben betrachten will, und 4370 Gramm reichen eben nur für den 8. Platz, den er sich auch noch mit Halina teilen muss, die immerhin 210 g zulegen konnte, also die eigentliche Gewinnerin im internen Duell dieser beiden ist. Zwischen Harpo und Hias hat sich Hakuna geschoben. Ihre 220 g reichen für 4390 Gramm und eben den 7. Platz. Der Vor-Hubsi-Platz gehört weiterhin Hedda, die Hubsi als Handlangerin im mendelschen Korrektiv zur Hand geht; 210 g sind durchaus respektabel, führen aber nur zu 4240 Gramm, was noch kein weiteres Vorrücken ermöglicht. Die erweiterte Spitze und der 4. Platz gehört immer noch Hobo (4640, +270). Der Bursche macht sein Ding, fällt nicht auf und aus der Rolle, ist sozusagen das Scharnier zwischen den Karrieristen und den Aufstiegswilligen. An ihm muss vorbei, wer nach oben will, wie man am Erzengel Gabriel vorbei muss, wenn man ins Paradies will. Vorbeigekommen am hoboschen Flammenschwert ist Hartl gestern schon. Heute hat er auch noch Hugo weggevespert und mit 300 g den silbernen Reserve-Hallodri an sich gerissen (4700). Bleibt noch Hugo, der seriöse, aber unzulängliche 210 g aufgespeckt hat; zur Strafe hockt er nun auf dem Bronze-Stockerl.

Bezüglich dessen, was den Hallodris die Gewichte spendiert, stellen wir seit einigen Tagen das Frühstück um, indem wir die Eier mehr und mehr durch körnigen Frischkäse (Hüttenkäse) ersetzen, was leichter verdauliches Eiweiß zur Verfügung stellt.

Harpo vom Bairischen BluesHarpo hat ein ProblemWeder an den Eiern noch am Hüttenkäse liegt es, dass Harpo plötzlich mittags Probleme mit seinem Allerwertesten hat. Er drückt. Er presst. Er kreiselt. Er jammert. Er klagt und drückt und presst und kreiselt, aber es will ihm nichts gelingen. Eine nähere Inspektion seines Pos durch die Chefin lässt die Vermutung aufkommen, Harpo sei gar kein echter Hund, sondern ein ausgestopfter, so einer mit Stroh und Seegras, denn was da hinten herauslugt, ist nicht das, was man erwarten muss. Die Chefin zieht und entfernt dem kleinen Vagabunden Stroh aus dem Hintern. Wo er das gefunden hat, bleibt uns verborgen. Der Eingriff bringt aber nicht viel, er jammert nämlich weiter und drückt und presst. Anscheinend sind ihm schon einige kleine Erfolge bei der Presserei geglückt, jedenfalls ist sein Po reichlich unappetitlich verschmiert. Also bekommt er eine Rektaldusche unter dem lauwarmen Wasserhahn, wofür er sich damit bedankt, dass er eine satte Darmspende auf das Vetbed im Transit setzt. Aber er jammert weiter und presst, immer in einer Haltung, die man eher von älteren Menschen kennen, die einen Rollator schieben. Lustig ist das nicht, aber neu für den Blues. Wir geben ihm Lactulose, die wir gegen die Verstopfung unserer alten Jamie immer im Haus haben, damit sich die Korken in seinem Darm lösen. Und wir rufen unsere veterinärmedizinische Vertraute Karin an, die uns insofern beruhigt, dass ein Fremdkörper eher unwahrscheinlich sei, weil diese weniger mit Blockade als mit Erbrechen einhergehe. Sie vermutet, dass ihm das Stroh und eventuell noch im Darm verbliebene Reste einfach pieken und quälen. Wir einigen uns aufs Beobachten. Er entledigt sich alsbald eines Würstchens, dann entscheidet er sich doch wieder für flüssige Materie und legt sich unterm Dach zum Schlafen. Wir beobachten. Aber es gibt nichts mehr zu sehen. Im Laufe des Nachmittags bewegt er sich wieder wie ein Hund ohne Rollator, klagt auch nicht mehr und tobt mit seinen Geschwistern. Vermutlich waren es doch die Strohstengel, die ihm ein unwohles Kneifen im Darm verursachten. Wenn du denkst, es gibt nichts mehr, was du nicht kennst, kommt von irgendwo ein Haar-Po her. Und man ist wieder um eine Erfahrung reicher, die man im Buch des Blues abheften kann.

An dem Kilo Rinderkopffleisch, das wir mittags mit Reis, gekochten Karotten und pürierten Erbsen servieren, beteiligt er sich auch, vielleicht, weil er damit den Stopf von oben bearbeiten möchte. Möglicherweise hat das ja zusammen mit der Lactulose auch für die Erlösung gesorgt. Wer weiß das schon?

Wenn man dann allerdings mit seinem Eimerchen und Schäufelchen durch den Garten streicht, wünscht man sich mehrere Harpos, anstatt seiner ungeniert auslösenden Geschwister. Für den Vize, der sich mit seiner Nase immer noch auf höchstem olfaktorischen Niveau bewegt, ist diese Wanderung durch den Garten wie Apnoe-Tauchen: Luft anhalten und an eine Zukunft glauben. Wenn heute nicht so ein mieser Graudonnerstag wäre, könnte man auch den ältlichen Spruch herauskramen: Es riecht aus den Aborten, es wird Frühling allerorten. Aber am Frühling kann es heute nicht liegen. Es können nur die Hallodris sein.

All dem Gestank und dem Graudonnerstag zum Trotz, lassen sich die Hallodris nicht kleinkriegen. Sie beschäftigen sich eher damit, ihr Paradies kleinzukriegen. Zum Beispiel die Kletterrose, die im unteren Teil wohlbedacht im Buchs verläuft, aber Hakuna vom Bairischen BluesHakunanun doch von den nimmermüden Killerblicken der marodierenden Kleinkindergruppen entdeckt und angegriffen wird. Wir verpassen ihr einen Schutzmantel aus Jute, was aber nicht leicht zu bewerkstelligen ist bei einer Pflanze, die sich im Schutz einer anderen emporrankt. Wo legt man den Jutesack an? Die Hallodris beobachten unsere Bemühungen mit eifrigem Interesse, machen sich ebenso eifrig Notizen und nach Fertigstellung des Jutemantel unverzüglich an die Aufdeckung aller Schwachstellen dieser Konstruktion. Es dauert nicht halb so lang, die Rose wieder zahnreif zu strippen, wie sie zu verhüllen. Wir nehmen uns vor, morgen einen neuen Anlauf unter Ausschluss der hallodrinischen Späher zu versuchen. Falls die Rose noch ein Morgen hat.

Hallodris mit GießkanneHalina vom Bairischen BluesHalina mit dem BrausekopfAndere wiederum spezialisieren sich aufs Gegenteil der Pflanzenvernichtung und schleppen unsere Gießkanne überall hin, wo sie meinen, dass sie gebraucht wird. Ob die Rose sie morgen noch braucht, wissen auch sie nicht zu sagen. Halina bereichert das Gießkannenspiel damit, dass sie den anderen den Brausekopf vorenthält, die diesen dann wieder erobern müssen, weil eine Gießkanne ohne Brausekopf keine Gießkanne und, ihrer Ansicht nach, auch kaum einsatzbereit wäre.

Hias vom Bairischen BluesHias genießt seine HängematteWer rettet unsere Botanik? Wir versuchen es mit der Pendelschaukel und dem Bällebad. Die Schaukel ist die sofortige Attraktion und verschafft der Rose, dem Lavendel und der Minze etwas Luft. Das Bällebad ist wegen des Bälledoms in der Küche kalter Kaffee und wird nur von Fianna benutzt, die umgehend eine Knabberstange unter den Bällen vergräbt. Das hat sie Fianna und das BällebadFianna auf der Suche nach der Knabberstangeschon beim G-Schwader so gemacht und nicht dazugelernt, dass sich unter Bällen nichts vergraben lässt. Deswegen befördert sie die Bälle umgehend aus dem Bottich, um ihr wiedergefundenes Knabberzeug an anderer Stelle zukunftsträchtig zu verscharren. Es würde uns nicht wundern, wenn sie es mit Hilfe ihrer Kinder unter der Kletterrose tun würde. Oder unter der Buchshecke, die sieht sowieso schon aus wie ein Minenfeld.

Am Gründonnerstag gedenkt die Christenheit des letzten Abendmahls des Herrn mit seinen Jüngern. Am Graudonnerstag wird uns und unserem Garten schmerzlich bewusst, dass es besser ist, wenn die Jünger bald dahin- und davonfahren, anstatt sich selbst und den Garten zu opfern.

 

Karfreitag, 14. April 2017

Stell dir vor, es ist Karfreitag und keiner schert sich drum? Die Abwandlung des alten Spontipruchs kommt einem in den Sinn, wenn man sich die Gewichtsentwicklung der Hallodris vor Augen führt. Nun kann Welpenzeit natürlich keine Fastenzeit sein, kaum für die Menschen, sicher aber nicht für die Zwerge. Aber muss man denn ausgerechnet von Gründonnerstag auf Karfreitag zu einem Gelage mit den entsprechenden Auswirkungen ausholen. Nach dem letzten Abendmahl hat der Herr bestimmt kein Jota zugenommen, schließlich war es ja auch eine Art Henkersmahlzeit. Aber 3170 Gramm Auflastung ausgerechnet am Höhepunkt der Fastenzeit ist lästerlich. Dabei registrieren wir eine Streuung von 160 g bei Hedda bis 400 g bei Harpo. Und dann friert uns doch das Blut ein wenig ein: Trotz dieser gewaltigen Zunahme und der enormen Streuung steht die Tabelle still, wie die Welt am Tag der Kreuzigung stillgestanden sein soll. Kein einziger Platz verändert sich, nur Hetty schafft es mit 280 g zu Hobo aufzuschließen. Gute Güte, spielt das Universum mit unseren Hallodris? Wir können uns wirklich nicht daran erinnern, dass wir jemals eine eingefrorene Tabelle hatten. Deswegen verkünden wir nun in Demut und ohne jeden Firlefanz das Ergebnis (der Spötter ist beeindruckt und hält das Maul):

Hugo und Hartl vom Bairischen BluesHugo und Hartl1. Hallodri (5420, +300), 2. Hartl (5060, +360), 3. Hugo (4930, +250), 4. Hobo (4850, +210) und Hetty (4850, +280), 6. Harpo (4840, +400), 7. Hakuna (4770, +380), 8. Hias (4760, +390), 9. Halina (4620, +250), 10 Hedda (4400, +160), 11. Hubsi (3980, +190).

"Tiburtius kommt mit Sang und Schall, bringt Kuckuck und die Nachtigall." Heilix Blechle, nicht die schon wieder! Vermutlich singen Kuckuck und Nachtigall 'Oh Haupt voll Blut und Wunden' als Quintessenz einer langen und brandgefährlichen Reise. Im Mangfalltal singt und schallt jedoch noch immer kein Kuckuck und schon gar keine Nachtigall, was bezüglich des Kuckucks nicht verwundert, weil der ja bereits erfroren ist, wie wir wissen. Aber der Karfreitag ist bekanntlich Voraussetzung für die anschließende Auferstehung – und warum sollte unser Kuckuck nicht auch dafür gut sein? Kuckuck war nicht umsonst jahrhundertelang ein Tarnname für den Teufel (Auf einem Baum ein Kuckuck saß...). Und vielleicht steht er ja wieder auf, der totgesagte Mangfallkuckuck. Der Rest der Weissagungen changiert selten hemmungslos ins Dümmliche und schwurbelt sich ums Grün herum, wohl weil gestern Gründonnerstag war. "Am Tiburtiustag, alles grünen mag." Ja, warum auch nicht, Mitte April? Oder: "Grüne Felder am Tiburtiustag, die ziehen viel Getreide nach." Noch besser: "Tiburtius kommt uns sehr gelegen, mit seinem grünen Blättersegen." Kommt er uns, auch wenn er uns dumm kommt und dafür verkauft. Der Verfasser dieser Weissagungen war definitiv Schüler von Nostradamus und dem Mühlhiasl (ist kein direkter Vorfahre unseres Hiasls) und im späteren Leben deutscher Außenminister. Es ist nicht auszuschließen, dass er auch der Verfasser des bekanntesten aller trefflichsten Sprüche war: "Liegt der Bauer tot im Zimmer, lebt er nimmer." Kann man nichts dagegen einwenden.

Der Karfreitag beginnt meteorologisch, wie man es von ihm erwarten darf, hochneblig bedeckt bei 6° C, nachmittags kann er sich dann nicht so recht entscheiden, ob er sich bedecken oder ein wenig entblößen will, gelegentlich lässt er es auch ganz zünftig blitzen, aber so richtig freimachen kann er sich von seinem düsteren Erbe nicht.

Fetzer Jr. vom Bairischen BluesFetzer Jr.Heute ist Fiannas Bruder Fetzer jr. zu Besuch aus dem Schwäbischen. Die beiden mögen sich, und er gibt Fianna auch keinen Grund, wegen ihrer Welpen gegen ihn einzuschreiten. Er ist ein erwachsener Rüde und demnach nur tangential glücklich mit Saugwelpen. Dafür macht er es aber sehr gut, ist nicht begeistert, aber eben auch nicht hysterisch wie manch anderer, er hält sich im Hintergrund, läuft aber nicht davon. Es ist Fetzis ganz persönliches Karfreitagserlebnis ohne schauriges Ende. Im Brechtschen Theater hätte man in dieser Inszenierung den Delinquenten nochmal davonkommen lassen, mit der Auflage abzuschwören, ganz wie beim 'Galilei' eben. So kommt auch Fetzi glimpflich davon und hat dazu durch seinen unaufgeregten Auftritt selber am meisten beigetragen. Nicht schlecht, Fetzi. Respekt. Da haben andere schon erheblich längere Fäden gezogen.

Hallodri-EierAlexandras Hallodri-EierZurHallodri-Eier Generierung der Vorfreude auf Ostern bringt Alexandra elf ausgeblasene braune, mit Hallodrigesichtern bemalte, Ostereier vorbei, dazu noch zwei große weiße Eier, stellvertretend für Ery und Fianna. Die kommen an frisch geschnittene Obstzweige und lachen uns nun schelmisch an. Ei, Ei, Alexandra, das ist eine preiswürdige Idee. Danke dir und deinen pustefixen Helfern.

Den Hallodris gönnen wir unsere Eier nicht, zumal sie eh schon inhaltsleer sind; sie bekommen, was sie brauchen und vertragen, z.B. das bekannte Trockenfutter, das wir nun aber nur noch einweichen, nicht mehr pürieren. So langsam müssen sie sich der realen Futterwelt annähern. Nachmittags gibt es wieder einmal gekochtes Hühnchen mit Reis und Gemüse, eine leicht diätetische Futtervariante, um zu verhindern, dass die Hallodris aus den Nähten platzen, wo doch die Fastensaison schön langsam ausläuft. Wenn die schon während der Fastenzeit so schlemmen, was hätten wir dann ohne Diätbremse danach zu erwarten? Zumal wir natürlich auch am Karfreitag nicht von unseren Gästen und Freunden vergessen werden, die wiederum bestimmt nicht vergessen haben, sich die Taschen mit Leckereien vollzustopfen. Es gilt also Disziplin zu wahren.

Die Hallodris und die KrawallsockeDie Hallodris und die KrawallsockeInHetty vom Bairischen BluesHetty einer besucherfreien halben Stunde sitzen wir zwischen unseren Zwergen und haben fast Tränen in den Augen, weil wir einfach glücklich sind mit ihnen. Wir können es nicht verheimlichen, dass wir in unseren Augen den schönsten Blues-Wurf aller Zeiten vor uns haben, der dazu auch noch unsere Herzen mit Süßholz verkleistert. Die Hallodris sind einfach zauberhaft: zauberhaft hübsch, zauberhaft wild, zauberhaft herzhaft und zauberhaft herzlich. Der Hallodrizauber legt sich wie ein Parfum aus Bergamotte und Ylang Ylang über unsere Herzen und den Pissoirgeruch des Paradieses.

Dabei hätten wir allen Grund zu trauern, denn heute hätte unsere unvergessene Anouk, die Grande Dame des Bairischen Blues, ihren 16. Geburtstag. Zwei Jahre geht das Leben nun schon ohne sie, und wie man sieht, geht es sogar zauberhaft. Gar nicht daran zu denken, wie es wohl gehen würde, wenn sie noch bei uns wäre. Andererseits hätten wir der alten Dame diese Rasselbande und die Sperrgitter wohl nicht mehr zumuten können und wollen und hätten vielleicht sogar wegen ihr auf die Hallodris verzichtet. Wie man es sich wünscht, ist es irgendwie verkehrt. Ohne Anouk ist es nichts und ohne die Hallodris wäre es auch nichts. Wir trösten uns damit, dass Anouk uns noch immer fest im Griff hat: Wir rufen Anouk, wenn wir Fianna meinen und wir schreiben Anouk, wenn wir Fianna schreiben wollen. Und das nach fast zwei Jahren und bei einer Fianna, die wir verehren und über die wir nichts kommen lassen. Es heißt, das Internet vergisst nicht. Gegen ein liebendes Herz ist das Netz geradezu dement.

Manch einem mag jetzt auffallen, dass wir den Geburtstag unserer ebenso unvergessenen Franzi, Fiannas Mama, am 5. März nicht entsprechend gewürdigt haben. Das ist nur im Außenverhältnis richtig. Die Anfänge der Hallodris hatten uns so in Beschlag genommen, dass wir vergaßen, ihn zu erwähnen, aber wir haben unseren Franz ganz sicher nicht vergessen, eine Kerze haben wir ihr auf unserem Hausaltar angesteckt und uns vorgestellt, wie stolz sie auf ihre Tochter und ihre Enkel wäre. Und gerade die haben ihr die Nichtnennung eingehandelt. Nein, unser Franz ist unvergessen und beansprucht nicht weniger Raum in unseren Herzen als Anouk. Wenn wir irgendwann dort auch noch Fianna unterbringen müssen, sollten wir uns vorher ein Sportlerherz zulegen, dass auch wirklich alle Platz haben. Und dann, so gehen die Gerüchte, soll auch noch eine Zwergin der Hallodris die Ahnenreihe des Blues verlängern. Der Vize beschließt, umgehend wieder mit dem Training zu beginnen, damit keine der dann immerhin schon vier Damen zu kurz kommt in seinem pulsierenden Liebesbeutel.

Doch das Paradies im Herzen und das Paradies der Hallodris ist mangelhaft, geradezu ein Mangelfall, wenn man dem Chronisten diesen Kalauer verzeihen möchte. Auch nicht unser Paradies, das die Hallodris heute bis nach 21 Uhr durchstöbern und genießen dürfen. Einerseits gibt das die Wetter- und Temperaturlage her, andererseits haben wir die Reduzierung der Darmwürmer in unserer Küche im Sinn: Je länger die draußen, desto weniger da drin. So denken wir uns das aus. Was wir nicht einkalkulieren ist, dass die Hallodris der Rechnung nicht zustimmen, weil wir sie nicht gefragt haben, wann sie ins Warme wollen. Jetzt, gegen halb zehn jedenfalls noch nicht. Und das machen sie unverzüglich und unmissverständlich mit einem akustischen Elferrat-Special deutlich, dass uns das Trommelfell knattert und das liebende Herz zuschnappt. Dieses vokale Terrorregime bewegt sich weit jenseits jeglicher Lärmschutzverordnung. Die Chefin verscherbelt alle für die Hallodris reservierten Plätze in ihrem Herzbeutel, bindet ihn zu und droht mit kollektiver Exekution der Ausgewiesenen. Diese pfeifen auf die leere Drohung und keifen auf die Kasernierung. Bis ihnen die Luft ausgeht. Und das Licht ausgeht. Der Vize hält noch bis Mitternacht Brandwache, um jedes Aufflackern im Keim zu ersticken. Hat er nun einen Tinnitus oder ist es doch nur das Echo der Hallodris?

 

Karsamstag, 15. April 2017

In der Reaktion auf dezent vorgetragenen Tadel zeigt sich der Charakter. Auf grob vorgetragenen Tadel reagieren gelegentlich sogar die Dickfelligen mit Einsicht; sobald er aber an die feinen Verästelungen des Wesens andocken will, findet er meist keinen Rezeptor. Seit heute Morgen können wir nun die Hallodris separieren, in jene mit dem gusseisernen Gewissen und chronisch verstopften Gehörgang und die anderen mit den feinen Sensoren für die dezente Ansprache, die demnach auch die feinen Antennen in der Ausbildung haben dürften. Um deutlich zu werden: Unser gestriger Vorwurf bezüglich unsensiblen Umgangs mit den Bräuchen der Fastenzeit hat erwartungsgemäß gerade bei denen nicht gezündet, denen eine kleine Diät nicht schaden würde. Dafür haben die Schmalbrüstigen und die echten Hungerhaken an sich gehalten, diejenigen Hallodris, die sich bewusst ernähren und nicht nur die Futterluke öffnen und Brennstoff einfüllen, bis der Kessel glüht.

Hetty vom Bairischen BluesHettyIn der Registratur sieht es dann so aus. Das Häuslergewicht Hias hat sich am heftigsten kasteit und 160 g abgenommen. In Worten einhundertundsechzig Gramm abgenommen! Das wirft ihn von 4760 auf 4600 Gramm und vom 8. auf den 9. Platz zurück. Die zünftige Hetty ist unter ihrem schwarzen Rock erheblich feinfühliger als man ihr anmerkt: 50 g hat auch sie abgenommen, was sie auf 4800 Gramm und von Platz fünf auf Platz sieben bringt. Ein Glanzstück der statistischen Äquilibristik vollbringt Harpo, der sich einfach nicht bewegt, kein Gramm zu- oder abnimmt und dennoch mit seinen 4840 Gramm von Platz sechs auf Platz fünf vorrückt. Auch Hakuna darf man noch zu denen zählen, die sich die kleine Gardinenpredigt zu Herzen genommen und nur 40 g zugenommen haben; wir haben ja keine Nulldiät oder asketisches Fasten verordnet. Für Hakuna stehen damit 4810 Gramm in den Büchern und Platz sechs statt sieben, weil Hetty sie so generös vorbeigewunken hat. Wem nun angereichertes Fastenverhalten oder eingebremste Völlerei zu bescheinigen ist, lässt sich bei der nächsten Gruppe nicht so leicht beantworten. Halina hat beispielsweise 120 g zugelegt; das ist der geringste Wert seit fünf Tagen. Wir bescheinigen ihr also, dass der Geist vermutlich willig, aber das Fleisch zu lecker war: 4740 Gramm, eins rauf auf acht. Und wer will Hubsi vorwerfen, dass er sich sittenwidrig und traditionsvergessen gestopft hat – bei 130 g! Von Fastengewinnlerei kann dabei wirklich nicht die Rede sein. 4110 Gramm halten ihn am Tabellenboden fest. Hedda ist jedoch schon ein Grenzfall. Für ein Leichtgewicht am Tabellenende sind 150 g nicht wenig, obwohl sie natürlich in den vergangenen Tagen deutlich mehr geliefert und dennoch nicht vom Fleck gekommen ist. Ihr bringt der Fastenschmaus nichts, außer 4550 Gramm und weiterhin den Vor-Hubsi-Platz. Nun wird es zunehmend schwieriger, einen guten Fastenwillen mit den Zahlen in Einklang zu bringen. Hartl, ein g'standenes bayerisches Mannsbild auf dem zweiten Rang, muss nicht 170 g zulegen, um zu überleben. Nur wenn man sich da oben im Bullenrennen keine Blöße geben will, muss man sich einspreizen. Er kommt damit auf 5230 Gramm und hält die Position. Über die Notwendigkeit einer Gewichtsauflastung bei Hallodri ist jedes Wort überflüssig. Ihm ist das wurscht, Brauch und Tradition sind bei ihm eine Untermenge von Bauch und Gravitation. Die 180 g sind bei ihm eher ein kleiner Nachschlag zu gestern (300 g!) und eher beiläufig an ihn herangetragen worden als aktiv eingefahren: 5600 Gramm. So einer befolgt keine Regeln, so einer macht sie. So einer darf sogar in einem öffentlich rechtlichen Studio rauchen, falls er Helmut Schmidt hieße. Und so einer darf an Karfreitag seinen Geschwistern die Noagerl wegfressen, wenn er Hallodri heißt. Hugo sieht aus wie ein Messdiener und ist ein ganz hinterkünftiger Fressschlawiner, dem man seine Pfunde nicht ums Verrecken ansieht. Selbst die karfreitäglichen Hobo vom Bairischen BluesHobo220 g aus der Baiblues-Diätküche (linksdrehend und glutenfrei) bauen ihn nicht zum stiernackigen Starkbiermönch um. Er hat offensichtlich kein Pölsterchen zusätzlich auf seinem Sixpack: Jetzt auch Zehnpfünder, 5150 Gramm, 3. Platz gehalten. Aber der Großsünder des Bairischen Blues ist ihm nähergerückt: Hobo! 280 g. Am Karfreitag. Schamlos, sittenlos, selbstverliebt. Als Vorbild ein Totalversager. Oder ein heimlicher Salafist? Wir registrieren widerstrebend (und mit der 2. Sure, Vers 184 auf den Lippen[1]) 5130 Gramm und stabilisierter 4. Platz. Wegen der Abstinenzler kommen insgesamt dann doch nur saisonal angemessene 1080 Gramm heraus.

Man kann auch die Fastentreuen anders interpretieren, nämlich als diejenigen, die für die ekligen Fladen und Lachen in Küche und Garten verantwortlich zeichnen, diejenigen also, die die Mahlzeit und damit auch das Gewicht nicht halten können. Tatsächlich kriegen wir den Durchfall nicht in den Griff, was uns aber nur aus ästhetischen und hygienischen Gründen besorgt, denn selbst der Super-Minus-Mann Hias zeigt keinerlei Defizite. Wir rätseln, was der Grund für den Darmkatharr sein könnte. Grünzeug im Garten? Das hatten wir immer schon. Oder der laktosefreie Hüttenkäse, den wir versehentlich gekauft haben? Den werden wir jetzt mal weglassen. Mal sehen. Aber solange die Hallodris über jedes Stöckchen springen, das wir ihnen und sie sich selber hinhalten, machen wir uns keine Gedanken. Nur die Miasmen drücken sehr auf die Stimmung.

Doch ganz untätig wollen wir nicht bleiben und nur zusehen, wie sie aus unserer Küche einen Augiasstall machen, deswegen probieren wir es mit der Moroschen Karottensuppe, von der wir ihnen nun immer ein Löffelchen eine halbe Stunde vor dem Frühstück geben. Die Morosche Karottensuppe ist ein uraltes Hausrezept, für das die Karotten mindestens 90 Minuten gekocht werden müssen. Durch das lange Kochen entstehen Oligosaccharide, die von der Struktur den für die Erreger bestimmten Rezeptoren der Darmwand zum Verwechseln ähneln, weshalb sich die Erreger nun nicht an der Darmwand, sondern an diesen Zuckermolekülen niederlassen und mit diesen gleich wieder hinten hinaus abserviert werden. Tatsächlich haben wir den Eindruck, dass die Kinderkacke nachmittags schon deutlich schnittfester ist.

Hedda und Hallodri mit der KalbshaxeHedda und Hallodri mit der KalbshaxeWenig nahrhaft, aber ein Aufreger ist der originale Kalbsfuß mitsamt Fell, den wir den Hallodris servieren. Erst ist er ganz hin- und hergerissen, der Hax, irgendwann wird er dann in einer Gartenecke die Beute eines weltvergessenen Nagers. Noch nie haben Welpen einen solchen Kalbshaxen bei uns kleingekriegt, aber er fördert die Beharrlichkeit, sich an etwas Begehrtem festzubeißen und so lange daran zu arbeiten, bis ein Erfolg zu verzeichnen ist. Für die Hunde kann so ein nachhaltiges Dranbleiben von größtem Wert sein, von ihren späteren Besitzern erwarten wir dafür kein Sonderlob. Spätestens, wenn die ersten Manolo-Pumps in aseptische Einzelteile von Erbsengröße geraspelt sind, hält sich die Begeisterung über die Hartnäckigkeit des neuen Familienmitglieds in engen Grenzen. Aber wir sind für die Lebensfähigkeit unserer Welpen verantwortlich, nicht für die von Luxusschühchen und das seelische Gleichgewicht von Hundenarren.

Fianna und ihre WelpenFianna hat noch H-MilchNoch immer – wir gehen stramm auf das Ende der 7. Woche zu – kann es Fianna nicht lange ohne ihre Kinder aushalten. Noch immer gibt sie beim Spaziergang an jeder Ecke Gas in Richtung Heimat. Und der Vize gibt ihr nach, nicht zuletzt, weil auch ihn das Sauwetter nicht länger als nötig im Freien hält. Für Fianna wäre das unter normalen Umständen allerdings kein Grund, den kurzen Weg nach Hause einzuschlagen. Kaum zurück, stellt sie sich und serviert wieder die begehrte H-Milch. Dass da immer noch was kommt!

Das Mistwetter beginnt morgens bei 6° C locker bewölkt mit blauen Flecken und einem Wind, der den Hallodris Schleifchen ins Fell knüpft. Ab Nachmittag fährt der Himmel schwere Wolkenlast auf. Ihr folgt der Regen, der mitunter zur Dusche wird. Für die Hallodris bedeutet das, dass sie sich anfangs noch draußen unter dem Balkon aufhalten können, weil es nicht kalt ist. Als aber der Wind gegen 19:30 Uhr den Regen bis an die Hauswand treibt, ist die Freiluftsaison bis auf Weiteres beendet. Wir beschweren uns trotzdem nicht: Es ist tatsächlich das erste richtig schlechte Wetter, seit die Kinder draußen sein können.

Wir nutzen die Gelegenheit und legen den schlummernden und träumenden Hallodris erstmals ihre Halsbänder an. Die merken nichts, und wenn sie aufwachen, werden sie sich wundern und kratzen. Und bevor hier die Lichter ausgehen, machen wir sie wieder ab, damit sie sich nicht verletzen oder gar am Halsband durch die Küche zerren. Denen ist alles zuzutrauen.

 

Ostersonntag, 16. April 2017

Der Osterhase irrt durch das garstige Osterwetter und steht pudelnass und zerzaust vor unserem Garten, um den Hallodris ein paar Eier zu legen, aber die sind im Haus, und wir sagen ihm, dass er die anderen Kindern beschenken soll, wir haben ja schon die von Alexandra. Da trollt er sich und ist vermutlich ganz froh, dass er in dem miefigen Garten nicht herumhopsen und liefern muss.

Es ist einfach nur grau draußen, dick bewölkt, und Regen ist der Hauptgast an diesem Ostertag. Die 6° C sind bei dem mitgelieferten Wind auch keine Einladung für unsere Hallodris, sich im Freien aufzuhalten. Wir müssen sie also ein wenig bespielen, damit sie keinen Lagerkoller bekommen.

ZHobo vom Bairischen BluesHobo bei der Morgenbambuleum Morgenappell und zum Putzen sind sie allerdings draußen unterm Balkon, unter den wir ihnen die neue Liege schieben, was zur Folge hat, dass sich die Bande am Ostersonntagmorgen um 7 Uhr einen heißen Kampf um die Plätze auf oder unter der Liege liefern. Und sie streiten nicht lautlos. In unserem Garten geht es zu wie am Hamburger Fischmarkt. Da bleibt kein Auge trocken und vor allem kein Nachbarauge im Schlaf geschlossen. Wir müssen ihnen die Liege wieder wegnehmen und legen dafür zwei Vetbeds aus. Um die lohnt es sich nicht zu streiten. Und schon ist wieder Ruhe. Der Osterhase schüttelt nur den Kopf und ist froh, dass er dieser Schlägertruppe entkommen ist.

Der Durchfall gehört so ziemlich der Vergangenheit an, möglicherweise wegen der Karottensuppe, aber trotz der Inflation von Knabberstangen und Pansenstangen unserer Besucher und der nahrhaften Kalbshaxe. Auf der Waage summiert sich diese Völlerei zu nahezu 4000 Gramm Gewichtszunahme, was nichts anderes ist als ein Gewichts-Tsunami, eine gewaltsame Befreiung vom Fastenkorsett. 3970 Gramm sind es exakt, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Möglicherweise müssen wir unseren Hallodris doch Abbitte leisten mit unserem Vorwurf, sie hätten nicht gefastet; wenn das hier halbwegs normal sein sollte, dann hat sogar der Kalorienstaubsauger Hobo gestern noch gefastet, auf seinem Niveau eben. Aber das dürfte man ihm nicht verübeln.

