K-Wurf

Mittwoch, 1. Februar 2023

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind…

1M3A0506 1 250Kathi und Kini stört das windige Wetter draußen nichtNordatlantisch stürmt es heute im Mangfalltal. Dem Nachmittagsspazierer ergeht es sogar ohne Schirm fast wie dem Fliegenden Robert … huuuiiii …

Doch was sagt der allwissende und ewig wahre Bauernkalender zu diesem Sauwetter? Der Feber muss stürmen und blasen, soll das Vieh im Lenze grasen. Dann mal zu, das hört sich gut an.

Bevor wir jedoch zu sehr ins Träumen geraten, beschäftigen wir uns mit den schnöden Fakten im Welpenzirkus. Und die hat heute, wie jeden Morgen, die Waage.

Da fällt zuerst auf, dass Koschi auch anders kann als nur seine Geschwister ihrer täglichen Milch zu berauben, heute beispielsweise mit einem spärlichen Aufschlag von 20 Gramm (1380). Das lässt ihm noch lange nicht die Wänglein einfallen und er muss auch deswegen seinen Sonnenplatz ganz oben nicht aufgeben. Aber immerhin… Ob es Schläfrigkeit war oder doch eine Spur von Charakter?

Klecks nimmt dafür Koschis Durchhänger dankend an und polstert sich mit 100 Gramm auf, was ihn auf 1280 Gramm und wieder einmal an Korbi vorbei trägt.

Der schafft heute nur 60 Gramm (1250) und verdoppelt damit als Letzter sein Geburtsgewicht, was bei 620 Gramm zum Erdbeitritt ja wirklich eine Aufgabe ist, vor allem, wenn man einen nimmersatten Bruder wie Koschi hat.

Kini bringt auch ordentliche 70 Gramm mehr auf die Waage (1230), mit dem gleichen Endgewicht wie Kuno, der allerdings nur 60 Gramm zulegen kann. Krischan bleibt bei 30 Gramm unter den Möglichkeiten, die er zuletzt nachgewiesen hat (1150), rangiert aber weiterhin vor Käptn (1120, +50). Und die bayrisch‘ Kattl träumt sich mit einer glatten Nullnummer auf ihren 1020 Gramm fest. So errechnen wir einen mittelmäßigen Zuwachs von 390 Gramm bei einem Durchschnittsgewicht von nun 1207 Gramm.

Dieser 1. Februar hat wenig mehr im Gepäck als Wind und Regen, aber in einem Kindergarten ist immer ein wenig Fortschritt, weil Stillstand ein besorgniserregender Rückschritt wäre.

Da wäre beispielsweise Kini, der heute Morgen nach der Entlassung aus der Kiste und der Morgenspeisung einen bemerkenswerten Alleingang in der Küche unternimmt, sich dabei sehr für den Deckenstapel und den Kühlschrank interessiert. Er ist somit der Erste, der den engen Kreis ums Kudde-Außenlager verlässt – und dabei völlig entspannt bleibt. Er jammert nicht, er sudert nicht, er ist nur unterwegs, was für uns bedeutet, ab sofort unsere ersten Blicke beim Betreten der Küche auf den Boden zu richten, dort könnte nämlich ein Kini lustwandeln. Noch eine Leidenschaft zeichnet unseren Kini aus: Wenn ein Knirps auf dem Rücken liegt, ist es der Kini. Egal ob allein irgendwo in der Kiste, zwischen seinen Geschwister oder unter seinen Geschwistern an Mamas Bar: Kini liegt bevorzugt auf dem Rücken (sofern er nicht auf Wanderschaft ist).

1M3A0507 1 250KlecksNach den Augen wird nun auch das Gehör aktiv. Die ersten recken schon mal die Köpfe, wenn man sich ihnen im Schlaf nähert; war da was? Dann beginnen sie zu pendeln und zu sondieren: Jawoll, da war was. Blitzschnell wird daraufhin der ganze Knirps putzmunter und macht sich auf den Weg.

Und die Knirpse fangen jetzt mit den ersten Versuchen einer sozialen Fellpflege an und lecken sich gegenseitig 😜. O leck…

 

Donnerstag, 2. Februar 2023

Ein Tag wie eine 24 Stunden währende Verheißung bricht an: Mariä Lichtmess.

Kein Mensch feiert heute mehr das katholische Fest der „Darstellung des Herrn“, und dennoch sollte man es nicht aus den Augen verlieren. Jener Tag, an dem früher traditionell Knechte und Mägde ihren Jahreslohn in Geld oder Naturalien bekamen und sich bei ihrem Dienstherrn weiter verpflichten oder den Arbeitgeber wechseln konnten, war wahrscheinlich für viele von ihnen der einzige Lichtblick im Jahr. Danach konnte es schnell wieder düster werden.

Etwas ganz anderes verspricht die alte Bauernregel: Mariä Lichtmess, Supp bei Tag ess‘. Damit ist keine Nudel-, Zwiebel- oder Knödelsuppe gemeint, sondern die Milchsuppe, die man im Bauernhaus morgens nach dem Melken gemeinsam verspeiste. Die alten Bauersleute waren nämlich feine Naturbeobachter und hatten herausgefunden, dass die Tage ab dem 2. Februar sehr viel schneller zunehmen als die davor. Das bedeutet: Ab jetzt geht’s mit der Tageslänge fix und flott bergauf. In München wird es ab heute jeden Tag drei Minuten länger hell sein, das summiert sich pro Woche auf 21 Minuten! Na, glänzen da nicht ein paar Äuglein vor Glück? Die des Chronisten funkeln schon wie die Kronjuwelen im Tower.

