Mittwoch, 15. Februar 2023
Nun liegt er also hinter uns, der halbe Weg mit unseren Knirpsen – für die einen von nun an mit jedem weiteren Tag ein Schritt hin zum Glück, für die anderen eine immer dunklere Drohkulisse; Besitzerglück contra Verlustangst, nicht auflösbar, bestenfalls moderierbar. Uns möge die Erfahrung helfen, dass wir in vier Wochen keine knuffigen und herzigen Kugelporsches mehr zu pflegen haben, sondern immer noch herzige, aber höchst gewaltbereite Halbstarke, die man mitunter lieber von hinten oder schlafend sieht.
Immerhin beginnt der Tag mit in unserem Verständnis angemessenen, nebligen -2 °C und einem ordentlichen Gewichtsaufschlag bei den Knirpsen. Mit einer Ausnahme: Koschi! Der Hedonist macht mal zwischendurch auf Fastenguru und liefert eine glatte Null (2580 g).
Jetzt sollte er sich überlegen, ob ihm in Zukunft sein Seelenheil oder sein Leibesheil wichtiger ist, denn Korbi ist wachsam und, wie wir wissen, ein Alleschecker, dem der Ausrutscher nicht entgangen ist: 200 g packt er drauf und rückt mit 2480 g bis auf 100 Gramm an Koschi heran. Koschis genereller Vorteil ist und bleibt seine Gelassenheit und innere Ruhe, während Korbis Alarmismus und Umtriebigkeit viel Energie verbraucht.
Kuno folgt mit 2360 g (+170) unauffällig aber immer im Windschatten und bereit, bei passender Gelegenheit aus diesem heraus zum Überholen anzusetzen. Klecks (2290 g) und Kini (2260 g) legen jeweils 110 Gramm zu, ohne erkennbare Karriereambitionen.
Dann folgen Kathi mit 2150 g (+140), die wieder einmal ein Ausrufungszeichen setzt, vor Käptn (2030 g, +110) und Krischan (2020 g, +60).
In der Summe sind das 900 Gramm mehr bei einem Durchschnittsgewicht von 2271 Gramm. Das freut den Chronistenassi und die Zuchtmeisterin, auch weil die Spreizung von 560 Gramm vom Schwersten bis zum Leichtesten schrumpft und inzwischen völlig normal ist. Niemals werden die fünf sich in einer Gewichtsklasse bewegen, aber sie rücken zusammen. Oder sollen wir sagen: sie wachsen zusammen?
Neben einiger weniger Mutterversorgungen waren es wieder die Welpenmilch, das Granulat und das Kopffleisch, die für das Gedeihen der Knirpse beste Dienste leisteten. Auch diesmal haben sie das alles ausgezeichnet vertragen, was die festen und stetig wachsenden Endmoränchen bezeugen.
Die Tage, wenn der Assi mit den Knirpsen allein zuhause ist, können sehr unterschiedlich ausfallen. Wenn die Sonne lacht und die Frühlingsluft die Kleinen lau umfächelt, liegen sie zufrieden in ihrem Paradies und haben kaum Bedürfnisse außer jenen, die sie selbst zu erledigen haben.
An anderen Tagen, solchen wie heute, neigen sie selbst während eines Paradiesaufenthalts zu Unmut und Pöbelei. Die Ursache ist darin zu suchen, dass auch ein erfahrener und leiderprobter Assi nur zwei Hände hat und die den Naturgesetzten unterliegenden Abläufe nicht beschleunigen kann. Dann führen sich die Luxuszwerge auf wie ein Haufen Kurrentner in einem überfüllten Restaurant mit starker personeller Unterbesetzung.
Heute stellt sich das etwa so dar. Die Kraftzwerge fühlen sich unterversorgt und verlangen nach einem Powerdrink. Der steht zwar in Form des Breigranulats schon bereit, muss aber noch auskühlen, weil er mit fast kochendem Wasser aufgebrüht wird. Den Geruch kennen sie bereits und riechen die Signale. Logische Folge: Krawalldemo (fehlen nur noch die Trillerpfeifen). Trotz Demo hat man reihum Zeit, sich zu erleichtern. Der Assi hechelt und stolpert durch Küche und Transit, um die Hinterlassenschaften zu entsorgen. Zwischendurch poltern Mutter und Oma hinaus in den Garten und aufs Hochbeet, um kindermordende Passanten zu vertreiben. Das machen sie sonst nie, halten es nun aber für alternativlos. Der Assi poltert plärrend zwischen all den krähenden Zwergen hinterher, weil er es ebenso für alternativlos hält, den beiden die Grundlagen gepflegter Nachbarschaft ins Gedächtnis zurückzurufen, die auch dann gelten, wenn Welpen im Haus sind. Die Knirpse strampeln höchst belustigt hinterher: endlich was los auf’m Hof. Sind die Damen gemaßregelt und zurück im Haus, erinnert sich das Zwergenpack an seine knurrenden Mägen, kräääh. Wenn schon kein Futter geliefert wird, wollen sie wenigstens alle mal auf den Schoß, also Belagerung. Krischan versteigt sich hinter seine Schlafwanne und landet in einem toten Winkel zwischen Wanne und Terrassenecke. Dort ist Endstation, weil er nicht mehr rausfindet, kräääh. Korbi watscht die Schlange - als ob die Schuld daran ist, dass es noch kein Mittag gibtKorbi findet hingegen alles langweilig und verlungert sich in die hinterste Paradiesecke, dort wo der Apfelbaum mit seiner Schlange auf ihn und Eva wartet. Eva kommt nicht, Korbi fühlt sich vernachlässigt im Paradies und schreit nach der Mama, die gar nicht daran denkt, ihren verlorenen Sohn heimzuholen: krääääh. Koschi Koschi findet die ganze Gartenparty doof und will wieder in seine Küche, erstens aus Prinzip und zweitens, weil dort sein Futter wartet. In der Terrassentür steckt ein Sperrbrett (30 cm), um das dauernde Raus-Rein zu verhindern. Korbi findet auch dieses Brett doof und unangemessen, fixiert es, baut sich auf, hängt sich drauf und ist drüber und durch den Transit in der Küche verschwunden. Mistkrüppel… Der kleine Käptn findet Koschis Idee ultracool, baut sich ebenfalls vor dem Brett auf, macht sich so lang, wie er kann, hängt sich hoch – und plumpst drüber. Weg ist er, auf direktem Weg in seiner Schlummerecke in der Kiste. Dass Koschi, der Bär, drüber kommt, erstaunt den Assi nicht, aber dass der kleine Käptn das ebenfalls schafft, bringt ihn aus der eh schon lockeren Fassung.