Die Urgewalt dieses Fastenbrechens lässt sich am besten darstellen, wenn man ganz unten anfängt, beim Kaloriensparmodell des Tages, und das ist Hartl mit 270 g. Er bleibt mit 5500 Gramm auf dem 2. Platz. 280 g meldet Hugo, der es damit nicht schafft, seinen 3. Platz zu verteidigen, sondern auf Rang vier abfällt (5430). Dass Hallodri mit vergleichsweise schwächlichen 290 g seinen Sonnenplatz nicht verliert, weiß jeder, der dessen Polster im Kopf hat und rechnen kann (5890). Hubsi ist dagegen ein hoffnungsloser Fall: Selbst mannhafte 310 g lassen ihn noch Boden verlieren (4420). Mit 320 g schafft es Hobo, sich an Hugo vorbei auf den 3. Platz zu schieben (5450). Hias versucht, sein Image als Spargeltarzan gar mit 360 g aufzupolieren und bleibt mit 4960 Gramm dennoch auf dem drittletzten Platz hängen. 380 g lässt Halina registrieren, schafft damit zwar die Fünf-Kilo-Marke, aber auch keinen Schritt nach oben (5120). Ab jetzt wird es adipös. 400 g sind für ein zartes Geschöpf wie Hedda fast schon monströs, schließlich hat sie sich an diesem einen Tag fast ihr Geburtsgewicht von 450 Gramm aufgebürdet. Ein Weg aus der Positionskrise ist es an einem solchen Tag der Maßlosigkeit dennoch nicht; sie bleibt mit 4950 Gramm noch unter der Fünf-Kilo-Marke und Vorletzte, legt aber ein bisschen mehr Abstand zwischen sich und Hubsi, was weder ihr noch ihm hilft, beziehungsweise schadet; reine Ergebniskosmetik. Es ist schwer vorstellbar, dass man mit 420 g einen Platz einbüßen kann – Hakuna vollbringt das Kunststück, weil es noch skrupellosere Futterverwerter als sie gibt: 5230 Gramm und einen Platz von sechs auf sieben runter. Fehlen uns noch zwei Mitwirkende an diesem wirklich hinterletzten Abendmahl. Harpo fehlt noch, der Schelm, dem seine Schwester Hetty einen üblen Streich spielt. Man kann sich vorstellen, wie es ihm heute Morgen auf der Waage zumute gewesen sein muss, als er seine Differenz von 440 g auf dem Display aufflackern sah, rot unterlegt wegen Überschreitung des zulässigen Tagesbedarfs, und dann mitgeteilt bekam, dass ihn diese Ergebnis vom fünften auf den sechsten Platz verbannt! Er schrie nach einem Eichmeister, um das Ergebnis anzufechten, aber es konnten keine Messfehler nachgewiesen werden: Seine Schwester Hetty ging als Schwergewichtsmeisterin des Blues aus der Rallye: 500 g! Ein halbes Kilo! Und Aufstieg von Platz sieben auf Platz fünf mit 5300 Gramm. Liab's Herrgöttle von Biberach! Das Verstörende an dieser Bilanz ist, dass man den Hallodris diese Leibesfülle nicht ansieht, sogar der sogenannte Berggorilla sieht nur wie ein männlicher Hovawartwelpe in der 7. Woche aus.

Wir beschließen, dass das ersehnte Osterlamm heute ausfällt und kredenzen ihnen das, was sie eigentlich in der Fastenzeit hätten bekommen müssen: Gekochten Fisch mit Kartoffeln und Karotten. Wohl bekomm's.

Das Bunny ist erlegtDas Bunny ist erlegtAls Hias und das BunnyHias unternimmt einen StresstestDas OsterbunnyDas Osterbunny stellt sich vorOstergeschenk bekommt heute das rosarote und monströse Osterbunny seinen Auftritt, das sie sich sofort in Mannschaftsstärke zur Brust nehmen, während der gleichzeitig zugeführte Orka Willy links und rechts liegen gelassen wird. Die Vorgänger der Hallodris stürzten sich mit Verve auf Willy, diese hier nehmen ihn kaum zur Kenntnis. Vielleicht liegt es ja an Ostern, dass Bunnys besser ankommen als Killerwale.

Das Ende des BälledomsDas unwürdige Ende des BälledomsDas miese Wetter und der Regen zwingen uns heute wieder zur Käfighaltung, was zweierlei zur Folge hat. Erstens: Die Hallodris sind unleidig und nörgelig, krakeelen dauernd herum und gehen uns auf den Nerv. Und zweitens: Sie vergreifen sich am bisher heiß geliebten Bälledom und vergewaltigen ihn. Wie eine Horde Bandidos stürzen sie sich auf ihn, versudeln ihn und die Bälle mit ihren Exkrementen, verteilen die Pampe gleichmäßig und falten ihn versandfertig zusammen. Wir sehen für ihn keine Chance auf Genesung mehr, schaffen ihn ins Auslieferungslager und bringen die Bälle zur Grundreinigung in die Hundedusche. Weil er auch unzählige Zahnmarken und Laufmaschen hat, glauben wir, dass wir uns schon nach einer Spielzeit von ihm wieder verabschieden müssen. Er hat uns und den Hallodris viel Freude bereitet und die Küchenromantik spürbar erhöht, aber jetzt ist mit ihm kein Staat mehr zu machen; der Dom hat seine Schuldigkeit getan, der Dom muss gehen.

Um die sich im Haus dahinschleppende Zeit mit Sinn zu füllen, klemmen wir uns die Hallodris einzeln unter den Arm und bringen sie zu Einzeltests ins Dachstudio. Dort waren sie noch nie, dort finden sie einen Raum mit 60 m2 vor, in dem alles Mögliche herumsteht: Erstaunliches, Beunruhigendes, Fremdes, Beeindruckendes und Verlockendes, vor allem aber – viel. Der Test läuft so ab, dass der Vize und Chronist mit der Kamera still in einer Ecke hockt, der Fernseher läuft, die Chefin den Probanden oder die Probandin ins Studio holt, absetzt und einfach machen lässt. Sie setzt sich daneben und macht sich Notizen. Später bringt sie Bälle und ein Baby-Beißkissen ins Spiel.

Die erste Kandidatin ist Hedda, weil sie nicht schläft und sich naseweis wichtig macht. Hedda schaut sich einen Moment um und stapft dann vorsichtig los, mal hier hin, mal dort hin. Die Rute ist in Wohlfühlstellung, Hedda ist mehr entspannt als Hedda vom Bairischen BluesHeddaHedda vom Bairischen BluesHeddagespannt. Auf ihrem Weg vorbei an der Chefin begrüßt sie diese mit einem kleinen Nasenstüber, greift sich ihren Kuli vom Boden, trägt ihn eine Runde im Kreis herum und bringt ihn ihr zurück. Als die Chefin zwei Bälle hervorzaubert, kugelt sie diese eifrig durchs Studio. Das zum Schluss angebotenen Baby-Beißkissen bekommt einen ordentlichen Anbiss und wird auch herumgeschleppt. Und auch der Vize wird noch begrüßt, damit er in seiner Fotonische nicht an gebrochenem Herzen verscheidet. Das war eine beeindruckend souveräne Vorstellung; man darf eben nicht unterschätzen, was es bedeutet, plötzlich in ein völlig unbekanntes Terrain mit lauter unbekannten Bauteilen versetzt zu werden. Hedda legt die Latte ganz weit oben auf.

Hetty vom Bairischen BluesHettyHetty vom Bairischen BluesHettyKandidatin Nr. 2 ist Hetty. Auch sie orientiert sich kurz und marschiert dann los. Sie arbeitet die interessanten Studiobereiche intensiver ab als Hedda, verweilt länger und vertieft sich stärker. Sie arbeitet den Raum ziemlich systematisch ab, jammert gelegentlich, geht auch mal Energie bei Frauchen tanken, sieht sich aber alles sehr genau an, ist dabei jedoch immer leicht in Spannung. Entspannung hofft sie in der intensiven Beschäftigung mit Pflanzen und deren Verkostung zu finden. Besonders fasziniert ist sie von den Fernsehbildern, die sie immer wieder magisch anziehen. Der Ball kommt ihr beim ersten Kontakt auch ein bisschen spanisch vor, geht dann aber befreit und gelöst auf ihn ein, spielt mit ihm und trägt ihn genauso umher wie anschließend das Kissen. Keine Leistungsabzüge, alles unerhört prima, weil es völlig normal ist, wenn ein Welpe sich einer neuen Umgebung mit Umsicht nähert.

Halina vom Bairischen BluesHalinaHalina vom Bairischen BluesHalinaDas Damengambit setzt sich mit Halina fort. Sie fühlt sich während des Transports ins Dach nicht ganz wohl und klammert. Oben angekommen holt sie sich erst Kraft beim Vize, wedelt ihm freudig zu und geht ihn besuchen. Dann geht auch sie auf die Rundreise, ebenfalls intensiv wie Hetty, interessiert sich aber nicht mehr für uns; sie braucht uns jetzt nicht mehr, ist viel zu sehr beschäftigt und abgetaucht. Als sie bei der Chefin vorbeikommt, nimmt sie ihr auch den Kuli weg, findet aber keinen Gefallen an ihm und lässt ihn wieder fallen. Ähnliches zeigt sie bei den Bällen und der Beißwurst: Sie ist interessiert, spielt damit, solange sie animiert wird, alleine ist sie daran nicht interessiert: Halina steht definitiv nicht auf tote Beute, sie sollte sich schon bewegen.

Hakuna vom Bairischen BluesHakunaHakuna vom Bairischen BluesHakunaLetzte Dame ist Hakuna. In der Orientierungsphase, bevor sie sich umschaut, nimmt sie schon Witterung auf und schnüffelt herum. Dann läuft sie los, schnell und doch vorsichtig. Sie überstürzt nichts, ist aber offen für das, was kommt. So ambivalent geht es weiter: Einerseits trägt sie die Rute wie einen Flaggenmast, andererseits muss sie sich immer wieder verlegen kratzen. Als Kraftspender scheint ihr Chefins Kuli gerade recht zu sein; sie greift ihn sich und trägt ihn durchs Studio, schaut sich mit ihm intensiv um. Der Ball ist sofort ihr Freund, nur ungern gibt sie ihn wieder heraus, was ihr Probleme bereitet sich zu entscheiden, als der zweite Ball dazu ins Spiel kommt. Auch das Beißkissen macht ihr sofort Laune auf ein zickig-zackiges Zerrspielchen. Mon dieu!

Hartl vom Bairischen BluesHartlHartl vom Bairischen BluesHartlUnd nun: Hartl. Der Knirps pflanzt die Rute auf wie ein Bajonett und stapft los. Allerdings führt ihn sein erster Weg zum Vize und auf dessen Schoß, kurz innehalten, Kraft tanken und so tun, als ob das zum Programm gehörte. Aber viel Zeit verspielt er mit diesem Zwischenstopp nicht, macht sich gleich wieder auf den Weg durch den neuen Orbit: alles spannend, alles cool. Auch das Angebot von Bällen und Beißkissen nimmt er ohne Zögern an, geht darauf ein und lässt sich nicht zweimal zum Spielchen bitten. Er legt während des Spiels immer mehr zu, baut immer mehr Trieb auf. Dieser Hartl hat noch Reserven.

Hugo vom Bairischen BluesHugoAlsHugo vom Bairischen BluesHugo nächsten Kandidaten bitten wir Hugo in den Ring. Er macht es nicht anders als seine Geschwister: schaut sich kurz um und geht los. Auch er wählt als ersten Boxenstopp den Schoß des Vizes, lässt sich bestätigen, dass er ein gaaanz toller Hecht ist und geht dann weiter seine Runde, bei der er anfangs noch ein wenig unsicher ist, dann aber schnell die Rute nach oben bringt und seine Kreise zieht. Aufs Ballspiel und das Beißkissen lässt er sich ebenfalls problemlos ein, macht aber die Kiefer nicht richtig zu; ihm sind Menschen wichtiger als Bälle und Zerrzeug. Deswegen steigt er der auf dem Bauch liegenden Chefin auf den Rücken und schaut ihr über die Schulter beim Schreiben zu. Er will genau wissen, was sie über ihn zu berichten hat. Bestimmt nix Schlechtes, so viel ist sicher.

Hias vom Bairischen BluesHiasHias vom Bairischen BluesHiasMit Hias geht es weiter und hört für heute auf, weil während seiner Examination Besuch kommt. Hias gibt gleich Gas, jammert zwar ein bisschen dabei, aber man kann nicht sicher sein, ob es ein Jammern ist oder ob er sich einfach nur Mut zuspricht. Die Rute trägt er jedenfalls wie eine Antenne und unbegutachtet lässt er nichts. Der Chefin klaut er den Kuli, bringt ihn ihr auch wieder zurück, frisst ihr dafür den Schreibblock unter den Fingern weg. Als die Chefin dann den Besuch einlässt und er mit dem untätigen Vize allein ist, nimmt er die Dinge selbst in die Hand, holt sich einen herumliegenden Ball, treibt ihn durchs Studio, angelt nach dem zweiten, wenn er gerade neben ihm auftaucht, und auch das Beißkissen bekommt den einen oder anderen Freiflug. Der braucht keine Chefin, keinen Vize, der ist sich selbst genug und weiß etwas mit sich anzufangen. Potz Abraham und Zauberstab!

Wegen des Besuchs ist nun Schluss, die anderen müssen warten. Damit ihnen die Wartezeit nicht zu lang wird, bekommen sie noch schnell die dritte Entwurmung, diesmal mit Milbemax, das nur an einem Tag gegeben werden muss. Damit haben wir auch diese Pflicht rechtzeitig genug vor dem Impftermin nächsten Freitag erledigt.

Und draußen tanzt der Regen Polonaise. "Regnet's stark zu Albinus, macht's den Bauern viel Verdruss." Hat schon was, wenn man kein Bauer ist.

 

Ostermontag, 17. April 2017

Der Vize lässt es sich nicht nehmen, heute Morgen der Gewichtskontrolle beizuwohnen, um zu sehen, ob der Zunahme-Tsunami wieder über die Waage schwappt oder vielleicht doch ein wenig Bauchgrimmen seinen Tribut fordert. Beeindruckend ist die Souveränität der Hallodris auf der Waage. Wenn jemand der Ansicht sein sollte, dass man von Welpen am Ende der siebten Woche doch wohl erwarten könne, kein Problem auf einer Waage zu haben, ist das ein Irrtum. Unsere Hündinnen haben wenig Welpen gebracht, die leicht zu beeindrucken oder ängstlich waren, aber es gab immer welche, die sich auf dieser Babywaage, oben auf dem Küchenblock oder dem Gartentisch, lange oder bis zum Schluss nicht wohlfühlten. Und wir erinnern uns eine ein paar wenige, die bis zum letzten Tag mit weichen Knien wie Schmidtchen Schleicher auf der Waage standen, zitterten und jegliche Bestechung ablehnten. Doch die Hallodris stehen da und mampfen ihre Platinumstückchen, lässig und locker, als wäre es ein kleines Amuse-Gueule vor dem Frühstück. Keiner hat die Rute unten, keine versucht, das wacklige Schiff zu verlassen und wenn der Versuch doch gemacht wird, dann, weil die Leckerli aufgesaugt sind, die Chefin aber wegen der hippeligen Ladung zu keinem eindeutigen Ergebnis kommt und die Kandidaten länger als es denen lieb ist dort oben festhält. Das alles bestätigt die unerschrockene Performance der ersten Testkandidaten gestern im Studio.

Die Gewichte zeigen die erhoffte Normalisierung; vermutlich geht es den Hallodris wie uns nach ein paar üppigen Tagen. Nur Halina füttert möglicherweise einen Bandwurm, sonst würde sie nicht schon wieder mit 310 g in die Registratur kommen. Gestern 380, heute 310, das sind 690 g an zwei Tagen. Da liegt eine Karriere als ukrainische Traktoristin nahe. Für sie bedeutet das heutige Ergebnis 5430 Gramm und Aufstieg von Platz acht auf fünf. Das deutet an, dass sich die anderen etwas mehr zurückgehalten haben müssen. Die nächste Hausnummer liefert Hartl mit 280 g, was sich bei ihm auf 5780 Gramm summiert und ihm den zweiten Platz sichert, nur noch 220 g hinter Hallodri. Der lässt es nämlich gerade etwas gemächlicher angehen und begnügt sich mit 110 g, und die tragen ihn auf glatte sechs Kilo. Tärä! Eine engagierte Leistung muss man auch Hias mit 240 g konstatieren, die ihm 5200 Gramm eintragen und seinen Lieblingsplatz Number Hakuna und Fianna vom Bairischen BluesFiannas Morgenpflege bei HakunaNine sichern. Den Rest beten wir jetzt runter: 3. Platz Hugo (5630, +200), 4. Platz Hobo (5610, +160), 6. Platz Harpo (5420, +140), 7. Platz Hetty (5300, 0), 8. Platz Hakuna (5280, +50), 10. Platz Hedda (5100, +150) und 11. Platz Hubsi (4600, +180).

Das Osterwetter ist immer noch engagiert, auch den letzten widerborstigen Hasen in seine Kate zu treiben. Morgens ist es kalt, stark bewölkt und windig bei 4° C, im Tagesverlauf wird es zunehmend regnerisch bei nicht mehr als 7° C, bis sich er Regen in eine stürmische Wasserfront verwandelt, die die Hallodris selbst in der Deckung unterm Balkon durchnässt. Das bedeutet wieder Kasernierung. Das bedeutet wieder nörgelige und zickige Kinder. Aber das heißt auch, dass wir das Hallodri-Assessment im Dachstudio fortführen können.

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiHubsi vom Bairischen BluesHubsiHeute beginnen wir mit dem Rotlichtträger Hubsi. Er geht die Sache etwas vorsichtig an, weiß nicht so recht, was wir da mit ihm planen. Als wir ihn jedoch ansprechen, ist er sofort Feuer und Flamme, wedelt mit dem ganzen Körper wie eine Vogelscheuche im Sturm und stürzt sich auf uns. Hubsi ist ein Philanthrop wie Hugo; erst der Mensch und dann sein Sach. Getrieben von seiner Neugier, macht er sich nach der Begrüßung auf den Weg und versucht, alles aufzunehmen und sich einzuprägen, langsam und intensiv. Jetzt nimmt er von uns nur noch beiläufig Notiz. Auf das Ballspiel steigt er sofort ein, wird dessen aber auch genauso schnell wieder überdrüssig. Das Beißkissen dagegen erklärt er zu seinem besten Freund, da kontert er wie ein Profi und will es nicht mehr herausgeben. Dass er mit seinen Zähnen umzugehen weiß, hat nicht nur der Vize schon am eigenen Leib spüren dürfen. Für einen, der unzweifelhaft zwei bis drei Tage nach den anderen in Produktion gegangen ist, also um diese Zeit jünger ist, was sein Federgewicht erklärt, aber auch die immer noch eindeutig kleineren Zähne belegen, ist eine solche Vorstellung sehr beeindruckend, weil in dieser Entwicklungsphase zwei oder drei Tage einen enormen Unterschied bedeuten. Wir stellen Hubsi ein sehr vielversprechendes Zeugnis aus.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodriHallodri vom Bairischen BluesHallodriWenn man acht sich sehr gleichende Vorstellungen gesehen hat, will und muss man natürlich die Unterschiede herausarbeiten, um überhaupt differenzieren zu können. Deswegen holen wir nun als Kontrastangebot nach dem Nachzügler die Dauervorhut: Hallodri. Er hält sich nur sehr kurz mit der Orientierung auf und läuft dann sehr zielstrebig in alle Ecken davon. Dabei ist er der Erste, der sich auch die ganz finsteren Ecken vornimmt und auch dabei gelassen und unaufgeregt bleibt. Das in der dunkelsten Studioecke liegende japanische Sitzkissen erwählt er sich als Feldherrnhügel, um die Lage von oben herab zu überblicken. Das Prüfungsteam begrüßt er im Vorübergehen freundlich, aber geschäftig, soll heißen: keine Zeit, ich komm später auf euch zurück. Die ganze Zeit ist er schnell auf seinen Beinen unterwegs, ohne dabei getrieben oder hektisch zu wirken. Auf die Spiele geht er auch sofort ein, bringt allerdings die Beute nicht zurück, sondern sichert sie. Eine ausgereifte Vorstellung.

Harpo vom Bairischen BluesHarpoHarpo vom Bairischen BluesHarpoNun Harpo. Man möcht fast sagen, auf Groucho folgt Harpo, nach dem gewichtigen und souveränen Chef kommt der Hansdampf und Oberschelm. Er findet nicht einmal die Zeit, einen Blick rundum zu senden, sondern läuft sofort in die Richtung los, in die er zufällig gestellt wurde. Auf seiner sehr zügigen Rundreise macht er einen Zwischenstopp auf dem Schoß des Vize, hält ein Pläuschchen und ist wieder weg. Feldherrnhügel überlässt er Wichtigeren, dafür hat er einen Sinn für die kleinen Dinge des Alltags, z.B. die Flasche Maxlrainer Weißbier unterm Glastisch. Die hat bisher noch keinen der Hallodris interessiert, aber Harpo entdeckt sie und macht ihr seine Aufwartung. Er ist ein Kobold auf Betriebstemperatur, er galoppiert herum, macht den Affen und ist in jeder Phase seines Tests völlig unbekümmert. Den Bällen ist er sofort hinterher und treibt sie durchs Studio, so, dass wir völlig überflüssig sind, weshalb wir ihn ans Beißkissen locken, was er ebenso offenherzig annimmt wie alles andere. Er ist wirklich ein sensationell fröhlicher und unbekümmerter Tropf ohne Hemmungen, Allüren und Flausen.

Hobo vom Bairischen BluesHoboDerHobo vom Bairischen BluesHobo letzte Auftritt gehört Hobo. Der bleibt erst einmal stehen und schnüffelt seinen Standort ab, dann geht er los. Hobo wedelt und sieht sich um. Hobo klettert auf Schöße, verteilt Liebesbriefe, wedelt und wandert weiter. Hobo wedelt und entführt einen Kugelschreiber. Hobo vergreift sich an Grünpflanzen und wedelt. Dabei betritt er allerdings nie die äußeren und finsteren Lebensräume, sucht hingegen immer mal wieder die Nähe der Tür, durch sie er hereingetragen wurde. Mit den Bällen freundet er sich sofort an, dem Beißkissen kann er anfangs nicht viel abgewinnen, lässt sich aber schnell überzeugen, es mit ihnen zu versuchen, was ihm dann auch Spaß bereitet, unbefangen ist er dabei jedoch nicht. Hobo verkörpert heute den interessiert offenen, aber bedächtigen Typ. Er wäre in der heutigen Verfassung erste Wahl für viele Hundesportler, die sich nämlich entgegen der allgemeinen Meinung nicht für den Kamikaze-Typ entscheiden, der mit verbundenen Augen auf Kommando von der Brücke springt, sondern eher für den kontrollierten Typ, der sich den Dingen offen und interessiert, aber mit Bedacht nähert. Solche Hunde haben für den Sport häufig den längeren Atem und mehr Tiefgang. So gesehen hat Hobo heute das kleine Sportabzeichen abgelegt.

Was wir gestern und heute gesehen haben, ist äußerst ungewöhnlich und fast beängstigend souverän, andererseits darf man nie aus den Augen verlieren, dass wir über 50 Tage alte Welpen reden. Bewertungen und Einschätzungen sind eine Momentaufnahme, der typische Charakterzüge zugrundeliegen, die aber nicht als Wechsel auf die Zukunft verstanden werden darf. Es ist eine sehr beeindruckende Basis vorhanden, gefestigt oder festgelegt ist nichts. Dieses Potential kann zum Blühen oder zum Welken gebracht werden. Aber was in ihnen steckt und was aus ihnen werden kann, haben die Hallodris eindrucksvoll gezeigt.

Der Rest des Tage spielt sich heute vorwiegend in Küche und Transit und ohne nennenswerte Ereignisse ab, die Outdoor-Phasen sind meist kurz und eher garstig. Diese Konstellation ist besonders unangenehm, weil Harpo und Halina wieder einmal Durchfall haben, breiige Grüße aus Darmstadt, ohne klinische Begleiterscheinungen. Aber in der Küche und im Transit gehören sie nicht zu jenen Gaben, die das Osterfest ideal beschließen.

 

Dienstag, 18. April 2017

Der Vize schaut frühmorgens mit verkleistertem Blick aus dem Fenster und denkt, ihn laust der Hase: Hat doch der vermaledeite und frustrierte Osterhase sämtliche Puderzuckerreste für die nicht abgerufenen Osterlämmer im Hallodrigarten entsorgt. Da ist ja alles weiß; Puderzucker, keine Frage, der ganze Garten kandiert. Spinnt das Bunny jetzt komplett? Erst als sich die Schlafjalousetten vor seinen Pupillen heben, wird ihm klar, dass er dem Hasen Unrecht tat: Das ist Schnee! Und der fällt auch noch in Schneefetzen so groß wie Kartoffelchips aus allen Wolken. Zwischendurch schauert es, dann schneeregnet es. Der Winter ist zurück; in Garmisch-Partenkirchen mit 30 cm Neuschnee, in Rottach-Egern, nur eine kräftig ausgestreckte Armlänge von hier, auch noch mit 15 cm. Im Mangfalltal reicht es nur zu einem Zuckerguss. Dieses Treiben zieht sich weit in den Nachmittag hinein, dann erst löst sich der eisige Deckel in Wolken mit Sonne auf, allerdings auch mit viel Wind. Und abends bleibt der Papp, der dann wieder über uns kommt, bei 0° C liegen. Schöne Nachbescherung.

Wegen der hohen Feuchtigkeit und der Morgentemperaturen um 0° C müssen wir die Hallodris nach dem Putzen gleich wieder ins Haus holen. Obwohl wir gerade dabei sind, ihre Leben, mindestens aber ihre Gesundheit, zu retten, stimmen sie ohne Verzug ein gellendes Kakadu-Konzert an: Wir sind das Volk, wir wollen raus, wir sind das... Und während die einen an den Grenzanlagen kreischen und sich das Volk nennen, verscheißen die anderen ihr Staatsgebiet, das frisch geputzte, wohlgemerkt. Das Volk, das selbsternannte, ist dümmlich meist, immer aber laut und dreist. Und das Staatsoberhaupt erkennt die Vergeblichkeit des guten Tuns. Dabei fallen ihm, etwas verspätet, die zwei Kernsätze des Karfreitags ein, "Es ist vollbracht", was sich im vor-liegenden Fall auch mit "es ist prachtvoll" übersetzen ließe und "Noch heute werdet ihr mit mir im Paradiese sein". Das aber würde voraussetzen, dass er des Lebens überdrüssig wäre. Davon kann keine Rede sein, schon aus purem Trotz nicht. Dorthin senden würde er das ganze Pack allerdings leichten Herzens. Express mit UPS (Universal Paradise Service).

Zur Beruhigung der Gemüter bietet sich das Wiegeprotokoll an. 2060 sind nach dem Exzess von vorgestern und dem Reduktionstag gestern eine vernünftige Marke. Dabei dürfen wir nicht außer acht lassen, dass Harpo und Halina wieder Durchfall hatten, was sich prompt auf deren Ergebnis niederschlägt. Harpo liefert heute 80 g mehr als gestern, was für einen Diarrhoe-Hollaraiduljöh gar nicht so übel ist. Mit 5500 Gramm rutscht er vom 6. auf den 7. Platz. Bei Halina macht sich der Durchfall deutlicher bemerkbar: 50 g und 5480 Gramm. Die Konsequenz ist ein Durchfall von fünf auf acht. Überhaupt keine Kenntnis hatten wir von einer Unpässlichkeit Heddas, die uns mit nur 30 g beglückt, dabei sieht sie uns an, als Hias vom Bairischen BluesHiaswollte sie ein Kompliment über ihre Modelfigur hören: 5130 Gramm, 10. Platz, wie gehabt. Was soll das Gehabe? Im Weiteren verfolgen wir das Protokoll von links nach rechts, also in der Reihenfolge der Erdenfahrt unserer Hallodris. Hartl meldet 200 g an, die ihn auf 5980 Gramm anwachsen lassen und weiterhin zum ersten Anwärter auf die Thronfolge machen (2. Platz). Das kann Hias trotz seiner 260 g nun wirklich nicht von sich behaupten. Ihm geht es ähnlich wie Hubsi: Er gibt sich Mühe und sieht kein Land (5460, 9. Platz). Da geht es Hakuna deutlich besser, weil im Mittelfeld Bewegung ist, während die Ränder festgefügt sind. Sie kommt gar mit 290 g mehr auf die Waage. Die 5570 Gramm tragen sie von Platz acht auf sechs. Hugo gibt sich dagegen mit seinen 140 g eher zugeknöpft. Zur Strafe rutscht er von drei auf vier (5770). Hedda haben wir bereits besprochen. Hubsi liefert 100 g, zu wenig, um des Vizes Vorhersage Wirklichkeit werden zu lassen, aber genug, um stetig an seiner Rüdenwerdung zu arbeiten (4700, Rotlicht). Hetty hat so etwas Maßloses und Unstetes, sie ist der lebende Jo-Jo-Effekt der Hallodris. Heute bereichert sie das Tableau mit 330 g (5630) und ihrem Aufstieg von sieben auf fünf. Halina und Harpo haben wir auch schon abgearbeitet. Fehlen noch Hobo und Hallodri. Hobo meldet 210 g, was ihm mit 5820 Gramm den 3. Platz von Hugo einbringt. Und wenn zwei sich ums Besteck rangeln, löffelt der Dritte die Suppe aus: Hallodri. Mit 370 g zeigt er, dass er immer kann, wenn er will und keiner glauben soll, dass er ihm irgendwann das Fett von eben jener Suppe abschöpfen kann: 6370 Gramm und up, up and away.

Die RampeRampensauAls nachmittags das Wetter zwar frisch, aber sonnig ist und die Hallodris ihren Garten genießen können, lassen sie richtig die Sau raus (offensichtlich fehlt ihnen ein tierischer Spielpartner, weil in den letzten Tagen der Hase ein Totalausfall war). Gerade haben sie noch gekuschelt und jetzt geht die Post ab; vermutlich haben sie beim Kuscheln nur die Muskeln Hetty und Hartl vom Bairischen BluesHetty und Hartlvorgeglüht. Der echte Bringer ist die neue Rampe, mit der sie erstmals in luftige Höhen von etwa 50 cm klettern können – und beim Absturz auch noch die Lacher auf ihrer Seite haben. Das Motto des Tagesbildes "Young Fast Loud" füllen sie heute Nachmittag kompromisslos mit Leben, vor allem das loud hat es ihnen angetan. Es ist schon gut, dass der frische und windige Nachmittag niemand außer dem Fotofix des Blues auf einen Aufenthalt im Freien lockt. Da können sie krakeelen so lange sie wollen. Wir haben nur liebenswerte und absolut keine kleinkarierten Nachbarn, aber auch sie haben das Recht, nicht alles kommentarlos schlucken zu müssen, was ihnen eine Horde unerzogener Welpen zumutet. Wir haben allen Grund, uns bei dieser Gelegenheit auch mal bei der gesamten Nachbarschaft für ihr Verständnis herzlich zu bedanken.

Als der Abend vorangeschritten ist und die Hallodris die Küche belagern wie besoffene Landsknechte, erbricht Hetty einen großen schleimigen Berg undefinierbaren Inhalts. Das einzige, was der Vize in dem Pamp identifizieren kann, ist eine Art Knochenstück oder irgendetwas anderes großes Weißliches. Hetty geht es unendlich schlecht. Sie erbricht immer wieder Schleim, sie hat definitiv Schmerzen und jammert und wimmert. Die Chefin gibt ihr Nux vomica, um Magen und Darm zu beruhigen und nimmt sie zu sich ins Bett; Wärme und der Herzschlag der Chefin sollen Harpo vom Bairischen BluesHarpoihr helfen. Aber Hetty bleibt unruhig und fahrig. Wir machen uns richtig Sorgen, bringen sie jedoch wieder zu ihren Geschwistern und hoffen auf die Hilfe von Nux vomica; wenn es wirkt, hilft es relativ schnell. Gegen Mitternacht macht der Vize nochmal eine Visite bei seiner Patientin und findet sie zwischen ihren Geschwistern, entspannt auf der Seite liegend. Als er sie ein wenig berührt und streichelt, grunzt sie schläfrig und streckt sich mit Hakuna vom Bairischen BluesHakunaallen vier Beinen und einem Katzenbuckel, wie es Hunde tun, wenn sie sich entspannen. Das sieht wieder gut aus. Gegen ein Uhr wirft der Vize nochmal einen Blick auf Hetty und findet, dass sie zwischen ihren Geschwistern kaum mehr zu finden ist. Offenbar alles wieder gut. Wahrscheinlich hat sie ihrer Mama ein Stück ihres Kalbsknochen abgekupfert und einen deutlich zu großen Brocken geschluckt. Da hat auch ein Großer schon mal Aufruhr im Bauch.

Es geht in die finale Woche mit den Hallodris, da kann man auf solche Dramas gut verzichten, wo doch die ganze kommende Woche ein einziges Drama ist. Vor allem für die Welpenbesitzer, für die es nun heißt: Off Limits. Kein Zutritt mehr. Wir haben genug um die Ohren und um die Herzen. Was diese erleichtert, sind die ersten Schwalben, die uns gerade heute wegen der tieffliegenden Insekten im Tiefflug um die Nasen rauschen. Eine Schwalbe macht zwar keinen Sommer, füllt aber die Leere, die die überfälligen Nachtigallen und erfrorenen Kuckucke erzeugten. Und sie kündigen den Sommer an, die Zukunft, Glück und Wärme. Auch ohne Hallodris.


[1] Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage fasten. Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet!

 

8. Woche (19.04. - 24. 04. 2017)

Mittwoch, 19. April 2017

Schnee im WelpengartenSchnee für die HallodrisBeginnen wir die letzte Hallodri-Woche mit den wichtigsten Informationen zuerst. Hetty ist wieder wohlauf, putzmunter, frisst wie eh und je und mischt ihre Geschwister auf. Und zweitens: Es ist Winter. Es liegt Schnee im Paradies und es schneit weiter, immer wieder unterbrochen durch Schneeregen- und Graupelschauer. Man könnte nun klagen und das ungütige Schicksal vermaledeien, aber das tun wir nicht; wir hatten bisher die längste Zeit ideales Welpenwetter und außerdem hilft uns dieses Wetter, die Hallodris auch noch mit dem Winter bekannt zu machen. Sozialisierung so weit unser langer Arm reicht, und der reicht offenbar bis in die universale Wetterküche. Für unsere Welpen tun wir alles und sind uns für nichts zu schade.

Nach den tagesaktuellen Meldungen wenden wir uns der Routine zu, der Waage. 2860 Gramm bringen die Hallodris heute mehr auf die Waage, und es hat sich in der Reihenfolge eigentlich nichts verändert – wenn man davon absieht, dass Hetty vom 5. auf den 9. Platz durchgereicht wurde. Die abendliche Mehrfachübergabe hat sie mächtig Substanz gekostet.

