
3. Woche (06.03.2019 - 12.03.2019)
Aschermittwoch, 06.03.2019
Der Aschermittwoch kommt sehr frisch und wolkenlos in die Gänge: -2 °C. Später legt er seine frostige Attitüde ab und schwingt sich zu sonnigen 15 °C auf. Ob der Hundertjährige nun recht hat oder nicht, lässt sich aus diesen Temperaturen nur schwer vorhersagen: Um den Tag des Fridolin, da zieht der letzte Winter hin. Wir wollen es hoffen, glauben aber noch nicht so recht daran. Ein kleines Säckchen Schnee oder zumindest ein bisschen Frost hat er bestimmt noch für uns übrig.
Am Aschermittwoch ist alles vorbei, singen die ermatteten Pappnasen, und meinen damit das närrische Treiben, dem sie nun entsagen müssen. Am Aschermittwoch geht es los, predigen die Westchristen und meinen damit die 40-tägige Fastenzeit bis zum Karsamstag. Je nach Interessenlage kann man das eine bejubeln und das andere beklagen. Unsere Interessenlage wäre, dass sich Fianna weder an das eine noch das andere hält: Wir halten es mit Kinderfasching bis zum 16. April, wenn wir die Idefixe aus dem Paradies verjagen und bitteschön keine Fastenzeit, sonst müssen wir die Bande nicht verjagen, weil sie uns vorher schon davongeflogen wäre. Dem Augenschein nach denkt Fianna nicht daran, uns und ihren Kindern christlich-karnevalistisches Brauchtum zuzumuten und versieht ihren Dienst wie bisher. Ein Blick auf die kalorische Tagesbilanz des Faschingsdienstag mag dies bestätigen.
Irax legt 60 g zu und beschließt seine Regentschaft als "Seine Tollität Irax I." mit 1350 g. Es ist anzunehmen, dass ihm der Sinn auch weiter nach Führungsanspruch und kaum nach Fastendiät steht. Die tolle Partnerin an seiner Seite, Prinzessin Isi I., folgt ihm getreulich durch Dick, weniger durch Dünn, und gibt das Zepter bei einem Fasnachtsendgewicht von 1220 g (+50) ab. Die närrischen und nun arbeitslosen, aber ehrgeizigen
IgnazHofschranzen und Kratzfüße heißen Ilmo, Inouk und Iltschi, alle mit 1190 g gewogen, aber für den Thron zu leicht befunden, wobei sich Inouk und Iltschi weiterhin Arm in Arm im Narrensprung bewegen (+90), während Ilmo das Bivirat mit +70 g zum Triumvirat aufbläst. Iberl gibt mit 1180 g (+60) den Mundschenk seiner Tollitäten (Graf Schenk Iberl von Drunter und Drüberl). Auf der Mauer, auf der Lauer hockt das Blümchen Indra (1150, +20), allzeit bereit, den Sprung an die Seite des abgedankten Monarchen zu wagen, aber derzeit noch zu schwach um die Brust. Die unverzichtbare Rolle des karnevalistischen Hofnarren ist dem kleinen, aber feinen Ignaz vorbehalten: 1030 (+40) und gerade zum Ende seiner offiziellen Amtszeit mit einem kühnen Narrensprung über das Doppelpfund gehopst.
Was sich heute Morgen andeutet, wird uns vor allem in den nächsten beiden Wochen beschäftigen und faszinieren: Ein nahezu stündlicher Update der aktuellen Fähigkeiten. Heute Morgen liegen alle noch in der Schlummerkiste und ratzen vor sich hin, zufrieden und mit sich im Reinen, als das Telefon rappelt. Und im Nu sind alle wach und schnattern wie ein ganzer Ententeich. Die Idefixe hören jetzt tatsächlich und nehmen den Ton nicht nur als ein belangloses Hintergrundgeräusch wahr, sondern als eine neue und kommentierbare Erfahrung.
Diese rasante Entwicklung nimmt im Laufe des Tages weiter Fahrt auf, indem sie mit einem Mal, wie auf ein heimliches Signal, die nähere Umgebung ihrer Kiste und des Kuddebetts verlassen, sich zur Inspektion der
Ilmo, noch unter Mamas Fittichen...Küche
... und schon unterwegsaufmachen und sich auf die weltabgewandte Seite des mittig gestellten Küchenblocks wagen, außer Sicht von Lager und Mama; kein Sichtkontakt mehr, kein Funkkontakt, nur noch Jammerkontakt, den die Mama aber ignoriert. Fianna greift nur ein, wenn der Klagelaut Gefahr signalisiert; Jammerlappen gibt sie keinen Support. Inouk gehört zu den Ersttätern, auch Ilmo und Indra, obwohl diese Erwähnung schon nach spätestens zwei Stunden nur noch
Auf Entdeckungstourhistorischen Wert hat, weil dann alle durch die Küche rutschen und lauter bewegliche Hindernisse darstellen werden. Fianna liegt derweil irgendwo, beobachtet ihre Kinder mit Wohlgefallen und bietet ihnen die Bar, wo immer sie sich gerade aufhält und die Zwerge der Appetit überkommt. Von Fastendiät kann also gottlob keine Rede sein.
Seit wir die Türen für Besucher öffneten, drängen diese erwartungsfroh herein, und eine dieser Besucherinnen ist Halina, Heddas Wurfschwester. Jetzt sind wir aber gespannt, wie sie sich den Idefixen gegenüber verhalten wird. Erwartungsgemäß stürmt sie im Überschwang des Glücks und der Wiedersehensfreude mit einer mächtigen Bugwelle in die Küche – bis sie von zehn Zentimeter hohen Aliens zum abrupten Stillstand gebracht wird. Und tschüß... Im Laufe des Tages sucht sie auch keine weitere Begegnung dieser Art mehr, sondern hält sich so abseits wie möglich. Wenn man berücksichtigt, dass Halinas und Heddas Oma Franzi vor der Begegnung mit Welpen mit allen Vieren auf jeden erreichbaren Tisch geflüchtet ist und später dennoch drei Würfe großzog, müssen wir uns vorerst keine Sorgen machen. Alles normal, wie es scheint. Hündinnen dieses Alters könnten zwar schon Mütter sein, aber als Halbschwestern oder Tanten taugen sie noch nichts. Und ob sich ihre Brüder ebenso pieselig anstellen, wollen wir derzeit lieber nicht testen, weil Hedda auf direktem Weg in die Standhitze ist. Ob dann die Welpen der Hitze den Rang ablaufen und den Rüden die Lust abkaufen oder ob sie vor lauter überbordender Hitze unter die Räder kommen würden, wollen wir nicht wissen. Es bleiben ja noch ein paar Wochen, in denen wir das ohne Standhitze erproben können. Unsere letzten Erfahrungen mit jungen Rüden endeten mit Flugfluchten über den Welpenzaun im Garten. Abwarten...
Donnerstag, 07.03.2019
Perpetua und Felizitas bringen uns das erste Gras. Ja, vielleicht dort, wo der Hundertjährige aus dem Fenster sprang, aber nicht im Mangfalltal. Hier liegt das erste Gras bereits mit Schnappatmung unter der Gülle. So gesehen ist das wenig freundliche Wetter mit Regen und Wind ein Segen für das erste Gras.
Heute vor 122 Jahren ließ ein Arzt namens John Harvey Kellogg seinen Patienten erstmals Cornflakes auftragen, die er mit seinem Bruder erfunden hatte, und die schon damals neben getrocknetem und breit gewalztem Mais hauptsächlich aus Zucker bestanden. Wie es den Patienten ergangen ist, deren Genesung durch dieses vegetarische Grundnahrungsmittel beschleunigt werden sollte, wissen wir nicht; wie es unseren Idefixen ergehen würde, wenn wir ihnen diese Erfindung aus der neuen Welt vorsetzen würden, können wir ahnen, vor allem wenn wir sie noch mit einer weiteren Erfindung dieses Arztes toppen würden: mit Erdnussbutter. Wir bleiben vorerst noch bei Muttermilch, jedenfalls solange Fiannas Quellen nicht zu spärlich fließen. Vorgestern haben sie für alle zusammen 480 g geliefert und gestern spendierten sie genauso viel. Am trotzigsten verweigert Isi die Fastenanweisung für die nächsten 40 Tage: 110 g können auch kaum noch als Ausrutscher durchgehen, sondern müssen als flagrante Fastenverweigerung bewertet werden (oder sie deuten auf die Einnahme von Cornflakes mit Erdnussbutter hin). Mit den erworbenen 1330 g kann sie sich zwar vom Fußvolk absetzen, aber dem Powerverwerter Irax nicht gefährlich werden: 1440 (+90); er weiß, wann er den Turboknopf drücken muss. Interessant ist das Zerwürfnis des gestern noch schunkelseeligen Triumvirats Ilmo, Inouk und Iltschi, die mit ebenbürtigen 1190 g auf die Reise gegangen waren. Jetzt meldet Iltschi 1250 (+60), Ilmo 1230 (+40) und Inouk 1220 (+30). Verbrüderungen und Verpaarungen in der Narrenzeit sind eben nur selten von gedeihlicher Dauer. 1230 g bringt auch Iberl auf die Waage (+50), und Indra hat die Hoffnung, einst an Irax Seite Isi abzulösen, noch längst nicht aufgegeben: 1210 (+60). Ignatius, der feurig Erleuchtete, vertraut indes auf den Sieg der Beständigkeit und Beharrlichkeit: 1070 (+40).
Irax beim MorgenspaziergangSeinen morgendlichen Verdauungsspaziergang absolviert Irax als Rundgang um und durch die gesamte Küche. Wenig später folgt Indra seinem verdauungsfördernden Beispiel – und bleibt genau unter dem Futtergestell und jener Schüssel sitzen, aus der Hedda gerade ihr Frühstück zu sich nimmt. Welches Ende wird dieses Drama wohl nehmen? Ein versöhnliches, wenn auch ungesundes, weil Hedda ihre sowieso schon sehr hohe Schlagzahl beim Futtern noch verdoppelt, was allen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation Hohn spricht, und sich dann fluchtartig entfernt. Aber sie nimmt lieber Schäden am eigenen Leib und Leben in Kauf, als dass sie sich die Göre zur Brust nimmt. Da weiß man ja kaum, was einem lieber sein soll.
IndraHeute beobachten wir auch, dass erstmals ein von Besuchern mitgebrachtes und von Fianna in den Ring geworfenes Spielzeug Interesse findet. Es wird beschnuppert, besetzt, ein wenig hin- und her gezerrt (Ignaz und Indra), und dann ist es wieder uninteressant. Für passionierte
Isi und InoukSpielereien sind sie einfach noch zu jung, aber das Interesse ist geweckt. Allerdings beschäftigen sie sich schon sehr nachdrücklich miteinander: Erste Schnäbeleien, Rangeleien und Kämpfchen werden bereits in Szene gesetzt und ohne Sieger beendet. Lautlos. Auch das wird sich sehr bald ändern. Denn bellen können sie schon, und wenn sie erst gecheckt haben, dass bellen und raufen so erfüllend ist wie Leberkäs mit Weißbier, dann geht es hier tatsächlich zu wie am Stammtisch. Etwas Geduld noch. Nur wenige Tage verbleiben uns noch für den Genuss stiller Körperertüchtigung.
Freitag, 08.03.2019
Gestern verbrachte Fianna die ganze Nacht in der Küche bei ihren Welpen, heute hatte sie sich entschlossen, ihre Nacht bei uns im Schlafzimmer zu verbringen. Um kurz nach vier Uhr und gegen sechs signalisieren ihr die fordernden Rufe aus der Küche, dass es angebracht ist, Mutterdienste zu verrichten. Aber jetzt geht das Spektakel dort unten erst recht los; alle buhlen um einen Platz an Mamas Theke, aber im Gegensatz zu den lautlosen Schnäbelspielen verläuft der Kampf um die besten Plätze im gehobenen Dezibelbereich. Als eigentliches Problem stellt sich aber schnell heraus, dass Mama nicht der Meinung ist, liefern zu müssen, sondern nur nach dem Rechten sehen wollte. Da sie keinen Handlungsnotstand entdeckt, trollt sie sich wieder ins Schlafgemach. Der Protest schaukelt sich demgemäß so auf, dass wir überzeugt sind, dort unten acht kleinen Gelbwesten Kost und Logis gewährt zu haben. Jetzt beginnt es also, dass sie Forderungen stellen und lautstark einklagen.
Nach unserem Erscheinen in der Küche, stellen wir beruhigt fest, dass sich unter den verstummten Gelbwesten kein Hungerleider befindet, jedenfalls keiner, dem das anzusehen wäre. Allerdings, und da ist unsere Waage unbestechlich, sind seit gestern geringfügige Einbußen zu verzeichnen. Die sind allerdings nicht Fiannas Unlust an der Verabreichung eines Vorfrühstücks zuzuschreiben, sondern der Vielzahl von Besuchern gestern, weswegen der eine ungewohnt viel in Bewegung war und die andere womöglich mehrere Mahlzeiten auf
Inouk – In der Ruhe liegt die Kraftwilligen Schößen verträumte. Andere wiederum scheint der Touristenstrom förmlich zu großer Form auflaufen zu lassen. Der größte Schaugewinnler ist, na, wer?, – Ignaz! 120 g an einem Tag, dazu braucht er sonst drei Tage. Jetzt steht er mit 1190 g zu Buche und immer noch am Ende des Geleitzugs. Iberl ist der zweite Profiteur. Er stopft sich mit 80 g auf und erobert mit 1310 g den zweiten Platz. Dieser Vorstoß lässt ahnen, dass Isi, der Kronprinzessin, irgendetwas aus dem Ruder gelaufen sein muss. Was das ist, wissen wir nicht, höchstens, dass sie eine der aktivsten Schoßhopper war, und das kostete ihr vermutlich die verlustigen 30 g. Somit rutscht sie auf 1300 g ab. Ungefährdet an der Spitze, aber nicht ungerupft bleibt Irax, der eine Nullrunde einlegt und sich mit seinen 1440 g immer noch sehen lassen kann. Indra meldet heute 40 g und 1250. Das ehemalige Triumvirat geht weiterhin getrennte Wege: Inouk 1280 (+60), Ilmo 1290 (+60) und Iltschi 1300 (+50).
Wir hatten es ja schon vergangene Woche fest eingeplant und dann doch verplant: Krallen schneiden. Diese kleinen Sicheln sind scharf wie die Hölle und können die Zitzen maximal malträtieren. Fianna sieht schon etwas geschändet aus, ist aber noch kreuzfidel und ohne Anzeichen einer Entzündung. Wir kennen das und wissen,
Pediküre bei Iltschiwas es bedeutet, Eiter aus einer entzündeten Zitze zu streichen und Quarkwickel anzulegen. Es ist also höchste Zeit, die kleinen Sensenmänner und -fräuleins zu entwaffnen. Das ist traditionell der Job des Assi, weil er trotz des fortgeschrittenen Alters noch immer eine ruhige Hand hat und die Chefin zwar fast so viel weiß wie der liebe Gott und wie er alles hört und alles sieht, aber eben auch ein bisschen schielt, was der reinen Erkenntnis keine Hindernisse in den Weg legt, aber im Kleinteiligen zu verheerenden Übergriffen geeignet ist. So bekommen die Idefixe also alle geschnittene Nägelchen, gestutzt vom Assi, der hinterher deutlich erhöhte Temperatur hat, weil sich die sechs Burschen und zwei Dirndl wehren wie ein Mann. Sack und Asche, haben die schon gewalttätige Power in ihren durchschnittlich knapp 1300 g Körpermasse. Die können eigentlich nur aus Muskeln bestehen, abgesehen von Darm und Blase natürlich.
Zur Strafe für ihre wenig kooperative Haltung bekommen sie gleich anschließend den ersten Teil der ersten Entwurmung. Und das ist eine richtige Sauerei! Bislang hatten wir für die Wurmkur immer Flubenol, doch derzeit hat unser Tierarzt nur Panacur verfügbar, weil, wie uns erklärt wurde, Flubenol den meisten Kunden zu teuer
Iberl – Rosskur wenn es sein muss, Panacur bestimmt nichtsei und wie Blei im Lager gelegen hätte und verdorben sei. Das muss man akzeptieren, allerdings nicht goutieren. Panacur hat gegenüber Flubenol zwei entscheidende Nachteile: Es ist deutlich flüssiger und schmeckt offenbar abscheulich. Die Idefixe schleudern uns die Pampe widerwillig um die Ohren. Im Umkreis von zwei Metern sehen wir aus wie Maler Klecksel am ersten Tag des ersten Lehrjahrs. Boden, Tisch, Hosen und Jacken, alles weiß gesprenkelt und verkleistert. Wenn das eine Strafaktion für die Idefixe hätte sein sollen, dann war es ein Rohrkrepierer. Und es gibt keine Entwarnung: Die Aktion muss an drei aufeinander folgenden Tagen durchgezogen werden. Im Anschluss ist der ganze Blues erschöpft und ermattet, die Zwerge kauern sich bei Mama zusammen, um ihr das Lied von ihrem Leid zu singen. Die Mama hat gar nicht so viel Zungen, um alle trösten zu können und wir brauchen auch nichts mehr heute. Schicht nach der Schlacht.
Samstag, 09.03.2019
Die Welt ist allseits voller Rätsel. Wir denken ernsthaft darüber nach, unsere unschmeichelhaften Einlassungen über das Wurmmittel Panacur zu widerrufen und es stattdessen als universelle Masthilfe für alles Belebte anzupreisen. Zum allgemeinen Verständnis lassen wir ohne weiteren Kommentar die Gewichtstabelle an uns vorüberziehen:
An der Bar wird es langsam engIrax 1540 (+100), Iltschi 1420 (+120), Ilmo 1400 (+110), Iberl 1400 (+90), Isi 1380 (+80), Inouk 1370 (+90), Indra 1320 (+70) und Ignaz 1250 (+60). Das sind 720 g Gewichtszunahme an einem Tag, und ausschließlich durch Mamas Milchshake – und Panacur, obwohl mindestens die Hälfte der vorgesehenen Gabe am Boden, auf dem Tisch und an uns klebte. Die Probe aufs Exempel und die wissenschaftliche Auswertung von Panacur als Welpenmast erfolgt heute mit der zweiten Portion der ersten Entwurmung und morgen in der Tabelle.
Dreierlei lohnt, dass wir heute darüber berichten, und zwar über die hellhörigen Ohren, die strammen Waden und die erwachenden Zähne. Fangen wir bei den letzteren an, weil dieses Topic am schnellsten abgearbeitet ist: Jetzt spürt man die kleinen Beißer schon, noch sind sie nicht durchgebrochen, aber es kann sich nur noch um wenige Tage handeln. Noch kneifen die Idefixe nur mit ihrer Kauleiste, bald werden sie uns mit ihren Kampf- und Spielzeugen malträtieren und auch noch ordentlich Spaß dabei haben.
Das Gehör der Kleinen ist nun schon beachtlich gut justiert und sie entwickeln damit schon jetzt jene Fähigkeiten, die sie später einmal auszeichnen werden: Sie beginnen schon die Nadel in den Heuhaufen fallen zu hören. Denn selbst im Schlaf arbeitet ihr Gehör jetzt schon, was es uns fast unmöglich macht, mit irgendetwas auch noch so leise zu hantieren: Sie hören es, sie werden wach, sie recken die Köpfe machen sich auf die Suche nach der Quelle. Für uns bedeutet das erhöhte Wachsamkeit bezüglich herumstreifender Welpen.
Und damit wären wir natürlich bei den strammen Waden der Mangfalltaler Nixen und Tunixen. Nicht nur, wenn sie sich auf der Streife nach einer Geräuschquelle befinden, sind sie auf Expedition. Die Küche haben sie
Auf dem Weg zu neuen Uferninzwischen als ihr natürliches Habitat in Besitz genommen (wir sind darin allerdings geduldet), und die ersten machen sich schon auf den Weg, das Wohnzimmer zu erobern. Sehr weit trauen sie sich dort noch nicht hinein, aber wir rechnen bereits für morgen mit dem Schlimmsten. Lange dauert das ja nicht, bis sie sich überall heimisch fühlen. Und mit dem Schlimmsten meinen wir natürlich nicht die Spaziergänge, sondern die Hinterlassenschaften der Wildpinkler und Würstlmeister. Die Küche hat sich schon zu einer Art Abtritt entwickelt, vor allem unter dem Tisch erleichtern sie sich mit Vorliebe, weil sie dort ein Höhlenerlebnis haben und wir uns am schwersten tun, dort unten zu putzen.
Diese Dauerpräsenz der Idefixe ist, wie man ahnt, eine ziemliche Herausforderung für Hedda, wobei sich ihr Verhalten gegenüber der Zwerge in drei Kategorien bewegt. Kategorie 1 ist ein Besucherschoß, auf dem sich ein Idefix räkelt. Dieser Alien ist ein relativ vertrauenswürdiger und ermöglicht einen direkt Kontakt mit der Nasenspitze. Ähnlich verhält es sich mit einem nicht aufgeschoßten Welpen, der sich langsam und behäbig wackelnd vor Hedda her bewegt, also von ihr weg. Auch dann übernimmt die Neugier das Regiment und schafft es, Heddas Nase unter das Stummelschwänzchen zu dirigieren, die sich dort allerdings nur für Sekunden aufhält. Ob es am Geruch liegt oder am unter dem Schwanz schwindenden Mut der Nasenträgerin, entzieht sich unserer Erkenntnis. Kategorie 3 ist der direkt auf Hedda zusteuernde Welpe, frontal, bedrohlich selbst dann, wenn er, Freundschaft signalisierend, quietscht und krächzt und mit der weißen Fahne wedelt. Dann zeigt Hedda ihre Waffen und gibt Fersengeld. Frontale Annäherung und Hund – zwei Welten, die wohl nie so zusammenkommen werden. Das gilt auch, wahrscheinlich sogar besonders für Welpen, deren Bewegungsmuster so bedrohlich wirkt, dass sie gar nicht klein und unbeholfen genug sein können, um nicht den Abwehrreflex auszulösen. Wir sind jetzt schon sehr gespannt, wie sich das entwickelt, wenn die Idefixe unseren Garten in Besitz nehmen und bespielen. Ob Hedda dann mitmacht? Oder wie ihre Oma die Szene vom Tisch aus beobachtet? Vorerst ist der Beitrag eines Besuchers, sie solle sich mal nicht so haben, in spätestens einem Jahr wäre sie vermutlich selbst Mama und würde ihre Kinder genauso großziehen wie Fianna, wie die Androhung des nahen Todes noch vor der Erdbeerzeit. Hedda verschwindet für mindestens eine Stunde in den Kavernen des Blues und rechnet sich vermutlich aus, wie groß ihre Chance, gemessen an ihrer Eitelkeit ist, die bevorstehende Zuchttauglichkeitsprüfung mit großer Geste zu vermasseln, um diesen angedrohten Kelch noch rechtzeitig umkippen zu können. Wir werden sehen. Letztlich bleibt sowieso kaum eine Frage unbeantwortet.
Abends erfolgt dann die erwähnte Zweitration der Entwurmung, deren Gestaltung sich in nichts von der gestrigen unterscheidet: Die Welpen sind ungehalten und kaum zu halten, das Idefix-Habitat ist ein Augiasstall und Herr und Frau Herkules stehen da wie besudelte Pudel. Morgen ist der Tag der Wahrheit über Panacur.
Sonntag, 10.03.2019
Die christliche Zahlenmystik liefert Stoff für ganze Bibliotheken und zieht sich unbarmherzig durch unseren Alltag. So bezieht sich die Sieben auf den siebten Tag, an dem die Schöpfung abgeschlossen war und der Herr sich von den Strapazen ausruhte. Es gibt sieben Geister vor dem Thron Gottes, im Herzen des Menschen sind sieben Gräuel, am goldenen Leuchter sieben Lichter und am Passah-Fest isst man sieben Tage gesäuertes Brot. Die Zwölf ist auch so eine ständig wiederkehrende Zahl. So kennen wir die zwölf Patriarchen als die Vorfahren der zwölf Stämme. Das neue Jerusalem soll zwölf Grundlagen für seine Mauer haben mit den Namen der zwölf Apostel. Und natürlich wird die Mauer zwölf Tore haben. Man könnte die Reihe verlängern. Heute haben wir es aber mit einer anderen Zahl zu tun: mit der Vierzig. Mose prüfte sich selbst vierzig Jahre in der Wüste, außerdem war er zweimal für vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Berg beim Herrn und aß kein Brot und
Statt 40 Tage Fasten: "Hundekuchen" am Sonntagtrank kein Wasser. Kundschafter erforschten das Land vierzig Tage lang. Die Stämme wurden vierzig Jahre lang in der Wüste erprobt. Saul, David, Salomon und Joas wurden jeweils durch eine Regierungszeit von vierzig Jahren geprüft. Auch Elias Zeit der Versuchung am Berg Horeb war vierzig Tage lang. Dass Jesus sich vierzig Tage lang in der Wüste der Askese verschrieb und von Tod und Teufel versucht wurde, weiß jeder. Heute haben wir es mit den vierzig Märtyrern, bzw. Rittern zu tun. Und da blubbert es aus dem Hundertjährigen, als ob er noch ein Vierziger wäre: 40 Ritter mit Eis und Schnee, tun dem Ofen noch 40 Tage weh. Oder: Regen, den die Vierzig senden, wird erst nach 40 Tagen enden. Ein Tusch auf die Lyrik: Wie es an 40 Ritter wittert, wittert es noch 40 Tage. Und weil die Vierzig sich so allein vorkommt, bekommt sie zur Unterstützung auch noch die Sieben: Wie unser Wetter auf 40 Ritter fällt, es sich noch 7 Wochen hält. Und was bedeutet das nun für uns? Nicht viel Gutes. Mit Frost haben wir es heute nicht zu tun, eher mit mildem Frühling, der allerdings bald mit Regen und Orkan einhergeht. Es ist das Sturmtief Eberhard, das den grimmen Bennet ablöst. Glauben wir also dem Hundertjährigen, müssen wir nicht unbedingt mit vierzig Tagen Orkan rechnen, aber den Regen sollten wir sicherheitshalber schon mal einplanen. Das heißt: Regen bis Ostern. Dann dürfen wir auf Besserung hoffen (wenn der Alte nicht noch was im Köcher hat), aber falls es am 27. Juni – Achtung: Siebenschläfertag! – Mistwetter hat, geht das glatte sieben Wochen so weiter. Und der Sommer ist dahin.
Wir haben es jedoch derzeit mit der Acht zu tun, mit den acht Idefixen, für die die Bibel auch noch einige Stellen bereithält. So war beispielsweise die Beschneidung am achten Tag. Bei uns fand sie trotzig erst am 17. Tag statt. Der Auferstehungstag ist der achte Tag, einen Tag nach dem siebten, dem Sabbath, an dem der Herr ruhte. Und dann eben wieder aufstand. Da hat sich der Herr doch ausgesprochen menschlich verhalten. Ruhen und wieder aufstehen. Das beherrschen sogar die Idefixe ohne Einweisung durch ihre Mama. Und ganz schön langsam entwickelt sich aus dem Aufstehen immer mehr ein kleiner Aufstand. Ganz und gar rührend ist jedoch die Tatsache, dass in der Arche des Noah acht Seelen gerettet wurden, um mit einer neuen Welt anzufangen. Was den Blues angeht, können wir dem zustimmen: Acht Seelchen werden demnächst in die Welt ausschwärmen. Ob sie diese auch gleich retten werden, lassen wir dahingestellt. Falls die acht Seelen der Arche jedoch die Neue Welt aufgebaut haben sollten, darf man gelegentlich bedauern, dass sie gerettet wurden. Es ist eben nobody perfect. Noch nicht einmal der Schöpfer. Vielleicht hatte er die Idee mit den acht zu rettenden Seelen halt gerade im döseligen Erwachen zwischen dem siebten und achten Tag. Da hat man schon mal neben einem schlechten Atem auch ein schlechtes Karma.
Wenden wir uns den profanen Niederungen der kleinen Blues-Welt zu. Die Chefin ist heute auf der Jahreshauptversammlung des RZV in Himmelkron (irgendwie bekommen wir den Himmel heute nicht aus den Kleidern). Als Vorsitzende der Landesgruppe Süd gilt Kindersegen nicht als hinreichender Grund für Abwesenheit. Also ist der Assi für einen unschönen, sturmgebeutelten Sonntag des Jahres 2019 Chef. Blöd nur, dass sich bei ihm keinerlei Chef-Feeling einstellt, weil sich seine Aufgaben um keinen Deut ändern. Ruhe findet er jedenfalls keine, jene Ruhe, die einen die Welt von einem Chefthron herab betrachten lässt. Die acht sind ziemlich anhaltend unterwegs, einer oder eine jedenfalls immer, kaum dass mal Gruppenruhe angesagt ist. Und wenn immer einer unterwegs ist, lässt er immer irgendwo ein Teichlein liegen. Oder ein Würstchen. Chefsache. Andere finden den Weg zu Mama nicht wieder und krälen nach Erlösung. Chefsache. Acht kleine Stolpersteine im Dauereinsatz in der Bluesküche.
Seine Aufgabe wird aber durch die Entwicklungssprünge der Zwerge erheblich erleichtert, denn die meisten reagieren schon auf Ansprache, folgen Lockversuchen, kommen zögerlich herbei, weil sie auch schon Orientierung in der Küche haben. Wenn sie die Küche in Richtung Flur und Hausflur verlassen, verlässt sie auch die Orientierung schnell, dann hängt schon mal einer mit der Nase im Spalt der Klotür und kommt nicht mehr vor oder zurück. Die schlimmsten akustischen wie psychischen Folgen haben diese Verkeilungen, wenn der siebenfache Jubel der Geschwister die Öffnung der "Bar Mama" verkündet. Und einer sitzt im Rahmen der Klotür fest! In solchen Fällen wird aus dem Teilzeitchef ein Kriseninterventionsteam. Es wäre ja der Geschichtsschreibung kaum zu vermitteln, dass in der Arche Bairischer Blues nur sieben Seelen gerettet würden.
Eine ganz andere Sache ist es, wenn der Expeditionsdrang der Idefixe nicht vor Heddas Bein halt macht, die gerade bei der Nahrungsaufnahme ist und keine Lust zur Flucht verspürt. Oben mampft Hedda Trockenfutter und unten knibbelt ein fixer Ide an ihrem Bein. Darauf reagiert sie sehr unwirsch, weil die Nahrungsaufnahme
Alles verrammelteine Flucht geradezu verbietet. Also heißt der Beschluss: Futtergestell ab sofort aus der Küche und ins Wohnzimmer, das gleichzeitig mit den seit Jahren bekannten und bewährten Sperren unzugänglich gemacht wird. Das gibt Fianna und Hedda die verdiente Ruhe bei den Mahlzeiten und garantiert ganz nebenbei, dass die Wasserschüssel nicht in naher Zukunft ebenso einer Inspektion unterzogen wird wie alles andere. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir die Küche trocken legen müssten, weil sich so ein Naseweis an der Schüssel hochzieht, um mal zu sehen, welche besonderen Leckereien sich darin befinden, wenn Hedda so zickig reagiert. Nun haben also die Damen Ruhe beim Futtern und die Zwerge können nicht mehr ins Wohnzimmer oder den Eingangsbereich, wo als erstes die Kellertreppe lockt. Alles verrammelt.
Nun kann sich Hedda also ungestört im Wohnzimmer aufhalten und die Zwerge beobachten. Auch im Eingangsbereich ist sie vor ihnen sicher. Nur: Zwischen all diesen Zufluchtsorten stehen Sperren, zwischen dem Welpenhabitat Küche und dem Wohnzimmer ein mächtiger Oxer von 52 Zentimetern Höhe. Zwischen den Welpen und dem Eingangsbereich drohen sogar 60 unüberwindbare Zentimeter. Machen wir es kurz: Bei ihrem ersten Versuch, das Wohnzimmer zu verlassen, zerlegt die federleichte Hedda die Kontinentalsperre. Und so wird aus dem Chef schon wieder ein kleiner Assi, der im Keller mit Werkzeug hantieren muss. Auf dem Hundeplatz federt sie über die Meterhürde wie ein Grashüpfer und springt in ihrem Garten aus dem Stand aufs Hochbeet, um Freunde zu begrüßen und vermeintliche Feinde auf Distanz zu halten, aber 52 Zentimeter im Reich der Aliens bringt sie an die Grenzen. Aber eben nicht drüber. Seither baut sie sich vor den Sperren auf und begehrt um Durchlass. Die Rollen der Chefs sind eben andere als früher. Heute schreibt auch keine Sekretärin mehr einen Brief. Selbst ist der Chef heute. Jawoll. Und beim Blues verrückt er, der Sprunghaftigkeit seiner Nachwuchshoffnung folgend, unentwegt Habitatsperren. Da ist es doch völlig wurscht, wenn er morgen wieder ein Assi ist.
Ignaz' Pana-KurUnd
Isis Pana-Kurweil der Assi eben im Hauptberuf Assi ist und kein Chef, hätte er beinahe vergessen, die Gewichte zu liefern. Machen wir es kurz, sozusagen von links nach rechts: Ignaz 1250 (0), Irax 1640 (+100), Iberl 1450 (+50), Isi 1460 (+80), Indra 1390 (+70), Ilmo 1450 (+50), Inouk 1390 (+20) und Iltschi 1480 (+60). Damit ergibt sich eine Gesamtbilanz von 430 g, was eine Beteiligung von Panacur am Zugewinn praktisch ausschließt. Das Rätsel wird rätselhafter. Doch die dritte Charge der Panacur-Kur wird dennoch fällig. Und die Idefixe zeigen weiterhin kein Einsehen mit den Kur-Fürsten...
Montag, 11.03.2019
Schnee, Graupel und SturmEin strammer Wind treibt Schnee- und Graupelschauer durchs Mangfalltal und bereitet damit den Boden für die gute Kunde der Rosamunde: Sturm und Wind an Rosamunde bringen eine gute Kunde. Oder: Bringt Rosamunde Sturm und Wind, so ist Sybilla (19. März) uns gelind. Der Hundertjährige hält sich weiterhin konsequent an das berüchtigte Motto von Konrad Adenauer: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Gestern sieben Wochen andauernde Kassandrarufe, heute schon wieder Schnee und Wind von vorgestern. Wir sollten uns an die harten Fakten halten und nicht an ein hirnweiches Faktotum, also an die Gewichte.
Beginnen wir doch gleich mit Ignaz, dem kleinen Herzensbrecher, der sich gestern eine Nulldiät verordnet hatte und dafür heute 120 g draufsattelt (1370). Heutzutage spricht man in einem solchen Fall wohl von Intervallfasten, was allgemein als höchst gesundheitsfördernd eingestuft wird. Wir dürfen uns also auf einen kernigen, knuffigen und kerngesunden Ignaz freuen. Dafür nullerte gestern der mächtige Irax, der ebenfalls zum Intervallfasten neigt, sich dafür aber an den fastenfreien Tagen vollschlägt wie früher das arme Volk bei Hochzeiten, Taufen und Totenfeiern. Irax verharrt heute auf seinen 1640 g von gestern. 90 g gönnt sich Iberl (1540) und Isi holt sich mit +130 g (1590) den Platz der Kronprinzessin zurück. Indra bewegt sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten voran (1440, +50), ebenso Ilmo (1510, +60). Mit +20 stand bei Inouk eher Schmalkost auf dem Plan (1410). Und Iltschi zieht seines Weges mit mal weniger und mal etwas mehr; heute sind es +60 g und 1540. Das sind in der Endabrechnung stattlich 530 g, Fiannas zweitbeste Leistung. Und noch immer leistet sie das aus Bordmitteln, ohne Hilfe von außen. Chapeau.
Inouk ist bei der morgendlichen Erstbegehung des Idefix-Habitats nicht in der Schnullerbox anzutreffen, in die wir die Zwerge noch immer, ohne größeren Widerstand, nachts sperren. Inouk watschelt still vergnügt und mutterseelenallein durch die Küche, meckert ein bisschen und scheint seinen Morgenspaziergang zu genießen. Wegen der Gleichbehandlung aller Idefixe, wird er wieder in die Box gepackt – aus der er schnurstracks wieder ausbüxt. Einmal Oberkannte Latte anpeilen, ein bisschen Irxenschmalz einsetzen und, schwupps, ist er drüber. Das überzeugt uns in dreierlei Hinsicht: Erstens, es war kein Zufall, sondern Absicht. Zweitens, bevor wir ihm noch weitere Trainingseinheiten gönnen, öffnen wir die Box und lassen auch den Rest der Bande in die Freiheit. Und drittens: Ab sofort reich die 30-Zentimeter-Sperre nicht mehr aus, wir müssen auch den 10-Zentimeter-Aufbau einlegen. Das reicht in der Regel so lange, bis sie die Kiste sowieso ablehnen und wir sie abbauen. Dieser Bewegungsdrang ist wahrscheinlich mit ein Grund, warum dieser Kerl niemals ein Irax werden wird; der ist wirklich dauernd unterwegs. Obwohl: Irax ist auch ein Ewigpräsenter, aber entweder verschafft er sich mehr und besseren Zugang zu den Quellen oder er ist ein besserer Futterverwerter. Das wird man in ein oder zwei Jahren beurteilen können, wenn aus den Knirpsen Hovawarte geworden sind und die Grundkonzepte jedes einzelnen wirklich erkennbar werden.
Für uns stellt sich allmählich das bekannte Welpenfeeling ein, das uns gelegentlich aus dem seelischen Gleichgewicht bringt. Vor allem ist es die liebenswerte Penetranz ihrer Präsenz: Wo wir sind, sind uns die Knirpse auf den Fersen. Wenn es allerdings nur die Fersen wären, könnte man damit geschmeidig umgehen, nein, es sind unsere Füße und unsere Schuhe, die sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit besetzen, vor allem aber die Putzlappen, mit denen wir ihre flüssigen Hinterlassenschaften beseitigen wollen. Kaum flutscht so ein Lappen über den Boden, hockt schon mindestens einer oder eine darauf und lässt sich herumkutschieren, derweil drei andere in einer fernen Ecke ebenfalls ihre Blasen entleeren, mit Hurra durchlatschen und flächig in der Küche verteilen. Dahinter scheint ein Plan zu wirken, der maximalen Spaß für die Zwerge verspricht. Uns verspricht es mindestens einen zusätzlichen, eigentlich völlig überflüssigen, Putzgang pro Tag, weil die weitläufig verteilten Überflüsse nicht mehr ordnungsgemäß entsorgt werden können. Wir geben zu: Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, denn wir dürfen uns glücklich schätzen, dass Fianna noch immer alle Teiche ihrer Kinder plichtschuldigst beseitigt, wenn sie es mitbekommt. Wenn die Zwerge aber erst einmal ihre Därmchen konsequent hier entleeren, meist alle acht in kurzer Folge, und Fianna ihren Dienst verweigert, dann geht es erst richtig los. Dann tun wir gut daran, die Moränen in Echtzeit zu entsorgen... Das heißt Dauerpräsenz unsererseits.
Irax und IndraAn Tagen
Fianna schaut sich das Treiben in Ruhe anwie diesem, wo sich keine Besucher und keine Schöße zum Besetzen finden, beschäftigen sich die Idefixe neben den Grundtugenden schlafen, trinken und verdauen vor allem untereinander. Die ersten kleinen Kämpfe und Rangeleien werden ausgefochten, man verkeilt sich mit den Kiefern, besteigt sich gegenseitig von hinten, legt eine Pfote in den Nacken des anderen – alles Übungen für die Gesellschaftsfähigkeit des erwachsenen Idefix. Noch läuft das alles meist im Stillen ab, aber bald schon werden sie das dazugehörigen Schlachtengebrüll mitliefern. Niedlich. Noch.
Gar nicht niedlich ist, was wir gegen Mitternacht, als die Chefin nach Hause kommt, feststellen: Fianna hat eine harte und dicke Zitze. Das Fieberthermometer liefert, 39,1 °C. Und der Assi hat nichts bemerkt, weil er nicht andauernd an seiner Hündin herumfmmelt und diese in ihrem Verhalten auch völlig unauffällig war; Spaziergang nachmittags fröhlich und lebhaft, Abendmahlzeit mit großem Appetit und der Pinkelgang um 23 Uhr ebenfalls komplett unauffällig. Von der Chefin bekommt er dennoch eine Rüge wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht. Ihre erste Handlung jedenfalls ist die Kontrolle des Gesäuges, und da kommt das Malheur an den Tag. Wir versuchen erst einmal die Zitze zur Abgabe zu bewegen, was ein bisschen gelingt, dann legen wir einen saugstarken Idefix an, um den Milchfluss in Bewegung zu bringen. Der zieht an, sagt bäh und wendet sich ab. Also heißt es, die Verhärtung auszustreichen. Offenbar ist die Zitze noch nicht entzündet, denn Eiter finden wir noch keinen, aber die Aktion ist zeitaufwändig und eine Tortur für Fianna, die sie allerdings stoisch und geduldig über sich ergehen lässt. Dieses Problem hatte sie beim letzten Wurf auch schon, allerdings bereits mit Eiter. Möglicherweise rührt das daher, dass diese vorderste linke Zitze etwas mickrig ist und vermutlich auch nur spärlich liefert. Somit wurde sie nicht richtig entleert, und was da zurückblieb, verdickte sich und machte sich auf den Weg zur Entzündung. Über eine Stunde arbeitet sich die Chefin an der Zitze ab, bis das Gröbste geschafft ist. Nun bekommt die Dame einen Quarkwickel und darüber Heddas schicken Jane-Fonda-Body. Gegen ein Uhr verschwindet die Chefin im Bett. Der sorglose Assi muss zur Strafe noch den Wickeldienst übernehmen (abwarten, Wickel abnehmen und Quarkbatz aus dem Haarkleid waschen). Für ihn endet der 11. März um 2 Uhr des 12. März.
Dienstag, 12.03.2019
Um halb fünf Uhr ist die Nacht schon wieder vorüber und die Spannung zum Greifen. Fiannas Temperatur ist auf 37,6 °C unten, sie macht einen fitten Eindruck und die Zitze ist zwar noch nicht im gewünschten Zustand, aber die harte Schwellung stark zurückgegangen. Also wird wieder gedrückt und ausgestrichen, einmal und zweimal. Dann kommt ein weiterer Quarkwickel zum Einsatz und nachmittags noch einer. Fianna schätzt diese Wickelei, weil sie erstens einem kleinen Duschgang nie abgeneigt ist, mit dem wir ihr den Quark aus dem Fell waschen, und außerdem ist der entwickelte und ziemlich trockene Quark eine gern genommene Zwischenmahlzeit. Soll sie haben, ist ja nichts als Protein, und davon kann sie jede Menge vertragen. Es sieht gut aus. Die Alarmglocken werden wieder eingepackt und das ganz ohne Medikamente.
Die Versorgung der Idefixe hat unter dem Malheur allerdings ein wenig gelitten, und zwar ganz unterschiedlich. Ignaz hat 50 g abgenommen (1320), Isi (1590) und Ilmo (1510) haben ihr Gewicht gehalten, die anderen ließen sich durch die zitzelige Unpässlichkeit ihrer Mutter nicht von ihrem Gedeih in Richtung Vererb stürzen: Irax +120 (1760), Iberl +100 (1640), Inouk +60 (1470), Indra +50 (1490), und Iltschi +30 (1570).
Iltschi und der ElchHeute
Isi und der Fuchswurmbekommen die Idefixe Gesellschaft in ihrer Küchenöde, und zwar ziehen die unverzichtbaren Welpengesellschafter ein, die in keinem Wurf fehlen dürfen und sich bei allen Kindern besonderer Beliebtheit erfreuten: die schwarze Ratte, der braune Elch und der rostige Fuchswurm. Für uns ist es jedenfalls keine Überraschung, dass sich auch die Idefixe umgehend auf diese neuen Hausgenossen stürzen, möglicherweise auch deshalb, weil die sich absolut unempfindlich gegenüber den kleinen Zähnchen der Zwerge verhalten, die nun tatsächlich durchgebrochen sind und die sie bereits tapfer testen.
Ilmos erste FleischmahlzeitUm
Inouks erste Fleischmahlzeit14:38 Uhr ist es dann soweit: Trotz 40-tägiger Fastenzeit bricht für die Idefixe die Zeit der unbegrenzten Fleischeslust an. Feinstes Tatar haben wir bei unserem Metzger besorgt und zu acht kleinen Bällchen geformt. Und dann wird Milchbubi für Milchmädchen, einer nach der anderen, auf bayerische Grundversorgung umgestellt. Auf dem Schoß der Chefin werden sie initialisiert, und es scheint ihnen sehr zu munden, jedenfalls stellen sie sich sehr geschickt an, was auch daran liegt, dass wir diese Umstellung diesmal ein paar Tage s
Ignaz könnte einen Nachschlag vertragenpäter vornehmen, wodurch die Zwerge schon deutlich geschickter sind als ihre Vorgänger. Jeder Tag ist wie ein Quantensprung in der Entwicklung. Was sie mit ihren Vorgängern verbindet, ist die äußerst sorgfältige Fellpflege in der Geschwisterrunde nach der Speisung, weil sie zwar geschickt sind, aber nicht so, dass sie nicht trotzdem noch über und über mit Fleischresten bestückt sind. An dieser Bereinigung beteiligt sich auch Mama Fianna, der keine ihrer Sprösslinge durch die Lappen geht, das heißt, dass ihr alle unter den Zungenlappen geraten.
Das komische Dessert zum Fleischgericht ist Inouk vorbehalten, der Mamas achtlos auf dem Boden zurückgelassenen Quarkbecher entdeckt und sich darüber und hinein stürzt. So weit, so normal. Dass ihn aber noch nicht einmal Unruhe überkommt, als er das Ding nicht mehr loswird, weil sich sein Bollerkopf darin verspreizt, lässt Rückschlüsse auf das momentane Nervenkostüm des Komikers
Inouk hängt im Quarkbecher festzu. Er räkelt sich ein wenig, windet sich wie ein Wurm und dann ist er das Ding wieder los und zieht unbeeindruckt davon. Störend sind nur die Geschwister, die sich lästig an seiner Quarknase verlustieren.
Diese Woche hat viel Neues für die Idefixe gebracht: eine Entwurmung, eine lästige Pediküre, neue Spielgenossen und Fleisch vom bayerischen Weiderind. So oder so ähnlich wird es weitergehen; nahezu jeder Tag eine Wundertüte für die Idefixe und noch mehr Besucher. Fünf ereignisreiche Wochen liegen noch vor uns allen. Packen wir sie an. Und stehen wir sie durch!
4. Woche (13.03.2019 - 19.03.2019)
Mittwoch, 13.03.2019
IltschiMit dem Ende dieser Woche werden die Idefixe die Halbzeit bei uns hinter sich gebracht haben. Sie werden viel Neues kennengelernt haben und uns so ans Herz gewachsen sein, dass wir sie nicht mehr weggeben wollen. Denn diese vierte und die fünfte Woche sind die mit der knuffigsten und herzmörderischsten Ausstrahlung: Das Babyschema kommt zur vollen Entfaltung, aus den Maulwürfen sind Hunde geworden, aber solche, die noch küssen anstatt zu beißen. Und sie versuchen alles mögliche, schaffen auch schon sehr viel, sind aber meist noch so tapsig, dass einem das Herz weich wird.
Das Wetter begleitet uns mit einem unerfreulichen Aprilmix aus Regen, Wind und gelegentlicher Sonne. Die Temperaturen bewegen sich sehr stabil zwischen 3 °C und 7 °C. Wenn man Optimist ist, kann man einen Trend zur Besserung erahnen, wenn nicht, weiß man, dass dieses Wetter in dieser Jahreszeit wenig Hoffnung auf Besserung zulässt.
Da Fiannas leidende Zitze fast schon wieder genesen ist, konnte sie ihre mütterlichen Dienste auch wieder in vollem Umfang erfüllen, deren Einschränkung gestern zu einer Gesamtbilanz auf der Waage von bescheidenen 310 g geführt hatte, wobei Ignaz gleich 50 g abgenommen hatte. Gestern gab es jedoch die erste Fleischmahlzeit, die Tatarbällchen, und dementsprechend neugierig sind wir auf das heutige Wiegeergebenis. Dabei werden wir immer wieder in unserer Beobachtung bestätigt, dass die großen Verlierer des einen Tages
Ignazdie ebenso großen Gewinner des nächsten sind und die Kriegsgewinnler von gestern müssen ihren Triumph meist erst einmal sacken lassen und verdauen, während die gemäßigten Portionierer ihr gemäßigtes Niveau weiterführen. Wenn also Ignaz gestern 50 g verloren hat, dann hätte sein Bedürfnis nach Ausgleich besonders stark sein müssen, und das war es: +140 g (1460)! Iberl beantwortet dagegen die 100 plus von gestern mit +20 g (1660). Irax hält Regelwerke offenbar für weit überschätzt und kontert die 120 von gestern mit 90 g heute (1850). Isi beendet ihre gestrige Nullrunde mit +90 (1680). Die anderen liegen mehr oder weniger im mittleren Segment: Indra +30 (1520), Ilmo +40 (1550), Inouk +70 (1630) und Iltschi +20 (1650). Das alles summiert sich heute auf stattliche 650 g.
IberlTraditionell nutzen wir die erste Gelegenheit nach zwei bis drei Wochen, die Welpen ins Freie zu einem Foto-Shooting zu bringen, um brauchbare Bilder zu bekommen. Heute ist das Wetter zwar nicht brillant, aber die Sonne zeigt sich immer mal wieder, und 7 °C sind für wenige Minuten für die Welpen auch nicht zu kalt. Zu kalt wäre es allerdings für den bäuchlings im Gras liegenden Fotografen, wenn er sich nicht mit einer Isomatte schützen würde. Doch bevor der erste Welpe seinen Auftritt bekommt, entdeckt Hedda den auf dem Bauch ruhenden Fremden in ihrem Garten und stürzt sich mit Gebrüll auf ihn – bis sie ihren Irrtum
Ilmo geht schon auf Entdeckungstourbemerkt und sich dennoch auf ihn stürzt, allerdings nicht mehr mit Gebrüll, sondern mit vollem Körpereinsatz und ihrer ganzen Zuneigung. Hundeliebe kann sadistische Züge annehmen. Schnell sind die Zärtlichkeiten ausgetauscht und die Welpen bekommen ihren Auftritt, einer nach der anderen werden sie auf ein VetBed platziert und abgelichtet. Da das Wetter diesen Tag des ersten Freigangs etwas weiter nach hinten verschoben hat als in den vorherigen Würfen, sind sie alle sehr relaxed, sehen sich einigermaßen entspannt um, und Irax, Ilmo und Indra verspüren sogar Lust auf einen kleinen Ausflug von ihrer Decke ins Gras. Das machen sie alle wirklich sehr professionell. Auch an diesem Beispiel zeigt sich, wie viel Entwicklung sich in wenigen Tagen abspielt.
Indra Weil die Knirpse so selbstsicher sind und alles wegstecken, als könnten sie noch mehr ab, konfrontieren wir sie noch mit der ersten Milchfütterung abseits von Mamas Bar. Ein kleines Schälchen mit der selbst angerichteten Welpenmilch (125 g Magerquark, 150 ml Ziegenmilch, 3 Eigelb, 3 El Distelöl) werden jedem einzeln vor die Nase gestellt, die wir ihnen kurz in das Schälchen tauchen – und schon geht die Schlabberei los. Praktisch alle meistern dieses kleine Husarenstück souverän, was eben auch wieder auf die rund vier Tage fortgeschrittene Entwicklung zurückzuführen ist. Was haben ihre Vorgänger nicht alles an Komödie geliefert, was haben die sich angestellt! Die hier schlabbern und sauen sich ein, weil ihnen gelegentlich der Kopf in die Milch purzelt, aber sie wissen, worum es geht und wie sie sich anzustellen haben.
Wir sind richtig stolz auf unsere Idefixe, und sie sind ziemlich platt nach all den Aufregungen heute.
Donnerstag, 14.03.2019
Wer es noch nicht glauben wollte, dass diejenigen recht haben, die heuer ein verregnetes Frühjahr vorhersagen, und dazu gehört auch unser allseits geschätzter Hundertjähriger, der muss sich nun belehren lassen: Der März gefällt sich unter der Dusche. Im Laufe des Tages wird es immer lausiger draußen, der Regen nimmt stetig zu und der Wind bläst sich auf. Mehr als 5 °C sind uns nicht gegönnt. Landregen und Seewind, das ist es, wonach sich kein wintermüdes Herz sehnt. Nur die Bauern strahlen über alle Backen, weil sie ihre Gülle ausbringen können und das Wasserdefizit des letzten Jahres auf dem besten Weg ist, in Vergessenheit zu geraten.
Sehen wir uns erst einmal die Gewichtstabelle an, bevor wir uns in meteorologische Verzweiflung stürzen; vielleicht liefert sie ja Anlass zu ausgelassener Freude. Doch das Ergebnis ist durchwachsen, was an den unterschiedlichen schöpferischen Qualitäten der Milchschlabberer liegen könnte. Immerhin war die erste
InoukBegegnung mit einem Schüsselchen eine besondere Herausforderung, der nicht alle in gleichem Maße gewachsen waren. Da wäre beispielsweise der dauerpräsente Alleswager Inouk, immer vorn dran, immer on tour, aber an der Milchschale schien er überfordert zu sein: -30 g (1600). Dennoch kein Grund, sich über ihn Sorgen zu machen; bei seinem Aktionsradius ist eine schlanke Taille immer von Vorteil. Auch nur von spärlichem Erfolg war Isi gesegnet, die langsam ihren weiblichen Genen Tribut zollen muss und den Anschluss an die männliche Führungsriege verliert: +10 g (1690). Den Hammer holte wieder einmal Irax heraus. Mal sehen, welche Qualitäten er sonst noch entwickeln wird, aber in Sachen Nahrungsaufnahme ist er jetzt schon unschlagbar: +130 (1980) – einsame Spitze. Sehr einsame Spitze. Alle anderen bewegen sich in den üblichen Margen, wobei der fixe Ignaz auch wieder mitten in der Kapelle ist: +70 g (1530). Damit ist er zwar immer noch der Leichteste, aber er robbt sich heran. Iberl macht 80 g gut und steht jetzt auf 1740. Indra löffelt sich 60 g hinein (1580) und bei Ilmo (1620) und Iltschi (1720) sind es jeweils 70 g. Das ergibt zusammen 460 g, die Fianna nicht mehr alleine aufbringen musste. Es läuft.
Und weiter geht es mit den rasanten Entwicklungsschritten, die heute besonders auffällig bei Isi zu beobachten sind: Sie hat nämlich den kleinen Galopp entdeckt. Immer wieder bringt sie ihre Stummelbeine besonders flink in Bewegung, wieselt herum wie Super-Super-Super-Pep in der Coaching-Zone, und scheint die verdutzten Blicke ihrer Geschwister zu genießen. Wer kann schon sagen, ob es dieser gesteigerte Bewegungsdrang ist, der sie in der Gewichtsbilanz abrutschen lässt, oder das reduzierte Gewicht die Bewegungsfreude anfeuert. Das alte Thema Ursache und Wirkung bleibt wieder einmal ungelöst.
Nach den Fleischbällchen vorgestern und den Milchschälchen gestern, steht heute Abend der nächste Schritt hin zum gestandenen Hovawart auf dem Plan: Die gemeinschaftliche Milchspeisung aus dem Futterring, also so
Auf der Suche nach dem richtigen Drehetwas wie das gemeinschaftliche Löffeln der Milchsuppe in bayerischen Bauernfamilien. Das werden zwar die wenigsten der Idefixe später praktizieren müssen, weil sie Singulärprinzen und -prinzessinnen sein werden, aber diese Fütterung unterstützt die soziale Entwicklung der Knirpse und erstickt eine Futteraggression frühzeitig. Was bei bayerischen
Dreh gefundenBauern funktioniert, sollte bei den Idefixen auch klappen. Ihre Vorgängern haben sich auch sozialverträgliche Tischsitten angewöhnt. Die Welpenmilch kommt in den Futterring, der kommt auf ein Laken auf den Boden und dann tönt, wie zu allen Zeiten beim Blues, der unvermeidliche Futterruf "Matze, Matze, Matze", zum ersten Mal. Und schon kommen sie angewieselt, nicht, weil sie dem Ruf folgen, sondern, weil sie jedem Laut folgen, der ein Versprechen sein könnte. Aber diesem Ruf werden sie nun bis zum Auszug beim Blues täglich folgen, und sie werden noch als alter Hund die Ohren spitzen (!), wenn er an ihr Ohr dringt. Heute klappt es erwartungsgemäß noch nicht bei allen, weil sie der eine oder die andere wieder in irgendeine Ecke festgerannt hat, aber dann werden sie eben zur Futterstelle expediert und stürzen sich dazwischen und hinein. Alle kein Problem, ob Fleisch, ob Milchschälchen oder Futterring: Was nach Nahrhaftem aussieht, wird akzeptiert. Das kriegen heute auch alle super hin, als die absoluten Supermampfprofis erweisen sich jedoch Irax, Inouk und Indra, die sich geben, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, als diesen Ring auszuschlabbern. Fianna und Hedda üben sich derweil in Geduld; sie bekommen anschließend den Rest aus der Rührschüssel und dem Ring, den sie gemeinschaftlich mit den Idefixen blank polieren. Ja, auch Hedda, überwindet sich, zieht dann aber doch die Rührschüssel vor. Gut Ding ist schon viel besser geworden, will aber immer noch ein bisschen Weile haben.
Das sieht alles schon sehr schön aus mit den Idefixen, am schönsten ist aber, dass Fiannas leidende Zitze wieder völlig gesund und einsatzbereit ist.
Freitag, 15.03.2019
Heute laufen wir in richtiges Sturm- und Regenwetter hinein. Es ist zwar mittags wärmer als gestern, aber viel nasser und vor allem noch viel stürmischer. Und das soll, wie man hört, noch längst nicht alles sein. Der Wetterbalg hat noch Körner im Sack, die er uns um die Ohren blasen möchte. Und jetzt vergeht auch den fröhlich odelnden Bauern das Lachen, denn Lukretia feucht, Kornsäcke leicht. Ja, wurscht, sagt da der bayerische Milchbauer lakonisch, was interessieren mich die Kornsäcke; das Gras wächst auch bei Sintflut. Aber nicht, wenn die Böden steinhart gewalzt sind, dann wachsen bei anhaltendem Lukrezia-Wetter bald Seerosen auf den Wiesen, schön anzusehen, aber wohl nicht das erhoffte Rinderfutter.
Isi mit Mama im vertrauten GesprächNun wollen wir wissen, wie sich die gestrige Ringfütterung auf die Taillen der Idefixe ausgewirkt hat und sind sehr zufrieden. Wir arbeiten uns zur Abwechslung mal von oben nach unten durch, und oben steht, wer hätte das gedacht?, Irax, der als erster Vierpfünder gelistet werden kann: 2030 g (+50). Ihm folgt in weitem Abstand Iltschi: 1830 (+110); ihm scheint die Restaurant-Variante gut zu tun und zu munden. Iberl belegt mit 1780 g den dritten Platz (+40). Ilmo (+110) und Isi (+40) teilen sich den nächsten Platz mit 1730 g. 1690 g (+90) bringt Inouk auf die Waage – und Ignaz ist nicht mehr der Letzte, jedenfalls nicht der alleinige Letzte: Er hat mit satten 90 g plus zu Indra (+40) aufgeschlossen. Beide melden 1620 g. alle zusammen haben 570 g aufgelastet und machen einen kerngesunden Eindruck.
IgnazIgnaz ist tatsächlich ein richtig stämmiges und kompaktes Kerlchen geworden, weil er sich auch mit Vergnügen den neuen Essgewohnheiten hingibt. An Mamas Bar wird er manchmal schon ein wenig weggerempelt, aber am Ring kann er sich ein wenig besser mit den Hinterbeinen einstemmen und seinen Platz verteidigen. Ilmo ist eher das Gegenteil von Ignaz: Er zieht das Muttibräu vor, die neue Art von Rittergelage behagt ihm gar nicht. Er verweigert sich nicht, aber verlässt den Ring, sobald er das erste Sättigungsgefühl verspürt.
Da muss er jetzt durch, denn mittags und abends geht es wieder mit allen
Nachschlag für Iberl und Iltschianderen in den Ring. Was gestern noch mit der Frage behaftet war: Was ist das, was soll das, wie geht das?, ist mittags schon ziemlich gut beantwortet und abends bereits zur Selbstverständlichkeit geworden: Sie hocken und schlabbern, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten. Vor allem die beiden Damen neigen zu sehr rustikalen Tischsitten, indem sie einmal im Kreis durch den Ring panzern. Dementsprechend verklebt kommen sie anschließend aus dem Gelage. Aber sogar Ilmo wird langsam lockerer und findet sich mit der Ellenbogenbar ab. Aber nie würde er auf die Idee kommen, sich wie eine Sau durch den Trog zu schieben. Das ginge wirklich zu weit.
Zwischen den Mahlzeiten üben sie engagiert fürs Leben. Isi trainiert mit Leidenschaft und ausdauernd den gestern entdeckten Galopp und rammt schon mal einen Schläfer beiseite, alle zusammen bemühen sich intensiv
Iraxum den Spielwarenpark, obwohl ihnen noch die Kraft zu bemerkenswerten Aktionen fehlt. Aber am Ohr des Krokodils knabbern geht, vermutlich weil es sich vom Ohr eines Geschwisters kaum unterscheidet. Inouk macht Kilometer und ist eine ständige Gefahr für uns, also genau genommen ist er ein fröhlicher Selbstmörder. Irax legt sich gern mal mit Isi an, die ihm dafür auf die Ohren haut und Ignaz muss sich am laufenden Band unter einem Geschwisterhaufen herausarbeiten, unter den er geraten ist. Iltschi ist auch ein ewig Präsenter und Allgegenwärtiger, vor allem aber ist er überall dabei; wo ein Fass aufgemacht wird, jubelt er "Oans, zwoa, g'suffa". Sie sind eben alle neugierig, richtig pfiffig und beginnen langsam, unser seelisches Gleichgewicht auf die Probe zu stellen. Und Fianna hält ihren Bauch hin (jetzt schon häufiger im Sitzen) und leckt mit stoischem Pflichtbewusstsein die Lachen ihrer Kinder auf. Manchmal haben wir den Eindruck, dass sie gegen unsere tätige Mithilfe nichts einzuwenden hat. Ist ja auch ein anstrengendes Leben als Mutter von acht kleinen Nervensägen.
Samstag, 16.03.2019
Es stürmt und stürmt und stürmt. Allerdings hält sich der Regen sehr zurück. Nach den Orkantiefs Bennet und Eberhard haben wir es nun mit Heinz und Igor zu tun. Schön, dass sich letzterer wenigstens an die aktuelle Nomenklatur des Blues hält und ein I seinen Namen anführt. Darin können aber nur wir ein bisschen Trost finden, alle anderen haben zu Recht langsam die Nase voll von diesem stürmischen Frühjahr. Nachmittag ist Igor dann weiter gezogen, vielleicht nach Russland zu Väterchen Frost, und hinterlässt einen sonnigen Bayernhimmel mit bis zu 18 °C. Da sich auch im Laufe des Tages keine Wolken mehr finden lassen, die unseren Nachthimmel wärmen könnten, rutscht das Thermometer nachts wieder auf unter 0 °C ab. Macht nichts, nachts darf es schon noch ein bisschen kühlen, aber für die kommenden Tage hätten wir schon gerne ein bisschen Blau und Wärme für die Freiluftsaison der Idefixe. Mit der andauernden Käfighaltung sollte es nämlich allmählich ein Ende haben.
Der Welpenparcours entstehtWir nutzen das freundliche Wetter zum Aufbau des Welpenparcours im Garten. Mit von der Partie ist wieder das erfahrene und zuverlässige Hiasl-Team, also die Wasserträger und Nachlassverwalter von Heddas Bruder Hias, der nur einen Kilometer Luftlinie entfernt Hof hält. Erst wird der noch nicht aus der Dachkammer befreite Rest des Welpenkrams
... und stehtgeholt, also alle Parcours-Utensilien und Spielzeug. Dann wird der Zaun gebaut und gleichzeitig die Idefixe in den Garten gebracht. Die sollen sich ruhig anschauen, welchen Aufwand wir ausschließlich für sie betreiben, von dem, was sie letztlich von unserem Garten übriglassen werden, wollen wir schon mal gar nicht reden. Nach vier Wochen und unter 32 Welpenbeinen (alle anderen vier- und zweibeinigen Besucher und Mitbewohner unberücksichtigt), könnten wir uns veranlasst sehen, einen neuen Rasen auszubringen. Wir werden diese Erwägungen gegebenenfalls noch rechtzeitig in die Preiskalkulation für die Welpen einfließen lassen.
Das Transit-Team im EinsatzDas Welpenparadies ist nicht ohne den weithin bekannten Blues-Transit denkbar, der das Welpenhabitat Küche mit dem Gartenparadies so verbindet, dass der dazwischen liegende Wohnbereich den hin- und herziehenden Vandalen, vor allem deren Zähne und Ausscheidungsorgane, nicht zum Opfer fällt. So zerschneidet der Transit unser Wohnzimmer in einen Ess- und einen Lümmelbereich wie eine bayerische Autobahn ein einstmals zusammenhängendes Biotop. Der Unterschied zwischen ihr und unserem Transit ist der, dass die bayerische Bürokratie für die Überwindung der Autobahn gelegentlich Unterführungen oder Wildbrücken einplant, was in unserem Fall nicht
Der Transit ist einsatzbereitgenehmigt wurde, weshalb uns nun vier Wochen Steigegymnastik über 50 Zentimeter hohe Hürden bevorstehen, so eine Art Family-Stepping. Wer als behauptet, Welpenaufzucht erschöpfe die Substanz der Züchter und brächte sie an ihre physischen Grenzen, unterschlägt die leistungssteigernden Wirkungen solcher Übungen. Zumindest gilt das für den Blues. Andere sollten sich dann eben auch einen Transit zulegen, anstatt ihren körperlichen Zerfall zu beklagen. Bestimmt werden auch wir nach den acht Wochen den Strapazen Tribut zollen müssen und in einen tagelangen Tiefschlaf fallen, dabei allerdings so geschmeidig sein, dass wir den alle zusammen in der Schnullerbox zubringen könnten.
Fast zwei Stunden sind die Idefixe jetzt im Garten, begutachten unsere Bemühungen um den Aufbau ihres Freigeheges, wackeln ein bisschen herum, halten ihren Aktionsradius noch sehr beschränkt. Einerseits ist natürlich alles noch sehr fremd hier und will erst entdeckt werden, andererseits sind die gemessenen 17 °C nachmittags nur gelegentlich zu verspüren. Wenn Wolken sich vor das Welpenparadies schieben, fühlt es sich erheblich frischer an, weswegen sie sich in einem Korb oder bei den Menschen zusammenrotten und Wärme austauschen. Früher haben wir anfangs meist nur einen kleinen Teil des Gartens für die Kinder bereitgestellt, weil deren Radius sowieso sehr eng ist, aber seit dem letzten Wurf wird er sofort komplett aufgebaut, um nicht ein zweites Mal an die Arbeit zu müssen. Aber dafür ist die ganz große Freiheit eben im Moment noch zu übermächtig für die kleinen Entdecker. Es wird ja eh nicht lange dauern, bis sie sich das alles untertan gemacht haben werden.
Inouk am TrockenfutterpüreeHeute Vormittag wird der Speiseplan ein weiteres Mal erweitert, und zwar um püriertes Trockenfutter. Das Trockenfutter wird in Wasser eingeweicht, püriert und mit einem Esslöffel Ulmenrinde angereichert. Ulmenrinde unterstützt den Magen- und Darmtrakt und soll bei der Gewöhnung an die verschiedenen neun Reize jenseits der Muttermilch einen Durchfall verhindern. Bisher haben wir damit beste Erfahrungen gemacht. Den Idefixen ist das neue Angebot, mit oder ohne Ulmenrinde, sowieso erst einmal suspekt, was allerdings nur wenige Sekunden anhält, dann, nach dem ersten Abtasten und Reinschmecken, hauen sie sich voll wie die Landsknechte und kommen sofort damit klar. Vor allem Ignaz zögert anfangs beharrlich, gibt dann aber so Gas, dass er am liebsten noch einen Nachschlag bestellen würde.
Diese Umstellung ist also auch gelungen, jetzt müssen wir noch die Stoffwechselendprodukte abwarten – und eine Wasserschale bereitstellen. Die Flüssigkeit über die Muttermilch reicht jetzt nicht mehr aus. Indra ist die Erste, die sich mit dem Wasser beschäftigt und auch gleich weiß, was man damit tun kann. Und schon züngelt sie hinein.
Was das Trockenfutter für die Gewichtstatistik bringt, werden wir morgen wissen, heute gilt es zu überprüfen, wie sich die Milchgabe gestern aus dem Ring ausgewirkt hat. Möglicherweise lassen die Gewichte auf das Sozialverhalten an der Gemeinschaftstafel schließen. Der erste Blickfang ist der Gesamtumsatz: 660 g. Der zweite Blick fällt auf Isi: 200 g! Das könnte in die Kategorie Sozialschmarotzer einzusortieren sein, weil sich demnach sieben Geschwister mit 450 g bescheiden müssen. Also von oben nach unten in der Auflastungstabelle: Isi 200 g (1930). Damit ist sie wieder auf den zweiten Rang gerückt. Iberl folgt mit Anstand und 120 g (1900), dritter Rang. Inouk genehmigt sich 100 g (1790), sechster Rang. Somit bleiben für fünf Idefixe noch 240 g übrig; das sieht alles nach Nahkampf im Ring aus. Von diesen 240 g nimmt sich Ilmo 90 g (1820), fünfter Rang, und Indra zweigt sich 80 g ab (1700), siebter Rang. Der Rest verteilt sich auf Iltschi
Auf einem leeren Drehtablett nimmt sogar Irax nicht zu(+50, 1880), vierter Rang, und die beiden Schlusslichter mit jeweils 10 g: Irax (2040, 1. Platz) und Ignaz (1630, 8. Platz). Dass Ignaz nach seiner zögerlichen Annäherung nicht zum König des kalten Büffets werden würde, war klar, aber Irax' Zurückhaltung muss uns entgangen sein. Kein Tag ohne Überraschungen. Isis Ringexzess ist optisch unübersehbar, denn sie nimmt allmählich die Form eines Ritter Sport-Riegels an: quadratisch eben und rotiert jetzt wie ein kleiner Kugelporsche durchs Revier. Gute Güte, wenn die so weitermacht, müssen wir sie doch auf Fastendiät setzen. Doch bei genauer Betrachtung ist sie nur proper, keinesfalls adipös. Das verwächst sich mit der Pubertät.
Bei seiner Nachmittagsrunde schaut Heddas Bruder Hias noch kurz herein und stürzt sich, ganz anders als Hedda und Halina, mit schierer Freude auf die Idefixe, spielt sie an, quietscht und bellt um sie herum, schiebt sie mit der Nase durch den Garten, hat Sternchen in den Augen und würde am liebsten alle einpacken und mitnehmen. Der Hias, ein Halbruder und guter Onkel, wie man ihn sich wünscht.
Aber nun ist für heute wirklich genug geboten gewesen. Nach so vielen Abenteuern fallen alle zusammen in einen traumlosen Schlaf. Kaum einer zuckt und hickert. Es ist ziemlich still diese Nacht im Idefix-Habitat.
Sonntag, 17.03.2019
Sonniger Gertrudentag, Freud’ dem Bauer bringen mag. Und weil wir keine Bauern sind, aber Hausgärtner, freuen wir uns über: Ist Gertrud sonnig, wird’s dem Gärtner wonnig. Denn es ist ein sonniger Gertrudentag heute, der sich bis zu 17 °C aufschwingt. Ein wenig Unsicherheit macht sich allerdings breit, weil wir morgens -2 °C messen und der Hundertjährige postuliert: Friert’s an Gertrud, der Winter noch vierzig Tage nicht ruht. Kann Freud und Leid so nah beisammen liegen? Wir lehnen das ab und legen fest, dass mit Tag auch Tag gemeint sein muss und nicht der nächtliche Morgen oder die morgendliche Dämmerung. Alles, was recht ist! Wo kämen wir da hin?
Morgens, in der Dämmerung, als uns wegen der Temperaturen noch vierzig Tage Winter drohten, weckt uns Fianna, weil sie zu ihren Kindern will. Sie schläft nun ja wieder fest bei uns, aber morgens treibt es sie hinab, allerdings geht das nicht alleine: Frauchen muss mit. Mit ihr nach dem Rechten sehen. Loben und Pfötchen halten. Doch Frauchen bittet um gnädigen Aufschub, der ihr gewährt wird, allerdings nur etwa zehn Minuten, dann wird die Habitatsinspektion unumgänglich. Frau Chefin torkelt mit ihrer Mutterhündin in die Küche, und sie stellen gemeinsam fest, dass es keinen Grund zur Inspektion gegeben hätte, weil hier alles in bester Ordnung ist, die Kinder still und protestfrei in der Box schlummern, besser: schlummerten. Denn jetzt sind sie wach und bestehen auf Beachtung, Freilassung und ein erstes Frühstück. So beginnt dieser Gertrudensonntag – nicht jedoch für den Assi, der nicht gebeten wurde, nicht gemeint war und deshalb abwartet, bis die Temperatur über Null ist und baldigen Frühling im Gepäck hat. Die beiden erledigen das da unten schon ohne ihn. Nicht lange ist ihm diese Abstinenz vergönnt, aber in diesen Zeiten ist jede Minute mehr wertvoll.
