Tagebuch K-Wurf

Donnerstag, 19. Januar 2023

Man weiß nicht so recht, was man davon halten soll, aber ausgerechnet heute, zur Begrüßung unserer Knirpse, schneit es. Nein: Es hat über Nacht geschneit und einen halben Zentimeter Pulverschnee geliefert. Dass man unter den Bedingungen der Erderwärmung damit selbst im Schnee erprobten Südbayern schon logistische Schwierigkeiten hat, lernt der Chronist, weil das Müllfahrzeug nicht um 7 Uhr vorfährt, sondern erst um 9 Uhr und es morgens um sieben beim Bäcker keine Zeitungen gibt. Am liebsten würde man die Knirpse in diesem lebensuntüchtigen Jammertal gleich wieder in ihre Mutter zurück stecken.

Mit oder ohne „Schneechaos“ brechen für uns nun die stressigsten Tage eines Wurfs an. Selbstverständlich muss man die gesamten acht Wochen mit Krankheiten und Verletzungen rechnen, vorrangig mit allem, womit man nie gerechnet hätte, aber diese ersten Tage haben es in sich: Mit Argusaugen wird alles beäugt, was in und um die Kiste vorgeht.

Die zentrale Frage gleich nach der Geburt ist die, ob die Hündin noch Reste im Körper hat, wie etwa Nachgeburten oder Hautfetzen. Wir beobachteten Hedda während der Geburt zwar sehr genau, aber wenn sie sich einen Welpen herauszieht und abnabelt, kann man nicht immer erkennen, ob die Nachgeburt dabei ist und ob sie verspeist wird. Es können demnach noch Plazenten in der Hündin stecken, und das führt zu Infektionen und hohem Fieber. Ebenso wichtig ist, dass die Hündin möglichst viel abblutet und damit die Geburtswege reinigt, sonst droht ebenfalls Ungemach. Also lassen wir Hedda nicht aus den Augen, messen zwei- bis dreimal täglich Fieber, welches natürlich noch nicht am ersten Tag zu erwarten ist. Spätestens, wenn die Hündin apathisch wirkt, keinen Appetit hat und die Welpen abweist, ist höchste Alarmstufe. So weit soll es nicht kommen.

IMG 6492 1 250Die Knirpse an der BarEine weitere zentrale Frage ist: Hat Hedda genug Milch. Was beim letzten Mal im Überfluss vorhanden war, kann diesmal Mangelware sein. Das Leben hält sich nicht an Businesspläne.

Heute nehmen wir zu Protokoll, dass sechs Kinder ab- und nur zwei ein wenig zugenommen haben. Das ist jedoch am Anfang noch völlig normal und kein Grund zur Sorge. Auch in der Schnullerkiste müssen sich die Dinge erst einspielen. Weniger schön ist, dass Hedda wenig Blut verliert und die Kiste unverhältnismäßig sauber ist. Immerhin ist sie gut drauf, aber wir sind nicht wirklich entspannt. Morgens um 6 Uhr messen wir bei ihr 38,2 °C, was nach einer Geburt mehr als cool ist.

In der Regel müssen Hündinnen nach der Geburt erst ihre Rolle finden und zeigen häufig schrulliges Verhalten. Hedda verweigert beispielsweise ihren Wassernapf und will zum Trinken in den Garten ans Wasserbecken. Weil das derzeit zugefroren ist, müssen wir das Eis eintreten, damit Madame drei Zungenspitzen Aqua naturale zu sich nehmen kann. Wenn sie Pipi machen muss, trötet sie ein martialisches Hupkonzert durchs Haus, dass man meint, es müsse eine ganze Badewanne entleert werden, aber dann träufeln doch nur ein paar Tröpfchen aus ihr. Auch ihr großes Geschäft, das nach der Geburt wegen des hohen Eiweißgehalts der gefressenen Nachgeburten sehr dünn und fast schwarz ist, erledigt sie nicht in ihrem heiligen Garten, sondern nötigt uns mit viel Gewese und Gedöns hinaus auf die Wiese. Und obwohl sie es höchst eilig hat, schnell wieder zu ihren Knirpsen zurückzukehren, sprengt sie uns einmal rund um die große Wiese, im Sturmschritt, aber Frauchen hat ihr eingebläut, dass die Bewegung gut für ihren Kreislauf und den allgemeinen Zustand ist. Also im Sauseschritt einmal um den Block! Die Liebe mag ja eine Himmelsmacht sein, Hormone sind es keinesfalls. Uns soll’s recht sein, wenn es nicht gerade Hunde und Katzen regnet. Irgendwie sind die frischen Mütter ständig zwischen ihren Interessen und denen ihrer Welpen hin- und hergerissen. Aber Hedda macht das wirklich sehr gut, liegt meist in der Kiste, hat die Bar geöffnet und sorgt sich um ihre Kinder. Was will man mehr.

Appetit hat sie auch. Morgens eine volle Portion Welpenmilch, später zwei volle Hände Welpenfutter, nachmittags und abends zwei volle Schüsseln Hühnchen mit Reis, und beim Abräumen des Familientischs steht sie in gewohnter Weise am Geschirrspüler und hilft beim Abräumen. Das sieht alles sehr gut aus.

Gegen die vielen kleinen Verletzungen in den Geburtswegen geben wir ihr mehrmals täglich Arnica, gegen einen denkbaren Hydrantenstuhl wegen der eiweißreichen Nachgeburten Podophyllum. Und die Gefahr einer Gebärmutterentzündung bekämpfen wir mit Metrovetsan, was wir allen unseren Hündinnen auch immer nach der Läufigkeit geben.       

1M3A9584 1 250Hedda geht es gut und ist glücklich mit ihren KnirpsenUm 16 Uhr messen wir bei Hedda 38,0 °C. Das ist ein Traum, hat aber am ersten Tag nach der Geburt noch nichts zu sagen. Wir bleiben wachsam.

Ein Wort noch zu Fianna, der Übermutter und Omaseele. Sie ist inzwischen sehr entspannt und kann es sich tatsächlich verkneifen, andauernd ihre Nase in die Schnullerbox zu stecken. Nur wenn ein Welpe einen ungewöhnlichen Quietscher tut, hebt sie den Kopf in ihrem Bett, wittert in seine Richtung – und legt sich wieder zur Ruhe. Kein Grund zur Aufregung. Wobei: Sie ist natürlich auch altersweise durchtrieben. Selbst in ihrem Kuddebett, schlafend oder scheinbar schlafend, hat sie die gesamte Gefechtslage im Blick und im Griff. Sobald die Luft rein und kein Störenfried in der Nähe ist, steht sie schon mit allen Vieren in der Box, zählt ihre Enkel und ruft sie beim Namen, ob keine ihr abhandenkamen. Dann gibt es einen grinsenden Platzverweis, nicht von Hedda, aber von uns, weil wir darauf warten können, dass sie Stück für Stück den Laden übernimmt, schließlich kann niemand Mutter so gut wie sie. Oma sein, bringen wir ihr bei, ist mindestens genauso erfüllend und wichtig. Grunzend verzieht sie sich wieder in ihr Lager. Stööööhn…

Nach der ersten Nacht, die Fianna durch die Flurtür im Erdgeschoss von den Welpen getrennt entweder beim Chronisten im Schlafgemach oder im Treppenhaus verbringen musste, sich fürs zweite entschied und dort die unzufriedene, ausgesperrte und dringend bei den Kindern benötigte Muhme gegeben hat, was der Zuchtmeisterin den Schlaf verdarb, muss sie heute Nacht beim Assi im Obergeschoss verbringen; denn dort wird ebenfalls die Flurtür zugemacht. Das beschert dem Chronisten eine unruhige Nacht, weil Fianna einfach nicht einsehen will, dass die Schnullerbude für sie derzeit Tabu ist. Nochmal:  Stööööhn und Jammer und Fiiiiep….

Für die Sterndeuter unter uns, sollten wir der Vollständigkeit halber noch festhalten, dass unser Schneewittchen mit ihren sieben Testosteronzwergen astrologische Grenzgänger sind. Offiziell sind sie Steinböcke. Die übergeben aber am 21. Januar den Staffelstab an die Wassermänner, was eher eine schwammige Zwischenexistenz zur Folge haben dürfte. Und wenn man dann versucht, sich bei den chinesischen Tierkreiszeichen Trost zu holen, wird die Sache noch schlimmer: Eigentlich sind die acht noch chinesische Tiger, aber am 21. Januar (chinesisches Neujahr) werden sie zu Hasen. Auch nicht Fisch und nicht Fleisch. Man mag es gar nicht denken und schon gar nicht aussprechen: Dieser weiblich angereicherte Zwergen-Ku-Klux-Klan ist als Tiger losgesprungen und quasi als Hase gelandet. Da sollen ihre zukünftigen Herrschaften mal sehen, was daraus zu machen ist. Wir waschen unsere Hände in Unschuld und schieben die Schuld auf Hedda, die mutwillig fünf Wochen zu früh mannstoll geworden ist. Echte Hasen wären allemal besser gewesen als hasentigernde Grenzgänger.

 

Freitag, 20. Januar 2023

Ob der Himmel trotz unserer astrologischen Grenzgänger davon ausgeht, dass er uns eine Kiste voller Tiger beschert hat? Wie sonst wäre es zu erklären, dass er ausgerechnet heute Morgen mit -6 °C aufwartet? Hat er etwa den Marketingspruch „Pack den Tiger in den Tank“ in himmlischer Selbstherrlichkeit in „Pack die Tiger in den Eisschrank“ korrigiert? Hat er etwa zu Hasen nichts Einschlägiges gefunden? Die Sache mit dem Hasen und dem Igel war ja tatsächlich kein Ruhmesblatt für den Hasen. Aber der Hase, der im Struwwelpeter den Jägersmann mit dessen Waffe erlegt, hätte doch ein kraftvolles Vorbild für diesen siebenköpfigen Testosteronhaufen abgegeben. Kathi hätte, um im Rollenbild zu bleiben, immerhin die entsetzte Jägersfrau trösten können. Da ruft man immer voller Verzweiflung „Oh Herr schmeiß‘ Hirn vom Himmel“ und was macht der? Er schmeißt mit Schnee um sich.         

Um 5 Uhr morgens trägt wenigstens Heddas Temperatur zum allgemeinen Wohlbefinden bei: 38,6 °C. Um 14:30 Uhr ist ihre Temperatur weiter auf 38,3 °C gesunken. So soll das sein.

1M3A9628 1 250Korbi (hinten) mit Bruder Krischan im ArmDie Gewichte orientieren sich auch nach oben, denn außer Korbi haben alle zugenommen. Der hat sich von seinem Rübezahlgewicht von 620 g nun in den Kreis seiner Geschwister einsortiert. Mit 580 g (-20) ist er noch immer kein Leichtgewicht und kann getrost von der Substanz überleben. Aber er ist auch ein Quassler, der möglicherweise beim Quatschen das Trinken vergisst. Die übrigen Gewichte sehen folgendermaßen aus:

Käptn 550 (+40), Klecks 600 (+30), Kini 590 (+10), Koschi 610 (+40), Krischan 480 (+30), Kuno 540 (+20), Kathi 490 (+10). Das Durchschnittsgewicht liegt heute Morgen bei 555 g, und alle zusammen haben 160 g zugenommen. An Milch scheint es Hedda jedenfalls nicht zu mangeln. Sie versorgt ihre Kinder auch geduldig den lieben langen Tag, und offenbar geht ihr der Stoff, der aus Knirpsen kerndlg’futterte Mangfalltaler macht, nicht aus.

Wir lassen sie auch weiterhin nicht verhungern. Morgens gibt es heute einen mächtigen Pott Welpenmilch, mittags eine Männerportion Hühnchen mit Reis, nachmittags vier Hände voll Welpentrockenfutter und abends eine Holzfällerportion Rinderkopffleisch mit Kartoffelflocken. Dafür kann man sich getrost den ganzen Tag flachlegen und für die Kinder krumm machen. Und das macht Hedda rührend und aufopfernd.

Der Abend hat dann noch eine veritable Überraschung auf Lager. Um 22 Uhr geht der Zuchtassi mit den Mädels wie jeden Tag hinaus, um deren Innereinen von störenden Füllungen für die Nacht zu befreien. Das erfolgt getrennt, erst Fianna, dann Hedda. Wir machen das schon so, seit Herkules Noahs Arche vom Taubenmist reinigte. Anschließend darf Hedda zu ihren Kindern und Frauchen in die Gute Stube und Fianna muss draußen im Treppenhaus und später im Schlafgemach nächtigen. Heute Abend liegt die Zuchtmeisterin bereits schlummernd in ihrem Federn, wird aber alsbald unsanft geweckt, weil sich eine unerklärliche Unruhe um sie herum ausbreitet. Es hilft nichts: Sie muss das Licht anknipsen und mit schlaftrunkenen Augen erkunden, was los ist. Es ist der worst case los, das Undenkbare ist wahr geworden: Fianna kuddert großmütterlich vor der Kinderkiste – und Hedda klagt im Treppenhaus flehentlich um Einlass. Der Assi (deshalb hat er es eben nur zum Assi! gebracht) hat nach dem Ausgang die Hunde verwechselt, Fianna in die Stube gelassen und mit schierem Glück übergossen und Hedda im Treppenhaus in schiere Verzweiflung gestürzt. Der Faux Pas ist schnell behoben, nicht ohne die angemessene Ermahnung von Seiten der Zuchtbeauftragten, was jedoch nur die Hälfte der Betroffenen glücklich macht: Hedda und ihr Frauchen. Fianna klagt fortan im Schlafzimmer um Einlass in die allerheilige Kinderstube und der Assi tut kaum ein Auge zu. Auch weil er versucht, dieser Verwirrung und Bewusstseinstrübung auf die Spur zu kommen. Eine denkbare Ursache könnte seiner Meinung nach das 1:1 des FC Bayern in Leipzig sein, das er abends am TV erleiden musste und ihn möglicherweise in einen pathologischen Destruktionsschub getrieben hatte und diesen an den unschuldigsten aller Objekte ausleben ließ. An Ort und Stelle und in dieser Nacht nimmt er sich deshalb vor, zukünftig nur noch Spiele von 1860 München zu verfolgen, um zumindest herzhaft lachend in die völlige Umnachtung zu sinken. Mon Diarrhö...

 

 Samstag, 21. Januar 2023

Die Nacht brachte weiteren Schneefall ins Mangfalltal, doch mehr als maximal 5 cm sind dabei nicht herausgesprungen. Aber es sieht nun schon ein wenig nach Winter aus und es schneit weiter. Immerhin verschafft dieser Schnee dem Kampfnamen der Knirpse, der sich mittlerweile bei Freunden und Verfolgern durchgesetzt hat, eine gewisse Rechtfertigung: Schneewittchen und die 7 Zwerge.

Viel oder wenig Schnee draußen, hohe oder niedrige Temperaturen, bei Hedda bleibt alles im gewünschten Gleichgewicht: morgens um 5:00 Uhr liefert sie uns beglückende 38,2 °C. Ganz langsam entspannen wir uns bezüglich möglicher Infektionen. Wenn sie bisher so putzmunter und wohltemperiert ist, sollte in dieser Hinsicht nichts mehr schiefgehen. Ganz abgesehen davon ist sie weiterhin bestens drauf und leidenschaftlich bei der Sache.

Heute Morgen zeigt auch die Babywaage ein durchgehendes Plus bei allen Kandidaten, was bedeutet, dass nun auch Korbi im wahren Leben angekommen ist und verstanden hat, dass die Sache mit der Nabelschnur Vergangenheit ist und er sich selbst um sein Auskommen kümmern muss. Im Detail sieht das dann so aus:

Käptn 600 (+50), Klecks 650 (+50), Korbi 640 (+60), Kini 650 (+60), Koschi 630 (+20), Krischan 520 (+40), Kuno 590 (+50), Kathi 520 (+30). Somit haben alle zusammen gestern 360 g zugenommen, und bringen ein Durchschnittsgewicht von 600 g auf die Waage, das sind 50 g mehr als gestern. Um sich die Leistung Heddas bei dieser Auflastung vorzustellen, sollte man wissen, dass die Hündin für jedes Gramm Gewichtszunahme etwa zwei Gramm Milch liefern muss; Hedda hat also gestern einen dreiviertel Liter Milch produziert und ausgeliefert.  

So wohlgenährt und -gerüstet können die Knirpse nun heute Vormittag gelassen ihrer Erstinspektion durch die Zuchtwartin entgegensehen. Dreimal ist eine solche Inspektion vorgesehen, die erste in den ersten fünf Lebenstagen, die zweite nach etwa vier Wochen und die letzte direkt vor der Abgabe mit acht Wochen. Die Zuchtwartin hat es heute allerdings schwerer als die Welpen, denn seit dem frühen Morgen schneit es, was runtergeht, und wenn man dann aus dem Pfaffenwinkel rund 90 Kilometer anreisen muss, kann man sich getrost darauf verlassen, dass die Straßenverhältnisse mitunter dem Glück der Autofahrerin einen ordentlichen Dämpfer versetzen. Doch um 11 Uhr sind alle bereit zur ersten Normenkontrolle der Ku-Klux-Klan-Zwerge mit ihrem Schneewittchen.

IMG 6696 1 250Warum Klecks Klecks heißt...Bei 1M3A9662 1 250Kini, der König vom Bairischen Bluesdieser ersten Kontrolle geht es vor allem um den Gesamteindruck, den die Knirpse machen und um optische Aspekte. In dieser Hinsicht ist Klecks der Hauptdarsteller, schließlich hat er sogar seinen Namen von jenem weißen Klecks auf der Brust, ein etwa drei Zentimeter langer Blitz, der ihn von allen seinen Geschwistern unterscheidet. Normenkontrolleure freuen sich über solche optischen Schnurren, würden sie doch sonst von der Langeweile eingeschläfert glatt während der Inspektion vom Stuhl fallen. Der Bairische Blues hatte in dieser Hinsicht meist viel Mitgefühl mit den Kontrolleurinnen. Ansonsten ist Klecks ein brav gezeichnetes Hovawärtchen, tiefschwarz mit kompletten, mittelblonden Marken. Auch Käptn hat einen feinen weißen Bruststrich, der vermutlich schon bald im fülligen Brusthaar verschwinden wird. Noch markanter gibt sich Korbi, der zu seinem dünnen Bruststrich auch noch ein weißes Stecknadelköpfchen auf der Brust präsentiert, also praktisch ein Ausrufungszeichen in die Welt sendet, aber er prahlt als einziger mit einer goldenen Markenfarbe, auch sie, wie bei seinen Vorgängern, bereits komplett vorhanden. Kini trägt stolz sein kleines weißes Flügelchen auf der Brust, das ihn sozusagen in königliche Sphären tragen soll, dafür hat er noch etwas spärliche Marken. Auch Krischan, Kuno und Kathi tragen winzige weiße Spuren auf der Brust, die ihnen das Leben kaum schwer machen werden. Nur Koschi ist bar jeglichen Makels, geradezu koscher ist er, was uns nicht ganz koscher vorkommt. Dazu sind alle augenscheinlich pumperlg’sund und rundum proper.

Wenn wir also die Erstkontrolle in einem Wort zusammenfassen sollten, könnten wir sagen: Passt!       

Das liegt in erster Linie natürlich an Hedda, die, wie wir schon mehrmals erwähnten, eine wirklich vorbildliche Mama ist. Den ganzen lieben, langen Tag liegt sie in der Kiste, was auch dem Chronisten gefallen würde, wenn da nicht die Milchegel an der Brust wären und die Notwendigkeit, den Knirpsen unentwegt den Po und den Bauch zu lecken. Sie steht nur zu den Mahlzeiten auf oder wenn Freunde aus der Nachbarschaft vorbeikommen, der Postbote klingelt und Fianna Alarm schlägt, weil wieder einmal eine Amsel unautorisiert über die Terrasse hopst, immer also, wenn es eben etwas zu naseweisen gibt. Ansonsten liegt sie sich Schwielen in der Schnullerbox.

Wenn sie sich aus der Box bewegt, hinterlässt sie nun häufiger Blut- und Schleimspuren dort, wo sich mal hinsetzt. Das macht uns zusätzlich glücklich, weil das zeigt, dass sie ihre Innenwelt weiter reinigt. Und das schlägt sich auch auf ihre „Fieberkurve“ nieder: nachmittags 38,0 °C.

IMG 6576 1 250Hedda und Fianna unterwegsZweiIMG 6517 1 250Die Knirpse in Reih und Glied Ausnahmen von ihrer ständigen Stallwache gelten selbstverständlich, und das sind die Spaziergänge mit Fianna, die nun auch für Hedda schon wieder ziemlich weitschweifig sein dürfen, was sie sehr schätzt, wenngleich sie zum Ende hin kaum noch zu stoppen ist. Dann drängt es sie sehr zu ihren Kindern. Während des heutigen Nachmittagsspaziergangs und gleich nach ihrer Rückkehr macht der Chronist eine interessante Beobachtung. Als die Mama weg ist, liegen die Knirpse wie acht Brötchen nebeneinander gestapelt in der Kiste. Irgendwann trennt sich der Achtzylinder und wird zu zwei Vierzylindern. Die eine Gruppe formiert sich aus Klecks, Korbi, Krischan und Kathi, die andere logischerweise aus den Verbliebenen. Als sich Hedda nach ihrer Rückkehr zum Mutterdienst in die Schnullerbox legt, macht sich die Klecks-Gruppe geschlossen auf, ihre Bar zu plündern, während die anderen (Kuno, Kini, Käptn, Koschi) in so seligen Träumen verfangen zu sein scheinen, dass sie einfach weiterpennen. Und die vier Baristas lassen auch nicht ab, bis nichts mehr zu holen ist, während die anderen nichts davon mitbekommen. Es wird spannend zu sehen sein, ob sich dieser dreiste Mundraub morgen in den Gewichten niederschlagen wird.

Nach vier Tagen sind wir nun schon sehr entspannt, weil dieser Wurf bisher geradezu ideal verläuft.

 

 Sonntag, 22. Januar 2023

IMG 8983 1 250Am Sonntag morgen gemeinsam mit Freundin Krümel unterwegsGestern hat es den ganzen Tag geschneit und auch in der Nacht hörte es nicht auf. Und es schneit immer weiter. Jetzt ist im Mangfalltal richtiger Winter eingekehrt. Und was ist? Sonntag ist. Kein Zeitungs- oder Müllfahrer kann sich heute blamieren, aber der Chronist schaufelt sich eine Schulterluxation. Wo ist sie nur hin, die heile Welt? Falls es je eine solche gegeben hat.

Anlässlich der äußeren Umstände erlauben wir es uns, aus Schneewittchen und die 7 Zwerge kurzerhand acht Schneezwerge zu machen.

Heute hatten wir die nächtlich Trennung von Mama und Oma aufgehoben, weil Fianna gestern so entspannt und souverän mit der Babylage umgegangen ist, dass wir sicher waren, darauf verzichten zu können. Und so bestätigt es sich auch. Der Chronist verlebt eine ruhige Nacht ohne eine ständig quengelnde Großmutter im Schlafgemach, dafür bekommt er von Hedda dreimal nachts Besuch, um 1 Uhr, um 3 Uhr und um 5 Uhr, die ihm das Gesicht wäscht und ihn mit liebevollen Küssen überzieht und nach wenigen Sekunden wieder polternd abzieht. Fianna ist dagegen glücklich in ihrem Bett im Wohnzimmer, nahe ihrer Enkel, und verkneift es sich altersweise, den Assi im Schlafgemach zu besuchen, weil sie erstens nicht Gefahr laufen will, doch noch irgendwo zwischen den Welten weggesperrt zu werden und zweitens, weil sie weiß, dass der Assi früher oder später zu ihr ins Erdgeschoss kommen und sie in den Arm nehmen wird. Woher sie das nur weiß?

Heddas Temperatur bleibt auch heut stabil bei 38 °C oder knapp darüber. Und auch an den Menüs ändert sich nichts: Welpenmilch, Welpentrockenfutter, Hühnchen mit Kartoffelflocken oder Rinderkopffleisch.

Auf die Gewichte wirkt sich das so aus, heute erstmals in der Schwergewichtsreihe von oben nach unten:

Koschi 720 (+90), Kini 710 (+70), Korbi 690 (+70), Klecks 690 (+60), Kuno 630 (+40), Käptn 630 (+30), Kathi 570 (+50), Krischan 560 (+40).

 M3A0038 1 250KrischanKrischan ist zwar der leichteste aller Knirpse, aber keinesfalls unterernährt, eher knuffig. Dennoch kann es sich der Chronist nicht verkneifen, auf seinen ursprünglichen Namensvorschlag hinzuweisen, den die Zuchtmeisterin indigniert zurückwies; er plädierte nämlich für ein „Krischperl“, was in Bayern ein zarter oder gar dürrer Knabe ist. Wem das zu feinsinnig ist, darf auch Hungerhaken, Magermilchbubi oder schwindsüchtiges Zigarettenbürscherl sagen, was allerdings Krischan nicht gerecht würde. Erfahrungsgemäß ändert sich die Speckrollenreihe im Laufe der acht Wochen noch mehrmals und manchmal hat sich sogar das Bibelwort bestätigt: Die Letzten werden die Ersten sein. Um der Statistik Genüge zu tun, halten wir fest, dass der Gesamtzuwachs 400 Gramm beträgt und das Durchschnittsgewicht nun bei 650 Gramm liegt.

Hat denn schon jemand diese Gewichtsreihung mit der gestrigen Schluckspecht-Aktion von Klecks, Korbi, Krischan und Kathi verglichen? Wir wollten doch ein Auge drauf haben, ob diese Zitzenplünderung durch die genannte Viererbande einen signifikanten Einfluss auf die heutigen Gewichte haben würde. Jetzt wissen wir es: Keinen Einfluss! Die Schläfer Koschi und Kini marschieren vornweg und die Trinker Krischan und Kathi hängen hinterher. Der Chronist findet es beruhigend, dass die Natur doch nicht ganz so schlicht gewirkt ist wie das Hirn eines Zucht-Assistenten.  

Heddas Milchfluss läuft jetzt auch immer flotter an. Kaum haben sich die Zwerge angedockt, geht das Glücksgekneise und Gestöhne schon los und die Schwänzchen zauseln wie wild umher: die Milch fließt. Fehlt nur noch der Honig, um im gelobten Land zu sein.

 M3A9957 1 250KathiAuffällig ist Kathis mitunter sehr eigenwillige Trinkgewohnheit. Sie wählt immer eine der vordersten Zitzen, obwohl die hintersten die Ergiebigeren sind, und zwar immer die auf jener Seite, auf der Hedda liegt. Und sie bettet sich auch nicht wie üblich im rechten Winkel zu Mamas Körperachse, sondern schmiegt sich dabei längs an sie. Zu kurz kommt sie mit dieser Marotte offenbar trotzdem nicht.

Am späten Nachmittag wird heute erstmals ein Programmpunkt aufgerufen, der das ungeteilte Missfallen aller Welpen hervorrufen wird, aber unumgänglich ist: Pediküre. Neben einer drohenden Infektion bei der Mutterhündin in den ersten Tagen, ist eine Gesäugeentzündung (Mastitis) die größte Bedrohung. Eine solche Entzündung kann an einer Zitze entstehen, die zu wenig geleert wird, sich deshalb verhärtet und entzündet. Die zweite Möglichkeit sind die winzigen, aber messerscharfen Krallen der Welpen, mit denen sie Mutters Zitzen bearbeiten, um möglichst viel aus ihr herauszupressen. Dabei entstehen kleine Wunden, die immer wieder für großes Ungemach sorgen. Wir haben mit dieser Situation unsere leidvollen Erfahrungen gemacht und versuchen sie zu vermeiden, was dennoch nicht immer gelingt. Eine Gegenmaßnahme ist es, Heddas Zitzen jeden Tag mit einer Wundsalbe zu pflegen. Die andere ist eine regelmäßige Pediküre.

1M3A0190 1 250Käptn bei der PediküreAus diesem Grund werden heute die kleinen Krallen der Vorderbeine gestutzt. Traditionell ist dafür der Assi zuständig, weil er offenbar mit jedem Lebensjahr immer ruhigere Hände bekommt, was bei diesen zappelnden Kraftzwergen eine wichtigere Tugend ist als den einbeinigen Yoga-Adler unfallfrei zu performen. Beim Versuch, diese kleinen Energie- und Kraftbündel zu disziplinieren, spürt man, dass sie sehr wohlgenährt sind und ahnt, welche Kraft einmal in ihnen stecken wird. Und sie machen auch nicht schlapp, sie geben nicht auf und wehren sich, bis sie endlich wieder entlassen werden. Verzagten Lesern sei versichert, es sind noch alle Zehen dran und es ist auch kein Tropfen Blut geflossen.

Nach der kurzen Prozedur reicht ihnen Mama Hedda einen kräftigen Schluck und die Welt ist wieder schwerelos, aber sie lässt dabei ihre Delinquenten auf dem Baderschoß keinen Moment aus den Augen, schreitet jedoch nicht ein. Ihr Vertrauen scheint grenzenlos zu sein. Dafür darf sie noch ein paar Mal mehr nachts zum Waschen kommen.

 

Montag, 23. Januar 2023

Solange nichts Nennenswertes, also Unerwünschtes geschieht, stellen wir heute die Übermittlung von Heddas Rektaltemperatur ein. 38 Grad morgens und 37,3 Grad abends sind zwar Anlass zu Freude und großer Zufriedenheit, rechtfertigen aber nicht die weitere Beanspruchung der Aufmerksamkeit unserer Leser.

Interessanter dürften für alle die Gewichte der Knirpse sein, die kräftig nach oben streben. Koschi war und bleibt der effektivste Futterverwerter. Mit 60 g plus bringt er heute Morgen 780 g auf die Waage. Ihm folgt Korbi (750, +60), der Kini auf dem dritten Rang ablöst. Auch Klecks (730, +40) und Kuno (710, +80) schieben sich noch an Kini vorbei, was kein Wunder ist, denn der hat eine richtige Nullnummer eingelegt und verharrt in majestätischer Gelassenheit bei seinen 710 Gramm. Ihm folgen im „hinteren Wagenteil“ und in nun schon bewährter Reihung Käptn 690 (+60), Kathi 630 (+60) und Krischan 610 (+50). Das sind auch heute wieder stattliche 410 Gramm Zunahme und errechnet ein Durchschnittsgewicht von 701 Gramm.

Auffällig IMG 6694 1 250Jetzt müssen sich die Knirpse schon streckenist, dass Hedda nun am sechsten Tag bereits erstmalig auf Säugen im Sitzen umsteigt, was nach unserer Beobachtung schon ziemlich früh ist. Aber sie scheint sich unter bestimmten Umständen damit wohler zu fühlen.  

So gelassen Fianna zuhause ist, so wachsam ist sie draußen. Als Übermutter wird sie nicht gebraucht, das hat sie gelernt, und als Oma kommt sie eventuell später zum Zug, wenn die Knirpse sich im Garten austoben dürfen, wobei die Oma dann bestimmt auch eine kleine Rolle bekommt. Aber sie will nicht unnütz sein und tut das, was nicht nur jeder richtige Hovawart, sondern sie vor allem ganz besonders gut kann: Aufpassen und die Luft rein halten. Hedda steht unter ihrem Schutz, da beißt die Maus keinen Faden ab. Und wenn ein anderer Hund, der nicht zum Inner Circle des Blues gehört, in ihrem Blickfeld auftaucht, lässt sie keine Zweifel daran, dass eine weitere Annäherung höchst unerwünscht ist. Und um diese Warnung zu übermitteln, genügt es, dass sie die Bürste von den Ohren bis zum Steiß aufstellt; das hat noch jeder hier verstanden. Fianna randaliert nicht, Fianna regiert.

Dieser kleine Ausflug in Fiannas Führungsstil öffnet uns das Fenster für einen kurzen Blick in die große Hundewelt. Seit kurzem herrscht weltweit (!) großer Unmut unter Hundefreunden, weil der selbsternannte Hundepapst Rütter, sitzend auf seinem selbstgebastelten Stuhl der Unfehlbarkeit, in einem Podcast ex cathedra verkündete, dass der Hovawart kein Hund, sondern ein sozial unverträgliches Ungeheuer sei. Und weil er schon gerade so im Flow war, hat er en passant gleich noch alle Hundesportler, sofern sie nicht auf Dummywerfen spezialisiert sind, als grenzdebile Säufer verunglimpft. Freunde macht man sich damit nicht, selbst dann nicht, wenn man, was den Hovawart anlangt, diesen schon immer auf der Hassliste hatte und unsereins damit nicht überraschen kann. Hand aufs Herz: Wir alle haben Vorlieben und Abneigungen was andere Rassen anlangt, aber gottlob kennen wir eigentlich niemanden, der sich mit solchem Dünnpfiff entblödet hätte. Mag ja sein, dass der Guru sich schon mal insgeheim mit einem Hovawart messen wollte und ihm nicht gewachsen war, was sicher schon für sich demütigend gewesen sein musste, nicht zuletzt aus der daraus resultierenden Erkenntnis, dass es beim hundeflüsternden Homo sapiens noch nicht einmal in der Interaktion mit einem Hovawart zur Krone der Schöpfung reicht. Es führt nicht weiter, wenn wir diese Untiefen weiter ausbaggern und uns darin suhlen. Wer möchte, kann sich seinen Podcast 92 selber antun.

Doch seit sich von allen Seiten großes Ungemach auftut und ein veritabler Shitstorm über Rütter ergießt, ahnt man bei RTL, dass da gerade etwas völlig aus dem Ruder läuft. Seither sprechen die Verantwortlichen bei Hovawartzüchtern vor und bitten um Audienzen und Drehgenehmigungen, um die Kurve wieder zu kriegen. Bisher zum Glück ohne Erfolg. Auch bei anderen Zuchtverbänden, wie etwa den Boxern, kriechen sie nun zu Kreuze und haben sich ebenfalls blutige Nase geholt. Als letzten Ausweg werden nun Hovawartbesitzer direkt angesprochen. Wir können an dieser Stelle nur empfehlen, was allgemein Konsens ist: Finger weg! Aus einem bösen Maul kommt kein freundliches Wort, selbst wenn es mit Kreide gefüttert worden wäre.

Diese kurze Nebenrede schieben wir nicht deshalb an dieser Stelle ein, weil wir auch Teil des globalen Rütter-Bashings sein wollen, sondern weil sie eine perfekte Überleitung zu unserem nächsten Punkt und Highlight des Knirpsen-Wurfs darstellt: Der Bairische Blues braucht kein RTL und keinen Rütter. Wir haben seit heute das Regionalfernsehen Oberbayern (RFO) mit Sitz in Rosenheim, das unsere Knirpse von nun an acht Wochen lang begleiten wird.

1M3A0253 1 250Interview mit Hedda - meint HeddaHeute Vormittag wird deshalb die Gute Stube des Bairischen Blues zum Studio umgebaut, und die Zuchtmeisterin darf eine Stunde sehr qualifizierte und sachorientierte Fragen eines Redakteurs zum Hovawart und unserer Zucht beantworten. Seriosität findet man eben gerne im kleinen Format, Krawallmacher auf den großen Bühnen. Hedda ist jedenfalls schon so von der Idee angetan, dass sie sich so gut es eben geht an den jungen Mann anwanzt.            

Über den Ausstrahlungstermin informieren wir sobald er feststeht.

 

Dienstag, 24. Januar 2023

Wenn es denn ein allgemein anerkanntes Supermistwetter geben sollte, dann vermutlich jenes, das seit gestern Abend über dem Mangfalltal liegt: Nebelniesel bei Minustemperaturen. Wie in einem frostigen Dampfbad liegt dieser Wasserstaub in der Luft und legt die Welt unter eine Schicht von Panzereis. Es durchlöchert unsere Herzen, wenn wir daran denken, dass wir vor einem Jahr in Südspanien die Bäuche in die laue Luft strecken durften.

Zurück in die Gegenwart und zum Gedeih unserer Knirpse. Außer dass alle zusammen sich in einer sehr strammen Verfassung befinden und wieder einmal 500 Gramm zugenommen haben (Durchschnitt nun 763 g), gibt es eigentlich nur eine nennenswerte Meldung: Kini hat die Nullnummer von gestern mit 90 Gramm wettgemacht und sich wieder auf den 3. Platz geschoben. Here we go um 5 Uhr morgens:  

Koschi 850 (+70), Korbi 830 (+80), Kini 800 (+90), Klecks 800 (+70), Kuno 780 (+70), Käptn 730 (+40), Kathi 670 (+40) und Krischan 650 (+40).

Nun sind die 7 Zwerge und ihr Geißlein schon sieben Tage alt. Sie sind allem Anschein nach gesund und sichtbar munter, selbst wenn sich die Munterkeit vorwiegend in Dauerschlaf und Barbesuchen manifestiert. Letzteres macht den Züchter glücklich und treibt den Fotografen der Tagesbilder in die schiere Verzweiflung. Woher Bilder nehmen, die sich wenigstens gelegentlich voneinander abheben? Wie ein Foto von einem Knirps machen (muss man eigentlich jetzt auch politisch korrekt eine Knirpsin mitliefern?), wenn der oder die jegliche Mitarbeit an der Außendarstellung des Blues verweigert? Und dann die Königsdisziplin: Liefere KnirpsIn, wo (!) bislang noch unveröffentlicht ist, aber 24 Stunden unter der Mama oder einer Decke liegt. Falls die Lösung des Problems in weiter Ferne liegt und Verzweiflung aufkommen sollte, nimm professionelle Hilfe in Anspruch. Wer hierfür geeignete Adressen hat, wird aufgefordert, sie dem Chronisten zu übermitteln.

Hiermit wäre der Informationspflicht über den seelischen Zustand des Chronisten Genüge getan. Über die charakterlichen Spezifikationen der Knirpse gibt es derzeit noch wenig zu sagen, aber einige Charakteristika zeichnen sich schon ab (die erfahrungsgemäß im Laufe der Wochen noch verschiedene Wandlungen erfahren).

 M3A0116 1 250KathiLadies first: Kathi. Wie soll man schon sein oder werden, wenn man Prinzessin in einer Horde Kerle ist? Sie ist die Zarte und Liebenswerte, nach der sich alle erkundigen. Bekommt sie genug Milch, kann sie sich durchsetzen oder geht sie unter? Unsere Erfahrung ist, dass sich die Mädels immer durchsetzen und gegen die Machos behaupten konnten. Bisher ist sie vor allem schmusig und ruhig. Ihr Markenzeichen ist der Stammplatz an der vordersten Zitze, wie wir es bereits geschildert haben. Besonders gerne liegt sie auf dem Rücken, angekuschelt an einen ihrer Brüder. Wenn man keine andere Wahl hat...

 M3A9827 1 250KäptnKäptn, der erstgeborene Knirps ist derzeit noch wenig auffällig, ist weder Angeber noch Maulheld und geht trotzdem zwischen seinen Geschwistern nicht unter.

 M3A0106 1 250KlecksKlecks ist vor allem wegen seines großen Milchlatzes auffällig. Manche meinen, der Latz sei versabberte Milch, weil er oftmals eine Speisung verschläft, was auf eine Übersättigung schließen ließe. Die Gewichtstabelle spricht eine andere Sprache. Die bescheinigt, dass er nicht nur ausreichend zum Zug kommt, sondern auch noch ein höchst effektiver Verwerter ist. Fürs erste scheint er sich mit der bescheidene Rolle als Latzträger zufrieden zu geben, weil er mit Vorliebe auf dem Rücken liegt und stolz seinen Milchlatz präsentiert.

 M3A9907 1 250KorbiKorbi dagegen ist wegen seiner prägnanten Markenzeichnung auffällig und in dieser Hinsicht der Auffälligste von allen. Anfangs fiel er allerdings mehr als Kommentator als wegen seiner Zeichnung auf. Keckernd, meckernd und greinend robbte er durch die Wurfkiste und hörte mit der Maulerei auch im Schlaf nicht auf. Jetzt scheint er sich mit seiner Existenz ausgesöhnt zu haben und fällt nur noch auf, weil er so hübsch ist.

 M3A9983 1 250KiniKini hat den Korbi-Part übernommen. In den ersten Tagen war er kaum präsent, aber in der zweiten Wochenhälfte mauserte er sich zu einem kleinen Maulhelden, der viel kommentiert und motzt, vor allem wenn er nicht sofort den Weg zu einer freien Tankstelle findet. Herrschaftsgebaren eben…

 M3A0086 1 250KoschiKoschi brilliert derzeit nur an den Zitzen. Sonst ist er nur lieb und unauffällig, einer, der sogar ein wenig im Geschwisterreigen untergeht. Aber die Gewichtstabelle zeigt, dass er äußerst wachsam ist, wenn es um sein Wohlergehen geht; dann ist er blitzschnell an vorderster Front.

 M3A9851 Bearbeitet 1 250KunoKuno ist so einer, der noch irgendwo zwischen den Welten hängt. Er träumt, brabbelt gerne vor sich hin und landet auf dem Weg zur Milchbar in Mamas Ohr. Dann hat er wieder was zu brabbeln und kaut ihr ein Ohr ab. Ein liebenswerter Zwerg, der sein Potential noch im Dottersack hat.

 M3A0050 1 250KrischanKrischan ist vorläufig der kleinste und zarteste Rüde im Wurf. Aber was für ein allerliebstes Kerlchen ist das denn! Er scheint immer mit sich im Reinen zu sein, hat eine schöne Markenzeichnung und kuschelt gern mit seiner Schwester. Die Zuchtmeisterin hat bei seinem Anblick Sternchen in den Augen. Sollte diesen Zauberzwerg niemand zu sich nehmen wollen, würde er unverzüglich beim Blues landen; in Frauchens Herzen hat er es schon geschafft. Er wäre der einzige Rüde, der die Amazonendominanz beim Blues knacken könnte😊.

Mehr ist derzeit noch und nicht mehr über die Knirpse zu sagen. Nächste Woche wird einiges in Bewegung kommen.

 

Mittwoch, 25. Januar 2023

Die zweite Woche beginnt in der Schnullerbox wie das Wetter im Mangfalltal: ereignislos. Draußen wabert immer die gleiche trüb-träge Wolken-Nebelsuppe, die am späteren Nachmittag inkontinent wird. Inkontinent sind die Knirpse auch, aber dafür, dass kein Wasserschaden entsteht, sorgt Hedda. Träge geht es auch in der Kiste zu, aber nicht trüb. Das würde den Knirpsen nicht gerecht werden. Sie tun sicher ihr Bestes, aber das ist eben noch nicht viel. Was getan werden muss, erledigt Hedda, aber es liefert eben auch keinen Blockbuster. Immerhin sorgt es für ein kontinuierliches Gedeihen der Achterbande.

Aber auch bei denen tut sich nicht viel. Kini lässt auf seinem Weg zur Spitze jetzt auch Korbi hinter sich und sichert sich den 2. Platz. Am hinteren Ende passiert, was zu erwarten war: Selbst der zarte Krischan überholt Kathi. Lange können die Mädchen nicht mit den Kerls mithalten. Wir reden vom Volumen, nicht vom Spirit. Das werden die Krachledernen schon noch zu spüren bekommen.

In Zahlen ergibt das heute um 5:00 Uhr. Koschi 930 (+80), Kini 880 (+80), Korbi 880 (+50), Klecks 860 (+60), Kuno 840 (+60), Käptn 780 (+50), Krischan 710 (+60) und Kathi 690 (+20). In der Summe halten wir einen Zugewinn von 460 Gramm und ein Durchschnittsgewicht von 821 Gramm fest.

1M3A0277 1 250Filmsession in der WurfkisteDamit wir nicht in der Fotolauerstellung vor der Kiste einschlafen, ist heute wieder das Fernsehen da und nimmt die ersten bewegten Bilder von den Knirpsen. Aber was heißt schon bewegt? Am meisten ist der Kameramann in Bewegung, der die Kameras ständig umplatziert, damit wenigstens die Illusion von Action entsteht.  

Dennoch, und das klingt nach einem Widerspruch, kommt immer mehr Bewegung in den Knirpsenhaufen. Nicht dass sie generell mehr täten als schlafen und trinken, aber wenn sie sich doch gelegentlich bewegen, kriechen sie immer weniger, sondern stemmen sich hoch und versuchen erste ernst zu nehmende Gehversuche. Das sieht noch etwas alkoholisiert oder gehandicapped aus, ist jedoch aller späterer Laster Anfang. Schon bald wird der Kameramann Mühe haben, den flippigen Haufen dingfest zu machen.

 

Donnerstag, 26. Januar 2023

Die Seele setzt Schimmelpilz an. Das graue und tieftrübe Nebelnieselwetter sorgt nun schon seit einer Woche für ein Allerheiligen-Totensonntag-Kontinuum. Andererseits ist das weniger spektakulär als der Schnee im Großraum Malaga, den uns Freunde von dort melden; der erste Schnee seit Menschengedenken. Mierda blanca…

Die Kinder gedeihen dennoch gut. Nur der Kini zaudert und ziert sich ein wenig herum. Mit zehn Gramm gerät man dabei schnell ins Hintertreffen und von Platz zwei auf Platz vier. Wir räumen ein, dass er wahrscheinlich noch an den 170 zugelegten Gramm der beiden letzten Tage zu verdauen hat und sich deshalb mit einem Gabelfrühstück auf die royale Hand beschied. Für Koschi ist das ohne Belang, weil er sich ganz vorne ohnehin nicht um die kleinlichen brüderlichen Rangeleien hinter sich kümmern will: Kini rutscht aus, Korbi und Klecks tauschen die Plätze, ganz hinten bewegt sich so viel wie auf dem Chicagoer Zentralfriedhof. Leise lächelnd erinnert er sich an den längst vergessenen Gassenhauer des legendären 1860-Torwarts Radenkovic: Bin i Koschi, bin i König, alles andre stört mich wenig...  

In dürren Zahlen sehen die Gewichte heute um 5:30 Uhr folgendermaßen aus:

Koschi 990 (+60), Klecks 930 (+70), Korbi 930 (+50), Kini 890 (+10), Kuno 870 (+30), Käptn 840 (+60), Krischan 770 (+60), Kathi 750 (+60). Das ergibt einen Zuwachs von 400 Gramm und ein Durchschnittsgewicht von 871 Gramm.

Aber auch sonst ist die Kinderstube derzeit so langweilig wie die x-te Wiederholung der y-ten Folge von Mord mit Aussicht: Man kennt alles und lächelt schon vorher über die nächste Drögheit von Schäffer und die nächste Peinlichkeit der dicken Schäfferin. Was den Gesundheitszustand von Mutter und Kindern angeht, ist das eine sehr gute Nachricht, aber für die Verfolger der Knirpse ist das eine sehr schlechte, weil es eigentlich überhaupt keine gibt und der Chronist sich selbst von der Chronistenpflicht entheben könnte.

In solchen Fällen greift man als Chronist schon mal auf solche Nachrichten zurück, die an normalen Tagen im Papierkorb landen. Zeitungsmacher kennen das aus der Leidenszeit der Sommerlöcher, in dem sie jedes Jahr ein Krokodil im Badeteich aussetzen. Wir füllen den Ereignismangel mit der wenig erstaunlichen Mitteilung, dass die ersten Knirpse ihr Geburtsgewicht schon fast verdoppelt haben, was sich zwangsläufig am verfügbaren Bauchraum ihrer Mutter bemerkbar macht. Aus diesem Grund speist man schon häufiger umschichtig, was dem Beobachter ein etwas unklares Bild über die Barpräsenz der Knirpse vermittelt.

Hedda selbst bekommt weiterhin das bekannte Menüangebot, muss aber bald herabgesetzt werden. Sie steht sehr gut im Futter, keinesfalls üppig, nur für diesen Zeitpunkt erstaunlich gut genährt. Ihre Vorgängerinnen waren nach einer Woche Zitzenservice dürr wie ein Stockfisch und mussten fast gestopft werden, damit sie bei Milch und Laune bleiben.

1M3A0302 1 250Unter Mamas Pflege gedeiht der kleine KäptnUnd doch öffnet sich ein Fenster, das einen zweifelhaften Ausblick in die nächsten sieben Wochen gewährt: es stinkt. Die kleinen Kacker beginnen nun selbstständig, ihre Därmchen zu entleeren, was bisher Mama erledigte und in ihrem Schlund entsorgte. Nun muss das Pflegepersonal schon genau hinsehen, wo es sich bei Bedarf abstützen kann, wenn es in der Schnullerbox herumhantiert. Und so ein dünnes Darmbreichen verströmt einen überproportional markigen Duft. Der pflegeverpflichtete Assi könnte diese Aussicht als Blick auf den Weltuntergang auslegen. Doch er entscheidet sich für die in ihr steckende frohe Botschaft: Es riecht aus den Aborten, es wird Frühling allerorten.

 

Freitag, 27. Januar 2023

Die Kinder explodieren. Noch nie hatten wir am 9. Lebenstag solche Zahlen, weder um 8 Uhr und auch nicht um 4:45 Uhr. Aber sehet selbst, was uns die himmlische Molkerei beschert:

1M3A0358 1 250KoschiKoschi gibt Gas, um keine Begehrlichkeiten auf seinen Thron aufkommen zu lassen, weder vom Kini noch von anderen Möchtegern-Spitzenkräften. 120 Gramm (!) packt er drauf und meldet 1110 Gramm. Ihm fehlen jetzt noch 10 Gramm zur Verdoppelung seines Geburtsgewichts. Das bedeutet, dass er diese Hürde morgen überspringen wird, was ein Novum in der Geschichte des Bairischen Blues wäre. Zwar wird in der Literatur häufig der zehnte Lebenstag als derjenige genannt, an dem die ersten Verdoppelungen zu erwarten sind. Wir haben das nie geschafft. Entweder waren die Kinder zu dicke Klöpse, deren Verdoppelung für die Mutter kaum zu schaffen ist oder die Mutter hatte zwischenzeitlich ein Problem (Mastitis, Fieber, etc.), was ein entscheidender Show-Stopper ist. Koschi wird morgen also ein neues Kapitel in den Annalen des Blues schreiben.

Auch Klecks, der zweite, lässt sich mit 90 Gramm nicht lumpen und kommt auf 1020.
Korbi, der Drittgeborene und derzeit Drittplatzierte hat mit mäßigen 70 Gramm auch nicht mehr verdient als diesen Platz und ein vollzogenes Kilo (1000 g).
An Kuno nagte anscheinend sein gestriger Absturz in die seichten Gewässer und er erarbeitet sich ebenfalls 120 Gramm, was ihn zumindest an Kini vorbeiführt (990).
1M3A0321 1 250KiniKini legt seine vornehme Zurückhaltung ab, frisst sich 100 Gramm auf die royalen Hüften und schafft ebenfalls 990 Gramm, was ihn jedoch wegen des geringeren Zuwachses hinter Kuno einparken lässt. Der Käptn bleibt auf beharrlichem, aber stetem Kurs: 70 Gramm mehr und 910 Gramm auf der Waage.
Krischan tut ebenfalls, was er kann, und das sind 80 Gramm mehr und gesamte 850 Gramm.
Kathi zuzelt sich tapfer durchs meist belegte Zitzenlabyrinth und darf unter diesen erschwerten Umständen richtig stolz auf ihre 60 Gramm sein (810).
Die gesamte Achterbande hat somit seit gestern 710 Gramm zugenommen, Hedda eineinhalb Liter Milch abgetrotzt und sich einen Durchschnitt von 960 Gramm erarbeitet.

Nach dieser Milchschwemme ist Hedda heute etwas zurückhaltend mit der Barbereitschaft, aber die Knirpse fordern sie auch nicht viel und scheinen noch satt zu sein.

Aber der heutige Tag endet nicht wie gewohnt in familienglücklicher Zwölfsamkeit, sondern mit einem Elferrat: Die Zuchtmeisterin reist heute nach der Schule nach Frankfurt, um dort anlässlich der Züchterschulung am Wochenende aktiv zu werden. Morgen wird sie versuchen, die zuchtwilligen Novizen und Deckrüdenbesitzern in die verschlungenen Geheimnisse der Genetik bei den Hovawarten einzuweihen. Leidenschaft und Begeisterung wird sie antreiben, denn neben der Leidenschaft, ihre Hunde ganztägig nach Zecken zu durchwühlen, ist die Begeisterung für die Genetik nach vielen Jahren noch immer ungebrochen. Da mendeln aus ihrem Mund Allele und Gene und Chromosomen wie andere Leute Kalorienzahlen und Fettbrennwerte ausspucken. Und hinter dieser Leidenschaft muss alles zurückstehen, süße Kinder, ans Herz gewachsene Hündinnen und logo auch der Kummer resistente Assi.

Als der sich heute sein Bett in der Stube richtet, wo sonst die Chefin schlummert, wissen die Mädels endgültig, was es heute geschlagen hat: 12 Uhr hat’s geschlagen, und die Hex‘ ist noch nicht da. Stöööhn. Plummms.   

 

Samstag, 28. Januar 2023

Es hat wieder ein wenig geschneit über Nacht, das kann jedoch das Diätergebnis des heutigen Morgens nicht erklären: so eine lausige Kalorienumsetzung haben die Knirpse ihrem Fürsorgepflichtigen noch nie präsentiert. Dabei stand der Blues gestern knapp vor einem historischen Moment, der ersten Geburtsgewicht-Verdoppelung nach zehn Tagen durch Koschi. Alles sprach gestern für diesen historischen Augenblick. Koschi wurde mit „zarten“ 560 Gramm geboren und es fehlten ihm nur noch mickrige 10 Gramm; so viel schafft er normalerweise durch kräftiges Einatmen.

Doch heute Morgen traut sich Koschi, 1100 Gramm abzuliefern, 10 Gramm weniger! Das sichert ihm zwar immer noch die Pole-Position im Knirpsenkral, aber auch einen Eintrag im ewigen Schwarzen Buch des Blues, dessen Inhalt normalerweise Verschlusssache sind. In diesem Fall muss der Chronist eine Ausnahme machen, auch seine Leidensfähigkeit ist endlich.

1M3A0323 1 250Krischan und KunoDa auch die meisten anderen nicht gerade als Leichtgewichte zur Welt kamen, was ihre Gewichtsverdoppelung erschwert, triumphiert heute Morgen der zarte Krischan: Er ist es nämlich, der heute am nächsten an seine Gewichtsverdoppelung herankommt. 470 Gramm Geburtsgewicht können so unversehens zur Steilvorlage werden.

Aber jetzt sollten wir einen eiskalten Blick auf die Statistik werfen.

Koschi 1110 (-10), Korbi 1060 (+60), Kini 1050 (+60), Klecks 1030 (+10), Kuno 1000 (+10), Käptn 970 (+60), Krischan 910 (+60), Kathi 860 (+50). So verderben karge 300 Gramm Zuwachs die doch sonst so stolze Statistik. Das Durchschnittsgewicht verfehlt die 1000er Marke ebenfalls knapp: 997,5 Gramm.

Generell war der gestrige Freitag geprägt von einer gewissen Unkonzentriertheit und Zerstreutheit bei Mutter und Kindern. Irgendwie stellte sich keine Tagesroutine ein. Doch abends kümmerte sie sich lang und liebevoll um ihre Knirpse, und auch die Nacht verbrachte sie oft in der Kiste. Aber was der Tag versäumt, kann die Nacht nicht reparieren.

Dieses Ergebnis ist bestimmt zum großen Teil auf die Abwesenheit der Zuchtmeisterin zurückzuführen. Obwohl der Assi einen ganzen Tag rührend vor der Kiste antichambrierte und die Mutter zur Fürsorge animierte, zog die eine Beobachtungsposition davor und im Eingangsbereich vor, um die Rückkehr ihrer Chefin nicht zu versäumen. Und wenn sie sich zur Speisung begab, wurde sie oft genug von der Hälfte ihrer Kinder ignoriert. Die 710 Gramm vom Vortag hatten zu den Verlustängsten Heddas auch noch ein metabolisches Nachspiel bei ihren Kindern. Was dann schnell zu einem diabolischen Ergebnis führen kann.