Das kommentarlose Ergebnis: 1. Hallodri (6700, +330), 2. Hartl (6220, +240), 3. Hobo (6130, +310), 4. Hugo (6100, +330), 5. Hakuna (5750, +180), 6. Harpo (5730, +230), 7. Halina (5690, +210), 8. Hias (5680, +220), 9. Hetty (5670, +40), 10. Hedda (5500, +370), 11. Hubsi (5100, +400). Mit einem gewaltigen Satz wuchtet sich Hubsi über die Fünf-Kilo-Hürde, und auch Hedda lässt wissen, dass sie sich noch nicht für alle Zeiten mit dem Vor-Hubsi-Platz abfinden will.

Die Hallodris fahren ins GrüneTaxi ins GrüneWas zur oben hochgelobten Sozialisierung noch fehlt, ist eine Fahrt oder ein Spaziergang ins Grüne. Bis einschließlich zum F-Wurf konnten wir mit unserem Nachwuchs aus dem Haus und ein paar Meter um die Ecke gehen, und schon waren sie mitten im Grünen. Heute ist das Grüne zwar noch immer da, aber gleich nebenan auch eine neue Siedlung mit dem zugehörigen Verkehr. Elf Welpen auf diesem, wenn auch kurzen, Straßenabschnitt unfallfrei auf die Wiese zu bringen, ist zu riskant. Deshalb müssen wir etwa drei Kilometer fahren. Dort gibt es Wiesen, Felder und einen Modellflugplatz mit Parkplatz, ohne eine Straße in unmittelbarer Nähe. Außerdem nuschelt dort noch ein Bächlein durch die Wiesen, in dem die Hallodris auch mal baden gehen können, Harpo vom Bairischen BluesHarpo: "So, wo samma?"auch Die Überquerung des WassergrabensDie Überquerung des Wassergrabensim übertragenen Sinne, weil das Bächlein in einem Graben verläuft, in den man kopfüber purzeln kann. Alles in allem also beste Bedingungen für einen Wandertag. Problem 1: In unserem französischen Kleinwagen bringen wir keine elf Hallodris unter, wie früher im Carnival. Lösung: Hias' zukünftiges Hauspersonal bietet seinen T5 als Taxi und sich als Begleitung an. Angenommen. Problem 2: Das Wetter. Schneefall, Schneeregen und Graupel sind suboptimale Voraussetzungen für ein frohgemutes Stelldichein im Wald und auf der Weide. Lösung: Das WiesenwanderungAnspruchsvolles GeländeNHubsi vom Bairischen BluesHubsiiederschlagsradar der Chefin prophezeit für 11 Uhr eine größere Wolkenlücke, somit genug Zeit für einen nicht zu ausgedehnten Spaziergang, der sowieso nicht auf dem Programm steht. Kurz vor 11 Uhr fahren die vier Hiasls vor und die Hallodris werden verladen. Und los geht es. Die Hallodris sind sehr angetan und wenig aufmüpfig. Nach ein paar Minuten parken wir am Modellflugplatz, öffnen die Schiebetür des Transporters – und die elf hüpfen einer nach der anderen heraus, als erster der spärliche Hubsi. Und dann geht sie los, die Reise ins Ungewisse. Ein Sack Flöhe ist wenig herausfordernder als elf Heranwachsende zwischen Fluchtreflex nach Hause und dem Bedürfnis, sich in den SchneespaziergangAbwettern im SchneesturmGrSchneespaziergangaben stürzen zu wollen. In dieser Situation, die uns natürlich nicht fremd ist, sind wir für die acht Hände und Arme der Hiasls sehr dankbar. Wir bugsieren die Bande über einen schmalen Übergang hinüber auf eine ziemlich hochbewachse Wiese, was die Ortung der Hallodris noch schwieriger macht, weil sie in diesem Bewuchs fast verschwinden, dafür aber muskelkräftigende Sprünge machen müssen, um sich voran zu bewegen. Und dann setzt der Schneefall und der Graupel ein. Fragende Blicke in Richtung Chefin und deren Niederschlagsradar. Der Vize hat, aus schlechten Erfahrungen weise geworden, schon frühzeitig vor diesem Wetterpropheten gewarnt, aber wenn die Chefin an etwas glaubt, lässt SchneespaziergangAuslaufen auf dem Flugplatzsie sich darin nicht irre machen, auch wenn ihre Umgebung irre wird. Bald rotten sich die Hallodris wie eine Herde Büffel im nordamerikanischen Schneesturm zusammen, um sich zu schützen und zu wärmen. Doch wer ein echter bayerischer Hallodri sein will, muss auch unter einer Schneedecke überleben können. Weiter geht es, hundert Meter nördlich wieder zurück über den Graben und den Bach, immer auf der Hut, dass nicht doch noch ein Hallodri einen Köpfer macht, und nach einer halben Stunde werden alle wieder wohlbehalten verladen und ins Hallodri-Paradies chauffiert.

 

Hias vom Bairischen BluesDas habt ihr toll gemacht, HiasGut Hias vom Bairischen BluesHias hebt abhaben sie es gemacht, zusammen haben sie es gemeistert. Und wir danken den Hiasls für ihren Taxi-Service und ihre Unterstützung beim Flöhehüten. Nun hoffen wir, zu Hause ein wenig Ruhe zu haben, doch die Bande ist keineswegs ausgelastet und erschöpft, sondern tobt im Garten völlig befreit und quietschfidel weiter. Die sind einfach nicht tot zu kriegen.

Ein beliebter Stresstest für Welpen ist die Begegnung mit einer Rettungsfolie; erstens glitzert sie so erbarmungslos, zweitens knistert sie höllisch unter den Füßen und drittens muss sie sich Spiel mit der RettungsfolieDie Rettungsfolieunter Hobo vom Bairischen BluesHobo sichert sich ein Stück Foliediesen zarten, noch unbewehrten Welpenfüßen äußerst unangenehm anfühlen. Die Hallodris erledigen das Problem auf ihre Weise: Sie stürzen sich gemeinsam auf sie und zerlegen das glitzernde Bärenfell binnen Minuten. Ende. Keine Rettung für die Rettungsfolie. Wir fragen uns, wie diese Folie schon zwei Würfe überstehen konnte? Nun ist sie hin, hallodrisiert sozusagen. 

Spät nachts scheint dann allerding doch ein ohnmachtsähnlicher Schlaf über die Hallodris gekommen zu sein, denn als der Vize gegen Mitternacht seinen Kontrollgang macht, regt sich nichts in der Schlafküche. Selbst im Weg und in der Tür liegende Hallodris, die beiseite geschafft werden müssen, grunzen nur kleinlaut und schlafen am neuen Ort ungestört weiter. Die Küche präsentiert sich zudem als eine Art Reinstraum: Keine Lache, kein Haufen. Die Hallodris haben nichts mehr herzugeben, selbst Darm und Blase liegen im Tiefschlaf.

Dem Vize soll es recht sein. Die Chefin wird morgen früh ihr Glück kaum fassen können.

 

Donnerstag, 20. April 2017

Bis um 6 Uhr dringt kein Laut an unsere Ohren, die Hallodris halten sich bedeckt, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass heute Führers Geburtstag ist, und wer möchte da schon zu früh (oder überhaupt) beim Jubeln erwischt werden. Oder sie sind schon alle stoned, denn schließlich ist heute auch Welt-Cannabis-Tag (420-Day) und sie halten sich an Bob Dylans Refrain dazu: Everybody must get stoned. Wie dem auch sei: Um 6 Uhr ist es mit ihrer Zurückhaltung vorüber und sie jubeln und sind offenbar herzerweichend stoned.

Stoned oder stunned ist kurz darauf auch die Chefin, die sich praktisch mit den ersten Lautmeldungen aus ihrem Bett wirft und ins Erdgeschoss stürzt, als sie mit 20 Endmoränen konfrontiert wird. Zwanzig! Irgendwann zwischen Mitternacht und 6 Uhr müssen die Hallodris gleich zweimal aktiv gewesen zu sein. Immerhin aber lautlos, um unseren Schlaf nicht zu sabotieren. Ein gewisses Glücksgefühl, wenn man das unter diesen Umständen unterstellen darf, bemächtigt sich der Chefin dennoch, weil die 20 Stuhlproben alle von fester und gesunder Konsistenz sind.

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiDie nächste Überraschung wird ihr beim Wiege-Akt bereitet: 710 Gramm Gewichtszunahme. Das ist glatt ein Viertel der gestrigen Leistung. Auf diesem Niveau haben wir uns vor einem knappen Monat zuletzt bewegt. Dabei machen die Hallodris absolut keinen hinfälligen Eindruck, aber offensichtlich haben die Eindrücke und Ereignisse des gestrigen Tages kräftig an ihrer Substanz gezehrt. Dazu kam das sehr frische Wetter, bei dem man viel verbrennen muss und nur wenig anlagern kann, um aktiv zu bleiben. Gleich vier Hallodris liefern eine Nullnummer: Der Ober-Hallodri selber, dem auch ein Askesetag nichts anhaben kann (6700, 1. Platz), dann die beiden Verfolger Hartl und Hobo, die eine gute Gelegenheit verstreichen ließen, dem Hallo auf die Pelle zu rücken, und auch noch von Hugo überholt wurden, der mit 140 g für die Verhältnisse des gestrigen Tags kräftig zulangte (6240, 2. Platz). Damit Hobo vom Bairischen BluesHoborutschen Hartl und Hobo auf den 3. und 4. Platz. Die vierte Nullnummer leistet sich ausgerechnet Hubsi, der seiner korrektiven mendelschen Mission treu bleibt und den gesamten Verband im stabilen Gleichgewicht hält. Der Tagesprofiteur ist Harpo mit 190 g (wahrscheinlich hat er sich den ganzen Tag im Windschatten seiner Geschwister herumgetrieben), der damit auf den 5. Platz nach vorne rückt: 5920 Gramm. Halina (5790) und Hedda (5600) schultern gemeinsam und jede für sich 100 g und behalten ihre Plätze sieben und zehn. 90 g mehr bringt Hias auf die Waage (5770, 8. Platz), damit überholt er Hetty, die nur 40 g schafft (5710, 9. Platz). Hakuna kann auch nur 50 g bieten (5800), was sie wegen Harpos 190 g auf Platz sechs fallen lässt. Wirklich viel ist also in der Statistik nicht passiert, was wir auch für den Rest der Hallodri-Tage nicht mehr erwarten. Die großen Linien sind gezeichnet, Hubsi wird kein Hallodri mehr und der Hallo wird nicht mehr einbrechen. Dazwischen wird es noch ein paar eher zufällige Korrekturen geben, und das wird es dann auch gewesen sein.

Die aktuelle Wetterlage von -2° C morgens und nicht mehr als 5° C tagsüber, bei wechselnden Schneeschauern, könnte morgen für ein ähnliches Wiegeprotokoll sorgen, allerdings stehen heute nicht annähernd so Substanz zehrende Aktivitäten auf dem Plan. Aber die Hallodris verbringen viel Zeit draußen, weil ihnen die Kälte nichts ausmacht, wovor man sie schützen muss ist die Nässe. Da heute kein kräftiger Wind weht, der die Schneeschauer unter den Balkon und ins Hallodri-Lager treibt, können sie sich heute wieder ziemlich viel im Freien herumtreiben.

Es drückt uns noch ein Schuh: Die Welpenportraits, jene, die für die Ordner gedacht sind und die Welpen ein ganzes Leben lang identifizieren werden, im Internet und überall. Es sind die im Bild eingefrorenen letzten Eindrücke von unseren Welpen, bevor wir sie in die Welt hinaus schicken. Diese Portraits machen wir immer in der letzten Woche und so spät, wie möglich. Und sieben Würfe lang haben wir die Portraits auf der Wiese, Hedda vom Bairischen BluesHedda bei der Wiesn-Probegleich um die Ecke, gemacht, auf der wir früher auch unsere ersten Spaziergänge unternommen haben. Nun stellt sich zwar nicht das Problem, dass wir die Zwerge, wegen des Verkehrs, nicht dort hinüber bringen wollen, weil wir sie sowieso einzeln dorthin tragen würden, nein, das Problem ist die hohe Wiese, die ungefähr so hoch ist wie die Ausflugswiese gestern. Bei diesem Bewuchs kann man auf dem Bild keinen Welpen mehr erkennen. Die Chefin hat Hedda kurz hinüber geführt und die Wiese getestet und kommt sehr ernüchtert zurück. Wo machen wir die Portraits? Im Garten? Niemals, dort steht zu viel Gerümpel herum, außerdem sind die Lichtverhältnisse selten befriedigend. Wieder hinüber zum Modellflugplatz? Alle zusammen? In welchem Auto? Vor allem: Wie werden die Zwerge einen mindestens einstündigen, langweiligen Aufenthalt im Auto wegstecken? Sie werden randalieren und keine gute Erinnerung ans Auto speichern. Kurz: keine Lösung. Wenn wir sie einzeln oder in Kleinstgruppen dorthin befördern, sind wir einen Tag beschäftigt. Auch keine Lösung. Wir vertagen das Problem, auch weil die aktuelle Wetterlage keinen Anlass zu einer schnellen Entscheidung gibt. Wir vertrauen darauf, dass sich irgendwo ein Türchen öffnen wird; man muss sich den Umständen beugen und insgeheim nach Möglichkeiten suchen. Mal sehen... Aber es beschäftigt uns, es rumort in uns. Welpen ohne Portraits wäre ein Bruch mit allen Traditionen des Bairischen Blues.

Hurra, die Post ist daHurra, die Post ist daDas Klingeln der Türglocke rettet uns aus den trüben Portrait-Gedanken. Hurra, hurra, die Post ist da und liefert die für die Welpenbesitzer georderten Futtersäcke. Warum wir denn noch so viel mehr Futter bräuchten als sonst, was ja eh schon reichlich wäre, will die Zustellerin keuchend wissen. Wir greifen ihr helfend unter die Arme und erklären ihr, warum. Jetzt will sie den Elferrat aber unbedingt sehen und wird ins Paradies eingeladen. Sekunden später ist sie von elf naseweisen und kontaktfreudigen Hallodris umzingelt, die an einer Postzustellerin noch nichts Anstößiges finden können, sondern sie ebenso herzlich begrüßen wie alle nicht uniformierten Besucher bisher auch.

Vielleicht ist dies ja einmal eine exzellente Gelegenheit, dem Mysterium der Opferrolle von Postzustellern den Schleier zu entreißen und allen Hundebesitzern den Schlüssel für die Lösung dieses uralten Rätsels an die Hand zu geben. Die Antwort heißt schlicht: Kein Hund attackiert Postzusteller, weil sie schlecht riechen, eine Uniform tragen oder bei der falschen Firma angestellt sind. Hunde spielen ihre Herrscherrolle aus, die sie in der Interaktion mit den Postzustellern erlernt haben.

Als Beispiel nehmen wir die Hallodris, die in wenigen Tagen ihr neues Heim beziehen werden. Und nun stellen wir uns vor, wie unser Hallodri in der Empfangshalle seiner 45-Zimmer-Villa liegt (darunter geben wir keinen Welpen ab) und sich langweilt. Dann hört er, wie ein Auto die gekieste Auffahrt herauf rollt und sich Schritte aufs Haus zu bewegen. Danach klappert etwas neben der Haustür. Der Hallodri weiß, dass er ein Wachhund werden soll, ist aber mit der Situation noch nicht im Reinen, deshalb belässt er es bei einem verschluckten und unterdrückten "Wmpf". Schnell bewegen sich die Schritte von der Tür weg, das Auto rollt davon. Am nächsten Tag läuft der gleiche Film wieder ab: Auto auf Auffahrt, Schritte zur Tür, Klappern, der Hallodri ermannt sich nun bereits zu einem drohenden "Wuff". Schnelle Schritte ab. Auto ab. Der Hallodri ist zufrieden. Am dritten Tag das gleiche, diesmal traut sich der Hallodri bereits ein kräftiges "Wau Wau" zu und ahnt, dass das da draußen ein besonderes Modell von Angsthase sein muss, wenn es immer Reißaus nimmt, sobald er, der kleine Hallodri, seine Stimme erhebt. Nach mehreren Wiederholungen ist der Hallodri Herr der Situation und das da draußen ein jämmerlicher Hosenscheißer. Zur Vollendung des für den Hallodri zufriedenstellend verlaufenen Rollenspiels, wünscht er sich nur noch, dem Waschlappen Aug in Aug gegenüber zu stehen und ihm eine Lektion zu erteilen. Tritt die Situation ein, zeigt der Hallodri, was in ihm steckt und kann auf die schicke Uniform des Zustellers oder der Zustellerin keine Rücksicht nehmen. Damit ist die Zusteller-Sozialisation unseres Hallodris, wie sie weltweit millionenfach stattfindet, vollendet. Eine klassische Konditionierung.

Und nun stellen wir uns vor, der / die Zusteller(in) öffnet bei der ersten Lautäußerung unseres Hallodris die Haustür und gibt ihm eine gepflegte Kopfnuss zwischen die Ohren. Dann würde die Zusteller-Konditionierung genau anders herum verlaufen und der Hallodri hätte beim Herannahen des Autos auf seiner gekiesten Auffahrt zukünftig den nötigen Respekt und würde sich weiterhin seiner Langeweile hingeben. Die dritte Variante wäre, dass dem Zusteller freundlich die Tür geöffnet und er oder sie hereingebeten würde, damit man sich mit dem neuen Hallodri bekanntmachen kann. Ein kleines Pläuschchen und eine Schmuserunde könnte sich anschließen und der Hallodri wäre fortan ein getreuer Follower seines Zustellers und aller seiner Nachfolger. Und weil wir wissen, dass 99,9 % der Hundehalter auf diese Sozialisation pfeifen, übernehmen wir das für sie: die freundschaftliche Zusteller-Konditionierung. Die ist im Preis inbegriffen. So sieht eine verantwortungsvolle Welpenaufzucht aus. Noch Fragen?

Hias vom Bairischen BluesHias, der Nachwuchs-PostillonIm Fall unserer Zustellerin läuft die Konditionierung geradezu vorbildlich, wenn man einmal davon absieht, dass sich Hias in der Hosentasche der Zustellerin an einem Benachrichtigungsformular vergreift und damit wie mit dem Goldenen Vlies durch den Garten tobt, und der Rest des Elferrats hinterher. Die Zustellerin selbst spielt fortan nur noch eine nachrangige Rolle im Sozialisierungsspiel, aber sie ist kein Mysterium vor der Haustür, sondern ein weiblicher Mensch aus Fleisch und Blut und keine besondere Aufmerksamkeit mehr wert. Züchter glücklich, Zustellerin glücklich, Hallodris aus dem Häuschen – alles bestens.

Aus dem Häuschen sind die Zwerge auch abends noch einmal, als die Chefin die preiswürdige Idee gebiert, Anouks Gitterbox in die Küche zu stellen, um die Hallodris auch einmal mit einem solchen Möbel bekannt zu machen. Die Box haben wir gekauft, damit die alte Anouk im Wohnmobil sicher liegen konnte. Doch Anouk lehnte die Hilfe ab und nahm sie auch nie wieder an, weil diese Reise ihre letzte werden sollte. Und nun vereinsamt das Möbel im Keller. Die Chefin erweckt es zum Leben, weil eine solche Box, wenn sie für einen Hund positiv belegt ist, ein idealer Rückzugsort sein kann. Die Hallodris sind sehr willig, diese Box für sich positiv zu belegen, indem sie sie zum Goldenen Kalb befördern und um sie herum einen Tanz aufführen, dass uns vor allem das Hören vergeht. Binnen Minuten bieten sie uns eine Feldstudie zum Thema "Hausbesitzer und Hausbesetzer" an. Die Rollen wechseln zwar, aber jeder der Akteure ist bei jedem Rollenwechsel augenblicklich in der Lage, die neue Rolle auszufüllen; das gehört zur Überlebensstrategie. Das Theaterstück, dem wir beiwohnen dürfen, hat natürlich euch ein schlüssiges Hubsi vom Bairischen BluesHubsi allein zuhausEnde, und zwar in der Form, dass sich aus den wechselnden Rollen zehn in die Flucht geschlagene Hausbesetzer und ein Hausbesitzer entwickeln, auch King of the Mountain genannt. Wer nun der Meinung ist, das könne nach Lage der Dinge nur der Ober-Hallodri sein, irrt. Es ist auch nicht die pfiffige Hakuna oder die zupackende Hetty, schon gar nicht der freundliche Hugo oder der schelmische Harpo, der gemütliche Hobo und auch nicht die fixe Hedda oder die kraftvolle Halina. Die Max-und-Moritz-Imitatoren Hartl und Hias bleiben auch ausgesperrt. Hubsi ist es, der sich in seinem neuen Wohnzimmer behaglich einrichtet. Allein. Ungestört. Stolzer Hausbesitzer im kreideweißen Angesicht der ausgeschmierten Besetzerbande. So sieht es aus: Ein erfolgreiches H-Selmäuschen und zehn frustrierte H-Benichtse. Dieser Tag wird als ein geradezu historischer Sozialisationstag in die Chronik des Bairischen Blues' eingehen.

Hubsi verlässt seine Burg erst spät abends, als die anderen ihren Frust längst wieder verarbeitet und die Burg in ihrer Küche vergessen haben. Frustriert ist auch der Vize, weil er zur Rettung der Chefstimmung am nächsten Morgen wieder bis nach Mitternacht Latrinenwache schiebt und unverrichteter Dinge in seine Koje schleichen muss. Kein verrichtetes Ding weit und breit. Nur selig schnurpselnde Hallodris.

 

Freitag, 21. April 2017

Was für ein Wetter morgens um 5 Uhr, als die Hallodris sich bemerkbar machen: -5° C und keine Wolke am Himmel. Auch die Stimmung der Chefin ist entgegen der Befürchtung des Vizes nahe jener, als sie in Thailand auf einem Baby-Elefanten reiten durfte: Glück in allen Falten. Das liegt an nur drei verrichteten Dingen in der Küche, was sich allerdings schnell ändert, als sie die Bande in den Garten lässt. Aber Garten ist Garten und Küche Küche. Bestimmt ist sie dem Vize sehr dankbar, dass er sich den Schlaf verkniff, um ihr das Leben am frühen Morgen lebenswert zu machen, und der Vize wird einen Teufel tun und ihr von seinen elf abends unverrichteten Dingen berichten. Dafür berichtet sie ihm von einem bedenklichen Leiden, bedenklich vor allem für eine Tiefstschläferin, neben der man sterben könnte, ohne von ihr verabschiedet zu werden. Die Chefin hat einen Schlaf wie ein Bär im Winter. Und nun berichtet sie von einer Art nächtlicher Phantomschmerzen, was sich in Phantomlauten äußert; sie wacht nachts auf (!) und hört Welpen bellen und schreien und klagen, wo in Wirklichkeit nur tiefster Frieden zu vernehmen ist. Sogar den von innerer Ruhe getakteten Pendelatem des Vizes interpretiert sie als das boshafte Keifen von Welpen. So etwas gibt Anlass zur Sorge und lässt die baldige Abreise der Hallodris vorteilhaft erscheinen.

Die etwas lapidare Anmerkung, dass sich die Hallodris um 5 Uhr bemerkbar machen, ist stark untertrieben: Sie randalieren und keifen tatsächlich, was jetzt auch sicherlich keinen Phantomlauten zugeschrieben werden kann. Immer wieder flackern Lärmherde auf, weil sich zwei oder drei um etwas streiten; und das Etwas heißt Hubsi-Käfig. Da käme richtig Freude auf, wenn das Glück der Chefin nicht schon unübertrefflich wäre.

Aber all das ist nichts gegen den Jubel, der ausbricht, als sie die Bilanz der Wiegestatistik zu sehen bekommen! Was müssen die sich gestern mit ihren mickrigen 710 g über sich selbst erschrocken haben. Heute haben sie alles wieder gutgemacht: 2730 g, zwei Kilo mehr als gestern. Die Sau rein, anstatt die Sau raus gelassen hat Hetty, die wohl mit ihrem Absturz auf den 9. Platz nicht einverstanden war. 450 g lagert sie an, was sie auf 6160 Gramm und den 5. Platz hievt. Für solche Exzesse ist sie immer wieder mal gut, heute Null, morgen full, vielleicht erinnert sich noch jemand an Hettys maßlose 500 g vom 16. April. Diesen 5. Platz teilt sie sich mit Harpo, der bei 240 g mehr auf das gleiche Endgewicht kommt. Verliererin des gestrigen Anlagerunternehmens ist Hakuna, die mit 220 g (6020) von Platz sechs auf neun rutscht. Alle anderen tun sich nicht viel, außer dass Hartl Hugo auf dem 2. Platz ablöst.

1. Hallodri (6860, +160), 2. Hartl (6480, +260), 3. Hugo (6410, +170), 4. Hobo (6230, +100), 5. Harpo (+240) und Hetty (+450), beide 6160, 7. Halina (6120, +330), 8. Hias (6050, +280), 9. Hakuna (6020, +220), 10. Hedda (5800, +200), 11. Hubsi (5420, +320).

Es ist gut, dass die Hallodris für heute Substanz geladen haben, denn um 11 Uhr ist Tierarzt-Termin: Impfen, Chippen, Aderlass. Da ist es gut, wenn sie etwas zum Zehren haben.

Doch bevor wir uns und unsere Hallodris auf das Ereignis vorbereiten können, kommt die Chefin mit Fianna vom Morgenspaziergang zurück und befindet, dass das Wetter zum Portrait-Shooting geradezu einladen würde, und zwar drüben am Damm: Welpen erhöht auf Augenhöhe, kein störender Bewuchs, blankblauer Himmel und die Sonne ideal im Rücken. Es ist 8:30 Uhr, um 10 Uhr sollen die Hiasls wieder mit ihrem Sammeltaxi bereitstehen Hartl vom Bairischen BluesHartl auf dem Weg zum Freilichtstudiound um 11 Uhr ist Termin. Der Vize hat wie die Chefin noch nichts im Magen und eine Dusche hat er auch noch nicht gesehen. Aber er muss zugeben, dass es vermutlich keine bessere Gelegenheit fürs Shooting mehr geben wird. Zu dem besagten Damm, der das östliche Ende eines Überflutungsbeckens der Mangfall darstellt, sind es gut 200 Meter, hin und zurück sind es 400 Meter und mit allen elf Welpen summiert sich das auf 4,5 Kilometer. Wenn man grob drei Minuten pro Strecke rechnet, dazwischen das Shooting, also ca. 10 Minuten pro Hallodri, kommt man auf 110 Minuten – fast zwei Stunden. Eindeutig zu viel. Oder wir müssen richtig Gas geben und die Eckwerte deutlich reduzieren, und das bedeutet richtig Stress vor dem Frühstück.

Wir legen los, beginnend mit Hedda. Hinüber wird getragen, damit wir Zeit gewinnen, dann kommt die Kamera zum Einsatz und zurück dürfen die Zwerge selber marschieren, damit sie noch ein kleines Erlebnis haben und selbst aktiv werden müssen. Und so eilen wir hin und her wie Biene Maja vom Stock zur Blüte und zurück zum Stock und wieder zur Blüte und zum... . Die Sonne hat auch schon reichlich Kraft und wir stehen bald im eigenen Saft. Die größte Herausforderung sind jedoch die Morgenspaziergänger, die uns alle ein Gespräch aufdrängen wollen, weil die Zwerge doch so süß sind, und sie begrapschen wollen, die stehenbleiben und verzückt warten, bis wir mit der nächsten Fuhre kommen. Und ob das Hallodri vom Bairischen BluesKleine Hilfen beschleunigen den Prozess (Hallodri) HHetty vom Bairischen BluesHilfen, die Hetty zum Fressen gern hatündchen nicht mal mit ihrem Hündchen spielen will? Nein! Will es nicht und soll es nicht. Die Hand des Fotografen zittert bald vor Zorn und erschwert die Aufgabe enorm. Andererseits können wir uns gar nicht genug an den Hallodris berauschen, wie sie mit größter Selbstverständlichkeit den Weg nach Hause gehen, den sie nur vom Transport auf dem Arm hinüber zum Damm kennen. Auf dem Rückweg wackeln sie mit flinken Beinchen nach Hause, als ob es ihr täglicher Weg zur Kneipe wäre. Manche brauchen uns überhaupt nicht, wackeln sogar im Eilschritt vor uns her, als ob sie uns zeigen müssten, wo es lang geht. Alle sind äußerst entspannt, tragen die Rute oben, nehmen völlig unbeeindruckt und schwanzwedelnd Kontakt zu jedem Hund und deren Begleitung auf, sind trotz einer gewissen Eile nie auf der Flucht, sondern konzentriert und zielorientiert und lassen uns völlig fassungslos zurück. Zu unserem größten Bedauern haben wir wegen des sehr knappen Zeitplans keine Muße, dieses Schauspiel zu genießen, sondern müssen uns sputen. So ein Wurf war uns bisher noch nicht vergönnt! Als die Hiasls um 10 Uhr vorfahren, sind wir gerade fix und fertig, und der Vize steht unter der Dusche. Die Chefin folgt ihm und um 10:20 Uhr fahren wir los, eine trockene Scheibe Frühstücksbrot zwischen den Kiefern. Auch kein Problem, an Substanz fehlt es dem Vize ja nicht.

Hias vom Bairischen BluesHias steht auf Thai-MassageDieHalina vom Bairischen BluesHalina bekommt ihren Chip gute halbe Stunde Fahrt zum Tierzt unseres Vertrauens absolvieren die Hallodris ohne größere Beschwerden oder gar unter Panik. Sie bleiben gelassen und nehmen es, wie es kommt. Wir erinnern uns an Fahrten, bei denen wir versucht waren, die Fenster zu öffnen und uns um die Hälfte der Fracht zu erleichtern, so unzumutbar war deren Benehmen (Nebenbei: Sie sind trotzdem alle tolle Hunde geworden, sie zu entsorgen wäre also höchst dumm gewesen). Im Sprechzimmer müssen Hakuna vom Bairischen BluesHakuna besteht den Flughund-Testsie Hedda vom Bairischen BluesHedda gibt ihr Bestesdann einzeln ran. Zuerst werden die Patienten auf Herz und Nieren, Ohren und Zähne untersucht, dann wird geimpft, anschließend der Chip gesetzt und zum Schluss für die RZV-Forschungsdatenbank Blut abgenommen. Auch in dieser Disziplin zeigen sich die Hallodris ungewöhnlich souverän. Die Hauptrolle bei der Verarztung der Hallodris spielen, wie immer, mehrere Tuben Nutri-Cal, eine Malz-Vitamin-Paste, die den Zwergen vorne eingeschoben wird, damit sie nicht merken, was an ihrem hinteren Ende passiert. Nicht immer verfängt diese süße Bestechung. Der Anstand und der Respekt verbietet es uns, die früheren Blues-Buben und -Mädchen beim Namen zu nennen, die sich bei dieser Gelegenheit mit sehr zweifelhaftem Ruhm besudelten; die größten Maulhelden schrumpften, trotz Nutri-Cal, zu den schlappsten Weicheiern, denen der Schweiß vor Angst fast hinter den Ohrwascheln hinunterlief. Kein Vergleich dazu die Hallodris. Keiner und keine verweigert oder entzieht sich der Hartl vom Bairischen BluesHartl zeigt, was er hatTierärztin, aber natürlich weicht man schon mal aus. Vier der Hallodris finden die Blutentnahme so prickelnd, dass sie alles daran setzen – zappeln, Vene wegrollen, etc. –, um einen zweiten Einstich am anderen Bein zu bekommen. Das sind die Selbstdarsteller, die unbedingt mit einem zweiten schicken Beinkleid angeben wollen. Hartl findet die Zudringlichkeiten etwas unter seiner Würde und jammert ein Praxis-Team TA Schiele, StephanskirchenDas fabelhafte Praxis-Teambisschen herum, was ihm vom Vize unverzüglich den Spitznamen "Weichl" einträgt, und Halina zickt auch mit Protestlauten, was ihr den Kampfnamen "Spatz vom Hohenkreischenberg" bringt. Aber auch deren Minimalrenitenz wäre bei allen anderen Würfen ohne Erwähnung geblieben. Als alle verarztet sind, wird der ganze Haufen wieder ins Sammeltaxi gebracht, was sowohl die Praxisbesucher wie das Personal beglückt, das es sich nicht nehmen lässt, bei der Hallodri-Polonaise mitzumachen und uns beim Abtransport zu helfen.

Um 13:30 Uhr sind wir wieder am Stammsitz des Blues, ohne irgendwelche psychischen Schäden bei den Hallodris zu Protokoll nehmen zu müssen. Nun gibt es Pizza für alle Helfer, für die Patienten gibt es ein bisschen Pizzarand, was wie Pansen, Kalbshaxe und Ziegenmilch auch zu einer umfassenden Ernährungsstrategie gehört :-).

Nachmittags zieht sich der Himmel wieder ziemlich trübe zu, was uns in der schweißtreibenden Entscheidung, gleich morgens zu fotografieren bestätigt. Den Hallodris ist es einerlei, sie brauchen nun ein wenig Ruhe; dieser Tag hat es in sich. Später lässt der Himmel wieder Sonnenstrahlen zu uns durch und die elf genießen den Rest des Tages draußen mit betulichen Spielen und viel Schlaf.

Wir hingegen schuften an den Welpenordnern, an der Aktualisierung der Texte, am Drucken und am Ärger mit der Technik, die immer quertreibt, wenn man sie vorantreibt. Doch das ist mittlerweile Routine beim Blues. Überall stapeln sich Papierberge, die auf die Sortierung und aufs Einordnen warten. Der Vize treibt zur Eile, die Chefin weiß nicht, was er damit meint, schließlich seien wir doch so früh dran wie nie. Damit hat sie recht. Aber der Vize hat nicht vor, wie in der Vergangenheit am Tag vor der Abgabe bis nachts um 3 Uhr zu malochen. Und in dieser Hinsicht ist er diesmal sogar ziemlich zuversichtlich.