IlmoSein erster Blick fällt auf die Gewichtstabelle, weil er natürlich auf die Erfolge der Trofu-Fütterung neugierig ist. Und was er sieht, ist eine Explosion, die keine Mutterhündin leisten könnte: 910 g! Lassen wir einfach die Kiloparade kommentarlos an uns vorüberziehen und beginnen beim Anführer Irax. Irax 2150 (+110), Iltschi 2100 (+220), Isi 2040 (+110), Iberl 2010 (+110). Iltschi, Isi und Iberl haben damit auch das Vierpfünder-Abzeichen erworben. Ilmo 1900 (+80), Inouk 1870 (+80), Indra 1770 (+70) und Ignaz 1760 (+130). Es steht außer Frage, dass das Trockenfutterpüree allseits gut ankommt, und auch Ignaz voll überzeugt ist, während Ilmo noch der einzige ist, der ein wenig fremdelt und sich vielleicht eher über ein Kindermenü bei McDonald's freuen würde. Aber der Futterneid drückt es rein und wird ihn auch schnell überzeugen.
Erstens, um dieser Überzeugung ein wenig Nachdruck zu verleihen und zweitens, weil die Darmauslieferungen der Idefixe geradezu beispielhaft fest und wohlgeformt sind, zögern wir nicht, morgens gleich wieder auf das Trockenfutterpüree zu setzen, das nun schon auf große Begeisterung stößt. Bedrohte Hungerhaken wie Isi sorgen für ausreichenden Kaloriennachschub, indem sie sich wie ein Panzer einmal durch den Ring arbeiten und ihre Geschwister vom Trog kicken. Andere liegen quer über der Schale, die Hinterbeine auf ihrer Ausgangsseite, Vorderbeine und Nase auf der Gegenseite in der Pampe. Nun ja, an den Tischsitten müssen wir noch arbeiten.
Da man jeden schönen Tag nutzen sollte, steht heute natürlich wieder Freigang auf dem Programm, zumal die Prognosen für die nächsten Tage nicht viel Gutes ahnen lassen. Doch stellen immer noch die Terrasse und das darauf befindliche Bett den Rahmen der Idefix-Mobilität dar; viel weiter wagen sie sich nicht hinaus, einzelne gelegentlich, aber sie sind schnell wieder zurück. Erst einmal, so die Devise, Terrasse abspeichern, dann Kreise ziehen, denn der Fluchtpunkt muss für alle Fälle eine sichere Bank sein. Wenn man sich im Ernstfall erst zurechtfinden muss, ist es für die Orientierung zu spät. Sie sind also nicht feige, die Idefixe, sondern höchst klug. So läuft das hier noch alles sehr moderat ab, keine Hektik, kaum Kämpfe, wenn dann nur Kämpfchen, kein Akustikterror, sondern herum stapfende, sich orientierende, auf den Arm genommene oder schlafende Zwerghovis. Ein kleines Idyll, das es zu genießen gilt.
Klug verhalten sich die Kleinen auch bezüglich ihrer Ausscheidungslogistik, denn kaum dass der Transit ein Teil ihres Lebensraums geworden ist, allerdings der, im Vergleich zu Küche und der Terrasse, am wenigsten genutzte, wird er von den Idefixen umgehend zur Sanitäranlage erkoren, was wieder einmal belegt, dass ein Hund, der die Möglichkeit hat, sich von seinem Lager zu entfernen, seine Notdurft möglichst weit entfernt verrichtet. Durchgängig kriegen sie das allerdings nicht hin, weil sie, wie alle Kinder, oft genug von ihrem Darm oder ihrer Blase überrascht werden und dann eben dort liefern, wo sie gerade sind.
Damit muss man sich abfinden, obwohl man von idealen Verhältnissen selbstverständlich träumen darf. Ideal sind die Idefixe nicht, aber unwiderstehlich.
Montag, 18.03.2019
Heute endet die Nacht um 3:30 Uhr, weil Fianna zum Zählappell in die Küche stapft, alle Kinder weckt, damit sie auch keines übersieht, ihnen dann auch noch ein Spielzeug aus der Schnullerkiste klaut, was die schlaftrunkene Bande zu Recht empört. Dann stapft sie wieder ins Schlafzimmer, lässt sich schwergliedrig halb auf ihrer Beute
Herzliche Morgenbegrüßungnieder und macht wieder Bubu. Außer ihr sind jetzt vermutlich alle im Haus wach. Der Protest in der Küche schaukelt sich auf und hört nicht mehr auf. Fianna hütet schläfrig ihr entwendetes Spielzeug, offenbar ohne schlechtes Gewissen und ebenfalls ohne jegliche Absicht, diesem Treiben ein Ende zu machen. Was taugt ein so viel besseres Gehör des Hundes, wenn es offenbar gegen Lärm immun ist? Das Hoffen auf ein schnelles Ende ist jedenfalls vergebens. Kurz nach 4 Uhr schließen wir die Schlafzimmertür. Fianna lässt das völlig kalt, sie hat ihr Mamaprogramm für heute schon absolviert, und Hedda ist sowieso froh, wenn sie möglichst wenig von denen da unten mitbekommen muss. Wir müssen einsehen, dass es mit dem nächtlichen Einschluss langsam schwierig wird. Lange machen die das nicht mehr mit.
Fianna kümmert sich um das Wohl ihrer KinderAuch tagsüber schleppt Fianna jetzt dauernd Spielzeug herum, das sie ihren Kindern unterjubeln will, Krokodil, Waschbär, Eselskopf, die aber haben keinen Sinn für ihre Offerten und zeigen nun ihr, wahrscheinlich als Retourkutsche, die kalte Schulter. Mütter und ihre Kinder... Und Übermütter erst!
Es ist an der Zeit, sich wieder der körperlichen Entwicklung der Idefixe zu widmen, für die mentale scheint ja Fianna ihre, nicht immer, erfolgreichen Methoden zu haben. Ilmo wäre da zuerst zu erwähnen, weil er offenbar noch immer nicht ganz mit dem Trockenfutter an der Gemeinschaftstafel warm werden will. Er verweigert jeglichen körperlichen Aus- und Anbau und verharrt auf seinen 1900 g (0). Irax ist nach seinem Diättag vorgestern wieder voll in der Spur: 2280 g (+130). Iberl lässt sich auch nichts nachsagen: ebenfalls 130 plus (2140). Und auch die anderen mischen mit: Isi 2130 (+90), Ignaz 1850 (+90), Inouk 1950 (+80), Iltschi 2170 (+70) und Indra 1840 (+70). Das mach zusammen wieder einmal 660 g. Wohlgenährt sehen alle aus, und auch Ilmo hat keine eingefallenen Bäckchen.
Schön langsam müssen wir von den bestrahlten Gipfeln des reinen Kinderglücks hinabsteigen ins Tal und uns den beschwerlichen Mühen der Ebene stellen, wie man so sagt. Wenn der Assi von seiner Einkaufstour (Eier, Eier, Eier, Hüttenkäse, Quark, Klopapier sind die Megarenner auf dem Einkaufszettel), nach Hause kommt,
Indra kümmert sich schon mal ums Wischtuchverstaut er nicht, wie gewohnt, die Einkäufe, sondern ist mindestens 20 Minuten mit den Erledigungen der Welpen beschäftigt, die bei seiner Ankunft alle auf einen Schlag wach werden, ihn mit Hurra begrüßen – und aus allen Rohren drücken und liefern. Zwischen den Verrichtungen wird nach Herzenslust gerangelt und gerannt, und da kein Assi (noch nicht mal eine Chefin) überall gleichzeitig sein kann, verteilen sich die Lieferungen ganz schnell flächig und großräumig. Die Mutter beteiligt sich zwar weiterhin an der Beseitigung der flüssigen Lieferungen, aber auch sie kann nicht so schnell lecken, wie ihre Kinder nachliefern. So geht es dahin, das soeben gekaufte Klopapier für die festen Lieferungen. Und die Handtücher für die Flüssigkeiten stapeln sich auf der Kellertreppe für die Wäsche. Es ist jetzt schon langsam ein ganz schöner Saustall. Die Kleinen stört dieses Hin und Her überhaupt nicht, im Gegenteil, sie stören mit, wo immer sie können. Sie setzen sich auf den Wischlappen, sie beschäftigen sich mit dem Klopapier und zählen, ob es noch alle Blätter auf der Rolle hat, sie stehen dem eifrigen Assi auf den Füßen, damit er nicht so schnell vorankommt, sie folgen ins Klo und machen an der engsten Stelle einen Stau, damit die draußen genügend Zeit haben, sich zu entfalten. Als Alleinix unter acht Querschlägern hat man jetzt große Mühe Haltung zu bewahren und den Workflow nicht aus den Auge zu verlieren. Nur Irax hat das Potential, den Contenance-Verlust zu provozieren, weil er bei jeder Gelegenheit dem Assi am Hosenbein hängt und wissen will, wer länger kann. 2280 g haben schon eine beachtliche Zugkraft. Und das alles geht jetzt erst los. Die Ebene wird noch ganz schön beschwerlich. Aber die frohe Botschaft ist, dass die Idefixe immer noch erstklassige Ausscheidungen um den Assi herum verteilen, fest und wohlgeformt, was die Beseitigung erleichtert und das Herz erfreut. Sofern sie nicht unter die 32 Beine geraten sind.
Das alles ist sehr erfreulich und macht auch die Mühen der Latrinenebene beherrschbar, nur der Frühling, der will noch nicht mitspielen. Wobei: Im Grunde sind wir sogar schon im April, denn draußen tut der März, wie der April immer will. Es saut herum, Schneeschauer treiben durchs Tal, dazwischen gönnt sich auch die Sonne einen Blick in den Augiasstall des Blues. Vielleich ist das der Grund, warum sie lieber die Wolkenstores vorzieht. Ist ja auch gar zu gruselig dort. Und irgendwie anrüchig.
Dienstag, 19.03.2019
Diese Nacht schließen wir die Tür im 1. Stock um 2 Uhr, weil Fianna ihre Welpenvisite vorzuverlegen versucht. Das geht nun wirklich zu weit. Um dringliche Erledigungen scheint es sich dabei nicht zu handeln, denn nach dem Verschluss legt sie sich wieder hin und wir haben Ruhe bis 5:30 Uhr.
Draußen zieht der märzliche April langsam weiter, wobei die Betonung auf langsam liegt. Noch immer treiben gelegentliche Schnee- und Graupelschauer durchs Land, aber die Wolkenlücken und gar sonnigen Abschnitte nehmen deutlich zu. Was bedeutet das nun für unsere Jahresprognose? Heute feiern Joseph und Sibylle ihren Namenstag, und bezüglich der Sibylle erinnern wir uns an den 11. März, der uns prophezeite: Bringt Rosamunde (11. März) Sturm und Wind, so ist Sibylla uns gelind. An Rosamunde hatten wir ein noch mieseres Sturmwetter als heute, weswegen wir auf eine sehr gelinde Sibylle hoffen durften. Und was nehmen wir heute zu Protokoll? Eine stürmisch-ungestüme Sibylle, nicht so zauselig wie die Rosamunde, aber ganz bestimmt keine gelinde. Nichts als fake news der alten Systemmedien. Was den Josef angeht, müssen wir auf die Überprüfung seiner Glaubwürdigkeit noch ein bisschen warten: Josephi klar, ein gutes Jahr. Von klar kann schon mal keine Rede sein, bestenfalls von einigen klaren Momenten. Wir werden sehen und hoffen in diesem Fall inständig auf die systemischen fake news. Lügen können im richtigen Zusammenhang ausgesprochen wünschenswert sein, oder?
Die gestrigen Trockenfuttergaben haben voll ins Kontor gehauen, so voll, dass sogar der zögerliche, aber immer mehr auf den Geschmack kommende Ilmo wieder Pausbäckchen bekommt, weil bei 840 g Zuwachs selbst ein langsamer Futterer genug abbekommen muss. Heute haben dafür Iltschi und Iberl einen Diättag eingelegt. Kurz, knackig und ohne Kommentar: Irax 2470 (+190), Isi 2260 (+130), Iltschi 2170 (0, ?), Iberl 2160 (+20), Inouk 2140 (+190), Ilmo 2050 (+150), Indra 1930 (+90) und Ignaz 1920 (+70).
Fianna säugt jetzt überwiegend stehendBei so vielen und reichhaltigen Restaurantgängen werden Fiannas Dienste immer weniger gebraucht, allerdings immer wieder eingefordert, was sie gelegentlich mürrisch macht, weil sie nicht mehr viel zu liefern hat und die Bande sie ziemlich malträtiert. Deswegen säugt sie praktisch nur noch im Stehen, weil sie dabei mehr Kontrolle über das Geschehen unter ihr hat und die Tafel sofort aufheben kann, wenn es ihr zu heftig wird. Einen Idefix, dem die neuen Tischsitten noch nicht geläufig sind, schickt sie ganz schnell in die Büßerecke, wo er sich lauthals, aber unbeachtet von allen beschweren kann. Fianna will definitiv keine Spinnenmutter sein, die, wenn sie nicht mehr gebraucht wird, von ihren Kindern ausgeweidet wird.
Gekochtes Hühnchen mit ReisHeute
Drunter und drüber Nachmittag gibt es die erste richtig feste Nahrung, denn das Trockenfutter wird ja als Brei angeboten. Was heute im Ring liegt, ist ein einstmals glückliches, jetzt aber gekochtes Hühnchen aus dem Allgäu. Als Sättigungsbeilage reichen wir gekochten Reis, angereichert wieder mit Ulmenrinde. Sollte es uns wundern, dass so ein Huhn eine beträchtlich höhere Anziehungskraft hat als eine nahrhafte Spachtelmasse? Nein, sicher nicht. Die Idefixe hauen rein, als ob es kein Morgen gäbe. In der Futterschale geht es nun im Wortsinne drunter und drüber.
So wie sie sich am Esstisch ausleben, genießen sie ihr Leben auch jenseits der Mahlzeiten in vollen, aber noch immer recht kurzen, Zügen, dann rotten sie sich wieder zu einem Fellhaufen zusammen und verarbeiten das Erlebte im Schlaf. Wenn sie allerdings nicht ruhen, geben sie auch keine Ruhe, sind überall, und weil es acht sind, tatsächlich überall, folgen uns auf Schritt und Tritt, tauchen plötzlich aus dem Nichts auf, legen den Betrieb lahm und zwingen uns zu gewagten Balanceakten. Wenn wir die Glastür zum Eingangsbereich schließen und Fianna draußen bleibt, können sie sie schon sehr präzise orten und starren sie durch die Glastür an. Wenn in der Tür nur die Sperre eingepasst ist und Mama dahinter liegt, sitzen sie auf der anderen Seite oder versuchen sogar an der Sperre hochzusteigen, um nach Mama zu sehen. Das sind sehr beeindruckende kognitive Leistungen, und dabei haben wir noch vier Wochen dieser rasanten Entwicklung vor uns. Gut dass wir aus Erfahrung wissen, was sie für uns noch alles bereithalten werden. Überraschen werden sie uns (wahrscheinlich!) nicht.
Indra, kommt offenbar sogar bei Hedda gut an Während der gestrengen Mutter bei Ilmo immer wieder mal die Hand ausrutscht, obwohl er in unseren Augen ein ausgesprochen liebes und leutseliges Kerlchen ist, allerdings auch ein bisschen naseweis, was Mamas Kontrollinstanz aktivieren könnte, ist Indra Fiannas Herzenswanze, die es immer und immer wieder schafft, sich an sie anzuwanzen. In all unseren Würfen hatten wir solche geschickten Kindern, die es im Gefühl haben, wie man die Mama betrillern muss, damit ihr Radar und ihre Sprengfallen abgeschaltet werden. Während andere bei den gleichen Versuchen in ein kurzes, aber markantes Sperrfeuer geraten, schaffen sie es durch die Linien und kuscheln sich an Mama, die ihnen dafür auch noch das Hinterteil massiert. Was die haben, was die anderen nicht haben, ist uns seit jeher ein Rätsel geblieben, zumal kein einziges der Kinder verhaltensauffällig wäre. Es sind vier Wochen alte Welpen, die die Welt erkunden, doch für manche hat die Welt einen warmen Bauch, für der Mehrzahl einen Drachenhauch. Dabei haben wir auch nie die Erfahrung machen müssen, dass diese bevorzugten Kindern verzogen wären oder sich anders, im Sinne von nachteilig, entwickelt hätten; es wurden immer alle typische Anouk-, Franzi- und Fiannakinder. Indra ist also von den Idefixen das Herzwänzchen (was nicht heißt, dass sie sich darauf bis zum Ende ihres Aufenthalts beim Blues verlassen kann), alle anderen werden von Fianna nach den Regeln der Zunft liebevoll, aber streng erzogen. Wie wir von Fianna und ihren Vorgängerinnen wissen, ist diese Schule eine erstklassige Vorbereitung für ein Leben als verträglicher und arttypischer Hovawart. Die wenigen Fälle, in denen diese Erziehung scheiterte, ist definitiv nicht den Müttern, sondern den neuen Herrschaften anzulasten. So weit reicht nicht einmal der Drachenhauch einer erbosten und besorgten Mutter, um dies zu verhindern.
Irax, fast immer im BetriebsmodusNach vier Wochen könnte man schon mal eine kleine Analyse der Idefixe wagen, aber wir tun uns diesmal wirklich schwer: So groß sind die Unterschiede nicht. Der Trupp ist ziemlich homogen. Inouk und Indra sind vielleicht die auffälligsten Dauerläufer und Adabeis, Indra die interessierteste Fersenkneiferin, außerdem lieg sie sich schon mal gern mit ihrem grünen Bruder Irax in den Haaren, wobei man nie weiß, wer das Huhn der Rangelei ist und wer das Ei. Irax vergreift sich gerne mal an Isi, die ihm dafür eine Linksverdrehte zwischen die Hörner gibt, weil ihr seine anderen empfindlichen Stellen vermutlich noch nicht bewusst sind. Ilmo und Iltschi sind ziemlich wissbegierig und in ihrem Forscherdrang gelegentlich auch penetrant, was zumindest bei Ilmo zu den schon erwähnten Erziehungsmaßnahmen
Isimütterlicherseits führt. Ignaz ist wahrscheinlich der geborene Herzensbrecher und für seine körperlichen Nachteile erstaunlich respektlos mitten im Getümmel. Und Iberl ist wieder eines jener Exemplare, die nie großartig auffallen, aber bei genauem Hinsehen trotzdem nie fehlen, wenn zum Halali geblasen wird. Es ist eben wie im richtigen Leben: Es gibt die Auffälligen und die scheinbar Unsichtbaren, die brodelnden Schluchten und die stillen Wasser, aber wer schon mal im scheinbar totenstillen Wasser des Alderney Race in der Nordsee versucht hat, sein Schiff auf Kurs zu halten, weiß, welche Kräfte direkt unter der Oberfläche wirken. Nein: Die sind wirklich alle auf ziemlich gleichem Niveau, der eine macht mehr Bohei und der andere lässt Tatsachen sprechen. Und morgen ist sowieso schon wieder alles anders.
Die Chefin meint, die Idefixe seien die liebsten Kinder, die wir je hatten. So süß wären noch keine gewesen. Die können wir nicht abgeben. Die Wahrheit ist: Das hat sie in der 4. Woche immer aus Überzeugung gesagt, und lieb waren auch all die anderen. Wie man weiß, haben auch sie alle (Ausnahmen Fianna und Hedda) ihre Kinderstube verlassen. Es wird alles seinen bekannten, teils schmerzhaften, Weg gehen. Aber jetzt feuern eben die Herzkammern so sehr Stakkato, dass jeder Kardiologe seinem EKG-Gerät ein Notstromaggregat spendieren würde, um für alle Fälle gewappnet zu sein.
Doch bei all diesen Betrachtungen mit Herz und Seele, geht das gewohnte Leben beim Blues weiter, das heißt: Es fängt gerade wieder richtig an. Im konkreten Fall dürfen heute Abend Fianna und Hedda nach Schnee und Matsch und den Beeinträchtigungen durch die Idefixe wieder eine Fährte suchen. Es ist schon dunkel und die Fährenchefin braucht eine Hirnbirn, dass sie nicht vom Weg abkommt, aber die beiden suchen wie Schnüffelautomaten, die brauchen kein Licht, nur Begeisterung und Sehnsucht, endlich wieder suchen zu dürfen. Wieder zurück, werfen die Augen der Chefin fast so viele Sternchen wie bei der Betrachtung der Idefixe: Beide haben im ganz hohen Vorzüglich gesucht. Ein paar Kinder und ein Winter können nichts kaputt machen. Fahrradfahren verlernt man auch nie. Und wenn man sich einen Winter lang auf die erst Ausfahrt gefreut hat, macht sie besonders viel Spaß.
Die Halbzeit haben wir nun geschafft. Jetzt beginnt die Hauptzeit und die Endzeit. Wir hoffen auf gutes Wetter, stabile Nerven und eine stabile Gesundheit der Idefixe.
5. Woche (20.03.2019 - 26.03.2019)
Mittwoch, 20.03.2019
Um 4:30 Uhr ist die Nacht in den Frühling hinein schon vorüber. Indra ist es, die offenbar der Ansicht ist, uns möglichst viel von diesem für viele Menschen schönsten Tag des Jahres, dem Frühlingsbeginn, gönnen zu sollen, indem sie unauthorisiert die Schnullerbox verlässt. Wie sie es auch immer geschafft haben mag, über die komplett aufgebaute Sperre zu klettern, jetzt, um halb fünf liegt sie mutterseelenallein in der Küche und plärrt herzerweichend um Hilfe und Erlösung.
So, als übernächtigte und übelgelaunte Frühgeburt, tritt also dieser Frühling in unser Leben, gerade so, als wäre er angesoffen und mit Schlips im Haar zu einem Vorstellungsgespräch erschienen. Doch er berappelt sich, dieser 20. März. Die frostigen -3,5 °C während Indras Mordiosolo baut er nachmittags noch bis auf 7 °C auf, um nachts wieder im Minus zu versinken. Aber dieser Frühlingsbeginn weiß nicht, was Wolken sind, offenbar nie gehört, dementsprechend glücksverheißend ist er: Wie das Wetter am Frühlingsanfang, so ist es den ganzen Sommer lang. Der Märzenpoet würde es etwa so ausdrücken: Wie sich die Sonne zum Frühling wendet, so auch unser Sommer endet. Ja denn, weg mit all den düsteren Erwägungen der jüngsten Vergangenheit; wir tanzen einen Sommer lang.
Ignaz und IndraGegen 10 Uhr, als sich die Temperaturen einigermaßen stabil im Plusbereich eingefunden haben, öffnen wir die Terrassentür, um die ganze Bande zu entlüften (und um zu putzen). Doch nur Ignaz und Indra nehmen das Angebot an und schauen sich draußen um. Eine gute halbe Stunde tun sie das fast allein, nur gelegentlich bekommen sie Gesellschaft von einem ihrer Geschwister, die den Frühlingsanfang lieber in der Küche verschlummern. Dann sind wir der Meinung, dass sie sich genug der Frühjahrsmüdigkeit hingegeben haben und schmeißen allesamt raus, damit wir endlich das Futter zubereiten und Ordnung schaffen können. Kaum sind sie alle draußen, versetzt das Geräusch des Zauberstabs, mit dem wir das Trockenfutter zu Püree verarbeiten, alle zusammen in unmittelbare Alarmbereitschaft. Dieses Geräusch können sie also auch schon in den richtigen Kontext bringen. Um ganz sicher zu gehen, dass sie sich nicht getäuscht haben, übersteigen Inouk, Indra, Ilmo und Iltschi, in dieser Reihenfolge und mit einigem Kraftaufwand, die mobile Sperre, die den Transit von der Terrasse trennt, das sind 30 Zentimeter, aber sie hebeln sich plopp, plopp, plopp, plopp darüber, sprinten durch den Transit und bauen sich in der Küche und in der Futterecke auf, wo die Chefin den Zauberstab bemüht. Der Rest der verhinderten Futtertruppe mault derweil auf der Terrasse herum. Es stellt sich nun die Frage, ob sie zu ungeschickt oder zu feige sind, die Sperre zu überwinden oder aber einfach schlauer als die vier Aktivisten, die nämlich jetzt auch in den Garten zurück gebracht werden, wo serviert wird. Ihr Aufwand war zwar beeindruckend, aber reine Energieverschwendung. Nun wird also gefuttert und drinnen geputzt. Nach der Fütterung, streifen sechs Idefixe durch den Garten – außer Ignaz und Indra, die sich von ihrem vorangegangenen Inspektionsgang erholen müssen. Als wir nach dem Putzen die Terrassentür wieder öffnen, stürmen alle zum Schlafen in ihre Höhle – außer Indra und Ignaz, die sich wieder zu Zweit auf den Weg machen. Wenn man einmal in der antizyklischen Spur ist, kommt man da so schnell nicht wieder raus.
Aber jetzt gibt es keinen Grund mehr, die Terrassentür zu schließen, und so finden wir unsere Idefixe bald überall, draußen im Sammellager, im Transit, in der Küche, jeder und jede nach ihren Neigungen und Bedürfnissen.
Isi versucht sich an Cafè LatteDieser
Isi, frisch aus der DuscheTag mit kaum Besuchern dient den Idefixen, mit ihrem Reich vertraut zu werden. Und sie nutzen diese Gelegenheit. Isi lernt beispielsweise, dass man auch in einer nur schwach gefüllten Wasserschale ausrutschen und pitschnass werden kann sowie, dass man manchmal auf einem Schoß am Kaffeeschaum lecken darf. Knabberstangen lässt auch jemand fallen und finden reißenden Absatz; in diesem Zusammenhang lernen die Idefixe, dass Hedda diese auch vom Tisch klauen kann, dafür aber beim Personal keine Bewunderung auslöst. Indra versucht ein VetBed aus dem Schlaflager zu zerren, woran sie scheitert und beim schnellen Abgang auf die Nase fällt. Generell wirft man immer mehr interessierte Blicke auf die Ein
Iltschi knabbert sich durchrichtung des Spielplatzes, ohne sich schon intensiv damit zu beschäftigen.
Bescheiden ist heute auch die Gewichtstatistik: 340 g. Da hatte Muttern vermutlich eine Frühlingsverstopfung. Das arbeiten wir heute schnell ab: Ignaz 1950 (+30), Irax 2500 (+30), Iberl 2170 (+10), Isi 2320 (+60), Indra 2000 (+70), Ilmo 2120 (+70), Inouk 2210 (+70) und Iltschi 2170 (0).
Donnerstag, 21.03.2019
Nachdem Indra uns und ihren Geschwistern gestern zeigte, dass und wie man die Schlummerbox geschmeidig verlassen kann, beugen wir uns der normativen Kraft des Faktischen (Georg Jellinek), indem wir gestern Abend die Box offen ließen und die Kinder ihren Schlafplatz selbst wählen ließen, in der Kiste, in der Küche oder im Transit. Sie haben das Angebot dankend und schweigend angenommen und sich mit einem sehr tiefen und langen Schlaf bedankt, welcher der Chefin heute bei der Morgeninspektion nur einen ganz kleinen Saustall beschert. Die Mehrzahl der Idefixe erledigen ihr Morgengeschäft erst nach der ersten Milchspeisung bei Mama im Garten.
Wegen Fiannas gestern offenbarten Lieferproblemen, erhöhen wir unsere zusätzlichen Mahlzeiten ab heute auf drei. Und heute Vormittag gibt es erstmals die Welpenmilch mit gequetschter Banane. Ja, das weckt Begehrlichkeiten hinsichtlich des etwas einseitigen Angebots der Mama, die doch bitteschön auch mal Bananenmilch liefern könnte.
Bananenmilch...Auch ohne Bananenmilch und dritter Mahlzeit haben sich die Gewichte gestern wieder normalisiert. Allerdings darf man nicht unterschlagen, dass der Löwenanteil der 530 g in Isis und Iltschis Fettdepots eingelagert wurden. Bei Iltschi machten das gestern 170 g (2340) und bei Isi 140 g (2460) aus. Ilmo hat wieder einen Fastentag eingeschoben (2120) und die anderen ließen es beim Nötigsten bewenden: Ignaz +50 (2000, und damit der letzte Vierpfünder), Irax +50 (2550), Iberl +50 (2220), Indra +30 (2030) und Inouk +40 (2250).
Die Schlacht ums ReishühnchenBei prächtigem Wetter gibt es mittags im Garten wieder Hühnchen mit Reis und einem Löffel Ulmenrinde, dem sie mit großem Appetit zusprechen. Allerdings sind die Idefixe noch richtige Stubenhocker: Fressen draußen unter dem weiß-blauen bayerischen Himmel kommt gut an, aber zum Schlafen danach ist die Küchenhöhle viel sicherer. Dort kuscheln sie sich zu ihrem Verdauungsschlaf zusammen, nur die Mama liegt alleine im Garten. Wahrscheinlich ist ihr diese Auszeit gerade recht.
Indra auf dem SchaukelbrettAber
Ilmo, der Womanizerwenn sie sich in ihrem Spielplatz aufhalten, weiten sie ihre Interessen immer mehr aus. Der kleine Reifen, der seit seiner Ausbringung in den Garten ein sehr einsames Leben führte, bekommt heute von Ilmo Besuch, der sich einmal im Kreis herum sehr für ihn interessiert und dann behutsam durchquert. Indra wagt einen Versuch auf dem Schaukelbrett, das sie kopfüber abwirft und dadurch ihr Interesse noch steigert. Heute ist es für Indra allerdings noch zu früh, hinter das Geheimnis der Beherrschung dieses Möbels zu kommen. Aber schon hat wieder ein Teil ihres Lebensraumes seine Fremdheit verloren. Stück für Stück erobert sich das Leben so seinen Raum.
Dieser Donnerstag ist wegen des Wetters und der stillen Zufriedenheit der Idefixe ein richtig schöner und in sich ruhender Tag. Dazu könnte er der Einstieg in einen schönen Sommer sein: Wie das Wetter sich zeigt nach Benedikt eine Woche lang, so zeigt es sich den ganzen Sommer lang. Viel schöner als heute kann es sich kaum noch zeigen, das Wetter. Es müsste halt nur noch eine Woche durchhalten.
Freitag, 22.03.2019
Heute Morgen entsorgt die Chefin zwölf Häufchen der Idefixe, die kurz nach Mitternacht vom Assi unter nahezu hygienischen Bedingungen in den Schlaf geschickt worden waren. Für die rund fünf Stunden bis zum Erscheinen der Chefin ist das eine beachtliche Leistung. Da allerdings die berechtigte Befürchtung besteht, dass sie ihre Darmperistaltik noch weiter üben werden, kommen sie mit der ersten Handlung in den Garten, um sich dort ungehindert ausleben zu können und gleich auch noch gefüttert zu werden. Das schafft in jeder Hinsicht Ruhe, die man morgens um fünf Uhr im Garten auch einhalten sollte.
Dieser Ablauf wird nun bis zum Schluss beibehalten: Die Zwerge frühstücken ihren Milchbrei, der Assi macht den Stall sauber und dann wird je nach Arbeitsbelastung des Assi, mehr oder weniger gemeinschaftlich gewogen. Das ist der Grund, warum wir uns heute (und in Zukunft) an ganz andere Gewichte gewöhnen müssen als bisher; die Idefixe haben schon vor dem Wiegen gefrühstückt. Und das schlägt sich auf die Hüften und die Waage nieder.
Dann mal los. Irax 2730 g (+ 180), Isi 2700 g (+240), Iltschi 2560 g (+220), Inouk 2510 g (+260), Iberl 2430 g (+210), Ilmo 2410 g (+290), Indra 2240 g (+210) und Ignaz 2200 g (+200). Das sind 1810 g an einem Tag (und einem Morgen). Wenn man die einzelnen Gewichtsgewinne der letzten Wochen Revue passieren lässt, dann zeigen diese Zahlen, wie viel ein Welpe bei einer einzigen Mahlzeit aufpolstert, bis er es dann im Laufe des Tages verbraucht, wieder aufbaut und wieder verbraucht...
Indra testet das FederbrettDieser
IlmoFreitag ist so schön wie der gestrige Donnerstag, und die Idefixe machen dort weiter, wo sie gestern noch etwas schüchtern in das Spielzeugparadies eingetaucht sind. Heute geht es schon merklich mutiger zur Sache, und man spürt bei allen die Neugier, jetzt endlich herauszufinden, was dieser ganze Krempel hier soll. Jetzt wird schon mal versucht, das Federbrett zu erklimmen, was noch nicht klappt oder man legt sich in die bereitgestellten Höhlen. Wem diese Höhlen nicht gut genug sind oder, wer keinen Platz mehr findet, zieht sich ins Haus zurück und tankt dort neue Kraft für neuen Mut.
Isi bei der NormenkontrolleAls ob das für solche Winzlinge nicht schon Abenteuer genug wäre, müssen sie heute noch eine kleine Prüfung bestehen: Die Zwischenabnahme durch die Zuchtwartin. Da müssen sie keine Kunststücke zeigen und auch nicht mutig sein, sondern nur stillhalten und sich begutachten lassen. Wie haben sie sich entwickelt? Wie steht es mit den Marken und den unerwünschten Abzeichen? Sind die kleinen Ruten
Iberl mit komplettem Scherengebissin Ordnung oder haben sie Fehlstellungen? Sind die Nabel gut verheilt? Sind sie wohlgenährt oder zu wohl genährt? So etwas will die Zuchtwartin sehen, und dazu müssen sie einfach nur zwei Minuten Ruhe geben sowie geduldig und lieb sein. Am Ende ist die Normenkontrolleurin sehr zufrieden und hat vor Mutterglück rote Bäckchen. Es ist eigentlich nichts an den Zwergen auszusetzen, nur Iltschi könnte an der Brust eine (unerwünschte) Doppelmarke entwickeln. Das muss man jedoch abwarten, weil die Farbentwicklung in diesem Alter noch fröhliche Urständ feiert und sich in alle Richtung bewegen kann. Die Idefixe haben sich vorbildlich gegeben und der Zuchtwartin viel Freude gemacht. Und uns wundert das nicht, weil wir ihre Entwicklung täglich verfolgen können, aber glücklich über diese acht sind wir dennoch.
Samstag, 23.03.2019
Inouk wärmt sich und einen SchoßEs
Irax und Ilmo ist schade, dass man über einen so makellosen Frühlingstag nicht viel berichten kann, außer dass die Stare sich langsam hier niederlassen und sich ein Quartier suchen. Außer den Staren finden sich natürlich an solch einem Tag Besucher ein, mit denen man die Sonne auf der Terrasse genießt und den Idefixen beim Tollen, Entdecken und Schlafen zusieht. Wenn es den Besuchern zu sehr in den Fingern juckt oder ein Schoß in der frühen Frühlingssonne doch noch etwas Frische verspürt, müssen die Kleinen auf die Schöße und Glücksdienste leisten. Das macht dann alle glücklich.
Inouk entdeckt den FutterknopfHeute bekommen die Welpen mittags zum ersten Mal industrielles Nassfutter (von Platinum), das sie ohne Zögern wegspachteln. Man hat fast den Eindruck, dass sie überhaupt nicht registrieren, dass sie soeben in eine neue Futterwelt vorgedrungen sind, und wahrscheinlich ist es auch so. Hauptsache es haut rein.
Wir dürfen uns also morgen auch wieder über eine sehr wuchtige Gewichtstabelle freuen, die heute allerdings "nur" 1690 g ausweist. Die verteilen sich wie folgt: Irax 2990 g (+260), Isi 2850 g (+150), Iltschi 2800 g (+240), Inouk 2700 g (+190), Iberl 2690 g (+260), Ilmo 2540 g (+130), Indra 2460 g (+220) und Ignaz 2440 g (+240). Dieses Ergebnis bringt die Reihenfolge noch nicht durcheinander, alle haben ihre Positionen gehalten, aber an einigen Positionen ist man sich schon ziemlich auf die Pelle gerückt, was auf baldige Rochaden schließen lässt. Vor allem Ignaz lässt aufhorchen, der bis auf 20 g an Indra herangerückt ist und sicher nicht ruhen wird, bis er die rote Laterne los ist.
Ilmo macht sich sein BettNachdem die letzten Besucher spät abends gegangen sind, drängt der gesamte Bairische Blues förmlich in die Koje. Für die Welpen war das ein ganzer Tag voller neuer Entdeckungen und Aufregungen, für Fianna und Hedda galt das gleiche plus der Verantwortung für die Kinder und demnach viel zu wenig Schlaf für einen Hund. Sie schaffen es an solchen Tag kaum einmal, ein Auge zuzudrücken; das zehrt an der Substanz. Und auch wir verspüren nach all den Gesprächen, all dem Essen und Trinken und natürlich der Betreuung der Idefixe, die einen nie zur Ruhe kommen lässt, dass eine Haube Schlaf jetzt sehr gut tun würde.
Sonntag, 24.03.2019
Wieder zieht der Frühling mit seinem grünen Band durchs Land und beschert uns einen Wonnentag. Und das nicht nur wegen der ungetrübten Sonne. Die aber legt nach den alten Bauernregeln fest: Scheint auf Sankt Gabriel die Sonn’, hat der Bauer viel Freud’ und Wonn’. Liturgiekenner und -puristen werden jetzt sofort aufschreien und einwenden, dass der Gabriel seit 1969 seinen Namenstag am 29. September feiert. Doch seit wann schert es einen Bauern und seinen Begleiter durchs Jahr, ob die da unten am Heiligen Stuhl einem Heiligen seinen Stuhl vom März in den September verschieben? Nach den Römischen müsste der Bauer heute der Katharina gedenken, was ihm und uns auch recht sein soll. Bitteschön: Sonnenschein an Kathrein, lässt den Sommer wonnig sein. Ist doch auch schön, muss ja nicht immer das Original sein.
Vor dem morgendlichen Wiegegang bekommen die Idefixe heute eine aufgemotzte Welpenmilch, der wir jetzt Hüttenkäse zugeben, weil sie mit der Grobkörnigkeit des Hüttenkäses nun schon zurecht kommen. Das Frühstück sieht demnach so aus: 250 g Magerquark, sechs Eigelb, sechs Esslöffel Distelöl, ein Becher Hüttenkäse und zwei Bananen. Aufmerksame Leser werden merken, dass wir die Menge inzwischen verdoppelt haben, was beim Appetit des Nachwuchs auch zwingend geboten war. Und das geht über die Zungen wie himmlisches Manna mit Gänseleber.
Ignaz, erschöpft nach der AufholjagdDie Rennliste liest sich heute morgen wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht: Ignaz hat es geschafft! Der Reihe nach: Irax (3270 g, +280) kontrolliert das Feld von vorne. Iltschi drückt sich an Isi vorbei, was bei 310 g Zunahme auch nur schwer zu verhindern ist: 3110 g. Da kann Isi mit den gut gemeinten 200 g nichts ausrichten: 3. Platz und 3050 g. Die drei sind die ersten Sechspfünder und rein optisch fast schon schlachtreif. Iberl ist auch einen Platz nach vorne gerückt, aber noch im U-3000-Feld: 2910 g (+220). Die zweite Hälfte führt Inouk (2810 g) an, der mit Iberl den Platz tauschte; mit 110 g ist bei diesen Gigantophagen auch nicht viel Staat zu machen. Und dann – Tusch – taucht Ignaz aus den Wäldern auf und beansprucht den sechsten Rang: 2700 g (+260). Ilmo ist auf dem besten Weg, den Ignaz zu machen, hält aber den siebten Platz noch: 2640 g (+100). Die Ignatia heißt jetzt
Indra und InoukIndra mit 2620 g (+160). Das sind wieder stolze 1640 g, und wir beschließen, den Kalorienhahn ein wenig zu drosseln, weil einige Modelle von oben wie ein Saugroboter aussehen. Die Idefixe scheinen exzellente Futterverwerter zu sein, was für ihre neuen Futterverwalter höchste Wachsamkeit bedeuten muss. Die Königsregel für die Welpenernährung lautet bekanntlich: groß hungern! Überversorgung sorgt schnell für die gleichen Wohlstandswehwehchen und -krankheiten wie beim Menschen. Unser Bestreben war es noch nie, propere Speckrollen abzugeben, sondern kerndlg'fütterte Kraftwerke, die nicht beim ersten Lufthauch umkippen. Bisher ist uns das ziemlich gut gelungen, und deshalb wird jetzt erst mal ein klein wenig gebremst: weniger Kalorien, mehr Spielerien.
Eddy auf KinderbesuchZumindest
Eddy und Ignazdie zweite Forderung dürfte heute kein Problem sein: Papa Eddy kommt zu Besuch, sieht sich seinen Nachwuchs an und stellt sich seiner künftigen Verwandtschaft vor. Schwer zu sagen, ob er eher als charmanter Souverän oder als souveräner Charmeur durchgeht, jedenfalls erobert er die Herzen im Sturm. Er stellt sich der ungewohnten Situation, macht sich bei seinen Kindern bekannt, was nicht schwer ist, weil die
Den Papa ist stolz auf seine Kinderihm in dieser Hinsicht zuvorkommen, ihn umwuseln und Ansprüche stellen. Eddy kommt damit klar, zeigt keine Fluchtreflexe und keinerlei Aggression; ein Papa, wie er im Bilderbuch steht. Die Eddy-Touristen können sich gar nicht sattsehen an "ihrem" Papa, dafür können sie sich mit Weißwürsten, Brezen und bayerischen Getränken sattessen und den Brand löschen, den die stramme Märzensonne in den Adern und den Gesichtern aufglühen lässt.
Ilmo diskutiert auf AugenhöheAufblühen tun natürlich unter diesen Voraussetzungen auch die Idefixe, die zur Hochform auflaufen und die Gesellschaft mit- und zu Beifallskundgebungen hinreißt. So viel Glück mit dem Wetter, so viel Glück mit dem Papa und so viel Glück mit den Gästen: Ein unvergesslicher Tag, den es so und in dieser Zusammensetzung nie wieder geben wird.
Gegen unsere Diätabsichten, aber unter Einbeziehung des enormen Energieverbrauchs an einem solchen Tag, bekommen die Idefixe heute Mittag erstmals normales und gewolftes Rindfleisch (kein Luxustatar) mit Reis. Ihnen ist es sowieso egal, was in der Schüssel ist, sie machen keine Vermerke an der Speisekarte, um mit Nachdruck Varianten einklagen zu können, nein, durch ihre Mundöffnungen verschwindet alles, das ihnen vorgesetzt wird.
Nachdem die letzten Besucher gegangen sind, ist Fianna offenbar der Ansicht, dass ihre Kinder heute einfach nur herzerweichend toll waren und sie deshalb besonders belohnt werden müssten. Sie legt sich ins Kuddebett, worauf alle angewackelt kommen und einer nach der anderen von ihr bespielt wird; Fianna ist unübersehbar in bester und entspannter Blödellaune, knibbelt ihre Kinder überall, kneift sie ins Bein, kugelt sie herum. Die sind ganz überrascht, weil sie ihre Mama so noch nicht kennen (wir schon), wo sie doch oft so streng mit ihnen ist. Und sofort sind alle da, um mitzumachen. Es entwickelt sich ein herzerweichendes Spiel im Kudde, Mama im Kreise ihren Welpen, die gar nicht aufhören wollen, aber vom Schlaf übermannt rings um ihre Mama einschlummern. Was für eine Szene. Heute können wir Fianna nur schwer überzeugen, ihre Kinder allein zu lassen und mit uns nach oben zu gehen.
Montag, 25.03.2019
Graupelschauer oder doch schon Hagel?Der Frühling bekommt weiche Knie. Das Wetter gibt nach. Morgens ist es schon stark bewölkt bei 8 °C und nachmittags ziehen einige Schneeschauer übers Land. Sogar ein Graupelschauer mit erbsengroßen Kugeln prasselt vor den Idefixen nieder, die sich auf der Terrasse davon aber nicht wirklich stören lassen. Sie schauen auf, nehmen den Unfug zur Kenntnis und schlafen, aneinander gekuschelt, weiter. Diese Entwicklung lässt nicht viel Hoffnung auf einen brillanten Sommer, weil das Benedikt-Wetter offenbar keine ganze Woche durchhält. Wird also nichts mit einem ungetrübten Sommer. Aber was weiß der Hunderter eigentlich vom Klimawandel? Ist der überhaupt noch seriös? Wir setzen voll auf maximale Erderwärmung und schicken den Insulanern in der Südsee einen Container voller Schwimmreifen.
Heute ist Mariä Verkündigung und logischerweise einer jener Lostage, die alle Wetterpropheten in helle Aufregung versetzt. Dass genau heute die Schwalben kommen, halten wir für Unfug; wir haben noch keine gesehen (An Mariä Verkündigung kommen die Schwalben wiederum). Bedrohlicher ist schon dieses hier: An Mariä Verkündung hell und klar, ist ein Segen für das ganze Jahr. Und was ist an Mariä Verkündigung dunkel und trüb? Wir wollen es nicht wissen.
Aber wir wollen wissen, wie den Idefixen der gestrige Tag mit allen seinen Aufregungen und Aktivitäten bekommen ist und stellen fest, dass sie ihn gut verkraftet haben. Die 1450 g gehen bestimmt aufs Konto der vielen Bewegung, denn als Diättag konnte der gestrige nicht durchgehen. Im einzelnen sieht es so aus, dass nur Isi die Reihenfolge durcheinanderbringt, weil sie Iltschi wieder auf den dritten Platz abgedrängt hat. Irax 3290 g (+20), Isi 3230 g (+180), Iltschi 3210 g (+100), Iberl 3120 g (+210), Inouk 3080 g (+270), Ignaz 2900 g (+200), Ilmo 2890 g (+250) und Indra 2840 g (+220). Keine Frage: Die zweite Reihe hat sich noch längst nicht ergeben, da ist richtig Feuer unter dem Topf und die vorne sollten sich vorsehen.
Wegen des miesen Wetters, spielt sich heute viel im Haus ab oder sie liegen draußen und schlafen. Es ist heute ein typischer Regenerationstag nach dem gestrigen Trubel. Nur der Assi schleicht erfolglos mit der Kamera herum, um irgendein Bild zu bekommen. Es gibt eben Tage, da wünscht er sich, er wär sein Hund und läg faul auf seiner Decke und säh sich mitleidig zu...
Doch abends ist er wieder obenauf. Die Idefixe müssen zur zweiten Wurmkur antreten. Wegen der sehr fragwürdigen Akzeptanz der ersten Entwurmung und der Verkleisterung der Küche mit Panacur, beschließt die Chefin heute ein neues Verfahren: In ein kleines Schüsselchen kommt etwas Nassfutter mit Wasser und dazu
Isi schmeckt die Wurmkurdie 2 ml Panacur. Die Schüssel wird auf den Küchenblock gestellt und die Zwerge dürfen sich dort oben, schön nacheinander, selber kurieren, weil diese Aktion auf dem Boden nie funktionieren würde; entweder würden alle um den einen Mampfer herumturnen und lästig sein, oder, wenn wir alle zusammen kurieren würden, bekämen manche eine ganze Jahresration und andere nichts ab. Deshalb die Einzelkur auf dem Küchenblock, die geradezu sensationell hinhaut; die stehen da und schlabbern mit Begeisterung, was sie vor kurzem noch zum Speien fanden. Und außerdem sind sie sehr sicher (natürlich sichern wir sie ab), turnen nicht herum und machen keine Anstalten, sich von dem Möbel zu stürzen. Das werden wir uns merken und an den nächsten beiden Tage gleich noch vertiefen. Darauf hätten wir auch schon früher kommen können, aber das Flubenol machte eben keine solchen Probleme. Anschließend gibt es die Abendmahlzeit (Trockenfutterpampe), die auch noch bestens ankommt. Fressen und schlafen, dazwischen ein wenig Wind machen, Hosenbeine testen, Fersenbeine kneifen und überall hin pinkeln – ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Ignaziraxiberlisiindrailmoinoukiltschi heiß!
Dienstag, 26.03.2019
Morgens um fünf findet die Chefin nur drei stramme und offenbar kerngesunde Häufchen in der Küche, auch, weil der Assi noch eine nicht sehr üppige, aber dennoch erfolgreiche Nachternte gesammelt hatte. Das freut den Züchter und den Morgenmuffel gleichermaßen. Die Kleinen kommen, wie jetzt jeden Tag, sofort in den Garten, damit die Chefin die gröbsten Misthäufen beseitigen kann, was heute ja praktisch ausfällt, und die Morgenmilch zubereiten kann. Da die Idefixe inzwischen wirklich sehr fixe Kinder sind, kennen sie jedes Geräusch und können es korrekt zuordnen. Ein Zauberstab signalisiert unmittelbar bevorstehende Nahrungsaufnahme und macht die Zwerge sehr aufdringlich. Eine geordnete Bewegung ist unter diesen Umständen nicht mehr gewährleistet. Da das in der Küche zubereitete Futter auch unfallfrei ins Freie und zu Boden gebracht werden muss, lenkt die Chefin den Hungerhaufen mit dem sogenannten "Vogelfutter" ab, das sind kleine, auf den Boden geworfene Bröckchen von Platinum Welpenfutter. Das Angebot ist so unwiderstehlich, dass es tatsächlich gelingt, das Interesse der ganzen Meute auf die Futterbröckchen zu lenken und die Futterschalen auf den Boden zu stellen. Auch das ist eine Premiere für die Idefixe, denn Trockenfutter in seiner ursprünglichen Form kennen sie noch nicht. Ein Problem haben sie damit aber auch nicht. Nächster Meilenstein abgehakt.
Fianna sucht einen SpielpartnerWenn man
Auch Hedda bleibt mit ihrem Schwein allein den Glücksmomenten der Nahrungsaufnahme absieht, ist es heute eher garstig draußen. Bedeckt ist es, sehr bedeckt, bei 1,5 °C. Später ziehen einige Schneeschauer vorbei, aber nachmittags teilen sich Sonne und Wolken den Himmel. Ist es um Ludger draußen feucht, bleiben auch die Kornböden leicht. Unseretwegen. An einem Tag 40 Tage Frost, am nächsten nichts als Sonne und Wonne einen ganzen Sommer lang, dazu volle Scheuern und dann wieder leere Kornspeicher. Wovon soll denn der Bauer jetzt seinen Rachenputzer schwarz brennen? Es ist ein Graus mit dieser Welt.
Inouk wagt den Aufstand! 320 g hat er sich gestern unter die rotzfreche Nase geschoben und mit 3400 g zu Irax aufgeschlossen, der es nur auf 110 g brachte. Mit nur 90 g Zugewinn schafft es Isi, ihren dritten Platz zu halten (3320 g). Mit 3310 g (+100) folgt Iltschi auf dem vierten Platz. Iberl belegt mit 3280 g (+160) den fünften Platz. Bis hierher sind die Abstände ziemlich zusammengerückt; zwischen den beiden Ersten und dem Fünften liegen nur 120 g. Dann tut sich eine kleinen Lücke auf: 3070 g für Indra (+230!) und Ignaz (+170). Nach dieser Gewaltaktion von Indra hat nun Ilmo die rote Laterne: 3000 (+110). Es ist also weiterhin Bewegung in der Truppe, die mit 1290 g Zunahme nicht kurz vor einem Hungerödem steht.
Hedda und IndraTrotz des zugigen und frischen Wetters, sind die Idefixe viel draußen. Sie kuscheln sich zusammen oder sehen sich um, je nach Laune und ob Mama, Halbschwester oder Zweibeiner ihre Bemühungen verfolgen und bejubeln. Einen Herzensbrecher landet Hedda, die, wie sie meint, unbeobachtet, Indra ihr ganzes Herz ausschüttet und mit ihr minutenlang spielt. Die beiden kneifen sich, kuscheln, schnäbeln und rasen herum, aber nur solange niemand zusieht, dann geht Hedda wieder auf Distanz und summt das Lied der Wise Guys: "Kinder find ich nicht so toll, tut mir wirklich leid..." Muss ja nicht jeder wissen, dass in ihrer Brust ein Herz aus Ideflex schlägt. Pass nur auf, wir kriegen dich schon noch rum.
Ilmo und IndraWas auffällt ist, dass sich jetzt die Rangeleien häufen. Alle tragen nun eine kleine Zündschnur am Hintern, die sofort Feuer fängt, wenn sich ein anderer Hintern daran reibt. Und huuusch und tuschschsch. Rummms. Zwei Sekunden dauert die Explosion, dann geht man wieder getrennte Wege – und trifft sich mindestens zweimal jeden Tag. Rangordnungen werden getestet, erstritten, eingeklagt und wieder verworfen. Alles ist im Fluss, nichts hat Bestand, muss aber ständig auf den Prüfstand. Es macht überhaupt keinen Sinn, darüber Buch zu führen oder tiefschürfende Psychogramme daraus abzuleiten. Wenige Minuten später liegen wieder alle zusammen, übereinander und untereinander im Bett und erzählen sich Gute-Nacht-Geschichten.
Es sind ganz andere Geschichten, die berichtenswert sind. Beispielsweise, wenn Inouk nicht nur Irax auf der Waage herausfordert, sondern binnen (ach, liebe Schweizer: innert!) Minuten vom Welteneroberer zum Bettnässer wird. An der Gartenseite unseres Hauses ist ein kleines, gläsernes Gewächshaus angebaut, in dem unserer Kübelpflanzen zusammen mit den Kakteen überwintern. Noch ist es nicht warm genug, um die Kübel schon wieder auszuwildern, weshalb das Häuschen noch immer vollgestopft ist. Die Tür zum Glashaus steht aber häufig offen, auch weil man von dort in die Hundedusche gelangt und von dort wiederum weiter ins Haus, was es uns ermöglicht, den Welpenspielplatz von dort oder vom Wohnzimmer (Transit) zu betreten und zu verlassen. Das ist bei einem so gewitzten Haufen, wie es die Idfixe sind, von großem Vorteil, weil man sie auch mal in die falsche Ecke tricksen kann, um über die andere ins Haus zu kommen. Man glaubt ja nicht, wie flink die inzwischen sind und jederzeit in der Lage, einem den Weg zu verstellen oder ein Bein zu stellen. Man muss inzwischen schon trickreich sein, um zurecht zu kommen. Heute steht also die Glastür zum Glashaus auch wieder offen, und Inouk ist der Erste, der es wagt, sich dort einen Überblick zu verschaffen. Das Problem ist nur, dass er genau das nicht tut, sondern sich, ganz ohne Überblick und demzufolge ohne Durchblick, innert Sekunden von der Tür zwischen allen Kübeln hindurch bis in die hinterste Ecke des Glashauses durchwühlt – und feststeckt. Man muss ihm zugute halten, dass er männigliche Anstrengungen unternimmt, dieser sehr misslichen und beengten Situation zu entkommen, aber scheitert. Wo immer er landet, er steckt zwischen den Kübeln fest. Ratten hätten ein solches Problem intelligent gelöst, nicht aber ein Hovawartbub in Windeln. Der Assi amüsiert sich köstlich an den Bemühungen des Inouk vom Bairischen Blues, sich selbst wieder aus der Misere zu manövrieren, überzeugt, dass er es schaffen wird. Doch die weichen Herzen weiblicher Besucher wollen dem verzweifelten Nachwuchs keinen selbst erarbeiteten Erfolg gönnen, räumen die Kübel beiseite und retten ihn. Welch eine Schmach für den stolz gestarteten und letztlich vom WHW (Weiberhilfswerk) befreiten Inouk. Es dauert keine zwei Minuten, bis er wieder ins Glashaus spaziert, wahrscheinlich um die Scharte auszuwetzen, und bei diesem Versuch noch vor der dramaturgischen Zuspitzung gerettet wird. Kann es schlimmer kommen? Der Assi geht jede Wette ein, dass Inouk für den Rest seines Lebens jedes Glashaus aufsuchen wird, um sich von diesem frühkindlichen Trauma zu befreien, einmal wenigstens Held im Glashaus sein und eventuell mit Steinchen schmeißen. Ach, Inouk, wie gern hätte der Assi dir dieses Los erspart.
Inouk meistet die Wurmkur brillantDie Entwurmung 2.2 am Abend gibt zwar Gelegenheit, sich einigermaßen zu rehabilitieren, was aber nur unvollständig gelingen kann, weil auch die Geschwister wie die Erben von Reinhold Messner auf dem Küchenblock stehen und sich ihre Pana-Kur einverleiben. Eigentlich müssten wir sie gar nicht mehr festhalten, so sicher und stabil bewegen sie sich dort oben. Für gescheitete Helden kein Ort der Wiedergutmachung.
Drei Wochen stehen uns (und Inouk) noch gemeinsam bevor. Der Assi verspricht Inouk, ihm in den abschließenden drei Wochen eine Gelegenheit zu verschaffen, sich zu rehabilitieren. Vornehmlich aber werden wir eher besorgt in die Zukunft schauen, weil nun die kritische Zeit der schwindenden Immunkraft der Welpen anbricht, jene Zeit, in der der Immunschutz durch die säugende Mutter fast komplett verschwindet, aber bis zur anstehenden Impfung in der achten Woche möglicherweise nicht genug eigene Widerstandskraft aufgebaut werden kann, um jeden Angriff von außen abzuwehren. Wir drücken den Idefixe ganz kräftig die Daumen und versuchen, alles von ihnen fernzuhalten, was ihnen auf Magen, Darm und anderswohin schlagen könnte. Wenn nur die Gegner nicht so heimtückisch und klein wären.
6. Woche (27.03.2019 - 02.04.2019)
Mittwoch, 27.03.2019
Die sechste Idefix-Woche beginnt, wie die fünfte aufgehört hat: grau, trüb und nieselig bei 3 °C morgens um 6 Uhr. Nachmittags schiebt das Thermometer bis auf 10 °C hoch, aber als meteorologischer Aufschwung geht das nicht durch; es bleibt nämlich konsequent trüb. Sicher ist nur, dass das Wetter des Benedikt keine Woche durchgehalten hat, also auch nicht halten wird, was es versprochen hat, nämlich einen benediktinisch strahlenden Sommer. Das kann schon deshalb nicht funktionieren, weil die heutige Prognose das ausschließt: Ist an Rupert der Himmel wieder rein, so wird er’s auch im Juli sein. Von rein kann keine Rede sein. Doch lasst uns mal das Glas nicht halb leer sehen, sondern packen wir den Hundertjährigen bei seiner schwabbeligen Rhetorik, denn er prognostiziert im Juli, nicht den ganzen Juli. So kann man sich vor Regressansprüchen freihalten und wir können auf mindestens einige schöne Tage im Juli rechnen. Was wir auch ohne den nieseligen Rupert getan hätten.
Wesentlich erfreulicher liegt die Brutküche des Bairischen Blues vor der Chefin, als sie diese um 6 Uhr betritt: Schlafende Kinder und ein einzelnes, kümmerliches Häuflein. Dieses Eremitenhäuflein ist zudem stramm und wohlgeformt, also ein Beleg, dass die Ides die Entwurmung 2.2 auf dem Küchenblock bestens weggesteckt haben. So eine Entwurmung kann ja sehr unerfreuliche Begleiterscheinungen haben, die uns, wie es scheint, erspart bleiben.
Iltschi findet, es könnte etwas mehr seinZur Belohnung wird heute die morgendliche Welpenmilch, statt mit Bananen, mit geriebenem Apfel angereichert. Die Idefixe nehmen es, wie es kommt, und sie nehmen es mit vollen Backen; wenn man als Karnivore schon Veggie-Zeug zu sich nehmen muss, dann ist es eh schon egal, ob Apfel oder Banane.
Mit Fianna Milchleistung geht es dagegen stetig bergab. Morgens und abends einmal im Stehen säugen, ist das höchste der Gefühle; mehr kann sie nicht mehr und mehr will sie auch nicht mehr. Die Idefixe sind jetzt richtige Quälgeister. Einerseits sind sie noch nicht groß genug, dass sie ruhig im Sitzen saugen könnten, also hüpfen sie hoch, hampeln herum und versuchen sich am Gesäuge hochzuziehen, andererseits lässt die Gier auch eine ruhigere Herangehensweise gar nicht zu. Wer die Beißerchen der Idefixe schon in den Fersen verspürte, weiß, was Fianna jetzt erduldet. Bald werden die Idefixe singen: No milk today, it wasn't always so... Uns soll es recht sein, wenn die Plackerei ein Ende hat.
Wir erhöhen deshalb auf vier Fütterungen täglich, was wir bis zur Abgabe so beibehalten werden (und anschließend noch eine Weile beibehalten werden sollte). Morgens gibt es die Milch, Vormittags Trockenfutter,
Einzelfütterung mit Entwurmungnachmittags unterschiedliches Fleisch mit Reis oder Flocken etc. und abends wieder Trockenfutter. Die abendliche Trockenfuttergabe hat sich insofern bewährt, als dass sie die Darmaktivitäten besser einhegt als abendliches Frischfleisch. Heute Mittag gibt es beispielsweise Rinderkopffleisch mit Pansen und Kartoffelflocken. Und wir ersetzen erstmals die Futterringe durch Einzelschälchen. Das bietet sich heute an, weil wir dadurch gleich mittags in die Schüsselchen jeweils 2 ml Panacur tröpfeln und somit die Entwurmung 2.3 durchziehen können, was aber nur Sinn macht, weil uns noch weitere Hände zur Verfügung stehen, die uns unterstützen sicherzustellen, dass auch jeder Idefix nur seine Schale auslöffelt und nicht die Wurmkur der anderen abräumt. Auch diese neue Herausforderung – neue Fleischrichtung, Kartoffel, Einzelschüsseln mit integrierter Entwurmung – bestehen sie mit Bravour.
Trotz Fiannas Milchdepression gedeihen die Kleinen prächtig: Irax +310 (3710), Iltschi +190 (3500), Inouk +90 (3490), Isi +150 (3470), Iberl +140 (3420), Indra +180 (3250), Ilmo +200 (3200) und Ignaz +130 (3200).
Auch abseits der Futterschüsseln erweitern die Idefixe ihren Horizont zügig. Heute gerät, aus welchen Gründen auch immer, der uralte Welpentunnel in ihren Fokus. Dieses vermutlich älteste Requisit unseres Equipments (so genau kann das niemand mehr bestimmen), entgeht schon seit Jahren der Entsorgung, weil er, wie guter Käse, immer besser wird – und Löcher hat. In seinem Fall ist es ein seitliches Loch, das mit jedem Wurf größer
Tunnel für Seiteneinsteigerwird und damit die Attraktivität sprunghaft steigert. Ein Tunnel, das man an einer Seite betreten und an der anderen verlassen kann, hat jeder und ist langweilig. Unseres kann auch seitlich und mittig betreten und verlassen werden. Hinter diesem Loch kann man lauern und ein durchrennendes Geschwister unversehens von der Seite und draußen attackieren. Man kann aber auch, wenn der Ausgang durch pfotenreibende Wegelagerer blockiert ist, den Schlauch durch das Loch und zum Missvergnügen der anderen spontan verlassen, was eine extra rasante Treibjagd auslöst. So langsam eignen sich die Idefixe alle Varianten und Möglichkeiten dieser Angströhre an und sind heute sehr ausgiebig damit beschäftigt. Es ist davon auszugehen, dass uns dieses Requisit irgendwelche Nachfolger der Idefixe in zwei Teile zerrissen haben werden und die zwei Teile nicht die Hälfte der Attraktivität des einen löchrigen mehr haben werden.
Donnerstag, 28.03.2019
Morgens ist es noch bedeckt und hat 3,5 °C, aber langsam macht der Tag die Fenster ein wenig auf und lässt etwas weiß-blauen Frühling ins Haus.
Die Anpassung der Fütterung auf vier Mahlzeiten hat den Idefixen einen kräftigen Schub gegeben. Waren es gestern noch 1390 g Zugewinn, futterten sie sich gestern stramme 1550 g auf die Rippen. Irax beansprucht davon 270 g für sich und nähert sich unaufhaltsam den vier Kilo (3980). Inouk folgt ihm mit Abstand und 240 g (3730). 200 g legt Isi zu und arbeitet sich auf den dritten Platz vor (3670). 150 g haben für Iltschi nicht gereicht, den zweiten Platz zu verteidigen, sondern kegeln ihn auf den vierten Platz (3650). Iberl hält mit +190 g seinen fünften Rang bei 3610 g. Nun tut sich ein großes Loch auf, weil offenbar keiner sich eine 3500 an die Brust heften will; dieser ganze Bereich bleibt unbesetzt. Dafür stoffwechselt sich Ignaz mit satten 240 g auf den sechsten Rang hoch (3430). Ilmo behält seinen vorletzten Platz (3390, +190) und Indra löst Ignaz ganz hinten ab (3330, +80).
Heute passen wir die Trockenfütterung langsam der Realität an, indem wir es nicht mehr pürieren, sondern nur noch lange einweichen und als sehr weiche Stückchen geben. Es wird nicht überraschen, dass die Idefixe das noch nicht einmal zur Kenntnis nehmen.
Mama verstopft das TunnelDas Tunnel ist auch heute noch der Mittelpunkt der idefixen Aktivitäten, mit dem Highlight, dass auch Mama Fianna mitmacht, indem sie sich mit ihrer ganzen Körperfülle in die Röhre schiebt und ihre Kinder vor eine unlösbare Aufgabe stellt: Wie sollen wir an diesem Stopfen vorbeikommen? Schon rein massemäßig ist es praktisch unmöglich, sich an ihr vorbei zu quetschen, außerdem spekuliert sie nur darauf, dass ihr irgendein großspuriger Möchtegernheld ins Arsenal läuft. Wie man beweisen kann, sind noch nicht einmal Inouk oder Irax selbstvergessen genug, diesen Versuch zu wagen. Somit verliert das Tunnel vorerst seinen Reiz. Zumindest solange der mütterliche Pfropfen sich dafür interessiert. Doch das ändert sich erfahrungsgemäß schnell und die Bande wird wieder mit Hurra durch die Röhre preschen.
Wenn wir schon gerade über Helden und solche, die es vielleicht noch werden wollen, sprechen, können wir die Gelegenheit nutzen, die Idefixe einmal kurz ins Rampenlicht zu setzen und einen Blick auf sie zu werfen. Tatsächlich tun wir uns bei ihnen wirklich schwer. Was konnte der Blues-Fabulierer schon alles seiner Feder entlocken, um die Kinder zu charakterisieren, doch bei den Idefixen ist es gar nicht leicht. Sie sind sehr homogen in ihrem Verhalten; keiner spielt sich übermäßig als Leader of the Pack auf und lässt unentwegt die Hosenträger schnalzen und genauso gibt es keinen, der sich das Treiben aus der Ferne anschaut und wartet, bis sein Tag, kurz nach dem Weltuntergang, schon noch kommen wird. Nein, solche hatten wir sowieso nie, aber wir hatten schon die sehr extrovertierten Forschen und die introvertierten Forscher.
IndraLadies first –
Isiund Ende der Charakterschau. Wenn wir die beiden noch vermitteln müssten, würden wir den Interessenten sagen: Mach die Augen zu und greif rein, du bekommst nichts Falsches, sondern jeweils nur eine Kopie der anderen. Isi und Indra sind Spiegelbilder, zwar optisch unterschiedlich, aber charakterlich ein Arsch und ein Kopf. Beide sind alles, nur nicht zurückhaltend, sondern neugierig und forsch. Sie haben die Nase meist ganz vorn, auch dort, wo das Feuer gerade aufflammt oder noch nicht ganz erloschen ist. Kurz: Sie sind mutig und geschickt, haben Herz mit Verstand und gelegentlich ihre Brüder besser im Griff als sich selber. Müssten wir uns entscheiden, würden wir nur die Farbe sprechen lassen.
IraxBei den Rüden sind mehr Unterschiede zu beobachten, allerdings keine charakterlichen Klassenunterschiede. Irax gibt natürlich den Chef, was schon durch die körperliche Überlegenheit bedingt ist: Wer mehr mampft, hat mehr Muckis. Wer mehr Muckis hat, den juckt es öfter und wer es öfter jucken lässt, der bekommt mehr ab, vom Futter und vom Leben. Die Natur ist in ihren Grundstrukturen ziemlich durchschaubar gestrickt. Aber Irax lässt nie den Silberrücken raushängen, den einige seiner Vorgänger mit Hingabe pflegten. Er ist investigativ und selbstbewusst und zieht mit großem Selbstvertrauen durchs Leben. Und er ist absolut kein Raufer, testet aber immer wieder die Stabilität seiner Positionen durch und klopft seine Geschwister auf Loyalität ab. Die kommen aber alle mit ihm gut klar und betrachten den Brummer als ihresgleichen.
InoukInouk ist der Thor Heyerdahl der Idefixe, ein von seinen Fähigkeiten überzeugter und von der Unverzichtbarkeit seiner Bemühungen völlig überzeugter Entdecker. Er ist mit der Nase fast immer als Erster vorn dran, manchmal schlägt ihm in dieser Hinsicht Indra ein Schnippchen, aber generell übergibt er Neuerungen und Unbekanntes vorgekostet und fertig zum Gebrauch seinen Geschwistern. Das bringt ihn mitunter in missliche Situationen (Gewächshaus!), aber nicht aus der Fassung; was heute schiefgeht, biegt sich morgen wieder hin. Halb leere Gläser scheint es für Inouk nicht zu geben, und wenn doch, dann muss man eben nachschenken. Wird schon, passt schon, kommt gerade recht. Er ist einfach überall und manchmal sein Hinterteil vor dem Hirn am Ort des Geschehens.
IberlIberl gehört zu jenen Mainstreamern, die nie besonders auffallen, schon gar nicht aus der Rolle fallen, aber immer dabei sind. Iberl würde sich nie aus Entdeckerleidenschaft im Gewächshaus verkeilen, aber wenn ihn sein Weg zufällig dort hinein führen würde, würde er es auch unter die Lupe nehmen, nicht im Sturm und binnen zwei Minuten, sondern gründlich und Schritt für Schritt, einen Topf nach dem anderen examinieren, und wahrscheinlich würde er wie die antike Ariadne einen Faden hinter sich herziehen, um anschließend wieder den Weg heraus zu finden. Optisch kommt er derzeit am meisten nach dem Papa. Vielleich auch ein Grund, warum er immer so einen zufriedenen Eindruck macht.
IlmoIlmo ist der "Huberbub" der Idefixe. Als "Huberbuam" sind Alexander und Thomas Huber, Extrembergsteiger aus dem Berchtesgadener Land, bekannt. Und Ilmo ist ein Huberbub, weil er vermutlich der geschickteste Kletterer und Gleichgewichtsexperte der Idefixe ist. Jedes Gerät im Erlebnispark wird nahezu unverzüglich von Ilmo einer Prüfung unterzogen, bestiegen und als kalter Kaffee wieder zu den Akten gelegt. Ilmo ist in der Tat sehr geschmeidig und sicher auf seinen kurzen Beinchen. Aber auch mit seinen Zähnen ist er gut im Geschäft; wenn er einem in die Fersen geht, versäumt er nicht, einen charmanten Blick nach oben zu werfen, um sich ein Lob und unsere Bewunderung abzuholen. Allerdings ist Ilmo auch jener, der die meisten Rügen seiner Mama einstecken musste, die er offensichtlich bestens weggesteckt hat. Er ist wirklich ein sehr charmanter Herzensbrecher, der auf der Must-have-Liste einiger unserer Freunde ganz oben steht.
IltschiIltschi ist kräftig und zeigt es auch. Iltschi ist lustig und hat selbst Spaß an sich. Iltschi lässt nichts aus und beglückt jeden sozialen Brennpunkt mit seiner Anwesenheit. Und wenn man sich umdreht und angestrahlt wird, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit das Lächeln von Iltschi. Aber vor allem hat Iltschi ein Talent für den Magischen Zirkel, weil er immer und überall sehr geschickt mit seinen Vorderpfoten agiert. Er nimmt sich alles vor, stupst und kugelt es herum, zupft an Tüchern, klaut sich Handtücher (nicht mit den Zähnen), fummelt sich in herumstehende Taschen, umfasst Hände und lässt sie nicht mehr los, kurz: Iltschi hat alles im Griff. Vielleicht war er in seinem vorherigen Leben ein Waschbär. Um in der Diktion zu bleiben: Iltschi ist ein richtig griffiger Typ.