Wenn zudem der Wetterbauer prophezeit Auf Lichtmess lasst es Winter sein, kommt der Frühling bald herein, und die Wetterprofis für heute und die nächsten Tage Winter und viel Schnee ankündigen, ist das Glück schier grenzenlos. Eine andere Prophezeiung lautet Sonnt sich der Dachs in der Lichtmesswoche, geht auf vier Wochen er wieder zu Loche, erinnert uns das doch sehr an das Murmeltier des amerikanischen Groundhog Day, der ebenfalls am heutigen 2. Februar gefeiert wird, und bei dem ein Murmeltier öffentlich aus seinem Bau gelockt wird. Sieht es dabei seinen Schatten, scheint also die Sonne, soll der Winter noch weitere sechs Wochen dauern. Keine Frage, die ausgewanderten Bauern haben einfach ihr Brauchtum mit über den großen Teich genommen und den Dachs gegen ein Murmeltier ausgetauscht. Wenn sie sich nur an ein paar andere Errungenschaften des alten Europas auch noch so gut erinnern würden…

Jetzt aber Schluss mit der Brauchtumspflege und alle Hoffnung auf die Prophezeiung des angekündigten Wintereinbruch gerichtet!

Aktuell ist es draußen das, was man in Bayern greislich nennt: Regen und treibender Wind, Sturmwind und treibender Regen, wechselnd in dieser Reihenfolge. Doch in höheren Lagen soll es zuverlässig schneien heute. Und genau so soll es sein, haben wir soeben gelernt.

Nächster Tagesordnungspunkt: Baiblues‘ Gewichtmess.

Koschi hat seine 20 Gramm von gestern mit 70 Gramm plus wieder standesgemäß korrigiert und meldet 1450 Gramm. Das sind 150 Gramm mehr als Korbi (1300, +50) als Zweitplatzierter aufzuweisen hat oder genau die Menge Magerquark, die Heddas tägliche Welpenmilch beinhaltet. Auch Klecks kann mit 1300 Gramm aufwarten, erzuzelte sich aber nur 20 Gramm mehr, weswegen er mit Korbi den Verfolgerplatz tauschen muss. Dahinter bleibt alles wie gestern und gehabt: Kini 1280 (+50), Kuno 1280 (+50), die beiden, die nicht nur in der Gewichtstabelle gerne Hand in Hand durchs junge Leben ziehen, danach Krischan 1180 (+30), Käptn 1130 (+10) und Kathi 1090 (+70). Am Ende kommen trotz allseitiger Bemühungen nur 350 Gramm Aufschlag zusammen und ein Durchschnitt von 1251 Gramm.

Die tägliche Gewichtszunahme pendelt sich auf relativ bescheidenem Niveau ein, was darauf hindeutet, dass wir bald werden nachhelfen müssen. Dann wird sich zeigen, was abgeht und vor allem, wie sich die Dauerverdrängten und Durchgereichten entwickeln werden, wenn sie ihr Hüftglück selbst in die Hand nehmen können. Nach unserer Erfahrung ist allerdings noch keine(r) freiwillig am vollen Napf verhungert.

Wir sind da voller Zuversicht, denn die Knirpse kommen ja auch sonst schon gut in ihrem kleinen Leben zurecht. Wenn die Schnullerkiste geöffnet wird, finden sie meistens schon auf kurvenreich direktem Weg ins Kudde-Außenlager, und die Kraftpakete Koschi und Klecks schaffen es meist auch schon, ihren Pummelpo über dessen dicken Wulst zu wuchten, mit Mühen, heftig rudernd und maulend zwar, aber schließlich schaffen sie es und bilden sich wenigstens ein, dass sie von den anderen bewundert werden. Wir tun das.

Der kleine Käptn ist dagegen immer noch ein bisschen verpeilt, zumindest wenn es um den direkten Weg zu Mamas Bar geht, was für einen Seemann doch eher ungewöhnlich scheint. So gesehen ist er eher ein Leichtmatrose, obwohl es denen gewöhnlich auch nicht schwer fällt, den Weg zur nächsten Kneipe zu finden. Aber auf der Suche nach der Tränke verstreicht jene Zeit, die die anderen nutzen, um tabula rasa zu machen. Wenn der Käptn dann allerdings an einem Zapfhahn festgemacht hat, lässt er so schnell nicht mehr los, dann zapft er sich fest, bis er wie ein voller Blutegel von der Quelle taumelt. Dann sucht er sich den nächsten Zapfhahn, aus dem er noch eine Neige saugen kann. In Bayern nennt man so einen: Noagerlsaufer.

1M3A0521 1 250Kini und Kuno tanken Kraft bei Mama HeddaKini entwickelt seine Neigung (bitte nicht: Noagung wie beim Noagerlsaufer!) zu extensiven Fußmärschen weiter und vertieft sie. Innerlich gelassen, dabei äußerlich hochkonzentriert und bemüht streift er durch die Küchenlandschaft, exploriert Deckenstapel und Sitzkissen und, sofern vorhanden, gerne auch Schöße. Nicht selten wird er dabei von Kuno begleitet, ebenfalls schon ein versierter Fußgänger. Es ist ein richtig großes Kuni-Kino, wenn die beiden unterwegs sind. Noch schauen sie sich nur um und sondieren die Lage. Wir ahnen aber bereits, dass wir mit diesen Freibeutern, die offenbar auch ohne Käptn gut zurechtkommen, noch unseren Spaß haben werden.

1M3A0524 1 250Klecks und Korbi on TourEin anderes derzeit dickes Brüderpaar sind Korbi und Klecks, die nicht nur Seit an Seit durch die Gewichtstabelle schreiten, sondern auch sonst gerne zusammen abhängen. Als Ergebnis resultiert daraus, dass Klecks fast so häufig auf unseren Bildern zu finden ist wie die Rampensau Korbi.