 

Samstag, 22. April 2017

3:33 Uhr: Aufruhr in der Küche. Die Hallodris tanzen Mazurka. Das unsanft geweckte Personal vermutet ein Eindringen fremder Hallodri-Stämme ins Stammland. Doch die Stimmen und Stimmlagen sind vertraut. Das Personal weigert sich, den Angriff auf seinen Schlaf zu akzeptieren und zieht sich die Decken über den Kopf – bis 4:10 Uhr. Dann verebbt der Hunnensturm. Das Personal entspannt seine Glieder und schlummert wieder weg. Um 5:30 Uhr tanzen die Hunnen wieder durch unser Erdgeschoss. Nun resigniert die Chefin und macht ihnen ihre Aufwartung. Der Vize denkt nur: Na, wartet! Schnell ist klar, was die Hallodris zu einem solchen Hexentanz bewog: Die Gitterbox! Hubsis neues Refugium. Der Kampf ums Goldene Kalb ist wieder aufgeflammt, das Spiel von Hausbesitzern und Hausbesetzern erlebt eine neue Auflage. Darauf hätte man auch selber kommen können. Dass die zehn H-Benichtse sich nicht mit ihrem Dasein abfinden würden und dem H-Selmäuschen Hubsi sein Häuschen gönnen würden, war eigentlich klar. Allerdings erstaunt uns die akustische Tiefe und Breite der Wortmeldungen doch sehr. Wir hatten nie verschwiegene Welpen, sogar sehr sprachgewaltige, worüber wir auch ohne Scheu berichteten, doch an eine solche Sprachgewalt und ein so insistierendes Mitteilungsbedürfnis können wir uns nicht erinnern. Die Hallodris sind wirklich in jeder Hinsicht etwas sehr Besonderes. Darüber muss man sich um 3:30 Uhr nicht freuen, wie man sich wohl kaum begeistert, wenn der höchstbegabte Spross nachts um drei am Bett erscheint und die Lösung einer unlösbaren Mathe-Aufgabe präsentiert. Die Welten von Hochbegabung und Mittelmaß sind wohl nur selten im Gleichtakt.

Hakuna und Halina vom Bairischen BluesHakuna und HalinaDie Chefin wirft die Hunnenvorhut in den Garten, wo sie ihr Mütchen bei -1° C herunterkühlen können. Beim Anblick der aufgrund der frühen Aktivitäten zahlreicheren Ausscheidungen zaubert der Chefin wieder ein Lächeln ins Gesicht. Diese verrichteten Dinge sind nun zwar schon sehr mächtig, strotzen aber von Kompaktheit und Gesundheit. Keine Spur von Durchfall mehr. Sicher haben auch die Vielfalt der Leckerlis und die Kaustangen, die unserer Meinung nach etwas zu strak gewürzt waren, das Ihre dazu beigetragen. Wir haben in den letzten beiden Tagen die Leckerlivielfalt drastisch reduziert und sind konsequent auf die bisher immer zuverlässigen Kaustangen von Platinum umgestiegen. Vielleicht war das der Schlüssel zum Erfolg. Zwei Tage vor Abgabe, darf man also getrost feststellen: Ende gut, alles gut.

Hakna und Hallodri vom Bairischen BluesHakuna und HallodriDa heute wieder einmal ein Lostag ist, wollen wir doch sehen, was uns bevorsteht: "Regnet's vorm Georgitag, wäret lang des Segens Plag'." Häh? Welcher Segen und was ist dessen Plag? Weil Segen bringt Regen? Und dann "wäret" statt währet! Wäret ihr im Vollbesitz der deutschen Sprack, hätt' der Vize keine Plag. Die zweite Variante des Losspruchs lautet: "Wenn vor Georgi Regen fehlt, wird man nachher damit gequält." So könnte man das natürlich auch ausdrücken danke dafür. ...wäret lang des Segens Plag' ... Oh Herr, schmeiß Hirn vom Himmel oder meinetwegen auch Regen. Um die Zukunftsaussichten abzuschließen, protokollieren wir einen wolkigen und windigen Tag (so windig wie der Losspruch) bei durchschnittlich 13° C. Von Regen und seinem Segen keine Spur.

Auch die Gewichte deuten zunehmend auf Endzeit hin: wieder 2720 Gramm. Hallodri schwenkt triumphierend die Fahne beim Überschreiten der Sieben-Kilo-Marke (7110, +250) und Hugo schiebt sich mit 370 g wieder auf den 2. Platz (6780). Damit verzeichnet er das Tageshoch. Da muss Hartl passen und sich mit 6740 Gramm (+260) mit dem 3. Platz bescheiden. Hetty arbeitet sich nach ihrem zwischenzeitlichen Einbruch wieder dorthin vor, wo sie sich selbst hingehörig fühlt, mitten unter die echten Kerlen, heute auf dem ehrgeizigen 4. Platz (6500, +340). Da kann Hobo nur staunen. Aber mit 100 g weniger (240) tut man sich schwer im Bullenrennen (5. Platz, 6470). Der 6. Platz hat gleich zwei Besetzer, Harpo und Halina, beide mit 6320 Gramm. Mit 200 g mehr stellt Halina Harpo, der es nur auf 160 g bringt. Auch der 8. Platz ist doppelt besetzt: Hias und Hakuna (6240). Für Hias (+190) ist diese Tabellenregion längst Alltag, aber Hakuna (+220), die einstige Kronprinzessin von Hias vom Bairischen BluesHias versucht, die Futterboje zu knackenHallodri hat sich offenbar vorgenommen, alle Plätze mindestens einmal zu testen, was ihr bezüglich des 11. Platzes vermutlich nicht gelingen wird; Heda und Hakuna vom Bairischen BluesHedda und Hakuna mit dem mysteriösen Futterspenderauf den besteht der Gitterbox-Rambo Hubsi (5650, +230). Den vorletzten Platz beansprucht weiterhin Hedda und scheint sich dabei richtig wohl zu fühlen (6060, +260).

Die Hallodris lassen den Tag abwechselnd mit Verarbeitung des gestrigen Action-Tages und verhaltenen Spielen verstreichen. Viel Zeit verbringen sie mit der Futterboje mit dem Loch am Boden, aus dem wie von Geisterhand Nahrhaftes purzelt. Vielleicht schlafen sie auch deswegen so viel, weil sie über die wundersame Futterspende sinnieren müssen.

Ein letzter Tag bleibt uns noch. Deswegen verbringen wir noch lange Zeit zwischen unseren Hallodris in der Küche und im Transit. Aber sie verstehen unsere Melancholie nicht. Das ist auch besser so.

 

Sonntag, 23. April 2017

Um 5:30 Uhr stellt die Chefin das Bein aus dem Bett – und in der Küche jubeln elf Husaren. Für den nächsten Wurf sollten wir vielleicht doch eine auf den neuesten Stand gebrachte Trittschalldämmung einbauen. Ansonsten war es bis zu diesem Augenblick ruhig im Welpenreservoir, weil wir ihnen gestern natürlich die Gitterbox entzogen haben.

Nach den gestern Abend vom Vize beseitigten zwei Endmoränen, sammelt die Chefin morgens neun weitere ein, das macht elf über die Nacht; die Hallodris reifen zu gesellschaftstauglichen Hunden heran, das Timing des Blues ist beeindruckend perfekt. Ja, das könnte auch einmal mit dezentem, aber anhaltendem Beifall kommentiert werden.

Heute ist der gestern schon angekündigte Georgitag. Der Heilige Georg, bekannt als Drachentöter und Schutzheiliger von Pferden, England und Georgien gehört zu den 14 Nothelfern und wird noch vielerorts mit Pferdesegnungen und Georgiritten geehrt. Und weil so ein Supermärtyrergedächtnistag natürlich auch ein Premium-Lostag sein muss, haben sich die Lostrommler aller Länder kräftig ins Zeug gelegt. Fast schon unanständig unpoetisch kommt diese Vorhersage daher: "Gewitter am St. Georgstag, ein kühles Jahr bedeuten mag." Da soll sich mal einer schämen, das geht nämlich auch euphorischer. "Kommt St. Georg auf dem Schimmel, kommt ein gutes Jahr vom Himmel." Ist das nicht zauberhaft, die letzten Schneeflocken dem Heiligen als Schimmel unter den Hintern zu schieben? Andererseits: Gewitter stehen uns heute ziemlich sicher nicht ins Haus, also erwarten wir ein unkühles Jahr, aber weil der Georg ohne Schimmel kommt, steht uns auch kein gutes Jahr bevor. "Ist’s an Georgi hell und warm, gibt's noch ein Wetter, dass Gott erbarm." Hell und warm ist es nicht, also doch ein ordentliches Jahr. "Regnet’s auf Georgitag, dauert noch lang des Regens Plag." Es ist stark bewölkt und es regnet! Jetzt ist guter Rat teuer: Wie lang ist lang, und wenn lang wirklich lang ist, was wird dann aus den freundlichen Aussichten vom vorigen Spruch? Besonders kryptisch kommt uns dieser Spruch: "Zu Georgi hinaus, zu Michaeli wieder nach Haus." Der Michaelstag ist am 29. September, so viel zur Hilfestellung. Man muss sich schon zu den Losspruch-Illuminati zählen dürfen, wenn man diesen Knoten aufknüpfen möchte. Der chronische Vize ist ein solcher Geheimbündler und teilt ausnahmsweise sein Wissen mit der Welt. Gemeint sind die Schwalben, die da aus ihrem Winterquartier hinausfliegen und bei uns vor Georgi einfliegen, die aber dann schon an Michael wieder weg sind. Nun denn: Ende September erfreut man sich im bayerischen Süden nur selten an vielen Schwalben, aber in wärmeren Gegenden schon. Uns kann dieser Zauberspruch also egal sein, obwohl die Schwalben ja schon seit einigen Tagen ihre Flugmanöver demonstrieren. Wir halten damit inne und resümieren total illuminiert: "Reitet der Georg mit einem Schimmel über den Mist, gibt es Wetter oder die Schwalbe bleibt, wo sie ist."

Hartl vom Bairischen BluesHartlDamit verlassen wir die meteorologische Glaskugelei und wenden uns harten Fakten zu. Zahlen. Gewichten. Alles mess- und belegbar, nicht so etwas wie: "Zittert der Welpe auf der Waage, hat er nicht mehr viele Tage". Das Gegenteil ist längst bewiesen und viele davon leben noch immer. Heute vollziehen wir also die vorletzte Gewichtsnahme, und wer jetzt nicht ganz in der Nähe seiner Traumposition angekommen ist, hat nur noch eine Gelegenheit zur Nachbesserung. Der Hallodri kann gar nicht mehr so viel Übelkeit oder Durchfall haben, dass er seinen Spitzenplatz noch verlieren könnte, den er nach einer kurzen Anlaufzeit souverän für sich reklamierte. Heute meldet er 170 g und kommt auf 7280 Gramm total. Seinen Rhythmus hat auch Hartl gefunden. Hobo und Harpo vom Bairischen BluesHobo und HarpoNach seinem Turbo-Schwächeanfall belegt er nun seit Tagen stabil den 2. oder 3. Platz. Heute gehört ihm mit 7010 Gramm (+270) wieder Platz zwei und wird der zweite Vierzehnpfünder. Sein ständiger Konkurrent auf diesen 2. Platz ist der schöne Hugo. Heute muss er sich wieder einmal mit dem 3. Platz abfinden und es wird spannend sein zu sehen, ob er morgen aus dem Windschatten heraus in einem Wimpernschlagfinale dem Hartl noch ein Schnippchen schlagen kann. Dazu müsste er bei aktuell 6870 Gramm (+90) deutlich mehr anlegen als gestern. Mindestens ebenso spannend wird es sein, ob Hetty ihr Tempo durchhält. Mit einem Gewaltakt hat sie sich in den vergangenen Tagen nach oben gekämpft und heute ihren 4. Platz verteidigt (6700, +200). Harpo entwickelte sich nach dem anfänglichen Leichtgewicht zu einer stabilen Säule des Mittelfeldes, die nie mehr in Gefahr war abzurutschen, aber auch nach oben nicht genug Lagerkapazität hatte, um sich dort einzuspreizen. Für heute protokollieren wir für ihn trotz eines gewaltigen Aufkommens von +330 g den 5. Platz und 6650 Gramm. Hobo war lange Harpos Schatten und Gegenspieler, immer im oberen Viertel oder Drittel, nun aber geht ihm ein bisschen die Luft oder der Ehrgeiz aus: 6. Platz (6610, +140). Halina arbeitete sich beharrlich aus dem letzten Drittel ins untere Mittelfeld empor, unspektakulär meist, aber effektiv. Eine Hetty ist sie nicht und sollte sie auch nicht werden, dazu fehlt ihr die bauliche Grundsubstanz (7. Platz, 6510, +190). Bei Hias hatten wir lange überlegt, ob wir ihn nicht in den Genuss einer zusätzlichen Schulspeisung kommen lassen sollten, da dem Hetty vom Bairischen BluesHettyBurschen aber nichts zu fehlen schien außer Trägheit und Schwäche, haben wir den Spar-Hallodri machen lassen und mit Vergnügen festgestellt, dass Lebensfreude und Spitzfindigkeit nichts mit dem Körpergewicht zu tun haben. Aus den tiefen Abgründen der Tabelle hat Hias sich nun stabil als Anführer der Nachhut etabliert: 8. Platz, 6500, +260. Hakuna musste längst einsehen, dass ihr der Kampf um die Höhenluft den Atem raubt, deshalb hat sie sich dorthin zurückgezogen, wo sie staturbedingt auch hingehört, in die Nesthäkchenecke. Dass ihr das im Umgang mit ihren Geschwistern keinen Nachteil bringt, hat sie gelassen gemacht: 9. Platz, 6410, +170). Das gleiche gilt für Hedda, die sich zwar zu Zeiten, Hallodri vom Bairischen BluesHallodrials sie noch Babyspeck trug, auch im Mittelfeld tummelte, sich dann aber bald auf den Vor-Hubsi-Platz spezialisierte. Und seit sie weiß, dass sie in Zukunft ihr Leben dort verbringen darf, wo Hirnschmalz mehr zählt als Körpermasse, swingt sie völlig losgelöst durch die Mahlzeiten und genießt es, nicht mehr zu müssen, sondern nur noch zu dürfen: 10. Platz, 6240, +180). Und über Hubsi ist alles gesagt, obwohl man eigentlich gar nicht aufhören dürfte, über ihn zu berichten. Das Masseschlusslicht der Hallodris ist ein klasse Schlusslicht, das sich nicht verstecken muss, obwohl er der einzige ist, dem das am besten gelänge. Die Prophezeiung des Vize und Chronisten hat er in den Wind geschlagen und ist sich treu geblieben: Schlusslicht, 5770, +120.

Um 11 Uhr treffen die Zuchtwartinnen zur ultimativen Zeugnisvergabe der Hallodris ein: finale Wurfabnahme. Für alle, die nicht wissen, was eine solche Wurfabnahme beinhaltet und wie sie abläuft, wollen wir das an dieser Stelle einmal detailliert ausführen. Zuerst wird der Welpe dorthin gebracht, wo die Erscheinungsbildbeurteilung stattfinden wird, also in einen Raum, den er kennt (Wohnzimmer, Küche, etc.). Bei schönem Wetter kann das selbstverständlich auch der Garten sein. In dieser dem Welpen bekannten Umgebung wird er nun auf den Boden gesetzt, um zu sehen, wie er sich in einer bekannten Umgebung, mit bekannten Menschen, aber auch mit Menschen, Hetty vom Bairischen BluesHetty wäre mehr Action sehr rechtdiHugo vom Bairischen BluesHugo bleibt total gelassene er nicht oder kaum kennt (Zuchtwart), verhält. Im Abnahmeprotokoll findet man das Ergebnis unter der Rubrik: Verhalten des Welpen in seiner gewohnten Umgebung. Hakuna, Hubsi, Harpo, Hartl, Hugo, Halina, Hobo, Hias und Hedda suchen bei dieser Disziplin aktiv Kontakt, Hetty und Hallodri nehmen Kontakt auf. Diese Bewertung bedeutet nichts anderes, als dass sie nicht fremdeln, Zutrauen zu Menschen haben und deren Kontakt suchen. Nicht zu unterschätzen ist bei dieser vermeintlich einfachen Übung, dass bei großen Würfen immer Prüflinge aus dem Schlaf geholt werden müssen. Unser Hallodri-Abitur dauert zweieinhalb Stunden, und das ist noch schnell, weil die Hallodris großartige Mitspieler sind. Das kann sich bei elf Welpen auch deutlich länger hinziehen, und auf diese Länge bleiben die Welpen nicht aktiv und munter. Die Folge ist, dass man immer ein paar verschlafene Traumtänzer hat, die zwar nichts gegen Menschen haben, aber jetzt gerne noch ihre Ruhe hätten und dementsprechend lustlos auf das Spiel eingehen.

Nach dieser ersten Kontaktaufnahme wird der Welpe an einen ihm unbekannten Ort gebracht, allein mit den Zuchtwarten. Die Züchter sind jetzt ausgeschlossen. Im Falle der Hallodris und ihrer Vorgänger ist dieser Ort das Arbeitszimmer der Chefin. Das Zimmer sollte nicht sehr groß sein, dass der Hallodri vom Bairischen BluesZuchttauglichkeits-Test bei HallodriWHarpo vom Bairischen BluesHarpo zeigt perfekte Zähneelpe nicht von der Größe beeindruckt ist, andererseits aber auch im Falle eines Unbehagens sich nicht in den Weiten des Raums den Aufgaben entziehen kann. Dort findet er einen Karton oder eine Kiste vor, einen Ball, eine Raschelfolie und einen Lappen. Der Welpe wird in diesem Raum abgesetzt, die Zuchtwarte verhalten sich neutral, sprechen den Welpen nicht an und ignorieren ihn eine Minute lang. Das ist für den Zwerg eine bedrückende Situation: Hallodri allein zuhaus. Man will nun sehen, wie er mit einer solch bedrückenden und befremdlichen Situation zurecht kommt. Im Protokoll findet man diese Prüfung unter der Rubrik Verhalten des Welpen an einem fremden Ort, unterteilt in Aktivität und Untersuchungsverhalten (selbständiges Verhalten). Im Fach Aktivität wird allen außer Harpo bescheinigt, dass sie sofort aktiv sind, Harpo wartet kurz ab (weniger als fünf Sekunden) und wird dann aktiv. Und nachdem alle aktiv geworden sind, zeigen alle elf viel Aktivität, das heißt sie sitzen nicht wie ein Häuflein Elend herum und warten, bis sie jemand anspricht oder das Elend vorüber sein möge, sondern marschieren los, sehen sich um und begutachten die Umgebung und das Interieur. Ein selbständiges und intensives Untersuchungsverhalten wird allen außer Hetty bescheinigt, die auch selbständig untersucht, aber nicht so intensiv.

Nach einer Minute nehmen die Zuchtwarte Kontakt zum Welpen auf, sprechen ihn an, klopfen auf den Karton, rollen den Ball und locken den Welpen über die Folie. Die Prüfung heißt im Protokoll Verhalten des Welpen bei akustischen und optischen Einflüssen. Hubsi, Harpo, Hallodri, Hartl, Hugo, Halina, Hobo, Hias und Hedda beschäftigen sich mit allen Situationen selbständig und aktiv, Hakuna und Hetty lassen sich gut motivieren und heranführen.

Nächste Prüfungsaufgabe ist das Beutespiel. Dabei spielt der Zuchtwart den Welpen mit dem Lappen an. Der Welpe sollte das Beutespiel annehmen, den Lappen greifen und im Idealfall als Beute wegtragen. Alle elf Hallodris sind sofort interessiert und gehen auf das Beutespiel ein und alle tragen den Lappen weg.

Hias vom Bairischen BluesHias ist kitzligNach diesen Tests wird der Welpe wieder in seine gewohnte Umgebung gebracht und die Erscheinungsbild-Beurteilung auf einem Tisch vorgenommen. Das Verhalten des Welpen bei der Erscheinungsbild-Beurteilung ergibt bei den Hallodris folgendes Ergebnis: Hakuna, Hubsi, Hetty, Hartl, Hugo, Halina, Hias und Hedda sind aktiv und neugierig, Harpo, Hallodri und Hobo gelassen und freundlich. Der Unterschied liegt nur darin, dass die einen den Zuchtwarten bei ihrer Leibesvisitation mehr Arbeit machen und sie beschmusen, während die anderen etwas ruhiger halten und auf Küsschen verzichten.

Nach der Erscheinungsbild-Beurteilung wird der Welpe wieder auf den Boden gesetzt, um zu sehen, wie er sich nun, nach dieser Belastung durch den Test, verhält, ob er unbeeindruckt und locker ist und gleich wieder seinen Tagesgeschäften nachgeht oder beeindruckt ist und gestresst und sich der Welt am liebsten entziehen würde. Das Protokoll bescheinigt allen elf Hallodris beim Verhalten des Welpen nach der Erscheinungsbild-Beurteilung: sofort aktiv.

Zuletzt wird jedem Welpen eine Temperament-Note erteilt. Zehn von ihnen bekommen lebhaft, Hakuna ruhig. Ausgerechnet Hakuna erscheint den Zuchtwarten heute etwas ruhiger als die anderen. Uns war das noch nicht aufgefallen, und ihre zukünftigen Besitzer werden noch häufig über diesem Urteil brüten. Doch ein solcher Wesenstest kann immer nur eine Momentaufnahme sein - und diese Momentaufnahme der Hallodris ist unfassbar. Wir haben selbst sieben Wurfabnahmen durchschritten und viele andere Würfe getestet: So ein Protokoll haben wir noch nie in den Händen gehalten. Kein einziger Ausfall, kein lustloser Nörgler oder Hakuna vom Bairischen BluesHakunaschlechtgelaunter Schläfer. Noch nie haben wir ein Beutespiel erlebt, das ein solch durchgängiges Ergebnis geliefert hätte. Wir sind völlig geplättet. Acht Wochen haben wir die Hallodris hautnah erlebt und wissen, dass sie eine sehr fixe Bande sind, aber ein so linksbündiges Ergebnis haut uns um. Beinahe hätten wir allen Käufern absagen müssen, weil die Zuchtwartinnen mit jedem Welpen, den sie uns vom Verhaltenstest zurückbrachten, mehr und funkelndere Sterne in den Auge hatten und drohten, alle einzupacken und mitzunehmen. Das konnten wir gerade noch verhindern. Wir sind weit davon entfernt prahlen zu wollen, aber wir sind so stolz auf diesen Elferrat, dass wir fast platzen. Vor allem aber sind wir glücklich, dass wir allen Käufern einen richtig tollen Welpen in die Hand drücken können und ihm nicht erklären müssen, dass eine Aussage im Protokoll keinen bedenklichen Wesensmangel darstellt, sondern den Augenblick repräsentiert und wir müssen auch keinem Hundesportler erzählen, dass der Fifi gerade aus dem Tiefschlaf erwacht war den Beutelappen nicht von und Sonne, Mond und Sternen unterscheiden konnte. Wir haben elf grandios gelungene Hallodris, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und darüber dürfen wir uns freuen, wie wir uns noch nie freuen durften. Wir umarmen Fianna und Ery dafür und fühlen uns auf ganzer Linie bestätigt, dass wir diese Verpaarung gemacht haben. Besser geht es nicht. Der Pokerspieler würde sich diesen Wurf als Royal-Flush an die Wand nageln.

Hobo vom Bairischen BluesHobo ist mit der Welt im ReinenNicht unterschlagen dürfen wir natürlich die Erscheinungsbild-Beurteilung, also die Leibesvisitation. Was den Körperbau betrifft sind Hakuna, Hetty, Hallodri, Hartl, Hugo, Halina, Hobo, Hias und Hedda als kräftig eingestuft, Hubsi und Harpo als mittelkräftig. Alle haben ein tiefschwarzes Haarkleid, die Zähne sind ebenso komplett wie korrekt gestellt, der Behang ist korrekt und die Ruten zeigen auch keine Veränderungen. Bei den Marken haben wir Fianna- und Ery-Kinder. Die Fianna-Kinder sind teilweise knapp gezeichnet, haben aber meist mehr Marken als ihre Mutter. Die Ery-Kinder sind weit mehr mit Marken gesegnet, aber der von vielen befürchtete Markenluxus ist bisher nicht zu erkennen. Bei Hias ist ein Ansatz zur Doppelmarke und zu einer Brille zu erahnen und Hartl ist an der Brust und den Vorderläufen überzeichnet, dafür sind die Marken am Fang und die Augenpunkte knapp. Zuchtausschließende Fehler sind bis hierher keine zu berichten. Der H-Wurf ist auch optisch gut gelungen. Worüber sollen wir klagen? Der H-Wurf ist wirklich ein großer Wurf.

Hubsi vom Bairischen BluesHubsi entgeht knapp einer EntführungNachdem die Zuchtwartinnen gegangen sind, nicht ohne den Versuch, uns doch noch einen Zwerg zu klauen, sitzen wir wie in einem falschen Film zwischen unseren Hallodris und sind glücklich. Dazu kommt noch eine unglaublich liebevolle Mama Fianna, die mit ihren Kindern tobt und sich immer noch um sie kümmert, als wären sie gerade erst geschlüpft. Sogar heute noch hat sie keine Zeit den Roten Banditen bei der Rückkehr vom Spaziergang zu begrüßen, was sie sonst nie versäumt, weil es sie zuerst zu ihren Kinder drängt und sie nachsehen muss, ob alles in Ordnung ist.

Nach einer solchen Wurfabnahme und der bevorstehenden Welpenabgabe morgen fühlen wir uns wie in einer Schneekugel, die geschüttelt wird. Wir wissen nicht, ob wir heulen oder jubeln sollen. Wir entscheiden uns für beides.

 

Montag, 24. April 2017

So ruhig wie heute Morgen waren die Hallodris schon lange nicht mehr. Um 5:20 Uhr steht die Chefin auf, es hält sie nichts mehr im Bett. Und die Zwerge geben noch immer keinen Laut von sich. Allerdings sollte man sich nicht täuschen lassen: Die Hallodris stecken voller Leben! In dieser letzten Nacht haben sie uns den Transit aufgebrochen und sechs Häufen dort drinnen platziert. Wie sie das geschafft haben, was ihnen die ganze Zeit nicht gelungen war, werden sie uns nicht verraten, aber dass sie es gemacht haben, verdient unsere Hochachtung. Sie wollten sehr wahrscheinlich in den Garten, um ihr Geschäft zu erledigen, und das versuchten sie mit der gleichen Hingabe und Intuition, wie sie gestern ihr Abitur abgelegt haben. Dass die Terrassentür verschlossen war, konnten sie nicht ahnen, aber dass sie schon fast stubenrein sind, wollten sie uns schon noch mit auf den Weg geben. Schade, dass sie Abenteuerspielplatz KüchenblockAbenteuerspielplatz Küchenblockkeine Visitenkarten an ihren Machenschaften hinterlassen haben, sonst könnten wir noch ein wenig an der Preisschraube drehen.

Und noch etwas lassen sich die Hallodris für den letzten Tag einfallen: Sie machen sich jetzt, an diesem allerletzten Tag, am Weidekorb im Küchenblock zu schaffen, an jenem Weidekorb, der ihnen wochenlang kein Blick wert war. Heute müssen wir ihn noch entfernen, um ihn zu retten. Aber nun wird der Freiraum im Küchenblock zur Hallodri-Arena. Licht aus! Post ab!

Das Wetter hat unsere inständigen Bitten um ein anständiges Benehmen an diesem Abgabetag mehr als erhört: Um 6 Uhr registrieren wir -3° C und keine Wolke. Wenn das so weitergeht, dürfen wir uns auf einen strahlenden Abschied im Garten freuen und müssen uns nicht alle im Haus drängeln. Alle? Wer alle? Beim Blues ist es seit dem ersten Wurf Tradition, dass wir alle Welpen an einem Tag abgeben. Wir wollen unsere Instruktionen, Ratschläge und vor allem gute Wünsche nicht auf Tage gestreckt immer wieder formulieren, wir wollen den Welpenordner, Wurfabnahme-Protokoll und den Kaufvertrag in ihren generellen Belangen nur einmal allen erklären. Wir wollen kein langsames Dahinsiechen mit immer schwindenderen Hallodrizahlen. Wir wollen einmal traurig sein, einmal richtig traurig sein und nicht tagelang Phantomschmerzen haben. Und nicht nur die Hallodris sind ein höchst außergewöhnlicher Wurf, wie uns gestern klar wurde, sondern auch deren Besitzer; es ist der erste Wurf, der wirklich an diesem einen Tag komplett abgeholt wird. Wir stellen ein Weißwurst- und Leberkäs-Frühstück, dann geht es ans Offizielle und am späten Nachmittag ist das Welpenparadies verlassen (bis auf ein Überbleibsel). Für dieses Frühstück haben wir uns natürlich schönes Wetter gewünscht, denn wir erwarten rund 30 Besucher. Die verteilen sich im Garten unter südlicher Sonne besser als in der Küche und der guten Stube. Und die Stimmung ist auch heller.

Doch bevor es um 11 Uhr losgeht, müssen noch die letzten Formalitäten erledigt werden: Die ultimative Speckrollen-Statistik muss heute für die Ewigkeit eingeschweißt werden. Die meisten haben sich vornehm zurückgehalten, das ganz große Ziel war für die meisten nicht mehr zu erreichen, man hat es beschaulich austrudeln lassen. Unspektakuläre 1990 Gramm haben sie sich angespeckt und aufgemuskelt. Und nur zwei Positionen haben sich getauscht. Hobo hat Harpo noch auf dem letzten Meter weggekickt und Hakuna hat sich Hias noch auf den letzten Metern geschnappt. Und so sieht sie aus, die Rennliste der Hallodris am 24. April 2017:

1. Hallodri (7480), 2. Hartl (7150), 3. Hugo (7070), 4. Hetty (6850), 5. Hobo (6820), 6. Harpo (6800), 7. Halina (6720), 8. Hakuna (6690), 9. Hias (6660), 10. Hedda (6410), 11. Hubsi (5890).

Abschied von den HallodrisAbschied von den HallodrisJetzt wäre es von Interesse, ob es irgend jemanden gibt, der beim Hallodri-Bingo den Haupttreffer gelandet und alle richtig getippt hat. Wir sind gespannt. Aber bisher hat sich niemand getraut, einen Tipp abzugeben, deshalb wird sich kaum jemand trauen, jetzt zu behaupten, er oder sie habe alles richtig geraten. Chance vertan, jetzt ist es zu spät.

Bevor die Hallodri-Entführer eintreffen, nutzen wir die letzte Chance, uns von der Zauberschar allein und in Ruhe zu verabschieden, aber die kleinen Wichtigtuer haben Wichtigeres zu tun, als unseren Liebeschwüren und Durchhalteparolen zu lauschen. Das Leben ist auch an solchen Tagen ein Abenteuerspielplatz. Ja, was denn sonst? Melancholie steht für sie auch heute nicht auf der Agenda.

Um Alexandras AbschiedsmuffinsAlexandras Abschiedsmuffins11 Uhr ist der Garten voll, auch die Teller und Gläser sind voll und alle sind voller Gefühle. Alexandra hat noch einmal Hallodri-Muffins geliefert, um uns allen zu signalisieren, dass wir sie alle, einschließlich Mama und Papa, zum Fressen gern haben. Der Zauber des Tages bekommt einen besonderen Glanz, als Alexandra mit ihrer Familie, alle sehr gute Musiker, den Hallodris zum Abschied eine Hallodri-Polka spielen und ein selbst verfasstes Ständchen singen. Leider bringt es die Polka an den Tag, dass wir die Hallodris zwar mit vielen Wassern gewaschen haben, AbschiedAbschiedsversammlung im Gartenunter denen leider kein musikalisches war. Diese Übung haben wir eingestellt, als wir beim Versuch des Vizes, frühere Welpen saxophonfest zu machen, einsehen mussten, dass sich diese mit einem veritablen Bläsertrauma herumschlagen mussten. Und weil ja nicht jeder Welpe in einen musikalischen Haushalt geht, haben wir beschlossen, diese Sozialisation besser den neuen Besitzern zu überlassen. Die Reparatur solcher Schäden ist nämlich langwieriger als die Gewöhnung vor Ort. Die Folge dieses bewussten Versäumnisses ist, dass mit Einsetzen der Hallodri-Polka die Hallodris ihrerseits ein markantes Konzert zu Gehör bringen, weil sie offenbar keinen Zugang zum Dargebotenen finden und meinen, Trompetenstöße mit vielstimmigen Kehllauten neutralisieren zu können. Der Versuch scheitert und Hallodri-PolkaHallodri-Polkadie Hallodris ergeben sich ihrem Schicksal. Gegen ihren Willen, aber sehr mit unserem Einverständnis.

In solchen Augenblicken spürt man, dass hier Menschen sitzen und stehen, die nicht nur einen Hund kaufen StändchenStändchenwollen, sondern wir Menschen um uns haben, denen diese Hunde ans Herz gewachsen sind und die nicht weniger mit uns leiden als wir selber. Wann hat man schon weinende Welpenkäufer mit glänzenden Augen im Garten? Diese ganz besonderen elf Welpen, die nicht nur uns so sehr ans Herz gewachsen sind, genau sie haben diesen Abschied verdient, der keinem vor ihnen vergönnt war. Liebe Hiasls, das war das ergreifendste Geschenk, das uns und unseren Kindern je gemacht wurde. Und für die richtigen Empfänger!

Wir wollen euch allen das Gstanzl (Ständchen) nicht vorenthalten. Wenn ihr es livehaftig hören wollt, müsst ihr die Hiasls einladen. Und wer das Wortwerk nicht versteht, muss zum Bairischen Blues kommen und sich sprachfest machen lassen. Jederzeit willkommen.

Ständchen

für Hartl, Hias, Hakuna, Hugo, Hedda, Hubs, Hetty, Halina, Harpo, Hobo und Hallodri vom Bairischen Blues

 

Mir wünschen dir Glück und
dass allweil ois stimmt und
dass allweil as Herrli
von der rechtn Seitn kimmt.

A Pansen, a Wiener,
a Pizzarand, a Bier und
dass'd allsamm vertragn kannst,
des wünschn mir dir.

