Mittwoch, 25. Januar 2023
Die zweite Woche beginnt in der Schnullerbox wie das Wetter im Mangfalltal: ereignislos. Draußen wabert immer die gleiche trüb-träge Wolken-Nebelsuppe, die am späteren Nachmittag inkontinent wird. Inkontinent sind die Knirpse auch, aber dafür, dass kein Wasserschaden entsteht, sorgt Hedda. Träge geht es auch in der Kiste zu, aber nicht trüb. Das würde den Knirpsen nicht gerecht werden. Sie tun sicher ihr Bestes, aber das ist eben noch nicht viel. Was getan werden muss, erledigt Hedda, aber es liefert eben auch keinen Blockbuster. Immerhin sorgt es für ein kontinuierliches Gedeihen der Achterbande.
Aber auch bei denen tut sich nicht viel. Kini lässt auf seinem Weg zur Spitze jetzt auch Korbi hinter sich und sichert sich den 2. Platz. Am hinteren Ende passiert, was zu erwarten war: Selbst der zarte Krischan überholt Kathi. Lange können die Mädchen nicht mit den Kerls mithalten. Wir reden vom Volumen, nicht vom Spirit. Das werden die Krachledernen schon noch zu spüren bekommen.
In Zahlen ergibt das heute um 5:00 Uhr. Koschi 930 (+80), Kini 880 (+80), Korbi 880 (+50), Klecks 860 (+60), Kuno 840 (+60), Käptn 780 (+50), Krischan 710 (+60) und Kathi 690 (+20). In der Summe halten wir einen Zugewinn von 460 Gramm und ein Durchschnittsgewicht von 821 Gramm fest.
Filmsession in der WurfkisteDamit wir nicht in der Fotolauerstellung vor der Kiste einschlafen, ist heute wieder das Fernsehen da und nimmt die ersten bewegten Bilder von den Knirpsen. Aber was heißt schon bewegt? Am meisten ist der Kameramann in Bewegung, der die Kameras ständig umplatziert, damit wenigstens die Illusion von Action entsteht.
Dennoch, und das klingt nach einem Widerspruch, kommt immer mehr Bewegung in den Knirpsenhaufen. Nicht dass sie generell mehr täten als schlafen und trinken, aber wenn sie sich doch gelegentlich bewegen, kriechen sie immer weniger, sondern stemmen sich hoch und versuchen erste ernst zu nehmende Gehversuche. Das sieht noch etwas alkoholisiert oder gehandicapped aus, ist jedoch aller späterer Laster Anfang. Schon bald wird der Kameramann Mühe haben, den flippigen Haufen dingfest zu machen.
Donnerstag, 26. Januar 2023
Die Seele setzt Schimmelpilz an. Das graue und tieftrübe Nebelnieselwetter sorgt nun schon seit einer Woche für ein Allerheiligen-Totensonntag-Kontinuum. Andererseits ist das weniger spektakulär als der Schnee im Großraum Malaga, den uns Freunde von dort melden; der erste Schnee seit Menschengedenken. Mierda blanca…
Die Kinder gedeihen dennoch gut. Nur der Kini zaudert und ziert sich ein wenig herum. Mit zehn Gramm gerät man dabei schnell ins Hintertreffen und von Platz zwei auf Platz vier. Wir räumen ein, dass er wahrscheinlich noch an den 170 zugelegten Gramm der beiden letzten Tage zu verdauen hat und sich deshalb mit einem Gabelfrühstück auf die royale Hand beschied. Für Koschi ist das ohne Belang, weil er sich ganz vorne ohnehin nicht um die kleinlichen brüderlichen Rangeleien hinter sich kümmern will: Kini rutscht aus, Korbi und Klecks tauschen die Plätze, ganz hinten bewegt sich so viel wie auf dem Chicagoer Zentralfriedhof. Leise lächelnd erinnert er sich an den längst vergessenen Gassenhauer des legendären 1860-Torwarts Radenkovic: Bin i Koschi, bin i König, alles andre stört mich wenig...
In dürren Zahlen sehen die Gewichte heute um 5:30 Uhr folgendermaßen aus:
Koschi 990 (+60), Klecks 930 (+70), Korbi 930 (+50), Kini 890 (+10), Kuno 870 (+30), Käptn 840 (+60), Krischan 770 (+60), Kathi 750 (+60). Das ergibt einen Zuwachs von 400 Gramm und ein Durchschnittsgewicht von 871 Gramm.