Käptn auf der FluchtJetzt ist bei allen der Druck draußen und zusammen kuscheln sie sich in den Schlaf, die einen in der Küche, die anderen in der Kuschelwanne auf der Terrasse. Doch dann ist das Granulat servierbereit. Also wird die ganze Bande wieder aufgeweckt, die einen draußen, die anderen in der Küche. Die Küchenschläfer werden ins Paradies beordert, und hinter ihnen ein zweites 30 cm-Brett auf das erste gesetzt. Das ist nun definitiv sogar von Koschi Messner nicht bezwingbar, zwingt aber den Assi nun ständig zu halsbrecherischen Übersteigern. Auf dem Terrassentisch wird der Futterring mit dem Brei befüllt und zur Wiese transportiert. Beim Transport kommt der Ring aus der Balance und ergießt einen Teil seines Inhalts auf die Terrasse und einiges Spielzeugs. Bevor die Zwerge geblickt haben, was los ist, steckt schon die Mutter ihre Nase in den Futterbrei – Anpfiff. Die Oma, altersweise, hält sich im Hintergrund und wartet auf ihre Chance. Jetzt werden die umherirrenden Knirpse zur Futterstelle gerufen. Einige bleiben an den bekleckerten Spielzeugen hängen, während die anderen vom Assi zur Futterstelle transportiert werden. Der Assi wendet sich den Spielzeuglutschern zu, und schon hat die Mutter hinter seinem Rücken wieder die Nase in der Suppe. Anpfiff. Die einen inhalieren bereits den Brei, während die anderen noch an den Leckerspielis naschen. Endlich sind alle zusammengetragen und bald satt. Nun dürfen Mama und Oma sich an den Resten erbauen, auch jenen in der Rührschüssel. Nach einigen kleinen Entsorgungsausflügen verkuscheln sich alle wieder in den Schlaf, der Assi nimmt das obere Brett aus der Terrassentür, um sich die Kletterei zu ersparen, und schon ist der kleine Käptn – plumps – wieder drüber und verschwindet in seiner Lieblingsecke in der Küche. Sechs Zwerge und ein Schneewittchen absolvieren nun ihren Verdauungsschlaf im Terrassenbettchen, und der Käptn träumt in seiner Kiste von großen Abenteuern. Ende der Geschichte.
Und wenn der Assi wieder einmal zu denken versucht, zum Beispiel, dass dies tatsächlich das Ende der Geschichte sei, lenkt der Knirps (aber nicht ein), sondern wird blitzschnell zum Murmeltier und grüßt täglich. Gerne auch mehrmals.
Donnerstag, 16. Februar 2023
Heute tanzen die Weiber den Männern auf der Nase herum, wie es seit dem Mittelalter an der Weiberfasnacht der Brauch ist. An unseren Knirpsen dürfte dieser Brauch ungenutzt vorübergehen, weil es keine Anzeichen gibt, dass Kathi ihren Brüdern die weißen Lätzchen abschneidet oder in anderer Form durch den Kakao zieht. Das hätten sie auch nicht verdient, weil sie alle sehr lieb zu ihrer Schwester sind. In der alemannischen Fasnacht heißt dieser Tag Schmotziger Dunschtig (für Dialektlegastheniker: schmutziger Donnerstag), was in unserer Lage ohne Belang ist, weil derzeit bei uns täglicher Schmotziger Dunschtig ist. Beim Wiegen der Zwerge verständigen wir uns heute allerdings darauf, dass der gelegentlich im Rheinischen benutzte Begriff Fettdonnerstag seine Berechtigung hat: 1220 Gramm Gewichtszunahme ist voluptuös. Wir halten es für dringend geboten, darauf hinzuweisen, dass diese Auflastung nicht auf den Verzehr dargebotener Faschingskrapfen (Berliner, Pfannkuchen, Kräppel, Chräpfli) zurückzuführen ist, sondern ausschließlich der Maßlosigkeit der Knirpse zugerechnet werden muss.
Weil sich außer einer kleinen Rochade zwischen Kini und Klecks an der Familienaufstellung nichts ändert, fassen wir uns kurz:
Koschi 2760 (+180), Korbi 2630 (+150), Kuno 2500 (+140), Kini 2470 (+210), Klecks 2470 (+180), Kathi 2230 (+80), Käptn 2170 (+140), Krischan 2160 (+140). Mit diesem Wumms ist auch das Durchschnittsgewicht um 152 Gramm auf 2423 Gramm nach oben gehüpft.
Kuno und Kini sind best friendsAus der gestrigen Futtermenge ist diese Schub schwerlich abzuleiten, weil die Menge an Granulatbrei gleichgeblieben ist und das abendliche Fleisch geringfügig angehoben wurde. Nur die Morgenmilch ist jetzt um die Hälfte aufgestockt, was auch nötig ist, weil die Mama nur mehr sporadisch liefert. Es bleibt also ein Naturphänomen, warum das Futter heute einschlägt und morgen durchgereicht wird. Vielleicht liegt es an der Mondphase oder an vermehrter Aktivität der Sonnenflecken.