A Futter fürs Napferl,
a scheens langes Leben und
a recht guade Gsundheit
soll da Herrgott dir gebn.

Vergelt's Gott.

WeißwurstfrühstückWeißwurst-FrühstückNachdem die Speicher der Herrschaften mit Weißwurst, Leberkäs, Brezen, Bier, Wein und Limo gefüllt sind, geht es um kurz nach 13 Uhr los. Hakuna verlässt uns als erste in Richtung Schweiz, deswegen muss sie auch als erste Abschied nehmen. Eine halbe Stunde später fährt Hetty in Richtung Hohenpeißenberg davon. Hubsi verabschiedet sich um 13:45 Uhr in Richtung Regensburg, nicht ohne seinem Vize noch ein Andenken zurückzulassen: eine blutige Lippe. Wir würden dich auch ohne die nicht vergessen. Um 14:10 Uhr gibt Harpo seinen Abschied, weit zieht es ihn aber nicht weg, nur wenige Kilometer nach Bad Feilnbach. Um kurz nach halb drei zieht Hallodri davon, Ziel Landkreis Erding, auch keine Tagesreise, aber immer einen Kaffeeausflug wert. Kurz vor drei Uhr macht sich Hartl auf den Weg nach Otterfing, Luftlinie 16 Kilometer. Hugo folgt ihm wenige Minuten später, allerdings in die andere Richtung, nach Osten und Kolbermoor, mit 13 Barzahlung per Caiman-CashBarzahlung per Caiman-CashKilometern noch näher an seiner Brutstätte dran. Minuten später zieht Halina ihrer Wege zu ihrer Schwester Hetty nach Hohenpeißenberg. Um 15:45 Uhr verlässt uns Hobo in Richtung Eichstätt. Nun ist es schon fast gähnend leer im ehemaligen Welpenparadies, das Fianna und ihre Resterampe Hias und Hedda etwas verstört durchstreifen. Wir machen mit Hedda, Hias und seinen Leuten noch einen Spaziergang hinüber zur Mangfall, damit sich Glieder und Gemüter wieder lockern. Einen Kaffee gibt es noch zum Abschied und um 16:30 Uhr ist auch Hias weg. Aber was heißt schon weg? Uns und ihn trennt in Zukunft kaum ein Kilometer. Von Abschied kann unter diesen Umständen wenig die Rede sein. Insofern wäre es falsch, wenn wir nun beklagen würden, dass wir ab diesem Moment mit Hedda allein zurückblieben. Das wäre schon Fianna gegenüber mehr als unanständig, mehr aber noch gegenüber Hedda, an die wir nach langen und vielen inneren Walfahrten unsere Herzen verloren. Sie bleibt uns. Und Fianna bleibt uns, Anouk und Franzi grüßen freundlich aus ihren Herzkammern. Es ist alles gut.

Nun würde man sich gerne in den fast leeren Garten setzen und die Beine hochlegen. Doch es gibt Wichtigeres zu tun: Das Paradies räumen. Wir wollen alles, was an die Welpen erinnert sofort wegräumen, um es Fianna und Hedda nicht zu schwer zu machen. Früher packten wir, wenn es der Termin zuließ, den ganzen Familienstand zusammen und flohen für ein paar Tage irgendwohin, vornehmlich, um der Mutter den Abschied leichter zu machen. Heute geht das nicht. Also wird geräumt und verstaut, der Parcours, die Spielsachen, alles weg, nur die Gitter bleiben noch ein paar Tage stehen, um Hedda unter Kontrolle zu halten. Um 20:30 Uhr ist der ganze Krempel irgendwie geschafft, und wir sind es auch. Die Fitness-Uhr der Chefin, die sie täglich daran erinnert, mindestens 9000 Schritte zu tun, gab heute schon um 9:30 Uhr Entwarnung. Um 21 Uhr meldet sie 24.000 Schritte. So kann aus dem Versuch, einen Burn-Out zu vermeiden, leicht ein Burn-Through werden. Kolbenfresser nennt man so etwas wohl. Und Schuld an allem wären nur die Hallodris, die durchgebrannten oder eben: die through-geburnten.

Der Herzschmerz über die enteilten Herzgewächse wird schnell verwunden sein. Vielen von ihnen werden wir in der Welpenschule in Siegertsbrunn wieder begegnen, und vor allem sind die meisten nur so weit weggegangen, dass der Kontakt nicht abbrechen wird.

Die ersten Rückmeldungen via WhatsApp bestätigen, dass alle Hallodris die Emigration bestens bewältigt haben, und die mitgeschickten Film-Sequenzen belegen, dass ein Hallodri ein Hallodri bleibt, egal unter welchem Luftdruck er Druck ablässt. Den Hallodris geht es unverkennbar gut und sie fühlen sich wohl und schon zu Hause in ihrem neuen Heim. Und die Herzen, die schon wochenlang angeknackst und kaum mehr zusammenzuhalten waren, sind nun endgültig gebrochen. Gut so; das eint uns alle im freudigen Leid.

 

Epilog

Familie EichinFamilie EichinHartl lebt jetzt in Otterfing, im Süden Münchens und nur 16 Kilometer von seiner Geburtsstätte entfernt.

Hartl war nicht nur der erste Hallodri, der seine Mutter am 27. Februar um kurz vor 21 Uhr verließ und Ausschau hielt, was ihn und seine Geschwister da draußen in der bayerischen Kälte wohl erwarten wird, sondern war auch anschließend häufig vorn dran. Hätte sich Hartl beim Militär für eine bestimmte Einheit entscheiden dürfen, hätte er sich wohl für die Pioniere entschieden. Als wir den Welpenparcours aufbauten und den kleinen Hallodris die Tore öffneten, stiefelte der Zwerg Hartl alleine durch das unbekannte Outback des Bairischen Blues und erkundete das Gelände für seine Geschwister, die sich vornehm zurückhielten. Er erledigte das allein, unbekümmert, nassforsch, allerdings nicht blindlings und hirnlos. Er war sehr bei sich und bei der Sache und nahm diese auch ernst. So forsch er in seinen Forschermomenten ist, so zurückhaltend war er im Umgang mit seinen Geschwistern; er spielte sich nicht in den Vordergrund und ging Streitereien aus dem Weg. Hartl ist ein prima Kumpel, beteiligt sich an jedem Schabernack und lässt nichts anbrennen. Aber über die Stränge schlug er nie, es sei denn bei seiner Mama, die ihn des Öfteren in die Mangel nahm und das kleine Einmaleins des Hovi-Benimms unters zarte Fell injizierte. Aber auch diese Seelenmassage beschädigte den kleinen Kerl keineswegs, warf ihn nicht aus der Bahn und nahm ihm kein Stückchen seines reichlich vorhandenen Selbstvertrauens. So gesehen, machte Fianna vermutlich alles richtig, indem sie den Vorwitz ihres Erstgeborenen ein wenig einhegte, bevor er sich möglicherweise noch zum Trump des H-Wurfs entwickeln hätte.

Hartl, um dich machen wir uns keine Sorgen, du liegst wie ein Fels im Flussbett und teilst das Wasser. Die vorbeigleitenden Leckerbissen sind in jedem Fall die deinen, aber im Trüben wirst du nicht fischen. Du wirst deinen Weg machen und dabei deiner Familie viel Freude bereiten. Und nimm es uns nicht krumm, dass wir dich beim Tierarzt mal kurz in Weichl umtauften, das ist dem Vize nur so rausgerutscht. Nein, nur weil einem einmal eine Situation nicht in den Kram passt und man das auch deutlich ausspricht, ist man noch längst kein Weichl, höchstens jemand, der sich auch zu protestieren getraut, wo die anderen auf die Lefzen beißen. Der Vize nimmt den Weichl mit Bedauern zurück.

Man sieht sich.

 

Familie BaumerFamilie BaumerHias lebt nun kaum einen Kilometer von seiner Wiege entfernt in Bruckmühl.

Hias ist der Paradiesvogel der Hallodris. Hias gehört zu jenen Geschöpfen, die nicht nur ein Herz im Leib tragen, sondern dieses auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit in beide Hände nehmen. Er erobert damit seine Welt und wenn er das als erledigt betrachtet, verschenkt er es eben. Hias ist selbstbewusst und lustig, streitbar und clownesk. Nicht selten haben wir ihn auf Fotos, die wir nicht sofort identifizieren konnten, an seinen, wie die Chefin meinte, irren Augen erkannt, weil sein Spaß und seine Lebensfreude auch vor seinen Augen nicht Halt machen. Er ist nicht nur mit ganzem Herzen bei der Sache, sondern mit allem, was ihm zur Verfügung steht. Und dann rollt er eben vor Begeisterung die Augen, wie sie ein drittklassiger, schwarz angeschmierter Weißer in einer Minstrel-Show kullerte, wenn er einen Schwarzen spielen wollte. Natürlich stand Hias seinem vorwitzigen Bruder Hartl in Sachen Neugierde kaum nach, allerdings stürzte er sich lieber als Erster auf Besucher als auf einen in einer finsteren Ecke des Gartens wuchernden Rhododendron. Wenn es ums Futter ging, kannte Hias keine Geschwister und kein Pardon; das verteidigte er kompromisslos, wenn es seiner Meinung nach sein musste, auch gegen die Chefin und ihren Vize. Das hat ihm mit uns auch Ärger eingetragen, weil er in gewissen Phasen seiner Entwicklung gerne mal die Grenzen des Anstands überschritt. Aber Hias ist nicht nur lustig, neugierig und selbstbewusst, sondern er lernt auch schnell, was ihn nach nur wenigen Lerneinheiten dazu veranlasste, einen Gang zurückzuschalten und seine Ansprüche zu mäßigen. Das bei weitem Beeindruckendste an diesem Bayerischen Hiasl ist sein Spiel- und Beuteverhalten. Hias spielt leidenschaftlich und mit jeder Faser seines Lebens. Wie er beim Studio-Test im Dach sich selbst beschäftigte, ohne den Fotofix in der Ecke auch nur zu bemerken, wie er nicht wartete, bis irgendein gütiges Schicksal oder ein Erdbeben Bälle und Beißkissen in Bewegung setzten, um sie zu jagen, sondern sie selbst in Bewegung setzte, um ihnen nachjagen zu können, war ein besonderes Schauspiel. Ganz mit der Welt im Einklang tobte dieser kleine Hias durch unser Dachstudio, als ob es kein Morgen gäbe. Hias rockt die Welt, wie sie ist, und wenn sie nicht nach seinen Vorstellungen ist, legt er sie sich zurecht.

Als Nachfolger eines lange und innig geliebten Familienmitglieds hat es niemand leicht. Immer wird man verglichen und nicht jede(r) schafft es, aus dem mächtigen Schatten zu treten. Du, lieber Hias, hast zwar deinen Vorgänger Champ nicht vergessen gemacht, das wirst du auch nicht schaffen und soll auch nicht sein, aber du hast es schon in den ersten Wochen eures Kennenlernens geschafft, dass du bei deinen neuen Leuten der Hias bist und nicht ein unvollendeter Champ. Mehr kann man sich in dieser kurzen Zeit nicht erarbeiten. Lange haben sie gebraucht, bis sie sich schließlich für dich entschieden, aber mit dem geklauten Autoschlüssel hast du ihre Herzen pulverisiert. Von nun an bist du der Hias von Bruckmühl, und aus voller Überzeugung können wir dir versichern: Besser hättest du es nicht treffen können. Du wirst nie ein Champ sein, aber immer der Hias, der einzigartige vom Bairischen Blues und der von Bruckmühl.

 

Familie HombergerFamilie HombergerHakuna hat ihr neues Lager im schweizerischen Schaffhausen aufgeschlagen.

Hakuna ist so schwarz wie ihre Mama und trägt das gleiche Strahlen in ihren Augen wie sie. Das Auffälligste an ihr ist jedoch das Tempo, das sie an den Tag legen kann. Schon als winziger Zwerg war Hakuna immer fixer unterwegs als ihre Geschwister, nicht immer stilsicher, gelegentlich auch in bedrohlicher Schief- und Schleuderlage, aber schnell. Das nächste, das sie ausmacht, ist ihre Sammelleidenschaft. Ständig war sie unterwegs und sammelte wie ein Obdachloser alles, was ihrer Meinung nach verwertbar sein könnte, und schleppte es herum. Wenn es für die Geschwindigkeit von Vorteil war, steckte sie sich so ein Sammelteil auch mal auf die Nase (Blumentopf) und kreierte dadurch einen völlig neuen Blues-Style, die Blumentopf-Burka. Sammeln und Sausen als Einheit löste immer ein höllisch rasantes Spiel aus, in das alle gerne einfielen und das Hakuna meist an der Spitze sah, solange, bis die anderen sich ihrer Kernkompetenz als jagendes Rudeltier erinnerten, sie in den Kessel nahmen und ihr die Beute abnahmen. Traurig war sie darüber nie, wurde auch nicht zickig oder zornig, sondern suchte sich ein neues Sammelobjekt und startete ein neues Spiel. Wenn Hakuna gerade nicht als Blitz durch das Paradies kugelte, saß sie manchmal lange Zeit und beobachtete ihre Welt, offenbar kartographierte sie diese, möglicherweise auch, um bei der nächsten Hetzrunde noch schneller alle Hindernisse umrunden zu können und die geschwisterlichen Gegner in die Falle zu locken. Doch ihre größte Leidenschaft war ihre Mama. Ihre Mama ging ihr über alles. Für ihre Mama brach sie jedes Spiel ab und wenn immer Fianna sich gastfreundlich niederlegte, legte sich Hakuna zu ihr und kuschelte, kroch ihr buchstäblich unters Fell und ließ sich von ihr durchknibbeln und kneten. In diesen Momenten entdeckte sie die Langsamkeit, den ihr Name signalisieren sollte, den wir ihr aber augenscheinlich etwas voreilig gaben, jedenfalls hast du, liebe Hakuna, dich nur beim Kuscheln mit deiner Mama daran gehalten. Ruhig lässt du es nicht angehen, hektisch bist du zwar nie, aber einen Puls wie ein Blauwal, wie ihn dein Vize gelegentlich erzeugt, wirst du vermutlich nie hinkriegen. Du steckst so voller Leben und Feuer, dass wir dich auch Hellfire hätten nennen können. Wie du es schafftest, am Abiturtag als Einzige ein ruhiges Temperament bescheinigt zu bekommen, ist uns noch immer schleierhaft.

Der Vize hätte dich gerne bei sich behalten, aber bei deinen neuen Leuten bist du mindestens ebenso trefflich gelandet. Dafür, dass sie seit der Zeit deiner Halbgeschwister vom G-Wurf auf dich warteten, haben sie dich mehr als verdient. Auf der Nase wirst du ihnen nicht herumtanzen, auch nicht mit einem Blumentopf auf der deinen, weil sie mit solchen Explosivgeschöpfen, wie du es bist, reichlich Erfahrung haben. Du wirst ihnen dennoch gelegentlich Kopfzerbrechen bereiten, vornehmlich aber wirst du ihnen das sein, was du auch für uns warst: ein unbekümmerter Sonnenschein, ein Quell purer Lebensfreude. Obwohl der Rheinfall nun Teil deines Lebens ist, wirst du sicher nie ein Reinfall für deine Leute sein. Aber sie werden gelegentlich dein Abiturzeugnis hervorziehen, den Kopf schütteln und über die Langmut des Papiers schmunzeln.

 

Familie WiedemannFamilie WiedemannHugo lebt nur wenige Kilometer weiter in Kolbermoor bei seiner Tante Lily Rose (Exe vom Bairischen Blues) und seinem Großonkel Barney (von der Poloniusburg).

Hugo gehörte zu jenen Hunden, die in einem Wurf wenig auffallen, deswegen aber nicht weniger präsent sind. Gerade die Zurückhaltenderen haben oft mehr Substanz als die Rampensäue. Sein Abiturzeugnis belegt jedenfalls, dass er sich in keiner Hinsicht von seinen Geschwistern unterscheidest; immerhin hat er sogar in Sachen Temperament seiner Schwester Hakuna den Rang abgelaufen. Hugos auffälligstes Merkmal ist seine Menschenfreundlichkeit, Hugo ist der Philanthrop des H-Wurfs. Wo sich ein Mensch aufhielt, war Hugo nie weit (es sei denn, er wäre gerade hinter Hakuna und ihrer Beute her gewesen). Wir sind uns sicher, dass es keinen Besucher gibt, dem Hugo nicht auf den Schoß geklettert wäre. Wir erinnern uns an Situationen, in denen Besucher staunten, dass sie schon wieder Hugo auf dem Schoß hatten, obwohl gerade noch ein anderes Geschwisterchen dort kuschelte. Hugo schaffte es immer, die Herzen der Besucher zu pfeilen, so dass sie es nicht merkten. Und in Sachen Schoßhocken hatte er Geduld für alle seine Geschwister zusammen. Und auch unter ihnen hielt er sich gerne auf. In den ersten Wochen war noch häufig aktiver Teil von Auseinandersetzungen, denen er nicht aus dem Weg ging, doch bald fand er sein Gleichgewicht und war von allen gut gelitten.

Hugo, so hört man, sei der Schönste der Hallodris. Als ob das ein Kriterium wäre! Sicher gehört er zu den Gelassenen, zu denen, die mit der Musik ziehen, aber keine notorischen Adabeis sind. Wenn wir uns durch den riesigen Bilderstapel der Hallodris wühlen, stellen wir immer wieder erstaunt fest, auf wie vielen sich Hugo befindet. Offenbar versteht er sich bestens auf ein Leben als Tarnkappen-Hallodri. Ob er diese Existenz entwickelt hat, um bei seinen zukünftigen Mitbewohnern nicht in die Schusslinie zu geraten, wissen wir nicht. Wahrscheinlich ist das nicht. Die siebenjährige und mittlerweile dreibeinige Lily hat das Heft fest in der Hand, aber zusammenfalten wird sie ihn nicht, dazu ist sie viel zu souverän. Und der vierjährige Barney ist ein ausgemachter Gutelaunebär, dem der Sinn nicht nach Keilereien steht.

Lieber Hugo, wir kennen deine Leute nun lange genug, um sicher zu sein, dass es dir bei ihnen und deinen zwei Mitbewohnern an nichts mangeln wird. Die anderen beiden haben sich jedenfalls noch nie beschwert. Allerdings musst du jetzt auf den Namen Henry hören, weil die zur Hälfte englische und bayerische Belegschaft Sorge trug, dein Gehorsam könnte am Sprachkonflikt zwischen "Hugo" und "Jugeou" leiden. Deswegen nun also Henry, der beiden einigermaßen geschmeidig von den Lippen geht. Uns soll es recht sein, Henry, Hauptsache du hast dagegen keine Einwände. Wenn du ihnen so an den Lippen hängst wie uns und unseren Besuchern, ist es völlig egal, welchen Namen sie über diese bringen.

 

Familie MandlingerFamilie MandlingerHubsi hat sein Lager nun in Hemau, westlich von Regensburg, aufgeschlagen.

Hubsi hatte einen beträchtlichen Nachteil gegenüber seinen Geschwistern zu verkraften: Er wurde von seiner Mama erst zwei bis drei Tage nach seinen Geschwistern zur Produktion freigegeben, was ihn körperlich ein bisschen ins Hintertreffen geraten ließ. Was ihm an Größe und Gewicht mangelte, glich er jedoch spielend durch seinen Charme und seinen Witz aus. Natürlich war der kleine Kugelblitz bei allen Besuchern der Star, sein pfiffiges Gesicht entwaffnete alle. Und es schien, dass er um dieses Geschenk wusste, jedenfalls tat er nichts, um es zu verbergen. Unter die Räder kam der kleine Kerl auch nie, obwohl er immer mitten im dicksten Tohuwabohu anzutreffen war. Wo Polka getanzt wurde, gab Hubsi den Eintänzer, und wo Hubsi zum Tanz bat, waren alle flugs dabei. Nicht nur unsere Besucher hatten an ihm einen Narren gefressen, auch seine Geschwister hakten sich bei ihm unter und tobten mit ihm, Hu-Hu-Hubsi skandierend, durchs Revier. Die Butter vom Brot hat ihm auch nie eine(r) genommen, höchsten den Pansen aus dem Baumstumpf, aber Hubsi wusste immer wie und bei wem er sich schadlos halten konnte. Der Kleine war auch ein großer Sänger, nicht selten das lärmende Sprachrohr und scheppernde Megaphon der Hallodris. Hubsi erhob gerne und nachdrücklich seine Stimme. Meist waren es keine Beschwerden, vielmehr fand er es angezeigt, seine Geschwister und deren Tun zu kommentieren. Aber wenn ein Klagelied anzustimmen war, war Hubsi der Erste, der es anstimmte. Und noch eine Fertigkeit hat er rasch perfektioniert: den Umgang mit seinen rattenscharfen Zähnchen. Hubsi entwickelte sich zum Chefkrokodil der Hallodris. Wenn der Fortschritt auf wundersame Weise, aber abrupt, ins Stocken geriet, war meist Hubsi die Ursache, die da am Bein hing. Am liebsten aber thronte er etwas erhöht auf irgendeinem Paradiesmöbel und spielte King of the Mountain: Hubsi, der Taktgeber, Hubsi, der Vorsänger, Hubsi, der Feldherr und Hubsi, der Bergprediger. Statt Brot und Fische verteilte er allerdings gerne mal Backpfeifen und Kopfnüsse. Und seine Geschwister ließen ihn gewähren und revanchierten sich nie dafür. Hubsi war nicht nur bei uns Menschen Everybody's Darling und wiederlegte damit das Bonmot des ehemaligen Landesvaters Strauß, dass Everybody's Darling Everybody's Depp sei. Zu keiner Zeit war Hubsi ein Depp, noch nicht einmal ein Hofnarr war er. Er hatte alle und alles im Griff, am griffigsten unsere Herzen. Die Gnade einer etwas zu frühen Geburt umgab den kraftvollen und selbstbewussten Rüden mit einem Zuckerguss, der den herzhaften Inhalt überlagerte. Wenn das Süßholz abgeraspelt ist, wird dem Candy-Hubsi-Cocon ein Handy-Hubsi und Randy-Hubsi entsteigen, ein Kerl voller Saft und Kraft, der seinen Platz im Leben beanspruchen und behaupten wird. Deine Leute haben das bereits erkannt und sprechen von dir seit Kurzem nicht mehr von Hubsi, sondern von Hubert. Mensch, ging das schnell...

Hubsi (für uns wirst du noch eine Weile Hubsi bleiben), auch wenn du den Abschiedskuss des Chronisten mit einem Vampirkuss beantwortetest, haben wir nichts als Gutes über dich zu berichten; man muss sich ja auch nicht von jedem küssen lassen. Über dein Personal haben wir auch nichts Schlechtes zu vermelden, sondern legen es dir im Gegenteil ans Herz und vertrauen es dir an. Du wirst das alles perfekt managen, weil der erste Teil deines Namens auf Hugo zurückzuführen ist und dem altgermanischen 'Geist' entspricht und der zweite Teil, der Bert, 'glänzend' bedeutet, was darauf hinausläuft, dass du einer bist, der durch seinen glänzenden Verstand besticht. Was zu beweisen war.

 

Familie ScheerFamilie ScheerHetty ließ sich in Hohenpeißenberg, im schönen Pfaffenwinkel, nieder.

Hetty hat viel von ihrer Mama: Sie mag Menschen, liebt die Welt und das Leben und ist lästigen Farbflecken abhold. Hetty gehörte zu jenen Hallodris, die, wie der berühmte Hansdampf, auf nahezu jedem Foto des Chronisten zu sehen waren, was ihm bei der Auswahl der Tagesbilder große Seelenpein bereitete, schließlich durfte die Chronik der Hallodris nicht in Hetty-Festspiele ausarten. Jeden Tag Hetty? Aber verdient hett sie es schon, denn, wer unermüdlich in Sachen Selbstvermarktung unterwegs ist, hat immer irgendeinen Fuß in der Tür; im Falle eines Hundes sind das immerhin vier. Hetty besitzt offenbar auch jenen Grundinstinkt, der einen zuverlässig ins Scheinwerferlicht rückt. Jeder weiß, dass Kinder die natürlichen Blick- und Herzensfänger sind. Kleine Hunde auch. Hetty schloss daraus messerscharf, dass kleines Kind und kleiner Hund der Megaherzenskiller sein müsste. Und damit lag sie goldrichtig. Dementsprechend war Hetty immer dort, wo Kinder waren, und kein Kinderschoß blieb lange unbehettyed. Doch täten wir Hetty unrecht, wenn wir diese Kinderliebe als Merketingkalkül abtäten, nein: Hetty liebt einfach das Leben, ist allem und jedem gegenüber aufgeschlossen und stürzt sich mit breiten Armen drauf und dran. Das lässt sich bei kleinen Menschen unkomplizierter verwirklichen als bei Menschenbergen, die noch dazu steife Knie haben und wie Festungen in der Landschaft stehen. Es ist Hettys völlig offenes Wesen, das sie den Menschen in die Arme treibt. Doch auch unter ihren Geschwistern hatte sie keine Neider oder Gegenspieler, sie war beliebt und ein begehrter Spielpartner. Schnell war sie, trickreich und gelegentlich hatte sie es faustdick hinter den Ohren; aber das hatten ja eigentlich alle Hallodris. Schlafmützen und Dumpfbacken bescherte uns Fianna nicht. Was hinter ihren Auftritten an der vordersten Bühnenkante häufig verborgen blieb, war ihre Spielleidenschaft. Sie war die Hallodra, die am häufigsten mit Bällen und Flauschis unterwegs war, allein mit sich und dem Spiel. Unvermittelt konnte sie das Teil dann in die Luft katapultieren und ihm resolut, aber mit teuflischem Spaß in den Augen, nachjagen. Die Kinder-Hetty hat eine finster-süße Seite, die ihr den faden Schmelz des Sugarbabys nimmt. Was ihre Geschwister wohl auch bestätigen würden, denn rücksichtsvoll war die Schwarze nicht immer, gelegentlich keilte sie auch kräftig aus und um sich, was sie jedoch mit der Zeit auf die Momente reduzierte, wo es ihrer Meinung nach unumgänglich war, etwa beim Kampf um die letzten Reste in den Schüsseln. Nicht ohne Grund vollzog Hetty eine beeindruckende Reise durch alle Höhen und Tiefen der Gewichtstabelle. Und auch ihre deftige Magen- und Darmverstimmung, die sie in ein kotzendes Elend verwandelte, kam nicht vom Daumenlutschen, sondern weil sie sich an Mutters Knochen vergriffen und übernommen hatte.

Der Vize und Chronist schwört auf solche schillernden Charaktere mit Abgründen und hätte dich, wie Hakuna, in seinen Harem aufgenommen. Sei's drum, du hast es auch so großartig getroffen. Deine Leute werden dich auf Händen tragen, obwohl du längst mit allen Beinen fest im Leben stehst und dich selbst schwankende Untergründe nicht mehr aus dem Gleichgewicht bringen. Wenn es dir an etwas nicht mangelt, ist es Selbständigkeit und Standfestigkeit. Davon werden wir uns noch oft genug selbst überzeugen können.

 

Familie SchröderFamilie SchröderHalina stellt ihre Hütte in nächster Nachbarschaft zu Hetty in Hohenpeißenberg auf.

Auch dir hätte der chronische Vize ein Dach über dem Kopf gegeben, da aber seine Freunde ihre Augen gar nicht mehr von dir lassen konnten, war die Entscheidung gefallen, bevor sie reif war.

Mit jedem Wurf macht man als Züchter neue Erfahrungen und lernt etwas hinzu. Eine unserer Erfahrungen ist, dass stille Wasser abgründig und voller Überraschungen sind. In jedem Wurf hatten wir ein solch stilles Wasser und jedesmal wurde uns diese Erfahrung bestätigt. Halina ist das stille Wasser der Hallodris. Ursprünglich fiel sie vorwiegend durch ihr Äußeres auf: Halina ist schön, anders als ihre Schwestern, die zwar auch schön sind, aber nicht auffallen, weil sie wie ihre Mama sind und deshalb in unserem Hause optisch keinen neuen Reiz setzen. Halina ist anders. Sie ist auch anders, weil sie ruhiger als ihre Schwestern ist, dadurch nicht dauernd im Fokus steht. Dennoch ist sie immer mittendrin und auch dabei. Auch in diesem Aspekt setzt sie die Reihe jener augenscheinlich unauffälligen, aber dennoch präsenten Blues-Ableger fort. Von all denen ist keiner zum Mauerblümchen oder zur Trauerweide geworden. Ganz im Gegenteil. Schon im Spiel mit ihren Geschwistern ließ Halina erkennen, dass in ihr viel Potential schlummert, jedenfalls gab sie nicht nur Kontra, sondern teilte auch kräftig aus. Und wenn jemand ihr Kontra gab, ließ sie nicht auf das Re warten. Ihre zwischengeschwisterliche Kommunikationskultur war beherzt, aber nie grob. Mit uns Menschen ging Halina eher vorsichtig um, die schmerzlichen Attacken gingen zumeist nicht von ihr aus, jedenfalls nicht in jener Entwicklungsphase, in der alle meinten, ihre Waffen an uns testen und polieren zu müssen. Halina fand erst später zu dieser Art Freizeitgestaltung, ließ es dann aber nicht an Stanzfestigkeit vermissen. Noch beim Studio-Test zeigte sie leichte (!) Zweifel an der eigenen Courage. Was tatsächlich in ihr steckt, offenbarte Halina bei der Wurfabnahme. Wer ihr bis dahin ein zurückhaltendes Wesen zuschrieb, wurde von ihr eines Besseren belehrt; sie bestand diese Prüfung, wie alle anderen, mit Bravour und ohne Wackler. Wir Blues-Insider fühlen uns bestätigt, dass Halina langsam kommt, nun aber gewaltig. Während der letzten Tage bei uns ließ sie bereits manche Hüllen fallen; die letzten waren es definitiv nicht. Schon jetzt zeichnet sich ein zauberhaftes Wesen ab. Aus den Tiefen des stillen Wassers steigt etwas sehr Besonderes.

Liebe Halina, die Wurzeln deines Namens liegen im Altgriechischen 'Galene' und 'Helene'. Galene steht für Ruhe und Stille und beschreibt einen Teil deines Wesens sehr trefflich. Helene steht für Fackel oder Glanz, und das ist es, wohin du dich gerade zu entwickeln scheinst. Doch den letzten Schlüssel liefert das arabische Wort 'Halima': Traum! Und das bist du für deine Leute heute schon: ein Traum. Ein Traum, der ihre Albträume der jüngsten Vergangenheit vergessen macht, das lange Leiden und der viel zu frühe Tod deiner unvergessenen Vorgängerin Doosie sowie die qualvolle Odyssee deiner Namensgenossin Helena, die dir noch gerne Koseworte in die flauschigen Ohren geflüstert hätte. Wer weiß, vielleicht war sie es ja, die dich nach Hohenpeißenberg befahl?

 

Familie Holthaus-VehseFamilie Holthaus-VehseHarpo lebt jetzt in Bad Feilnbach, zu Füßen des Wendelsteins.

Harpo bezieht sich mit seiner Namensgebung auf den wortlosen Marx-Bruder, der durch zweierlei zu Weltruhm gelangte: durch sein Harfenspiel, weshalb er eben Harpo heißt, und seine Pfiffigkeit. Unser Harpo spielt nicht Harfe, das war schon bei seiner Namensvergabe klar. Wortlos oder stumm ist er auch nicht. Bleibt die Pfiffigkeit, und da kann er mithalten. Eigentlich ist Harpo ein gut geschnürtes Rundumpaket aus Wohlgestalt, Bewegungsgenie und Verschmitztheit. Wollte man Harpo auf die Schnelle in eine Schublade stecken, würde man ihn Sonnyboy nennen. Erste Aufmerksamkeit zog er auf sich, als die Hallodris gerade ihre Schnullerbox verlassen hatten und fast alle bei den Versuchen, sich durch die Küche zu bewegen, eine peinliche Figur machten. Mit Bewegungstalent oder gar Bewegungsluxus hatte das nicht viel zu tun. Außer bei Harpo. Er war der Erste, der den Umständen entsprechend stabil auf seinen Beinchen pendelte und nicht unentwegt über die Nase abrollte. Harpo war der Erste, der die nötige Technik entwickelte, um auf dem glatten Fliesenboden Vortrieb zu entwickeln. Er war bis zum Tag seines Auszugs der schnellste und trittsicherste Hallodri. Nur er konnte Radien rennen, die seine Geschwister, die ihn verfolgten, in eine Umlaufbahn beförderten. Harpo ist mit seinen Beinen so talentiert und geschmeidig wie sein Namensgeber mit den Fingern. Diese Gewandtheit, gepaart mit seiner Pfiffigkeit, brachte ihm viele Vorteile im Kampf um Beutestücke. Sein Nachteil war seine Gutmütigkeit. Wo andere, nachdem sie sich die Beute durch Geschwindigkeit und Witz erobert hatten, diese auch mit, wörtlich verstandener, Verschlagenheit verteidigt hätten, ließ sich Harpo selten auf einen Streit ein, sondern sah sich nach einem anderen, herrenlosen Beutestück um. Auch so kann Pfiffigkeit interpretiert werden. Es wäre fast ein Wunder, wenn ein Bewegungstalent wie Harpo nicht auch ein ausgesprochener Spielfex wäre. Spielaufforderungen ließ er eigentlich nie unbeantwortet, sondern stürzte sich mit allem, was ihm zur Verfügung stand, ins Vergnügen, hetzte allem hinterher, was ihm angeboten wurde. Dabei entwickelte er auch mehr Ausdauer als die meisten seiner Geschwister, wobei er mehr auf Abwechslung stand als auf Intensität. Das heißt allerdings nicht, dass es ihm an Triebstärke mangelt – die Zuchtwartinnen gewannen da einen anderen Eindruck – nein, er will sich nur nicht so sehr auf ein Objekt konzentrieren oder beschränken, sondern lieber wie die Biene von Blüte zu Blüte flitzen, um zu sehen, was sonst noch alles im Angebot ist.