Aber auch sonst ist die Kinderstube derzeit so langweilig wie die x-te Wiederholung der y-ten Folge von Mord mit Aussicht: Man kennt alles und lächelt schon vorher über die nächste Drögheit von Schäffer und die nächste Peinlichkeit der dicken Schäfferin. Was den Gesundheitszustand von Mutter und Kindern angeht, ist das eine sehr gute Nachricht, aber für die Verfolger der Knirpse ist das eine sehr schlechte, weil es eigentlich überhaupt keine gibt und der Chronist sich selbst von der Chronistenpflicht entheben könnte.
In solchen Fällen greift man als Chronist schon mal auf solche Nachrichten zurück, die an normalen Tagen im Papierkorb landen. Zeitungsmacher kennen das aus der Leidenszeit der Sommerlöcher, in dem sie jedes Jahr ein Krokodil im Badeteich aussetzen. Wir füllen den Ereignismangel mit der wenig erstaunlichen Mitteilung, dass die ersten Knirpse ihr Geburtsgewicht schon fast verdoppelt haben, was sich zwangsläufig am verfügbaren Bauchraum ihrer Mutter bemerkbar macht. Aus diesem Grund speist man schon häufiger umschichtig, was dem Beobachter ein etwas unklares Bild über die Barpräsenz der Knirpse vermittelt.
Hedda selbst bekommt weiterhin das bekannte Menüangebot, muss aber bald herabgesetzt werden. Sie steht sehr gut im Futter, keinesfalls üppig, nur für diesen Zeitpunkt erstaunlich gut genährt. Ihre Vorgängerinnen waren nach einer Woche Zitzenservice dürr wie ein Stockfisch und mussten fast gestopft werden, damit sie bei Milch und Laune bleiben.
Unter Mamas Pflege gedeiht der kleine KäptnUnd doch öffnet sich ein Fenster, das einen zweifelhaften Ausblick in die nächsten sieben Wochen gewährt: es stinkt. Die kleinen Kacker beginnen nun selbstständig, ihre Därmchen zu entleeren, was bisher Mama erledigte und in ihrem Schlund entsorgte. Nun muss das Pflegepersonal schon genau hinsehen, wo es sich bei Bedarf abstützen kann, wenn es in der Schnullerbox herumhantiert. Und so ein dünnes Darmbreichen verströmt einen überproportional markigen Duft. Der pflegeverpflichtete Assi könnte diese Aussicht als Blick auf den Weltuntergang auslegen. Doch er entscheidet sich für die in ihr steckende frohe Botschaft: Es riecht aus den Aborten, es wird Frühling allerorten.
Freitag, 27. Januar 2023
Die Kinder explodieren. Noch nie hatten wir am 9. Lebenstag solche Zahlen, weder um 8 Uhr und auch nicht um 4:45 Uhr. Aber sehet selbst, was uns die himmlische Molkerei beschert:
KoschiKoschi gibt Gas, um keine Begehrlichkeiten auf seinen Thron aufkommen zu lassen, weder vom Kini noch von anderen Möchtegern-Spitzenkräften. 120 Gramm (!) packt er drauf und meldet 1110 Gramm. Ihm fehlen jetzt noch 10 Gramm zur Verdoppelung seines Geburtsgewichts. Das bedeutet, dass er diese Hürde morgen überspringen wird, was ein Novum in der Geschichte des Bairischen Blues wäre. Zwar wird in der Literatur häufig der zehnte Lebenstag als derjenige genannt, an dem die ersten Verdoppelungen zu erwarten sind. Wir haben das nie geschafft. Entweder waren die Kinder zu dicke Klöpse, deren Verdoppelung für die Mutter kaum zu schaffen ist oder die Mutter hatte zwischenzeitlich ein Problem (Mastitis, Fieber, etc.), was ein entscheidender Show-Stopper ist. Koschi wird morgen also ein neues Kapitel in den Annalen des Blues schreiben.
Auch Klecks, der zweite, lässt sich mit 90 Gramm nicht lumpen und kommt auf 1020.
Korbi, der Drittgeborene und derzeit Drittplatzierte hat mit mäßigen 70 Gramm auch nicht mehr verdient als diesen Platz und ein vollzogenes Kilo (1000 g).