Außer ihren immer sicherer werdenden Gehversuchen, entwickeln die Knilche auch weitere lebenserhaltende Fähigkeiten. Dazu gehört, dass sie nun vermehrt seltsame Verrenkungen und Schlitzaugen machen, als deren Ergebnis am anderen Ende des Welpen ein Teich entsteht, ein Teich, dessen Ausmaße die Frage provoziert, wo er vorher im Knirps Platz gefunden hatte. Im Gefolge der Wasserwirtschaft entlassen die Knirpse auch zunehmend feste Würstchen irgendwo in der Küche, je Kini und Kuno desto weiter verteilt.

Aber sie entwickeln auch eine andere lebenserhaltende Fähigkeit, die keine Beeinträchtigung ihrer Gastfamilie darstellt. Auch die ist mit seltsamen und mitunter schauerlich schönen Verrenkungen beziehungsweise Ab- oder Umstürzen verbunden: Die Knirpse versuchen nun bereits, sich mit einem Hinterbein am Ohr zu kratzen. Was wäre denn ein Hund, der sich nicht am Ohr kratzt? Und sei es nur, um seine Verlegenheit zu überspielen.

All diese enormen Entwicklungsschritte werden mit Freude und zunehmendem Interesse von Fianna verfolgt. Sie fühlt sich nun dringend als erfahrene Muhme gefordert und versucht, Stück für Stück von der Oma zur Mama zu mutieren: Kaum passt man nicht auf, liegt sie bei den Knirpsen im Kudde und hat augenblicklich alle acht am Bauch! Hedda schreitet nicht dagegen ein, wir aber postwendend und spaßbremsend.

Gelegenheit macht in diesem Fall keine Liebe.

 

Freitag, 3. Februar 2023

Geschneit hat es nicht im Mangfalltal und ebenso wenig in der näheren Nachbarschaft. Bei uns herrscht eher ein Gefühl von green, green grass of home vor. In Anderdeutschland schneite es dagegen mehr als man es dort für notwendig erachten dürfte. Was bedeutet das aber nun für den auf bald prophezeiten Frühling im Gefolge des Lichtmesswinters? Wir sind uns einig: nichts! Denn der Bauernprophet hat nicht behauptet, dass der Frühling im Mangfalltal gemacht wird. Also: cool bleiben!

1M3A0519 1 250Die Kudde wird der Wurfkiste eindeutig vorgezogenCool ist auch der allmorgendliche Blick auf die Waage, schon deswegen, weil es nur wenige Überraschungen gibt. Die schlichte Wahrheit besagt, dass es bei den Knirpsen drei Funktionsgruppen gibt: die Solitär-Funktionsgruppe Koschi, danach die Quatro-Diadochengruppe (Korbi, Kini, Kuno, Klecks) und am Ende das coole Spargel-Trio, das, weil es am Ende hängt, auch mit dem französischen Etikett cul ausgezeichnet werden könnte.

Für den heutigen Freitag bedeutet das in Zahlen:

Der Solitär-Koschi marschiert mit 50 Gramm Zugabe unbeirrt vornweg (1550).
Die Diadochen haben dagegen einmal radikal durchgewechselt. Erster Verfolger ist nun Kuno mit 90 Gramm mehr und 1370 Gramm, gefolgt von Klecks (1370, +70), Kini 1360 (+80) und Korbi 1330 (+30). Gestern lautete die Reihung noch Korbi, Klecks, Kini und Kuno. So schnell kann es gehen.
Das schlusslichternde Trio reiht sich wie folgt: Käptn 1220 (+90), Krischan 1180 (0) und Kathi 1120 (+30).
Insgesamt liegt der Gesamtzuwachs bei erfreulichen 440 Gramm und bringt einen Durchschnitt von 1306 Gramm.  

1M3A0539 1 250Für Mama Hedda stehen ihre Kinder an erster StelleAllen, die nicht nur an den putzigen Kleinen interessiert sind, sondern auch einen kurzen Blick hinter die Kulissen einer Zuchtstätte schätzen, geben wir mal wieder einen schnellen Update zu Hedda. Sie bekommt weiterhin viermal täglich eine ordentlich Portion in ihren Napf: Nach dem Aufstehen Welpenmilch, nach dem Morgenspaziergang Trockenfutter, nach dem Nachmittagsspaziergang hoch energetisches Welpentrockenfutter und abends Frischfleisch oder Konserve. Sobald wir zufüttern, was in den nächsten Tagen geschehen wird, werden ihre Mahlzeiten reduziert. Ihr Stuhlgang ist inzwischen perfekt, Durchfall oder Brei ist Vergangenheit. Sie verliert immer noch blutigen Schleim, was bis vier Wochen nach der Geburt völlig normal ist, uns beruhigt und ihr eine geradezu unfassbar stabile Verfassung beschert, weil sie in ihrem Körper konsequent klar Schiff macht: Hedda ist topfit und bei bester Laune. Die Zuchtmeisterin ruht nachts noch immer in der Stube, weil wir Hedda den Konflikt ersparen wollen, nachts zwischen Schlafzimmer und Kindern entscheiden zu müssen. Wenn wir alle rudelschlafen, will sie selbstverständlich dazugehören. Wir, genauer die Chefin beobachtet nun, ob sie nachts zu ihren Knirpsen will. Wenn sie keinen Drang mehr dazu zeigt, kehren wir wieder zur Normalität zurück.