Lieber Harpo, du darfst dich auf ein abwechslungsreiches Leben zwischen Pferden und der Jagd freuen, bei Menschen mit einem großen Herzen und viel Hovawarterfahrung. Einem Leben als pfiffiger bayerischer Hallodri steht also nichts im Wege.

 

Familie KasparikFamilie KasparikHobo hat seine Zelte im Workerszell, im Landkreis Eichstätt, aufgeschlagen.

Hobo war der einzige Hallodri, den sogar der identifikationsunbegabte Vize auf Anhieb beim Namen nennen konnte: Hobo hatte nämlich nahezu den gesamten Farbvorrat, den seine Mutter im Angebot hatte, gesammelt und verteilte ihn auf sich, was es dem Vize leicht machte. In Sachen Farbgebung ist Hobo ein Vorzeige-Hovawart, aber ein richtiger Blues-Jünger ist er nicht; Farbluxus gehört seit Anouk nicht mehr zur Tradition des Hauses. Ein bunter Hund war er trotzdem nicht und er fiel deswegen auch nicht dem Diskriminierungsdrang seiner Geschwister zum Opfer, was durchaus hätte sein können, weil Hunde, und Hovawarte im Besonderen, nicht immer frei von Farbrassismus sind. Nicht so bei Hobo, dem seine Geschwister seine Farbangeberei nicht übelnahmen. Hobo war zweifellos der Ruhigste der Hallodris (nicht Hakuna!), aber einer, der immer sehr ausgeschlafen war, wenn es darauf ankam, so zum Beispiel beim Abitur. Hobo ist nämlich tatsächlich etwas ruhiger, aber keinesfalls einer, den sie im Allgäu als Drimslar bezeichnen würden (Träumer, Trödler, Schlafmütze). Nichts von dem war Hobo. Ja, er hat immer gerne und lange geschlafen, hat sich auch mal zur Ruhe gelegt, wenn die anderen gerade wieder einmal die Welt neu erfinden wollten. Nicht unbedingt Hobos Anliegen. In seinem ersten Leben als Wanderarbeiter reiste er in Güterzügen um die Welt, da macht ihm kein naseweiser Hallodri etwas vor. Aber Bilder lügen nicht, und die beweisen, dass Hobo oft, viel und auch schnell auf seinen Beinen unterwegs war. Neben Hubsi und der Allzweckwaffe Hetty war er auch der Stimmführer der Hallodris, ein begnadeter und bei Nichtbeachtung auch gnadenloser Beller, einer, dem nicht alles, aber ziemlich viel ein Kommentar wert war, das allerdings nur im Haus, am Hallodri-Paradies hatte er offenbar nicht viel auszusetzen und hielt meist an sich. Als allerdings der Nachbar seine Harley zur ersten Frühlingsausfahrt aufstöhnen ließ, gab er die Richtung vor und meldete als Erster 'Gefahr im Verzug'. Genau dafür ist ein Hovawart bestimmt. Und das ist dann das eigentlich Erstaunliche an dem Zwerg: Er war schon jetzt ein richtiger Hovawart, augenscheinlich schläfrig und unauffällig, dabei immer auf Betriebstemperatur, und wenn er gefordert war, stellte er seinen Mann, na gut: sein Männchen. Wenn er nicht den unverzichtbaren Wachmann gab, tobte er auch gerne mit seinen Geschwistern herum und beteiligte sich an deren Spielen, aber zum Animateur oder zur Betriebsnudel wird er wohl nicht werden.

Lieber Hobo, in dir steckt schon jetzt viel mehr Hovawart als in deinen wieselnden und wuselnden Geschwistern, die vom Ernst des Lebens noch nichts verstehen. Mit deinem dicken, bunten Bollerkopf und den verträumten Augen hast du ähnlich viele Herzen gebrochen wie Hubsi. Du bist auf eine anrührende Weise seriös, wie es in deinem Alter nicht häufig vorkommt. Für dich haben wir eine Familie ausgesucht, die keinen Flip will und keinen Flop und schon gar keinen Müden Willi, sondern einen Burschen, auf den Verlass ist und der das Herz erwärmen kann. Wir sind fündig geworden. Und jetzt könntest du eigentlich mal bellen...

 

Familie ReichertFamilie ReichertHallodri hat seine Schmusedecke in Walpertskirchen, im Landkreis Erding, ausgebreitet.

Was soll man über so einen noch lange reden? Es ist doch schon fast alles gesagt. Als Schlussakkord hat Fianna den Einpfünder ihrem Leib abgerungen, ein Finale furioso am Faschingsdienstag um Viertel nach drei. Als Zweitschwerster hinter seiner Schwester Hetty nahm er das Rennen um die Pfunde auf und beherrschte das Feld nach einer kurzen Orientierungsphase ab dem neunten Lebenstag souverän. Wie er sich durchs Futter fraß, so fraß er sich durch die Herzen. Wie er sich durch die Herzen fraß, so fraß er sich durch sein und aller anderen Futter. Berggorilla hatte ihn der Chronist wegen seiner kräftigen Statur einmal genannt, aber unsere Besucher, die die Gewichtstabelle im Kopf hatten, fahndeten enttäuscht nach dem großen Hallodri und fanden ihn nicht, weil er zwar schwer war, aber wohlgeformt und wenig größer nur als seine Geschwister. Deswegen hat ihn der Chronist auch nur Berggorilla genannt und nicht Silberrücken. Er war nämlich nie gewaltig, schon gar nicht gewalttätig. Aus seiner Statur erhob er auch nie Ansprüche auf die Rudelführerschaft, wie es ein Silberrücken machen würde, obwohl er selbstredend überall dabei war, wo es krachte und stank. Auf dem Weg zum Kampfplatz konnte er dann ein erstaunliches Tempo entwickeln, um nicht erst bei den Friedensverhandlungen mitmischen zu können. Ein paar Ellenbogenchecks musste er mindestens loswerden, was ihm allerdings regelmäßig zum Verhängnis wurde, wenn er einen solchen an eine seiner kampfstarken Schwestern austeilte. Die falteten ihn (wie übrigens auch die anderen Möchtegern-Machos) dann nämlich so zusammen, dass er in eine Streichholzschachtel passte. Dann lief er heulend zu Mama, die ihn wieder hinaus ins Feuer jagte. So muss es sein: Wahres Heldentum muss reifen. Bei diesen Kampfeinsätzen war ihm einfach noch nicht klar, dass er im Grunde seines Herzens nichts als ein allerliebster Hallodri ist, ein lockerer Bruder Leichtfuß, ein Spitzbub und eine pralle Herzknospe. Für ihn bestand das Leben vornehmlich aus Spaß, er genoss es unbekümmert und in vollen Zügen (hat nichts mit Hobo zu tun) und stellte sich offen und neugierig allen Herausforderungen und Angeboten. Man muss nicht großmächtig sein, nur weil man groß und mächtig ist; man muss die Welt erst trinken, bevor man sie verdauen kann. Machen wir es einfach kurz: Hallodri ist ein herrlich unverkrampfter und offener Schlingel, dem das Leben gelegentlich noch ein wenig zu groß ist.

HannibalHannibalDie Zukunft, lieber Hallodri, wird für dich ein Riesenfass voller Leben bereithalten. Deinen Ansprüchen und Fähigkeiten, die zwar noch in den Kinderschuhen stecken, sich aber deutlich abzeichnen, würde Erding und sein Hinterhof nicht gerecht werden können. Deswegen werden dich deine Leute in ferne Länder führen und fremde Menschen werden dir überall zu Füßen liegen. Dein Chef wird chauffieren, schrauben und schnauben, deine Chefin rangieren, tranchieren und arrangieren, du aber wirst der Herr über Hannibal, den Zehntonner, sein, wie es dein Vorgänger war, der 34 Länder bereiste und den Ruhm des Hovawarts in die Welt trug. Weil schon ein Familienmitglied, nämlich dieser Hannibal, schon einen H-Namen hat, hörst du nun auf Nando, was zwar eine Abkürzung von Fernando sein kann, aber ursprünglich vom germanischen 'nantha' abstammt, was 'gewagt' und 'kühn' bedeutet. Das könnten natürlich für deinen Lebenswandel hilfreiche Eigenschaften sein. Vielleicht schickst du uns mal ein Foto aus der Wüste oder aus San Nandobal.

 

Heike SchubertHeike SchubertHedda ist die Kronprinzessin des Bairischen Blues und bleibt in Vagen.

Es hat lange gedauert, bis wir uns ganz sicher waren. Es hätte Hakuna sein können oder Halina oder Hetty. Oder eben Hedda.

Liebe Hedda, du bist schlicht eine Blaupause deiner Mama (mit mehr Marken), und gerade das ließ uns zögern: Eine zweite Fianna? Eigentlich wollten wir das nicht. Aber was kann man schon ausrichten gegen die geballte Kraft des Unvermeidlichen? Natürlich waren wir positiv alarmiert, als wir in dem ausgelassenen Kugelporsche, der den Garten durchpflügte, deine Mama wieder erkannten und nur noch dich im Blick und Sinn hatten. Die Selbstverständlichkeit, mit der du die Gestade des Blues unter deine Stummelbeine nahmst, ließ dich als Wiedergängerin deiner Mama erscheinen, ein Déja-vu mit Farbklecksen. Sogar ihre Lebenshaltung und -einstellung fanden wir in dir wieder: Schlafen, wenn andere toben. Auf Exkursion gehen, wenn der Rest in der Pofe liegt. Dann mal kurz über den träumenden Haufen brettern, alle aufwecken und sich, wenn alle aus den Federn sind, zur Ruhe begeben. Ist ein solches Sozialverhalten am Ende genetisch? Und in noch einer Eigenschaft stehst du deiner Mama nicht nach: im handfesten Zupacken. Du bist keine Rauferin, wie es auch deine Mama nie war und nicht ist, aber vornehmlich Übergriffe von hinten, auf deinen Allerwertesten oder deine Rute, beantwortest du mit einer Abreibung, die sich gewaschen hat. Du liebe Güte, das kann sie dir doch nicht beigebracht haben, und wenn doch, warum dann nur dir und nicht deinen Geschwistern? Hat sie dich etwa für eine Übernahme vorbereitet? All das hielt uns in einer langen Schwebe zwischen Hingabe und Abgabe. Doch in einer Hinsicht bist du entscheidend anders als deine Mama: Dein Spiel ist tiefer und voller Spaß und Leidenschaft. Du kannst dich mit Bällen beschäftigen, auch mit zwei oder drei, ohne dass du ihrer überdrüssig wirst. Wenn wir dir etwas hinwarfen, nahmst du es auf und brachtest es sofort zurück. Du apportierst schon jetzt aus Spaß und mit Leidenschaft – und das hat dir deine Mama sicher nicht beigebracht. Auch beim ersten Beutespiel nahmst du das Beißkissen schon fest zwischen die Kiefer, gabst aus vollem Herzen Kontra und wolltest nicht mehr loslassen. So viel Herz, Verstand und Biss waren wir nicht gewachsen.

Es sind ja nie die großen Unterschiede, die eine Entscheidung bringen. Manchmal ist es nur ein winziger Blick, der ein Herz sturmreif schießt, eine fahrige Geste zwischen tausend anderen, die den Weg weist. Man stolpert ja auch nicht über einen Berg, sondern über einen Maulwurfshügel. Es hätte tatsächlich eine deiner Schwestern sein können, aber wir meinen, dass es diese Intensität und Tiefe deiner Spielkultur war, das Herzhafte und Beherzte, aber auch das Antizyklische, was uns die letzte Gewissheit brachte, dir das Erbe von Anouk, Franzi und Fianna anzuvertrauen. Die Tatsache, dass auch du uns mit einiger Wahrscheinlichkeit keine blonden Kinder bescheren wirst, war da nur noch drittrangig.

Irgendwann, sehr spät, blickten wir uns an: Same procedure as last time?
Wir nickten uns zu.
Yes, we'll do our very best.


Hier leben die Hallodris jetzt

Nun bleibt uns nur noch, allen von ganzem Herzen zu danken, die zum Gelingen des H-Wurfs beigetragen haben. Wir sagen allen Dank, die sich eingebracht und geholfen haben. Jeder der sich angesprochen fühlt, soll sich umärmelt und gedrückt fühlen. Wir hätten es alleine nicht geschafft, die Hallodris zu dem zu machen, was sie geworden sind: ein Traum. Namentlich lassen wir es uns natürlich nicht nehmen, Fianna und Ery noch einmal explizit in die Arme zu drücken, denn für das, was sie am 28. und 30. Dezember 2016 auf den Weg gebracht haben, ist jedes noch so schöne Wort zu gering.

Ihnen und allen ein herzlich bayerisches Vergelt's Gott.

Und was für die zurückliegenden Würfe galt, gilt auch für die Hallodris:
Wir schließen nun das Zuchtbuch des Bairischen Blues bis auf Weiteres. Wir werden weiter präsent sein, die Wege unserer Kinder verfolgen und darüber berichten. Ihren Leuten wünschen wir alles Glück mit ihren neuen Familienmitgliedern sowie ein gute und sichere Hand. Wir werden ihnen immer mit Rat und Tat zur Seite stehen und Freunde sein.

Keep on the sunny side, always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life
It will help us ev'ry day, it will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life

 

eddy vom hagenauer forstEddy vom Hagenauer ForstFür unseren geplanten I-Wurf haben wir uns für Eddy vom Hagenauer Forst entschieden.

Eddy ist ein knapp fünfjähriger schwarzmarkener Rüde von gutem mittleren Typ. Er zeigt sich ausgesprochen lustig und spielfreudig mit einem schönen Trieb. Von seiner Besitzerin Elfriede wird er im IPO-Sport geführt und hat in diesem Frühjahr die IPO3 abgelegt.

Aufmerksam sind wir auf ihn durch die tolle Kombination von Action und Arbeitsbereitschaft sowie Ruhe und Gelassenheit geworden. Bei Spaziergängen oder auf dem Hundeplatz zeigt er viel Elan, Bewegung und Action, lässt sich aber von anderen Hunden und deren Pöpeleien und Imponiergehabe nicht aus der Ruhe und der Fassung bringen. Und ganz nebenbei ist er auch noch richtig schön.

Mehr Infos und Bilder gibt es auf der Webseite von Eddy unter www.vom-hagenauer-forst.de/eddy.php

 

1. Woche (20.02.2019 - 26.02.2019)

Mittwoch 20.02.2019

Es sind die ersten Tage, die uns immer unter Dauerspannung halten, weil jetzt so viel gutgehen wie schieflaufen kann. Natürlich kommen später andere Risiken hinzu, wie etwa Durchfälle und Infektionen, denen die Knirpse noch weitgehend schutzlos ausgeliefert sind, aber in diesen ersten Tagen liegt unser Hauptaugenmerk auf der Mutter; die Welpen machen einen gesunden und stabilen Eindruck, aber bei der Mutter muss man erst einmal abwarten, ob sich noch unliebsame Überraschungen eröffnen. Blutet sie gut ab? Trägt sie noch Plazentareste in sich, die ihr zusetzen? Hat sie genug Milch? Bekommt sie einen massiven Durchfall? Es ist jedenfalls nicht die Zeit, sich entspannt zurückzulehnen.

Während der Assi mit Hedda eine einigermaßen ruhige Nacht im Familienbett verbrachte, hat die Chefin im Wohnzimmer Stallwache gehalten und nicht viel Schlaf abbekommen, weil die Indieweltgesetzten die Fianna mit ihren KindernGlückliche Mama mit ihren KindernKlappe nicht halten können und unentwegt plappern. Das kennt sie zwar von früheren Bruterfolgen, macht es deswegen aber nicht besser. Mit dem Morgengrauen kommt dann der erste Rundumcheck. Welchen Eindruck macht die Mutter? Sie sieht frisch aus wie der junge Tag. Abgehakt. Dann die Temperaturkontrolle, die jetzt noch wichtiger ist als vor der Geburt, weil sie da nur ein wichtiger Indikator für die nahende Geburt war, jetzt ist sie aber der Gradmesser für den Zustand der Wöchnerin. Um 6 Uhr zieht die Chefin das Thermometer mit 38,4 °C unter Fiannas Rute hervor. Das gibt's doch nicht! Das ist ja fast Normaltemperatur. Frisch gebackene Mütter haben eigentlich immer erhöhte Temperatur bis hin zum Fieber. Nicht so Fianna. Eine Kontrollmessung kommt zum gleichen Ergebnis. Das sieht natürlich so gut aus, dass man sich fast fragt, ob wir die Geburt nur geträumt haben. So kann es jedenfalls weitergehen.

Anschließend unternimmt Fianna mit der Chefin eine kleine Runde um unsere Stamm- und Pinkelwiese, den sie in vollen Zügen genießt und bei dem sie nie den Eindruck macht, als ob sie gestern acht Welpen in die Welt gesetzt hätte. Sie hüpft herum wie Flip, fordert ihren Ball, ist rundherum quietschfidel und hat eine Ausstrahlung wie die Königin von Saba. Einzig ihr Stuhlgang ist auffällig – aber nur für Leute, die noch nie einen nachgeburtlichen Kotabsatz gesehen haben: Er ist breiig und pechschwarz. Beides kommt von acht verspeisten Nachgeburten, gigantische Eiweißbomben, die für den Brei und die Farbe verantwortlich zeichnen. Wir sind ja schon froh, dass sie nicht einen strammen Strahl herausschießt, den sogenannten Hydrantenstuhl, der häufig als Folge der Proteinbombe eintritt. Dagegen geben wir seit jeher Podophyllum, ein homöopathisches Mittel, das unsere Mütter über alle Würfe hinweg von diesem Ungemach verschonte. Und so bekommt sie zu ihrem gekochten Morgenhühnchen wieder Podophyllum, dazu Arnica zur besseren Heilung der vielen Mikrotraumata in ihren Geburtswegen und Metrovetsan, ein ebenfalls homöopathisches Mittel, das dafür sorgt, dass die Hündin schnell und gut abblutet, denn Blutreste in den Geburtswegen bedingen Fäulnisprozesse und damit Fieber. Zumindest für den Moment scheint sich dieser Gabenmix positiv auszuwirken: Fianna macht einen topfitten Eindruck.

Fianna und IsiFianna und IsiAber auch die Welpen sind wohlauf und knauzen in der Schnullerbox; offenbar sind sie wohlgenährt und zufrieden. Diesen Eindruck bestätigt auch die erste Gewichtskontrolle, bei der alle zusammen 40 Gramm abgenommen haben. Eine Gewichtsabnahme am ersten Tag ist jedoch völlig normal. Indra und Iltschi haben über Nacht jeweils 20 Gramm liegen gelassen, Ignaz, Iberl und Inouk 10 Gramm, die gewichtige Isi hat ihr Gewicht gehalten (nicht schon am ersten Tag Schwäche zeigen!),Ilmo hat 10 Gramm und Irax 20 Gramm zugenommen, macht zusammen 40 Minus. Passt. Ausgemergelt und abgemagert sieht hier niemand aus.

Nur das Nesthäkchen Hedda ist durch den Wind und sucht ihre Position in diesem Auf- und Umtrieb. Sie ist überzeugt, dass ihr gerade eine bisher sehr heile Welt unter den Beinen wegbricht; da helfen auch viele Streicheleinheiten nichts. Es sind diese starken Gerüche nach Blut und Fruchtwasser, die uns wegen des ständigen Bettenwechsels kaum auffallen, aber für eine feine Hundenase eine gemeine Herausforderung sind. Dazu kommt das unentwegte Geknirze und Gegickel, das Quietschen und Knauzen, das den stolzen Eltern ein güldenes Klingeln im Ohr ist (außer nachts), für die Außen- und Nebenstehende jedoch eher eine Art Tinnitus. Schuld ist ihrer Meinung nach ihre Mutter, die diese ganze Misere allein zu verantworten hat, und deshalb pöbelt sie sie kurz und eindringlich an, als die sich ihrem Rückzugsort hinter der Haustür nähert. Ranz! Psychogeschwätz ist jetzt wirklich das Letzte, das ihr fehlt und langatmige Erklärungen braucht sie auch nicht. Und Fianna? Dreht sich um, lässt ihre Tochter spätpubertieren und trollt sich wieder. Die wird schon wieder normal; den Gören geht es einfach zu gut heutzutage, und vom Leben haben sie keine Ahnung. Aber warte nur. Sie ahnt offenbar, dass die kleine Rübennase auch irgendwann nach Blut und Fruchtwasser duften soll. Fianna fechten solche Rüpeleien nicht an; da schwebt sie drüber und davon. Und die Rübennase muss wieder selber mit sich klarkommen. Was zumindest an der frischen Luft beim Morgenspaziergang schon bestens funktioniert; da ist sie die immerwährende Hedda, unbeschwert, luftgetragen und spielrauschig bis zum Herzstillstand. Nur nach Hause will sie nicht mehr. Dann doch lieber Herzstillstand...  Aber wir wissen ja alle: Letztlich kommen die guten Mädchen in den Himmel und die anderen überall hin, auch in die verabscheute Brutfabrik.

Als zweites Frühstück nimmt Fianna körnigen Frischkäse mit Ziegenmilch und Frubiase Calzium  zu sich, das ihren heftigen Kalziumabbau durch die Milchsauger ausgleichen muss. Wie sehr eine Geburt und die Zitzenzuzler den Kalziumhaushalt einer Hündin plündern, sieht man an ihren Zähnen: Die elfenbeinernen Luxusbeißer werden schon während der Geburt bernsteinfarben und wechseln anschließend in ein hässliches Gelbbraun – innert (ach, was liebe ich dieses Schweizer Wort!) weniger Stunden. 

Am frühen Nachmittag stärkt sich Fianna noch einmal mit Hühnchen und einer Trockenfutterbeilage, das sie mit Appetit verspeist, schließlich lassen ihr diese kleinen Isegrimms kaum etwas übrig von dem, was sie zu sich nimmt. Danach unternimmt sie mit der Chefin bei 13 °C und frühlingsfrischer Sonne einen kleinen Spaziergang um die Wiese. Nach ihrer Rückkehr wird sie von Hedda, gegen deren Gewohnheit, recht reserviert begrüßt, weil ihr die Mama offenbar total fremd und irgendwie unheimlich geworden ist. Sie wird wohl noch einige Therapiesitzungen mit sich selber machen müssen, um im neuen Rollenspiel anzukommen. Das wird ihr gelingen. Schadet ja nicht, wenn man langsam erwachsen werden und sich aus dem mütterlichen Kokon lösen muss.

Um 19 Uhr liefert das Rektalometer eine Fiannentemperatur von 37,6 °C. So viel Normalität lässt uns nur noch ungläubig den Kopf schütteln. Die Nacht verbringt  die Chefin nahe ihrer Brut und der Assi mit Hedda im Familienlager, weit weg von den Gerüchen und der Lärmbelästigung. Hedda schläft wie ein Murmeltier. Wahrscheinlich hofft sie, dass die Nacht nie enden möge.

 

Donnerstag, 21.02.2019

Die Nacht der Chefin ist erwartungsgemäß unruhig, nicht, weil es den Idefixen schlecht ginge, sondern weil sie sich so viel zu erzählen haben. Es ist ja einer jener sinnfreien Mythen, dass Männer maulfaul seien. Sechs Kerls am Stammtisch vor ihrem Bier sind alles andere als maulfaul, und sechs Burschen am Zapfhahn der Mutter haben immer noch einen Mundwinkel frei, aus dem heraus sie warme Luft absondern können. Dass sich die beiden Mädels dieser Konversation nicht verschießen, liegt nahe. Man muss diese Dauerberieselung eine Nacht ertragen haben, um a) zu wissen, woher der Begriff twittern kommt und b), um mehr als einen, exakt acht gute Gründe zu haben, alle Vorbehalte diesem Quatschmedium gegenüber bestätigt zu bekommen.

Doch jede Nacht geht zu Ende und die Nachtmahre lösen sich im fahlen Licht eines Februarmorgens in Hirngespinste auf. Wenn die glückliche Mutter morgens um 6 Uhr mit 38,3 °C aus der Kinderkiste steigt, kann der Tag kaum besser beginnen, selbst wenn die Quatschköpfe darin noch immer ohne Punkt und Komma twittern.

Wenn man den Gesprächsbedarf der Zwerge in Betracht zieht, kann man über deren Befindlichkeit zweierlei schließen, entweder, sie haben Anlass, sich zu beschweren oder es gilt das Gegenteil: Sie quatschen uns und dem lieben langen Tag ein Ohr ab, weil sie vor lauter Sorglosigkeit nichts Besseres zu tun haben. Die Gewichtskontrolle legt das Zweite nahe. Zusammen haben sie 140 Gramm, zugenommen, wobei keiner IberlIberlabgenommen hat. Ihr Durchschnittsgewicht liegt heute bei 513,75 Gramm (gestern: 496,25, nach der Geburt: 501,25). Da kann man natürlich aus voller Brust trillern. Ignaz (450) und Ilmo (500) haben ihr Gewicht gehalten, Iberl (470) und Inouk (490) haben 10 Gramm zugenommen, Irax und Isi liegen mit 560 Gramm gleichauf und haben auch beide 20 Gramm zugelegt, Iltschi legte 30 Gramm auf und wiegt nun 530 Gramm. Indra hat vermutlich die Klappe und sich ans Büffet gehalten: +50, macht 550. Damit zeigt sich wieder einmal die Frauenpower, die von Isi mit 560 Gramm angeführt und von Indra mit 550 bestätigt wird. Nur Irax hält mit Isi noch die Spitze. Irgendwann werden die Mädchen dann aber klein bei- und nachgeben müssen und die Burschen vorbeiziehen lassen.

Ein gemeinsamer Spaziergang fürs gemeinsame GlückEin gemeinsamer Spaziergang fürs gemeinsame GlückFianna ist, nicht nur wegen ihrer formidablen Körpertemperatur, richtig gut drauf , sondern besteht auch darauf, die Chefin und Hedda auf eine kleine Runde begleiten zu dürfen. Sie ist eine fürsorgende Glucke, die aber ihre eigenen Bedürfnisse nicht vor lauter Gluckerei aus dem Blick verliert. Schlank ist sie wieder und federt auf leichten Beinen neben den beiden her, als hätte ihr der Verlust der wochenlangen Last Flügel verliehen.

Hedda genießt diesen Spaziergang zwar sichtlich, legt aber weiterhin keinen Wert darauf, wieder nach Hause zu kommen. Da ihr dieser Wunsch unerfüllt bleibt, arrangiert sie sich mit den häuslichen Gegebenheiten und geht Fianna und den Twittern aus dem Weg. Ihr Platz ist vorrangig der Eingangsbereich, weit genug weg und außer Sicht der Schnullerbox. Wenn allerdings zur Speisung gerufen wird, gibt sie ihre Zurückhaltung und Distanz gegenüber ihrer Mutter auf, und sie schlemmen, wie gewohnt, Seit an Seit und Schulter an Schulter. Und da stört es sie auch nicht, dass direkt hinter ihr die Zwerge plappern. Die Sorge, angesichts der rundum gewaltigen Kaloriennachfrage, unter die Räder zu kommen und Stammgast bei der Bruckmühler Tafel zu werden, lässt sie ihre Abneigung für wenige Minuten vergessen, dafür aber die Schlagzahl erhöhen; sie war schon immer doppelt so schnell wie ihre Mama, aber jetzt ist sie schon fertig, bevor diese eruiert hat, was im Napf liegt.

In ihm liegt heute, und das ist bis auf Weiteres Fiannas Menüplan (Varianten sind gewollt und erwünscht), morgens eine große Portion selbstbereitete Welpenmilch mit Hüttenkäse, mittags eine ebenfalls große Portion gekochtes Hühnchen mit Reis, aufgepimpt mit Metrovetsan und Frubiase, nachmittags, gegen 17 Uhr, wieder eine große Portion Trockenfutter und abends Rind pur oder mit Pansen oder Innereien. Dazwischen gibt es zwei- bis dreimal Arnica und Podophyllum. Normalerweise müsste Fianna bei diesem Speiseplan aufgehen wie eine Dampfnudel, aber sie nähert sich schon wieder ihren Idealmaßen. Unglaublich, wie viel Energie diese acht Vampire ihr entziehen. 

Am späten Nachmittag liegt Fiannas Temperatur bei 37,4 °C, und wir bleiben dabei: So cool war noch keine unserer Mütter am zweiten Tag nach der Geburt, Fianna eingeschlossen. Das positive Gesamtbild bestätigt sich in Fiannas Stuhlgang, der weiterhin breiig ist, allerdings mit Tendenz zur Normalität. Da unterscheidet sie sich von Hedda, die heute eine ordentliche Flitzekacke hat, weil ihr diese häuslichen Umstände offenbar doch auf ihren sonst äußerst stabilen Darm schlagen. Dagegen gibt es allerdings ein unschlagbares Hausmittel: Spaziergang mit ihrer Hundefreundin Krümel und Lieblingsfreundin Anna-Maria. Dass deren Mutter für alle zusammen Verpflegung mit sich schleppt, wird dankend akzeptiert, aber nicht weiter thematisiert, weil sich Hedda, Krümel und Anna-Maria selbst genug und ein Kosmos für sich sind, die ihre Außenwelt wahr-, aber kaum zur Kenntnis nehmen. Man hat eben sein Personal, hat man keines ist man ein armer Hund, jedenfalls kein Hovawart. Und die Cockerpoo-Hündin Krümel ist längst zum Hovawart geworden, auch wenn sie nicht so aussieht. Vielleicht besteht sie ja demnächst auf rassekorigierende OPs. Anna-Maria hat alle RecheAnna-Maria hat alle RechteDurchaus denkbar. Die Drei also, Hedda, Krümel und Anna-Maria, unternehmen, begleitet und geleitet von einer Butlerin, einen mehr als zweistündigen Spaziergang durchs Mangfalltal mit angeschlossenem Picknick. Hier rennt und tobt sich Hedda ihre Alltagssorgen aus dem Kopf. Als die Tour jedoch ein Ende nehmen muss und Anna-Maria ihre Krümel nach Hause bringen soll, während Hedda von der Butlerin wieder an ihren Stammsitz abgeliefert wird, beschließt Hedda, sich Krümel anzuschließen und sich auf unbestimmte Zeit bei ihr einzuquartieren. Dieses Ansinnen wird allerdings vereitelt, und so kehrt sie leidenschaftslos in ihre Zwitscherbude zurück und hofft vermutlich auf eine tägliche Wiederholung dieser ausgedehnten Auszeit. Die nächste Mahlzeit wird ihr die schalen Gefühle wieder vertreiben.

Die vier haben jedenfalls eine vorfrühlingshaften Spaziergang bei fast 14 °C hinter sich gebracht, und falls sie den Eindruck gehabt haben sollten, dass ihnen die Sonne etwas schmalbrüstig und ausgezehrt vorkommt, ist das durchaus im Bereich des Möglichen, weil wir seit unserem letzten Wurf, vor zwei Jahren, eine Photovoltaik-Anlage installiert haben und demnach die ganze Power, die wir für die dauerlaufenden Waschmaschine und Trockner brauchen, nun dieser unserer einzigen Sonne abtrotzen. Bei unserem gegenwärtigen Wäscheberg muss es nicht wundern, wenn sich die gute, alte Sonne wundert, was ihr da unversehens bei ihrer Visite über dem Mangfalltal angetan wird. Aber sie ist mit ihrem Ausnahmezustand nicht alleine: Der Assi ist auch schon eher fahl als vorfrühlingshaft bronziert, weil er aus dem Keller kaum noch herauskommt und langsam zum Kellerassi mutiert. Doch auch er wird sich erholen, wie auch Frau Sonne wieder zu alter Strahlkraft zurückfinden wird.

Nachdem wir uns nun ausgiebig selbst bedauert und die Quasselstrippen in der Box beklagt haben, dabei den Zustand der Mutter bewundert und den der Tochter dokumentiert haben, darf man sich die Frage stellen: Gibt es sonst nichts Erwähnenswertes über die Idefixe? Also bitte! Am dritten Lebenstag! Wobei: Iltschi haben wir heute schon ertappt, wie er versucht hat, auf seinen Matschebeinchen durch die Kiste zu wackeln. Immerhin. Und außerdem ist es ihm schon gelungen, sich mit dem linken Hinterbeinchen hinterm linken Ohr zu kratzen. Das ist, anders als der Gehversuch, allerdings eine motorisch schon sehr bemerkenswerte Leistung. Ob er darüber nachgrübelt, warum er den Namen eines legendären Pferdes tragen soll, wo es doch seine nachdrückliche Absicht ist, selbst einmal zur Legende zu werden? Er wird es uns nicht verraten. Und wir warten ab, womit er uns überraschen wird.

 

Freitag, 22.02.2019

Es ist stark bewölkt und regnet. Morgens hat es 7 °C und mittags 14 °C; das ist zwar für die Jahreszeit unangemessen warm, aber mit den Frühlingsgefühlen ist es vorerst vorbei. Egal: Echten Frühling erwarten wir, wenn die Knirpse in die Außenanlage sollen; jetzt kann es gerne noch ein bisschen regnen. Wenn wir uns zur Abwechslung wieder einmal dem Hundertjährigen widmen, gibt es wirklich keinen Grund zur Klage. Wenn’s an Petri Stuhlfeier kalt, die Kält noch 40 Tage anhalt oder Weht es sehr kalt um Petri Stuhl, denn bleibt's noch 14 Tag kuhl. Von Kälte kann wirklich keine Rede sein, außer bei Fianna vielleicht, die auch heute Morgen wieder 38,2 °C kuhl ist. Dagegen das hundertjährige Kontrastprogramm: Ist es mild und nach Petri offen der Bach, dann kommt auch kein großes Eis mehr nach. So soll es sein. Unser Vertrauen in den Hundertjährigen ist ungebrochen.