Solche Überraschungen sind natürlich das Salz in der Züchtersuppe, weswegen im übrigen Herr Prof. Dr. Karl Lauterbach nie Züchter sein könnte, weil er auf Salz bekanntlich völlig verzichtet. Wir lieben solche Salzgaben. Aber natürlich macht man sich Gedanken über die Ursachen, obwohl eigentlich jeder weiß, dass der Kosmos ein chaotisches System ist, dessen Gesetze wir bislang nur lückenhaft entschlüsseln konnten.
Auch wenn der Weiberfasching morgens mit glasklaren -4 °C in den Tag startet und sich nachmittags auf 14 Grad hochschwingt, dürfte das immer noch nicht für eine wirkungsvolle Fettverbrennung bei den Knirpsen ausreichen.
Andererseits kommen die Knirpse den Vorgängen beim Bairischen Blues immer besser auf die Schliche. Da ist beispielsweise der Eimer mit dem Welpengranulat. Wenn wir den bereitstellen, spitzt die Hälfte der Zwerge schon die Ohren. Noch aufmerksamer werden sie, wenn wir morgens die Milch oder abends das Kopffleisch mit dem Zauberstab pürieren. Sobald das Gerät aufheult, wieseln alle fix und flott daher; sie wissen schon, was das bedeutet. Das kann und sollte man als herzerweichenden Entwicklungsschritt betrachten. Für die künftigen Besitzer unsere Welpen bedeutet das jedoch nicht nur, dass die Knirpse mit allem vertraut sind, was in Haus und Garten kracht, rumort und quietscht, pfeift, röchelt und scheppert, sondern dass der Einsatz eines Zauberstabs nicht ohne Folgen bleiben wird.
Ist das nicht zauberhaft?
Freitag, 17. Februar 2023
Auf den Schmotzigen Dunschtig folgt, jedenfalls in der alemannischen Fasnacht, der Rußige Freitag, in Oberschwaben ist das der Bromige Freitag, weil die Narren an diesem Tag früher versucht haben, Leuten Ruß ins Gesicht zu schmieren. Stand kein Ruß zur Verfügung, taten es auch Brombeeren. Jetzt will man doch gerne wissen, woher die in dieser Jahreszeit frische Brombeeren hatten.
Beim Bairischen Blues könnte dieser Tag auch Schmieriger Freitag heißen. Allerdings würde er sich kaum vom Schmierigen Montag, dem Schmierigen Dienstag, etc. unterscheiden. Die Umbenennung wird folgerichtig kaum Eingang in den Faschingskalender finden.
Ob rußig, bromig oder schmierig: Entscheidend ist doch, was uns der Tag bescheren wird. Gleich morgens, es ist noch dunkel und der Assi leert den verkackten Putzeimer in den Straßengully, singen ihm zwei Amselhähnchen ein Lied. Zwar singen sie nicht zu seiner Erbauung, sondern stecken mit dem Gesang ihre Reviergrenzen ab, aber wie wäre es wohl um die Welt bestellt, wenn alle Kampfhähne auf den Dachfirsten ihrer Paläste ihre Ansprüche singend regeln würden. Sicher würde nur selten die Kunst profitieren, mit Gewissheit aber die Würde des Menschengeschlechts. Weiß jemand, ob Wladimir Wladimirowitsch singen oder wenigstens trällern kann? Und wie klänge es wohl, wenn ihm Wolodymyr eins pfeifen würde? Wahrscheinlich hätten wir genug Gründe, uns über ihre Misstöne zu echauffieren, welche jedoch immer noch angenehmer wären als Sirenengeheul. Was einem Abwasser-Assi morgens um 5 Uhr so durch den Kopf geht, nur weil ihm ein Amselbock eins pfeift…
Vor allem geht ihm dabei die Frage durch den Kopf: Ja, ist denn schon wieder Frühling? Behalten denn die Bauern mit ihrer Wahrsagerei wirklich recht? Laue 5 °C umfangen den Assi beim Klang der Amselarien, und die Wetterdruiden prophezeien ihm einen frühlingsnahen Tag.
Die Kinder müssen morgens auch auf die Waage, wenn die Amseln trällern. Bei dieser Gelegenheit wird es höchste Zeit, ihnen ein weit in die Lande schallendes Loblied zu singen, gegen das sich die Amselarie wie Froschgesang anhört. Die Knirpse sind die absolut ersten Kinder, die sich auf der Waage verhalten wie die Kleber von der Letzten Generation: Sie sitzen (fast) wie festgetackert. Kaum eine(r) hat jemals versucht, der Waage zu entfliehen. Was haben wir schon Kämpfe mit unwirschen oder fluchtreflektierten Kindern ausgestanden! Wie Flipperkugeln oder Aale haben sie uns das Leben schwergemacht. Doch diese hier sitzen und – fast möchte man sagen – sinnen. Sie sind weder lethargisch noch angstgeduckt, sie hocken einfach da, warten ihr Ergebnis ab und lassen sich wieder zurücksetzen. Wahrscheinlich hilft ihnen das Körbchen, in welches wir sie setzen, und das wir ihren Vorgängern vorenthielten. Wir wissen es nicht, sind aber auf diese Weise mindestens doppelt so schnell durch die Prozedur wie früher.
Und auch heute kann sich ihr Ergebnis mehr als nur sehen lassen.
Koschi sammelt wieder einmal Punkte, heute 190 und meldet 2950 Gramm. Damit sind die drei Kilo in greifbarer Nähe. Auch Korbi lässt sich nicht lumpen und legt 170 Gramm zu (2800), ebenso Kini, der auf 160 Gramm kommt (2630). Kuno (2570, +70) und Klecks (2540, +70) können das Tempo in der Viererbande aktuell nicht mithalten. Im Dreizack am Ende verschätzte sich Kathi offenbar, denn mit 110 Gramm bleibt sie bei 2340 Gramm hängen, das gleiche Gewicht wie Käptn, der sich aber mit einem Tageswumms von 170 Gramm vor sie platzieren darf. Und auch Krischan sollte sie nicht aus den Augen verlieren, wenn sie ihren Führungsanspruch geltend machen möchte, denn der liefert auch 140 Gramm und bleibt ihr mit 2300 Gramm auf den Fersen. Insgesamt kommen wir heute auf 1080 Gramm Zulage und ein Durchschnittsgewicht von 1558 Gramm.