An Kuno nagte anscheinend sein gestriger Absturz in die seichten Gewässer und er erarbeitet sich ebenfalls 120 Gramm, was ihn zumindest an Kini vorbeiführt (990).
KiniKini legt seine vornehme Zurückhaltung ab, frisst sich 100 Gramm auf die royalen Hüften und schafft ebenfalls 990 Gramm, was ihn jedoch wegen des geringeren Zuwachses hinter Kuno einparken lässt. Der Käptn bleibt auf beharrlichem, aber stetem Kurs: 70 Gramm mehr und 910 Gramm auf der Waage.
Krischan tut ebenfalls, was er kann, und das sind 80 Gramm mehr und gesamte 850 Gramm.
Kathi zuzelt sich tapfer durchs meist belegte Zitzenlabyrinth und darf unter diesen erschwerten Umständen richtig stolz auf ihre 60 Gramm sein (810).
Die gesamte Achterbande hat somit seit gestern 710 Gramm zugenommen, Hedda eineinhalb Liter Milch abgetrotzt und sich einen Durchschnitt von 960 Gramm erarbeitet.
Nach dieser Milchschwemme ist Hedda heute etwas zurückhaltend mit der Barbereitschaft, aber die Knirpse fordern sie auch nicht viel und scheinen noch satt zu sein.
Aber der heutige Tag endet nicht wie gewohnt in familienglücklicher Zwölfsamkeit, sondern mit einem Elferrat: Die Zuchtmeisterin reist heute nach der Schule nach Frankfurt, um dort anlässlich der Züchterschulung am Wochenende aktiv zu werden. Morgen wird sie versuchen, die zuchtwilligen Novizen und Deckrüdenbesitzern in die verschlungenen Geheimnisse der Genetik bei den Hovawarten einzuweihen. Leidenschaft und Begeisterung wird sie antreiben, denn neben der Leidenschaft, ihre Hunde ganztägig nach Zecken zu durchwühlen, ist die Begeisterung für die Genetik nach vielen Jahren noch immer ungebrochen. Da mendeln aus ihrem Mund Allele und Gene und Chromosomen wie andere Leute Kalorienzahlen und Fettbrennwerte ausspucken. Und hinter dieser Leidenschaft muss alles zurückstehen, süße Kinder, ans Herz gewachsene Hündinnen und logo auch der Kummer resistente Assi.
Als der sich heute sein Bett in der Stube richtet, wo sonst die Chefin schlummert, wissen die Mädels endgültig, was es heute geschlagen hat: 12 Uhr hat’s geschlagen, und die Hex‘ ist noch nicht da. Stöööhn. Plummms.
Samstag, 28. Januar 2023
Es hat wieder ein wenig geschneit über Nacht, das kann jedoch das Diätergebnis des heutigen Morgens nicht erklären: so eine lausige Kalorienumsetzung haben die Knirpse ihrem Fürsorgepflichtigen noch nie präsentiert. Dabei stand der Blues gestern knapp vor einem historischen Moment, der ersten Geburtsgewicht-Verdoppelung nach zehn Tagen durch Koschi. Alles sprach gestern für diesen historischen Augenblick. Koschi wurde mit „zarten“ 560 Gramm geboren und es fehlten ihm nur noch mickrige 10 Gramm; so viel schafft er normalerweise durch kräftiges Einatmen.
Doch heute Morgen traut sich Koschi, 1100 Gramm abzuliefern, 10 Gramm weniger! Das sichert ihm zwar immer noch die Pole-Position im Knirpsenkral, aber auch einen Eintrag im ewigen Schwarzen Buch des Blues, dessen Inhalt normalerweise Verschlusssache sind. In diesem Fall muss der Chronist eine Ausnahme machen, auch seine Leidensfähigkeit ist endlich.
Krischan und KunoDa auch die meisten anderen nicht gerade als Leichtgewichte zur Welt kamen, was ihre Gewichtsverdoppelung erschwert, triumphiert heute Morgen der zarte Krischan: Er ist es nämlich, der heute am nächsten an seine Gewichtsverdoppelung herankommt. 470 Gramm Geburtsgewicht können so unversehens zur Steilvorlage werden.
Aber jetzt sollten wir einen eiskalten Blick auf die Statistik werfen.
