Mittwoch, 22. Februar 2023
Aschermittwoch
Morgens um halb sieben messen wir an unserem Fensterbankerl 0 °C, und der erwachende Himmel ist wolkenlos. Beim Blick in die Wetterweissagungen der schlauen Bauern ergreift uns eine ungeahnte Ratlosigkeit. Wir lesen dort: Gefriert es in der Petersnacht, dann auch noch lang das Eise kracht. Gilt 0 Grad schon als gefrieren? 0 °C ist als Gefrierpunkt bekannt, demnach müsste es heute Nacht gefroren haben, und der Winter bleibt uns noch lange erhalten.
Weil es aber bei den Bauern zugeht, wie es bei ihnen immer zugeht – man denke nur an die imagebildenden Wirtshausprügeleien –, sind sie sich wieder einmal nicht einig und die Kontrabauern behaupten: Nach der Kälte der Petersnacht, verliert bald der Winter seine Kraft. Ja, was denn nun? Dürfen wir es uns nun aussuchen, woran wir glauben wollen? Und das alles, obwohl es nach den früheren Weissagungen des Bauern-Nostradamus schon längst Frühling sein und bleiben müsste. Bis zum „sein“ haben wir es ja schon gebracht, aber nun will ihn uns zumindest die eine Hälfte der Schlaubauern wieder wegnehmen. Kräht der Bauer seinen Mist, ändert sich’s Wetter oder es bleibt, wie‘s ist. Punktum.
Wir nehmen’s wie es kommt und starten um 5:30 Uhr und den besagten 0 Grad in den Aschermittwoch, an dem bei uns noch längst nicht alles vorbei ist. Die Knirpse werden in den Garten verfrachtet, was ihnen mehr als recht ist, wo sie ihre ersten Geschäfte des Tages erledigen. Auch heute Morgen fängt der frühe Vogel in der Küche kaum einen Darmwurm, die werden nun das Paradies besiedeln und besudeln. Ihre Morgenmilch bekommen die Zwerge auch draußen serviert, und dann legen sie sich wieder ins Bettchen zum Schlafen. Währenddessen tanzt der Assi mit seinem Putzlappen wie der Lump am Stecken einen Zwiefachen in der Küche und im Transit. Trotz des für den Aschermittwoch ungebührlichen Tanzes am frühen Morgen, beginnt der Tag beim Bairischen Blues in stillem Glück und im Einklang mit den Geschicken.
Aus der Fassung bringt uns erst der Tanz auf der Waage, auf der heute eine Revolution ihren Lauf nimmt. 90 Gramm Aufbauleistung reichen Koschi nicht, um seinen ihm von der Natur zugewiesenen Stammplatz an der Spitze zu verteidigen. Mit 210 g mehr stürzt ihn Korbi vom Thron, demütigt ihn und zieht ihm die ausgediente Pappnase über. Diesem kunterbunten Kerlchen ist offenbar nichts heilig. Aber auch im hinteren Ende des Knirpsenkonvois hat sich die Sitzordnung verdreht, genau genommen um Krischan herum gedreht: Käptn, der Allerletzte, schiebt sich mit 190 g vor Krischan und Kathi, die sich so hingebungsvoll nach vorne gearbeitet hat, fällt mit 40 g hinter ihn zurück und ist jetzt wieder das Schlusslicht. Dabei war auch sie gestern bei allen Speisungen sehr gut dabei, eigentlich waren alle kulinarisch voll konzentriert und gut vertreten.
In dürren Zahlen sieht diese Rebellion – wir meinen, dass Korbi vielleicht doch nicht das Format für eine richtige Revolution hat – dann so aus:
Korbi 3480 (+210), Koschi 3470 (+90), Klecks 3180 (+90), Kini 3120 (+30), Kuno 3090 (+80), Käptn 2900 (+190), Krischan 2850 (90), Kathi 2840 (+40). Von den heute erwirtschafteten 820 Gramm geht fast die Hälfte auf die Konten von Korbi und Käptn. Mal abwarten, wie sie mit der daraus erwachsenen Erwartungshaltung umgehen werden. Das Durchschnittsgewicht beträgt heute 3116 Gramm.
Trotz des frostigen Morgens klettern die Temperaturen nachmittags auf 16 °C, und plötzlich schallt es vertraut aus den Bäumen und Sträuchern rundum: Die Stare sind zurück. Sicher handelt es sich bei ihnen um Durchzieher in den Norden, die Quartiermacher für die später folgenden Damen. Aber es ist schön, sie wieder zurück zu wissen. Da kann doch der Lenz nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Konspirative Sitzung: "Was stellen wir als nächstes an?"Die Kini schaut, als ob er kein Wässerchen trüben könnteKnirpse sind nun fünf Wochen alt und längst schon zu kleinen Persönlichkeiten gereift. Dass diese Persönlichkeiten auch mit Eigenheiten ausgestattet sind, die uns manchmal amüsieren, manchmal enervieren und mitunter düpieren, gehört zum Plan. Kini düpiert uns heute und legt unsere Schwachstellen in Sachen Sorgfalt offen. Während die Zuchtmeisterin das Abendessen bereitet und der Chronist schräge Geschichten über einen gelegentlich überforderten Assi schreibt, bleibt ein Transittürchen zum Zimmer offen, und Kini erkennt und nutzt seine Chance: drüber. Und weil die Köchin in der Küche lauthals hantiert und Männer bekanntlich nicht denken und achtsam zugleich sein können (sequenzielle Datenverarbeitung), bemerkt niemand Kinis Grenzverletzung. Der setzt triumphierend einen royalen Haufen neben den Esstisch. Das ist einerseits ärgerlich für uns, andererseits pfiffig von ihm und wirft gleichsam ein Schlaglicht auf die unterschiedlichen Möglichkeiten, Gebietsansprüche geltend zu machen; die einen singen und tirilieren, die andern setzen üble Duftmarken. Die einen handeln vokal, die anderen vulgär. Man hat schon sein Päckchen mit dem feudalen Pack.