Vielleicht ist Fianna sogar ein bisschen zu kuhl, weil sie ziemlich viel pinkeln muss, beim Ausgang schon gleich zu Beginn drei-, viermal hintereinander und dann auch immer wieder. Vielleicht hat sie sich eine leichte Blasenentzündung  geholt. Wir beobachten das. Sonst ist sie so locker und fidel wie immer. Fieber hat sie jedenfalls keines, daran besteht kein Zweifel.

Und sie blutet immer noch heftig nach, was gut ist, aber sie selbst am meisten stört. Wenn sie mit der Zunge gar nicht mehr unter ihrem Schwanz herausfindet, bringen wir sie in die Hundedusche und gönnen ihr eine kleine Abreibung. Fianna steht auf diese Behandlung, geht gerne mit in die Dusche, stellt sich unter der Brause in Position und genießt die warmen Wasserstrahlen. Dann wird sie noch abfrottiert, was ihren Glückszustand weiter fördert, und wieder zu ihren Kindern geschickt. Das genießt sie alles sehr und liegt danach wie die kinderreiche Kaiserin Maria-Theresia mit ihrer ganzen Brut im Bett und im Glück. So eine hippe Duscha hatten wir noch nie (ihre Tochter nimmt sich fast das Leben, wenn sie in die Dusche gebracht wird).

inoukinoukDen Zwergen scheinen die Duschaktionen mit anschließendem Umtrunk auch nicht schlecht zu bekommen, jedenfalls lässt ein Durchschnittsgewicht von 551,25 Gramm (gestern 513,75) auf einen prächtigen Gedeih hoffen. Und so ist es auch. Arbeiten wir einfach die Gewichtstabelle von oben nach unten ab: Indra 610 g (+60), Irax 600 g (+40), Isi 580 g (+20), Iltschi 570 g (+40), Ilmo 560 g (+60), Inouk 510 g (+20), Iberl 500 g (+30) und Ignaz 480 g (+30). Das macht eine Auflastung von 300 Gramm aus, übrigens exakt so viel wie am gleichen Tag beim H-Wurf (allerdings hatte Fianna damals drei Mäuler mehr satt zu kriegen).

 

Samstag, 23.02.2019

Nach dem Regen kommt der Frühling zurück, allerdings mit Ostwind, und das bedeutet Dauersonnenschein bei 0 °C morgens, 3 °C nachmittags und -6 °C am späten Abend. Aber schön ist es. Das finden auch die Stare, von denen heute ein erster Männertrupp auf Quartiersuche lärmend durchs Mangfalltal zieht. Da hätten die Knirpse aber eine Freude, wenn wir ihnen diese Kreischer mit ins Nest setzen würden. Und Hedda erst!

Zu Fiannas Temperaturen äußern wir uns vorerst nicht mehr, weil die morgens und nachmittags jeweils um 0,1 bis 0,2 Grad abrutschen, der Allgemeinzustand sich also weiter bessert. Sie lässt noch immer viel Blut liegen, vielleicht, um nicht auf ihre geliebte Dusche verzichten zu müssen. Uns ist das eine so recht wie das andere.

 Auf der Waage bestätigt sich, dass Fiannas viele Duschen eine ausgesprochen gewichtsfördernde Wirkung haben. Heute hat Irax mit 660 g (+60) die Führung in der Hüftspeck-Rallye übernommen. Ihm folgen die Amazonen Indra mit 650 g (+40) und Isi mit 640 g (+60). 630 g (+60) bringt Iltschi auf die Waage, Ilmo folgt mit 610 g (+50) und Inouk mit 600 (+90). Iberl (560) und Ignaz (540) hilft es bei dieser Konkurrenz nichts, dass sie sich mit mächtigen 60 Gramm keine Blöße gaben. Insgesamt waren das von gestern auf heute 480 gemeinschaftlich ermampfte Gramm, was andererseits bedeutet, dass Fianna dafür etwa einen Liter Milch liefern musste. Jetzt weiß man, warum sie bei einem solchen Speiseplan nicht zunimmt. Den Zunahmen entsprechend sind die Knirpse auch in einer Topverfassung, und wenn man sie hochnimmt, hat man ein halbes Kilo strammen und festen Körper in der Hand, an dem kein Fett und auch sonst nichts Wabbeliges ist. Man spürt schon jetzt: Was sich da in der Hand räkelt und wehrt, wird sehr bald ein richtig durchgearbeitetes Muskelpaket sein.

IndraIndraDerIltschiIltschi heutige Tag bringt ein wenig Abwechslung und Aufregung in den ereignisarmen Schlaf-Trink-Alltag der Zwerge, denn es kommt die Zuchtwartin zur Erstbegutachtung. Innerhalb der ersten Lebenswoche müssen sie sich einem kleinen Check unterwerfen, bei dem es vor allem darum geht, einen ersten Eindruck zu gewinnen: Sind sie gesund? Sind sie wohlgenährt? Entsprechen sie dem Rassestandard, zumindest so weit, wie man das zu diesem Zeitpunkt feststellen kann? Wohlgenährt sind augenscheinlich alle und einen kranken Eindruck macht keiner. Eine Gaumenspalte kann keiner haben, sonst hätte er (oder sie) nicht so kräftig zunehmen können. Die Näbel sind ebenfalls ohne Beanstandung, die Ruten lassen auch keinen Defekt erkennen und Farbabweichungen treten sehr bescheiden auf, etwa der Bruststrich bei Irax und die Ignaz und seine MamaIgnaz und seine Mamaweißen Zehenspitzen bei Ilmo. Ob und wie sich das verwächst, muss abgewartet werden. Und so sind wir sehr zufrieden mit dem, was uns Fianna und Eddy in die Kiste gelegt haben, zumal die acht auch ziemlich wehrhaft sind und ihren Protest gegen diese Behandlung lebhaft zum Ausdruck bringen; Schlafmützen sind sie nicht. Sogar Hedda findet, dass diese Welpenbeschau eine gute Gelegenheit wäre, einmal selbst einen Blick auf die Bande zu werfen und steckt doch tatsächlich ihre Nase unter Ignaz' Schwänzchen, was Mama Fianna sehr wohlwollend registriert und ihr umgehend assistiert. Das reicht Hedda dann auch; die Dosis macht das Gift, wie man weiß. Zu viel wäre jedenfalls nicht wünschenswert. Und deshalb trollt sie sich wieder und hat etwas zu grübeln.

 

Sonntag, 24.02.2019

Puuh: -7 °C sind zwar februartypisch, aber von dem an Petri Stuhlgang angekündigten Frühling doch noch ein ganzes Stück entfernt. Das liegt natürlich am Ostwind, der sich zwar merklich abgeschwächt hat, aber immer noch viel Frische aus dem nahöstlichen Kühlschrank hereinhaucht. Dabei ist der Hundertjährige bezüglich des heutigen Tages voller frühlingshafter Zuversicht: St. Mattheus hab ich lieb, denn er gibt dem Baum den Trieb. Der wird sich schön bedeckt halten, der Baum. Doch die nächste Vorhersage gibt dem Assi wirklich zu denken: Wenn Matthias kommt herbei, legen Gans und Huhn das erste Ei. Woher, so fragt er sich, nahm denn der Hühnerhof um die Ecke all die Eier, die er in den vergangenen Tagen in Fianna stopfte? Flugeier aus Namibia etwa? Und dann auch noch falsch ausgezeichnet! Oder bereiten die ihren Hühnern einen ganzjährigen Matthias-Frühling? Kaum meint man, die Welt in ihren großen Strichen verstanden zu haben, zermartert man sich das Hirn mit Hühnereiern. Kleinteiliger geht es kaum.

Diese Eier tragen jedenfalls beträchtlich zu Fiannas  Leistung als Marketenderin ihrer Brut bei, die weiterhin über jeden Verdacht erhaben ist. Auch heute Morgen kann sie um 480 Gramm aufgelastete Kinder präsentieren, hat demnach wieder einen Liter Milch produziert und ausgeliefert.

IraxIraxIrax hat seine Frontposition mit 720 g (+60) verteidigt, stark bedrängt von den Mädels Isi (+60) und Indra (+50), die 700 Gramm auf die Waage bringen. Ihnen folgen Ilmo mit 690 g (+80) und Inouk mit 670 g (+70). Ein bisschen durchgereicht wurde Iltschi mit 660 g (+30). Die beiden zarten Buben am Ende der Tabelle können sich weiterhin ins Zeug legen wie sie wollen, die Igelbande der anderen sechs ist immer schon da. Deswegen bleibt Iberl trotz 60 Gramm plus und 620 Gramm auf dem vorletzten Platz, kräftig bedrängt von Ignaz (610), der sich sogar 70 Gramm einverleibte. Hilft nichts. Unsere Erfahrung sagt, dass das jetzt erst eine Weile so bleiben wird. Oft genug kommen die Zarten am Ende ganz groß raus, und wenn nicht, dann eben nicht. Hungerhaken hat Fianna noch nie in die Welt entlassen.

Fianna Fianna lässt sich nicht aus der Ruhe bringenNicht nur die Idefixe gedeihen prächtig, auch Fianna erholt sich sichtbar von der Geburt. Das gilt vornehmlich für ihre Zähne, die jetzt wieder weiß werden und sich dem gesunden Gesamtbild nicht mehr widersetzen, aber auch ihre erhöhte Blasenaktivität hat sich wieder normalisiert. Alles im frühlingsgrünen Bereich also.

Nach Heddas gestrigem Vorstoß in Richtung Ignaz, versucht sie es heute mit einem schnellen Blick ins Aussiedlerkörbchen. Das Aussiedlerkörbchen kommt zum Einsatz, wenn die gute Stube geputzt und das Bettzeug ausgetauscht werden muss. Das passiert in den ersten Tagen, wenn die Mutter viel Blut und Fruchtwasser verliert, vier bis fünf Mal am Tag (kann auch öfter sein), reduziert sich dann, wenn diese Belastung vorbei ist, auf etwa zweimal und geht sprunghaft in die Höhe, wenn die Knirpse ihre Därme und Blasen ohne Zutun der Mutter frisch von der Leber weg entleeren. Dann ist wieder Rush Hour für den Assi im Keller (und der Sonne geht wieder das Licht aus). Das erste Körbchen mussten wir schon austauschen, weil die fette Bande sich nur einmal übereinander wälzen musste, und schon lagen sie in der Küche. Und jetzt gibt Hedda vor, sie interessiere sich eigentlich nur für das neue Körbchen, überhaupt nicht für dessen Inhalt. Wenn sie meint... Die Inspektion des Körbchens ist jedenfalls nach wenigen Sekunden abgeschlossen, und sie macht sich wieder davon.

Eine neue Mutwallung überkommt Hedda, als Krümels Anna-Maria mal sehen will, was aus den Frischgeborenen, denen sie ihren Segen mitgeben durfte, inzwischen geworden ist. Keine Mutter kann entspannter bei ihren Kindern liegen als Fianna, wenn Anna-Maria ihr Beistand leistet, ihr Ausdauer und Kraft zuspricht und die Nase krault und nebenbei Ignaz im Schoß hält. Angesichts eines so paradiesischen Friedens, hält es sogar Hedda nicht mehr abseits, schließlich könnte ihre Zurückhaltung zur Folge haben, dass ihr Fianna den Rang bei Anna-Maria abläuft . Das ist zwar nicht zu befürchten, aber Hedda baut lieber vor und verbringt ein paar Minuten an Anna-Marias und Ignaz' Seite, nur wenige Zentimeter von ihren Halbgeschwistern entfernt. Steter Tropfen wird auch diesen heddischen Granit höhlen.

 

Montag, 25.02.2019

Auch heute wird der Baum nicht auf die Idee kommen, einen Trieb zu treiben, denn -4,5 °C werden seine Frühlingsgefühle weiterhin im Zaum halten. Im Tagesverlauf wird er es sich villeicht anders überlegen, denn bei 10 °C könnte man schon eine kleine Triebspitze wagen. Die Weidenkätzchen machen es ihm schon seit Wochen vor, wie man jeden Sonnenstrahl nutzt.

Fianna hat es, was die Aufbrezelung ihres Nachwuchses angeht, gestern etwas gemütlicher angehen lassen, aber immer noch für 450 Gramm Zuwachs gesorgt. Rennliste: Irax (800, +80), Isi (770, +70), Indra (750, +50), Iltschi (730, +70), Inouk (730, +60), Ilmo (710, +20), Iberl (700, +80) und Ignaz (630, +20).

Die Abgabe von Stoffwechselendprodukten entspricht inzwischen der Nahrungsaufnahme. Das bedeutet, dass die von Fianna verströmten und nun größtenteils verflogenen säuerlichen Gerüche fast nahtlos von Kloakengerüchen abgelöst werden. Es wabert ein schwerer Latrinenduft durch die Räume des Blues. Erstaunlich ist nur, dass so wenige winzige Würstchen eine so vehemente atmosphärische Belastung auslösen können. Dieser Meinung ist auch Fianna und lehnt jegliche Verantwortung dafür ab. Sie verweigert den Welpendienst so lange, bis die anrüchigen Därmlinge beseitigt sind. Und wen trifft es meistens? Genau. Ausgerechnet den, dessen empfindsamstes Körperteil seine Nase ist. Aber wenn es nur die Nase wäre! Die Zwerge entwickeln bereits Verhaltensformen, für die man sie loben müsste, wessen man sich in der Praxis aber doch enthält. Zum Beispiel graben sie sich unter eines der VetBeds und erleichtern sich dort. Wenn der Assi dann den ganzen Bettenberg aus der Kiste hebt, kann es ihm schon passieren, dass er mit vollem Griff... Ach, lassen wir das. Von der Mutter gibt es dafür Lob, und sie lässt sich wieder herab und nieder.

Inouk, der KorbflüchtigeInouk aus dem KorbHeute Ilmo aus der KisteIlmo aus der Kisteflitzt, während der Verschiebung ins nun neue und vermeintlich ausbruchssichere Aussiedlerkörbchen, Inouk über dessen Rand davon. Kräh! Und wenig später, wieder zurück in der Schnullerbox, nutzt Ilmo den Rücken eines schlafenden Geschwisters und macht sich über die zehn Zentimeter hohe Bordwand der Kiste davon. Noch keine Woche alt und seiner kleinen Welt schon so überdrüssig.

Damit wären wir bei Hedda, die es überdrüssig ist, immer nur als Randfigur geführt zu werden, deswegen bringt sie sich aktiv ins Geschehen ein und meldet sich läufig. Und der Assi wunderte sich schon, warum Fianna plötzlich mit einer so seltsamen Tröpfchenblutung aufwartet. So hat nun auch Hedda ihren gewichtigen Anteil am Geschehen und darf mit der gebotenen Aufmerksamkeit rechnen. Oder will sie uns gar mitteilen, was Mama kann, könnte ich auch?

 

Dienstag, 26.02.2019

Noch immer erwacht der Morgen in schwachen Minusgraden, aber der Amselbock (ja, wir wissen, eigentlich müsste es Hahn heißen), also der Amselbock verspürt schon den Trieb, der dem Baum noch abgeht und singt. Das erste Morgenkonzert dieses Jahres, und er räuspert sich noch ein wenig, muss die Stimme noch etwas trainieren und ölen, aber nichts und niemand verkündet den Frühling so charmant und sicher wie der schwarze Sänger auf dem Dach. Danke. Mal sehen, ob die Eisdiele drüben in Bruckmühl schon geöffnet hat.

Zurück in die Niederungen der Chronistenpflicht. Fianna gönnte den Kleinen gestern nur 420 Gramm. Nein, es besteht kein Grund, uns Care-Pakete zu schicken, aber ihr vorwurfsvoller Blick richtet sich an den Assi, der ihrer Meinung nach die Bescherungen nicht schnell genug beseitigt hatte, was sie von der nötigen Fürsorge abgehalten habe. Immer ist der Assi schuld, der im übrigen, was wegen entsprechender Nachfragen noch einmal verdeutlicht werden muss, immer noch ein Assistent ist und kein Asylant oder Asozialer, weil er sonst ein Asy oder ein Aso wäre. Bedenklich, wie sich der gesellschaftliche Sprachgebrauch und die allgemeinpolitische Gefechtslage direkt auf die Belange des Blues auswirken. Also, wieder zurück. Heute kommt der Chronist irgendwie nicht vom Fleck. 420 Gramm gestern sind kein Grund den Notstand in der Schnullerkiste auszurufen. Am meisten griff sich Ilmo von diesem Kuchen ab: 90 Gramm, ergeben insgesamt für ihn 800 g. 70 Gramm gönnte sich Inouk und kommt damit ebenfalls auf 800 g. 60 Gramm gab es für Irax und – schau, schau – für Ignaz, nur die Schlussbilanz fällt erwartungsgemäß sehr unterschiedlich aus: Irax 860 g und Ignaz 690 g. Die Welt ist ein schlechter Ort. Isi hält mit 50 Gramm plus und 820 g noch immer den Platz hinter Irax. 40 g ergeben für Iberl 740 Gramm, die 30 g von Indra reichen für 780 g und 20 g für Iltschi summieren sich auch auf 750 g. Das Durchschnittsgewicht der Idefixe beträgt nun 780 g. Und alle sind topfit und lebhaft.

So lebhaft, dass es sie einfach nicht mehr in ihrem Aussiedlerkörbchen hält, und wenn es passt machen sie sich immer wieder mal über die Bordwand davon. Wir müssen jetzt wirklich aufpassen, dass uns nicht einer oder eine bei den Putzdiensten unter die Beine gerät. Das geht so fix bei denen, dass man es kaum mitbekommt, wenn wieder einer auskommt. Erst wenn sie sich beklagen und nach der Mama schreien, weiß man, dass wieder ein Verlust zu verzeichnen ist. Die Mutter fühlt sich allerdings nicht weiter bemüßigt, sich der Sache anzunehmen, höchstens, dass sie den Auskömmling für sich identifiziert. Mehr nicht. Ein Wiedereingliederungsprogramm für Republikflüchtlinge kennt sie nicht. Wozu hielte man sich denn einen Assi, wenn nicht für solche Dienste? Diese Fluchtreflexe bedeuten aber auch, dass der Assi alle Türen offenhält, wenn er im Haus unterwegs ist, um am Mordio-Geschrei zu erkennen, dass Alarm ist. Noch besteht keine Gefahr, dass die Zwerge größere Strecken zurücklegen oder gar ins Treppenhaus gelangen können, dazu reichen ihre Schubkräfte auf dem glatten Boden noch nicht, aber man muss sie ja nicht ihrem Schicksal überlassen. Auch wenn die Mutter durchaus für lehrreiche Maßnahmen plädiert.

Kinder sind VertrauenssacheKinder sind VertrauenssacheNach einer kurzen Mittagsrunde um die Wiese mit Fianna, wird sie bei ihrer Rückkehr von Hedda bis zur Schnullerbox begleitet. Hedda tut, als hätte sie nie etwas anderes gemacht, streckt ihr Nase in die Box, kurz nur, sehr kurz, näselt noch ein wenig mit Fianna, die einigermaßen verdutzt wirkt und schlendert wieder davon. Die Neugier lässt es nicht zu, dass sie sich acht Wochen abstinent hält, irgendwann muss das Eis brechen. Eine Woche Idefixe wäre dafür doch ein guter Anlass.

 

2. Woche (27.02.2019 - 05.03.2019)

Mittwoch, 27.02.2019

Nun, da die erste Woche erfolgreich geschafft ist, stehen uns noch sieben Wochen bevor, aber von Zurücklehnen kann nicht die Rede sein. Für diese Woche erwarten wir, dass die Idefixe Augen und Ohren öffnen und schon mal einen kleinen (offiziellen!) Freigang in der Küche bekommen. Die Krallen werden wir ihnen wohl auch noch stutzen müssen, damit sie ihrer Mutter nicht an Leib und Leben gehen. Karnevalistische Pappnasen stehen uns zwar nicht ins Haus, aber bevor, was sich in einer Häufung von Krapfengaben ausdrücken und die traditionelle Übersäuerung unserer Mägen in die Wege leiten dürfte; denn mit dem Karnevals-/Fasching- /Fastnachtsende, und damit dem Ende der zweiten Woche, haben sich die ersten, nahen Vertrauten zu einer Kurzvisite angemeldet, was vor allem daran liegt, dass am Faschingssonntag ein großer Faschingsumzug mit 34 Mottowagen durch Vagen kursiert, was dem Bedürfnis, uns zu besuchen, wachsen lässt.

Noch ist das Wetter frühlingshaft warm mit viel Sonne, was sich allerdings zum Wochenende deutlich ändern soll: Wind und Regen sind angesagt. Da werden die Pappnasen leicht zu Matschnasen und diese werden sich bei uns einnisten und bei Krapfen und Kaffee abwettern. Die Zwerge werden es überleben, Krapfen bekommen sie aber nicht.

Für heute schwadroniert der Hundertjährige: An Pauli Bekehr ist der Winter halb hin und halb her. Freunde, glaubt dem Greis bitte kein Wort! Wir haben seit dem offiziellen Winterbeginn am 21. Dezember knapp zehn Wochen Winter hinter uns, und diese meteorologische Spaßbremse möchte uns zehn weitere Wochen auf die Augen drücken; damit steuert er die zweite Maiwoche als Winterende an. Das liegt vermutlich daran, dass der Hundertjährige, der völlig zurecht aus dem Fenster sprang und hoffentlich auf nimmer Wiedersehen verschwunden ist, ein Schwede ist. Aber dann soll er sich bitteschön nicht in bairisches Brauchtum einmischen!

So, jetzt ist es dem Chronisten leichter und er kann sich seiner Hauptaufgabe widmen. Dazu gehört in der Welpenzeit die Übermittlung der Gewichte. Manch ein treuer Verfolger der Blues-Geschicke und unserer Würfe mag die tägliche Gewichtstabelle vermissen, die wir in allen Würfen jeden Morgen frisch aktualisiert veröffentlichten – und damit die gesamte Anhängerschaft zu morgendliche Web-Junkies machten. Wie geht es den Welpen?? Und vor allem: Wie geht es meinem Welpen?? Wir haben uns für den I-Wurf entschieden, es diesmal zu unterlassen. Dafür gibt es einige gute Gründe. Erstens wollen wir eine eh schon gesellschaftsweit drohende Webanhängigkeit nicht noch befeuern. Zweitens: Die Welpen entwickeln sich naturgemäß sehr individuell, und wer mit drei Jahren der Mächtigste oder Zarteste ist, entscheidet einzig der genetische Bauplan jedes Einzelnen, nicht die tägliche Zu- oder Abnahme. So ist es ganz normal, dass das Nesthäkchen nach der Geburt erst einmal hinterherbummelt, während die Fettgranden alle ihre Vorteile nutzen. Aber nur vorerst; oft genug werden die Erste die Letzten sein und andersrum. Das kann man sogar in der Bibel nachlesen. Drittens und logische Folge aus zweitens: Daraus entwickelt sich ein Run und Hype auf die Top-Performer, der zwar unbegründet, aber nicht zu verhindern ist. Deshalb haben wir beschlossen, die Gewichte nur in der Wochenchronik zu übermitteln, da kann man alles nachlesen, ohne in eine tagesaktuelle Schnappatmung zu verfallen. Denn viertens: Es machte sich schnell eine Katastrophenstimmung breit, wenn um sieben Uhr morgens die neuen Gewichte noch nicht verfügbar waren. Da summten und brummten alle Leitungen, ob noch alle lebten, keiner im Fressnapf ersoffen sei oder andere Katastrophenszenarien zu gewärtigen seien. Dabei haben wir nur ein bisschen länger geschlafen, getrödelt oder unsere Pflicht vergessen. Wir sind es unseren Käufern und Interessenten schuldig, sie den Tag in Ruhe und Gelassenheit angehen zu lassen, nicht aber, sie in Unruhe zu versetzen. Fünftens: Es lässt sich nicht verhindern, dass die Zwerge irgendwann einmal eine Infektion und einen Durchfall bekommen können, dann schlägt sich das sofort und vehement in der Gewichtstabelle nieder und löst schlagartig Panik aus, weil die wöchentliche Berichterstattung der Tagestabelle hinterherhinkt. Panikanrufe können wir an solchen Tagen am allerwenigsten gebrauchen, obwohl sie verständlich sind. Solche Attacken haben bisher alle unsere Welpen überstanden, aber durch die quälenden Sorgen der zukünftigen Besitzer werden sie nicht schneller fit. Daraus folgt, sechstens, jetzt und hier die aktuelle Gewichtsverteilung.

Fianna und ihre IdefixeNoch haben alle Platz an Mamas MilchbarGestern haben sich die meisten eher zurückhaltend an Mamas Milchbar bedient, was sich in 390 zusätzlichen Gramm ausdrückt. Auch das sind, um an das Gesagte anzuschließen, ganz normale Aufs und Abs: Mütter sind keine Milchmaschinen, sonst hätte sie uns Müllermilch schon längst abgeworben, und Welpen sind keine Quartalssäufer; die haben mal mehr Appetit, mal weniger. Am meisten Appetit hatte gestern Iltschi, der sich 80 Gramm zusätzlich einverleibte und nun bei 830 g steht. Iberl nutzte auch die Gunst der Stunde und griff 70 g ab, was ihn auf 810 g aufwertet. Isi scheint eher selten ein Völlegefühl zu spüren und reichert sich wieder mit nahrhaften 60 g an (880). 50 g machten Inouk (850) und Indra (830) gut. Der Rest war noch genügsamer: Der Erste und der Letzte bescheiden sich beide mit 30 g, was Irax weiterhin in der Pole-Position hält (890) und Ignaz am zarten Ende (720). Ilmo hatte nach 20 g schon genug und hält sich mit 820 g im Mittelfeld mit Luft nach beiden Seiten. Das passt, die Kinder sollen harmonisch wachsen und nicht explodieren. Und harmonisch sind alle.

Inouk und IgnazInouk und Ignaz – Dem Körbchen entkommenFianna nimmt sich inzwischen ziemlich viele Auszeiten außerhalb der Schnullerbox, was völlig in Ordnung ist, solange die da drinnen zufrieden sind und den halben Tag verschlafen. Man lässt sich von solchen langen Auszeiten auch leicht täuschen, denn die Schluckspechte haben mittlerweile einen kräftigen Zug und saugen ihre Mutter in maximal fünf Minuten leer. Was soll sie dann noch in der Kiste? Jetzt muss wieder produziert werden. Mangel spüren die Kleinen definitiv nicht, sonst ginge es ganz anders zu. So aber herrscht die meiste Zeit sattsamer Friede, der nur vom schläfrigen Knarzen der Idefixe unterbrochen wird, meistens, wenn sie sich umlagern oder strecken. Dann entsteht Unruhe, weil irgendeiner über alle anderen kriecht und sie aufweckt, was die Gestörten unwirsch kommentieren. Gleich darauf breitet sich wieder Ruhe übers Lager. Fianna riskiert bei solchen Gelegenheiten noch nicht mal ein Auge; sie weiß, wann es geboten ist. Jetzt jedenfalls nicht. Allerdings stellen wir fest, dass sie schon beginnt, im Sitzen zu füttern; offenbar empfindet sie das als entspannter. Allerdings, wenn sie einen Rundumschlag in Körperpflege für nötig hält, legt sie sich hin, nimmt sich alle einzeln zur Zunge und kugelt sie herum, während sie vorne noch am Irax bekommt eine AbreibungIrax bekommt eine AbreibungZapfhahn angedockt sind. Dann wird der Bauch massiert und der Po geputzt, was immer wichtiger wird, weil die Zwerge nun schon beginnen, sich selber zu lösen. Pinkeln tun sie größtenteils schon, und der Darm kann vereinzelt auch schon ohne Mamas Hilfe. Um so wichtiger ist Mamas Nachsorge, weil sie sonst ständig in ihrer Kacke liegen würden. Irax und Inouk ist das heute schon passiert und machen ihre ersten Erfahrungen mit dem Wasserhahn. Frisch geduscht kommen sie wieder zurück in die Obhut der Mutter, die sichtbar froh ist, dass wir ihr diesen Dienst abgenommen haben.

Und bei all der Geschäftigkeit dieser Tage darf natürlich eine ganz wichtige Sache nicht in Vergessenheit geraten: Hedda feiert heute ihren zweiten Geburtstag. Happy Warten auf den GeburtstagskuchenWarten auf den Geburtstagskuchenbirthday, geburtstag 2 kkleine Rübennase! Du bist trotz dieser Bande von Wichtigtuern immer noch das Wichtigste neben deiner Mama, und in sieben Wochen sind sie eh wieder fort. Für heute gibt es erst einmal viele liebevolle Hände, ein Geburtstagsbesuch mit Gratulation und Rindernase von Anna-Maria, dann noch Sport auf dem Hundeplatz und abends eine Fleischbombe fürs Bauchgefühl. Somit bist du schon mal deutlich wichtiger als dein Assi, der Stallwache halten und sich um deine Halbgeschwister kümmern muss, keine Rindernase und keine Fleischbombe bekommt, nur abends bei deinem Bruder Hias einer Geburtstagseinladung Folge leisten darf. Immerhin. Wenn man so kurz gehalten wird, ist sogar das kleine Glück von großer Bedeutung.

Anschließend bezieht die Chefin wieder das Familienlager, was Fianna in eine Art unverhofften Glückstaumel versetzt und Hedda zurückhaltend zur Kenntnis nimmt, weil sie sich jetzt im Schlafzimmer wieder stark einschränken muss. Mit dem Assi allein zu zweit, das hätte eine Option fürs Leben sein können, aber jetzt wieder die beiden. Nun denn... Fianna gibt sich diesem wiedergewonnenen Glücksgefühl uneingeschränkt hin und verlässt das Schlafzimmer keine Minute in dieser Nacht. Dass es im Erdgeschoß bis in den Morgen ruhig bleibt, belegt unsere Annahme, dass die Idefixe keinen Hunger leiden. Allerdings kann man auch davon ausgehen, dass diese Nacht voller fiannischer Seligkeit der Gewichtstabelle morgen keinen Höhenflug  bescheren wird.

 

Donnerstag, 28.02.2019

St. Roman hell und klar, bedeutet ein gutes Jahr. Geht doch. Und schließt einen Winter bis in den Mai hinein aus, sonst wäre es kein gutes Jahr, in Schweden vielleicht, aber nicht im Mangfalltal. Hat doch Vorteile, wenn der Hundertjährige heute nicht mehr weiß, was er gestern geschnullert hat. Was sagt uns ein Blick in den Himmel? Morgens -1,5 °C und wolkenlos, dann ziehen Föhnlinsen hektisch übers Tal, getrieben von einem stattlichen Föhnsturm bei 16 °C. Das bedeutet nach unserer Interpretation: ein gutes Jahr.

Wie zu erwarten war, schlägt sich Fiannas nächtliche Kistenabstinenz noch einmal in den Gewichten nieder: 370 Gramm über alle. Und bei einer solchen Gemengelage zeigt sich, wie entscheidend es für das eigene Fortkommen ist, im richtigen Augenblick zur Stelle zu sein. Wer Gelegenheiten verstreichen lässt, muss eben Abstriche machen. So finden wir heute ein höchst lehrreiches Tabellenbild vor. Zwei der acht nehmen zusammen 180 Gramm für sich in Anspruch, zwei verpennen und legen eine Nullrunde ein, die restlichen 190 Gramm legen sich auf die Hüften der verbleibenden vier. Vorhang auf: Wer ist wer? Machen wir es spannend und beginnen bei den vieren mit den aufgeteilten 190 Gramm. Das sind Ilmo mit 60 g (880), Iltschi (880) und Iberl (860) mit 50 g und schließlich Indra mit 30 g (860). Bleiben zwei Asketen und zwei Gourmets. Diät und ihr Gewicht haben Inouk (850) und Isi (880) gehalten, was der letzten nicht schaden dürfte. Somit sind auch die Abräumer bekannt: Irax, der Tabellenkopf und Ignaz, der Erste und Tabellenletzte, Anna-Marias Herzbube und von dieser wegen seiner Po-Markierung, zärtlich "mein Rötling" gerufen. Beide reüssieren mit 90 Gramm, was Irax' Frontstellung mit 980 g zementiert und Ignaz (810) die Rote Laterne nicht nimmt. Nur Statistiker verstehen das stille Glück, das dem Insider ein Blick auf eine dröge Tabelle beschert.

Heute ist für Fianna ein besonderer Tag: Ihr Leben gewinnt wieder ein bisschen Alltag zurück. Sie darf mit der Chefin, Hedda und Krümel die ganz große Morgenrunde gehen, später gesellen sich auch noch Odin und Jack, die Franzosenbullis dazu. Das bedeutet eineinhalb Stunden babyfrei, eineinhalb Stunden Revierkontrolle und Wiederinbesitznahme, eineinhalb Stunden Spiel, Spaß und Spannung. Bei ihrer Rückkehr leuchtet sie förmlich vor Zufriedenheit – und stürzt sich sofort und pflichtschuldigst in die Schnullerbox. Man darf annehmen, dass sie ihren Kindern an diesem Morgen nicht nur die immer gleiche Milchspeise, sondern mit ihr eine Menge Glückshormone verabreicht.

Ob Glückshormone auch übermütig machen? Wahrscheinlich, denn Inouk macht sich heute schon wieder einmal aus seiner Kiste davon, diesmal, anders als am Montag, ohne Deckenwulst oder Unterstützung durch Geschwisterleiber, sondern ausschließlich durch Wille, Findigkeit und Muskelkraft. Und – schwupps – ist er weg. Gut, dass dem Assi die Aktion nicht entgeht, weil sich der Auf-und-davon-Inouk schnurstracks auf den Weg in den Spalt zwischen Kiste und Küchenwand macht. Zählt man dann die Häupter seiner Lieben und sieht, es sind statt achte sieben, dann setzt einiges an Kopfzerbrechen ein. Zwischen Kiste und Wand sucht man sicher nicht sofort, auch wenn einem einige Kniffe der Zwerge nicht mehr fremd sind. So kommt der Exilant also vor der vollständigen Unsichtbarwerdung wieder in die Schnullerbox und gibt sich damit auch zufrieden.