Koschi 1110 (-10), Korbi 1060 (+60), Kini 1050 (+60), Klecks 1030 (+10), Kuno 1000 (+10), Käptn 970 (+60), Krischan 910 (+60), Kathi 860 (+50). So verderben karge 300 Gramm Zuwachs die doch sonst so stolze Statistik. Das Durchschnittsgewicht verfehlt die 1000er Marke ebenfalls knapp: 997,5 Gramm.
Generell war der gestrige Freitag geprägt von einer gewissen Unkonzentriertheit und Zerstreutheit bei Mutter und Kindern. Irgendwie stellte sich keine Tagesroutine ein. Doch abends kümmerte sie sich lang und liebevoll um ihre Knirpse, und auch die Nacht verbrachte sie oft in der Kiste. Aber was der Tag versäumt, kann die Nacht nicht reparieren.
Dieses Ergebnis ist bestimmt zum großen Teil auf die Abwesenheit der Zuchtmeisterin zurückzuführen. Obwohl der Assi einen ganzen Tag rührend vor der Kiste antichambrierte und die Mutter zur Fürsorge animierte, zog die eine Beobachtungsposition davor und im Eingangsbereich vor, um die Rückkehr ihrer Chefin nicht zu versäumen. Und wenn sie sich zur Speisung begab, wurde sie oft genug von der Hälfte ihrer Kinder ignoriert. Die 710 Gramm vom Vortag hatten zu den Verlustängsten Heddas auch noch ein metabolisches Nachspiel bei ihren Kindern. Was dann schnell zu einem diabolischen Ergebnis führen kann.
Kini büchst ausKurz nachdem Hedda und Fianna von ihrem Morgenspaziergang zurückgekehrt waren und auf ihr (für Hedda zweites) Frühstück warten, beweisen die Knirpse, dass ein Diättag nicht zum körperlichen oder mentalen Verfall führen muss und der Chronist den ersten Meilenstein für die Knirpse vermerken muss: Kini steigt über die Kistensperre. Die ist zehn Zentimeter hoch und trennt das Knirpsenparadies von der rauen Außenwelt. Doch Kini nimmt wahr, dass sich seine Mutter irgendwo in seiner Nähe herumdrückt und beschließt, sie aufzusuchen. Noch nicht einmal große Mühe macht es ihm, die Latte zu überqueren. Als ob er die ganze Nacht geübt hätte, stemmt er sich kurz auf die Hinterbeinchen, hängt mit dem Bauch auf der Latte und rollt geschmeidig auf der anderen Seite auf die Küchenfliesen. Keine Angst. Kini plärrt nicht, Kini knarzt nicht, er zittert noch nicht einmal. Offenbar wird ihm schnell bewusst, dass er jetzt in einer Anderwelt ist und eine Lösung braucht. Also pendelt er hin und her, findet das Sitzkissen vor der Schnullerbox, hangelt sich an ihm empor und wäre schon nach wenigen Sekunden wieder bei seinen Geschwistern gewesen, wenn er gewusst hätte, dass er sich nur über die rechte Schulter hätte rollen lassen müssen, um wieder zuhause zu sein. Aber diese Übersicht fehlte ihm noch - ohne Augenlicht und Gehör. Der Assi legt ihn unter großen Lobeshymnen (die er auch noch nicht hört) wieder zu seinen Geschwistern zurück.
Und auch Käptn ist unterwegs in der FreiheitVon denen hat offensichtlich ein anderer Wind von der Ausreißeraktion bekommen und macht sich ebenfalls auf den Weg, genauso fix, genauso geschmeidig: Käptn purzelt in die Freiheit, gerade als der König wieder in seinem Schloss war. Kein Käptn Cook, kein Käptn Hook, aber ein pfiffiger und stolzer kleiner Käptn Look.
Unser Kanzler hat eine Zeitenwende verkündet, der Bairische Blues verkündet mit dem heutigen Tag einen Zeitsprung: Nichts wird mehr sein, wie es neun Tage war. Die Knirpse streben hinaus ins Leben.
Dieser Erkenntnis trägt der Assi mit zwei Maßnahmen Rechnung. Zuerst wird die Schnullerbox durch eine Bretterwand von 30 Zentimetern von der Außenwelt getrennt und zweitens dürfen die Zwerge während der Reinigung ihrer Schlummerbude bei Mama auf einer Decke in der Küche schnullern; sie sind ja jetzt schon groß, und aus dem Aussiedlerkörbchen quellen sie sowieso heraus wie zu viele Dampfnudeln in einem zu kleinen Topf.