Im selben Maße, wie bei Hedda sich alles langsam hin zur Normalität entwickelt, schreitet die Entwicklung der Knirpse rasant voran. Was gestern bei Kini noch für Aufsehen sorgte, als er seinen einsamen Küchentripp machte, ist heute fast schon Allgemeingut: Fünf der acht Knirpse inspizieren die Küche (Koschi, Kuno, Käptn, Kini, Korbi), strawanzen unter anhaltendem Gezwitscher umher, keinesfalls ängstlich zwitschernd eher der Kontakterhaltung dienend. Und in der Schnullerbox, die hauptsächlich nur noch nachts zum Einsatz kommt, verziehen sich Koschi und Kuno in eine schummrige Ecke und versuchen sich schon mal an einem ersten zaghaften Ringkampf. Männer eben…

Vielleicht haben sie aber auch Wind davon bekommen, dass mit diesem Wochenende ein reger Zuschauerverkehr beim Blues einsetzen wird und beschlossen, die eine oder andere Show-Einlage einzuüben, um ein bisschen mehr Eindruck zu machen als die Schoßhocker-Puppys. Chippendale Rambos…

 

Samstag, 4. Februar 2023

Der Samstagmorgen erhebt sich, wie auch wir, aus seinem Bett, völlig unzerzaust, weil sich der Wind des Nachts schlafen legte, und schaut mit einer freundlich lachenden Sonne in unsere Gemächer, so als ob er sich versichern wollte, dass wir noch da und nicht verblasen sind.

1M3A0568 1 250Koschi und KunoEin wenig verblasen scheint derweil das Waagemodul. Früher hätte man den Eichmeister gerufen, um den Waagebalken zu justieren, doch letztlich erweist sich dieser über jeden Verdacht erhaben. Es sind zwei Knirpse, die die neue Babywaage in kurzzeitigen Verruf bringen. Wenn von 440 Gramm Gesamtzuwachs (wie gestern) die Hälfte auf zwei der Gewogenen gehen und die anderen sechs sich hinterherkleckernd die andere Hälfte teilen, dann glaubt man schon einmal, seinen Augen nicht trauen zu dürfen und erinnert sich an das drohende Orakel über Belsazar Gewogen und zu leicht befunden. Ob die einen zu leicht oder die anderen zu schwer befunden werden sollten, wollen wir am frühen Morgen noch nicht abschließend entscheiden, sondern lieber auf das Urteil der Zeit warten. Auflösung:

Koschi 1590 (+90), Korbi 1460 (+130) ergeben zusammen 220 Gramm Aufschlag.
Kuno (+60), Kini 1400 (+40), Klecks 1370 (0), Krischan 1230 (+50), Käptn 1220 (0), Kathi 1190 (+70) machen zusammen ebenfalls 220 Gramm Auflastung. Der Durchschnitt von 1361 Gramm ist an einem solchen Tag eher zweitrangig. Was geht da vor? Dass der Käptn gelegentlich auf dem Null-Marodian schippert ist nichts Neues, schließlich verpasst man Mahlzeiten, wenn man unterwegs ist. Klecks war in dieser Hinsicht bislang eher unverdächtig, aber offenbar dafür anfällig. Und warum haut sich Korbi 130 Gramm auf die Rippen? In der Hoffnung Koschi noch vor der ersten Halbzeit abfangen zu können, obwohl der schon 5:0 führt? Und wann zuzelt sich Kuno 60 Gramm auf die Hüften, obwohl er, zusammen mit Kini, die meisten Kilometer in der Küche absolviert? Fragen über Fragen.

1M3A0564 1 250Krischan und Korbi helfen den Großen schon beim "In der Küche auf Fressen lungern"Lassen wir sie für den Augenblick Fragen bleiben und so stehen. Tatsächlich summieren sich die Strecken, die die Knirpse inzwischen in der ganzen Küche zurücklegen. Wachphasen werden zur Exploration genutzt. Der unermüdlichste Entdecker ist tatsächlich Kuno, dem keine Ecke unheimlich genug ist, um sie nicht zu untersuchen. Immer vermittelt er den rastlosen Eindruck, die Welt an einem einzigen Tag erobern zu wollen, wo doch der Weltenmacher schon sieben Tage benötigte, um sie zu schöpfen. Oft begleitet ihn Kini bei seinen Vorhaben, und Käptn geht seiner eigenen Wege, immer ein wenig abseits der knirpsigen Trampelpfade.  

Als der Abend Wolken übers Mangfalltal legt, hat sich die ganze Knirpsenbande weitläufig verteilt, die einen zwitschernd und keckernd in der Küche, die anderen heldenbrüstig und lautlos im Wohnzimmer, dessen Holzboden für sie annähernd so elektrisierend sein muss wie Treibsand für den verirrten Goldgräber. Indes geben Koschi und Käptn die Dick-und-Doof-Nummer und schlafen wie ein Herz und eine Seele mitten in der Küche.  

Das, so beschließt Hedda, ist eine gute Gelegenheit, die alte Schnullerkiste wieder als das zu nutzen, wofür sie geschaffen wurde: als Schlafgemach. Alles gut und alles im Fluss…

 

Sonntag, 5. Februar 2023

 M3A0601 1 250KlecksHaben wir uns gestern über den Nuller-Klecks gewundert und ihn, zusammen mit den anderen wunderlichen Ergebnissen, in Frage gestellt? Dann nehmen wir das jetzt zurück und machen aus Klecks einen Klops. Merke: Ein gesunder Welpe verhungert nicht, sondern hilft sich selbst. Konkret bedeutet das, dass Klecks die gestrige Lücke eindrucksvoll zugespachtelt hat.

Koschi schreitet erwartungsgemäß weiter voran: 1660 (+70). Die ständig wechselnde Reihung im Diadochenclub soll uns vorerst nicht weiter beschäftigen, außer den 140 Gramm von Klecks (1510), die ihn wieder auf den Verfolgerplatz katapultieren, Korbis 40 Gramm plus lassen seine Schönheit weiter reifen (1500), Kinis 80 Gramm (1480) werfen die Frage auf, wann er sich die auf seinen Wanderungen angefuttert hat und Kuno ist mit -10 Gramm der Schwachmat des Tages (1420). Bei Käptn stellt sich die gleiche Frage wie bei Kini: Wann hatte er Zeit, 60 Gramm aufzupolstern (1280)? Kathi 1260 (+70) und Krischan 1260 (+30) tänzeln von allen Fragen unbeleckt am Ende des Zugs. 480 Gramm kommen somit heute zusammen und ein Durchschnitt von 1421 Gramm.