Käptn sucht sich ein neues HausDoch der Kini erhebt heute noch weitere Gebietsansprüche, der Duft der Marke scheint ihm zu Kopf gestiegen zu sein. Seit Tagen belegt er einen knapp 30 Zentimeter breiten Spalt zwischen Küchenschrank und Wand für sich, ein schmales Refugium, aber nahe am Geschwisterbett und dem Geschehen. Dort ruht er eingeklemmt wie eine Bienenkönigin zwischen einem Servierbrett und einem ausgedienten Backbrett und verlässt sein Hide-away nur zum Speisen und Hofhalten. Doch als er heute wieder einmal zu seinem Refugium zurückkehrt, findet er darin den kleinen Käptn ruhend. Und was macht der Sack? Er packt den Käptn beim Hax und zerrt ihn aus seiner Nische. Nix hat der da verloren! Grenzverletzungen sind royales, nicht seemännisches Recht. Wären wir dem Kleinen nicht zu Hilfe gekommen, könnte der jetzt womöglich mit einem Holzbein als Double von Käptn Ahab Karriere machen.
KathiIrgendwie scheinen mit Beendigung des Faschings alle ein bisschen irre zu sein. Nur Kathi kehrt mit klar strukturierten Tagesabläufen wieder zum Alltag zurück und setzt sich im Transit zum Pinkeln auf ein Handtuch. Dieses jetzt schon lupenrein stubenreine Verhalten bläst den Kaufpreis um 50 € auf.
Am Aschermittwoch ist für die Narren bekanntlich alles vorbei und es beginnt die Fastenzeit. Der tragen wir mit rohem, gewolften Blättermagen Rechnung, der sieht aus wie Spinat und stinkt wie Kuhstall. Die Knirpse stürzen sich drauf, als müssten sie nun vierzig Tage fasten. Sie suhlen sich fast in der stinkend grünen Matsche. Und wenn andere sich zum Dessert einen Kaiserschmarrn oder ein Tiramisu gönnen, genehmigen sie sich einen Milchshake bei Mama; das ist heute schon wieder der vierte. Wann, bitteschön, schließt die ihre Molkerei endlich?
Zur Nachtschicht präsentieren die Knirpse ihrem Assi eine schöne Arschermittwoch-Bescherung: Riesige Teiche vereinigen sich mit grünbraunen Morastflächen. Aber ihm ist nicht bange, denn er hat viele willige und mutwillige Helferlein.
Wenn die Kathi mit dem Krischan in der Scheiße Csardas tanzt
und der Korbi sich mit Koschi an ein Fersenbein anstanzt,
steppen Kuno, Klecks und Kini auf dem Handtuch Riverdance
und der kleine Käptn Peng hält auf der Klorolle Balance –
und dann strahlt die wüste Küche wie von selbst in altem Glanz.
Donnerstag, 23. Februar 2023
Vom nächtlichen Tanz mit seinen Putzteufeln völlig erschöpft, verschläft der Assi das Morgen-Roundup. Als er tranig in die Höhle der kleinen Knirpse hinuntersteigt, hat die Zuchtmeisterin schon ausgefeudelt, aufgeklart, gefüttert und gewogen. Das Welpenlager strahlt, wie er es nachts verlassen hatte, gerade so, als hätte es keine Nacht gegeben, in der die Knirpse, nach glaubhafter Schilderung der Putzmeisterin, ganze Arbeit geleistet hatten. Alles wacht, einer schlief! Time Warp…
Es ist erst 6 Uhr, und schon ist das halbe Tagwerk erledigt. 5 Grad zeigt das Thermometer, und der Himmel ist so aschegrau bedeckt wie das Haupt des Assis. Was bleibt ihm da noch zu tun, als das Wägeprotokoll zu konsultieren. Und das bringt seine Welt wieder in die gottgewollte Ordnung zurück: Koschi is back! Korbis effekthascherische Revolution war, was wir schon vermuteten: ein Zwergenaufstand.
Mit nur 70 g plus (3550) musste er sich wieder hinter Koschi (3560) einsortieren, dem schon bescheidene 90 g für die Parade genügen. Hinter diesen beiden geht es weiter, wie gehabt, wobei man feststellen muss, dass Käptn einen richtigen Lauf hat und dem kleinen Krischan trotz formidabler Leistung wieder nur der letzte Platz bleibt. Jetzt alle und alles in Reih und Glied:
Auch wenn Krischan der Leichteste ist, so steht er den anderen trotzdem in nichts nachKoschi 3560 (+90), Korbi 3550 (+70), Klecks 3280 (+100), Kini 3240 (+120), Kuno 3170 (+80), Käptn 3030 (+130), Kathi 2980 (+140), Krischan 2960 (+110), das ergibt 840 Gramm und einen Schnitt von 3221 Gramm.