Eine Woche später hätte der Assi es möglicherweise mit einem Lockruf versuchen können, den Dissidenten Iberl und IlmoIberl und Ilmozur Ordnung und in die Gemeinschaft zurück zu rufen. Denn die Idefixe beginnen ganz langsam akustische Signale wahrzunehmen. Wenn Fianna vor ihrer Box fiemt, scheinen die ersten schon jene lustigen Fleischlappen, die man später als Ohren erkennen wird, zu spitzen. Viel tut sich jetzt noch nicht, aber lange wird es nicht mehr dauern, dass sie jedem Laut ihrer Mama Gehör schenken. Ob Inouk unter diesen Umständen den Rückkehrbefehlen des Assi gefolgt wäre, überlassen wir der Phantasie unserer Leser, der Assi meint ja, weil Inouk bestimmt ein ganz Braver und Hochbegabter ist. Die Chefin führt die Zeigerfingerspitze an ihre Stirn.

Tatsächlich treibt den Assi ein ganz anderes Problem um, und das kennt er von nunmehr neun Würfen: Es ist das Leid mit den Tagesbildern. Die Gewichtstabelle abzuschaffen ist eine Sache, aber keine Tagesbilder mehr zu veröffentlichen, ist schlicht nicht denkbar. Dabei ist diese Pflicht eine echte Qual in diesen ersten Tagen, wenn die Knirpse nur in der Kiste liegen und schlafen oder sich an Mamas Brust die Wänste vollschlagen. Unter diesen fotografisch unergiebigen Umständen, lungert das Personal mit der Kamera im Anschlag um die Kiste herum wie die Paparazzi um die einschlägigen mallorquinischen Fincas, nur um einen nackten Hintern vors Objektiv zu bekommen. In unserem Fall geht es natürlich nicht um einen nackten Hintern, von denen haben wir gleich acht, sondern um das megasüße Babyface des Tages. Aber die da drinnen denken nicht daran uns diesen Gefallen zu tun, wie die auf Malle, und es bedarf des einen glücklichen Moments, um sich und die Welt glücklich zu machen. Wir sehnen den Tag herbei, wenn sich die Bande im Freien austoben kann.

 

Freitag, 01.03.2019

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt. So haben es die Älteren unter uns noch gelernt, obwohl es gerade zu jener Zeit kaum noch Rösslein gab, und schon gar keine mehr bei den Bauern. Die lagen nämlich gerade in einem kollektiven Todeskampf. Heute gibt es wieder Rösslein beim Bauern, aber eher nicht, um die Felder zu bestellen, sondern um den Urlaubern auf dem Bauernhof eine heile Welt zu vermitteln, die es damals so wenig gab wie heute. Und wenn der Bauer heute die Rösslein einspannt, dann begnügt er sich nicht mit einem oder zwei, sondern hängt sich gleich tausend vors Odelfass. Die Welt ist heute einfach viel profaner, und ein Lied könnte etwa so beginnen: Im Märzen die Mändy ein Selfie versend't. Der Wallach daneben ist ihr fast bester friend. Wie dem auch sei, ob die Mändy nun herzelt und schnurrt und der Wallach für Seligkeit schnaubt oder nicht: Es ist März, wo nicht nur der Bauer mit seinen Fendt-Rösslein die Böden zementiert, sondern auch im Garten des Blues die Vöglein eifrig auf Quartiersuche sind und die Märzenbecher ihre Köpfe erheben. Idylle im Mangfalltal, in die wir, wenn sich das Wetter weiter so zugängig zeigt, bald die Idefixe entlassen werden. Noch Iltschi unter der DuscheIltschi muss auch unter die Duscheist es nicht so weit, zumal es heute morgen bei 10 °C regnet, nicht der ideale Start ins Outdoor-Leben. Nachmittags verzieht sich der Regen und macht Sonne, Wolken und Wind Platz. Wir werden noch etwas Geduld haben müssen, bis die Zwerge wetterfest sind, auch wenn uns das Leid mit den Tagesbildern dazu verleiten könnte, die Bande an die frische Luft zu setzen und zu sehen, welche neuen Motive sie uns liefern. Man kann die Entrüstungsschreie förmlich hören: Zehn Tage alt und ausgesetzt! Gemach, gemach, wir werden nichts überstürzen, zumal wir, bäuchlings im Frühlingsgras liegend und nach Motiven lurend, die eigentlich Benachteiligten wären und mit deutlich schlimmeren Folgen zu rechnen hätten als die Fellzwerge.

Zum Einzug des März stellen wir mit Freude fest, dass es Fianna heue Nacht deutlich länger im Kreise ihrer Lieben gehalten hat als gestern; folgte sie uns gestern auf den Fersen ins Familiengemach, verbrachte sie heute Nacht noch mindestens zwei weitere Stunden in und nahe der Box. Das lässt uns vermuten, dass dann eigentlich die Gewichtsbilanz wieder eine zumindest bescheidene Hausse aufweisen müsste. Und tatsächlich lieferte Fianna gestern wieder 410 Gramm aus, eine sehr passable und angemessene Leistung. Nur der zarte Ignaz hat davon nichts mitbekommen, sondern 10 g abgenommen (800). Daran ist nichts Bedenkliches; das Bürschlein ist kräftig und pumperlgesund. Dass es in den Würfen regelmäßig solche Nachzügler gibt, liegt in der Natur der Sache. Die Spermien des Rüden sind nach dem Deckakt bis zu 72 Stunden lebens- und zeugungsfähig. Das bedeutet, dass die Differenz der Fruchtanlage drei Tage betragen kann. Wenn man dann noch den Nachdecktermin nach zwei Tagen hinzurechnet, steigt die Wahrscheinlichkeit von Nachzüglern bis dahin, dass bei der Auslieferung welche noch gar nicht lebensfähig sind, aber eben trotzdem mit aufs Band kommen. Zwei solcher lebensunfähigen, weil noch nicht fertige, Welpen hatten wir auch schon. So ein kleiner Nachzügler, zwei bis drei Entwicklungstage hinter seinen Geschwistern, ist Ignaz. Dass er rundum lebensfähig ist, wissen alle, die ihn schon kennengelernt haben. Aber er hat es eben noch schwerer, sich ebenbürtig durchzusetzen und den Geschwistern die Milch abzugraben. So weit es uns möglich ist, helfen wir da ein bisschen nach, indem wir ihn zuerst an die Bar lassen, wenn er aber ein Nickerchen bevorzugt, soll er eben schlafen. Auch schlafen ist gesund und macht stark. In Fiannas bisherigen Würfen hatten wir auch je einen Nachzügler, Gaudi und Hubsi. Beide sind prächtige Rüden geworden und alles andere als Schlafhauben. Auch Fiannas Schwester Franca war eine kleine Nachzüglerin, bei der erst in der letzten Woche bei uns der Knopf aufging; dann aber mit einem kräftigen Schnalzer. Wer möchte, kann sich von ihren jetzigen Besitzern gerne bestätigen lassen, dass sich die drei nicht nur zu kräftigen Hovawarten herausgewachsen haben, sondern auch in jeder Hinsicht solche sind.

Diese von Ignaz verschmähten 10 g bedeuten, dass die anderen sieben 420 g zugenommen haben.  Bescheiden gab sich heute Irax, der sich mit 30 g begnügte, was ihm trotzdem ausreichte, um die 1-Kilo-Marke zu überwinden (1010). Richtig Alarm machte Isi mit 110 g und 990 g gesamt. Wenn sie gekonnt hätte, hätte sie die letzten 10 g zum Kilo wahrscheinlich auch noch in Angriff genommen, aber möglicherweise stand ihr die Milch schon an der Oberkante Unterlippe oder Fianna ist eine halbe Stunde zu früh ins Schlafzimmer verschwunden. 70 g macht Iltschi gut und schiebt sich mit 950 g auf den dritten Platz der Fettrangliste. Ihm folgen Indra (+80) und Ilmo (+60) mit 940 g. Inouk (+40) und Iberl (+30) bringen 890 g auf die Waage. Danach kommt nur noch Ignaz, der aber, und auch das gehört zur ganzen Wahrheit, gestern wahrhaft heldenhafte 90 g aufgelegt hatte; auch daran muss man sich erinnern. So ein kleines Bäuchlein will Weile haben zu expandieren, bis es den anderen Fressmaschinen Paroli bieten kann. Die Zunahme, die natürlich kein Tsunami ist, bestätigt, dass Fianna ihren Mutterpflichten sorgfältig nachkommt und sich nichts nachsagen lässt.

Indra riskiert einen ersten BlickIndra riskiert einen ersten BlickUnd falls noch jemand an Ignaz' Ganzheitlichkeit zweifeln sollte, sei ihm an dieser Stelle mitgeteilt, dass es aus seinen Sehschlitzen zuerst himmelblau blitzt. Heute. Der kleine Ignaz hat den ersten, wenn auch noch nicht den ganz großen Durchblick. Seine Schwestern Indra und Isi machen es ihm gleich darauf nach. Es gehört zum Schönsten, wenn die Zwerge einen ersten winzigen Blick in die Welt riskieren – und plötzlich Hunde sind und keine explodierten Maulwürfe mehr.

Für Hedda ist es einerlei, ob die kleinen Hausbesetzer sie nun sehen können oder nicht; sie will sie nicht sehen. Nur wenn die Chefin wieder einmal einen Kuschelkandidaten oder eine -kandidatin auf dem Schoß hat, rückt sie ein wenig näher, vermutlich weil sie endlich begreifen will, welchen Affen sie an diesen Affen gefressen hat? Allerdings muss sie zugeben, dass sie nicht zu kurz kommt, so viel Fairness muss sein. Und so etwas würde Hedda auch nie behaupten, zumal sie jede Gelegenheit nutzt, von uns eine Streicheleinheit abzugreifen. Aber trotzdem: Dieser Zirkus muss nicht sein! Darauf hätte sie verzichten können. Fianna geht darauf gar nicht ein; sie macht ihr Ding, das macht sie gut, und lässt ihre Tochter zicken. Vielleicht macht sie sich ja Gedanken, wie sie reagiert hätte, wenn man ihr als Jungfrau so eine Ladung Verdruss vor die Nase gesetzt hätte? Für sie war die Welt ganz anders ausgestattet: mit Mama und Tante Anouk. Das war wie ein Sechser im Lotto, nur schwer vergleichbar mit einem Achter in der Kiste.

Gestern haben wir erstmals das große Kuddebett vor die Kiste gestellt und die Zwerge dorthin ausgelagert, was sie sofort und unübersehbar genossen. Heute ist das schon Alltag für die Kleinen. Wenn immer wir zuhause sind, kommen sie ins Kudde und Mama wird dazu beordert, weil auch sie den Welpendienst in diesem Bett dem in der Schnullerkiste vorzieht; da kann man sich ausstrecken bis zum Überlappen, da kann man sich fläzen und den über Bord Gegangenen ungläubig und bewundernd nachäugen. Sie ist ja auch so stolz auf ihre Bande und hudert und pudert sie bei jeder Gelegenheit.

Diese fürsorgliche und liebevolle Betreuung ihrer Kinder – darüber sollten wir für ein paar Zeilen innehalten – ist von unschätzbarem Wert für die Entwicklung der Welpen. Noch bis weit über die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hinaus stritten sich die Schulen darüber, was mehr, oder gar den einzig gültigen Einfluss auf die Entwicklung eines Individuums hat: die Gene oder die Umwelt, in der es groß wird. Heute wissen wir, dass beides das Wesen eines Individuum prägt. Aber wir wissen noch mehr, vor allem nämlich, dass die Gene keine statische, unverrückbare Größe sind, sondern, je nach Umwelt und sozialen Bedingungen, unterschiedlich zum Zuge kommen und unterschiedliche Ausprägungen ermöglichen. Dieser Zweig der Licking MotherLicking MotherGenetik wird Epigenetik genannt. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass es "schlafende" Gene, beziehungsweise Genfunktionen gibt, also solche, die vorhanden, aber nicht aktiviert sind. Je nachdem, welchen Umweltbedingungen das Individuum ausgesetzt ist, werden durch die sogenannte Methylierung Gene angeschaltet oder eben nicht. Das gilt für viele Ausprägungen eines Individuums. Warum Fiannas liebevolle Welpenpflege höchst wertvoll für deren Entwicklung ist, wurde in breit angelegten Studien mit Ratten gezeigt. Bei Ratten gibt es, wie überall, gute und schlechte Mütter, solche, die sich aufopfernd um ihren Nachwuchs kümmern und solche, die sich mehr um sich selber kümmern. Die ersten heißen in der Wissenschaft "Licking Mothers", die zweiten "Non Licking Mothers", also Mütter die ihre Kinder lecken, pflegen und mit ihnen kuscheln und solche, die das unterlassen. In allen Studien entwickelten sich unter dem Einfluss von "Licking Mothers" selbstbewusste, mutige, zutrauliche und ausgeglichene Ratten mit einem hohen Lernvermögen. Der Nachwuchs von "Non Licking Mothers" entwickelte sich hingegen ängstlich, FamilienidyllFamilienidyllunsicher und stressempfindlich. Hinter dieser unterschiedlichen Entwicklung steckt die oben angesprochene Methylierung eines Rezeptors für das Stresshormon Cortisol, was bedeutet, dass dieser Rezeptor bei Geburt des Individuums abgeschaltet ist. Durch die Fürsorge der "Licking Mothers" wird diese Methylierung aufgehoben und der Cortisol-Rezeptor kann wirksam werden. Dass es sich tatsächlich um das Anknipsen eines Genschalters handelt und die unterschiedliche Entwicklung nicht auf irgendwelche anderen äußeren Bedingungen zurückzuführen ist, konnte nachgewiesen werden, indem die Würfe verschiedener Rattenmütter direkt nach der Geburt vertauscht wurden. In allen Fällen entwickelte sich der Nachwuchs entsprechend dem Verhalten der jeweiligen Ziehmutter, also die Ziehkinder fürsorglicher Mütter entwickelten sich unter der Aufzucht nichtfürsorglicher Mütter stressanfällig, ängstlich und unsicher und andersherum.  [Quelle: Sommerfeld-Stur, Rassehundezucht, Müller Rüschlikon 2016.]

Fianna ist definitiv eine fürsorgliche Mutter, die ihre Kinder ständig pflegt und mit ihnen kuschelt. Aber es ist nicht nur Fiannas Fürsorge, die aus unseren Welpen lebenstüchtige und umgängliche Hunde machen: Es ist das gesamte Umfeld, das die Entwicklung beeinflusst und prägt. Dazu gehören auch wir als Züchter – und alle unsere Besucher, die unseren Welpen ein wahres Kuschelparadies bereiten. Liebenswerte, pfiffige und selbstbewusste Hunde haben viele Väter und Mütter, nicht nur Fianna und Eddy. Fianna und wir sorgen für diese Entwicklung schon seit dem 19. Februar. Ab nächster Woche werden sich noch viele Hände und Schöße in diesen Prozess einbringen und zur positiven Charakterentwicklung der Idefixe beitragen. Ihre künftigen Besitzer dürfen sich schon mal auf acht unwiderstehliche Herzensbrecher freuen – und viel Arbeit.

 

Samstag, 02.03.2019

Fianna kommt heute erst um 4 Uhr morgens zu uns ins Schlafzimmer, sieht also ihren nächtlichen Aufenthaltsort zunehmend bei ihren Welpen. Offenbar wird ihr das immer wichtiger, als bei uns zu liegen. Möglicherweise ist das für sie auch entspannter, als ständig vom ersten Stock ins Erdgeschoß zu lauschen, ob es dort irgendetwas zu regeln gibt. Demnach sollten auch heute die Gewichte zur allgemeinen Zufriedenheit ausfallen, denn für den Moment ist es uns wichtig, dass Fianna ausreichend liefert und wir noch nicht zufüttern müssen. Zufüttern ginge in diesem Entwicklungsstadium nur über die Flasche, weil die Zwerge noch nicht selber lecken können; das entwickelt sich erst in ein paar Tagen. Auf eine solche Aktion können wir gut und gerne verzichtet, zumal es leider häufig vorkommt, dass die Milch aus dem Fläschchen in die Lungen gelangt, was eine Lungenentzündung zur Folge haben kann. So etwas braucht kein Mensch. Also sehen wir mal nach, wie der Fütterungszustand heute ausfällt.

IsiIsiIsi nuckelte sich 100 g an den properen Mädchenleib und mit 1090 g an Irax vorbei (1080, +70). Damit ist Isi die zweite Doppelpfünderin. 980 g bringen Ilmo (+40) und Iltschi (+30) auf die Waage. Indra hat 970 g (+30), Inouk landet mit einem Aufschlag von 70 g bei 960 g und für Iberl reicht es mit 50 plus für 940 g. Und Ignaz schreitet unverdrossen fürbass: 20 plus und 820 g. Das sind für alle zusammen wieder 410 Gramm, wobei Irax, Isi, Ilmo und Iberl ihr Geburtsgewicht verdoppelten. Gratulation. Und heute haben auch Ilmo und Iltschi kleine, himmelblaue Sehschlitze, aus denen sie zwar noch nichts sehen können, aber sich der Anmutung eines Hundes annähern.

Als Wohnzimmer, Spielplatz und Milchbar ist das Kuddebett nun fest etabliert; eigentlich liegt die ganze Bande nur noch dort, schläft, nölt, kräht und lässt sich von Mama versorgen. Beeindruckend ist, dass die Idefixe schon jetzt eine Art Stubenreinheit etablieren, die man in diesem Entwicklungsstadium eigentlich noch nicht erwarten Irax schleicht sich aus dem KuddeIrax schleicht sich aus dem Kuddewürde. So suchen Irax und Inouk bewusst den Weg aus dem Bett, um ihr kleines Notdürftlein auf dem Küchenboden zu verrichten. Als wir sie nichtsahnend wieder zu ihren Geschwistern setzen, machen sie so lange herum, bis sie aus dem Pulk wieder einen Ausgang und zum Kudderand finden. Dann stürzen sie sich darüber und hinaus, machen nochmal einen kleinen Buckel und erledigen den Rest. Dann ist wenigstens Irax fertig. Inouk hat noch ein drittes Mal zu schaffen, bis er erschöpft zwischen seinen Geschwistern einschläft. Irax beweist bei dieser Latrinenübung, dass er mit seinen Matschebeinchen schon ziemlich gut auf dem glatten Boden zurecht kommt: Er bewegt sich tatsächlich in einem Watschelgang, jedenfalls weit entfernt von dem Kriechen, was sie bisher alle zeigen. Dieses Bedürfnis, das Bett zum Darmoliern zu verlassen, beobachten wir auch bei Indra.

IberlIberlIberl ist auch schon recht gut auf den Beinen. Auch ihn drängt es aus dem Bett, allerdings nicht zur Darmreinigung, sondern zur Mama-Kantine, die achtsam vor dem Bett lagert. Völlig unbedrängt von seinen Geschwistern saugt er sich an einer Zitze fest, nickt dann ein bisschen ein, lutscht dann wieder und als die Quelle versiegt ist, platziert er sich um und bedient sich an der nächsten. Das Gelage hält er ganze zwanzig Minuten durch, bis ihn seine Saugmuskulatur im Stich lässt. Morgen werden wir einen besonders scharfen Blick auf Iberls Gewichtsentwicklung werfen.

Für Fianna scheint sich dieses Arrangement wie ein Bild von Spitzweg zusammenzufügen: Die Kinder, behütet in einem offenen Lager, nicht in einem bayerischen Guantanamo, sie selbst, je nach Stimmungslage, frei um die Manege herum drapiert, und das alles nach zwei langen, gemeinsamen Spaziergängen. Wieder zuhause widmet sie sich wieder ihrem Kinderdienst und geht nahezu in ihm auf. Auch das ist kein Selbstläufer, weil viele Hündinnen ihren Mutterjob einschränken, wenn sie wieder in die gewohnten Alltagsroutinen zurückkehren. Nicht so Fianna, wir haben ihr ja auch die Sache mit der Methylierung und der Epigenetik genau erklärt. Das schien sie schon beeindruckt zu haben. Ab in die Kiste...

 

Faschingssonntag, 03.03.2019

Der Faschingssonntag beginnt mit wolkenlosen 3 °C, schwingt sich zu ebensolchen 14 °C auf und legt sich mit wolkigen und windigen 5 °C schlafen. So verkünden wir denn frohgemut: Lachende Kunigunde bringt frohe Kunde. Es geht also, wie bereits verkündet, bergauf mit dem Frühling.

Heute haun wir auf die PaukeHeute haun wir auf die PaukeBergauf Fasching in VagenDiesen freundlichen Herrn haben wir für die Stress-Sozialisierung der Idefixe engagiertgeht es auch mit den Idefixen, die heute alle mit offenen Augen das närrische Treiben in Vagen bestaunen, wo nachmittags 20.000 Besucher den Faschingsumzug mit 34 Mottowagen bestaunen, bejubeln, befeiern, betanzen und betrinken. Da kommen sogar die stämmigen Mauern der alten Bauernhäuser mächtig ins Vibrieren, wenn die Burschen und Dirndln auf den Wägen ihre Dezibel so zum Anschlag bringen, dass das Zwerchfell den Herzmuskel massiert. Wir sind jedenfalls mit Freunden mittendrin dabei und überlassen Fiannas Brut ihrer Obhut. Die werden Augen machen, wenn wir voller Konfetti zurückkommen.

IndraIndraDoch selbstverständlich erfüllen wir vor den Feierlichkeiten unsere Züchterpflicht und haben dabei, wie angekündigt, ein besonderes Augenmerk auf Iberls Morgengewicht, nachdem er gestern Nachmittag Fianna eine 20-minütige Iberl-Dränage gelegt hatte. Aber, weil wir heute noch anderes vorhaben, erledigen wir die Pflichten in gebotener Kürze: Irax (+110, 1190), Inouk (+70, 1030, Geburtsgewicht verdoppelt), Iberl (+70, 1010), Ignaz (+50, 870), Isi (+40, 1130), Ilmo (+40, 1020), Indra (+40, 1010), Iltschi (+10, 990). Herrje, wer soll diesen Irax aufhalten? Die insgesamt 430 Gramm gingen zu fast einem Viertel an den Zitzenprinzen, die anderen sind nicht viel mehr als seine Narrhallatruppe. Alaaf und Helau.

Wenn wir uns schon mit der Nahrungsaufnahme beschäftigen, werfen wir einen kurzen Blick auf Fianna, die wir mittlerweile von einem Viergangmenü auf drei Gänge umgestellt haben. Morgens bekommt sie weiterhin ihre proteinhaltige Milchmahlzeit, die beiden mittleren Mahlzeiten ersetzen wir durch eine kräftige Portion Platinum Puppy und abends gibt es weiterhin Fleisch oder Hühnchen mit Reis, Flocken oder Nudeln. Frubiase und Metrovetsan ergänzen die Morgen- und Abendmahlzeiten. Metrovetsan bekommt nun auch Hedda zur Unterstützung ihrer Läufigkeit.

Die Schnullerkiste gerät langsam komplett ins Hintertreffen, weil die Idefixe einen Narren am Kuddebett gefressen haben und von selber kaum noch auf die Idee kommen, ihre Muffkiste aufzusuchen. Fianna lebt es ihnen natürlich auch vor, weil sie den Raum und Luft dem doch eher stickigen Ambiente der Kiste vorzieht. So sind alle zufrieden, die Kinder schnullern mit und an der Mutter im Kudde – und die Chefin hockt in der Schnullerbox. Narrhalla eben.

 

 Rosenmontag, 04.03.2019

Sturm und StimmungSturm und StimmungEs Die Welt im Sturm zum Greifen nahDie Welt im Sturm zum Greifen nahgeht frisch los heute Morgen. 0 °C sind zwar nicht unüblich für die Jahreszeit, aber, wie wir finden, gänzlich unangemessen. Dann aber brist es auf und abends fegt ein prächtiger Sturm durchs Mangfalltal, dessen Motor ein Sturmtief namens Bennet ist. Was da oben am Dach randaliert, dringt aber nicht bis hinab ins Kinderzimmer, zumal das Gehör der Idefixe erst noch im Werden ist. Erste Reaktionen auf Geräusche zeigen sie schon, aber das reicht längst nicht, um sich aus Angst vor einem Sturm die Decke über den Kopf zu ziehen.

Iltschi, Indra, InoukIltschi, Indra, InoukAber wenn das eine noch nicht ist, kann das andere ja schon geworden sein, die Stimme zum Beispiel. Die kleine Twitterbande bellt jetzt tatsächlich. Das sind unzweifelhaft Bellgeräusche, die sie sich entlocken und keine Schreilaute mehr. Offensichtlich haben sie selber den größten Spaß an ihrem unerwarteten Stimmbruch, dass sie wie angehende Symphoniker den ganzen Tag mit wachsender Begeisterung üben. Das gilt natürlich nur für die Wachphasen, obwohl es, wie bei uns Menschen auch, Schlafredner gibt, die ihre Bettnachbarn ungeniert und gnadenlos zutexten.

Wir sind ziemlich entzückt von diesen irren Entwicklungsschritten, welche die Idefixe machen; man kann ihnen bei ihrer Hundwerdung förmlich zusehen. Am meisten beeindruckt, wie man täglich heranreifende Persönlichkeiten erkennen kann, die sich nun unzweifelhaft herausbilden. Wenn einer, weil er ungeschickt postiert ist, über den Kudderand kullert, ist das keine Folge einer bewussten Entscheidung und zeugt nicht von Persönlichkeit. Selbst das bewusste Verlassen des Lagers, um die hintere Notdurft zu verrichten, wie wir es Inouk allein in der KisteInouk, in die Schnullerkiste ausgewandertbeschrieben haben, ist keine Frage der Persönlichkeit, sondern die eines angeborenen Verhaltens, um das Lager sauber zu halten, sobald man dazu körperlich in der Lage ist. Wenn sich aber Inouk aus dem Schlafpulk seiner Geschwister erhebt, zum Rand des Bettes watschelt, sich darüber rollt, die fünfzig Zentimeter Distanz zur Schnullerkiste überwindet und sich mitten in dieser von allen anderen als überholt erachteten Muffkiste zusammenrollt und weiterschläft, dann zeigt sich hier eine kleine Persönlichkeit. Der hat einen Plan und sich für etwas entschieden und es durchgezogen. Was ihn dazu bewegt, werden wir nie wissen. Aber in sein kleines goldenes Büchlein werden wir es eintragen.

Heute verdoppeln die drei Letzten ihr Gewicht. Einer ist Ignaz, der das bei seinen 460 g Geburtsgewicht natürlich auch schon etwas früher hätte schaffen können, der aber, wie wir wissen, ein langsamer Stoffverwechsler ist. Heute hat er schon wieder 50 g aufgepolstert, das sind in zwei aufeinander folgenden Tagen stattliche 100 g, und so macht er eine Verdoppelungs-Punktlandung bei 920 g. Tärä! Die anderen IgnazIgnazbeiden sind Indra und Iltschi, deren 520 g Startgewicht naturgemäß eine erheblich anspruchsvollere Herausforderung darstellte. Indra legt heute 30 g drauf und landet ebenfalls punktgenau bei 1040 g, während Iltschi mit 60 g einen doppelt so großen Sprung macht und die Waage mit 1050 g belastet. Das heißt aber auch, und das ist keine Überraschung, dass Ignaz der einzige Idefix ist, der unter einem Kilo verharrt und somit den Namen zurecht trägt. 60 g packt sich Irax drauf und zieht dahin und die Karawane mit Abstand und 1250 g hinter sich her. Bemerkenswert ist, dass es sich Isi leisten kann, einen Tag mit Nulldiät einzulegen und dennoch mit 1130 g den zweiten Platz zu halten. Iberl bleibt mit 80 g plus mehr als nur am Ball, sondern ersäuft sich mit 1090 g den dritten Rang. Bleiben noch zwei, die wie Iltschi heute mit 1050 g in die Bücher eingetragen werden: Ilmo +30 und Inouk +20. Dem hat wohl das Betthupferl gefehlt, weil er sich aus der Mensa entfernte und ins Schnullerlager gewechselt war.

 

Faschingsdienstag, 05.03.2019

Es ist wieder etwas wärmer geworden und der Wind hat sich etwas beruhigt, aber abgezogen ist er noch nicht.

Zum Ende der zweiten Woche rollt der Betrieb beim Blues in routinierten Abläufen: Fianna verbringt große Teile der Nacht bei ihren Kindern, Hedda die ganze Nacht bei uns, möglichst weit weg von den Kindern. Die Idefixe verbringen die Nacht natürlich in der Schnullerbox, liegen aber tagsüber fast durchgehend im Kudde oder davor auf dem Boden. Die Chefin vollzieht den Morgenappell mit Kistendienst und Wiegen, der Assi verschläft diesen Teil meist, weil er weiß, dass er demnächst als Küchenreiniger ausgeschlafen, fit und sehr stark sein muss. Die Mutter pflegt und speist ihre Kinder, Hedda lauert im Hausgang auf den Ausgang. Der Rest des Tages geht in die üblichen Tagesabläufe über und entwickelt sich den Rahmenbedingungen entsprechend.

Die Gewichte zäumen wir heute einmal von hinten auf und wundern uns nicht, dass wir dort zuerst über Ignaz stolpern: 990 (+70); stramme Leistung und doch knapp vorbei. Einen Paarlauf unter Männerfreunden liefern IlmoIlmo – Körperpflege muss seinsich Inouk und Iltschi, beide 50 plus und 1100. 1120 g bringen Ilmo (+70) und Iberl (+30) auf die Waage, was natürlich nichts anderes bedeutet, als dass Iberl nur einen Tag auf dem Stockerl verbringen durfte. Indra erinnerte sich an fülligere Zeiten und versucht mit 90 g, an diese wieder anzuknüpfen (1130): dritter Stockerlplatz von Iberl übernommen. Verbleiben die beiden Granden, die sich nicht übernehmen mussten, um ihre Position zu wahren. Beide gönnen sich sparsame 40 g, das macht für Isi 1170 und für Irax 1290. Zwischen Zar und Zausel klafft ein Loch von 300 Gramm, und dazwischen nimmt sich das Volk gegenseitig die Butter vom Brot. Es geht halt zu wie im richtigen Leben bei den Idefixen.

Wenn sich schon nicht allzu viel ereignet im kleinen Blues-Kosmos, werfen wir eben wieder einen Blick aufs Wesentliche: die Persönlichkeitsentwicklung. Schließlich wollen alle einmal einen schillernden Charakter, eine echte Type mit nach Hause nehmen und kein blickdichtes Allerweltsmodell. Inouk, beispielsweise, erweitert gerade seine Ein- und Ausstiegstechniken. Während seine Geschwister ineinander verknäult im Kuddebett ruhen, macht er sich auf den Weg und kugelt über den Rand nach draußen. Und weil es ihm dort alleine zu öde ist, findet er schnell die Technik, wie man seinen dicken Po wieder hineinwuchten kann; das kostet etwas Mühe und Muskeleinsatz (bayer.: Irxenschmalz), aber er schafft es. Und ob es daran liegt, dass er daran Gefallen gefunden hat oder selbst nicht so recht an seine Fähigkeiten glauben mag: Er macht's gleich nochmal, raus und wieder rein, diesmal schon deutlich geschmeidiger. Und nochmal. Und nochmal. Dann verlassen ihn die Irxen und er legt sich zu Mama und erzählt ihr von seinen großen Taten.

Gestern konnten wir Inouk beobachten, wie er sich von seinen im Kudde schlafenden Geschwistern entfernte und in die Kiste zum Schlafen wackelte, heute liefert uns Indra das genaue Gegenteil. Weil wir die Bande kurzfristig in der Schnullerbox kaserniert hatten, um anderen Dingen des Alltags nachzugehen und sie nicht unbeaufsichtigt lassen wollten, lagen alle dort zusammen und schlummerten. Als wir uns wieder um sie kümmern konnten, nahmen wir das Sperrbrett wieder weg. Nach kaum drei Minuten wirft Indra einen Blick rundum, stemmt sich zwischen ihren Geschwistern hoch und legt sich auf das VetBed vor der Kiste. Und da richtet sie sich häuslich und bequem ein, während ihre Geschwister bis zum nächsten Milchappell in der Kiste verweilen, obwohl auch sie zwischendurch einmal wach werden und sich neu sortieren und orientieren müssen. Jeder Tag legt neue Steinchen ins Idefix-Mosaik.

Generell gilt, dass die Zwerge die Kiste konsequent ignorieren, allerdings einen Umschluss, wenn er nötig ist, still dulden. Noch! Bevorzugt liegen sie nun dort, wo die verbrauchte Kraft sie stranden ließ, im Kudde, direkt vor dem Kudde oder auch schon mal unter dem Tisch davor. Und das bedeutet für uns ab sofort: Augen auf und Füße am Boden lassen. Die Gefahr, einen Idefix zu einem Ideflat zu treten, wächst jetzt stündlich, weil ihr Investigationstrieb sie nun schon zu größeren Ausflügen antreibt. Die Zukunft sieht schlurfende und zum Boden starrende Rudelführer und jauchzende, sich frei entfaltende Milchzwerge.

FiannaFianna, topfit für die kommenden AufgabenNun liegen die ersten zwei Wochen der Idefixe erfolgreich hinter uns. Die Krallen haben wir ihnen noch immer nicht geschnitten, was jetzt wirklich dringlich ist, und einen Kurzaufenthalt im Garten wollten wir wegen der stürmischen Wetterlage und den teils frischen Temperaturen auch noch nicht wagen. Jetzt stehen also die Wochen der Verdichtung bevor: Krallenpflege, Solitärfütterung, Entwurmung, Action, Erlebnispark, Spaziergänge, und was uns sonst noch alles einfällt, und natürlich Besucher, denn ab heute sind unsere Türen für Interessenten, Käufer, Freunde, Nachbarn und Neugierige aller Art weit offen. Anrufen, mailen, whatsappen und kommen – Besucher sind herzlich willkommen. Denn, was haben wir in dieser Woche gelernt? Je mehr die Idefixe gelickt und geliked werden, desto toller entwickeln sie sich. Machen wir uns ans Werk!