Morgendliche Schmuseeinheiten im Freien: Korbi, Kini und KathiWährend wir ihren Augiasstall misten und wieder geordnete Zustände herstellen, verbannen wir sie heute, bei schon fast frühlingshaften Morgentemperaturen, in ihr kleines Paradies, was nicht jedem gefällt. Klar, auch die bisherige Kasernierung in der Schnullerbox war Grund genug, eine lautstarke Protestdemo zu organisieren, aber schnöde ausgesperrt zu werden ist noch etwas anderes als nur weggesperrt zu sein. Verschärfend kommt hinzu, dass Mama und Oma im Haus bleiben müssen, weil sie draußen nur den Unmut der Zornzwerge zu ertragen hätten. Lange halten sie das Geheul gottlob nicht durch, was uns die Nachbarschaft vermutlich danken wird, und sie nehmen nochmal eine Mütze Schlaf.
Die Schnullerbox ist schon seit Tagen nur noch gelegentlicher Schlafplatz, dafür häufiger ein Box-Gym. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn sie aber die Box neben der Körperertüchtigung überwiegend als Pissoir benutzen und zudem die Teiche, die sie direkt vor die Kiste platzieren unter diese laufen, kann der Assi putzen so lange er will: Es stinkt nach öffentlicher Bedürfnisanstalt. Deswegen hat die Schnullerbox heute ausgedient und wird nachmittags abgebaut. Dort wo die Kinder die Welt betraten, werden nun Laken und Decken ausgebreitet, auf denen sie sich nach ihrer Rückkehr aus der Verbannung, genüsslich ausbreiten. Phantomschmerzen wegen ihres abgerissenen Kreißsaals haben sie eindeutig keine. Für uns ändert sich, abgesehen vom Gestank und der bessern Putzmöglichkeit, nichts, höchstens für unsere Besucher, die nun mehr Platz haben, sich in der Küche auszubreiten.
Abends servieren wir ihnen heute erstmals gekochtes Hähnchen mit Reisflocken und Karotten (Moro-Suppe). Das lassen sie sich genauso schmecken wie alles, was sie bisher bekamen, hauen rein und sich gegenseitig weg – die ganz normalen Tischsitten eben.
Trotz dieses neuen Ambientes halten sich die Knirpse heute vorwiegend in ihrem Disneyland im Freien auf. Großteils verdösen sie den Tag, lungern auf ihren Decken und Betten herum und zeigen wenig Interesse an Aktivitäten. Die Knirpse träumen in den Frühling hinein. Oder ist das schon die erste Frühjahrsmüdigkeit? Immerhin bekommen sie heute eine erste Idee vom unvergleichlichen Frühling im Mangfalltal. Eigentlich dürfen wir sie gar nicht weggeben, wenn sie in der Fremde bald nur noch von einem Frühling träumen können, der so lenzig ist wie an der brabbelplappernden Mangfall.
Bei den Gedanken darüber, wird uns spontan klar, dass die Knirpse – alle zusammen – unveräußerlich sind! Nach aktueller Lage der Dinge können wir gar keinen hergeben, weil nicht ein einziger dabei ist, zu dem wir etwas weniger Beziehung haben als zu den anderen. Solche gibt es in praktisch in jedem Wurf. Doch diese Knirpse haben sich achtfach in unseren Herzen eingenistet. Herzwurzelgewächse. Coronarknirpse. Sorry: Unverkäuflich!
Samstag, 18. Februar 2023
Faschingssamstag
Damit drinnen klar Schiff gemacht werden kann, wird die Bande nach draußen verbanntWir beherbergen acht Knirpse. Heute Morgen, beim Betreten der Küche, begrüßen uns 16 Wursthäufchen. Vor Freude über unser Erscheinen, beschenkt uns jeder fröhlich quiekende Knirps mit einem weiteren Faschingshäufchen. Das ergibt in der Summe 24 und eine formidable Leistung. Für die Zukunft lässt diese Spendierfreudigkeit Schlimmes ahnen – und der Assi überdenkt ihre Unverkäuflichkeit doch noch einmal.
Vor der Tür herrscht heute atlantisches Windwetter, das uns zwar schon früh am Morgen zehn Grad beschert, später sogar 14 Grad, aber das uneingeschränkte Paradieserlebnis der Knirpse entscheidend trübt.
Weil Routinen nicht nur langweilig sind, sondern auch dem Tag Struktur und Inhalt geben, was besonders Tagen ohne Eigenschaften eine große Stütze ist, wenden wir uns nun wieder der Hauptroutine des Tages zu: wiegen.
Koschi versagt! Schon einmal hat er vor dem Tausender-Sprung gezögert, so auch heute. Gestern noch hatten wir keine Zweifel, dass 50 Gramm für ihn nicht mehr als eine Aufwärmübung seien, aber was liefert der Sack? 40 Gramm und bleibt bei 2990 hängen. Das ist für einen wie ihn beschämend wenig. Aber auch Korbi (2880, +80) und Kini (2690, +60) wachsen nicht über sich hinaus. Nur Klecks hält sich einigermaßen standesgemäß (2630, +90), was ihn vor Kuno bringt, der ebenso 2630 Gramm meldet, aber nur 60 Gramm, zulegt. Da freut es den Chronisten besonders, dass unsere Kathi läuft und läuft und läuft wie einst der VW-Käfer: Mit 120 Gramm macht sie ihre gesamte Zwergenriege nass (2460), vor allem ihre Hinterherläufer Käptn (2430, +90) und Krischan (2370, +70).