Kunos Blick in die WeltNachts um 1 Uhr ist die Zuchtmeisterin wieder zurück und macht aus dem Elferrat wider einen kraftvollen Zwölfzylinder. Und wie sie da so zwischen ihren Zwergen sitzt, jeden wegen seines betörenden Geruchs unter der Nase vorbeizieht, bekommt der ausgerufene Zeitensprung plötzlich ein Gesicht: Kuno, Kini, und Koschi riskieren schon ein Auge!
Was unterscheidet den Blues von Gott, dem Welterschaffer? Der Weltenmacher knipste schon gleich am ersten Tag das Licht an, vermutlich weil er sehen wollte, was er anrichtet. Der Blues findet, dass der zehnte Tag früh genug ist, um zu sehen, was sich der Herr hat einfallen lassen. Und deshalb geht bei drei Knirpsen heute das Licht an, also die Augen auf. Weil der Blues so rücksichtsvoll ist, sie nicht sofort mit der ganzen Wahrheit zu konfrontieren, sehen die Knirpse anfangs nur Licht anstatt Dunkelheit. Und nur langsam werden die Details jener Welt, in die sie geboren wurden, vor ihren Augen Gestalt annehmen. Damit müssen sie dann selbst klarkommen, im Zweifelsfall ihre Beschwerden an höherer Stelle platzieren. Wir waschen unsere Hände ein weiteres Mal in Unschuld und unsere Kehlen vor Freude mit einer ganzen Flasche Wein. Um 2 Uhr erst liegt die Chefin wieder in ihrer Notschlafanstalt und der Assi im Gemach. Anscheinend alles wie immer, aber nicht auf ewig. Und Hedda bewacht die fast verlorene Mama.
Sonntag, 29. Januar 2023
Was interessiert nach dem gestrigen Tag mehr als die Gewichte? Nichts! Dann gleich los und sehen, ob es in die Vollen geht oder wieder eine verkappte Nullnummer wird. Böse Zungen raunen, wir hätten heute extra bis 7:30 Uhr gewartet, um noch ein paar Gramm mehr auf die Waage zu zaubern. Von solchen Unterstellungen distanzieren wir uns mit aller Deutlichkeit. Also:
Koschi 1170 (+70, Gewicht verdoppelt), Kini 1110 (+60), Klecks 1100 (+70), Korbi 1070 (+10), Kuno 1060 (+60), Käptn 990 (+20), Krischan 980 (+70, Gewicht verdoppelt) und Kathi 910 (+50). Das sind in Summe 410 Gramm mehr und ein Durchschnitt von 1049 Gramm. Wir sind zufrieden.
Im Kudde schlafen ist viel cooler als in der WurfkisteDen heutigen Sonntag verbringen die Knirpse komplett im kudde’schen Außenlager. Obwohl sie das Bett verlassen können, verlaufen sie sich nicht ein einziges Mal in ihre Schnullerbox, die sie sogar mit ihren trüben Äuglein gleich nebenan sehen können, was sie auch tun. Ihr Verhalten ist im Außenlager komplett anders als in der Schnullerbox. Das Kudde ist kleiner und bietet einen gemütlichen Wulstrand auf den man den Kopf legen kann, was sie auch in kürzester Zeit erkennen und hinreichend nutzen. Die Box ist dagegen nur eine mit Bretter vernagelte Welt ohne Aussicht und so groß, dass man sich aneinander kuschelt, um nicht einsam zu sein. Im Kudde verteilen sie sich jedoch wie die Jünger am Ölberg, alle nach ihren eigenen Vorlieben. Für den Chronisten hat dieses Lager noch einen weiteren Vorteil: Er kann ungehindert von drei Seiten hineinfotografieren (die vierte grenzt an den Küchenschrank).
Krischan scheint es nicht zu stören, dass er noch keinen Durchblick hatWenn immer die Knirpse aktiv werden, greifen wir sofort zu und werfen ihnen einen tiefen Blick in Augen, und siehe da: Korbi, Klecks, Kathi und Käptn blicken auch schon milchigblau zurück. Jetzt fehlt nur noch der Herzbube Krischan.