IgnazFehlt noch Ignaz, der Kleine. Klein aber nur an Gestalt, nicht im Geiste. Ignaz ist einfach immer nur gut gelaunt, treibt mit allen seine Späße, spielt mit sich und der Welt, gibt Gas und überholt sich dabei selber, kugelt herum und dreht Pirouetten den lieben langen Tag; im Varieté wären er und Iltschi eine Sensation. Die Reorganisation der Welpenkiste gehört auch zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, denn Ignaz schläft fast ausschließlich in einem von ihm neu dekorierten Ambiente. Augen hat er wie Bonbons, die kein Wässerchen trüben, dabei ist er der griffigste Wadenbeißer und Hosenreißer. Wie ein Schraubstock kann er zumachen – und dabei, ja, eben: kein Wässerchen trüben. So zierlich er ist, so pfiffig und durchsetzungsfähig ist er. Unter die Räder ist er unseres Wissens noch nie gekommen.
Und alle zusammen haben diesen himmelnden Herzschmerzblick, der ein einziger Schrei zu sein scheint: Ich bin ein Welpe, nimm mich auf den Schoß!
Freitag, 29.03.2019
Ein unsagbar schöner Frühlingsmorgen liegt über dem Mangfalltal: oben Sonne und unten Nebel bei -0,5 °C. Da legt er sich wieder ins Zeug, der Hundertjährige und weit aus dem Fenster: Wie St. Berthold gesonnen, so der Frühling wird kommen.
Der Chefin und dem Assi kommen beim Anblick der morgendlichen Küche ganz andere Assoziationen: Es riecht aus den Aborten, 's wird Frühling allerorten. Die Küche sieht einfach nur beklagenswert aus. Aber nicht nur die Küche, auch die Schnullerkiste wurde heute Nacht aufs Erbärmlichste entwürdigt. Deshalb wird sie heute noch abgebaut, bevor sie aussieht und stinkt wie ein Pissoir auf dem Oktoberfest.
An den Futterschüsseln haben die Idefixe gestern eine schöpferische Pause eingelegt: 980 g. Inouk überquerte erwartungsgemäß die Vier-Kilo-Marke: 4150 (+170). An ihm lag es also nicht, dass die Ausbeute etwas bescheiden war. Schauen wir mal weiter. An Isi offenbar auch nicht, sie schiebt sich mit 150 g plus wieder auf den zweiten Platz (3820). Iberl hat sich mit respektablen 170 g den dritten Platz ergattert (3780). Inouk ist von zwei auf vier gerutscht: kaum messbare 10 g mehr bringen ihn auf 3740 g. Iltschi verliert auch einen Platz und ruht sich auf Platz fünf aus: 3710 (+60). Ilmo wollte nicht auf dem vorletzten Platz versauern und gab sich 170 g, die ihn mit 3710 g einen Platz vorrücken lassen. Den tauscht er mit Ignaz, dem 80 g nicht reichen, um sich weiter nach vorne zu schieben (3510). Schlusslicht bleibt Indra ganz knapp mit 3500 g und 170 g plus.
Die TafelrundeInouk hängt dann herum, ist sichtlich etwas krank und verweigert die Zwischenmahlzeit. Auch andere haben jetzt weichen Stuhl, was vermutlich daran liegt, dass sie sich durch den ganzen Garten fressen und alles anknabbern, was ihnen zwischen die Zähne kommt. Das härtet ab, ist aber im Augenblick nicht besonders
Inouk am Katzentischerfreulich. Natürlich bleibt auch abzuwarten, ob Inouks Unwohlsein vielleicht der erste Auftritt eines Virus' ist, der sich breitzumachen versucht. Nachmittags kommt er allerdings wieder auf die Beine und hat seine Unpässlichkeit offenbar einfach weggeschlafen. Bei der Nachmittagsmahlzeit bekommt er eine eigene Schüssel abseits seiner Geschwister, damit er neben diesen nicht ohne Sinn und Verstand in sich schlingt, was er kriegen kann. Aber auch so haut er das Hühnchen ratzfatz und mit ausgeprägtem Appetit weg und findet, dass es durchaus etwas mehr hätte sein können. Er ist also wieder bei Gesundheit, wenn auch nicht ganz bei Sinnen.
Mama schaut, ob Irax noch o.k. istIm Laufe des späten nachmittags und des Abends hat immer mal ein anderer der Idefixe etwas Durchfall, genau können wir das nicht zuordnen, weil wir natürlich nicht immer daneben stehen.
Später hängt mal einer oder eine etwas durch und abends macht Indra ein wenig schlapp und dünn, aber so richtig erwischt es keinen. Die Kontrolldichte und der Überwachungsapparat ist an diesem Abend nahezu ohne Lücken, weil Anna-Maria und ihre Eltern heute bei uns einen dreigängigen Steirischen Abend ausrichten, zu dem auch Hakuna mit ihren Leuten aus der Schweiz angereist ist. So viele wachsame Augen hat man selten, und demnach entgeht kaum das kleinste Wehwehchen der Beobachtung, vor allem von Anna-Maria, welche die Idefixe mit Argusaugen verfolgt und dabei beinahe ihr Backhendl vernachlässigt. Wie kann man sich auch mit steirischen Spezialitäten vollstopfen, wenn Indra Bauchgrimmen hat?
Wir beschließen, trotz der noch nicht bedrohlichen Ausmaße der Unpässlichkeit und des dünnen Stuhlgangs, die auch bei uns schon bestens bewährte Moro'sche Karottensuppe zu kochen. Dabei müssen die Karotten mindestens 90 Minuten gekocht werden. Durch diese überlange Kochzeit entstehen Oligosaccharide, die die Darmwand von innen auskleiden und zu einem beträchtlichen Teil verhindern, dass sich dort Erreger festsetzen können, weil viele Erreger solche Zuckerverbindungen meiden. Wir geben den Idefixen, jedem einen großen Löffel dieser pürierten Suppe, den sie gern annehmen. Wir haben für alle Fälle meist ein paar eingekochte Gläser dieser Suppe zuhause und können sie nur empfehlen.
Nun haben wir also einen steirisch prallen Magen und die Idefixe einen etwas angeschlagenen Darm. Beides wird sich regeln und legen.
Samstag, 30.03.2019
Trotz der hohen Erwartungen an die Karottensuppe, betreten wir die Küche morgens mit gemischten Gefühlen, und dann: nichts. Kein fester Haufen, keine braune, stinkende Brühe. Nichts außer einiger Urinlachen. Dazu putzmuntere Welpen, die uns das Putzen fast erspart haben. So viel Glück am Morgen darf man nur selten feiern.
Dazu kommen um 5:30 Uhr -2 °C und keine Wolke am Himmel. Und das ändert sich den ganzen Tag nicht, außer der Temperatur natürlich, die sich bis auf 17 °C hochschwingt. So ein zauberhafter Frühlingstag, der passende Partner zu unserer zauberhaften Karottensuppe. Und was jubelt der Hundertjährige? Wie der 30. März, so der Sommer. Wenig poetisch und wenig glaubhaft. Wer so viel lügt, dem glaubt man auch nicht, wenn man nichts lieber täte als genau das. Aber insgeheim tragen wir diesen 30. März im Herzen und hoffen auf die Macht der unverbrüchlichen bäuerlichen Wahrheitsliebe.
Egal, ob der Sommer wird, wie der 30. März es verspricht: Heute ist ein Bilderbuchtag und die Welpen sind den lieben, langen Tag draußen.
Die unverzichtbare Anna-Maria, die auch heute wieder jedem Idefix-Po nachspioniert, ob sein Output ihren Vorstellungen entspricht und jede Unregelmäßigkeit unverzüglich der Zuchtleitung meldet, hat heute Verstärkung in Person von Soo-Mi aus Niederbayern bekommen. Soo-Mi ist acht Jahre alt und das Patenkind der Chefin. Sie hat eine Mama aus Westfalen und einen Papa aus Korea, und weil die beiden sich nicht einig
Anna-Maria im Einsatzwurden,
Soo-Mi bei der Arbeitwo sie lieber leben wollten, haben sie sich für die goldene Mitte entschieden: Niederbayern, nur ein paar Kilometer oberhalb von Deggendorf, in einem Dorf, das wie ein Fliegenschiss auf der bayerischen Landkarte pappt. Soo-Mi ist mit ihrer Mama alleine vom Berg herunter und zu uns gekommen, weil der Papa zuhause die 14-jährige Benta und den 11-jährigen Dacapo, zwei Hovis aus unserem Hause, hüten muss, um vor allem Benta die Fahrerei und den Welpenstress zu ersparen. Nun haben sich also Soo-Mi und Anna-Maria bei den Idefixen gefunden und angefreundet und fühlen sich gemeinsam für diese verantwortlich. In dieser Hinsicht sind sie die legitimen Nachfolgerinnen von "Teichgräfin" Verena und "Endmoränchen" Sophie, die viele Würfe von deren Hinterlassenschaften befreiten und sich unvergessliche Verdienste um unsere Welpen erworben haben. Bei manchen alten Weggefährten sind die Teichgräfin und das Endmoränchen mindestens so geläufig wie die Namen der oft schon verblichenen Welpen. Nun sind die beiden in die Welt gezogen, die eine ist in Essen unabkömmlich, die andere wird in Kanada gebraucht, und stehen uns nicht mehr zur Verfügung. Da kann man traurig sein oder sich freuen und glücklich schätzen, dass man so kompetenten Nachwuchs findet, der die Mühsal der Deexkrementierung klaglos auf sich nimmt und immer mindestens vier Arme für die Idefixe frei hat. Man macht sich ja doch immer wieder Gedanken, wie lange man sich die Züchterei antun möchte; schließlich wird man ja nicht jünger mit dem Alter. Doch mit der Aussicht auf solche Unterstützung kann man sich leichter auf den einen oder anderen weiteren Wurf einigen.
Weniger begeistert als Anna-Maria und Soo-Mi ist Heddas Schwester Hakuna, die aus der Schweiz kam, um ihre direkten Nachfolger(innen) in Augenschein zu nehmen. Ihr geht es, wie es Hedda und auch Halina ergangen ist: Sie könnte auf die schnatternde und lästige Brut gut verzichten, trägt Schaum vor dem Mund und zieht sich, so oft es geht, ins Haus zurück. Unser Hinweis, dass vor zwei Jahren auch sie so eine lästige, grölende, beißende und scheißende Verzichtbarkeit war, lässt sie kalt und nicht gelten. Selbst die immer souveräner werdende und milder gestimmte Hedda kann durch ihr Vorbild an dieser Abneigung nichts ändern: Hakuna wirft sich, wie gewohnt, uns ans Herz und auf die Füße, solange diese weit genug von ihren Halbgeschwistern Abstand haben.
Noch nicht mal einer Premiere und ganz besonderen Attraktion kann sie etwas Gutes abgewinnen: Das Pansen-Round-Up des Blues. Ab der sechsten Woche gibt es bei uns traditionell Pansen am Stück, ungewaschen, aber ausgeschüttelt. Für den, der es mag ein Leckerbissen, für alle anderen kulinarischer Bolschewismus. Heute ist es soweit. Wir verteilen handtellergroße Pansenfetzen in die Meute. Erster Eindruck, der uns aus Erfahrung nicht überrascht: Für die Idefixe scheint es sich um einen Leckerbissen zu handeln. Jedenfalls sind sie ganz wild auf die Brocken. Zweiter und ebenfalls nicht überraschender Eindruck: Die wissen vom ersten Augenblick an, wie sie mit diesen gummigen Teilen umgehen müssen. Sie halten die Dinger mit den Vorderbeinen fest und zerren daran, bis sie etwas abgerissen bekommen oder hinten überkippen. Außerdem wissen sie instinktiv, dass man
Irax und Ilmosich den Gummi zwischen die Backenzähnen klemmen muss, um ihn zerkleinern zu können. Interessant ist die Strategie, mit der sie ihre Beute sichern bzw. ergattern. Die Strategien sind erfahrungsgemäß unterschiedlich. Die meisten, und das ist Standard, versuchen, sich ihr Stück
Ignaz auf der Flucht vor den Geschwistern zu sichern, was meist schiefgeht und zur Folge hat, dass fast alle damit beschäftigt sind, im Kreis herum zu klauen; klaust du meins, klau ich dir deins. Dass es dabei laut werden kann, lässt sich denken. Doch es sind immer ein paar im Rudel, die ihre eigenen Strategien verfolgen. Ignaz verschwindet ungesehen, als ob er eine Tarnkappe tragen würde, hinter dem Tunnel, klemmt sich zwischen dieses und den Gartenzaun und zerwirkt völlig ungestört sein Pansenstück. Inouk ist der nächste, der sich in den hintersten Gartenteil
Inouk bearbeitet den Pansen |
Inouk sieht ein stilles Fleckchen |
Inouk im Pansen-Separée |
verdrückt, dort, wo das Welpengitter in einem Spitz an die Gerätehütte anschließt. Dort liegt er dann, den Kopf mit dem Pansen im Spitz und das Hinterteil in Richtung Garten. An diesem Hinterteil müsste man vorbei, wenn man an den Pansen wollte, aber das schafft keiner. Inouk macht dann sehr unmissverständlich deutlich, dass er nicht im Traum daran denkt, auch nur ein Jota von seinem Pansen abzugeben. Das versteht jeder und jede. Es sind längst alle fertig mit dem Pansen und der Welt, da wirkt Inouk noch immer in seinem Hideaway an seinem Pansen herum. Auch Indra findet eine ruhige Stelle und bleibt lange unentdeckt. Der Rest der Meute verbraucht, wie bereits erwähnt, bei der Abwehr der Begehrlichkeiten und dem Kampf um die Neu- und Rückgewinnung der Beute weit mehr Energie als sie aus dem bisschen Pansen gewinnen können, das sie verzehren, denn natürlich bekommen sie mit ihren Zähnchen nicht viel davon ab. Was dann verzweifelt oder erschöpft zurückgelassen wird, wandert in die Mägen von Mutter und den Halbschwestern, die jede Bewegung der acht mit scharfem Blick verfolgten, ihnen ist nichts entgangen, kein Ignaz, kein Inouk und auch keine Indra. Sie hätten jederzeit die genaue Position der drei und auch der sonst irgendwo entsorgten Pansenstücke berichten können. Und was wir ihnen nicht offiziell geben, finden sie; unter einer kleinen Palette, unterm Buchs, hinter dem abgedeckten Grill. Es ist ein Charakterstück, das unter Beteiligung des Pansen zur Aufführung kommt, und darauf freuen wir uns immer ganz besonders.
Zum Schluss erfüllen wir noch flugs die Gewichtspflicht, die viel aussagt über die Differenz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit. Gestern hatten die Idefixe nur sparsame 980 g zugenommen, aber heute legen sie, trotz der vermeintlichen und offensichtlichen Darmkrise kräftig zu: 2200 g. So kann man sich täuschen.
Irax 4500 (+350), Isi 4160 (+340), Iberl 4090 (+310), Iltschi 4010 (+300), Ilmo 3880 (+320), Inouk 3850 (+110), Ignaz 3800 (+290), Indra 3700 (+200). Krank sieht diese Gewichtszunahme nicht aus, höchstens bei Inouk könnte man, gemessen an den Ergebnissen der anderen, eine Schwächephase konstatieren. Wenn uns da nicht mehr bevorsteht, erklären wir die Idefixe zu Immunifixen.
Sonntag, 31.03.2019
Mama Fianna und ihr IlmoHeute Morgen fehlt uns eine Stunde: Es ist Sommerzeit. Und der Sommerzeit angemessen, gibt die Sonne alles. Dieser letzte Märzentag ist nichts als schönster Frühling. Wem in der Folge des makellosen 30. März die Aussicht auf einen grandiosen Sommer noch nicht ausreichen, dem können wir eine ausführliche Verlängerung anbieten: Wie der 31. März, so der Herbst. Wenn es so käme, könnte man jetzt schon das Lamento der dürregeplagten Bauern hören. Wurscht: Das preisen wir einfach ein.
Wenn Soo-Mi bei uns übernachten darf, muss Anna-Maria die Dachstube mit ihr teilen, keine Frage. Und so übernehmen die beiden, den Umständen entsprechend, etwas übernächtigten Nachwuchszüchterinnen den Morgendienst zusammen mit der Chefin. Und der Assi leistet es sich, die verlorene Stunde mit geschlossenen Augen auszugleichen, was auch dadurch möglich wird, dass die Idefixe die Küche heute in einem sehr gutbürgerlichen Zustand übergeben.
Ob die gemessenen Gewichte nun eine Anpassung an die Kalorienhausse von gestern darstellen oder eine verzögerte Reaktion auf die Unpässlichkeit sind, können wir nicht sagen, aber nach den gestrigen 2200 g bringen sie heute nur 1070 zusätzliche Gramm auf die Waage, wobei auffällt, dass ausgerechnet die Schwergewichte einbrechen, Isi sogar auf den vierten Platz durchgereicht wird. Aber der Reihe nach.
Irax 4570 (+70), Iltschi 4190 (+180), Iberl 4190 (+100), Isi 4180 (+20), Inouk 4090 (+240, offenbar wieder topfit), Ignaz 4040 (+240!), Ilmo 4000 (+120), Indra 3800 (+100).
Isi mit ihrem PansenAuch
Indra im Buchsversteckheute gibt es wieder Pansen am Stück. Und es ergibt sich innert weniger Augenblicke die gleiche Szenerie wie gestern: Inouk sucht seine bewährte Ecke auf und Indra schlüpft unter die Buchshecke. Isi schafft es auch für wenige Minuten, hinter dem Tunnel außer Sicht zu gelangen, was allerdings nicht lange unbemerkt bleibt, und so beschäftigen sich wieder zwei ungestört mit ihrem Pansen und die anderen mit ihren Geschwistern. Allerdings machen sie heute deutlich schneller schlapp, was nicht daran liegt, dass sie des Pansens überdrüssig sind, sondern Temperaturen nahe an die 20 °C den Zwergen unter freiem Himmel ganz schön zu schaffen machen.
Zu schaffen machen sich auch die Idefixe, und zwar an Soo-Mis nagelneuen Sneakers, was die aber nicht in Verzweiflung stürzt, sondern dazu veranlasst, die gemeuchelten Schuhe stolz ihrer Mama zu präsentieren: Schau, die Welpen haben die neuen Schuhe kaputt gemacht. Sollte sich dereinst ihr Auserwählter solchen Vandalismus' schuldig machen, dürfte die Reaktion weniger liebevoll ausfallen.
Fianna hat immer ein Geschenk für ihre KinderAbe
Hedda, total entspannt mit ihrer Indrar mit dem Heranwachsen der Idefixe wird sowieso alles anders. Das zeigt sich besonders an Hedda, die inzwischen eine große Gelassenheit gegenüber den Kleinen an den Tag legt. Nur wenn sie ihr zu sehr an die Wäsche gehen, brummt sie, aber sie vergreift sich nicht, sondern läuft weg. So soll es sein und so darf es sein. Sie bewegt sich nun sehr entspannt in dem wilden Haufen und wenn es ihr zu viel wird, stellt sie sich vor die Gewächshaustür und bittet, ins Haus gelassen zu werden. So haben sich alle bestens arrangiert.
IberlUnd
Ignazschließlich endet dieses brillante Wochenende mit der Bekanntgabe der Welpenzuordnung, die nun auch die letzten Zweifel beseitigt und alle übers Frühlingswetter hinaus glücklich macht. Nur wir haben mindestens eine Träne im Knopfloch, weil kein Welpe in der näheren Umgebung bleibt. In allen Würfen blieben wenigstens eine kleine Zahl der Kinder auf Rufweite, in
Inoukden
Iraxletzten beiden schien es, als trauten sich die Kleinen gar nicht weg von Mama und ihrem Augiasstall. Doch die Idefixe ziehen in die Welt. Drei gehen nach Österreich, zwei bleiben in Bayern, zwei gehen nach Baden-Württemberg und einen zieht es nach NRW. Ignaz geht ins schwäbische Aalen, Irax nach Düren, Iberl atmet in Seefeld Tiroler Luft, Isi bewacht zukünftig das "Tor zum Salzkammergut" in Thalgau und Indra zieht es ins Oberallgäu, nach Sonthofen. Ilmo trägt den
Isi Ruf des Bairischen Blues bis ins niederösterreichische
IndraSt. Pölten und, last but not least, wird Iltschi ins Unterallgäu, nach Bad Grönenbach ziehen. Da wir vier der neuen Besitzer als verdiente und bestens beleumundete Besitzer von Blues-Hunden kennen und schätzen lernten, sind wir voller Zuversicht, dass es alle acht sehr gut getroffen haben und wir gut schlafen können, wenn wir an unsere Idefixe in der Fremde denken.
Montag, 01.04.2019
Den 1. April mußt überstehn, dann kann dir manch Gut`s geschehn. Auf den ersten Blick ist der Chronist überzeugt, dass er einen Frühlingsjodler der Wildecker Herzbuben vor sich liegen hat, nicht zuletzt, weil neben der kunstvollen Poetik auch die inhaltliche Wucht des Reims das Genre zu neuen, unergründeten Ufern zu führen scheint, gleichsam die Renaissance als Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit volksliederlich nachbildet. Doch Nachfragen bei den Herausgebern des Hundertjährigen-Nachlasses ergaben, dass der Alte wohl infolge einer diskontinuierlichen Einnahme von Ritalin und Betablockern an geistigen Übersprungshandlungen litt. Man dürfe, so wurde ihm mitgeteilt, nicht jedes Wort auf die Viehwaage legen, schließlich sei er ja weder der Mühlhiasl noch Nostradamus gewesen, sondern nur ein bescheidener Agrometeorologe. Auf gut bayerisch übersetzt, könnte man diese Ausführungen auch so interpretieren, dass er gelegentlich eben ein b'suffas Waagscheitl war. Für nicht Bayern sei erklärt, dass das Waagscheit der Teil des Zuggeschirrs in einem Gespann ist, das die Zugkraft der eingespannten Tiere ausgleicht, also quasi in der Waage hält. Wenn das Waagscheit aus der Balance gerät, sich also verhält wie ein Betrunkener, ist das ein b'suffas Waagscheitl und gar nicht gut fürs Gespann. Der Hundertjährige war bei der Verfassung dieses Reims offenbar etwas aus der Verfassung und der gebotenen Balance.
Schön langsam scheint auch das Frühlingswetter ein wenig aus der Balance zu kommen, es wird betrüblicher, wolkiger und auch windiger. Nachmittags bleibt das Thermometer bei 14 °C stehen, was den Idefixe bei ihren Aktivitäten entgegenkommt.
Pansen-Isi Heute
Ignaz und Ilmo bekommen die Idefixe den Rest des Pansens, bei dessen Verarbeitung sie heute keine Verhaltensauffälligkeiten zeigen, möglicherweise, weil Inouk und Indra mittlerweile durchschaut sind und nicht mehr aus den Augen gelassen werden. Isi ist, wie es scheint, am intensivsten mit der Verarbeitung ihres Stücks beschäftigt, jedenfalls nagt, kaut und zerrt sie unermüdlich und sehr beharrlich.
Um den Zwergen einen gewissen Ausgleich für die durchs Zerren an dem Gummiteil stark strapazierte Nackenmuskulatur anzubieten, räumen wir ihnen heute das Schwebebrett in den Garten. Das Schwebebrett ist ein in einem Rahmen an vier Seilen aufgehängtes Brett, das sich demnach frei dreidimensional bewegen kann, und das auch tut. Es erfordert also schon ein entwickeltes Balancegefühl, jedenfalls mehr als das eines b'suffenen Waagscheitls, weil man sonst sehr schnell kopfüber von Bord geht. Langsam sind die Idefixe in einem Alter, wo sie mit einer solchen Herausforderung umgehen können. Die eifrigsten Erstbesteiger und Tester sind erwartungsgemäß Ignaz und natürlich Ilmo, der Äquilibrist der Idefixe. Doch lange wird es nicht mehr dauern, bis sie sich dieses Schleuderbrett untertan machen werden.
![]() |
Ilmo auf dem Schwebebrett |
![]() |
Die Zwerge sind bezüglich ihres Stuhls noch immer nicht stabil, was aber weder ihnen Beschwerden, noch uns Kummer macht. Sie sind aktiv und lebenslustig, und die Gewichtstabelle liefert auch keine Anhaltspunkte für Sorgen. Im Gegenteil: Mit 1330 g belegt sie, dass die Idefixe kräftig auf dem Vormarsch sind. Sehen wir uns die Gewichtsentwicklung einmal aus dem Blickwinkel des Gewichtsgewinns seit gestern an. Ignaz +260 (4300), Ilmo +230 (4230), Inouk +200 (4290), Iberl +160 (4350), Indra +150 (3950), Irax +120 (4690), Isi +110 (4290) und Iltschi +100 (4290).
InoukWie munter sie sind und wie aktiv sie sich in unser Leben einklinken, bekommen wir immer wieder zu spüren, wenn wir uns zwischen ihnen bewegen wollen. Die Idefixe sind schnell geworden, allerdings auch sprunghaft und unkontrolliert in ihren Bewegungen, was es unmöglich macht, sich zwischen ihnen einigermaßen nach den üblichen Regeln zu bewegen. Sie sind praktisch überall, vor uns, hinter uns, zwischen unseren Beinen, von links nach rechts und umgekehrt querend. Die Folge ist, dass wir nur sehr schleppend, manchmal im Wortsinne einen Welpen am Bein schleppend, vorankommen, was den anderen die Möglichkeit gibt, uns zu überholen und vor uns
aufzubauen, uns anzuhimmeln und um einen Armlift anzuflehen. Aber nicht nur das Gehen ist beschwerlich, auch das Stehen wird zur Akrobatik, beispielsweise, wenn man versucht mehrere Kilo gekochter Hähnchenschenkel an der Arbeitsfläche zu Hundefutter zu verarbeiten, wie wir das heute Abend wieder auf dem Programm haben. Dann steht man nicht einfach ergonomisch geübt an seinem Arbeitsplatz, sondern mit dem Abstand von mindestens zwei Welpen vom Arbeitsplatz entfernt, die dort den Schlaf der Gerechten schlafen. Und sollte man von seinem Arbeitsplatz wegtreten wollen, ist die Wahrscheinlichkeit, hinter sich einen Idefix zu Brei zu treten, groß. So ungefähr könnte man sich ein Denkmal für den eingehegten Arbeiter vorstellen. Der Ordnung halber muss allerdings angefügt werden, dass sich die Mutter und Halbschwester große Verdienste um die Entwicklung dieser Position erworben haben, indem sie es den Kleinen vorexerzierten, wo man zu liegen hat, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Und gelehrig sind sie ja.
Wenn man dann die Mühsal des Züchtertags hinter sich gebracht zu haben glaubt, meldet sich Isi zu Wort. Isi schreit. Isi krakeelt. Isi plärrt. Isi will die Nacht nicht in der Küche verbringen. Isi will im Garten schlafen. Unsere Anouk hat uns eine Reihe sehr jähzorniger Kinder geschenkt, die unsere akustische Resilienz maximal auf den Prüfstand stellten, so gewaltig, dass manch einem die Adern vor Zorn und Lautstärke zu platzen drohten. Doch
Isidas hatten wir bisher mit Franzis und Fiannas Kindern hinter uns gelassen. Und nun: Isi. Aus heiterem Himmel, ohne jede Vorwarnung. Isi sitzt zwischen Küche und Transitsperre und plärrt mit erhobenem Haupt. Und plärrt. Der Assi ist überzeugt, dass das Kind von einem Darmwind oder anderen internistischen Gebrechen geplagt wird. Die Chefin meint: Sie hat eine Macke, sie zickt. Die Chefin muss ja wissen, wovon der Assi keine Ahnung hat. Denn nimmt er die vor Leid zickende Isi in seine Obhut und an seinen Platz am Tisch, um mit ihr gemeinsam Zeitung zu lesen. Und schau: Isi interessiert sich fürs Feuilleton, tritt es sogar mit Füßen. Beim Sport wird sie unruhig und angesichts des Ministerpräsidenten beginnt sie zu jammern und will wieder weg. Der Assi setzt sie verständnisvoll zurück in die Küche – und Isi schreit. Wir gehen ihr aus dem Weg und warten. Nach zwanzig Minuten, als die gesamte Truppe im Tiefschlaf liegt, gibt sie erschöpft auf und legt sich ebenfalls aufs Ohr. Es bleibt sie Frage: Is sie doof? Wir verschieben die Beantwortung auf die nahe Zukunft.
Dienstag, 02.04.2019
Bringt Rosamund Sturm und Wind, so ist Sybille (29. April) uns gelind. So etwas kommt uns bekannt vor. Stürmisch ist es nicht, aber ein strammer Ostwind fegt durchs Tal, der die 18 °C nachmittags deutlich frostiger erscheinen lassen. Da wir über den 29. April an dieser Stelle keine Auskunft mehr geben werden, möge sich jeder selber um die Relevanz dieser Ankündigung kümmern.
Mehr Freude und Zuversicht hätte uns eine Aussage beschert, die etwa so hätte lauten können: Kommt Rosamund mit Scheiß daher, bleibt der Sommer bis Silvester. Das holpert ebenso gefällig wie die hundertjährige Lyrik und wäre für heute ein echter Mutmacher, denn die Bluesküche sieht ziemlich verheerend und verheert aus. Schwer zu sagen, welches die Auslöser dieser Schweinerei sind. Sicher ist es alles Mögliche, das die Idefixe im Garten auftreiben und verkosten, was kein Schaden ist, weil es ihre Immunkraft stärkt und dem Magen-Darm-Trakt positive Impulse für die Zukunft gibt. Wir packen unsere Welpen nicht in Watte, weil sie unser Haus lebenstüchtig verlassen sollen, auch wenn sie uns auf dem Weg dahin Bescherungen liefern, auf die wir natürlich auch verzichten könnten. Andererseits könnte es sein, dass sie das Welpenfutter von Platinum, das wir ihnen gestern erstmals einfach als Bröckchen gegeben haben, noch nicht so gut vertragen und verarbeiten können. Diese Vermutung drängt sich ein bisschen auf, weil wir in zwei Hinterlassenschaften solche Restbröckchen entdecken. Aber selbstverständlich kann das alles auch Folge einer anderen Unverträglichkeit sein. Wir setzen mit dem brockigen Trockenfutter heute jedenfalls aus und geben Karottensuppe und später Ulmenrinde ins übliche Futter. Das kommt schon wieder ins Lot, kränkeln tut ja keiner. Höchstens der Assi beim Anblick der Bescherung am frühen Morgen. O Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen...
Alles wieder gut, Ignaz?Ignaz hat abgenommen. Ausgerechnet der zarte Ignaz (der eigentlich gar nicht mehr so zart ist). Offensichtlich hat er doch ein wenig an irgendetwas gelitten, was er jedoch mannhaft und überzeugend verbarg. 50 g hat er gestern liegen gelassen, wodurch sich seine Anstrengungen der vergangenen Tage in Luft auflösten: Er ist wieder Klassenletzter. Aber auch Irax musste sich mit 70 g plus bescheiden, was er vermutlich auch nicht ganz freiwillig tat. Um Ignaz den gebührenden Respekt zu erweisen, zäumen wir die Tabelle heute mal von hinten auf. Ignaz -50 g (4250), Indra +340 (4290), Ilmo +120 (4350), Iltschi +180 (4470), Isi +240 (4530), Inouk +240 (4530), Iberl +180 (4530), Irax +70 (4760). Das sind 1320 Gramm für alle.
Ignaz stärkt sich an Mamas FrühstückAls ob die Idefixe uns mitteilen wollten, dass wir ihre Rationen gefälligst etwas zu erhöhen hätten (was ihre Gewichte nicht rechtfertigen), versuchen sie schon morgens um neun Uhr, ihrer Mama etwas zu entlocken und sind dabei auch erfolgreich. Nein, sie machen sich nicht an ihren Zitzen zu schaffen, sondern bringen sie dazu, dass sie ihnen ihr Frühstück vorwürgt. Dazu stürzt sich die ganze Bande ziemlich massiv auf sie und trillert sie an den Lefzen, worauf Fianna ihr Frühstück erbricht. Blöd nur, dass sie zwar einem Instinkt folgen, aber offensichtlich nicht wissen, was sie damit bewirken, denn nun wollen plötzlich alle an die Zitzen, was Fianna auch einigermaßen widerwillig zulässt, während nur Ignaz sich über das Erbrochene hermacht und es fast völlig wegschlabbert, bis Isi sich zu ihm gesellt und mit ihm den Rest teilt. In der Natur ist dieses vorverdaute Futter ein wichtiger Teil der Welpenernährung, in der Zucht machen das die meisten Hündinnen nicht mehr. Bei uns hat nur Anouk bisher dem Drängen der Welpen nachgegeben und vorgewürgt. Gut, dass die Natur sich weiter ihre Rechte sichert und durchsetzen kann. Erst als die anderen einsehen mussten, dass an der Bar schon längst Sperrstunde ist und Fianna ihnen das auch sehr deutlich klarmacht, werden sie auf die kläglichen Reste von Fiannas Frühstück aufmerksam, die Isi und Ignaz übergelassen haben, und stürzen sich darauf wie Fliegen auf den Kuhfladen. Aber da ist nichts mehr zu holen.
Die TellerschaukelAls neue Attraktion kommen heute die Tellerschaukel und der Lamellenvorhang in den Garten. Die Tellerschaukel ist, wie der Name schon andeutet, eine große Stoffschaukel in Tellerform, die an drei Riemen etwa 20 Zentimeter über dem Boden schwebt. Der Lamellenvorhang besteht aus gelben Kunststoffstreifen, die vom Gartenhaus herabhängen, durch die man toben und an denen man kräftig ziehen kann. Heute wird beides noch etwas argwöhnisch begutachtet, aber spätestens morgen treibt die Neugier die Idefix voran, um auszuprobieren, was man diesen Teilen anstellen kann.
Noch werden die bekannten Gerätschaften sattsam und mit viel Körpereinsatz genutzt, was die Energie der Idefixe schnell aufbraucht. Wenn dann die Zeit gekommen ist, ein Auge zuzumachen, stürze sie alle, als ob der Kapo die Glocke schlägt, innert zwei Minuten in die Betten und ratzen weg. Ende der Vorstellung. Wir können uns wieder etwas zurückziehen und anderem widmen.
Abends registrieren wir dann mit großer Erleichterung, dass Isi wieder ein gutes Mädchen ist und nicht mehr plärrt. Sie interessiert sich nicht mehr fürs Feuilleton und auch der bayerische Ministerpräsident treibt ihr nicht mehr den Zorn in den Kopf, sondern sie fügt sich dem Unabänderlichen und schläft schweigend mit ihren Geschwistern in den nächsten Tag und die nächste Lebenswoche hinüber.
Wir finden, dass diese Woche sehr glimpflich abgelaufen ist, Virus hat sich keiner zu uns verlaufen, nur ein paar Futteranpassungen der Därmchen haben die Kleinen und uns geplagt. Wenn es nicht mehr ist.
7. Woche (03.04.2019 - 09.04.2019)
Mittwoch, 03.04.2019
Ein grauer Tag erhebt sich aus seinem Bett. Morgens bringt er gerade mal 5 °C auf die Beine, die sich dann zwar auf fast 20 °C hochstemmen, aber meist bedeckt halten. Dazu wird auch noch Wind geliefert. So lange es nicht regnet und die Idefixe weggesperrt werden müssten, wollen wir uns nicht beklagen.
Die Morgenvisite ergibt viel Kloakenfeeling, obwohl der Assi gegen 23 Uhr noch sechs Häufchen beseitigte. Die Därmchen sind also sehr munter und offenbar arbeitswillig. Noch liefern sie viel massigen Brei, aber keinerlei Anzeichen von Krankheit; die Zwerge genießen sichtlich den neuen Tag. Wer jemals kranken Durchfall oder
Ilmo ist sich keiner Schuld bewusstblutigen Stuhl gerochen hat, vergisst das nie wieder und kann die Anzeichen sofort identifizieren. Von all dem kann keine Rede sein. Die Idefixe sind gesund und entwickeln gerade ihren Darm für ein langes und gesundes Leben. Was allerdings auch einschließt, dass die Kleinen im Einzelfall in der Bereitstellung ihrer Darmtrophäen recht einfallsreich zu sein scheinen. Zum Schutz der hölzernen Tischbeine und des Küchenblocks, haben wir diese in kleine Topfuntersetzer aus Kunststoff gesetzt, weil die Beine sonst jede Nacht im Urin stehen. Diese Untersetzer sind gerade so groß, dass die quadratischen Beine in sie passen. Um so erstaunter darf man sein, wenn ein Idefix sein Häufchen exakt in einen solchen kleinen Untersetzer platziert hat. Alle Wetter. Wir tippen auf Ilmo, das akrobatische Bewegungswunder, können ihm die Auszeichnung aber mangels Beweis leider nicht aushändigen.
Iltschi und IsiBei der Begutachtung der Endmoränchen ist es für uns natürlich wichtig zu erfahren, ob Ignaz, der gestern 50 g abgenommen und Irax, der für seine Verhältnisse kaum messbare 70 g zugelegt hatte, heute wieder in der Normalspur angekommen sind. Und tatsächlich können wir auf ganzer Linie Entwarnung geben. Irax +190 g (4950), Inouk +250 g (4780), Iberl +190 g (4720), Isi +170 g (4700), Iltschi +120 g (4590), Ilmo +160 g (4510), Ignaz +250 g (4500) und Indra +200 g (4490). Diese 1530 g sehen nicht nach Auszehrung aus.
Inouk hat es heute doch noch geschafft, seine Scharte, die er sich kürzlich
Inouk nach vollbrachter Tatim Gewächshaus zugezogen hatte, weil er gegen seinen Willen aus dem Irrgarten der Pflanztöpfe gerettet wurde, auszumerzen. Heute gelingt es ihm, sich (so glaubt er) ungesehen in dieses Gewächshaus einzuschleichen und dort seiner innenarchitektonischen Kreativität freien Lauf zu lassen. Zwar ist das Häuschen fast leergeräumt, weil sich die Pflanzen nach Frühlingsluft sehnten, doch für einen unruhigen und (er)finderischen Geist wie Inouk gibt es genug zu entdecken und umzuschichten. Falls es im Schwäbischen einmal auf dem Konto knapp werden sollte: Als Mitarbeiter im Wertstoffhof könnte man Inouk ohne Bedenken zum Ein- und Familienumsatz bringen. Für Krempel hat er tatsächlich ein Händchen und auch keine Scheu, sich dieses dreckig zu machen.
Girgl mit seinen Followern Zur Freude der Idefixe meldet sich heute auch wieder einmal Hundebesuch an: Girgl, der Tambourmajor unseres G-Wurfs hat sich anmelden lassen. Girgl ist so eine spezielle Mischung aus Fingerhakler und Kinderschwester. Heute bringt er die Kinderschwester zur Aufführung und die Kinder außer sich vor Freude. Weil Fianna ihren Großen von den wöchentlichen Begegnung auf dem Hundeplatz bestens kennt und genau einschätzen kann, und Girgl heute sowieso nur seine Rolle als Kinderschwester und Babysitter im Sinn hat, lässt sie ihn ohne viel Aufhebens zu ihren Kindern, weil sie weiß, dass von diesem gutmütigen Bully keine Gefahr ausgeht. Girgl tanzt mit den Kleinen durch den Garten, dreht Pirouetten und lässt nahezu alles mit sich machen, ohne jemals ungeduldig
Girgl und Iltschioder brummig zu werden. Der hartnäckigste Pilotfisch ist Iltschi, der offenbar an diesem Onkel einen Narren gefressen hat und nicht mehr aus den Augen und den Zähnen lässt. In die Nase darf er den Großen zwicken, in die Beine beißen oder an den Hosen zerren – Girgl macht alles mit und erduldet die kleine Zecke, wie man es von einem Vater in Erziehungsurlaub erwarten würde, aber nicht von einem Freizeitonkel. Dass er ihnen nicht den Bauch anbietet, liegt daran, dass dieses Programm bei ihm nicht installiert ist, und die Versuche der Idefixe, an seine "Zitze" zu kommen, das einzige ist, was ihn etwas ruppig werden lässt. Aber immer löst er das Problem charmant und elegant: Sidestep, Shuffle, Wiegeschritt, Cha-Cha-Cha. Was für ein Welpenonkel, dieser Girgl!
Ob es an Girgl liegt oder ob wir einfach bisher nur keinen Blick dafür hatten: Die blauen Welpenaugen der Idefixe werden jetzt alle braun, dunkelbraun wie ein Moorsee, geheimnisvoll und samtig.
Iberl und IsiBraun, eher schwarz, sind auch die Leckerli, die wir ihnen zur Abwechslung geben, damit ihr Stuhlgang fester wird. Es sind Hundeleckerli mit Aktivkohle, die es leider nur in der Schweiz gibt. Mit diesen spröden Dingern sind die kleinen Zähnchen kräftig beschäftigt, aber sie arbeiten sich geduldig und hartnäckig daran ab. Mal sehen, ob wir morgen eine Veränderung feststellen können.
Donnerstag, 04.04.2019
Ist Ambrosius schön und rein, wird St. Florian (4.Mai) milder sein. Das klingt wie ein Muntermacher, scheitert jedoch daran, dass es heute eher bedeckt und trüb ist, nur nachmittags zeigt sich vereinzelt die Sonne, und es werden auch nicht mehr als 15 °C heute. Wenn man sich allerdings auf die Vorhersage einlässt, fragt man sich, milder als was? Milder als heute? Schön, das dürfte bis zum 4. Mai nicht allzu kompliziert sein. Ist schon ein vertrackter Hund, dieser Hundertjährige. Der muss in seinem ersten Leben Winkeladvokat gewesen sein.
IgnazBeschäftigen wir uns lieber mit den Gewichten unserer Lieben; die sind ehrlich und kaum interpretierbar. Kaum interpretierbar sind auch die 2470 g, die seit gestern Morgen mehr auf unserer Babywaage liegen. Bei dieser Aufstockung ist es fast zwingend erforderlich, dass wir die Liste in der Reihenfolge der Auflastung durcharbeiten. Irax +510 (5460; kein Schreibfehler, wir haben zweimal gewogen), Ilmo +380 g (4890), Inouk +310 g (5090), Iltschi +290 g (4880), Indra +270 g (4760), Iberl +260 (4980), Isi +250 g (4950), Ignaz +200 g (4700). Da wir weder Kraftfutter noch die doppelte Menge gefüttert haben, muss man fast annehmen, Girgl hätte doch so eine Art Männermilch... Nein, das müssen wir wohl verwerfen und die Interpretation des Ergebnisses auf einen anderen Tag verschieben.
Sicher ist nur, dass Fianna wieder auf Normalkost zurück ist: Kein Welpenfutter mehr und die üblichen Portionen zweimal am Tag. Wer nicht mehr liefert, braucht keine Kraftkost. Fianna steht trotzdem mittags in den Startlöchern und Hedda scharrt ebenfalls mit den Ballen, weil sie ja auch immer eine Anstandshand voll bekommen hat. Aber heute stehen und scharren die beiden ohne Happy End.
Wenn man solche Wiegeergebnisse einzuordnen hat, macht man sich schon mal die Mühe, bei der Fütterung genauer hinzusehen. Der Assi praktiziert das bei der heutigen Trockenfuttergabe am späten Vormittag. Die beiden Futterschalen werden schöpflöffelweise exakt gleich befüllt und auf den Boden gebracht. Die Wahl der Schale bleibt den Idefixen überlassen, das geht so fix inzwischen, dass man sowieso nicht mehr eingreifen kann, höchstens wenn sich mal sechs an einer Schale um das Menü schlagen. Heute teilen sie sich augenblicklich in zweimal vier auf, und ehe sich der Assi in eine geeignete Beobachterposition bringen kann, ist die Schale mit Isi, Iltschi, Ilmo und Irax leer. Da hat das andere Kleeblatt kaum mehr als die Hälfte verarbeitet. Vermutlich haben nur Galeerensträflinge schneller gearbeitet und gegessen als diese vier.
Fianna räumt die Fischtheke abNachmittags, nach diesem Aha-Erlebnis, steht wieder eine Futterpremiere auf dem Programm: Fisch. Gekochter Rotbarsch und Seelachs wird den Idefixen mit Reis gereicht. Man mag es kaum aussprechen, aber die Welt ist manchmal einfach nur banal: Die vier Speedfresser vom Vormittag sind auch diejenigen, denen der Fisch offensichtlich wie Öl über die Zunge fließt. Sie können gar nicht so schnell schlucken wie die Kiefer schaufeln. Die Frage stellt sich, ob ihnen der Fisch tatsächlich so mundet oder, ob sie gar nicht anders können als alles in sich hineinzuschlingen, was auf des Herrn Boden gewachsen ist. Iberl ist dagegen eher weniger überzeugt von Fisch; er bringt es hinter sich, weil es die Konkurrenz gebietet. Iltschi und Ilmo helfen anschließend sogar noch ihrer Mama beim Schüsselputzen, damit nur kein Krümel verloren geht. Da wartet man schon wieder, gespannt wie ein Flitzebogen, auf die morgigen Gewichte.
Freitag, 05.04.2019
Das Wetter hat sich eingefahren und ist heute wie gestern und vorgestern, nur, dass es jeden Tag ein kleines Stückchen kälter wird. Mehr als 13 °C werden uns heute nicht mehr zuteil. Der Hundertjährige, dem dazu offenbar auch nichts mehr einfällt, schweigt.
Vier Dinge sind es, die den heutigen Tag prägen.
Der Stuhl ist wieder weicher, weil sich die Därmchen jetzt mit dem Fisch auseinandersetzen mussten, was schon von den Voraussetzungen her einer flüssigeren Materie zuzuordnen ist. Dagegen spendieren wir wieder Kohlekekse aus der Schweiz, und die Idefixe haben etwas zu kauen (und wir jede Menge Kohlekrümel wegzuräumen).
Inouk plaudert mit HeddaEinen weiteren Beweis des diätetischen Wertes von Seefisch liefert heute Morgen die Waage: 1040 g. Das ist fast ein Fastentag. Irax wurden offenbar alle Mechanismen des Universums vorenthalten, jedenfalls hat er sich, gegen alle Regeln des Anstands, nicht enthalten: wieder 260 g plus, was sich auf 5720 g summiert. Weit abgeschlagen folgt ihm Inouk mit 5210 g (+120). Mit 5140 g belegt Iberl den dritten Rang bei einer Zuwaage von 160 g. Mit 240 g bringt sich Iltschi mächtig in Erinnerung, was ihm mit 5120 g den vierten Platz einbringt. 5070 g bringt Isi auf die Waage (+120). Ilmo verpasst die Fünf-Kilo-Marke mit 4990 g (+100). Indra nahm das Diätangebot mit den Fisch offenbar wörtlich und legt eine Nullrunde ein (4760 g), was Ignaz die Chance bietet, den letzten Platz wieder einmal abzugeben. Mit 40 g plus hat er die Chance aber nur unzureichend genutzt: 4740 g.
Die neue RampeNeue
Das BällebadImpulse für den Welpenpark liefern ab sofort das Bällebad und eine Kletterrampe, die beide, wie alles andere zuvor, fast ignoriert, bestenfalls mit scheelem Blick zur Kenntnis genommen werden. Vorerst noch...
Und später bekommen die Zwerge Halsbänder, jede(r) in seiner / ihrer
Irax hadert mit seinem HalsbandMarkierungsfarbe. Die Halsbänder legen wir ihnen während der Fütterung an, da bekommen sie das kaum mit, doch gleich danach hocken acht kleine Hunde im Garten und führen sich auf, als ob sie Krätze hätten. Manche hinken oder ziehen ein Bein nach, weil sie nicht recht wissen, wie man gehen und sich gleichzeitig kratzen soll. Natürlich versucht man auch, das Ding durch Rollen und Wälzen bei gleichzeitiger Bearbeitung durch die Hinterbeine loszuwerden, was aber ebenfalls scheitert. Fast können sie einem leidtun, wenn sich nicht so herzhaft lustig wären in ihrem Kummer. Abends haben wir ein Einsehen und ziehen ihnen die Kleidchen wieder aus.
Samstag, 06.04.2019
Nach so vielen schönen Idefix-Tagen, hält sich der Himmel weiterhin bedeckt bei morgens 1,5 °C und nachmittags immerhin 15 °C. Das alles unter einer grauen Hochnebeldecke, die jeden Anflug von Frühling zunichte macht. Nur für wenige Augenblicke gibt er der Sonne ein Guckloch frei, damit sie uns ein paar wärmende Strahlen schicken kann, aber dann ist schnell wieder Schluss mit der Wohlfühlveranstaltung. Es ist Anfang April und nicht die Zeit, sich wohlig unter einem weiß-blauen Himmel zu räkeln.
Und so mistig das Wetter ist, so mistig zeigt sich die Küche im silbergrauen Morgenlicht. Wir führen das nicht weiter aus, sondern so schnell wie möglich ab.
Nach dem Idefix-Spartag gestern, erholt sich die Truppe wieder von ihrer Fettdepression: 1710 g. Immerhin. Nur Irax verdaut offensichtlich noch die vergangenen beiden Tage: +70 g (5790). Das Gegenmodell ist Inouk: +310 g (5520). Nun geht es Kopf an Kopf, Position um Position, zügig weiter: Iltschi 5330 g (+210), Ilmo 5320 g (+330), Isi 5290 g (+220), Iberl 5280 g (+140). Und dann kommt die Nachhut mit Ignaz (4980, +240) und Indra (4950, +190).
WandertagUm
17:30 Uhr ist es dann soweit: Die Idefixe verlassen erstmals in ihrem Leben ihr Reservat und dürfen hinaus in die weite Welt. Einzeln werden sie in Fiannas und Heddas Box gepackt, vier auf jeder Seite, die Damen kommen in den sitzlosen Mittelteil des Hovimobils, und ab geht es. Nur knappe fünf Minuten beträgt die Fahrzeit zu einem erprobten Auswilderungsplatz für junge Hovawarte, und diese fünf Minuten haben einen Platz in der Blues-Chronik mehr als verdient, weil selten ein Welpentransport so lautlos abgelaufen ist wie dieser. Es scheint, also ob sie über die nicht beantragte und gegen ihren Willen vorgenommene Deportation so verdutzt, ja, geradezu konsterniert sind, dass sie die kleinen Mäuler kaum zum Hecheln au
fbekommen, geschweige denn zum Protestgeschrei. Das haben wir schon ganz anders erlebt. Nur wenige schrille Rufe deuten an, dass die fest gefügte Welt der Idefixe gerade massiv in Unordnung gerät, aber offenbar schnürt ihnen die Sorge um ihre Zukunft die Kehlen zu. Am Zielort, einem kleinen Modellflugplatz mit Wassergraben und angrenzender Wiese werden sie ausgeladen, wobei uns Alexandra, die Hias-Versteherin und Anna-Maria mit ihrer Mama tatkräftig zur Hand gehen und durch ihre Anwesenheit auch mitten in der Wildnis für die Zwerge ein bisschen Alltag
Ignaz findet seinen Wegherstellen. Doch kaum sind sie ausgepackt und losgelassen, sind sie putzmunter unterwegs, hinter ihrer Mama und der Tante her, auch der wieselflinken Anna-Maria folgend, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, irgendetwas an diesem Ausflug könnte falsch sein. Wie ein Pulk junger Enten überqueren sie den Graben über eine kleine Brücke, ohne abzustürzen oder sich zu verfranzen, toben durch die Wiese und schnüffeln sich auch mal irgendwo fest. So geht es ein paar Minuten und Meter in westliche Richtung am Graben entlang bis zum dortigen Übergang, den auch alle ohne Verlust bewältigen – außer Ignaz. Der hat ein eingebautes Navigationsgerät, das ihm einflüstert, man müsse auf demselben Weg zurückgehen, den man auf dem Hinweg eingeschlagen hat. Also dreht Ignaz auf halber Strecke einfach um und
Indra wird Vegetarierintippelt ganz alleine wieder nach Osten am Graben entlang, dorthin, wo er hergekommen war, während wir mit seinen sieben Geschwistern am westlichen Grabenübergang auf den Irrläufer warten. Ignaz ist von der Richtigkeit seines Tuns überzeugt, aber er hat funktionierende Ohren; denn auf unser mehrmaliges "Ignaz, hierher, hier sind wir" stutzt er, dreht sich um, denkt eine Sekunde nach und kommt im Galopp über die holprige Wiese geflogen, mitunter auch gestolpert. Und dann ist er da, der famose Ignaz,
Ende einer Dienstfahrtlässt sich feiern und kurz darauf mit den anderen wieder ins Hovimobil packen. Zwanzig Minuten hat der Ausflug gedauert, zwanzig superintensive Erlebnisminuten. Die Rückfahrt bleibt uns dann doch auch in Erinnerung, denn nun haben sie ihre Kehlen wieder unter Kontrolle, das heißt, sie sind nicht mehr zugeschnürt, und sie liefern uns ein Konzert der besonders erinnerungswürdigen Sorte. Die Luft im Auto vibriert, dass man Sorge haben muss, die Scheiben bersten. Allerdings, zuhause ist der Spuk fast auf einen Schlag vorbei: Die Idefixe zappeln nur noch wenige Minuten herum und fallen dann in ihrem Garten in einen komatösen Tiefschlaf. Man würde schon gerne wissen, wovon sie jetzt träumen.
Sonntag, 07.04.2019
Glasklar beginnt dieser Sonntag bei kaum über 0 °C, ruft dann eine kleine Schar Wolken herbei, die sich, wie wir, bei 15 °C einigermaßen gut fühlen dürften, und legt sich bei sehr bewölkten 1 °C wieder zur Ruhe. Kein Wort vom Hunderter; er scheint gerade auf Altersteilzeit zu sein.
Was immer gestern in der Luft lag, es muss sehr nahrhaft gewesen sein; wir untersuchen erst einmal die Waage, ob die nicht eventuell einen Eichdefekt hat. Es macht keinen Sinn, diese Gewichte zu kommentieren, wir lassen sie einfach in der Geburtsreihenfolge an uns vorüberziehen. Ignaz: +400 (5380), Irax +410 (6200), Iberl +460 (5740), Isi +280 (5570), Indra +430 (5380), Ilmo +360 (5680), Inouk +200 (5720), Iltschi +350 (5680). Das ergibt zusammen stattliche 2890 g.
Heddas Geschenk ...Sonntags
... für Ilmoist natürlich immer Besuchstag und zwangsläufig action day. Heute sind gleichzeitig vier Kinder zu Besuch, welche die Idefixe ordentlich in die Spiel- und Kuschelmangel nehmen. Sie wandern von einem Schoß zum anderen, und wenn die Schöße nicht am Kaffeetisch sitzen und bekuschelbar sind, sind sie unterwegs und die Idefixe mit ihnen. Am schönsten hat es bei dieser Sause vermutlich Hedda getroffen, die den ganzen Nachmittag den Bällen aus
Iberldem
Inouk Bällebad hinterher hetzen darf, die die Kinder durch den Garten schleudern. Das hat zur Folge, dass nun alle Bälle Löcher von Heddas Zähnen haben und demnach keine Bälle mehr sind, sondern Donuts oder zusammengesackte Krapfen, Berliner, etc. Jetzt passen sie definitiv auch besser zwischen die kleinen Welpenkiefer. Ja, Kinder wissen eben, worauf es ankommt.
Gismo und IgnazUnd Onkel Gismo ist auch zu Besuch da, der Gosh aus unserem G-Wurf, Girgls Bruder. Gismo hat Fianna schon länger nicht mehr zu Gesicht bekommen, eine Tatsache, die sie zu Beginn seines Besuches aus der Façon bringt: Gismo ist mit dreieinhalb Jahren kein Jüngling mehr und vor allem weder der Papa dieser Schar noch der gute Onkel Girgl von nebenan, sondern ein ausgewachsenes Hovawartexemplar, das die Nerven einer Mutter zum Vibrieren bringt. Hartnäckig versucht sie ihn, dem sie sonst ohne Misstrauen begegnet, von ihren Kindern fernzuhalten, ihn abzudrängen und klarzumachen, dass er hier nicht erwünscht ist. Doch gegen den erklärten Willen ihrer Kinder, die hinter dem Besucher her sind wie hinter dem Rattenfänger, muss sie
Gismo und Isiden Kürzeren ziehen und schließlich aufgeben. Die Kinder danken es ihr mit einem zauberhaften Spiel mit Onkel Gismo, der seinem Bruder im Umgang mit Kleinkindern in nichts nachsteht: geduldig, freundlich, umtriebig, lustig, einfach ein toller Onkel, dieser Gismo. Für unsere Welpen sind solche Besuche unbezahlbar, weil sie lernen, mit erwachsenen Hunden umzugehen, ihre Signale richtig zu deuten, lernen, wie weit man gehen kann und wann es besser ist, den Rückzug anzutreten. Sie werden dadurch stabil in ihrem Verhalten, offen und lernen auch ihre eigenen Fähigkeiten einzuschätzen und zu kontrollieren. Rüden wie Gismo und Girgl tragen sehr viel zur Sozialisation unserer Welpen bei. Deswegen freuen wir uns immer wieder über diese Besuche, was nicht immer mit denen der Mutter korrespondiert.
Bevor wir die Kleinen, mindestens genauso müde wie gestern nach dem Spaziergang, in die Matratzenlager schicken, bekommen sie alle noch zwei kleine Stückchen Milbemax, womit die dritte Entwurmung auch erledigt wäre. Bis auf Irax haben die Idefixe überhaupt nichts an diesen Wurmbonbons auszusetzen, nur Irax spuckt sie uns vor die Füße. Wir legen sie ihm mit einer kleinen Nachtgeschichte in die Backentaschen, drücken ihm die Äuglein zu. Und weg sind sie, die Bonbons, mitsamt ihrem hundemüden Irax.
Montag, 08.04.2019
Es zeichnete sich schon ab, dass das Wetter nun seit Tagen auf der Kippe steht und irgendwann das Gleichgewicht verlieren würde. Jetzt ist es passiert. Es ist zwar deutlich wärmer morgens (8 °C), aber so etwas ist meistens keine gute Meldung. Es regnet. Es windet. Der Wind treibt den Regen bis unter den Balkon und in die Ecken der Terrasse. Es nützt nichts: Die Idefixe müssen in die gute Stube. Nur wer so etwas schon erlebt hat, geht das mit leichtem Herzen an. Seit ihrer vierten Woche sind die Idefixe nun, außer nachts, draußen, und indoors schätzen sie nur, wenn es mit Futter und einem Matratzenlager verbunden ist. Einfach nur den lieben, langen Tag unter Dach und Fach herumlungern, liegt ihnen überhaupt nicht. Das sieht nach Stress- und Chaostag aus. Und was sagt der wieder erwachte Hundertjährige dazu? Wenn`s viel regnet am Amantiustag, ein dürrer Sommer folgen mag. Ach, was lieben wir ihn, den alten Spökenkieker!
Iltschi liebt die "Schweizer-Käse-Röhre"Doch
Indra findet nassen Popo Käsekaum hat er sein Orakel gesprochen, hört es gegen 11 Uhr zu regnen auf. Was bleibt, sind der Wind und die Wolken. Da packt sich der Assi die ganze Bande, schiebt sie ins Freie, macht die Tür zu und murmelt ein Vaterunser. Nichts wie raus. Solange sie da draußen nicht nass werden, schadet ihnen das bisschen Wind nicht. Weicheier verlassen unseren Hof nicht. So geht der Tag doch noch seinen erwünschten Lauf, und wir können feststellen, dass wir bisher mehr als viel Glück mit dem Wetter hatten.
Wer gedacht hatte, der gestrige Aktivtag hätte an den Fettpolstern der Idefixe Raubbau getrieben, sieht sich enttäuscht und ahnt, dass die Bonusgaben aus vielen Kinderhänden wirkmächtiger waren als die gelaufenen Kilometer. Die Idefixe haben wieder 2240 g zugenommen: Irax 6690 (+490), Ilmo 6000 (+320), Iberl 5990 (+250), Iltschi 5950 (+270), Inouk 5950 (+230), Isi 5850 (+280), Indra 5640 (+260) und Ignaz 5520 (+140). Wir haben es schon einmal erwähnt: Diese Verwertungseigenschaften sind eine echte Herausforderung für die künftigen Napfverwalter.
Dienstag, 09.04.2019
Liebe Leut' macht euch bereit, in einer Woch' ist es soweit...
Auch wir zählen die Tage, die immer schneller vergehen. Die Zeit verdichtet sich in Terminen und Erledigungen und hastet an uns vorbei. Wir sehen die Idefixe schon mit klammem Blick in fremden Armen. Fort, die doch hierher, zu uns gehören. Es kann doch keinen besseren Ort als diesen hier für unsere Kinder geben...
Und sie machen uns den Abschied jeden Tag schwerer, heute beispielsweise mit einem fast unbesudelten Stall am Morgen, ein Hinweis: Ganz brav wollen wir sein, um nicht fort zu müssen. Und wie brav sie sind! Morgens um 5 Uhr fast kein Laut auf der Terrasse, und das in diesem Alter. Einmal quiekt einer auf und wird schon von den anderen zur Ordnung gerufen; vorbildlich wie Internatsschüler. Wir haben ausgesprochen ausgeglichene und zufriedene Kinder. Wenn wir das nur von uns auch sagen könnten.
Irax hat Anna-Maria voll im GriffUnd
Pausengesprächeso grau und bewölkt ist der Tag wie unsere Herzen trüb. Da schaffen auch die 17 °C nachmittags wenig Linderung. Nur die Idefixe lassen unsere Trauer nicht an sich heran, sondern toben sich in ihrem Paradies die Seele aus dem Leib. Anna-Maria ist dabei ihre Taktgeberin und unermüdliche Antreiberin. Die Top-Sensation ist aber ein durch eine Batterie betriebener Ball, der selbstständig durch den Garten eiert und vor
Isi hat den Ball im Blickallem
Gleich hat sie ihnIsis Jagdleidenschaft befeuert; sie ist kaum noch von dem Ding loszueisen und völlig gaga im Bestreben, diesem Ball die Luft abzudrehen und ihn mausetot zu machen. Doch der Ball ist hartnäckig, jedenfalls so lange seine Batterie noch im Saft steht, und deren Ende wird Isi nicht abwarten können. Wir müssen ihr den Ball abnehmen.
Ja, Freunde, es ist an solchen Tagen auch schwer, Chronik zu schreiben. Deshalb und weil dieser Dienstag keine anderweitigen Ereignisse zu bieten hat, liefern wir noch schnell die Gewichte und ziehen uns mit einer Schmusedecke zurück. Irax 6960 (+270), Iberl 6290 (+300), Inouk 6260 (+310), Iltschi 6250 (+300), Ilmo 6220 (+220), Isi 5980 (+130), Indra 5890 (+250) und Ignaz 5760 (+240). Weitere schwere 2020 g für die Idefixe und ebenso schwere Gedanken für uns.
8. Woche (10.04.2019 - 16.04.2019)
Mittwoch, 10.04.2019
Heute vor 107 Jahren legte die Titanic zu ihrer Jungfernfahrt ab, von der sie nie zurückkehren sollte. Ganz so schlimm wird diese, unsere letzte Woche mit den Idefixen nicht enden. Immerhin werden diese alle in einen für sie neuen Hafen einlaufen. Und wir werden am Kai von Southampton stehen und hinterher winken. Gut: Absaufen, da sind wir uns sicher, wird kein einziger der Idefixe. Nur weg werden sie halt sein, einige weit weg, und Grußkärtchen werden sie schicken, die uns erfreuen, aber den Verlust nicht ersetzen werden. Trübe Gedanken an einem elend trüben Morgen voller grauem Nieselregen. Wenigstens die Umstände in der Küche sind geeignet, unser Trübsal wegzublasen, so anständig übergeben uns die Zwerge ihr Nachtlager.
Toben und kämpfen den ganzen TagAm Wetter ändert sich den ganzen Tag über nichts, es bleibt nieselig und mitunter regnet es sogar ein paar Tropfen. Für die Idefixe bedeutet das dennoch einen Tag im Freien, denn grauer Niesel und bodentiefe Wolken sind kein Grund für einen Einschluss. Dass sie in dieser Hinsicht völlig unserer Meinung sind, bestätigen sie durch ihre unbekümmerte und von allen grauen Gedanken losgelöste Spielleidenschaft. An solchen Tagen ohne Besucher sind sie ganz bei sich und mit sich alleine. Sogar der Assi wirft nur gelegentliche Blicke von oben, um nach dem Rechten zu sehen und findet sie selbstvergessen tobend oder im Pulk zusammengerottet schlafend. Eigentlich müsste ihm das Herz aufgehen, aber es klemmt
Nein, es will kein guter Tag im schlechten werden, aber er verschafft uns die Muße, einen etwas innigeren Blick auf die Gewichte zu werfen. Irax hat heute die Sieben-Kilo-Marke übersprungen: 7070 g (+110). Wir fragen uns, ob wir schon jemals
Isi und Iraxzu Beginn der letzten Woche einen Vierzehnpfünder hatten, sind aber zu faul, im Bluesarchiv zu graben. Nach Irax kommt sehr lange nichts. Inouk ist es, der als nächster um die Ecke biegt: 6510 g (+250). Iltschi folgt ihm mit 6480 g (+220), hautnah bedrängt von Iberl mit 6470 g (+180). Als Fünfter biegt Ilmo mit glatten 6400 g um die Ecke, ebenfalls 180 g aufgewertet. Jetzt dauert es wieder ein bisschen, bis die bemühten, und früher um die Stockerlplätze kämpfenden Mädels, auftauchen, was für sie schließlich ein Segen ist. Denn was für eine Fregatte wäre ein heute sieben Kilo schweres Mädchen? Diese Reihenfolge bestätigt die bewährte Logik der Natur von schweren Jungs
Inouk und leichten Mädchen. So taucht zuerst Isi mit 6170 g (+190) auf, und gleich nach ihr flitzt Indra mit 6150 g um die Ecke. Die 260 g plus machen sie zur Tagessiegerin in Sachen Auflastung. Ganz zum Schluss kommt, nein, kein schwerer Junge und auch kein leichtes Mädchen, sondern der Leichtmatrose Ignaz um die Ecke gewieselt. Während Irax schon unbarmherzig die acht Kilo im Visier hat, arbeitet er sich noch an den sechs Kilo ab: 5910 g (+150). Insgesamt ließen es die Idefixe gestern mit 1540 g bewenden. Ihr Durchschnittsgewicht liegt heute bei 6395 g.
Und damit lassen es auch wir für heute bewenden.
Donnerstag, 11.04.2019
Es wäre wirklich nicht fair, dem Wetter Schlechtes nachsagen zu wollen; für diese Jahreszeit hat es uns all die Wochen, seit denen die Idefixe Ausgang haben, bestens zur Seite gestanden. Nun scheint es, etwas erschöpft, um Contenance zu ringen. Es bricht nicht zusammen, geht noch nicht mal in die Knie, sieht aber so grau aus wie nach vier durchgezockten Wochen in einem stickigen Pokerkeller: grau, supergrau und noch trüber und nieseliger als gestern. Allerdings berappelt es sich später am Tag und schickt uns sogar noch einige wenige Sonnenstrahlen.
Es bleibt also wieder Zeit, der Gewichtstabelle zu huldigen, die ein paar kleine Veränderungen bereithält. Nicht bei Irax. Mit glatten 300 g belegt er unsere gestern unterstellte Vermutung, dass er sich gar nicht schnell genug die magischen acht Kilo ins Stammbuch schreiben lassen möchte: 7370 g. Bis zur Abgabe verbleiben ihm noch fünf Tage, die er, da sind wir uns
Iberlsicher, nicht tatenlos verstreichen lassen wird. Dass wir in dieser Annahme nicht gänzlich falsch liegen, zeigt der gewachsene Abstand zum Zweitplatzierten, der immer noch Inouk heißt, aber heute statt 560 g schon 670 g hinterher hechelt (6700 g, +190). Iberl hat dem gestrigen Dritten, Iltschi, mit einem kleinen Zwischenspurt den Rang abgelaufen und ist Inouk hart auf den Fersen: 6690 g (+220). Iltschi hat mit 6630 g doch merklich an Boden verloren: +150 g. Ilmo bleibt angesichts des großen Abstands zu den Mädels unangefochten Fünfter und bedrängt Iltschi massiv (6620 g, +220). Indra muss gestern Isi ein paar Happen aus der Schüssel geklaut haben und zieht an ihr vorbei: 6380 g (+230). Das Nachsehen hat Isi mit 6300 g (+130). Beschwingt und von allen Rangeleien unbelastet erfuttert sich Ignaz mit 240 g die zweitgrößte Auflastung des Tages und schwingt sich lässig über die Sechs-Kilo-Marke: 6150 g. Das ergibt eine Gesamtauflastung von 1680 g.
Iltschi mit der RappelflascheIm Grunde
Inouk entsorgt den Lavendelunterscheidet sich der Tag nicht wesentlich von gestern: Es ist nieselig, aber nicht kalt, nur die Wiese ist nass. Alles keine Hindernisse für bewegungslustige Welpen, die die äußeren Umstände gar nicht zur Kenntnis nehmen, wenn sie herumtoben. Dabei, und das ist nun wirklich auffällig, werden ihre Spielphasen immer länger und die Schlafpausen dementsprechend kürzer. Den ganzen Tag hört man sie jauchzen und jubeln, gelegentlich lassen sich auch ein paar Maulschellen aus der Kakophonie heraushören. Für die Jauchzer zeichnen heute eine mit Kieseln befüllte Plastikflasche und die einige Tage in Vergessenheit geratene und wiederentdeckte Tellerschaukel verantwortlich. Für die Maulschellen fühlt sich
Iberl und Ignazheute zur Abwechslung Iberl verantwortlich, der den Bad Boy gibt und Irax ein paar Gramm Gewicht aus dem Leib massieren möchte, was an diesem abprallt wie eine römische Ohrfeige an Obelix. Diese Zeit ist ein beständiger Rollentausch, jeder muss einmal die verschiedenen Fächer durchlaufen und sich profilieren. So gibt, während eines halbstündigen
Das Rebellen-Trio Ignaz, Isi und IlmoEinschlusses, als es einmal kräftig regnet, Ilmo den Rädelsführer eines von den anderen mäßig befolgten Ausbruchsversuchs, indem er sich mit mächtiger Stimme das schmächtige Seelchen aus dem Leib brüllt. Isi quietscht ein bisschen mit, hat aber ihr Aufruhrpulver schon neulich verschossen. Trotz des eher schmalbrüstigen Aufstands, touchiert Ilmos Gekreische die Schmerzgrenze des hinlänglich gestählten Assis, der kurzzeitig gute Lust verspürt, ihn mal kurz mit dem Kopf voran in die Kloschüssel zu stecken. Ja, es wird wirklich Zeit, dass die Idefixe zu ihren neuen Leuten kommen, wo sie sich ihren Anlagen entsprechend entwickeln und denen auf den Wecker gehen können. Jeder will jetzt der Wichtigste und die Größte sein, was wir ihnen nicht mehr bieten können. Wir sind nicht mehr in der Lage, allen acht gerecht zu werden; zusammen würden sie verkümmern. Auch Sämlinge müssen vereinzelt werden, damit sie groß und stark werden.
Was einen Züchter in diesem Stadium aber besonders glücklich macht, sind formschöne Darmexponate. Der Darmoutput der Idefixe ist wirklich sensationell, was bedeutet, dass die Därmchen verstanden haben und bestens funktionieren. Das macht nicht nur uns glücklich, sondern ist ein Zukunftsversprechen für ihre neuen Herrschaften. Nichts ist so verheerend für die Gesundheit von Hunden wie ein instabiler und schlecht entwickelter Magen-Darm-Trakt. Diese acht hier sind augenscheinlich bestens präpariert für die Zukunft. Ehrlich gesagt, haben wir noch nie so wenig Probleme gehabt wie mit den Idefixen. Man kann es nie ausschließen, dass ein Welpe etwas nicht verträgt, aber vor allem kann man nicht verhindern, dass in der Immunlücke zwischen etwa der sechsten Woche, wenn der Immunschutz der Mutter nachlässt, und dem Impftermin in der achten Woche Erreger und Keime aller Art ihre Finger nach den nahezu wehrlosen Zwergen ausstrecken. Nichts davon haben wir bisher gehabt, alle sind topfit.
Und zur Feier dieser Erkenntnis gibt es heute erstmals Kopffleisch mit Pansen und Innereien, was so unbeschadet verarbeitet wird wie alles andere bisher auch.
Freitag, 12.04.2019
Abergläubige Zeitgenossen werden dem gütigen Schicksal auf den Knien danken, dass heute erst der 12. und nicht Freitag, der 13. ist, denn der Terminplan der Idefixe ist heute voll und wird sie einigermaßen beanspruchen.
Bevor wir diesen Tag in Angriff nehmen, nehmen wir aber noch die Gewichte, da beißt die Maus keinen Faden ab. Die Reihenfolge wird bei den Burschen nur durch Iltschi gestört, weil der sich noch ein wenig weiter nach hinten fallen lässt; vielleicht sucht er die intime Nähe zu seinen Schwestern. Also: Irax 7500 g (+130), Inouk 6890 g (+190), Iberl 6850 g (+160), Ilmo 6840 g (+220), Iltschi 6740 g (+110). Isi bringt auch noch Unruhe ins Bild, weil sie sich von Indra nicht die Schuhe beim Laufen besohlen lassen möchte, und rempelt sich vorbei: 6570 g (+270), Indra 6520 g (+140). Und Ignaz zieht seine Kreise, winkt dem Publikum zu und nimmt dessen Ovationen entgegen: 6390 g (+240).