1M3A0351 1 250Kini büchst ausKurz nachdem Hedda und Fianna von ihrem Morgenspaziergang zurückgekehrt waren und auf ihr (für Hedda zweites) Frühstück warten, beweisen die Knirpse, dass ein Diättag nicht zum körperlichen oder mentalen Verfall führen muss und der Chronist den ersten Meilenstein für die Knirpse vermerken muss: Kini steigt über die Kistensperre. Die ist zehn Zentimeter hoch und trennt das Knirpsenparadies von der rauen Außenwelt. Doch Kini nimmt wahr, dass sich seine Mutter irgendwo in seiner Nähe herumdrückt und beschließt, sie aufzusuchen. Noch nicht einmal große Mühe macht es ihm, die Latte zu überqueren. Als ob er die ganze Nacht geübt hätte, stemmt er sich kurz auf die Hinterbeinchen, hängt mit dem Bauch auf der Latte und rollt geschmeidig auf der anderen Seite auf die Küchenfliesen. Keine Angst. Kini plärrt nicht, Kini knarzt nicht, er zittert noch nicht einmal. Offenbar wird ihm schnell bewusst, dass er jetzt in einer Anderwelt ist und eine Lösung braucht. Also pendelt er hin und her, findet das Sitzkissen vor der Schnullerbox, hangelt sich an ihm empor und wäre schon nach wenigen Sekunden wieder bei seinen Geschwistern gewesen, wenn er gewusst hätte, dass er sich nur über die rechte Schulter hätte rollen lassen müssen, um wieder zuhause zu sein. Aber diese Übersicht fehlte ihm noch - ohne Augenlicht und Gehör. Der Assi legt ihn unter großen Lobeshymnen (die er auch noch nicht hört) wieder zu seinen Geschwistern zurück.

1M3A0355 1 250Und auch Käptn ist unterwegs in der FreiheitVon denen hat offensichtlich ein anderer Wind von der Ausreißeraktion bekommen und macht sich ebenfalls auf den Weg, genauso fix, genauso geschmeidig: Käptn purzelt in die Freiheit, gerade als der König wieder in seinem Schloss war. Kein Käptn Cook, kein Käptn Hook, aber ein pfiffiger und stolzer kleiner Käptn Look.

Unser Kanzler hat eine Zeitenwende verkündet, der Bairische Blues verkündet mit dem heutigen Tag einen Zeitsprung: Nichts wird mehr sein, wie es neun Tage war. Die Knirpse streben hinaus ins Leben.

Dieser Erkenntnis trägt der Assi mit zwei Maßnahmen Rechnung. Zuerst wird die Schnullerbox durch eine Bretterwand von 30 Zentimetern von der Außenwelt getrennt und zweitens dürfen die Zwerge während der Reinigung ihrer Schlummerbude bei Mama auf einer Decke in der Küche schnullern; sie sind ja jetzt schon groß, und aus dem Aussiedlerkörbchen quellen sie sowieso heraus wie zu viele Dampfnudeln in einem zu kleinen Topf.

1M3A0383 1 250Kunos Blick in die WeltNachts um 1 Uhr ist die Zuchtmeisterin wieder zurück und macht aus dem Elferrat wider einen kraftvollen Zwölfzylinder. Und wie sie da so zwischen ihren Zwergen sitzt, jeden wegen seines betörenden Geruchs unter der Nase vorbeizieht, bekommt der ausgerufene Zeitensprung plötzlich ein Gesicht: Kuno, Kini, und Koschi riskieren schon ein Auge!

Was unterscheidet den Blues von Gott, dem Welterschaffer? Der Weltenmacher knipste schon gleich am ersten Tag das Licht an, vermutlich weil er sehen wollte, was er anrichtet. Der Blues findet, dass der zehnte Tag früh genug ist, um zu sehen, was sich der Herr hat einfallen lassen. Und deshalb geht bei drei Knirpsen heute das Licht an, also die Augen auf. Weil der Blues so rücksichtsvoll ist, sie nicht sofort mit der ganzen Wahrheit zu konfrontieren, sehen die Knirpse anfangs nur Licht anstatt Dunkelheit. Und nur langsam werden die Details jener Welt, in die sie geboren wurden, vor ihren Augen Gestalt annehmen. Damit müssen sie dann selbst klarkommen, im Zweifelsfall ihre Beschwerden an höherer Stelle platzieren. Wir waschen unsere Hände ein weiteres Mal in Unschuld und unsere Kehlen vor Freude mit einer ganzen Flasche Wein. Um 2 Uhr erst liegt die Chefin wieder in ihrer Notschlafanstalt und der Assi im Gemach. Anscheinend alles wie immer, aber nicht auf ewig. Und Hedda bewacht die fast verlorene Mama.

 

Sonntag, 29. Januar 2023

Was interessiert nach dem gestrigen Tag mehr als die Gewichte? Nichts! Dann gleich los und sehen, ob es in die Vollen geht oder wieder eine verkappte Nullnummer wird. Böse Zungen raunen, wir hätten heute extra bis 7:30 Uhr gewartet, um noch ein paar Gramm mehr auf die Waage zu zaubern. Von solchen Unterstellungen distanzieren wir uns mit aller Deutlichkeit. Also:

Koschi 1170 (+70, Gewicht verdoppelt), Kini 1110 (+60), Klecks 1100 (+70), Korbi 1070 (+10), Kuno 1060 (+60), Käptn 990 (+20), Krischan 980 (+70, Gewicht verdoppelt) und Kathi 910 (+50). Das sind in Summe 410 Gramm mehr und ein Durchschnitt von 1049 Gramm. Wir sind zufrieden.

1M3A0388 1 250Im Kudde schlafen ist viel cooler als in der WurfkisteDen heutigen Sonntag verbringen die Knirpse komplett im kudde’schen Außenlager. Obwohl sie das Bett verlassen können, verlaufen sie sich nicht ein einziges Mal in ihre Schnullerbox, die sie sogar mit ihren trüben Äuglein gleich nebenan sehen können, was sie auch tun. Ihr Verhalten ist im Außenlager komplett anders als in der Schnullerbox. Das Kudde ist kleiner und bietet einen gemütlichen Wulstrand auf den man den Kopf legen kann, was sie auch in kürzester Zeit erkennen und hinreichend nutzen. Die Box ist dagegen nur eine mit Bretter vernagelte Welt ohne Aussicht und so groß, dass man sich aneinander kuschelt, um nicht einsam zu sein. Im Kudde verteilen sie sich jedoch wie die Jünger am Ölberg, alle nach ihren eigenen Vorlieben. Für den Chronisten hat dieses Lager noch einen weiteren Vorteil: Er kann ungehindert von drei Seiten hineinfotografieren (die vierte grenzt an den Küchenschrank).

1M3A0392 1 250Krischan scheint es nicht zu stören, dass er noch keinen Durchblick hatWenn immer die Knirpse aktiv werden, greifen wir sofort zu und werfen ihnen einen tiefen Blick in Augen, und siehe da: Korbi, Klecks, Kathi und Käptn blicken auch schon milchigblau zurück. Jetzt fehlt nur noch der Herzbube Krischan.

Vielleich lassen wir den Sonntag nach den vergangenen Trauertagen mit einem Hoffnungsschimmer ausklingen, einer wie die Augensterne unserer Knirpse: Das Wetter war heute recht schön und aufgeräumt. Aber so soll es leider nicht bleiben.

Der Blick in die Welpenbox ist Meditation pur - seht selbst

 

Montag, 30. Januar 2023

An den Gewichten erkennen wir, dass Hedda wieder daran glaubt, nicht mehr unangemeldet verlassen zu werden. Frauchen ist wieder da und schon ist sie wieder die alte und stellt ihre Kinder nicht mehr aufs Wartegleis. Trotzdem halten sich die Gewichte immer noch in Grenzen, aber in sehr entspannten.

Um 5:30 Uhr melden Koschi 1220 (+50), Kini 1190 (+80, Gewicht verdoppelt), Korbi 1160 (+90), Klecks 1150 (+50), Kuno 1140 (+80, Gewicht verdoppelt), Krischan 1050 (+70), Käptn 1050 (+60, Gewicht verdoppelt) und Kathi 950 (+40), insgesamt 520 Gramm mit einem Durchschnitt von 1113 Gramm.

Und falls jemand nicht genau hingesehen hat, stoßen wir ihn mit der Nase auf die entscheidende Stelle in der Tabelle: Krischan hat heute erstmals, bei gleichem Gewicht aber einer größeren Zunahme, Käptn überholt und ihm den Damenvorplatz überlassen. Und weil er sich darüber so freut wie wir und sehen will, wo er denn da gelandet ist, riskiert auch er heute als Letzter ein Auge.

„Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden“ (Mt 13,11). Gegen das Letztere legen wir Einspruch ein; das kann getrost noch ein paar Jahre auf sich warten lassen, eher werden sie vorher taub, und noch vorher schwerhörig wie unsere Oma. Wobei selbstverständlich eine zeitbegrenzte Spontanerblindung durchaus gelegentlich ein Segen sein kann.

Apropos Segen: Der kommt heute heftig von oben mit Schneeregen und Sturm. Macht nichts, heute hat die Chefin Außendienst 🤣.

 

Dienstag, 31. Januar 2023

The winner takes it all / The loser's standing small. Dieser Text von Abba zitiert die Schlichtheit einer Welt, die sich nicht mit komplexen Abläufen belasten mag. Beim Sozialdarwinisten Herbert Spencer hieß das 1864 noch The survival oft the fittest, was das Überleben der am besten angepassten Individuen beschreiben sollte. Der Blues wird heute Morgen an beide Zitate erinnert, wobei zumindest ABBA änderungsfrei übernommen werden könnte, Spencer müsste man hin zum Survival of the fattest korrigieren. Besondere Tragik erfährt das ABBA-Zitat, wenn schon das all ziemlich small ist. Ihr ahnt es schon, es geht um das Ergebnis der gestrigen Schlacht an Heddas lauwarmem Büffet.

1M3A0434 Bearbeitet 1 250Schmuse-KoschiAnd the winner is: Koschi! Auf bestehende 1220 Gramm packt er, Brüder hin, Schwester her, rücksichtslos weitere 140 Gramm drauf (1360). Wie das Tagesbild vom 30. Januar belegt, hat er sich dafür schon am Abend vor der heutigen Wägung prophylaktisch bei seinem Frauchen entschuldigt. Wenn sie das gewusst hätte…

1M3A0422 1 250Korbi im Chill-ModusNach ihm kommt lange nichts. Schon Korbi hechelt mit weitem Abstand und 1190 Gramm (+30) hinterher. Als chinesischer Hase lernt er jetzt, dass immer, wenn er an eine Zitze kam, schon ein anderer da war. Vermutlich Koschi.
Klecks erlitt wohl das gleiche Schicksal, aber mit seinen 30 Gramm plus (1180) verdoppelt auch er nun sein Geburtsgewicht.
Auch Kuno ist ein Verlierer am mütterlichen Zapfhahn: 1170 Gramm (+30).
Völlig unter die Räder kam Kini, der sich gestern möglicherweise zu sehr mit der Außenwelt beschäftigte als sich um sein Wohlergehen zu kümmern: -30 Gramm und Rücksturz auf 1160 Gramm und von Platz zwei auf fünf.
Krischan macht sich dagegen offenbar zum Langen Marsch von ganz hinten auf: plus 70 Gramm ergeben 1120 Gramm und einen stabilisierten sechster Platz.
Käptn HookCookLook wäre dagegen besser ein Käptn Schluck, denn mit seinen kläglichen 20 Gramm bleibt er mit 1070 Gramm auf dem vorletzten Platz,
nicht mehr weit vor Kathi, die mit 70 Gramm ordentlich nachlegte und mit 1020 Gramm als Letzte ihr Geburtsgewicht verdoppeln konnte.
Insgesamt melden wir heute 360 Gramm Zuwachs und ein Durchschnittsgewicht von 1158 Gramm.

Ein Grund für das dürre Ergebnis kann sein, dass Hedda nur noch ungern in die Kiste zum Säugen geht, sondern das Kuddebett vorzieht. Dort kommen die Knilche jedoch immer wieder auf andere Gedanken und lassen sich von ihrer Neugier ablenken. Allerdings kann es auch sein, dass Hedda langsam die Molkerei versiegt, nicht komplett, aber peu à peu. Und wenn dann ein Freiherr Koschi von Nimmersatt und Skrupellos alles für sich einfüllt, sitzt der Rest der Mannschaft below the salt, also am unteren Ende der Tafel. Wir werden das verfolgen und, wenn es dabei bleibt, zufüttern.

Bei dieser Gelegenheit müssen wir unbedingt darauf hinweisen, dass trotz des schwachen Ergebnis von gestern bei keinem Knirps irgendwelche Sorgen wegen Unterversorgung aufkommen müssen. Im Gegenteil. Gerade gestern, zur Rechten und zur Linken unserer kleinen Messiasse sitzend, stellten wir fest, dass wir noch nie eine so durchgehend kompakte Zwergenschar hatten. Das gilt nicht nur für kernd’lg’futterte Anführer, sondern ebenfalls für Krischan, Käptn und Kathi. Alle stehen gut im Futter, sind kraftvoll und rundum stabil, nix als Muskeln und Samenstränge, respektive pralle Eierstöcke. Um diese Zeit hatten wir bisher fast in jedem Wurf einen oder zwei Nachzügler, denen wir gelegentliche Sonderöffnungszeiten bei Mama organisieren mussten. Und auch die sind alle veritable Hovis geworden.    

Dass die Acht tatsächlich bei bester Gesundheit und voller Energie sind, muss der Assi erfahren, als er von der Bahnablieferung der Zuchtmeisterin frohgemut morgens zum Frühstück nach Hause kommt. Da toben Kini, Koschi, Kuno, Käptn, Klecks und Krischan fröhlich, wenn auch gelegentlich etwas unsicher greinend durch die Küche. Nur Kathi und Korbi liegen noch eng aneinander geschmiegt im Kuddebett. Die Zuchtmeisterin war sicher, dass wir sie wegen der paar Minuten seiner Abwesenheit nicht in die Schnullerbox sperren müssten, weil die jetzt selig schlafen würden, wenn nichts los ist. Mama und Fianna hatten wir nämlich vorsorglich in den Vorraum gesperrt, dass die ihnen keinen Unsinn beibringen. Möglicherweise hatte sie jedoch der Hunger nach dem dramatischen Diättag gestern aus ihrer Höhle getrieben, und, wenn es schon nichts zu trinken gibt, sicherheitshalber und notgedrungen mehrere Lachen in die Küche gepinkelt. Hedda und Fianna sind sofort zur Stelle, als er die Glastür öffnet, kümmern sich gemeinschaftlich um die Ausbrecher und wischen auch gleich noch den Boden.

Gestern Abend hatten wir einerseits resümiert, dass die Knirpse eigentlich für den Moment doch eher ruhige und zufrieden Kameraden sind, die selbst das immer offene Kuddebett nur selten verlassen, dann aber, so das zweite Resümee, sich unerschrocken und schon ziemlich sicher bewegen. Diesen Beweis haben sie soeben erbracht. Jetzt geht das also los! Und: Keine ruhige Minute ist von nun an für uns drin…

Zum Ende dieser Woche sammeln wir noch ein paar Pretiosen und Auffälligkeiten dieser zweiten Woche für euch alle zusammen.

1M3A0475 1 250KorbiFangen wir bei Korbi an. Er scheint schon eine sehr feine Nase zu haben und kommt aus der offenen Schnullerkiste, weil Fianna an ihr vorbeilungert. Das ist schon eine bemerkenswert Entwicklung. Bemerkenswerter jedoch ist Korbis jetzt schon unantastbare Stellung als rechtmäßiger Nachfahre seines Ur-Ur-Großvaters Cherom vom Brahmetal. Cherom war, dafür legen wir alle vier Hände ins Feuer, der kameraaffinste Hovi aller Zeiten. Schön wie ein Adonis war er, selbstverliebt wie Narziss, auf Ausstellungen überschüttet mit unzähligen Championswürden und den höchsten Weihen, und er war sich seiner Schönheit jederzeit bewusst.

Wie sich das in der Praxis darstellte, erfuhr der Chronist vor vielen Jahren bei einer Leistungsprüfung in Deggendorf, bei der Cherom beweisen wollte, dass Schönheit kein Ausschlusskriterium für höchste Leistung ist. Als er über die Meterhürde gesetzt hatte, um das Bringholz aufzunehmen und über die Hürde zu seinem Hundeführer zurückzubringen, entschloss sich Cherom kurzerhand, dieses doch lieber dem chronischen Fotografen jenseits des Zauns zu bringen. Er setzte sich mit dem Holz im Fang wenige Meter vor die Linse, legte den Kopf ein wenig zur Seite, stellt seine Ohren auf, so gut Hovawarte das eben können, wartete einige Kameraklacks ab und trug das Holz auf kürzestem Weg zu seinem Herrn und Meister zurück. Das Publikum konnte kaum das Wasser halten und der betrogene Hundeführer kaum an sich. Weil er aber seinen Cherom über alles verehrte und liebte, war der Zorn schon verraucht, als Cherom ihm das Holz vor die Füße legte und die vierbeinige Rampensau in den Armen seines Herrn. Cherom bekam nur einen kleinen Klaps, der Chronist dafür ein striktes Fotografierverbot bei allen zukünftigen Auftritten Cheroms.     

Korbi könnte so einer werden. In jedem Wurf gibt es Welpen, die ständig vor die Kamera laufen, man hält drauf, drückt ab – und hat schon wieder denselben. Immer die gleichen Modells. Woran das liegt, haben wir noch nicht ergründen können, jedenfalls erschwert es die gerecht verteilte Auswahl der Tagesbilder erheblich. Unter den Knirpsen ist Korbi dieser Kamerakasper, schön markiert wie einst sein Urahn und von der nämlichen Kamerageilheit beseelt. Schon jetzt nach 2 Wochen.   

1M3A0423 1 250KlecksKlecksi ist dagegen ein richtiger Spaßvogel und Gute-Laune-Knirps. Wann immer er die Gelegenheit findet, zupft er die Mama schon am Ohr und treibt mit seinen Geschwistern Schabernack.

1M3A0454 1 250KoschiKoschi, der Mächtige, fängt jetzt bereits an, sich immer wieder auf seine Beine hochzudrücken und in eine richtige Vorwärtsbewegung zu kommen. Allein stehen kann er schon.

1M3A0467 1 250KiniKini ist dagegen der Wanderer, der Rastlose, der schon alles erkundet, einer der ständig unterwegs und auf der Suche ist. Ängstlich ist er dabei keinesfalls.

Auf ihn bezogen haben wir aber auch eine traurige Nachricht: Der Kini hat seine Flügelchen auf der Brust verloren und damit die Fähigkeit, es den Höhenflügen seines Urahns nachzutun. Er, der seinerzeit als schönster aller Märchenkönige gestartet war (Tiger), ist letztlich als feister bipolarer fetter Hase im Starnberger See gelandet, kein Schwanenflügel hatte ihn getragen. Auch ihm waren die Fluggeräte abhandengekommen. Dass unser Kini jetzt schon auf seine Flügel verzichtet, lässt aus ihm kein bayerischer Märchenkönig mehr werden, sondern bestenfalls noch der Herr König aus Vagen. Dazu passt dann auch sein ambitionsloser Gewichtseinbruch.

Noch einen letzten Schwund wollen wir für die Nachwelt festhalten. Ein strammer, warmer Wind streicht übers Mangfalltal und lässt den Schnee im Sauseschritt verdampfen. Das macht das Gehen schwer, aber das Herz des Chronisten froh.

So ward aus Mittwoch bis Dienstag die zweite Woche.

 

Mittwoch, 1. Februar 2023

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind…

1M3A0506 1 250Kathi und Kini stört das windige Wetter draußen nichtNordatlantisch stürmt es heute im Mangfalltal. Dem Nachmittagsspazierer ergeht es sogar ohne Schirm fast wie dem Fliegenden Robert … huuuiiii …

Doch was sagt der allwissende und ewig wahre Bauernkalender zu diesem Sauwetter? Der Feber muss stürmen und blasen, soll das Vieh im Lenze grasen. Dann mal zu, das hört sich gut an.

Bevor wir jedoch zu sehr ins Träumen geraten, beschäftigen wir uns mit den schnöden Fakten im Welpenzirkus. Und die hat heute, wie jeden Morgen, die Waage.

Da fällt zuerst auf, dass Koschi auch anders kann als nur seine Geschwister ihrer täglichen Milch zu berauben, heute beispielsweise mit einem spärlichen Aufschlag von 20 Gramm (1380). Das lässt ihm noch lange nicht die Wänglein einfallen und er muss auch deswegen seinen Sonnenplatz ganz oben nicht aufgeben. Aber immerhin… Ob es Schläfrigkeit war oder doch eine Spur von Charakter?

Klecks nimmt dafür Koschis Durchhänger dankend an und polstert sich mit 100 Gramm auf, was ihn auf 1280 Gramm und wieder einmal an Korbi vorbei trägt.

Der schafft heute nur 60 Gramm (1250) und verdoppelt damit als Letzter sein Geburtsgewicht, was bei 620 Gramm zum Erdbeitritt ja wirklich eine Aufgabe ist, vor allem, wenn man einen nimmersatten Bruder wie Koschi hat.

Kini bringt auch ordentliche 70 Gramm mehr auf die Waage (1230), mit dem gleichen Endgewicht wie Kuno, der allerdings nur 60 Gramm zulegen kann. Krischan bleibt bei 30 Gramm unter den Möglichkeiten, die er zuletzt nachgewiesen hat (1150), rangiert aber weiterhin vor Käptn (1120, +50). Und die bayrisch‘ Kattl träumt sich mit einer glatten Nullnummer auf ihren 1020 Gramm fest. So errechnen wir einen mittelmäßigen Zuwachs von 390 Gramm bei einem Durchschnittsgewicht von nun 1207 Gramm.

Dieser 1. Februar hat wenig mehr im Gepäck als Wind und Regen, aber in einem Kindergarten ist immer ein wenig Fortschritt, weil Stillstand ein besorgniserregender Rückschritt wäre.

Da wäre beispielsweise Kini, der heute Morgen nach der Entlassung aus der Kiste und der Morgenspeisung einen bemerkenswerten Alleingang in der Küche unternimmt, sich dabei sehr für den Deckenstapel und den Kühlschrank interessiert. Er ist somit der Erste, der den engen Kreis ums Kudde-Außenlager verlässt – und dabei völlig entspannt bleibt. Er jammert nicht, er sudert nicht, er ist nur unterwegs, was für uns bedeutet, ab sofort unsere ersten Blicke beim Betreten der Küche auf den Boden zu richten, dort könnte nämlich ein Kini lustwandeln. Noch eine Leidenschaft zeichnet unseren Kini aus: Wenn ein Knirps auf dem Rücken liegt, ist es der Kini. Egal ob allein irgendwo in der Kiste, zwischen seinen Geschwister oder unter seinen Geschwistern an Mamas Bar: Kini liegt bevorzugt auf dem Rücken (sofern er nicht auf Wanderschaft ist).

1M3A0507 1 250KlecksNach den Augen wird nun auch das Gehör aktiv. Die ersten recken schon mal die Köpfe, wenn man sich ihnen im Schlaf nähert; war da was? Dann beginnen sie zu pendeln und zu sondieren: Jawoll, da war was. Blitzschnell wird daraufhin der ganze Knirps putzmunter und macht sich auf den Weg.

Und die Knirpse fangen jetzt mit den ersten Versuchen einer sozialen Fellpflege an und lecken sich gegenseitig 😜. O leck…

 

Donnerstag, 2. Februar 2023

Ein Tag wie eine 24 Stunden währende Verheißung bricht an: Mariä Lichtmess.

Kein Mensch feiert heute mehr das katholische Fest der „Darstellung des Herrn“, und dennoch sollte man es nicht aus den Augen verlieren. Jener Tag, an dem früher traditionell Knechte und Mägde ihren Jahreslohn in Geld oder Naturalien bekamen und sich bei ihrem Dienstherrn weiter verpflichten oder den Arbeitgeber wechseln konnten, war wahrscheinlich für viele von ihnen der einzige Lichtblick im Jahr. Danach konnte es schnell wieder düster werden.

Etwas ganz anderes verspricht die alte Bauernregel: Mariä Lichtmess, Supp bei Tag ess‘. Damit ist keine Nudel-, Zwiebel- oder Knödelsuppe gemeint, sondern die Milchsuppe, die man im Bauernhaus morgens nach dem Melken gemeinsam verspeiste. Die alten Bauersleute waren nämlich feine Naturbeobachter und hatten herausgefunden, dass die Tage ab dem 2. Februar sehr viel schneller zunehmen als die davor. Das bedeutet: Ab jetzt geht’s mit der Tageslänge fix und flott bergauf. In München wird es ab heute jeden Tag drei Minuten länger hell sein, das summiert sich pro Woche auf 21 Minuten! Na, glänzen da nicht ein paar Äuglein vor Glück? Die des Chronisten funkeln schon wie die Kronjuwelen im Tower.

Wenn zudem der Wetterbauer prophezeit Auf Lichtmess lasst es Winter sein, kommt der Frühling bald herein, und die Wetterprofis für heute und die nächsten Tage Winter und viel Schnee ankündigen, ist das Glück schier grenzenlos. Eine andere Prophezeiung lautet Sonnt sich der Dachs in der Lichtmesswoche, geht auf vier Wochen er wieder zu Loche, erinnert uns das doch sehr an das Murmeltier des amerikanischen Groundhog Day, der ebenfalls am heutigen 2. Februar gefeiert wird, und bei dem ein Murmeltier öffentlich aus seinem Bau gelockt wird. Sieht es dabei seinen Schatten, scheint also die Sonne, soll der Winter noch weitere sechs Wochen dauern. Keine Frage, die ausgewanderten Bauern haben einfach ihr Brauchtum mit über den großen Teich genommen und den Dachs gegen ein Murmeltier ausgetauscht. Wenn sie sich nur an ein paar andere Errungenschaften des alten Europas auch noch so gut erinnern würden…

Jetzt aber Schluss mit der Brauchtumspflege und alle Hoffnung auf die Prophezeiung des angekündigten Wintereinbruch gerichtet!

Aktuell ist es draußen das, was man in Bayern greislich nennt: Regen und treibender Wind, Sturmwind und treibender Regen, wechselnd in dieser Reihenfolge. Doch in höheren Lagen soll es zuverlässig schneien heute. Und genau so soll es sein, haben wir soeben gelernt.

Nächster Tagesordnungspunkt: Baiblues‘ Gewichtmess.

Koschi hat seine 20 Gramm von gestern mit 70 Gramm plus wieder standesgemäß korrigiert und meldet 1450 Gramm. Das sind 150 Gramm mehr als Korbi (1300, +50) als Zweitplatzierter aufzuweisen hat oder genau die Menge Magerquark, die Heddas tägliche Welpenmilch beinhaltet. Auch Klecks kann mit 1300 Gramm aufwarten, erzuzelte sich aber nur 20 Gramm mehr, weswegen er mit Korbi den Verfolgerplatz tauschen muss. Dahinter bleibt alles wie gestern und gehabt: Kini 1280 (+50), Kuno 1280 (+50), die beiden, die nicht nur in der Gewichtstabelle gerne Hand in Hand durchs junge Leben ziehen, danach Krischan 1180 (+30), Käptn 1130 (+10) und Kathi 1090 (+70). Am Ende kommen trotz allseitiger Bemühungen nur 350 Gramm Aufschlag zusammen und ein Durchschnitt von 1251 Gramm.

Die tägliche Gewichtszunahme pendelt sich auf relativ bescheidenem Niveau ein, was darauf hindeutet, dass wir bald werden nachhelfen müssen. Dann wird sich zeigen, was abgeht und vor allem, wie sich die Dauerverdrängten und Durchgereichten entwickeln werden, wenn sie ihr Hüftglück selbst in die Hand nehmen können. Nach unserer Erfahrung ist allerdings noch keine(r) freiwillig am vollen Napf verhungert.

Wir sind da voller Zuversicht, denn die Knirpse kommen ja auch sonst schon gut in ihrem kleinen Leben zurecht. Wenn die Schnullerkiste geöffnet wird, finden sie meistens schon auf kurvenreich direktem Weg ins Kudde-Außenlager, und die Kraftpakete Koschi und Klecks schaffen es meist auch schon, ihren Pummelpo über dessen dicken Wulst zu wuchten, mit Mühen, heftig rudernd und maulend zwar, aber schließlich schaffen sie es und bilden sich wenigstens ein, dass sie von den anderen bewundert werden. Wir tun das.

Der kleine Käptn ist dagegen immer noch ein bisschen verpeilt, zumindest wenn es um den direkten Weg zu Mamas Bar geht, was für einen Seemann doch eher ungewöhnlich scheint. So gesehen ist er eher ein Leichtmatrose, obwohl es denen gewöhnlich auch nicht schwer fällt, den Weg zur nächsten Kneipe zu finden. Aber auf der Suche nach der Tränke verstreicht jene Zeit, die die anderen nutzen, um tabula rasa zu machen. Wenn der Käptn dann allerdings an einem Zapfhahn festgemacht hat, lässt er so schnell nicht mehr los, dann zapft er sich fest, bis er wie ein voller Blutegel von der Quelle taumelt. Dann sucht er sich den nächsten Zapfhahn, aus dem er noch eine Neige saugen kann. In Bayern nennt man so einen: Noagerlsaufer.

1M3A0521 1 250Kini und Kuno tanken Kraft bei Mama HeddaKini entwickelt seine Neigung (bitte nicht: Noagung wie beim Noagerlsaufer!) zu extensiven Fußmärschen weiter und vertieft sie. Innerlich gelassen, dabei äußerlich hochkonzentriert und bemüht streift er durch die Küchenlandschaft, exploriert Deckenstapel und Sitzkissen und, sofern vorhanden, gerne auch Schöße. Nicht selten wird er dabei von Kuno begleitet, ebenfalls schon ein versierter Fußgänger. Es ist ein richtig großes Kuni-Kino, wenn die beiden unterwegs sind. Noch schauen sie sich nur um und sondieren die Lage. Wir ahnen aber bereits, dass wir mit diesen Freibeutern, die offenbar auch ohne Käptn gut zurechtkommen, noch unseren Spaß haben werden.

1M3A0524 1 250Klecks und Korbi on TourEin anderes derzeit dickes Brüderpaar sind Korbi und Klecks, die nicht nur Seit an Seit durch die Gewichtstabelle schreiten, sondern auch sonst gerne zusammen abhängen. Als Ergebnis resultiert daraus, dass Klecks fast so häufig auf unseren Bildern zu finden ist wie die Rampensau Korbi.

Außer ihren immer sicherer werdenden Gehversuchen, entwickeln die Knilche auch weitere lebenserhaltende Fähigkeiten. Dazu gehört, dass sie nun vermehrt seltsame Verrenkungen und Schlitzaugen machen, als deren Ergebnis am anderen Ende des Welpen ein Teich entsteht, ein Teich, dessen Ausmaße die Frage provoziert, wo er vorher im Knirps Platz gefunden hatte. Im Gefolge der Wasserwirtschaft entlassen die Knirpse auch zunehmend feste Würstchen irgendwo in der Küche, je Kini und Kuno desto weiter verteilt.

Aber sie entwickeln auch eine andere lebenserhaltende Fähigkeit, die keine Beeinträchtigung ihrer Gastfamilie darstellt. Auch die ist mit seltsamen und mitunter schauerlich schönen Verrenkungen beziehungsweise Ab- oder Umstürzen verbunden: Die Knirpse versuchen nun bereits, sich mit einem Hinterbein am Ohr zu kratzen. Was wäre denn ein Hund, der sich nicht am Ohr kratzt? Und sei es nur, um seine Verlegenheit zu überspielen.

All diese enormen Entwicklungsschritte werden mit Freude und zunehmendem Interesse von Fianna verfolgt. Sie fühlt sich nun dringend als erfahrene Muhme gefordert und versucht, Stück für Stück von der Oma zur Mama zu mutieren: Kaum passt man nicht auf, liegt sie bei den Knirpsen im Kudde und hat augenblicklich alle acht am Bauch! Hedda schreitet nicht dagegen ein, wir aber postwendend und spaßbremsend.

Gelegenheit macht in diesem Fall keine Liebe.

 

Freitag, 3. Februar 2023

Geschneit hat es nicht im Mangfalltal und ebenso wenig in der näheren Nachbarschaft. Bei uns herrscht eher ein Gefühl von green, green grass of home vor. In Anderdeutschland schneite es dagegen mehr als man es dort für notwendig erachten dürfte. Was bedeutet das aber nun für den auf bald prophezeiten Frühling im Gefolge des Lichtmesswinters? Wir sind uns einig: nichts! Denn der Bauernprophet hat nicht behauptet, dass der Frühling im Mangfalltal gemacht wird. Also: cool bleiben!

1M3A0519 1 250Die Kudde wird der Wurfkiste eindeutig vorgezogenCool ist auch der allmorgendliche Blick auf die Waage, schon deswegen, weil es nur wenige Überraschungen gibt. Die schlichte Wahrheit besagt, dass es bei den Knirpsen drei Funktionsgruppen gibt: die Solitär-Funktionsgruppe Koschi, danach die Quatro-Diadochengruppe (Korbi, Kini, Kuno, Klecks) und am Ende das coole Spargel-Trio, das, weil es am Ende hängt, auch mit dem französischen Etikett cul ausgezeichnet werden könnte.

Für den heutigen Freitag bedeutet das in Zahlen:

Der Solitär-Koschi marschiert mit 50 Gramm Zugabe unbeirrt vornweg (1550).
Die Diadochen haben dagegen einmal radikal durchgewechselt. Erster Verfolger ist nun Kuno mit 90 Gramm mehr und 1370 Gramm, gefolgt von Klecks (1370, +70), Kini 1360 (+80) und Korbi 1330 (+30). Gestern lautete die Reihung noch Korbi, Klecks, Kini und Kuno. So schnell kann es gehen.
Das schlusslichternde Trio reiht sich wie folgt: Käptn 1220 (+90), Krischan 1180 (0) und Kathi 1120 (+30).
Insgesamt liegt der Gesamtzuwachs bei erfreulichen 440 Gramm und bringt einen Durchschnitt von 1306 Gramm.  

1M3A0539 1 250Für Mama Hedda stehen ihre Kinder an erster StelleAllen, die nicht nur an den putzigen Kleinen interessiert sind, sondern auch einen kurzen Blick hinter die Kulissen einer Zuchtstätte schätzen, geben wir mal wieder einen schnellen Update zu Hedda. Sie bekommt weiterhin viermal täglich eine ordentlich Portion in ihren Napf: Nach dem Aufstehen Welpenmilch, nach dem Morgenspaziergang Trockenfutter, nach dem Nachmittagsspaziergang hoch energetisches Welpentrockenfutter und abends Frischfleisch oder Konserve. Sobald wir zufüttern, was in den nächsten Tagen geschehen wird, werden ihre Mahlzeiten reduziert. Ihr Stuhlgang ist inzwischen perfekt, Durchfall oder Brei ist Vergangenheit. Sie verliert immer noch blutigen Schleim, was bis vier Wochen nach der Geburt völlig normal ist, uns beruhigt und ihr eine geradezu unfassbar stabile Verfassung beschert, weil sie in ihrem Körper konsequent klar Schiff macht: Hedda ist topfit und bei bester Laune. Die Zuchtmeisterin ruht nachts noch immer in der Stube, weil wir Hedda den Konflikt ersparen wollen, nachts zwischen Schlafzimmer und Kindern entscheiden zu müssen. Wenn wir alle rudelschlafen, will sie selbstverständlich dazugehören. Wir, genauer die Chefin beobachtet nun, ob sie nachts zu ihren Knirpsen will. Wenn sie keinen Drang mehr dazu zeigt, kehren wir wieder zur Normalität zurück.

Im selben Maße, wie bei Hedda sich alles langsam hin zur Normalität entwickelt, schreitet die Entwicklung der Knirpse rasant voran. Was gestern bei Kini noch für Aufsehen sorgte, als er seinen einsamen Küchentripp machte, ist heute fast schon Allgemeingut: Fünf der acht Knirpse inspizieren die Küche (Koschi, Kuno, Käptn, Kini, Korbi), strawanzen unter anhaltendem Gezwitscher umher, keinesfalls ängstlich zwitschernd eher der Kontakterhaltung dienend. Und in der Schnullerbox, die hauptsächlich nur noch nachts zum Einsatz kommt, verziehen sich Koschi und Kuno in eine schummrige Ecke und versuchen sich schon mal an einem ersten zaghaften Ringkampf. Männer eben…

Vielleicht haben sie aber auch Wind davon bekommen, dass mit diesem Wochenende ein reger Zuschauerverkehr beim Blues einsetzen wird und beschlossen, die eine oder andere Show-Einlage einzuüben, um ein bisschen mehr Eindruck zu machen als die Schoßhocker-Puppys. Chippendale Rambos…

 

Samstag, 4. Februar 2023

Der Samstagmorgen erhebt sich, wie auch wir, aus seinem Bett, völlig unzerzaust, weil sich der Wind des Nachts schlafen legte, und schaut mit einer freundlich lachenden Sonne in unsere Gemächer, so als ob er sich versichern wollte, dass wir noch da und nicht verblasen sind.

1M3A0568 1 250Koschi und KunoEin wenig verblasen scheint derweil das Waagemodul. Früher hätte man den Eichmeister gerufen, um den Waagebalken zu justieren, doch letztlich erweist sich dieser über jeden Verdacht erhaben. Es sind zwei Knirpse, die die neue Babywaage in kurzzeitigen Verruf bringen. Wenn von 440 Gramm Gesamtzuwachs (wie gestern) die Hälfte auf zwei der Gewogenen gehen und die anderen sechs sich hinterherkleckernd die andere Hälfte teilen, dann glaubt man schon einmal, seinen Augen nicht trauen zu dürfen und erinnert sich an das drohende Orakel über Belsazar Gewogen und zu leicht befunden. Ob die einen zu leicht oder die anderen zu schwer befunden werden sollten, wollen wir am frühen Morgen noch nicht abschließend entscheiden, sondern lieber auf das Urteil der Zeit warten. Auflösung:

Koschi 1590 (+90), Korbi 1460 (+130) ergeben zusammen 220 Gramm Aufschlag.
Kuno (+60), Kini 1400 (+40), Klecks 1370 (0), Krischan 1230 (+50), Käptn 1220 (0), Kathi 1190 (+70) machen zusammen ebenfalls 220 Gramm Auflastung. Der Durchschnitt von 1361 Gramm ist an einem solchen Tag eher zweitrangig. Was geht da vor? Dass der Käptn gelegentlich auf dem Null-Marodian schippert ist nichts Neues, schließlich verpasst man Mahlzeiten, wenn man unterwegs ist. Klecks war in dieser Hinsicht bislang eher unverdächtig, aber offenbar dafür anfällig. Und warum haut sich Korbi 130 Gramm auf die Rippen? In der Hoffnung Koschi noch vor der ersten Halbzeit abfangen zu können, obwohl der schon 5:0 führt? Und wann zuzelt sich Kuno 60 Gramm auf die Hüften, obwohl er, zusammen mit Kini, die meisten Kilometer in der Küche absolviert? Fragen über Fragen.

1M3A0564 1 250Krischan und Korbi helfen den Großen schon beim "In der Küche auf Fressen lungern"Lassen wir sie für den Augenblick Fragen bleiben und so stehen. Tatsächlich summieren sich die Strecken, die die Knirpse inzwischen in der ganzen Küche zurücklegen. Wachphasen werden zur Exploration genutzt. Der unermüdlichste Entdecker ist tatsächlich Kuno, dem keine Ecke unheimlich genug ist, um sie nicht zu untersuchen. Immer vermittelt er den rastlosen Eindruck, die Welt an einem einzigen Tag erobern zu wollen, wo doch der Weltenmacher schon sieben Tage benötigte, um sie zu schöpfen. Oft begleitet ihn Kini bei seinen Vorhaben, und Käptn geht seiner eigenen Wege, immer ein wenig abseits der knirpsigen Trampelpfade.  

Als der Abend Wolken übers Mangfalltal legt, hat sich die ganze Knirpsenbande weitläufig verteilt, die einen zwitschernd und keckernd in der Küche, die anderen heldenbrüstig und lautlos im Wohnzimmer, dessen Holzboden für sie annähernd so elektrisierend sein muss wie Treibsand für den verirrten Goldgräber. Indes geben Koschi und Käptn die Dick-und-Doof-Nummer und schlafen wie ein Herz und eine Seele mitten in der Küche.  

Das, so beschließt Hedda, ist eine gute Gelegenheit, die alte Schnullerkiste wieder als das zu nutzen, wofür sie geschaffen wurde: als Schlafgemach. Alles gut und alles im Fluss…

 

Sonntag, 5. Februar 2023

 M3A0601 1 250KlecksHaben wir uns gestern über den Nuller-Klecks gewundert und ihn, zusammen mit den anderen wunderlichen Ergebnissen, in Frage gestellt? Dann nehmen wir das jetzt zurück und machen aus Klecks einen Klops. Merke: Ein gesunder Welpe verhungert nicht, sondern hilft sich selbst. Konkret bedeutet das, dass Klecks die gestrige Lücke eindrucksvoll zugespachtelt hat.

Koschi schreitet erwartungsgemäß weiter voran: 1660 (+70). Die ständig wechselnde Reihung im Diadochenclub soll uns vorerst nicht weiter beschäftigen, außer den 140 Gramm von Klecks (1510), die ihn wieder auf den Verfolgerplatz katapultieren, Korbis 40 Gramm plus lassen seine Schönheit weiter reifen (1500), Kinis 80 Gramm (1480) werfen die Frage auf, wann er sich die auf seinen Wanderungen angefuttert hat und Kuno ist mit -10 Gramm der Schwachmat des Tages (1420). Bei Käptn stellt sich die gleiche Frage wie bei Kini: Wann hatte er Zeit, 60 Gramm aufzupolstern (1280)? Kathi 1260 (+70) und Krischan 1260 (+30) tänzeln von allen Fragen unbeleckt am Ende des Zugs. 480 Gramm kommen somit heute zusammen und ein Durchschnitt von 1421 Gramm.

Wir schreiben heute den 18. Tag des K-Wurfs und holen, weil man ja selbst auch gelegentlich über die Zahlen verwirrt ist, mal schnell die Gewichte des J-Wurfs am 18. Tag aus dem Archiv:

Das Durchschnittsgewicht war damals 1275 Gramm (heute 1421). Das sieht nicht nach Unterversorgung aus. Noch interessanter wird der Blick hinter die Kulissen, wenn man sich das Tabellenende vornimmt. Der leichteste Hund war damals Jule mit 1070 Gramm. Krischan und Kathi bringen heute 1260 Gramm auf die Waage. Jeannie hatte wie Kathi ein Geburtsgewicht von 490 Gramm und wog am heutigen Tag 1090 Gramm. Jule (Nike) ist heute eine mächtige und kraftvolle Hündin, die Leben für zwei in sich trägt, und Jeannie ist nicht nur bezaubernd, sondern ausgesprochen schön und wohlgewachsen. Liebe Leute, die ihr guter Hoffnung auf Nachwuchs seid, ihr könnt euch schon mal auf acht keinesfalls notleidende neue Familienmitglieder freuen.   

Dass es den Knirpsen offenbar an nichts mangelt, lässt sich daran erkennen, dass sie ihre Rechte inzwischen vehement einklagen. Wenn Mama morgens etwas später die Kneipe öffnet, wie das heute ausnahmsweise einmal der Fall ist, ist ein regelrechter Boxenterror angesagt, da wird geklagt und gekreischt und gejault und, ja, auch das geht schon in rudimentären Ansätzen, gebellt, was allerding mehr nach einem rauen Husten klingt.

Die Begeisterung für Küchenwanderungen hat nicht nur immer geschicktere Bewegungen zur Folge. Offenbar gilt auch schon für Welpen, was allgemeine Gültigkeit besitzt: Bewegung hält nicht nur gesund, sondern macht darüber hinaus auch noch schlau. Kaum, dass die Knirpse ihr neues Reich in Besitz genommen haben, wissen sie, wo Mamas und Omas Futterschüsseln stehen. An die kommen sie zwar nicht ran, weil die in einem Gestell hängen, aber einen Versuch ist es allemal wert, der Mama an die Zitzen zu gehen, während die futtert. Das schätzen weder Mama noch Oma, weswegen sie herumtanzen wie zwischen explodierenden Knallfröschen an Silvester. Obwohl die Zwerge an die Milchspender noch nicht heranreichen, müssen wir das abstellen und die nächste Entwicklungsstufe zünden: Futterschüsseln ab morgen ins Wohnzimmer.

 M3A0577 Bearbeitet 1 250Auch Schönheiten werden mal müde: KorbiHaben wir bereits über den schönsten aller schönen Korbis gesprochen. Es bleibt dabei: Die Hälfte aller Fotos werden weiterhin von Korbi okkupiert. Kann uns mal jemand sagen, wie der das hinkriegt? Diese korbianische Omnipräsenz ist nichts als eine freundlich lächelnde Übernahme der Knirpsenschar. Genau genommen haben wir keine Knirpse mehr, sondern nur noch einen Korb voller Korbis.

 M3A0608 1 250Klecks schläft aushäusigNur einer scheint sich gegen diese Vereinnahmung zu wehren: Klecks. Er zieht aus dem Kudde aus und richtet sich sein Lager lieber auf dem Sitzkissen daneben ein. Die Milchschwemme gestern scheint seinen Synapsen gut getan zu haben.

Nachmittags beginnt es zu schneien. Nicht viel, eher als Winteralibi. Liegen bleibt nichts davon. Wir fragen uns nun, ob das zu spät für den frühen Lenz ist, der uns für einen Winter an Lichtmess prophezeit wurde (Auf Lichtmess lasst es Winter sein, kommt der Frühling bald herein). Oder reicht es auch für einen frühen Lenz, wenn die Nordlichter und Bayerwäldler im Schnee versinken? Wir gönnen ihnen die weiße Pracht von Herzen, wären aber not amused, wenn nur sie schon demnächst ins (b)laue Band gehüllt würden und wir noch sechs Wochen zusammen mit dem Dachs im Loche hocken müssten, und das im unbestritten schönsten Zipfel Deutschlands, ach was: im Paradies der Welt, für dessen Pflege und Erhalt der Herr einst sogar eine hauseigene Partei installierte. Der Dachs informiert uns zu unserer Erleichterung, dass er ins Loch zurück müsse, wenn in der Lichtmesswoche (!) die Sonne scheine, was mit dem Sturmwetter und spätestens mit dem heutigen Schnee erfüllt sei. Schließlich befänden wir uns immer noch in der Lichtmesswoche. Also bitte keine Frühlingstricks mit anschließend faulen Ausreden!

Nach zuverlässigen Aussagen der Zuchtmeisterin machte Hedda in den beiden zurückliegenden Nächten keine Anstalten, die Schnullerbox zum Schnullern zu betreten, also ist der Augenblick gekommen, wieder zum Rudelschlafen im ersten Geschoss zurückzukehren und die Welpen mutterseelenallein zu lassen. Gute Nacht, ihr Lieben.

 

Montag, 6. Februar 2023

Staunt jemand, wenn der Chronist berichten muss, dass Hedda heute Nacht zu ihren Kindern möchte, weil diese sonst den Hungertod sterben müssten. Sie tut das nicht auf eigene Verantwortung und Naturrecht einer Mutter, sondern erbittet dafür erstens die Erlaubnis und zweitens eine Begleitung. Sie tut dies auch ergebnisoffen mitten im Schlafzimmer. Ein schläfrig gerauntes „Geh du!“ lässt den Assi aus dem Bett steigen und mit seiner Hedda ins Erdgeschoss zur Speisung steigen. Es ist 3 Uhr, und es bleibt ja noch genug Nacht über. Morgenstund‘ hat Milch im Mund und der morning has ja auch noch nicht broken.

Um 6 Uhr ist dann doch der Morgen angebrochen, wenn auch noch nicht erleuchtet, und um 6:30 Uhr müssen die Knirpse auf die Waage und mit ihnen die Wahrheit auf den Tisch:

Koschi: 1770 Gramm (+110) - und jeder weitere Kommentar überflüssig.
Kini 1540 (+60), Klecks 1520 (+10), Korbi 1500 (0), Kuno 1470 (+50). Auch keine weiteren Erläuterung nötig, höchstens die, dass Dauerlächeln in die Kamera nicht sattmacht.
Und dann das Kuschelpärchen Krischan und Kathi! Beide erschnullern sich je 70 Gramm und bringen parallel 1330 Gramm auf die Waage. Sind sie nicht süüüß? So kann man das sehen, wenn man nicht Käptn heißt. Den verpeilten Leichtmatrosen haben sie nämlich im Doppel nach hinten gegrätscht, weil er es wegen seiner Mäanderschaften nur auf 40 Gramm brachte und nun mit 1320 Gramm das Ende der Knirpsenstrecke markiert.
410 Gramm sind es heute und der Durchschnitt steigt auf 1472,5 Gramm.

1M3A0654 1 250Begeisterung sieht anders ausNun 1M3A0627 1 250Kleckswird es Zeit, den Kleinen eine unvermeidbare Tortur anzutun, gegen die das Nagelschneiden eine Wellness-Kur ist: Entwurmung! Wir haben noch keinen Welpen erlebt, der nicht mit nachdrücklichem Widerwillen gegen diese Kur mit Panacur protestiert hätte. Die Folge ist, dass zwar alle die klebrige Pampe schlucken müssen, was sie nur partiell dulden und den Rest um sich schleudern und danach die Verabreicherin (grobmotorische Arbeiten liegen in der Verantwortung der Chefin) mindestens genauso eingesaut ist wie die Welpen. Mehr lässt sich darüber nicht erzählen, außer dass die Knirpse auf den Chefinnenschoß geliftet werden, eine Spritze mit der Pampe ins Mäulchen bekommen, sich nach Kräften wehren, um sie weiträumig zu verteilen, inhalieren, was sie nicht loswerden und dann wieder zu Boden gelassen werden, wo sie weiterhin versuchen, sich von dem ekelhaften Zeug zu befreien. Die schlechte Nachricht ist, dass diese Prozedur an drei Tagen hintereinander durchgezogen werden muss.

1M3A0704 1 250KathiAber 1M3A0749 1 250Kinibeim Blues regiert ein freundliches Regime, weshalb es nach der Peitsche auch immer Zuckerbrot gibt. Das ist heute am frühen Abend die erste externe Milchspeisung. Dazu wird ein großes Laken auf dem Küchenboden ausgebreitet, ein kleines, aber schweres Tonschälchen mit zwei Esslöffeln warmer Welpenmilch befüllt und dann ein Knirps nach dem anderen mit dem Mangfalltaler Naschmarkt bekannt gemacht wird. Bei diesen Knirpsen bleibt uns mehr die Luft weg als ihnen beim Süffeln. Die sind so außergewöhnlich souverän, wie wir es noch nie erlebt haben. Meist gibt es die Souveränen und Cleveren, dann die Suchenden und Findenden und schließlich auch die Tollpatsche, die am Ende fast die ganze Milch im Fell haben, statt im Schlund. Über die haben sich die Mamas und Omas besonders gefreut, weil sie die klebrige Milch abarbeiten durften. Doch bei den Knirpsen bleibt ihnen der Schnabel sehr sauber. Die Knirpse sind voll konzentriert und leeren ihr Schüsselchen mit großem Eifer, manche schieben es dabei im Kreis herum, aber verlieren es nicht aus den Augen oder dem Mund. Und fast alle finden die Schüssel, wenn sie doch einmal den Kontakt dazu verloren hatten, selbstständig wieder und schlabbern weiter. Das ist eine große Geistesleistung. Die Knirpse haben uns ganz großes Kino geliefert, wie wir es absolut nicht erwarten durften. Da kann sich Korbi mühen wie er will: Heute konnte er keinem seiner Geschwister die Schau stehlen.

Nun sind wir nur noch neugierig, wie sich die Sonderspeisung morgen auf die Gewichte auswirken wird. Und an ein bisschen süßer Welpenmilch dürfen sich auch Hedda und Fianna ergötzen, die den Kleinen leidenschaftlich das Fell putzen.

1M3A0782 1 250Klecks und Koschi streichen noch eine Runde um die KücheAm frühen Abend setzt die große Wanderschaft in der Küche ein. Alle stapfen lauthals krakeelend herum, nicht aus Angst, sondern vor schierer Lebensfreude. Ab jetzt müssen wir wirklich sehr aufpassen, wohin wir unser Füße setzen. Solange die Zwerge sich noch so langsam und tastend bewegen wie jetzt, hat man die Lage im Griff, sofern man sich selbst im Griff hat. Wenn sie jedoch erst einmal blitzschnell sind und ebenso blitzschnell im Zickzack und kreuz und quer Haken schlagen, herrscht beim Blues Alarmstufe Rot. Dann weiß man nicht, ob der freie Platz, den man sich für den nächsten Schritt ausgewählt hat, nicht schon von einem Knirps belegt ist. Wir wechseln dann in den traditionellen Chinesenschritt: schlurfen, statt gehen oder gar steigen; die Füße bleiben konsequent am Boden.  

Zum Schutz unserer Welpen tun wir alles, aber unsere großen Mädels haben nicht weniger verdient. Deshalb setzen wir abends noch um, was wir gestern schon ankündigten, nämlich die Näpfe aus der Küche ins Wohnzimmer. Jetzt haben Fianna und Hedda ihre Ruhe beim Mampfen und die Zwerge das Nachsehen. Geschieht ihnen recht, genauso recht wie ihren zehn Vorgängertrupps. Der Erfolg ist dennoch zweifelhaft, weil Kuno ja den zweiten Durchgang ins Wohnzimmer längst ausbaldowert hat und abends zu Mama in ihr privates Kudde stapft und sich eine Solospeisung servieren lässt.

Nicht nur wegen Kuno, dem gnadenlosen Fremd- und Grenzgänger, werden wir morgen die Absperrungen für die Wohnzimmerdurchgänge anbringen müssen. Dann werden die Knirpse das erste Mal in ihrem Leben gesiebte Luft atmen und wir ständig Gymnastik machen. Züchten hält eben jung und fit…

 

Dienstag, 7. Februar 2023

Mit -6 °C morgens und einem klarblauen Himmel geht die dritte Woche der Knirpse frostig zu Ende. So bleibt das auch den gesamten Tag über, nur die Temperatur wagt sich an die Null-Grad-Grenze heran.

Unter diesen Umständen wärmt es die Herzen der Zuchtmeisterin und ihres Assis, dass sich die erste externe Fütterung gestern positiv und kräftigend auf die Knirpse auswirkt. 580 Gramm neue Fellunterfütterung hatten wir schon seit dem 27. Januar nicht mehr. In Fallzahlen sieht das dann so aus:

Koschi 1890 (+120). Wir vermuten inzwischen, dass er nicht verstoffwechselt, sondern nur für schlechte Zeiten einlagert.
Den Verfolgerplatz hat Kini mit 1630 Gramm behauptet (+90). Dafür verdrängt Korbi (1600, +100) Klecks (1550, +30) und Kuno bildet weiterhin die Nachhut der Viererbande (1510, +40).
Im Dreigestirn am Ende tut sich Mysteriöses. Oder ist es ein Komplott? Schon den zweiten Tag in Folge marschiert das Pärchen Krischan-Kathi mit der gleichen Gewichtszunahme und dem gleichen Gewicht (1400, +70) Hand in Hand und lassen den quirligen Käptn in den Kalmen hängen, den noch nicht einmal 60 tapfere Gramm Zuwachs voranbringen (1380).
Das Durchschnittsgewicht steht heute bei 1545 Gramm.