Das ist mit 610 Gramm Auflastung ein in letzter Zeit ungewohnt schwacher Tag (Durchschnitt 2635), zeigt aber, dass Hähnchen zum Abendmahl nicht so energiereich ist wie Kopffleisch oder Tatar. Auch hat Hedda gestern nur noch viermal gesäugt, was bei diesen Hungerleidern nicht mehr viel hermacht. Dem tragen wir Rechnung und verdoppeln ab heute die Morgenmilch. Zusammen mit Heddas Welpenmilch, die wir in den nächsten Tagen wegen ihrer spärlichen Milchproduktion einstellen werden, verbrauchen wir nun jeden Morgen neun Eier. Sollte nun jemand grübeln, was neun Eier jeden Tag kosten und anschließend unser baldiges finanzielles Ende in Betracht zieht, können wir ihn oder sie beruhigen: Wir haben gleich um die Ecke einen kleinen, feinen Geflügelhof, von dem wir Brucheier für 10 ct beziehen. Das können wir so gerade noch stemmen. Im Verlauf des heutigen Tags, reduziert Hedda ihren Milchservice sogar auf dreimal. Logo, wenn wir aufrüsten, kann sie abrüsten. Das ist die Idee dahinter.
Bleiben wir noch kurz bei der Nahrungsaufnahme. Unseren beiden Großen stellen wir ihr Frühstück heute im Wohnzimmer zur Verfügung, weil alles andere mit acht Futterneidern nicht mehr funktioniert. Die zwei Schüsseln stehen gleich hinter dem Transitgitter. Es ist Kuno, der als Erster schnallt, wo die Mädels heute speisen, und umgehend zur Stelle ist, um die neue Lage zu peilen. Die anderen erfassen die Situation erst durch Kunos Pionierleistung und folgen ihm. Dafür, dass sie anfangs nicht einmal mitbekommen haben, dass sie gerade um einen Spaß gebracht wurden, beschweren sie sich nun umso lautstärker. Kuno hat wieder einmal bewiesen, dass er zusammen mit Korbi der absolut schnellste Checker ist, wenn es um Veränderungen oder die Zuordnung bekannter Geräusche geht.
Die zweite Entwurmung mit Panacur ist auch schon wieder fällig, also beginnen wir heute mit deren erstem Teil, den die Zwerge ebenso routiniert an sich abtropfen lassen wie die Zuchtmeisterin ihnen den Einfüllstutzen routiniert zwischen die Lefzen schiebt. So tickt die Welt: geben und nehmen.
Ab sofort wird an zwei Ringen gefressenMit dem Geben und Nehmen ist es aber mitunter so eine Sache, dann nämlich, wenn sich Geber und Nehmer zu sehr auf die Pelle gehen; das mit dem Volk ohne Raum haben wir schon einmal angesprochen. Die acht Prachtknirpse haben inzwischen an einem Futterring nicht mehr genug Platz, was dazu führt, dass die Gewaltigsten und Gewalttätigen das meiste für sich reservieren und die zwangsläufig Friedfertigen bald in Frieden, aber am vollen Futternapf verhungern, wenn wir nicht einschreiten.
Ein zweiter Ring bekommt also seinen Auftritt, was auch unser Eingreifen wieder dringend nötig macht, weil es bei den Knirpsen definitiv nicht angelegt ist, sich schiedlich-friedlich in zwei Vierergruppen an den Ringen zu verteilen. Blind wie Grottenolme stürzen sich nachmittags, als der traditionelle Futterruf „Matze, Matze, Matze“ durch Haus und Hof schallt, acht Notleidende auf einen Futterring und fressen sich die Haare vom Leib, wenn wir sie nicht umsortieren. Die Idee, die vier schlimmsten Gierschlünde sich an einem Ring gegenseitig den Teller leerfressen zu lassen, damit sich die Hintersassen nebenan einen wohlgefüllten Ring teilen können, funktioniert noch nicht einmal in Taka-Tuka-Land. Gier und Neugier gönnen sich gegenseitig nicht das Schwarze unter den Fingernägeln, weshalb alle hin und her flitzen, um nicht doch noch zu kurz zu kommen. So ist das eben: Die Welt ist sogar im Welpenparadies kein Paradies, sondern eine Schlangengrube. Und dagegen hilft nur eine Futtermeisterin und ihr Assi. Auf eine Eva sollte man sich jedenfalls nicht verlassen.
Auf die Schlacht am lauwarmen Buffet, folgt unweigerlich die Entsorgung. Zu unserem Missvergnügen werden jetzt die Endmoränchen schmierig und gelbschleimig. Nach Lage der Dinge ist das zwar nicht bedrohlich, weil es offensichtlich keinen bakteriellen Hintergrund hat, aber es ist für das Personal eklig und schwerer zu beseitigen als eine sauber auf die Terrasse gedrechselte Brezel. Der Grund für die Veränderung des Stuhlgangs liegt einerseits an den immer neuen Nahrungsangeboten, dem Wurmmittel, aber vor allem am Grünzeug, das sie im Garten vorfinden und austesten.
Welpen- und BesucherglückMit fortschreitendem Alter der Knirpse und ihrem damit verbundenen unwiderstehlich reifenden Kuschelfaktor, geben sich nun immer mehr Besucher bei uns die Klinke in die Hand, an einem Wochenende erst recht. Demnach ist auch am heutigen Narrensamstag viel los beim Blues. Die größten Profiteure sind an solchen Tagen die Superschmuser Krischan und Kathi, die zwei mit dem ausgeprägtesten Kindchenschema. Und so kommen alle auf ihre Kosten, die Selbstdarsteller und Showmänner, die die Leute zum Lachen und Staunen bringen, und die Schoßhocker mit der Unschuldsmiene. Am meisten jedoch kommen die Besucher auf ihre Kosten, die eine seelische Schnellwäsche bekommen, ohne dafür zur Kasse gebeten zu werden. Beim Bairischen Blues gibt es glückliche Hunde und Hunde fürs Glück.