Vielleich lassen wir den Sonntag nach den vergangenen Trauertagen mit einem Hoffnungsschimmer ausklingen, einer wie die Augensterne unserer Knirpse: Das Wetter war heute recht schön und aufgeräumt. Aber so soll es leider nicht bleiben.
Der Blick in die Welpenbox ist Meditation pur - seht selbst
Montag, 30. Januar 2023
An den Gewichten erkennen wir, dass Hedda wieder daran glaubt, nicht mehr unangemeldet verlassen zu werden. Frauchen ist wieder da und schon ist sie wieder die alte und stellt ihre Kinder nicht mehr aufs Wartegleis. Trotzdem halten sich die Gewichte immer noch in Grenzen, aber in sehr entspannten.
Um 5:30 Uhr melden Koschi 1220 (+50), Kini 1190 (+80, Gewicht verdoppelt), Korbi 1160 (+90), Klecks 1150 (+50), Kuno 1140 (+80, Gewicht verdoppelt), Krischan 1050 (+70), Käptn 1050 (+60, Gewicht verdoppelt) und Kathi 950 (+40), insgesamt 520 Gramm mit einem Durchschnitt von 1113 Gramm.
Und falls jemand nicht genau hingesehen hat, stoßen wir ihn mit der Nase auf die entscheidende Stelle in der Tabelle: Krischan hat heute erstmals, bei gleichem Gewicht aber einer größeren Zunahme, Käptn überholt und ihm den Damenvorplatz überlassen. Und weil er sich darüber so freut wie wir und sehen will, wo er denn da gelandet ist, riskiert auch er heute als Letzter ein Auge.
„Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden“ (Mt 13,11). Gegen das Letztere legen wir Einspruch ein; das kann getrost noch ein paar Jahre auf sich warten lassen, eher werden sie vorher taub, und noch vorher schwerhörig wie unsere Oma. Wobei selbstverständlich eine zeitbegrenzte Spontanerblindung durchaus gelegentlich ein Segen sein kann.
Apropos Segen: Der kommt heute heftig von oben mit Schneeregen und Sturm. Macht nichts, heute hat die Chefin Außendienst 🤣.
Dienstag, 31. Januar 2023
The winner takes it all / The loser's standing small. Dieser Text von Abba zitiert die Schlichtheit einer Welt, die sich nicht mit komplexen Abläufen belasten mag. Beim Sozialdarwinisten Herbert Spencer hieß das 1864 noch The survival oft the fittest, was das Überleben der am besten angepassten Individuen beschreiben sollte. Der Blues wird heute Morgen an beide Zitate erinnert, wobei zumindest ABBA änderungsfrei übernommen werden könnte, Spencer müsste man hin zum Survival of the fattest korrigieren. Besondere Tragik erfährt das ABBA-Zitat, wenn schon das all ziemlich small ist. Ihr ahnt es schon, es geht um das Ergebnis der gestrigen Schlacht an Heddas lauwarmem Büffet.
Schmuse-KoschiAnd the winner is: Koschi! Auf bestehende 1220 Gramm packt er, Brüder hin, Schwester her, rücksichtslos weitere 140 Gramm drauf (1360). Wie das Tagesbild vom 30. Januar belegt, hat er sich dafür schon am Abend vor der heutigen Wägung prophylaktisch bei seinem Frauchen entschuldigt. Wenn sie das gewusst hätte…
Korbi im Chill-ModusNach ihm kommt lange nichts. Schon Korbi hechelt mit weitem Abstand und 1190 Gramm (+30) hinterher. Als chinesischer Hase lernt er jetzt, dass immer, wenn er an eine Zitze kam, schon ein anderer da war. Vermutlich Koschi.
Klecks erlitt wohl das gleiche Schicksal, aber mit seinen 30 Gramm plus (1180) verdoppelt auch er nun sein Geburtsgewicht.
Auch Kuno ist ein Verlierer am mütterlichen Zapfhahn: 1170 Gramm (+30).
Völlig unter die Räder kam Kini, der sich gestern möglicherweise zu sehr mit der Außenwelt beschäftigte als sich um sein Wohlergehen zu kümmern: -30 Gramm und Rücksturz auf 1160 Gramm und von Platz zwei auf fünf.