1M3A0824 1 250Käptn ist "not amused" über die Sperre zum WohnzimmerJetzt muss zur Tat geschritten und die Sperre zum Wohnzimmer installiert werden. Von nun an ist der kürzeste Weg zum Esstisch versperrt; Umwege werden unser Leben für fünf Wochen bestimmen. Prompt rumpelt Kuno köpflings gegen seinen inzwischen zur Gewohnheit gewordenen Durchgang und findet ihn verrammelt. Aber was macht ein heranwachsender Knirps? Jammern und wehklagen? Keinesfalls. Kuno wendet sich nach links, dort läuft er gegen eine Wand, also nach rechts – und dort öffnet sich doch tatsächlich ein weiterer Durchgang in sein Wohnzimmer. Bingo. Und schon stapft er wieder in unserer Guten Stube herum. Was lehrt uns das? Wo ein Kuno will, ist auch ein Weg! Soll einer behaupten, dass ein knapp drei Wochen alter Welpe doof ist.

Nachmittags müssen die Knirpse durch die zweite Wurmbehandlung mit Panacur. Sie machen dabei den Eindruck, als ob sie vor dieser pampigen Welpenrechtsverletzung schon nach dem ersten Mal resigniert hätten. Die Professionalität, mit der die Chefin ihnen den Einfüllstutzen zwischen die Lefzen schiebt und abdrückt, lässt ihnen kaum noch eine Chance zur Gegen- und Abwehr. Nach Sekunden sind sie alle verarztet und wieder zurück im quasselnden und wuselnden Rudel. Vorbei und schon vergessen.

1M3A0839 1 250Das gemeinsame Abendessen für die KnirpseAber wir sind keine Unmenschen und mit einem funktionierenden Mitleidsmodul bestückt. Deshalb folgt auch heute auf die Peitsche das Zuckerbrot in Form einer externen Milchfütterung. Wir finden, dass die überzeugende Leistung gestern eine Steigerung rechtfertigt, das heißt, dass die kleine Tonschale durch den Futterring für alle auf einmal ersetzt wird. Wer so schlaue Kinder hat, darf sie auch früher als andere mit schwereren Aufgaben konfrontieren, damit sie sich nicht langweilen. Und das klappt mit dem Futterring auch sehr gut, aber erwartungsgemäß stellen sie sich dabei nicht so geschickt an wie am Schüsselchen. Das Problem ist die verschüttete Milch auf der Decke, von der sich einige ablenken lassen und von dort lecken anstatt aus dem Ring. Das machen sich die anderen zunutze, vor allem Kecks, Koschi und Korbi, der bekanntlich immer zu großer Form aufläuft, wenn man Bewunderungspunkte sammeln kann.

War es morgens nur Kuno, der nach der Sperrung des ersten Durchgangs unverzüglich den nächsten findet und benutzt, haben diese Option im Laufe des Tages alle Knirpse auf dem Schirm. Schon den ganzen Tag über sehen sie sich unerschrocken in unserem Wohnzimmer um und erklären es schamlos zu ihrem. Hinter einem Vorhang verstecken sie sich und zoppeln an ihm herum, schürfen unter dem Sofa nach Glück oder suchen vielleicht nur einen ruhigen Schlafplatz, aber als wir am frühen Abend Fianna mit fünf ihrer Enkel kuschelnd und knutschend auf dem Rücken liegend in ihrem Kudde im Wohnzimmer vorfinden, bleibt uns keine Wahl, als auch diesen Checkpoint Charlie dicht zu machen. Ein Zwerg klemmt sich sogar hinter Fiannas Rücken ein, um nicht entdeckt zu werden, was bestimmt nicht ohne ihre Zustimmung geschieht. Fianna nutzt jede Gelegenheit, ihr Oma-Gen zur Wirkung zu bringen und legt ihren Enkeln damit auch noch den Roten Teppich ins Paradies aus. Das muss jetzt ein Ende haben; auch dieser Durchgang muss verschlossen werden. Diese Sperre, so unüberwindlich sie für die Knirpse ist, hat für uns jedoch ein Türchen, sonst müssten wir und die Mädels wochenlang klettern oder über die Terrasse das Wohnzimmer betreten. Nun ist wieder ein großer Schritt gemacht, auch wenn er für die Knirpse vorderhand nach Rückschritt aussieht. C’est la vie.

1M3A0846 1 250Mist, gestern ging es da noch durchDie Weisen aus dem Morgenland brachten einst zur Verehrung des neuen Königs und Messias‘ wertvolle Geschenke mit: Gold dem König, Weihrauch dem Gott und Myrrhe für sein Begräbnis 🤔. Viele unserer Besucher leiden auch heute noch an diesem Drei-Königs-Syndrom. Brächten sie die genannten Gaben mit, würden wir die Schätze huldvoll entgegennehmen und kein Wort darüber verlieren. Da aber selbst die vom Glanz unserer Knirpse Verblendeten und Überwältigten selbst in Kini keinen anbetungswürdigen König oder gar einen Messias in Käptn erkennen wollen, beschenken sie die Knirpse (und all ihre Vorgänger) mit Spielzeug jeglicher Art, so wie es auch in Noahs Arche Platz gefunden haben könnte. Für diese Gaben empfinden wir tiefe Dankbarkeit, mehr jedoch bedankt sich dafür Fianna, die sich unverzüglich den gesamten Kuschel- und Raschelkram greift, pfeifend und jumsend in ihr Lager schleppt und für sich reklamiert. Es liegt nahe, dass sie irgendwann einmal Kenntnis von der Geschichte um den Rattenfänger zu Hameln bekam und auf diese Weise „ihre“ Kinder zu sich locken will. Doof nur, dass inzwischen alle Passierstellen verrammelt sind und der Zugang zu ihr unserer Zustimmung bedarf.

Was macht nun ein Knirps, der um den Zugangs zu seiner Oma und deren Spielsachen betrogen ist? Eine(r) mit Charakter stirbt mit großem Aplomb als Märtyrer. Alle anderen suchen den aktiven Kontakt zu den Spielverderbern, um sich einzuschleimen und sie gefügig zu machen. Wir beherbergen nur andere, also treten wir jetzt in jene Phase ein, in der uns die Welpen auf Schritt und Tritt verfolgen, unsere Füße besetzen, wo immer wir uns in der Küche aufhalten und herumhantieren. Die Crocs des Assis sind statt nachtblau bereits milchgrau von all den milchverklebten Kinderfüßen. Sie beobachten uns, sie erkennen uns, sie suchen und finden uns. Wir dagegen bewegen uns nur noch wie der Delinquent, wenn der Ruf Dead man walking durch die Flure schallt: mit zu Boden gerichtetem Blick.

1M3A0831 1 250KräftemessenWenn sie uns nicht im Wortsinn auf den Senkel gehen oder schlafen, rangeln die Knirpse jetzt sehr hingebungsvoll und weltvergessen. Was wir am Freitag bei Koschi und Kuno in der Kiste erstmals beobachteten, wird nun zur Allround-Beschäftigung. Jede(r) mit jedem und unter gelegentlich geradezu freibeuterischem Gejohle. Der herzigste Spielbär unter allen Geschwistern ist Klecks. An ihm dürfen sich alle versuchen und ihre Kräfte ausprobieren. Sein best buddy ist jedoch Krischan, der darf ihm die Ohren abknabbern oder mit seinen Bärenkräften rücklings umstoßen, dann liegt der glückliche Klecks auf dem Rücken, Krischan über sich und strahlt und lässt den Kleinen knuffen und kneifen, bis ihm die Augen zufallen. Schade, dass ihr das alle nicht erleben dürft, aber schließlich muss der Stress und die Sorge des Züchters ein paar Boni vorhalten, von denen der Rest der Welt nur träumen darf. Bätschi…

In seinem Roman „Die Merowinger“ formulierte Heimito von Doderer den ikonischen Satz: Die Wut des Zeitalters ist tief. Dass dieser Satz tatsächlich die ganze Tiefe der Zeit und des Universums erfasst, lässt sich daran festmachen, dass er, als er diesen Satz formulierte, nichts von der Gehässigkeit eines bayerischen Hovawartzüchters gegenüber dessen Verfolger wissen konnte, indem jener die Getreuen mit Spott überzog, etwa weil sie von Gratifikationen ausgeschlossen seien, die nur einem stressgeplagten Züchter zustünden. Und wie um die universelle Gültigkeit dieses Satzes zu unterstreichen, schlägt das wutlüsterne Zeitalter mit besonderer Wucht zu und vernichtet heute den Wäschetrockner eben jenes boshaften Züchters. Wozu brauchst du einen Trockner, hört er das Schicksal spotten, wenn du nur zwanzig Stunden täglich wäschst? Es ist der Trotz gegen alle Wut des Überirdischen und des Zeitalters, der uns am Leben hält! Wir haben das Abrauchen unserer Kaffeemaschine während eines Wurfes überlebt (können Besucher nicht auch Tee trinken?) und einen vollen Kanal, den uns das wütende Zeitalter bescherte und die Sch… in unsere Waschküche schaufelte – da bringt uns auch ein kalter Trockner nicht ins Schleudern. Wir gehen nicht in die Knie! Kismet eben… Inch’Allah…

Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die dritte Woche.

 

Mittwoch, 8. Februar 2023

Halb 3 Uhr hat’s geschlagen – und die Hex ist wieder wach.

Hedda verspürt anscheinend Spannungen in der Brust und verlässt das Rudelgemach, um ihren Kindern eine sehr frühe Speisung anzubieten. Der Assi folgt ihr aus folgenden drei Gründen. Einerseits will er nicht wieder mit einem „Geh du!“ geschickt werden, sondern eigenverantwortlich seinen Assi-Pflichten nachkommen; die einen nennen das proaktiv, die anderen vorauseilender Gehorsam. Zweitens weiß er, dass Hedda nur noch ungern in die Kiste zur Speisung steigt, was zur Folge haben könnte, dass sie sich davor legt oder die Knirpse über die Bordwand hinweg anmacht, die ihr aber nicht folgen können, weil die Bordwand mit 30 Zentimeter einfach zu hoch ist. Und drittens befremdet ihn das für die Tageszeit allzu fröhliche Krakeelen, das aus der Küche nach oben schallt. Als er unten ankommt, ist er überzeugt, dass ihm sein alterndes Augenlicht einen schlimmen Streich spielt: Hedda liegt vor der Schnullerkiste auf einer Decke – mit Koschi, Klecks und Korbi am Bauch. Die drei haben tatsächlich die Bordwand überstiegen! Ob sie erst gestiegen sind und dann die Mutter riefen oder diese herunterkam und sie herauslockte, werden wir nicht erfahren und ist auch ohne Belang. Von Belang ist, dass sie es geschafft haben! Dabei hatte der Assi beim nächtlichen Umschluss noch überlegt, ob er sicherheitshalber die Türe zum Treppenhaus schließen sollte, falls doch einer ein an der Bordwand liegendes Geschwister als Ausstiegshilfe nutzen könnte, ­aber diese Konstellation schien ihm doch zu weit hergeholt und gewagt. Pustekuchen! Wir stellen an dieser Stelle mit der gebotenen Bescheidenheit fest, dass der Mensch denkt und der Knirps lenkt. Neuzeitlich gesagt bedeutet das, dass der Knirps agiert und der Mensch reagiert. Und genau das tut der Assi jetzt: Die erstinstanzliche 10-cm-Bordwand wird auf die 30 cm gesetzt und der Gulag, zumindest für wenige Tage, zur Verschlusssache. Aber dann ist die Krabbelkiste sowieso Vergangenheit und Knirpsennostalgie.

Nochmal zwei Stunden Schlaf mit wilden Träumen von im ganzen Haus herummarodierenden Knirpsmutationen, und dann springt das Kinderkarussell wieder an. Schön, dass draußen Sterne funkeln und uns die heile Welt vorflunkern, aber verheimlichen, dass das Mangfalltal eine eisige Frostbeule ist: -8 °C. Kein Lichtmess mehr, aber im schlaftrunkenen Auge des Chronistenassis schlicht mess.

Nun geht das wieder los mit der bekannten Morgenroutine, die ab heute, neben den bisherigen Erledigungen wie Hedda-Milch, Kinderwiegen, Schnullerbox wischen und neu eindecken, etc. auch den Küchenputz beinhaltet, weil die Knirpse inzwischen den ganzen Tag herumsauigeln. Das ist zwar eine grobmotorische Verrichtung, aber auch historisch gewachsener Assi-Job. Dann mal los: Chefin und Mädels raus zum Lüften, Knirpse in die frische Kiste und Feudel marsch.

Während die Küche trocknet und wie neu glänzt, hat der Assi Zeit, sich die Gewicht anzusehen.

Koschi 1930 (+40), Korbi 1700 (+100), Kini 1660 (+30), Kuno 1590 (+80), Klecks 1570 (+20), Käptn 1460 (+80), Kathi 1430 (+30), Krischan 1420 (+20). Das summiert sich auf 400 Gramm Zunahme und einen Durchschnitt von 1595 Gramm.

Kein Zweifel, in dieser Entwicklungsphase, da alle schon einen markigen Zug auf die Zungenrolle bringen, wird jede Nachlässigkeit sofort bestraft. Heute ist Krischan das Opfer eigener Fahrlässigkeit. 20 Gramm sind deutlich zu wenig, um seine Position zu stabilisieren oder gar aufzurücken. Davon profitiert dann der Käptn mit eigentlich sehr spießigen 60 Gramm.

Das morgendliche Routineputzen trägt leider nicht mehr über den ganzen Tag, weil die Lieblinge ganztägig leck sind. Neben WikiLeaks, Swiss Leaks und Offshore Leaks veröffentlicht der Bairische Blues hiermit in loser Folge die Puppy Leaks. Das Vertrackte dabei ist nicht so sehr, dass sie pinkeln und uns damit Arbeit machen, sondern dass sie uns nach Möglichkeit an der Durchführung dieser Arbeiten zu hindern suchen, indem sie sich bereits jetzt schon auf das Handtuch setzen, mit dem wir klar Schiff machen wollen. Ihre Vorgänger haben das in unserer Erinnerung zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf dem Schirm gehabt. Mit oder ohne Puppy-Sabotage: Wir müssen ab jetzt ganztägig hinter den kleinen Wasserspendern her sein, damit wir dem Augiasstall noch Herr werden.

1M3A0849 1 250Knirpse hinter GitterSoeben haben wir noch oberlehrerhaft von Nachlässigkeiten geschwafelt, die sofort bestraft werden. Und schon bekommt der Chronist sein Geraune um die schlauen Ohren gehauen. Es betrifft die beiden Durchgänge zum Wohnzimmer, die wir gestern dichtmachten, den Zugang zum Treppenhaus aber noch nicht für sicherungsbedürftig hielten; haben ja noch keinen so großen Aktionsradius, die Knirpse. Nun hat sich aber dieser Radius schneller erweitert als das Denkvermögen des Assis dies für möglich hielt: Die Glastür zum Treppenhaus ist erkennbar das nächste Explorationsziel. Wäre der Assi kein Assi, sondern ein Wassi, also ein Wissenschaftsassistent, würde er sich jetzt in Wartestellung begeben, um zu erfahren, wer der Erste sein würde, der den Durchmarsch bis ins Treppenhaus schafft und diese(n) dann gebührend rühmen. Nach Lage der Dinge beschließt er jedoch, die Wissenschaft zu verraten und die gebotene Vorsorge zu treffen. Dazu wird die gestern installierte zweite Sperre abgebaut und quer so in den Flur gesetzt, dass weder das Treppenhaus noch das Wohnzimmer erreichbar ist. Das wäre auch gestern schon die bessere Variante gewesen, aber wir haben die pfiffigen Zwerge und ihr Schneewittchen tatsächlich unterschätzt. Nun sind die Knirpse in ihrer Küche festgesetzt, aber wir und die Mädels haben freien Zugang zum Wohnzimmer und zum Treppenhaus. Wir wiederholen uns: Der Mensch denkt und der Knirps lenkt. So ist das eben. Erfahrene Eltern werden dieses Lied mitsingen können.

Die Sache mit dieser Sperre belegt exemplarisch das höllische Tempo, das die acht vorlegen. Morgens die Sperre in den Flur gebaut, nachmittags, als der Assi die Zuchtmeisterin von der Bahn nach Hause bringt, ist dieses Gitter nicht einfach irgendein Gitter in der Knirpsenwelt, sondern das Tor in die Freiheit und der Ort, an dem sich alles Wichtige abspielt, z.B. die Herrschaften nach ihrer Abwesenheit erscheinen werden und begrüßt werden müssen. Die stehen nicht durch Zufall alle am Gitter, sondern haben die Gesamtlage gepeilt und eingeordnet. Auf zu neuen Ufern!

Wir sind überzeugt, dass ihre Vorgänger zu Beginn der vierten Woche noch nicht so fix in der Birne waren. Aber ganz sicher sind wir uns natürlich nicht. Falls jetzt jemand den Vorschlag auf der Zunge hat, wir könnten uns doch in unseren alten Aufzeichnungen versichern, müssten wir eingestehen, dass das kaum möglich wäre, weil es kein Vergnügen ist, in langatmig schwadronierenden Erzählungen die gesuchten Entwicklungseckpunkte herauszupicken. Dazu hat noch nicht einmal der Chronist Lust und ausreichend Zeit, der geplagte Assi schon zweimal nicht. Wer also Lust hat, darf sich gerne um den Bairischen Blues verdient machen und die hier geschilderten Lernfortschritte exzerpieren und uns in tabellarischer Form zukommen lassen 😉.

Mal sehen, ob sich in dieser Hinsicht jemand erbarmt, wir können uns leider unserer Knirpse nicht erbarmen, sondern müssen ihnen heute noch die dritte Portion Panacur verpassen, was sie mittlerweile mit einer ordentlichen Portion Abgebrühtheit kontern. Es macht noch nicht mal mehr Sinn, den Vorgang zu fotografieren, weil die blitzschnelle Kamera noch in der Aufwärmphase ist, wenn die Pana-Kur durch ist.

1M3A0868 1 250Erst ein Nachschlag an Mamas Bar und danach noch Schmusen- so gefällt Korbi das LebenAuch die anschließende Milchspeisung im Gemeinschaftsring zeugt von einem bemerkenswerten Lernfortschritt (für Fortschritts-Exzerpierer: hier bitte einen Marker setzen). Die meisten halten ihre Position besser als gestern und suchen ihren Vorteil nicht in der verkleckerten Milch auf dem Laken. Doch ausgerechnet der Klecker-Klecks und Kini finden heraus, wie man sich neue Vorteile verschafft, indem man nämlich im Kreis herum durch den Ring baggert und den anderen die Milch abgräbt.

Klecks und Kini haben somit heute ihre ganz persönliche Milchstraße entdeckt. Die Knirpse greifen nach den Sternen.

 

Donnerstag, 9. Februar 2023

Wenn die Knirpse heute Morgen um 5:30 Uhr die blauen Knopfaugen öffnen, können sie bei -8 °C immer noch die Milchstraße sehen, aber wir frieren schon beim Gedanken daran, den Zwergenstadel verlassen zu müssen.

Das können wir zwar nicht verhindern, aber die Zeit bis dahin können wir mit Sinnvollem füllen, damit die unguten Gedanken nicht den Morgen beherrschen. Also wird die Schnullerbox gewischt und frisch eingedeckt, und dann kommt die Waage zu ihrem immer so bescheidenen und zurückhaltendem Auftritt. Sie ist es, die jeden Morgen den Takt vorgibt und den Gesprächsstoff bestimmt, aber selbst nur als Requisit wahrgenommen wird wie der Stuhl auf der Bühne, auf dem alle Akteure irgendwann einmal sitzen, ohne dass er die Aufmerksamkeit zuteilwird, die ihm gebührt. Schließlich wird er von jedem Arsch besessen, einen jeden muss er aushalten, ja, sogar ignorieren. Aber dankt ihm das jemand? Wir wissen, was wir an unserer Waage haben und sagen ihr ein herzliches Dankeschön für ihren präzisen Dienst jeden Morgen. Heute liefert sie uns folgendes Ergebnis.

Koschi 1940 Gramm (+10). Beim Springreiten würde man sagen, er versammelt sich vor dem Oxer: gestern 40 Gramm, heute zehn, und jetzt volle Konzentration auf den mächtigen Sprung. Wir werden sehen, was er ausbrütet.
Korbi 1750 (+50) und Kini 1690 (+30) liegen im Erwartungshorizont, nur Klecks brettert mit 110 g (1680) an Kuno vorbei, der unter diesen Umständen mit 70 Gramm unterperformt (1660).
Die Dreierkombi am Ende sortiert sich wieder ein bisschen um: Krischan legt 90 Gramm zu und zieht an Käptn (1500, +40) und Kathi vorbei (1460, +30), die damit wieder das Schlusslicht stellt.
430 Gramm sind 30 Gramm mehr als gestern und sehr zufriedenstellend. Der Durchschnitt liegt jetzt bei 1648 Gramm.  

Trotz aller Zufriedenheit füttern wir heute und fortan zweimal zu, vor allem, um Hedda zu schonen. Die Knirpse entwickeln nämlich Zähne (Koschi ist auch in dieser Hinsicht am weitesten) und Hedda kann nicht mehr so viel Milch liefern wie die Kleinen gerne hätten. Diese Konstellation geht zu Ungunsten der Mutter aus, weil die Zwerge umso mehr zupacken, je weniger sie fördern können. Alles dreht sich in diesen Wochen zurecht um die Knirpse, aber wenn wir die Mama nicht vor ihnen schützen, dreht sich das allseitige Vergnügen schnell ins Missvergnügen. Vereiterte Zitzen sind das Allerletzte, das wir ihr und uns antun wollen. Zumal sie wirklich alles tut, was in ihrer Macht steht, um ihren Auftrag zu erfüllen.

Eine dieser Dienstleistung ist jene, deren Einstellung wir ihr am wenigsten übelnehmen würden: der Toilettenservice. Noch immer leckt sie Teiche auf, und züngelt Breiwürstchen weg, wie das Gesetz es befahl. Manche Besucher müssen dabei wegsehen, weil ihnen der Anblick mächtig ans Zäpfchen greift, aber Hündinnen machen das nicht, weil sie koprophil sind oder Menschen zum Würgen bringen wollen, sondern weil sie im Wortsinn die Luft um ihren Bau rein halten müssen, damit von den Gerüchen keine Fressfeinde angezogen werden. Wir schätzen diesen Dienst sehr, wissen aber, dass bald wir dafür verantwortlich sein werden, die Luft rein zu halten.  

1M3A0876 1 250Ikea-Ratz erlegtUm 1M3A0874 1 250Käptn und der Tigerfuchswurmdie Aufmerksamkeit der Knirpse einerseits etwas zu befeuern und andererseits von der Mutter abzulenken, beschicken wir unsere Küche mit neuen Spielsachen: Die bei allen immer sehr beliebte IKEA-Ratte, den schwurbeligen Tigerfuchswurm und vieles mehr. Die kleinen Spielratzen sind sofort daran interessiert, nehmen sie in Beschlag und besetzen sie. Kini packt sich gleich die Ratz und schüttelt sie tot. Ist er nun einfach ein Frühentwickler oder ein royaler Despot, der keine Nebenbuhler duldet? Gut, dass die Konzentration in diesem Alter schnell erschlafft, was der Ratz ein Leben nach dem Kini ermöglicht.

Und noch etwas zum Schluss. Falls in Verfolgerköpfen die Frage nach dem Fortschritt der Dreharbeiten am Knirpsenfilm herumschwirrt: Heute ist wieder Drehtag. Klappe. Und Klappe zu…

 

Freitag, 10. Februar 2023

Auch dieser Freitag startet wie ein Wintertraum ohne Schnee, die Sterne funkeln um 5 Uhr um die Wette und scheren sich nicht um die -5 °C, schließlich ist es bei ihnen da draußen noch viel, viel bitterkälter.

Für uns entscheidender als der frische Morgen ist das herrliche Gestern, weil der Bauernprophet meint: Ist’s an Apollonia feucht, der Winter oft sehr spät entfleucht. Und die Polly feiert man am 9. Februar. Von einer feuchten Polly konnte gestern wahrlich nicht die Rede sein. Wir haben also allen Grund, uns auf einen sehr baldigen Frühling zu freuen.

Jetzt geht die Lastenpost auf dem Kinderkarussell aber richtig ab. Wir haben den Eindruck, die Knirpse statten sich mit Schwunggewichten aus, damit es besser rundgehen kann: 880 Gramm Zuschlag auf der Waage ist der Startschuss zu einer bevorstehenden Rallye! Die wichtige Erkenntnis aus dieser Zunahme ist, dass die externe Milch nun verstoffwechselt wird. Anfangs muss sich der Verdauungsapparat erst daran gewöhnen, und die Milch läuft mehr oder weniger durch. Jetzt wird sie aufgenommen und verarbeitet. Dann schauen wir uns das Rekordergebnis einmal an:

Koschi 2130 (+190), Korbi 1890 (+140), Kuno 1830 (+170), Kini 1780 (+90), Klecks 1770 (+90), Kathi 1580 (+120), Käptn 1550 (+50), Krischan 1540 (+30). Am Ende steht ein Gewichtsgewinn von 880 Gramm zu Buche und ein Durchschnittsgewicht von 1758 Gramm.

Angesichts dieses geradezu scholzigen Achtfach-Wumms‘ ist es von untergeordneter Bedeutung, was Koschi treibt oder welcher Protagonist der Viererbande sich hervortut oder blamiert, was zählt ist Kathis Kalorienkraftakt, der sie leicht und locker an ihren beiden Brüdern Leichtfuß vorbeifliegen lässt. Sie macht auch gleich einen viel respektableren Eindruck auf ihre Brüder, die offenbar ahnen, dass es nicht sie sein wird, die gewogen und für zu leicht befunden wird.

1M3A0971 1 250Kuno batzt etwas rumViel 1M3A0945 1 250Koschi mit gepflegten Essmanierensteht heute nicht mehr auf dem Programmzettel, dafür aber Gehaltvolles. Die Knirpse erhalten ihre erste Fleischmahlzeit. Dafür holen wir beim Metzger unseres Vertrauens 250 g Rinderhack, das wir zweimal durchdrehen lassen, damit es richtig zart und fein ist. Daraus werden acht Kügelchen gedreht, und dann kann es losgehen. Einer nach den anderen wird auf den Schoß der Zuchtmeisterin gehoben und mit den Knirpsen-Albondigas konfrontiert. Unsere Knirpse sind, so viel kann man sagen, keine Nachfahren des Suppenkaspars, keiner kräht Nein, meine Fleischpflanzl ess‘ ich nicht, sondern alle kommen blitzschnell zu der Einschätzung, dass man diesen Brei möglichst schnell verarbeiten muss, damit kein Geschwister sich daran vergreifen kann. Alle vermampfen die Fleischklöpse mit großem Appetit, nur in den Tischsitten unterscheiden sie sich. Manche suhlen sich mehr darin, als dass sie essen, andere bohren sich so gierig in sie hinein, dass das meiste der lauernden Oma und Mama vor die Nase fällt, wofür die sich herzlich bedanken und beschließen, noch etwas näher an das kalte Büffet heranzurücken. Einzig Koschi isst, nein: Koschi speist gesittet und gepflegt die Bulette weg. Nichts verteilt er in seinem Gesicht und schon zweimal nichts auf dem Boden. Dieses Bürschchen lässt uns immer wieder staunen.

Mit diesem karnivorischen Ritterschlag beschließen wir den Tag und finden: Es darf auch mal weniger sein, um genug zu sein.

 

Samstag, 11. Februar 2023

Wir wissen ja nicht, ob es jemand interessiert, aber da sich nach gesicherten Erkenntnissen unter unseren Verfolgern auch reichlich Kulturbeflissene befinden, wollen wir nicht unterschlagen, dass heute vor 60 Jahren eine Kulturrevolution ihren Anfang nahm: Binnen gut zwölf Stunden nahmen die Beatles mit Please Please Me ihr erstes Studioalbum auf, das am 22. März veröffentlicht und zu ihrem ersten Nummer-Eins-Album werden sollte. Der Rest ist bekannt und Geschichte.

Nach ebenso gesicherter Faktenanalyse gehen wir davon aus, dass sich heute beim Bairischen Blues nichts Vergleichbares ereignen wird. Aber findet sich das wahre Glück nicht gerade in den kleinen Fortschritten des Lebens?

So ein kleiner Fortschritt sind die 500 Gramm Gewichtszulage, vor allem unter der Berücksichtigung dreier Low-Performer, die ein fulminanteres Ergebnis boykottieren.

Koschi zieht weiter unbeirrt seiner Wege und legt 100 Gramm zu (2230).
Mit 120 Gramm plus (1890) futtert sich Klecks vom fünften auf den Verfolgerplatz. Kini kommt mit plus 100 (1880) auch einen Platz nach vorne und tauscht seinen Platz mit Kuno, der auch bei 1880 Gramm landet, aber nicht mehr als 50 Gramm zulegen kann. Korbi, der Adonis, ist die Enttäuschung des Tages: -20 Gramm (1870) sind seiner nicht würdig, aber der Absturz vom zweiten auf den fünften Platz geschieht ihm recht. Vielleicht kämpft er ja noch mit den 140 Gramm von gestern.
Kathi beweist, dass sie es ernst meint und legt gleich 100 Gramm drauf (1680). Damit nimmt sie Käptn ganze 100 Gramm ab, der mit nur 30 Gramm plus bei 1580 stehen bleibt. Schlusslicht ist wieder Krischan mit 20 Gramm Zugewinn und einem Tagesgewicht von 1580 Gramm. Aber diesen beiden Herzbuben kann sowieso niemand böse sein; sie tingeln fröhlich durch die Welt und genießen sie offenbar, wie sie ihnen gefällt.
Das Durchschnittsgewicht rastet heute bei 1821 Gramm ein.

Auch wenn man die drei Low-Performer aus der Betrachtung nimmt, zeigt sich, dass trotz einer Milch- und einer Fleischspeisung die Gewichte nicht sofort durch die Decke gehen. Die Milch haben die kleinen Körper inzwischen akzeptiert, aber das Fleisch ist neu und muss ebenfalls erst in den Verdauungsprozess integriert wird. 

1M3A0911 1 250Überfüllung bei Bar MamaOhne auf eine Nummer-Eins-Auszeichnung zu spekulieren, tut sich auch bei uns Historisches, wenn auch nur Knirps-Historisches. Und damit sind wir restlos glücklich. Etwas wirklich Besonderes und nicht Alltägliches spielt sich nämlich heute ab. Nachdem Hedda ihre Kinder abgespeist hat, krabbeln zwei der Knirpse zu ihrem Gesicht und lecken ihr die Lefzen. Sie hoffen damit, den Vorwürge-Reflex auszulösen. In der Natur ist das die Lösung zwischen der reinen Milchspeisung und der späteren Fleischverarbeitung. Die Mutter würgt auf diesen Reiz hin vorverdauten, milchsauren Fleischbrei hoch, der den Welpen alles Notwendige zur Verfügung stellt und sehr gut verdaulich ist. Wir haben das schon zwei- oder dreimal bei unseren Müttern erlebt, doch Hedda lässt sich nichts entlocken; kein Wunder, sie hat ihre Kinder und nicht sich selbst versorgt und somit nichts vorzuwürgen. Aber nun ist auch dieser lebenserhaltende Instinkt bei den Knirpsen aktiv geschaltet. Brauchen werden sie ihn eher nicht.    

Auch der erste Beutetrieb mit den ersten Übungen des Beutegreifens macht sich nun bemerkbar. Die Knirpse packen sich gegenseitig im Nacken und schütteln sich. Auch die ersten Versuche, einem Geschwister von hinten an die Beine zu gehen und es aus dem Gleichgewicht zu bringen, werden unternommen. So würden sie später eine Beute greifen: Von hinten in die Beine gehen, die Beute umstürzen und im Nacken totschütteln. Auch dieses naturgegebene Verhalten ist nun in der vierten Woche schon in Ansätzen vorhanden.   

Aber es geht auch weniger spektakulär, etwa indem sie immer häufiger aus dem schweren Tonuntersetzer Wasser züngeln, das wir ihnen bereitgestellt haben. Auch das funktioniert schon beachtlich gut. Dass sie dabei nicht pfleglich vor dem Untersetzer, sondern mit mindestens zwei Beinen im Wasser stehen und anschließend Pfotenpfützen in der Küche verteilen, muss nicht gesondert erwähnt werden.  

Und ja: Die Knirpse geben sich auch schon redlich Mühe, mit ihren kleinen Schwänzchen zu wedeln. Auch das ist eine unverzichtbare Fertigkeit, ohne die kein Hund (und schon gar kein Hovawart) durchs Leben kommen kann, es sei denn er gehörte zu den armen Kreaturen, die nichts zu wedeln haben.

Wenn sie schon alle so „groß“ sind und mit ihren Fähigkeiten prahlen müssen, bekommen sie heute Nachmittag auch Essen wie die Großen: Erstmals Trockenfutter, eingeweicht zwar und damit in Breiform, aber eben wieder etwas Neues. Die Begeisterung über diesen Trockenfutterbrei ist unübersehbar, und alle stürzen sich auf den Futterring, als hätten sie heute einen Diättag hinter sich. Wie man aus dem Ring futtert, kennen sie ja bereits, aber bei nicht allen scheint dieses Wissen noch präsent zu sein. Koschi und Krischan, der Bolide und das Bircherbubi, nehmen quasi die Innenbahn, was bedeutet, dass sie hintereinander durch den Ring pflügen und wie Schweine in der Pampe rüsseln. Die anderen sechs kommen dabei auch nicht zu kurz, weil die beiden reichlich Brei über die Bordwand strampeln. Wir werden morgen diesbezüglich einen gestrengen Blick auf die Waage werfen.

1M3A1066 1 250KrischanWährend 1M3A1035 1 250KiniFütterungen beim Blues auch mal zur Erbauung von Besuchern auf „offener Bühne“ stattfinden, bleiben die großen Momente immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Heute ist es, wie schon seit Tagen, trocken und 8 Grad warm. Das ist eine exzellente Gelegenheit, den Knirpsen einen ersten Blick in die weite Welt zu gewähren: Hinaus in den Garten, in die wintergeschundene Wiese zum ersten Freiluft-Shooting und sehen, wie sie damit zurechtkommen. Ergebnis: Sie machen das alle sehr gut. Das erste Mal ist immer etwas Besonderes (wer wüsste das nicht?). Koschi ist auch hier der Souveränste, wie er sich auch in seinem Küchenreich am professionellsten bewegt und kaum verwundert oder überrascht scheint. Die anderen ducken sich auch meist nur kurz weg, richten sich dann aber schnell auf, um sich einen Überblick zu verschaffen – Neugier und Wachsamkeit fürs Überleben. Egal, wie lange der eine oder die andere braucht, bis er aus der Ducke in die Gänge kommt, nicht ein Knirps jammert oder klagt. In dieser Hinsicht sind sie tatsächlich einzigartig (darin sind wir uns heute sicher). Experiment gelungen, Knirpse um eine Erfahrung reicher und todmüde. Ab ins Reich der Träume.

Das Züchterglück kann sich sehr unterschiedlich manifestieren. Ein bedeutender Glücksmoment bei denen vom Bairischen Blues ist das erste richtig feste Würstchen, das die Knirpse produzieren. Nachmittags um 17 Uhr ist es so weit: Ein strammes kleines Endmoränchen grüßt vom Küchenboden. Kompletter wäre das Glück nur, wenn wir auch wüssten, wer dafür verantwortlich zeichnet. Die Urheberschaft bleibt im Dunkeln.

Nehmen wir an dieser Stelle Bert Brecht aus der Dreigroschenoper beim Wort:

Denn die einen sind im Dunkeln / Und die anderen sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht.

Der Spruch könnte auch von Korbi sein, wenn ihm nicht einer zuvorgekommen wäre…

 

Sonntag, 12. Februar 2023

Nachts um 4 Uhr wird Hedda unruhig und will zu ihren Kindern. Sie hat trotz einer Entleerung gegen 23:30 Uhr eine volle Milchleiste und außerdem Schmerzen. Es sind die kleinen Bissstellen, die ihr die Knirpse mit ihren monsterscharfen Zähnchen beigebracht haben. Wie wir alle, hängt sie in den Fängen und Fallstricken von Sachzwängen und Zielkonflikten. Die Knirpse malträtieren sie und sie muss es dulden, weil sie sonst platzt und eitert. Die äußerst burschikosen Umgangsformen ihre Kinder sind auch darin begründet, dass für diese acht Brocken inzwischen einfach nicht mehr genug Platz an der Bar ist. Da wird gerauft und gerempelt, zugepackt und nicht mehr losgelassen. Wie skrupellos ein Volk ohne Raum sein kann, weiß die Welt aus Erfahrung.

Damit wir nicht jetzt noch ins Ungemach schlittern, streicht ihr die Zuchtmeisterin gleich morgens nach der sehr frühen Speisung die Zitzen aus, um sicherzustellen, dass sich da nichts verfestigt. Ein bisschen Calendula-Salbe drauf und alles sollte bis auf weiteres wieder gut sein.

Das Leiden ist sehr einseitig bei Hedda angesiedelt, die Knirpse strotzen dagegen vor Gesundheit und lassen heute beinahe die Waage platzen. Der Welpengranulatbrei von gestern schlägt an wie drei Portionen Cassoulet. In Zahlen erschließt sich diese Explosion wie folgt, heute zur Abwechslung in der Reihenfolge des Gewichtszuschlags:

Kuno: +220 (2100), Korbi: +190 (2060), Koschi: +150 (2380), Käptn: +130 (1710), Klecks: +110 (2000), Kathi: +100 (1780), Kini: +80 (1960), Krischan: +60 (1620). In Summe ergeben diese Zahlen 1040 Gramm Zunahme (das ist mehr als das Doppelte von gestern) und ein Durchschnittsgewicht von 1951 Gramm.

1M3A1134 1 250KathiSehr beeindruckend ist Kathis konsequenter Marsch durch die hinteren Instanzen und wie schnöde sie ihre alten Wegbegleiter, die Magermilchbürscherl Krischan und Käptn, abhängt. Reschbeggt! Erinnert sich noch jemand daran, dass wir schon früh prophezeiten, dieser Reihung nicht zu vertrauen. Man sollte eben auch bei Hovawartmädchen nie vergessen, dass auch sie Mädchen sind, die zwar langsam, dann aber gewaltig kommen. Quod erat demonstrandum!  

Heddas Schrammen am Gesäuge rühren nicht nur von Zähnen her; die Krallen der Zwerge sind mindestens ebenso wirksame Waffen. Deshalb heute wieder einmal Pediküre. Nur Kuno wehrt sich männiglich gegen den Eingriff in seine Intimsphäre und lässt die Muskeln spielen. Die anderen nehmen es sportlich und knabbern lieber ein wenig auf der Hand des Pedikureers herum. Spätestens jetzt weiß er, wieviel Zähnlein stehen in dem weichen Gaumenzelt.

In anderer Hinsicht kann sich Hedda selber helfen. Seit der ersten Gabe Trockenfutter wird sie immer zögerlicher mit der Entsorgung der Endmöränchen. Offenbar bekommen damit die kleinen Würstchen einen strammen Houtgout, der selbst ihrer mütterlichen Dulderseele zu pikant ist. Meist beschäftigt sie sich noch damit, nimmt dann aber doch Abstand. Ihr Blick sagt mehr als tausend Worte: Wozu sind denn Assis da? Ach ja…na denn…soll sein…

1M3A1000 1 250KorbiMit der Vollendung der vierten Lebenswoche schreiben wir traditionell erste, kurze und vorläufige Charakterstudien unserer Kinder auf, wohl wissend, dass sie Momentaufnahmen sind, und die Welt nach acht Wochen komplett anders aussehen kann. Noch sind wir nicht am Ende dieser vierten Woche angelangt, verspüren aber dennoch den Drang, einem sehr speziellen Bewohner unserer Zwergenwelt eine kleine Widmung zu schreiben. Wir müssen über Korbi reden. Dass er durch die besondere, von seinem Urahn Cherom geerbte Schönheit auffällt, ist inzwischen eine Binse. Was wir der geneigten Öffentlichkeit bisher weitgehend vorenthielten, ist seine Schwatzhaftigkeit und Dauernörgelei. Korbi mault anhaltend, inbrünstig und tiefenüberzeugt. Ja, er erzählt uns auch von den Mühen der ersten selbstverwirklichten Darmentleerungen. Man sollte niemandem nahetreten, am wenigsten unserem herzigen Korbi, aber auch niemand anderem. Dennoch zeigt sich bei Korbi eine gewisse Verhaltensauffälligkeit, gar eine Art Zwangsverhalten, wie man es bei den Überzeugungsnörglern der Deutschen Umwelthilfe vorfindet. Es ist nie hoch genug zu würdigen, wenn sich Menschen zusammenschließen und sich für unsere geschundene Umwelt starkmachen. Aber bei der DUH hat sich daraus aus der Sicht des Chronisten eine Prozesshanselei entwickelt, die nahezu gegen alles, was von offiziellen deutschen Stellen kommt, vor Gericht zerrt. Sollte sich nichts recht Verklagbars finden, kann auch mal ein verantwortungslos falsch gesetztes Komma dran glauben müssen, um der DUH ihre Daseinsberechtigung zu bescheinigen. Bei Korbi beschleicht uns gelegentlich der Verdacht, ein U-Boot und Pressesprecher der DUH zu sein. Ob dem ein Identifikationsproblem zugrunde liegt, weil Schönheit allein auf die Dauer möglicherweise zu dünnes Eis sein könnte? Dabei ist er wirklich eine weit über seine Optik und sein Maulheldentum hinaus sehr beeindruckende kleine Persönlichkeit, die uns täglich mehr staunen lässt. Korbi ist ein Tausendsassa und Multitalent, doch darüber später mehr…

Zum Ende dieses Sonntags werfen wir noch einen zukunftsweisenden Blick hinaus und hinauf in den Himmel.

Sankt Eulalia Sonnenschein, bringt viel Obst und guten Wein.

Vor diesem Hintergrund wollen wir hoffen, dass sich bei Papa Kuno zuhause die Sonne heute nicht lumpen ließ, denn dort sollen sie Wein, Wein, Wein und noch mehr Wein machen. Bei uns hier ist es egal, dass es an Eulalia eher mittelmäßig bis mittelgrau ist, weil wir Wein aus bekannten Gründen nur trinken, aber nicht keltern wollen. Allerdings, wenn wir so nachdenken, würde es dem in der Welt einmaligen und grandiosen Bayern gut zu Gesicht stehen, zumindest in Deutschland auch in Sachen Wein die Nummer Eins zu sein. Mit nicht weniger sollte sich ein rechter Streberbayer und Politmagier zufrieden geben. Vor allem unserem fränkischen Staatskanzlei-Primus müsste das doch ein inbrünstiges Anliegen sein. In ganz Bayern[1] begnügt man sich jedoch mit Bier, und so etwas nennt man bekanntlich eine Monokultur, die niemals nicht gut endet. Generalisten müsste eine solche Verengung ein Graus sein. Wir haben und hatten Monolithen, Monasterien, Moneten, Monarchen, Monopolisten und reichlich Monomanen; brauchen wir dann auch noch eine Malz-Monokultur?

Aber eigentlich doch auch wurscht! Wir haben Fasching, Karneval und Fassenacht und beschließen den Tag mit einem Hoffnung spendenden Büttenspruch:

Hellau, Alaaf, Narrhallia
Am besten knallt Eu-Lallia
Tirali und trallala…

 

[1] Merke: Franken ist nicht Bayern! Darin sind sich beide Seiten einig wie sonst nur in der Ablehnung der „Preißn“, wodurch ein weiterer interner Konflikt offenbart wird, weil für einen echten Bayern schon der Franke ein „Preiß“ ist. Bei der Besetzung der politischen Throne wird zur Befriedung der landsmannschaftlichen Empfindlichkeiten streng auf eine gewisse Frankenquote geachtet, immerhin waren oder sind vier der bisher elf Throninhaber Franken.  

 

Montag, 13. Februar 2023

Wenn man abends kulinarisch und geistig über die Stränge schlägt, kann es passieren, nachts retrograd peristaltisch geweckt zu werden. Wenn man aber als Hund nur einen nicht allzu großen Lammknochen zerwirkte, muss man nicht damit rechnen, nachts um 3 Uhr konvulsiv von dessen Restbeständen befreit zu werden. Fianna, deren über elf Jahre treu dienender Magen in dieser Hinsicht nicht mehr bedingungslos kooperativ sei will, kann sich darauf nicht berufen, sondern muss sich einiger knöcherner Quälgeister entledigen. Deren Entsorgung erfolgt – na? – natürlich durch den Assi, obwohl dafür wenig Feinmotorik vorausgesetzt wird. Dieser Arbeitsauftrag, folgt einem Blues internen Regelwerk, das keine Saisonbeschränkungen kennt, nach dem alle Kopfgeburten in der Zuständigkeit des Assi liegen, Steißgeburten jedoch bei der Zuchtmeisterin, was deren Naseninsuffizienz zuzuschreiben ist. Nach wenigen Minuten ist das Malheur beseitigt, die alte Dame von Herzen bedauert und das Bett wieder bestiegen. Pfüüüü…

Um 3:40 Uhr meldet Hedda getreu dem Gesetz der Gleichbehandlung von Mann und Frau Darmalarm, weil sie sich gestern um dessen angemessene Entleerung gedrückt hat. Jetzt ist die Zuchtmeisterin an der Reihe, mit dem Nachteil, im Nachtgewand in den Garten zu müssen. Da freut sie sich, dass die Temperaturen doch scharf über Null Grad hängen geblieben sind. Hängen geblieben ist dann auch sie, nämlich bei den Kindern und in der Küche, womit um 4 Uhr die Nacht vorüber ist, weil nun alle ständigen und temporären Familienmitglieder des Blues hellwach sind. Auch schön. So hat man mehr vom Tag…

Auch unserer Kinderwaage ist es schnuppe, wann wir sie acht Mal bestücken, sie tut immer getreulich ihren Dienst und bereitet uns an diesem frühen Morgen viel Freude:

Koschi 2510 (+130), Kini 2130 (+170), Kuno 2110 (+10), Korbi 2200 (+140), Klecks 2000 (0), Kathi 1990 (+210), Käptn 1820 (+110) und Krischan 1810 (+190). Manometer, das sind schon wieder 960 Gramm Auflastung (Durchschnitt 2071 g).

Dafür ist selbstredend nicht mehr die Mama verantwortlich; so viel kann sie nicht mehr stemmen – und will es auch nicht mehr. Wir müssen sie im Gegenteil immer häufiger überreden, sich doch noch einmal zu opfern, denn darauf läuft es inzwischen hinaus. Aber sie hat immer noch zu viel Milch, und die muss raus, selbst wenn das die Mutterliebe auf eine harte Probe stellt.

Nein, diese Gewichte sind der Welpenmilch und dem Granulatbrei zuzuschreiben, die sie durch die Decke gehen lassen, sogar dann, wenn Klecks gestern offenbar unter der Decke geblieben ist. Beeindruckend ist wieder einmal Koschi, nicht wegen der 130 Gramm, sondern, weil er sich in unserer Wahrnehmung gestern eher ein wenig maulfaul zeigte, aber, wie es scheint, auch mit wenigen und kurzen Einsätzen, genug abzugreifen in der Lage ist. Oder er ist schlicht ein horrender Futterverwerter?

Klein-Krischan möchte man fast ein wenig bedauern: Da packt er sich 190 Gramm auf die Rippen und bleibt dennoch das Schlusslicht in der Speck-Rallye, weil sich seine Geschwister in einen wahren Fressrausch gemampft haben, vor allem Kathi, die offenbar keinen Zweifel mehr aufkommen lassen möchte, wer im Hinterhaus vorne ist und vorne sein wird und sich auch von den schmächtigen Hosenträgerschnalzern nicht mehr abkochen lassen will.  

Nachmittags ist es dann so weit: Der Welpen-Parcours wird im Garten aufgebaut, das Paradies wird errichtet. Erst müssen die Gitter aufgestellt werden, dann kommen die Utensilien raus, an denen die Knirpse ihre Fertigkeiten entwickeln und üben sollen (später kommen noch mehr hinzu): Mut ist gefragt und Selbstbewusstsein, gelegentlich Feinmotorik, damit sie werden wie ihr Assi, aber vor allem sollen sie viel Spaß haben, damit sie gutgelaunt und optimistisch ins Leben hinaustreten können.

Wenn das erledigt ist, darf die Achterbande erstmals richtig ins Freie und nicht nur für eine kurze Fotosession. 5 °C sind nicht üppig, aber Welpen mit fast vier Wochen, kommen damit bestens zurecht, wenn man es nicht übertreibt. Im übrigen steht bei uns, sobald die Welpen in den Garten dürfen, immer mindestens ein dick ausgepolstertes Hundebett. Es ist erstaunlich, wie schnell sie sich dieses Lager teilen, und wenn man nach wenigen Minuten in das schlummernde Hundeknäuel greift, herrscht da drinnen eine Temperatur wie im Babybauch.

Unsere Knirpse machen sich flott auf den Weg, die Welt zu erobern, die meisten mit viel Gefiepe und Gezwitscher, manch eine(r) jammert auch ein wenig, aber da sie überall Vertraute vorfinden, die ihnen zeigen, dass sie nicht in der Unendlichkeit des Alls ausgesetzt wurden, überwiegen schnell die Neugier und der Entdeckerdrang. Dann flitzen sie herum, rumpeln, wahrscheinlich eher zufällig als absichtlich, über herumliegende Hindernisse, erleben die ersten kleinen Abstürze ihres Lebens, und die ganz Unerschrockenen werfen schon mal einen Blick in die Requisitenhütte ganz am anderen Ende des Gartens. So richtig schüchtern ist kein Knirps, und schnell verteilen sie sich kreuz und quer und hier und dort. Nach kaum mehr als einer Viertelstunde bringen wir sie in die beiden dick gepolsterten Außenlager, wo sie sich zusammenkuscheln und vielleicht von ihren Erlebnissen erzählen. Dass die Knirpse jetzt schon „groß“ sind, belegt beispielsweise Kuno, der das ihm zugewiesene Lager für nicht angemessen hält und das andere, einen Meter daneben, vorzieht. Mit der dortigen Belegung scheint er zufrieden zu sein. Kuno ist schon ein spezieller Typ, wenn es um seinen Schlafplatz geht.

Dann kommt es zur ersten Speisung im Paradies. Um größerem Ungemach aus dem Weg zu gehen, bieten wir jedoch keine Äpfel an, denn der pfiffigen Kathi trauen wir schon zu, dass sie ihre sieben bösen Buben hinter die Fichte, respektive den Apfelbaum verführt. Es gibt Granulatbrei, denn sie auch unter diesen Umständen höchst konzentriert wegarbeiten, dass selbst die Großen Mühe haben, noch irgendwelche Restbestände zu ergattern.

1M3A1204 1 250Der Transit im AufbauWährend 1M3A1221 1 250und fertigdie Hungerleider den Brei auslöffeln, den sie sich nicht eingebrockt haben, wächst im Haus der legendäre Transit zwischen der Küche, quer durchs Wohnzimmer zur Terrassentür. Gitter werden aufgestellt zwischen denen die Knirpse wie Löwen im Zirkus von hier nach da gelangen können, ohne unsere allerheiligste Stube zu verunstalten und uns pausenlos wie Zecken an unseren Beinen zu hängen. Für die Knirpse hat der Assi sogar eine nagelneue Auslegeware erstanden, weil die alte nach ihrem Dienst an zehn Würfen und über 90 Welpen zu ermattet war, um weitere 32 Beinchen zu ertragen. Ein Roter Teppich ist es aus naheliegenden Gründen nicht geworden, dafür ein spießig hellbeiger PVC-Fußabtreter.

1M3A1205 1 250Der Welpenauslauf wird aufgebaut - und die Knirpse sind dabeiEs ist uns ein starkes Bedürfnis, an dieser Stelle zu betonen, dass es ein Glück und eine wahre Freude ist, Freunde zu haben, die sich bei solchen Arbeiten nicht zu schade sind, Hand anzulegen. Wir hätten das auch zu zweit gestemmt, denn eine große Herausforderung ist es nicht, einen Stapel Gitter hintereinander zu hängen und einen PVC-Streifen passend zu machen. Aber es ist etwas Besonderes, Freunde zu haben, mit denen man schöne und wichtige Momente teilen kann, weil sie Teil dieser Momente sind. Wir danken Iris, Angela und Anna-Maria von Herzen.

Und weil sich große Dinge beim K-Wurf nicht hinter verschlossenen Türen abspielen sollen, ist auch in diesem bedeutenden Abschnitt das Fernsehen vor Ort und dokumentiert die Mühen und Freuden der Züchter. Danke, Lukas, dass du dir die Zeit nehmen konntest.     

Erst als der Transit mit seinem neuen Geläuf steht und auf Kampfdackel-Tauglichkeit geprüft und als sicher befunden wurde, locken wir die sieben verschlafenen Zwerge mit ihrem aufgeweckten Schneewittchen wieder ins Haus. Auf ausreichend vielen Schößen werden sie unter dangling conversations in den Schlaf geplaudert und gesungen.  

Nach einem langen Regenarationsschlaf und einem stärkenden Abendmahl rückt der Transit erstmals ins Zentrum ihres Interesses. Es sind vor allem die bekannten Hauptverdächtigen, die zusammen, meist aber einer nach dem anderen, den Transit abmarschieren, jedes Modul erfassen und abspeichern, die Standfestigkeit prüfen, an den Gittertüren rütteln, die Anschlusspunkte auf Durchlässigkeit testen. Wir wissen aus Erfahrung, dass ihnen schon jetzt, mit noch keinen vier Wochen, kein noch so kleiner Schlupf und keine Nachlässigkeit entgehen wird. Es sind vor allem Kini, Kuno, Klecks und der allgegenwärtige Alleschecker Korbi, die sich auf den Weg zu neuen Ufern machen und auch unverzüglich ihre Duftmarken setzen. Mensch, Jungs, warum so miesepetrig und misstrauisch? Bei uns wird niemand hinter Gittern gehalten, beim Bairischen Blues braucht es kein Transitabkommen. In unserer Passage ist jeder willkommen und kann kommen und gehen, wann er will. Offen bleibt der Transit jedenfalls schon diese Nacht.

Und wo immer sie ihre Köpfchen zur Ruhe betten, heute können sie es mit großer Gelassenheit tun, denn nun sind alle aus der Verlosung und vergeben. Keine(r) muss sich mehr sorgen, eventuell doch beim Bairischen Blues als Ladenhüter hängen zu bleiben.

 

Dienstag, 14. Februar 2023

Heute ist wieder einmal Valentinstag, und zehn Millionen deutsche Männer machen sich morgens einen Vermerk in den Kalender: Blumen für Hilde. Die Hälfte von ihnen hat abends keine Blumen und keine Hilde mehr. Irgendwie ist dieser Tag wie Mariä Lichtmess: weitermachen oder schlussmachen. Wir machen jetzt erst einmal weiter mit der Chronik der Knirpse vom Bairischen Blues und danken schon mal für die immer und charmant gereichten Blumen und Kommentare dazu. Ganz ohne Valentinstag…

Aber natürlich bleibt ein so schicksalsträchtiger Tag nicht verschont von der allfälligen Bauernschlauheit. Hört, hört: Kalter Valentin, früher Lenzbeginn.