Soo-Mi hat tolle Schuhe findet KathiViel ereignet sich heute nicht im Knirpsenland. Der Himmel hält sich den ganzen Tag bedeckt, aber die kleinen Herrschaften halten sich trotzdem überwiegend draußen auf. Betreut werden sie dabei den ganzen Tag über von unserer seit (fast) Windelzeiten bewährten und unverzichtbaren Anna-Maria und Soo-Mi, dem hingebungsvollen Patenkind der Zuchtmeisterin. Ein noch größeres Glück als das schon gepriesene Frühlingswetter für die erste Outdoor-Woche der Knirpse ist es, auf so junge und innige Babysitter setzen zu können, die den Welpen ein Urvertrauen zu Menschen vermitteln. Die beiden sind unbezahlbar.
Zum Abendmahl haben wir wieder einmal ein neues Angebot auf der Speisekarte: gewolftes und püriertes Rindereuter. Wenn wir sehen, wie wenig die Hungerleider unsere Bemühungen schätzen und auch dieses wegputzen wie irgendein eingeweichtes Trockenfutter, fragt man sich, ob es nicht auch gewolfte und mit Fleischaroma versetzte alte Schuhsohlen täten. Aber wir tun es ja nicht für uns, sondern für die Knirpse. Immerhin werden die Häufchen wieder stabiler, zwar langsam, was aber bei der ständigen Wechselkost nicht verwunderlich ist. Mal abwarten, wie sich das Euter auf die Därmchen auswirken wird. Den zukünftigen Besitzern wird die kulinarische Abwechslung helfen; sie könnten bei Bedarf auch Spülbürsten, Stahlwolle oder Styroporflocken füttern. Allerding sollten sie damit gleich nach Übernahme beginnen, sonst werden die Zwerge ganz schnell heikel. Leider beklagen sich immer wieder welche, dass sie einen Müllschlucker übernommen und schon nach wenigen Tagen einen Rosinenklauber haben. Tja, Freunde, an uns liegt’s nicht.
Freitag, 24. Februar 2023
Wolkige 1,5 °C meldet das Thermometer und signalisiert uns damit, dass wir vorerst alle Hoffnung auf den Frühling fahren lassen sollten. In seinem hochgeschätzten schwurbeligen Duktus bestätigt das auch der Bauern-Nostradamus: Mattheis bricht´s Eis. Hat er keins, so macht er eins. Kräht der Gockel auf dem Mist… Wir bestätigen die Weissagung in unserem Sprachgebrauch: Wir müssen es nehmen, wie’s kommt, nehmen wir‘s nicht, kommts auch. In diesem Sinne: Guten Morgen.
Wenn man die Knirpse morgens um 5 Uhr noch im Schlaf erwischt und sofort ins Paradies verfrachtet, lebt es sich mit zwei bescheidenen Häufchen in der Küche sehr gut. Der Augiasstall ist heute eine wahre Augenweide.
Eine Augenweide ist auch das Ergebnis, das uns die Waage liefert: 1150 Gramm aufgesattelt. Das Zahlenwerk vermittelt auch dann große Freude, wenn wieder einmal einer aus der Reihe tanzt: Alle klotzen, nur Klecks kleckert. So lasst denn die Zahlen sprechen:
Koschi 3720 (+160), Korbi 3670 (+120), Kini 3410 (+170), Kuno 3350 (+180), Klecks 3340 (+60), Käptn 3210 (+180), Krischan 3120 (+160), Kathi 3100 (+120). Das Durchschnittsgewicht steigt heute auf 3365 Gramm.
Koschi unser SchwergewichtBeharrlich schafft sich Koschi wieder Luft zu Korbi – die Demütigung von vorgestern nagt noch an ihm -, heute sind es schon wieder 50 Gramm, die zwischen den beiden liegen. Gestern waren es nur zehn Gramm. Und hinten schafft sich der kleine Käptn ein wenig Raum gegenüber Krischan.
LeckerliproduktionGestern noch machte sich Soo-Mi zusammen mit Anna-Maria um die Knirpse verdient, heute stehen auch Fianna und Hedda im Zentrum ihrer Fürsorge. Es werden nämlich Hundeleckerli gebacken. Alles, was Küche und Keller an Feinem und Übergebliebenen hergeben, wird in die Leckerchen verarbeitet: Parmesan, Wurstreste, Joghurt und Quark, Leberwurst, Flocken aller Art, Rote Bete-Saft, Spirulina-Algen und vieles mehr. Fingerlange Knochenkekse und noch längere Leckerlistreifen entstehen so für die Großen, aber eben auch winzige Knöchelchen, Herzchen und Halbkügelchen, einen knappen Zentimeter im Durchmesser, für die Zwerge. Diese winzigen Stückchen, noch lauwarm, bieten wir den Knirpsen heute als erste feste Nahrung an. Unsere TagesproduktionUnd darauf stehen sie wie der Chronist auf Tarte Tatin, gerade, dass sie uns nicht die Finger von der Hand lecken. Kurz: Wir können die kleinen Schweinereien, mit denen sie auch futtertechnisch gut zurande kommen, obwohl sie noch nie festes zwischen den Zähnen und zu zerwirken hatten, in unseren Futterplan einbauen. Das besonders Leckere an den Leckerli ist, dass sie auch von Menschen gerne genommen werden, nur vom Chronisten nicht, weil keine Schokolade drin ist.