Wir schreiben heute den 18. Tag des K-Wurfs und holen, weil man ja selbst auch gelegentlich über die Zahlen verwirrt ist, mal schnell die Gewichte des J-Wurfs am 18. Tag aus dem Archiv:

Das Durchschnittsgewicht war damals 1275 Gramm (heute 1421). Das sieht nicht nach Unterversorgung aus. Noch interessanter wird der Blick hinter die Kulissen, wenn man sich das Tabellenende vornimmt. Der leichteste Hund war damals Jule mit 1070 Gramm. Krischan und Kathi bringen heute 1260 Gramm auf die Waage. Jeannie hatte wie Kathi ein Geburtsgewicht von 490 Gramm und wog am heutigen Tag 1090 Gramm. Jule (Nike) ist heute eine mächtige und kraftvolle Hündin, die Leben für zwei in sich trägt, und Jeannie ist nicht nur bezaubernd, sondern ausgesprochen schön und wohlgewachsen. Liebe Leute, die ihr guter Hoffnung auf Nachwuchs seid, ihr könnt euch schon mal auf acht keinesfalls notleidende neue Familienmitglieder freuen.   

Dass es den Knirpsen offenbar an nichts mangelt, lässt sich daran erkennen, dass sie ihre Rechte inzwischen vehement einklagen. Wenn Mama morgens etwas später die Kneipe öffnet, wie das heute ausnahmsweise einmal der Fall ist, ist ein regelrechter Boxenterror angesagt, da wird geklagt und gekreischt und gejault und, ja, auch das geht schon in rudimentären Ansätzen, gebellt, was allerding mehr nach einem rauen Husten klingt.

Die Begeisterung für Küchenwanderungen hat nicht nur immer geschicktere Bewegungen zur Folge. Offenbar gilt auch schon für Welpen, was allgemeine Gültigkeit besitzt: Bewegung hält nicht nur gesund, sondern macht darüber hinaus auch noch schlau. Kaum, dass die Knirpse ihr neues Reich in Besitz genommen haben, wissen sie, wo Mamas und Omas Futterschüsseln stehen. An die kommen sie zwar nicht ran, weil die in einem Gestell hängen, aber einen Versuch ist es allemal wert, der Mama an die Zitzen zu gehen, während die futtert. Das schätzen weder Mama noch Oma, weswegen sie herumtanzen wie zwischen explodierenden Knallfröschen an Silvester. Obwohl die Zwerge an die Milchspender noch nicht heranreichen, müssen wir das abstellen und die nächste Entwicklungsstufe zünden: Futterschüsseln ab morgen ins Wohnzimmer.

 M3A0577 Bearbeitet 1 250Auch Schönheiten werden mal müde: KorbiHaben wir bereits über den schönsten aller schönen Korbis gesprochen. Es bleibt dabei: Die Hälfte aller Fotos werden weiterhin von Korbi okkupiert. Kann uns mal jemand sagen, wie der das hinkriegt? Diese korbianische Omnipräsenz ist nichts als eine freundlich lächelnde Übernahme der Knirpsenschar. Genau genommen haben wir keine Knirpse mehr, sondern nur noch einen Korb voller Korbis.

 M3A0608 1 250Klecks schläft aushäusigNur einer scheint sich gegen diese Vereinnahmung zu wehren: Klecks. Er zieht aus dem Kudde aus und richtet sich sein Lager lieber auf dem Sitzkissen daneben ein. Die Milchschwemme gestern scheint seinen Synapsen gut getan zu haben.

Nachmittags beginnt es zu schneien. Nicht viel, eher als Winteralibi. Liegen bleibt nichts davon. Wir fragen uns nun, ob das zu spät für den frühen Lenz ist, der uns für einen Winter an Lichtmess prophezeit wurde (Auf Lichtmess lasst es Winter sein, kommt der Frühling bald herein). Oder reicht es auch für einen frühen Lenz, wenn die Nordlichter und Bayerwäldler im Schnee versinken? Wir gönnen ihnen die weiße Pracht von Herzen, wären aber not amused, wenn nur sie schon demnächst ins (b)laue Band gehüllt würden und wir noch sechs Wochen zusammen mit dem Dachs im Loche hocken müssten, und das im unbestritten schönsten Zipfel Deutschlands, ach was: im Paradies der Welt, für dessen Pflege und Erhalt der Herr einst sogar eine hauseigene Partei installierte. Der Dachs informiert uns zu unserer Erleichterung, dass er ins Loch zurück müsse, wenn in der Lichtmesswoche (!) die Sonne scheine, was mit dem Sturmwetter und spätestens mit dem heutigen Schnee erfüllt sei. Schließlich befänden wir uns immer noch in der Lichtmesswoche. Also bitte keine Frühlingstricks mit anschließend faulen Ausreden!

Nach zuverlässigen Aussagen der Zuchtmeisterin machte Hedda in den beiden zurückliegenden Nächten keine Anstalten, die Schnullerbox zum Schnullern zu betreten, also ist der Augenblick gekommen, wieder zum Rudelschlafen im ersten Geschoss zurückzukehren und die Welpen mutterseelenallein zu lassen. Gute Nacht, ihr Lieben.

 

Montag, 6. Februar 2023

Staunt jemand, wenn der Chronist berichten muss, dass Hedda heute Nacht zu ihren Kindern möchte, weil diese sonst den Hungertod sterben müssten. Sie tut das nicht auf eigene Verantwortung und Naturrecht einer Mutter, sondern erbittet dafür erstens die Erlaubnis und zweitens eine Begleitung. Sie tut dies auch ergebnisoffen mitten im Schlafzimmer. Ein schläfrig gerauntes „Geh du!“ lässt den Assi aus dem Bett steigen und mit seiner Hedda ins Erdgeschoss zur Speisung steigen. Es ist 3 Uhr, und es bleibt ja noch genug Nacht über. Morgenstund‘ hat Milch im Mund und der morning has ja auch noch nicht broken.