Krischan macht sich dagegen offenbar zum Langen Marsch von ganz hinten auf: plus 70 Gramm ergeben 1120 Gramm und einen stabilisierten sechster Platz.
Käptn HookCookLook wäre dagegen besser ein Käptn Schluck, denn mit seinen kläglichen 20 Gramm bleibt er mit 1070 Gramm auf dem vorletzten Platz,
nicht mehr weit vor Kathi, die mit 70 Gramm ordentlich nachlegte und mit 1020 Gramm als Letzte ihr Geburtsgewicht verdoppeln konnte.
Insgesamt melden wir heute 360 Gramm Zuwachs und ein Durchschnittsgewicht von 1158 Gramm.
Ein Grund für das dürre Ergebnis kann sein, dass Hedda nur noch ungern in die Kiste zum Säugen geht, sondern das Kuddebett vorzieht. Dort kommen die Knilche jedoch immer wieder auf andere Gedanken und lassen sich von ihrer Neugier ablenken. Allerdings kann es auch sein, dass Hedda langsam die Molkerei versiegt, nicht komplett, aber peu à peu. Und wenn dann ein Freiherr Koschi von Nimmersatt und Skrupellos alles für sich einfüllt, sitzt der Rest der Mannschaft below the salt, also am unteren Ende der Tafel. Wir werden das verfolgen und, wenn es dabei bleibt, zufüttern.
Bei dieser Gelegenheit müssen wir unbedingt darauf hinweisen, dass trotz des schwachen Ergebnis von gestern bei keinem Knirps irgendwelche Sorgen wegen Unterversorgung aufkommen müssen. Im Gegenteil. Gerade gestern, zur Rechten und zur Linken unserer kleinen Messiasse sitzend, stellten wir fest, dass wir noch nie eine so durchgehend kompakte Zwergenschar hatten. Das gilt nicht nur für kernd’lg’futterte Anführer, sondern ebenfalls für Krischan, Käptn und Kathi. Alle stehen gut im Futter, sind kraftvoll und rundum stabil, nix als Muskeln und Samenstränge, respektive pralle Eierstöcke. Um diese Zeit hatten wir bisher fast in jedem Wurf einen oder zwei Nachzügler, denen wir gelegentliche Sonderöffnungszeiten bei Mama organisieren mussten. Und auch die sind alle veritable Hovis geworden.
Dass die Acht tatsächlich bei bester Gesundheit und voller Energie sind, muss der Assi erfahren, als er von der Bahnablieferung der Zuchtmeisterin frohgemut morgens zum Frühstück nach Hause kommt. Da toben Kini, Koschi, Kuno, Käptn, Klecks und Krischan fröhlich, wenn auch gelegentlich etwas unsicher greinend durch die Küche. Nur Kathi und Korbi liegen noch eng aneinander geschmiegt im Kuddebett. Die Zuchtmeisterin war sicher, dass wir sie wegen der paar Minuten seiner Abwesenheit nicht in die Schnullerbox sperren müssten, weil die jetzt selig schlafen würden, wenn nichts los ist. Mama und Fianna hatten wir nämlich vorsorglich in den Vorraum gesperrt, dass die ihnen keinen Unsinn beibringen. Möglicherweise hatte sie jedoch der Hunger nach dem dramatischen Diättag gestern aus ihrer Höhle getrieben, und, wenn es schon nichts zu trinken gibt, sicherheitshalber und notgedrungen mehrere Lachen in die Küche gepinkelt. Hedda und Fianna sind sofort zur Stelle, als er die Glastür öffnet, kümmern sich gemeinschaftlich um die Ausbrecher und wischen auch gleich noch den Boden.
Gestern Abend hatten wir einerseits resümiert, dass die Knirpse eigentlich für den Moment doch eher ruhige und zufrieden Kameraden sind, die selbst das immer offene Kuddebett nur selten verlassen, dann aber, so das zweite Resümee, sich unerschrocken und schon ziemlich sicher bewegen. Diesen Beweis haben sie soeben erbracht. Jetzt geht das also los! Und: Keine ruhige Minute ist von nun an für uns drin…
Zum Ende dieser Woche sammeln wir noch ein paar Pretiosen und Auffälligkeiten dieser zweiten Woche für euch alle zusammen.