Stück für Stück kommen die herzigen Lieblinge in ihre erste nennenswerte Rüpelphase. Heute schafft sich Klecks einen Namen, möglicherweise, weil er die Hänseleien wegen seiner morgendlichen Peinlichkeit auf der Waage noch nicht verarbeitet hat. Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, dass mit ihm durchaus noch zu rechnen ist, attackiert er eine gute Freundin mit einschlägiger Hovawarterfahrung, die auch wieder einmal kuschelige Welpen ans Herz drücken wollte. Da hätte sie sich aber nicht in Klecks‘ Nähe aufhalten sollen. KlecksWie Ivan, der Schreckliche, greift er unter Kampfgebrüll aus dem Hinterhalt, aus seinem Bett heraus, an. Als sie ihn unmissverständlich in sein Lager zurückkomplimentiert, schießt er wieder heraus, diesmal nach dem Modell Attila. Irgendetwas gefällt ihm an unserer Freundin nicht. Das wiederum gefällt dem Assi nicht. Der Kampfzwerg bekommt eine Ansage und eine augenblickliche Zurückversetzung in den Zwergenstatus, und dann ist Ruhe. Der Möchtegernklotz kleckert wieder. Aber jetzt wollen sie es eben alle so langsam wissen, ihre Kräfte ausprobieren und die Blues-gewollte Ordnung infrage stellen.
Am frühen Abend startet er einen neuen Anlauf, diesmal beim Assi selbst, schließlich war er es, der ihn vor seinen Geschwistern zur Minna machte, aber dieser Versuch schwimmt schon im Ansatz die Mangfall hinab. Und dann ist es vorbei mit der Herrlichkeit des kleinen Herrn von Klecker und Klecks. Aber ein Klacks sind solche Attacken nicht. Wenn man nicht sofort eingreift, heißt die nächste Haltestelle „Größenwahn“. Nach der Subordinierung bekommt er eines der kleinen Leckerchen aus der Backstube und ist wieder das bekannt brave, kleine Kleckerchen.
Am frühen Abend setzt der Regen ein, und der setzt in kurzer Zeit alles unter Wasser. Von wegen Eis vom Mattheis! Beim Bairischen Blues geht es, egal ob Wasser, Mattheiseis oder Wassereis, heute Abend hoch her. Soo-Mis Eltern sind eingetroffen und Anna-Maria hat die ihren auch mitgebracht, um das traditionelle Welpenessen zu begehen. Das darf nun nicht missverstanden werden: Wir verspeisen keine Knirpse, es sind noch alle am Leben und intakt an Leib und Seele (das gilt auch für Klecks). Nein, Soo-Mis Papa kocht an diesem Abend koreanisch und A-Ms Papa steuert seinen legendären Kaiserschmarrn für hinterher bei. Schon allein für diesen Abend müsste man jede Läufigkeit für einen Wurf nutzen. Das wäre aber doch zu eigennützig. Die Bude ist voll, acht Menschen, acht Welpen und vier Hunde (Fianna, Hedda, Soo-Mis Jazz und Anna-Marias Krümel) lassen die Knirpse bis nachts um eins hochleben, was fürs Bodenpersonal eine sehr kurze Nacht erwarten lässt. Doch wie fragte vor Jahren ein ungarischer Freund sehr treffend: Magst sterben in Bett? Wir beantworten die Frage pragmatisch: Sterben muss nicht, aber ein bisschen schlafen darf schon sein. Und ein dickes Dankeschön an euch alle, vor allem an die Köche, ist uns ein Herzensanliegen.
Flitze-KunoDie Hochstimmung des Abends stimuliert auch Kuno, ein bisschen dazu beizutragen. Er entdeckt im Transit ein nicht verriegeltes Gittertürchen, das schlauerweise nach innen aufgeht, damit es nicht aufgedrückt werden kann. Doch der noch schlauere Kuno hängt sich mit seinem Gewicht an die Tür und zieht sie dadurch auf. Kini, der diese Pforte schon einmal überwunden hat, bedankt sich, steigt drüber und ist mitten unter uns. Das ist schon wieder großes Kuni-Kino, die beiden sind eine Show für sich. Für uns bedeutet das: Ab sofort die Türen immer verriegeln, die beiden haben den Dreh raus. Und wer genug Erfahrung mit Welpen hat, weiß, dass sie solche Erfolge nie vergessen und bis zum Lebensende wissen, wie man Transittüren öffnet.