Jetzt
heißt es aber Gas geben, denn bereits um 8:30 Uhr wartet das gesamte Team der Tierarztpraxis Dr. Schiele auf die acht Idefixe. Der Impftermin ist nicht nur für uns immer ein besonderer Termin, sondern auch für die Tierarzthelferinnen, die oft sogar ihren freien Tag opfern, um die kleinen Blueser in die Arme nehmen zu können. Um acht Uhr steht Uwe, der Papa unserer aufopfernden Helferin und Hebamme Alexandra mit dem VW-Bus vor der Tür. Die Chefin setzt sich auf die Rückbank, die Idefixe werden ihr durch das Fenster gereicht, und ab geht der Impftransport, immerhin eine habe Stunde, welche die Idefixe einigermaßen manierlich absolvieren. Einigermaßen. Den Umständen entsprechend.
IberlBei der
IgnazPraxis in Stephanskirchen angekommen, warten bereits ein Sprechzimmer und ein erwartungsfrohes Team auf uns. Auf die Idefixe wartet allerdings mehr: ein Stethoskop, ein Fieberthermometer, eine Impfnadel, eine Chipnadel und eine Venenkanüle. Ziemlich viel auf einmal. Auf das Praxisteam und die Ärztin wartet viel Arbeit und, wie der Assi prophezeit, eine nicht zu unterschätzende Zahl von Pinkellachen. Iberl geht seinen Geschwistern voran und gibt den Praxistester. Frau Dr. Henke beginnt mit einem tiefen Blick zwischen seine Kiefer, um nichts anderes festzustellen, als dass Iberls Gebiss ohne Beanstandung ist. Dann wird sein Herz abgehört, das seinen Dienst auch zur vollen Zufriedenheit der Ärztin
Ilmoabsolviert.
IltschiDas Fieberthermometer im Popo nimmt er zweckmäßigerweise gar nicht erst zur Kenntnis, dann braucht er sich auch nicht aufzuregen. Und Hoden hat er auch schon, wie Frau Doktor mit geübten Fingern erfühlt. Jetzt wird es ernst. Mit einem Stich in die Beinvene wird er zur Ader gelassen, um ein Röhrchen Iberl-Blut für die Gen-Datenbank zu sammeln. Dabei besticht Iberl durch einen außergewöhnlich zackigen Blutdruck, der den Behandlungstisch innert Sekunden in eine Schlachtbank verwandelt. Frau Doktor wundert sich nicht schlecht, macht sie doch eher die Erfahrung, wie übrigens wir auch, dass man den Welpen das Blut förmlich aus den Adern betteln und manchmal sogar zweimal stechen muss. Nicht so Iberl: Er gibt, freimütig, was er hat. Damit wird er zur
Inouk Vorlage
Iraxfür alle seine Geschwister, die ebenso freigiebig mit ihrem kostbaren Lebenssaft umgehen werden, was wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen können und deshalb Iberl als gewendeten Vampir einstufen. Anschließend versorgt ihn Frau Doktor mit einem Immuncocktail und schießt ihm seinen Personalausweis in Form eines Transponders in die linke Schulter. Das alles lässt Iberl anstandslos über sich ergehen. Wesentlich verantwortlich dafür ist Uwe, der Iberl, und anschließend alle anderen, mit einer leckeren Vitaminpaste ablenkt und ihnen die ganze Prozedur versüßt. Seit der ersten Blues-Generation verlassen die Welpen in einer Art Vitaminrausch die Praxis und erzählen später ihren Nachfahren, dass Tierarzt super ist und irgendwie high macht.
IndraEin
IsiIdefix nach dem anderen unterzieht sich nun der Prozedur: Ignaz, Ilmo, Iltschi, Inouk, Irax, Indra und zum Schluss Isi. Alle haben sie einen Blutdruck, der einer Feuerwehrspritze alle Ehre macht, und sind ansonsten völlig unbeeindruckt: Kein Maulen, kein Jammern und schon gar kein Zeter und Mordio. Bis alle Formalitäten abgeschlossen sind, gehen die Zwerge von einem Arm zum nächsten Schoß und schließen mit der gesamten Praxis Freundschaft. Und draußen, am der Glasscheibe zum Behandlungszimmer, schießt bei manch einer weiblichen Praxisbesucherin spontan Milch ein. Die Idefixe haben die ganze Welt unter Kontrolle, was den Assi in eine peinliche Situation bringt, weil sie nämlich alle zusammen, fast zwei Stunden lang, auch ihre Blasen unter Kontrolle hatten und nicht eine einzige Lache auf den Praxisboden applizierten. Das macht den vorausschauend fürsorglichen Warner zu einem Überbringer von Fake News. Gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht. Um 10:15 Uhr ist der Auftritt der Idefixe vorüber und eine Trägerkarawane bringt die Helden und Heldinnen wieder in Uwes Bus. Abfahrt. Heimfahrt. Fast so still wie ein Leichentransport. Die Idefixe beamt es fast augenblicklich weg.
Idefix-Karawane |
Ein strahlendes TA-Team |
Uwe |
Inouk, bitte einmal still sitzenZuhause ist es dann auch schon wieder vorbei mit der Rekonvaleszenz. Der Himmel ist bewölkt und gibt uns nicht preis, was er heute und die nächsten Tage vor hat, deshalb entscheiden wir uns, das für die Welpenordner unverzichtbare Fotoshooting jetzt sofort hinter uns zu bringen. Dazu braucht man keine strahlende Sonne, nur ausreichend Licht und bestimmt keinen Regen. Also: Was du heute kannst verrichten...
Auf unsere Wiese werden die Idefixe gebracht und, begleitet von zahlreichen Zuschauern, in Position
Ilmo auf dem Heimweg und ins rechte Licht gesetzt. Wer nun geglaubt hat, nach der Tierarztprozedur wären die Idefixe in ihrem Bewegungstrieb etwas reduziert, muss sich korrigieren. Dem Lichtbildner, im Gras liegend und kniend wird eine große Portion Geduld abverlangt, bis auch der Letzte im Kasten ist. Als besonders widerstrebend und standortuntreu erweist sich Ignaz, aber auch Irax, Iltschi, Iberl ... ja, man könnte sie fast alle auflisten. So eine Aktion dauert schon mal zwei Stunden, das sind dann 15 Minuten für jeden Idefix, An- und Abtransport inklusive. Und da soll man nicht ungeduldig werden?
Die Zwerge haben für heute definitiv genug, aber das Personal hat noch einen wichtigen Termin. Heute stellt sich auf dem Hundeplatz ein neuer Schutzdiensthelfer vor, und da dürfen die Chefin und ihre beiden Amazonen nicht fehlen. Und der Assi will auch mitreden, muss also mitkommen. Deswegen haben Iltschis zukünftige Napfbefüller ihren geplanten Besuch etwas vorverlegt und übernehmen dankenswerterweise das Babysitting. Ein großes Netzwerk an Freunden macht das Leben unendlich viel leichter.
Isi und das GlöckchenNach
Ilmo und Indra mit der Kuhschelleder Rückkehr vom Hundeplatz sind wir der Meinung, dass die Idefixe genug erholt sein müssten, um noch ein paar neue Erfahrungen zu machen. Zu diesem Zweck bringen wir eine kleine Weihnachtsglocke und eine Kuhschelle zum Einsatz. Das Weihnachtsglöckchen ist für die eher Zartbesaiteten, die Kuhschelle für alle ein Muss, weil ein bayerischer Hund ohne eine alpenländische Prägung kein bayerischer Hund ist. Und um das akustische Gesamtkunstwerk zu vollenden, lassen wir noch ein Spielzeug-Polizeiauto mit Tatütata über die Terrasse rollen. Jetzt ist es aber wirklich genug für heute, obwohl die Idefixe vermutlich noch mehr abkönnten. Das ist schon einem ziemlich hartgesottene Bande.
Samstag, 13.04.2019
Morgens um 6 Uhr 3 °C, hochneblig trüb, aber trocken. Die Lage bessert sich offenbar und lässt nachmittags sogar ein paar Sonnenstrahlen zu, was für die Idefixe ein umtriebiger Tag zu werden verspricht.
Morgens dürfen wir aber, neben der wieder sehr ordentlichen Übergabe des Schlafgemachs, dokumentieren, dass nun tatsächlich Irax' Verfolgerquartett auch die Sieben-Kilo-Marke gerissen hat, während dieser schon die acht Kilo vor Augen hat. Irax: 7680 g (+180). Die kontinuierliche Zurückstufung der vergangenen Tage nagte an Iltschi offenbar so sehr, dass er sich zu einem Kraftakt ermannte und mit 7070 g (+330) auf den zweiten Platz schob. Ihm folgen Iberl 7020 g (+170), Inouk 7010 g (+120) und Ilmo 7000 g (+160). Indra machte Iltschis Wiedergutmachungsstrategie auch zu der ihren und überholt Isi aus dem Windschatten: 6760 g (+240), Isi 6670 g (+100). Und das Ende der Prozession bildet, wie gewohnt, Ignaz mit einem mächtigen Zugewinn von 250 g (6640).
Iberl und IndraNeben
Ignazdem alltäglichen Ringelreihen im Garten, wird der Tag von zwei nennenswerten Ereignissen geprägt, einem fast noch warmen Schafspansen und einem Abenteuerspaziergang. Der frische Pansen eines achtjährigen Schafs, das zum menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet ist, wird gegen 15 Uhr serviert. Was ihn vom schon bekannten Rinderpansen unterscheidet, ist, so darf man annehmen, der Geschmack, vor allem aber, dass er noch im Originalzustand, also nicht ausgeschüttelt ist. In ihm finden die Idefixe noch das vorverdaute Grünzeug, das ein Superfood für Magen und Darm ist; viel gesünder geht es eigentlich nicht. Nicht selten ist aber das besonders Gesunde geschmacklich ausbaufähig, nicht so bei
Irax mi seinem Lammpansendiesem
Isi mit Pansen Lammpansen. Die Idefixe vergehen sich förmlich an dem milchsauren Grünzeug, saugen es heraus wie der Bär das Knochenmark aus den Schafsknochen, und lassen es auf der Zunge zergehen wie unsereiner Gänseleberpastete. Es beamt sie förmlich weg, als ob sie in eine andere Welt eingetaucht wären. Inouk versucht wieder seinen Trick, die anderen zu übertölpeln, aber der Platz unter der Rampe ist doch zu öffentlich, als dass er damit durchkäme. Iltschi ist der Erste, der ihm seinen Pansen streitig machen möchte, aber Inouk bleibt auch im öffentlichen Raum hartleibig und rückt nichts heraus. Da trollt sich lltschi wieder, nur um festzustellen, dass sein Anteil inzwischen Beine bekommen hat und vermutlich irgendwo unter der Buchshecke seiner Wiederentdeckung harrt. Wer den kapitalistischen Überlebenskampf verstehen will, muss sich nur dieses Spektakel anschauen; freiwillig gibt keiner was her, und wenn etwas den Besitzer wechseln soll, geht das nur mit Ohrfeigen. Was allerdings, siehe oben, auch nicht immer erfolgreich ist. Nach etwa zehn Minuten heben wir die Tafel auf und versenken die Reste in Heddas Schlund.
Achtung! Lebende TiereUm
Inouk17:30 Uhr wirft die Chefin einen Blick in den einigermaßen freundlichen Himmel und befindet, dass den Idefixe ein wenig Auslauf nicht schaden könne. So werden die Zwerge, je vier, in Fiannas und Heddas Box gepackt, die beiden Damen auf die Ladefläche hinter den Frontsitzen verwiesen – und los geht's, wieder hinüber, wo sich die Idefixe schon einmal umsehen durften, jetzt allerdings wildern wir sie nicht auf der Wiese beim Modellflugplatz, sondern direkt am Waldrand aus.
Über Stock und StöckchenUnd
Iltschi und diie Pferdeäpfelschon geht es mitten hinein ins Gestrüpp und Unterholz, über Stecken, Stock und Stöckchen. Einen schmalen, aber tiefen Wassergraben gilt es zu überwinden und vor allem heißt es: Anschluss an die Truppe nicht verlieren. Wer jetzt zu lange herumsudert, sieht sich schnell allein in Wald und Flur. Gänzlich ohne Survival-Kit kommen die Idefixe mit den Herausforderung bestens zurecht, zeigen keinerlei Scheu und sind neugierig wie Else Kling. Iltschi denkt schon mal darüber nach, seine Hausmannskost mit Pferdeäpfeln aufzupeppen und
Gipfelstürmersich
Indra auf Talfahrtim Rennen des Verfolgerquartetts einen Vorteil zu verschaffen, lässt aber das Ansinnen fallen, als all seine Geschwister mit einem Mal auf einem vier Meter hohen Kiesberg verschwunden sind; da ändert er seine Prioritäten und stürmt hinterher. Der Kiesberg am Ende des Ausflugs ist vermutlich das absolute Highlight, als plötzlich Mama und Tante da oben stehen und etwas höhnisch herabblicken. Das spornt sie an, die Explorateure, und treibt sie hinauf, mehr rückwärts rollend, als vorwärts ausgreifend. Aber sie schaffen es alle und triumphieren mit Mama und Hedda auf ihrem ganz persönlichen Everest. Welcher Zwerghovi kann sich schon solche Erfolge gutschreiben? Nach 30 Minuten verladen wir sie wieder. Das war ein anstrengender Tagesabschluss, etwas ganz Besonderes und die Idefixe haben nun sehr viel zu verarbeiten. Vermutlich werden wir heute Nacht die Registratur ihrer Ganglien bis ins Schlafgemach hinauf klappern hören.
Sonntag, 14.04.2019
Tiburtius kommt mit Sang und Schall, er bringt den Kuckuck und die Nachtigall. Das müsste ein doofer Kuckuck sein, der nach diesem Winter und den sehr fragwürdigen Aussichten jetzt schon hier wäre, obwohl er sich natürlich schon sputen muss, damit er seinen Brutwirten rechtzeitig ein Ei unterschieben kann. Unser Traditionskuckuck, der hier jedes Jahr sein Gastspiel gibt, ist jedenfalls noch nicht hier. Und von einer Nachtigallen hat in dieser Gegend sowieso noch nie jemand etwas gehört.
Auch heute beginnt ein grauer und sehr trüber Tag mit sparsamen 3 °C, und mehr als 11 °C schafft er auch nicht. Dazu weht ein steter, leichter Wind. Zum Kuckuck, es wird Zeit, dass mal die Himmelsheizung anspringt!
Der Lammpansen hatte offenbar einen sehr segensreichen Einfluss auf den Gedeih der Idefixe: 1880 g lassen sich jedenfalls sehen. Im Detail bedeutet das, dass es Irax, wie vermutet, geschafft hat, die Acht-Kilo-Grenze zu knacken: 8010 g (+330). Hinter ihm hat sich aber das Herrenquartett wieder einmal neu gemischt. Wir erinnern uns, gestern lautete die Rangfolge Iltschi, Iberl, Inouk und Ilmo. Und heute? 300 g Zugewinn sind eine Kampfansage und bringen Inouk wieder auf den Platz, der ihm selbst angemessen erscheint, auf den zweiten mit 7310 g. Iberl legt 270 g auf und landet mit 7290 g auf dem dritten Platz. Ilmo muss trotz 280 g mit dem vierten Platz und 7280 g zufrieden sein. Und Iltschi? Ihm hätten wir doch seine Pferdeäpfel gönnen sollen, dann wäre er sicher nicht so eingebrochen: 5. Platz, 7200 g (+130). Bei den Mädels hat sich Indra wieder revanchiert und mit 280 g (7040) an Isi vorbei und auch in den Vierzehnpfünderkreis gefressen. 230 g reichen Isi nur für 6900 g und den undankbaren Vor-Ignaz-Platz. Der steht sowieso über (eigentlich: unter) den Dingen, bescheidet sich mit 60 g und genießt seine 6700 g. Diese Fettpolster-Rallye sollen andere austragen. Warum soll er sich auch Gedanken über sein Gewicht machen, er hat, wie alle anderen, genug, um auf die Reise geschickt werden zu dürfen. Die Vorgaben des RZV für die Abgabe-Gewichte lauten nämlich: sieben Kilo oder das Dreizehnfache des Geburtsgewichts. Das hat auch Ignaz längst erreicht. So what.
Heute stehen wirklich wichtigere Dinge an, als diese Eitelkeiten: Heute kommt die Normenkontrollkommission zur Wurfabnahme. Mit dabei sein darf auch Papa Eddy, der schon ganz neugierig ist, wie sich seine Ableger zeigen werden. Und wir erst! Der H-Wurf hat geradezu eine unglaubliche Show performt, und natürlich wünscht man sich ein ähnliches Niveau, zumal die Idefixe sich hinter ihren Vorgängern nicht zu verstecken brauchen. Der Test besteht grob aus vier Teilen. Als Erstes
Iberlwird der Welpe in seine gewohnte und bekannte Umgebung gebracht und beobachtet, wie er sich hier verhält und ob er Kontakt zu den unbekannten Menschen aufnimmt. Dann folgt der Wesenstest in einem völlig unbekannten Raum, allein mit den beiden Zuchtwartinnen. Wir müssen draußen bleiben! Dort wird der Welpe abgesetzt und eine Minute lang völlig ignoriert. Man will also sehen, wie er sich unter diesen Bedingungen zurechtfindet, ob er einfach nur verschüchtert herumsitzt und auf ein Erdbeben wartet oder vielleicht losmarschiert und sich schon mal umsieht, egal was die zwei gerade machen oder eben nicht machen. Nach dieser Minute nehmen die Zuchtwarte Kontakt zum Welpen auf, lassen ihn über eine Rascheldecke gehen, trommeln ein wenig auf einem Karton herum, bringen einen Fußball ins Spiel und bieten ihn zuletzt einen Lappen, den er greifen und am besten wegtragen soll (Beute-Überprüfung). Anschließend findet in seiner gewohnten Umgebung die Erscheinungsbildbeurteilung statt: Zähne, Pigment, Haarfarbe, Marken, Ohren, Rute und natürlich die Hoden bei den Jungs. Zum Schluss wird er wieder auf den Boden gesetzt, und man will sehen, ob er beeindruckt ist oder freundlich, unbefangen und seinen Tagesgeschäften wieder nachgeht. Ein oft übersehener Mitspieler auf dieser Bühne ist die Zeit, die man braucht, um acht Welpen zu examinieren, weshalb man es nicht
Indravermeiden kann, gelegentlich einen Prüfling aus dem Schlummer zu holen oder kurz davor abzufangen. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Ergebnisse, weil schläfrige Hunde meist wenig kooperativ sind. Nach diesem Kriterium ausgewählt, beginnen wir das Schaulaufen mit Iberl und beenden es knapp zwei Stunden später mit Indra.
Die Unbefangenheitsüberprüfung zu Beginn und am Ende des Tests machen alle acht mit links: freundlich, unbeeindruckt und tatendrängig, endlich wieder zum Tagesprogramm übergehen zu dürfen. Auch die Erscheinungsbildbeurteilung lassen alle ohne Zaudern und Maulen an sich abtropfen, zumal die Prozedur beim Tierarzt gestern bedeutend unangenehmer war als das bisschen Gefummel heute. Größere Probleme im Erscheinungsbild werden auch nicht festgestellt, außer, dass bei zwei Prüflingen abgewartet werden muss, ob sich eine unerwünschte und zuchtausschließende Doppelmarke entwickelt.
Ignaz' MännlichkeitskontrolleDie Königsdisziplin ist jedoch der Wesenstest, vor dem alle Züchter wissen, dass sie nichts wissen. Ein Hund ist ein Hund und ein Hovawart ist gelegentlich ein Sauhund. Man darf also auf alles vorbereitet sein, auf ein Jahrhundertergebnis wie beim H-Wurf, auf nicht Fisch, nicht Fleisch und natürlich auf einen Rohrkrepierer. Am Ende des Wesenstest halten wir fest, dass sich die Idefixe im Schnitt auf sehr hohem Niveau bewegen. Wenn wir Iberl und Isi vorher krank gemeldet hätten, wäre sogar das H-Wurf-Niveau in Reichweite gelegen. Richtig brillieren Indra, Inouk und Irax. Die drei rocken das Testfeld, scheren sich nicht um die zwei seltsamen Damen, nehmen alles unter die Lupe und in Besitz, lassen ihrem Beutetrieb freien Lauf und verzücken die Zuchtwartinnen. Ilmo, Iltschi und Ignaz zeigen sich ein wenig reservierter, lassen sich aber zu nichts zweimal bitten und absolvieren die Teststationen letztlich souverän. Wenn man die ersten drei in ein hohes Vorzüglich stufen wollte, stünde bei diesen dreien ein ausgeprägtes Sehr gut zu Buche. Aber Iberl und Isi! Es gibt Leute, die schieben eine solche Performance auf einen sogenannten Blackout. Wer die beiden acht Wochen erleben durfte, muss zu
Iraxeinem anderen Schluss kommen, und der lautet: Blacksoul. Das gilt vor allem für Isi. Iberl will nicht so recht, will auf Mamas Schoß, ist vielleicht schlecht drauf und mit dem linken Bein zuerst aufgestanden; wer weiß schon, was in einem Kerl vorgeht, der acht Wochen vor nichts Halt macht und hier das Mauerblümchen gibt? Isi dagegen macht nicht auf Mauerblümchen, Isi gibt das Superpubertier. Und Isi zeigt allen, dass ein Hovawart auch dann schon ein Hovawart ist, wenn er es erst seit acht Wochen weiß. Sie macht nur, was sie will, und zwar, nur wenn sie will und sie den Zeitplan vorgibt. Auf Kommando, ohne hinlängliche Erklärung macht sie nichts. Und nichts bedeutet in Isis Fall: NICHTS. Isi sitzt mit ihren Pobacken im Boden verwurzelt und tut nichts außer zwei Löcher in die Zimmerwand zu starren. Die Wertekommission nimmt sie überhaupt nicht zur Kenntnis, lässt sie aber mittels ihres steifen Rückens unmissverständlich wissen, worüber sie ih
Isi, jetzt wieder handzahmr rutschen kann. Einzeln, eine nach der anderen, bitteschön. Wenn Isi bockt, dann bockt sie mit Herz und Seele, und zwar mit einer tiefschwarzen Seele. Isi ist ohne Zweifel ein starker Charakter, der ihr allerdings in diesem Fall in allen Disziplinen eine glatte Sechs einträgt. Die Chefin rollt ob dieses Auftritts verzweifelt die Augen, der Assi könnte sie knutschen und den Zuchtwartinnen entgleitet ebenfalls ein herzhaftes Schmunzeln, tun sich allerdings, in Kenntnis von Isis wahren Werten, schwer, die Zensuren mit gesträubten Federn ins Protokoll zu übertragen. Aber, was sollen sie sonst machen? Nach der Erscheinungsbildbeurteilung, die Isi ohne Beanstandung ausgesprochen freundlich über sich ergehen lässt, ist sie umgehend wieder die alte Isi, der man alles zutrauen kann und die vor nichts und niemandem klein beigibt. Der Assi bedauert zutiefst, dass beim Blues derzeit kein Platz für eine weitere Hündin vorhanden ist; er würde sie vom Fleck weg engagieren, so viel Seelenverwandtschaft verbindet sie beide.
Eddy mit seiner KinderscharWir
Eddy und Iraxnehmen an, dass auch Papa Eddy mit seinen Sprösslingen durchaus zufrieden ist, jedenfalls tobt er ausgelassen mit ihnen durch den Garten und lässt nicht erkennen, dass er Iberl und Isi gram wäre. Vermutlich durchschaut er sie besser als wir alle zusammen.
Und als der Abend heraufzieht und die Fütterung ansteht, stellen wir fest, dass das heute erst die dritte ist; die Vormittagsmahlzeit ist irgendwie der Wurfabnahme zum Opfer gefallen. War etwa gar Unterzuckerung die Ursache für Iberls und Isis Auftritt?
Montag, 15.04.2019
Wenn die Herzen Trauer tragen, verhüllt sich der Himmel in Hochnebel und frostet die Seele mit 5 °C. Was könnte unseren letzten gemeinsamen Tag trefflicher einläuten?
Die Idefixe übergeben uns infolge der gestern ausgefallenen Mahlzeit morgens nur vier kerngesunde Kostproben ihrer Darmtätigkeit und sind so umtriebig und entspannt wie immer. Wenn die wüssten, dass andernorts schon die Koffer gepackt werden, um sie morgen zu entführen. Dann hätte Isi tatsächlich Anlass zu erstarren. Aber möglicherweise beschlich sie schon gestern eine leise Ahnung und die Vermutung, dass der Prüfungstag der Beginn vom Ende sein soll.
Die gestern ausgefallene Vormittagsmahlzeit zeigt heute Wirkung auf der Waage: 1010 g. Irax hat es gestern, wie die meisten, entspannt angehen lassen und gerade mal 30 g aufgelegt (8040). Mit 80 g plus gelingt es Inouk nahezu mühelos, seinen zweiten Platz zu verteidigen (7390), was einiges über das gestrige Niveau aussagt. Iltschi macht es mit 140 g besser und mampft sich wieder auf den dritten Platz (7340). 7320 g bringt Iberl auf die Waage (+30 und vierter Platz). An Ilmo ist der gestrige Tag völlig vorüber gegangen: 0,0 g und fünfter Platz mit 7280 g. Indra stabilisiert ihren Vorsprung auf Isi mit 190 g plus und 7230 g. Isi kommt trotz 210 g mehr auf 7110 g, die weiterhin nur für den Vor-Ignaz-Rang reichen. Der Kleine hat dagegen das Büffet engagiert abgeräumt und mit 330 g nicht nur die 7000er-Marke verstoffwechselt, sondern nahezu ein Drittel der gestrigen Beute für sich reserviert. Das ist das Vorschlussergebnis, morgen kommt das Finale, dessen Resultat zumindest in der Spitze keine Überraschungen bereithalten dürfte.
IgnazDer
Hedda tollt mit IberlTag selbst bietet keine Besonderheiten gegenüber seinen Vorgängern, außer dass wir durch Zufall entdecken, dass Ignaz seit heute seinen Chip suprakutan, also im Fell spazieren trägt. Sack und Asche, das Ding ist ihm ausgekommen oder er hat es ausgestoßen. Welch ein Glück und Zufall, dass wir das überhaupt bemerkt haben, sonst hätten wir ihn morgen identitätsfrei übergeben. Das bedeutet, einen neuen Termin beim Tierarzt vereinbaren, allerdings nicht bei unserem Traditionstierarzt in Stephanskirchen, sondern gleich um die Ecke, bei unserer Nachbarin. Jetzt sind kurze Wege gefragt. Ignaz bekommt am frühen Abend einen Termin und einen neuen Chip, eigentlich sogar zwei, weil er den
Welpenspielplatz oder Wertstoffhof?ersten verweigert und sofort wieder abstößt. Ignaz, der zarte Herzensbrecher, zeigt heute sein wahres Ich als Ledernacken. Erst mit dem zweiten Anlauf gelingt es, Ignaz zu markieren. Zudem bekommt er einen zweiten Heimtierausweis, weil die Chipnummer in den Ausweisen seit einiger Zeit versiegelt sind und nicht mehr überklebt werden können. Und er braucht seinen alten Ausweis noch, weil dort seine Impfung bestätigt ist, jedenfalls so lange, bis ihm sein Tierarzt demnächst seine erste Immunisierung in den neuen Ausweis nachträgt. Der charmante Ignaz ist ein rechter Filou. Denn auch wir müssen nun seine fertiggestellten Unterlagen auch noch umschreiben. Da denkt man einmal, man habe den ganzen Papierkram und die Welpenordner zeitig fertig, was uns diesmal stolz und einigermaßen entspannt macht, und dann kommt so ein Ignaz daher und hat eine Bombenidee.
Alexandra will Ilmo nicht ziehen lassenHeute
Anna-Maria hält Isi ganz festhaben nur noch die unermüdlichen Helfer der letzten Wochen, Alexandra und Anna-Maria mit ihren Familien, Zugang zu den Idefixen. Es ist noch einiges zu erledigen und organisieren, und der Nachmittag ist dann eine lange und innige Abschiedsparty, die keine Störung, von wem auch immer, verträgt. Wir nehmen alle Abschied von unseren Lieblingen und beschließen den Tag mit Pizza und Pasta vom Italiener um die Ecke. Es liegt eine eigentümliche Stimmung zwischen Übermut und Wehmut in der Luft, zwischen Weißwein und Wermut, nur die Idefixe finden unermüdlich, dass das Leben eine Party ist. Wir lassen sie für eine letzte gemeinsame Kuschelnacht zurück.
Dienstag, 16.04.2019
Welch ein herrlicher Morgen! Die Sonne scheint ein Freund von Kidnappern zu sein und hält seit Tagen erstmals wieder Hof. Uns soll es recht sein, denn was wäre fürchterlicher als ein grauer oder regnerischer Abschied?
Abschied von den IdefixenDiesen nehmen wir gleich unter den frühen Morgenstrahlen von unseren Idefixen, die wieder so tun, als ginge sie das alles nichts an. Uns stockt das Herz. Da kann nur die Tagesroutine helfen: füttern und wiegen. Und so folgt nun das Finale furioso auf der Babywaage. Als ob die Idefixe fürchten müssten, in Zukunft nur noch mit Knäckebrot und Magermilch Vorlieb nehmen zu müssen, haben sie gestern noch einmal richtig zugeschlagen und mit 2850 g das zweithöchste Tagesergebnis herbeigeführt. Das ergibt folgende Abgabegewichte:
Irax 8400 g (+360).
Ilmo 7900 g (+620, wir haben dreimal gewogen! Was für eine Schlussrunde).
Iberl 7800 g (+480, auch das wollten wir nicht ungeprüft glauben).
Inouk 7700 g (+310).
Iltschi 7640 g (+300).
Isi 7460 g (+350), hat es also doch noch geschafft, Indra abzumeiern.
Indra 7420 g (+190).
Ignaz 7270 (+240).
Farewell-BrunchGegen 10 Uhr sind die meisten Kidnapper da, um sich bei einem Weißwurstfrühstück auf die nahe und ferne Zukunft mit ihren Idefixen einzustimmen, sich kennenzulernen und auszutauschen. Für uns sind das unvergessene Momente, in denen die gute Stimmung auch uns die Kehlen wieder ein wenig aufschnürt, obwohl die Szene auch viel Melancholie transportiert. Die Chefin gibt noch einige Anregungen, Hilfestellungen und Bitten an die neuen Idefixateure weiter, und dann werden sie entlassen, hinausgeschickt in die Welt mit unserem Segen und der Hoffnung auf ein Wiedersehen und ein ganz langes Leben. Es kommt, was unvermeidlich ist: der Abschied. Jetzt sind sie wieder zu die Kehlen der Chefin und des Assis, aber auch die unserer emsigen Helfer und Welpenkuschler, so zu, dass sie dicke Tränen aus den Augen treiben. Ja, Mensch, ist halt so. Geht endlich, geht mit Gott, aber geht...
TatortreinigerSchon um 11 Uhr verlässt uns als Erster der mächtige Irax, weil er den weitesten Weg von allen, ins ferne NRW, hat. Um 12:15 Uhr begibt sich Ilmo auf den Weg in Richtung Wien. Ignaz verlässt uns um 12:30 Uhr und Inouk um 12:40 Uhr, beide ins Schwabenland.
Verlassenes Paradies Um 13 Uhr macht sich Iberl auf, ein echter Tiroler zu werden, und eine halbe Stunde später reist Isi ins Salzburger Land. Um 13 Uhr ziehen erst Indra, dann Iltschi ins Allgäu. Und da ist er leer der Tanzboden der Idefixe, geradezu geplündert – und leergefegt, weil schon, seit die ersten abgezogen sind, unsere Helfer sich mit Wasserschlauch und Schrubber über alles hermachen, was einst ein Welpenparadies war. Wie die Heinzelmännchen schuften sie, halten uns den Rücken für die Trauer frei, und gegen 15 Uhr ist der Paradiesgarten von den Tatortreinigern leergefegt, um 16 Uhr alles verräumt und verstaut. Nur die Schäden in der Wiese deuten noch auf die vergangenen Wochen mit den Idefixen hin. Wie jämmerlich ein Paradies sein kann! So voller Narben.
Abends feiern wir den Abschied von den Idefixen mit Anna-Maria und ihren Eltern in den Aiblinger "Hofer Stubn", die wegen ihrer Gastlichkeit und Qualität der Speisen eine heiße Empfehlung für alle sind, die nach Bad Aibling kommen. Bei einem genüsslichen Mahl und guten Getränken löst sich Kummer in Wohlempfinden auf. Für Alexandra und ihre Familie müssen wir die Abschiedsfeierlichkeiten wegen dringender Termine auf später verschieben. Wir haben euch allen so sehr zu danken! Ihr ward uns acht Wochen eine unverzichtbare Stütze und so große Hilfe, habt geputzt, gebacken, gekocht, gestreichelt, behütet und unsere Hunde Gassi geführt, wenn uns die Zeit ausging. Zur Hälfte sind die Idefixe euer Werk und euer Verdienst. Vielen Dank.
Epilog I
Jacqueline GehmIgnaz lebt jetzt im schwäbischen Ahlen.
Das Leichtgewicht der Idefixe ist voller Charme und Schalk, klein an Gestalt, aber nicht im Geiste. Ignaz leistet sich gerne den finsteren Blick des Hagen von Tronje, hinter dem er seine perlenden Gedanken verbirgt, die einen Spaß nach dem anderen ausbrüten. Diese Späße treibt er mit seinen Geschwistern, die ihm wenig übelnehmen, aber auch mit uns, die ihm nichts übelnehmen können. Dann sind sie jedoch ziemlich hand- und bissfest, seine Späße, weil hinter dem spaßgetriebenen Charmeur ein äußerst griffiger Wadenbeißer und Hosenreißer steckt, der seine tückischen Attacken, ohne ein Wässerchen zu trüben, mit Bonbonaugen vorträgt und damit in unsere Augen ein Wässerchen treibt. Neben seinem sonst sehr sonnigen Gemüt ist Ignaz aber auch ein durchaus lebenstüchtiger Abenteurer, ein Erstbesteiger und Ersttester der angelieferten Trainingsgeräte, über deren Nützlichkeit und Tauglichkeit er sich gerne mit seinem Bruder Ilmo austauscht. Wenn es ans Toben und Spielen geht, ist Ignaz an vorderster Front, kugelt herum, überholt sich selbst und überrollt alles, was ihm im Weg ist. Dass er zu den ganz Schlauen gehört, beweist er bei seinem ersten Ausflug am Wassergraben, als ihm sein eingebautes Navi vorschlägt, den Hinweg auch als Rückweg einzuschlagen, er aber sofort umplant, als wir ihn mit Engelszungen zu uns rufen, die Situation erkennt und, die Empfehlungen seiner Fernsteuerung ignorierend, mit Vollgas zu uns geflogen kommt. Aus solchen Holz sind die Klugen geschnitzt, nicht die Verbohrten. Ignaz hat, so scheint es uns, immer den richtigen Durchblick, nicht nur weil er als erster seine Augen einen Spalt weit öffnete.
Bei seinen Geschwistern und in unserem Irr- und Wirrgarten ist er nie unter die Räder gekommen, und er wird es auch in Zukunft nicht. Da sind wir uns sicher.
Irax hat sich seine Hütte im nordrheinischen Düren aufbauen lassen.
Dr. Raoul Pöhler und Ina Krämer
Über Irax ist viel gesagt und geschrieben worden, was er vor allem seiner schier ungebremsten Massenvermehrung zu verdanken hat. Dabei ist Irax zu keinem Zeitpunkt dick, nur mächtig, so etwas, was man in Bayern als "g'standenes Mannsbild" bezeichnet. Wobei diese in der Regel eine prächtige "Wampn" vor sich her und einen rotgeäderten "G'schwollschädel" ohne Hals auf den Schultern tragen. Nichts davon darf man Irax nachsagen; er ist ein Mannsbild, also ein Bild von einem Mann, ohne jene lebensverkürzenden Attribute. Er ist optisch ein Silberrücken und emotional ein Goldstück. Er ist selbstbewusst, neugierig und naseweis, macht gerne den ersten Schritt in ein unbekanntes Land, vergewissert sich auch seiner Position im Rudel, die nur von seinen Schwestern gelegentlich, dann aber mit Nachdruck, in Frage gestellt wird. Am Ende aber lebt Irax friedlich zwischen seinen Geschwistern, weil einer, der mehr mampft, mehr Irxen (bay.: Muskeln) hat, und wer mehr Irxenschmalz (bay.: Muskelkraft) hat, hat meist seine Ruhe und recht. So ein geselliges und umgängliches Machtfaktotum hatten wir nur selten. Sein sicherer Instinkt zwischen Anspruch und Zurückhaltung wird ihm in Zukunft helfen, seinen Platz neben dem jetzigen Platzhirsch in der Dürener Stadtvilla, dem gereiften Hovawartrüden Mounty, zu finden, um mit ihm gemeinsam die Wach- und Schmus-Geschäfte zu gestalten.
In Zukunft wird Irax auf den Namen Picasso hören, der seinem schillernden und vielschichtigen Charakter in gewisser Hinsicht Rechnung trägt, vor allem aber in Anbetracht eines jener Idefixe mit der sparsamsten Markenausprägung keinen geringen Charme hat.
Familie Danisca Comploj Iberl wird ein Tiroler und lässt sich in Seefeld nieder.
Iberl ist jener Idefix, der rein optisch seinem Papa am nächsten kommt und damit für den stolzen Stamm der Hovawarte eigentlich schon mehr als genug geleistet hat, gerade in einer hohlen Welt der Äußerlichkeiten und Eitelkeiten. Doch es wäre zu kurz gegriffen, die Betrachtung Iberls mit dessen Aussehen einzustellen, zumal man sich damit ebenfalls einer unverzeihlichen Oberflächlichkeit schuldig machen würde. Aber zugegeben: Iberl macht es einem nicht leicht, seine Werte mit einem schnellen Blick abzugreifen. Er ist kein Lauter, er ist keine Rampensau und kein Hans Dampf in allen Gassen. Er ist kein Adabei, wie man in Bayern einen nennt, der immer und überall vorne dabei ist und sich in den Vordergrund spielt. Iberl ist eher ein Sodabei, einer, der einfach immer so dabei ist. Wenn es ihm danach ist, sieht man ihn den halben Tag nicht und dann haut er Irax ein paar Maulschellen um die Backen, dass der meint, mit dem Gottseibeiuns kollidiert zu sein. Iberl ist keiner, der seine Militärlaufbahn als Pionier oder Fallschirmjäger gestalten würde, aber wenn zur Schlacht gerufen wird, steht er sein Männchen, egal wo. Er ist keiner, der kopfüber in den Tümpel springt, um dessen Tiefe auszuloten; er würde erst seine Zehenspitzen bemühen. Iberl ist ein warmherziger, zufriedener und in sich ruhender Mainstreamer mit dem Hang zu kontrollierten und kontrollierbaren Aktionen. So versteht sich auch Iberls Weigerung, den Zuchtwartinnen zu zeigen, was in ihm steckt.
Iberl hört jetzt auf den Namen Ibo, was bestimmt dazu beiträgt, dass sich die nichtbayerischen Touristen in Tirol beim Rufen seines Namens nicht die Zungen verknoten.
Familie BrandstätterIsi bewacht fortan in Thalgau das Tor zum Salzkammergut.
Und dort sollte man sich auf einiges gefasst machen. Mit Isi hält eines der facetten- und fintenreichsten Blues-Exemplare Einzug im Salzburger Land. Wahrscheinlich ist, dass man sie anfangs mit "Isi ante portas" empfangen und bald schon als Kronjuwel an die Brust schmiegen wird. In Isi steckt das gesamte Rassespektrum des Hovawarts: Schmusebacke und Liebestöter, Krawallschachtel und Leisetreter, Troubadoura und Dudelsack, Waldfee und Moorhexe, Damenkränzchen und Love Parade, Champagner und Lebertran, Engelchen und Bengelchen eben, kurz: das ganze Schachbrett aus Tugenden und Untugenden. Sie ist immer auf Achse und auf der Lauer, hat immer eine Idee im Kopf und einen Plan im Hinterkopf. Und wenn sie ihre Räder bei der Wurfabnahme zum totalen Stillstand bringt, stehen eben alle Räder still, weil ihr Sturschädel es will. Zensuren sind überbewertet, Zäsuren das Salz in der Suppe. Isi ist ein Powerpaket, sie ist schlagfertig, ausdauernd, charmant und voller Esprit, neugierig, abenteuerlustig, unberechenbar und hingebungsvoll. Wer sich einen komplett ausgestatteten Hovawart wünscht und nicht vor seinen Abgründen zurückschreckt, landet bei Isi einen Volltreffer. Ihre neuen Leute haben mit unserer viel zu früh gestorbenen Eri, deren Nachfolgerin Isi nun sein darf, das nötige Rüstzeug für sie erworben und werden sie mit sicherer Hand durchs Leben geleiten – und sich von ihr gelassen leiten lassen.
Hilde AltenhönerIndra richtet sich in Sonthofen, im Oberallgäu, ein.
Und dort sollte man sich auf einiges gefasst machen. Mit Indra hält eines der facetten- und fintenreichsten Blues-Exemplare Einzug im Oberallgäu. Richtig, so begannen wir das Hohe Lied auf Isi. Und so gesehen könnten wir empfehlen, deren Text noch einmal zu lesen, um über Indra Bescheid zu wissen. Doch einige Unterschiede lassen sich festmachen und verdienen gesonderte Betrachtung. Indra ist die etwas ausgeglichenere der Schwestern und in manchen Aspekten zugänglicher; ihre Extreme liegen nicht so weit auseinander. So verweigert sie sich den Zuchtwartinnen nicht, sondern bringt ein Examen mit Summa cum laude nach Hause. Sie will häufiger als Isi ein gutes Mädchen sein und in den Himmel kommen, ein Beleg, dass sie neben ihren erkennbaren Vorzügen auch enorm pfiffig ist. Dazu kommen Unternehmungslust, Mut und Erfindungsgabe. Sie gehört durchwegs zu den Erstbesteigern und Testern aller Spielgeräte, probiert alles aus, schreckt vor nichts zurück und findet sich zuverlässig dort ein, wo das Leben eine Party verspricht. Rückschläge kontert sie mit Wiederholungen, Backpfeifen mit Rückschlägen. Sie gehört zu den kompromisslosesten Fersenkneifern und den unermüdlichsten Dauerläufern. Und, während Isi beim ersten Anblick einer Wasserschale kopfüber in diese stürzt und ein Vollbad nimmt, weiß Indra, was es mit dieser auf sich hat und löscht zielgenau ihren Durst. Und sie hat das lebenserhaltende Gen der Betörungsstrategien: Indra ist nicht nur Fiannas Herzenswanze, bei der sie sich nahezu alle Rechte gesichert hat, sondern schafft es sogar die unentspannte Hedda herumzukriegen und mit ihr Zerrspiele zu machen; wann immer Hedda sich unbeobachtet fühlt, ruft sie Indra zum Spiel. Das ist große Gaukelei und die beste Voraussetzung für ein Leben mit der siebenjährigen Anni, einer Tochter unserer Bruni, die sie wohl schneller als diese es bemerken kann um das Pfötchen gewickelt haben wird. An ihre Leute wird sie Ansprüche stellen, ihnen eine Menge abverlangen, aber ihnen noch mehr Glücksmomente bescheren.
Familie ReiterIlmo verbringt seine Tage im niederösterreichischen Gerersdorf bei St. Pölten.
Ilmo mit der weißen Zehe ist der Favorit einiger unserer Freunde und sein Weggang stürzt manche in eine kleine Lebenskrise. Ilmo ist tatsächlich der geborene Herzensbrecher, charmant, anschmiegsam und mit der nötigen Portion Schmäh bestückt (was seine Übersiedlung in den Wiener Dunstkreis rechtfertigt). Dieser Herzenszugang gelingt ihm allerdings bei seiner Mama nie so richtig, die ihm jedenfalls erheblich mehr Prügel verabreicht als allen anderen, von der allerheiligen Indra gar nicht zu reden. Hundemütter empfinden womöglich anderes als erstrebenswert als wir Menschen das tun; Ilmos Leutseligkeit und Hingabe gehört offenbar nicht dazu. Ilmo ist mit so vielen Fertigkeiten ausgestattet, dass er dennoch mit Siebenmeilenstiefeln durchs Leben schreiten wird, vor allem ist er ein Bewegungswunder und ein Gleichgewichtsspezialist. Auch seine Geschwister können es nicht lassen, die Spielgeräte unter die Lupe zu nehmen, aber bei ihnen behielt das Wörtchen "unter" häufig die Oberhand, während Ilmo meist obenauf bleibt. Während die anderen sich dann mit der Schwerkraft abmühen, macht er sich schon auf den Weg zu neuen Klippen. Ilmo ist hand- und kieferfest, hartnäckig nicht nur am Klettergerät und stimmgewaltig bis hin zum Akustikterroristen, wenn ihm die ganze Richtung nicht passt. So investigativ und allem Neuen aufgeschlossen er auch ist, und so sehr er sich ins Kampfgetümmel wirft, Futtergetümmel und -gewimmel an der Futterschale sind ihm ein Gräuel. Da zieht er sich indigniert zurück und versucht sein Glück lieber im Muttibräu. Und da ist sogar der oft gescholtene Ilmo wieder gern gesehen und bekommt einen Extraschluck mit auf seinen Weg – den er gewiss zu unser aller Freude machen wird, und das sogar unter seiner neuen Identität: Rocky.
Familie GrabovacInouk treibt jetzt seine Späße im schwäbischen Heidenheim a. d. Brenz.
Es ist zu hoffen, dass in Heidenheim keine Gartenhäuschen offenstehen und Zäune sowie Mauern mindestens mannshoch sind. Andernfalls übernehmen wir keine Garantie für die Unversehrtheit des dahinter bewahrten Hab und Guts. Inouk ist nämlich ein großer Entdecker, den wir schon als Thor Heyerdahl der Idefixe bezeichneten. Er begibt sich in jede Gefahr, betrachtet nichts als unlösbar und bringt sich damit gelegentlich in ausweglose oder zumindest missliche Situationen. Aber das bringt ihn weder aus der Ruhe noch aus der Fassung. Ein über seinem kleinen Kopf verklemmter Joghurtbecher wird trickreich abgestreift und als nützliches Rüstzeug für den nächsten Selbstversuch verbucht. Panik? Mamarufe? Fehlanzeige. Inouk verlässt als Erster seine Schlafbox über den Bretterverschlag und kurvt entspannt durch die Küche. Selbst er weiß wahrscheinlich nicht, wie er das bewältigt hat, aber ihn beschäftigt so etwas nicht. Inouk ist schnell wie Herbie und hat größte Mühe, sein ständig ausbrechendes Heck zur Ordnung zu rufen. Dann gibt er eben noch mehr Gas, um seinen Popo zu disziplinieren. Logisch. Inouk ist so eine Art fröhlicher Selbstmörder und eine ständige Gefahr für seine Mitbewohner. Inouk kennt nur volles Gas und volles Glas. Lustig ist er wie kein zweiter, schelmisch und bereits mit vielen Wassern gewaschen. Wer in ihm jedoch nur den Gaudiburschen sieht, sollte auch seine kompromisslose Sicherung seiner Pansenbeute in die Betrachtung einbeziehen. Keine Spur mehr von Gaudibursch, Harlekin und Kaspar. Inouk weiß nämlich sehr wohl auch, worauf es im Hundeleben ankommt und ist bestens für ein solches vorbereitet. Die Butter lässt er sich vielleicht vom Brot nehmen, nicht aber den Pansen aus den Fängen. Das Leben, so viel weiß schon der kleine Inouk, ist nur dann ein Quell der Freude und ein langer Spaß, wenn man nicht zum Spaß der anderen wird. Als Nachfolger unseres viel zu früh verstorbenen Herzensbrechers und Chefkomikers Darendi ist Inouk die absolute Topbesetzung.
Familie VoglerIltschi ist jetzt in Bad Grönenbach, im Unterallgäu, zuhause.
Passend zum Allgäu ruht Iltschis Dasein, wie ein ordentlicher Allgäuer Melkschemel, auf drei festen Beinen: seine Pfoten, sein großes Herz und – sein Name. Tatsächlich ist Iltschi der erste Welpe aus unserer Wurfbox, der einen Wunschnamen bekommt. Weil sein neues Frauchen der Farbe Schwarz huldigt und bisher nur schwarze Hunde, schwarze Pferde und schwarze Katzen in ihrer Nähe duldete, muss Iltschi, der es selbst nicht zum schwarzen Hund schaffte, wenigstens einen schwarzen Namen tragen, eben den von Winnetous Rappen: Iltschi. Dem können wir zustimmen, sind aber froh, dass sie sich nicht um einen Welpen aus dem H-Wurf bewarb und auf Old Shatterhands Rappen abhob: Hatatitla. Das hätte bei uns vermutlich zur Schnappatmung genötigt. Neben seinem Namen besticht Iltschi durch ein äußerst geschicktes Pfotenspiel. Seine Vorderpfoten benutzt er fast wie Hände, zerrt, schubst und kugelt alles herum, hat alles fest im Griff und lässt es nicht mehr los, greift sich Decken, Becher, Dosen, fummelt in Taschen, umarmt und, ja, auch das, verpasst mit ihnen veritable Ohrfeigen. Ein Platz im Magischen Zirkel müsste ihm eigentlich sicher sein; er ist ein Zauberer mit seinen Händen. Und sein Herz erst. Wo ein Mensch ist, ist Iltschi nicht weit. Wo ein Schoß ist, ist der Erdboden leer. Wo ein Arm ist, liegt Iltschi Herz an Herz. Blickt man sich um, blickt man in ein Lächeln von Iltschi. Spötter behaupten, es gäbe von Iltschi weniger Bilder als von seinen Geschwistern, weil er sich meist im Makrobereich des Kameraobjektivs aufhält. Ansonsten ist Iltschi völlig normal: zünftig, lustig, umtriebig, spielsüchtig, rennmausig, naseweis und experimentierfreudig. Und das alles mit Hingabe.
Ob er als Nachfolger von unserem unvergessenen Cento und dessen Vater Max eine Championkarriere auf den Laufstegen machen und durch seine Schönheit brillieren wird, bleibt abzuwarten. Aber im Sport darf er sich, wie sie, beweisen und zeigen, dass er nicht nur ein großes Herz hat, sondern es auch am rechten Fleck trägt.
Epilog II
Fianna hat die Strapazen ihrer dritten Mutterschaft bestens überstanden und fühlt sich pudelwohl. Dank unserer bienenfleißigen Tatortreiniger war alles, was an die Idefixe erinnert schon abends weg und verstaut, weshalb Fianna schon am nächsten Tag keinen Welpenblues mehr hatte und nicht mehr nach ihren Kindern suchte. Am Donnerstag fuhren wir dann für eineinhalb Wochen in Urlaub, und danach war für sie sowieso alles vergessen und Geschichte.
Die Idefixe sind alle problemlos in ihren neuen Revieren angekommen und haben sich bestens eingelebt. Diejenigen, die eine Welpenschule besuchen, machen dort eine Bella Figura und zeigen, was sie in acht Wochen gelernt haben. Das macht den Züchter glücklich und den Besitzer stolz.
Eine
nie da gewesene Ehre wurde den Idefixen zuteil, indem ihnen zu Ehren eine nach ihnen benannte Gartensiedlung errichtet wurde. Anna-Maria konnte und wollte nicht auf ihre Idefixe verzichten und bastelte ihnen eine Spatzenkolonie mit dem Namen "Krachmacherstrasse". Bei dieser Kolonie handelt es sich um acht Wohneinheiten für Spatzen, von denen jede einem Idefix gewidmet ist. Sollten sich andere Interessenten dort einmieten, wird wohl trotzdem keine Fehlbelegungsabgabe fällig. Was für eine bezaubernde Idee! Wir schämen uns nicht, zutiefst gerührt zu sein. Danke.
Wir haben also allen Grund Dank zu sagen, allen die am Gelingen des I-Wurfs beteiligt waren, manche weit über das übliche Maß hinaus, Dank also ganz besonders an Alexandra und Anna-Maria und deren Eltern. Ihnen wurden die Idefixe förmlich vom Herzen gerissen, aber sie haben einen ganz großen Anteil am Gelingen der Idefixe geleistet. Den größten Anteil am Gelingen der Idefixe haben jedoch Fianna und Eddy, die wir dafür gar nicht fest genug ans Herz drücken können: Vergelt's Gott, ihr zwei.
Wir tauchen nun wieder in den Alltag ab. Wann wir aus ihm wieder auftauchen, überlassen wir dem Schicksal und den laufenden Ereignissen. Bis dahin
Keep on the sunny side, always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life
It will help us ev'ry day, it will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life
ZBNr. 38595-17, HD-B1, frei von erblichen Augenerkrankungen, Heruntersuchung ohne Befund
NZB, JB, ZTP
BH
Hedda vom Bairischen BluesWenn man in einem Wurf vier Hündinnen zur Auswahl hat, darf man sich glücklich schätzen. Man kann darüber aber auch schlaflose Nächte haben. Man kann sich bei der Beobachtung und Beurteilung der Fürs und Wieders in Details verheddern oder in all der Harmonie das Besondere übersehen. Man kann auch resignieren und zur Erkenntnis kommen, dass es doch eigentlich völlig egal ist, für welche dieser Herzensbrecherinnen man sich entscheidet. Man kann aber auch hartnäckig am Ball bleiben und auf den einen, den entscheidenden Moment der Entscheidungsfindung hoffen. Fianna hat sich uns aufgedrängt, hat uns nachgestellt, uns nahezu gestalkt, bis wir sie ans Herz und in die Familie aufgenommen haben, aber von den vier Kandidatinnen des H-Wurfs kam keine aus der Deckung, wanzte sich keine in unser Herz; selbstbewusst ließen sie uns mit unserer Entscheidung allein.
Auffällig war nur Heddas starke innere Ähnlichkeit mit ihrer Mama, und das war eher ein Ausschlussgrund: Eine Blaupause ist eben nur eine Kopie und kein Original und sei sie noch so perfekt. Und jede Kopie entwertet das Original. Das war nun wirklich das letzte, das wir im Sinn hatten.
Mal schnell mit dem Schlüssel ab durch die MitteUnd dann war es genau eine dieser vererbten Eigenarten, die die Entscheidung brachte. Wie einst Fianna lebte Hedda gerne antizyklisch zwischen ihren Geschwistern, schlief, wenn die anderen tobten und ging ihrem Tagwerk nach, wenn ihre Geschwister schliefen. An einem solchen Tag in der sechsten Woche war Hedda mit sich und ihrem Garten beschäftigt, als alle anderen ruhten. Und wir nutzten die Gelegenheit, mit ihr zu spielen. Wir warfen ihr ein Actimel-Fläschchen, sie nahm es auf und brachte es uns. Wir nahmen es ihr ab, warfen es wieder weg und Hedda brachte es uns zurück. Zufall? Nein. Beinahe zehnmal wiederholten wir das Spiel und der Actimel-Zwerg dachte nicht daran, unseren Spieltrieb zu sabotieren. Mit jedem Mal schien Hedda mehr Spaß an dem Hin und Her zu haben. Da war die Entscheidung gefallen: Ein sechswöchiger Welpe, der nicht weltvergessen mit sich spielt, sondern mit uns! Ein sechswöchiger Welpe, der seine Beute nicht sichert, sondern mit uns teilt, damit das Spiel weitergehen kann. Sorry, Halina, Hakuna und Hetty: Darauf hättet ihr auch kommen können, besser: kommen müssen.
Seither ist Hedda unverzichtbarer Teil unserer Wohngemeinschaft. Und obwohl wir zu ihren Schwestern, die sich auch alle prächtig entwickelt haben und dem Blues bestens zu Gesicht stehen würden, viel Kontakt haben, haben wir unsere Entscheidung nie in Frage gestellt. Wenn Fianna der Gaumenschmaus ist, ist Hedda die kongeniale Weinbegleitung.
Hedda immer mit VollgasHedda ist voller Lebensfreude und Charme eine Triebmaus und Spielratz, dass man manchmal Sorge haben muss, ihren Bedürfnissen nicht gerecht zu werden. Darin spiegelt sie ihre Oma Franzi wieder, der sie allerdings die unendlich scheinende Freundlichkeit, gegen jeden und alles voraus hat. Die Oma konnte schon auch mal zickig sein; davon scheint Hedda nichts abbekommen zu haben. Und schnell ist sie, schnell wie ein Gerücht in den unsozialen Netzwerken; und auch das ist ein Erbe ihrer Oma. Wie sie, ist sie wissbegierig, arbeitsfreudig und geistig von der ganz schnellen Truppe. Sie braucht nicht viel, um zu verstehen, worum es geht. Von ihrer Mama hat sie die bedingungslose Führigkeit, den Willen zu gefallen und die Gelassenheit ihrer Umwelt gegenüber.
Doch während Fianna im innerfamiliären Verhältnis Respekt und Distanz pflegt, setzt Hedda ihre Wünsche beharrlich und mit Charme auch gegen unsere Meinung in die Tat um. Gegen den erklärten Willen der Chefin und den Bedürfnissen ihres Chefs hat sie dessen Bett erobert und beide in schmunzelnder Resignation zurückgelassen. Fianna verlässt das unrechtmäßig bestiegene Bett bei Eintritt des Chefs ins Schlafgemach. Hedda dagegen freut sich, einen Kuschelpartner zu haben, leckt ihm die Ohren und grunzt vor Behaglichkeit. So what... Im Wohnmobil hat sie sich den Platz zwischen Fahrer- und Beifahrersitz erobert, was noch keine ihrer Vorgängerinnen schaffte. Da liegt sie dann und schläft. Stundenlang. Wenn sie die Seite wechseln muss, meldet sie sich zur Stelle und will wissen, wie lange das noch geht – und taucht wieder ab. Und so ist Hedda, wie Anouk, Franzi und Fianna, eine eingeschworene Wohmobilistin geworden, der selten etwas zu lang ist und die überall sofort zuhause ist.
Hedda mit 6 Monaten bei der Unterordnung am Strand in der BretagneNeben all diesen augenfälligen Eigenschaften, schlägt vor allem Heddas Sporttauglichkeit besonders positiv zu Buche, weil sie nie genug davon bekommen kann. Der schlimmste Moment für sie ist der, wenn sie den Platz verlassen soll: Noch einmal ein bisschen Fußgehen, och, komm, ein Voraus noch oder noch besser: den Kerl in Leder zu bearbeiten. Hedda ist unermüdlich. Dabei ist sie sehr gelehrig, aufmerksam, konzentriert und mit ganzem Herzen bei der Sache. Auch das hat sie in dieser Konsequenz von ihrer Oma, allerdings setzte diese alles perfekt, aber minimalistisch um, während Hedda mit Überschwang immer noch ein bisschen mehr beisteuert. Das ist Fiannas Erbe. Und nicht zu vergessen: Das ihres Vaters Ery, denn der ist nicht nur Samenspender, sondern eine Art Hintergrundrauschen des Urknalls. Wer Ery erlebt hat, wundert sich nicht über seine Kinder. Manchmal beschleicht uns der unzulässige Verdacht, Ery habe es geschafft, das Beste aus Franzis und Fiannas Anlagen herauszukitzeln.
Und hat das Kind denn gar keine negativen Seiten? Doch. Sie setzt sich auf unseren Schoß, wenn sie gekuschelt werden will, und das will sie häufig. Sie hat anders als ihre Mama einen deutlich ausgeprägten Zerkleinerungsdrang, weshalb sie auch den Ehrentitel Shredder-Hedda tragen darf. Sie mag keine Igel (Oma!), hat etwas gegen Vögel im Garten (was ihr unseren Zorn einträgt) und ist seit ihrem Urlaub auf Sardinien, wie ein Retriever, nur schwer zu kontrollieren, wenn sie Wasser in die Nase bekommt. Und sie ist sehr redselig, manche meinen: geschwätzig, weil sie jede Lebens- und Stimmungslage verbal zum Ausdruck bringt – leider, für unseren Geschmack um eine Oktave zu hoch. Sonst noch was?
Nein, im Gegenteil. In Konkurrenz zu ihren sehr waidmännisch gestimmten Geschwistern, ist Hedda eine ausgesprochene Wildpret-Abstinenzlerin. Wir kennen niemanden, der das den negativen Eigenschaften zurechnen würde. An Beutetrieb fehlt es ihr wahrlich nicht, aber der Rückruf mit Verheißung auf eine Kuschelrunde mit Hundeconfiserie steht bei ihr eindeutig höher im Kurs, als eine Hetzjagd mit zweifelhaftem Ausgang. Noch! Ob sie in Zukunft irgendwann einmal eine andere Gewichtung der Angebote vornimmt, bleibt abzuwarten. Für den Augenblick sind Spaziergänge mit Hedda voller Unbeschwertheit, Entspannung und unermüdlichen Spielsequenzen.
Hedda mit Soo-Mi: da sind wir Erwachsenen nur noch 2. WahlMit Hedda haben wir zum ersten Mal eine Hovawarthündin die Kinder liebt. Für Kinder - speziell die, die sie kennt - sind sogar wir abgeschrieben. Mit ihren Kinderfreunden marschiert sie durchs Unterholz des Mangfalltals, erlebt mit ihnen gemeinsam die schönsten Abenteuer – und wir dürfen die Leine hinterhertragen. Da wird kein Blick zurückgeworfen, da wird nicht auf uns gewartet; wo Kinder sind, dort fühlt sich Hedda wohl.
Zusammenfassend läst sich über Hedda sagen: Sie ist eine ausgesprochen gutmütige und freundliche Hündin mit einem hochentwickelten Sozialverhalten. Dabei hat sie einen ausgeprägten und unermüdlichen Spiel- und Beutetrieb. Sie ist wendig, schnell und robust. Mit ihrer Auffassungsgabe lernt sie fix und begierig alles, was ihr angeboten wird – das Gute wie das weniger Gute. Zuhause ist sie das Anlehnungsbedürftigste, das jemals unsere Mauern mit Leben füllte. Autonomes Separieren in fernen Ecken ist ihre Sache nicht. Allerdings ist ihre Mama noch immer ihr Kuschelpartner Nr. 1. Hedda liebt Fianna und Fianna liebt Hedda. Beide sind ein Herz und eine Seele, gelegentlich eine Mangfalltaler Stampede, der man tunlichst und schleunigst aus dem Wege geht. Meist aber findet man Mutter und Tochter in inniger Umarmung, beim Schnäbeln, gegenseitigen Ohrenputzen oder Augenbalsamieren. Die beiden sind unzertrennlich und dulden gerade deswegen ohne jede Eifersüchtelei Eindringlinge in ihre Zweisamkeit. Sie sind sich ihrer gewiss. Und wissen uns als starke Stützen an ihrer Seite.
Am 15. September 2018 besteht Hedda in Nürnberg ihre Jugendbeurteilung (JB). Sie macht das mit der Souveränität einer anderthalbjährigen Hündin, die von bisher unbekannten Aufgaben herausgefordert wird. Anders gesagt: Sie beeindruckt uns und die Körmeisterin, weil sie sich mit Schwammerln in den Knien nicht unterkriegen lässt, sondern nach vorne geht und der Gefahr die Stirn bietet. Die Körmeisterin nennt sie daraufhin die "Checkerin vom Wald", weil sie ihrem Frauchen unmissverständlich zu verstehen gibt, dass heute alles anders ist als sonst, sie die Sache aber für sie in die Hand nehmen wird. Und das tut sie. Wie gesagt, auch mit etwas weichen Knien.
Am 22. September 2018 steigt Hedda anlässlich der Landessiegerschau in Hohenpeißenberg gegen sechs Konkurrentinnen (darunter ihre drei Schwestern) in den Ausstellungsring der Zwischenklasse Hündinnen. Und auch hier beweist sie, dass sie eine echte Checkerin ist. Weil ihr Frauchen gesundheitsbedingt nicht in den Ring steigen darf, läuft Hedda eben mit unserer Freundin Gerda ausgreifende Ringrunden und dabei zu großer Form auf. Am Ende gewinnt sie ihre Klasse und macht ihr schwächelndes Frauchen glücklich und bollestolz.
Zwei Jahre später besteht Hedda als etwas gereifte Hündin die ZTP im zweiten Anlauf, beim ersten Versuch mit gerade zwei Jahren und direkt nach 8 Wochen Welpenschar des I-Wurfs im Haus hatten die Nerven nicht mitgespielt. Dieses Mal nun konnte sie zeigen, was in ihr steckt und hat die ZTP souverän gemeistert. Und die Begleithundeprüfung wurde am 31. Oktober 2020, gerade noch vor dem nächsten Corona-Lockdown souverän bestanden.
Am 23. Mai 2021 schenkt uns Hedda zusammen mit Papa Lando von Acro Bado acht schwarzmarkene Welpen (J-Wurf), die sich alle prächtig entwickeln und ihren Leuten viel Freude bereiten.
Nach einer halbjährigen Europareise von Weihnachten 2021 bis Juni 2022 gibt Hedda mächtig Gas, um nach all den Corona-Behinderungen und Lockdowns doch noch ein richtiger Gebauchshund wie ihre Mama und Oma zu werden. Am 12. November 2022 ist es dann soweit: Hedda besteht die IPG 1 mit Anstand (93-84-84 a), aber ohne Glanz, weil die Trainingslücken in der Kürze der Zeit doch nicht ganz ausgemerzt werden konnten.
Am 17. November 2022 wird Hedda von Kosinus vom Nadjangrund (Kuno) gedeckt. Wenn uns die Natur keine Steine in den Weg legt, erwarten wir Mitte Januar 2023 unseren K-Wurf.
Eigentlich sollte Hedda Anfang Februar 2021 läufig werden, so sah es jedenfalls der von Gott und Züchter gewollte Plan vor. Und tatsächlich sah alles danach aus, dass sie sich an unseren Masterplan halten wollte, was bedeuten würde, dass ihre nächste Läufigkeit etwa Anfang August zu erwarten wäre. Da wollten wir sie dann mit einem adretten Jüngling verkuppeln. Der weitere Zeitplan hieß dann, Geburt etwa Mitte Oktober und Welpenabgabe Mitte Dezember. Und anschließend wollen wir dann sechs Monate mit dem Wohnmobil Europa bereisen (Sabbatical 2022). Die Fixierung auf den Herbsttermin ergab sich daraus, dass die Chefin Ende August/Anfang September ein Staatsexamen mit erheblichem Lernaufwand vor der Brust hatte, sodass der Frühjahrstermin keine gute Idee gewesen wäre.
Hedda zeigte tatsächlich Anzeichen einer Läufigkeit, die sich vor allem in einer besonderen Begeisterung für alle männlichen Nachbarn manifestierte, denen sie ihren lotterhaften Charakter mitsamt ihrem Herz vor die Füße warf, was diese wiederum mit fulminanten Fruchtbarkeitstänzen beantworteten. Nur eines zeigte sie nicht: Blut. Kein Tropfen! Da uns Hedda schon einmal mit einer weißen Läufigkeit überrascht hatte, nahmen wir an, dass sie von unseren Plänen Wind bekommen hatte, vielleicht von ihrer mit allen Wassern gewaschenen Mutter Fianna zugeflüstert, und uns ein Schnippchen schlagen wollte. Eine weiße Läufigkeit ist eine normale Läufigkeit, und die Hündin ist auch empfangsbereit, nur ist die Planung des Decktags ohne Blut keine leichte Sache. Uns war es egal, wir wollten sie ja erst im August zum Altar führen, obwohl wir schon ein wenig verunsichert waren.
Doch am 11. März, einem Donnerstag, entdecken wir winzige, bereits
angetrocknete Blutstropfen auf dem Treppenhausabsatz der ersten Etage. Sofort bewaffnet sich die Fortpflanzungsbeauftragte des Blues mit einem Papiertaschentuch und schreitet bei Hedda zur Heckinspektion. Tatsächlich: Blut. Kein Zweifel. Hedda hatte offenbar angesichts der bis zu -20 °C im Februar ihren Zyklus bis auf weiteres gestoppt, um zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln würden. Hündinnen machen das gelegentlich so, auch andere Arten passen ihr Fortpflanzungsverhalten oft den äußeren Bedingungen an; schließlich muss man die Plagen später durchbringen. Dabei hilft eine verantwortungsvolle Planung. Anscheinend ist Hedda nun zum Entschluss gekommen, dass das Gröbste vorüber ist und eine Familienplanung seriös in Angriff genommen werden könne.
Parallel dazu erfährt die Chefin des Blues und hauptberufliche Gymnasiallehrerin, dass sich der avisierte Prüfungstermin Ende August auf den feingeistigen Untiefen des Bayerischen Staatsministerien für Unterricht und Kultus gestrandet ist und mit ihm die aufwändige und wochenlange Prüfungsvorbereitung. Und das bringt sie auf eine Idee, die sie am 12. März auf dem Frühstückstisch ausbreitet: „Was hältst du davon, wenn wir sie jetzt decken lassen?“
„??“
„Prüfung fällt aus. Zeit hätten wir.“
„??“
„Osterreise im Womo fällt sowieso ziemlich sicher dem Virus zum Opfer.“
"Und Heddas IGP1?"
"Keine Aussicht auf Öffnung des Hundeplatzes in näherer Zukunft und damit auch keine Prüfung Anfang Mai."
„Und Pfingsten?“
„Fällt flach. Dafür gibt es eine Sommerreise. Vielleicht. Und außerdem hätten wir mehr Zeit, unser Sabbatical vorzubereiten, was wir sonst während des Wurfes unterbringen müssten.“
„Ok. Passt. Machen wir.“ Dem Chronisten zieht schon der betörende Welpengeruch durch die Nase, Widerstand zwecklos.
Eine Nachfrage im Sekretariat unseres Bräutigams Lando, ob es eventuell Schwierigkeiten mit dem geänderten Terminplan gäbe, wird etwa so beantwortet: „Wieso? Welche Pläne sollte man in diesen Zeiten denn schon haben?“ Corona kann auch zu was nütze sein. Nun, denn…
Montag, 15. März 2021
Wir haben um 11 Uhr einen Termin bei unserem in neun Würfen bewährten Fortpflanzungsorakel Dr. Dusi-Färber in Baldham. Heute steht ein Scheidenabstrich zur Klärung von Heddas Bakterienbesiedelung an, um eventuell mit Antibiotika gegen unerwünschte und gefährliche Bakterien vorgehen zu können. Schon mancher Wurf ist deretwegen nicht geworfen worden. Außerdem nehmen wir noch ein Wurmmittel für Hedda und Fianna mit, denn auch Würmer haben nichts im Brutkasten und Wochenbett zu suchen. Den nächsten Check vereinbaren wir für Freitag, wo dann die Zytologie und ein Progesterontest auf dem Plan stehen.
Mittwoch, 17. März 2021
Es l
iegt Schnee vor der Tür. Richtig Schnee, über fünf Zentimeter. Der wird sich sicher nicht lange halten, aber hoffentlich kommt jetzt Hedda nicht auf die Idee, ihr Produktion ein zweites Mal abzublasen. Immerhin haben wir gestern bereits einen neuen Pack Welpengitter für den Garten bestellt, um die maroden hölzernen Teile unseres Kinderspielplatzes auszusortieren. Das kann sie uns jetzt bitte nicht antun…
Freitag, 19. März 2021
13 Uhr: Temin beim Fortpflanzungsorakel. Heute steht ein Scheidenabstrich für die Zytologie auf dem Programm, womit man die Zellveränderung begutachten und den Fortschritt der Läufigkeit bewerten kann. Außerdem muss Hedda noch eine Vaginoskopie mit einem Spekulum über sich ergehen lassen, wobei die Fachfrau die Fältelung der Scheidenwand begutachtet, die sich typisch mit dem Fortschritt des Zyklus entwickelt. Seit unserem letzten Orakelbesuch hat dieses aufgerüstet und einen Monitor in der Praxis, auf dem man Heddas Innenleben mitbetrachten und zumindest schlau und wissend blicken kann, wenn auch der
Erkenntnisgewinn überschaubar ist. Und zum Schluss werden Hedda noch ein paar Tropfen Blut abgenommen, um das Progesteron zu messen. Es wäre übertrieben zu behaupten, Hedda würde diese Eingriffe in ihr Sanctum mit Vergnügen begleiten, aber sie steht auf dem Tisch, ungerührt und reglos, lässt alles über sich ergehen, jammert nicht, quietscht nicht, versucht auch nicht, ihr Hinterteil aus der Schussbahn zu bringen: Sie ist einfach ein braves Mädchen und tut, als ob sie das alles nichts anginge. Ihre drei Vorgängerinnen haben in dieser Praxis jeweils eine andere, sehr konsolidierte Meinung gehabt: Sie fanden das äußerst anmaßend und versuchten sich, dieser Zugriffen zu erwehren, nein, nicht mit dem vorderen Waffenarsenal, sondern mit höchst flexiblen Leibesübungen, die das Begleitpersonal beträchtlich ins Schwitzen brachten. Heute sind wir versucht, dieses Praxis-Yoga als eine Art Vorläufer der „Me Too-Bewegung“ zu begreifen. Fianna verweigerte nach den Maßnahmen sogar standhaft jegliche Leckerchengabe: nix da! Käuflich wollte sie sich nicht verkaufen, schon gar nicht nach diesen Untergriffigkeiten. Ganz anders Hedda. Pragmatisch wie sie ist, erträgt sie, was sie eh nicht verhindern kann und nimmt dafür mit, was sie kriegen kann. Futter geht bei Hedda immer. Bestechlichkeit hat in ihrer Welt keinen Modergeruch, jedenfalls nicht, solange sie die Begünstigte ist. Nach dem Abgang vom Behandlungstisch und der Leckerei gibt sie jedoch Gas und ist schneller aus der Praxis als der Arm ihrer Leinenführerin lang ist. Und tschüss.