Blick auf das Thermometer und in den Himmel: Nebel bei -1 °C. Das passt wie Bier und Radi zu den früheren Prophezeiungen. Wir bleiben also zuversichtlich, auch wenn andere bei diesem Gedanken dem Schnee nachheulen. Alles zu seiner Zeit. Früher war Mitte Februar Schneezeit, heute ist eben „Schee“-Zeit. In gewissen Dingen kann der Chronist dem Klimawandel eine ganze Menge abgewinnen.

Jetzt aber wirklich zurück zu den Knirpsen. Diese Nacht durften sie in ihrer Küche mit einem geöffneten Transit verbringen, den sie jedoch komplett ignoriert haben. Jedenfalls lässt sein piekfeiner Zustand keinen anderen Schluss zu.  

Die Gewichte scheinen sich nun auf einem stabilen Hoch einzupendeln, keine Explosionen mehr, aber formstabile Aufbauleistung:  

1M3A1195 1 250Keine Gelegenheit zum Futtern wird ausgelassenKoschi 2580 (+70), Korbi 2280 (+80), Kuno 2190 (+80), Klecks 2180 (+180), Kini 2150 (+20), Kathi 2010 (+20), Krischan 1960 (+150) Käptn 1920 (+100). 700 Gramm sind das für alle zusammen und ein Durchschnittsgewicht von 2158 Gramm.

Betrachten wir die Zahlen genauer, machen wir zwei Felsen in der Knirpsenbrandung aus: Koschi und Kathi. Koschi ist ja schon seit Anbeginn das Ausmaß aller Dinge, und Kathi hat zielstrebig den Fahrersitz des Dreirads am Ende der Karawane für sich reserviert. Die anderen sechs sind Spielmasse. Die Positionen in Koschis Verfolgerquartett haben eine Halbwertzeit von genau einem Tag, und ob am Ende Krischan oder Käptn den roten Wimpel schwenkt, ist noch nicht einmal eine Kurznotiz bei Leute heute wert.     

Das Personal der Knirpse ist nun an einem Punkt angekommen, an dem jeder vorgeplante Tagesablauf Hochmut ist. Sag wir es wieder einmal mit dem großen Brecht:

Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.

Nach Kenntnis des Chronisten hat Bert Brecht nie Hunde gezüchtet, aber dieser kurze Ausschnitt aus seiner „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens“ könnte aus eben solcher leidvollen Erfahrung geboren worden sein. Der Chronist erwägt, diesen Satz als Leitmotiv züchterischen Tuns, wenigstens zu Welpenzeiten, in die Küche zu hängen.

Was immer das Personal der Knirpse auf der Agenda stehen hat, wird boykottiert oder unterbrochen. Futter für Hedda und Fianna? Schon drängeln sich acht Knirpse fiemend und krawallierend um uns und wollen wissen, was das ist und ob es nicht für sie ist. Bevor die Antwort gegeben und das Futter zu Ende zubereitet ist, kackt einem ein Knirps vor die Füße. Also entsorgen, wegmachen, weil sonst 16 der 32 Beinchen den Restmüll flächig um den Futtermeister verteilen. Doch auch die Beseitigung des Moränchens geht, wie man sich denken kann, nicht geflissentlich von der Hand, weil mindestens ein Knirps auf dem Spielbein hockt, ein anderer am Hosenbein zoppelt und ein dritter mit seinem Körper todesverachtend den rettenden Ausfallschritt verhindert. Gelingt es endlich die Zwerge zu übertölpeln, wegzulocken und das Moränchen zu beseitigen, glitzern genau an der Stelle, wo das Futter bereitet werden soll, zwei flächige Teiche, die ebenso sofort trockengelegt werden müssen, weil man sonst innerhalb weniger Minuten bei jedem Schritt in der Suppe kleben bleibt (ob wohl der Begriff Suppenküche von einem Hovawartzüchter stammt?). Der täglichen Handreichungen und Notwendigkeiten gibt es viele in einem Haushalt, auch solche, die nichts mit Knirpsen zu tun haben, und sie alle unterliegen einer strengen Prozesskontrolle durch die Achterbande. Die einzige Konstante in einem Züchteralltag ist die Tageslänge, in der jedoch kaum noch das Nötigste erledigt wird. Vom Unnötigen und Nebensächlichen, vom Schönen und Erhabenen gar nicht zu reden. Alle Ansprüche verknirpsen unter Zwergen. Oder verzwergen unter Knirpsen?

1M3A1227 1 250Hedda säugt nun im StehenAuch Hedda muss sich den Gegebenheiten beugen, was aktuell das Gegenteil bedeutet, nämlich, dass sie jetzt fast nur noch im Stehen säugt. Damit kommt sie besser klar. Weniger klar kommen damit die kurzen Kathi und Krischan, denen man bei der Ste(h)greiffütterung mit der Hand einen kleinen Lift geben muss, damit sie nicht zu kurzkommen, wenn sie schon zu kurz sind.

1M3A1261 1 250Beim Geschirr abspülen hilft FiannaNachmittags bekommen die Knirpse eine Dreiviertelstunde Freigang unter einem strahlend blauen Himmel und Temperaturen knapp über Null Grad. Ihre Nachmittagsmahlzeit (Granulatbrei) bekommen sie auch draußen, und das geht nun schon richtig gut. Über die Sauerei, die sie dennoch veranstalten, müssen wir nicht jedes Mal ausführlich berichten, weil sich jeder denken kann, was passiert und wie es aussieht, wenn acht Knirpse sich um ein Eimerchen Brei schlagen. Vorteil Hedda. Und auch Vorteil Fianna, was den Assi heute besonders freut, weil die alte Dame heute den ganzen Tag schon sehr unpässlich ist. Beim Morgenspaziergang nimmt sie noch gnädig drei Leckerli, das Frühstück verweigert sie. Vormittag erbricht sie Schleim, aus dem nicht ersichtlich wird, woran sie laboriert. Aber dann, als sich die Knirpse im Brei suhlen, beteiligt sie sich wieder an der Resteverwertung und ist für den Rest des Tages die alte; zwölf Stunden war Fianna krank, jetzt mampft sie wieder – Gott sei Dank!   

Ganz langsam erobern die Knirpse nun ihr Paradies. Manche zwitschern noch ziemlich viel, sind aber dennoch mobil. Das Verhalten erinnert uns sehr an das berühmte Pfeifen im Wald. Ihre Neugier treibt sie dennoch voran, sie lässt sie herumstapfen und ausprobieren. Doch am Ende ist es immer noch die Terrasse und der Umschluss mit den Geschwistern, der ihre kleinen Seelen wieder ins Gleichgewicht bringt. Dann fallen sie wie Säcke gerade da, wo sie stehen, um und schlafen ein. Jetzt haben sie Traummaterial fürs Hirn.

Abends kommt wieder etwas Neues auf den Tisch: fein durchgedrehtes Rinderkopffleisch mit Kartoffelbrei und gekochten Karotten. Schon wieder ein Festival und eine neue Herausforderung für die kleinen Plauzen.

Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die vierte Woche.

 

 

Wie bereits angekündigt, versorgen wir unsere Verfolger am Ende der vierten Woche traditionell mit kurzen Statements über unsere Zwerge. Viel Aussagekraft für die Zukunft steckt nicht in ihnen, eher schon ein kurzer Abriss dessen, was bisher zu beobachten war.

Käptn ist  M3A1298 1 250Käptnein ausgesprochen lieber Kerl, knuffig und klein. Oft sieht er aus, wie gerade aus dem Bett gefallen, segelt schon mal auf dem falschen Kurs und ist gelegentlich azyklisch unterwegs. Obwohl er eine einsame Schlafecke in der Schnullerbox vorzieht, ist er kein Außenseiter, sondern immer dabei, wenn die anderen im Kudde kuscheln oder irgendwo etwas abgeht.  

Klecks ist 1M3A1247 1 250Klecksso einer, wie ihn alle gerne haben, hat meist gute Laune und Unsinn im Sinn. Obwohl er sich mit Koschi oder Korbi jetzt schon mal handfeste Rangeleien liefert, ist er unkompliziert und gutmütig; seine anderen Geschwister lässt er gerne auf sich herumturnen. Wenn es irgendwo irgendetwas zu entdecken gibt, ist er meist nicht weit.

Korbi ist 1M3A1244 1 250Korbiunser Hans Dampf in allen Gassen. So einen hat man in jedem Wurf und so einen muss man lieben, auch wenn er gelegentlich eine Nervensäge ist. Viel ist über ihn geschrieben, von seiner Schönheit und seiner Eitelkeit. Darüber hinaus ist er der Gemeindelautsprecher und Anklagevertreter für alles, was ihn nervt. Und es nervt ihn viel. Auch solche Chefkommentatoren und Zwangsnörgler hat man in jedem Wurf – und später kann sich daran niemand mehr erinnern. Doch darüber hinaus ist er ein Bewegungstalent, blitzschnell und blitzgescheit. Er ist der Alleschecker und Schnellspanner. Nichts bleibt ihm verborgen, überall ist er zuerst und macht sich ein Bild. So viel Talente er hat, wenn es darauf ankommt, ist er vor allem ein hingebungsvoller Schmuser.  

Kini ist  M3A1272 1 250Kiniauch viel unterwegs, gerne bei einem Pioniertrupp, manchmal etwas introvertiert, dann wieder voller Drang nach draußen und nach vorn. Er war der Erste, der den Weg über die Boxensperren gefunden hat und der lange Wanderschaften unternahm. Menschen liebt er über alles und Schöße sind seine Lieblingsschlafplätze.

Koschi ist 1M3A1248 1 250Koschider stille Mittelpunkt und Schwerpunkt der Knirpse. Das liegt nicht vornehmlich an seiner Gestalt. Er ist so, wie er aussieht. Er ruht in sich und strahlt diese Ruhe auf die anderen aus (nicht immer auf Korbi 😉). Gern spielt er mal alleine, kriegt trotz seiner scheinbaren Gelassenheit alles mit und sitzt plötzlich im Wohnzimmer, weil er gerafft hat, dass die Transittür nicht zu ist. Sein bester Freund ist Krischan, den er mit endloser Geduld auf sich herumturnen lässt.

Krischan ist d M3A1289 1 250Krischanas zierliche Herzstück der Truppe. Er ist tatsächlich klein, aber keinesfalls ein Mauerblümchen oder Ladenhüter. Krischan ist pfiffig und lebensfroh. Anfangs kam er wegen seiner Zartheit häufiger unter die Räder und zog sich dann zurück. Das ist vorbei und er ist vorn mit dabei. Bei den Mahlzeiten kann er jetzt auch die Ellenbogen einsetzen, was ihn dennoch nicht zu einem Kraftpaket macht. Die Brüder nehmen ihn gern als Sparringspartner, vor allem Koschi, und lassen ihn gewinnen. Ach ja: Sollte ein Arm frei sein, wird er unverzüglich von Krischan besetzt, weil er so schöne Augen hat…

Kuno ist 1M3A1241 1 250Kunoder Zwilling von Kini. Die beiden gleichen sich in vielem fast wie ein Ei dem anderen. Nicht umsonst haben wir die beiden als Kuni-Kino beschrieben. Und deshalb verkneifen wir uns lange Reden über Kuno und verweisen auf Kini.

Kathi, ist  M3A1395 1 250Kathidie letztgeborene Quotenfrau, Hoffnung und Enttäuschung aller Hündinnen-Liebhaber, weil sie schon vor ihrer Geburt vergeben war. Dafür kann sie aber nichts. Auch sie segelte lange unter dem Radar, weil sie so zart war. Inzwischen hat sie zwei ihrer Brüder körperlich überholt und geistig steht sie ihnen allen sowieso nicht nach. Sie hat in allen Dingen richtig zugelegt, ist meist mit dabei, lässt sich kein X für ein U vormachen. Arme und Schöße liebt sie wie viele ihrer Brüder, von denen Krischan ihr Herzensbruder ist.

Insgesamt haben wir mit den Knirpsen einen sehr pfiffigen und in mancher Hinsicht frühreifen Haufen. Alle sind ausgesprochen freundlich und mit der wachsenden Zahl der Besucher immer mehr den Menschen zugewandt. Sie erstaunen uns oft wegen ihrer Lerngeschwindigkeit und blitzschnellen Auffassungsgabe. Die konsequente Umsetzung des Gelernten verblüfft uns oft und macht uns gelegentlich zu schaffen. Froh sind wir vor allem, dass alle sehr gesund zu sein scheinen und hoffen, dass es dabei bleibt. Toi, toi, toi…

 

Mittwoch, 15. Februar 2023

Nun liegt er also hinter uns, der halbe Weg mit unseren Knirpsen – für die einen von nun an mit jedem weiteren Tag ein Schritt hin zum Glück, für die anderen eine immer dunklere Drohkulisse; Besitzerglück contra Verlustangst, nicht auflösbar, bestenfalls moderierbar. Uns möge die Erfahrung helfen, dass wir in vier Wochen keine knuffigen und herzigen Kugelporsches mehr zu pflegen haben, sondern immer noch herzige, aber höchst gewaltbereite Halbstarke, die man mitunter lieber von hinten oder schlafend sieht.

Immerhin beginnt der Tag mit in unserem Verständnis angemessenen, nebligen -2 °C und einem ordentlichen Gewichtsaufschlag bei den Knirpsen. Mit einer Ausnahme: Koschi! Der Hedonist macht mal zwischendurch auf Fastenguru und liefert eine glatte Null (2580 g).

Jetzt sollte er sich überlegen, ob ihm in Zukunft sein Seelenheil oder sein Leibesheil wichtiger ist, denn Korbi ist wachsam und, wie wir wissen, ein Alleschecker, dem der Ausrutscher nicht entgangen ist: 200 g packt er drauf und rückt mit 2480 g bis auf 100 Gramm an Koschi heran. Koschis genereller Vorteil ist und bleibt seine Gelassenheit und innere Ruhe, während Korbis Alarmismus und Umtriebigkeit viel Energie verbraucht.

Kuno folgt mit 2360 g (+170) unauffällig aber immer im Windschatten und bereit, bei passender Gelegenheit aus diesem heraus zum Überholen anzusetzen. Klecks (2290 g) und Kini (2260 g) legen jeweils 110 Gramm zu, ohne erkennbare Karriereambitionen.

Dann folgen Kathi mit 2150 g (+140), die wieder einmal ein Ausrufungszeichen setzt, vor Käptn (2030 g, +110) und Krischan (2020 g, +60).

In der Summe sind das 900 Gramm mehr bei einem Durchschnittsgewicht von 2271 Gramm. Das freut den Chronistenassi und die Zuchtmeisterin, auch weil die Spreizung von 560 Gramm vom Schwersten bis zum Leichtesten schrumpft und inzwischen völlig normal ist. Niemals werden die fünf sich in einer Gewichtsklasse bewegen, aber sie rücken zusammen. Oder sollen wir sagen: sie wachsen zusammen?

Neben einiger weniger Mutterversorgungen waren es wieder die Welpenmilch, das Granulat und das Kopffleisch, die für das Gedeihen der Knirpse beste Dienste leisteten. Auch diesmal haben sie das alles ausgezeichnet vertragen, was die festen und stetig wachsenden Endmoränchen bezeugen.

Die Tage, wenn der Assi mit den Knirpsen allein zuhause ist, können sehr unterschiedlich ausfallen. Wenn die Sonne lacht und die Frühlingsluft die Kleinen lau umfächelt, liegen sie zufrieden in ihrem Paradies und haben kaum Bedürfnisse außer jenen, die sie selbst zu erledigen haben.

An anderen Tagen, solchen wie heute, neigen sie selbst während eines Paradiesaufenthalts zu Unmut und Pöbelei. Die Ursache ist darin zu suchen, dass auch ein erfahrener und leiderprobter Assi nur zwei Hände hat und die den Naturgesetzten unterliegenden Abläufe nicht beschleunigen kann. Dann führen sich die Luxuszwerge auf wie ein Haufen Kurrentner in einem überfüllten Restaurant mit starker personeller Unterbesetzung.

Heute stellt sich das etwa so dar. Die Kraftzwerge fühlen sich unterversorgt und verlangen nach einem Powerdrink. Der steht zwar in Form des Breigranulats schon bereit, muss aber noch auskühlen, weil er mit fast kochendem Wasser aufgebrüht wird. Den Geruch kennen sie bereits und riechen die Signale. Logische Folge: Krawalldemo (fehlen nur noch die Trillerpfeifen). Trotz Demo hat man reihum Zeit, sich zu erleichtern. Der Assi hechelt und stolpert durch Küche und Transit, um die Hinterlassenschaften zu entsorgen. Zwischendurch poltern Mutter und Oma hinaus in den Garten und aufs Hochbeet, um kindermordende Passanten zu vertreiben. Das machen sie sonst nie, halten es nun aber für alternativlos. Der Assi poltert plärrend zwischen all den krähenden Zwergen hinterher, weil er es ebenso für alternativlos hält, den beiden die Grundlagen gepflegter Nachbarschaft ins Gedächtnis zurückzurufen, die auch dann gelten, wenn Welpen im Haus sind. Die Knirpse strampeln höchst belustigt hinterher: endlich was los auf’m Hof. Sind die Damen gemaßregelt und zurück im Haus, erinnert sich das Zwergenpack an seine knurrenden Mägen, kräääh. Wenn schon kein Futter geliefert wird, wollen sie wenigstens alle mal auf den Schoß, also Belagerung. Krischan versteigt sich hinter seine Schlafwanne und landet in einem toten Winkel zwischen Wanne und Terrassenecke. Dort ist Endstation, weil er nicht mehr rausfindet, kräääh.  M3A1354 1 250Korbi watscht die Schlange - als ob die Schuld daran ist, dass es noch kein Mittag gibtKorbi findet hingegen alles langweilig und verlungert sich in die hinterste Paradiesecke, dort wo der Apfelbaum mit seiner Schlange auf ihn und Eva wartet. Eva kommt nicht, Korbi fühlt sich vernachlässigt im Paradies und schreit nach der Mama, die gar nicht daran denkt, ihren verlorenen Sohn heimzuholen: krääääh.  M3A1329 1 250Koschi Koschi findet die ganze Gartenparty doof und will wieder in seine Küche, erstens aus Prinzip und zweitens, weil dort sein Futter wartet. In der Terrassentür steckt ein Sperrbrett (30 cm), um das dauernde Raus-Rein zu verhindern. Korbi findet auch dieses Brett doof und unangemessen, fixiert es, baut sich auf, hängt sich drauf und ist drüber und durch den Transit in der Küche verschwunden. Mistkrüppel… Der kleine Käptn findet Koschis Idee ultracool, baut sich ebenfalls vor dem Brett auf, macht sich so lang, wie er kann, hängt sich hoch – und plumpst drüber. Weg ist er, auf direktem Weg in seiner Schlummerecke in der Kiste. Dass Koschi, der Bär, drüber kommt, erstaunt den Assi nicht, aber dass der kleine Käptn das ebenfalls schafft, bringt ihn aus der eh schon lockeren Fassung.

 M3A1334 1 250Käptn auf der FluchtJetzt ist bei allen der Druck draußen und zusammen kuscheln sie sich in den Schlaf, die einen in der Küche, die anderen in der Kuschelwanne auf der Terrasse. Doch dann ist das Granulat servierbereit. Also wird die ganze Bande wieder aufgeweckt, die einen draußen, die anderen in der Küche. Die Küchenschläfer werden ins Paradies beordert, und hinter ihnen ein zweites 30 cm-Brett auf das erste gesetzt. Das ist nun definitiv sogar von Koschi Messner nicht bezwingbar, zwingt aber den Assi nun ständig zu halsbrecherischen Übersteigern.  Auf dem Terrassentisch wird der Futterring mit dem Brei befüllt und zur Wiese transportiert. Beim Transport kommt der Ring aus der Balance und ergießt einen Teil seines Inhalts auf die Terrasse und einiges Spielzeugs. Bevor die Zwerge geblickt haben, was los ist, steckt schon die Mutter ihre Nase in den Futterbrei – Anpfiff. Die Oma, altersweise, hält sich im Hintergrund und wartet auf ihre Chance. Jetzt werden die umherirrenden Knirpse zur Futterstelle gerufen. Einige bleiben an den bekleckerten Spielzeugen hängen, während die anderen vom Assi zur Futterstelle transportiert werden. Der Assi wendet sich den Spielzeuglutschern zu, und schon hat die Mutter hinter seinem Rücken wieder die Nase in der Suppe. Anpfiff. Die einen inhalieren bereits den Brei, während die anderen noch an den Leckerspielis naschen. Endlich sind alle zusammengetragen und bald satt. Nun dürfen Mama und Oma sich an den Resten erbauen, auch jenen in der Rührschüssel. Nach einigen kleinen Entsorgungsausflügen verkuscheln sich alle wieder in den Schlaf, der Assi nimmt das obere Brett aus der Terrassentür, um sich die Kletterei zu ersparen, und schon ist der kleine Käptn – plumps – wieder drüber und verschwindet in seiner Lieblingsecke in der Küche. Sechs Zwerge und ein Schneewittchen absolvieren nun ihren Verdauungsschlaf im Terrassenbettchen, und der Käptn träumt in seiner Kiste von großen Abenteuern. Ende der Geschichte.

Und wenn der Assi wieder einmal zu denken versucht, zum Beispiel, dass dies tatsächlich das Ende der Geschichte sei, lenkt der Knirps (aber nicht ein), sondern wird blitzschnell zum Murmeltier und grüßt täglich. Gerne auch mehrmals.

 

Donnerstag, 16. Februar 2023

Heute tanzen die Weiber den Männern auf der Nase herum, wie es seit dem Mittelalter an der Weiberfasnacht der Brauch ist. An unseren Knirpsen dürfte dieser Brauch ungenutzt vorübergehen, weil es keine Anzeichen gibt, dass Kathi ihren Brüdern die weißen Lätzchen abschneidet oder in anderer Form durch den Kakao zieht. Das hätten sie auch nicht verdient, weil sie alle sehr lieb zu ihrer Schwester sind. In der alemannischen Fasnacht heißt dieser Tag Schmotziger Dunschtig (für Dialektlegastheniker: schmutziger Donnerstag), was in unserer Lage ohne Belang ist, weil derzeit bei uns täglicher Schmotziger Dunschtig ist. Beim Wiegen der Zwerge verständigen wir uns heute allerdings darauf, dass der gelegentlich im Rheinischen benutzte Begriff Fettdonnerstag seine Berechtigung hat: 1220 Gramm Gewichtszunahme ist voluptuös. Wir halten es für dringend geboten, darauf hinzuweisen, dass diese Auflastung nicht auf den Verzehr dargebotener Faschingskrapfen (Berliner, Pfannkuchen, Kräppel, Chräpfli) zurückzuführen ist, sondern ausschließlich der Maßlosigkeit der Knirpse zugerechnet werden muss.

Weil sich außer einer kleinen Rochade zwischen Kini und Klecks an der Familienaufstellung nichts ändert, fassen wir uns kurz:
Koschi 2760 (+180), Korbi 2630 (+150), Kuno 2500 (+140), Kini 2470 (+210), Klecks 2470 (+180), Kathi 2230 (+80), Käptn 2170 (+140), Krischan 2160 (+140). Mit diesem Wumms ist auch das Durchschnittsgewicht um 152 Gramm auf 2423 Gramm nach oben gehüpft.

 M3A1386 1 250Kuno und Kini sind best friendsAus der gestrigen Futtermenge ist diese Schub schwerlich abzuleiten, weil die Menge an Granulatbrei gleichgeblieben ist und das abendliche Fleisch geringfügig angehoben wurde. Nur die Morgenmilch ist jetzt um die Hälfte aufgestockt, was auch nötig ist, weil die Mama nur mehr sporadisch liefert. Es bleibt also ein Naturphänomen, warum das Futter heute einschlägt und morgen durchgereicht wird. Vielleicht liegt es an der Mondphase oder an vermehrter Aktivität der Sonnenflecken.

Solche Überraschungen sind natürlich das Salz in der Züchtersuppe, weswegen im übrigen Herr Prof. Dr. Karl Lauterbach nie Züchter sein könnte, weil er auf Salz bekanntlich völlig verzichtet. Wir lieben solche Salzgaben. Aber natürlich macht man sich Gedanken über die Ursachen, obwohl eigentlich jeder weiß, dass der Kosmos ein chaotisches System ist, dessen Gesetze wir bislang nur lückenhaft entschlüsseln konnten.

Auch wenn der Weiberfasching morgens mit glasklaren -4 °C in den Tag startet und sich nachmittags auf 14 Grad hochschwingt, dürfte das immer noch nicht für eine wirkungsvolle Fettverbrennung bei den Knirpsen ausreichen.

Andererseits kommen die Knirpse den Vorgängen beim Bairischen Blues immer besser auf die Schliche. Da ist beispielsweise der Eimer mit dem Welpengranulat. Wenn wir den bereitstellen, spitzt die Hälfte der Zwerge schon die Ohren. Noch aufmerksamer werden sie, wenn wir morgens die Milch oder abends das Kopffleisch mit dem Zauberstab pürieren. Sobald das Gerät aufheult, wieseln alle fix und flott daher; sie wissen schon, was das bedeutet. Das kann und sollte man als herzerweichenden Entwicklungsschritt betrachten. Für die künftigen Besitzer unsere Welpen bedeutet das jedoch nicht nur, dass die Knirpse mit allem vertraut sind, was in Haus und Garten kracht, rumort und quietscht, pfeift, röchelt und scheppert, sondern dass der Einsatz eines Zauberstabs nicht ohne Folgen bleiben wird.

Ist das nicht zauberhaft?    

 

Freitag, 17. Februar 2023

Auf den Schmotzigen Dunschtig folgt, jedenfalls in der alemannischen Fasnacht, der Rußige Freitag, in Oberschwaben ist das der Bromige Freitag, weil die Narren an diesem Tag früher versucht haben, Leuten Ruß ins Gesicht zu schmieren. Stand kein Ruß zur Verfügung, taten es auch Brombeeren. Jetzt will man doch gerne wissen, woher die in dieser Jahreszeit frische Brombeeren hatten.

Beim Bairischen Blues könnte dieser Tag auch Schmieriger Freitag heißen. Allerdings würde er sich kaum vom Schmierigen Montag, dem Schmierigen Dienstag, etc. unterscheiden. Die Umbenennung wird folgerichtig kaum Eingang in den Faschingskalender finden.

Ob rußig, bromig oder schmierig: Entscheidend ist doch, was uns der Tag bescheren wird. Gleich morgens, es ist noch dunkel und der Assi leert den verkackten Putzeimer in den Straßengully, singen ihm zwei Amselhähnchen ein Lied. Zwar singen sie nicht zu seiner Erbauung, sondern stecken mit dem Gesang ihre Reviergrenzen ab, aber wie wäre es wohl um die Welt bestellt, wenn alle Kampfhähne auf den Dachfirsten ihrer Paläste ihre Ansprüche singend regeln würden. Sicher würde nur selten die Kunst profitieren, mit Gewissheit aber die Würde des Menschengeschlechts. Weiß jemand, ob Wladimir Wladimirowitsch singen oder wenigstens trällern kann? Und wie klänge es wohl, wenn ihm Wolodymyr eins pfeifen würde? Wahrscheinlich hätten wir genug Gründe, uns über ihre Misstöne zu echauffieren, welche jedoch immer noch angenehmer wären als Sirenengeheul. Was einem Abwasser-Assi morgens um 5 Uhr so durch den Kopf geht, nur weil ihm ein Amselbock eins pfeift…

Vor allem geht ihm dabei die Frage durch den Kopf: Ja, ist denn schon wieder Frühling? Behalten denn die Bauern mit ihrer Wahrsagerei wirklich recht? Laue 5 °C umfangen den Assi beim Klang der Amselarien, und die Wetterdruiden prophezeien ihm einen frühlingsnahen Tag.

Die Kinder müssen morgens auch auf die Waage, wenn die Amseln trällern. Bei dieser Gelegenheit wird es höchste Zeit, ihnen ein weit in die Lande schallendes Loblied zu singen, gegen das sich die Amselarie wie Froschgesang anhört. Die Knirpse sind die absolut ersten Kinder, die sich auf der Waage verhalten wie die Kleber von der Letzten Generation: Sie sitzen (fast) wie festgetackert. Kaum eine(r) hat jemals versucht, der Waage zu entfliehen. Was haben wir schon Kämpfe mit unwirschen oder fluchtreflektierten Kindern ausgestanden! Wie Flipperkugeln oder Aale haben sie uns das Leben schwergemacht. Doch diese hier sitzen und – fast möchte man sagen – sinnen. Sie sind weder lethargisch noch angstgeduckt, sie hocken einfach da, warten ihr Ergebnis ab und lassen sich wieder zurücksetzen. Wahrscheinlich hilft ihnen das Körbchen, in welches wir sie setzen, und das wir ihren Vorgängern vorenthielten. Wir wissen es nicht, sind aber auf diese Weise mindestens doppelt so schnell durch die Prozedur wie früher.

Und auch heute kann sich ihr Ergebnis mehr als nur sehen lassen.

Koschi sammelt wieder einmal Punkte, heute 190 und meldet 2950 Gramm. Damit sind die drei Kilo in greifbarer Nähe. Auch Korbi lässt sich nicht lumpen und legt 170 Gramm zu (2800), ebenso Kini, der auf 160 Gramm kommt (2630). Kuno (2570, +70) und Klecks (2540, +70) können das Tempo in der Viererbande aktuell nicht mithalten. Im Dreizack am Ende verschätzte sich Kathi offenbar, denn mit 110 Gramm bleibt sie bei 2340 Gramm hängen, das gleiche Gewicht wie Käptn, der sich aber mit einem Tageswumms von 170 Gramm vor sie platzieren darf. Und auch Krischan sollte sie nicht aus den Augen verlieren, wenn sie ihren Führungsanspruch geltend machen möchte, denn der liefert auch 140 Gramm und bleibt ihr mit 2300 Gramm auf den Fersen. Insgesamt kommen wir heute auf 1080 Gramm Zulage und ein Durchschnittsgewicht von 1558 Gramm.

 M3A1396 1 250Morgendliche Schmuseeinheiten im Freien: Korbi, Kini und KathiWährend wir ihren Augiasstall misten und wieder geordnete Zustände herstellen, verbannen wir sie heute, bei schon fast frühlingshaften Morgentemperaturen, in ihr kleines Paradies, was nicht jedem gefällt. Klar, auch die bisherige Kasernierung in der Schnullerbox war Grund genug, eine lautstarke Protestdemo zu organisieren, aber schnöde ausgesperrt zu werden ist noch etwas anderes als nur weggesperrt zu sein. Verschärfend kommt hinzu, dass Mama und Oma im Haus bleiben müssen, weil sie draußen nur den Unmut der Zornzwerge zu ertragen hätten. Lange halten sie das Geheul gottlob nicht durch, was uns die Nachbarschaft vermutlich danken wird, und sie nehmen nochmal eine Mütze Schlaf.  

Die Schnullerbox ist schon seit Tagen nur noch gelegentlicher Schlafplatz, dafür häufiger ein Box-Gym. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn sie aber die Box neben der Körperertüchtigung überwiegend als Pissoir benutzen und zudem die Teiche, die sie direkt vor die Kiste platzieren unter diese laufen, kann der Assi putzen so lange er will: Es stinkt nach öffentlicher Bedürfnisanstalt. Deswegen hat die Schnullerbox heute ausgedient und wird nachmittags abgebaut. Dort wo die Kinder die Welt betraten, werden nun Laken und Decken ausgebreitet, auf denen sie sich nach ihrer Rückkehr aus der Verbannung, genüsslich ausbreiten. Phantomschmerzen wegen ihres abgerissenen Kreißsaals haben sie eindeutig keine. Für uns ändert sich, abgesehen vom Gestank und der bessern Putzmöglichkeit, nichts, höchstens für unsere Besucher, die nun mehr Platz haben, sich in der Küche auszubreiten.

Abends servieren wir ihnen heute erstmals gekochtes Hähnchen mit Reisflocken und Karotten (Moro-Suppe). Das lassen sie sich genauso schmecken wie alles, was sie bisher bekamen, hauen rein und sich gegenseitig weg – die ganz normalen Tischsitten eben.

Trotz dieses neuen Ambientes halten sich die Knirpse heute vorwiegend in ihrem Disneyland im Freien auf. Großteils verdösen sie den Tag, lungern auf ihren Decken und Betten herum und zeigen wenig Interesse an Aktivitäten. Die Knirpse träumen in den Frühling hinein. Oder ist das schon die erste Frühjahrsmüdigkeit? Immerhin bekommen sie heute eine erste Idee vom unvergleichlichen Frühling im Mangfalltal. Eigentlich dürfen wir sie gar nicht weggeben, wenn sie in der Fremde bald nur noch von einem Frühling träumen können, der so lenzig ist wie an der brabbelplappernden Mangfall.

Bei den Gedanken darüber, wird uns spontan klar, dass die Knirpse – alle zusammen – unveräußerlich sind! Nach aktueller Lage der Dinge können wir gar keinen hergeben, weil nicht ein einziger dabei ist, zu dem wir etwas weniger Beziehung haben als zu den anderen. Solche gibt es in praktisch in jedem Wurf. Doch diese Knirpse haben sich achtfach in unseren Herzen eingenistet. Herzwurzelgewächse. Coronarknirpse. Sorry: Unverkäuflich!

 

 

Samstag, 18. Februar 2023
Faschingssamstag

 M3A1439 1 250Damit drinnen klar Schiff gemacht werden kann, wird die Bande nach draußen verbanntWir beherbergen acht Knirpse. Heute Morgen, beim Betreten der Küche, begrüßen uns 16 Wursthäufchen. Vor Freude über unser Erscheinen, beschenkt uns jeder fröhlich quiekende Knirps mit einem weiteren Faschingshäufchen. Das ergibt in der Summe 24 und eine formidable Leistung. Für die Zukunft lässt diese Spendierfreudigkeit Schlimmes ahnen – und der Assi überdenkt ihre Unverkäuflichkeit doch noch einmal.

Vor der Tür herrscht heute atlantisches Windwetter, das uns zwar schon früh am Morgen zehn Grad beschert, später sogar 14 Grad, aber das uneingeschränkte Paradieserlebnis der Knirpse entscheidend trübt.

Weil Routinen nicht nur langweilig sind, sondern auch dem Tag Struktur und Inhalt geben, was besonders Tagen ohne Eigenschaften eine große Stütze ist, wenden wir uns nun wieder der Hauptroutine des Tages zu: wiegen.

Koschi versagt! Schon einmal hat er vor dem Tausender-Sprung gezögert, so auch heute. Gestern noch hatten wir keine Zweifel, dass 50 Gramm für ihn nicht mehr als eine Aufwärmübung seien, aber was liefert der Sack? 40 Gramm und bleibt bei 2990 hängen. Das ist für einen wie ihn beschämend wenig. Aber auch Korbi (2880, +80) und Kini (2690, +60) wachsen nicht über sich hinaus. Nur Klecks hält sich einigermaßen standesgemäß (2630, +90), was ihn vor Kuno bringt, der ebenso 2630 Gramm meldet, aber nur 60 Gramm, zulegt. Da freut es den Chronisten besonders, dass unsere Kathi läuft und läuft und läuft wie einst der VW-Käfer: Mit 120 Gramm macht sie ihre gesamte Zwergenriege nass (2460), vor allem ihre Hinterherläufer Käptn (2430, +90) und Krischan (2370, +70).

Das ist mit 610 Gramm Auflastung ein in letzter Zeit ungewohnt schwacher Tag (Durchschnitt 2635), zeigt aber, dass Hähnchen zum Abendmahl nicht so energiereich ist wie Kopffleisch oder Tatar. Auch hat Hedda gestern nur noch viermal gesäugt, was bei diesen Hungerleidern nicht mehr viel hermacht. Dem tragen wir Rechnung und verdoppeln ab heute die Morgenmilch. Zusammen mit Heddas Welpenmilch, die wir in den nächsten Tagen wegen ihrer spärlichen Milchproduktion einstellen werden, verbrauchen wir nun jeden Morgen neun Eier. Sollte nun jemand grübeln, was neun Eier jeden Tag kosten und anschließend unser baldiges finanzielles Ende in Betracht zieht, können wir ihn oder sie beruhigen: Wir haben gleich um die Ecke einen kleinen, feinen Geflügelhof, von dem wir Brucheier für 10 ct beziehen. Das können wir so gerade noch stemmen. Im Verlauf des heutigen Tags, reduziert Hedda ihren Milchservice sogar auf dreimal. Logo, wenn wir aufrüsten, kann sie abrüsten. Das ist die Idee dahinter.   

Bleiben wir noch kurz bei der Nahrungsaufnahme. Unseren beiden Großen stellen wir ihr Frühstück heute im Wohnzimmer zur Verfügung, weil alles andere mit acht Futterneidern nicht mehr funktioniert. Die zwei Schüsseln stehen gleich hinter dem Transitgitter. Es ist Kuno, der als Erster schnallt, wo die Mädels heute speisen, und umgehend zur Stelle ist, um die neue Lage zu peilen. Die anderen erfassen die Situation erst durch Kunos Pionierleistung und folgen ihm. Dafür, dass sie anfangs nicht einmal mitbekommen haben, dass sie gerade um einen Spaß gebracht wurden, beschweren sie sich nun umso lautstärker. Kuno hat wieder einmal bewiesen, dass er zusammen mit Korbi der absolut schnellste Checker ist, wenn es um Veränderungen oder die Zuordnung bekannter Geräusche geht.

Die zweite Entwurmung mit Panacur ist auch schon wieder fällig, also beginnen wir heute mit deren erstem Teil, den die Zwerge ebenso routiniert an sich abtropfen lassen wie die Zuchtmeisterin ihnen den Einfüllstutzen routiniert zwischen die Lefzen schiebt. So tickt die Welt: geben und nehmen.

IMG 7372 1 250Ab sofort wird an zwei Ringen gefressenMit dem Geben und Nehmen ist es aber mitunter so eine Sache, dann nämlich, wenn sich Geber und Nehmer zu sehr auf die Pelle gehen; das mit dem Volk ohne Raum haben wir schon einmal angesprochen. Die acht Prachtknirpse haben inzwischen an einem Futterring nicht mehr genug Platz, was dazu führt, dass die Gewaltigsten und Gewalttätigen das meiste für sich reservieren und die zwangsläufig Friedfertigen bald in Frieden, aber am vollen Futternapf verhungern, wenn wir nicht einschreiten.

Ein zweiter Ring bekommt also seinen Auftritt, was auch unser Eingreifen wieder dringend nötig macht, weil es bei den Knirpsen definitiv nicht angelegt ist, sich schiedlich-friedlich in zwei Vierergruppen an den Ringen zu verteilen. Blind wie Grottenolme stürzen sich nachmittags, als der traditionelle Futterruf „Matze, Matze, Matze“ durch Haus und Hof schallt, acht Notleidende auf einen Futterring und fressen sich die Haare vom Leib, wenn wir sie nicht umsortieren. Die Idee, die vier schlimmsten Gierschlünde sich an einem Ring gegenseitig den Teller leerfressen zu lassen, damit sich die Hintersassen nebenan einen wohlgefüllten Ring teilen können, funktioniert noch nicht einmal in Taka-Tuka-Land. Gier und Neugier gönnen sich gegenseitig nicht das Schwarze unter den Fingernägeln, weshalb alle hin und her flitzen, um nicht doch noch zu kurz zu kommen. So ist das eben: Die Welt ist sogar im Welpenparadies kein Paradies, sondern eine Schlangengrube. Und dagegen hilft nur eine Futtermeisterin und ihr Assi. Auf eine Eva sollte man sich jedenfalls nicht verlassen.   

Auf die Schlacht am lauwarmen Buffet, folgt unweigerlich die Entsorgung. Zu unserem Missvergnügen werden jetzt die Endmoränchen schmierig und gelbschleimig. Nach Lage der Dinge ist das zwar nicht bedrohlich, weil es offensichtlich keinen bakteriellen Hintergrund hat, aber es ist für das Personal eklig und schwerer zu beseitigen als eine sauber auf die Terrasse gedrechselte Brezel. Der Grund für die Veränderung des Stuhlgangs liegt einerseits an den immer neuen Nahrungsangeboten, dem Wurmmittel, aber vor allem am Grünzeug, das sie im Garten vorfinden und austesten.

 M3A1487 1 250Welpen- und BesucherglückMit fortschreitendem Alter der Knirpse und ihrem damit verbundenen unwiderstehlich reifenden Kuschelfaktor, geben sich nun immer mehr Besucher bei uns die Klinke in die Hand, an einem Wochenende erst recht. Demnach ist auch am heutigen Narrensamstag viel los beim Blues. Die größten Profiteure sind an solchen Tagen die Superschmuser Krischan und Kathi, die zwei mit dem ausgeprägtesten Kindchenschema. Und so kommen alle auf ihre Kosten, die Selbstdarsteller und Showmänner, die die Leute zum Lachen und Staunen bringen, und die Schoßhocker mit der Unschuldsmiene. Am meisten jedoch kommen die Besucher auf ihre Kosten, die eine seelische Schnellwäsche bekommen, ohne dafür zur Kasse gebeten zu werden. Beim Bairischen Blues gibt es glückliche Hunde und Hunde fürs Glück.  

 

Sonntag, 19. Februar 2023
Faschingssonntag

Auch dieser Narrentag beginnt atlantisch mit 9 Grad und Regen und Wind. Das empfinden Närrinnen und Narrhallesen in Vagen als boshafte Spaßbremse, weil heute ein großer Faschingsumzug stattfindet, und dafür wünscht man sich logischerweise ein anderes Wetter. Dazu später mehr, jetzt zur Hauptsache, den Knirpsen ohne Pappnasen, aber mit schwarzen Schnuffelnasen.

Die begrüßen uns morgens in einer maximal versauten Küche und einem ebensolchen Transit, weil wir ihn nachts nicht abgesperrt hatten. Selber schuld. Viele dieser Morgengaben sind schleimig weich und unangenehm anrüchig. Egal: Ob so anrüchig oder anders anrüchig: es stinkt einfach ekelig.

Wenn man die Knirpse dann auf die Waage setzt und deren Ergebnis mit dem soeben weggeputzten Output in Verbindung bringt, fragt man sich, woher sie diese Gewichte nehmen, wenn sie doch augenscheinlich die ganze Nacht über alles entsorgt haben, was wir ihnen gestern untergeschoben hatten. Gestern hatten wir noch räsoniert, dass das schwache Ergebnis auf das energiedefizitäre Hühnchen zurückzuführen sein könnte, aber gestern Abend bekamen sie wieder gekochtes Huhn, diesmal mit echtem Basmatireis und Möhrensuppe. Und daraus haben sie folgendes gemacht (ohne weitere Worte):

Koschi 3130 (+140), Korbi 3030 (+150), Kini 2910 (+220), Kuno 2810 (+180), Klecks 2800 (+170), Kathi 2610 (+150), Krischan 2550 (+180) und Käptn 2540 (+110).

Diese Zahlen ergeben einen Gesamtumsatz von 1300 Gramm und ein neues Durchschnittsgewicht von 2797,5 Gramm. Wir haben es dabei nicht nur mit einem gewaltigen Zahlenwerk zu tun, sondern stehen gewissermaßen vor einem Rätsel, denn bei Heddas erstem Wurf begannen wir um diese Zeit bereits mit einer vierten Tagesfütterung, weil den Welpen langsam die Substanz abhanden zu kommen drohte. Und diese Knirpse hier gehen auf wie Hefeteig.  

Erschwerend kommt hinzu, dass wir gestern bekanntlich mit der zweiten Wurmkur begannen, die wir heute fortsetzen, die aber offenbar keine abführende Wirkung auf die Knirpse hat. So gesehen dürfte sie auch nicht für den gelben Darmschlonz verantwortlich sein.

 M3A1466 1 250Kathi genießt die Outdoor-SaisonWegen des Faschingsumzugs haben wir heute viel Narrenbesuch, was dafür sorgt, dass die Knirpse wenig Bodenkontakt haben, dafür aber ein maximal verwuscheltes Haarkleid. Wie Pretiosen werden sie weitergereicht und bestaunt, dabei handelt es sich bei ihnen um nichts anderes als ein Funkenmariechen mit ihrem Siebenerrat, ganz normale Faschings-Fasnachts-Karnevals-Folklore eben.   

Zum Umzug müssen die acht dann doch von den Armen und zurück auf den Boden, damit auch wir ein bisschen Spaß haben können. Alle zwei Jahre, im Wechsel mit Bad Aibling, findet hier ein großer Faschingsumzug statt. Hier bedeutet: In Vagen, einem 1000-Seelen-Dorf in der Großgemeinde Feldkirchen-Westerham mit rund 10.000 Einwohnern. Nicht die anderen 9000 kriegen das gestemmt, aber wir. Nun war drei Jahre Corona-Pause und alle sind ganz närrisch auf das anstehende Treiben. 33 Motivwagen ziehen durch den Ort (wir hatten auch schon 50), und damit auch alle einen echten Mehrwert haben, tun sie das gleich zweimal, wobei der eine oder andere Narr beim zweiten Mal schon auf der Suche nach seiner Einheit ist. 15.000 Besucher sind es heute, die Wiesen rund ums Dorf sind vollgeparkt, aber Petrus hat den Regen, den er vormittags aufdrehte, pünktlich wieder abgestellt. Das alles ist einfach nur eine Reisengaudi, Bonbons werden reichlich verschleudert, der Alkohol fließt schneller als der Zug durchs Dorf, und Musik dröhnt aus allen Boxen bis zum Hörsturz. Und wenn dann die Hauptattraktion durch ist, gehen die einen nach Hause, so wie wir, die anderen bleiben in den Festzelten hängen, bis sie nicht mehr wissen, wo ihr Auto parkt, und das ganze Dorf wird letztlich zum grenzüberschreitenden Kontakthof, was wegen der Umstände, dass hierzulande sowieso jeder jede kennt, keine langen Bewerbungsgespräche erfordert und zu spontanen oder lang angebahnten Koppelgeschäften führt. Wer immer noch glaubt, dass nur die Tiroler lustig sind und es auf der Alm koa Sünd‘ gibt, der sollte in zwei Jahren bei uns vorbeischauen und sich selbst überzeugen.

Wir feiern noch züchtig bis in die Nacht hinein mit unseren Gästen und vergessen auch die Zwerge nicht: Die bekommen kurz nach Mitternacht noch eine Portion Welpenmilch, damit sie nicht vor lauter Aktivität vom Fleisch fallen, wenn wir sie schon nicht schlafen lassen.         

 

Montag, 20. Februar 2023
Rosenmontag

Trotz der langen Feier kommen wir morgens früh aus dem Bett. Wegen der nachts noch entschlackten Kinder und der frühen Morgenstund‘ hat der Rosenmontag zwar kein Gold im Mund, aber immerhin nur zwei schlecht riechende Existenznachweise der Knirpse. Das hebt die Stimmung, wie es an solchen Tagen erwünscht ist.

Mögen sie anderswo die Rosenmontagszüge aufstellen, wir stellen als erste Maßnahme die aktuelle Reihenfolge in unserem Zwergenzug zusammen und stellen fest, dass alles beim alten geblieben ist. Alle Positionen bleiben für einen Tag festgezurrt und unverrückt, was für sich auch schon ein wenig verrückt ist.

Koschi 3270 (+140), Korbi 3120 (+90), Kini 3040 (+130), Kuno 2940 (+130), Klecks 2920 (120), Kathi 2700 (+90), Krischan 2660 (+110), Käptn 2640 (+100).

Das sind zwar 390 Gramm weniger als bei der gestrigen Hausse, aber immer noch 910 Gramm. Hedda war gestern auch nur noch einmal zur Milchspende bereit, was belegt, dass es auf ihre Gaben nicht mehr entscheidend ankommt. Das Durchschnittsgewicht liegt jetzt bei 2911 Gramm.

Diese markante Gewichtsentwicklung hat auch Folgen, an die man zunächst nicht denkt: Wir müssen Panacur für den dritten und letzten Akt der zweiten Entwurmung nachkaufen. Die Menge der verabreichten Paste hängt vom jeweiligen Gewicht des Welpen ab. Als wir vor der ersten Wurmkur das Wurmmittel besorgten, geschah das auf der Gewichtsbasis des J-Wurfs. Aber unsere Knirpse halten sich nicht an diese Vorlage – und wir müssen nachkaufen. Nicht schlimm, aber bezeichnend für unsere Zwerge.

Unter diesen Umständen drängen sich Gedanken auf, ob unsere Zwerge seinerzeit, als Zwerge Hochkonjunktur hatten, noch zum Einsatz gekommen wären. Es steht zu befürchten, dass Schneewittchen ohne ihre Zwerge hätte auskommen müssen, jedenfalls ohne die unseren. Der Topos des Zwergs ist ja keinesfalls in der Feen- oder Märchenwelt angesiedelt, sondern in der Welt des Bergbaus. Kleine Kinder wurden in extrem enge Bergwerksstollen geschickt, um dort Erz und Kohle zu fördern, wo Erwachsene nicht mehr zurande kamen. Diese Kinder blieben in ihrer körperlichen Entwicklung stecken, blieben kleinwüchsig und verkrüppelt. Alt wurde auch keines, weil alle neben Defiziten in ihrer Skelettentwicklung auch schwere Krankheiten entwickelten. Diese für den Profit geschundenen Kinder wurden später zwecks Verdunkelung des Missbrauchs zu süßen Zwergen verniedlicht. Liebhaber von Gartenzwergen, die nicht ohne Grund auch mal eine Schaufel oder Hacke tragen, dürfen darüber gerne mal nachdenken. Wir aber können angesichts der aktuellen Gewichtsentwicklung unserer Knirpse hoffen, dass sie als Zwerge bereits jetzt untauglich gewesen wären und somit ein so langes und gesundes Leben gehabt hätten wie wir es für unsere Knirpse erhoffen.

 M3A1463 Bearbeitet 1 250von links: Krischan, Koschi und KorbiDie düsteren Gedanken rund um die bedauernswerten Erzzwerge verfliegen in einem herrlichen Frühlingstag mit 16 Grad am Nachmittag. Wir betrachten es als Privileg, geradezu als Himmelsgeschenk, dass wir für die erste Freiluftwoche der Knirpse mit einem solchen Wetter beschenkt werden, wenn die Kleinen sich erst daran gewöhnen und abhärten müssen. An solchen Tagen mangelt es ihnen auch nicht an Besuchern, die sie hudern und pudern und verwöhnen.

1M3A1526 1 250Klecks zeigt ZähneDoch vor dem Verwöhnprogramm haben die Zuchtwartin und die Zuchtmeisterin noch einen Pflichttermin gesetzt: die zweite Wurfabnahme. Die erste fand schon drei Tage nach der Geburt statt, wo erste Merkmale oder Auffälligkeiten, aber auch der allgemeine Zustand der Welpen festgehalten wird. Heute müssen sie eine Zwischenkontrolle passieren, bei der auf Veränderungen der dokumentierten Erstergebnisse geachtet wird, etwa wie sich die Marken oder die weißen Abzeichen entwickelt haben. Vor allem wird auf die Zahnentwicklung geachtet, denn nun sind die Zähnchen durchgebrochen, und auffällige Fehlentwicklung wären bereits erkennbar. Aber in dieser Hinsicht haben die Knirpse nichts Auffälliges zu vermelden, der Zahnschluss ist bei allen, zumindest dem Alter entsprechend, korrekt. Und sogar die Zudringlichkeiten der Zuchtwartin beim Blick in ihre Mundhöhle dulden die meisten mit erstaunlicher Gelassenheit, obwohl kein Welpe um eine Wiederholung betteln würde. Die Marken haben sich schön entwickelt und kleine weiße Abzeichen sind inzwischen verflogen, sogar der namensgebende weiße Blitz bei Klecks hat sich etwas zurückentwickelt, aber Klecks bleibt weiterhin Klecks. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Auf die Normenkontrolle folgt ein glücklicher Tag im Paradies, den auch der immer noch senfartig dünne Output der Knirpse nicht trüben kann (höchstens beim Entsorgungspersonal), weil so viel ungetrübte, geradezu überschäumende Lebensfreude keinen Grund zur Sorge liefert.

 M3A1669 Bearbeitet 1 250Koschi und KorbiBis 17 Uhr toben die Mangfallzwerge durch ihren Garten Eden und würden es auch noch weiter tun, wenn es nicht dem Personal zu frostig würde. Auch sehr schöne Frühlingstage werden im Februar nach Sonnenuntergang frostig. Das kann man sich auch mit viel Humba Täterä nicht warm saufen. Ein Humpen Cannabis-Gin Tonic (alles ganz legal!) mit Freunden bringt uns diesem Ziel schon näher und verleiht den Augen den versinkenden Glanz der Frühlingssonne.   

       

 

 

Dienstag, 21. Februar 2023
Faschingsdienstag

Um 4:30 Uhr ist Hedda offenbar prallvoll und steigt ins Erdgeschoss hinunter zu ihren Kindern. Dort ist die Glastür verschlossen, was sie dazu veranlasst, nach ihnen zu rufen. Die lassen sich nicht zweimal bitten, wollen zu ihrer Mama, können aber nicht und starten ein Heidenspektakel. Dem ist auch eine schlafdefizitäre Zuchtmeisterin nicht gewachsen. Ihr Assi gibt das zumindest vor und atmet einige mal tief durch, um Tiefschlaf vorzugaukeln, bis sie Hedda folgt, das Sesam öffnet und die Mutter zu ihren Kindern in den Garten lässt, wo sie sich augenblicklich auf sie stürzen und leerpumpen. Warum hat Hedda denn plötzlich so viel Milch?

Der Vorteil des frühen Vogelflugs in die Küche ist ein einziges Endmoränchen. Die Morgentoilette kann entspannt nach der Speisung im Garten erfolgen. Groß kann das Glück des Züchters sein, am größten, wenn der Tag so früh beginnt. So gesehen muss die Zuchtmeisterin heute außerordentlich glücklich sein.

Wenn sich die Dinge morgens so umstandslos gestalten, ist es nur noch halb so schlimm, dass der Morgen schon zu nachtschlafender Zeit beginnt. Man geht dann eben in die Routinen über, für die der Assi dann auch schon zur Verfügung steht, weil nur ein pflichtbewusster Assi ein guter Assi ist. Das gilt auch dann, wenn es draußen vor der Tür nur glasklare 2 °C hat. Die Aussichten auf einen weiteren herzerfrischenden Frühlingstag lassen uns unser Tagwerk mit frischem und elastischem Schwung angehen. Also schreiten wir zur Tat und werfen die Knirpse einen nach der anderen in die Waagschale.

Die einzig nennenswerte Veränderung in der Knirpsenreihung liefert Klecks, der sich mit 170 Gramm Auflastung an den schwächelnden Kini und Kuno auf den dritten Platz vorbeifrisst. Sonst bleibt alles, wie gehabt:

Koschi 3380 (+110), Korbi 3270 (+150), Klecks 3090 (+170), Kini 3090 (+50), Kuno 3010 (+70), Kathi 2800 (+100), Krischan 2760 (+100), Käptn 2710 (+70). 820 Gramm Zunahme nehmen wir zu Protokoll und ein Durchschnittsgewicht von 3014 Gramm.

 M3A1710 1 250Bei Mama schmeckt es immer noch am BestenNach dem Morgenspaziergang und dem anschließenden Frühstück steht Hedda schon wieder auf der Terrasse mit fünf Knirpsen an der Bar. Was ist denn nun los? Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass sie die Lieferung ihrer Vorzugsmilch langsam einstellt, aber jetzt hat sie schon morgens zweimal zur Verkostung gebeten. Wo nimmt sie denn plötzlich wieder die Milch her und vor allem: warum? Um es vorweg zu nehmen, bis zum Abend wird sie ihre Kinder fünf Mal gesäugt haben. Aber, und das muss unbedingt dazu erwähnt werden, trotz der inzwischen giftigen Zähnchen und wild um ihre Zitze kämpfenden Knirpse, sieht ihr Gesäuge immer noch gepflegt aus. Wie macht sie das nur? Uns wird ganz bange, wenn wir sehen, wie die Zwerge mit ihr umgehen.