Samstag, 25. Februar 2023
Um 4:15 Uhr muss von oben, aus Soo-Mis Schlafstudio im Dach, jemand zur Toilette. Anstatt die unsere im 1. Stock zu benutzen, tapert das Gespenst aus alter Gewohnheit ins Erdgeschoss. In dem Augenblick, als es die Klinke zur Glastür bewegt, ist der gesamte Knirpsenhaufen klingelwach und macht Spektakel – und das Notdürftige weiß, dass es einen Fehler gemacht hat. Zu spät. Die Zwerge jubilieren und Mama Hedda ist überzeugt, dass sie das nicht ohne Grund tun. Sie will und muss zu ihren Kindern. Selbst die schnelle Erledigung des nächtlichen Geschäfts und der sofortige Rückzug des Geschäftigen bringt die Knirpse nicht mehr zur Ruhe. Die Zuchtmeisterin erkennt, dass die Situation und die Nacht nicht mehr zu retten sind und folgt ihrer mährenden Hedda hinunter ins Spektakulum. Den Assi, der ihr folgen will, schickt sie zurück ins Bett. Sie hat eine knappe Stunde länger geschlafen, das rechtfertigt ihren Opfergang.
Frühstück bei leichtem SchneefallEs hat noch 1 °C, und der Regen vom Abend hat sich zum Pappschnee gewandelt. Es ist schlicht ekelhaft draußen, rundum Matsche, aber die Knirpse ficht das nicht an. Trotzdem steht heute logischerweise heavy indooring mit wenigen und kurzen Outdoor-Schlafphasen auf dem Programm. Bei diesem Wetter würden sie einfach zu nass werden, aber in ihrem Bett zusammengekuschelt schlafen, ist problemlos. Allerdings auch nur für eine überschaubare Zeit.
Wer Kinder hat(te) und in die Situation kommt, sie gegen ihren Willen im Haus zu halten, weiß, dass die süßen Kleinen eine richtige Landplage sein können. An solchen Tagen sind sie nölig und nörgelig, und weil sie damit meist keinen Erfolg haben, werden sie erfinderisch. Was sonst? Man muss sich ja irgendwie beschäftigen.
Nicht anders verhalten sich unsere Knirpse. Erst melden sie ihr Ansprüche mit viel Krähen und Kreischen an, dann toben sie durch die Küche und den Transit und jagen sich, bis aus dem Kräääh ein vollbrüstiges Chrrrr wird. Das ist unverdächtig, auch wenn man gelegentlich zwei Streithähne trennen muss. Interessant wird es erst, wenn sich Stille übers Land legt und nur noch Materialgeräusche zu hören sind (auch das ist Eltern nicht fremd). Das Rascheln und Klappern einer leeren Klorolle beispielsweise. Zur Endmoränen-Entsorgung sind immer mehrere Klorollen zur Hand, liegen herum oder hängen griffbereit auf den Transitgittern. Solch aufgesteckten Rollen sind ausgesprochen gut erreichbar und werden an Tagen wie heute mit Vergnügen entrollt, entweiht und verknirpst. Macht nichts, damit können wir gut leben, weil der Assi in Welpenzeiten so große Mengen Klopapier kauft, dass er in Coronazeiten in allen Supermärkten mit Hausverbot wegen Klopapierhamsterei belegt worden wäre.
Wenn es aber wie heute den ganzen Tag über pappschneit und die Trübsal von draußen langsam ins Haus zieht, reicht das Vergnügen, ein Klorolle zu sekkieren nicht, um der Trübsal drinnen zu entrinnen. Dann wird versucht, Backbleche aus der Nische neben dem Herd zu ziehen, ein unüberhörbares und unverkennbares Geräusch. Dagegen werden nur Kenner stutzig, wenn ein schabend, klacksendes Geräusch ansteht; so klingt der untaugliche Versuch, Flaschen aus dem Flaschenregal zu zerren, wenn Zähnchen abgleiten und Kiefer klappen. Unverkennbar ist dagegen das Scheppern des Transitgitters, wenn beispielsweise Korbi und Käptn mit geballter Masse, heute immerhin über sieben Kilo, versuchen, den Anschluss des Gitters an die Terrassentür zu verschieben, um auszubüxen. Zwei schwere Steine verhindern das Vorhaben. Wenn schon das ganze Gitter nicht zu erweichen ist, könnte wieder mal ein Türchen eine lohnende Beute sein. Gelingt auch diese Unternehmung nicht, stimmen sie ein durchdringendes Kakadugekreische an. Es ist ihnen eben unterirdisch langweilig heute.
Gut, dass wir Schwester Jazz als Playgirl engagiert haben:
Zur Belustigung und Entspannung streuen wir ihnen nachmittags „Vogelfutter“ in die Küche, das sind die ganz kleinen der selbstgebackenen Leckerli. Diese Ablenkung wird gerne angenommen, und sie stürzen sich mit Feuereifer drauf; offenbar geht nicht nur Liebe durch den Magen. Für uns ist dabei vor allem wichtig, dass die Knirpse jetzt definitiv in der Lage sind, festes Futter zu sich zu nehmen und zu verarbeiten. Dass sich dabei für wenige Minuten der Wellengang legt, ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt.
Der große Rädels- und Wortführer ist heute der sonst so in sich ruhende Koschi. Wie ein Fels steht der Brocken meist in der Brandung seiner Geschwister, doch heute, getrieben von der Langeweile, ist er selbst Treibgut, manchmal Antreiber und Einpeitscher der anderen, manchmal selbst Getriebener. Jedenfalls leuchtet sein orangener Steiß nahezu aus jeder Knirpsenverdichtung heraus.