Sonntag, 19. Februar 2023
Faschingssonntag
Auch dieser Narrentag beginnt atlantisch mit 9 Grad und Regen und Wind. Das empfinden Närrinnen und Narrhallesen in Vagen als boshafte Spaßbremse, weil heute ein großer Faschingsumzug stattfindet, und dafür wünscht man sich logischerweise ein anderes Wetter. Dazu später mehr, jetzt zur Hauptsache, den Knirpsen ohne Pappnasen, aber mit schwarzen Schnuffelnasen.
Die begrüßen uns morgens in einer maximal versauten Küche und einem ebensolchen Transit, weil wir ihn nachts nicht abgesperrt hatten. Selber schuld. Viele dieser Morgengaben sind schleimig weich und unangenehm anrüchig. Egal: Ob so anrüchig oder anders anrüchig: es stinkt einfach ekelig.
Wenn man die Knirpse dann auf die Waage setzt und deren Ergebnis mit dem soeben weggeputzten Output in Verbindung bringt, fragt man sich, woher sie diese Gewichte nehmen, wenn sie doch augenscheinlich die ganze Nacht über alles entsorgt haben, was wir ihnen gestern untergeschoben hatten. Gestern hatten wir noch räsoniert, dass das schwache Ergebnis auf das energiedefizitäre Hühnchen zurückzuführen sein könnte, aber gestern Abend bekamen sie wieder gekochtes Huhn, diesmal mit echtem Basmatireis und Möhrensuppe. Und daraus haben sie folgendes gemacht (ohne weitere Worte):
Koschi 3130 (+140), Korbi 3030 (+150), Kini 2910 (+220), Kuno 2810 (+180), Klecks 2800 (+170), Kathi 2610 (+150), Krischan 2550 (+180) und Käptn 2540 (+110).
Diese Zahlen ergeben einen Gesamtumsatz von 1300 Gramm und ein neues Durchschnittsgewicht von 2797,5 Gramm. Wir haben es dabei nicht nur mit einem gewaltigen Zahlenwerk zu tun, sondern stehen gewissermaßen vor einem Rätsel, denn bei Heddas erstem Wurf begannen wir um diese Zeit bereits mit einer vierten Tagesfütterung, weil den Welpen langsam die Substanz abhanden zu kommen drohte. Und diese Knirpse hier gehen auf wie Hefeteig.
Erschwerend kommt hinzu, dass wir gestern bekanntlich mit der zweiten Wurmkur begannen, die wir heute fortsetzen, die aber offenbar keine abführende Wirkung auf die Knirpse hat. So gesehen dürfte sie auch nicht für den gelben Darmschlonz verantwortlich sein.
Kathi genießt die Outdoor-SaisonWegen des Faschingsumzugs haben wir heute viel Narrenbesuch, was dafür sorgt, dass die Knirpse wenig Bodenkontakt haben, dafür aber ein maximal verwuscheltes Haarkleid. Wie Pretiosen werden sie weitergereicht und bestaunt, dabei handelt es sich bei ihnen um nichts anderes als ein Funkenmariechen mit ihrem Siebenerrat, ganz normale Faschings-Fasnachts-Karnevals-Folklore eben.
Zum Umzug müssen die acht dann doch von den Armen und zurück auf den Boden, damit auch wir ein bisschen Spaß haben können. Alle zwei Jahre, im Wechsel mit Bad Aibling, findet hier ein großer Faschingsumzug statt. Hier bedeutet: In Vagen, einem 1000-Seelen-Dorf in der Großgemeinde Feldkirchen-Westerham mit rund 10.000 Einwohnern. Nicht die anderen 9000 kriegen das gestemmt, aber wir. Nun war drei Jahre Corona-Pause und alle sind ganz närrisch auf das anstehende Treiben. 33 Motivwagen ziehen durch den Ort (wir hatten auch schon 50), und damit auch alle einen echten Mehrwert haben, tun sie das gleich zweimal, wobei der eine oder andere Narr beim zweiten Mal schon auf der Suche nach seiner Einheit ist. 15.000 Besucher sind es heute, die Wiesen rund ums Dorf sind vollgeparkt, aber Petrus hat den Regen, den er vormittags aufdrehte, pünktlich wieder abgestellt. Das alles ist einfach nur eine Reisengaudi, Bonbons werden reichlich verschleudert, der Alkohol fließt schneller als der Zug durchs Dorf, und Musik dröhnt aus allen Boxen bis zum Hörsturz. Und wenn dann die Hauptattraktion durch ist, gehen die einen nach Hause, so wie wir, die anderen bleiben in den Festzelten hängen, bis sie nicht mehr wissen, wo ihr Auto parkt, und das ganze Dorf wird letztlich zum grenzüberschreitenden Kontakthof, was wegen der Umstände, dass hierzulande sowieso jeder jede kennt, keine langen Bewerbungsgespräche erfordert und zu spontanen oder lang angebahnten Koppelgeschäften führt. Wer immer noch glaubt, dass nur die Tiroler lustig sind und es auf der Alm koa Sünd‘ gibt, der sollte in zwei Jahren bei uns vorbeischauen und sich selbst überzeugen.
Wir feiern noch züchtig bis in die Nacht hinein mit unseren Gästen und vergessen auch die Zwerge nicht: Die bekommen kurz nach Mitternacht noch eine Portion Welpenmilch, damit sie nicht vor lauter Aktivität vom Fleisch fallen, wenn wir sie schon nicht schlafen lassen.
Montag, 20. Februar 2023
Rosenmontag
Trotz der langen Feier kommen wir morgens früh aus dem Bett. Wegen der nachts noch entschlackten Kinder und der frühen Morgenstund‘ hat der Rosenmontag zwar kein Gold im Mund, aber immerhin nur zwei schlecht riechende Existenznachweise der Knirpse. Das hebt die Stimmung, wie es an solchen Tagen erwünscht ist.