Um 6 Uhr ist dann doch der Morgen angebrochen, wenn auch noch nicht erleuchtet, und um 6:30 Uhr müssen die Knirpse auf die Waage und mit ihnen die Wahrheit auf den Tisch:

Koschi: 1770 Gramm (+110) - und jeder weitere Kommentar überflüssig.
Kini 1540 (+60), Klecks 1520 (+10), Korbi 1500 (0), Kuno 1470 (+50). Auch keine weiteren Erläuterung nötig, höchstens die, dass Dauerlächeln in die Kamera nicht sattmacht.
Und dann das Kuschelpärchen Krischan und Kathi! Beide erschnullern sich je 70 Gramm und bringen parallel 1330 Gramm auf die Waage. Sind sie nicht süüüß? So kann man das sehen, wenn man nicht Käptn heißt. Den verpeilten Leichtmatrosen haben sie nämlich im Doppel nach hinten gegrätscht, weil er es wegen seiner Mäanderschaften nur auf 40 Gramm brachte und nun mit 1320 Gramm das Ende der Knirpsenstrecke markiert.
410 Gramm sind es heute und der Durchschnitt steigt auf 1472,5 Gramm.

1M3A0654 1 250Begeisterung sieht anders ausNun 1M3A0627 1 250Kleckswird es Zeit, den Kleinen eine unvermeidbare Tortur anzutun, gegen die das Nagelschneiden eine Wellness-Kur ist: Entwurmung! Wir haben noch keinen Welpen erlebt, der nicht mit nachdrücklichem Widerwillen gegen diese Kur mit Panacur protestiert hätte. Die Folge ist, dass zwar alle die klebrige Pampe schlucken müssen, was sie nur partiell dulden und den Rest um sich schleudern und danach die Verabreicherin (grobmotorische Arbeiten liegen in der Verantwortung der Chefin) mindestens genauso eingesaut ist wie die Welpen. Mehr lässt sich darüber nicht erzählen, außer dass die Knirpse auf den Chefinnenschoß geliftet werden, eine Spritze mit der Pampe ins Mäulchen bekommen, sich nach Kräften wehren, um sie weiträumig zu verteilen, inhalieren, was sie nicht loswerden und dann wieder zu Boden gelassen werden, wo sie weiterhin versuchen, sich von dem ekelhaften Zeug zu befreien. Die schlechte Nachricht ist, dass diese Prozedur an drei Tagen hintereinander durchgezogen werden muss.

1M3A0704 1 250KathiAber 1M3A0749 1 250Kinibeim Blues regiert ein freundliches Regime, weshalb es nach der Peitsche auch immer Zuckerbrot gibt. Das ist heute am frühen Abend die erste externe Milchspeisung. Dazu wird ein großes Laken auf dem Küchenboden ausgebreitet, ein kleines, aber schweres Tonschälchen mit zwei Esslöffeln warmer Welpenmilch befüllt und dann ein Knirps nach dem anderen mit dem Mangfalltaler Naschmarkt bekannt gemacht wird. Bei diesen Knirpsen bleibt uns mehr die Luft weg als ihnen beim Süffeln. Die sind so außergewöhnlich souverän, wie wir es noch nie erlebt haben. Meist gibt es die Souveränen und Cleveren, dann die Suchenden und Findenden und schließlich auch die Tollpatsche, die am Ende fast die ganze Milch im Fell haben, statt im Schlund. Über die haben sich die Mamas und Omas besonders gefreut, weil sie die klebrige Milch abarbeiten durften. Doch bei den Knirpsen bleibt ihnen der Schnabel sehr sauber. Die Knirpse sind voll konzentriert und leeren ihr Schüsselchen mit großem Eifer, manche schieben es dabei im Kreis herum, aber verlieren es nicht aus den Augen oder dem Mund. Und fast alle finden die Schüssel, wenn sie doch einmal den Kontakt dazu verloren hatten, selbstständig wieder und schlabbern weiter. Das ist eine große Geistesleistung. Die Knirpse haben uns ganz großes Kino geliefert, wie wir es absolut nicht erwarten durften. Da kann sich Korbi mühen wie er will: Heute konnte er keinem seiner Geschwister die Schau stehlen.

Nun sind wir nur noch neugierig, wie sich die Sonderspeisung morgen auf die Gewichte auswirken wird. Und an ein bisschen süßer Welpenmilch dürfen sich auch Hedda und Fianna ergötzen, die den Kleinen leidenschaftlich das Fell putzen.

1M3A0782 1 250Klecks und Koschi streichen noch eine Runde um die KücheAm frühen Abend setzt die große Wanderschaft in der Küche ein. Alle stapfen lauthals krakeelend herum, nicht aus Angst, sondern vor schierer Lebensfreude. Ab jetzt müssen wir wirklich sehr aufpassen, wohin wir unser Füße setzen. Solange die Zwerge sich noch so langsam und tastend bewegen wie jetzt, hat man die Lage im Griff, sofern man sich selbst im Griff hat. Wenn sie jedoch erst einmal blitzschnell sind und ebenso blitzschnell im Zickzack und kreuz und quer Haken schlagen, herrscht beim Blues Alarmstufe Rot. Dann weiß man nicht, ob der freie Platz, den man sich für den nächsten Schritt ausgewählt hat, nicht schon von einem Knirps belegt ist. Wir wechseln dann in den traditionellen Chinesenschritt: schlurfen, statt gehen oder gar steigen; die Füße bleiben konsequent am Boden.  