Wie um die brutalen Milchräuber zu bestrafen, verpassen wir ihnen gleich im Anschluss die dritte Gabe der zweiten Entwurmung, die wir gestern Abend noch vergessen hatten. Nun haben sie in dieser Hinsicht das Schlimmste überstanden, denn für die dritte Entwurmung gibt es eine Tablette, die sie dann locker schlucken können.  

Bei dieser Gelegenheit bietet es sich an, wieder einmal den Stuhlgang der Knirpse in Augenschein zu nehmen und stellen fest, dass er noch vielfach schleimig weich ist, aber bei manchen schon wieder langsam festigt.

 M3A1721 1 250Erst hat Kuno das TauDer  M3A1715 1 250und dann KäptnNachmittag gestaltet sich so, wie wir es vermutet und erhofft hatten: brillant und frühlingslau. Die Knirpse toben und kugeln durch den Garten, treiben Scherze und sich selbst zu Paaren, hin und wieder misst man die Kräfte und fällt wieder in einen traumseligen Tiefschlaf. Als Faschingstreiben kann man das allerdings nicht bezeichnen, es ist die ganz normale Knirpsengaudi.

Nur einmal hat die wilde Sause Pause, als die Zuchtmeisterin das tut, was wir ständig tun: zählen. Dabei streift sie im Paradies herum und zählt die verstreuten Häupter ihrer Lieben, und sieh: da warn’s statt achte sieben. Noch einmal geht sie die Runde und dehnt sie aus: statt achte sieben! Mist. Der natürliche Reflex ist, das Welpen-Guantanamo nach Schwachstellen abzuklopfen. Nichts.  M3A1728 1 250Kini ist wieder daDoch dann entdeckt sie die Nummer acht, zwischen Hauswand und Rosenkübel eingeklemmt und wegen eines Schattens fast im Dunkeln. Wieder einmal bestätigt sich das Dichterwort: Und man siehet die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht. Es ist Kini, die einzige Pappnase heute.

Nein, das stimmt nicht ganz. Der früher schon erwähnte Prof. Dr. Karl Lauterbach feiert heute seinen 60. Geburtstag. Dass er kein echter Gaudibursch ist, liegt vermutlich daran, dass sein Geburtstag vor 60 Jahren nicht auf einen Karnevalsdienstag gefallen ist. Trotzdem finden wir, dass er ein fröhliches Alaaf und ein donnerndes Helau verdient hat. Jetzt alle…  

Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die fünfte Woche.

 

Mittwoch, 22. Februar 2023
Aschermittwoch

Morgens um halb sieben messen wir an unserem Fensterbankerl 0 °C, und der erwachende Himmel ist wolkenlos. Beim Blick in die Wetterweissagungen der schlauen Bauern ergreift uns eine ungeahnte Ratlosigkeit. Wir lesen dort: Gefriert es in der Petersnacht, dann auch noch lang das Eise kracht. Gilt 0 Grad schon als gefrieren? 0 °C ist als Gefrierpunkt bekannt, demnach müsste es heute Nacht gefroren haben, und der Winter bleibt uns noch lange erhalten.

Weil es aber bei den Bauern zugeht, wie es bei ihnen immer zugeht – man denke nur an die imagebildenden Wirtshausprügeleien –, sind sie sich wieder einmal nicht einig und die Kontrabauern behaupten: Nach der Kälte der Petersnacht, verliert bald der Winter seine Kraft. Ja, was denn nun? Dürfen wir es uns nun aussuchen, woran wir glauben wollen? Und das alles, obwohl es nach den früheren Weissagungen des Bauern-Nostradamus schon längst Frühling sein und bleiben müsste. Bis zum „sein“ haben wir es ja schon gebracht, aber nun will ihn uns zumindest die eine Hälfte der Schlaubauern wieder wegnehmen. Kräht der Bauer seinen Mist, ändert sich’s Wetter oder es bleibt, wie‘s ist. Punktum.

Wir nehmen’s wie es kommt und starten um 5:30 Uhr und den besagten 0 Grad in den Aschermittwoch, an dem bei uns noch längst nicht alles vorbei ist. Die Knirpse werden in den Garten verfrachtet, was ihnen mehr als recht ist, wo sie ihre ersten Geschäfte des Tages erledigen. Auch heute Morgen fängt der frühe Vogel in der Küche kaum einen Darmwurm, die werden nun das Paradies besiedeln und besudeln. Ihre Morgenmilch bekommen die Zwerge auch draußen serviert, und dann legen sie sich wieder ins Bettchen zum Schlafen. Währenddessen tanzt der Assi mit seinem Putzlappen wie der Lump am Stecken einen Zwiefachen in der Küche und im Transit. Trotz des für den Aschermittwoch ungebührlichen Tanzes am frühen Morgen, beginnt der Tag beim Bairischen Blues in stillem Glück und im Einklang mit den Geschicken.

Aus der Fassung bringt uns erst der Tanz auf der Waage, auf der heute eine Revolution ihren Lauf nimmt. 90 Gramm Aufbauleistung reichen Koschi nicht, um seinen ihm von der Natur zugewiesenen Stammplatz an der Spitze zu verteidigen. Mit 210 g mehr stürzt ihn Korbi vom Thron, demütigt ihn und zieht ihm die ausgediente Pappnase über. Diesem kunterbunten Kerlchen ist offenbar nichts heilig. Aber auch im hinteren Ende des Knirpsenkonvois hat sich die Sitzordnung verdreht, genau genommen um Krischan herum gedreht: Käptn, der Allerletzte, schiebt sich mit 190 g vor Krischan und Kathi, die sich so hingebungsvoll nach vorne gearbeitet hat, fällt mit 40 g hinter ihn zurück und ist jetzt wieder das Schlusslicht. Dabei war auch sie gestern bei allen Speisungen sehr gut dabei, eigentlich waren alle kulinarisch voll konzentriert und gut vertreten.

In dürren Zahlen sieht diese Rebellion – wir meinen, dass Korbi vielleicht doch nicht das Format für eine richtige Revolution hat – dann so aus:
Korbi 3480 (+210), Koschi 3470 (+90), Klecks 3180 (+90), Kini 3120 (+30), Kuno 3090 (+80), Käptn 2900 (+190), Krischan 2850 (90), Kathi 2840 (+40). Von den heute erwirtschafteten 820 Gramm geht fast die Hälfte auf die Konten von Korbi und Käptn. Mal abwarten, wie sie mit der daraus erwachsenen Erwartungshaltung umgehen werden. Das Durchschnittsgewicht beträgt heute 3116 Gramm.

Trotz des frostigen Morgens klettern die Temperaturen nachmittags auf 16 °C, und plötzlich schallt es vertraut aus den Bäumen und Sträuchern rundum: Die Stare sind zurück. Sicher handelt es sich bei ihnen um Durchzieher in den Norden, die Quartiermacher für die später folgenden Damen. Aber es ist schön, sie wieder zurück zu wissen. Da kann doch der Lenz nicht mehr lange auf sich warten lassen.

 M3A1773 1 250Konspirative Sitzung: "Was stellen wir als nächstes an?"Die  M3A1762 1 250Kini schaut, als ob er kein Wässerchen trüben könnteKnirpse sind nun fünf Wochen alt und längst schon zu kleinen Persönlichkeiten gereift. Dass diese Persönlichkeiten auch mit Eigenheiten ausgestattet sind, die uns manchmal amüsieren, manchmal enervieren und mitunter düpieren, gehört zum Plan. Kini düpiert uns heute und legt unsere Schwachstellen in Sachen Sorgfalt offen. Während die Zuchtmeisterin das Abendessen bereitet und der Chronist schräge Geschichten über einen gelegentlich überforderten Assi schreibt, bleibt ein Transittürchen zum Zimmer offen, und Kini erkennt und nutzt seine Chance: drüber. Und weil die Köchin in der Küche lauthals hantiert und Männer bekanntlich nicht denken und achtsam zugleich sein können (sequenzielle Datenverarbeitung), bemerkt niemand Kinis Grenzverletzung. Der setzt triumphierend einen royalen Haufen neben den Esstisch. Das ist einerseits ärgerlich für uns, andererseits pfiffig von ihm und wirft gleichsam ein Schlaglicht auf die unterschiedlichen Möglichkeiten, Gebietsansprüche geltend zu machen; die einen singen und tirilieren, die andern setzen üble Duftmarken. Die einen handeln vokal, die anderen vulgär. Man hat schon sein Päckchen mit dem feudalen Pack.

 M3A1755 1 250Käptn sucht sich ein neues HausDoch der Kini erhebt heute noch weitere Gebietsansprüche, der Duft der Marke scheint ihm zu Kopf gestiegen zu sein. Seit Tagen belegt er einen knapp 30 Zentimeter breiten Spalt zwischen Küchenschrank und Wand für sich, ein schmales Refugium, aber nahe am Geschwisterbett und dem Geschehen. Dort ruht er eingeklemmt wie eine Bienenkönigin zwischen einem Servierbrett und einem ausgedienten Backbrett und verlässt sein Hide-away nur zum Speisen und Hofhalten. Doch als er heute wieder einmal zu seinem Refugium zurückkehrt, findet er darin den kleinen Käptn ruhend. Und was macht der Sack? Er packt den Käptn beim Hax und zerrt ihn aus seiner Nische. Nix hat der da verloren! Grenzverletzungen sind royales, nicht seemännisches Recht. Wären wir dem Kleinen nicht zu Hilfe gekommen, könnte der jetzt womöglich mit einem Holzbein als Double von Käptn Ahab Karriere machen.

 M3A1786 1 250KathiIrgendwie scheinen mit Beendigung des Faschings alle ein bisschen irre zu sein. Nur Kathi kehrt mit klar strukturierten Tagesabläufen wieder zum Alltag zurück und setzt sich im Transit zum Pinkeln auf ein Handtuch. Dieses jetzt schon lupenrein stubenreine Verhalten bläst den Kaufpreis um 50 € auf.

Am Aschermittwoch ist für die Narren bekanntlich alles vorbei und es beginnt die Fastenzeit. Der tragen wir mit rohem, gewolften Blättermagen Rechnung, der sieht aus wie Spinat und stinkt wie Kuhstall. Die Knirpse stürzen sich drauf, als müssten sie nun vierzig Tage fasten. Sie suhlen sich fast in der stinkend grünen Matsche. Und wenn andere sich zum Dessert einen Kaiserschmarrn oder ein Tiramisu gönnen, genehmigen sie sich einen Milchshake bei Mama; das ist heute schon wieder der vierte. Wann, bitteschön, schließt die ihre Molkerei endlich?

Zur Nachtschicht präsentieren die Knirpse ihrem Assi eine schöne Arschermittwoch-Bescherung: Riesige Teiche vereinigen sich mit grünbraunen Morastflächen. Aber ihm ist nicht bange, denn er hat viele willige und mutwillige Helferlein.

Wenn die Kathi mit dem Krischan in der Scheiße Csardas tanzt
und der Korbi sich mit Koschi an ein Fersenbein anstanzt,
steppen Kuno, Klecks und Kini auf dem Handtuch Riverdance
und der kleine Käptn Peng hält auf der Klorolle Balance –
und dann strahlt die wüste Küche wie von selbst in altem Glanz.

 

Donnerstag, 23. Februar 2023

Vom nächtlichen Tanz mit seinen Putzteufeln völlig erschöpft, verschläft der Assi das Morgen-Roundup. Als er tranig in die Höhle der kleinen Knirpse hinuntersteigt, hat die Zuchtmeisterin schon ausgefeudelt, aufgeklart, gefüttert und gewogen. Das Welpenlager strahlt, wie er es nachts verlassen hatte, gerade so, als hätte es keine Nacht gegeben, in der die Knirpse, nach glaubhafter Schilderung der Putzmeisterin, ganze Arbeit geleistet hatten. Alles wacht, einer schlief! Time Warp…  

Es ist erst 6 Uhr, und schon ist das halbe Tagwerk erledigt. 5 Grad zeigt das Thermometer, und der Himmel ist so aschegrau bedeckt wie das Haupt des Assis. Was bleibt ihm da noch zu tun, als das Wägeprotokoll zu konsultieren. Und das bringt seine Welt wieder in die gottgewollte Ordnung zurück: Koschi is back! Korbis effekthascherische Revolution war, was wir schon vermuteten: ein Zwergenaufstand.

Mit nur 70 g plus (3550) musste er sich wieder hinter Koschi (3560) einsortieren, dem schon bescheidene 90 g für die Parade genügen. Hinter diesen beiden geht es weiter, wie gehabt, wobei man feststellen muss, dass Käptn einen richtigen Lauf hat und dem kleinen Krischan trotz formidabler Leistung wieder nur der letzte Platz bleibt. Jetzt alle und alles in Reih und Glied:   

 M3A1794 1 250Auch wenn Krischan der Leichteste ist, so steht er den anderen trotzdem in nichts nachKoschi 3560 (+90), Korbi 3550 (+70), Klecks 3280 (+100), Kini 3240 (+120), Kuno 3170 (+80), Käptn 3030 (+130), Kathi 2980 (+140), Krischan 2960 (+110), das ergibt 840 Gramm und einen Schnitt von 3221 Gramm.  

 M3A1826 1 250Soo-Mi hat tolle Schuhe findet KathiViel ereignet sich heute nicht im Knirpsenland. Der Himmel hält sich den ganzen Tag bedeckt, aber die kleinen Herrschaften halten sich trotzdem überwiegend draußen auf. Betreut werden sie dabei den ganzen Tag über von unserer seit (fast) Windelzeiten bewährten und unverzichtbaren Anna-Maria und Soo-Mi, dem hingebungsvollen Patenkind der Zuchtmeisterin. Ein noch größeres Glück als das schon gepriesene Frühlingswetter für die erste Outdoor-Woche der Knirpse ist es, auf so junge und innige Babysitter setzen zu können, die den Welpen ein Urvertrauen zu Menschen vermitteln. Die beiden sind unbezahlbar.

Zum Abendmahl haben wir wieder einmal ein neues Angebot auf der Speisekarte: gewolftes und püriertes Rindereuter. Wenn wir sehen, wie wenig die Hungerleider unsere Bemühungen schätzen und auch dieses wegputzen wie irgendein eingeweichtes Trockenfutter, fragt man sich, ob es nicht auch gewolfte und mit Fleischaroma versetzte alte Schuhsohlen täten. Aber wir tun es ja nicht für uns, sondern für die Knirpse. Immerhin werden die Häufchen wieder stabiler, zwar langsam, was aber bei der ständigen Wechselkost nicht verwunderlich ist. Mal abwarten, wie sich das Euter auf die Därmchen auswirken wird. Den zukünftigen Besitzern wird die kulinarische Abwechslung helfen; sie könnten bei Bedarf auch Spülbürsten, Stahlwolle oder Styroporflocken füttern. Allerding sollten sie damit gleich nach Übernahme beginnen, sonst werden die Zwerge ganz schnell heikel. Leider beklagen sich immer wieder welche, dass sie einen Müllschlucker übernommen und schon nach wenigen Tagen einen Rosinenklauber haben. Tja, Freunde, an uns liegt’s nicht.  

 

Freitag, 24. Februar 2023

Wolkige 1,5 °C meldet das Thermometer und signalisiert uns damit, dass wir vorerst alle Hoffnung auf den Frühling fahren lassen sollten. In seinem hochgeschätzten schwurbeligen Duktus bestätigt das auch der Bauern-Nostradamus: Mattheis bricht´s Eis. Hat er keins, so macht er eins. Kräht der Gockel auf dem Mist… Wir bestätigen die Weissagung in unserem Sprachgebrauch: Wir müssen es nehmen, wie’s kommt, nehmen wir‘s nicht, kommts auch. In diesem Sinne: Guten Morgen.

Wenn man die Knirpse morgens um 5 Uhr noch im Schlaf erwischt und sofort ins Paradies verfrachtet, lebt es sich mit zwei bescheidenen Häufchen in der Küche sehr gut. Der Augiasstall ist heute eine wahre Augenweide.

Eine Augenweide ist auch das Ergebnis, das uns die Waage liefert: 1150 Gramm aufgesattelt. Das Zahlenwerk vermittelt auch dann große Freude, wenn wieder einmal einer aus der Reihe tanzt: Alle klotzen, nur Klecks kleckert. So lasst denn die Zahlen sprechen:

Koschi 3720 (+160), Korbi 3670 (+120), Kini 3410 (+170), Kuno 3350 (+180), Klecks 3340 (+60), Käptn 3210 (+180), Krischan 3120 (+160), Kathi 3100 (+120). Das Durchschnittsgewicht steigt heute auf 3365 Gramm.

 M3A1856 1 250Koschi unser SchwergewichtBeharrlich schafft sich Koschi wieder Luft zu Korbi ­– die Demütigung von vorgestern nagt noch an ihm -, heute sind es schon wieder 50 Gramm, die zwischen den beiden liegen. Gestern waren es nur zehn Gramm. Und hinten schafft sich der kleine Käptn ein wenig Raum gegenüber Krischan.

IMG 7466 1 250LeckerliproduktionGestern noch machte sich Soo-Mi zusammen mit Anna-Maria um die Knirpse verdient, heute stehen auch Fianna und Hedda im Zentrum ihrer Fürsorge. Es werden nämlich Hundeleckerli gebacken. Alles, was Küche und Keller an Feinem und Übergebliebenen hergeben, wird in die Leckerchen verarbeitet: Parmesan, Wurstreste, Joghurt und Quark, Leberwurst, Flocken aller Art, Rote Bete-Saft, Spirulina-Algen und vieles mehr. Fingerlange Knochenkekse und noch längere Leckerlistreifen entstehen so für die Großen, aber eben auch winzige Knöchelchen, Herzchen und Halbkügelchen, einen knappen Zentimeter im Durchmesser, für die Zwerge. Diese winzigen Stückchen, noch lauwarm, bieten wir den Knirpsen heute als erste feste Nahrung an. IMG 7478 1 250Unsere TagesproduktionUnd darauf stehen sie wie der Chronist auf Tarte Tatin, gerade, dass sie uns nicht die Finger von der Hand lecken. Kurz: Wir können die kleinen Schweinereien, mit denen sie auch futtertechnisch gut zurande kommen, obwohl sie noch nie festes zwischen den Zähnen und zu zerwirken hatten, in unseren Futterplan einbauen. Das besonders Leckere an den Leckerli ist, dass sie auch von Menschen gerne genommen werden, nur vom Chronisten nicht, weil keine Schokolade drin ist.

Stück für Stück kommen die herzigen Lieblinge in ihre erste nennenswerte Rüpelphase. Heute schafft sich Klecks einen Namen, möglicherweise, weil er die Hänseleien wegen seiner morgendlichen Peinlichkeit auf der Waage noch nicht verarbeitet hat. Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, dass mit ihm durchaus noch zu rechnen ist, attackiert er eine gute Freundin mit einschlägiger Hovawarterfahrung, die auch wieder einmal kuschelige Welpen ans Herz drücken wollte. Da hätte sie sich aber nicht in Klecks‘ Nähe aufhalten sollen.  M3A1802 1 250KlecksWie Ivan, der Schreckliche, greift er unter Kampfgebrüll aus dem Hinterhalt, aus seinem Bett heraus, an. Als sie ihn unmissverständlich in sein Lager zurückkomplimentiert, schießt er wieder heraus, diesmal nach dem Modell Attila. Irgendetwas gefällt ihm an unserer Freundin nicht. Das wiederum gefällt dem Assi nicht. Der Kampfzwerg bekommt eine Ansage und eine augenblickliche Zurückversetzung in den Zwergenstatus, und dann ist Ruhe. Der Möchtegernklotz kleckert wieder. Aber jetzt wollen sie es eben alle so langsam wissen, ihre Kräfte ausprobieren und die Blues-gewollte Ordnung infrage stellen.

Am frühen Abend startet er einen neuen Anlauf, diesmal beim Assi selbst, schließlich war er es, der ihn vor seinen Geschwistern zur Minna machte, aber dieser Versuch schwimmt schon im Ansatz die Mangfall hinab. Und dann ist es vorbei mit der Herrlichkeit des kleinen Herrn von Klecker und Klecks. Aber ein Klacks sind solche Attacken nicht. Wenn man nicht sofort eingreift, heißt die nächste Haltestelle „Größenwahn“. Nach der Subordinierung bekommt er eines der kleinen Leckerchen aus der Backstube und ist wieder das bekannt brave, kleine Kleckerchen.       

Am frühen Abend setzt der Regen ein, und der setzt in kurzer Zeit alles unter Wasser. Von wegen Eis vom Mattheis! Beim Bairischen Blues geht es, egal ob Wasser, Mattheiseis oder Wassereis, heute Abend hoch her. Soo-Mis Eltern sind eingetroffen und Anna-Maria hat die ihren auch mitgebracht, um das traditionelle Welpenessen zu begehen. Das darf nun nicht missverstanden werden: Wir verspeisen keine Knirpse, es sind noch alle am Leben und intakt an Leib und Seele (das gilt auch für Klecks). Nein, Soo-Mis Papa kocht an diesem Abend koreanisch und A-Ms Papa steuert seinen legendären Kaiserschmarrn für hinterher bei. Schon allein für diesen Abend müsste man jede Läufigkeit für einen Wurf nutzen. Das wäre aber doch zu eigennützig. Die Bude ist voll, acht Menschen, acht Welpen und vier Hunde (Fianna, Hedda, Soo-Mis Jazz und Anna-Marias Krümel) lassen die Knirpse bis nachts um eins hochleben, was fürs Bodenpersonal eine sehr kurze Nacht erwarten lässt. Doch wie fragte vor Jahren ein ungarischer Freund sehr treffend: Magst sterben in Bett? Wir beantworten die Frage pragmatisch: Sterben muss nicht, aber ein bisschen schlafen darf schon sein. Und ein dickes Dankeschön an euch alle, vor allem an die Köche, ist uns ein Herzensanliegen.  

 M3A1875 1 250Flitze-KunoDie Hochstimmung des Abends stimuliert auch Kuno, ein bisschen dazu beizutragen. Er entdeckt im Transit ein nicht verriegeltes Gittertürchen, das schlauerweise nach innen aufgeht, damit es nicht aufgedrückt werden kann. Doch der noch schlauere Kuno hängt sich mit seinem Gewicht an die Tür und zieht sie dadurch auf. Kini, der diese Pforte schon einmal überwunden hat, bedankt sich, steigt drüber und ist mitten unter uns. Das ist schon wieder großes Kuni-Kino, die beiden sind eine Show für sich. Für uns bedeutet das: Ab sofort die Türen immer verriegeln, die beiden haben den Dreh raus. Und wer genug Erfahrung mit Welpen hat, weiß, dass sie solche Erfolge nie vergessen und bis zum Lebensende wissen, wie man Transittüren öffnet.  

 

Samstag, 25. Februar 2023

Um 4:15 Uhr muss von oben, aus Soo-Mis Schlafstudio im Dach, jemand zur Toilette. Anstatt die unsere im 1. Stock zu benutzen, tapert das Gespenst aus alter Gewohnheit ins Erdgeschoss. In dem Augenblick, als es die Klinke zur Glastür bewegt, ist der gesamte Knirpsenhaufen klingelwach und macht Spektakel – und das Notdürftige weiß, dass es einen Fehler gemacht hat. Zu spät. Die Zwerge jubilieren und Mama Hedda ist überzeugt, dass sie das nicht ohne Grund tun. Sie will und muss zu ihren Kindern. Selbst die schnelle Erledigung des nächtlichen Geschäfts und der sofortige Rückzug des Geschäftigen bringt die Knirpse nicht mehr zur Ruhe. Die Zuchtmeisterin erkennt, dass die Situation und die Nacht nicht mehr zu retten sind und folgt ihrer mährenden Hedda hinunter ins Spektakulum. Den Assi, der ihr folgen will, schickt sie zurück ins Bett. Sie hat eine knappe Stunde länger geschlafen, das rechtfertigt ihren Opfergang.

1M3A1892 1 250Frühstück bei leichtem SchneefallEs hat noch 1 °C, und der Regen vom Abend hat sich zum Pappschnee gewandelt. Es ist schlicht ekelhaft draußen, rundum Matsche, aber die Knirpse ficht das nicht an. Trotzdem steht heute logischerweise heavy indooring mit wenigen und kurzen Outdoor-Schlafphasen auf dem Programm. Bei diesem Wetter würden sie einfach zu nass werden, aber in ihrem Bett zusammengekuschelt schlafen, ist problemlos. Allerdings auch nur für eine überschaubare Zeit.

Wer Kinder hat(te) und in die Situation kommt, sie gegen ihren Willen im Haus zu halten, weiß, dass die süßen Kleinen eine richtige Landplage sein können. An solchen Tagen sind sie nölig und nörgelig, und weil sie damit meist keinen Erfolg haben, werden sie erfinderisch. Was sonst? Man muss sich ja irgendwie beschäftigen.

Nicht anders verhalten sich unsere Knirpse. Erst melden sie ihr Ansprüche mit viel Krähen und Kreischen an, dann toben sie durch die Küche und den Transit und jagen sich, bis aus dem Kräääh ein vollbrüstiges Chrrrr wird. Das ist unverdächtig, auch wenn man gelegentlich zwei Streithähne trennen muss. Interessant wird es erst, wenn sich Stille übers Land legt und nur noch Materialgeräusche zu hören sind (auch das ist Eltern nicht fremd). Das Rascheln und Klappern einer leeren Klorolle beispielsweise. Zur Endmoränen-Entsorgung sind immer mehrere Klorollen zur Hand, liegen herum oder hängen griffbereit auf den Transitgittern. Solch aufgesteckten Rollen sind ausgesprochen gut erreichbar und werden an Tagen wie heute mit Vergnügen entrollt, entweiht und verknirpst. Macht nichts, damit können wir gut leben, weil der Assi in Welpenzeiten so große Mengen Klopapier kauft, dass er in Coronazeiten in allen Supermärkten mit Hausverbot wegen Klopapierhamsterei belegt worden wäre.  

Wenn es aber wie heute den ganzen Tag über pappschneit und die Trübsal von draußen langsam ins Haus zieht, reicht das Vergnügen, ein Klorolle zu sekkieren nicht, um der Trübsal drinnen zu entrinnen. Dann wird versucht, Backbleche aus der Nische neben dem Herd zu ziehen, ein unüberhörbares und unverkennbares Geräusch. Dagegen werden nur Kenner stutzig, wenn ein schabend, klacksendes Geräusch ansteht; so klingt der untaugliche Versuch, Flaschen aus dem Flaschenregal zu zerren, wenn Zähnchen abgleiten und Kiefer klappen. Unverkennbar ist dagegen das Scheppern des Transitgitters, wenn beispielsweise Korbi und Käptn mit geballter Masse, heute immerhin über sieben Kilo, versuchen, den Anschluss des Gitters an die Terrassentür zu verschieben, um auszubüxen. Zwei schwere Steine verhindern das Vorhaben. Wenn schon das ganze Gitter nicht zu erweichen ist, könnte wieder mal ein Türchen eine lohnende Beute sein. Gelingt auch diese Unternehmung nicht, stimmen sie ein durchdringendes Kakadugekreische an. Es ist ihnen eben unterirdisch langweilig heute.    
Gut, dass wir Schwester Jazz als Playgirl engagiert haben:

Zur Belustigung und Entspannung streuen wir ihnen nachmittags „Vogelfutter“ in die Küche, das sind die ganz kleinen der selbstgebackenen Leckerli. Diese Ablenkung wird gerne angenommen, und sie stürzen sich mit Feuereifer drauf; offenbar geht nicht nur Liebe durch den Magen. Für uns ist dabei vor allem wichtig, dass die Knirpse jetzt definitiv in der Lage sind, festes Futter zu sich zu nehmen und zu verarbeiten. Dass sich dabei für wenige Minuten der Wellengang legt, ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt.

Der große Rädels- und Wortführer ist heute der sonst so in sich ruhende Koschi. Wie ein Fels steht der Brocken meist in der Brandung seiner Geschwister, doch heute, getrieben von der Langeweile, ist er selbst Treibgut, manchmal Antreiber und Einpeitscher der anderen, manchmal selbst Getriebener. Jedenfalls leuchtet sein orangener Steiß nahezu aus jeder Knirpsenverdichtung heraus.   

 M3A1890 1 250Korbi hoch hinausAber auch Korbi, der in den vergangenen Tagen leiser geworden war und von seinen Influencer-Einlagen etwas Abstand genommen hatte, scheint heute wieder voll auf Dröhnung und der Hans Dampf in allen Gassen zu sein. Der Assi unterstellt der Zuchtmeisterin deshalb, absichtlich eine Prise Flohpulver der Marke „Korbi-Aktiv“ in den Leckerlis verarbeitet zu haben, was diese empört zurückweist. Doch wenn man dem vorlauten Knirps einen Lift auf den Arm gibt, wird er, wie von Amors Pfeil getroffen, sofort ganz zart und zahm und ist der hingebungsvollste Korbi, den man sich denken kann. Er ist schon ein echter Sonderposten: mal unbezahlbar, mal reif für die WSV-Kiste.

An Tagen wie diesen, lernt man auch schätzen, was fehlt: heute beispielsweise die Möglichkeit, nach Belieben zwischen Haus und Paradies zu wechseln. Den Wert der Freiheit ermisst man meist erst, wenn sie fehlt. Auch den Knirpsen scheint in der von draußen eingeschleusten Düsternis des Hauses der Wert ihres Gartens bewusst zu werden, denn plötzlich legen sie sich alle zusammen direkt hinter der Terrassentür zum Schlafen, wo, gegenüber der düsteren Küche, wenigstens ein kleiner Lichtblick zu erhaschen ist.   

In solchen Momenten ahnt man, warum die Despoten der Welt ihren Bürgern nur einen Fingernagel an Freiheit gewähren: Das Pack ist einfach nicht dankbar, es will den ganzen Finger und danach die ganze Hand. Ach, wie handsam sind dagegen unsere Knirpse, die sich nur einen Lichtblick vor dem Einschlafen wünschen. Wir können sie so gut verstehen. Ein Tag im Haus ist für uns alle kein Spaß, aber draußen liegen sie nur in ihrem Bett unterm Balkon, pennen, frösteln und setzen Schimmel an. Und die Wetteraussichten lassen kaum Hoffnung auf Besserung zu.

Zum Schluss werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Zahlen des frühen Morgens.

Koschi 3780 (+60), Korbi 3760 (+90), Kini 3580 (+170), Kuno 3480 (+130), Klecks 3440 (+100), Käptn 3370 (+160), Krischan 3230 (+110), Kathi 3200 (+100). Das sind 920 Gramm, der Durchschnitt klettert auf 3480 Gramm.

Langsam wird es Zeit die Rationen zu erhöhen. Denn auch anhaltendes Nörgeln und Klagen nagt an der Substanz.

 

Sonntag, 26. Februar 2023

 

 M3A1934 1 250KathiAus  M3A1936 1 250Koschidem Pappschnee ist über Nacht Schnee geworden. Zehn Zentimeter und -2 °C versetzen den Frühlingsgefühlen einen mächtigen Dämpfer. Das scheint allerdings nur den Assi zu irritieren, als er am frühen Morgen seinen Putzeimer in den Gully leert, denn rings um ihn pfeifen Stare und jubilieren Amseln, als probten sie für die Meistersinger. Und die begeisterten Schneebilder und jauchzenden Kommentare in seinen diversen WhatsApp-Gruppen, lassen ihn ans Auswandern denken, irgendwohin, wo es keine zwei- und vierbeinigen Schneehasen gibt. Er schüttelt sich den Schnee vom eisigen Haupt und geht seinem Auftrag nach. Bloß nicht nachdenken, nicht über den Augiasstall und nicht übers Winter Wonderland.

 M3A1999 Bearbeitet 1 250KrischanEin  M3A1941 1 250KunoGutes hat der Schnee: Jetzt lernen unsere Winterknirpse doch noch ein wenig Schnee kennen und mit ihm umzugehen. Wobei: So etwas braucht kein Hovawart (im Assi fließt Hovawartblut 😉)! Jeder Hovi hat die Liebe zu Schnee im Blut (was ist denn dann mit dem Assi los?), selbst wenn er im Juli geboren wurde. Diesen Beweis liefern auch die Knirpse, die morgens um 5:30 Uhr in ihr Paradies toben und noch nicht einmal stutzen über dessen fremdartigen Zustand. Sie pflügen und hopsen und rennen durch ihr Winter Wonderland und scheren sich einen Dreck. Sie sind schon richtige Hovawarte, denn die sind immer Herr der Außenlage, egal, ob man sie ohne Vorwarnung in schulterhohen Neuschnee oder knietiefen Schweinedung setzt. Der Assi mag beides nicht und revidiert dementsprechend seine geoffenbarte Blutsbrüderschaft.

 M3A2632 1 250KorbiIm  M3A2073 1 250KlecksGegensatz zu gestern dürfen die Knirpse heute häufiger in ihrem Paradies toben, verschwinden teilweise fast völlig unter gelegentlich kräftigen Schneeschauern und fühlen sich unter diesen Bedingungen mehr zuhause als gestern im Haus. Vielleicht liegt das auch daran, dass Hedda sie gleich frühmorgens bei ihrem ersten Schneekontakt säugte. Milchshake on the rocks…

 M3A2831 1 250KiniEtwas  M3A2726 1 250Käptnganze anderes beschäftigt heute Morgen den Assi, der kaum aus dem Nachdenken herauskommt, obwohl er es sich verboten hat. Schon gestern zur Nachtschicht und auch heute Morgen waren Darmseligkeiten Mangelware. Ist es zu viel, beschwert man sich, ist es zu wenig, sorgt man sich auch. Aber komisch ist es schon. Doch die alles entscheidende Frage ist: Wie viele Darmproben wird er wohl nach dem Schnee aus dem Garten klauben, alle jene Tretminen, die sang- und klanglos durch den Schnee gleiten und aus den Augen verschwinden?

Es hat sich bewährt, sich immer dann, wenn das Wissen hinter den Nebeln der Unvorhersehbarkeit verschwindet, mit der schlichten Schönheit der Zahlen und Fakten wieder zu erden. Wohlan!

1M3A1912 1 250Tägliche Wiegeroutine und so langsam wird das Körbchen zu klein - selbst für den kleinen KrischanKoschi 3800 (+20), Korbi 3790 (+30), Kini 3670 (+90), 3600 (+120), Klecks 3570 (+130), Käptn 3470 (+100), Krischan 3400 (+170), Kathi 3350 (+150). Da schaffen es nicht mehr als 810 auf den Berichtsbogen und 3581 Gramm Durchschnitt.

Das sieht ja aus, als würden die Kraftprotze ein wenig innehalten, um die Verfolger aufrücken zu lassen. Es ist ihnen wohl zu langweilig, ohne nennenswerte Konkurrenz durchs Ziel zu gehen. Siegreich sein: ja. Aber was bedeutet ein Sieg ohne Gegner? Der Großmut der Großen kann ganz schön erniedrigend sein. Immerhin nimmt das Fußvolk das Angebot an und legt sich kräftig ins Zeug: Vielleicht schwächeln die da vorn ja wirklich und es ist doch noch etwas drin. Der kleine Käptn kann jedenfalls von sich behaupten, schon ein bisschen mehr zum Hauptfeld als zur Nachhut zu gehören. Doch bis er Anschluss gefunden hat, muss er noch hingebungsvoll mampfen. Auch das gehört zur Wahrheit.   

Ebenfalls zur Wahrheit gehört, dass 810 Gramm Aufschlag kein Ruhmesblatt für bald sechs Wochen alte Knirpse ist.

Als Konsequenz daraus wird ab heute viermal gefüttert! Konkret sind das drei Portionen Morgenmilch mit zerquetschter Banane. Am frühen Nachmittag servieren wir etwa 300 Gramm Granulatbrei, am Spätnachmittag Kopffleisch mit Pansen und abends echtes Puppy-Futter (kein Babybreichen mehr), zwar eingeweicht, aber nicht püriert. Wer so zupacken kann, kann auch krümelige Matsche verstoffwechseln.

Wer Mann ist, kennt diese Gefühle und wer Frau ist kennt sie ebenfalls, die einen aktiv, die anderen passiv. Wir sprechen über die gelegentlich unheilvolle Kraft des Testosterons. Seien wir nicht ungerecht: Ohne geht’s nicht, aber mit zu viel geht’s eben auch nicht. Und Koschi hat heute offenbar mit einer knirpsenhaften Testosteron-Springflut zu kämpfen. Kürzlich meinte Klecks, seine männlichen Urgefühle an einer geschätzten Besucherin ausleben zu müssen, wofür er eine ordentlich Abfuhr bekam und seither wieder ganz friedlich ist. Und heute also Koschi. Erst vergreift und verbeißt er sich knurrend und grummelnd so vehement im Bein des Assis, dass der sich nicht mehr sicher ist, ob er es mit einem seiner Knirpse zu tun hat oder mit einem der Mangfall entlaufenen Krokodil. Vor allem der Zorn des Täters (Wir erinnern uns: Die Wut des Zeitalters ist tief) hat Urgewalt. Ein kurzer Flug durch die weiten Ebenen der Küche bringt ihn für kurze Zeit zur Besinnung. Später, während wir beim Frühstück sitzen, als die Zwerge indoors sind, weil wir sie unter den Außenbedingungen nicht lange allein lassen wollen, will Koschi raus. Er bittet nicht freundlich und inständig darum, sondern randaliert. Koschi schreit und kreischt und zetert und kräht. Koschi rappelt und zerrt eine Viertelstunde an den Gittern. Alles schläft, nur Koschi klagt. Nein, Koschi klagt nicht: er rebelliert. Diesmal bekommt er keine Abmahnung. Wir frühstücken seinen Zeitenzorn einfach weg, lesen Zeitung, freuen uns über Dankposts aus dem Internet und zeigen ihm die eiskalte Schulter. Koschi darf sich erfolglos bis zur Erschöpfung austoben. Dann schläft auch er. Geht’s noch? Ja, geht wieder.

Für den Wassermann hält sein heutiges Horoskop folgenden Rat bereit: Heute sind Sie aufgerufen, sich in einen Raum der Klarheit zu begeben und die Wahrheit darüber zu kommunizieren, wo Sie sind. Dies wird der betreffenden Person helfen, Ihre Erwartungen besser zu managen.

Passt doch. Koschi hat sich bewegt und kommuniziert, und wir haben seine Erwartung gemanagt. Nur erfüllt haben wir sie halt nicht.  

 M3A2667 1 250KunoIn einen Raum der Klarheit begibt sich heute auch noch der kleine Wassermann Kuno. Er kann es einfach nicht lassen, sich an Fianna anzuwanzen und sie me-too-ähnlich zu bedrängen. Nach einigen erfolglosen Warnungen, verabreicht sie ihm eine handfeste Abmahnung. Und dann tut er, was alle Männer tun, wenn sie sich in ihrer Männlichkeit verletzt fühlen: Er plärrt herum und blökt und ist dem Tode nahe. Die ultimative Hilfe und Klarheit bekommt er umgehend von seiner Mama: Sie stürmt zu ihm und bietet ihm die Brust. Und Kuno schnuckelt sich wieder heile.

An dieser Stelle sollten wir einfügen, dass Hedda diesen Trost schon einmal für ihre Welpen parat hatte. Der tölpelhafte Assi blieb spät nachts, vor dem Schlafengehen, an einem Transitgitter hängen und brachte es zu über die Hälfte zum Einsturz, mitsamt einer der Deckenstützen. Da nachts meist alle Knirpse zusammen dort liegen, wo die Menschen sich zuletzt bewegen, stürzte der Assi mit Gitter über sie. Dank seiner spätjugendlichen Geschmeidigkeit gelang es ihm, jegliche Gefahr von den Kindern abzuhalten, aber die einstürzenden Bauten lösten logischerweise Panik im Schlafsaal aus: Alle rannten plärrend durch die Küche. Sofort war die Mama zur Stelle und lud sie zum Milchshake. Und dann war wieder Ruhe und die Knirpse schlummerten weg. Ins Land, wo Milch und Honig fließt. Solche Zwischenfälle kommen immer wieder einmal vor, aber noch keine der wirklich aufmerksamen Mütter vor Hedda löste ein Problem ihrer Kinder so instinktsicher wie Hedda.

Der Name Hedda ist eine Kurz- und Koseform von Hedwig und bedeutet Kampfkraft (von „hadu“ = Kampf und „wig“ = Krieg). Dieser Kampfkraft und dem unbedingten Willen, auch ihre Kinder stark zu machen, hat sie heute und auch beim Gittersturz alle Ehre gemacht. Hedda ist eine Mutter von einem anderen Stern.      

 

Montag, 27. Februar 2023

Heute hat die tolle Mama Geburtstag. Sechs Jahre wird sie. Und bevor wir sie hochleben lassen, wollen wir uns bei ihr für diese unvergesslichen und schönen Jahre bedanken. Liebe Hedda, du bist ein großes Glück für uns. Nun müssten wir uns auch noch bei Fianna bedanken, dass sie uns diese Zauberin des glücklichen Miteinanders geschenkt hat. Aber das tun wir eh fast jeden Tag. Dann gilt es noch, Heddas Geschwister zu grüßen und ihnen ein langes Leben zu wünschen. Nun soll es aber gut sein, sonst kommt es noch zu Dankesorgien wie bei der Oscar-Verleihung.

Abgesehen von der innigen Umärmelung unserer Jubilarin, beginnt auch dieser Tag, wie jeder andere, mit den Morgenritualen, füttern, wiegen, putzen, alles neu eindecken.

Durch die vier Fütterungen gestern sind die Knirpse nun aufgegangen wie Popcorn: 2050 Gramm sind eine stramme Leistung. Wenn Kuno mit 180 Gramm der Rennlistenletzte ist, lässt das tief blicken. Also blicken wir etwas tiefer ins Zahlenwerk:

Koschi 4100 (+300), Kini 4030 (+360), Korbi 4000 (+210), Klecks 3840 (+270), Kuno 3780 (+180), Käptn 3740 (+270), Krischan 3660 (+260) und Kathi 3550 (+200). Zusammengezählt ergibt das die erwähnten 2050 Gramm und einen Durchschnitt von 3837 Gramm.

Am einmaligen Säugen gleich draußen nach dem Aufstehen kann man diese Gewichte sicher nicht festmachen, aber es zeigt, dass ein neuer Impuls nötig war. Da wir unsere Welpen nicht hochmästen wollen, sondern versuchen, sie ihren eigenen Rhythmus gehen zu lassen, warten wir eben ab, bis die Entwicklung auf der Waage anzeigt, dass die Fortschritte kontinuierlich spärlich ausfallen. Das traf jetzt zu.  

Neben der herzerwärmenden Performance auf der Waage und Heddas Geburtstag, hat dieser Tag nicht viel Erwärmendes. Eisgrau bedeckt begrüßt er uns mit -2 °C und will partout auch über den Rest des Tages nicht einlenken. Stattdessen liefert er uns fast durchgängig ein feines Schneeflimmern, das Heddas Geburtstag zu einem Bruder des Totensonntags macht, ungastlich und abweisend, sodass die Kinder zwar häufig draußen sind, aber wenig Spaß an der Freud‘ zeigen. Sie machen zwar ein wenig herum, aber Leidenschaft und Begeisterung sehen anders aus. Überraschenderweise sind sie bei solchen Aussichten noch nicht einmal quengelig, wenn wir sie ins Haus holen. Die spüren schon, was ihnen guttut und was nicht.

Ein Gutes hat das Wetter ja, denn es ist ein mächtiger Feind bakterieller Durchfälle, mit denen wir, aber auch viele andere Züchter, in diesem Alter der Welpen rechnen müssen. Die meisten Hündinnen säugen (schon länger) nicht mehr, wodurch die durch die Muttermilch gewährleistete Immunabwehr abklingt. Die erste externe Immunisierung erhalten sie aber erst kurz vor der Abgabe in der achten Woche. Deswegen spricht man in diesen Wochen von einer Immunlücke. Sobald es warm ist, fühlen sich Bakterien und Erreger aller Art sauwohl und fahren Attacken auf die Welpen, die gegen sie zunehmend schutzlos sind. Dann legt einer mit einem wässrigen Durchfall los und alle folgen, meist ohne Ausnahme, obwohl immer mal einer wie durch ein Wunder allen Anfechtungen trotzt. Die Umstände sind widerlich, aber auch besorgniserregend. Meist hält so eine Attacke 24 Stunden an, in denen der Welpe völlig apathisch herumliegt. Wir versorgen ihn dann wegen des Flüssigkeitsverlustes mit Elektrolyt, mehr können wir nicht tun. Nach etwa 24 Stunden steht der Knirps dann auf, als wäre nichts gewesen und ist wieder voll dabei (wenn er Pech hat, steckt er sich von den anderen noch ein zweites Mal an). Wenn es so abgeht, ist es schlimm und bedrohlich, aber vor allem eine Riesensauerei. Es kann aber auch schlimmer kommen, man kann auch einen Welpen verlieren. Vor allem ein Darmverschluss wegen des Durchfalls und einer möglichen Darmentzündung droht. Gottlob sind wir bisher immer mit der Riesensauerei davongekommen. Wenn also Hedda immer noch säugt, ist das in dieser Hinsicht für uns und die Welpen ein Segen. Und auch ein herzliches Dankeschön an den Himmel, der sich nicht an die Schlaubauern und den Frühling unter Verschluss hält.

1M3A3143 1 250Hedda feiert ihren Geburtstag mit Mama FiannaJetzt aber zu Erfreulicherem: zu Heddas Geburtstag, der natürlich nicht ohne eine Geburtstagstorte verstreichen darf. Eine Hackfleischbombe, gespickt mit Leckerli und sechs Kerzen wartet abends auf sie, die sie jedoch traditionell mit Fianna teilen muss. Üblicherweise warten die beiden brav vor dem duftenden Versprechen, bis wir fotografiert und die Kerzen entfernt haben. Doch heute fließt Quecksilber in Heddas Blut, und wir können sie kaum zurückhalten. Es fehlt nicht viel, dann greift sie zu und verputzt die brennenden Kerzen mitsamt ihrer Halter gleich mit. Wir haben Mühe, sie auf ihren vier Buchstaben zu versammeln. Wir üben uns in Nachsicht und guten Worten, denn wer eine so aufopfernde und aufmerksame Mutter ist, hat einige Entgleisungen frei. Heute ist die Geburtstagsbombe so schnell vertilgt wie nie zuvor.

 M3A3127 1 250KiniKaum ist das Geburtstagsfest Vergangenheit, dringt ein mörderisches Geschrei aus dem Transit. Kini ist es. Seit seinem Erfolg, die Gittertür zu öffnen und ins Wohnzimmer zu gelangen, hat er nie aufgehört, es immer wieder einmal zu versuchen. Hovawartwelpen vergessen nichts, was ihnen Erfolg beschert hat. Hovawarte generell vergessen nur, was sie nicht vergessen sollten. Während der Geburtstagsfeier in der Küche, waren die Knirpse in den Transit gesperrt. Und wenn sich niemand kümmert, kann man ja wieder mal einen Versuch starten, das Wohnzimmer wie am Aschermittwoch zu erobern. Doch heute geht das fatal schief: Kini verhakt sich mit seinen Fangzähnchen in den Gitterstäben und kommt nicht mehr frei. Sperrangelweit steht der Fang, mit dem er noch schreien, ihn aber nicht mehr weiter öffnen kann, um freizukommen. Ringsherum grölen und paniken die Geschwister mit, auch Mama und Oma eilen herbei: Wir alle wissen, das hier ist keine Schaueinlage, um Aufmerksamkeit zu erheischen. Hier ist Feuer unterm Dach. Wir haben richtig zu tun, den Knirps wieder frei zu klempnern, aber dann zetert er immer noch weiter. Und das ist für Hedda wieder Anlass genug, ihrem Sohn einen Trostschluck am lauwarmen Buffet anzubieten. Nach dem Vagener Gittersturz also wieder eine Soforthilfe mittels Zitze. Nach ein paar kräftigen Zügen, die vom Andrang der anderen beendet werden, haben wir glücklicherweise bereits das Abendmahl der Knirpse fertig und können servieren. Anschließend ist die Welt wieder so rosarot wie sie es schon seit Tagen nicht war.

1M3A3152 1 250Abends sind die Knirpse rechtschaffen müdeSo glimpflich Kinis Einbruchsversuch ausgegangen ist, er lässt uns umwölkt zurück. Wie soll man unbeschwert bleiben, wenn man einen solchen Querschädel im Hause beherbergt. Man traut sich kaum noch aus dem Haus. Dann kommt man zurück und der Kini hängt seit einer halben Stunde im Gitter wie seinerzeit die Schildaer Kuh auf der Stadtmauer. Selbst nach zehn Würfen hält die Wut des Zeitalters eine Menge Überraschungen bereit.  

Aber immerhin hat Kini eine weitere Portion Immunpower bei Mama abgreifen können.

 

Dienstag, 28. Februar 2023

Die Faschingsferien sind vorüber, die Zuchtmeisterin muss wieder ihre Schüler züchtigen. Mit der trauten Zwölfsamkeit ist damit auch vorbei, und so regiert ab heute, gerade dass die närrische Zeit beerdigt ist, beim Bairischen Blues wieder ein Elferrat. Bei uns ist eben alles ein wenig hirnverdreht. 

1M3A3153 1 250Die Knirpse helfen beim Haushalt - zum Beispiel bei der Entsorgung alter KartonageDer frühe Morgen wird infolge dieser Umstellung wieder ein noch früherer Morgen, deshalb ist um 4:30 Uhr die Nacht vorbei und um 5:30 Uhr auch der ganze Morgenumtrieb erledigt. Jetzt bekommen die Knirpse vor dem Wiegen „Vogelfutter“ auf den Boden gestreut. Damit sind die Hungerleider so beschäftigt, dass sie kaum bemerken, wenn sie ins Wiegekörbchen gesetzt werden.  

Trotz der vier Mahlzeiten, eine davon mit Kopffleisch, Pansen und Kartoffelbrei, können die Knirpse nicht an das Popcorn-Ergebnis von gestern anknüpfen. Aber 1210 Gramm sind auch kein Diät-Ergebnis. Wie gesagt: Wir wollen sie nicht hochmästen, sondern sie ihrer individuellen Metabolik überlassen. Koschi behält weiterhin das Heft in der Hand und führt den Laden mit 4280 Gramm (+180) vor Kini an (4210, +180). Korbi folgt ihm mit 100 Gramm Abstand (4110, +110). Damit sind die Achtpfünder durch. Die Sechspfünder werden von Klecks angeführt (3980, +140), gefolgt von Kuno (3940, +160), Käptn (3860, +120), Krischan (3810, +150) und Kathimausi mit 3720 Gramm (+170). Ein Hungerödem müssen alle acht nicht befürchten, dazu sind die Tagesumsätze zu gehaltvoll. Der Tagesdurchschnitt liegt knapp unter vier Kilo: 3988 Gramm. Wir sind mehr als zufrieden.

Nach dem Morgenapell im Garten bei einer Milchsuppe mit geriebener Apfeleinlage, achtfacher innerer Reinigung und einem einstündigen Nachschlaf bei sternklaren -5 Grad, ist die Zwergenbande so energieoptimiert, dass sie, wieder ins Haus gelassen, eine volle Stunde die Küche und den Transit auf Links drehen. Offensichtlich hat ihnen jemand gesteckt, dass heute wieder Assi-Tag ist und das mit dem Auftrag verknüpft, sich so asozial wie möglich zu verhalten. Nichts belassen sie in seinem Originalzustand, alles wird einmal umgedreht, der Assi dreht sich im Kreisel mit ihnen, aber wohin er sich auch wendet, mindestens ein Knirps hängt ihm in den Fersen oder knapp unterm Knie im Hosenbein. Es gibt in Europa viele Bärenstationen, in denen geschundene Tanz- und Zirkusbären ihr Gnadenbrot bekommen. Der Tanzbären-Assi bittet hiermit um beschleunigte Aufnahme in einer dieser Bärenverwahranstalten. Wen er keinesfalls, nicht einmal als Kuscheltier mitnehmen wird, ist Kathi, die derzeit kompromissloseste Kneifzange. Die Letzten werden die Ersten sein, so ähnlich raunt im Neuen Testament der Evangelist Matthäus. Im Fall von Kathi wird damit nicht die zu erwartende Gewichtsentwicklung vorhergesagt, sondern die Wahrscheinlichkeit, als Erste überhaupt im Bairischen Blues-Verlies lebenslang auf Gnadenbrot mit Wassersuppe gesetzt zu werden.  

 M3A3210 1 250Nichts ist mehr sicher vor den KnirpsenLangsam erholt sich der Tag von seine frostigen Attitüde und bringt es letztlich doch auf stramme 2 °C und etwas Sonnenschein. Den Assi freut das sehr, weil es Balsam auf seine Wunden ist, den seelischen wie körperlichen gleichermaßen. Ansonsten geht alles seinen gewohnten nicht sozialistischen, aber Bairischen Blues-Gang. Die Knirpse verbringen den Tag, nicht nur zur Wiederherstellung der inneren Ordnung beim Blues, sondern auch aus Gründen der Wetterfestigkeit, zum großen Teil in ihrem Paradies, schlafen sich ihre Umtriebigkeit dort aus dem Leib, bekommen ihre Mahlzeiten unter freiem Himmel und werden nur eingeschlossen, wenn der Assi das Haus verlässt. Mit ihnen zusammen im Haus hat er sich für heute trotzig abgeschworen.

Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die sechste Woche.

 

Mittwoch, 1. März 2023

Jetzt ist er da, der März mit seinen Bechern rundum in den Gärten. Auch das nach ihm benannte Märzenbier wird wieder gebraut, obwohl das heute nicht mehr notwendig wäre. Nach der bayerischen Brauordnung von 1539 und per Dekret durch Albrecht V. von 1553 wurde nämlich festgelegt, dass nur zwischen Michaeli (29. September) und Georgi (23. April) gebraut werden durfte. Danach war das Bierbrauen verboten, einerseits weil in den Sommermonaten beim Sieden erhöhte Brandgefahr bestand und andererseits das Brauen untergärigen Biers Temperaturen von unter 10 °C erforderte. Weil das zuletzt, also von März bis April gebraute Bier stärker gebraut wurde und am längsten haltbar war, wurde es auch zuletzt verbraucht und machte Karriere als Oktoberfestbier. Solche Einschränkungen gibt es heute nicht mehr, aber das Märzenbier gibt es immer noch – und die Biergärten mit ihren mächtigen Kastanien, unter denen in riesigen Felsenkellern das Bier kühlgehalten wurde.  

Da sich heute nicht viel in den Mauern des Bairischen Blues ereignet, schenken wir unsere Aufmerksamkeit zuallererst dem Bauern-Nostradamus, der sich wieder einmal selbst übertrifft, wenn er für den März folgendes kund und zu wissen gibt: Es lenzt nicht, ehe es gewintert hat. Wäre der Chronist noch aktiver Segler, würde er sich fragen, ob dieser Satz nicht Wer nicht lenzt, muss wienern[1] heißen müsste. So aber stellt sich die Frage, wie breit der Hirnriss dieses Satzes ist. Wie hat denn ein Winter auszusehen, der lenzwürdig wintert? Wenn wir ehrlich sind, hat es, zumindest bei uns, nicht so richtig gewintert; das bisschen Schnee, die paar wirklich kalte Tage – war das schon genug Winter, damit sich der Lenz herablässt? Und was haben wir zu erwarten, wenn es nicht lenzt? Sofortigen Sommer oder dauerhaften Schmuddelwinter?