KorbiFangen wir bei Korbi an. Er scheint schon eine sehr feine Nase zu haben und kommt aus der offenen Schnullerkiste, weil Fianna an ihr vorbeilungert. Das ist schon eine bemerkenswert Entwicklung. Bemerkenswerter jedoch ist Korbis jetzt schon unantastbare Stellung als rechtmäßiger Nachfahre seines Ur-Ur-Großvaters Cherom vom Brahmetal. Cherom war, dafür legen wir alle vier Hände ins Feuer, der kameraaffinste Hovi aller Zeiten. Schön wie ein Adonis war er, selbstverliebt wie Narziss, auf Ausstellungen überschüttet mit unzähligen Championswürden und den höchsten Weihen, und er war sich seiner Schönheit jederzeit bewusst.
Wie sich das in der Praxis darstellte, erfuhr der Chronist vor vielen Jahren bei einer Leistungsprüfung in Deggendorf, bei der Cherom beweisen wollte, dass Schönheit kein Ausschlusskriterium für höchste Leistung ist. Als er über die Meterhürde gesetzt hatte, um das Bringholz aufzunehmen und über die Hürde zu seinem Hundeführer zurückzubringen, entschloss sich Cherom kurzerhand, dieses doch lieber dem chronischen Fotografen jenseits des Zauns zu bringen. Er setzte sich mit dem Holz im Fang wenige Meter vor die Linse, legte den Kopf ein wenig zur Seite, stellt seine Ohren auf, so gut Hovawarte das eben können, wartete einige Kameraklacks ab und trug das Holz auf kürzestem Weg zu seinem Herrn und Meister zurück. Das Publikum konnte kaum das Wasser halten und der betrogene Hundeführer kaum an sich. Weil er aber seinen Cherom über alles verehrte und liebte, war der Zorn schon verraucht, als Cherom ihm das Holz vor die Füße legte und die vierbeinige Rampensau in den Armen seines Herrn. Cherom bekam nur einen kleinen Klaps, der Chronist dafür ein striktes Fotografierverbot bei allen zukünftigen Auftritten Cheroms.
Korbi könnte so einer werden. In jedem Wurf gibt es Welpen, die ständig vor die Kamera laufen, man hält drauf, drückt ab – und hat schon wieder denselben. Immer die gleichen Modells. Woran das liegt, haben wir noch nicht ergründen können, jedenfalls erschwert es die gerecht verteilte Auswahl der Tagesbilder erheblich. Unter den Knirpsen ist Korbi dieser Kamerakasper, schön markiert wie einst sein Urahn und von der nämlichen Kamerageilheit beseelt. Schon jetzt nach 2 Wochen.
KlecksKlecksi ist dagegen ein richtiger Spaßvogel und Gute-Laune-Knirps. Wann immer er die Gelegenheit findet, zupft er die Mama schon am Ohr und treibt mit seinen Geschwistern Schabernack.
KoschiKoschi, der Mächtige, fängt jetzt bereits an, sich immer wieder auf seine Beine hochzudrücken und in eine richtige Vorwärtsbewegung zu kommen. Allein stehen kann er schon.
KiniKini ist dagegen der Wanderer, der Rastlose, der schon alles erkundet, einer der ständig unterwegs und auf der Suche ist. Ängstlich ist er dabei keinesfalls.
Auf ihn bezogen haben wir aber auch eine traurige Nachricht: Der Kini hat seine Flügelchen auf der Brust verloren und damit die Fähigkeit, es den Höhenflügen seines Urahns nachzutun. Er, der seinerzeit als schönster aller Märchenkönige gestartet war (Tiger), ist letztlich als feister bipolarer fetter Hase im Starnberger See gelandet, kein Schwanenflügel hatte ihn getragen. Auch ihm waren die Fluggeräte abhandengekommen. Dass unser Kini jetzt schon auf seine Flügel verzichtet, lässt aus ihm kein bayerischer Märchenkönig mehr werden, sondern bestenfalls noch der Herr König aus Vagen. Dazu passt dann auch sein ambitionsloser Gewichtseinbruch.
Noch einen letzten Schwund wollen wir für die Nachwelt festhalten. Ein strammer, warmer Wind streicht übers Mangfalltal und lässt den Schnee im Sauseschritt verdampfen. Das macht das Gehen schwer, aber das Herz des Chronisten froh.
So ward aus Mittwoch bis Dienstag die zweite Woche.