Um 16 Uhr erreicht uns die Info aus der Praxis, dass der Progesteronwert bei 2,19 steht. Zwischen 4 und 8, im Mittel also etwa bei 6, findet normalerweise der Eisprung (Ovulation) statt. Dieser Tag und die folgenden zwei Tage sind ideale Decktage. Da wir nicht wissen, ob Hedda zu jenen Hündinnen gehört, die der Natur ihren Lauf lassen oder eher zu denen, die richtig Gas geben, vereinbaren wir einen weiteren Termin morgen Mittag. Dann wird man sehen, wohin die Reise geht, vor allem: wann.
Früher haben wir zur Absicherung des veterinärmedizinischen Orakelspruchs gerne e
inen Bio-Progesterontest am lebenden Rüden hinzugezogen, der gestaltet sich aber aus zwei Gründen bei Hedda etwas schwer. Erstens hat unser langjähriger Nachbar und Cheftester Blacky, auf den absolut Verlass war, seine irdische Karriere nach rund 15 Lebensjahren beendet und steht somit nicht mehr zur Verfügung. Die andere Sache ist Heddas ambivalentes Verhalten gegenüber Rüden: Gute Bekannte und Freunde jagt sie vom Hof und Gelegenheitsbekanntschaften macht sie den Hof und sich blank. Woran soll man sich da halten? Den Chronisten erinnert diese fluktuative Einstellung an das stilbildende Motto seiner Jugend: Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment. Aber was weiß unser Jungfräulein denn von diesen Dingen?
Das Wohnmobil, unser treuer, aber gelegentlich eigenwilliger Franz II, ist schon aus seinem Winterlager geholt worden, bekam auch zwei frische Gasflaschen spendiert und wartet gelassen ab, wann er zur Tat gerufen wird. Nur eines findet er sehr unangemessen: Es schneit und schneit… da hätte er lieber noch ein paar Tage im Lager abgewettert. Wir auch. Aber bei dieser Reise ist Hedda die Reiseleiterin.
Samstag, 20. März 2021
Frühlingsanfang ganz ohne Frühlingsgefühle!
Es schneit, was Frau Holle in den Betten hat, und das Virus macht sich
Frühlingsanfangüber uns lustig: Es geht kräftig aufwärts, was man von den Temperaturen nicht behaupten kann. Um 7 Uhr hat es -2,5 °C. Immerhin wird sich heute noch erweisen, wie sehr es mit Heddas Hormonhaushalt aufwärts geht, ob sie sich am Frühling oder am Virus orientiert. Wir bestücken den Franz schon mit allem, was man für eine drei bis viertägige Fahrt braucht und heizen ihm ein.
Mittags ist die Chefin mit Hedda wieder beim Orakel, wo es diesmal nur eine Blutentnahme für den Progesteronwert gibt. Um 15 Uhr ist dann klar: Hedda überlässt die Exponentialfunktion dem Virus und bleibt gelassen, aber zielstrebig. Ihr Progesteronwert liegt heute bei 2,98. Wir entspannen uns, fahren Franzens Heizung herunter und planen unsere Reise für Montagmorgen.
Heute reagiert die Aspirantin aber erstmals deutlich auf die rückwärtige Annäherung ihrer Mutter, indem sie die Rute wie eine Sichel zur Seite legt. Sie ist auf einem fruchtbaren Weg.
Sonntag, 21. März 2021
HeddaNachts war es klar, morgens ist es trübgrau bei -2 °C, aber immerhin fiel in dieser Nacht seit Tagen kein Schnee mehr. Fianna und Hedda ist es beim Morgenspaziergang sowieso egal: Schnee oder kein Schnee, Hauptsache kalt. Das wärmt ihre Herzen. Offenbar tun das bei Hedda nun vermehrt auch die Rüden, jedenfalls ist sie unentwegt beschäftigt, nach willfährigen Burschen zu spähen, die sich aber zu dieser frostigfrühen Tageszeit noch zuhause warme Gedanken machen.
Und noch etwas setzt jetzt ein: Hedda jumst und jammert unentwegt, um in den Garten zu dürfen.
Diese Dauerbejammerung unseres Haushalts hat uns schon immer einige Nerven geraubt, signalisiert uns aber, dass jetzt die Hormone die Kontrolle übernommen haben und Hedda auf geradem Weg in die Unmoral ist. Morgen kann sie beweisen, ob sie es ernst meint oder sich wichtigmachen und uns nur auf die Nerven gehen will.
Montag, 22. März 2021
Um 7:15 Uhr fahren wir los; es ist bedeckt und hat 1 °C. Auch wenn eine positive Betrachtung Coronas wie teuflischer Humor klingt, wollen wir nicht verschweigen, dass eine Fahrt am Montagmorgen vom oberbayerischen Mangfalltal bis an die Stadtgrenze von Göttingen unter normalen Bedingungen kaum ohne Staus und Behinderungen zu bewältigen ist. Heute Morgen rollen wir jedoch ungestört in den Norden, nicht einmal die Münchner Umgehung A 99 hält uns auf, eigentlich eine Unmöglichkeit von Montag 0 Uhr bis Sonntag 24 Uhr, keine der zahlreichen Baustellen auf Deutschlands Autobahnen bringt den Verkehr zum Stehen, keine Lkw-Boliden bremsen den Verkehr in den Kasseler Bergen aus, alles flutscht gemütlich dahin. Wenn das ein Omen ist, dann kommt unser J-Wurf ganz fix aufs Band. Immerhin kommen wir gelassen voran und stellen unseren Franz um 13:40 Uhr nach 522 km vor Landos Reich in Niemetal ab. Es ist wolkig mit großen blauen Himmelsflecken bei 7 °C.
Und dann
kann es auch g
leich losgehen, es gibt ja keinen Grund, die Hochzeiter unnötig hinzuhalten. Es ist 14 Uhr 51° nördlicher Breite, und Landos Hormone führen ihn ohne Umwege zu seiner duftenden Rose. Die beiden tanzen sich in Landos Garten erst einmal warm. Für einen Ersttäter ist Heddas Bräutigam ein ziemlich fixer Bursche, der offenbar genau weiß, wo der Hammer zu hängen hat. Nur bei der perfekten Umsetzung hat er noch Justierungsbedarf. Jedenfalls
versucht er kaum, wie die meisten J
ungmänner, die Dame, nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum, von allen Seiten und ringsum zu besteigen, sondern hat sehr schnell den richtigen Kompass und Zugang. Als wir nach ungefähr 15 Minuten die erste Sitzung abbrechen, hatte er Hedda schon dreimal geentert, aber den Enterhaken nicht fixieren können. Macht nichts; das sieht schon sehr vielversprechend aus, und die beiden haben eine Pause verdient. Auch wir ziehen uns sehr zuversichtlich auf eine Kaffeepause zurück.
Um 15:45 Uhr starten wir
die zweite Runde, und die Versprochenen machen nahtlos dort weiter, wo sie zuvor unterbrochen wurden. Das hat zur Folge, dass Lando um 15:55 Uhr den J-Wurf Wirklichkeit werden lässt: Die beiden Täubchen hängen. Jetzatle, tät der Schwabe sagen, was sich aber auch als Name hören lassen könnte … Jetzatle … das gilt es, im Auge zu behalten. Was uns beglückt, macht Hedda zum Mitglied der „Me-too-Community; sie schreit und kreischt wie vermutlich seinerzeit Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen. Fast vier Minuten schreit sie die gesamte Nachbarschaft zusammen, doch Lando bleibt ungerührt und gibt stumm und unverdrossen sein Bestes. Dann schickt sich auch Hedda ins Unvermeidliche und konzentriert sich aufs Wesentliche. 15 Minuten zieht sich die Hängepartie. Dann ist es vollbracht: Hedda ist gedeckt, der J-Wurf ist Realität – und vom verbleibenden Restrisiko will jetzt wirklich niemand etwas wissen.
Es grüßen als Vermählte: Lando und Hedda
Nun ist Zeit zu plaudern und gemächlich in den Abend mit Grillwürstchen zu gleiten. Lando ist stolz wie ein Spanier und holt sich reihum Huldigungen ab. Hat er sich verdient! Ein großes Verdienst am geschmeidigen Gelingen hat Thomas Homuth, selbst erfahrener Züchter und Deckrüdenbesitzer, der aus alter Verbundenheit aus der nahen Nachbarschaft herbeigeeilt kam, um dem Werden des J-Wurfs beizuwohnen, sich aber nicht mit der Zuschauerrolle begnügte, sondern als Landos Stabilisator bei der Hängepartie ein wahrhaft goldenes Händchen bewies. Für unerfahrene Züchter und Deckrüdenbesitzer ist das immer eine große Hilfe. Und auch wir freuen uns darüber und sagen Thomas ein ganz herzliches Dankeschön. Wer so lange in der Hovawartwelt herumreist, gewinnt auch Freunde, die dann zur Stelle sind, wenn sie gebraucht werden. Vergelt’s Gott. Die beiden Täubchen hätten es auch irgendwie alleine geschafft, aber vermutlich nicht ganz so geschmeidig. Sie werden ihm bestimmt auch sehr dankbar sein, dass sie sich nicht mehr als nötig verausgaben mussten.
Die Goldene Ananas des Tages verdient sich wieder einmal unser Franz. Als wir zurückkommen und den Mädels Futter bereiten wollen, hat er kein Wasser mehr für uns. Leer! Hundert Liter Wasser wie von Geisterhand verschwunden. Bayerisches Alpenwasser der doch überhaupt nicht notleidenden niedersächsischen Landwirtschaft gespendet. Futsch! Zum Glück traut der Chronist seinem Franz nach all den Jahren nicht, aber alles zu und hat vorsorglich einen 20-l-Kanister Wasser eingelagert. Franz II ist für den Antagonismus des Lebens zuständig: Keine Freude ohne Leid. Der Dichter hat es uns ja schon ins Stammbuch geschrieben: „Noch keinen sah ich glücklich enden, auf den mit immer vollen Händen die Götter ihre Gaben streu’n“. Für Franz war unser Glück heute offenbar ein bisschen zu ausgelassen. Da musste er gegen den Übermut steuernd eingreifen. Dem Chronisten fällt dazu nur der Schmerzensruf Kaiser Augustus‘ ein: „Franziskus, Franziskus, gib mir meine Gallonen wieder!“
Dienstag, 23. März 2021
Die Nacht am Sportplatz vor Landos Reich
ist ruhig und lang. Wir grübeln über Franzens Defekt. Der automatische Frostschutz kann es nicht gewesen sein, der Franz zu so einer Panikreaktion veranlassen konnte. Von Frost konnte und kann keine Rede sein. Aus irgendwelchen Gründen hat Franz das Sicherungsventil des Warmwasserboilers umgelegt und alles Wasser aus dem Tank gelutscht. Wir holen uns bei Lando ein paar Kanister und flößen es Franz ein; mal sehen, was er davon hält und ob er es bei sich behält. Wir haben heute Zeit und nichts vor. Es ist der Tag nach dem Sturm und vor dem Nachbeben.
Aber heute ist auch der Tag des Welpen (National Puppy Day), den man seit 2006 in den USA feiert. Sachen gibts... Sachen, die uns sehr verbundene Freunde immerhin zum Anlass nehmen, die Frage zu stellen, warum wir ausgerechnet an diesem Jubeltag nicht weiter am J-Wurf arbeiten und ihn ungenutzt verstreichen lassen wollen. Damit dieser weltbewegende Anlass nicht ohne angemessene Berücksichtigung verstreicht, nehmen wir dazu gerne Stellung. Erstens reicht ein einziger Tag meist nicht aus, um alles zu würdigen, was ihm ans Revers geheftet wird: Heute müssten wir beispielsweise auch noch dem Welttag der Meteorologie und dem Tag der Chia-Samen die Ehre erweisen. Wir sind aber schon mit der Überwachung von Franzens Inkontinenz auseichend beschäftigt. Zweitens ist die Initiatorin dieses Gedenktages, Coleen Paige, eine Art berufsmäßige Gründerin von Gedenktagen, welche – siehe oben – die Flut der Feiertage ins kaum noch Gedenkbare anwachsen lassen. Dazu gehört der National Dress Up Your Pet Day, der daran erinnern soll, sein Haustier anzuziehen. Außerdem ist sie noch verantwortlich für den National Mutt Day, den Tag des Mischlingshundes. Wenn sie so weitermacht, wird es bald keinen Tag mehr geben, der nicht ein Coleen-Paige-Gedenktag ist. Von irgendetwas muss man halt leben, gell? Aber halt nicht auf unsere Kosten. Drittens soll der Puppy Day auffordern, die Tier- und Zoohandlungen in den Vereinigten Staaten welpenfrei zu machen, was in Deutschland längst Realität und damit Schnee von übervorgestern ist. Und nicht zuletzt soll mit diese Gedenktag gegen den illegalen Massenzuchtbetrieb vorgegangen werden. Das muss man natürlich befürworten, besser aber, man tut etwas dagegen, zum Beispiel eine legale Hobbyzucht betreiben. Damit sind wir aktuell beschäftigt, nur eben ausgerechnet heute nicht. Liebe Coleen, du hättest dir eben besser den 22. oder 24. März aussuchen sollen. Dann hätten wir vielleicht sogar einer Hündin den Namen Joleen gespendet.
Am späten Nachmittag zeigen uns Landos Chauffeure stolz ihre Heimat, un
Der Wesersteind so werden wir in nur eineinhalb Stunden große Anhänger des sogenannten Weserdurchbruchstals mit seinem Aushängeschild Hann. Münden (Hannoversch Münden), wo die Weser zwar nirgends durchbricht, aber durch den Zusammenfluss von Fulda und Werra ihren Anfang nimmt. Diesen Zusammenfluss mit dem Weserstein nehmen wir natürlich auch in Augenschein und sind völlig begeistert von der mittelalterlichen Fachwerkstadt, die zu großen Teilen erhalten ist. Hann. Münden ist ein echter Eye-Catcher, und wieder einmal fragen wir uns, warum man erst eine Bettgeschichte initiieren muss, um auf echte Perlen zu stoßen. Dazu trägt auch eine sehr abwechslungsreiche und kupierte Landschaft bei, die, wenn sie sich ihres winterlichen Trauerkleid ganz entledigt hat, einen zusätzlichen Reiz verspricht. Mensch, Leute, macht doch mehr Werbung für dieses Land! Es ist, trotz der windenergetischen Verspargelung, jedes lobende Wort wert.
Abends verbringen wir wieder in Landos guter Stube, simpeln Fach und plaudern uns unsere Zufriedenheit und Vorfreude von der Seele.
Als wir zu Franz zurückkehren, hat er sein Wasser bei sich behalten und hält es auch die ganze Nacht über. Um 22 Uhr ist es klar bei 5 °C.
Mittwoch, 24. März 2021
Um 7:45 Uhr ist die Welt an
Frühlingsgrüße aus NiemetalL
Hedda und Fianna gemießen den Frühling in Niemetalandos Sportplatz in Niemetal sehr in Ordnung. Draußen hat es 3 °C, der Himmel über uns ist wolkenlos und feine Nebelschleier liegen über den Basaltkuppen ringsum. Das Leben im Franz ist von Zufriedenheit und stillem Glück geprägt, denn Franz spendet uns heute Morgen sogar warmes Wasser. Der Tag nimmt seinen Gang, gelassen und routiniert, weil wir zwar heute die beiden Täubchen noch einmal zusammenlassen wollen, aber einerseits keine Zweifel am Gelingen haben und andererseits sowieso sicher sind, dass die erste Hochzeit schon erfolgreich war. Heute steht die Zugabe auf dem Programm.
Um 10:00 Uhr kann es Hedda kaum erwarten, als wir sie aus dem Franz lassen; im Stechschritt überquert sie den Sportplatz, weiß, was und wer sie am anderen Ende erwartet, kaum zu bremsen ist sie und kaum zurückzurufen, sie, die sonst jedes Kommando sofort annimmt und auf der Hacke kehrt macht, wenn man sie ruft. Sie hat sichtlich Gefallen gefunden am Bräutigam und seinen Bemühungen. Das Unangenehme, das ihr die Klagelaute entlockte, hat sie verdrängt. Die Hormone tun ihre Pflicht.
Um 10:05 Uhr ist Landos Garten ein weiteres Mal Schauplatz eines Fruchtbarkeitstanzes mit integrierten Ehestandsübungen. Doch heute weiß der Favorit, worum es geht, will den Macker machen und seine Braut beeindrucken und verliert dabei an Lockerheit und Unbedarftheit. Heute ist er fahrig, übermotiviert und ineffizient. Die Braut verzeiht im das alles, auch wenn er sie von allen Seiten zu besteigen droht, schiebt ihn fort und wieder an, wenn er fragend um sich blickt und nichts mehr blickt. Immer wieder spornt sie ihn an und lässt ihn nicht vom Tanzboden. Das erledigen dann wir um 10:25 Uhr, als der Liebhaber ein Opfer seiner Selbstzweifel zu werden droht. Aber wir geben dem Affen Zucker, indem wir ihn ins Haus sperren und die Angebetete vor seinen Augen durch seinen Garten flanieren lassen. Das bringt den Puls runter und die Hormone hoch. Für uns ist Kaffeezeit.
Nach einer knappen
Stunde gibt es ein neues Rondo, in der Lando nicht mehr lange fackelt, sich offenbar während seiner Auszeit das weitere Vorgehen strukturiert zurechtgelegt und vorgenommen hat, es exakt so umzusetzen. Fünf Minuten später, um 11:26 Uhr ist Lando am Ziel. Hedda sieht auch heute wieder Grund genug, die Zudringlichkeit lautstark anzuklagen, allerdings deutlich leiser als gestern und mit schnell schwindendem Schalldruck; kaum mehr als eine Minute gibt sie Laut, dann ist sie still und verlegt sich aufs Gurren und Knöttern. Heddas Beschallung ist von der todgezeichneten Jeanne d’Arc am Montag auf das Niveau einer kurzatmigen und indisponierten bayerischen Blechblosn abgerutscht. Sie kuschelt mit ihrer Ziehmutter, Lando vertraut auch heute wieder Thomas‘ Ruhe und Erfahrung, was dem Akt eine spirituelle Ruhe verleiht. Nach 24 Minuten, um 11:50 Uhr lassen die beiden voneinander ab, bringen sich und ihre Kleider wieder in Ordnung und sind sich offenbar des würdevollen Stands der Elternschaft sicher. Alle sind glücklich, nur die Knie der beiden Unterstützer tragen nach 24 Minuten Beugehaft Trauer.
Für uns gibt
Landoes nun nichts mehr zu
Hedda tun. Wir nehmen Abschied von Lando, dem wir versprechen, seine Kinder wie rohe Eier zu hegen und zu pflegen. Wir verabschieden uns von Thomas Homuth, der sich so große Verdienste um den Bairischen Blues erworben hat, dass wir schon darüber sinnen, ob wir nicht einen kleinen Blueser auf Jomuth taufen sollten und wir nehmen bis auf Weiteres Abschied von Landos Haushältern, denen selbstverständlich jederzeit unsere Türen offenstehen, wenn seine Kinder ihr Unwesen im Mangfalltal treiben werden.
Um 13:25 Uhr rollen wir davon. Unser erstes Ziel ist der Stellplatz in Bühren, nur ein paar Kilometer abseits unserer Route, um dort Franzens Toilette zu entsorgen. Doch der Bührener Stellplatz ist eher ein Abstellplatz und ein vernachlässigter, verschlammter Müllplatz ohne WC-Entsorgung. Der erste Eindruck lässt es eher wahrscheinlich sein, dass hier alle ihre Toilette ohne die dazugehörige Infrastruktur entleeren. Einem Hinweisschild zufolge sollen wir den Grund 11 aufsuchen, um unsere Toilette zu leeren. Mehr erfahren wir nicht. Unter diesen Umständen sehen wir keinen Grund, dem Grund 11 nachzuspüren, Bühren zu durchkurven und in jeden Hinterhof zu spähen. Wir haben auch keine Lust, Google Maps zu befragen, wir fahren einfach los. Am Autohof Cuxhagen fluten wir Franzens Tank und fragen, ob es hier eine Möglichkeit der Entsorgung gäbe. Die Verneinung kommt so entrüstet wie rüde, dass wir beschließen, diesem Etablissement keinen Cent für unseren Mittagssnack in den Rachen zu werfen. Wir decken uns gleich nebenan bei KFC ein, weil es egal ist, mit welchem Plastikfutter man sich die Gesundheit ruiniert.
Und dann geht es schnurstracks ab in den Süden. Heute Nachmittag ist deutlich mehr los als am Montag, auch die Lkw sind wieder on tour, vor allem in den Kasseler Bergen, aber es geht dennoch sehr geschmeidig voran. Wie auf der Hinfahrt vermeiden wir die A 3 und rollen über die A 70 und A 72 nach Nürnberg. Nur in Nürnberg fahren wir wegen eines Unfalls nicht am Kreuz Nürnberg auf die A 9, sondern bleiben noch bis zum Kreuz Altdorf auf der A 3 und fahren von dort über die A 6 zum Kreuz Nürnberg Ost und dort erst auf die A 9. Das sind nur wenige Kilometer Umweg, die unsere Bilanz nicht schaden. Um 19:10 Uhr stellen wir den Franz nach 562 Kilometern wieder zuhause ab. Es hat 5 °C und ist klar.
Klar ist es aber jetzt auch mit den jüngsten Jüngern des Bairischen Blues. Zwei makellose Deckakte lassen kaum Zweifel aufkommen, dass wir bald um einige Kinder reicher sein werden. Wie viele es sein werden, haben Hedda und Lando unter sich und in inniger Umarmung ausgemacht. Da lassen wir uns überraschen. Damit aber niemand überrascht ist, wie es weitergeht, hier die Eckdaten des J-Wurfs:
Woche 16 (19.-24. April) wird uns allen ein Ultraschall Gewissheit verschaffen.
Um den 24. Mai (Pfingstmontag): Wurftag
Um den 19. Juli (exakt 8 Wochen später): Welpenabgabe
Jetzt wird’s ernst mit dem J-Wurf des Bairischen Blues. Möge die Übung gelingen…
Dienstag, 25. Mai 2021
Der erste Tag der Jabberwockys beginnt grau und verhangen und mit Regen. Nachmittags scheint dann die Sonne von einem sehr blauen bayerischen Himmel, dem das Weiß fehlt, weil ein kräftiger Südweststurm die Wolken dorthin treibt, wo sie nach Meinung der Bayern auch hingehören. Das ist gut gemeint, weil wir hier wegen der Berge genug Wasser haben, die Landsleute im Norden und Osten davon jedoch mehr brauchen können. Wir Bayern geben eben gerne ab.
Jeannie, die Zitzenzausel, ist im Leben angeko
Jeanniemmen und hat alle Last von unserer Seele genommen. Dafür macht jetzt Jodel Schwierigkeiten. Er hat die 450 g seiner Geburt gestern Nachmittag auf 420 g reduziert und bis heute Morgen nichts mehr zugenommen. Dazu hat er nach dem Trinken einen schwammigen, geblähten und etwas roten Bauch. So richtig agil ist er zudem nicht. In so einem Fall ist guter Rat teuer, weil es dafür verschiedene Ursachen geben kann, wie etwa eine Entzündung, eine Unverträglichkeit, aber auch einen Defekt in der Bauchhöhle, irgendetwas könnte beispielsweise nicht ganz dicht oder nicht durchlässig genug sein. Möglich ist einiges, aber wen soll man fragen? Einen Tierarzt? Seriöse Tierärzte, wenn sie keine ausgewiesenen Spezialisten sind, antworten in solchen Angelegenheiten mit einem Schulterzucken und der B
Jodel in fürsorglichen Händenemerkung, dass sie von Welpen keine Ahnung hätten, weil dieses Fachgebiet in der Veterinärausbildung nur eine Randerscheinung sei. Und wann haben denn Tierärzte tatsächlich mit Welpen zu tun? Bei einem Kaiserschnitt, beim Impfen und Chippen oder beim Einschläfern. Gelegentlich müssen sie sich mit einer follikulären Bindehautentzündung oder einem Zwingerhusten beschäftigen, aber ernsthafte internistische Fragestellung gehören nicht zu ihrem Praxisalltag, schon gar nicht bei zwei Tage alten Welpen. Was also tun? Das jahrelang gepflegte Netzwerk der weisen Frauen weiß vielfach Bescheid. Sab Simplex gegen Blähungen sei eine erste Annäherung ans Problem, auch Fencheltee zur Bauchmassage helfe in leichten Fällen – wenn es sich denn um einen solchen handelt. Schon wieder ist der Assi unterwegs zur Apotheke, kurz bevor die zur Mittagspause schließt, besorgt Sab Simplex, derweil rückt Anna-Maria mit Fencheltee an und beginnt, sich um den mickernden Jodelkönig zu kümmern.
Bis wir mit Ergebnissen aufwarten können, schauen wir uns kurz die Gewichte der anderen an:
Jackl: 540 (Geburtsgewicht) – 570 (24.5., 12:30) – 590 (heute, 7:40); Jazz: 570 – 560 – 570; Janitschek: 530 – 520 – 540; Jeannie: 490 – 470 – 470; Joschi: 500 – 540 – 570; Jule: 410 – 420 – 410; Jasna: 510 – 520 – 530; Judica: 560 – 540 – 540.
Das sieht alles prima aus. Auch Hedda macht einen sehr aufgeräumten und fitten Eindruck. Vor allem ihre Temperatur gibt uns keinerlei Anlass zur Sorge. Nach einer solchen Tortur mit all den inneren Schäden, laufen viele Hündinnen flott in ein bedrohliches Fieber, vor allem dann, wenn sie nicht kräftig abbluten und die ganzen Geburtsreste zügig ausschwemmen. Das macht uns und der Waschmaschine zwar viel Arbeit und taucht das Anwesen des Bairischen Blues in einen strengen Duft, aber für die Gesundheit der Hündin ist es unabdingbar. Hedda blutet gut ab und sabbert kräftig herum, dafür messen wir bei ihr viermal über den Tag verteilt nur leicht erhöhte Temperaturwerte zwischen 38,3° und 38,5°. Wenn sie weniger hätte, würden wir uns ein neues Fieberthermometer zulegen müssen. Dabei fasziniert uns immer wieder die Gelassenheit und Engelsgeduld, mit der sie sich das Thermometer in den Po schieben lässt, nicht wegläuft, nicht ausweicht, nicht zickt, sondern alles klaglos erduldet. Ihre drei Vorgängerinnen waren da anders gestrickt. Es war zwar keine jemals aggressiv, aber sie versuchten sehr wohl, diesen Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte zu vermeiden, entweder, indem sie das Weite suchten, wenn auch nur der Anschein entstand, dass das Thermometer zum Einsatz kommen könnte, oder durch gymnastische Übungen, die bei spitzeren Gegenständen als einem Thermometer eher zur Perforation der gesamten Afterregion hätten führen müssen, als dass sie uns einen Treffer ermöglicht hätten. Wir haben den Eindruck, dass auch Fianna stolz auf ihre standhafte Tochter ist, alter Adel eben, da stirbt man aufrecht. Für sich hat sie eher den ausweichenden Stolz des niederen Volks gewählt: Besser ein paar Sekunden feige als ein Leben lang tot. Eine herausragende Mutter war sie dennoch. Das eine hat nix mit dem anderen zu tun.
Damit wir die säuerlich-muffige Duftnote im Haus so gut wie möglich unter Kontrolle halten können, bekommt Hedda mindesten zweimal täglich eine Intimwäsche, die sie ebenfalls mit großer Gelassenheit über sich ergehen lässt. Das ist insofern bemerkenswert, weil sie Duschgänge nach Schlammspaziergängen mit Nachdruck zu vermeiden sucht. Aber offenbar ist sie uns dankbar dafür, dass wir ihr diesen Odeur vom Leib spülen; muss sie es schon nicht selbst erledigen.
Wichtig
Mamma Mia-Barist uns auch die Pflege von Heddas Zitzen. Man kann es oft nicht verhindern, dass sich laktierende Hündinnen eine Gesäugeentzündung einfangen, was vielfach auf die vielen kleinen Verletzungen zurückzuführen ist, die ihnen die winzigen und messerscharfen Krallen der Knirpse zufügen, wenn sie am Gesäuge herumzerren und -treten. Wir haben in dieser Hinsicht hinreichend schlechte Erfahrungen gemacht, dass wir versuchen, das Risiko so klein wie möglich zu halten. Ob es uns gelingt, steht in den Sternen. Jedenfalls verwöhnen wir Heddas Zitzen mehrmals täglich mit Calendulasalbe, damit sie geschmeidig bleiben und kleinste Traumen sofort heilen, bevor Keime eindringen können.
Jetzt bleibt eigentlich nicht viel mehr,
Jacklals einen (fast) zufriedenen Blick auf den Nachwuchs zu werfen und abzuwarten, was aus dem schmächtigen Jodel wird. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, eher stirbt alles andere. Auffällig aus der Geschwisterschar ist bislang eigentlich nur Jackl, der schon beim ersten Bettenwechsel versuchte, aus dem Aussiedlerkörbchen zu steigen. Aber er hat ja als Erstgeborener genug Zeit gehabt, sich zu erholen und einen Blick über den Tellerrand zu wagen, während die anderen noch mit sich und ihrer jüngsten Vergangenheit zu tun haben.
Abend bezieht die Chefin ihr Lager im Wohnzimmer, um bei den Welpen, vor allem aber bei deren Mutter zu sein. Hedda wird mehrmals nachts in den Garten müssen und auch Trost und Hilfe suchen, schließlich ist es kein Kinderspiel, Kinder zu kriegen. Jene Frauen, die nach der Geburt in einer postnatalen Depression versunken sind, können ein schaurig Lied davon singen. Nähe ist jetzt gefragt. Der Assi hingegen hat nichts gegen den Freiraum einzuwenden; Beinfreiheit ist auch keine unwesentliche Freiheit. Davon hält allerdings Fianna nicht sehr viel, die nicht dran denken will, mit ihm ins Obergeschoss zu ziehen; ihr Platz sei ebenfalls in Ruf- und Reichweite ihrer Enkel, gibt sie zu bedenken. Mit Überreden ist da fast nichts getan, denn vier Beine können ganz schön erdverwurzelt sein. Aber sie ist letztlich doch ein viel einsichtigeres als störrisches Mädel und begleitet ihn, schwergliedrig und unüberzeugt. Der Aufschlag des Meteoriten, der vor 66 Millionen Jahren den Golf von Mexiko formte, dürfte kaum lauter gewesen sein als jener Rumms, den Fiannas tonnenschwere Glieder verursachen, als sie sie verdrossen und überdrüssig unter einem endschwermütigen Seufzer in sich zusammenstürzen lässt. Da liegt sie nun neben dem Bett der Chefin, lautlos und reglos, und man weiß nicht, ob eher sie oder Jodel die Nacht nicht übersteht.
Mittwoch, 26. Mai 2021
Jodel wiegt noch 390 g, er wird nicht überleben. Ohne die anderen zu vernachlässigen, dreht sich heute Morgen alles um Jodel. Er bekommt etwas Traubenzuckerlösung in der Welpenmilch mit einer Spritze eingeträufelt, weil sein Saugreflex kaum noch der Rede wert ist. Bei der Mama trinkt er längst nicht mehr, weil er die Mühe, sich eine Zitze zu suchen, nicht mehr bewältigt. Wir werden ihn nicht halten können, aber einfach aufgeben wollen wir ihn auch noch nicht. Während die Chefin Fianna zum Morgenspaziergang mitnimmt, legt sich der Assi den Trauerwurm auf die Brust und unter die Weste, wie er es schon mit Jeannie getan hat, und die beiden ruhen unter inniger Zwiesprache auf dem Sofa, aber Jodel wird nicht lebendig, er knöttert nicht und stemmt sich nicht gegen die Brust, sondern jammert. Er hat einen säuerlichen Mundgeruch und statt Kot einen schleimig-gelben Ausfluss. Er nimmt auch keine Wärme an, er hat bereits den kalten Tod im Leib.
Ob Hedda das spürt? Wer weiß das schon! Jedenfalls verdrückt sie sich, während der Assi den kleinen Jodel wärmt, ins Familiengemach und zerfetzt dort das Laken und den Matratzenschoner der Chefin; das Zeug ist nur noch Lumpen. Warum denn gerade das Bettzeug der Chefin? Ist die etwa schuld? Nein, unerfahrene Hündinnen, die mit der ganzen Situation, mit ihren Welpen und ihren Hormonen im Unreinen sind, neigen schon mal zu Übersprungshandlungen. Jetzt gibt es eben neues Bettzeug. Das wird im Umlageverfahren auf den Welpenpreis draufgelegt, ist doch klar. 😊
Jodel lebt nicht mehrWeil Jodel kein gesteigertes Interesse am Leben zeigt, kommt es, wie es kommen muss. Wenn wir ihn zu Hedda legen, interessiert sie sich zwar für ihn, aber wendet sich gleich wieder ab. Sie kann mit ihm nichts (mehr?) anfangen. Wir bitten eine befreundete Tierärztin aus der Nachbarschaft, uns und Jodel den letzten Dienst zu erweisen. Fianna und Hedda sperren wir aus, damit sie keine Einwände erheben, aber seine letzten Atemzüge macht er zwischen seinen Geschwister (die sich leider überhaupt nicht für das Drama interessieren). Um 14:30 Uhr macht der kleine Jodelkönig die Augen für immer zu. Er wurde gewogen und fürs Leben zu leicht befunden. Und nun ist er der Einzige von uns, der die ganze Leichtigkeit des Seins sein eigen nennen darf.
Wir lassen Hedda
Alexandras letzter Grußund Fianna dazu
Jodels letzte Ruhestätteund erleben den Unterschied zwischen einer jungen und einer lebensweisen Hündin: Hedda schnüffelt das tote Bündel kurz ab und stupst es an, dann ist es für sie erledigt. Fianna scannt den Zwerg dagegen über eine Minute von oben nach unten und zurück. Man glaubt, sie denken zu hören. Und dann hat auch sie einen Haken dran – nur wir nicht. Der Mensch ist offenbar fürs Leben noch weniger geeignet als ein kleiner Jodelkönig. Dem schaufeln wir ein kleines Grab und legen ihn zwischen Rhododendren, wilden Erdbeeren und Bärlauch zum Schlafen. Ein Stein drauf, damit er Ruhe hat, ein Herz dazu und eine Vase mit einer Pfingstrose. So kurz kann ein Leben sein und so tief kann es rühren.
Seine Geschwister machen indes Rabatz, weil offenbar die Essenszeit überschritten ist. So banal kann das Leben eben auch sein. Uns hilft es: Wir haben wieder zu tun.
Das Leben beim Bairischen Blues geht weiter, mal ein bisschen umflort, mal ein bisschen leger. Das Personal ist umflort, die ahnungslosen Zwerge entscheiden sich für leger. Die Leichtlebigen haben es halt immer leichter, weil sie alles auf die leichte Schulter nehmen. Die Bande ist putzmunter und quietschvergnügt. Und sie nehmen zu wie Maden im Speck. Also werfen wir eben einen Blick auf die Gewichte.
Jackl 610 (+20), Jazz 620 (+50), Janitschek 570 (+30), Jeannie 480 (+10), Joschi 610 (+40), Jule 450 (+40), Jasna 550 (+20), Judica 600 (+60). Wir überlassen es den geneigten Lesern, sich selbst ein Urteil zu bilden, ob Hedda zur Mutter taugt oder nicht. Bevor uns irgendwelche wachsweichen Eiereien zu Ohren kommen: Hedda ist eine großartige Mutter! Sie ist engagiert und rührig und hat Milch wie eine Allgäuer Preiskuh. Die Zwerge haben nämlich am zweiten kompletten Lebenstag bereits 240 g zugenommen und das ergibt ein Durchschnittsgewicht von 542 g. In dieser Kiste leidet niemand an Unterversorgung.
Trotz ihres Engagements gönnt sich Hedda aber auch ihre eigenen Freiräume, legt sich mal in den Garten, besteht auf einen kurzen(!) Spaziergang, liegt im Eingangsbereich, ist aber sofort zur Stelle, wenn irgendein Laut ihre mütterliche Wachsamkeit erregt. Sie macht das uneingeschränkt gut.
Aber auch Fianna hat sich bereits bestens arrangiert. Keine Rede davon, dass sie ihrer Tochter vorbetet, wie sie es zu machen hat, sie mischt sich nicht ein, sie zickt nicht, sie gockelt nicht, sie ist einfach ein Traum. Allerdings: Sowie sich die Gelegenheit ergibt, wenn niemand zugegen ist, kann sie es nicht lassen, einen Blick in die Schnullerbox zu werfen und ihre Nase hineinzustecken. Sie ist eben eine Mutter mit Leib und Seele. Und so ist es dann auch nachvollziehbar, wenn ihr der nächtliche Gang ins Schlafzimmer so schwer fällt wie anderen Leuten der Gang zum Zahnarzt.
Heddas Temperatur ist auch heute vorbildlich; dreimal haben wir gemessen und sie bewegt sich stabil zwischen 38,5° bis 38,7°. Der Stuhl ist breiig, aber weit von einem Durchfall weg. Die Medikamente scheinen demnach anzuschlagen. Wenn es so weitergeht…
Zum jetzigen Zeitpunkt ist natürlich in der Welpenkiste nicht viel mehr los als Schlafen und Trinken, das allerdings bereits mit dem bekannten Stöhnen, wenn die süße Milch kommt. Wie bei Harry und Sally geht es dann zu. Diese Ereignislosigkeit stürzt die Fotografen auch bei jedem Wurf in einen Zustand der Verzweiflung: Soll und kann man denn jeden Tag Bilder von bräsigen Maulwürfen veröffentlichen? Und dass es inzwischen Jazz ist, die bei jedem Bettenwechsel versucht auszubüxen, gibt fotografisch auch nicht viel her.
Da lenkt man sich dann besser ab, indem man 12 Kilo Hähnchen kocht, zerkleinert und einkocht, damit die Mutter und später die Welpen hochwertiges Eiweiß bekommen können.
Donnerstag, 27. Mai 2021
Grau begrüßt uns der Morgen nach Jodels Abschied und der Himmel heult sich aus. Beim Blues geht indes alles seinen neunmal geübten Gang. Die Waschmaschine und der Trockner stehen kurz vor dem Kollaps, die Leberwurst ist auch schon wieder alle, weil Fianna auf einen Rektalzwieback besteht, ohne ihn sich verdient zu haben und der Assi weiß noch immer nicht, welche Hunde welche Markierungen haben. Deswegen ist er zu Recht nur Assi.
Aber wiegen kann er schon, und die Ergebnisse machen ihn sehr zufrieden und nötigen ihm bezüglich der milchspendenden Mutter gehörigen Respekt ab:
Jackl 670 (+60), Jazz 660 (+40), Janitschek 640 (+70), Jeannie 550 (+70), Joschi 670 (+60), Jule 470 (+20), Jasna 610 (+60), Judica 660 (+60). Das macht alles in allem eine Zunahme von 440 g, was man in diesem Alter auch einen Tsunami nennen könnte, und ein Durchschnittsgewicht von 616 g. An Appetit fehlt es der Bande augenscheinlich nicht, nur Julchen, unser Leichtgewicht von Anfang an, bleibt bei ihren Leisten und lässt sich nicht auf eine Speckrollen-Party ein. Sie genießt und ist wohlauf.
Heute hat das Personal
einen Auswärtstermin, deswegen sind wir sehr froh, dass Angela, die Mutter unserer Kreißsaal-Assistentin Alexandra, das Babysitting übernehmen kann – und vor allem auch gerne will. Später stößt dann auch Alexandra dazu, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lässt, einen ersten nachgeburtlichen Blick auf ihre Schützlinge zu werfen. Herzlichen Dank euch beiden.
Bei unserer Rückkehr ist erwartungsgemäß alles im Lot und im Reinen.
Und damit hat dieser Donnerstag auch schon ausgedient; mehr ist von heute nicht zu berichten.
Freitag, 28. Mai 2021
An einem Freitag Ende Mai, der immer noch ein Herbst ist, selbst wenn uns die Wetterfrösche erzählen, dass dieser Mai nur 0,1 °C unter dem langjährigen Mittel liegt, an einem solchen Freitag also, der in den vergangenen Jahren vermutlich 2 °C über dem langjährigen Mittel gelegen hätte und uns deshalb, trotz der vielstimmigen Klagen des Landvolks, am Achtersteven lieber war als der diesjährige langjährige Herbst kurz vor dem Sommeranfang, an einem solchen Freitag also, sollte man sich nicht mit langen Vorreden aufhalten (sic!) und sich umgehend mit den zentralen Fragen des Lebens und Überlebens befassen. Konkret heißt das, wir werfen einen Blick in die Gewichtstabelle, der auch beim Blues meist der erste morgens ist. Heute sortieren wir die Kandidaten mal nicht nach ihrer Geburtsreihenfolge, sondern anhand ihres Fettgehalts.
Da hätten wir zuerst den
Joschi subtil dauerinhalierenden Joschi, von dem Insider schon jetzt behaupten, sein kleiner weißer Bruststrich wäre in Wahrheit eine Milchspur. Er bringt heute Morgen 770 g auf die Waage und damit bescheidene 100 g mehr als gestern. Ihm ist Jackl mit 750 g (+80) auf den Fersen, und womöglich zeichnet sich darin schon jetzt das Bullenrennen der Zukunft ab. Allerdings: Unterschätzt mir die Mädels nicht! Mit 740 g (+80) hält Jazz noch locker mit und Judica mit ihren 730 g (+70) hat auch noch alle Optionen offen. Ihnen folgt
JuleJanitschek im Niemandsland zwischen Spitzengruppe und Leichtgewichten: 700 g (+60). Dann wird’s grazil und lieblich: Jasna 640 g (+30), Jeannie 630 (+80), die Nachholbedarf hat und dabei voll in der Spur ist, und den
JeannieSchluss markiert die äußerst lebensfrohe, aber zarte Jule mit 550 g, was aber auch 80 g mehr sind als gestern. Gemeinschaftlich haben sie stramme 580 g zugenommen und ein Durchschnittsgewicht von knapp 689 g erreicht. Um 580 g Gewicht draufzulegen, musste Hedda über 1 Liter Milch liefern. Sie will sich demnach nichts nachsagen lassen und tut, was sie kann. Wenn es in diesem Tempo weiterginge, würden wir nach acht Wochen acht Hängebauchschweine vom Hof jagen, aber keine Hovawartwelpen. Aber so wird es ganz sicher nicht weitergehen. Fürs Erste bedeutet das nur, dass bei den Zwergen und der Mutter alles läuft und demnach auch die Milch in Strömen fließt.
Und schon kommt es genau so, wie vermutet und geunkt: Hedda zieht sich von ihren Kindern zurück. Der Grund liegt darin, dass sie wieder starke Nachwehen hat. Offensichtlich hat sie ihre Geburtswege noch nicht von den Blut- und Gewebsresten freibekommen: Das muss jetzt alles raus, wie es der Einzelhandel formulieren würde. Im Duktus des Chronisten handelt es sich um einen postnatalen Exorzismus. Dass sie ernsthafte Probleme hat, erkennen wir daran, dass sie immer wieder einen Wehenbuckel macht, die Rute ausstellt, als ob sie einen weiteren Zwerg loswerden wollte. Dabei ist es ihr im Wohnzimmer passiert, dass sie beim Pressen gleich die Blase mit ausgepresst hat. Platter… Sie bewegt sich auch nicht mehr harmonisch, sondern eher steif und staksig, eben wie jemand, dem das ganze Chassis schmerzt. Einerseits ist es gut und wichtig, dass der ganze Restmodder ausgewaschen wird, andererseits beeinträchtigt das die Hündin offenbar erheblich, was nicht zu ihrer Kinderbegeisterung beiträgt. Für uns ist das wichtigste, dass Hedda weiterhin kein Fieber hat und ihre Temperatur sich stabil im nachgeburtlichen Bereich von 38,2° bis 38,6° bewegt. Solange das so bleibt, ist kein Alarm angesagt.
Dennoch lässt uns die Situation keine Ruhe. Zudem steht ein Wochenende bevor, da möchte man nur ungern in eine schwer zu beherrschende Kalamität laufen. Wir rufen bei unserem Tierarzt an und bekommen für 21 Uhr einen Termin. Um 20 Uhr drängt Hedda wieder einmal in den Garten und presst in ziemlich starken Wehen einen kleinen Fetzen Nachgeburt aus. Ihr ist nicht wohl in ihrer Haut. Um 21 Uhr ist sie dann mit der Chefin beim Tierarzt, während der Assi den Stall hütet. Hedda wird durchgeschallt, außerdem wird ein Abstrich gemacht: keine Infektion, keine Entzündung, aber offensichtlich noch Restmüll in den Geburtswegen. Sie bekommt Oxytocin gespritzt, um weiter Wehen auszulösen, braucht aber kein Antibiotikum. Um 22:15 Uhr sind die beiden wieder zurück.
Die Zwerge haben unterdessen größtenteils fest geschlafen, gelegentlich ein wenig über den mangelnden Nachschub protestiert, waren aber sehr handzahm. Nun aber haben sie ordentlich Kohldampf und Hedda muss gleich wieder in die Bütt. Ein bisschen Überredung braucht sie schon, aber dann legt sie sich hin.
Das tun wir jetzt auch, sehr gespannt und ein wenig besorgt über die nächste Zukunft. Wer hätte jemals gedacht, dass man beim Blues besorgte Bürger finden würde? Nur Fianna hat ihre Bedenken großzügig zu den Akten gelegt und braucht nur wenig Nachhilfe, um sich mit Herrchen im Schlafgemach einzurichten. Wenigstens sie ist normal.
Samstag, 29. Mai 2021
Die Nacht ist ruhig, Hedda muss nachts mehrmals zum Pressen und Pipimachen raus. Sonst meldet die Chefin aus dem Kinderzimmer keine Vorkommnisse.
Spannend ist jetzt, wie sich der gestrige Versorgungsausfall auf der Waage abbildet. Das Ergebnis könnte man etwa folgendermaßen interpretieren: Der frühe Vogel frisst den Wurm, den späten wurmt es hinterher. Späte Vögel sind Joschi und Jule, die beide eine Nullnummer liefern und bei ihren Gewichten von 770 g und 550 g bleiben. Zumindest Joschi dürfte mit diesem Gewicht nicht in den Unterzucker laufen und Jule macht auch keinen verwahrlosten Eindruck; vielleicht möchte sie ja demnächst bei Germany’s Next Top Model an den Start gehen. Die Aussichten stünden nicht schlecht. Alle anderen haben mehr oder weniger gut zugenommen, was die folgende Rennliste ergibt, in der Joschi zwangsläufig seine Pole Position verliert. Jackl 820 (+70), Jazz 790 (+50), Joschi 770 (0), Judica 750 (+20), Janitschek 740 (+40), Jasna 700 (+60), Jeannie 660 (+30), Jule 550 (0). Insgesamt legen die Jammertäler 270 g zu und bringen eine Durchschnitt von 722 g auf die Waage. Die Umstände geben keinen Anlass zur Sorge, dass beim nächsten „Stromausfall“ die ganze Brut an Hungerödemen zugrunde geht.
Unsere Erfahrung, besser früh einzugreifen, als hinterher in ernsthafte Probleme mit Fieber, Stress und plärrenden Welpen zu laufen, hat sich bewährt. Hedda presst immer noch heftig, schiebt aber jetzt deutlich mehr Abraum aus sich heraus. Unsere gemeinsamen Aufenthalte unter der Dusche häufen sich, aber Hedda lässt das gern mit sich geschehen. Ihre Temperatur ist weiterhin stabil entspannt, sie hat einen klaren Blick und ist völlig normal. Fast völlig normal, denn jetzt drückt sie sich zunehmend vor ihren Mutterpflichten!
Das kommt davon, wenn man den Teufel mit
Posttraumatische Versorgungsstörung?dem Beelzebub austreibt. Aber die Alternativen sind uncharmant. Der Teufel sind die Geburtsreste in Hedda, der Beelzebub das Oxytocin. Wir haben schon bei Anouk Oxytocin gegeben, weil sie so schlecht abblutete und in Fieber über 40° lief und so moderig stank, dass sogar Franzi im Keller verschwand. Der Unterschied bei Anouk war, dass wir ihr in häuslicher Therapie mehrmals kleinste Dosen spritzten, die sehr moderate Kontraktionen auslösten und Anouk sehr schonend wieder auf die Beine brachten. Hedda bekam gestern eine veterinär-medizinisch übliche Dosis, die kraftvoll zupackt. Grundsätzlich ist das nicht verwerflich, hat aber den Nachteil, dass jetzt zu den eh schon manifesten Gebärmutterkontraktionen noch die vom Saugreflex ausgelösten hinzukommen – auch das Säugen verursacht Kontraktionen – und das findet Hedda nun des Guten zu viel und verknüpft die unangenehmen Gefühle mit den Welpen. In dieser Logik muss sie sich ihre Welpen konsequenterweise vom Bauch fernhalten. Sie verweigert die Schnullerbox. Wir können ihr das eigentlich nicht übelnehmen. Wer hätte dafür kein Verständnis? Aber für ein Selbstverwirklichungs-Wochenende mit Schalmei und Schamane ist jetzt die falsche Zeit: Sie muss in die Kiste, und dabei müssen wir sie eben ein wenig unterstützen, ihr das Vertrauen geben, dass sie das schon hinbekommt, auch wenn es gerne vermeiden würde. Und das klappt, allerdings müssen wir bei ihr sitzenbleiben, ihr mit kleinen Leckereien das Unangenehme schmackhaft machen und sie in einer Dauerschleife loben. Ja, man könnte sich die ganze Angelegenheit geschmeidiger vorstellen, aber so geht es auch und so wächst man schließlich auch zu einem unschlagbaren Team zusammen. Trotz aller Nickligkeiten geht es uns, im Vergleich zu manch anderen, noch richtig Gold. Sorgen hat man immer, Sorgen um die Hündin und Sorgen um die Kinder, aber diese Sorgen, so berechtigt sie sind, so beherrschbar sind sie. Sofern es dabei bleibt…
Mittags machen
Jazz
Jacklwir dann die ersten Einzelportraits der Welpen, ein heißersehnter Service für die bildergierigen Welpenkäufer. Zwar sehen die Knirpse immer noch alle wie frisch gebadete Maulwürfe aus, aber selbstverständlich werden ihnen von ihren heimlichen Anhängern bereits erste extraordinäre Eigenschaften zugeordnet, welche nur sie telepathisch per WhatsApp empfangen,
Jeanniedie dem Rest der Welt sowie den Züchtern jedoch für alle Zeit
Janitschekverborgen bleiben werden. Längst plädiert der Chronist den üblichen soziologischen Gruppen von Reichen, Superreichen, Mittelgeschichteten, Unterschichtigen, Dummen und Klugen, Bildungsnahen, Bildungsfernen und Bildungsresistenten, Klugen, Schlauen, Doofen, Säufern, Trinkern , Fressern, Hungerkünstlern, Ästheten, Grobianen, Rauchern, Nichtrauchern, Skrupellosen und Feinsinnigen, Ballermännern und
JuleBaumumarmer
Jasnan, Lustigen und Trauerklöpsen, und, ach, wer weiß nicht, wem sonst noch alles, eine Gruppe der Welpenkäufer hinzuzufügen, die eine gesondert zu betrachtende Untergruppe der Reichen, Superreichen, Mittelgeschichteten, Untergeschichteten, etc. wären; nur aus der Gruppe der Dummen sollte man sie entfernen, denn solche sucht man unter Hovawartkäufer meist erfolglos – sonst wären sie keine Hovawartkäufer. Solche soziologischen B
Joschie
Judicatrachtungen entstehen zwangsläufig während der Fotoarbeiten, um dem Unmut über die wieselflinken Portraitverweigerer etwas Meditatives entgegenzusetzen, die Ungeduld einzuhegen und den Schaden an der eigenen Seele in Grenzen zu halten. Es wäre zu überprüfen, wie viele große Denkerkarrieren ihre Anfänge in der Welpenfotografie nahmen.
Nach dem Abendmenü können wir Heddda überzeugen, sich wieder zu ihren Kindern zu gesellen, und dann bietet sie ihnen eine halbe Stude lang den vollen Mammaservice, füllt sie ab und pflegt sie. Die Kleinen hören gar nicht mehr auf zu genießen, Joschi, vom heutigen Wiegeergebnis noch unter Schock, klappert jede Zitze nach verwertbaren Restbeständen ab und wird auch immer fündig. Währenddessen betreibt Hedda intensive Intimpflege bei ihren Kindern, damit die Kleinen hinten loswerden können, was sie sich vorne einflößen. Bei dieser gesamten Fütterung sehen wir erstmals keine Wehe, die Hedda durchläuft. Allerdings beginnt heute Abend die Zeit der strengen Düfte, denn jetzt fangen die Welpen an, echten Kot zu produzieren, den ihnen die Mutter ausmassiert. Wenn es nach dem Chronisten ging, könnte er auch gerne drinnen bleiben.
Bei der anschließenden Zitzeninspektion stellen wir fest, dass Heddas Gesäuge schon kräftig von den Zugriffen ihrer Kinder gezeichnet ist; Kratzer und Schrunden allüberall. Das heißt: Krallen schneiden! Entzündungen können wir jetzt am allerwenigstens brauchen. Der Zeitpunkt ist günstig, denken wir, denn die Zwerge sind pappsatt und schläfrig vom Verdauen, meinen wir. Also werden sie aus der Kiste geholt, auf den Schoß des Assis gehoben und nach alter Bader-Manier zurechtgestutzt. Der altgediente Bader-Assi hat immer noch die ruhigere Hand als die hypermotorische Chefin. Dann mal los…
Fassen wir
Judica kämpft um ihre Designernägeldie nun folgenden 20 Minuten der Einfachheit halber so zusammen: Des Menschen Einbildung übersteigt seine Bildung bei weitem. Oder anders ausgedrückt: Unterschätze nie den Überlebenswillen von einwöchigen Welpen! Wenn der eingebildete Mensch meint, die ganze Situation und die Welpen im Griff zu haben, irrt er gewaltig. Nicht eine(r) dieser acht Überlebenskünstler ergibt sich kampflos, alle wehren sich nach Kräften, als ginge es um ihr kleines nacktes Leben und als hätte sich die Lügenparole herumgesprochen, wir hätten den bedauernswerten Jodel auf dem Gewissen und würden auch ihnen nach dem Leben trachten. Dementsprechend zeigen sie es dem Baderwastl, und packen alles aus, was an
Janitschek gehts leger anKraft und Geschmeidigkeit bereits jetzt in ihren Maulwurfskörpern schlummert. Am gewaltigsten drückt Judica ihr Missfallen aus, zäh, hartnäckig und trickreich wie eine Partisanin, und wenn sie schon Zähne hätte, trüge der Assi jetzt ihre Wundmale zu Bett. Alle wehren sich nach Kräften und Möglichkeiten – außer Janitschek. Der setzt auf eine Art Kaffeehaus-Widerstand, weil er möglicherweise die Pflege seiner feschen Marken für zukunftsweisender hält als den Ruf als Samurai. Vielleicht hat er schon mal etwas vom Beruf eines Markenbotschafters gehört und verspricht sich davon einiges. Das heißt aber nicht, dass er keinen Widerstand leistet, das schon, aber nur bis zu dem Punkt, an dem der gegnerischen Widerstand einsetzt. Auch eine Strategie. Entscheidend ist, dass alle unversehrt aus der Prozedur kommen, keinem ein Härchen gekrümmt wurde, alle Zehen noch an Ort und Stelle sind. Blut ist keines geflossen, nur die Krallen sind ein wenig gestutzt. Altes Bader-Handwerk eben. Und auf die Guillotine hat der alte Herr Bader eh noch nie keinen geschickt.
Sonntag, 30. Mai 2021
Heute Morgen sieht Heddas Darmproduktion schon wieder sehr ermutigend aus, man kann sagen, sie hat fast wieder einen normalen Stuhl. Ihre Temperatur stabilisiert sich langsam immer ein wenig mehr nach unten, liegt demnach jetzt im Schnitt knapp über 38°, was den Züchter glücklich macht, vor allem unter dem Aspekt der Geburtsreste in ihrem Bauch, mit denen sie immer noch zu tun hat. Aber es sieht danach aus, als ob wir an dieser Baustelle von ernsten Problemen verschont bleiben könnten.
Aber es zieht sie weiterhin nicht zu ihren Kindern. Wenn man sie dazu anhält, kommt sie dem nach und erfüllt ihren Auftrag auch gewissenhaft. Wobei es immer mehr den Anschein hat, dass Hedda nicht eigentlich Abstand von ihren Kindern halten möchte, sondern eher von den Kindern in der Schnullerbox. Denn wenn wir sie ins Kuddebett legen und ihr die Zwerge reichen, zickt sie nicht herum, sondern übt sich in Geduld und Kinderpflege. Offenbar verknüpft sie eher die Box mit ihren Wehentätigkeiten als die Kinder. Allerdings müssen wir auch im Kuddebett bei ihr sitzen, weil das brave Mädchen, jedem unserer Schritte getreulich folgt. Wenn wir weggehen, geht sie auch. Das hat man dann von solchen Schattenwesen. Jahrein, jahraus weiß man so etwas zu schätzen, aber manchmal bekommt man für diese Gefolgschaft auch die Quittung.
Ein Blick
Ausgebüxt – Janitschek und Joschiauf die Gewichte zeigt, dass Joschi bei seiner vom Überlebenskampf geprägten Noagerlsauferei gestern den anderen fast die ganze Milch abgegraben hat. 110 g hat er zugenommen, sich von 770 auf 880 g hochgeschlemmt und den Spitzenplatz zurückerobert. Ihm folgen Jazz (+70) und Jackl (+40) gleichauf mit 860 g. Judica bringt es auf 800 g (+50). 790 g (+50) wirft der Markenbotschafter Janitschek in die Waagschale. Dann tut sich eine Lücke auf: Jasna 700 (0), Jeannie 680 (+20) und Jule 600 (+50). In Summe beträgt die Auflastung 390 g und das Durchschnittsgewicht liegt heute bei 771 g.
Trotz dieser unverdächtigen Milchleistung macht uns heute eine Zitze etwas Sorgen. Das Problem besteht ja darin, dass die Schnuller möglichst gleichmäßig und am besten komplett leergepumpt werden sollen. Geschieht das nicht, ergibt sich ein Milchstau, also Dickmilch anstatt Vorzugsmilch. Grundsätzlich ist gegen
Heddas leidgeprüfte ZitzeDickmilch nichts einzuwenden, sie soll ja auch sehr gesund sein, nur bei einer laktierenden Hündin ist sie eher unerwünscht. Auch in dieser Disziplin haben wir unsere Erfahrungen gesammelt und werden schnell nervös, wenn uns da etwa auffällt. Heute fällt uns eine gut gefüllte, aber eben auch etwas zu feste Zitze auf. Wenn wir nicht demnächst eitrige Milch auspressen und Quarkwickel auflegen wollen, sollten wir schnell handeln. Wir legen drei der stärksten Trinker an diesen Zapfhahn und lassen sie machen, aber sie kriegen ihn nicht frei, weil vorne schon ein ziemlich fester Pfropf sitzt und die Milch dahinter nicht durchkommt. Wir legen Hedda im Garten in die
Milchgeysirstabile Seitenlage und dann macht sich die Chefin an eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen: Ausdrücken. Meist handelt es sich dabei um Talgknubbel oder Mitesser, aber eine verstopfte Milchdrüse tut es auch. Nachdem die Dickmilch herausgepresst ist, spritzt die leckere Sahne 30 bis 40 cm hoch aus Hedda heraus. So etwas hast du noch nicht gesehen! Eine beispiellose Verschwendung ist das; die Hungerhaken verzehren sich nach Manna und hier schießt das Lebenselixier wie ein Geysir ins Leere und macht niemanden mehr satt. Schade drum, aber uns ist es lieber als Topfen mittels Quarkwickel (und unter Fieber) zu entfernen. Bei dieser Gelegenheit müssen wir noch dokumentieren, dass die Spitze dieser Zitze schon angeknabbert ist und etwas absteht. Wie schaffen die das? Die haben doch noch gar keine Zähne! Und die Krallen sind auch bereits gekappt. Vielleicht sollten wir statt Calendulasalbe besser Tabasco auftragen.
Ganz frei bekommen wir den Milchschnuller nicht, aber wir sind zuversichtlich, dass sich die Zwerge so lange an ihm abmühen, bis er wieder fließt. Zur Not muss Joschi ran. Bis wir den Tag beschließen, brauchen wir keinen Quarkwickel und kein Antibiotikum. Die Jabberwockys erweisen sich als richtige Schlabberwockys und füllen sich engagiert und geräuschvoll ab.
Montag, 31. Mai 2021
Heute Morgen, 31. Mai um 6:30 Uhr: 3 °C und der Nachttau auf der Windschutzscheibe ist angefroren. Morgen, so erzählt man sich, sei der meteorologischer Sommeranfang. Wenn so die Erderwärmung aussieht, wollen wir sie nicht haben! Aber der Himmel über dem Mangfalltal ist blau, so blau wie der Punkt auf Jules Schulter. Es wird ein makelloser Frühlingstag, der es aber nicht über 20 °C schafft.
Hedda darf heute Morgen einen langen Spaziergang mit Fianna, ihrem Frauchen und der Herzensfreundin Krümel machen: Einmal um den Speichersee bedeutet für sie fast eine Stunde Kinderfreizeit; denn noch immer legt sie sich nicht aus freien Stücken zu ihren Kindern und braucht etwas Ermutigung. Mit ein bisschen Hilfe ist sie dann jedoch Mutter ohne Punktabzüge. Noch immer hat sie sporadische Gebärmutterkontraktionen, und wir sind sehr gespannt, ob sie sich nach deren Verschwinden wieder proaktiver, wie man heutzutage sagt, ihrem Nachwuchs zuwendet.
I
Jeannienteressant ist, dass von Heddas Milchverknappung immer ein Jollyjoker profitiert und die anderen sich mit dem Rest abfinden müssen. Vor allem Joschi ist es, der offenbar den Dreh, wie man an Milchsubventionen kommt, am besten raushat; einmal waren es 100 g, einmal 110 g, einer Karriere als Bauernlobbyist steht somit nichts im Wege. Aber 60 bis 80 g haben die meisten irgendwann mal geschafft. Heute ist es die zauberhafte Jeannie, die uns mit satten 110 g glücklich macht. Von einer Geburtsdepression ist bei ihr nichts mehr zu spüren. Der Reihe nach: Jackl 890 (+30), Jazz 930 (+70) übernimmt die Spitze und verdient sich den Kampfnamen „Mampf-Mamma“, Janitschek 840 (+50), Jeannie 790 (+110), Joschi 910 (+30), Jule 610 (+10), Jasna 730 (+30) und Judica 810 (+10), insgesamt 340 g mehr bei einem Schnitt von knapp 814 g.
Und damit ist über die erste Woche der Jays alles berichtet. Eine Woche haben wir und die Zwerge bereits hinter uns gebracht, leider nicht ohne Verlust. Wer schon einmal einen Welpen zu einem späteren Zeitpunkt verloren hat, weiß, wie viel größer der Schmerz dann ist. Wir hätten schon jetzt gerne darauf verzichtet. So etwas braucht niemand. Wir danken dem unglücklichen Königsjodler dennoch, dass er den Weg zu uns gefunden hat, weil wir auch nur so seinen Verlust empfinden können. Wir behalten dich, kleiner Jodel, in unseren Herzen, wie wir auch deine frühen Vorgänger Atlan und Dylan nicht vergessen haben.
Zugegeben, es war eine anspruchsvolle und sorgenvolle Woche, wir können uns an entspanntere erinnern, aber auch an quälendere. Die meistkolportierte Erzählung ist die, dass die erste Woche die coolste sei, sozusagen easy-going, weil die Hündin ja alles selbst erledigt, die Kinder süß und knutschig sind, nicht nerven oder sich nicht unentwegt aus dem Staub machen und überall ihre stinkenden Daseinsnachweise hinterlassen. Und einem dabei auch noch ständig an den Beinkleidern und Nerven zerren. Doch gerade beim ersten Wurf einer Hündin weiß man nie, wie sie sich verhält, ob sie genug Milch hat und wie sie sich den Welpen gegenüber verhält. Wie wir gesehen haben, kann Vieles passieren und auf alles sollte man gefasst sein. Von einer entspannten Woche kann nicht die Rede sein. In unserem Fall bereichert noch eine äußerst kinderaffine Oma das Bild, und auch bei ihr weiß man vorher nicht, was man zu erwarten hat und welche Schwierigkeiten sich ergeben. So ein erster Wurf ist immer eine Lotterie.Hedda hat das Erbe ihrer Oma Franzi in den Genen, die einerseits eine höchst robuste Rabaukin war, aber andererseits mit Wehwehchen nur schlecht umgehen konnte. Hedda ist ihr darin sehr ähnlich, sie hat sehr viel von ihrer Oma: Sie ist schnell wie ein Skorpion, sehr beweglich, arbeitsfreudig, blitzgescheit und überaus freundlich. Und sie ist, wie ihre Oma, bereit, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, aber wenn die Wand dagegenhält, ist der Aua-Faktor groß. Ein bisschen sich das Bein vertreten, kann schon mal den Ruf nach dem Notarzt auslösen. In der Tiefe ihrer zauberhaften Seele ist sie eine Art weiblicher Jürgen von der Lippe: ein Hypochonder mit starkem Auftritt. Das macht sich jetzt bei ihren Problemen mit den Geburtsrückständen und den künstlichen Wehen bemerkbar. Da möchte sie lieber in ihrer Mupfel verschwinden und auf ein baldiges Ende der Zumutungen hoffen. Wir vermuten stark, dass das Oxytocin ihren Hormonhaushalt heftig durcheinandergeschüttelt hat, weil sie die Mutterinstinkte nicht mehr abrufen kann, was sie vor diesem Eingriff leidenschaftlich konnte. Wir sind gespannt, ob sich das ändert, wenn die Wirkung des Hormons aufhört. Wir glauben sicher, dass sich ihre vollen Mutterinstinkte wieder durchsetzen, wenn die Aufräumarbeiten in ihrem Bauch beendet sind. Erste Hinweise auf eine Rückkehr zur Normalität sind uns nicht entgangen. So ist sie ein starke Befürworterin kurzer Pipi-Runden, um schnell wieder bei ihren Kindern zu sein. Längere Ausgänge versucht sie übers Tempo zu verkürzen. Auffällig ist, dass sie Fianna zur Seite drängt oder sich vor der Schnullerbox querstellt, wenn sie sich ihr mehr als gebührlich nähert. In dieser Hinsicht lässt sie über Urheberschaft und Zuständigkeit keine Zweifel aufkommen. Aber sie erledigt das immer charmant und mit einer Rose im Knopfloch. Auch nachts besucht sie ihre Zwerge immer wieder mal, sieht nach dem Rechten und vergewissert sich, dass noch alle da sind. Nur zur Fütterung ist sie eben aus den beschriebenen Gründen noch nicht ohne Unterstützung bereit. Aber das wird wieder. Momentan ist sie unzweifelhaft hormonell ein wenig durch den Wind und generell etwas wehleidig – nichts, was nicht in den Griff zu kriegen wäre. Wir schaffen das!
Aber wenn wir jetzt mal das Jammermodul abschalten, haben wir nicht allzu viel Grund zu klagen: Die Welpen gedeihen, die Mutter wird die Kurve kriegen, die Oma wacht über uns alle, der Frühling ist auch schon erwacht und wenn das Wetter in den nächsten Wochen Outdoor-freundlich wird, sind die Lasten der ersten Woche schnell vergessen.
Dienstag, 1. Juni 2021
Wie ein wunderbarer luftiger Frühling beginnt der erste Sommertag, an dem er sich zu wolkenlosen 23 °C aufschwingt. Den Jadwigas und Jaromirs in der Schnullerbox des Blues ist das reichlich Banane, aber uns halt nicht. Wir freuen uns auf Wärme und darauf, dass nun alles für eine coronare Entspannung angerichtet ist. Und ausgerechnet jetzt liegen diese quengelnden Energiebündel in der Blues-Kiste und torpedieren mit ihrer bloßen Existenz, dass wir von diesen zarten Sommerfrüchten naschen dürfen, indem wir beispielsweise im Garten unseres Lieblingsreataurants, hoch über Bad Aibling, sitzen und den lauen Abend bei feinen Speisen genießen. Bis die Bande endlich draußen ist, hat der Wirt bestimmt schon sein ganzes Pulver verkocht oder die Kurgäste sind wie Heuschrecken über ihm eingefallen und haben ihn ratzeputz leergefressen. Oder es kommt schon die nächste Welle…
Hat denn wenigstens der schlaue Bauer einen Trost? Schönes Wetter auf Fortunat, ein gutes Jahr zu bedeuten hat. Immerhin, auch wenn der Reim holpert wie ein Bulldog auf dem Stollenacker. Heute ist der Tag des Fortunatus und wir werden ihn auch beim Wort nehmen, den selbsternannten Glücksbringer.
Werfen wir erst einmal einen Blick auf die Zwergengewichte. Weil die letzte veröffentlichte Chronik des Blues schon eine Woche zurückdatiert, lohnt es sich dort anzuknüpfen und gleich zu Beginn eine Richtigstellung vorzunehmen.
JeannieAm Montag, den 31. Mai haben wir über Jeannies Gewichtexplosion gejubelt, weil sie 110 g zugenommen habe. So, wie wir da gejubelt haben, fährt uns heute Morgen der Schrecken in die Glieder: Jeannie hat von gestern auf heute 50 g abgenommen! 50 g von 790 g, so schnell schmelzen nicht einmal die Polkappen und das ist schon furchterregend genug. Aber an der kleinen Zauberin ist überhaupt nichts Erschreckendes, sie freut sich ihres Lebens und zeigt keinerlei Spuren von Auszehrung. Deshalb geben wir in diesem Zusammenhang einen morgendlichen Wägefehler zu Protokoll: Wir haben am Montag – Schlafblick? Morgenlicht? – der Waage etwas Falsches abgelesen. Oder wir haben in morgendlicher Unterzuckerung anderthalb Pfund Brot auf die Waage gelegt und geglaubt, es sei Jeannie. Wie falsch unsere Messung tatsächlich war, wissen wir nicht, ein Fehler war sie.
Aber auch heute haben wir einen Knalleffekt zu vermelden: Jackl, den eine der Rüden-Aspirantinnen bereits als den „Bürgermeister“ der Knirpse bezeichnete, dieser Jackl hat von gestern auf heute – Achtung! – 150 g zugenommen, von 890 g auf 1040 g. Wir überprüfen die Digitalanzeige zweimal, und sie bleibt dabei: 1040 g. Das ist fast ein Sechstel seines bisherigen Gesamtgewichts an einem Tag! Damit lässt er sogar „Mampf-Mamma“ Jazz und den nimmermüden Joschi alt aussehen. Aber sehen wir uns die ganze Wahrheit in ihrer specktakulären Reihung an:
Jackl 1040 (+150), Joschi 990 (+80), J
Joschi und Jacklazz 990 (+60) … und dann kommt lange nichts. Weiter geht’s mit Judica 880 (+70), Janitschek 840 (0, aufwachen kleiner Träumer!), Jasna 760 (+30), Jeannie 740 (-50, Fehlerkorrektur) und Jule 680 (+70). Wenn diese Acht ein Ruder-Achter wären, wäre Jackl nicht der Bürgermeister, sondern der Schlagmann, aber so einer, mit dem das ganze Boot einen Schlag hätte wie er selbst und auf einem Schlag absaufen würde.