Einen sachdienlichen Hinweis könnte der Hundertjährige Kalender geben, der den Eindruck erweckt, als würde er dem Winter, also uns, im März noch eine letzte Chance geben wollen: 1.-7.: rauh, kalt und windig, 8.-17.: sehr kalt, obwohl kein Schnee liegt, 18.-19.: es herrscht Wind, Schnee und Regen, 20.-21.: es ist klar und vormittags kalt, 21.: morgens hart gefrohren, 21.-31.: meistensteils schön und lustig.

So steht es (original!) nachzulesen, und wer möchte, kann die Schreibfehler darin als lustig empfinden, schön sind sie nicht. Vielleicht hat ja der Verfasser nur eine ländliche Zwergschule oder ein orthografisch verzwergtes zeitgenössisches Gymnasium besucht. Gar nicht schön und überhaupt nicht lustig sind die Aussichten, die er vermittelt. Am 18. März wollen wir unsere Knirpse unters Volk bringen, und ausgerechnet dann soll es Schnee, Wind und Regen geben. Es wird wohl am besten sein, wenn wir den Gehalt dieses märzlichen Schierlingsbechers Tag für Tag an der Wirklichkeit messen.

Heute messen wir -1 °C und es ist hochneblig bedeckt. Nachmittags ist es jedoch sonnig und 5 °C warm. Es ist also nur morgens kalt, der Rest der Vorhersage ist demnach schon mal Quatsch. 1:0 für uns.

Da dieser Mittwoch vor allem eins ist, nämlich sehr, sehr mittelmäßig, führen wir uns nur noch die Gewichtslage zu Gemüte und lassen diesen Tag schnell in der dokumentarischen Versenkung verschwinden.

Koschi 4470 (+190), Korbi 4370 (+260), Kini 4360 (+150), Klecks 4130 (+150), Kuno 4070 (+130), Käptn 4010 (+150), Krischan 3980 (+170), Kathi 3820 (+100). 1300 Gramm kommen so zusammen und ein Durchschnittsgewicht von 4151 Gramm.

 M3A3340 1 250Der Schwerste: KoschiZusammenfassend  M3A3430 1 250versus der Leichtesten: Kathilässt sich zur Gewichtsentwicklung sagen: Die Knirpse wachsen und gedeihen prächtig. Ein Abstand von 650 Gramm zwischen dem Ersten und der Letzten ist genetische Normalität, was nicht heißen muss, dass die Hündinnen immer hinterher hecheln; wir hatten schon Hündinnen, die den Rüden ganz vorne den Schweiß auf die Stirn trieben. In diesen Fällen schlug die Natur eben etwas später zu: Aus den schwächeren Rüden wurden noch richtige Kerle und die Hündinnen blieben zur rechten Zeit stehen und wurden auch optisch das, was man sich unter einer Hündin vorstellt.  

[1] Für Landratten: Die Pumpe, mit der man eingedrungenes Wasser aus der Bilge abpumpt, heißt Lenzpumpe

 

Donnerstag, 2. März 2023

Der Morgen begrüßt die Zuchtmeisterin mit 14 Bergen in einer Seenlandschaft. Das riecht nicht nur nach Verrat! Aber der Assi hat ein lupenreines Gewissen, nachts pflichtschuldigst durchs Revier mäandert zu sein und jeglichen Unrat säuberlichst beseitigt zu haben.

Als ob die Knirpsendompteurin ihre Schutzbefohlenen für ihre Sauerei auch noch belohnen wollte, reicht sie ihnen gleich nach dem ersten Schock erstmals in ihrem jungen Leben etwas, woran sie sich dringend gewöhnen müssen: Rindersticks (Kaustreifen). Und siehe: Sie verarbeiten auch diese komplett. Kini inhaliert seine allerdings vorsichtshalber gleich ganz (man weiß ja nie). Mal abwarten, ob er sie auch bei sich behält oder als schwabbeliges Gewebeband wieder hervorwürgen muss.

Hedda verhält sich dagegen konservativ und serviert ihnen zuerst einen Milchshake. Wir fragen uns auch heute, warum sie das nicht endlich einstellt, wenn sie es doch sichtlich nicht mehr schätzt. Logisch, die Pflicht und die normative Kraft der Instinkte. Aber lässt man sich dafür die Zitzen zerfleddern? Wo bleibt in diesem Szenario der Selbsterhaltungstrieb? Gehört Hedda etwa zu den Geschöpfen, die sich fürs das Leben der Kinder selbst opfern? Wie oft haben wir darüber schon die Köpfe geschüttelt und sie gelobpreist, aber nicht verstanden. Andererseits, wenn sie damit die erwähnte Immunlücke immer weiter schließt, wären wir die Letzten, die dagegen Beschwerde führen würden.

Dieser Morgen ist schon ein ganzes Celsiusgrad wärmer als der gestrige, liefert demnach 0,5 °C und ist trotzdem noch zweifelsfrei kalt. Rau ist er nicht, aber wieder Hochnebel verhangen, entspricht also durchaus dem Hundertjährigen. Nur der Wind geht ihm ab. Allerdings verzieht sich der Nebel am frühen Nachmittag und bestrahlt uns mit sonnigen 6 °C. Ätsch! 2:0 für uns.

Ein völlig neues Bild liefert uns dagegen die Waage. Ohne Witz: Wir wiegen Kini und Koschi zweimal, weil wir es nicht glauben wollen, aber die Waage lügt nicht. Kini wienert Koschi ab. Und gleich wie! Gestern lag er noch 110 Gramm hinter Koschi auf dem dritten Platz, Korbi noch zwischen den beiden. Und dann inhaliert der sich 260 Gramm an einem Tag an die Rippen und geht mit 4620 Gramm an die Spitze. Der Versuch, diesen Zuwachs auf die Kaustange zu schieben, die er sich heute vor der Waage einverleibte, geht in die Irre, weil die anderen auch eine hatten, nur haben sie sie eben zerlegt und nicht am Stück verschluckt.

Nach diesem Hauruck sieht die Gewichtsstatistik folgendermaßen aus:

Kini 4620 (+260), Koschi 4570 (+100), Korbi 4520 (+150), Klecks 4340 (+210), Kuno 4150 (+80), Krischan 4120 (+140), Käptn 4090 (+80), Kathi 3930 (+110). Das summiert sich auf 1130 Gramm und einen Durchschnitt von 4292 Gramm.

Nun haben alle Kerle die Vier-Kilo-Marke übersprungen, nur Kathi liegt noch knapp darunter.

Das sieht alles sehr zufriedenstellend aus, auch wenn Kuno und Käptn wieder einmal metabolisch im Schlummerland vor sich hin träumen. Die Darmseligkeiten haben auch schön langsam durchgehend die gewünschte Konsistenz. Wir sind demnach auf der sunny side of life.

Donnerstags muss die Zuchtmeisterin immer erst am späten Vormittag zur Bahn, was für uns einen entspannten Morgen bedeutet. Die Knirpse werden ins Haus beordert, die drei Mädels drehen eine weitschweifige Morgenrunde und der Assi besorgt Frühstück. Das ihm dann umgehend vergeht, bevor es zu sich nehmen kann, denn bei seiner Rückkehr hat einer (oder auch zwei) dieser Verdauungskünstler einen Mordshaufen vor die Terrassentür gesetzt, dass es dem Assi schon beim Öffnen der Haustür die Luft verschlägt und dann, wie gesagt, beim Anblick der Bescherung gleich noch den Appetit. Wer sich da verewigte, ist nicht mehr zu rekonstruieren, weil das Kunstwerk großflächig vor der Tür bis in den halbe Transit hinein verteilt vor sich hin stinkt. Der Transit und größere Teile des Küchenbodens sind mit Jack-Wolfskin-Ornamenten verziert, die mittels einer ausgedehnten Seenplatte geschmeidig gehalten werden.

So beginnt der Assisiphus sein Tagwerk von Neuem und fragt sich, was in die acht gefahren ist, dass ihnen so viel entfährt. Schon heute Morgen die Bescherung und jetzt wieder, obwohl sie dazwischen schon mindestens eine Stunde im Garten waren. Die Auflösung, ob sie sich das Lösen extra fürs Haus aufgespart haben und der Garten rein wie eine Jungfrau ist, wird sich erst bei dessen Begehung klären. Die überlässt der Assi standesgemäß der Oberaufseherin.

1M3A3454 1 250Frühstück vorbereiten unter erschwerten BedingungenDas Frühstück findet dann doch noch statt, umwölkt vom Duft des Essigreinigers und von Spiritus, die mit den ordinär-süßlichen Ausdünstungen der Berger-Duftlampe eine olfaktorische Gemeinheit zusammenwabern, die nur von der Duftmelange aus Sauerkraut und Bohnerwachs in den Stiegenhäusern der frühen Chronistenjahre übertroffen werden.

 M3A3599 1 250Käptn und Klecks beim BibertransportVon der Sonne bestrahlt liegen die acht Zwerge völlig losgelöst schon ab 11 Uhr in ihrem Terrassenbett und drehen dem Hundertjährigen eine lange Nase. Nachmittags kichern sie sich sogar bei frühlingshaften 6 °C in die Samtpfoten. Und das können sie sehr ausgiebig tun, denn außer zu jenen Zeiten, in denen das Personal außer Haus ist, sind sie ununterbrochen draußen, im steten Wechsel von Schlummer, Spiel und Träumereien.

Damit sie sich nicht allzu sehr in ihrer Gartenlaube einsülzen, liefern wir ihnen eine neue Herausforderung, die sie alle auf die Beine bringt: die Rappelsocke. Viel Geld kann man ausgeben für Hundespielzeug, dabei gibt es nichts Günstigeres und Spaßfördernderes als eine Rappelsocke. Alles, was man braucht ist eine alte Dose, ein paar Steine rein, Deckel drauf, eine alte Socke drumrum, zubinden und los geht’s. Und wie das losgeht! Diese Socke will jeder haben. Keiner gönnt sie dem anderen, da fliegen die Ohren, da kennt der Knirps kein Hindernis und keine Geschwister mehr, da wird nur noch gerast, eingefangen, gezerrt, gekeift, gezetert und gerauft. Einem starken Gewichtszuwachs ist die Socke nicht unbedingt förderlich, der Fitness und der Ausbildung arttypischen Verhaltens dafür umso mehr. Und nach diesem Höllenspaß sind alle zurecht müde und liegen wieder schiedlich-friedlich und geschwisterlich in ihrem Bett und berappeln sich in den Schlaf.

Nach der Hetze und dem Rekreationsschlaf serviert der Butler-Assi zur Abwechslung wieder Blättermagen, ordinär stinkend wie eine Kuhstallpissrinne, aber genau das Richtige zur rechten Zeit für die Knirpse. Die Schlagzahl von mehreren Welpen an einem Futterring ist immens, aber die beim Blättermagen übertrifft alles, was man für möglich halten mag. Dementsprechend sehen sie dann auch alle aus: beschissen. Das freut Mama und Oma, die sich an der Reinigung und Körperpflege ihrer Schutzbefohlenen mit Hingabe beteiligen, bis die nicht nur wie frisch geduscht aussehen, sondern sich auch so anfassen.

So ein Vorfrühlingstag mit acht Knirpsen ist wie eine Aromadusche, nach welcher man sich abends kaum mehr an den Morgen erinnert.

 M3A3535 1 250Kini toppfitPS: Kini hat seine Rinderstange bei sich behalten und trotzdem noch Platz für alle weiteren Tagesmahlzeiten gefunden.

 

Freitag, 3. März 2023

Der Freitag beginnt immer sehr früh, weil die Zucht- und Schulmeisterin schon um 6:30 Uhr mit der Bahn los muss. Deshalb rappelt bereits um 4:30 Uhr zwar keine Socke, aber der Wecker. Und ohne schläfrige Übergangsübungen werden die Morgenroutinen professionell und fix abgearbeitet.

Für uns zahlt es sich jetzt aus, dass die Welpen mittlerweile mit Leckerli aller Art zurechtkommen. Wir streuen ihnen dann eben Kleinzeug auf den Boden, das sie versammelt, sodass wir sie überall hinlocken können, wo wir sie haben wollen. Das gilt für draußen wie für drinnen. Vor allem so früh morgens können wir sie unter Umständen nicht im Garten lassen, wenn sie sich zu sehr über den neuen Tag freuen und dies der ganzen Nachbarschaft mitteilen wollen. Dann bringt eine Handvoll Streugut schnell Ruhe ins Revier. Zum Glück ist diese Truppe einer der leisesten, die wir je hatten. Viel Spektakel machen sich nicht, sondern beschäftigen sich lieber mit sich und ihrem Paradies.

Aber auch auf der Waage helfen die kleinen Verführerli, den Knirps still zu halten; ein knuspernder Knirps flüchtet nicht, sondern konzentriert sich aufs Wesentliche. Heute gibt es kleine, weiche Stangen von Platinum, die sie noch nicht kennen, aber mit Begeisterung verarbeiten – außer Kathi. Die hat eine von Fianna liegengelassene Pansenstange entdeckt und zerknuspert sie in einer Abseite, in der wir sie allerdings schnell entdecken. Als die Zuchtmeisterin sie ihr wegnehmen will – das Ding ist einfach noch zu mächtig für sie –, kneift sie zu wie ein Schraubstock und macht auch vor den Fingern nicht Halt. Mon déesse! Aber die kleine Göttin wird schon noch katholisch...

Kein Morgen kann so knapp bemessen sein, dass wir uns nicht ausführlich mit den Knirpsen und der Waage beschäftigen. Besonders interessant ist heute, ob sich der kraftvolle, wenn auch halbvegetarische Blättermagen, oder die Rappelsocke auf der Waage durchsetzen wird: Es ist der Blättermagen (im Verbund mit den anderen Mahlzeiten und den Leckersnacks).

Kini behält seinen Platz an der Sonne, aber Koschi ist ihm schon wieder bis auf 10 Gramm auf den Fersen, und hinten fängt Käptn wieder den Krischan ein. Insgesamt sind es heute gewaltige Werte, die sich die Knirpse auf die Rippen gepolstert haben; es soll schon was heißen, wenn Krischan mit 180 Gramm der Spargeltarzan ist. Und die kleine Kneifzange ist zwar immer noch die letzte, bringt aber nun auch schon vier Kilo auf die Waage. Kann sich irgendjemand da draußen vorstellen, wie aufregend es bei uns jeden Morgen ist? Lassen wir die Katze aus dem Sack:

Kini 4810 (+190), Koschi 4800 (+230), Korbi 4710 (+190), Klecks 4580 (+240), Kuno 4390 (+240), Käptn 4330 (+240), Krischan 4300 (+180) und Kathi 4140 (+210). Das sind 1720 Gramm und somit 590 mehr als gestern (Durchschnitt: 4507 g).

 M3A3686 1 250Krischan übernimmt GartenarbeitGrau ist nicht nur alle Theorie, noch grauer als diese ist heute Morgen und Vormittag der Himmel. Mit 0,5 °C startet der Tag unter einem dicken Hochnebel. Hochdrucklagen bringen in dieser Jahreszeit eben gerne Hochnebel mit sich, unter dem das Thermometer kaum die Nullergrenze überwindet, doch nachmittags reißt der Nebel auf und es wird freundlich bis zu 7 °C. Der Bauern-Nostradamus meint dazu: Lachende Kunigunde bringt frohe Kunde, und schön langsam erwarten wir, dass der Hundertjährige aus dem Fenster springt und auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Falls er noch einen Funken Charakter im Leib hat…  

Wie gestern sind die Knirpse fast durchweg in ihrem Spieleparadies und beweisen inzwischen ein sehr langes Durchhaltevermögen. Wenn sie richtig auf Touren sind, sind sie schon bis zu einer Stunde aktiv, dabei wird gerannt und gerauft bis kurz vor den Achsschenkelbruch. Derzeit ist Kuno die auffälligste Aktiv-Kapsel. Er ist auch der Geschmeidigste und Pfiffigste, überall unterwegs und immer vor der Linse. Wenn er in seinem Reifen sitzt und vertrieben werden soll, worauf er auch spekuliert, verteidigt er seine Kautschukbude mannhaft und meist erfolgreich. Die Rampensau Korbi hält sich dagegen gerade etwas bedeckt und macht auf Mauerblümchen, so sehr, dass wir kaum ein Foto von ihm bekommen, obwohl wir ihn längst wieder im Tagesbild präsentieren müssten. Der Nesthaken Kathi rabaukt und mobbt seine Brüder und die anderen flippen herum wie bei Pomp Duck and Circumstance.

Weil wir die Anforderungen an unsere Kinder immer ein wenig nach oben schrauben, machen wir heute die gelb-rote Kinderschaukel frei, die bislang noch ein wenig aufsaß, damit die Zwerge nicht allzu sehr kopfüber gehen. Jetzt heißt es balancieren, aber das ist dieser Freibeuterei Jacke wie Hose; sie preschen einfach drüber, und wir vermuten, dass sie nicht einmal registrieren, dass sich der Boden unter ihnen soeben davonmachte. Logo: Wer kaum ein Bein auf den Boden bringt, hat keine Haftungsprobleme.

 M3A3632 1 250Schaut mal, wie gut sich ein Tunnel zusammenfalten lässtBeliebter Tummelplatz ist auch das bunte Tunnel, das man einzeln oder in Gruppen durchgaloppieren kann. Was der Erfinder des Tunnels nicht ahnte, ist, dass man sich noch besser auf es stürzen und zusammenfalten kann. Man glaubt ja kaum, wie kleinteilig so eine Röhre sein kann, wenn man sie mit vereinten Kräften zusammenfaltet. Es ist eine richtige Hatz im Paradies.

Und zur Krönung des Tages der Geisterball! Der Geisterball hat ein Innenleben mit einem Pendelgewicht und einer Batterie. Wenn er aktiviert ist, rollt er von allein und wegen des Gewichts auch noch völlig unvorhersehbar in alle Richtungen umher. Natürlich stürzen sie sich umgehend auf den neuen Eindringling in ihrem Paradies, aber sie kriegen ihn nicht richtig zu fassen und schon gar nicht unter Kontrolle. Wenn immer sie glauben, ihn zu haben, kullert er ihnen aus den Pfoten und macht sich davon. Mehr Fassungslosigkeit geht nicht! Die Ratlosigkeit steht ihnen in die Gesichter geschrieben, und die Gründung eines Arbeitskreises steht kurz bevor.  

 M3A4005 1 250KunoNach  M3A3983 1 250Koschiall diesem Bohei wir es Zeit, wieder ein wenig Ruhe in die Zwergenschar zu bringen. Perfide ist es allerdings, wenn man dazu Pansenstangen einsetzt. Jedem seine Pansenstange – und schon offenbaren sie ihren Charakter. Da outen sich die Kleptomanen, die lieber in Nachbars Garten wildern als sich mit ihrer Beute zu beschäftigen, weil, wie wir wissen, die Kirschen in Nachbars Garten besonders süß sind. Ganz anders gestrickt sind die Egomanen, die in Windeseile eine Abseite finden, in der sie in Ruhe speisen können, was uns beweist, dass die Knirpse nicht nur durch ihr Paradies toben können, sondern es in allen seinen Details kennen und für sich ausnutzen können. Dann gibt es die Unentschlossenen, die sich mit den Spielregeln noch nicht so genau auskennen und deswegen oft Opfer der Kleptomanen werden, weshalb sie auch wieder auf Beutezug gehen müssen. Von Ruhe kann also kaum die Rede sein, außer bei jenen, die in irgendeiner Ecke, nur von uns geortet, ihre Stange verknuspern.

Die schlimmste Kleptomanin ist jedoch Fianna. Mit trieftreuem Omablick schleicht sie sich heran: „Was hast du denn da Schönes? Lass doch die alte Oma auch mal sehen, was du da hast.“ Und wenn der Knirps doof genug ist, auf diese gütigen Augen hereinzufallen, ist die Stange – schnapp – weg und der Knirps schaut blöd hinterher. Da reden alle von Omatrick, wenn alte Leute um ihr Geld gebracht werden sollen. Eine Oma, die die jungen Leute mundberaubt, ist der Gottseibeiuns der Trickbetrüger.

Und weil das alles viel zu schön ist, um in Vergessenheit zu geraten, ist heute wieder einmal das Fernsehen da, das mit einem ganzen Kasten toller Knirpsaktionen nach Hause gehen kann. Geplanter Sendetermin ist bereits der 22. März – falls es Lukas, dem Objektivführer gelingt, das ganze Material in vier Tagen nach der Abgabe zu einem 20-Minuten-Film zusammenzuschneiden. Wir halten euch auf dem Laufenden.   

 

Samstag, 4. März 2023

Wieder ducken wir uns morgens unter einem dicken Hochnebel weg, und müssen dem Hundertjährigen wenigsten heute eine gewisse Treffsicherheit zugestehen: 0 °C, Hochnebel und einen frischen Wind kann man eindeutig als rauh, kalt und windig gelten lassen. Ab Mittag bleibt dann allerdings bei sonnigen 8 °C nur noch windig über, weil uns der frische Wind den ganzen Tag erhalten bleibt.

Auf der Waage tut sich nichts bis wenig und ist trotzdem erwähnenswert, denn Kini hält hartnäckig den 10 Gramm-Vorsprung vor Koschi, obwohl der sich mit 250 Gramm Auflast nichts vorzuwerfen hat. Immerhin weiß er jetzt, mit welchem Kaliber von Gegner er es zu tun hat. Aber auch die anderen scheinen noch etwas vorzuhaben, denn eine richtige Blöße gibt sich keiner. Voilà:

Kini 5060 (+250), Koschi 5050 (+250), Korbi 4920 (+210), Klecks 4730 (+150), Kuno 4610 (+220), Käptn 4530 (+200), Krischan 4520 (+220), Kathi 4290 (+150). Wieder haben die acht stattliche 1650 Gramm eingefahren (Durchschnitt: 4713 Gramm), und die beiden Standartenführer sind die ersten Zehnpfünder.

 M3A4613 1 250Ein kleines Schläfchen im Garten - KorbiKennt noch jemand den alten Werbeslogan für die Liebestöter aus Angorawolle? Wie das Wetter auch wird in unsrem Klima – Medima, Medima. Unsere Knirpse tragen ja so etwas Ähnliches wie Ganzkörper-Angorawäsche, also sind sie auch die meiste Zeit des Tages draußen. Allerdings nutzen wir die zunehmend angenehmeren Temperaturen, die Terrassentür offen zu lassen, was bei den Knirpsen die höchstmöglich Zufriedenheit auslöst, denn nun kann sich jeder nach seinem Gusto drinnen oder draußen aufhalten. Und so kommt es dann, dass Käptn und Krischan in der Küche schlafen, Korbi im Transit, von wo aus er, falls nötig, alles überblicken und checken kann. Kini ruht auf dem Trampolinthron und die anderen vier kuscheln sich in ihrem Terrassenbett zusammen, in dem sie immer zusammen kuscheln.  

1M3A4300 1 250Lecker so ein Hennehax - Koschi genießt ihn auf jeden FallBeim Hühnerhof unseres Vertrauens, von dem wir auch die vielen Eier haben, die täglich in den Kindermägen verschwinden, haben wir uns einen Sack Hühnerkrallen besorgt und gedörrt. Die bekommen heute ihren Auftritt. Jeder Knirps einen Hax. So ein knuspriges und sperriges Ding ist schon eine Herausforderung für Knirpse, zumal die Begehrlichkeiten auch in diesem Falle hoch sind. Klecks, Käptn und Korbi sind die besten Abseiler und schaffen es tatsächlich, ihre Beute unentdeckt bis zum Ende zu zerwirken. Eine besondere Leistung liefert dabei der kleine Käptn, der sich unter die kleine Holzpalette legt und seinen Hax bis zum Schluss gegen die kläffende Meute seiner Geschwister verteidigt. Immer wieder starten sie Angriffe von allen Seiten, doch der Käptn zeigt die Zähne und erhebt die Stimme. Er hält die Stellung und behält die Kralle.

 M3A3969 1 250Gut, dass Kathi noch ein geheimes Versteck mit einer Pansenstange hat - dann ist der Verlust des Hennehax nicht ganz so schlimmAuch Kathi ist gut positioniert, setzt sich lange zur Wehr, aber ihr fehlt der Vorteil einer Deckung unter der Palette. Schließlich muss sie der Übermacht der Kleptomanen weichen. Sie hält sich jedoch tapfer wie die Heilige Johanna, ist sehr geschickt im Ausweichen und hält die Beute gut in Deckung, doch schließlich sind es der Häscher zu viele. Die allerdings müssen sich mit solchen Teilerfolgen zufrieden geben, weil sie ihre eigenen Stücke vernachlässigen. Oma und Mama halten es in solchen Fällen kalten Herzens mit der Einstellung: Wer nicht will, hat schon gehabt. Und schon haben sie sich die Kralle gekrallt. Es ist schon erstaunlich, dass ein Welpe so einen ganzen spröden Hühnerhax verdrücken kann. 1M3A4303 1 250Klecks findet immer wieder einen unbeobachteten Platz, um seine Beute zu verspeisenKlecks findet diesen Einwand so abseitig wie das Versteck, in dem er seine Kralle verputzte und organisiert sich gleich noch eine weitere, die er irgendwo auf dem Schlachtfeld findet. Sorry, Klecks, aber das ist nun wirklich zu viel des Guten. Wir nehmen sie ihm weg, bevor er sie noch rückwärts isst.

Neben den Leckereien zwischendurch wachsen auch die Mahlzeiten sukzessive mit den Welpen und deren Aufgaben. Zwar bleibt es bei drei Portionen Welpenmilch morgens (mit geriebenem Apfel oder zermatschter Banane) für alle, aber die Trockenfutter-Portionen steigern sich bereits auf 500 g, ebenso die Fleischmahlzeiten nachmittags, bei denen der Kartoffelbrei-Anteil etwa bei 80 g liegt, das Fleisch bei 500 g. Heute gibt’s erstmals gewolfte Hähnchenhälse. Auch in diesem Falle gilt: wurscht! Alles, was geliefert wird, wird eingesaugt. Auch das Abendmahl ist heute eine Premiere, weil es erstmals aufgeweichtes Platinum-Puppy gibt, nicht mehr das Babygranulat.

 M3A4916 1 250Kini hat seinen Spaß auf der SchaukelUnd weil die fixen Knirpse die gelb-rote Kinderschaukel mit den Bullaugen bislang als unwürdig erachten und sie völlig respektlos durch- und überqueren, stellen wir ihnen heute die „Große Schwinge“ ins Paradies, eine viel größere Schaukel, die nach allen Seiten ungehindert schwingt, während sie sich auf der Kinderschaukel wie ein Seiltänzer auf einer Eisenbahnschiene bewegen. Die Dynamik der GS nach allen Seiten hält deutlich größere Herausforderungen bereit. Und das erkennen sie sofort, weswegen sie sich vorerst keine Blöße geben wollen und sich lieber an deren Halteseile vergreifen. Wir können kaum erwarten zu erfahren, wer der Erste sein wird, den die Große Schwinge abwirft wie das Teufelsrad auf dem Rummel. Es werden noch Wetten angenommen.  

 

Sonntag, 5. März 2023

Heute hätte unsere Franzi Geburtstag gehabt, obwohl sie den mit 19 Jahren wohl kaum noch erlebt hätte. Aber eine dicke Träne tragen wir dennoch im Knopfloch, weil sie einfach viel zu früh gehen musste, ausgerechnet sie, die das Leben so liebte. Und weißt du noch, liebe Franzi, wie wir deinen 1. Geburtstag 2005 beinahe vergessen hätten, weil es so schneite, dass wir den ganzen Tag mit Schneeschippen beschäftigt waren? Alles ringsum lag tief im Schnee vergraben, es war still wie in der Kapuzinergruft, nichts bewegte sich mehr und was sich zu bewegen wagte, stand bald wieder still. 18 Jahre sind das her, und niemand kann sich heute noch vorstellen, dass so etwas jemals wieder passieren könnte. Wir machen schon ein langes Gesicht, wenn es, wie heute, grau bei 1 °C ist und auch so zu bleiben scheint. Wir, und vor allem der Chronisten-Assi, erwarten heutzutage Anfang März lauen Lenz, nicht schenkelhohen Schnee.  

Wir beginnen nun langsam, das Frühstück zu ändern. Ziel ist es, zur Abgabe genau das zu füttern, was auch im neuen Heim weiter gefüttert werden kann. Das ist pro Welpe etwa ein halber Becher Hüttenkäse, eine halbe Banane oder Apfel, 1 Tasse Ziegenmilch und 1 El Distelöl.  Wir reduzieren deshalb heute auf 550 g Quark, 3 Tassen Ziegenmilch, 6 Eier und 9 El Distelöl. Ab nächster Woche löst dann der Hüttenkäse den Quark ab. Zur Befriedigung der Ungeduld während der Wartezeit gibt’s heute kleine, gedörrte und sehr stinkende Sprotten als „Vogelfutter“ auf den Boden.

1M3A4625 1 250Sieht doch ganz gesittet ausUnd  M3A4746 1 250Na ja, zum Ende hin wird es leicht chaotischnoch etwas ist neu für die Knirpse: Sie bekommen ihr Mahlzeiten jetzt, nicht immer, aber vorwiegend in Einzelschüsseln in einem Gestell serviert. Das reduziert einerseits die Kampfbaggerei im Futterring, weil sich die meisten zuerst auf ihre eigene Schüssel konzentrieren und erst später bei den anderen nachputzen, aber vor allem gibt es uns die Möglichkeit, die Portionen besser zu kontrollieren und, wenn nötig, auch Medikamente zu dosieren. Diese Schüsseln nehmen sie genauso unspektakulär an und zur Kenntnis wie alles andere bisher. Und sie verhalten sich überraschend zivilisiert, nur wenn die eigene Schüssel ausgeräumt ist, beginnt die hektische Suche nach Resten in allen anderen. Das ist auch gut so, wir wollen ja keine triebreduzierten Klosterschüler züchten; das Leben ist ein Kampf, nicht zuletzt ums Futter.

Das gibt uns die Gelegenheit, eine kleine Prognose einzufügen. Diejenigen Knirpse, die zu anderen Hunden gehen, werden weiterhin in Konkurrenz sein und, um es deutlich zu sagen, wahrscheinlich fressen wie Scheunendrescher. Die Einzelkinder aber werden schon nach wenigen Tagen die Konsequenz ihrer Besitzer ausloten – und oft werden sie erfolgreich sein. Unsere Erfahrung zeigt, dass schon nach wenigen Tagen die Näschen gerümpft werden, die neuen Leute Krankheit oder zumindest Unpässlichkeit diagnostizieren, und schon kommt etwas anderes auf den Tisch und im Handumdrehen stehen Filetspitzen, Lachs und 150-Gramm-Feinschmecker-Schälchen mit Petersilien-Topping auf dem Speiseplan. Wollen wir wetten? Glaubt uns, etwas konsequent Durchtriebeneres als einen Hovawartwelpen findet man selten. Wir können Bücher über diese Beispiele füllen. Deswegen ein ernstgemeinter Rat: Ein Knirps speist bei euch grundsätzlich das gleiche wie bei uns, und wenn er das Näschen rümpft und sich angeekelt abwendet, stellt es ihm noch einmal vor die Nase. Bevor er verhungert, greift er zu. Er will nicht verhungern, und er wird definitiv nicht verhungern. So viel Ausdauer wie ein kleiner Hovawart hat, sollte seine Familie mindestens auch haben.

Nun zurück zur Gegenwart und zu den Folgen der Ernährung à la Blues. Wenn wir die Zeitung mit den ganz großen Buchstaben wären, würden wir heute Titeln: Koschi kackt ab. Krischan rempelt Käptn weg (auf die Versalien verzichten wir im Sinne der Texthygiene).

Was also ist geschehen? Koschi schlendert sich mit 100 Gramm plus ins Abseits, was ziemlich fatal ist, wenn nicht nur Kini seine seit einiger Zeit gewohnte Performance abliefert und 220 Gramm aufspeckt, sondern Korbi sogar mit 290 Gramm aufwarten kann. Dann findet man sich plötzlich auf Rang 3 wieder, eines Rädelsführers eigentlich unwürdig. Die neuartige Vorstellung, dass zur Führerschaft eher Hirn- als Muskelschmalz gehört, hat sich in archaischen Populationen noch nicht durchgesetzt. Bei uns im Gäu hat ein einfältiger Bauer mit Ranzen immer noch mehr zu sagen als ein spirgeliger Agraringenieur mit Durchblick. Koschi sollte sich also sputen, wenn er noch gewisse Ansprüche geltend machen will. Aber vielleicht will er ja nicht.

Und was ist am hinteren Ende passiert? Eigentlich nichts Spektakuläres, nur dass Krischan schon gestern mit 220 g hat aufhören lassen, obwohl sich der kleine Käptn mit 200 g auch mächtig ins Zeug legte. Aber heute nutzt Krischan Käptns Zögerlichkeit aus und zieht an seiner Lee-Seite vorbei, was ein ziemlich cooles Manöver ist. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt, die Rempeleien der beiden mit wechselndem Ausgang beobachten wir ja schon länger.

Was hat uns also die Waage heute zu berichten?

Kini 5280 (+220), Korbi 5210 (+290), Koschi 5150 (+100), Klecks 4950 (+220), Kuno 4760 (+150), Krischan 4660 (+140) Käptn 4630 (+100) und Kathi 4420 (+130), das ergibt 1350 Gramm mehr und ein Durchschnittsgewicht von 4882 Gramm.

Und was lernen oder schließen wir daraus? Nun, dass 1350 Gramm erstaunlich wenig sind, weil es zwischen den Hauptmahlzeiten immer wieder Pansenstangen und reichlich Leckerli von Besuchern gab. Vermutlich sind die Hühnerhälse, die es gestern Nachmittag gab, doch deutlich weniger gehaltvoll als die diversen Rindermahlzeiten. Dafür haben sie die Hälse exzellent verdaut, denn morgens zieren kaum Verdauungsrückstände die Küche und die wenigen sind kompakt und ansehnlich.  

 M3A4738 1 250Unsere Welpen genießen Besuch - hier begrüßt Klecks Onkel GismoBleiben wir noch einen Augenblick beim Essen, schließlich dreht sich im Leben fast alles darum. Heute Nachmittag servieren wir erstmals Dosenfutter: Hähnchen, 800 Gramm, dazu Rübenmix von Lunderland und einen Erbsen-Möhren-Stampf. Lecker! Abends, zum Platinum Puppy (jetzt wieder mal in den Futterringen), weht zünftige bayerische Blasmusik aus der Nachbarschaft herüber und macht die Zwerge heimatfest, egal wo sie sich demnächst herumtreiben werden. Und wer fest verwurzelt ist, schlägt auch anderswo leichter Wurzeln, weil ihm seine eigentlichen Wuzeln festen Halt in allen Lebenslagen geben. Es ist wie mit Fremdsprachen: Wer die Muttersprache nicht beherrscht, wird es in keiner Fremdsprache weit bringen. Man sieht, wir scheuen keine Mühen, den Knirpsen alles Denk- und Machbare für die Zukunft mitzugeben.

Wenn wir schon über Heimat und Fremde sprechen, ist jetzt der große Augenblick gekommen, die gerade heute beschlossene Verteilung der Knirpse bekanntzugeben.

Käptn geht nach Meitingen, in die Nähe von Augsburg. Klecks verramscht seinen grünen Fleck und wird rot-weiß-rot: Er geht nach Guntramsdorf in Niederösterreich. Korbi zieht es 130 km nordöstlich von Budapest in einen Ort, dessen Namen wir hier nicht buchstabieren müssen, jedenfalls auf einen Bauernhof mit Schweinen, Schafen und Hühnern, wo sich Himmel und Erde in der Puszta vereinigen. Dort kann er checken von morgens bis abends. Kini wird Hesse und zieht nach Wetzlar, Koschi hat sich Freiburg ausgesucht, Kuno bleibt in Holzkirchen, ganz in der Nähe seiner Wiege, Krischan zieht es nach Hardissen, Westfalen-Lippe und Kathi wandert in den Nahen Osten, nach Dessau, aus. Liebe Knirpse, wir versprechen euch, wir haben euch alle nach bestem Wissen und Gewissen bestens untergebracht.

 M3A4692 1 250Käptn gegen die gelben Riesenschlangen von obenEigentlich  M3A4831 1 250Klecks inspiziert die neue Brückeist damit unsere Mission erfüllt und wir könnten unsere Bemühungen einstellen, denn nun sind alle vergeben und alles, was jetzt noch kommt, ist gewissermaßen vergebens. Dennoch, wir können halt nicht anders, lassen unsere Knirpse nicht im Stich und beliefern ihren Vergnügungspark mit neuen Herausforderungen und Spaßkram, z.B. Schrägrampen mit Dachpappenbelag und hölzernem Spaltboden (eventuell für Korbi wegen der Schweine interessant). Auch diese Rampen werden sofort unter die Lupe und die kleinen Läufer genommen. Abstürze sind einkalkuliert und scheinen sogar Lust auf mehr zu machen. Dazu kommen gelbe Flatterbänder, in denen sich schon Generationen von Blues-Welpen verknotet haben wie seinerzeit Laokoon mit seinen Söhnen. Nur zum Todeskampf ist es bei uns noch nie gekommen und wird es auch nicht. Neugierig machen diese Flatterdinger auf jeden Fall, und ihre Widerstandsfähigkeit wird auch unverzüglich auf die Probe gestellt.

Ob es heute noch Sinn macht, übers Wetter zu sprechen? Eher nicht. Zwischen 1 °C morgens und 4 °C nachmittags bewegt sich nicht viel, noch nicht einmal der dumpfe Hochnebel. Tatsächlich ist von Lenz noch nichts zu sehen, aber das Licht, das Licht ist wieder da. Über eine Stunde ist der Chronist nachmittags mit seinen Mädels unterwegs, und als er um gegen 18 Uhr heimkehrt, tut er das immer noch bei Tageslicht. Er hat es euch an Lichtmess versprochen: Jede Woche 21 Minuten länger…

 

Montag, 6. März 2023

Heute steigen wir etwas später aus der Schlummerkuhle, weil die Zucht- und Schulmeisterin montags schulfrei hat, aber 6:15 Uhr ist für acht Welpen schon viel zu spät. Zur Strafe duften 16 Verdauungsreste in der Küche, umrahmt von ur(in)igen Teich-Arrangements. Unzeitigen Müßiggang straft der Herr eben sofort, schließlich legte er fest, dass man am siebten Tag, nicht am ersten ruhen soll. Das haben wir nun davon.

Zudem hat der Hundertjährige mehr recht als uns lieb sein kann: knapp im Minus das Thermometer, Hochnebel und ganztägig sehr unangenehm frisch. Aber egal wie unwirtlich ein Tag beginnt, Hedda bittet ihre Kinder immer noch jeden Morgen zur Tränke. Das grenzt schon fast an Selbstverleugnung, und wir denken darüber nach, ihr einen schicken Body anzuziehen.

Mit diesem könnte sie außerdem so eine bella figura machen, dass sie sogar Michelangelo in Marmor hauen würde, dem der Chronist diese etwas ungelenke Überleitung schenkt, weil er heute Geburtstag hätte. 548 Jahre wäre er geworden. Und auch Jakob Fuggers Geburtstag jährt sich heute zum 564. Mal. Der hätte die Kohle gehabt, unsere Marmorgöttin zu erstehen. Ist ja nicht so wichtig... Wichtig ist, wie es unseren Kindern geht, und das offenbart sich nicht an deren Unverkäuflichkeit, sondern auf der Waage.

Dort zeigt sich Koschi stark erholt und macht sich schon wieder bis auf 50 Gramm an Kini ran. Dass da vorne noch längst nichts entschieden ist und jeder noch irgendeine Taktikvariante im Ärmel hat, sollte uns nicht überraschen. Aber dass der Käptn immer noch nicht gemerkt hat, dass ihn Krischan leeseits abwienerte und weiter vor sich hinträumt, zeugt entweder von sitzfleischigem Null Bock oder von maximaler Gelassenheit: abgerechnet wird am Ende. In der Tat, aber mit 20 Gramm wird er am Ende nicht viel Kleingeld zum Abrechnen haben. Krischan macht sich dagegen auf, in die Phalanx der Diadochen einzudringen, jedenfalls hat er Kuno schon eingeholt. Von der Kopfnote jetzt also zu den unbestechlichen Zahlen:    

Kini 5450 (+170), Koschi 5400 (+250), Korbi 5380 (+170), Klecks 5150 (+200), Krischan 4880 (+220), Kuno 4880 (+120), Käptn 4650 (+20) und Kathi 4620 (+200). Das macht einen Zugewinn von 1350 Gramm und ein Durchschnittsgewicht von 5051 Gramm.

 M3A4918 1 250Immer noch liebster Schlafplatz: Koschi im Freiland-HundebettDa heute Janitschek zu Besuch ist, der Kobold mit der Himmelfahrtsnase aus Heddas erstem Wurf, ist das eine gute Gelegenheit, frühere Welpen mit den aktuellen zu vergleichen. Und dabei fällt auf, dass die Knirpse in der Tat ziemlich anders sind. Das beginnt schon mit ihren Schlafgewohnheiten. Alle zehn Vorgängerwürfe schliefen auf der Terrasse vornehmlich in der schwarzen Kunststoffwanne, eng zusammengekuschelt. Schneewittchen bittet dagegen ihre sieben Zwerge immer in das einen Meter daneben stehende grüne Matratzenbett, auf dem früher vornehmlich die Besucher Platz nahmen, wenn das Wetter es hergab. Und sie kuscheln sich nicht eng zusammen, sondern lagern locker und weitschweifig, weil die Matratze das auch ermöglicht. Wer gibt das Kommando für ein solch außertourliches Verhalten? Was hundert Welpen für gut befunden haben, kann doch nicht plötzlich schlecht sein.

Eine ganz unbeliebte Angewohnheit beim Personal ist die Vorliebe für Fußbodenleisten, die den Vorgängern meist egal waren. Auch die Neigung, Wände anzuknabbern findet wenig Gegenliebe und kam bislang im Verhaltenskodex nicht vor. Andererseits haben die Knirpse nicht nur negative Vorlieben und Interessen. Das Flaschenregal blieb bis auf wenige Augenblicke großer Langeweile bislang unbeachtet. Zum aktuellen Zeitpunkt waren dort früher längst keine Flaschen mehr gelagert. Auch die Gemüsekörbe im Küchenblock bleiben noch immer ohne Schäden. Immerhin schreiben wir schon das Ende der siebten Woche, da waren die Körbe längst im Keller und der Küchenblock war zum Nachtlager der Welpen umfunktioniert worden. Wir werden sehen, ob sich in dieser Hinsicht noch etwas tut.   

Der smarte Janitschek äußert sich dazu nicht, er ist ja schließlich in den vergangenen zwei Jahren zu einem perfekten Wiener Gentleman gereift. Dabei ist er immer noch ein liebenswertes Schlitzohr geblieben, das die Knipse unwiderstehlich anzieht. Doch der Jani zieht den Umgang mit seiner Mama und Oma vor. Am innigsten ist jedoch seine Zuneigung zum Assi, dem er seine wochenlange Fürsorge bis heute nicht vergessen hat. Schon immer waren die beiden eine Herz und eine Seele, und alte Liebe rostet wirklich niemals.  

 M3A4876 1 250Kini findet den Lammknochen superleckerDann hat die Zuchtmeisterin eine zündende Idee: Sie bringt fünf Lammknochen ins Welpenparadies, ordentliche Brocken zum Abarbeiten. Und die bringen richtig Leben in die Bude. Auch heute outen sich Kleptomanen und Egomanen, zumal nur fünf Knochen für acht Knirpse im Ring liegen. Besonders tut sich schon wieder der Käptn hervor. Möglicherweise ist ihm die kleine Schelte wegen seines Gewichts heute Morgen nicht entgangen und er will nicht als Käptn Null Bock in die Annalen des Blues eingehen. Er lässt, wie schon mit der Hühnerkralle, nichts anbrennen und verteidigt seinen Knochen mannhaft.  M3A4873 1 250Korbi sichert seine Beute erfolgreich abErst als ihm Kathi so auf den Leib rückt, dass er seinen Knochen zu dessen Verteidigung verlassen muss, ist Korbi zur Stelle und verzieht sich als Kriegsgewinnler ins Tunnel, wo er lange unbemerkt seinen Knochen aufarbeitet. Selbst als die anderen ihn entdeckt haben und von beiden Seiten ins Tunnel kläffen, bleibt er ruhig, knabbert und nagt und ranzt unmissverständlich nebenbei zurück. Aber sie können ihm dort drinnen nichts anhaben, ohne Opfer seines Zorns zu werden.

Wir lösen die Situation auf, indem wir ihnen ihr Nachmittagsmahl liefern, roher und ungewaschener Pansen mit Erbsen-Möhren-Stampf. Als jetzt der Matze-Matze-Ruf erklingt, kommt sogar Korbi aus seinem Tunnel und stürzt sich auf die leichtere Beute. Es ist Wahnsinn, wie sich Welpen in diesem Alter schon zurechtfinden und durchs Leben schlagen können.

Um 22 Uhr klingt dann ein schöner Tag besch…eiden aus: Käptn schießt einen dünnen braunen Strahl in den Transit. Das viele Lamm war für ihn vermutlich eine doch zu fette Beute. Die anderen bleiben noch bei fester Losung.

 

Dienstag, 7. März 2023

Durch Schleierwolken schielt ein fahler Mond am frühen Morgen. Es bleibt auch bei dem kleinen Tanz um die Null-Grad-Marke: heute 1 Grad Plus. Doch schon vormittags löst die Sonne den Mond ab und lächelt statt seiner frühlingsfreundlich durch die Wolken. Und die 7 °C nachmittags fühlen sich schon eher vorfrühlingshaft an.  

Dem Sang und Klang des Vorfrühlings und seiner Boten zum Trotz, herrscht in der Küche eine submaximale Sauerei: Eine große, aber nicht mehr genau zu bestimmende Anzahl von ausgedehnten Darmlachen. Und dann dieser Geruch, der durchs ganze Haus wabert, als die Zuchtmeisterin um 5 Uhr die Küchentür öffnet. Mit Routine können wir diesem Zustand heute nicht mehr Herr werden. Klaglos und guter Dinge trägt der Assi die Bürde des Kloakenarbeiters, weil seine Kinder ebenso flott wie ihr Stuhl durch ihr Gartenparadies toben: die sind von eins bis acht putzmunter. Aber das fette Lamm hat sie jetzt fast alle im Griff. Wer noch nicht ergriffen ist, ist derzeit nicht festzustellen.  

Auch die Gewichte liefern keinerlei Anzeichen von diarrhöherer Auszehrung:

Kini 5700 (+250), Koschi 5620 (+220), Korbi 5570 (+190), Klecks 5400 (+250), Kuno 5200 (+320), Krischan 5010 (+130), Käptn, 4910 (+260) und Kathi 4780 (+160). Summe = 1780 Gramm und Gesamtgewicht = 5273 Gramm.

Sieht so Auszehrung aus? Die Knirpse rasen ohne Tempolimit durch den Garten über Block und Rampen, alle mit Vollgas und Hollaraidulliö. Schei.. auf Diarrhö!

 M3A5108 1 250Wieviel Hovawartwelpen passen in ein Bällebad?Damit sie sich nicht langweilen müssen, wird der Garten nun endausgebaut: Bällebad, Kettengalgen, Pendelschaukel am Apfelbaum und Konterleder am Ginko. Alles wird sofort inspiziert und die ordnungsgemäße Anbringung kontrolliert. Bevor wir alles an Ort und Stelle ordnungsgemäß platziert haben, ist das Bällebad bereits ausgeräumt und die vielen bunten Smarties verteilen sich im ganzen Garten. Diese Knirpse haben einfach keine Scheu vor gar nichts. Die Rampen rennen sie nach Lust und Laune rauf und runter, und die Schwingschaukeln stehen ihnen bei der Hetzjagd bestenfalls im Weg. Das sind Riesenknirpse! Wahnsinnswichtel. Wow…

Nur der Flotte Otto lässt sich von ihnen nicht unterkriegen. Er hält sich hartnäckig. Einmal scheint einer durch zu sein, dann fängt ein anderer damit an. Abends kommt es zu einer Spritzeinlage in der Küche. Also müssen alle raus, sonst kann das Malheur nicht beseitigt werden. Einige finden es supergut, nachts draußen herumzurangeln, andere wollen wieder in die Höhle. Das geht nicht ohne Gezeter ab. Macht man es den einen recht, zetern die anderen. Und umgekehrt. Es lässt sich nicht übersehen, dass es langsam endzeitlich wird. Die kleinen Herrschaften haben nicht nur einen dicken Po, sondern inzwischen auch einen dicken Kopf. Gegen unerfüllte Wüsche wird lauthals protestiert. Es wird psychologisch. Logisch…

Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die siebte Woche.

 

 

Mittwoch, 8. März 2023

Es ist freundlich bei wolkigen 1,5 °C, als wir am frühen Morgen aus den Federn kommen.

Überhaupt nicht freundlich ist der Zustand unseres Nachtasyls für Knirpse: Flitzekacke wohin das Auge reicht. Der dem Schlafteil abgewandten Teil der Küche ist ein fast durchgängiger Moorsee. Der Gestank ist widerlich, vermischt sich aber beim Öffnen der Fenster mit der Jauche, die die Bauern gestern auf die Felder brachten. Es ist eine Art systemischer Duftausgleich, was man rauslässt, kommt auch wieder herein. Ein amerikanisches Sprichwort besagt, dass man ein Stinktier nicht überstinken könne, was vom Bairischen Blues mit Leichtigkeit widerlegt wird. Die Knirpse schaffen es in einer einzigen Nacht, das notorische Stinktier „Vagener Landmann“ auf Eau de Cologne-Niveau zu reduzieren. Über eine Stunde zieht sich die Putzroutine des Assi heute hin, obwohl schon die Zuchtmeisterin einen großen Müllbeutel mit durchweichtem Küchenkrepp befüllt hatte.    

Freunde, ihr solltet uns jetzt nicht bedauern und nebenbei das Näschen rümpfen, sondern auf den alternden, brüchig gewordenen Kniescheiben für unseren Opfergang danken. Dieses tun wir nämlich für euch alle! Wir nehmen die Bürde und Schlechtigkeit der Welt auf uns, um euch darmstabile Knirpse zu übergeben. Jede Futteränderung bringt den kleinen Verdauungsapparat an seine Grenzen – und schiebt sie weiter hinaus. Wir waten im Kot, damit ihr ohne Kotflügel auskommen könnt. Wir beanspruchen für uns den Ehrentitel „Mutter und Vater Teresa der Darmkonditionierung“. Das bayerisch weiß-blaue Habit ist dabei Programm und Versprechen.

Zurück zum Ausgang unserer kleinen Abschweife. Wir sind schon ein wenig überrascht über den Zustand unserer Küche, denn gestern Abend waren noch die meisten Darmseligkeiten von stabiler bis strukturweicher Konsistenz. Und nun das! Aber es wäre Zeitverschwendung, darüber nachzudenken, worin die Ursachen liegen. Sie können sehr unterschiedlich sein, liegen jedenfalls nicht auf der Hand. Und das, was an den Fingern hängt, gibt keine Auskunft. Solange es den Knirpsen so gut geht, alle teufelsmunter sind, nicht in den Seilen hängen und kräftig zunehmen, können wir uns die Ursachenforschung sparen. Der Chronist hält sich in dieser Hinsicht an das (nicht immer) hilfreiche Motto seiner Oma: Ist von selber gekommen, wird auch wieder von selber gehen. Dennoch zieht die Lage eine unbedingte Konsequenz nach sich: Der Assi hat heute strengen Hausarrest. Denn bei Abwesenheit müssen die Zwerge mit ihrem Schneewittchen ins Haus. Und das sollte man unter diesen Umständen tunlichst vermeiden.          

 M3A5031 1 250Draußen kuschelt es sich wunderbar - findet auch KathiSchon jene 20 Minuten, in denen der Assi die Schul- und Zuchtmeisterin zur Bahn bringt, belegen die Richtigkeit dieser Analyse: Zwei mächtige Teiche in der Küche und ein abgefriemeltes Klebeband des Bodenbelags im Transit begrüßen ihn bei seiner Rückkehr. Man kann es ihnen nicht übelnehmen; sie fühlen sich fit und könnten die Welt auf den Kopf stellen, und müssen nun ihrer Energie unfreien Lauf lassen. Die Knirpse wollen hinaus in die Freiheit. Und als sie dann draußen sind, kuscheln sie sich sofort zusammen und wiegen und knarzen sich gegenseitig in ihre Träume. Uns wird ganz bange vor dem angesagten Schlechtwetter. Wir meinen nicht den hundertjährigen notorischen Schwarzseher, sondern die Isobarendeuter vom Deutschen Wetterdienst.   

Wie der Tag beginnt, so setzt er sich fort: Alles dreht sich mehr oder weniger um die Beobachtung und Bewältigung der Leckagen. Der Assi schafft es jedoch nicht, den ganzen Tag mit der häuslichen Betreuung der Knirpse zuzubringen; er muss zweimal aus dem Haus, um die Kinder auch morgen art- und bluesgerecht versorgen zu können. Doch die Horrorszenarien, die bei der jeweiligen Rückkehr vor seinem geistigen Auge aufsteigen, lösen sich schnell in Frohgemut auf. Beim ersten Mal begrüßten ihn zwei kleine Teiche, das zweite Mal sogar nur einer. Da weitet sich das Herz und der Mut lugt schon wieder hinter den Bedenken hervor.

Über die Berichterstattung des gastroenterologischen Zustands der Zwerge haben wir die Gewichtsreportage völlig aus dem Blick verloren. Um diesen doch einigermaßen verrückten Zahlen die ihnen zustehende Aufmerksamkeit einzuräumen, sortieren wir sie diesmal nach Gewichtszunahme von oben nach unten:

Kathi 5160 (+380), Käptn 5220 (+310), Klecks 5620 (+220), Krischan 5220 (+210), Korbi 5700 (+130), Kini 5800 (+100), Koschi 5690 (+70), Kuno 5270 (+70). Von den erwirtschafteten 1490 Gramm gehen allein 900 Gramm aufs Konto der Leichtgewichte Kathi, Käptn und Krischan. Von den Kraftpaketen konnte nur Klecks die gewohnten Erwartungen erfüllen. Koschi und Kuno bleiben deutlich unter ihren Möglichkeiten. Das Durchschnittsgewicht steigt heute auf 5460 Gramm.

Eine solche Leistungsspreizung lässt sich kaum interpretieren. Eine nachvollziehbare Erklärung wäre, dass die Schmalbrüstigen an den Futterschüsseln besser zum Zuge kommen, als wenn sie an den Ringen ständig von den Boliden weggerempelt werden. Das erklärt aber nicht, wer den strammen Maxen die Nahrungsaufnahme vermiest hat.

 M3A4947 Bearbeitet 1 250Gymnastik mit Onkel GirglHeute ist Girgl aus unserem G-Wurf zu Besuch. Girgl ist neben Gismo (Gosh), der den Knirpsen auch schon seine Aufwartung machte, vermutlich der denkbar beste Knirpsenonkel, den man sich vorstellen kann. Schon bei den vorangegangenen Würfen macht er sich um die Kinder sehr verdient. Er hat einfach einen Riesenspaß mit den Kleinen und ist damit ein weißer Rabe unter den Rüden, denn erwachsene Rüden finden Welpen bestenfalls zum Speien und geben Fersengeld, so hoch und weit sie von ihren Beinen getragen werden. Aber diese beiden, und vor allem Girgl, können gar nicht genug kriegen vom Knirpsengeplänkel. Es stört ihn nicht, wenn sich mehrere an seine Rute hängen und durchs Paradies zerren lassen, er wird noch nicht einmal panisch, wenn ihm ein Knirps an seine einzige Zitze geht. Eine geschmeidige Bewegung bringt diese aus der Gefahrenzone und das Spiel geht weiter. Girgls unbändige Begeisterung für Kinder hat allerdings auch unappetitliche Folgen: Er speichelt und schlonzt herum, dass alles, was in seine Reichweite gelangt, anschließend in die Wäsche muss. Ein normales Handtuch saftet er quasi im Vorübergehen durch.