Korbi hoch hinausAber auch Korbi, der in den vergangenen Tagen leiser geworden war und von seinen Influencer-Einlagen etwas Abstand genommen hatte, scheint heute wieder voll auf Dröhnung und der Hans Dampf in allen Gassen zu sein. Der Assi unterstellt der Zuchtmeisterin deshalb, absichtlich eine Prise Flohpulver der Marke „Korbi-Aktiv“ in den Leckerlis verarbeitet zu haben, was diese empört zurückweist. Doch wenn man dem vorlauten Knirps einen Lift auf den Arm gibt, wird er, wie von Amors Pfeil getroffen, sofort ganz zart und zahm und ist der hingebungsvollste Korbi, den man sich denken kann. Er ist schon ein echter Sonderposten: mal unbezahlbar, mal reif für die WSV-Kiste.
An Tagen wie diesen, lernt man auch schätzen, was fehlt: heute beispielsweise die Möglichkeit, nach Belieben zwischen Haus und Paradies zu wechseln. Den Wert der Freiheit ermisst man meist erst, wenn sie fehlt. Auch den Knirpsen scheint in der von draußen eingeschleusten Düsternis des Hauses der Wert ihres Gartens bewusst zu werden, denn plötzlich legen sie sich alle zusammen direkt hinter der Terrassentür zum Schlafen, wo, gegenüber der düsteren Küche, wenigstens ein kleiner Lichtblick zu erhaschen ist.
In solchen Momenten ahnt man, warum die Despoten der Welt ihren Bürgern nur einen Fingernagel an Freiheit gewähren: Das Pack ist einfach nicht dankbar, es will den ganzen Finger und danach die ganze Hand. Ach, wie handsam sind dagegen unsere Knirpse, die sich nur einen Lichtblick vor dem Einschlafen wünschen. Wir können sie so gut verstehen. Ein Tag im Haus ist für uns alle kein Spaß, aber draußen liegen sie nur in ihrem Bett unterm Balkon, pennen, frösteln und setzen Schimmel an. Und die Wetteraussichten lassen kaum Hoffnung auf Besserung zu.
Zum Schluss werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Zahlen des frühen Morgens.
Koschi 3780 (+60), Korbi 3760 (+90), Kini 3580 (+170), Kuno 3480 (+130), Klecks 3440 (+100), Käptn 3370 (+160), Krischan 3230 (+110), Kathi 3200 (+100). Das sind 920 Gramm, der Durchschnitt klettert auf 3480 Gramm.
Langsam wird es Zeit die Rationen zu erhöhen. Denn auch anhaltendes Nörgeln und Klagen nagt an der Substanz.
Sonntag, 26. Februar 2023
KathiAus Koschidem Pappschnee ist über Nacht Schnee geworden. Zehn Zentimeter und -2 °C versetzen den Frühlingsgefühlen einen mächtigen Dämpfer. Das scheint allerdings nur den Assi zu irritieren, als er am frühen Morgen seinen Putzeimer in den Gully leert, denn rings um ihn pfeifen Stare und jubilieren Amseln, als probten sie für die Meistersinger. Und die begeisterten Schneebilder und jauchzenden Kommentare in seinen diversen WhatsApp-Gruppen, lassen ihn ans Auswandern denken, irgendwohin, wo es keine zwei- und vierbeinigen Schneehasen gibt. Er schüttelt sich den Schnee vom eisigen Haupt und geht seinem Auftrag nach. Bloß nicht nachdenken, nicht über den Augiasstall und nicht übers Winter Wonderland.
KrischanEin
KunoGutes hat der Schnee: Jetzt lernen unsere Winterknirpse doch noch ein wenig Schnee kennen und mit ihm umzugehen. Wobei: So etwas braucht kein Hovawart (im Assi fließt Hovawartblut 😉)! Jeder Hovi hat die Liebe zu Schnee im Blut (was ist denn dann mit dem Assi los?), selbst wenn er im Juli geboren wurde. Diesen Beweis liefern auch die Knirpse, die morgens um 5:30 Uhr in ihr Paradies toben und noch nicht einmal stutzen über dessen fremdartigen Zustand. Sie pflügen und hopsen und rennen durch ihr Winter Wonderland und scheren sich einen Dreck. Sie sind schon richtige Hovawarte, denn die sind immer Herr der Außenlage, egal, ob man sie ohne Vorwarnung in schulterhohen Neuschnee oder knietiefen Schweinedung setzt. Der Assi mag beides nicht und revidiert dementsprechend seine geoffenbarte Blutsbrüderschaft.