Was Hedda angeht, durcheilt sie nur noch äußerst selten eine Kontraktion, folgerichtig wird sie zunehmend gelassener, aber dennoch verliert sie jetzt wirklich viel Geburtsabraum; überall hinterlässt sie schleimige Blutspuren und Gewebsreste, das sieht zwar etwas eklig und erschreckend aus, ist aber genau das Gegenteil und vor allem notwendig. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass sie nun schon wieder das anfängliche Mama-Programm abruft, aber in dieser Hinsicht sind wir sehr zuversichtlich. Spannend ist zu beobachten, wie sie sich offenbar an die eigene Belastungsgrenze herantastet, denn vier Kinder am Bauch und in der Box meistert sie ohne Zucken, aber bei acht empfiehlt sie sich geschmeidig. Grundsätzlich wäre das auch kein Problem, wenn wir erst die Zarten zu ihr lassen würden (Jule, Jasna, Jeannie und Janitschek) und den vier Quartalssäufern den Rest zum Auslecken geben würden. Dafür würde einiges sprechen, wäre aber familienhygienisch problematisch.
Und den Zwergen geht es jetzt schon wie ihrer
Rudelschlummern im KuddebettMama: sie liegen mit Begeisterung im Kudde, was daran liegen mag, dass man aus diesem geradezu schwerelos entschwinden kann: Ein müheloser Schwung auf den Wulst und – plopp – schon ist man in der großen, weiten Welt. Meist kommt dann die Oma, die Augen und Ohren hat, wie sie nur erfahrene Mütter haben, und petzt beim Personal. Dann ist der Ausflug auch schon wieder vorüber und man kann einen weiteren Anlauf starten, bis das Sandmännchen die Regie übernimmt. Von nun an ist es egal, ob Kudde oder Kiste.
Nach nun neun Tagen lassen sich bereits erste Charaktereigenschaften der Welpen feststellen, zwar nur fragmentarisch, weil auffällig, aber immerhin. Joschi beispielsweise ist ein liebenswerter, zünftiger und offenbar sehr zufriedener Geselle, der aber möglicherweise nur deswegen so sehr in sich ruht, weil er unentwegt an der Füllgrenze satt ist und verdaut. Joschi ist nämlich ein gnadenloser Zitzenbulldozer, der seine Nahrungsaufnahme erst dann beendet, wenn er alle mütterlichen Zapfhähne auf Restbestände abgearbeitet hat. Bei dieser Umsetzung seiner Überlebensstrategie kennt er weder Bruder noch Schwester, dann panzert er durchs Zitzengelände und räumt alles ab, was ihm im Weg ist. Fatalerweise scheint er auch überall noch fündig zu werden, was seine Motivation anfeuert, weil Erfolg, wie wir wissen, der beste Lehrmeister ist.
Bezüglich der
Mamma Mia-BarTrinkfestigkeit unseres Nachwuchses müssen wir generell festhalten, dass wir so eine Saufpartie noch nie hatten. Joschi ragt in dieser Hinsicht nur als Spitze aus dem Milchberg, denn auch die anderen verlustieren sich unermüdlich, mal abgesehen von Ernährungsnormalos wie Jasna, Jule, Janitschek und, mit Abstrichen, Jeannie. Wenn sie nicht vorher vor Erschöpfung umkippen, suchen die anderen zwanzig Minuten zäh und erbarmungslos an ihrer Mutter herum, obwohl dort nach zwanzig Minuten definitiv nichts mehr abzugreifen ist. Das ist der Grund, warum sich Hedda schon jetzt mit multiplen Schändungen ihres Gesäuges herumschlagen muss. Wenn man das in die Betrachtungen einbezieht, schlägt sie sich wirklich tapfer und hat mehr als einen Grund, die eine oder andere Mahlzeit ausfallen zu lassen. Das ist nicht nur der inzwischen fast völlig verschwundene Leibschmerz infolge des Oxytocins, das ist reiner Eigenschutz.
Mittwoch, 2. Juni 2021
Wir könnten die heutige Chronik mit dem Wetter beginnen (schön, warm und makellos), das tun wir aber nicht. Wir könnten auch den Bauernschlaumeier zu Wort kommen lassen, aber das werden wir auch nicht. Wir könnten mit dem Knaller aufmachen, dass Hedda heute erstmals nach dem Wurf in der Mangfall baden war; aber das ist kein Aufmacher, sondern ein Langweiler, weil bisher wenig Gelegenheit zum Baden bestand. Natürlich könnten wir das Gewichtmanagement an den Beginn unserer Erörterungen stellen. Und auch das ist uns, vor allem dem Chronisten, der Rede erst später wert.
Der Chronist besteht darauf, das erste Wort C
Dauertrommler Charlieharlie Watts, dem Trommler der Rolling Stones, zu widmen, der heute 80 Jahre alt wird. 80 Jahre – und noch immer sitzt er hinter seinem Rührwerk und arbeitet sich eineinhalb oder zwei Stunden ab. Wenn man ihn so sieht, scheint er eine späte Replik jener unermüdlichen Trommeläffchen aus den Gründerjahren dieser Republik zu sein. Mick Jagger drückte schon vor Jahren seine Fassungslosigkeit über Charlies Leistung aus und räumte ein, dass er selbst schon nach zehn Minuten hinterm Schlagzeug tot vom Stuhl fällt. Und der alte Mick ist topfit! Only the good die young, behauptete einst Billy Joel. Demnach müsste Charlie lausig schlecht sein. Vermutlich sieht das Billy heute auch etwas anders – er feierte im Mai auch bereits seinen 72. Geburtstag.
Damit beenden wir die Heldenverehrung für den heutigen Tag und widmen uns den Zweit- und Drittrangigkeiten, zum Beispiel den Gewichten. Heute gibt es keine Ausreißer und keine Faster, heute melden wir eine schöne, stetige Gewichtsentwicklung:
Jackl 1060 (+20), Jazz 1050 (+60), Joschi 1030 (+40) – und damit hat der Dauerzuzler am zehnten Lebenstag als Erster sein Geburtsgewicht verdoppelt, Judica 920 (+40), Janitschek 900 (+60), Jasna 800 (+40), Jeannie 760 (+20) und Jule 740 (+60). Insgesamt haben die acht 340 g zugenommen und wiegen im Schnitt 907,5 g.
Eigentlich geht derzeit alles seinen geregelten Gang, bis Joschi am späten Nachmittag die ganze Schnullerbox vollkackt. Die konsequente Antwort darauf heißt: Wäschewechsel. Auf diesen findet auch Joschi postwendend eine Antwort, indem er wieder alles volldarmt. Abgesehen von dem ekelhaften Gestank, der das Anwesen des Blues augenblicklich umflort, schrillen unter diesen Umständen schnell die Alarmglocken. Es lässt sich nicht verhindern, dass sie Kinder jetzt langsam selbst beginnen, ihren Darm zu leeren, und der Duft dieses
Joschigackerlgelben Zeugs übersteigt die Körpergröße der Produzenten ums Dreifache, das kennt man, aber dass einer solche Mengen absondert und dann auch noch zweimal hintereinander, ist uns in dieser Form noch nicht passiert. Die erste Folge dieser Analeruption ist die unumgängliche Reinigung seiner Geschwister unterm fließenden Wasser, weil die sich natürlich nicht schnell genug vom Acker machen konnten oder sich gedankenverloren darin wälzten. Das übernimmt die Chefin, der Assi ist zu diesem Zeitpunkt anderweitig beschäftigt und schafft es deshalb auch nicht, das Ereignis fotografisch zu dokumentieren. Die zweite Folge ist die Sorge um den kleinen Kerl, denn, wie gesagt: So etwas haben wir noch nicht erlebt. Wir hoffen inständig, dass er nur seiner Völlerei Tribut zollen musste und sich nichts eingefangen hat, was in diesem Alter fatal wäre. Zumal der kleine Stinker sowieso andauernd vor sich hin jammert, singt, knarzt und lautbildnerisch auffällt, sodass man nicht weiß, ob das zu seinem Standardrepertoire gehört oder Klagelaute sind. Jedenfalls ist sogar Hedda von dieser Situation so berührt, dass sie es als notwendig ansieht, in die Schnullerbox zu steigen und nach dem Rechten zu sehen. Das zumindest ist ein positives Signal, ob es dafür einen negativen Grund gibt, werden wir bald wissen. Und dort bleibt sie auch, bietet allen einen leckeren Milchshake, den auch Joschi nicht ablehnt. Anders gesagt: Er pumpt sich wieder voll bis zum Überlauf. Die Vernunft würde jetzt empfehlen, die Mutter aus der Kiste zu beordern, damit sich der Quartalssäufer nicht weiter volllaufen lassen kann, das wäre aber gerade in dieser Phase der Normalisierung keine gute Idee. Wie man es macht, ist es Kacke. Diese Nummer fährt uns in die Glieder, und entspannt sind wir bis auf weiteres nicht.
Doch im Laufe des Abends entspannen wir uns immer mehr, denn es kommt zu keinen weiteren Auffälligkeiten. Joschi ist so wie immer, zufrieden, knarzend, quäkend und quengelnd und dabei völlig mit sich im Reinen. Er schläft hingebungsvoll und hat offenbar, trotz der zusätzlichen Milchrationen, nichts mehr zu entleeren. Offenbar musste er nur mal schnell zwei Liter Milch entsorgen.
Die selbständige Darmentleerung ist ein wichtiger Schritt hin zum selbständigen Hund. Und dazu gehört auch die nicht von der Mutter provozierte Blasendränage. Jetzt sehen wir schon mal so einen Zwerg in einer endkomischen Körperhaltung beim – erfolgreichen – Versuch, seine Blase zu entleeren. Dabei heben sie schon den gleichen verklärten Blick wie die Großen, bloß eben mit noch immer geschlossenen Augen. Ja, man kann auch mit verklebten Augen verklärt blicken.
Dieser Tag ist ein echter Meilenstein für Hedda
Hedda wieder voll im Einsatzzurück zur Normalität und zum geregelten Mutterleben. Am späten Abend, als sich die Chefin schon zufrieden von innen bewundert, findet sie der Assi in der Schnullerbox bei ihren Kindern vor, sitzend zwar, aber bereit, sie zu speisen. Mit dem Hinlegen ohne Hilfestellung haben die meisten Anfängerhündinnen Probleme, weil die Kinder wie die Jünger am Ölberg kreuz und quer in der Kiste verstreut liegen, und dann haben die Mütter Angst, eines zu zerquetschen. Erfahrenen Müttern passiert das nicht mehr, sie steigen in die Kiste, locken ihre Hungerleider auf eine Seite, und wenn dann alle jubilierend dorthin stürzen, wechselt sie zur anderen Seite und legt sich hin. Dann ist zwar das Geplärre groß, aber sie kapieren schnell, wie das Spiel läuft. Hedda wird das auch noch lernen. Vielleicht kann sie in dieser Angelegenheit mal ihre Mama fragen.
Nachts, so berichtet die Chefin, ist Hedda auch noch ein paar Mal in der Kiste, was ihre Kinder zum Leidwesen der Chefin, aber eben auch zu ihrer Zufriedenheit, freudig kommentieren.
Wir haben doch gewusst, dass Hedda die Kurve wieder kriegt!
Donnerstag, 3. Juni 2021
Die katholischen Christen feiern heute das Hochfest Fronleichnam, das nichts mit einem Leichnam zu tun hat, sondern aus dem mittelhochdeutschen vrône lîcham abgeleitet ist und so viel wie der Leib des Herrn bedeutet, womit die bleibende Gegenwart Jesu Christi gemeint ist. Die unkatholischen Heiden des Bairischen Blues feiern heute dagegen das Fest der Blauen Augen, was nichts mit platzierten Faustschlägen zu tun hat, sondern mit einem blitzblauen Erwachen: Jazz hat als erste ihr Augen geöffnet und uns aus stahlblauen Augen angeblinzelt.
Jazz riskiert ein AugeSie scheint von der neuen Perspektive selbst überrascht zu sein, und uns geht, wie immer in diesem besonderen Moment, das Herz über. Man kann gar nicht anders, als in diesem historischen Augenblick leise den Song von Ideal aus dem Jahr 1990 vor sich hinzusummen:
Bloß deine blauen Augen machen mich so sentimental - so blaue Augen. / Wenn du mich so anschaust, wird mir alles and're egal - total egal. / Deine blauen Augen sind phänomenal - kaum zu glauben. / Was ich dann so fühle, ist nicht mehr normal.
Frank Sinatra wurde zu Lebzeiten Ol‘ Blue Eyes gerufen. Dürfen wir Jazz jetzt Cool Blue Eyes rufen? Wir denken, das wäre zu viel der Ehre, denn schnell wird uns klar, dass sie nicht die Einzige ist, der heute ein Licht aufgegangen ist: Jeannie, Judica und Janitschek haben auch schon ihre Jalousien gerafft und staunen nicht schlecht, was da um sie herum vorgeht. Später gesellt sich auch noch Jasna zu den Durchblickern. Viel dürften sie noch nicht sehen, aber erste Eindrücke sind auch beeindruckend.
So viel zu
Jasnaunserem ganz persönlichen Hochfest, jetzt zum täglichen Brutgeschäft und der Ballastverteilung. Dabei wird klar, dass Jazz heute den Augenblick auch auf der Waage nutzt und mit 70 g plus zu Jackl aufschließt, der es nur auf 60 plus brachte, also Jazz und Jackl: 1120 g. Jackl verdoppelt damit ebenfalls sein Geburtsgewicht. Joschi 1070 (+40), Jasna – herrjeh, schon wieder so ein Explosionsgeschehen – 930 (+130!), Judica 930 (+10), Janitschek 900 (0) springt und ruht, springt und ruht, heute ruht er wieder, verdaut und erfreut sich seiner neuen Aussichten, Jeannie 820 (+60) und Jule 790 (+50). Das ergibt 420 g mehr und ein Durchschnittsgewicht von 960 g.
Vorgestern haben wir begonnen, einen etwas spezielleren – ersten! – Blick auf Joschi zu werfen, heute schiebt sich Jeannie ein wenig in den Vordergrund, und zwar, als wir sie von ihrer Mutter weghebe(l)n, damit die endlich aus dem Kudde kommt, nachdem sie bis zur Auszehrung ausgelutscht wurde. In diesem Moment, als der Assi Jeannie hochhebt, entlässt sie unter sich ein Wasserfällchen, das sich gewaschen hat; es ist geradezu unheimlich, wie viel Wasser aus einer keinen Mädchenblase plimpern kann. Falls uns irgendwann danach sein sollte, unserem Nachwuchs ein Denkmal zu setzen, könnte es für Jeannie, analog zum Brüsseler Manneken Pis, die Vagener Mademoiselle Pisse werden. Aber jetzt, verehrte Freunde, wird’s gespenstisch. Mit dieser Idee kämen wir nämlich zu spät: So eine Mademoiselle Pisse gibt es bereits! Und wo? Logo, in Brüssel. Im Zuge der Gleichberechtigung wurde dem Pinkelbuben aus dem Jahr 1619 ein Pipimädchen zur Seite
gestellt, 1987 war das, rund 500 Meter vom Pinkelbuben entfernt in der Impasse de la Fidelité. So weit, so normal, schließlich wäre ja auch Adam ohne Eva vermutlich irgendwann in ganz unparadiesische Depressionen versunken, und das Pinkelbüblein hat es immerhin dreieinhalb Jahrhunderte tapfer im Zölibat ausgehalten. Doch jetzt kommt der eigentliche Spuk in dieser Geschichte. Hat jemand eine Ahnung, wie das Brüsseler Pipimädchen heißt? Nee? Jeanneke Pis! Woher weiß denn unsere süße Jeannie von ihrer Brüsseler Zwillingsschwester Jeanneke und pinkelt, wie diese, frischfrommfröhlichfrei drauflos? Aber: Ganz im Gegensatz zur sehr kurz angebundenen Jeanneke ist unsere Jeannie ein fröhlicher Ausbund an Bewegungsfreude; sie ist nämlich die erste, die auf ihren wackeligen Stummelbeinen schon sehr munter herumwackelt und nicht mehr bäuchlings kriecht wie ihre Geschwister (die allerdings meist ein deutlich höheres Gewicht zu stemmen haben).
Mit dieser Episode schließen wir diesen Donnerstag und freuen uns auf morgen, den letzten Ferientag der Chefin. Ab nächste Woche muss der Assi in die Bütt – und die Chronikleser ein bisschen länger auf neue Geschichten aus dem Jammertal warten.
Freitag, 4. Juni 2021
Gestern genossen wir einen kraftvollen Sommertag und auch heute kann die Sonne offenbar gar nicht genug kriegen vom Strahlen, allerdings hat sie die Rechnung ohne den Abend gemacht, was man bekanntlich nie tun sollte, denn da wird sie von reichlich Sturm und Regen ins Bett geschickt.
Heute öffnen sich die Tore des Bairischen Blues
für die ersten Besucher, we open up the pearly gates, vor denen die erwartungsfrohen Aspiranten seit zwei Wochen genauso hoffnungsvoll antichambrieren und an dieselben klopfen, wie sie hoffentlich dereinst on heavens door knocken werden. Möge ihnen die Übung dann gelingen; für die ersten wird der Traum schon heute Wirklichkeit. Bisher hatten nur unsere unverzichtbaren Kreißsaal-Assistentinnen Zutritt. Doch ab jetzt geht’s auf, nicht nur die Tür, sondern vor allem auch rund, wie wir ja schon im Titel dieser Chronik prophezeien.
Doch etwas ist anders als bei den neun Würfen davor: Erstmals stehen zu diesem Zeitpunkt bereits alle Glücklichen fest, die uns am 18. Juli einen Liebling entführen dürfen, auch wenn sie noch nicht wissen, welchen. Aber sie alle sind die ersten, die ein strahlendes Auge auf die Knutsch- und Knötterbande werfen dürfen und hoffentlich anschließend wieder mitnehmen werden (das Auge, nicht die Bande).
Damit wäre eigentlich schon alles für heute gesagt, aber die Kür wäre keine Kür, wenn sie nicht von der Pflicht zu einer gemacht würde, also ohne Pflicht keine Kür, deshalb jetzt der Pflichttermin Gewichtsdoku:
Jackl 1160 (+40), Jazz 1140 (+20, Geburtsgewicht verdoppelt), Joschi 1070 (0), Jasna 980 (+50), Janitschek 960 (+60), Judica 940 (+10), Jeannie 850 (+30) und Jule 790 (0). Heute also wieder einmal ein Fatburner-Tag mit nur 210 g Zulage und einem neuen Durchschnittsgewicht von 986,25 g. Das ist auch gut so, denn was einem widerfahren kann, wenn man mit Unverstand in sich hineinpumpt, haben sie vielleicht von Joschi gelernt, der alles hinterrücks wieder hergeben musste, was er sich vorne erstritten hat.
Neue blaue Augen blinzeln uns auch an: Jackl und Jule. Jetzt fehlt nur noch Joschi. Tomorrow is another day…
Samstag, 5. Juni 2021
Heute widmen wir uns unverzüglich der Speckrollen-Statistik, denn auch der schönste Sommertag kann den Tag nicht schöner beginnen lassen als ein so ausgewogener Morgen wie dieser, schon gar nicht, wenn er abends in Sturm und Dauerregen mündet.
Um es kurz zu machen: Alle Acht haben den Diätteufelchen den Laufpass gegeben und wieder Vergnügen an Mutters Doppelrahmstufe gefunden, was dazu geführt hat, dass drei weitere ihr Geburtsgewicht verdoppeln konnten. Jetzt fehlen nur noch Jeannie und Judica in dieser Doppel-Whopper-Statistik. Lassen wir die Zahlen in ihrer schlanken Schönheit auf uns wirken.
Jazz heißt die neue Gewichtsführerin: 1270 g (+130) – und genau so sieht geballte Lebensfreude aus. Jackl hat auch nicht gefastet und mit 60 g nicht an Kalorien gespart, aber es reicht dennoch nur für 1220 g und den zweiten Platz. Joschi ist die Zuverlässigkeit in Person, dritter Platz mit 1170 g (+100). Da schafft er sich gleich 100 g drauf, ohne sie gleich wieder rücklings abgeben zu müssen, dann tritt er trotzdem auf der Stelle. Aber offensichtlich wollte er das Ergebnis nicht so recht glauben und wollte selber sehen; aus diesem Grund hat jetzt auch er, als Letzter, blaue Kinderaugen. Janitschek hat offenbar keine Lust mehr, immer in der Model-Abteilung gelistet zu werden: 1080 (+120), Chapeau, vierter Platz und Geburtsgewicht verdoppelt. Jasna bleibt am Hauptfeld dran: 1040 (+60) und auch das Geburtsgewicht verdoppelt. Als nächste geht Judica über die Ziellinie: 990 (+50), ihr folgt Jeannie mit 920 (+70), und das zarte Julchen mampft sich 90 g drauf und landet trotzdem mit 880 g nur auf dem letzten Platz, weil ihr die anderen von der Zickenfraktion den kleinen Triumph nicht gönnen wollen. Wart nur ab, Jule, deine Zeit kommt noch. Immerhin: Geburtsgewicht damit auch verdoppelt. Das war mit 680 g Zugewinn ein erster kulinarischer Schwergewichts-Tag, der das zugewonnene Gesamtgewicht auf 1071 g hochschraubte.
Ganz spurlos
Heddas Bauch muss gesalbt werdengeht diese Zapforgie allerdings nicht an Hedda vorbei: Ihr Bauch und ihre Zitzen sehen wirklich sehr strapaziert aus. Wir legen sie in den Garten, was sie gerne mit sich geschehen lässt, und Salben ihre Wunden mit Calendula. Sie scheint es zu schätzen, und wir werden sehr bald wieder zum Nagelclip greifen müssen.
Um die Fragen des Wohlergehens unserer Mutter gleich mitzubeantworten: Es geht ihr inzwischen richtig gut. Heddas Stuhl ist fest und dunkel, fast wie in ihren besten Tagen. Sie verliert noch immer Geburtsreste, aber jetzt ohne Oxytocin-Kontraktionen. Das Hormon scheint auch aus dem Körper zu sein, weil sie jetzt auch wieder die anfänglich gezeigte Brutpflege leistet. Aus diesen Aussagen lässt sich ableiten, dass wir auch keine Fiebermessungen mehr vornehmen, weil weder ihr äußeres Erscheinungsbild noch ihr Verhalten Hinweise auf Fieber oder andere Probleme zulassen. Das scheint sie allerdings als Verlust zu empfinden, weil dadurch natürlich der Rektalzwieback ausfällt. Den geben wir jetzt eben für die geschmeidige Zitzensalbung, was sie gleich noch ruhiger und entspannter liegen lässt. Fianna ist es sowieso egal ob sie für kein Thermometer oder keine Salbe mitbelohnt wird.
Hedda ist jetzt tatsächlich wieder die Mutter, die wir aus ihren ersten Tagen kannten; sie ist unaufgeregt engagiert, keine Glucke, aber immer zugegen und bereit. Wenn sie sich abseits legt, um eine Haube Schlaf zu ergattern, ist immer ein Ohr und ein Nasenloch auf Empfang. Auch während der Spaziergänge ist ihr der Weg zurück wichtiger als der davon. Nachts sucht sie mehrmals die Schnullerbox auf. Diese Patrouillen kommen in zweifacher Ausführung vor, dem Kontrollgang und dem Milchgang. Der erste dient der Überprüfung der Vollzähligkeit und geht mehrmals nachts ohne größeren Aufwand über die Bühne. Anders verhält es sich mit dem Milchgang. Der findet etwa zweimal statt und benötigt unbedingt die Unterstützung von Frauchen, weil die nämlich den unsortiert herumliegenden Welpenhaufen so sortieren muss, dass die milchschwere Mutter einen Liegeplatz findet. Dafür wird die Chefin geweckt. Das Thema hatten wir ja schon besprochen. Die Chefin sitzt dann mit schweren Lidern und Gliedern vor der Kiste und lauscht um zwei Uhr nachts den Mampfgeräuschen ihrer Zöglinge. Abgesehen von diesen beiden nächtlichen Auftritten, könnte die Chefin eigentlich wieder ins Familiengemach ziehen, was sie in früheren Würfen zu dieser Zeit bereits vollzogen hatte. Man kann schließlich auch im Schlafzimmer nachts geweckt und ins Erdgeschoss beordert werden, so groß ist der Unterschied nicht. Der Show-Stopper ist Fianna! Wenn der gesamte Blues nach oben zieht, müssen wir für Hedda die Türen offen lassen, damit sie ihre nächtlichen Inspektionsgänge (die ohne Milchentsorgung) vornehmen kann. Wir befürchten jedoch, dass Fianna diese Gelegenheit schamlos ausnutzen wird und sich klammheimlich durch die Nacht in Richtung Küche aufmachen und dort ihr Gluckenpotential zur Verfügung stellen würde. Das haben wir noch ganz gerne unter Kontrolle. Tagsüber lassen wir sie inzwischen schon öfter zu den Zwergen, um sie abzuschnüffeln und abzulecken – und die scheinen das sehr zu genießen –, aber ohne Kontrolle wollen wir kein Fass aufmachen, dass die Oma letztlich den Kindergarten übernimmt und die Mama ihren Teint pflegt.
Der Kindergarten selbst zeigt immer mehr Profil. Wenn sie jetzt gemeinsam im Kudde liegen, dann entwickeln sie sich zunehmend als Individuen mit Gemeinschaftsanschluss: Sie beginnen sich gegenseitig wahrzunehmen. Sie nehmen Kontakt untereinander auf, lecken sich mal die Nase oder kauen einem Geschwister auf den Zehen herum. Auch Mamas Zehen sind jetzt schon mal Objekt der Begierde, was die gerne mit sich machen lässt. Aus der Individualstruktur entsteht jetzt eine Rudelstruktur. Das heißt jedoch nicht, dass sie den lieben langen Tag zusammen kuscheln, es bedeutet, dass sie ihre Individualität ausprägen und sich derer dann in der Gemeinschaft versichern.
Denn die Jays sind, so viel lässt sich schon konstatieren, ein ausgeprägter Haufen von Individualisten. Der von außen verordnete Aufenthalt im Kuddebett wird inzwischen nachhaltig in Frage gestellt und so lange hintertrieben, bis die Situation den Wünschen entspricht. Dieses Spiel treiben heute Jazz, Jeannie und Jule, ein Trio Infernal weiblichen Widerspruchsgeistes. Dass Jeannie bereits ein sehr kraftvolles Getriebe hat und damit schon einigermaßen geländegängig unterwegs sein kann, haben wir bereits erwähnt. Jazz ist das Kraft- und Willenspaket des Trios und Jule wirkt nur zart, ist jedoch voller Energie und eigener Vorstellungen. Dieses Trio versucht heute minutenlang, das Kuddebett zu verlassen, was ihm auch gelingt. Unentwegt plumpst eine der Drei über den Kudderand auf den Küchenboden. Wenn wir sie wieder zurücksortieren, setzen sie sofort zu einem neuen Versuch an. Wir machen das Spiel mit ihnen gute fünf Minuten und sie mit uns, eine sehr lange Ausdauer für solche Schlafzwerge, dann lassen wir sie plumpsen und dort liegen, wo sie aufkommen – und binnen Sekunden fallen alle drei in einen zufriedenen Schlummer; Ziel erreicht, Freiheit, wie sie sie verstehen gewonnen, alles gut.
Wie immer, zeigen die einen zu diesem Zeitpunkt mehr Profil als die anderen. Doch letztlich sind das Momentaufnahmen. Mit einiger Erfahrung wissen wir, dass nichts bleibt, wie es ist und dass aus vielem, was noch nicht ist, viel werden kann. Schon viel zu oft haben wir erlebt, wie aus den Wort- und Rädelsführern liebenswerte Mitläufer und aus Mauerblümchen meinungs- und durchsetzungsstarke Standartenträger wurden. Im Moment darf man vieles zur Kenntnis, aber wenig allzu ernst nehmen. Jazz ist, wie schon erwähnt, ein richtig selbstsicheres Persönchen, die eine Aura von Souveränität und Pfiffigkeit ausstrahlt. Nicht nur sie selbst dürfte davon überzeugt sein, dass dort vorn ist, wo sie ist. Wir glauben das derzeit auch. Fast das Gegenteil ist Janitschek, ein urlustiger Herzbube und Lausbub,
Ist Jazz eine Fußfetischistin? der offenbar jeden Augenblick seines noch so kurzen Lebens zu genießen scheint, vor lauter Zufriedenheit auch mal eine Mahlzeit verpasst und sich darüber selbst am meisten beeumeln kann. Jackl trägt die Anfänge eines Anführers in sich, deren er sich aber noch nicht sicher ist, mal lauthals den Helden spielt und mal im Nirgendwo der Schnullerbox in Deckung geht. Jasna und Judica sind derzeit noch die Unprofiliertesten, obwohl man schon kaum, dass man das schreibt, registriert, wie sich Judica mit Herzchen und Lufballönchen an die Chefin heranwanzt und ihr den Bauch zum Kraulen präsentiert. Jasna scheint sich ihrer kraftvollen Existenz einfach noch nicht bewusst zu sein, sie ist nach Jazz das Muskelpaket der Amazonen und irgendwann wird sie davon Kenntnis nehmen; dann sind wir mal gespannt. Jule ist tatsächlich zart, aber mit die Fitteste auf ihren Beinchen, aber noch zurückhaltend, was für den Augenblick eine ziemlich schlaue Strategie sein könnte. Jeannie ist lebhaft, fit und häufig im Rampenlicht, was der Fotograf bei Sichtung der Tagesausbeute mit einigem Unbehagen registriert; denn wieder hat er sich von ihr bestechen lassen und andere übersehen. Und dann ist da noch Joschi. Kann sich noch jemand an den legendären österreichischen Sportreporte Edi Finger erinnern? Das ist der, der bei der Fußball-WM 1978 das Spiel Deutschland gegen Österreich kommentierte und beim Siegtreffer der Österreicher jenes legendäre „Tooor, Tooor, Tooor, […] I wear narrisch!“ in die Welt hinausbrüllte. So ein meinungsstarker und emotionaler Kommentator in der Kuschelbox und daneben ist u
Die Schnullerbox geht aufnser Joschi: Immer die Klappe auf, immer am Quasseln, Kommentieren und Lamentieren; eine Quatschbox, gegen den eine monatelang nicht abgehörte Telefonbox wie das Schweigegelübde der Mafia wirkt. Noch so wenig erlebt und schon so viel zu erzählen!
Nachmittags kommen wir dem immer offensichtlicheren Wunsch der Zwerge nach und öffnen die Schnullerbox, sodass sie, zumindest in unserer Gegenwart, nach Belieben ein und aus können. Sie nehmen unser Angebot dankend an, wackeln hochinteressiert herum und fallen dann erschöpft in einen tiefen Schlaf, dort wo er sie gerade überwältigt. Ob sie jetzt auch das Gefühl des Campers nachempfinden können, irgendwo frei zu stehen, mit nichts als Natur drumherum? Wir denken schon. Abends geht es nach einem halben Tag in Freiheit wieder in die Schnullerbox und alle fallen nach all den Aufregungen in ein kuscheliges Koma.
Sonntag, 6. Juni 2021
Trüb ist das Mangfalltal, sehr trüb und voller Wasser: Landregen, auch Schnürlregen genannt, treibt die Luftfeuchte auf 80%. Dankenswerterweise geht der Außendusche nachmittags das Wasser aus und es ist nur noch dampfig bei 20 °C; nichts für Herzschwächlinge.
Unsere Jays haben keine Herzschwäche, die haben nur wir und unsere Besucher ihnen gegenüber. Aber das ist eine andere Erzählung. Für heute halten wir fest und summen mit Hannes Wader: … denn was neu ist wird alt und was gestern noch galt, gilt schon heut‘ oder morgen nicht mehr. Das gilt sicher heute und morgen und für den Rest der Verweildauer unserer Zwerge. Gestern sind sie noch herumgestolpert oder eher
Undercarpet – Undercoverherumgeschlingert, heute verstehen die ersten schon, dass man auf einem Fliesenboden die Hinterbeine etwas steiler unter den Körper bringen muss, damit man bei Druck auch einen Vorschub zustande bringt. Den Ausstieg, genauer den Auspurzel, beherrschen bereits alle und diejenigen, die den Einstieg von einem Vetbed aus ins Kudde versuchen, schaffen das auch. Nur die Mühseligen, die es vom Fliesenboden aus versuchen, strampeln sich hinten ab wie der Frosch im Milcheimer, mit dem Unterschied, dass der darauf hoffen kann, einen Butterberg zu erstrampeln und von dort aus wegzuhüpfen – diese Hoffnung haben unsere Zwergfrösche nicht; sie bekommen von uns einen Lift, sonst würden sie sich möglicherweise eine Herzschwäche einstrampeln (Kurve gekriegt, Erzählung gerundet!).
Brandneu
Judicaist heute Morgen, dass sie unsere Annäherung und die von Hedda und Fianna über die Nase und ihre Wärmesensoren wahrnehmen. Als Mama und Oma nach dem Morgenspaziergang tropfnass nach Hause kommen, schlummern acht Jays selig im Kuddebett. Noch bevor die
Jules lazy sunday afternoonDamen und die Chefin den Küchenbereich betreten, weil sie zuerst draußen eine Frottierung über sich ergehen lassen müssen, was im übrigen völlig lautlos geschieht, wacht einer nach der anderen auf, stemmt den Oberkörper hoch und pendelt nach der Wärmequelle. Die ist noch fünf Meter weg und um die Ecke, aber sie haben ihr Pflegepersonal schon in der Nase. Binnen Sekunden liegt der ganze Haufen auf dem Küchenboden und macht sich auf die Suche. Und jetzt gibt es auch das zweite Frühstück. Diese Wärmesensorik ist überlebenswichtig, um den warmen Mutterleib zu erfühlen, der eine Milchbar zur Verfügung stellen kann. Jetzt aber reichen die Sensoren weit über den körpernahem Bereich hinaus; das geht so weit, dass wir nun in der Küche schon größere Umwege machen, wenn sie schlafen: Wenn wir nämlich nahe an ihnen vorbeigehen, sind sie sofort hellwach und stürzen sich uns entgegen. Und dabei sind die gerade erst zwei Wochen alt
Nun also: zweites Frühstück für die
JoschiHungerleider. Anschließend machen alle einen kleinen Verdauungsspaziergang rund ums Kudde und legen sich vor ihrer offenen Schnullerkiste auf die Auslegeware zum Schlafen. Nur Joschi, dem Dauerkommentator, ist es jetzt nach Einsamkeit. Und so krabbelt er ins Kudde und schläft dort allein. Judica findet diese Idee bestechend und macht es ihm nach. Und so ruhen die beiden allein im Kudde, die anderen draußen. Was ist daran so erzählenswert? Die Geschichte hat eine Fortsetzung. Nach der nächsten Speisung, als alle erschöpft und unter der Last der Verdauung im Kudde einschlafen, macht sich Joschi wieder davon, diesmal aus dem Kudde raus, und schläft wieder allein, diesmal eben draußen (Judica verpennt die Aktion diesmal). Was lehrt uns das? Reden, viel Reden, kostet enorm viel Energie, Energie, die man wiedergewinnen muss. Joschi weiß schon jetzt, dass der nie ungestörte Schlaf zwischen seinen ratzenden, kratzenden und rumorenden Geschwistern nicht genug Energie zurückgeben kann, wie er sie für seine nächste Wachrunde braucht. Und er weiß sich zu helfen. Wer so viel quasseln kann und die dazugehörige Überlebensstrategie kennt, muss sich um seine Zukunft kaum Sorgen machen.
Sonst ist dieser Sonntag ziemlich ruhig, und nur eine kleine und sehr ruhige Besuchseinheit bereichert den Tagesablauf der Jays, quasi ein deutscher Sonntag mit Kaffee und ohne Kuchen.
Uns bleibt deshalb nur noch, die Gewichtsstatistik nachzureichen und dann die Akte für diesen Sonntag zu schließen:
Jazz 1290 (+20), Jackl 1240 (+20), Joschi 1200 (+30), Janitschek 1110 (+30), Jasna 1090 (+50), Judica 1040 (+50), Jule 930 (+50) und, schau an, Jeannie 920 (0). Das macht sehr schlanke 250 g Zuwaage und ergibt ein Durchschnittsgewicht von 1102,5 g. Da haben beim gestrigen Besucheraufkommen einige das Futtern vergessen und gemeint, von Streicheleinheiten wird man auch groß und stark. So kann man sich irren. Heute gab es keinen Grund, unterschwellige Zitzenaktivitäten zu zeigen. Wir sind auf morgen gespannt.
Montag, 7. Juni 2021
Dann wollen wir doch die Speckkatze gleich aus dem Sack lassen:
Vorneweg weiterhin Jazz mit 1350 (+60),
Jacklaber Jackl holt auf: 1330 (+90). Stabiler Dritter bleibt Joschi mit 1250 (+50). Janitschek sichert seinen vierten Platz mit 1180 (+70) ab und Jasna folgt auf Platz fünf mit 1110 (+20). Dann kommen die Leichtgewichte: Judica 1040 (0), Jeannie 1020 (+100) und Jule 940 (+10). Das sind heute wieder 400 g plus bei einem Durchschnittsgewicht von 1152,5 g. Das buttert den gestrigen Magerquark deutlich auf, auch wenn Judica und Jule wieder mal zu verträumt waren. Aber es lässt sich natürlich nicht übersehen, dass die Boliden allein mit ihrer Körperfülle die Leichtgewichte immer häufiger abdrängen; da kann so ein Zwerg noch so wendig, strebsam und flink sein, am Ende hat der Rammbock die Nase vorn. Das muss uns aber nicht aus der Ruhe bringen, denn bislang haben wir keinen Welpen mit Anzeichen von Mangelernährung und sobald wir mit der Zufütterung beginnen, was schon sehr bald geschehen wird, hat sich diese Diskussion erledigt, dann gibt es keine Zweiklassengesellschaft mehr.
Wie fit und agil die ganze Bande
Joschi allein außer Haustatsächlich ist, erleben wir heute, indem wir sie bereits kreuz und quer in der ganzen Küche verstreut sehen; gerade waren sie noch damit beschäftigt, nicht den Kontakt zum Kudde zu verlieren oder sich wenigstens seiner Nähe zu versichern, schon streunen sie überall herum, natürlich jammernd und unter Beschwerden und Hilferufen, aber sie wollen es wissen. Darüber kann man sich sehr freuen, muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass ab sofort Pfützenalarm herrscht. Denn, und das ist immer wieder für uns die absolute Sensation, sobald sie den Schlafbereich selbständig verlassen, suchen sie für ihre Geschäftchen einen Platz möglichst weit abseits. Manchmal sind der Darm oder die Blase noch schneller als die Beinchen, aber das Bestreben ist unübersehbar. Wir stellen also mit Stolz und Freude fest, dass am Ende der zweiten Lebenswoche unsere Jays schon fast stubenrein sind …
Nun ist also auch die zweite Woche vorüber – und der Chronist hat sich nichts sehnlicher gewünscht. Die erste Woche ist unkalkulierbar und oft sehr belastend, aber wenn die endlich geschafft ist, hat man es mit einer Woche zu tun, die an Ereignislosigkeit schwer zu überbieten ist. Natürlich machen die Kinder Fortschritte, über die man berichten kann und der eine oder die andere liefern auch mal eine liebenswerte Schnurre. Aber das war’s dann auch. Die Bilderausbeute ist entsprechend bescheiden, weil sieben Tage Küchen-Kiste-Kudde-Bilder schlafender oder herumlümmelnder Welpen unter häufig fragwürdigen Lichtverhältnissen keine Chronik entscheidend aufhübschen können. Wir hoffen nun auf eine ereignisreichere dritte Woche, in der, so viel können wir aus Erfahrung versprechen, doch ein bisschen mehr geboten sein wird.
Dienstag, 8. Juni 2021
Wie jetzt der Medardus wettert, solch Wetter 30 Tage zittert. Na denn: Prost! Der Medardus zeigt sich im Mangfalltal einigermaßen zwischenmenschlich mit viel Wolken und Gewitterdrohen, aber am Ende kann er sich nicht entscheiden und lässt es bleiben. In anderen Gegenden lässt er es dafür umso mehr krachen.
Auch heute zeigt sich, dass die Zwerge nicht immer alle an Mutters Bar gleichmäßig zum Zuge kommen, wieder haben zwei ein wenig abgenommen. Noch zögern wir mit der Zufütterung, weil die Zwerge dafür erst in der Lage sein müssen, ihre Zunge anders einzusetzen als sie um eine Zitze herumzuschlingen und mit ihr einen Unterdruck zu erzeugen. Sie brauchen dazu die Fähigkeit, mit ihr zu lecken. Um in dieser Hinsicht etwas Beschleunigung zu erzeugen, stellen wir ihnen eine großen, schweren Blumenuntersetzer mit Wasser auf, damit sie üben können und gleichzeitig mehr Flüssigkeit bekommen als durch Mutters Sahne. Mal sehen, wie weit sie schon sind, einige versuchen sich immerhin schon irgendwo und irgendwie mit einem Hinterbeinchen im Sitzen zu kratzen. Das ist allerdings etwas für die Abteilung Komik, weniger für die Abteilung Körperhygiene; es ist hat alles noch sehr schwer, aber das Bedürfnis und das Bemühen wird deutlich. Lange dauert es nicht mehr, bis sie auch darin fit sind.
Werfen wir also den bereits routinierten
Janitschek geht in DeckungBlick auf die Gewichtsentwicklung. Da macht sich Jazz klammheimlich auf und davon: Jazz 1450 (+100), die macht ihrem Namen Mampf-Mamma alle Ehre. Dagegen nehmen sich die 0 g plus von Jackl recht erbärmlich aus, aber er hält noch den zweiten Platz mit 1330 g. Joschi bleibt der Stabilo-Boss auf dem dritten Platz mit 1310 (+60). Auch Janitschek ermannt sich nicht, die Schwäche seiner Brüder zu nutzen und Jazz zu düpieren (Männersolidarität eben!), sondern begnügt sich mit 30 g plus (1210). 1150 (+40) meldet Jasna, 1110 blinken bei Judica auf, stolze 70 g plus. Jeannie beginnt die neue Woche mit einem runden Kilo, und demnach mit 20 g minus. 30 g lässt Jule liegen und startet mit 910 g in die neuer Runde. Das ergibt dann 250 g Zunahme und ein Durchschnittsgewicht von knapp 1184 g.
Es geht also seinen Gang, mal flotter, mal träger, aber es geht vorwärts. Aber dass sich schon heute Nachmittag unser Versprechen vom Abspann der zweiten Woche, dass die dritte ereignisreicher werden würde, bewahrheitet, geht uns jetzt doch zu schnell. Vor allem der Umfang des belebten Ereignishorizonts verschluckt uns binnen Minuten so flott wie der eines Schwarzen Lochs. Wenn man merkt, was los ist, dreht es einen schwindelig im Kreis und dann ist man verschluckt. Aus. Ende.
JuleGenau so fühlen wir uns heute am späten Nachmittag, den wir eigentlich nur mit einer ersten Fotosession der Jays im Garten abrunden wollten. Das Shooting verläuft auch mit viel Freude, denn die Zwerge zeigen sich im unbekannten Gras ziemlich souverän, jedenfalls nicht verschreckt oder gar verschüchtert. Sie sind mit ihren zwei Wochen ein ziemlich cooler Haufen. Doch bei Sichtung von Jules Bildern, fährt uns ein mächtiger Schock in die Glieder: Auf keinem Bild von ihrer rechten Seite sehen wir ein Auge! Wir holen uns den Zwerg und sind fassungslos: Jules rechtes Auge ist geschlossen, und es sieht aus, als ob
An Tagen wie diesen hängt sogar Jeannie wie tot überm Zaunhinter den Lidern nichts wäre. Über Andrea, die auch für einen Jabberwocky auserkoren ist und in der Tierklinik Oberhaching für geschmeidige Abläufe sorgt, bekommen wir gleich für morgen 12 Uhr einen Termin bei einer Augenspezialistin. Danke, Andrea, in solchen finsteren Momenten kommt man so besser über die Runden – with a little help of our friends.
Die Nacht beim Blues ist voller Gespenster. Es rumort heftig in den Köpfen und den Eingeweiden, weil wir nicht wissen, wie es mit Jule weitergeht, was letztlich davon abhängt, ob ihr linkes Auge in Ordnung ist. Eine völlig blinde Jule wird es auf dieser Welt nicht geben. Die Nächte sind kurz, wenn man Welpen hat, diese Nacht ist die kürzeste und schlafloseste seit langem.
Mittwoch, 9. Juni 2021
An Tagen wie diesen hilft es, die gewohnten Routinen einzuhalten und sich nicht von der Tageslast aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Deswegen unterscheidet sich der Morgen des 9. Juni nicht von den seiner Vorgänger. Ob er sich von dem des 10. Juni unterscheiden wird, entscheidet sich High Noon.
JazzJetzt werden erst wieder einmal die Gewichte genommen, und wenigstens die geben Grund zur Freude. Der heutige Gewichtstag könnte unter dem Motto stehen: Jazz – Up, up and away, weil ihr derzeit einziger ernsthafter Konkurrent Jackl schwächelt. Also:
Jazz 1510 (+60), Joschi 1390 (+80), Jackl 1340 (+10), Janitschek 1310 (+100), Judica 1130 (+20 und als letzte das Gewicht verdoppelt!), Jasna 1130 (-20), Jeannie 1070 (+70) und Jule 1020 (+110). Zumindest Jule ließ sich gestern von der Aufregung um sie nicht aus dem Konzept bringen, nach einer Phase der Zurückhaltung wieder einmal kräftig zuzulangen. Das zeugt von einer unübersehbaren (!) mentalen Stabilität. Wir verzeichnen heute 430 g Zuwaage und 1237,5 Durchschnittsgewicht.
Um 11:15 Uhr verfrachten wir Hedda auf den Boden des Bluesomobils hinter den Fahrersitz, legen ihr Jule ans Herz, die Chefin sitzt mit einem wachen und einem trüben Auge daneben und der Assi chauffiert seine kostbare Fracht ins Ungewisse. Hinter ihm ist Mucksmäuschenstille, wenn man mal von lustvollen Schmatzgeräuschen absieht. Fast eine Dreiviertelstunde arbeitet sich Jule durch Mamas Milchbar und scheint mit sich und der Welt völlig im Reinen. Um 12 Uhr wird sie dann von einer strahlenden Mitarbeiterin der Klinik Oberhaching ans Herz gedrückt und an deren Brust davon getragen, während Hedda mit ihrem Frauchen, völlig entspannt, die Entführung ihrer Tochter begleitet. Die Drei verschwinden und der Assi leidet 20 Minuten im Auto, bis der ganze Trupp mit einer erlöst wirkenden Chefin zurückkommt. Die Begutachtung durch Frau Dr. Baier-Heimstädt ergibt folgenden Sachstand: Das rechte Auge ist nicht angelegt, unter den Lidern ist nichts, höchstens ein Augenfragment. Das linke Auge wirkt völlig normal, zeigt keinerlei Verwachsungen oder Verklebungen auf Netzhaut oder Linse, was auf eine spätere Blindheit schließen ließe und reagiert auf Lichtimpulse. Über die spätere Sehleistung lässt sich bei keinem Welpen in diesem Alter eine zuverlässige Aussage machen, weil sich das Auge noch in Entwicklung befindet. Die Tierärztin ist bei Jule völlig entspannt und sehr zuversichtlich, dass sie mit einem Auge ein fast völlig normales Leben wird führen können. Nur mit Züchten wird es nichts werden. Fürs Erste kommt Jule auf Wiedervorlage in der achten Woche, zum Zweiten haben sie und ihre Mama die Herzen der halben Klinik im Sturm erobert.
Auf der Heimfahrt finden wieder Gespräche im Blindentransporter statt. Jule stärkt sich derweil wieder stumm an Mamas Bar. Wir warten jeden Moment darauf, dass sie uns das Auto vollspeit, weil ein so kleiner Hund eine solche Fett- und Proteinportion unmöglich problemlos verstoffwechseln kann, meinen wir. Aber Jule kann, die ganze Strecke über, 45 Minuten. Zuhause legt sie sich zu ihren Geschwistern und verdaut lautlos und konvulsionsfrei.
Wir halten für die Gegenwart und die Nachwelt also fest: Jule ist ein Montagsprodukt mit leichten Fertigungsmängeln, und der Assi adelt sie mit dem Namen „Blind Jule Johnson“, entliehen von dem einzigartigen Blues- und Gospelmusiker Blind Willie Johnson aus der erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Der war zwar ganz blind, dafür ist Jules stimmlicher Beitrag noch nicht mal halb so eindrücklich wie seiner; Jule ist eine eher leise Vertreterin der Jays. Ihre genussvoll stumme Reise nach Oberhaching ist dafür ein starker Beleg.
Uns fällt ein Stein vom Herzen. Mit einer einsichtigen Jule können wir gut leben, so wie auch sie davon kaum beeindruckt sein wird, zumal sie nichts anderes kennt. Wir kennen eine Hündin, die halbseitig blind einen großartigen Schutzdienst gemacht hat. Mit Wahrscheinlichkeit wird der optische Mangel ihre Nasenentwicklung noch verstärken; einer Karriere als erstklassiger Fährtenhund stünde als auch nichts im Wege. Eines müssen wir aber gleich klarstellen. Wegen des Auges wird Jule nicht billiger zu haben sein, im Gegenteil: Sie hat schon jetzt mehr Fahrstunden als die anderen sieben in diesen acht Wochen bei uns je haben werden (das hoffen wir jedenfalls!) und ist schon heute komplett automobilstabil. Diese Umstand muss in der Preisgestaltung seine Berücksichtigung finden 😉.
An dieser Stelle ist es uns besonders wichtig, die unglaublich vielen Aufmunterungen zu erwähnen, die uns seit gestern erreicht haben, denn der Flurfunk war natürlich schneller als unsere „offizielle“ Bekanntmachung bezüglich Jules Gebrechen. Wegen der fachlichen Aussagkraft ist es zwangsläufig Frau Dr. Baier-Heimstädts Mutmacher, der uns wieder den Glauben an Jules Zukunft gegeben hat, aber nicht weniger ergreifend sind die Reaktionen von Freunden und vor allem der aktuellen Welpenkäufer, von denen keine(r) auf vermeintliche Ansprüche besteht, die, im Falle eines Verlustes von Jule, vom Kauf zurücktreten oder auch eine blinde Jule zu sich nehmen würden. Wir sind sehr gerührt und wünschen allen Züchtern solche Käufer; der landläufige Umgangston ist leider gelegentlich ein anderer, selbst wenn es kein Unglück zu bewältigen gibt.
Für den Moment sind wir dem Defekt entsprechend unglücklich, den Umständen entsprechend glücklich und, angesichts Jules Melkleistung, gespannt, wie die Gewichte der sieben anderen morgen aussehen werden. Viel kann für sie nicht übriggeblieben sein.
Apropos: Diese sieben erwarten uns schlafend und in der fürsorglichen Obhut der Oma, als ob wir nur mal zehn Minuten weg gewesen wären.
Aber beim Blues scheint sich immer ein Unglück über ein gerade gewonnenes Glück legen zu müssen. Um das zu erklären, müssen wir ein wenig in die Vergangenheit blicken. Neun Würfe stehen bisher in unserer Biografie, bei knapp der Hälfte hatten wir einen kapitalen Schaden zu verzeichnen, einen, der immer unangenehm, während eines Wurfe aber fatal ist. Einmal war der Kanal verstopft, sodass uns die Sch… in die Waschküche lief, ein andermal gab die Waschmaschine ihren Geist auf, dann die Spülmaschine und, fast schon der kapitalste aller kapitalen Schäden, die Kaffeemaschine! Und heute? Geht uns das Licht im Eßzimmer aus. Schalter kaputt? Dimmer kaputt? Dimmersicherung im Eimer? Lampe kaputt? Wir sind beide keine Elektriker und die uns gegebenen Möglichkeiten der Schadensfindung enden schnell. Die schnelle Lösung, die letztlich keine Lösung ist, ist eine lausige Stehlampe neben dem Tisch, die wenigstens das Nötige tut, ohne uns glücklich zu machen. So etwas kann man brauchen… jetzt, ausgerechnet jetzt.
Donnerstag, 10. Juni 2021
Regnet’s am Margaretentag, dauert der Regen 14 Tag‘. Heute regnet es fast den ganzen Tag, teilweise heftig, immer wieder von Gewittern gestützt. Das würde heißen: Zwei Wochen Hausarrest für unsere Zwerge. So gemein kann der Himmel nicht sein! Wir entziehen Margarete das Vertrauen, weil wir nicht auf Bauern bauen. Damit wäre auch die Abteilung Lyrik einmal zu Wort gekommen und hat sich nicht für einen weiteren Einsatz empfohlen.
Dementsprechend desillusioniert wenden wir uns der lyrischen Ästhetik der Zahlen und der Gewichtsstatistik zu. Wir erinnern uns, dass Jule gestern auf ihrem Ausflug nach Oberhaching Mutters Vorräte, jedenfalls nach unseren Vorstellungen, geplündert haben müsste. Das heutige Ergebnis lässt darauf kaum – wie sagt man heutzutage? – belastbare Schlüsse zu. Was man sagen kann: Jazz ist immer weiter auf und davon, als ob sie von nur für sie angelegten Notvorräten wüsste. In der Gesamtschau sieht das dann so aus:
Jazz 1580 (+70) – und dann tut sich schon bis zum Zweiten ein Loch von 220 g auf: Jackl 1360 (+20).
Judica und JasnaJanitschek (1350, +40) mampft sich auf das Niveau von Joschi hoch, weil der gestern zu häufig auf Wanderschaft und in Sachen Klagemauer unterwegs war und dabei 40 g abgenommen hat, und damit ebenfalls 1350 g auf die Waage bringt. Anschließend trudelt total unspektakulär die Mädelsfraktion ein: Judica 1240 (+110), Jasna 1160 (+30), Jeannie 1090 (+20) und Jule 1070 (+50), macht insgesamt 300 g mehr und hebt das Gesamtgewicht auf 1275 g. Aber welche Schlüsse können wir aus dieser Statistik ziehen? Etwa, dass Jule selbst bei Dauerdruckbetankung nicht mehr als 50 g anlegen kann, vielleicht hat sie ja ein eingebautes Überlaufventil, das für das nötige körperliche Augenmaß sorgt (ausgerechnet: Augenmaß bei Jule!). Wir könnten auch ventilieren, dass Jazz ein spezielles Schweinegen trägt, das sie selbst von einer Handvoll Bucheckern wachsen und gedeihen lässt. Dagegen spricht, dass sie nichts von einem Schwein hat. Judica muss beobachtet werden, weil sie eventuell eine (un)heimliche Trinkerin ist, die möglicherweise genau jene Noagerl aufspürt, die Jule entgehen. Und über Joschi ist schon alles gesagt: Quasseln und Filibustern geht an die Substanz. Wenn das zudem auf einem nicht enden wollenden Pilgerpfad d
Joschiurch unsere Küche geschieht, muss man sich nicht wundern, dass er kein Fett ansetzt.
Aber seien wir ehrlich, es sind doch genau solche Unikate, die uns das Herz öffnen und die Erzählung rechtfertigen. Ja, Joschi ist ein Dauerquassler und ein Dauerläufer, das letztere ist er, weil er am besten von allen auf den Beinen ist. Wenn er nicht schläft, dreht er schon während der Morgenroutinen unermüdlich seine Runden durch unsere Küche, erzählt uns von seinen Träumen und beschwert sich, dass wir ihn nicht unverzüglich aus jener Ecke gerettet haben, in der er soeben Hals über Kopf gestrandet ist. Seine Kreise erstrecken sich schon bis an die Grenze zu unserem Treppenhaus, das er sicher bald inspizieren wird, wenn wir dem nichts entgegenstellen.
Judica steht ihm kaum nach, schweigt aber auf ihren Wanderungen, was darauf schließen lässt, dass Joschis Gewichtsverlust der Quasselei zuzurechnen ist, nicht der Körperertüchtigung. Sie versteht sich auf diese
Off limits for puppiesUndercover-Aktionen, die wir so lieben, weil sie nicht abzusehen sind. Heute Morgen schafft sie es doch tatsächlich, sich ungesehen aus unserem Blickfeld zu mogeln, ins Wohnzimmer zu trudeln und uns dort unter den Tisch zu kacken. Jawoll, das nötigt uns allen Respekt ab, macht uns aber auch die Notwendigkeit der sofortigen Käfighaltung klar. Anbindehaltung lehnen wir strikt ab, aber ohne Einfriedung geht nichts mehr. Wir sperren die Zugänge zum Wohnzimmer ab! Das weckt wiederum Joschis Forschergeist, und er treibt sich minutenlang, bis zum nächsten Schlafanfall, an den Sperren herum und sucht nach einer Schwachstelle. Das ergibt folgendes Bild: An ihm werden wir noch viel Freude haben und, falls es sich als zutreffend herausstellen sollte, dass er mit seiner Schwester Judica gemeinsame Sache macht, werden wir aus dem Staunen kaum noch herauskommen. Mal sehen, wer demnächst die besseren Argumente hat…
Ein weitere Änderung unserer Abläufe kann nicht mehr aufgeschoben werden: Hedda und Fianna müssen ab sofort im Wohnzimmer gespeist werden. Wir können die Vorbereitungen nicht diskret genug gestalten, dass die Jays nicht mitbekommen, was ansteht. Selbst wenn sie tief und fest schlafen, während sich Mama und Oma auf leisen Sohlen zu ihren Schüsseln in der Küche schleichen (die machen das, wenn wir es ihnen bedeuten, die können sogar ganz leise, wenn sie wollen), sind sie blitzschnell hellwach, folgen ihren Antennen und fummeln ihnen an den Beinen herum, versuchen an die Zitzen zu kommen und krähen, was das Zeug hält. Selbst einer
Fianna leistet Oma-Diensteliebevollen Mutter und einer mit allen Wassern und Beschwernissen gewaschenen Oma vergeht dabei der Appetit. Also ab heute: Ammenspeisung im Wohnzimmer.
Trotzdem oder gerade wegen dieser Aufdringlichkeiten, zieht es Fianna immer wieder zu ihren Enkeln, um ihnen die Nasen zu lecken und sie zu putzen. Die genießen den Oma-Service sehr, wir weniger, weil das nun mal der Mama-Job ist. Omas sind fürs Wochenende, nicht für die Alltagsseelsorge da. Aber, und das lässt uns dann doch wieder gnädig wegsehen, sie spielt auch herzergreifend und voller Zuwendung mit ihnen. Dagegen haben wir überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil: Eine Spieloma ist das Beste, was einem Sprössling passieren kann. Und wir sind uns hundert Prozent sicher, dass Fianna ihren Enkeln im Spiel alles zeigen wird, was sie brauchen, um ein toller Hovi zu werden. Genau dafür sind Omas da!
Freitag, 11. Juni 2021
Vor uns ein wunderschöner weiß-blauer Sommertag, der sich auch nicht mehr in die Schmuddelecke treiben lässt, nur ein paar Wolkenfelder duldet und somit ein vielversprechender Einstieg in ein noch vielversprechenderes Wochenende wird.
Überhaupt nicht vielversprechend ist Heddas Zitzen-Maladie. Immer wieder wird ein Zapfhahn fest, aus dem die Zwerge nicht genug herauszuzeln können und dadurch die Milchpassagen verstopfen. Meist handelt es sich dabei um dieselbe, die Probleme macht. Dann liegt Hedda wieder einmal flach und die Chefin knubbelt und rubbelt und massiert und streift, bis die Kanäle wieder frei sind und statt Eiter wieder Milch fließt. Des Assis Schoß ist derweil das Ruhekissen für Heddas Haupt, das gerne in Richtung Bauch zucken würde, um der Qual ein schnelles Ende zu bereiten und der Chefin die gebotenen Schmerzgrenzen zu setzen. Aber Hedda ist ein wirklich braves Mädchen, das sich zwar schwertut, aber einsieht, dass die Behandlung besser ist als der dauerquälende Knoten im Euter. Dann gibt es einen lockernden Spaziergang, auf dem sie alles vergisst und anschließend einen Quarkwickel, der die Hitze aus ihrem Leib zieht. Es sieht aus, als sei diese Zitze ein ähnliches Montagsprodukt wie unsere Jule, das für die Zwerge nicht durchgängig genug ist, damit sie auch alles abzapfen können. Der verbleibende Rest wird dann zu Quark.
Um
Jazz kommt sogar mit Panacur klar 9 Uhr schreiten wir zur anstehenden ersten Entwurmung mit Panacur. Die Chefin hebt den Kandidaten oder die Kandidatin auf ihren Schoß, zieht die Spritze auf und schiebt den überraschten Schoßhockern die Pampe zwischen die Lefzen, und schon ist der Spuk vorbei, der Patient staunt und kommt gar nicht dazu, sich richtig zu wundern. Aber das geht auch anders, wie wir wissen. Da ist schon die weiße Creme durch die Küche geflogen, unter Abscheu verschleudert, gerade dass die Knilche nicht noch ein
Jules Geschmack ist es nichtangeekeltes Bäh hinterhergeworfen haben. Doch heute bleibt sogar das T-Shirt gesellschaftsfähig, die Mäuler kaum versabbert, und der Fotograf dreht mit leeren Händen ab: nichts Verwertbares. Dieser Mangfall-Achter verhält sich bei dieser doch grenzwertigen, weil abtörnenden Behandlung, so wehrhaft wie eine Rommee-Runde im Altersheim. Das hat seine Vorteile, aber solche Musterschüler loten die Grenzen unserer Erfahrung aus. Das kann doch nicht so toll schmecken, das muss doch irgendwie eklig sein, und nein, sie würden es morgen sicher nicht bestellen, aber wenn es auf den Tisch käme, würden sie es wieder brav schlucken. Da die Kur an drei Tagen in Folge verabreicht werden muss, werden wir morgen mehr wissen.
So friedlich die acht sind, so sehr loten sie nun ihre Fähigkeiten aus und intensivieren ihre Kontakte untereinander; zu Deutsch heißt das: Sie fangen an zu balgen und zu raufen und sich in die Nasen zu beißen. Interessant ist, dass sogar die Dauerlaberer bei diesen Rangeleien die Klappe halten. Offenbar beißt sich beißen und quasseln so sehr, dass sogar Joschi daran scheitert.
Während sich der Mangfall-Achter mit sich beschäftigt und Stück für Stück seine kleine Welt erobert, setzen wir ganztägig Heddas Zitzenkur fort, einmal mit Quarkwickeln, das nächste Mal mit Krautwickeln, damit sich der Stau löst, keine Hitze entsteht und wir auf ein Antibiotikum verzichten können. Das wäre zwar nicht abträglich für die Welpen, aber was nicht sein muss, sollte auch vermieden werden. Bisher klappt das gut und Hedda ist guter Dinge.
Wir bewegen uns nun stracks auf das Ende der dritten Woche zu, und dementsprechend kann man die Zwerge schon mal auswärts zum Essen führen; immer nur Mamas Milchküche ist doch langweilig und vor allem für Mama, wie wir sehen, eine Tortur, auch weil die kleinen Biester schon wieder Krallen wie Ameisenbären haben. Wir bereiten also eine Portion Welpenmilch, wie bereits beschrieben, und so, wie sie Mama Hedda immer noch jeden Morgen bekommt, bringen den Shake auf Körpertemperatur – und es kann losgehen: Laken auf den Boden, ein kleiner Twist-off-Deckel mit etwas Milch darauf gestellt und dann bekommt Jazz als erste ihren Auftritt. Womit rechnet man nach neun Würfen bei dieser Übung? Mit dusseligen Kleinkindern, die eher in dem Milchpfützchen ertrinken als daraus zu trinken. Auch mit orientierungslosen Zitzenschnullis, die noch nicht einmal mit Milchgeruch in der Nase einen Plan haben, was sie mit dem Sahneschälchen anstellen sollen, aber auch mit Zerstörertypen, die das Geschirr herumschleudern und durch den Flur treten, Grobmotorikern eben, denen es an jeglicher Ehrfurcht vor einem solchen göttlichen Manna mangelt. Alles schon erlebt, nichts davon würde uns überraschen. Es überrascht uns noch nicht einmal, dass Jazz zu jenen Geschöpfen zu zählen scheint, die etwas mit Tischsitten anfangen können: Sie lässt sich die kleine Nase in die Milchsuppe stupsen und beginnt zu züngeln, konzentriert und zielorientiert, verliert schon mal den Kontakt zum Essgeschirr, lässt sich aber willig reorganisieren und schnabelt weiter, bis das Deckelchen leergeschlurzt ist. Dann arbeitet sie noch den Überlauf rund um das Deckelchen herum ab, lässt nichts verkommen, sucht nach weiteren Quellen, wird nicht fündig und macht sich davon. Showdown. Ja, denken wir, Sonderbegabung eben, die noch nie durch eine Futterbehinderung oder Essstörungen aufgefallen ist, die klare Prioritäten im Leben hat und alles danach ausrichtet. So etwas haben wir auch immer schon gehabt.
Und
Janitschekdann kommt Janitschek, der Schani aus dem Wienerwald, der – wir schwören – seiner Schwester nicht zugesehen hat, und zieht exakt die gleiche Show ab: fokussiert, zielsicher, kontrolliert und nachdrücklich, und das bei dem kleinen Hektiker, der sich schon mal selbst überholt vor lauter Eifer und Begeisterung! Jasna setzt den Reigen fort. Wir merken, ab jetzt wird es für alle etwas schwerer, weil die beiden ersten natürlich die Umgebung des Deckels eingemilcht haben, was die Zielfindung
Jasna erschwert. Und Jasna tut sich tatsächlich schwerer, stapft im Milchdeckel herum, weil ja auch Kleopatra ihre Schönheit aus Bädern in Eselsmilch bezog, kommt aber letztlich auch klar, obwohl sie etwas mehr Hilfe braucht. So weit, so normal. Auch schön, mal keinen hochbegabten Welpen an der Milchreiche zu haben. Jeannie ist dann wieder die Vollkonzentrante in Persönchen, lässt sich jedoch gegen Ende der Speisung von den Milchlachen um ihre Füße herum aus dem Konzept bringen. Jule hat nachvollziehbar anfängliche Orientierungsschwierigkeiten, findet aber letztlich über Nase und Zunge zügig den Zugang zur Milch und verliert ihn auch nicht wieder. Judica ist die erste, der wir einen einigermaßen üblichen Verhaltenskodex zubilligen können: erst widersetzlich, dann ohne Plan, dann voller Euphorie und schließlich von allem Regelwerk befreit; der Assi schließt sie für ihre ihm so ähnliche Mittelmäßigkeit ins Herz. Wie sähe eine Welt voller Sonderbegabten aus? Sehr sonderlich vermutlich.
Jackl,
Jacklder sich immer mehr zum ruhenden Zentrum der acht entwickelt, ohne Bürgemeisterallüren zu pflegen und seinen Schlag immer mehr im Griff hat, setzt den Reigen der Tischgesitteten eindrucksvoll fort und lässt keinen Zweifel daran, dass man auch unauffällig anführen kann und nicht durch Trumpelhaftigkeiten herumprotzen muss. Hätten wir ihm ein feines Löffelchen gereicht, wäre er womöglich auch damit klargekommen. Wundert es jemand, dass wir nun sehr gespannt auf Joschi sind? Und wie froh wir sind, dass Joschi auch an der Armenspeisung im Flur der von uns geschätzt Joschi bleibt: etwas unsortiert, Hansdampf, liab’s Herrgöddle vo Biberach, was isch no dees?, aber er entledigt sich der Herausforderung wie ein Mann, putzt auch gleich noch den Flur und den Hof, lässt nichts übrig und sich nichts nachsagen – und das alles schweigend, ohne ein Sterbenswörtchen. Manche schaffen es sogar, mit vier Beinen im Milcheimer an Format zu gewinnen. Noch so ein Auftritt, und wir rufen ihn Josch oder gar Josuah. Der Abspann folgt dann gottlob dem uns sehr bekannten Muster: Alle fallen übereinander her, lecken sich die Köpfe und die Beinchen ab, alles verklebt von süßer Milch, Mama und Tante lassen sich nicht lumpen und helfen bei der süßen Körperpflege mit, und am Ende haben alle acht Stehstrubbelfrisuren, gezuckert und gegelt, aufgebrezelt und irgendwie gossig mondän. Ob wir sie vielleicht auch noch ein bisschen ablutschen sollen? Es wäre uns sehr danach.
Und nach diesem ereignisreichen Abendmahl, findet auch noch die Wiedervereinigung des Blues im Schlafgemach statt. Die Türen bleiben offen, Hedda trägt ihre Wickelbinde um den Bauch und kuschelt sich an den Assi, wie sie es kennt und so lange entbehren musste. Ihre Temperatur beträgt 38,1°, es ist also alles gut und wie gemacht für ein glücks- und sonnenbestrahltes Wochenende.
Doch bevor der Assi sich in Morpheus‘ Arme schmeißt, memoriert er noch schnell die Gewicht von heute, weil er doch morgen wissen muss, wie erfolgreich die Armenspeisung im Flur heute war:
Jazz 1590, Janitschek 1460 (uff!), Jackl & Joschi 1390, Judica 1290, Jasna 1280, Jeannie 1100, Jule 1090. Und gute Nacht…
Samstag, 12. Juni 2021
Jetzt sind wir aber mal gespannt! Bevor irgendetwas anderes der Beschäftigung und Erwähnung wert ist, wird mit dem zweiten Sonnenstrahl die Waage befragt.
Es hätte uns sehr gewundert,
Jacklwenn Jazz die gestrige Milchparty nicht maximal genutzt hätte, sich weiter auf und davon zu machen; Maximalverstoffwechslung, dein Name sei Jazz. Also: Jazz 1690 (+100). Allerdings muss man Jackl zugutehalten, dass er die Gefahr aus der Tiefe der weiblichen Urgründe erkannt hat und versucht dagegenzuhalten, was ihm männiglich gelingt, aber die allzu groß gewordene Lücke nicht schließen kann: Jackl 1490 (+100), geht doch, wenn auch nicht weit genug. Dann kommen die beiden Pappnasen, der Dauerplauderer Joschi und der Jani-Schani aus dem Wienerwald, Arm in Arm untergehakt, mit 1460 g dahergeschlendert, was nicht ganz korrekt ist, denn der Schani hat wieder mal eine komplette Stoffwechselpause eingelegt (0) und der Plauder-Edi mit 70 g plus untergehakt. Wir sind inzwischen felsenfest davon überzeugt, dass Janitschek der Markenvertreter für kynologisches Intervallfasten ist (JaniFast® Slimline). Als Fünfte im Fatburner-Race kommt heute Judica ins Ziel: 1340 (+50). Jasna hat sich für ein Wochenendseminar bei Jani angemeldet und versichert ihn mit 0 g plus (1280) ihrer Glaubensschwesterschaft. Das Ende des Felds bilden, wie gewohnt Jule 1160 (+70) und Jeannie 1130 (+30), die sich nach unserer Erfahrung bis zum Tag des Abschieds schön paritätisch die Rote Laterne überreichen werden. In der Summe ergibt das 420 g plus und ein bisschen über 1376 g Durchschnittsgewicht.
Damit sind wir sehr zufrieden, obwohl nicht zu übersehen ist, dass fast die Hälfte des Zuwachses auf die Konten von Jazz und Jackl gehen. So gesehen, hätte bei den sechs anderen getrost ein bisschen mehr hängen bleiben können, aber einerseits kann man gegen Heilfaster wenig ausrichten und andererseits fordert auch der erste Teil der Entwurmung ihren Tribut, die immer ein wenig als Appetitzügler wirkt. Die systemische Frage drängt sich dann allerdings auf, ob die Entwurmung eventuell bei Jazz und Jackl wirkungslos bleiben wird oder ob sie die Pampe in ihren Futterplan integriert haben. Heute gibt es die zweite Portion der ersten Entwurmung, und dann werden wir morgen wieder ein wenig mehr wissen.
Da nun unsere Neugier in Sachen Gewicht befriedigt ist, können wir uns diesem Samstag zuwenden. Die erste Erkenntnis ist: Wetter brillant! Sommer auf dem Land, Schwalben in der Stratosphäre und Heißluftballone irgendwo dazwischen. Zweite Erkenntnis: Heddas Zitzenanomalie macht einen zufriedenstellenden Eindruck, dann steht einem schönen Morgenspaziergang nichts mehr im Wege.
Der endet allerdings mit einem Unwohlsein bei Heddas Pflegepersonal, weil wir nach ihrem Spaziergang und dem anschließenden Frühstück bei ihr wieder eine dickere Zitze ausmachen und 39,3° messen; das ist ein wenig zu viel, als dass es uns egal sein sollte. Und da so etwas immer an Wochenenden anfällt, sorgen wir vor und besorgen uns bei der befreundeten Tierärztin Tanja aus der Nachbarschaft ein Antibiotikum. Sicher ist sicher. Das einzig wirklich Sichere ist allerdings die Versorgung der Zitze, der sich die Chefin mehrmals heute hingebungsvoll widmet, immer wieder etwas Eiter extraktiert, bis sich das Gesäuge wieder in einem
Jeannie mag keine Wurmpaste mehreinsatzfähigen Zustand befindet und die Temperatur dort angekommen ist, wohin sie gehört. Das Antibiotikum liegt ungeöffnet auf Wiedervorlage in der Schublade.