Mögen sie anderswo die Rosenmontagszüge aufstellen, wir stellen als erste Maßnahme die aktuelle Reihenfolge in unserem Zwergenzug zusammen und stellen fest, dass alles beim alten geblieben ist. Alle Positionen bleiben für einen Tag festgezurrt und unverrückt, was für sich auch schon ein wenig verrückt ist.
Koschi 3270 (+140), Korbi 3120 (+90), Kini 3040 (+130), Kuno 2940 (+130), Klecks 2920 (120), Kathi 2700 (+90), Krischan 2660 (+110), Käptn 2640 (+100).
Das sind zwar 390 Gramm weniger als bei der gestrigen Hausse, aber immer noch 910 Gramm. Hedda war gestern auch nur noch einmal zur Milchspende bereit, was belegt, dass es auf ihre Gaben nicht mehr entscheidend ankommt. Das Durchschnittsgewicht liegt jetzt bei 2911 Gramm.
Diese markante Gewichtsentwicklung hat auch Folgen, an die man zunächst nicht denkt: Wir müssen Panacur für den dritten und letzten Akt der zweiten Entwurmung nachkaufen. Die Menge der verabreichten Paste hängt vom jeweiligen Gewicht des Welpen ab. Als wir vor der ersten Wurmkur das Wurmmittel besorgten, geschah das auf der Gewichtsbasis des J-Wurfs. Aber unsere Knirpse halten sich nicht an diese Vorlage – und wir müssen nachkaufen. Nicht schlimm, aber bezeichnend für unsere Zwerge.
Unter diesen Umständen drängen sich Gedanken auf, ob unsere Zwerge seinerzeit, als Zwerge Hochkonjunktur hatten, noch zum Einsatz gekommen wären. Es steht zu befürchten, dass Schneewittchen ohne ihre Zwerge hätte auskommen müssen, jedenfalls ohne die unseren. Der Topos des Zwergs ist ja keinesfalls in der Feen- oder Märchenwelt angesiedelt, sondern in der Welt des Bergbaus. Kleine Kinder wurden in extrem enge Bergwerksstollen geschickt, um dort Erz und Kohle zu fördern, wo Erwachsene nicht mehr zurande kamen. Diese Kinder blieben in ihrer körperlichen Entwicklung stecken, blieben kleinwüchsig und verkrüppelt. Alt wurde auch keines, weil alle neben Defiziten in ihrer Skelettentwicklung auch schwere Krankheiten entwickelten. Diese für den Profit geschundenen Kinder wurden später zwecks Verdunkelung des Missbrauchs zu süßen Zwergen verniedlicht. Liebhaber von Gartenzwergen, die nicht ohne Grund auch mal eine Schaufel oder Hacke tragen, dürfen darüber gerne mal nachdenken. Wir aber können angesichts der aktuellen Gewichtsentwicklung unserer Knirpse hoffen, dass sie als Zwerge bereits jetzt untauglich gewesen wären und somit ein so langes und gesundes Leben gehabt hätten wie wir es für unsere Knirpse erhoffen.
von links: Krischan, Koschi und KorbiDie düsteren Gedanken rund um die bedauernswerten Erzzwerge verfliegen in einem herrlichen Frühlingstag mit 16 Grad am Nachmittag. Wir betrachten es als Privileg, geradezu als Himmelsgeschenk, dass wir für die erste Freiluftwoche der Knirpse mit einem solchen Wetter beschenkt werden, wenn die Kleinen sich erst daran gewöhnen und abhärten müssen. An solchen Tagen mangelt es ihnen auch nicht an Besuchern, die sie hudern und pudern und verwöhnen.
Klecks zeigt ZähneDoch vor dem Verwöhnprogramm haben die Zuchtwartin und die Zuchtmeisterin noch einen Pflichttermin gesetzt: die zweite Wurfabnahme. Die erste fand schon drei Tage nach der Geburt statt, wo erste Merkmale oder Auffälligkeiten, aber auch der allgemeine Zustand der Welpen festgehalten wird. Heute müssen sie eine Zwischenkontrolle passieren, bei der auf Veränderungen der dokumentierten Erstergebnisse geachtet wird, etwa wie sich die Marken oder die weißen Abzeichen entwickelt haben. Vor allem wird auf die Zahnentwicklung geachtet, denn nun sind die Zähnchen durchgebrochen, und auffällige Fehlentwicklung wären bereits erkennbar. Aber in dieser Hinsicht haben die Knirpse nichts Auffälliges zu vermelden, der Zahnschluss ist bei allen, zumindest dem Alter entsprechend, korrekt. Und sogar die Zudringlichkeiten der Zuchtwartin beim Blick in ihre Mundhöhle dulden die meisten mit erstaunlicher Gelassenheit, obwohl kein Welpe um eine Wiederholung betteln würde. Die Marken haben sich schön entwickelt und kleine weiße Abzeichen sind inzwischen verflogen, sogar der namensgebende weiße Blitz bei Klecks hat sich etwas zurückentwickelt, aber Klecks bleibt weiterhin Klecks. Da beißt die Maus keinen Faden ab.
Auf die Normenkontrolle folgt ein glücklicher Tag im Paradies, den auch der immer noch senfartig dünne Output der Knirpse nicht trüben kann (höchstens beim Entsorgungspersonal), weil so viel ungetrübte, geradezu überschäumende Lebensfreude keinen Grund zur Sorge liefert.
Koschi und KorbiBis 17 Uhr toben die Mangfallzwerge durch ihren Garten Eden und würden es auch noch weiter tun, wenn es nicht dem Personal zu frostig würde. Auch sehr schöne Frühlingstage werden im Februar nach Sonnenuntergang frostig. Das kann man sich auch mit viel Humba Täterä nicht warm saufen. Ein Humpen Cannabis-Gin Tonic (alles ganz legal!) mit Freunden bringt uns diesem Ziel schon näher und verleiht den Augen den versinkenden Glanz der Frühlingssonne.