KorbiIm KlecksGegensatz zu gestern dürfen die Knirpse heute häufiger in ihrem Paradies toben, verschwinden teilweise fast völlig unter gelegentlich kräftigen Schneeschauern und fühlen sich unter diesen Bedingungen mehr zuhause als gestern im Haus. Vielleicht liegt das auch daran, dass Hedda sie gleich frühmorgens bei ihrem ersten Schneekontakt säugte. Milchshake on the rocks…
KiniEtwas Käptnganze anderes beschäftigt heute Morgen den Assi, der kaum aus dem Nachdenken herauskommt, obwohl er es sich verboten hat. Schon gestern zur Nachtschicht und auch heute Morgen waren Darmseligkeiten Mangelware. Ist es zu viel, beschwert man sich, ist es zu wenig, sorgt man sich auch. Aber komisch ist es schon. Doch die alles entscheidende Frage ist: Wie viele Darmproben wird er wohl nach dem Schnee aus dem Garten klauben, alle jene Tretminen, die sang- und klanglos durch den Schnee gleiten und aus den Augen verschwinden?
Es hat sich bewährt, sich immer dann, wenn das Wissen hinter den Nebeln der Unvorhersehbarkeit verschwindet, mit der schlichten Schönheit der Zahlen und Fakten wieder zu erden. Wohlan!
Tägliche Wiegeroutine und so langsam wird das Körbchen zu klein - selbst für den kleinen KrischanKoschi 3800 (+20), Korbi 3790 (+30), Kini 3670 (+90), 3600 (+120), Klecks 3570 (+130), Käptn 3470 (+100), Krischan 3400 (+170), Kathi 3350 (+150). Da schaffen es nicht mehr als 810 auf den Berichtsbogen und 3581 Gramm Durchschnitt.
Das sieht ja aus, als würden die Kraftprotze ein wenig innehalten, um die Verfolger aufrücken zu lassen. Es ist ihnen wohl zu langweilig, ohne nennenswerte Konkurrenz durchs Ziel zu gehen. Siegreich sein: ja. Aber was bedeutet ein Sieg ohne Gegner? Der Großmut der Großen kann ganz schön erniedrigend sein. Immerhin nimmt das Fußvolk das Angebot an und legt sich kräftig ins Zeug: Vielleicht schwächeln die da vorn ja wirklich und es ist doch noch etwas drin. Der kleine Käptn kann jedenfalls von sich behaupten, schon ein bisschen mehr zum Hauptfeld als zur Nachhut zu gehören. Doch bis er Anschluss gefunden hat, muss er noch hingebungsvoll mampfen. Auch das gehört zur Wahrheit.
Ebenfalls zur Wahrheit gehört, dass 810 Gramm Aufschlag kein Ruhmesblatt für bald sechs Wochen alte Knirpse ist.
Als Konsequenz daraus wird ab heute viermal gefüttert! Konkret sind das drei Portionen Morgenmilch mit zerquetschter Banane. Am frühen Nachmittag servieren wir etwa 300 Gramm Granulatbrei, am Spätnachmittag Kopffleisch mit Pansen und abends echtes Puppy-Futter (kein Babybreichen mehr), zwar eingeweicht, aber nicht püriert. Wer so zupacken kann, kann auch krümelige Matsche verstoffwechseln.
Wer Mann ist, kennt diese Gefühle und wer Frau ist kennt sie ebenfalls, die einen aktiv, die anderen passiv. Wir sprechen über die gelegentlich unheilvolle Kraft des Testosterons. Seien wir nicht ungerecht: Ohne geht’s nicht, aber mit zu viel geht’s eben auch nicht. Und Koschi hat heute offenbar mit einer knirpsenhaften Testosteron-Springflut zu kämpfen. Kürzlich meinte Klecks, seine männlichen Urgefühle an einer geschätzten Besucherin ausleben zu müssen, wofür er eine ordentlich Abfuhr bekam und seither wieder ganz friedlich ist. Und heute also Koschi. Erst vergreift und verbeißt er sich knurrend und grummelnd so vehement im Bein des Assis, dass der sich nicht mehr sicher ist, ob er es mit einem seiner Knirpse zu tun hat oder mit einem der Mangfall entlaufenen Krokodil. Vor allem der Zorn des Täters (Wir erinnern uns: Die Wut des Zeitalters ist tief) hat Urgewalt. Ein kurzer Flug durch die weiten Ebenen der Küche bringt ihn für kurze Zeit zur Besinnung. Später, während wir beim Frühstück sitzen, als die Zwerge indoors sind, weil wir sie unter den Außenbedingungen nicht lange allein lassen wollen, will Koschi raus. Er bittet nicht freundlich und inständig darum, sondern randaliert. Koschi schreit und kreischt und zetert und kräht. Koschi rappelt und zerrt eine Viertelstunde an den Gittern. Alles schläft, nur Koschi klagt. Nein, Koschi klagt nicht: er rebelliert. Diesmal bekommt er keine Abmahnung. Wir frühstücken seinen Zeitenzorn einfach weg, lesen Zeitung, freuen uns über Dankposts aus dem Internet und zeigen ihm die eiskalte Schulter. Koschi darf sich erfolglos bis zur Erschöpfung austoben. Dann schläft auch er. Geht’s noch? Ja, geht wieder.
Für den Wassermann hält sein heutiges Horoskop folgenden Rat bereit: Heute sind Sie aufgerufen, sich in einen Raum der Klarheit zu begeben und die Wahrheit darüber zu kommunizieren, wo Sie sind. Dies wird der betreffenden Person helfen, Ihre Erwartungen besser zu managen.
Passt doch. Koschi hat sich bewegt und kommuniziert, und wir haben seine Erwartung gemanagt. Nur erfüllt haben wir sie halt nicht.