 M3A4956 1 250Regenpause genutzt und ausgiebig gespieltIm Laufe des Tages wird es immer wärmer, nachmittags steigt das Thermometer auf über 10 °C. Glücklich macht das trotzdem nicht, weil abends Regen einsetzt. Und jetzt wollen die kleinen Warmduscher plötzlich nicht mehr raus! Was ist denn nun los? Sonst können sie es nicht ertragen, im Hause kaserniert zu sein und nun stehen sie unter der Terrassentür und denken nicht einmal an ein kleines Abend-RoundUp.

Folgenlos bleibt das für die Nachtschicht des Assis erwartungsgemäß nicht. Er hat einige Restbestände zu beseitigen, die meistens strukturiert weich sind, darunter jedoch nur ein wirklich breiiger Output. Wem der zuzuordnen ist, bleibt Geheimnis der Knirpse. Sicher ist nur, dass Käptn, der erste und größte Scheißer, auch wieder fester wird.

 

Donnerstag, 9. März 2023

Nachts fegt ein heftiger Sturm mit querfliegendem Regen durchs Mangfalltal. Und dieses atlantische Sturmwetter hält auch den ganzen Tag über durch. Unter solchen Bedingungen kann sich noch nicht einmal der lenzophile Chronist mit den 10 °C schon frühmorgens anfreunden.

Für unser Welpenparadies bedeutet dieses Atlantikwetter, dass nun alles, was noch nicht verteilt war, verteilt ist oder durch die Luft fliegt. Was der Arbeitsplatzbeschreibung des Assis ein neues Topic hinzufügt: Flugobjekte sichern und scharen. Diese von Natur aus anspruchsvolle Verrichtung wird von den Knirpsen tatkräftig begleitet, also veranspruchsvollert, indem man etwa die soeben zusammengescharten Bälle des Bällebads mit Vergnügen wieder aus diesem heraustaucht. Als der Assi schließlich doch zu einem allseits befriedigende Ergebnis gekommen ist, finden die Knirpse überhaupt keinen Gefallen mehr am windigen Geschehen und ziehen sich in ihr Bett zurück, das unter diese Bedingungen heute doch die etwas schützendere Wanne ist.

Doch dann pfeilt wieder Regen ins Revier, also müssen die noch nicht windfesten Kleinen unter Dach und Fach, weil der Regen so quer daherfliegt, dass auch die gesamte Terrasse mitsamt der Kuschelbetten unter Wasser gesetzt wird. Jetzt, den Windgeistern entronnen, toben sie sich nach Herzenslust aus, behindern vielbeinig und vielstimmig unsere Frühstücksvorbereitungen, hängen uns an den Beinen und haben sichtlich Spaß am schaurigen Geschehen. Da die kurzen Wege konsequent und sehr clever zugelagert sind, machen wir bei jedem Gang ausgreifende Umwege. Auch die Transittüren sind belagert, was zur Erkenntnis führt: Steigt man mit Frühstück über die Transitgitter, droht ein Sturz, nutzt man die belagerten Türen – auch. Wer hätte jemals gedacht, dass man kein großes klassisches Szenario braucht, um an einem unauflösbaren Konflikt zu scheitern?   

Erst als im Laufe des Vormittags das Thermometer langsam steigt, der Regen für die Sonne Platz macht und nachmittags 15 °C erreicht werden, strahlt der Chronist wieder (Erinnerung an den Hundertjährigen: 8.-17.: sehr kalt, obwohl kein Schnee liegt). Das vergeht ihm jedoch fix wieder, als er seine Mädels ausführen will (soll) und dabei vor lauter Weststurm kaum vom Fleck kommt und seine Mädels windverknotete Ohren und dennoch jede Menge Spaß haben. Da hat der Spaß für den Allesbe- und umsorger ein Riesenloch. Schluss für heute, mes cheries, Geschäfte erledigt: Amies, go home! Wir drehen um. Als er dann auf dem Rückweg kaum noch die Bremse findet, die verhindert, dass er über die zulässigen 50 Km/h gen Auto geweht wird, wünscht er sich wieder ein miserables Spätwinterwetter zurück.

Die gastroenterologische Morgendiagnose ergibt um 5:30 Uhr: drei Teiche, zwölf Häufchen, die meisten strukturiert, aber nicht fest. Später, während der Aufräumarbeiten im Paradies, kann sich der Assi schon wieder an deutlich stabilerem Output erfreuen, was ihn die gesamte Spezialoperation „Rammadamma“ (für Exobavaresen: Wir räumen auf) leichter von der Hand gehen lässt.   

Gar nicht leicht von der Hand, sondern eher schwer geht die Routineoperation „Waagschale“ am frühen Morgen: Für Koschi musste sich die Zuchtmeisterin beinahe zur Wuchtmeisterin umschulen oder einen Flaschenzug installieren lassen. Der Bursche hat an einem Tag fast ein halbes Kilo zugenommen!

Koschi 6170 (+480), Kini 6160 (+360), Korbi 6040 (+340), Klecks 5940 (+320), Kuno 5570 (+300), Krischan 5400 (+180), Käptn 5220 (0), Kathi 5180 (+20). Die Wuchtbrummen legen zusammen mit ihren Federgewichten somit 2000 Gramm zu und erreichen ein Durchschnittsgewicht von 5710 Gramm.

Die Zwölfpfünder haben aber noch mehr erreicht: Sie könnten wir bereits heute an ihre neuen Besitzer ausliefern, denn das Abgabegewicht muss mindestens sechs Kilo betragen.

 M3A4981 1 250Koschi bringt das Wackelbrett in Schieflage - bei dem Gewicht 😊Gute Güte, was für ein Bullenrennen. Mit diesem Gewaltakt hat Koschi den Kini wieder abgelaufen. Auch die Verfolger specken auf, was die Schwarte hält und als ob sie sich für einen langen, kalten Winter wappnen müssten. Am hinteren Ende regiert dafür Schmalhans. Käptn war der erste Durchfaller und hat seither am längsten damit zu kämpfen. Dann muss man sich nicht wundern, wenn an das Kerlchen nichts hinwächst. Man weiß ja, dass der Eimer nicht voll wird, solange unten ein leckes Loch ist. Auch Kathi quälte sich mit dem Darmgestöber, aber eigentlich recht moderat, insofern wären etwas mehr als die 20 g schon möglich gewesen. Krischan, der andere Hauptscheißer, zeigt sich dagegen sehr abwehrbereit.

 M3A4986 1 250Tüftler und Entdecker KrischanKrischan ist auch diesseits der Diarrhö ein besonderes Kerlchen. Der Chronist beobachtet ihn heute auf der blauen Wippe, wie er auf deren Scheitelpunkt steht und einen Schritt nach rechts macht. Die Wippe neigt sich zur Seite, Krischan denkt und macht einen Schritt nach links. Die Wippe senkt sich zur anderen Seite. Krischan grübelt, tritt wieder hinüber, die Wippe gibt nach, Krischan denkt… etwa zehnmal wiederholt Krischan sein Experiment, bis er wohl den Schlüssel zum Geheimnis gefunden hat und genug weiß. Kurz darauf hockt er auf der gelb-roten Schaukel und knabbert sich das gesamte Gestell entlang, leise, nicht grob, nur so, als wolle er die Holztextur mit der Zunge erfühlen. Krischan ist zweifellos der Tüftler und Ingenieur im Knirpsenland.

1M3A4879 1 250Lustiges Spiel rund um die BoxNach getaner Gartenarbeit geht die Hatz im Hause weiter. Wir haben ihnen dafür inzwischen eine Gitterbox in die Küche gestellt, die sich seither größter Beliebtheit erfreut. Diese Gitterbox besitzt an der Front- und Längsseite jeweils eine Tür, was einem tollen Ringelreihen Tür und Tor bei offenen Türen öffnet. Aber gelegentlich legt sich darin auch eine(r) zur Ruhe. Dafür haben wir sie aufgestellt, dass die Knirpse sich an eine solche Box gewöhnen können, falls sie in ihren neuen Familien mit etwas Vergleichbarem konfrontiert werden. Solche Kisten sind eine sehr empfehlenswerte Anschaffung, um einem Welpen oder Junghund ein Séparée zu bieten, in dem er zur Ruhe kommt und sich geborgen fühlt.

 

Freitag, 10. März 2023

Für den knapp bemessenen Freitagmorgen geben sich die Knirpse richtig viel Mühe, ihn uns nicht zu sehr zu versauen: drei Häufchen nur. Was seid ihr lieb!

Knapp ist auch die Temperatur um 4:30 Uhr: 1,5 °C bei klarem Himmel. Um 6 Uhr steigt die Sonne orangefeuerrot hoch, doch aus dem Westen drohen schon wieder schwarze Wolken, die ahnen lassen, dass das Vergnügen nur ein kurzes sein würde. Mittags ist es dann soweit: schwerer Regen und Sturm.

Der Stuhlgang der Knirpse ist jetzt überwiegend wieder fest, und als Folge dieser Genesung haben sich auch die Gewichte schön entwickelt:

Kini 6500 (+340), Koschi 6450 (+280), Korbi 6350 (+310), Klecks 6070 (+130), Kuno 5770 (+200), Krischan 5720 (+320), Käptn 5520 (+300), Kathi 5330 (+150). 2030 Gramm verkünden eine frohe Botschaft von überwundenen Verdauungsproblemen.

1M3A5075 1 250Der Pansen vom vorherigen Tag hat bei Kini wohl gut aufgepolstertNun hat sich also Kini wieder an die Spitze der Zwergenkarawane gesetzt. Klecks erleichterte sich gestern noch dünn, weswegen er zum Gesamtumsatz wenig beisteuern konnte. Krischan dagegen erhebt kraftvoll Ansprüche, in die Reihen der Großen aufgenommen zu werden.

Trotz der gerade erst überstandenen Darmexzesse müssen wir nach vorne denken und all das ins Werk setzen, was gesetzt werden muss. Dazu gehört die dritte Entwurmung. Die wird heute vollzogen, allerdings in ihrer denkbar rücksichtsvollsten Form: eine Tablette Milbemax in Leberwurst verpackt. Und dann war es das - Ende der Wurmkur. Ob uns der milde Max dann wieder einen flotten Otto beschert, bleibt geduldig abzuwarten.

 M3A5196 1 250Papa Kuno zu BesuchEigentlich könnten wir die Chronik dieses doch eher betulichen Tages schließen, wenn, ja wenn nicht Papa Kuno aus der Pfalz angereist wäre, um seine Lendengewächse zu begutachten. Die Begutachtung ist jedoch so eine Sache, gänzlich ohne Begeisterung vorgetragen, wie man es von den meisten Rüden kennt: Soll mal die Mutter machen. Kuno bleibt lieber auf Distanz und pflegt dafür die innige Freundschaft mit uns. Die ist ihm erheblich wichtiger als die nervigen lieben Kleinen.

Die Familienaufstellung wird komplettiert, indem auch Papa Lando, der von Heddas J-Wurf, aus Niedersachsen angereist kommt, eher nicht, weil er an seinen Nachfolgergewächsen interessiert wäre, sondern weil seine Leute ein paar Tage in Bayern Urlaub machen und ihre Neugier über die Knirpse befriedigen wollen. Wir freuen uns, dass beide da sind, egal warum. Seid herzlich willkommen alle zusammen und fühlt euch wohl beim Blues und in Bayern.  

 M3A5092 1 250Schnell nochmal richtig Krach mit der Klappersocke machen, bevor es wieder rein geht: Klecks, Kuno und KorbiWeil es richtig stürmisch ist, sind die Knirpse abends zum größten Teil im Haus, außerdem haben sie heute viel und ausgiebig geoutdoort, weshalb sie rechtschaffen müde sind. Und so ruhen sie leise zuckend, jede(r) am Lieblingsplatz, gekuschelt oder seulement, ein Bild des inneren und äußeren Friedens, das irgendwann sogar die Gespräche mit unseren Gästen zum Stillstand bringt.

Frieden ist, wenn man sich unbesorgt zum Schlafen legen kann.

 

Samstag, 11. März 2023

Es schlägt 3 Uhr und Hedda will zu ihren Kindern, die in der Küche krähen und jammern. Wir haben es geahnt oder sogar befürchtet, dass es so kommen würde, denn die Knirpse waren gestern Abend zu lange friedlich und haben sich kaum noch bewegt. Jetzt sind sie ausgeschlafen und munter. Es ist das Vorrecht der Zuchtmeisterin, komplexe Gefechtslagen zur Chefinnensache zu machen. So stapft sie denn zwischen mutig und missmutig die Treppen hinunter, lüftet die Knirpse im Garten, die draußen kaum von sich hören lassen, beseitigt sechs Häufchen und legt das Revier trocken. Um 3:30 Uhr hat alles wieder seine Ordnung, die Zwerge werden herein und die Mutter nach oben gebeten. Ende des Intermezzos. Bis 6:30 Uhr herrscht nun wieder mümmelnder Frieden in den Gemächern des Bairischen Blues. Und die Chefin hat sich um den Seelenfrieden des Assis sehr verdient gemacht und damit dem anstehenden Samstag einen fröhlich-ausgeglichenen Assi geschenkt.

Die morgendlichen Routinen erweisen sich als unspektakulär, schließlich wurden größere Restbestände schon nachts entsorgt. Ein wenig sind wir dann aber von den Gewichten enttäuscht, schließlich gibt man sich größte Mühe den Knirpsen genug Substanz mit auf den Weg zu geben und dann honorieren die das nicht in erhoffter Weise. Es geht einfach nichts ab auf der Waage; einen kleinen Aufreger wünscht man sich schon insgeheim, so ein yeah und wow am frühen Morgen. Das stellt sich jedoch nicht ein, wenn zum zefixten Mal Koschi und Korbi die Plätze wechseln, Klecks und Kuno hinterherdackeln, Krischan tapfer den Anschluss hält, und auch dann nicht, wenn es Kathi wieder einmal gelungen ist, den verträumten Käptn in einer Schaffensflaute auszumanövrieren. Und ob sich dann Kini als Sonnenkönig behauptet oder nicht, haut den Korken auch nicht aus der Schampusflasche. So ist das mit den Routinen: Irgendwann sehnt man sich nach einer little big sensation. Die kommt aber meist nur infolge eines kleinen Dramas - worauf man auch wieder gut verzichten kann. Die Welt ist sowas von uncool! So liefern wir eben das unterkühlte Ergebnis von heute Morgen.     

Kini 6650 (+150), Korbi (+190), Koschi 6500 (+50), Klecks 6270 (+200), Kuno 5880 (+110), Krischan 5810 (+90), Kathi 5680 (+350), Käptn 5620 (+100). Das macht 1240 Gramm und 6118 Gramm im Durchschnitt. 1240 g verteilen sich als 155 g auf jede Knirpsennase. Da stopft man denen morgens einen Eimer Milch mit Hüttenkäse und Eier in den Schlund, mittags 800 Gramm hochenergetisches Welpenmus, nachmittags ein knappes Kilo Fleisch mit Beilagen und abends nochmal 800 Gramm Welpenbrei, und dann extrahieren die daraus nur 155 Gramm pro Nase. Was machen die mit der ganzen teuren Energie? Sind das etwa Prepper, die sich die Hälfte beiseitelegen für schlechte Zeiten? Wenigstens Kathi muss sich vom Chronisten nichts vorwerfen lassen. Gut, dass der Große Hund uns zum Schluss noch eine Kathi geschenkt hat, wer weiß, wie die Statistik mit einem achten Kerl aussehen würde.  

Heute dreht sich aber alles um Papa Kuno, nicht um die unterperformenden Knirpse. Der Papa ist nicht nur gekommen, um seine Kinder zu begutachten (was er dann nachhaltig vermeidet), sondern vorrangig, um sich deren Abnehmern in vorteilhaftem Licht zu präsentieren. Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Baum, und so soll ein Abglanz des schicken Vaters auf die Kinder fallen. Die Sache hat nur einen Haken, den wir Kuno nicht mitteilten: Es sind kaum Abnehmer da, weil die weit verstreut residieren und den langen Weg nicht antreten wollen, um einen Vater zu begutachten, dessen Kinder – zweitens – sowieso schon alle verkauft sind. Ein Rückgaberecht wegen eines, wie seine Kinder, lustlos performenden Vaters ist nicht vereinbart. So bleibt die Hoffnung auf das eine oder andere Bild vom Papa. Das muss reichen. Reicht auch. Die Lücken der ferngebliebenen Kidnapper füllen Freunde, die Kunos Auftritt den angemessenen Rahmen verleihen. Dazu kommt noch Lando und seine Familie, sodass wir nicht vereinsamen und einen sehr geselligen Tag und Abend verbringen.         

 M3A5170 1 250Kampf um ein Stück PansenFür diese Gesellschaft haben wir, wie immer, wenn Besucher kommen, noch ein kleines Spektakel vorbereitet: Es gibt frischen, rohen und ungewaschenen Pansen am Stück.

 M3A5186 1 250Korbi mit seinem Stück PansenDie Knirpse zögern keine Sekunde, greifen sich den Lappen, den wir ihnen reichen oder vor die Nase werfen und stieben auseinander, um sich ihre Beute zu sichern. Klecks verzieht sich wieder ins kunterbunte Tunnel und bleibt dort fast durchgängig unentdeckt. Korbi macht sich hinter der Hundehütte unsichtbar. Die anderen verzehren ihr Stück auf offener Bühne, was die Fotografen glücklich macht, und fallen auch nicht mehr auf Mama und Oma rein. Sie haben unzweifelhaft dazugelernt und senden eindeutige Signale, welche die beiden auch instinktsicher respektieren: Kein Stück wird geklaut. Wenn das der Sinn des Kleptomanenprogramms von neulich war, haben Oma und Mama ganze Arbeit geleistet. 

 M3A5192 1 250Käptn umlagert, aber mit strategisch günstiger PositionEiner liefert jedoch wieder die Show, die man erhofft, wenn Publikum unterhalten werden soll: Käptn. Er mag ja ein Napfträumer sein und sich den Brei vor der Nase wegschlabbern lassen, aber wenn es ernst wird, ist er hellwach und zielstrebig. Käptn versteckt sich nicht und speist nur augenscheinlich auf offener Bühne wie die anderen. Er sucht sich den für ihn und das Publikum perfekten Platz. Der Po vom Zelt abgesichert, die rechte Flanke an den Welpenzaun geschmiegt, hat er alles im Blick und im Griff und kann nicht hinterrücks überrascht werden. Das ganze Feld liegt offen vor ihm, und so tut er sich in aller Ruhe gütlich. Das geht so lange gut, bis die anderen ihren Pansenlappen zerwirkt und verarbeitet haben und aufmerksam werden, dass da noch einer Manna hat. Und jetzt nimmt sie Show erst richtig Fahrt auf. Das neidische Pack bedrängt seinen Bruder, kläfft, keift, fährt Scheinattacken und versucht, ihn zu umtanzen und einzukreisen. Aber da gibt es nichts einzukreisen, Käptns Rückseite ist unzugänglich und seine Vorderseite ist in gewisser Weise auch unzugänglich, weil er sich zu wehren weiß; er hat alle Triumphe auf seiner Seite. Wenn ein Konkurrent zu nahe kommt, fährt er kurz hoch, klärt die Umstände mannhaft und speist demonstrativ cool weiter, weil der Kollege die Ansage verstanden hat: Mit Käptn ist jetzt nicht gut Pansen essen. Erst als er genug hat, verlässt er seinen Platz und lässt den Rest des Pansens liegen. Den greift sich der eigentlich pappsatte Klecks. Und der fackelt nicht lange, hält sich auch nicht mit Kauen auf, wie wir das von ihm schon kennen, und schluckt den ganzen, nicht gerade kleinen Rest weg. Die äußerst amüsierten, aber auch beeindruckten Zuschauer bemühen für ihn eine Alliteration, wie sie in der Billigpresse gerne bemüht wird: Klecks kaut kaum. Das ist zwar bemüht affektiert, trifft aber den Sachverhalt.

 M3A5184 1 250Koschi hat die Technik rausPansen ist sehr gesund, und augenscheinlich hat die Natur Hunde schon im Welpenalter darauf vorbereitet, mit diesem Superfood klarzukommen. Die brauchen keine Anleitung der Mama oder einen VHS-Kurs, um zu wissen, was ihnen guttut und wie sie damit zurechtkommen. Es ist einfach erstaunlich, mit welcher Souveränität sie diesen Gummilappen aufarbeiten, wie sie ihn zwischen den Pfoten festhalten, an ihm zerren und dehnen wie einen Kaugummi und Stücke mit den Reißzähnen abscheren. Es kommt uns immer wieder vor, als täten sie das nicht zum ersten Mal. Aber wer hätte ihnen schon heimlich nachts eine Ladung Pansen in die Küche werfen sollen? Wir sind nun schon das im elften Anlauf von dieser Show begeistert und können es immer noch kaum glauben, wie die damit umgehen.

Kaum glauben können wir auch, dass Hedda nach dem Spaziergang in den Garten stürmt und ihre Welpen säugen möchte. Da kann doch nichts mehr fließen… Und welch ein Tohuwabohu an ihrem Bauch, der kaum noch Platz für drei oder vier bietet. Zum Glück sind die Zurückgestoßenen so brachial, dass Hedda ihren Irrtum schnell einsieht und das Weite sucht. Dennoch: Was geht in dieser Hündin vor? In der achten Woche!

Still und dennoch vergnügt beschließen wir alle einen herrlichen Tag unter Sonne, Wolken und Wind. Als wir die Knirpse gegen 20:30 Uhr ins Haus holen, waren sie einen ganzen, ereignisreichen Tag in ihrem Paradiesgarten unterwegs und sind nun hin und kaputt.

1M3A5225 1 250Kuno total erschöpft nach dem TagHoffentlich so hin und kaputt, dass sie nicht wieder um 3 Uhr zur Morgenandacht bitten.

 

Sonntag, 12. März 2023

Es ist ein Sonntag, an dem man eigentlich nicht mehr vorhat, als zu erledigen ist. Kuno reist wieder in seine Pfalz, wir wickeln ab, was jeden Tag abzuwickeln ist und freuen uns auf einen entspannten Tag des Herrn. Und da passt es einfach nicht, wenn es am 12. März morgens um 6 Uhr bei -0,5 °C schwermütig bedeckt ist und feiner Schnee ins Paradies zuckert. Wenn es dabei wenigstens bliebe, nein, im Laufe des Vormittags fällt Pappschnee aus allen Wolken (und der Chronist auch; wir erinnern uns wieder einmal: 8.-17.: sehr kalt, obwohl kein Schnee liegt). Und am frühen Nachmittag regnet es dann auch noch. Erst später am Nachmittag zeigt sich die Sonne zwischen den Wolken und liefert uns 8 °C. Immerhin wenigstens ein einigermaßen versöhnlicher Tagesabschluss.

1M3A5233 1 250Schlafwache vor der Terassentür - drinnen sein ist irgendwie doof  Morgens, als der Schnee noch aus den Wolken zuckert, aber noch nicht liegenbleibt, entsorgen wir in der Küche dagegen einiges, was über Nacht liegenblieb. Immerhin sind all die Liegenbleibsel fest und proper. Stinken tun sie aber trotzdem, wie einem an einem solchen Tag das Wetter stinkt.

Gestern haben wir uns über das Gerangel auf der Waage ein wenig mokiert und es als kaum morgenfüllend, geschweige denn abendfüllend abgemeiert, und dann geht das heute gerade so weiter. An der Knirpsenspitze geht’s zu wie beim Kampf um die Kanzlerkandidatur: Lautete die Rennliste gestern noch Kini, Korbi, Koschi, melden wir heute Koschi, Korbi, Kini. Das wäre für sich, wie erwähnt, keine Schlagzeile wert. Ein Hingucker ist dagegen der Wahnsinnsschub, den sie gestern gemeinschaftlich ins Werk gesetzt haben: 2850 Gramm ist legendär. Ob es an den Pansenhappen liegt oder doch den vielen kleinen Gratifikationen unserer Besucher zuzuschreiben ist? Käptn hat jedenfalls eine mächtige Pansenbrise genutzt, um wieder an Kathi vorbeizuziehen. Mit dem heutigen Tag sind alle Burschen über sechs Kilo und somit zur Abgabe bereit. Nur Kathi muss noch ein bisschen nachsitzen. Dann wollen wir doch mal sehen, auf welchen Rippen sich die 2850 Gramm wie verteilen:

Koschi 6950 (+450), Korbi 6940 (+400), Kini 6890 (+240), Klecks 6650 (+380), Kuno 6370 (+490), Krischan 6110 (+300), Käptn 6020 (+400), Kathi 5870 (+190). Das Durchschnittsgewicht ist auf 6475 Gramm angewachsen.   

Ein wenig Sorgen machen wir uns um Hedda. Schon wieder bat sie morgens ihre Kinder im Garten zur Brust. Das, so lehrt die Erfahrung, täte sie nicht, wenn sie keine Milch mehr hätte. Folgerichtig beschäftigen wir uns mit der bangen Frage, ob wir sie eventuell ab nächsten Samstag abpumpen müssen. Mal sehen, ein paar Tage bleiben noch bis dahin.

 M3A5308 1 250Käptn ganz schick mit neuem rotem HalsbandHeute haben wir noch Besuch von Welpenkäufern mit drei Kindern. Das ist die ideale Gelegenheit, den Knirpsen erstmals Halsbänder umzulegen. Da ist was los, da ist man abgelenkt, da wird man auf den Schoß genommen und durchgekrault, ein paar Goodies fallen auch ab und herab – und eh sich der Knirps versieht, hat er ein Halsband um. Alle bekommen ein Bändchen in ihrer Farbmarkierung, und so haben wir dann zwei rote Halsbänder herumwuseln. Gut dass Käptn und Kathi kaum zu verwechseln sind. Das wäre sogar dem Assi peinlich. Der Zeitpunkt erweist sich tatsächlich als perfekt, weil alle kaum etwas von dieser kleinen Zumutung mitbekommen, nur Korbi, der Großchecker, sitzt kurz im Transit und kratzt sich ein bisschen, was aber eher ein Akt der Verlegenheit ist.       

Nachts nehmen wir ihnen die Bändchen wieder ab, nicht dass sich noch einer beim Versuch den Transit zu übersteigen, erhängt.

Gute Nacht, Freunde ...

 

Montag, 13. März 2023

Die letzte Woche bricht an, und uns wird ganz flau im Magen und schwer im Herzen. Die Knirpse haben uns bisher nicht nur mit schierem Glück überschüttet – aber wer lacht schon acht Wochen am Stück?

Am wenigsten sicher die Sonne, die uns jedoch heute Nachmittag einen Lachmittag bereitet. Und 15 °C fühlen sich wie acht Wochen Knirpsenglück an.    

Doch was ist denn Knirpsenglück? Wenn Hedda schon wieder morgens die Bar öffnet? Sicher ist es kein Knirpsenglück, wenn man zu spät aufsteht und viel Bodenbelag in der Küche vorfindet, davon etwa die Hälfte in schwer fassbarer Konsistenz. Für das späte Aufstehen sind die Knirpse nicht verantwortlich, aber für die Sauerei. Und die nehmen wir ihnen schon ein bisschen krumm, weil sie unsere Sehnsucht nach dem perfekten Glück der Abschiedswoche gleich zu deren Beginn zunichtemacht.

Belustigt sind wir dagegen vom Gezerre der Frontmänner, die tatsächlich ständig die Rangordnung durcheinanderwürfeln. Heute sind sie wieder bei der Reihenfolge von vorgestern: Kini, Korbi, Koschi. Mannhaft den Anschluss hält Klecks, wogegen wir Kuno nun schon langsam zur Nachhut zählen müssen. Am Ende bleibt alles beim alten. Nein, stopp: Jetzt darf auch Kathi ihr Geburtshaus verlassen, sie ist jetzt auch ein Zwölfpfünder. Weiter ist erwähnenswert, dass sich heute die Zahlen, wenn man Kini ausklammert, wieder normalisiert haben: 1990 Gramm Zugewinn ist standesgemäß (Durchschnitt: 6723 Gramm).

Kini 7350 (+460), Korbi 7150 (+210), Koschi 7110 (+160), Klecks 6970 (+320), Kuno 6650 (+280), Krischan 6400 (+290), Käptn 6130 (+110), Kathi 6030 (+160).

460 Gramm für Kini sind schon irgendwie maßlos. Was uns und vielen Besuchern andererseits immer wieder auffällt, ist, dass sich Kini, Klecks und Koschi auch so schwer tragen, wenn man sie auf den Arm nimmt, Korbi fühlt sich dagegen viel leichter, luftiger und eleganter an. Und er sieht auch nicht so mächtig aus, wie es die Waage behauptet. Das hat mit der Fellstruktur zu tun. Die einen sind richtige Wuschelbären und Korbi trägt die Haare anliegend. Man sieht, die Außenwirkung lässt sich vom Outlook nicht trennen.  

Apropos Outlook: Heute ist ein Tag wie geschaffen für einen „Outlook“ der Knirpse ins schöne Mangfalltal, sprich: einen Spaziergang. Bis auf 15 °C shuffelt sich das Thermometer dem Hundertjährigen zum Trotz hoch, doch leider lassen das die Verhältnisse nicht zu: Die Zwerge und ihr Schneewittchen haben heute um 14 Uhr einen Termin beim Tierarzt. Vorher schaffen wir das nicht und nachher haben sie genug zu verarbeiten, um ihnen noch etwas Neues zuzumuten.

Der Doppelsitz in der zweiten Reihe des Caddyllac wird umgelegt, der Einzelsitz wird von der Zuchtmeisterin belegt. Die gewonnene Freifläche bekommt eine bequeme VetBed-Polsterung, und dann werden die acht in das Mobil gebracht. Dort ist es schön kuschelig, und es kann losgehen: Die erste Ausfahrt, die allerdings kaum fünf Minuten dauert, weil die Praxis gleich im Nachbarort ist. Kaum ein Ton ist zu hören, alle sind locker und gefasst. An der Praxis werden alle wieder ausgepackt, vom stöhnenden und strahlenden Personal ins Wartezimmer gebracht, wo sie sich schamlos ausbreiten, schamlos, weil sich Klecks, der an heraufziehendem Durchfall leidet und ein Unbekannter gleich mal ins Sprechzimmer entleeren. Das schafft eine dicke Luft, die sich jedoch nicht auf die Stimmung, nur auf die olfaktorischen Rezeptoren legt.

1M3A5284 1 250Nun 1M3A5261 1 250Korbi wird durchgechecktwird im Akkord Blut abgenommen, geimpft, gechippt und ein erster Puppy-TÜV abgenommen. Die Knirpse sind alle kerngesund. Und sie sind duldsam. Was haben wir bei dieser Übung schon erlebt! Welpen, die minutenlang Mordio plärrten, bis ihnen das Blut in den Augen gerann, Kampfbubis, die sich unters Mobiliar verkrochen und so martialisch darunter hervorkeiften, dass sich das Praxispersonal nicht traute, den Frischling hervorzuholen; wozu gibt es denn einen Assi. Manches was sich da abspielte, hätte auch einem antiken Drama gut zu Gesicht gestanden. Doch die sieben Zwerge und ihr Schneewittchen lassen sich nicht aus ihrer Gelassenheit locken, dafür aber gern mit Leckerlis bestechen. Manche bedienen sich gleich selbst aus dem bereitgestellten Leckerlieimer. Nur gelegentlich simmert leises Wimmern und Jammern auf. Ist ja auch schaurig, diese Welt. Während die einen verhalten klagen, die anderen es auf dem Behandlungstisch leichtnehmen, erleichtern sich wieder anderen auf dem Boden (mal abwarten, was das Fernsehen, das auch mit dabei ist, davon einarbeitet). Kurz: Die Knirpse verhalten sich fast alle so, als ob wir ihnen vorher Valium gegeben hätten.

Mit einer Ausnahme: Kathi, die Amazone. Früher mussten wir einräumen, dass immer die Kerls auf dem Tisch ein Nahtoderlebnis hatten, die Mädels dagegen eher gelassen mit den kleinen Pieksern umgingen. Das hat sich offenbar in der Me-Too-Welt verändert, die auch vor kleinen Hunden nicht haltmacht. Kathi kämpft um ihre Beinvene wie andere um ihre Jungfräulichkeit, will auch keine elektronische Fußfessel in Form eines reiskorngroßen Transponders in ihrem Hals. Das Schneewittchen windet sich hyperventilierend in den Armen übergriffiger Mannweiber. Es nützt alles nichts: Sie wird entehrt und geschändet, und das schändlichste daran ist, dass ihre sieben Zwerge ihr nicht einmal zu Hilfe eilen, sondern an ihren bunten Verbänden lutschen.

Wenn das nun alles gewesen wäre! Aber nein: Als wir die acht im Paradies einsammelten, waren alle, bis auf Kuno, voller winziger Zecken und Nymphen, vor allem an den Bäuchen und in den Ohren. Irgendwo unter unseren Sträuchern und Hecken, wo sie sich verstecken, gibt es ein Nest voller Zecken. Schon während der Anfahrt, hat sich die Zeckmeisterin an ihnen zu schaffen gemacht, aber nun kommt beim Tierarzt zum Standardprogramm noch ein Zeckenprogramm, das Kathis Leid noch verlängert. Hedda kümmert sich sofort um ihr leidendes Mädchen und bietet ihr einen Brustnuckel zu Beruhigung an, wie sie es ihren leise und sehr zurückhaltend klagenden Buben auch angeboten hatte, aber die Brust ist inzwischen so trocken wie das Wadi Tarfaui. No merci…    

Und plötzlich haben wir wieder partiellen Durchfall, Klecksens Peinlichkeit in der Praxis war demnach kein Versehen: Klecks kleckert richtig. Aber auch andere kleckern wieder herum, nur sagen sie es uns vorher nicht an, weshalb wir immer nur das Produkt, nicht aber den Erzeuger kennen.

Gegen den Durchfall reichen wir nachmittags wieder Blättermagen, der sollte die Darmflora ins Reine bringen. Allerdings macht Kathi abends gar keinen guten Eindruck, liegt träge herum und lässt auch ihr Futter liegen. Solange es die anderen ihr nicht gleichtun, werden wir noch nicht unruhig. Erst wenn Massenlethargie einsetzt, schrillen die Alarmglocken, noch ist es eine Unpässlichkeit, die zum Erwachsenwerden gehört. Bei ihr, so viel steht fest, hat der Blättermagen nicht geholfen.

Lando und seine Leute, die in Bayern ein bisschen Urlaub machen, kommen wieder auf einen Sprung vorbei, wir beschließen aber, weil es heute schön ist und möglicherweise der einzige Tag der Woche ist, der das von sich behaupten kann, die Grillsaison zu eröffnen.

Kathi bekommt nichts von den Lammsteaks, und die anderen auch nicht. Das letzte Mal, als sie Lamm hatten, hatten wir anschließend Schlamm. Vielleicht wäre ein Stück Holzkohle für sie eine gute Alternative.

 

Dienstag, 14. März 2023

Heute sind die Knirpse acht Wochen bei uns um und morgen dürften wir sie abgeben, doch sie dürfen noch ein wenig bleiben, weil die neuen Familien teilweise so weit verstreut sind, dass sich das unter der Woche nur schwer umsetzen lässt.

Für unsere Erben ist das ein unverdientes Glück, denn die Sache mit dem Blättermagen hat nicht so funktioniert, wie wir uns das erhofft hatten. Es sieht recht schlimm aus am frühen Morgen und es riecht nach Kloake, aber – alle Knirpse sind lustig und munter, auch Kathi, die nach dem Fastenabend inniglich den Platinumstäbchen auf der Waage zuspricht.

 M3A5337 1 250und auch Kathi ist wieder fitAber Klein-Kathi kann beim Wiegen gar nicht so viel abgreifen, wie sie gestern verloren hat.  M3A5127 1 250Käptn blödelt wieder herumDas gilt auch für Käptn, die beide massiv Substanz verloren haben und hinter ihr Gewicht von vorgestern zurückgefallen sind. Bei den Zwergen geht das sehr schnell; sie haben einfach nicht genug Substanz, um einen Durchfalltag zu kompensieren. Für die beiden bedeutet das Nachsitzen, denn unter sechs Kilo müssten sie bei uns bleiben, wenn wir sie heute abgeben wollten. Sogar der mächtige Kini hat ein bisschen von seinem Panzer verloren, sieht deswegen aber längst nicht wie ein Fakir aus. Gewichtsverluste sind für uns immer die besten Indikatoren, wer gerade leidet. Bei acht Welpen kann man nicht den ganzen Tag daneben stehen und beobachten, wer sich wie entleert. Spätestens am nächsten Tag kommt die Wahrheit ans Licht. Und so bestätigt sich, was wir gestern gesehen haben, dass Kathi und Käptn am meisten zu leiden hatten, aber auch Kini sich schwertat.

Dann schauen wir mal genau hin, was gestern passiert ist, wer gelitten hat und wer der Flitze eine lange Nase gedreht hat:   

Korbi 7560 (+410), Koschi 7440 (+330), Kini 7340 (-10), Klecks 7240 (+270), Kuno 6910 (+260), Krischan 6630 (+230), Kathi 5700 (-330), Käptn 5700 (-430), das läuft auf sehr bescheidene 730 Gramm Zugewinn hinaus und ein Durchschnittsgewicht von 6815 Gramm.

Doch jetzt geht’s augenscheinlich wieder bergauf. Der Appetit ist morgens und mittags groß, alle sind munter und freuen sich ihres Lebens, obwohl das Regenwetter dazu wenig Anlass gibt. Diese Diagnose gilt auch für Kini, der immer noch dijongelb plattert, aber keine Beeinträchtigung erkennen lässt.

 M3A5319 1 250KiniTrotzdem ist er ständig unterwegs, drückt, möchte etwas loswerden, aber es fallen nur ein paar giftgelbe Tropfen aus ihm. Man kennt das, wenn der Darm in Aufruhr ist. Wir verschaffen ihm etwas Erleichterung, indem er nachmittags keine Fleischdose wie die anderen bekommt, sondern Vegetarisches (Gemüse, Moro, Hüttenkäse). Darüber ist er sichtlich erbost, nimmt es aber in Ermangelung eines besseren Angebots an. Es hilft ja nichts, wir müssen seinen Darm beruhigen. Er wird dann sichtlich ruhiger, legt längere Schlafpausen ein, ohne dauernd ein Örtchen suchen zu müssen. Abends bekommt er wieder Diät, diesmal aber mit ein wenig Hühnchen. Es geht ihm auch sichtlich gut, offenbar kommt sein Darm langsam zur Ruhe.

Heute, am eigentlich letzten Tag des Aufenthalts der Knirpse bei uns, müssen wir erstmals die Flaschen aus dem Flaschenregal in der Küche räumen, weil Krischan, der Tüftler, bei dessen Inspektion fast von einer CO2-Flasche eschlagen worden wäre. So ein Ding ist ganz schön schwer, wenn es da herauspurzelt. Aber noch belassen wir es nur bei den zwei unteren Reihen…

Eine ganz andere Sache ist die mit dem Wetter: Nachmittags setzt kräftiger Regen ein und die Knirpse müssen im Haus bleiben. Daraus folgt deren zunehmend schlechte Laune, anhaltender, vielstimmiger  Protest und ein hygienischer Allgemeinzustand, der eines bürgerlichen Haushalts zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht würdig ist. 

1M3A5327 1 250Wenn es drinnen langweilig wird, dann muss man doch mal die Wäschekiste enternSo gelaunt, schaffen es die kleinen Kannibalen tatsächlich abends noch, diesem Tag ein Highlight zu schenken. Gemeinsam, wer wie beteiligt ist, lässt sich rückblickend nicht mehr auflösen, hebeln die Panzerknackerknirpse das Transittürchen zum Wohnzimmer aus und machen sich zu sechst auf Inspektionsrunde: Korbi, Kathi, Käptn, Krischan, Kuno und Koschi. Die anderen beiden sind nur nicht dabei, weil sie gerade schlafen. Gleich nach ihrer postwendenden und protestbegleiteten Rückführung in den Transit, machen sie sich wieder ans Werk, denn was ein Welpe gelernt hat, vergisst er nicht mehr. Und wenn es etwas Lustbetontes ist, schon zweimal nicht. Tatsächlich klappt das auch wieder, weil es aber ein bisschen dauert, bis der Coup gelingt, sind es nur zwei Grenzverletzer, Korbi und Krischan, weil es den anderen zu langweilig wurde. Die beiden lungern nun vergnügt unterm Esstisch herum. Berichten muss man von dem Vorfall vor allem, weil der Assi, der am Tisch sitzt, von all dem nichts mitbekommt: Völlig entrückt bei der Betrachtung der Galerie der 7. Woche ist er in die virtuelle Welt der Knirpse abgetaucht. Deren reale Welt ist weit weg für ihn. Erst als die Zuchtmeisterin den ungeheuerlichen Vorgang anmahnt und Alarm schlägt, taucht er wieder auf und relokalisiert die Marodeure in den Transit. So ist das: Männer können sich eben in jeder Lebenslage aufs Wesentliche konzentrieren!

Der Tag geht mit diesem Intermezzo einem pfiffigen Ende entgegen. Aber auch unsere Zeit mit dem Knirpsen geht dem Ende entgegen. Bei solchen Gelegenheiten wird uns das besonders bewusst, weil wir sie gerade wegen ihres herz- und riegelbrechenden Charmes ins Herz geschlossen haben.

Doch abschließend müssen wir zugeben, dass es gerade nicht leicht für uns ist. Aber wir merkeln uns durch nach dem Motto: Wir schaffen das (jetzt auch noch).

Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die achte Woche.

 

Mittwoch, 15. März 2023

Nachspielzeit

Gestern haben die Knirpse ihren Pflichtaufenthalt bei uns abgeleistet und heute wären sie, wie bereits erwähnt, in allen vorangegangenen Würfen auch abgeholt worden. Doch diese Herzensverzauberer bekommen noch eine verdiente Nachspielzeit bis Samstag. Wir gehen in die Verlängerung.

Und als ob sie uns für die Extrazeit danke sagen wollten, sieht sie Küche morgens aus, wie lange nicht mehr: fünf Häufchen, alle stabil. Und die Knirpse schweben offenbar auf Wolke sieben und klabautern durch ihr Reich. Mit dabei, an vorderster Front: Kini. Na, wer sagt’s denn! Sie sind eben aus edlem Holz geschnitzt, die Knirpse.

Wie gut es ihnen allen geht, zeigt sich dann auf der Waage, so gut, dass wir mehrmals ungläubig eine zweite Messung vornehmen. Was uns staunen macht, ist nicht Korbi, der inzwischen wohl endgültig allen den Rang abläuft, auch wenn ihm das niemand ansieht, sondern die gestern so abgestürzten Kathi und Käptn. Die beiden haben nicht nur ihre Flitze-Depression wettgemacht, sondern sich gleich noch zu einem Allzeithoch aufgeschwungen. Und Kini, der sich so quälen musste, hält sich für diese Umstände mehr als tapfer:

Korbi 7730 (+170), Koschi 7550 (+110), Klecks 7510 (+270), Kini 7310 (-30), Kuno 7150 (+240), Krischan 6830 (+200), Käptn 6690 (+990), Kathi 6210 (+510). Die 2460 Gramm Aufwuchs gehen zu weit mehr als die Hälfte aufs Konto von Käptn und Kathi. Das Durchschnittsgewicht erfährt damit auch einen kräftigen Aufschwung: 7122 Gramm.  

Nach dem Wiegen fährt der Morgen dort fort, wo der gestrige Abend aufhörte, bei Mistwetter, heute zur Abwechslung Schnee, und übermotivierte Knastkinder. Denn ganzen Morgen toben sie wie Kobolde durchs Haus, veranstalten ein Heidenspektakel, brauchen offenbar keinen Schlaf mehr und haben nichts als Murks im Kopf.

 M3A5344 1 250Klettermaxe KoschiWährend wir unter diesen Umständen unser Frühstück genießen und, wie sich das in einer Bildungsbürgerfamilie gehört, unsere Zeitungen lesen, tut es plötzlich einen mächtigen Plopp – und Koschi liegt bei uns im Zimmer. Mit einem kraftvollen Zug hat er sich aufs Transitgitter (60 cm) gehebelt und auf er anderen Seite hinunterplumpsen lassen. Er hat den gestrigen Erfolg nicht vergessen, und Erfolg macht süchtig, eine Erkenntnis, die sich übrigens sehr gewinnbringend in der Erziehung und Ausbildung aller Hunde einsetzen lässt. Wenn wir ihn jetzt überschwänglich loben und belohnen, würde er wahrscheinlich den ganzen Tag das Transitgitter übersteigen, im schlimmsten Fall bis zum Genickbruch.

Dass Erfolg nicht nur süchtig macht, sondern auch neidisch, beweisen Krischan, Korbi und Klecks, die herzzerreißend plärrend am Gitter hängen und rütteln, wie einst Gerd Schröder an den Toren zum Kanzleramt, es aber im Gegensatz zu ihm und Koschi nicht schaffen, die Hürde zu nehmen: zu kurz, zu schwach und möglicherweise auch zu ungeduldig. Eine Entspannung der Gesamtlage ist unter diesen Umständen nicht zu erwarten. Wir lassen sie zetern und randalieren, es ist eben heute mal Frühstück im Dschungelcamp.    

Aber dann, um 8 Uhr kommt die Sonne heraus und die Knirpse auch, nämlich unverzüglich ins Paradies. Und seltsamerweise verstummen sie dort und legen sich zur Ruhe. So ein Paradies hat schon etwas Magisches. Dort bleiben sie auch die meiste Zeit heute, denn Sonne und Wolken begleiten sie fast den ganzen Tag, nur gelegentlich fällt auch etwas Regen herunter. Solange der nicht vom Wind unter die Terrasse getrieben wird, sind sie draußen gut aufgehoben.

Den Durchfall haben nun auch alle hinter sich gelassen, manche liefern noch etwas weich, aber wegen des Regens und des Schnees, weiß man bei dem, was man auffindet auch nicht, was haus- und was naturgemacht ist. Wir sind jetzt sehr entspannt. Die Knirpse sind voller Lebensfreude- und Kraft, die haut nichts mehr um.

Der beste Beweis für den überwundenen Durchfall ist eine klinisch reine Küche, nachdem sie alle während des Ausgangs von Hedda und Fianna eine Stunde eingesperrt waren: nichts, kein Häufchen, kein Teich, einfach nichts nach über einer Stunde. So wird aus einem runden Tag ein nahezu perfekter Tag. Das gilt auch dann noch, wenn Koschi nach dem Abendmahl schon wieder auf dem Transitgitter hängt und vom Assi gerade noch abgepflückt werden kann.  

So viel Hartnäckigkeit und Hingabe kann im Leben nicht schaden.

 

Donnerstag, 16. März 2023

Nebel füttert das Mangfalltal aus, packt es in frostige Watte von 1 °C. Für unseren Schlussspurt ist das nicht ohne Belang, denn es fehlen noch drei wichtige Wegmarken auf dem Marsch der Knirpse in die Freiheit. Ein Termin ist schon fix: die Wurfabnahme um 11 Uhr. Wegen des Wetters oder anderer querliegender Termine fehlen noch ein gemeinsamer Spaziergang und das Foto-Shooting für die Welpenordner. Für beides sollte das Wetter einigermaßen passen. Und zwar heute, denn morgen ist die Zuchtmeisterin wieder Schulmeisterin, und der Assi kann, bei aller Lebens- und Welpenerfahrung, diese Aufgaben nicht allein stemmen.  

Bevor wir uns jedoch mit dem beschäftigen, was uns der heutige Tag bringen kann und wird, müssen wir fünf Häufen, feste Prachtexemplare ihrer Zunft aus der Küche räumen. Darüber hinaus haben wir keine Klagen vorzubringen; die drei kleinen Teichen müssen ganz en passant weichen. So kann der Tag beginnen, so finden wir das Morgenleben mit unseren Knirpsen schön. Und wenn es immer so wäre, würden wir sie vermutlich nicht hergeben.

Auch die Waage liefert keine nennenswerten Sensationen. Dass Käptn nach dem gestrigen Kilo heute etwas zurücksteckt, ist nicht erstaunlich, und dass in allen noch ein wenig Durchfall-Potential steckt, wundert uns auch nicht. Die Ergebnisse geben über die Instabilen Aufschluss.  

Korbi 8010 (+280), Koschi 7790 (+240), Kini 7630 (+320), Klecks 7590 (+80), Kuno 7200 (+50), Krischan 6920 (+90), Käptn 6730 (+40) und Kathi 6330 (+120). Da bleibt es heute bei 1220 Gramm und einem neuen Gewicht von 7275 Gramm im Schnitt.

Nachdem das und die Morgenroutinen erledigt sind und die Großen ihren Morgenspaziergang hinter sich gebracht haben, sehen wir aus dem Fenster – der Nebel hat sich auf die Anhöhen zu beiden Seiten des Mangfalltals hochgezogen – und uns an: Bingo! Los geht’s: Shooting. Man braucht für ein Foto nicht immer die lachende Sonne im Nacken, Licht genügt.

 M3A5371 1 250KlecksEs  M3A5379 1 250ist 8:45 Uhr, als wir Klecks, den ersten Knirps hinüber zum Damm tragen, für ihn die erste Begegnung mit der Welt außerhalb seines kleinen Paradises. Die Zuchtmeisterin setzt den Kleinen auf die Dammkrone, der Fotofix postiert sich im Graben darunter, um mit ihm auf Augenhöhe anbandeln zu können, und dann kann es losgehen. Tut es aber nicht, weil Klecks heute schlecht geschlafen hat und mental unterpräsent ist. Er kauert sich zusammen, dreht sich weg, zittert und klagt. Ach, du Scheibenkleister! So eine Zitterpappel hatten wir ja noch nie. Die Zuchtmeisterin muss also erst einmal ein paar Entspannungsübungen mit ihm machen, bevor er bereit ist, sich der Kamera zu stellen. Aber dann macht er sich doch locker und spielt mit, allerdings erst, als wir ihm versprechen, ihn nicht bei Insta oder TikTok zu vermarkten. Wir bringen ihn zurück zu seinen Geschwistern und machen uns Gedanken, ob Klecksis Bimmelbammel darauf zurückzuführen ist, dass wir mit den Knirpsen noch nie draußen waren. Ihre Vorgänger waren immer schon ein- oder zweimal unterwegs und hatten kaum bis keine Probleme mit dem Shooting; wenn, dann hatten wir sie, weil sie so flippig waren, dass wir sie kaum abschießen konnten. Das wird sich ja jetzt gleich zeigen.

 M3A5401 1 250KäptnAuftritt  M3A5395 1 250Käptn. Auch er bekommt einen Lift zum Damm (wenn wir sie marschieren lassen, werden wir heute überhaupt nicht mehr fertig, und unsere Zeit ist knapp). Der Capitano herrscht nicht nur über die Weltmeere, sondern auch über den Mangfalldamm. Er hockt sich hin, blickt sich um – wo ist hier Norden, ach dort – und geht erst einmal ein wenig spazieren. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals, nachdem er von der Fotoassistentin (schau, schau: Rollentausch) replatziert wurde. Geduld ist vonnöten, wenn ein Käptn sich orientiert. Aber dann lässt er sich entspannt und sehr gelassen ablichten und stapft munter hinter der Assistentin her nach Hause. Ihm fehlt der unterlassene Spaziergang jedenfalls nicht, der Käptn ist stracks und wohlgelaunt auf Kurs.

 M3A5420 1 250KiniNun  M3A5431 1 250kommt Kini. Hockt sich hin, schaut sich um, geht spazieren und inspizieren, macht sehr gute Miene zum kleinbürgerlichen Schauspiel – wenn es wenigstens die Blaue Grotte wäre, in der er posieren soll, vorzugsweise auf einem Schwan thronend unter aufbrausendem Wagner-Tschingtärä – und trabt abgelichtet und ebenfalls unbeeindruckt hinter der Assistentin her ins Paradies zurück.

 

 

 

 M3A5477 1 250KunoKuno  M3A5464 1 250ist der nächste, und uns beschleicht langsam die Ahnung, dass Klecks der Einzige sein könnte, der heute mit dem linken Fuß aufgestanden ist. Kuno ist jedenfalls auch in dieser Situation aufgeweckt genug, das abzuliefern, was wir von ihm erwartet haben. Er bringt seinen kleinen Po gleich gar nicht auf die Erde, weil die optischen Reize ihm keine Ruhe lassen. Vor allem der rot-weiß gestrichene Sperrpfosten auf dem Damm hat es ihm angetan. Wenn er jetzt nicht das Bein hebt und ihn anpinkelt, liegt das nur daran, dass er die Übung noch nicht beherrscht. Aber irgendwie kriegt die Assistentin auch ihn für die notwendigen Sekunden so positioniert, dass ein paar Bilder herausspringen. Auf dem Heimweg lässt er nichts aus, was in seiner Reichweite ist, um es breitbeinig anzubaggern und abzuspeichern. Der ist kein Kuno, der ist ein Kunikum!  

 M3A5520 1 250KathiTheoretisch  M3A5517 1 250kann es jetzt nur noch schlechter werden, aber Kathi ist dafür nicht das geeignete Modell. Sie steht Kuno in nichts nach, interessiert sich für das rot-weiße Gestänge fast noch mehr als Kuno, zeigt aber kein Markierungsbedürfnis, treibt den in der Hocke eingerasteten Fotofix fast in die Orthopädie, weil ihm sein lahmes Knie schön langsam Endzeitsignale sendet. Halt durch, Fotograf, es fehlen nur noch drei! Den Rückweg bewältigt Kathi ebenso quicklebendig wie Kuno, hat dem jedoch voraus, dass sie noch Bekanntschaft mit Jack, einer französischen Bulldogge, machen darf, was aber bei beiden keine Sensation, noch nicht einmal gesteigertes Interesse hervorruft. Abgang Kathi, Schwänzchen hoch, das kann der pummelige Gallier nämlich nicht. Ätsch.

 M3A5561 1 250KrischanJetzt  M3A5544 1 250kommt Krischan! Der ist stante pede so knurpsig, wie er knirpsig ist und scheint nur aus Schalk zu bestehen. Der Ernst der Lage um des Fotografen Knie ist ihm schnuppe. Er hat nur Müll in der Birne und gibt den Dorfclown. Na warte, Kerlchen! Mit einem Federspiel jagt ihn die Assistentin ein wenig im Kreisel, damit er kurz die Orientierung verliert und drei Sekunden auf seinem Allerwertesten verharrt. Klappt. Close up, shoot out! Krischan im Kasten, Knie im Ar…m. Den Heimweg gestaltet er ebenso zünftig wie seine Vorgänger. Nur noch zwei…

 

 

 M3A5588 1 250KoschiKoschi  M3A5593 1 250hängt beim Anmarsch über den Arm der Assistentin wie Salvador Dalís Uhr am Baum seines Gemäldes Persistance of Memory, man kann auch sagen: Wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Teilnahmslos? Hosenschissig? Oder doch nur tiefenentspannt? Angekommen auf der Bühne ergibt sich eine unentschiedene Mischung aus schissig und wurschtig. Jedenfalls ist er gerade nicht in der Stimmung, die Welt zu erobern und sei es nur der belanglose Mangfalldamm. Da grummelt es schon ein wenig im Magen und es flattern die Hosen. Andererseits ist Koschi auch nicht der Typ, der in drei Sekunden von Null auf Hundert ist. In ihm schlummert die Gewissheit, dass ein langes Leben genug Zeit zur Verfügung stellt, nichts zu verpassen. Aber keine Frage: Ganz geheuer ist ihm diese Aktion nicht. Er kann seine Zweifel nicht verhehlen, versucht sie aber zu überspielen. Solche Models haben den Vorteil, dass man sie sogar mit langen Belichtungszeiten scharf kriegt, wenn sie sich denn überhaupt dazu herablassen, wenigstens einmal einigermaßen freundlich in die Kamera zu blicken. Kaltblüter mit Charme auf Abruf eben.