Dienstag, 21. Februar 2023
Faschingsdienstag
Um 4:30 Uhr ist Hedda offenbar prallvoll und steigt ins Erdgeschoss hinunter zu ihren Kindern. Dort ist die Glastür verschlossen, was sie dazu veranlasst, nach ihnen zu rufen. Die lassen sich nicht zweimal bitten, wollen zu ihrer Mama, können aber nicht und starten ein Heidenspektakel. Dem ist auch eine schlafdefizitäre Zuchtmeisterin nicht gewachsen. Ihr Assi gibt das zumindest vor und atmet einige mal tief durch, um Tiefschlaf vorzugaukeln, bis sie Hedda folgt, das Sesam öffnet und die Mutter zu ihren Kindern in den Garten lässt, wo sie sich augenblicklich auf sie stürzen und leerpumpen. Warum hat Hedda denn plötzlich so viel Milch?
Der Vorteil des frühen Vogelflugs in die Küche ist ein einziges Endmoränchen. Die Morgentoilette kann entspannt nach der Speisung im Garten erfolgen. Groß kann das Glück des Züchters sein, am größten, wenn der Tag so früh beginnt. So gesehen muss die Zuchtmeisterin heute außerordentlich glücklich sein.
Wenn sich die Dinge morgens so umstandslos gestalten, ist es nur noch halb so schlimm, dass der Morgen schon zu nachtschlafender Zeit beginnt. Man geht dann eben in die Routinen über, für die der Assi dann auch schon zur Verfügung steht, weil nur ein pflichtbewusster Assi ein guter Assi ist. Das gilt auch dann, wenn es draußen vor der Tür nur glasklare 2 °C hat. Die Aussichten auf einen weiteren herzerfrischenden Frühlingstag lassen uns unser Tagwerk mit frischem und elastischem Schwung angehen. Also schreiten wir zur Tat und werfen die Knirpse einen nach der anderen in die Waagschale.
Die einzig nennenswerte Veränderung in der Knirpsenreihung liefert Klecks, der sich mit 170 Gramm Auflastung an den schwächelnden Kini und Kuno auf den dritten Platz vorbeifrisst. Sonst bleibt alles, wie gehabt:
Koschi 3380 (+110), Korbi 3270 (+150), Klecks 3090 (+170), Kini 3090 (+50), Kuno 3010 (+70), Kathi 2800 (+100), Krischan 2760 (+100), Käptn 2710 (+70). 820 Gramm Zunahme nehmen wir zu Protokoll und ein Durchschnittsgewicht von 3014 Gramm.
Bei Mama schmeckt es immer noch am BestenNach dem Morgenspaziergang und dem anschließenden Frühstück steht Hedda schon wieder auf der Terrasse mit fünf Knirpsen an der Bar. Was ist denn nun los? Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass sie die Lieferung ihrer Vorzugsmilch langsam einstellt, aber jetzt hat sie schon morgens zweimal zur Verkostung gebeten. Wo nimmt sie denn plötzlich wieder die Milch her und vor allem: warum? Um es vorweg zu nehmen, bis zum Abend wird sie ihre Kinder fünf Mal gesäugt haben. Aber, und das muss unbedingt dazu erwähnt werden, trotz der inzwischen giftigen Zähnchen und wild um ihre Zitze kämpfenden Knirpse, sieht ihr Gesäuge immer noch gepflegt aus. Wie macht sie das nur? Uns wird ganz bange, wenn wir sehen, wie die Zwerge mit ihr umgehen.
Wie um die brutalen Milchräuber zu bestrafen, verpassen wir ihnen gleich im Anschluss die dritte Gabe der zweiten Entwurmung, die wir gestern Abend noch vergessen hatten. Nun haben sie in dieser Hinsicht das Schlimmste überstanden, denn für die dritte Entwurmung gibt es eine Tablette, die sie dann locker schlucken können.
Bei dieser Gelegenheit bietet es sich an, wieder einmal den Stuhlgang der Knirpse in Augenschein zu nehmen und stellen fest, dass er noch vielfach schleimig weich ist, aber bei manchen schon wieder langsam festigt.
Erst hat Kuno das TauDer und dann KäptnNachmittag gestaltet sich so, wie wir es vermutet und erhofft hatten: brillant und frühlingslau. Die Knirpse toben und kugeln durch den Garten, treiben Scherze und sich selbst zu Paaren, hin und wieder misst man die Kräfte und fällt wieder in einen traumseligen Tiefschlaf. Als Faschingstreiben kann man das allerdings nicht bezeichnen, es ist die ganz normale Knirpsengaudi.
Nur einmal hat die wilde Sause Pause, als die Zuchtmeisterin das tut, was wir ständig tun: zählen. Dabei streift sie im Paradies herum und zählt die verstreuten Häupter ihrer Lieben, und sieh: da warn’s statt achte sieben. Noch einmal geht sie die Runde und dehnt sie aus: statt achte sieben! Mist. Der natürliche Reflex ist, das Welpen-Guantanamo nach Schwachstellen abzuklopfen. Nichts. Kini ist wieder daDoch dann entdeckt sie die Nummer acht, zwischen Hauswand und Rosenkübel eingeklemmt und wegen eines Schattens fast im Dunkeln. Wieder einmal bestätigt sich das Dichterwort: Und man siehet die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht. Es ist Kini, die einzige Pappnase heute.
Nein, das stimmt nicht ganz. Der früher schon erwähnte Prof. Dr. Karl Lauterbach feiert heute seinen 60. Geburtstag. Dass er kein echter Gaudibursch ist, liegt vermutlich daran, dass sein Geburtstag vor 60 Jahren nicht auf einen Karnevalsdienstag gefallen ist. Trotzdem finden wir, dass er ein fröhliches Alaaf und ein donnerndes Helau verdient hat. Jetzt alle…
Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die fünfte Woche.