Gegen 10 Uhr erfolgt die zweite Runde der ersten Entwurmung, welche die Jays ebenso klag- und widerstandslos über sich ergehen lassen wie gestern.
Jetzt steht einem großen Tag nichts mehr im Wege, denn es haben sich ein paar Besucher angemeldet, deren unzweifelhaft wichtigster Heddas Ex-Lover Lando ist, der Papa eben. Aus Niedersachsen kommt er angereist, um nachzusehen, was seine Ex aus seinen Lendengewächsen macht und ob auch wir sie seinen Vorstellungen entsprechend umsorgen. Das Ergebnis seiner Visite ist
Lando will sehen, was er gemachtvielschichtig zu bewerten. Erste Schicht: Lando verhält sich seinen Kindern gegenüber gelassen, aber auf Distanz. Erwachsene Rüden haben meist ein sehr gespaltenes Verhältnis zu ihren Kindern, finden sie abstoßend und nehmen Reißaus. Wir hatten schon solche, die im hohen Bogen über die Welpensperre im Garten geflohen sind, dabei Kopf, Kragen und Beine riskiert haben, nur um diese lästigen Fellzwerge auf Distanz zu halten, zumal Welpen sich an jeder Zitze vergehen, die sie zu fassen kriegen – auch wenn an diesem Bauch nur eine einzige ist. Unerhört! Lando sieht sich die selbstverschuldete Bescherung über die Flurabsperrung hinweg an, fühlt sich familiär hingezogen, Sekunden später jedoch handfest abgestoßen, vertrieben wie ein Taugenichts bei Tiffany's. Fianna ist es, die erledigt, was ihrer Meinung nach erledigt werden muss, von Hedda aber nicht vollzogen wird. Wenn man die Plagen schon neun Wochen mit sich herumschleppt und sich dann noch acht Wochen mit ihnen herumschlagen muss, braucht man manches, aber sicher keinen Wochenend-Frauenversteher und Kinderschmuser. Hedda sieht das nicht so alttestamentarisch streng, war doch nett mit ihm, oder? Und aufgedrängt hat er sich jetzt auch nicht direkt und den großen Daddy gespielt. Im Grunde war es doch nur verständliche Erzeugerneugier. Fianna setzt die Grenzen.
Die zweite der
Hedda präsentiert Lando ihren Nachwuchsmehrschichtigen Betrachtungsweise betrifft sein Verhältnis zu Hedda, das immer noch kräftig zu glimmen scheint und nun wieder heftig angefacht wurde. Er macht sich an sie heran, wo es geht und peinlich so schlecht es geht, weil das Hormonkontinuum Mann nun mal so insistierend konstruiert ist, selbst wenn das Feuer der Angebeteten nur noch Asche ist. Aber echte Männer nehmen auch mit eiskalten Schultern vorlieb, zumal sie überzeugt sind, dass sich diese wieder erwärmen, wenn man sich nur lange genug an ihnen anlehnt. Heddas Schultern erwärmen sich nimmermehr (bis zur nächsten Läufigkeit jedenfalls nicht). Und so ist ihr Verhältnis ein abgekühltes ihrerseits und ein enttäuschtes seinerseits, das vom Umgangston getrennt lebender Elternteile bestimmt wird.
Dritte Betrachtungsschicht: Lando und die Grande Dame des Blues. Von Hedda unter Wert abgewiesen, erkennt Lando, dass es eine Alternative gibt, und offenbar nicht die schlechteste. Und so kann er sich den Paradiesvogel in der Hand durchaus attraktiver vorstellen als den zickigen Spatz in der Voliere. Was er nicht ahnt, ist, dass Fianna zwar in einem Welpenparadies lebt, sich für dieses auch geschäftsführend verantwortlich fühlt, aber ein Paradiesvogel ist, der jenseits seiner fruchtbaren Tage aufdringlichen Männern, je nach Tageslaune, furchtbare Tage bescheren kann. Nach diesen ersten Begegnungen ist Lando vermutlich der erste Mann, der nach einer Überdosis von Einläufen eine Verstopfung bekommen hat. Aber wenn die Begehrlichkeit über die Einsicht
Landotriumphiert und Einläufe im Viertelstundentakt generiert, muss der vor sich selbst Hergetriebene in die Ausnüchterungszelle, also in seine Box im Auto. Hätte Schiller der Szenerie beigewohnt, wäre ihm sein Vers aus dem „Ring des Polykrates“ vermutlich folgendermaßen geraten: Noch keinen sah ich fröhlich enden / Auf den mit immer schnellen Händen / Fianna ihre Gaben streut. Doch gemach, gemach: Lando ist nach der Begegnung mit Fianna weder physisch gerupft, noch seelisch gebrochen; auf ihren Spaziergängen kommen die drei gut miteinander klar, sodass sich die Gefechtslage nach beidseitiger Anpassung der Diskussionskultur zunehmend entspannter gestaltet. Man, ja, auch Mann, lernt Distanz zu wahren und zu schätzen, in deren weiten Grenzen der Abend ausgesprochen harmonisch verläuft.
Nur der Wetterbalg kann nach einem schönen, aber gewitterlastigen Nachmittag wieder einmal seine Blase nicht halten und pinkelt auf den heißen Grill. Schwamm drüber…
Sonntag, 13. Juni 2021
Noch hängt morgens Gewitterluft im Mangfalltal, aber die Sonne will jetzt endlich mit der Herumsudelei und -sauerei schlussmachen, und so erwacht ein schöner Sommertag, mit einem Himmel wie ihn der niedersächsische Lando aus seiner bayerischen Jugendzeit noch erinnert: weiß-blau mit einem zarten Lüftchen, das den Bäumen zart unter die Blätter streicht, wie es sich Lando auch zwischen ihm und den Blues-Damen und deren Röckchen hätte vorstellen können. Wurde nichts daraus, dafür darf er das bayerische Lüftchen genießen.
Während Lando, Fianna und Hedda einen langen und freundschaftlich verbundenen Morgenspaziergang machen, werfen wir einen Blick auf die heutigen Gewichte und Heddas Menüplan. Letzteren reichen wir noch einmal aus, weil sicher nicht mehr alle wissen, was sie den ganzen Tag über in sich hineinstopft, um dem Mordsappetit ihrer Kinder gerecht zu werden. Gleich morgens nach dem Aufstehen kredenzen wir ihr eine kräftige Milchsuppe (körniger Frischkäse, Ziegenmilch, Eier, Distelöl) mit pürierter Banane, Haferflocken und Frubiase Calcium. Nach dem Morgenspaziergang, der meist sofort danach erfolgt, gibt es trockenes oder eingeweichtes Welpenfutter, nachmittags dasselbe noch einmal und abends reichen wir ihr Frischfleisch mit Flocken oder Vergleichbarem. Das sollte reichen, um acht Kinder großzuziehen. Also werfen wir einen prüfenden Blick auf das Resultat dieser Kalorienakkumulation und auf die Waage.
Und das sieht dann schon bei der ersten Kandidatin dünn aus und lässt Dünnes vermuten: Jazz legt nur 40 g zu (1730). Wenn sie sich nicht den Magen verdorben hat oder ebenfalls zu Janitscheks Intervallfaster-Truppe übergelaufen ist, dann werden wir heute bei der Endabrechnung nicht viel Freude haben. Eigentlich wäre das die Gelegenheit für die Verfolgermachos, aber die einigen sich heute auf einen kleinmütigen Waffenstillstand bei 1520 g, Joschi plus 60 und Jackl plus 30. So wird das nichts. Janitschek fastet immer noch: 1460 (0), strahlt aber mit seinen Sonnenblumen-Marken übers ganze Gesicht. Jasna war wohl vom Fastenseminar nur wenig begeistert und holt nach, was sie sich vorgestern vorenthalten hat: 1380 (+100). Nach ihr kommt das Ernährungsprekariat: Judica 1350 (+10), Jule 1200 (+40) und Jeannie 1140 (+10). Wer lesen kann, weiß, dass das gestern ein Fastentag für alle war und wer rechnen kann, summiert das alles auf 290 g Auflastung. Das Durchschnittsgewicht steigt auf 1412,5 g. Spätestens jetzt wird unser Verdacht bestätigt, dass die Wurmkur den Gewichtsknick verursacht, denn gemampft haben sie alle sehr eifrig.
JeannieDieser E
Jacklrnüchterung folgt logisch die nächste Einzelbefütterung mit Welpenmilch. Wegen des Kaiserwetters zelebrieren wir diese im Garten. Im Grunde zeigt sie uns das gleiche Bild wie vorgestern. Weil sie nun nicht mehr völliges Neuland betreten und schon ein bisschen mit dem Schüsselchen umgehen können, zeigen die Jays heute kleine Wesensunterschiede oder erste Charakterzüge. Robust und druckvoll mit einem kämpferischen Einschlag machen sich heute Janitschek, Judica und Jazz den Inhalt des Schälchens untertan,
JasnaJule hat
Fiannaoffenbar ein klar definiertes Ziel vor dem einen Auge und leert die Schale Zungenschlag für Zungenschlag, Zug um Zug wie ein Melkroboter, und auch die restliche Viererbande kommt genauso gut klar wie vorgestern, mal etwas desorientiert, dann wieder zielorientiert, mal das Schälchen aus den Augen verloren und wieder gefunden oder von freundlichen Händen zurückgeführt, gelegentlich scheint die verschüttete Milch im Gras von höherem Wert zu sein als die im Napf, alles völlig nachvollziehbar und unterm Strich von großer Ziel- und Treffsicherheit. Trotz der kleinen Verhaltensvarianten sind alle höchst effizient, erkennen sehr schnell, worum es geht, setzen ihre Zunge präzise ein, und nur ganz selten steht mal einer mit den Füßen im Napf. Das ist schon sehr ungewöhnlich, aber wir werden uns darüber nicht beschweren.
Dann muss uns auch Papa Lando wieder verlassen. Er hat, trotz seiner Hormonschübe, bei uns einen starken Eindruck hinterlassen, denn es ist ein Unterschied, ob man einen Rüden in einer Deckveranstaltung erlebt und ihn nur auf das Eine reduziert oder ihn als ganzen Kerl ohne besondere Erwartung unter seinem Dach erleben darf. Die Erwartung hatte eigentlich nur er, nur eben die falsche. Als das geregelt war, erlebten wir einen sehr ausgeglichenen, überaus freundlichen Kuschelbären, dem bei Gelegenheit der Schalk aus den Augen spitzt und der bei anderer Gelegenheit eben das ist, was er sein soll: ein Hovawartrüde, ein Wachhabender und ein Möchtegernrechthabender. Wenn er nur einen Teil davon an die Jays weitergegeben hat, dürfen sich die designierten Welpenentführer jetzt schon freuen. Und sie dürfen sich, abgesehen von dieser Aussicht, tatsächlich jetzt schon freuen, denn Lando hat zugesagt, den Abschied seiner Kinder vom Blues am 18. Juli mit seiner Anwesenheit zu vergolden. Einzeln wird er sie ins Leben entlassen, ihnen noch ein paar eindringliche Worte mitgegeben und, wie wir, hoffen, dass alle acht die Kurve in eine lange und glückliche Lebenslaufbahn kriegen.
Nachdem Lando und alle anderen Besucher abgereist sind, freut sich der gesamte Blues bei einem sehr harmonischen Abendspaziergang über die Kinder, die Menschen, das Wetter und die Welt. In solchen Augenblicken gibt es keine Probleme, keine halbblinden Kinder, keine vereiterten Quarkzitzen, keine Fressmonster und keine Hungerhaken, keine Nervensägen und keine Schlafmützen, keinen Arbeitsstress und keinen Schlafmangel, keine Überzuckerung und keine Unterzuckerung, sondern nur den Blues in seinem Kinderglück.
Das
Was is'n das?Leben beim
Rock am RingBlues geht aber weiter, jedem himmelblauen Blick ins Paradies zum Trotz. Für die Zwerge bedeutet das wieder ein neues Lernprogramm, diesmal in Form einer gemeinsamen Mahlzeit am Futterring. Wir bringen den Ring in den vorabendlichen Garten, stellen ihn in die Wiese – und schon sind die ersten Verdächtigen mit ihrer Nase im noch leeren Napf. Das bedeutet nicht, dass sie schon wissen, was jetzt folgt, sondern ausschließlich, dass sie noch neugieriger sind als Else Stratmann. Dann wird die Milch eingelassen und den Hungerleidern der
Heiße Schlacht ums leere Büffetrechte Weg gewiesen. Selbst bei dieser relativ disziplinierten Kompanie am Einzelnapf haben wir nicht erwartet, dass sie sich am Ring ebenso distinguiert und gesittet geben, nein, wir erleben, was wir bei dieser Übung immer erlebt haben: Rock am Ring. Träumer vor dem Trog, Panzerkommandanten, Kameradenschweine, Ellbogenspreizer und Erlebnisgourmets, aber am Ende sehen sie alle aus wie der Frosch im Milcheimer: Milchmädchen und Milchbubis von der Sohle bis zum Scheitel mit Strubbelfrisuren und Klebefüßen. Daran erfreuen sich vor allem Hedda und Fianna, die dieses klebrige Missgeschick mit Eifer und Sorgfalt zu beheben trachten. Danach haben die Zwerge immer noch Strubbelfrisuren, aber dafür habe die Damen schon ihre warme Milch vor dem Schlafengehen gehabt. Praktisch.
Das Ende dieses herrlichen Sommersonntags markiert der dritte Teil der ersten Entwurmung. Dazu gibt es nicht mehr zu sagen als das, was schon gesagt wurde: Die Jays lassen sie nahezu teilnahmslos über sich ergehen und fallen nach diesem ereignisreichen Wochenende in einen traumbestickten Schlaf. Gute Nacht, ihr werdet euch noch wundern; das war erst der Anfang.
Montag, 14. Juni 2021
Nun geht’s ziemlich stracks dem Sommer entgegen, was uns bezüglich der Außenhaltung unserer Schutzbefohlenen sehr entgegenkommt; Freilandhaltung im Regen wäre der Horror. Aber heute messen wir wolkenlose 26 °C und hoffen auf eine lückenlose Fortsetzung, egal was der mürrische Mangfallbauer darüber denkt.
In vier Wochen, am 14. Juli, ist der achtwöchige Kindergeburtstag beim Blues schon fast vorüber, dafür feiert Frankreich seinen Nationalfeiertag und feuert aus allen Rohren, und der Assi wird zum hundertsten Mal seine Jakobinermütze suchen und wird sie zum genauso vielten Male nicht finden. Es hat etwas Ernüchterndes, wenn die Zukunft so vorhersehbar ist.
Und während man auf dem Kalender, eher durch Zufall, den 14 Juli in die Augen und den Kopf bekommt, regt sich die Frage, was denn der heutige 14. Juni wert wäre und zu bieten hat? Schauen wir doch mal nach… Aha: Ein gewisser Ernesto Guevara, „Che“ gerufen, wurde am 14. Juni 1928 geboren. Dios mío, der wäre auch schon 93! Und 18 Jahre später entwand sich dem Schoß einer schottischen Auswanderin ein Knabe mit den Vornamen Donald John, hintenrum heißt er auch heute noch Trump. Beide an einem 14. Juni… Der eine Arzt und Philanthrop, der den christlichen Ansatz, auch die andere Wange hinzuhalten, wenn man auf die eine geschlagen wird, nicht zu seinem Lebensmotto erkor, sondern es als zielführender erachtete, auch das andere Ohr abzuschlagen, wenn das eine schon gekappt ist. Und der andere ist ein Armleuchter und Misanthrop, dem alles gerade so recht ist, wie er es sich zurechtlegen kann. Der eine Caballero und Guerillero mit großem intellektuellen Potential, der andere Narzist und Nazist mit vorwiegend innersekretorischem Potential. Wie kann ein Tag so etwas gebären, als wäre er ein Vers aus der Feder des Mühlhiasls? Aber, aufgemerkt, unsere Jule hat mit beiden etwas gemeinsam, so viel Trost darf sein: Beide waren oder sind auf einem Auge blind, was den Vorteil hat, sich von der anderen Seite der Welt wegdrehen zu können. Und dann ist da noch ein Geburtstag, der eines Mannes, dem es vermutlich zur Lebensaufgabe geworden wäre, sich mit jenem zu beschäftigen, dem das Intellektuelle zu sehr in die Drüsen gerutscht ist. Alois Alzheimer wurde am 14. Juni 1864 geboren. Und vielleicht hätte er sogar die Notwendigkeit gesehen, sich auch mit dem Caballero näher zu beschäftigen, was sich mit dessen für die Demenz doch allzu frühen Tod erübrigt hatte. Wer weiß? So ein Tag, so wundersam wie heute… oder hatte etwa Reinhard Mey genau diesen Tag im Sinn, als er formulierte: Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund?
Mit diesem
Hedda kann mit sich zufrieden seinTitel hätten wir also wieder geschmeidig die Kurve zu unseren Jabberwockys und den mit ihnen verknüpften täglichen Pflichten, Routinen und Erlebnissen gekriegt.
Hedda, das ist deutlich geworden, ist eine ambitionierte Mama, aber keine Milchkuh, was sich in der teils zaghaften Gewichtsentwicklung ausdrückte. Wir verweisen ausdrücklich auf die schüchterne Einschränkung „teils“. Bekanntlich gibt es Leute, die aus Sch… Geld machen können und solche, die aus wenig viel zaubern können – jazz is aber gut mit den Anspielungen!
Wie dem auch sei: Die Zufütterung zeigt jetzt Wirkung. Nur nicht
Joschibei jener, welcher wir soeben einen kleinen Seitenhieb verpassten, bei Jazz. Die hat sich nach Tagen ungenierter Völlerei offenbar für ein Fastenintervall entschieden und eine Nullrunde geliefert: gestern wie heute 1730 g. Wir machen uns deswegen keine Sorgen, im Gegenteil. Joschi hat sich seit langem wieder auf den zweiten Platz gefuttert, obwohl er währenddessen den Schnabel nicht gehalten hat: 1610 (+90). Jackl kommt mit 1570 (+50) aus dem Schlaf, gefolgt von Janitschek mit 1560 (+100), der nach zwei Fastentagen wieder Lust auf Leben verspürte. Dann reißt die Kette wieder ab, wobei sich Judica
Janitschek liebt Karliemit 100 g plus (1450) alle Mühe gab, nicht abreißen zu lassen. Dagegen kam Jasna offenbar mit der Rempelei am Futterring nur suboptimal zurecht und liefert eine Null (1380). Und noch ein Persönchen will sich nicht abhängen lassen, wenn auch das Potential nie zu einer Walküre oder Brünnhilde reichen wird, aber 160 g für Jeannie (1300) lassen ihr anfänglich gezeigtes Kämpferherz wieder schlagen. Und sogar Jule will sich nichts nachsagen lassen: 1260 (+60). Das sind 560 g Aufschlag und bringen ein Durchschnittsgewicht von 1482,5 g. Für uns bedeutet das vor allem, dass wir Hedda langsam entpflichten können und die externen Mahlzeiten gut ankommen und gut vertragen werden.
Vielleicht sollten wir noch einen kleinen Seitenaspekt in die Gewichtsdiskussion einführen, den wir bisher unterschlagen haben, auch weil wir seine Relevanz nicht belegen können: Jazz und Jasna hatten heute Morgen ihre Schlummerkiste verlassen, hatten also nachts die 30 cm-Barriere überstiegen und lagen friedlich schlummernd im Kudde, beziehungsweise auf der Decke. Sie schienen mit sich und der Welt im Reinen, trotzdem können wir nicht ausschließen, dass sie nach längerem Todeskampf nur in einen Erschöpfungsschlaf gefallen waren und wegen dieser Nahtoderfahrung viel Gewicht verloren hatten. Sie sind es ja, die heute eine Nullnummer liefern. Weder wegen der entgangenen Gewichtszunahme noch wegen der mutmaßlichen Nahtoderfahrung werden wir für die beiden ein Kriseninterventionsteam anrufen. Wenn es so ist, geschieht es ihnen recht. Das einzige, was wir machen werden, ist, heute ein weiteres Brett einzulegen.
Dieser Ausbruch signalisiert den Wandel in unserer Kinderstube. Jetzt hockt nämlich die ganze Bande schon morgens in der Küche, putzmunter oder gelangweilt, recken alle gemeinsam die Köpfchen gen Himmel und bringt ein kollektives Geheul wie von einem ganzen Wolfsrudel zu Gehör. Lecko, was ist das denn? So einen Gefangenenchor hatten wir noch nie. Die Vermutung des Assis, das Geräusch des Zauberstabs beim Mixen der Welpenmilch habe das Geheul verursacht, zerschlägt sich bei weiteren Versuchen, die nicht mit Geheul beantwortet werden. Nun gut, was soll’s: Hunde stammen halt vom Wolf ab und manchmal kommt er noch zum Vorschein.
Doch nicht nur solche Highlights machen den anstehenden Wechsel in unserem Alltagsverhalten deutlich. Immer mehr wird der aktive Kontakt zu uns gesucht. Sie laufen uns an, und hinterher, tapsig noch, aber zielstrebig. Man muss nun schon sehr achtgeben, wohin man tritt, und mindestens ein Auge sollte immer den Küchenboden im Blick haben. Obwohl dieses „eine Auge“ logischerweise eine Anspielung auf Seeräuber-Jenny Jule sein könnte, was sie nicht ist, können wir sie heute trotzdem nicht aus der Verantwortung lassen, sondern müssen sie einer allgemeinen Rüge zuführen: Sie pinkelt heute sehr schamlos, coram publico, in einen der nagelneuen Birkenstock-Schlappen der Chefin! Beim besten Willen lässt sich ein solch halbseidiger Affront nicht mit halbseitiger Blindheit rechtfertigen.
Für uns bedeutet das alles, dass wir für den Rest unserer Zeit auf jegliches Zeitmanagement verzichten müssen, weil nichts mehr wie gewohnt abgearbeitet werden kann. Wann immer etwas erledigt werden soll, hat ein Zwerg etwas dagegen, hält einen auf oder kackt einem vor die Füße. Zeitmanagement bedeutet für die nächsten fünf Wochen: Sieh zu, wie du über die Runden kommst und freu dich, wenn dein Frühstück schon eine Stunde später auf dem Tisch steht.
Zu den eifrigsten
Judica Protagonisten der herzdolchenden Zeitdiebe gehört Judica. Sie führt derzeit die Garde der besonders anhänglichen Schatten an, huscht uns andauernd zwischen den Füßen herum, wuselt hierhin und dorthin und sucht sofort wieder unsere Nähe. Wenn sie besonders viel Zuneigung ausdrücken will, kneift sie uns auch gerne mal in die sommerlich nackten Zehen. Was jetzt noch als Liebesbiss durchgehen kann, weil die Zähnchen zwar bereits spürbar, aber noch nicht richtig durchgebrochen sind, wird in spätestens zwei Wochen zur Systemfrage: flüchten oder erschlagen?
Mittags servieren wir im Garten wieder eine Milchmahlzeit am Ring, was sich als Herausforderung erweist, weil die Jays schon recht schnell auf den Beinchen unterwegs sind, wir aber unseren Garten noch nicht gesichert haben. Das bedeutet: Alle Mann und Frau (Besucher sind herzlich eingeladen) bitteschön Leben retten! Denn während der Ring, Milch und Knirpse in den Garten gebracht werden, sind die bereits dort Ausgesetzten schon auf Entdeckungstour. Der größte Magnet ist dabei unser Wasserbecken, das alle anstreben, als ob von ihm ihr Überleben abhinge. Vermutlich gibt es kaum ein Lebewesen, das nicht alle Sinne auf Wasser fokussiert hat und sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen fühlt. Das mag unter anderen Umständen lebensrettend sein, hier und heute wäre es das nicht. Jackl ist der hartnäckigste Wassermann, womöglich hat er eine Wünschelrute eingebaut: Egal, wohin wir ihn bringen und wo wir ihn aussetzen, er dreht um und ist umgehend wieder unterwegs zur Zisterne. Erst als wir ihn am zweitwichtigsten Elixier des Lebens, der Milch, ein verlockendes Angebot machen, lässt er sich überreden und vergisst die lebensspendende Oase am Rand des Paradiesgartens.
Nachmittags verbringen wir mit einem kleinen Besucheraufgebot im Garten und die Jays liegen mit uns unterm Apfelbaum und schlafen; war ja auch megaanstrengend heute. Jetzt ist Ruhe und Idyll.
Das
Jasna bei der Pediküreändert sich abends: Der Assi lädt die Familie kurz nach 20 Uhr zum Stelldichein im Nagelstudio. Viel zu lange haben wir den Termin vor uns hergeschoben, aber Heddas Wohlergehen verträgt keinen Aufschub mehr. Einer nach der anderen muss auf den Baderschoß und Nägel lassen. Wie viel wehrhafter sind sie seit dem ersten Pediküre-Termin am 29. Mai geworden! Jetzt heißt es beherzt zupacken und ebenso beherzt wie feinfühlig zukneifen. Alle überleben, meist unter heftigen Protesten und Kündigungsandrohungen, Me-too-Parolen gehen ihnen auch schon geschmeidig von den Zungen und die Frage, ob sich der Assi der schweren Körperverletzung (§ 224 StGB) oder der Misshandlung von Schutzbefohlenen (§ 225 StGB) schuldig macht, wird lautstark thematisiert.
Da
Jackl mit seinem ersten Tatardie körperliche Unversehrtheit aller nach der Prozedur belegbar ist (kein Blut!) und das zukünftige Wohlwollen der Schutzbefohlenen auch in unserem Interesse liegt, ködern wir die Kampftruppe anschließend mit einem Angebot, das sie zwar noch nicht einschätzen können, aber auch nicht ablehnen wollen: die erste Fleischmahlzeit, gereicht aus den Händen des Schänders.
JazzAlle bekommen ein etwa walnussgroßes Kügelchen Rinderhack vor die Nase gehalten, und alle verstehen sehr schnell, was ihnen hier beschert wird. Eine Fleischkugel dieser Größe ist keine Kleinigkeit, aber alle hauen das Ding ratzeputz weg,
Julesauen sich dabei kaum ein und scheinen hellauf begeistert zu sein. Vegetarier scheinen jedenfalls nicht unter ihnen zu sein. Jetzt haben wir also auch diese Premiere zur großen Begeisterung aller gemeistert und können mit einiger Gelassenheit auf die nächste Woche blicken: Milch lieben sie und Fleisch verschlingen sie, jetzt fehlt zur Grundausstattung nur noch der Trockenfutterbrei. Wir haben keine Sorge, dass wir es dabei mit Langzähnen zu tun haben werden.
Vor dem Stubenappell und nach dem Betthupferl ertastet die Chefin bei Hedda schon wieder eine feste Zitze, was sich diesmal allerdings wie ein Hämatom im Gesäuge anfühlt. Wir haben keine Ahnung, woher das stammen soll. Der Assi, der Hedda abends und nachts ausgeführt hat, kann sich an keinen Vorfall oder Umstand erinnern, der so etwas zur Folge haben könnte. Rätselraten hilft jetzt nicht weiter, Hedda geht mit einem Krautwickel ins Bett. Mal sehen, was morgen los ist.
Wegen der ausgebüxten Partisaninnen am Morgen, sorgt ein weiteres Brett (10 cm) in der Schnullerkiste für Nachtruhe in der Küche. Republikflucht hat seinen Preis. Aber was soll man schon machen? Auch wir hatten nie die Absicht eine Mauer zu bauen.
Dienstag, 15. Juni 2021
Bevor wir uns in die Niederungen der Kinderversorgung begeben, die sich durch viel Pepitakariertes, Kleinteiliges und Mikrokosmisches auszeichnet, empfiehlt es sich, einen bewundernden Blick auf das Makrokosmische und die Metaebene allen Existierenden zu werfen. Heute hat der Heilige Veit (auch: Vitus) Geburtstag, den er mit Edvard Grieg, Ingrid van Bergen, Herbert Feuerstein, Johnny Hallyday, Demis Roussos, Xi Jinping, Oliver Kahn und Ice Cube gemeinsam feiern darf. Doch anders als diese kleinkarierten Spezialbegabungen hat der Heilige Vitus das Große und Ganze im Griff, z. B., weil er für nicht weniger als den Lauf des Jahre zuständig ist: Nach St. Veit ändert sich bald die Jahreszeit. Donnerwetter, so ein Tausendsassa, dieser Vitus, legt einfach den Schalter für die nächste Jahreszeit um. Nicht genug damit: Der Wind dreht sich um St. Veit, da legt sich’s Laub auf die andere Seit‘. Was es sich, das Laub, bei allen anderen Heiligen nicht traut (schon wieder dieser unkontrollierte Lyrikschub!). Aber angesichts des heute zu erwartenden Wetters wollen wir den Veit doch gerne ein wenig beim Wort und ernst nehmen: Ist zu Sankt Veit der Himmel klar, dann gibt’s gewiss ein gutes Jahr. Klar doch, klar wie der heutige Himmel überm Mangfalltal.
Dennoch sind wir gut beraten, uns auf das augenblicklich Wesentlich zu konzentrieren: das Wohl und Wehe unserer Schutzbefohlenen. Soll sich der Vitusveit um den Wechsel der Jahreszeit kümmern, wir haben es überwiegend mit Trivialitäten wie Windelwechsel zu tun. Denn mit der nun beginnenden vierten Lebenswoche des Mangfall-Achters (was hätten wir nur gemacht, wenn Jodel nicht über Bord gegangen wäre? Einen Neuner gibt es bekanntlich nicht…), werden die Wege länger, die Tage noch kürzer, die Gefahren gefährlicher, die Unsitten unsittlicher und die Überraschungen zum Tagesgeschäft.
Gestern haben wir über unser Zeitmanagement philosophiert, und heute stecken wir tatsächlich schon mitten in dieser Zeitdisruption. Klar, wir wissen, wovon wir reden, erleben das Spektakel ja nicht zum ersten Mal, aber dass die Ankündigungen von den Gemeinten so schnell umgesetzt werden, haben noch nicht einmal wir uns ausmalen können. Tatsächlich lassen sie uns jetzt schon nicht mehr aus den Augen, wenn wir irgendwo auftauchen; wir werden verfolgt und, sofern möglich, besetzt. Das Pipiwischtuch wird schon mal festgehalten und am Wischen gehindert, was den Schutzdienstsportler freut, weil er sich immer freut, wenn der Hund auf Zug kontert. Das nötige Potential ist also schon erkennbar und müsste nur gehoben werden. Augenblicklich sind wir es, die es – unfreiwillig – heben, weil wir sonst unser Wischiwaschi nicht geregelt kriegen. Aber es gibt sogar Jabberwockys, die sich solche Situationen zunutze machen! Jasna nutzt beispielsweise die Gelegenheit, wenn der Assi einen Teich aufsammelt und pinkelt ihm gleich aufs Handtuch, das spart Zeit und Arbeit. Wie man sieht, gibt es viele und sehr unterschiedliche Möglichkeiten, sich der Freundschaft seiner Mitmenschen zu versichern.
Des weiteren werden die Zwerge immer sicherer und schneller auf den Beinen, was sie maximal unkalkulierbar macht; schnelle Entschlüsse, klitzekleine Radien, und schon fliegt ein Gulliver quer durch die Küche. Idealerweise mit zwei Händen voll Geschirr. Um solche Szenen zu verhindern, hat es sich bewährt, nicht vorher in der Küche vorbeizuschauen, wenn man etwas Dringendes zu erledigen hat, sonst wird das Dringende zum Aufgeschobenen. Ansonsten gilt, was schon länger gilt und von uns schon angesprochen wurde: Immer mindestens ein Auge auf dem Boden und den Sturzraum im Blick.
Die
Der Welpengarten ist aufgebautAlternative für die immer bedrohlicher werdende Enge in der Küche ist der Garten. Deswegen beschließen wir heute, das Welpenparadies einzurichten. Das ist zwar noch etwas früh, denn eigentlich wäre das Ende der vierten Woche der geeignete Zeitpunkt dafür, aber das Wetter ist überwältigend schön, und selbst wenn die Knirpse noch nicht in der Lage sind, das ganze Angebot zu nutzen, so können sie sich eben auf kleinerem Raum daran gewöhnen und wir uns im Haus besser bewegen. Mittags schleppen wir also die Gitter heran, stecken sie zusammen und machen aus unserem Garten eine Raubtiermanege. Der größte und einzige Verlierer dieser Installation ist der Igel, der nun nicht mehr aus Nachbarsgarten quer über unseren trippeln kann, sondern, immer den Zaun entlang, große Umwege in Kauf nehmen muss. So etwas hält geistig frisch.
Dann werden
die kleinen Raubtiere von uns in den Garten Eden gebracht, der nicht zwischen Euphrat und Tigris liegt, sondern irgendwo zwischen Mangfall und Leitzach. Das Gras, die ganze Umgebung ist ihnen ja nicht mehr neu, aber ab jetzt werden sie viel Zeit dort verbringen und ihre Fertigkeiten trainieren können. Damit die nötige positive Verknüpfung
Jasna und Jule im Cafe Puppy Paradise hergestellt wird, stellen wir ihnen eine Milchmahlzeit hin, uns legen wir ein paar Kissen und Decken aus, und der Serail ist fertig. Den Nachmittag verbringen wir im Schatten des Apfelbaums, die Zwerge schlafen unbeeindruckt, werden gelegentlich von einer halben Handvoll Besuchern gestört, weil geknuddelt. Zum Wohle des Personals wird Kaffee und Kuchen serviert; irgendwie ist es tatsächlich wie im Schani-Garten, in dem sich der Jani-Schani besonders wohlfühlen müsste. Wir tun das jedenfalls und finden, dass wir mit der Eröffnung unseres „Café Puppy Paradise“ einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Wiederbelebung der nach-coronaren Außengastronomie leisten.
Tatsä
chlich ist dieser 15. Juni ein ausnehmend schöner Tag für uns und die Jays. Damit er auch der Anfang einer schöneren Zeit für Hedda und ihr Gesäuge wird, beginnen wir ab sofort mit der Entwöhnung der kleinen Kannibalen. Die positive Gewichtsresonanz der gestrigen Fütterung mit den Fleischbällchen bestärkt uns in dieser Maßnahme. Das bietet uns die Gelegenheit, einen Blick auf die Stoffwechselstatistik zu werfen.
Jazz 1880 (+150), Joschi 1710 (+100), Jackl 1660 (+90), Janitschek 1650 (+90), Judica 1600 (+150), Jasna 1500 (+120), Jule 1300 (+40) und Jeannie 1300 (0, das muss man erst mal schaffen!). Das ergibt eine Zunahme von 740 g und ein Durchschnittsgewicht von 1575 g.
Da nicht nur die körperliche Entwicklung
Jacklsehr erfreulich ist, sondern auch die Milchmahlzeit zusammen mit dem Fleisch am Abend, keinerlei negativen Folgen für den Kotabsatz hatten – alles stabil und erfreulich –, können wir tatsächlich Hedda entlasten und nun vermehrt auf die Außengastronomie setzen.
Auch für uns ist an solchen Tagen natürlich das Gartenrestaurant geöffnet, was nicht nur zur Entspannung beiträgt, sondern uns die problemlose Überwachung und Beobachtung unserer Schutzbefohlenen ermöglicht; so kann man gelassen bei einem gelungenen Spargelgericht sitzen, hat alles im Blick und im Griff und darf Zeuge sein, wie sich Joschi aus dem schlafenden Rudel unterm Apfelbaum löst, zu uns auf die Terrasse wackelt (den Weg hat er noch nie gemacht, das sind rund zehn Meter), zu unseren Füßen ein paar
JoschiKringel mit eindeutiger Absicht dreht, mit dem Abtritt nicht zufrieden zu sein scheint, sich nach Südwesten in Richtung Hochbeet wendet (nochmal rund acht Meter), dort eine kleine Wurst gebiert und sich wieder zu seinen Geschwistern unterm Baum gesellt (sechs Meter). Welch eine epochale Leistung! Der kleine Kerl kann eventuell den Weg vom Apfelbaum zur Terrasse einplanen, weil er auf dieser Strecke schon mal hin- und hergetragen wurde und auch auf dieser Wegstrecke schon gefüttert wurde, das lässt sich also zusammenkalibrieren (wenn man genug Grips hat!). Aber die Strecke von der Terrasse zum Hochbeet und von dort wieder zurück zum Baum ist absolutes Neuland, zumal der Pimpf noch gar nicht in der Lage ist, die Distanz zu überblicken, also zu sehen, woher er gekommen ist und wohin er wieder will, dafür hat er noch viel zu viel Kartoffeln auf den Augen. Wir verneigen ins in größter Ehrfurcht vor Joschis Expedition (alles nur, weil er einen unbeobachteten Kackplatz brauchte!) und stellen dabei staunend fest, dass er auf dem gesamten Weg kein Wort gesprochen hat.
Das
ist schon
eine Sonderleistung von Joschi, obwohl natürlich auch die anderen gelegentlich ihr Lager für ihre Notdurft verlassen, aber eben nur die unbedingt nötige Distanz, weit genug weg vom Schlafplatz und nah genug, um ihn wieder zu finden.
Bis 20:30 Uhr sind sie heute draußen
Janitschek und Judicaund bekommen dort auch ihre erste Mahlzeit aus eingeweichtem und püriertem Welpen-Trockenfutter. Das putzen sie weg wie nichts, man könne auch sagen, sie inhalieren es, und lassen nichts über. Anschließend helfen sie sich gegenseitig bei der Fußwaschung der verkleisterten Beine, und Oma hilft, nicht ganz uneigennützig, mit. Mama bekommt den Rest in der Schüssel. Ein schönes und friedvolles, sattes und zufriedenes Familienidyll
Als wir sie wieder in ihre Küche zurückbringen, haben sie nicht mehr viel zu sagen, sondern sacken fast augenblicklich weg. Dream, ye terriers, dream…
Mittwoch, 16. Juni 2021
Der Tag ist jung und die Nacht noch nicht gestorben, da erlebt die Chefin den ersten Schock des Tages: Die Schlummerkiste ist total messy. Wer lesen und denken kann, ahnt, dass dieser Begriff eine sehr liebevolle Umschreibung dessen ist, was sie dort vorfindet. Heiliger Strohsack! Keine Frage: Die spätabendliche Gabe Trockenfutterbrei stellte die acht kleinen Därmchen vor eine noch nicht dagewesene Aufgabe. Bei Jazz haben wir den Eindruck, sie hat keine Zeit zum Wiegen, denn kaum haben wir ihr Ergebnis registriert und sie auf den Boden gesetzt, drückt sie sich einen Wunderwurm aus der Rückseite, den man diesem Persönchen nicht zutrauen würde. Und kaum tänzelt sie einigermaßen erleichterten Schrittes davon, liefert sie noch einen Nachschlag. Jetzt wundert uns nichts mehr. Aber alles, was wir vorfinden und beseitigen, ist in einem Top-Zustand, nix zu mäkeln, grad wie aus dem Lehrbuch. Nun sind wir natürlich gespannt, was die Waage dazu sagt.
Jazz
Jazz nimmt alles, was ihren Körper formt(vor dem Abort gemessen, eventueller Kisten-Output unbekannt: 2180. Damit ist sie nicht nur die erste Vierpfünderin, sondern sprengt mit 300 g plus alle Grenzen in diesem Alter. Alter, das glaubst du nicht! Dagegen wirkt Janitschek, der sich auf den zweiten Platz vorschleicht, immer noch wie ein Intervallfaster: 1830 (+180). Joschi 1780 (+70), Jackl 1770 (+110). Dann kommt die Spargel-Fraktion: Judica 1630 (+30), Jasna 1570 (+70), aber zum Schluss der Messreihe langen die Knubbelchen richtig zu: Jeannie 1470 (+170) und Jule 1440 (+140). Die Spreizung zwischen 2180 g und 1440 g wirkt natürlich enorm. ist aber, zumindest bei uns, nicht ungewöhnlich. Statistische Vergleiche mit anderen Züchtern stehen uns nicht zur Verfügung, zumal viele Züchter nur gelegentlich wiegen oder wenn es erforderlich ist, z. B. bei der Wurfabnahmen. Wir wiegen täglich, auch um Alarmzeichen frühzeitig zu erkennen. Und wenn kein Alarm zu erkennen ist, dient das Wiegen unserer Entspannung und Gelassenheit, wenn offenbar alle wachsen und gedeihen, auch wenn die Entwicklung unterschiedlich schnell voranschreitet. Wir kennen das und betrachten es als das, was es ist: eine genetische Disposition, im Fall von Jazz eventuell auch eine Spielform frühkindlicher Adipositas. Das gleicht sich meist sehr bald an, in den meisten Fällen zeigt sich schon vor der Wurfabgabe ein ganz anderes Bild. Das heutige Bild zeigt eine Gewichtsexplosion von 1070 g und führt zu einem Durchschnittsgewicht von 1708,75 g.
Jeannie und Jule nach dem BadWeil wir Hedda vom Dasein einer Milchkuh befreien wollen, geben wir ihr auch ab heute keine Welpenmilch mehr, höchstens noch ab und zu, weil sie ihr schmeckt. Jetzt gibt es wieder Kraftfutter für aktive Mädels, keine Proteinbomben für Milchbarbetreiberinnen.
Sehr viel mehr ist über diesen herrlichen Sommertag mit 30 °C nicht zu erzählen, der nicht nur die Menschen in einen Sparmodus schickt. Der Tag fließt langsam und betulich im „Café Puppy Paradise“ dahin. Nur einmal lässt sich die Chefin eine Wohltat für ihre Kinder einfallen: Sie bekommen alle ein kühles Bad in einer kleinen Schüssel: Handwäsche mit Sonnentrocknung. Es scheint, dass sie den Service sehr genießen. Und später, wenn sie draußen im
Jasna, die Entdeckerinrichtigen Leben angekommen sind, werden sie bestimmt nicht die Zehenspitzen ins Wasser stippen und sich angewidert abwenden. Ein Bairischer Blueser ist und bleibt ein Wasserhund! Die meisten jedenfalls…
Als Fotograf wünscht man solche Tage zum Teufel. Immer nur schlafende und sich räkelnde Modelle lassen gelegentlich eine leise Verzweiflung aufkommen: Woher das morgige Tagesbild nehmen? Einen Tag kann man ja schummeln, aber zwei Tage fallen in diesem Alter schon auf. Und da liegen sie, verkriechen sich und tun nichts als nichts. Wenn dann doch Bewegung in die Bande und die Kamera zum Einsatz kommt, folgt die Ernüchterung bei Sichtung der Bilder. Ja, manchmal auch, weil sie nichts taugen, mehr aber, weil immer das gleiche freundliche Gesicht darauf zu sehen ist. Die Tagesbildstatistik würde es erforderlich machen, beispielsweise wieder einmal Jule zu zeigen.
Judica und Jasna Aber Jule ist auf keinem Bild zu sehen. Dafür Janitschek. Auch Jasna wäre wieder einmal an der Reihe. Keine Jasna nirgendwo, höchstens von hinten beim Häufeln. Dafür Janitschek. Auch mit Joschi könnte man schnell mehrere Kalender füllen. Judica ist auch so eine verhinderte Politikerin, die immer auftaucht, wo eine Kamera in Anschlag gebracht wird. Bei Jazz ist es tatsächlich schwierig, sie zu übersehen, was auch ihr eine gewisse Überrepräsentanz beschert. Aber der größte Gatsby ist derzeit Janitschek. Zu seiner Entlastung räumen wir ein, dass es vermutlich weniger an seiner Kamerageilheit liegt, sondern an unserem Sehverhalten, das Auffälligkeiten besonders registriert und zur Kenntnis nimmt. Es ist kein Zufall, dass blonde Frauen viel häufiger abgelichtet werden als brünette oder s
Jackl und Jeanniechwarzhaarige, weil ihr Haar, vor allem unter Lichteinwirkung, das ganze Augenmerk auf sich zieht. Bei Jani sind es wahrscheinlich seine strahlenden Marken, die unsere Blicke magisch einfangen. Aber auch das ist keine Sonderheit des J-Wurfs; durch diese sehr hohle Gasse mussten die Fotografen des Blues schon neunmal. Und sie haben sie gemeistert.
Deckel drauf, Fenster auf und gute Nacht. Ob sie dem Assi so gut werden wird, lässt sich erst morgen beantworten. Fürs erste ist sein Schlaf eher unruhig, denn morgen steht die seit einem Monat verschobene Umstellung auf Glasfaser-Breitband an. Lieber ein Leben lang abhängig von billigem Alkohol als einen Tag von der Telecom… In diesem Sinne: Gute Nacht.
Donnerstag, 17. Juni 2021
Schon um 5 Uhr steht das Tagesbild auf unserer Homepage zur Verfügung, denn es wäre ein Desaster, kein Tagesbild zu haben, nur weil die Telecom an unserer Leitung herumschlossert. Und niemand weiß, wann sie uns den neuen Service schalten werden, irgendwann im Laufe des Tages soll es geschehen, so hört man. Aber um 5 Uhr morgens liegen die Schlafmützen hoffentlich noch unter ihren Decken und können nichts dagegenhaben, dass wir ein Tagesbild auf unsere Seite stellen.
So früh am Morgen ist die beste Zeit für die Gewichtskontrolle, weil dann sogar die Umtriebigsten noch etwas schläfrig sind. Gestern zweimal Welpenmilch und einmal eingeweichtes Trockenfutter (dazu gelegentliche Aufenthalte an der Mama-Bar) bringen die Knirpse richtig voran. Waren es gestern 1070 g, sind es heute 990 g, was das Durchschnittsgewicht auf 1832,5 g anhebt.
JuleWir hatten es also nicht mit einem nur von Jazz verursachten künstlichen Blow-Up zu tun, sondern sehen jetzt bereits eine Verstetigung der Gewichtsentwicklung. Im einzelnen stellt das so dar:
Jazz 2230 (+50), Joschi 1980 (+200), Jackl 1970 (+200), Janitschek 1930 (+100), Judica 1800 (+170), Jasna 1650 (+80), Jeannie 1570 (+100) und Jule 1530 (+90).
Als die zweierlei Deutschen in Deutschland noch wussten, wohin sie gehörten und was richtig und falsch war, feierte man hierzulande am 17. Juni den Tag der Deutschen Einheit. Nach dem Vollzug der Einheit hat sich das in vielerlei Hinsicht erledigt, zumal heute Aufstände für die Freiheit, sollte es solche geben, eher als Aufstand gegen die Freiheit verstanden und abgeräumt werden. Das wäre zu bedenken, wenn sich manch eine(r) beklagt, dass wir so gar nichts von der DDR übernommen hätten.
Heute also kein Feiertag, sondern
Krümel – Im nächsten Leben Hovawartein ganz normaler Werktag. Der Assi bringt die Chefin zur Bahn, damit die in die Arbeit kommt. Dann treibt er ein wenig Krankengymnastik für sein hines Knie, anschließend werden die Jays versorgt und das Haus. Um 14 Uhr hat die Chefin genug gearbeitet, aber nur, weil heute vor allem die Sonne auf Hochtouren arbeitet und Schüler wie Lehrer mittags nach Hause schickt. Jetzt bleibt also den ganzen Nachmittag Zeit, bei 33 °C im Schatten unseres Apfelbaumes mit den Kindern unsere ganz persönliche Einheit und Einigkeit zu feiern. Unsere Kreißsaal-Assistentinnen gesellen sich zu uns und den Jays, Anna-Maria bringt gleich noch ihre Eltern und Krümel mit, und so wird dieser Tag ein kaum schöner auszudenkender Feiertag mit Eiskaffee, Kuchen und später ein wenig Bier. Den Kindern geht vor lauter Streicheleinheiten schon fast das Fell aus.
JudicaViel ist nicht los im Café Puppy Paradise. Jackl quält sich aus der Deckung und produziert bei einer einzigen Sitzung gleich drei veritable Würstchen, Judica schafft es nach einigen Übungseinheiten endlich, sich hinterm Ohr zu kratzen und Jazz putzt sich sogar schon den Popo.
Dafür, dass wir für die vierte Woche mehr Action versprochen haben, ist derzeit relativ wenig los beim Blues, hauptsächlich weil die Hitze den Aktionsradius unserer Zwerge einschränkt und sie dadurch noch wenig Gelegenheit hatten, ihr ganzes Paradies in Augenschein zu nehmen und sich untertan zu machen. Sie liegen mehr oder weniger auf einem Fleck zusammen, unterm Liegestuhl oder unter einer kleinen Palette und verlassen ihr Lager nur für unaufschiebbare Geschäfte. Diese werden durch den Trofu-Brei mittags und die Milch nachmittags generiert; nach dem gestrigen Morgenzustand der Schlummerbox gibt es abends keinerlei Fleisch mehr, Milch ist für den Darm des Personals abends die bessere Wahl.
Und siehe da, nachdem uns die Telecom den ganzen Tag über mit Hinhaltebotschaften versorgt hat (Wir sind im Zeitplan und arbeiten ihren Auftrag innerhalb der nächsten sieben Stunden ab; Wir sind im Zeitplan und arbeiten ihren Auftrag innerhalb der nächsten fünf Stunden ab; Wir sind im Zeitplan und arbeiten ihren Auftrag innerhalb der nächsten drei Stunden ab), läuft das flitzeschnelle Internet tatsächlich am frühen Abend. Aber nur, weil die Chefin etwas nachgeholfen hat…
Ab jetzt geht bei uns die Post ab und rund, wie bald auch bei den Jays. Versprochen.
Freitag, 18. Juni 2021
Seit über 20 Jahren wird das Leben beim Bairischen Blues von Hunden bestimmt, was dazu führt, dass bei uns jeder Tag des Jahres ein Hundstag ist. Im Volksmund bezeichnet man allerdings den Monat zwischen 23. Juli und 23. August als Hundstage, also die besonders heißen Sommertage. Der Begriff geht bis in die Tage der alten Ägypter zurück und beschreibt den Verlauf des Sternenbilds des Großen Hundes von seinem Aufgang bis
Jeannie hauen die Hundstage umzu seiner vollen Sichtbarkeit. Durch die Schrägstellung der Erdachse ist jedoch heutzutage der Zyklus des Großen Hundes (wie der des gesamten Sternenhimmels) um einen Monat nach hinten verschoben und fällt somit in den beginnenden Herbst. Da man es mit solchen Dingen nirgendwo so genau nimmt, werden auch heute noch die heißen Tage des Jahres europaweit als Hundstage bezeichnet. Bei den Angelsachsen spricht man recht uninspiriert von dog days, und die Franzosen sondern mit la canicule eine Vokalsalve ab. Wenn man nun schlau ist, könnte man das canicule ums End-e kürzen, und schon sprächen wir von einem canicul, was mit Hundearsch zu übersetzen wäre. Und damit hätten wir flott den großen Bogen vom Großen Hund übers Sommerwetter zu unseren kleinen, herzigen Knubbelärschchen geschlagen. Zwischen Himmel und Erde ist eben nichts unmöglich.
Volle DeckungEin solcher Hundstag ist auch der heutige Freitag, auch wenn er kosmologisch gar keiner sein dürfte. Auf 32 °C und sogar etwas mehr schwingt er sich hoch, verdirbt Fianna und Hedda die gute Laune und lässt die Zwerge unter allen verfügbaren Deckungen verschwinden.
Falls sie nicht gerade mit Sonnenabwehr befasst sind, entwickeln sich diese kleinen Herzensbrecher nun tatsächlich immer mehr zu Knochenbrechern – wenn man die Augen nicht überall hat. Das haben wir schon thematisiert, ändert aber nichts daran, dass sich daran bis zum Ende am 18. Juli nichts ändern, eher alles noch komplizierter werden wird. Wo man geht, lungert ein Haufen grölender Wegelagerer in den gewohnten Laufwegen, als ob sie in ihren ersten Lebenstagen nichts anderes zu tun gehabt hätten, als genau diese auszubaldowern, um uns irgendwann aus dem Hinterhalt heraus ein Bein zu stellen. Der Assi lehnt aus diesem Grund die Benutzung des Serviertabletts ab, um beispielsweise das Frühstück auf die Terrasse zu bringen: Kein Mensch kann nämlich sehen, was sich gerade unter diesem abspielt – und dann macht es bautz und der Wautz ist hin und das Frühstück gleich mit. Wir gehen also nicht nur sehr lange Ausweichwege durch unsere Küche, sondern auch viele mehr als üblich. Wem danach ist, der kann sich bei dieser Gelegenheit vom Evangelisten Matthäus verspotten lassen, der uns folgende Worte mit auf diese verschlagenen und verlegten Wege durch unsere Küche gibt: «Gehet ein durch die enge Pforte; denn breit ist die Pforte und geräumig der Weg, der zum Untergang hinführt, und viele sind es, die durch sie hineingehen. Wie eng aber ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben hinführt! Doch wenige sind es, die ihn finden.»
Wir finden, dass
Janitschek fühlt sich nicht angesprochenuns der breite Weg deutlich weniger dem Untergang entgegen führen würde als die Schleich- und Stolperpfade, mit welchen uns die Jennerweins direkt aus unserer Küche ins Jenseits befördern möchten. Aber vermutlich hat der Matthäus nie acht Welpen versorgen müssen. Der hat leicht reden von da oben herab.
Aber natürlich lieben wir es, wenn die Jays uns erkennen und uns entgegenfliegen, sobald wir in ihrer Nähe auftauchen. Wir sind auch überaus glücklich, wenn sie uns das Wischtuch verzerren, mit dem wir gerade versuchen, ihre Teiche zu trocknen oder, falls wir versucht sein sollten, das Pipituch mit den Füßen über den Boden zu bewegen, sich auf den Wischfuß legen, am besten gleich zu zweit. So wird schnell aus einem in die Jahre gekommenen Bollerkopf (gemeint ist selbstverständlich der Assi) eine peinlich anmutende Ballerina.
Wenden wir uns lieber erfreulicheren Dingen zu: Hedda hat, wie es scheint, ihre Leiden hinter sich gelassen und freut sich ihres Lebens. Vor allem hat sie offenbar die hinter ihr liegenden Malaisen vergessen oder verarbeitet, jedenfalls legt sie sie nicht ihren Kindern zur Last, sondern ruft sie immer wieder mal im Laufe des Tages zu sich an die Bar, ein Aufruf, den keine(r) überhört. Viel häufiger als viermal am Tag tut sie das nicht mehr, und das ist auch gut so; den großen Rest erledigen wir. Allerdings müssen wir unsere Milchration um die Hälfte erhöhen, weil die bisherige Portion (125 g Magerquark, 150 ml Ziegenmilch, drei Eigelb und drei EL Distelöl, wir erinnern uns) schneller verratzt ist als wir sie zusammenmixen können.
Dementsprechend erfreulich entwickeln sich die Gewichte unserer Zwerge: Heute verzeichnen wir drei neue Vierpfünder nach Jazz. Die ließ es ausnahmsweise mal geruhsam angehen: 2260 (+30). Jackl hat Joschi in der Verfolgerrolle abgelöst: 2110 (+140) und ist damit der zweite Viertelpfünder. Janitschek (+100) und Joschi (+50) laufen gleichauf mit 2030 g ins Ziel und haben es auch geschafft, die zwei Kilo zu knacken. Die Prinzessinnengarde wird jedoch noch ein bisschen spachteln müssen, bis sie zu den ersten vier aufschließen kann: Judica 1870 (+70), Jasna 1790 (+140), Jeannie 1074 (+170) und Jule 1640 (+110). Dass sie sich keine Mühe gäben, kann man ihnen wirklich nicht nachsagen, denn von den 810 g Zugewinn gehen allein 490 g auf ihr Konto. Das Durchschnittsgewicht nähert sich auch stramm den zwei Kilo: 1933,75 g.
Mittags beschließen wir, den Transit
Der Transitdurch unsere Gute Stube zu errichten, weil wir einerseits nicht wollen, dass Heddas multipel inkontinenter Nachwuchs auf dem Weg von der Küche in den Garten unser Wohnzimmer benutzt, wie es deutsche Autofahrer gerne mit ihren Raststätten halten. Aber wir wollen sie auch nicht unentwegt hin- und hertragen: Wer vier immer flottere Beine hat, soll sie selbst bewegen. Deshalb gibt es seit unserem ersten Wurf den inzwischen legendären Transit durch die Stube. Und weil wir schon im Bastel- und Gestaltungsmodus sind, verzurren wir noch ein Sonnensegel im Garten, um mehr Schatten bereitzustellen als der Apfelbaum in der Lage ist. Dann wird noch ein bisschen Spielgerümpel dazu geliefert und das Paradies hat eine neue Qualität und Anmutung bekommen. Neue Reize braucht der Zwerg.
Das Paradies wird aufgehübschtDen Transit bauen wir natürlich auf, während sich die ganze Bande im Garten befindet, befände sie sich nämlich in der Küche, befände sich wahrscheinlich deren Hälfte nicht mehr dort, sondern bereits im Himmel, totgetreten oder totgeschlagen. Das heißt einerseits, dass die im Garten nichts von den neuen Möglichkeiten wissen und andererseits, dass wir begierig darauf warten zu erfahren, wer ihn als erste(r) zur Kenntnis und in Besitz nimmt.
Dies geschieht punkt 18:45 Uhr, als die Chefin in der Küche die Welpenmilch zubereitet. Die Jays liegen im Schatten des Gartens und dösen. Offenbar inspiriert durch bekannte Lautsignale, macht sich Judica auf den Weg, eilt durch den ganzen Garten schnurstracks auf die Terrasse zu und überquert diese, als wäre sie ihr Wohnzimmer. Das ist schon bemerkenswert,
Judicaweil sie mit unserer Terrasse bisher nicht vertraut ist; wir haben die Jays immer in den Garten getragen und dort haben sie sich ausschließlich im hinteren, schattigen Teil aufgehalten; große Entdeckerrunden standen ja bisher noch nicht auf dem Programm. Judica lässt sich also von fremdem Terrain nicht sonderlich aufhalten, peilt zielstrebig unsere Terrassentür an, zögert, staunt, gibt ihrem Herzen einen Stoß und betritt die Terra Incognita des Bairischen Blues, auch Transit genannt. Was jetzt kommt, übersteigt allerdings auch unsere Vorstellungskraft. Nach wenigen Schritten macht sie einen Buckel und drückt sich eine stramme Wurst aus dem Kreuz, nimmt damit offenbar unseren Transit in ihren Besitz und marschiert weiter in die Küche, um nachzusehen, wie es um ihr Abendmahl bestellt ist. Mannomann, so was von Girlie-Power!
Die Fütterung findet dann, wie gewohnt, im Garten am Ring statt, demnach sind alle draußen versammelt. Gleich nach der Speisung bricht das übliche Tohuwabohu aus, alle sind irgendwie miteinander beschäftigt, um alle verfügbaren Milchreste abzugreifen, Hedda und Fianna bekommen Schüsseln zum Auslecken. Dies ist n
Jazzormalerweise nicht der Moment, der für große Aufbrüche steht, eher für Ein- und Abbrüche. Doch vielleicht gerade deswegen, gerade weil alle mit anderem beschäftigt sind, nutzt nun Jazz die Gelegenheit, für eine Expedition ins Unbekannte und stapft durch den Transit. Sehr zu ihrem Erstaunen findet sie an dessen Ende, in der Küche, ihre Mama vor, die sich ins Kudde schmiegt und ihre Tochter mit wenigen Worten zu einem kleinen Nachschlag an der Mama-Bar einlädt. Sonderspeisung ausgerechnet für Jazz. Jetzt wissen wir, woher das kommt. Jedenfalls ist es wieder eine kleine Lady, die mutig vorangeht. Uns überrascht das nicht, im Gegenteil. Neun Würfe waren fast immer die Mädels die Fixeren und Mutigeren; sie sind eben, wie bei uns auch, den Buben in diesem Alter eine Nasenspitze voraus. Doch schon an diesem Abend wird der Transit von allen mehr oder weniger souverän eingeweiht (und entweiht!).
Am Ende eines eigentlich ereignislosen Tages mit viel Gedöse, aber eben doch ein paar Ereignisspitzen fallen die Zwerge in einen sehr zufriedenen Schlaf. Den finden sie noch immer in ihrer Schlummerkiste am sichersten. Und wir sind der gleichen Ansicht.
Samstag, 19. Juni 2021
Um 4:45 Uhr jubilieren die Mangfall-Lerchen in ihrer Schlummerbox, kreischen, jodeln, krähen und beginnen einen Sonnentanz in der Kiste, dass uns Hören und Sehen, vor allem aber das Schlafen vergeht.
Auch heute liegt wieder ein heißer und drückender Tag vor uns, dessen Hauptaktivitäten für Hedda und Fianna in den frühen Morgenstunden angesiedelt sind, das heißt: Die Chefin dreht große Runden und der Assi zu Hause am Rad, also auch Runden, allerdings mit dem Putzeimer. Zum Trost dient ihm, dass die aktuellen Herausforderungen kaum der Rede wert sind, verglichen mit dem, was in den folgenden Wochen in der Morgenküche auf ihn warten wird.
Gleich nach ihrem ausgedehnten Spaziergang und dem Morgenimbiss legt sich Hedda im Garten ins Hundebett, zu Marketenderdiensten bereit, was ein weiters Mal belegt, dass sie nun in Sachen Kinderversorgung komplett in ihrer mütterlichen Mitte angekommen ist, keine körperlichen oder mentalen Probleme mehr damit hat. Wie sie nun im Bette hingestreckt liegt, die Kinder aber in der Küche weiß, ruft sie sie zu sich, und dann geht das Rennen um die Pole-Position an der ergiebigsten Zapfstelle los. Sie fordert also ihre Kinder auf, durch den Transit zu ihr zu kommen. Wie wir wissen, haben das gestern auf eigenen Beinen nur Judica und Jazz geschafft. Insofern ist es keine Überraschung, dass diese beiden auch heute sofort im Bilde und on the road
Jackl und Joschisind. In ihrem Windschatten eilt auch Jasna herbei und findet den rechten Weg. Jule und Jeannie trauen dem Frieden noch nicht, stellen sich doof oder tot, in der Hoffnung, einen Lift zu bekommen, der ihnen auch gewährt wird. Joschi und Jackl wollen nichts auf sich sitzen und sich nachsagen lassen, machen sich auch auf den Weg und finden, dass dieser Weg kein leichter sein wird, eher einer mit unerwarteten Tücken. Der Bürgermeister und die Sabberkachel schaffen es doch tatsächlich, sich in diesem von Gittern begrenzten Gang zu verirren, sich zu verlaufen und zwischen Gitter und Terrassentürflügel stecken zu bleiben – Sackgasse, plärr, Charlie Brown lässt grüßen. Vielleicht spricht auch nur Scham und Zorn aus dem Kasperltheater, das die beiden anzetteln. Für einen Logenplatz reicht es jedenfalls nicht mehr, aber für einen ganzen Eimer Spott vom Amazonengeschwader um Jazz. Und, fragt sich der aufmerksame Leser, und was treibt der Jani-Schani in diesem Welpenassessment? Janitschek verlässt sich auf seine westlevantinische Pfiffigkeit oder hat das Buch Ruth (1, Vers 16,17) gelesen: Wo Du hingehest, da will auch ich hingehen. Und wo Du bleibst, da bleibe auch ich! Und fußelt eifrig hinter dem Assi her, der Jule und Jeannie an die Bar bringt. Die krälenden Brüder lässt er hinter der Terrassentür stecken. Mit dieser Methode ist er zwar nie an vorderster Front (wozu auch?), aber immer auf der sicheren Seite und bleibt dabei gelassen und frohen Mutes, immer ein fröhlich Liedchen auf den Lippen. Ein schlauer Kerl, dieser Janitschek. Vielleicht sollte man doch öfter die Bibel lesen.
Undercover-JanitschekDer Tag selbst ist angereichert mit einer Handvoll Besuchern und sommerheißem Nichtstun. Die Jays dösen, wenn sie nicht gerade zum Streicheldienst abgeordnet sind, im Schatten, wobei die meisten unter die eigentlich als Sitzgelegenheiten bereitgelegten Kissen und Polster kriechen. Eigentlich sollte man vermuten, dass es unter ihnen noch wärmer sein müsste, die Wahrheit dürfte aber lauten, dass das Gras unter ihnen frisch und kühl geblieben ist. An Überlebensstrategie fehlt es ihnen offenbar nicht.
Für andere Aspekte des Überlebens sind jedoch immer noch wir zuständig: Die Mahlzeiten, die Mutter nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stellen kann und soll. Heute bekommen sie morgens eineinhalb Portionen der Welpenmilch mit einer halben Banane (püriert). Mittags gibt es etwa 400 g Kopffleisch, fein püriert, mit Kartoffelbrei. Abends folgt dann nochmals eine doppelte Portion Milch mit Banane, was dann die Kapazitäten doch ein wenig übersteigt. Gefüttert wird weiterhin am Ring.
Dass diese Welpendiät nicht komplett an den Bedürfnissen vorbeigeht, bescheinigte uns die Waage am Morgen: Jazz 2400 (+140), Joschi 2340 (+310!), Jackl 2250 (+140), Janitschek 2160 (+130), Judica 2020 (+150, noch eine Vierpfünderin), Jasna 1900 (+110), Jeannie 1850 (+110) und Jule 1650 (+10), macht 1100 g Gewichtsgewinn an einem Tag und ergibt ein Durchschnittsgewicht von 2071,25 g, womit wir auch in dieser Hinsicht über zwei Kilo wären.
Spät nachts bringt der Assi die Kinder zu Bett, allerdings muss er ihnen keine Wiegenlieder singen; das erledigen sie selbst. Der Protest in der Schlummerkiste will heute nicht aufhören. Natürlich ist Joschi der Wortführer, aber er ist heute Nacht nicht allein. Für diese anhaltenden Beschwerden können nach unserer Erfahrung nur zwei Dinge verantwortlich sein: Entweder sie wollen nicht mehr in ihrer Kinderkiste nächtigen oder es ist ihnen heute zu warm, obwohl wir alle Fenster und Türen, soweit es vertretbar ist, offen haben. Aber es bewegt sich kein Lüftchen, was sich bewegt ist die Luftsäule, von den Stimmbändern der Jabberwockys zum Schwingen gebracht. Wenn sie damit nicht aufhören, müssen wir Fenster und Türen auch noch schließen. Der Assi setzt sie über die Folgen ihres Tuns in Kenntnis. Mal sehen, wieviel er bewirken kann. Ein gute Viertelstunde hört er sie noch, ermattend, erschlaffend. Ob er es ist, der da langsam aus dem Bewusstsein gleitet oder die Kinder, wer weiß…
Sonntag, 20. Juni 2021
Im nördlichen Wendekreis steht die Sonne heute im Zenit, hoch im Norden geht sie nicht unter und das bedeutet, dass wir heute den längsten Tag des Jahres genießen und die Sommersonnwende feiern dürfen. Wenn dann diese Sonne auch noch strahlt, steht uns ein wahrlich prächtiger Tag bevor.
Für uns und die Jays ändert sich erst mal nicht viel. Die Kinder erzwingen einen relativ geordneten Tagesablauf, der mit Wiegen, Putzen und Speisen beginnt, denn die Länge des Tages ist unseren Pfleglingen reichlich wurscht. Und uns auch. Die einen vermessen den Lebenslauf als Spanne zwischen der Wiege und der Bahre, wir vermessen unseren Tageslauf von der Waage bis zur Liege.
Dann
Joschi wollen wir doch mal wissen, ob Joschi seinen Turbospurt hinter Jazz her durchgehalten oder sie ihn auf Distanz gehalten hat. Zur Erinnerung: Gestern trennten die beiden nur noch 60 g – und er hat sich respektabel gehalten, nur 10 g ihr gegenüber eingebüßt. Jazz 2500 (+100), Joschi 2430 (+90), Jackl 2390 (+140), Janitschek 2290 (+130), Judica 2080 (+60), Jasna 2060 (+160, und ebenfalls die Zwei-Kilo-Marke genommen), Jeannie 1930 (+80) und Jule 1740 (+90) = 850 g und ein Durchschnittsgewicht von 2177,5.
Bekanntlich hat jede Nahrungsaufnahme Folgen, über die man sich meist nicht austauscht, es sei denn man wäre Baby- oder Welpenversorger. Dann gewinnt die Betrachtung der Rückstände eine Bedeutung, die den ersten Worten (heutzutage eher Instagram als Mama) und ersten Schritten nicht nachsteht. Das gilt selbstredend auch für uns. Es gibt keinen Buckel auf standfest ausgestellten Hinterbeinen, der von uns nicht argwöhnisch investigiert wird. Und bisher sind wir mit uns und den Jays sehr zufrieden. Trotz der wechselnden Angebote (Welpenmilch, Fleischbällchen, Trofu-Brei, Kopffleisch) bleibt der Output qualitativ hochwertig, sowohl in Form wie in Farbe. Die kraftvollen Wurstprodukte sind ausdrucksstark bei einer nachvollziehbaren Farbentwicklung von Senf (Milchüberhang) über rehbraun bis zum aktuell intensiven Maron. Alles also wie es sich ein Züchter wünscht. Nur eine Veränderung lässt uns mit einiger Sorge in die Zukunft blicken: das Größenwachstum! Wir haben den Eindruck, es eilt der Nahrungsmenge voraus.
Nicht unerwähnt kann in diesem Zusammenhang das unterschiedliche Abtrittsverhalten der Knirpse bleiben, das uns aber nach neun Würfen auch nicht mehr in die Verzweiflung treibt, obwohl ein gelegentlicher Arschritt durchaus erzieherisch wirksam sein könnte. Ja, es gibt hygienisch motivierte Individuen, die zum Zwecke der Darmentleerung die Küche durch den Transit verlassen und den neu gewonnen Freiraum „Garten“ ansteuern, um ihr Geschäft zu erledigen. Dass ihr Tun keinerlei Vorbildwirkung hat, zeigen jene, die aus dem Garten durch den Transit in die Küche eilen, ja: eilen, weil es drückt, und sich dort erleichtern, obwohl es im Garten unter weniger Zeitdruck sozial verträglicher möglich gewesen wäre. Diese Schutzhüttenscheißer können sogar dem abgebrühten Züchter gelegentlich den Draht aus der Mütze fliegen lassen. Aber was soll man machen? Schweigen, soll man und keine Namen veröffentlichen.
Immerhin beweist diese Episode, dass der Transit immer mehr in den Lebensraum der Jays integriert ist. Vorgestern wurde er eingerichtet, gestern mussten wir ihnen zum Teil noch einen Blindenhund zur Seite stellen und heute gehört er zu ihrem Lebensraum. Die Lernleistung dieser Zwerge ist enorm und beeindruckend. Das hilft uns vor allem, wenn sich alle Zwerge oder auch nur einige in der Küche befinden und wir im Garten füttern wollen. Dann erschallt der Futterruf „Matze-Matze-Matze“ und, nur dreimal praktiziert, lässt er acht Kugelporsches in den Garten speeden. Dieser Ruf wird sie zu jeder Fütterung rufen und sie werden ihn bis zum Ende ihrer Tage nicht mehr vergessen. Machen wir uns nichts vor: Darauf zu reagieren ist eine Sache, am zweiten Tag den direkten Weg durch den Transit zu finden ist eine andere. Aber sie machen sich auf diesen Weg, sie wissen, wohin sie sollen, wo sie den Zugang zum Garten finden, aber manche finden auch heute nicht den Ausgang. Dem Ruf folgt eine Puppy-Stampede, die sich am Ende stark verdünnt. Manche bleiben immer noch im Transit stecken (plärr), die anderen finden zwar den Ausgang auf die Terrasse, wissen dann aber
Jacklnicht mehr weiter, und nur zwei oder drei schaffen den erfolgreichen Zulauf bis zum Futterring. Und auch diese Namen werden aus Gründen der Pietät den anderen gegenüber verschwiegen. Maximal noch ein Tag, dann erübrigen sich diese Erzählungen. Dafür drängen sich andere auf, etwa solche Erfolgsgeschichten wie die des Jackl vom Bairischen Blues, der gestern noch zusammen mit seinem Bruder an der Klagemauer des Transits gescheitert ist, heute den Transit als willkommene Übergangslösung für seinen Stuhlgang nutzt, also nicht mehr drin, aber fast schon draußen. Man muss nicht alle Herausforderungen auf einmal bewältigen, die Erledigung über Milestones ist meist erfolgreicher. Ups, haben wir jetzt doch ein Geheimnis ausgeplaudert, das wir in der Brust bewahren wollten?
Wie sehr
Judicader Transit schon in der Realität der Jays angekommen ist, zeigen sie uns, als wir sie während der Futterzubereitung (in der Küche) auf der Terrasse ausgeschlossen hatten und sie die vertrauten Töne offenbar bis hinaus hörten. Sie haben keine Sekunde Orientierungsschwierigkeiten, woher die Geräusche kommen und auf welchem Weg man zu ihnen gelangen könnte: über den Transit! Aber der liegt hinter der verschlossenen Terrassentür. Also steht die halbe Mannschaft auf den Hinterbeinchen und bearbeitet die Tür und krakeelt, damit sie nachgibt. Man kann gar nicht so schnell mitdenken wie die lernen.