Zum Schutz unserer Welpen tun wir alles, aber unsere großen Mädels haben nicht weniger verdient. Deshalb setzen wir abends noch um, was wir gestern schon ankündigten, nämlich die Näpfe aus der Küche ins Wohnzimmer. Jetzt haben Fianna und Hedda ihre Ruhe beim Mampfen und die Zwerge das Nachsehen. Geschieht ihnen recht, genauso recht wie ihren zehn Vorgängertrupps. Der Erfolg ist dennoch zweifelhaft, weil Kuno ja den zweiten Durchgang ins Wohnzimmer längst ausbaldowert hat und abends zu Mama in ihr privates Kudde stapft und sich eine Solospeisung servieren lässt.

Nicht nur wegen Kuno, dem gnadenlosen Fremd- und Grenzgänger, werden wir morgen die Absperrungen für die Wohnzimmerdurchgänge anbringen müssen. Dann werden die Knirpse das erste Mal in ihrem Leben gesiebte Luft atmen und wir ständig Gymnastik machen. Züchten hält eben jung und fit…

 

Dienstag, 7. Februar 2023

Mit -6 °C morgens und einem klarblauen Himmel geht die dritte Woche der Knirpse frostig zu Ende. So bleibt das auch den gesamten Tag über, nur die Temperatur wagt sich an die Null-Grad-Grenze heran.

Unter diesen Umständen wärmt es die Herzen der Zuchtmeisterin und ihres Assis, dass sich die erste externe Fütterung gestern positiv und kräftigend auf die Knirpse auswirkt. 580 Gramm neue Fellunterfütterung hatten wir schon seit dem 27. Januar nicht mehr. In Fallzahlen sieht das dann so aus:

Koschi 1890 (+120). Wir vermuten inzwischen, dass er nicht verstoffwechselt, sondern nur für schlechte Zeiten einlagert.
Den Verfolgerplatz hat Kini mit 1630 Gramm behauptet (+90). Dafür verdrängt Korbi (1600, +100) Klecks (1550, +30) und Kuno bildet weiterhin die Nachhut der Viererbande (1510, +40).
Im Dreigestirn am Ende tut sich Mysteriöses. Oder ist es ein Komplott? Schon den zweiten Tag in Folge marschiert das Pärchen Krischan-Kathi mit der gleichen Gewichtszunahme und dem gleichen Gewicht (1400, +70) Hand in Hand und lassen den quirligen Käptn in den Kalmen hängen, den noch nicht einmal 60 tapfere Gramm Zuwachs voranbringen (1380).
Das Durchschnittsgewicht steht heute bei 1545 Gramm.

1M3A0824 1 250Käptn ist "not amused" über die Sperre zum WohnzimmerJetzt muss zur Tat geschritten und die Sperre zum Wohnzimmer installiert werden. Von nun an ist der kürzeste Weg zum Esstisch versperrt; Umwege werden unser Leben für fünf Wochen bestimmen. Prompt rumpelt Kuno köpflings gegen seinen inzwischen zur Gewohnheit gewordenen Durchgang und findet ihn verrammelt. Aber was macht ein heranwachsender Knirps? Jammern und wehklagen? Keinesfalls. Kuno wendet sich nach links, dort läuft er gegen eine Wand, also nach rechts – und dort öffnet sich doch tatsächlich ein weiterer Durchgang in sein Wohnzimmer. Bingo. Und schon stapft er wieder in unserer Guten Stube herum. Was lehrt uns das? Wo ein Kuno will, ist auch ein Weg! Soll einer behaupten, dass ein knapp drei Wochen alter Welpe doof ist.

Nachmittags müssen die Knirpse durch die zweite Wurmbehandlung mit Panacur. Sie machen dabei den Eindruck, als ob sie vor dieser pampigen Welpenrechtsverletzung schon nach dem ersten Mal resigniert hätten. Die Professionalität, mit der die Chefin ihnen den Einfüllstutzen zwischen die Lefzen schiebt und abdrückt, lässt ihnen kaum noch eine Chance zur Gegen- und Abwehr. Nach Sekunden sind sie alle verarztet und wieder zurück im quasselnden und wuselnden Rudel. Vorbei und schon vergessen.

1M3A0839 1 250Das gemeinsame Abendessen für die KnirpseAber wir sind keine Unmenschen und mit einem funktionierenden Mitleidsmodul bestückt. Deshalb folgt auch heute auf die Peitsche das Zuckerbrot in Form einer externen Milchfütterung. Wir finden, dass die überzeugende Leistung gestern eine Steigerung rechtfertigt, das heißt, dass die kleine Tonschale durch den Futterring für alle auf einmal ersetzt wird. Wer so schlaue Kinder hat, darf sie auch früher als andere mit schwereren Aufgaben konfrontieren, damit sie sich nicht langweilen. Und das klappt mit dem Futterring auch sehr gut, aber erwartungsgemäß stellen sie sich dabei nicht so geschickt an wie am Schüsselchen. Das Problem ist die verschüttete Milch auf der Decke, von der sich einige ablenken lassen und von dort lecken anstatt aus dem Ring. Das machen sich die anderen zunutze, vor allem Kecks, Koschi und Korbi, der bekanntlich immer zu großer Form aufläuft, wenn man Bewunderungspunkte sammeln kann.