 M3A5639 1 250KorbiDas  M3A5617 1 250Beste, so ist es allgemein der Brauch, kommt immer zuletzt auf die Bühne: der Top-Akt. Was bei der Qualität der meisten Vorturner nicht leicht zu toppen sein wird. In unserem Fall kann das nur Korbi, der Checker, sein. Na gut: Ein Axl Rose ist er nicht, aber immerhin auch kein Roland Kaiser, eher ein Udo Lindenberg nach einer Flasche Eierlikör. Korbi baumelt zwischen seinen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Wer den Oberchecker kennt, wundert sich über die zumindest anfängliche Unentschlossenheit. Nach einigen Minuten fühlt er sich sichtlich wohl und beginnt, sich, genau wie einige seiner Geschwister, sehr interessiert umzusehen und – eben – zu checken. Jetzt passt das Bild wieder und er ist vollformatig im Bilde. Am Ende der Vorstellung zieht er leise pfeifend davon. Meint er uns, weil er uns hinter die Fichte führte oder ist er tatsächlich eins mit dieser Welt?

Um 10 Uhr haben wir das Schauspiel hinter uns und genehmigen uns ein petit petit-déjeuner.  Aber kaum dass wir déjeunieren, bittet schon die Zuchtwartin zur Wurfabnahme um Einlass. Es geht heute Schlag auf Schlag wie im Taubenschlag.

Allen, die nicht wissen, was bei dieser Gelegenheit mit den Knirpsen angestellt wird, liefern wir hier eine kurze Skizze. Alle anderen können mit dem nächsten Absatz weiterlesen.

Wenn es das Wetter, wie heute, zulässt, sind die Welpen draußen. Dann wird einer ins Haus geholt und in seinem bekannten Revier auf den Boden gesetzt. Das ist die erste kleine Prüfung, weil man sehen will, wie er sich in einer bekannten Umgebung verhält. Wer sich wundert: Es gibt auch Welpen, die unter diese Umständen keinen Mucks machen. Anschließend wird der Welpe von der Zuchtwartin in einen nicht zu großen Raum gebracht, in dem er noch nie war. Neben dem jeweiligen Mobiliar findet er dort einen Karton, eine knisternde Folie, einen Ball und einen Stofflappen. Der Zwerg ist nun mit der Normenkontrolleurin allein, und die beachtet ihn eine komplette Minute nicht, blickt ihn nicht an, tut nichts und bewegt sich nicht. Unheimliche Konstellation! Nach der Minute spricht sie ihn an und motiviert ihn, über die Folie zu marschieren, irgendetwas mit dem Ball zu machen, klopft auf dem Karton herum und versucht, mit dem Lappen seinen Beutetrieb zu aktivieren. Der Kandidat soll interessiert sein, soll sich alles möglichst unbeeindruckt anschauen, den Ball bespielen und den Lappen packen, idealerweise nicht mehr herausgeben und wegtragen. Nach dieser Prüfung wird er wieder zurückgebracht, von wo er kam, und optisch in Augenschein genommen: Haarkleid, Farbe, Zahninspektion, bei Rüden Hodeninspektion, Ruten- und Ohrenkontrolle. All das soll er dulden, am besten freundlich sein, die Zuchtwartin nicht beißen, eher küssen und eben keine Probleme machen. Nach dieser Erscheinungsbildkontrolle wird er wieder auf den Boden gesetzt und überprüft, wie er sich nach all den Zumutungen fühlt, ob er gelassen und heiter seiner Wege geht und der Zuchtwartin für ihre Bemühungen dankt oder ob er wie ein Häuflein Elend herumkauert und nach einem Kriseninterventionsteam verlangt. Da gibt es einige, die mit all der Aufmerksamkeit um ihre Person nicht klarkommen. Solche gab und gibt es beim Blues nicht!

1M3A5677 1 250Das Kleckschen von Klecks wird vermessenMit der Erscheinungsbildkontrolle halten wir uns nicht lange auf: Dem Blues ist noch nie ein optisch so gelungener Wurf geraten. Danke an Hedda und vor allem an Papa Kuno. Ohren und Ruten sind alle ohne Beanstandung, ebenso die Zähnchen (so viel man in diesem Alter sehen kann). Das Haarkleid ist bei allen tiefschwarz, die Unregelmäßigkeiten in der Zeichnung unerheblich, außer bei Klecks, der nicht umsonst diesen Namen trägt. Dessen weißer Brustfleck muss weiterhin beobachtet werden, aber nach derzeitigem Augenschein wird auch er deswegen keinen Zuchtausschluss bekommen. Die Augen sind auch dunkel, die Markenfarbe bei allen, wie man sie sich wünscht, die Körper mittelkräftig oder kräftig. Genug der Lobhudelei: Die Knirpse sind den beiden Turteltauben in pfälzischer Nacht prima gelungen.

Spannend ist für alle Beteiligten der Wesenstest im Séparée. Den Anfang macht der kleine Käptn – und der legt die Latte so hoch, dass sich alle danach strecken müssen. Er ist jederzeit aktiv und neugierig, beschäftigt sich mit allem selbständig, braucht also auch keine Motivation, geht sofort aufs Beutespiel ein und schleppt den Lappen ab. Seins! Während der optischen Kontrolle bleibt er durchgehend freundlich, aktiv und neugierig, ist anschließend sofort wieder aktiv und hat, wer hätte es gedacht, ein lebhaftes Temperament. So wünscht sich das ein Züchter. Und so sollen, bitteschön, alle performen. Wir nennen das linksbündig performant.

Nach Klecksis Vorstellung während des morgendlichen Shootings sind wir natürlich gespannt wie ein Flitzebogen, was er auf dieser Bühne bietet. Machen wir es kurz: Klecks ist Klecks. Wenn er keine Lust hat, hat er keine Lust und lässt sich auch nicht belustigen oder vorführen. Im Schnelldurchgang bedeutet das, Klecks nimmt zwar schnell und unproblematisch Kontakt mit der Zuchtwartin auf, schaltet dann aber im Séparée auf superstur: er zeigt keinerlei Aktivität, untersucht nichts, lässt sich auch zu nichts motivieren und spielt nicht. Klecks steht und sturt. Bei der optischen Kontrolle ist er wieder superfreundlich und gelassen, ist auch anschließend keineswegs beeindruckt, sondern sofort wieder unterwegs und aktiv. Für diese Vorstellung bekommt er ein ruhiges Temperament attestiert, der Chronist hätte ihm ein „lethargisch“, lieber noch ein infames und geschäftsschädigendes Verhalten ins Stammbuch geschrieben. Sack!

Die anderen halten es anschließend mit Käptn und laufen zu großer Form auf, liefern praktisch das gleiche linksbündige Ergebnis, nur Kini lässt es etwas ruhiger angehen, aber immer noch meilenweit davon entfernt, als Streichergebnis in die Annalen einzugehen. Kini ist wirklich ein etwas betulicher Typ, der trotzdem alles tut, nur eben nicht so auf Zuruf. Es muss ja nicht gleich heute sein, morgen tut’s auch noch.

Eine Sonderheit muss für diese Wurfabnahme noch zu Protokoll gegeben werden, die nicht im Prüfbogen vorgesehen ist: Zeckenkontrolle. Seit Montag vergreifen sich diese Biester an unseren Knirpsen, und zwar gleich im Dutzend und mehr. Unter unseren Sträuchern müssen einige Nester sein, und wir können den Kleinen nicht verbieten, dort zu tollen. Also steht täglich Zeckenrazzia auf dem Programm. So auch jetzt neben der Erscheinungsbildkontrolle: Wenn man die Knirpse schon von oben bis unten abfummelt, kann die Normenkontrolleurin auch gleich das Notwendige mit dem Nützlichen verbinden. Selbstverständlich mit unserer Unterstützung. Nach der Wurfabnahme ist unser Spiritusgläschen gestopft voll mit diesen Quälgeistern. Und auch dieses tun wir nur zum Wohle unserer Welpenkäufer, weil sich die Zwerge schon vor ihrer Abreise gelassen von oben bis unten abfingern und -zupfen lassen. Wer bekommt schon so einen Mehrwert ohne Aufpreis?   

So eine Prüfung dauert schnell mal zwei Stunden, dann lassen wir uns gemütlich bei Kaffee und Kuchen nieder und freuen uns mit der Zuchtwartin über einen wirklich sehr gelungenen Wurf.

Nun könnte der Tag für die Knirpse eigentlich zu aller Zufriedenheit gelaufen sein, aber wir wollen jetzt den Deckel drauf machen, damit alles erledigt ist, was erledigt sein sollte: Spaziergang!

Um kurz nach 15 Uhr packen wir die Knirpse in den Caddyllac. Das geschieht ohne Tamtam, weil sie schon auf er Fahrt zur Tierärztin alles stoisch bewältigt haben. Warum sollten sie jetzt Panik machen? Es ist eigentlich das ideale Wetter, Sonne und Wolken und gerade mal 8 °C, damit niemand überhitzt, weder im Auto noch in der gleißenden Feldflur des Mangfalltals. Die Fahrt dauert auch kaum fünf Minuten. Kaum dass sie sich in den VetBeds eingerichtet haben, müssen sie schon wieder raus. Und wie sie das tun. Einer nach dem oder der anderen kugelt vor lauter Neugier heraus, dass wir gar nicht nachkommen, sie schonend herauszuheben. Was soll’s? Ein Cadyllac ist kein LKW. Wenn sie das nicht aushalten, geben wir sie wieder zurück.

1M3A5761 1 250FreigangUnd  M3A5779 1 250nun geht’s los, immer hinter der Mama und der Oma her, den Übergang über einen Bach nehmen die meisten kaum wahr, so beschäftigt sind sie. Jetzt liegt ein weites Feld vor ihnen, auf dem sie sich wie Mama und Oma austoben können. Die beiden dürfen nämlich ihre Bälle jagen, was sie mit Leidenschaft tun, vielleicht auch, um den Knirpsen zu zeigen, was ein echter Hovawart ist. Koschi und Krischan nehmen das Angebot gerne an und zerren gemeinsam mit der Mama um deren Ball. Ebenfalls als gute Hovawarte erweisen sich Korbi, Kini und Kathi, die sich gleich beim ersten Ausgang bis zu den Schultern in Mäuselöcher buddeln. Krischan ist auch an dieser Übung eifrig beteiligt. Und was macht eigentlich Klecks, der Unmotivierte? Er ist frisch, fromm, fröhlich mit dabei, lässt nichts anbrennen und wirkt keinesfalls beeindruckt von dieser viel weiteren Welt als die am Mangfalldamm und im Séparée. Klecks ist einfach ein liebenswerter Bär, der offenbar in einer Phase steckt, in der er sein Rudel braucht, um sich ausleben zu können. Hier hat er sein Maximum an Rudel. Das macht ihn glücklich und lässt ihn vor Lebensfreude strotzen, obwohl ihn niemand an die Hand nimmt und über die Wiese und den Bach führt. Vielleicht ist er ja sogar seinen Geschwistern um einiges voraus und steckt schon fast in der Pubertät, in der man bekanntlich auch nur Grütze im Hirn hat.

Nach eine knappen halben Stunde rumpelt der Güllebaron daher, wild entschlossen, seine Rinderbrühe ausgerechnet auf der Knirpsenwiese zu verteilen. Also machen wir Schluss, eine halbe Stunde ist mehr als genug fürs erste Mal. Zuhause angekommen, ist es still im Paradies und still im Haus. Die acht haben sich komplett abgemeldet. Es war auch ein toller Tag mit endlos viel Ereignissen, an denen entlang sie noch lange träumen können.

 

Freitag, 17. März 2023

Es ist 5 Uhr, und schon wieder hat es nur -1,5 °C. Wenigstens ist kein Wölkchen am Himmel. Insofern hat der Hundertjährige, sehr zum Verdruss des Chronisten, zum Ende der Aufzeichnung doch noch rechtbehalten (8.-17.: sehr kalt, obwohl kein Schnee liegt). Andererseits: Ist eineinhalb Grad unter Null sehr kalt? Der Chronist denkt in diesen Dingen großzügiger.

Unstrittig sind die drei Morgengaben unserer Knirpse in der Küche; die Engelchen meinen es zum Ende hin richtig gut mit uns.

Man kommt nun nicht mehr umhin, dem nahen Ende ins Auge zu blicken: Der letzte Tag mit den Knirpsen bricht an, und der macht den Eindruck, als ob er ein strahlender werden wollte. Immerhin. Und trotzdem geht es uns nicht gut.

Den Kindern geht es dafür überwiegend sehr gut, auch wenn der Durchfall in Gänze noch nicht besiegt ist. Wir finden immer wieder mal Breiiges, allerdings nicht wirklich Flüssiges.

Der Waagereport dieses Morgens belegt auch, dass die Indisponiertheit immer noch ihre Wirkung zeigt. Erstaunlich ist Korbis Ergebnis, der 20 Gramm verliert, obwohl er weder durchfiel noch an Appetitlosigkeit litt. Wir wollen nicht ausschließen, dass die 8010 Gramm von gestern einer frühmorgendlichen Fehlsichtigkeit der Wägmeisterin zuzurechnen sind, was für ihn jedoch bedeutet, dass er das Privileg, als einziger über acht Kilo zu haben, möglicherweise zu Unrecht beanspruchte. Anders sieht es bei Krischan aus, der in der Tat mit seinem Darm im Unreinen war, und auch Kuno und Koschi waren erst auf dem Weg der Stabilisierung. So summieren am Ende eben nicht mehr als 1100 Gramm für alle zusammen (Durchschnitt: 7412). Im Detail ergibt sich folgendes Bild:

Korbi 7990 (-20), Klecks 7950 (+360), Kini 7900 (+270), Koschi 7870 (+80), Kuno 7270 (+70), Krischan 6900 (-20), Käptn 6850 (+120) und Kathi 6570 (+240).

Im allgemeinen geht man davon aus, dass am letzten Tag alles gesagt und getan ist, auch im Innenverhältnis von Mutter und Kindern. Die Kinder sind reisefertig, und dafür hat sich die Mama acht Wochen ins Zeug gelegt, gelitten und ihre Bedürfnisse hintangestellt. Was hätte sie ihnen jetzt noch Neues zu bieten? Hedda wäre nicht Hedda, wenn sie nicht noch ein kleines Glanzlicht im Repertoire hätte. Als ob ihr einfiele, das sie ihren Kindern noch nicht vorgewürgt hat, holt sie das heute nach. Wir haben darüber schon gesprochen, dass Hündinnen vorverdaute Speise den Welpen vorwürgen, um den Übergang vom Säugen zur Aufnahme fester Nahrung zu gestalten. Die Knirpse verarbeiten schon lange feste Nahrung, haben sogar mit Gummipansen kein Problem, aber Hedda meint wohl, dass das Vorwürgen zum Pflichtprogramm einer guten Mutter gehört. Vielleicht hat sie ein schlechtes Gewissen, weil sie nun endgültig keine Milch mehr liefert und auch diesbezügliche Zudringlichkeiten konsequent abwehrt. Folgerichtig versuchen es die Kleinen damit, ihre Lefzen zu triggern – und haben Erfolg damit: Hedda würgt ihnen ihr Frühstück aus. Nun haben sie zweimal und die Mama keinmal. Wir gleichen das aus, kann ja nicht sein, dass der Hungerhaken hungern muss.  

An einem Tag wie diesem ist darüber hinaus nicht mehr viel los. Die Zuchtmeisterin hat sich eine prächtige Erkältung geholt und den Schülern und sich freigegeben, schnieft und krächzt herum, trinkt Tee und genießt dennoch oder gerade deswegen den letzten Tag mit ihren Kindern.

 M3A5971 1 250Käptn und KoschiDie  M3A6053 1 250Korbi und Kunosind den ganzen, schönen Tag draußen, die Temperaturen steigen auf 15 °C (ätsch, Hunni!), turnen über ihre Gerätschaften, jagen und bespielen sich, bis sie erschöpft zusammenklappen und schlafen. Das geschieht inzwischen einzeln, irgendwo im Garten verstreut, jeder auf seinem Lieblingsplatz. Kuscheln im Bett muss nicht mehr sein. Die Knirpse zeigen uns eindeutig, dass sie täglich selbstständiger werden und es höchste Zeit wird, sie rauszuschmeißen. Jeder arbeitet daran, seine Persönlichkeit zu entwickeln und sein eigener kleiner Kosmos zu werden. Der Kinderstube sind sie längst entwachsen, auch wenn sie noch richtige Kindsköpfe sind. Spätestens wenn sie ihr Paradies nach dem Schlaf wieder auf links drehen, besteht daran kein Zweifel mehr. Doch das alles ist nicht genug, die Seiten der Knirpsenchronik mit Neuem und Spannendem zu füllen.

Neu und irgendwie spannend ist für die Zwerge, dass wir ihnen heute noch einen Futterball spendieren, so einen, der ein Loch hat, aus dem Futter fällt, wenn er gerollt wird. Nicht nur Hedda hat immer noch eine Überraschung parat; da lassen wir uns nicht lumpen. Der Ball findet sofort großen Anklang, doch der Großchecker ist wieder einmal Korbi, der abräumt, bis die Plauze platzt. Gleich nach ihm macht sich Kathi einen Namen, zeigt aber vor allem, dass sie das System verstanden hat, ohne dass sie sich abfüllt.

Die Vögel zwitschern uns eins an unserem letzten Tag, die Sonne lacht und schnell schauen noch zwei Nachbarskinder vorbei, die Abschied nehmen wollen. Mittags servieren wir heute gekochten Seelachs, was wir wegen der Durchfälle aufgeschoben haben, um den Verdauungsapparat nicht vor eine zusätzliche Herausforderung zu stellen. Jetzt sollte das klappen, auch wenn noch immer nicht alle stabil sind. Dafür liefern wir ihnen noch etwas Möhrensuppe dazu und ein Löffelchen Bactisel. Wir machen uns keine Illusionen: Der Durchfall wird erst in den neuen Heimen verschwinden, zumal wir nicht überblicken können, was die Herrschaften außer unserem Speiseplan sonst noch alles in ihrem Paradies ausgraben und verarbeiten. Auch in dieser Hinsicht ist es Zeit, dass sie ausziehen.

Damit wir nicht vor lauter Sonnen- und Knirpsenglück in Rührung vergehen, hat die Pflicht noch ein wenig Arbeit für uns vorgesehen: Die Welpenordner müssen noch zusammengestellt werden. Vieles ist schon erledigt, aber es bleibt noch zu tun. Wir arbeiten es weg. Es schützt vor Gedanken.

Zum Abschied spendieren wir unseren Knirpsen am sehr späten Nachmittag nochmal einen kräftigen Lappen Gummipansen, den sie jetzt schon sehr routiniert wegputzen: keine Aufregung mehr, keine hektische Suche nach einem geeigneten Versteck. Mutter und Oma schleichen herum und behalten genau im Auge, was geschieht. Und erst wenn ein Pansenstück liegengelassen wird, nehmen sie sich dessen an. So viel Souveränität und Gelassenheit auf allen Seiten…

Und dann ist eigentlich alles vorbei. Kennt ihr das, wenn man todmüde ist und nicht ins Bett will, um den nächsten Tag nicht zuzulassen?

Post knirpsem omne bluesius triste est…

 

Samstag, 18. März 2023

Der Tag des Abschieds beginnt völlig unsentimental um 4 Uhr. Die Knirpse machen Party in der Küche. Gestern den ganzen Tag im Freien und aktiv, waren sie früh müde und schliefen auch früh. Jetzt sind sie wach, sehr wach.

Die Begrüßung in der Küche ist stürmisch und unerfreulich: Durchfall allüberall und ein siecher Korbi, der nichts frisst und herumhängt. Gut, dass er erst morgen abreist. Die anderen sind dagegen bei bester Laune. Wir nicht.

Trotz dieser finalen Unannehmlichkeiten schreiten wir nun zuerst zur Preisverleihung auf der Waage. Die Abschlussgewichte stehen nun felsenfest und gehen so in die Annalen des Bairischen Blues ein.

Wer liebt es nicht, beim Sport einen gewieften Taktiker und Strategiefuchs als ersten im Ziel zu sehen? So einen, der sich immer am Ende der Spitzengruppe aufhält, Kräfte spart, gelegentlich, wenn ihm das Tempo zu langsam wird, kurz nach vorne sprintet und wieder Gas gibt, weil er weiß, dass er im Sprint keine Chance hat. Und wie aus dem Nichts ist er da und als erster im Ziel! Und wer ist dieser Stratege unter den Knirpsen?

Kini ist es.  M3A5991 1 250KiniMeist auf Platz drei oder vier von hinten das Feld kontrolliert, nur selten nach vorne geprescht, das letzte Mal montags, und nun mit 8290 Gramm (+390) alle nass gemacht. Tusch!

 M3A5598 1 250KoschiDen zweiten Platz sichert sich der designierte Throninhaber, der jedoch letztlich zu viel Substanz gelassen hat: Koschi geht mit 8210 Gramm und 340 Gramm plus durchs Ziel. Möglicherweise hat ihm sein Darm den Sieg verpatzt.

 M3A6124 1 250KorbiDer Checker hat sich ein wenig vercheckt: Korbi, der auch schon wie ein künftiger Strahlemann auftrat, bringt es am Ende auf 8130 Gramm und 140 Gramm plus.

Klecks landet  M3A6000 1 250Klecksauf dem vierten Platz, also jenen, den er die meiste Zeit beanspruchte: 8110 Gramm (+160).

 M3A6111 1 250KunoAuch Kuno geht mit dem Platz durchs Ziel, der wie für ihn gemacht schien, als Bindeglied und Vermittler zwischen den Dicken und den Dünnen: Platz 5, 7670 Gramm (+400). Sein Schlussspurt kam eindeutig zu spät.

 M3A6079 1 250KäptnAm Ende ist die Reihenfolge eine Frage der Tagesform. Das bessere Ende hat Käptn mit Platz 6 und 7300 Gramm (+450) für sich.

Krischan hängt  M3A6020 1 250Krischansich auch noch einmal richtig rein, kann aber nur Krischan sein, was im übrigen mehr als genug ist: Platz 7, 7260 Gramm (+360).

 M3A5814 1 250KathiUnd dass Kathi auf die lange Strecke auch mit ihren leichteren Brüdern nicht würde Schritt halten können, war trotz einiger vielversprechender Zwischenspurts nicht zu erwarten. Kathi nimmt 7100 Gramm (+530) mit hinaus in die Welt und ist so elegant, wie es Helena und Aphrodite zusammen nicht waren.

Insgesamt melden wir heute nochmal eine gewaltige Bereicherung von 2770 Gramm. Das finale Durchschnittsgewicht aller Knirpse beträgt 7758 Gramm.     

Ein prächtiger Tag steigt ins Mangfalltal auf, der den Hundertjährigen mit seiner Miesmacherei und es herrscht Wind, Schnee und Regen am 18. endgültig blamiert. Wir hofften, dass der kleine Aufschub der Auslieferung sich positiv auswirken wird und haben recht behalten.    

Der Morgen der Abgabe ist ein Morgen der gedankenlosen Routine. Man nimmt wahr, was man eigentlich nicht wahrnehmen möchte, zum Beispiel ein in der Ecke liegender Korbi, der sein Frühstück verweigert. Alle anderen sind reisebereit, flitzen fröhlich herum, obwohl sie gelegentlich auch noch afterwärts flitzen.

Das Büffet fürs Weißwurstfrühstück wird aufgebaut, die kleinen Geschenke für die Knirpse werden zusammengestellt, die Ordner zugeordnet… und der Morgen fliegt dahin. Ach ja, die Mädels müssen auch noch aus.

Die Knirpse versuchen wieder einmal, Hedda zum Vorwürgen zu animieren, tun das aber, bevor sie gefrühstückt hat, was zum Scheitern verurteilt ist. Nach Spaziergang und Frühstück, lässt sie sich dann noch einmal erweichen und liefert ihnen ein letztes Mal ihr eigenes Frühstück ab.

Schnell nehmen wir uns die Zwerge und ihr Schneewittchen noch einmal vor und kontrollieren sie auf Zecken. Die Ausbeute ist erschreckend hoch, leider jedoch nicht lehrreich, denn sie liegen schon wieder unter dem Gesträuch. Fortan müssen sich andere damit herumschlagen.

1M3A6145 1 250Jetzt heißt es Abschied nehmenKorbi wird auch schon wieder munterer. Noch schnell eine innige Kuschelrunde, ein letztes Mal alle zusammen in den Arm nehmen und dann steht bereits die erste Kidnapperin vor der Tür. Von nun geht es Schlag auf Schlag. Bald ähnelt das Paradies einem Flohmarkt und einem plappernden Theaterfoyer.

 M3A6167 1 250Abschied und Neubeginn - unter dem Motto treffen wir unsDas Büffet wird geplündert, man macht sich bekannt und tauscht sich aus. Die Zuchtmeisterin wird los, was sie an Infos loswerden muss, ist den Tränen nahe und geht zur Tagesordnung über: Papierkram, Unterschriften, Fragen, Antworten, Hinweise, Bitten. Bitteschön…

Und dann gehen die Knirpse, einer nach der anderen, hinaus in die Welt. Krischan verlässt uns bereits um 11:30 Uhr. Eine halbe Stunde später folgen ihm Kini und Koschi. Um halb eins zieht Kathi davon. Klecks macht sich kurz nach halb eins auf den Weg und Käptn folgt ihm gegen 13 Uhr.

Der Rest der Anwesenden lehnt sich ein wenig zurück und entspannt sich. Eine der Anwesenden, so erfährt man, hat heute Geburtstag, und da fällt uns plötzlich ein, dass Klecksis neue Leute eine Sachertorte aus Wien mitbrachten, die im Trubel völlig in Vergessenheit geraten war. Nun gerät sie in Ver-Essenheit und bildet einen köstlichen Rahmen für die kleine Feier.

Kuno und Korbi der nun schon wieder fidel ist, fragen sich, wo ihre Geschwister sind und laufen herum wie Falschgeld. Um 15:30 Uhr zieht dann auch Kuno aus.

Nur Korbi hat noch eine Gnadenfrist oder besser: gewährt sie uns. Er darf noch bleiben. Er muss eine lange Reise nach Ungarn antreten, das wäre heute nicht mehr zu schaffen, außerdem fährt man die Strecke besser sonntags, wenn keine LKW unterwegs sind.

Wir beginnen nun, den ganzen Spielkram abzuräumen, damit sich Mutter und Oma mit dem Abschied leichter tun. Sie wussten schon morgens, was heute gespielt wird, haben sich aber tapfer gehalten. Nur als Krischan als erster ging, haben sie Alarm geschlagen: Da klaut eine unseren Krischi! Danach wussten sie Bescheid und haben sich dem Schicksal ergeben.

Korbi wundert sich zwar, wohin seine Geschwister verschwunden sind, kommt aber schnell damit klar. Um 20 Uhr verkündet die Zuchtmeisterin dem Assi, dass sie jetzt bettlägrig sein will und er Kinderdienst habe. Was sonst? Wer sonst, wenn nicht der Assi?

Der geht mit Korbi hinaus ins verlorene Paradies, damit der tut, was er tun soll. Der tut aber nix, sondern lungert ihm nur um die Füße herum. Na, dann gehen wir eben gemeinsam in Assis Dachstube, schauen ein wenig in die Glotze. Dort will Korbi dann, was er unten sollte, aber nicht wollte und pinkelt dem Assi aufs Parkett, der aber aus langer Erfahrung alles dabei hat, was man für die Welpenhygiene so braucht. Korbi schaut sich um, jammert ein wenig, klettert zum Assi aufs Kanapee, zerknabbert ihm die Finger und die ganze Hand, bis er erschöpft mit zwei der Finger im Mund einschläft. Auch Welpen lieben Schnuller.

Gegen 23 Uhr machen die beiden einen weiteren Versuch, im Garten die notwendigen Geschäfte zu erledigen, doch Korbi legt sich lieber aufs Feldbett zum Schlafen. Nach 20 Minuten ist es dem Assi dann doch endlich zu kalt und er beendet das einseitige Spiel. Schluss für heute.

Neben dem Bett der Zuchtmeisterin steht eine hohe Aufbewahrungsbox, mit dicker Decke bestückt und wartet auf Korbi. Als der Assi das Schlafzimmer noch einmal verlässt, um die letzten Dinge zu regeln, meldet sich Korbi schon im Treppenhaus von der Stiege herab, dass er ihm gerne helfen würde. O Mist, so eine Box ist kein Hindernis für einen acht Wochen alten Checker. Also den kleinen Ausreißer wieder zurück in die Box und Flurtür schließen. Als der Assi endlich fertig ist und ins Schlafzimmer kommt, sitzt Klein-Korbi in seiner Box und strahlt ihn an. Gute Nacht, Mgyar.   

Korbi verlässt uns am Sonntagmorgen um 8:30 Uhr und kommt zwölf Stunden später wohlbehalten und in aufgeräumter Stimmung in seiner neuen Heimat an.   

 

Epilog I

Käptn ist ein  M3A6368 1 250Familie SchillerLeichtgewicht, aber sicher kein Leichtmatrose. Wieviel Substanz in dem knuffigen Kerl steckt, beweist er, indem er als erster nach bereits zehn Tagen die 10er-Sperre der Schnullerbox überwindet. Ob er es seinem Bruder Kini nachmacht oder diesen dazu animiert ist nicht überliefert. Der Vorgang belegt jedoch, dass der Käptn auch ein Eroberer ist, der selbst in längeren Flauten seine nahezu immer gute Laune nicht verliert. Neugierde und Abenteuerlust verwachsen sich im Laufe der Wochen in einen unstillbaren Spieltrieb. Wo gespielt und gezockt wird, ist er dabei oder gibt den Ton an. Dabei entwickelt er jedoch nur selten das Bedürfnis, dem Spielgerät das Innerste nach außen zu kehren, wie es sich einige seiner Geschwister zur Aufgabe gemacht haben. Nein, er nutzt lieber die Gelegenheit, sich mit sich selbst zu beschäftigen, in sich und die Welt zu hören und daraus Schlüsse zu ziehen. Und wenn das Ergebnis dieser Introspektive so viel Sanftmut und Lebensfreude ist, dann kann die Welt nicht so schlecht sein, wie sie uns gelegentlich anmutet. Mitunter hatten wir den Eindruck, Käptn lacht uns unentwegt an und wäre das perfekte Model für ein Wahlplakat der Grünen: Lachender Welpe neben einer fröhlich blühenden Sonnenblume. Doch dann kann es unvermittelt geschehen, dass aus der Sonnenblume eine fleischfressende Pflanze wird, der man sich besser nicht nähert. Wie er seine Beute im Garten stand- und wehrhaft verteidigt, sich in eine unangreifbare Position bringt und Geschwister wie Erziehungspersonal erfolgreich vom Leib hält, zeigt Käptns andere Seite, die des lebenstüchtigen und durchsetzungsstarken Kämpfers, der sich nicht wegduckt, nicht versteckt, sondern seine Scharmützel auf offener Bühne austrägt, damit kein Zweifel aufkommen kann: Der Käptn muss keine Muskeln zeigen, hat aber welche, wenn sie gebraucht werden.
Käptn ist am 18. März in Meitingen bei Augsburg in einer Familie mit drei Kindern vor Anker gegangen. Mit denen kann er nun schiffschaukeln und sie kielholen, wenn sie auf seiner Bounty meutern.

 

 M3A6342 1 250Familie HoffmannWer wissen will, wie ein Rudel beschaffen ist und wie ein Hund tickt, der das typische Mitglied eines Hunderudels verkörpert, muss sich mit Klecks beschäftigen. Klecks lebt für sein Rudel und fühlt sich in ihm wohl und geborgen. Klecks ist also nicht weniger als ein Welpe, wie ihn der Große Hund geplant und gedacht hat. Sein Gemeinschaftssinn macht ihn zum immer verfügbaren und gemütlichen Spielbären für seine Geschwister. Besonders ins Herz geschlossen hat er Krischan, der alles mit ihm anstellen kann, der ihn an den Ohren knabbern, knuffen und umwerfen kann. Dann liegt Klecks auf dem Rücken und strahlt mit dem kleinen Krischan um die Wette. Aber auch alle anderen dürfen an ihm ihre Kräfte und Kniffe üben; Klecks wird selten etwas zu viel. Im Garten braucht er seine Geschwister nicht unbedingt. Vor allem, wenn es um Beute geht, trickst er sie geschickt aus und macht sich vor allen unsichtbar. Außer seinem Erhaltungstrieb haben wir wenig Kampfeslust bei ihm gesehen, es sei denn, man hätte es geschafft, ihn an die Außengrenzen seiner Contenance zu bringen, die allerdings weit gespannt sind. Dann kann Klecks auch mächtig sauer werden und dem Rest der Welt seinen Standpunkt pauken. So sind auch seine schüchternen bis halsstarrigen Auftritte beim Foto-Shooting und der Wurfabnahme zu werten: Klecks allein außer und im Haus. Klecks rudel-ratlos. Im warmen Bett seines Rudels läuft er zu großer Form auf, daneben bekommt er schon mal weiche Knie. Doch Klecks ist Kerl genug, sich der Welt ohne sein Rudel zu stellen, beziehungsweise sich sein neues Rudel nach seinem Geschmack zurechtzubiegen. Mit und in ihm biegt er sich dann auch die ganze Welt zurecht und macht dabei weder vor Gefängnisgittern noch vor Tunnelwänden Halt. Sein namensgebender weißer Klecks hat ihn oft genug als Rädelsführer solcher Biege- und Beugeaktionen verraten.
Klecks kleckert fortan frohgemut in Guntramsdorf, Niederösterreich.  

 

Korbi fällt 1M3A6461 1 250Familie Wiedemannanfangs vor allem durch die Schönheit seiner Markenzeichnung auf. Schon als Stummelzwerg scheint er sich seiner Sonderstellung unter seinen Geschwistern bewusst zu sein und taucht auf allen Fotos auf. Ein tägliches Tagesbild mit Korbi wäre uns leicht von der Hand gegangen. Dahinter stecken die Gene seines Urahns Cherom. Die Rübe fällt eben nicht weit vom Rübezahl. Doch dann beginnt er, in sich hineinzuhören und andere Qualitäten zu entdecken. Und so wurde aus dem Macker der Checker. In dieser Hinsicht gerät ihm dann seine auffällige Schönheit zum Nachteil, weil er, auch ohne seinen blauen Punkt, jederzeit identifizierbar ist. Andererseits könnte ihm gerade diese Eigenschaft den Ruf als Alleschecker eingebracht haben, weil er eben auffälliger ist als seine eher unscheinbaren Mittäter. Aber seien wir nicht ungerecht und beckmesserisch: Wer jedes auch nur leicht angelehntes Gittertürchen als begehbar und Aufforderung zum Ausbüxen versteht, hat sich einen Ehrentitel mehr als verdient. Nichts entgeht Korbi, immer ist er auf der Höhe der Situation und Entwicklung und mit der Nase mittendrin. Doch wenn es nicht nach seiner Nase geht, kann er zur krähenden Nervensäge und zum Dauermäkler und -nörgler werden. Den Begriff Angst scheint Korbi nicht zu kennen. Er schmeißt sich mitten ins Getümmel und gestaltet es mit, ohne Sorge, der Situation nicht gewachsen zu sein. Mit diesem Selbstbewusstsein muss man auch vor erwachsenen Hunden, noch nicht einmal vor grummelnden Rüden weichen. Diese dicke Hose kann er auch in Zukunft gut gebrauchen, denn er wird einen Drei-Männer-Haushalt komplettieren. Korbi zieht zu seinem Onkel (Heddas Bruder) Henry (Hugo) und dem gereiften Barney, einem Enkel unserer Anouk. Sogar nomenklatorisch ist er mit allen Wassern gewaschen: Sein neuer Haushälter ist Bayer und wird ihn, bayerisch konnotiert, Kurbi rufen. Seine Haushälterin ist Engländerin und macht mit Körbi sicher nichts falsch.
Um Korbis Internationalität zu komplettieren, wird er sein Leben in Mezönagymihály (Ungarn) zwischen Schweinen, Schafen und Hühnern verbringen und auf diese Weise der Bestimmung als Hofwächter von all seinen Geschwistern am nächsten kommen.
P.S. Der Chronist gibt ihn nur deswegen aus seinen Armen, weil er ihn in ebenso liebevolle und starke übergeben darf.

 

Koschi ist das  M3A6256 1 250Familie RatzKraftzentrum der Knirpse, ohne dabei ein Kraftmeier zu sein. Koschi ist eher der Coole und Autonome im Team. Er ist präsent, ohne sich aufzudrängen. Koschi geht seiner Wege und macht sein Ding, ist dabei aber nie ein Außenseiter. So sehen wir ihn dann auch öfter schlafen, wenn die Geschwister eine Sause veranstalten. Und wenn diese ruhen, streift er gelegentlich gedankenverloren durch sein Reich und sucht auf einem Schoß Trost vor der Einsamkeit. Wenn er in Gesellschaft und im Getümmel ist, misst er sich bevorzugt mit Korbi, von dem er sich aber auch die Weltgewandtheit und Raffinesse abschaut. Sie und seine Körperkraft lassen ihn schließlich nicht nur das Transitgitter überwinden, sondern zum vielbeachteten (und bereits angesprochenen) Kraftzentrum werden. Nicht alles dreht sich um Koschi, aber vieles bewegt sich um ihn. Koschi hat einen langen Atem und eine, wie man so sagt, „lange Lunte“. Bevor ihm der Draht aus der Mütze springt, muss viel passieren. Provozieren und provozieren lassen gehören nicht zu seiner Basisausstattung, denn Koschi ist, ähnlich wie Klecks, ein Rudel-Rudi und ein Cushion-Kuschler. Solche Kerle sind aus Herzenswachs gezogen und mit Gold kaum aufzuwiegen. Für seine zukünftige Wohngemeinschaft mit dem erfahrenen Hovawartrüden Bosse ist er demnach bestens ausgestattet.
Und so heißt es ab jetzt: Zweisam mit Bosse in Freiburg (Breisgau) an der Dreisam…
Zukünftig firmiert Koschi als Koshi, weil, wie man hört, ein Mitglied seiner neuen Familie das deutsche „sch“ nicht ausstehen kann. Das hat man nun von der Durchanglizierung der deutschen Sprache, an dessen Ende ein germanistisher Sherbenhaufen steht und der seinen Anfang nahm, als Schappi zu Chappi wurde. So etwas löst beim Chronisten shon mal Chnappatmung aus. Was für ein Glück, dass Freiburg nicht in Shwaben, sondern in Baden liegt. Kos(c)hi wird es sowieso shnurzpiepwurshtegal sein. Und dem Chronisten eigentlich auch, solange ihn niemand zwingt, Frau Schubert wie Shubert zu shreiben.

 

1M3A6383 1 250 JPEG 250 2Nadja WelleDer Chronist hat bei der Chefredaktion den Antrag gestellt, über Kuno ein Drehbuch für einen Sechsteiler schreiben zu dürfen. Er möge sich beschränken und Kuno auf den Punkt bringen, wurde ihm beschieden. Der Punkt ist, geometrisch betrachtet, nichts, in Kunos Fall ist er so groß wie der Mittelkreis eines Fußballfeldes, und nicht weniger Platz braucht man, um seine Persönlichkeit auszubreiten. Fangen wir ganz vorne bei ihm an: Er ist naseweis. In der Mitte hat er ein Großraumherz, einen langen Atem und einen Bärenhunger, und ganz hinten wedelt er unentwegt freundlich der ganzen Welt zu. Nichts als Eckdaten, wie man ahnt, und doch umfassen diese Marker sein ganzes Wesen. Sucht man nach Unwesen, sucht man vergeblich. Kuno ist ein immer freundlicher Herzensbub ohne Spaßbremse mit Gute-Laune-Garantie. Wenn er morgens aus dem Bett steigt, hat er Sonne in den Augen. Den Tag füllt er mit Menschenbesuchen und -umgarnungen und abends legt er sich in ein Bett aus Sternen. Kuno ist immer unterwegs auf der Suche nach einem Arm, nach einem Bein und nach Glück. Er ist im besten Sinne von Werner Schmidbauer ein Momentensammler. Und seine größten Momente findet er in der Begegnung mit Menschen; er ist der Erste, der sie begrüßt und der Letzte beim Abschied. Kein Spiel und keine Unternehmung ist ihm wichtig genug, dass er sie nicht für einen Menschen unterbrechen würde. Sein liebster Sparringspartner ist Käptn, weil mit ihm auch der Zweikampf nie die Grenzen der Leichtigkeit überschreitet.    
Kuno nennt sich fortan Kiano. Das ist kenianisch und beschreibt sein Wesen umfassender als all die Worte des Chronisten. Kiano steht für voller Freude, kühle Brise aus den Bergen, Wind in den Wellen oder Wirbelwind. Geht es treffender? Aber es kann auch kleiner König bedeuten, und dass er das in seiner neuen Heimat in Holzkirchen sein wird, steht außer Frage: Der kleine König Kiano in Nadjas Hundereich. Und dass er in seiner väterlichen Linie auch noch den Namen vom Nadjangrund trägt… Jetzt fehlt nur noch, dass drei Magier aus dem Morgenland vorsprechen.

 

Kini nennen 1M3A6217 1 250Familie Kahldie Bayern liebevoll ihren Märchenkönig Ludwig II, den sie als feschen, jungen Burschen in Erinnerung behalten wollen. Dem späten Ludwig lassen sie diese Zärtlichkeit kaum mehr angedeihen. Unser Kini ist und bleibt ein junger, fescher Kini, einer, der diesen Kosenamen nicht verwirkt hat. Kini verdiente sich seinen Namen wegen der royalen Flügel, die er auf der Brust trug, derer er sich aber bis zur Trennung entledigt. Zusammen mit Kuno gründet er das kongeniale Kuni-Kino, das an Tagen mit „r“ wie Hanni und Nanni die Herzen erobert, an solchen ohne „r“ wie Bonnie und Clyde herummarodiert. Wenn er seinen Tag ohne Kuno gestaltet, taucht er fast unter, was nicht bedeutet, dass er nicht allgegenwärtig ist. Im Gegenteil. Kini verwandelt sich dann zum Tarnkappen-Knirps. Er ist es, der leise und heimlich die ersten Flaschen aus dem Flaschenregal zupft, er ist es, der die von Korbi gecheckten Schwachstellen der Teppichverklebung aufarbeitet und er ist es, der sich so lange gegen das Transitgitter wirft, bis er die Stützsteine auf Körperweite wegstemmt. Dass dahinter dennoch nicht die Freiheit winkt, ist nur Pech. Schon früh macht er sich mit seinen einsamen und ausgedehnten Fußmärschen durch die Küche einen Namen, bei denen er seine Umgebung einsaugt und kartiert, Deckenstapel und Sitzkissen exploriert, falls verfügbar auch Schöße. Kini gehört auch zu den autonomen Knirpsen, die ihr Leben oft antizyklisch gestalten. Sehr zyklisch ist er dagegen bei der Essensausgabe. Seine Einsätze an Hosen- und Fersenbeinen sind eher zyklonisch. Aber mit seinen Geschwistern fängt er keine Rauferei an, was nicht heißt, dass er einer im Gange befindlichen aus dem Weg ginge. Die bestreitet er dann, wie alle seine Spiele, mit vollem Körpereinsatz.         
Weil Kini sein royales Flügelchen abgelegt hat, kann er auch auf den Kini verzichten und in Zukunft Tino heißen. Tino ist die Kurzform des italienischen Valentino, was wiederum auf das lateinische „valens“ zurückgeht, das „gesund“, „stark“ und „kräftig“ bedeutet. Kräftige und stark ist er ohne Zweifel, dass er lange gesund bleibt, wünschen wir ihm und seiner neuen Familie, mit der er nun im hessischen Wetzlar lebt.

 

1M3A6213 1 250Jasmin Evers-SchmidtIrgendjemand hat einmal den kleinen Krischan als Duracell-Äffchen bezeichnet. Das ist nicht ganz falsch, greift aber nicht tief genug. Denn Krischan ist tatsächlich nahezu unermüdlich, aber ein hektischer Trommler ist er keinesfalls. Krischi ist ein Bossler, ein Tüftler, ein Ingenieur, der alles auf links dreht und so lange inspiziert, bis ihm ein Licht aufgeht und er dessen Funktionsweise versteht. Das treibt ihn an, da steigt er ein und hört nicht auf. In solchen Augenblicken trifft es sich gut, wenn ihn seine Geschwister zum Tanz abholen. Dann ist er ein ebenso unermüdlicher Spielratz und Tanzbär. Folgerichtig nutzt kein Knirps seinen Abenteuerspielplatz wie er. Kaum eines seiner Geschwister kennt all die Ecken, Kanten und verborgenen Fallstricke wie Kirschen. Das verschafft ihm bei Verfolgungsjagden oft den entscheidenden Vorteil – und weg ist er, wie vom Erdboden verschluckt. Krischan stolpert kaum und rennt sich nie die Birne ein, was man nicht von allen seinen Geschwistern behaupten kann. Wie Kuno ist auch Krischan ein ausgewiesener Menschenfreund, ein Dauerschatten und Wegelagerer. Für einen Lift auf einen Arm oder Schoß verlässt er sogar seine Objektstudien. Auf den Punkt gebracht, hat Krischi zwei Leidenschaften: lifteln und tüfteln. Und ein richtiges Strahlemännchen ist er auch. Beim Tüfteln strahlt er nach innen und beim Lifteln nach außen. Dieser Zuckerbube hat das Zeug, die Welt in Licht zu tauchen. Ob ihm so viel Licht vielleicht dann doch etwas zu viel ist? Es wäre die Erklärung, warum er selbst an strahlend schönen Tagen lieber im Haus schläft als bei seinen Geschwistern auf der Terrasse. Wer ist schon frei von Widersprüchen.  
Krischan tüftelt nun in Hardissen-Lage (Westfalen-Lippe) und hört auf den Namen Jänner. So bezeichnen vor allem die Österreicher, aber gelegentlich auch noch andere Bergvölker, den Januar. Das wirft Fragen auf. Warum Jänner? Man denkt sich dann eventuell, ja warum denn nicht? Wenn Robinson Crusoe seinen farbigen Dienstleister Freitag nennen darf, warum sollte dann Krischan nicht Januar heißen? Und doch befriedigt diese Begründung nicht hinreichend. Seit dem Jahre 153 vor unserer Zeitrechnung beginnt das römische Kalenderjahr nicht mehr im März, sondern im Januar. Und dieser Januar ist nach dem römische Gott Janus benannt, der mit den zwei Gesichtern und jener, dem man nachsagt, dass er Türen und Tore öffnet. So gesehen ist der nach Janus benannte Januar der Monat, der noch ins alte Jahr zurückblickt und den Weg ins neue Jahr freimacht. So ein Janusköpfchen ist auch unser Krischan ganz gewiss.

 

 M3A6292 1 250Ellen ErnestiAls Kathi nach sieben Burschen in die Kiste plumpste, plumpsten noch zwei Steine auf den Küchenboden des Bairischen Blues: doch noch ein Mädchen! Die sieben Zwerge hatten ihr Schneewittchen, ohne das sie niemals als sieben Zwerge wahrgenommen worden wären. Bald wird klar, wer die Hosen im Zwergenreich anhat. Kathi setzt sich schnell zur Wehr und durch. Schon um nichts zu versäumen oder ausgetrickst zu werden, ist sie überall mitten unter ihnen, mischt mit, teilt aus und steckt ein. Wenn die Rüpel zu übergriffig werden, findet sie in Koschi einen Bodyguard, der für Ordnung sorgt. In diesem Testosteron-Biotop gedeiht Kathi prächtig und entwickelt sich zu einer jungen Dame mit knisterndem Selbstbewusstsein. Bei jedem Stammtischzwist mischt sie mit und bei jeder Kirmesschlägerei heißt es bald: Kathi, get your gun! Aus solchem Holz waren wohl Johanna von Orleans und die vermeintliche Päpstin Johanna geschnitzt: kurz geschoren, kurz angebunden und kurz entschlossen. Dabei ist Kathi eine echte Zuckerschnute, was sie jedoch nur auslebt, wenn sie vor ihren Brüdern sicher ist. Wenn man sie ans Herz drückt, fühlt man ihre Seele leise schwingen. Und die ist zart und fluffig wie Salzburger Nockerl. Die harte Schule ihrer Brüder liefert ihr den lebenswichtigen Firnis für ihre zarten Seiten. Nur wenn sie in Kampfeslaune ist, zweifelt man an der Existenz eines weichen Kerns. Dann greift sie zu wie ein Schraubstock und hängt wie ein Piercing in den Hacken. Als ob das nicht genug Leistungsdaten für ein erfolgreiches Leben und Überleben wären, macht sie die tägliche Konkurrenz zusätzlich blitzschnell auf den Beinen und fix im Kopf. Die Butter lässt sie sich nicht vom Brot nehmen, noch weniger das Pansenstück aus den Zähnen. Und nach all den kleinen Reifeprüfungen, nimmt sie sich bewusst ihre Ruhepausen, deren ungestörte Einhaltung von ihren Brüdern ausnahmslos respektiert wird.
Ein bisschen von ihrer Lebenskraft und Durchsetzungsstärke wird sie auch in Zukunft gut gebrauchen können, denn in ihrem neuen Revier in Dessau hat seit elf Jahren die Hovi-Dame Banya das alleinige Prinzessinnenrecht, das sie vermutlich nicht verramschen möchte. Und wenn schon: Bisher haben noch alle Blueskinder die Platzhirsche und -kühe eingeseift und niedercharmiert. Und ausgerechnet Kathi sollte das nicht gelingen?
Zu guter Letzt steht mit diesem Rüstzeug auch einem Erfolg als zukünftige Man-Trailerin nichts im Wege. Viel Glück und Spaß dabei.

 

Epilog II

Die Knirpse sind in die Welt hinausgegangen, haben sich häuslich eingerichtet und sich teilweise schon ihren Platz bei bisherigen Platzhirschen und -kühen erarbeitet, sie niedergeschmust und eingeseift. Erste Bilder zeugen von ihren Erfolgen. Der Alltag wird die Knirpse mit ihren Familien zusammenschweißen und anfängliche Irritationen auflösen. Es gilt, sie in die Bräuche und Umstände der neuen Familien zu integrieren, die anspruchsvollen Wochen bis zum Zahnwechsel zu überstehen, ihnen ohne zu hyperventilieren die Grenzen zu zeigen und ihr scharfkantiges Interesse umzulenken. Lasst sie machen und lasst sie lachen. Geduldige, einfühlsame und konsequente Führung ist die Zauberformel.

Wir vermissen sie noch ein wenig, ohne zu trauern. Der Abenteuerspielplatz ist geräumt, Hedda ist wieder Hedda, nur Fianna, findet noch immer irgendwo Plüschis, die sie durchs Haus trägt. Der Geruch der Knirpse steigt trotz ausgiebiger Putzaktionen noch immer aus manchen Ecken und verlängert ihre Anwesenheit.    

Die Knirpse waren ein sehr erfreulicher und ganz besonderer Wurf. Nie hatten wir so wenig Randale und Geplärre, auch die Attacken hielten sich sehr in Grenzen. Von Krankheiten blieben wir auch verschont, sowohl bei den Welpen wie bei der Mama: keine entzündeten Zitzen und keine Infektionen, nichts. Das Bisschen Durchfall gehört zum Geschäftsmodell. Zu allem kommt, dass dieser Wurf der schönste aller Blues-Würfe ist. Alles zusammengefasst waren die Knirpse der perfekte Wurf.

Wie mehrmals erwähnt wurden die Knirpse wöchentlich vom Regionalfernsehen Oberbayern (rfo) begleitet, und am 22. März eine 23-minütige Doku darüber ausgestrahlt. Sehr einfühlsam und dennoch sachlich, mit viel Hintergrundinformationen über den Hovawart und unsere Zuchtvorstellungen, machen den Beitrag für uns und alle, die mehr wissen wollen, sehr wertvoll und empfehlenswert: Ein Hingucker und Muss für alle Hovawart-Liebhaber. Der Beitrag ist ab sofort auch in der Mediathek verfügbar: rfo/Mediathek/Süd Leben/Ein Süd Leben als Hundezüchter.

Wir danken Lukas, dem Objektivführer sehr herzlich für seine Mühe und seine auch im Beitrag vermittelte Freude mit unseren Knirpsen.

Unser erster und wichtigster Dank gilt Hedda und Kuno-Kosinus, die uns diesen zauberhaften Wurf schenkten, und natürlich Hedda für ihre unermüdliche und aufopfernde Rolle als Mutter. Nicht vergessen dürfen wir Fianna, die den Wurf routiniert, gelassen und dennoch mit viel Omaliebe begleitete und den Welpen viel mehr mitgegeben hat als wir alle jemals ahnen können. Eine solche Harmonie zwischen Mutter und Tochter ist ein großes Glück und keinesfalls selbstverständlich.   

Darüber hinaus danken wir allen, die am Gelingen des K-Wurfs beteiligt waren, auch wenn wir sie an dieser Stelle nicht namentlich nennen. Eine Ausnahme machen wir mit Anna-Maria und Soo-Mi, die besonders viel Zeit den Knirpsen widmeten. Wir und die Knirpse haben euch allen viel zu verdanken.

Ein ausdrücklicher Dank geht an alle Freunde, Nachbarn und Hovawartbesitzer, die die Knirpse besuchten und damit dazu beitrugen, dass diese gelernt haben, Menschen als ihre Freunde zu betrachten und zu lieben. Nichts ist heutzutage wichtiger als menschenfreundliche Hunde. Und unsere Knirpse lieben Menschen – und andere Hunde.

Wir danken unserer Waschmaschine, dass sie, im Gegensatz zum Trockner, durchgehalten hat. Der Trockner ist jetzt auf dem Alteisenteil, sein Nachfolger ahnt vermutlich bereits, was es bedeutet, eine Stellung beim Bairischen Blues anzunehmen.

Auch danken wir dem Personal in den verschiedenen EDEKA-Filialen, dass sie den Assi wegen seines exorbitanten Klopapierumsatzes nur hinter vorgehaltener Hand als „Scheißkunden“ führen.

Der Chronist dankt dem Assi für seinen unermüdlichen, selbstvergessenen, gelegentlich auch tollpatschigen Einsatz, der ihn, den Chronisten, in die Lage versetzte, viele Seiten, oft genug mit nicht gerade historisch bedeutenden Episoden zu füllen.

Unter diesen Umständen will sich dann auch der Assi keine Undankbarkeit nachsagen lassen und dankt dem Chornisten für seine unermüdliche und selbstverleugnende Berichterstattung.

Und nun taucht der Bairische Blues wieder in den Alltag ab. Wann er aus ihm wieder auftauchen wird, überlassen wir dem Schicksal und den laufenden Ereignissen. Bis dahin empfehlen wir

Keep on the sunny side, always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life
It will help us ev'ry day, it will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life