Aber es ist nicht nur das Lernen, das sie jetzt zu acht kleinen Überraschungspäckchen macht, sondern auch die körperliche Reife; die Kraft wächst parallel zum Hirn (wir hoffen, dass das in den nächsten Jahren dann andersrum ist). Das wirkt sich dann folgendermaßen aus. Einige Gitter des Transits haben Türchen, dass wir
Jasnanicht dauernd klettern müssen, wenn wir in den Wohnbereich oder ins Treppenhaus wollen. Die Tür ist zweigeteilt, unten ist ein zwanzig Zentimeter hohes Gitter, darüber das Türchen zum Öffnen. Wenn man über den Gittersturz im unteren Teil der Tür will, braucht man als Welpe Muckis, weil es nichts gibt, worauf man sich stützen und hochstemmen könnte. Bisher haben es einige schon versucht, uns auf diese Weise zu besuchen, hingen dann aber immer recht kläglich auf dem kleinen Gitter und schafften es nicht weiter. Jasna schafft es heute als erste! Und stiefelt wie selbstverständlich durch unsere Allerheiligstes. Ab jetzt heißt es also: Luken dicht. Etwas verstörend ist, dass ausgerechnet heute, am Tag von Jasnas Emigration, Internationaler Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen ist. Ist die etwas noch gewiefter als wir schon länger befürchten?
Immerhin liefert unsere Welt Gründe genug für diesen Internationalen Aktionstag. Wem aber nützt oder wen schützt der „Tag der Filtertüte in Deutschland“, den wir heute begehen sollten oder könnten? Melitta Bentz etwa, der Erfinderin der Filtertüten, die am 20. Juni 1908 den Gebrauchsmusterschutz für ihren neuen Papierfilter eingetragen bekam? Sollen wir jetzt unseren gerade komplett überholten Kaffeeautomaten stilllegen, in den nächsten Supermarkt rennen und Filtertüten kaufen, damit wir unseren Gästen heute, am Tag der Heiligen Melitta, endlich wieder mal einen echten Bohnenkaffee aufbrühen können? Blöd, dass wir ausgerechnet heute keine Gäste erwarten.
Da halten wir uns dann doch lieber an den amerikanischen „Tag des Vanille-Milchshakes“ (National Vanilla Milkshake Day) und bauen ihn zu einem „Vagener Tag des Vanille-Eiskaffees“ um. Dafür haben wir alles im Haus und verknüpfen irgendwie geschickt den Vanilla-Shake-Tag mit dem Kaffeefiltertag (ohne Filter); Kreativität bringt die Welt voran. So sitzen wir also mit unsere Kindern, der Mama und der Oma in unserem Garten, trinken Eiskaffee und essen köstlichen Besucherkuchen von gestern. Wenn jetzt ein Flüchtling vorbeikäme, wäre er bei uns ein gern gesehene Gast, da bräuchte er keinen UNHCR anrufen. Bei denen bekäme er nämlich keinen Eiskaffee mit Kuchen, höchstens einen Packen Formulare und einen Dolmetscher. Unser Gartencafé kommt ohne das alles aus.
Neben der Kinderspeisung, die wir vornehmen und dabei inzwischen die doppelte Portion Milchshake in zwei Futterringe verteilen müssen, weil sonst die Zartbeflankten kaum noch ans Manna kämen, bietet Hedda immer wieder ihre Dienste an, freiwillig, weil frei von Qualen, aber nicht mehr sehr ergiebig. Die Zwerge nehmen ihr Angebot dennoch gerne an, müssen aber damit leben, dass Hedda ihre Theke nicht verdoppeln kann wie wir, weshalb die Schlacht an Mamas lauwarmem Büffet mit immer härteren Bandagen geschlagen wird. Zum Glück meist nur sehr kurz, weil die zu kurz Kommenden zwangsläufig von der Einsicht vertrieben werden und die Rammköpfe zwar zum Zuge kommen, der letztlich jedoch bestenfalls noch ein Züglein ist. Hedda hat fast fertig.
Wie man unseren Ausführungen entnehmen kann, verbringen wir diesen Sonntag ohne Besucher, auch ohne Flüchtlinge, strecken und recken uns mit unseren Kindern in der Sonne, dösen und holen versäumten Schlaf nach. Solche Tage sind in der Welpenzeit unverzichtbar, wenn man nicht vorzeitig in die Knie gehen will.
JazzDie Kinder dürfen heute nach der gestrigen Erfahrung frei in der Küche schlafen. Es ist mucksmäuschenstill, als wir die Tür schließen. Wird wohl doch nicht die Hitze gewesen sein gestern, denn heiß und schwül ist es immer noch.
Und so ist die Nacht zwar wegen der Welpen ruhig, aber nicht wegen der äußeren Umstände: Es droht ein heftiges Gewitter! Es rumort und randaliert aus allen vier Himmelsrichtungen um uns herum, der Himmel ist blauschwarz. Wir lassen die Balkontür im Schlafzimmer wegen der frischen Luft noch offen, solange es eben geht, dann fährt ein Luftstoß durchs Haus, die Schlafzimmertür fliegt zu, gerade als wir im Begriff waren uns einzunesteln, und dann war der unbegonnene Traum schon wieder vorbei. Fianna versucht unter Frauchens Bett zu verschwinden und Hedda schäumt und will raus. Die beiden schieben Panik. Es ist das Erbe eines Hagelunwetters an Pfingsten 2019, das wir mit den beiden im Wohnmobil auf dem Weg in den Urlaub auf der A 96 am Ammersee erlebten. Wir befanden uns damals im Zentrum des Unwetters und fühlten uns wie unter Artilleriebeschuss. Der Lärm im Auto war furchterregend, die Dachfenster wurden durchschlagen und die Windschutzscheibe sprang. Wir vergessen diese Viertelstunde nie, aber wir können damit umgehen, Fianna und Hedda haben seither Panik, wenn die äußeren Umstände sie an diese Zustände im Womo erinnern. Wir können ihnen das nicht übelnehmen, aber wir können ihnen diese Gefühle auch nicht abnehmen. Wenn es uns bei dem Gedanken daran noch ganz spooky zumute ist, haben die beiden dem nichts entgegenzuhalten. Für sie ist es ein fürchterliches Deja-vu.
Zum Glück bleibt alles in sehr erträglichem Rahmen, reichlich Wind, ausreichend Regen, ohne in ein Unwetter auszuarten. Vor allem bleibt der Hagel aus. Vielleicht haben uns die Hagelflieger des Landkreises die Nacht und mehr gerettet. Unbekannterweise dafür herzlichen Dank. Die Nacht verläuft im Großen und Ganzen ruhig, Die Mädels bleiben jedoch bis zum Morgen eher skeptisch und auf dem Sprung.
Montag, 21. Juni 2021
Die Nacht bleibt tatsächlich ruhig bis zum Morgen und aus der Küche ist bis 5:30 Uhr kein Laut zu vernehmen. Der Blitz wird dort nicht eingeschlagen haben, das wäre uns nicht entgangen. Also ist die große Zeit der Schlummerbox vorüber. Man steht jetzt auf Beinfreiheit.
Und noch etwas wissen wir zu würdigen: Wegen der langen Nacht, haben sie ganz vergessen, unsere Küche zur Latrine umzufunktionieren. Kein einzige Häuflein liegt herum. Wir lassen sie in den Garten, und siehe da, jetzt geht die Darmpost ab. So wünscht man sich das, und weiß, dass die Tage des unbeschwerten Glücks in Zukunft sehr dünn gesät sein werden.
Janitschek geht ausnahmsweise vor der Kamera in DeckungHeute ist offizieller Sommeranfang, und der startet, wie die vergangenen Tage, sehr sonnig durch. Diese Gelegenheit nutzen wir gleich nach dem Morgenspaziergang und einem kräftigenden Frühstück für ein weiteres Fotoshooting im Garten. Es ist Tradition beim Blues, dass die Kinder nach vier Wochen ein Porträt geschenkt bekommen. Die Zeit rennt so rasant dahin, dass man sie zwischendurch mal für einen Augenblick anhalten und einfrieren muss – klick. Und noch ein Klick. Der Fotograf sehnt trotz des Zaubers des Augenblicks sein baldiges Ende herbei, weil er sich bäuchlings im Gras liegend nach Dehnung der Glieder sehnt. Allein die Models haben kein Einsehen und er dafür das Nachsehen.
Wenn die Bedrängnis am größten ist, sucht man am besten die Befreiung in der meditativen Suggestion der Zahlen. Die lassen wir nun unkommentiert auf uns wirken: Jazz 2680 (+180), Joschi 2590 (+160), Jackl 2520 (+130), Janitschek 2380 (+90), Judica 2220 (+140), Jeannie 2140 (+210, vierpfündig!), Jasna 2060 (0), Jule 1840 (+100), macht 1010 g plus und ein Durchschnittsgewicht von 2303,75 g.
Judica hat eine eigene Methode der Teint-PflegeDamit die Verdauung dieser gewaltigen Zahlen nicht zulasten unserer Küche geht, bleibt der Transit jetzt ganztägig geöffnet, was das Prachtwetter natürlich anbietet. Das heißt, dass die Knirpse nun ganz allein entscheiden können, ob sie wegen des Teints Küchen-Indooring bevorzugen oder doch lieber den Schatten des Apfelbaumes genießen wollen. Es entwickelt sich ein ständiges Hin und Her, weil beides Vor- und Nachteile bringt, manchmal fehlt auch nur ein Spielgeschwister zum perfekten Glück und ein andermal ist eine Nervensäge zu viel. So sieht leider der Ernst des Lebens aus. Bisher konnte man sich noch beim Personal beschweren, wenn man gegen den eigenen Willen verpflanzt wurde, jetzt muss man sich vor sich selber rechtfertigen. Nach vier Wochen schon Managemententscheidungen solchen Ausmaßes…
Am späten Nachmittag bekommen sie wieder eine immer größere Portion Kopffleisch mit Kartoffelflocken serviert, jetzt sind es schon 500 g, und putzen es in Windeseile weg. Mäkelige Kinder haben wir nicht, aber solche Exemplare hatten wir noch nie; diese Exemplare werden erst später gemacht 😉.
Nachts ziehen wieder schwere Gewitter herum, die uns auch diesmal verschonen, aber schon wenige Kilometer in Richtung München alles kurz und klein schlagen. Der Bairische Blues ist eben doch eine Außenstelle des Paradieses. Nicht nur für die Kinder. Nichtsdestotrotz
How to make die Halbzeitbilderwollen sich Fianna und Hedda auf solche Lobhudeleien nicht verlassen und entscheiden sich für Deckung, Fianna wieder unterm Bett der Chefin, Hedda kriecht lieber unter die Decke des Assi, hat aber Pech, weil bei solchen Temperaturen und geschlossenen Fenstern und Türen wegen des Sturms nirgendwo keine Decke ist, unter die man kriechen könnte. Dann kriecht sie ihm eben unter die Epidermis. Ach, Herzblatt…
Mit diesen Betrachtungen findet die vierte Lebenswoche der Jays ihren Abschluss. Doch wie das Foto-Shooting in der vierten Woche fest im Traditionskalender des Bairischen Blues notiert ist, ist es gute Sitte, zur Halbzeit ein erstes, kurzes und flüchtiges Persönlichkeitsprofil zu wagen. Gehen wir es an.
Jackl: Der Zupackende mit dem festen Griff
Das hört sich gefährlicher an als es ist, weil Jackl vor allem in sich ruht und sich meist fest im Griff hat. Das ist die eine Bedeutung des festen Griffs. Die andere ist sein tatsächlich markanter Griff, wenn er einmal zupackt, was allerdings nicht häufig geschieht, weil er kein Raufer und Wichtigtuer ist. Wir haben noch nicht beobachtet, dass er einen Streit vom Zaun gebrochen hätte, aber wenn es zu Rangeleien kommt, weiß er sich zu wehren und lässt sich ganz sicher nicht die Butter vom Brot nehmen. So, wie er in sich ruht, lässt er die Dinge auf sich wirken, ist interessiert und sieht sich alles genau an, manchmal zu genau (Transitstrandung!). Wenn er nicht auf Erkundungstour ist, die ihn beispielsweise als ersten einmal um den Küchenblock geführt hat, spielt er gerne und intensiv. Die Umrundung des Küchenblocks muss ihn so stark bewegt haben, dass dieser derzeit sein bester Freund zu sein scheint, weil er jede Gelegenheit nutzt, unter ihm zu schlafen. Mehr Schutz und Sicherheit geht nicht. Jackl wurde schon früh als „der Bürgermeister“ bezeichnet, darin liegt viel Wahrheit, vor allem aber wären viele Gemeinden froh, wenn sie einen solchen Bürgermeister hätten.
Jazz: Die Autonome
Jazz ist eine Erscheinung. Das liegt einerseits an ihrem Format, wodurch man sie kaum übersehen kann. Jazz ist ein bayerisches Weibsbild, kein Gramm zu fett, aber gebaut aus Muskeln und Sehnen. Und so wie sie gebaut ist, gibt sie sich auch: resolut und voller Strahlkraft. Mehr als alle anderen hat sie ihren eigenen Kopf. Wenn sie schmusen möchte, macht sie das mit Hingabe, wenn sie ihre Ruhe möchte, sucht und findet sie diese. Wenn es ihr danach ist, schläft sie mitten im Rudel, wenn nicht, liegt sie weitab. Sie spielt leidenschaftlich und kann so tun, als ob es auf der ganzen Welt kein Spielzeug gäbe. Vor allem hat sie bewiesen, dass sie alles ganz genau wissen will und allem sehr intensiv auf den Grund gehen will, für alles Lösungen sucht und, falls es welche gibt, sie auch findet. Das findet nicht immer unsere ungeteilte Zustimmung, weil diese Forscherseele sie auch unberechenbar macht; mit Jasna zusammen führt sie inzwischen (kleiner Vorgriff auf die nächste Woche) den Ausbrechertrupp an. Jazz ist eine ausgesprochen starke Persönlichkeit mit großem Potential.
Janitschek: Die Welt und er sind schön
Der Jani ist der große Gatsby des J-Wurfs: schön, wohlgebaut, elegant und Beherrscher der großen Geste. Das hat er seiner (derzeit) nahezu perfekten Markenzeichung zu verdanken. Und da Kleider bekanntlich Leute machen, weiß auch er um seine Wirkung. Aber Achtung: Janitscheck ist kein hohler Geck. Er ist lustig, meist guter Dinge und guter Laune, gelegentlich ein Hansdampf in allen Gassen, aber kein nerviger Adabei. Er bricht erfolgreich alle Herzen, die er brechen will und bleibt für alle anderen ein herziger Charmeur. Mit seinen Geschwistern lebt er meist in Harmonie, obwohl auch er am vorderen Ende Zähne hat, deren Vorteile er mitunter zu schätzen weiß. Er ist immer mittendrin, nicht nur dabei, was zur Folge hat, dass sein Konterfei vermutlich von jedem dritten Foto in unserer schon umfangreichen Bibliothek strahlt.
Jeannie: Die Kämpferin
Das Leben meinte es zu Beginn nicht gut mit ihr, weswegen sie mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Und genau das tat sie: Sie kämpfte, sie wollte leben – und sie lebt. Und wie! Wer sie jetzt erlebt, trifft auf eine eher zierliche, aber kraftvolle Hündin voller Energie. Anfangs war sie noch ein wenig unsicher, gelegentlich auch hektisch und unsortiert. Nichts mehr davon! Jeannie ist heute einer der Mittelpunkte der Jays, eine pfiffige und fröhliche Hündin, die vermutlich am meisten Spaß von allen an Spielsachen hat. Sie spielt mit allem und hingebungsvoll. Trotz ihrer körperlichen Nachteile lässt sie sich am Futterringe nicht abräumen, sondern bohrt sich rein und beißt sich durch. Sie findet immer einen Weg. Jeannie ist eine ungemein charmante, lustige und unkomplizierte Hündin.
Joschi: Der Geschichtenerzähler
Bei Fußballfreunden ist der Bayer Thomas Müller auch als „Radio Müller“ bekannt, weil er auf dem Platz unentwegt Anweisungen gibt, motiviert und dirigiert. So einen haben wir auch: Radio Joschi. Ihm würde auch in Tausendundeine Nacht nie der Erzählstoff ausgehen. Joschi ist ein Unikum, wie man es selten hat. Und diesem Joschi kann man noch nicht einmal böse sein, wenn er einem nicht nur ein, sondern schon beide Ohren abgequatscht hat. Nichts, was er nicht kommentiert. Aber wir dürfen ihn nicht auf sein Erzähltalent reduzieren: Joschi ist ein sehr gelungenes Gesamtpakt. Er ist, vermutlich, weil er alles verbal verarbeitet, sehr ausgeglichen, sein eigener Mittelpunkt, dabei freundlich und fröhlich, immer mit von der Partie (klar, sonst hätte er als Klatschreporter nix zu erzählen), dreht selten richtig auf, aber auch nie durch. Und mit Streit kann er überhaupt nicht viel anfangen. Wenn da was in der Luft liegt, dreht er das Radio auf und kommentiert die Ereignisse.
Jule: Die Piratin mit dem Durchblick
Sie war schon bei ihrer Geburt das Leichtgewicht der Jays und wird es wahrscheinlich auch bleiben. Am Gewicht des ihr fehlenden rechten Auges wird es kaum liegen. Wer dieses kleine Kraftpaket wiegt und zu leicht befindet, wird sich wundern. Natürlich musste sie anfangs das Fehlen eines Auges optisch auf die Reihe bringen und wird es auch weiterhin tun müssen. Aber mangelnde Lebenstüchtigkeit oder Durchsetzungskraft ist bei ihr nicht festzustellen. Sie ist fester Bestandteil der Jays, oft genug mitten im Trubel und steht ihren Geschwistern in nichts nach. Gefallen lässt sie sich von ihnen nichts und kann bei zu grobem Spiel auch mal kräftig zurückkeilen. Sie ist ein echter Aktivposten, überall zugegen, wissbegierig und spielfreudig. Lebendes Spielmaterial scheint sie derzeit zu bevorzugen, zumindest Zehen, Knöchel und Fersen stehen aktuell auf ihrem Speiseplan ganz oben; in dieser Hinsicht ist Seeräuber-Jenny an der Spitze der Nahrungskette. Wer den Fehler macht, die kleine Piratin zu unterschätzen und sich wegen ihres Defekts um ihr Fortkommen sorgt, sollte sich besser um sich selber Sorgen machen: Die Jule hat auch mit einem Auge den vollen Durchblick.
Jasna: Die immer Lustige
Manchmal denkt der Chronist: Was soll man über diesen Hund eigentlich schreiben? Ein Hund ohne Eigenschaften? Die Erfahrung lehrt: Gibt es eigentlich nicht. Die Erfahrung.2 legt dann nahe, besonderes Augenmerk auf dieses Exemplar zu legen. Und wenn es dann so weit ist, dass der Chronist etwas über diesen Hund schreiben muss, kann er sich eigentlich genüsslich zurücklegen und nichts schreiben, weil über sie, diese Jasna, schon fast alles gesagt ist, und zwar in den Kapiteln über ihre Geschwister. Ja, zu Beginn ihres Lebens war sie etwas unauffällig, was aber auch etwas mit ihrer optischen Bescheidenheit zusammenhing: kaum Marken, wenig Blickfang. Doch seitdem Leben und Bewegung in der Truppe ist, verkörpert Jasna nahezu alles, was über die anderen bereits gesagt wurde: Findig, umtriebig, neugierig, spielfreudig, mutig, immer vorne mit dabei und mitten im Geschehen, sogar schön, soweit man ohne Marken gefallen kann (Ansichtssache), Co-Chef-Entdeckerin neben Jazz, frohsinnig und unbekümmert. Im Gesamtpaket ist Jasna ein großes Glück und eine wunderbare Aufgabe.
Judica: Die Menschenfreundin
Auch über Judica ist bereits alles gesagt, allerdings müsste man sich dann mit den Profilstudien über unsere Fianna auseinandersetzen. Judica hat alles, um die rechtmäßige Erbin ihrer Oma zu werden, fast wie geklont. Sie ist lebensfroh und tiefgründig, beherzt und charmant und besticht durch ihre offene Beherrschtheit. Sie ist ein Fixpunkt in ihrem Rudel, ohne der Dreh- und Angelpunkt zu sein. Sie gehört zu jenen ausdrucksstarken Geschöpfen, die nicht ständig präsent sein müssen, aber auffallen, wenn sie fehlen. Doch ihre hervorstechende Eigenschaft, und da gleicht sie ihrer Oma am meisten, ist ihr Menschenbezug. Wo wir sind, ist auch Judica. Es ist, als ob sie sich von Jani hätte anstecken lassen, das Buch Ruth zu verinnerlichen: Wo Du hingehest, da will auch ich hingehen. Und wo Du bleibst, da bleibe auch ich! Wenn wir einen Schatten um uns fühlen, ist es Judica. Wenn uns ein Welpe die Füße wärmt, ist es Judica. Wenn wir glauben, unversehens wieder eine Katze zu haben, kann es nur Judica sein. Sie sitzt und liegt und himmelt uns Menschen an. Biete ihr ein Königreich, dann bescheidet sie sich mit einem Arm. Fianna muss ihr erzählt haben, wie sie uns rumgekriegt hat…
Mehr können wir nach vier Wochen noch nicht über unsere Kinder sagen, aber wenig ist es dennoch nicht. Die Chefin hat auch eine Meinung, und die lautet: Ich gebe keinen ab, die sind soooo süüüüß.
Dienstag, 22. Juni 2021
Vielleicht sollten wir uns einen kleinen Rückblick auf die vergangene Woche gönnen, bevor wir in die fünfte Lebenswoche der Jabberwockys starten.
Außerhalb unseres kleinen Habitats waren es vor allem die schweren Gewitter, die dieser Woche ihren Stempel aufdrückten, aber von uns nur wenig Notiz nahmen. Am Dienstag gestalteten wir unseren Garten mithilfe einiger ausbruchssicherer (?) Gitter zum Raubierkäfig um und bestückten ihn mit ein paar Spielgeräten, damit
Leben im Transitdie Insassen nicht gleich merken, dass es nun in Vagen eine Außenstelle von Guantanamo gibt. Die Hitze ließ aber nur eine räumlich sehr begrenzte Nutzung des von uns als Paradies bezeichneten Gefängnisses zu. Am Mittwoch begannen wir gezielt mit Heddas Befreiung von ihren lästigen Milchegeln am Bauch. Außerdem inszenierten wir einen unspektakulären Dog-Walk zum Zwecke einer Halbzeit-Fotosession. Der Freitag stand im Zeichen des Transits und dessen Vereinnahmung, die sich mit wachsendem Erfolg bis zum Sonntag hinzog. Am Ende der vierten Woche konnten sich die Zwerge schon gar nicht mehr erinnern, wie überhaupt ein Leben ohne Transit möglich war. Ab Sonntag blieb die Schlummerkiste nachts offen, und die Jays machen seither keinen Gebrauch mehr von ihr, es sei denn als kuscheliges Familienklo 🤦♂️. Im Laufe der Fütterungen wurde der universelle Futterruf Matze-Matze-Matze etabliert, der die Beinsicherheit und Geschwindigkeit der Kinder schon aus ernährungstechnischen Gründen dermaßen beschleunigte, dass aus urkomischen Rollatoren flitzeflinke Boxautos, auch Scooter genannt, wurden, die alles aus dem Weg räumen, was ihnen im Weg steht. Die Zwerge selbst haben sich martialisch bewaffnet und versäumen keine Gelegenheit, sich mit den Einsatzmöglichkeiten ihres neu erstandenen Arsenals vertraut zu machen. Und zwei haben sich so schamlos an unsere Besucher angewanzt, dass sie bereits jetzt ihre zukünftige Anschrift kennen.
Dann können wir uns nun in neue Abenteuer stürzen. Doch in dieser Hinsicht sieht es heute ziemlich mau aus; was soll sich schon ereignen an einem Tag, der noch nicht einmal dem hundertjährigen Bauern eine Erwähnung wert ist. In solchen Momenten kann man sich über die kleinsten Nichtigkeiten freuen, vor allem aber werden sie, die man sonst vermutlich übersehen würde, sichtbar.
Janitschek staunt, wie Jule Joschi flachlegtEine Erwähnung wert ist das nachgewittrig nasse Gras im Garten, als die verschlafenen Held(inn)en des Blues morgens in die Freiheit entlassen werden. Es ist das erste Mal, dass sie nasses Gras unter den Fußpolstern spüren, aber das stört sie nicht. Sie sind nicht einmal verwirrt, sie latschen einfach herum, erledigen ihre Morgentoilette, sehen sich um, ob noch alles in alter Ordnung ist, schlagen und vertragen sich und warten auf der Terrasse die Lieferung des Frühstücks ab.
Bevor wir uns der Hauptattraktion des Tages widmen, werfen wir einen Blick auf die Gewichte. Nach dem guten Kilo, das sie sich alle zusammen gestern gegönnt haben, lassen sie es heute etwas geruhsamer angehen – mit einer Ausnahme. Immer ein wenig als Bruder Leichtfuß eingestuft zu werden, scheint Janitschek doch haarscharf an den Tatsachen vorbei argumentiert zu sein, denn natürlich ist er ein gewichtiger Teil der Jays und möchte dies nun auch auf der Waage manifestiert wissen, und 260 g sind eine echte Ansage, vor allem, wenn es alle zusammen nur auf 840 g bringen. Und damit rückt er, zumindest vorerst, auf den dritten Platz vor. Also jetzt der Reihe nach:
Jazz 2760 (+80), Joschi 2690 (+190), Janitschek 2640 (+260), Jackl 2620 (+100), Jeannie 2240 (+100), Judica 2240 (+20), Jasna 2160 (+100) und Jule 1920 (+80). Das ergibt ein Durchschnittsgewicht von 2408,75 g.
Im Zentrum des heutigen Tages steht die Zwischenabnahme durch die Zuchtwartin. Bei dieser Zwischenbeschau geht es darum, generelle Fortschritte oder Veränderungen im Erscheinungsbild (z.B. die
An Judicas Zahnstellung ist nichts zu bemängelnMarken) zu dokumentieren und vor allem jene, die bei der Erstabnahme noch gar nicht sichtbar waren, wie etwa Nabelbrüche oder die Zahnstellung. Vor allem Rückbisse sind keine Kleinigkeit, aber aus nachvollziehbaren Gründen bei der Erstabnahme nicht zu erkennen. Das gilt selbstverständlich auch für Jules Fehlauge, das nunmehr offiziell dokumentiert ist. Um die geneigten Leser nicht auf die Folter zu spannen: Die Jays haben keine Nabelbrüche und durchwegs korrekte Zahnstellungen, auch Rutenanomalien haben sie seit ihrer Geburt nicht nachgeliefert. Und, so jedenfalls die Sicht des Züchters, sie sind generell noch viel schöner geworden (was im Protokoll leider nicht vermerkt ist); Zuchtwarte sind bei der Ausübung ihres Amtes normalerweise nicht ästhetik- sondern vorwiegend faktengetrieben. Aber für den emotionalen Blickwinkel gibt es ja die rosagold-beseelten Züchter. Die Zwerge lassen die Fleisch- und Nabelschau nahezu unbeteiligt über sich
Jasna kontrolliert die Eintragungenergehen, haben offenbar keine größeren Einwände, dass auch mal jemand, anders als wir oder die aufdringlichen Kaufaspiranten, an ihnen herumfummelt und lassen sich sogar lammfromm ins neuerstandene Waffenarsenal blicken. Sind sie nicht zauberhaft schlicht, diese Mäuschen? Können kein Wässerchen trüben, nur unsere Küche können sie mit ihren Wässerchen trüben, aber den Schoß einer Zuchtwartin nass zu trüben, auf die Idee kommen sie nie und nimmer. Möglicherweise haben diese Überlebenskünstler schon nach vier Wochen das Credo aller Duckmäuser verinnerlicht: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Daran ist vor allem im Fall unserer Zuchtwartin Annemarie nicht zu zweifeln, einen ordentlichen Knuff und Kniff hätte sie trotzdem verdient und vertragen. So endet dieses Treffen in einer dem Chronisten wesensfremden Harmonie, nicht zuletzt, weil Attacken und Widersetzlichkeiten Schreib- und Lesestoff liefern, Zuträglichkeiten aber nicht einmal fürs literarische Niveau der Apotheken-Umschau reichen. Mal sehen, ob wir die Knirpse vor der Endabnahme ein wenig scharfmachen…
Weil sie so artig waren, belohnen wir die Knirpse abends mit einem Pfund püriertem Hühnchen mit Kartoffelflocken, was sie wie das gewohnte Kopffleisch abräumen, ohne uns einen Dank für die neue Geschmacksnote auszusprechen; nicht gemault ist bekanntlich gelobt genug. Aber der Speiseplan ist um eine Variante erweitert, und darauf kommt es an.
Dann verabschiedet sich der Tag wieder mit heftigen Gewittern und schwerem Hagel, die sich allerdings abermals nur bis an die Außengrenzen von Vagen wagen. Derzeit ist Vagen das kleine keltische Dorf mit zwei Druiden, die Hagelfliegix und Magihagelix heißen.
Mittwoch, 23. Juni 2021
Der Morgen trägt noch viele nachgewittrige Wolken, kann sich aber von seinem dampfig schweren Erbe nicht freimachen. Es will einfach nicht luftiger werden, allen nächtlichen Gewalttaten zum Trotz; um 5:30 Uhr messen wir noch immer 18 °C.
Dann tun wir eben im Schweiß unseres Angesichts das, was getan werden muss und den Namen Putzen und Wiegen trägt, wobei vor allem das Erste die Luftfeuchte weiter hochtreibt. Also wird erst gewogen, dann geputzt und den Rest regeln die Flegel.
Bevor wir das Kalorienprotokoll veröffentlichen, versichern wir hier und an Eides Statt, dass wir uns gestern nicht im Regal vergriffen und eine größere Portion Schweinshaxen verfüttert haben. Mangfalltaler Hühner haben aber einen ähnlichen Nährwert. Das muss vorab gesagt werden, denn das heutige Ergebnis gibt Anlass, unsere Futteraussagen in Zweifel zu ziehen.
J
Jazzazz 3070 (+310, damit knackt sie die Drei-Kilo-Marke), Joschi 2880 (+190), Jackl 2860 (+240), Janitschek 2770 (+130), Judica 2520 (+280), Jasna 2450 (+290), Jeannie 2370 (+130) und Jule 2030 (+110). Da ist in der Reihenfolge doch einiges in Bewegung gekommen. Falls jetzt gerade kein Handy oder Taschenrechner bereitliegen sollte, übernehmen wir gerne die Rechnung und verlautbaren einen Tagesgewinn von 1680 g und ein Durchschnittsgewicht von 2618,75 g.
An Tagen wie diesen, von denen man nicht weiß, ob man sie ins schwarze oder goldene Buch eintragen soll, muss man sich Bedenkzeit gönnen, am besten mit putzen. Das schwarze Buch käme etwa in Betracht, wenn man das Jahr 2016 heranzöge, an dessen 23. Juni 51,9 % der Briten meinten, dem alten Europa den Rücken kehren zu müssen, um ein noch älteres Empire wiedererstehen zu lassen. Einen kleinen Eintrag ins goldene Buch verdient eventuell der 23. Juni 1966, an dem die Beatles zu ihrer ersten Deutschlandtour starteten. Wenn jemand etwas Gewichtigeres anzumelden hat…, kann sich eh kaum noch eine(r) daran erinnern, die meisten haben sich damals, in musikalisch grauer Vorzeit, noch in ihren Windeln herumgeflegelt, wie die Chefin, um sich ein paar Jahre später einreden zu lassen, dass Moden Talking etwas mit Musik zu tun hat.
Schönen Tag zusammen, ich bin der liebe JacklTempi passati! Und Schwamm drüber, Schrubber und Wasserschlauch raus: Die Terrasse ist fällig, weil diese Prinzen und Prinzessinnen keinen Respekt vor gar nichts haben und ihnen noch nicht einmal ihre und unsere Terrasse heilig ist, und deshalb möfft‘s da draußen wie in einem Pissoir auf der Wiesn.
Aber dann schwingt sich dieser Tag ohne Eigenschaften doch noch zu einem dramaturgischen Höhenflug auf, dem wir die belächelte Langeweile vorgezogen hätten. Es ist, wie so oft, ein Augenblick der Ablenkung, der die Geschicke wendet. Vor wenigen Minuten eingetroffene Besucher haben unseren Damen etwas zum Knabbern mitgebracht, was diese in einen schlitzäugigen Ruhemodus ins Gras bringt. Wir bringen derweil das Welpenfutter in den zwei Futterringen in den Garten und stellen es einige Meter von unseren Mädels ab, rufen die Kinder zur Tafel, sammeln säumige Irrläufer zusammen – und in diesem Moment nähert sich einer von denen, Janitschek, tolpatschig seiner knabbernden Oma und will sehen, was die Feines hat. Oma zieht die
Joschi tröstet JanitschekLefzen, der Enkel hat keine Ahnung, was Lefzen sind und was sie zu bedeuten haben, wenn sie die Zahnreihe für einen Moment freigeben und insistiert auf Information bezüglich der Leckerei. Wir sind beschäftigt, haben die beiden nicht im Auge, und da rappelt es: Fianna erteilt Janitschek eine Lektion in Gehorsam. Der plärrt auf und rennt mit blutender Nase davon. Irgendwie hat sie ihn grob und stumpf erwischt, ein Zahn ist jedenfalls nicht im Spiel. Jeder, zumindest alle, die schon mal Nasenbluten hatten, wissen, wie gut Nasen durchblutet sind, als sie sich oft genug erfolglos abmühten, den Blutstrom zu stoppen. Janitschek kommt in warme Arme, Mama Hedda ist mit seinem Aufschrei augenblicklich zur Stelle, weiß genau, dass das Kind nicht nur irgendwie zornig herummault, sondern tatsächlich unter die Räder gekommen ist. Janitschek wird mit einer größeren Portion Taschentücher gepflegt und getröstet, wobei das Letztere schlechter funktioniert; der Schani hat Schmerzen und ist untröstlich. Nach einigen Minuten lassen wir ihn wieder zu seinen Geschwistern, die sein Leid kaltherzig ignoriert hatten, und er versucht sich wieder einzugliedern, was aber an der immer noch träufelnden Nase scheitert. Man weiß, wie eine blutende Nase erst tropft und dann verstopft, angenehm ist das nicht. Die Zeit heilt zwar nicht alle Wunden, wie gerne behauptet wird, aber sie lässt Körper und Seele langsam wieder zueinanderfinden, und so kommt auch Jani wieder zur Ruhe. Die Oma hat dafür einen ordentlichen Anschiss bekommen, der ihr wahrscheinlich ähnlich an die Seele geht wie Janitschek seine blutende Nase; so etwas kennt sie nicht von uns. Aber das muss jetzt sein. Wir können nachvollziehen, dass sie mit der Erfahrung von dreißig Welpen weiß, was sie zu tun hat und was sie tun darf, aber für die Erziehung ihrer Kinder ist Hedda
Beinahe hätte die Piratin Jule einen Komplizen bekommenzuständig. Die kennt sich damit noch nicht so richtig aus, und deshalb entsteht ein Vakuum, in das der bedauernswerte Jani gesaugt wurde. Das passiert nicht noch einmal, deswegen die knackige Ansage an Fianna. Nun ist die Stimmung beim Blues etwa so abgründig wie die der Remainer im Gespaltenen Königreich vor fünf Jahren. Janitschek zieht sich zurück, wir lassen ihn nicht mehr aus den Augen. Mit der Zeit kommt er auch zur Ruhe und sucht seinen Frieden im Schlaf.
Den Schlaf finden wir irgendwann auch, aber Frieden haben wir mit der Situation noch lange nicht geschlossen. Gut ist nur, dass Janitschek außer einer dicken Nase keine körperlichen Schäden davongetragen hat. Was, wenn Fianna mit ihrem Zahn ein Auge getroffen hätte? Dann könnten wir heute schon ein kleines Piratenschiff zu Wasser lassen.
Donnerstag, 24. Juni 2021
Um 0:30 Uhr will Hedda zu ihren Kindern, kann aber nicht, weil wir die Türen im Erdgeschoss und im ersten Stock geschlossen halten. Sie besteht darauf und ist lästig, vielleicht muss sie ja mal nach ihrem malträtierten Jani sehen. Die Chefin erbarmt sich und steigt mit ihr in die Niederungen des Blues. Dort werden sie freudig begrüßt, und Hedda legt sich zu ihren Kindern. Acht fette Fellmaden rangeln sich um fast versiegte Zapfstellen. Wozu das? Das Ergebnis ist vorhersehbar: Die Mutter bricht die Übung schnell wieder ab und die Plagen plärren. Ende des Zwischenspiels.
4:00 Uhr: Die Kinder verlangen nach ihrer Mutter und machen ein solches Spektakel, dass wir sie sogar im Dachstudio nicht überhören würden. Die Mutter überhört, die Oma gibt vor, nichts mehr zu hören und dem Personal vergeht das Hören und Sehen so sehr, dass es nach einigem Hin- und Herwälzen und erfolglosen Fluchtversuchen unter die Decke die Nacht für beendet erklärt.
Willkommen neuer Tag, welcher der Geburtstag von Johannes, dem Täufer sein soll. Prima: Vom mitternächtlichen Regen in die morgendliche Traufe und jetzt auch noch getauft. Komme es, wie es wolle, wir sind längst mit vielen Wassern gewaschen. Doch aufgemerkt: Der Name des Täufers beginnt mit einem J, könnte also auch mehrfach unter unseren Schutzbefohlenen vergeben werden, etwa Johannes, der Erste, Johannes, der Zweite, Johanna, die Erste, und so weiter. Und welchen Vorteil hätten wir davon? Nun, jener Täufer, namens Johannes, wurde auf Bitten einer gewissen Salome, Tochter des Herodes Antipas, seines Hauptes entledigt und als Belohnung für einen sehr fragwürdigen Tanz jener Stangentänzerin Salome auf einem Silbertablett serviert. Ob sie ihn mit Blattgold überziehen ließ oder wie einen Schweinskopf verspeiste oder einfach nur entsorgen ließ, ist nicht überliefert. In uns aber reift nach dieser Nacht der Wunsch, uns acht kleine Johanna- und Johannesköpfe servieren und wie Jagdtrophäen an die Wand nageln zu lassen. Was ein Glück, dass von denen da keine(r) Johann* heißt. Gerade nochmal davon gekommen.
Lassen wir sie am Leben und zur Waage. Ist doch egal, wodurch man sein seelisches Gleichgewicht wiederfindet und sein Schlafdefizit abarbeitet.
Jule chilltJazz 3160 (+90), Jackl 3030 (+170, Sechspfünder), Joschi 3020 (+140, Sechspfünder), Janitschek 2800 (+30, ihm ist gestern Abend mutmaßlich der Appetit vergangen), Judica 2620 (+100), Jeannie 2540 (+170), Jasna 2530 (+80) und Jule 2210 (+180), ergibt einen Fett- und Muskelzuwachs von 960 g bei einem Durchschnittsgewicht von 2738,75 g.
Die Donnerstage sind die Komplextage im Leben des Blues, weil die Chefin fast zwölf Stunden außer Haus ist und der Assi den 32-beinigen Tatzelwurm allein an der Backe hat. Das geht natürlich, aber darüber hinaus geht nichts; ein eventuell vorhandenes Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) sollte an solchen Tagen unter Kontrolle sein. Wenn das Wetter, wie heute: Sonne, Wind und Wolken, keinen Schabernack treibt, läuft der
JeannieLaden fast von allein: Die Kinder tummeln sich im Paradies oder schlafen, schauen, wenn der Transit geöffnet ist, einmal in der Guten Stube vorbei, fordern ihre regelmäßigen Mahlzeiten ein und belasten das Zeitkontingent des Wachhabenden vorwiegend dadurch, dass sie ihn mit ihren Aktivitäten an die Kamera zwingen, anstatt allfällige Arbeiten, wie etwa diese Chronik, abzuarbeiten. Es gibt schlimmere Schicksale.
Dass heute die ganze Aufmerksamkeit des Assis dem unglücklichen Janitschek gehört, versteht sich von selbst. So richtig ist er noch nicht in der Mitte des Zwergenlebens und auch seiner eigenen angekommen, noch ist er auf der Suche nach seinem seelischen Gleichgewicht, scheint aber auf einem vielversprechenden Weg zu sein. Sein entscheidender Show-Stopper
Jani macht noch immer auf dicke Naseist wohl seine Nase, die von Fiannas Stüber eine Form zwischen Airdale Terrier und Seeelefant angenommen hat. Zudem hat er von den dicken Backen nur noch Augenschlitze. Statt auf dicke Hose zu machen, was sowieso nicht seine Paradedisziplin ist, macht er heute auf dicke Nase. Von dieser Verunstaltung seines sonst so wohlgeschnittenen Antlitzes abgesehen, geht er mit dieser Nase klugerweise allen Rempeleien aus dem Weg, denn die scheint noch ziemlich empfindlich zu sein. Dumm ist er nicht, der Schani, aber dadurch macht er den Eindruck, als ob er ein wenig dasig oder damisch wäre. Wie es aussieht, ist er aber nur ein sehr weiser Naseweis. Immerhin: Am Appetit mangelt es ihm nicht, aber er hält sich auch in dieser Situation ein wenig zurück, sodass wir für morgen keinen Gewichtshöhenflug von Jani erwarten.
Leckfinderin JasnaUnd noch jemand lässt kein Nachlassen der Aufmerksamkeit zu. Es ist das Amazonenpärchen Jazz und Jasna, denen Insiderkreise inzwischen jede Kleinteufelei zutrauen. Die beiden sind, wenn sie nicht schlafen, unermüdlich im Garten unterwegs, lassen kein Fitzelchen ihres Paradieses ununtersucht, drehen quasi sprichwörtlich jeden Stein und jedes Blatt um, graben Löcher, wo es der Boden zulässt, erzupfen sich die gesamte Flora Blättchen für Blatt, sind überall und nirgends, wobei besonders im letzteren Fall beim Assi die Alarmglocken schrillen, man kann ja nie sicher sein, dass wir das Paradies ausbruchsicher gestaltet haben, wovon wir zwar überzeugt sind, uns jedoch lieber nicht von den Leckfindern eines Schlechteren belehren lassen wollen. Bisher haben sie kein Leck entdeckt, aber passieren
Jazz auf Erkundungstourkann das jetzt, genau in diesem Augenblick, da der Chronist klammheimlich triumphiert und seinen Triumph notiert.
Wie sehr die Jays immer mehr mit ihrer Umwelt verwachsen, vor allem, indem sie wirklich ständig Neues zu- und einzuordnen versuchen, zeigt Jasna, die auf der Terrasse sitzt, während ihre Geschwister chillen, als sich im Nachbargarten etwas tut, was in unserem ausgeschlossen ist: Die Oma schaukelt ihren Enkel in einer Hängeschaukel, was Fianna nie in den Sinn käme, und plaudert mit ihm, der Enkel jauchzt auf, die Oma sagt nette Worte, so, wie das halt läuft, wenn Oma und Enkel miteinander spielen – und Jasna sitzt und peilt die Richtung, kann nicht sehen, woher das kommt, weil wir zu viel Grünzeug dazwischen gepflanzt haben, dreht den Kopf und ist ganz Ohr – und knüpft einen neuen Knoten in ihr neuronales Netzwerk. Sie weiß noch immer nicht, was sich dort drüben abspielt, aber sie hat ein weiteres Erfahrungsmuster abgespeichert, das irgendwann genutzt werden wird.
I
Judica mimmt auch Fingern einer Sache haben sie schon so viele Verknüpfungen angelegt, dass das dazugehörige Verhaltensmuster, wie bereits mehrmals angesprochen, schon in die Nähe der Meisterschaft reicht: Die Biester haben es nun wirklich massiv auf unsere Zehen und Fersen abgesehen. Was bislang nur ein zärtliches Kneifen war, wird nun ein Zugriff. Und inzwischen macht es auch keinen Sinn mehr, Haupt- und Nebendarsteller auszuweisen; wenn dir fünf Zahnwale an der Hacke hängen, willst du gar nicht mehr wissen, wie sie heißen. Von wegen: Sie sind sooo süüüß!
Um 18:30 Uhr ist der Arbeitstag der Chefin endlich Vergangenheit, und sie lässt es sich nicht nehmen, mit Fianna und Hedda einen erholsamen Abendspaziergang zu machen. Der nimmt dann eine unerwartete Wendung, will es plötzlich wie aus Eimern schüttet und die drei pitschepatschenass zuhause ankommen. Vielleicht hatte Bob Dylan ein ähnliches Erlebnis, als ihm Rainy Day Women einfiel. Oder auch nicht, egal. Während sich die Chefin aus ihren nassen Klamotten windet und der Assi im Vorraum die Mädels frottiert, steht plötzlich Jasna zwischen ihnen und tut, als ob das die natürlichste Sache der Welt sei. Hat sie jetzt einen Höhenflug und fühlt sich dem Nazarener ebenbürtig, der ja einst zu Protokoll gab: „Wo zwei oder drei von euch versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“? Wir finden diese Anmaßung nur begrenzt lustig und wollen auch gar nicht abwarten, ob sie demnächst versuchen wird, übers Wasser zu gehen. Wir bringen sie zurück, wohin sie gehört und stellen fest, dass der Anschluss des Flurgitters an die Wand nur lausig sicher ist. Also schieben wir es prophylaktisch wieder zu, setzen die Ausbrecherin zurück und die Behandlung der Wet-T-Shirt-Ladies im Vorraum fort. Und schon ist sie wieder da, die mit dem gelben Kainsmal zwischen den Schulterblättern, triumphierend und mit Ohrfeigengesicht. Zefix, die will es wirklich wissen! Doch diesmal hat sie auch noch ihre Geschwister eingeladen, ihrem Ausbruch das nötige Publikum zu stellen. Jetzt wissen alle Bescheid! Der Assi holt aus dem Keller einen granitenen Pflasterstein und legt ihn vor das Gitter, damit die Komödie ein Ende hat. Und schon macht sich Janitschek an die Arbeit, dem Beispiel seiner Schwester zu folgen. Doch er scheitert; der Stein hält stand. Oh, wie süüüß, diese Bande…
Zur Strafe bekommen sie am frühen Abend gleich noch den ersten Teil der zweiten Entwurmungsrunde mit Panacur. Aber das ist für die immer noch keine Strafe; sie schlucken es runter und machen sich wieder auf zu neuen Taten. Komische Gesellschaft.
Zum Schluss gibt es eine ordentliche Portion Kopffleisch mit Kartoffelbrei und Karottensuppe, und dann haben wir genug von diese Tag, der Assi, weil er heute keine Welpen mehr sehen kann und die Chefin, weil sie den üblichen Thursday Overload Blues hat.
Freitag, 25. Juni 2021
Um 2 Uhr treibt Hedda Psychoterror im Schlafzimmer, macht Spektakel, jumst und summst, weil sie zu ihren Kindern will. Das schlafdurstige und schlaftrunkene Personal macht die Rechnung, welche Reaktion auf schnellstem Weg wieder in den Schlaf führt; die Chefin kommt zu dem Schluss: Nachgeben und mitgehen. Also taumeln Hedda und die Chefin ins Erdgeschoss und finden ein Ausbrecherquartett fröhlich flitzend und unseren Eingangsbereich inspizierend. Ist halt doch ein gutes Mädchen, unsere Hedda, der schnell klar war, dass da unten irgendetwas schwer aus dem Ruder läuft. Diejenigen, die da aus dem Ruder gelaufen sind, sind keine guten Mädchen und kommen auch bestimmt nicht in den Himmel: Jazz, Jasna (natürlich die beiden), Judica und Jeannie. Hedda nimmt sich die vier buchstäblich zur Brust, lädt auch die anderen zum Nachtgelage, und dann ist wieder Frieden, wenigstens was die Kinder angeht; wir finden ihn mehr schlecht als recht, weil unsere Sperre immer noch nicht ausbruchssicher, der Pflasterstein offenbar nicht schwer genug ist. Bis kurz vor 6 Uhr kehrt dann Ruhe ein, ein Ohr immer in Bereitschaft.
Eine Wasserflasche soll's richtenWährend die Chefin morgens ihren First Level Support in der Küche verrichtet, bricht die Viererbande wieder aus. Und jetzt wird auch klar, wie durchtrieben diese Hosenscheißer schon sind. Zu viert, mehr über- als neben- oder hintereinander drängen sie in die Nahtstelle zwischen Gitter und Wand, quetschen dann die Schultern dazwischen und bringen auf diese Weise den Stein in Bewegung. Dabei sind wir so stolz auf unsere Ideale wie „Gemeinsam sind wir stark“ oder „Einer für alle, alle für einen“. Dieser Kraftakt gehört eher in die Kategorie „Marmor, Stein und Eisen bricht unter unserem Kampfgewicht“. Wir ersetzen den kampfschwachen Stein durch eine schwerere Flasche mit destilliertem Wasser – jedenfalls, bis uns etwas Besseres einfällt. Vorschläge, wie Löcher in die Wand zu bohren und das Gitter daran zu befestigen, lehnen wir kategorisch ab!
Vormittags hat die Chefin einen Arzttermin. Im Feldlager ist alles ruhig. Auch das Weiberquartett schläft. Wie er so drüber nachdenkt, hätte der Chronist jetzt beinahe Triumvirat geschrieben, was gleich doppelt falsch gewesen wäre, weil Trium für drei steht und Virat für Männer. Wie würde man denn ein solches Geschwader aus vier Frauen nennen? Jetzt alle bitte Notizbuch hervorholen und aufschreiben (man weiß nie, wofür es noch gut sein kann): Quattuormulierat! Damit es geläufiger über die Lippen geht, könnten wir uns eventuell auch auf Quattromulierat einigen. Also: Auch die Quattromulis ruhen, was den Assi auf den Gedanken bringt, schnell in die Dusche zu springen; die Gelegenheit ist günstig. Doch kaum hat er sich nassgemacht, dringen von unten schon wieder Töne nach oben, die alles signalisieren, nur keine fröhliche Kinderschar: Dort ist etwas im Gange! Und zwar nichts Gutes. Raus aus der Dusche, rein in die Unterbüx und runter. Hedda steht mit drei Fragezeichen über ihrem besorgten Mutterhaupt und starrt die Kellertreppe hinunter, und als der Assi ihrem Blick folgt, erstarrt auch er. Was er vor sich hat, ist fast so geschichtsträchtig wie der Prager Fenstersturz aus dem Jahre 1618, nur handelt es sich hier um den Vagener Kellersturz. Jazz wimmert zusammengekauert kurz vor dem Treppenabsatz im Keller, die mutige Jazz, auf das Format eines Tröpfleins Spucke eingedampft. Direkt auf der Stufe unter dem Treppenabsatz jammert Jackl, der Bürgermeister und fast ganz unten im Keller zittert Jasna wie Espenlaub und winselt. Lecko! Jazz und Jackl scheinen außer einem kräftigen Dämpfer unbeschadet davongekommen zu sein, aber Jasna hat irgendetwas abgekriegt. Der erste und schrecklichste Gedanke ist, dass sie vom Erdgeschoss durch den Geländerspalt direkt nach unten gestürzt ist. Dagegen spricht, dass dort unten einige große Kartons lagern, die als Spielkartons für die Kinder dort vorgehalten werden, und dass sie in sie hätte stürzen müssen. Dann wäre es aber sehr unwahrscheinlich, dass sie auf einer Treppe gelandet wäre. Sie muss also irgendwie von oben bis fast nach ganz unten gekugelt sein. Für Häme über die Strafe für die ewige Ausbrecherei ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Jasna muss eine orthopädische Generalinspektion über sich ergehen lassen, alle vier Beinchen werden von ganz oben bis ganz unten durchgeknetet, gedehnt, verdreht, verknotet, massiert, geknickt und abgewinkelt, aber sie zeigt nirgendwo Schmerzreaktionen, ist nur völlig verschüchtert. Als sie wieder auf bekanntem Gelände in der Küche abgesetzt wird, trägt sie ihr Schwänzchen am Bauch und hinkt vorne links. Aber auch weitere Inspektionen kommen zu keinem anderen Ergebnis: Sie scheint grundsätzlich in Ordnung, allerdings in einer ungewissen Unordnung zu sein. Abwarten und beobachten.
In Stresssituation feuern die Synapsen besonders
Die Deckenstütze ist die Lösungeifrig und erfolgreich, weil ein Überleben sonst zur Lotterie würde, und so hat der Assi in Folge dieses Schocks endlich die Idee, wie die Sicherheitslücke im Flur versiegelt werden kann (ohne Löcher in die Wand zu bohren!). Vom Umbau vor vielen Jahren stehen im Keller noch zwei Deckenstützen untätig herum: Die müssen nun ran. Eigentlich müsste sogar eine reichen, also raus aus dem Keller, direkt an der Wand vor dem Welpengitter aufgespannt und eingespannt – und nichts kann mehr verschoben werden. Diese Position ist jetzt definitiv sicher (totsicher wäre unter den aktuellen Umständen der falsche Begriff).
Dafür hat es erst ein solches Malheur gebraucht, um auf die einfachste und wirksamste Idee zu kommen. Jasna bekommt gegen ihre Zerrungdehnungquetschung (?) mehrmals am Tag etwas Arnika, hinkt zwar weiter, gesellt sich aber wieder zu ihren Geschwistern, wenn auch sehr reserviert und auf Abstand bedacht. Die Lust an der großen Bühne ist ihr heute vergangen. Dass manche Feuerköpfe immer erst einen ganzen Löschzug brauchen, bis sie sich runterkühlen… Wohl ist uns heute nicht mehr, so etwas hängt in den Kleidern wie der Kaugummi am Schuh. Aber Jasna hat keinen bleibenden Schaden, so viel scheint schon sicher. Trotzdem!
Um diese Tag wenigstens einen kleinen freudigen Touch zu verleihen, bauen wir unser kleines Zirkuszelt auf, das seit Generationen der Blickfang im Paradies, sonst aber völlig nutzlos ist, weil es nur sich selbst genügt, kaum Besuch empfangen darf, höchstens einen, der in ihm unter Ausschluss der Öffentlichkeit sein Geschäft verrichten möchte. Aber es gehört eben dazu und bringt Farbe ins Stillleben.
Ein weiteres,
Janitschek mit Onkel Iltschiwenn auch bedeutend erfreuliches Highlight des Tages ist der Besuch von Heddas Halbbruder Iltschi aus dem Unterallgäu. Der hat sofort viel Freude an seinen neuen Halbneffen und -nichten, zeigt keinerlei Distanzbedürfnis zu ihnen, wie es erwachsene Rüden häufig haben, sondern tobt mit ihnen in gebotenem Rahmen herum und lässt sich als willkommenes Spielgerät instrumentalisieren. Das macht auch Hedda viel Freude, weil er ihr die Plagen ein wenig abnimmt.
Nachmittags setzen wir erstmal kleine Futterstückchen von Platinum-Puppy ein, um die Schar aus dem Garten in die Küche zu locken. Der grundsätzliche Nutzen dieser Methode ist der, dass die Zwerge dann mit dem Futter beschäftigt sind und den Transit freigeben, sodass wir die Terrassentür schließen können. Ohne Futtereinsatz flitzen immer einige hin und her wie der berühmte Sack Flöhe, und wenn man eine drin hat, ist der andere schon wieder draußen. Deshalb das „Hühnerfutter“, wie wir das nennen. Auf den Matze-Matze-Matze-Ruf stürmen alle ins Haus und in die Küche und sind beschäftigt. Das funktioniert natürlich heute noch nicht richtig, weil sie das Programm und Futterbröckchen noch nicht kennen. Deswegen müssen wir ihnen erst einmal die Nasen ein wenig draufstoßen, damit sie merken, was da auf sie wartet, aber dann sind sie echte Schnellspanner und nicht mehr abzulenken. So solls sein. Außerdem sind sie heut noch ausgiebig mit Kauen beschäftigt, was sie bisher auch nicht mussten, denn bislang war alles, was sie bekommen haben weich und breiig. Keine Frage: Der Ernst des Lebens schreitet von Tag zu Tag entschiedener auf sie zu.
Wenn wir schon gerade bei Ernährungsthemen sind, bietet es sich an, dass wir uns kurz mit deren heutigen Folgen auseinandersetzen:
Joschi, der HerzensbrecherJazz 3270 (+110), Jackl 3170 (+140), Joschi 3150 (+130), Janitschek 2860 (+60), Judica 2750 (+130), Jeannie 2650 (+110), Jasna 2620 (+90) und Jule 2250 (+40). Nach dem Top-Ergebnis mit 1680 g plus vorgestern und den 960 g gestern, reduzieren die Jays weiter und begnügen sich mit 810 g. Das Durchschnittsgewicht liegt heute bei 2840 g. Die Enthaltsamkeit kann natürlich von der gestern verabreichten ersten Portion der zweiten Entwurmung herrühren, deren zweiten Teil wir gleich anschließen. Morgen werden wir sehen, was die Waage dazu sagt.
Und zu guter Letzt bauen wir abends die Schlummerkiste ab. Bei vielen Züchtern bleibt sie bis zum letzten Tag stehen, bei uns nicht. Die Kinder sind de facto ausgezogen, treiben sich im Garten oder in der Küche und dem Transit herum, und nachts ist die Box verwaist. Sie fristet nur noch ein trauriges Dasein als Toilette, weil es sich in ihr so kuschelig verrichten lässt. Fehlen nur noch ein paar Magazine zum Zeitvertreib. Außerdem fließt immer wieder Urin unter die Box, den man bei den täglichen Reinigungen nicht rauskriegt. Also: weg damit. Anschließend stellen wir die Standardmöblierung wieder her und können uns in der Küche wieder bewegen. Jetzt ist auch der Pissgeruch aus der Bude, der sich unter der Kiste entwickelt hat; frische Luft für Mensch und Hund.
Damit lässt es sich mit freiem Kopf in eine klare Nacht gehen. Jasna hinkt zwar immer noch, aber sonst ist sie wieder fröhlich. Ob ihr der Sinn weiterhin nach Extratouren steht, verrät sie uns nicht.
Samstag, 26. Juni 2021
Dieser Samstag wird ein schöner Sommertag mit nichts als Warmluftdusche und Freilandtummeln. Natürlich gönnen wir dieses Glück nicht nur uns und unseren Welpen, sondern auch einer Reihe von Besuchern, die sich naturgemäß an Wochenenden in größerer Zahl als unter der Woche auf den Weg ins Mangfalltal machen. Und so ist dieser Samstag ein turbulenter mit viel Kinderbespaßung. Damit die nicht trotzdem nur auf Schößen herumhängen und sich langweilen, liefern wir ihnen noch ein bisschen neues Equipment, das ihre Neugier und ihren Eifer beflügeln soll.
Allzu viel, das klingt schon an, ist über diesen Samstag
Jackl und Janitscheknicht zu berichten. Interessant könnte sein, dass wir ab heute den Magerquark in der Welpenmilch durch körnigen Frischkäse ersetzen, weil die Knirpse nun mit der bröckeligen Konsistenz gut umgehen können. Und der Frischkäse ist von seinen Nährwerten noch etwas besser als der Quark. Auch die Tatsache, dass wir uns mit Quark beschäftigen, sagt alles über diesen Samstag aus.
Damit wir uns wenigstens mit etwas Handfestem beschäftigen und dabei gleich den offiziellen Teil hinter uns bringen, sehen wir uns gleich mal die Gewichte an:
Jazz 3300 (+60,) – das lässt schon ahnen, dass es auch heute nicht sehr üppig wird, Joschi 3270 (+120), Jackl 3270 (+100), Janitschek 3030 (+170 und auch über die Drei-Kilo-Marke), Judica 2840 (+90), Jeannie 2740 (+90), Jasna 2660 (+40) und Jule 2300 (+50). Wer sagt es denn: 720 g, macht im Schnitt 90 g für jede(n), ist kaum der Rede wert, aber dennoch wertvoll und ergibt ein Gesamtdurchschnittsgewicht von 2930 g.
Jasna ist
Jasna hinkt nicht mehrfast wieder die alte, obwohl sie noch immer links vorne ein wenig tickt, aber sie ist nach altem Muster immer am Ereignishorizont und lässt nichts anbrennen. Jazz und Jackl merkt man ihr Schockerlebnis längst nicht mehr an, was eigentlich schade ist, weil man dadurch wieder mit allem denkbaren Blödsinn rechnen muss, den die beiden aushecken könnten.
Dafür kommt heute Jule unter die Räder, und zwar so saublöd, wie es nicht blöder, aber immer passieren kann: Sie lungert um Hedda herum, die springt von ihr und anderen genervt auf und tritt ihr mit ihren 30 kg auf
Calico Juleden Hax – Aua! Von nun an hinkt auch Jule, und wenn ihr infolgedessen das Bein abfault, schnitzen wir ihr ein hübsches Holzbeinchen und
Jule übt für die schwere Seeverkaufen sie als erste, echte vierbeinige Piratin. Mit den berühmtesten Korsarinnen Anne Bonny oder Mary Read kann sie bestimmt mithalten, zumal die beiden kein Holzbein und vermutlich zwei Augen hatten und sich deswegen nicht mit richtigen Piraten wie Long John Silver vergleichen können. Aber die beiden machten zusammen mit Jack Rackham, auch als Calico Jack bekannt, die Karibik unsicher und hatten einen mordsmäßigen Ruf. Als Schwester des bayerischen Calico Jackls erlauben wir uns, sie zur Calico Jule ehrenhalber zu ernennen.
Nachdem wir den Zwergen den dritten Teil der zweiten Entwurmung appliziert haben, sitzen wir mit unserer Kreißsaal-Assistentin Alexandra und deren Familie bis spät in die laue Nacht auf der Terrasse und spüren die Gewissheit, dass selbst hinkende Kinder kein Grund sein müssen, den Tag nicht zu genießen und einen Toast auf die Zukunft auszubringen.
Sonntag, 27. Juni 2021
Wir gratulieren den Dauerpennern und Saumseeligen, den Schnarchnasen und Narkoleptikern unter unseren Followern zu ihrem Jubeltag: Heute ist Siebenschläfer und der soll ja bekanntlich für das Wetter der nächsten sieben Wochen verantwortlich sein: Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt. Da es uns in einem hinreichend langen Leben nicht gelungen ist, dieser Weissagung eine auch nur zweitrangige Berechtigung zu bescheinigen, führen wir diese Prophetie auf die Vermutung zurück, dass ihr Dauerpenner und Narkoleptiker einfach eingeschlafen und nach sieben Wochen zufällig beim gleichen Wetter wieder aufgewacht seid. Dazwischen schnarchschwarzer Blackout – und so entsteht eine Wetterregel. Für euch alle und jene, die euch followen, notieren wir für den heutigen Siebenschläfer ausschließlich sonniges Wetter mit gelegentlichen Wolkenschiffchen, die wie Calico Jules kleine Schaluppe über den blauen Bayernhimmel segeln. Wir sind sehr gespannt, was der Bauer von diesen Aussichten halten wird.
Jackl
Jacklist manchmal auch so eine bräsige Schlafratz. Bekanntlich hat er sich seinen Lieblingsschlafplatz in der Küche unter dem Küchenblock ausgesucht (den er sich seit einiger Zeit mit Judica teilen muss). Nach all den kalorienreiche Futtergaben widerfährt es ihm heute unversehens, dass er den Schlupf unter den Küchenblock noch gerade so hinbekommt, dann aber, nach einer ausgiebigen Schnarchrunde, seine Bürgermeisterwampe nicht mehr herausquetschen kann. Jetzt steckt er fest, der Jackl, Gefangener des eigenen Wohlstandsbauchs, in nur einer einzigen klitzekleinen Schlafrunde. Jetzt hat er gar nichts Bürgermeisterliches mehr, der Jackl, sondern nur noch etwas sehr Beklagenswertes. Jammern muss er, der stolze Jackl, und herausfummeln muss man ihn, der daraufhin maulend abzieht und möglicherweise seinen Schlafplatz für immer Judica allein überlassen muss. Bis auch die an ihren Maßen scheitern wird.
JanitschekWir nehmen die Gelegenheit wahr und widmen uns der Waage und stellen erfreut fest, dass trotz der dritten Wurmgabe das Wurmloch überwunden ist und die Stoffwechselkurve steil nach oben zeigt – außer bei Janitschek, der wieder einmal eine Runde Intervall-Fasten einlegt. Außerdem begrüßen wir heute, neben Jackl, Jazz, Janitschek und Joschi, Judica als neue Sechspfünderin.
Jazz 3650 (+320), Jackl 3520 (+250), Joschi 3460 (+190), Janitschek 3030 (0), Judica 3000 (+160), Jeannie 2990 (+250), Jasna 2790 (+130) und Jule 2450 (+150). Das ergibt eine Auflastung von 1450 g und ein Durchschnittsgewicht von 3111,25 g.
JeannieDiese Zahlen sind so schön und erfreulich, dass es wenig Gründe gibt, diesen ebenfalls schönen und sehr erfreulichen Sonntag ausgiebiger zu kommentieren; er ist einfach nur schön, ohne zusätzliche Werte.
Eine Kleinigkeit wollen wir aber dennoch kurz anfügen: Wir schließen nachts die Rollläden in der Küche, weil wir sehen wollen, ob die verlängerte morgendliche Finsternis eine positive Auswirkung auf unsere Morgenruhe hat.
Montag, 28. Juni 2021
Reden wir nicht lange drum herum: Die Rollläden nützen nichts, die Nacht ist um 4:45 Uhr zu Ende. Ein Versuch war es wert, aber er war ein Irrtum. Unsere Kinder haben eine innere Uhr und keine Rollläden vor den Lidern.
Jazz und JacklHeute neigt sich die fünfte Lebenswoche der Jays dem Ende entgegen. Vor allem das enorme Körperwachstum ist es, was sie ausmacht. Selbst wir, die wir sie täglich um uns haben, staunen immer wieder, welchen Schub die Zwerge machen. Das geht so zügig, dass der Fotograf und Tagesbildner kaum noch eine Chance hat, bei der Auswahl der Bilder mehr als einen Tag zu beschummeln. Zumindest sehr aufmerksame Betrachter könnten dann schon Zweifel anbringen. Aber auch die Spielfreude und die Auseinandersetzung mit den Gerätschaften im Welpenparcours macht jetzt enormen Sprünge.
Einen Sprung macht heute auch wieder die Gewichtsentwicklung – und Joschi, der aus dem Nichts mit einem mächtigen Satz die Tabellenführung übernimmt. Vor diesem Hintergrund ist die Sechspfündigkeit von Jasna nur eine Randnotiz.
Joschi 3780 (+320), Jazz 3750 (+100), Jackl 3610 (+90), Janitschek 3360 (+330, Fastenmodus beendet), Judica 3200 (+200), Jeannie 3110 (+120), Jasna 3010 (+220) und Jule 2620 (+170). Die gestrige Fressorgie manifestiert sich in 1550 g plus und einem neuen Durchschnittsgewicht von 3305 g.
Janitschek auf AbwegenWie wir immer wieder feststellen, dass Janitschek gelegentlich in eine Art Futter-Apnoe verfällt und dann wieder reinhaut, bis er platzt, so ergeben sich manchmal überraschende Hinweise auf mögliche Gründe dieser Achterbahnfahrt. Heute Morgen gibt Hedda ihren Kindern ein „Milchständchen“ auf der Terrasse, nur Jani kommt, aus welchen Gründen auch immer, nicht zum Zug und verarbeitet diese zügige Ausgrenzung, indem er sich zügig an Mamas Rute zu schaffen macht. Er hängt sich rein und zerrt, rüttelt und reißt, als ob er glaubte, Milch aus ihren Schwanzhaaren zuzeln zu können. Ein solches Ernährungsverhalten kann nur zu unbefriedigenden Ergebnissen führen. Eine andere Frage ist, ob er weiß, dass Mama ihm mit sieben Geschwistern am Bauch keine Watschn geben kann? Das wäre nach seiner endgültig abgeklungenen Gesichtsschwellung von erheblichem Vorteil. Gut, dass Hedda nicht nur eine lange Rute, sondern auch eine ziemlich lange Lunte hat.
Jasna, wieder topfitHeute ist wieder einmal Hähnchenaktionstag, weil unsere Vorräte langsam zur Neige gehen und gekochtes Hähnchen ein fester Bestandteil unseres Diätplans ist. Und das ist für alle Beteiligten ein Fest- und Feiertag, wie der Schlachttag für den Michel aus Lönneberga. Die Chefin kocht, der Assi zerlegt und die Chefin kocht ein. Das wäre so weit keine Erwähnung wert. Anders verhält es sich, wenn die Chefin dem zerlegenden Assi jene Knirpse ans Herz legt, oder besser: ans Bein legt, die soeben der Mittagshitze in die Küche entflohen sind und nun mit zugespitzten Nasen herumstreifen: Hier durchzieht doch etwas Fulminantes das vertraute Schlafgemach. Die Hitzerückzügler, Jackl, Jasna und Jule, werden unverzüglich – auf Anweisung der Chefin! – vom Assi mit frischem Hühnchen aus der Hand versorgt. So werden beim Bairischen Blues Welpen auf lebenslange Küchenbesetzung konditioniert. In diesem Fall sind es nur drei, die anderen verbrennen derweil in der Sonne Fett. Von der Küchenkonditionierung abgesehen, kann man verfolgen, wie sich inzwischen der Geruchssinn entwickelt hat und auch messerscharf interpretiert, dass dieser Hühnchenduft positiv einzustufen ist und verfolgt werden muss. Wir nehmen an, dass der Duft einer reifen Wassermelone nicht eine einzige Nase gen Himmel gezogen hätte.
Im Anschluss an diese Zeremonie gibt es tatsächlich frisches Hähnchen, und zwar erstmals aus der Futterbatterie mit acht Einzelnäpfen. Jetzt ist die Zeit gekommen, einmal gemeinsam im Ring und einzeln zu füttern. Die Zwerge sollen am Ring lernen, keinen Futterneid zu entwickeln, aber dennoch zu ihrem Recht zu kommen. Im Einzelnapf sollen sie Respekt vor dem Napf des anderen lernen. Wenn eine(r) übergriffig wird, was laufend passiert, greifen wir ein und stellen die alte Ordnung wieder her. Uns bieten die Einzelnäpfe auch die einzige sichere Kontrollmöglichkeit über die Rationen; wir können sehen, wenn ein Napf nicht aufgegessen wird, dann ist meist Gefahr im Verzug, wir können die Rationen besser steuern und haben die Möglichkeit, im Notfall mit dem Futter ein Medikament gezielt zu verabreichen. All das ist im Ring nicht möglich. Die Jays verhalten sich fast so unheimlich vorbildlich, wie sie die Wurmpaste akzeptierten, und kontrollieren Nachbars Napf erst, wenn der eigene (fast) geleert ist. Das kennen wir durchaus anders, etwa dass die Welpen sich ähnlich wie bei einem dieser archaisch anmutenden Rittermahle verhalten haben: alles und alle drunter und drüber, und am Ende trägt jeder einen Helm aus Cromargan.
Noch eine Beobachtung belegt die Reife der Jays am heutigen Montag. Während die Mama sich wegen der Hitze tief ins Haus verzogen hat und ihre Kinder im Schatten des Apfelbaums spielen oder dösen, kommt Jack vorbei, nein, nicht Calico Jack, sondern Franzbulli Jack aus der nächsten Nachbarschaft. Jack ist eine Französische Bulldogge und ein guter Freund unserer Mädels. Der gibt nun vor unserem Garten Laut, weil er mitteilen möchte, dass er da ist und nichts gegen ein Pläuschchen hätte. Unsere Mädels denken aber nicht daran, ihr Höhle zu verlassen, und lassen den Ruf unbeantwortet. Aber die Jays haben ihn selbstverständlich nicht überhört, können ihn aber nicht einordnen, weil sie Jack nicht kennen und außerdem wegen unseres mächtigen Hochbeets, das wie ein Hünengrab zwischen dem Paradies und der Welt liegt, nicht sehen können. Und diese Situation ist bedrohlich: Mama nicht da, Feind ante portas – und wie die Lemminge huscht der ganze C
Judicalan auf die Terrasse und schmiegt sich ans Haus. Bingo, Überlebensstrategie funktioniert auch.
Schön langsam sehen wir – ja was? Das Licht am Ende des Tunnels? Oder die Wand, auf die wir ungebremst zurasen? Diese Woche hatte mehr Aufreger im Gepäck als wir gebraucht hätten, aber wir, die Mädels und Jays haben sie gemeistert. Die nächsten Wochen werden kaum einfacher werden, denn jetzt machen sich Erreger aller Art bereit, uns in die Suppe zu spucken; es kommt die Zeit der drohenden Infekte. Darüber sprechen wir jedoch erst, wenn wir darüber sprechen müssen. Drei Wochen noch bis Buffalo…