War es morgens nur Kuno, der nach der Sperrung des ersten Durchgangs unverzüglich den nächsten findet und benutzt, haben diese Option im Laufe des Tages alle Knirpse auf dem Schirm. Schon den ganzen Tag über sehen sie sich unerschrocken in unserem Wohnzimmer um und erklären es schamlos zu ihrem. Hinter einem Vorhang verstecken sie sich und zoppeln an ihm herum, schürfen unter dem Sofa nach Glück oder suchen vielleicht nur einen ruhigen Schlafplatz, aber als wir am frühen Abend Fianna mit fünf ihrer Enkel kuschelnd und knutschend auf dem Rücken liegend in ihrem Kudde im Wohnzimmer vorfinden, bleibt uns keine Wahl, als auch diesen Checkpoint Charlie dicht zu machen. Ein Zwerg klemmt sich sogar hinter Fiannas Rücken ein, um nicht entdeckt zu werden, was bestimmt nicht ohne ihre Zustimmung geschieht. Fianna nutzt jede Gelegenheit, ihr Oma-Gen zur Wirkung zu bringen und legt ihren Enkeln damit auch noch den Roten Teppich ins Paradies aus. Das muss jetzt ein Ende haben; auch dieser Durchgang muss verschlossen werden. Diese Sperre, so unüberwindlich sie für die Knirpse ist, hat für uns jedoch ein Türchen, sonst müssten wir und die Mädels wochenlang klettern oder über die Terrasse das Wohnzimmer betreten. Nun ist wieder ein großer Schritt gemacht, auch wenn er für die Knirpse vorderhand nach Rückschritt aussieht. C’est la vie.

1M3A0846 1 250Mist, gestern ging es da noch durchDie Weisen aus dem Morgenland brachten einst zur Verehrung des neuen Königs und Messias‘ wertvolle Geschenke mit: Gold dem König, Weihrauch dem Gott und Myrrhe für sein Begräbnis 🤔. Viele unserer Besucher leiden auch heute noch an diesem Drei-Königs-Syndrom. Brächten sie die genannten Gaben mit, würden wir die Schätze huldvoll entgegennehmen und kein Wort darüber verlieren. Da aber selbst die vom Glanz unserer Knirpse Verblendeten und Überwältigten selbst in Kini keinen anbetungswürdigen König oder gar einen Messias in Käptn erkennen wollen, beschenken sie die Knirpse (und all ihre Vorgänger) mit Spielzeug jeglicher Art, so wie es auch in Noahs Arche Platz gefunden haben könnte. Für diese Gaben empfinden wir tiefe Dankbarkeit, mehr jedoch bedankt sich dafür Fianna, die sich unverzüglich den gesamten Kuschel- und Raschelkram greift, pfeifend und jumsend in ihr Lager schleppt und für sich reklamiert. Es liegt nahe, dass sie irgendwann einmal Kenntnis von der Geschichte um den Rattenfänger zu Hameln bekam und auf diese Weise „ihre“ Kinder zu sich locken will. Doof nur, dass inzwischen alle Passierstellen verrammelt sind und der Zugang zu ihr unserer Zustimmung bedarf.

Was macht nun ein Knirps, der um den Zugangs zu seiner Oma und deren Spielsachen betrogen ist? Eine(r) mit Charakter stirbt mit großem Aplomb als Märtyrer. Alle anderen suchen den aktiven Kontakt zu den Spielverderbern, um sich einzuschleimen und sie gefügig zu machen. Wir beherbergen nur andere, also treten wir jetzt in jene Phase ein, in der uns die Welpen auf Schritt und Tritt verfolgen, unsere Füße besetzen, wo immer wir uns in der Küche aufhalten und herumhantieren. Die Crocs des Assis sind statt nachtblau bereits milchgrau von all den milchverklebten Kinderfüßen. Sie beobachten uns, sie erkennen uns, sie suchen und finden uns. Wir dagegen bewegen uns nur noch wie der Delinquent, wenn der Ruf Dead man walking durch die Flure schallt: mit zu Boden gerichtetem Blick.

1M3A0831 1 250KräftemessenWenn sie uns nicht im Wortsinn auf den Senkel gehen oder schlafen, rangeln die Knirpse jetzt sehr hingebungsvoll und weltvergessen. Was wir am Freitag bei Koschi und Kuno in der Kiste erstmals beobachteten, wird nun zur Allround-Beschäftigung. Jede(r) mit jedem und unter gelegentlich geradezu freibeuterischem Gejohle. Der herzigste Spielbär unter allen Geschwistern ist Klecks. An ihm dürfen sich alle versuchen und ihre Kräfte ausprobieren. Sein best buddy ist jedoch Krischan, der darf ihm die Ohren abknabbern oder mit seinen Bärenkräften rücklings umstoßen, dann liegt der glückliche Klecks auf dem Rücken, Krischan über sich und strahlt und lässt den Kleinen knuffen und kneifen, bis ihm die Augen zufallen. Schade, dass ihr das alle nicht erleben dürft, aber schließlich muss der Stress und die Sorge des Züchters ein paar Boni vorhalten, von denen der Rest der Welt nur träumen darf. Bätschi…

In seinem Roman „Die Merowinger“ formulierte Heimito von Doderer den ikonischen Satz: Die Wut des Zeitalters ist tief. Dass dieser Satz tatsächlich die ganze Tiefe der Zeit und des Universums erfasst, lässt sich daran festmachen, dass er, als er diesen Satz formulierte, nichts von der Gehässigkeit eines bayerischen Hovawartzüchters gegenüber dessen Verfolger wissen konnte, indem jener die Getreuen mit Spott überzog, etwa weil sie von Gratifikationen ausgeschlossen seien, die nur einem stressgeplagten Züchter zustünden. Und wie um die universelle Gültigkeit dieses Satzes zu unterstreichen, schlägt das wutlüsterne Zeitalter mit besonderer Wucht zu und vernichtet heute den Wäschetrockner eben jenes boshaften Züchters. Wozu brauchst du einen Trockner, hört er das Schicksal spotten, wenn du nur zwanzig Stunden täglich wäschst? Es ist der Trotz gegen alle Wut des Überirdischen und des Zeitalters, der uns am Leben hält! Wir haben das Abrauchen unserer Kaffeemaschine während eines Wurfes überlebt (können Besucher nicht auch Tee trinken?) und einen vollen Kanal, den uns das wütende Zeitalter bescherte und die Sch… in unsere Waschküche schaufelte – da bringt uns auch ein kalter Trockner nicht ins Schleudern. Wir gehen nicht in die Knie! Kismet eben… Inch’Allah…

Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die dritte Woche.