KunoIn einen Raum der Klarheit begibt sich heute auch noch der kleine Wassermann Kuno. Er kann es einfach nicht lassen, sich an Fianna anzuwanzen und sie me-too-ähnlich zu bedrängen. Nach einigen erfolglosen Warnungen, verabreicht sie ihm eine handfeste Abmahnung. Und dann tut er, was alle Männer tun, wenn sie sich in ihrer Männlichkeit verletzt fühlen: Er plärrt herum und blökt und ist dem Tode nahe. Die ultimative Hilfe und Klarheit bekommt er umgehend von seiner Mama: Sie stürmt zu ihm und bietet ihm die Brust. Und Kuno schnuckelt sich wieder heile.
An dieser Stelle sollten wir einfügen, dass Hedda diesen Trost schon einmal für ihre Welpen parat hatte. Der tölpelhafte Assi blieb spät nachts, vor dem Schlafengehen, an einem Transitgitter hängen und brachte es zu über die Hälfte zum Einsturz, mitsamt einer der Deckenstützen. Da nachts meist alle Knirpse zusammen dort liegen, wo die Menschen sich zuletzt bewegen, stürzte der Assi mit Gitter über sie. Dank seiner spätjugendlichen Geschmeidigkeit gelang es ihm, jegliche Gefahr von den Kindern abzuhalten, aber die einstürzenden Bauten lösten logischerweise Panik im Schlafsaal aus: Alle rannten plärrend durch die Küche. Sofort war die Mama zur Stelle und lud sie zum Milchshake. Und dann war wieder Ruhe und die Knirpse schlummerten weg. Ins Land, wo Milch und Honig fließt. Solche Zwischenfälle kommen immer wieder einmal vor, aber noch keine der wirklich aufmerksamen Mütter vor Hedda löste ein Problem ihrer Kinder so instinktsicher wie Hedda.
Der Name Hedda ist eine Kurz- und Koseform von Hedwig und bedeutet Kampfkraft (von „hadu“ = Kampf und „wig“ = Krieg). Dieser Kampfkraft und dem unbedingten Willen, auch ihre Kinder stark zu machen, hat sie heute und auch beim Gittersturz alle Ehre gemacht. Hedda ist eine Mutter von einem anderen Stern.
Montag, 27. Februar 2023
Heute hat die tolle Mama Geburtstag. Sechs Jahre wird sie. Und bevor wir sie hochleben lassen, wollen wir uns bei ihr für diese unvergesslichen und schönen Jahre bedanken. Liebe Hedda, du bist ein großes Glück für uns. Nun müssten wir uns auch noch bei Fianna bedanken, dass sie uns diese Zauberin des glücklichen Miteinanders geschenkt hat. Aber das tun wir eh fast jeden Tag. Dann gilt es noch, Heddas Geschwister zu grüßen und ihnen ein langes Leben zu wünschen. Nun soll es aber gut sein, sonst kommt es noch zu Dankesorgien wie bei der Oscar-Verleihung.
Abgesehen von der innigen Umärmelung unserer Jubilarin, beginnt auch dieser Tag, wie jeder andere, mit den Morgenritualen, füttern, wiegen, putzen, alles neu eindecken.
Durch die vier Fütterungen gestern sind die Knirpse nun aufgegangen wie Popcorn: 2050 Gramm sind eine stramme Leistung. Wenn Kuno mit 180 Gramm der Rennlistenletzte ist, lässt das tief blicken. Also blicken wir etwas tiefer ins Zahlenwerk:
Koschi 4100 (+300), Kini 4030 (+360), Korbi 4000 (+210), Klecks 3840 (+270), Kuno 3780 (+180), Käptn 3740 (+270), Krischan 3660 (+260) und Kathi 3550 (+200). Zusammengezählt ergibt das die erwähnten 2050 Gramm und einen Durchschnitt von 3837 Gramm.
Am einmaligen Säugen gleich draußen nach dem Aufstehen kann man diese Gewichte sicher nicht festmachen, aber es zeigt, dass ein neuer Impuls nötig war. Da wir unsere Welpen nicht hochmästen wollen, sondern versuchen, sie ihren eigenen Rhythmus gehen zu lassen, warten wir eben ab, bis die Entwicklung auf der Waage anzeigt, dass die Fortschritte kontinuierlich spärlich ausfallen. Das traf jetzt zu.
Neben der herzerwärmenden Performance auf der Waage und Heddas Geburtstag, hat dieser Tag nicht viel Erwärmendes. Eisgrau bedeckt begrüßt er uns mit -2 °C und will partout auch über den Rest des Tages nicht einlenken. Stattdessen liefert er uns fast durchgängig ein feines Schneeflimmern, das Heddas Geburtstag zu einem Bruder des Totensonntags macht, ungastlich und abweisend, sodass die Kinder zwar häufig draußen sind, aber wenig Spaß an der Freud‘ zeigen. Sie machen zwar ein wenig herum, aber Leidenschaft und Begeisterung sehen anders aus. Überraschenderweise sind sie bei solchen Aussichten noch nicht einmal quengelig, wenn wir sie ins Haus holen. Die spüren schon, was ihnen guttut und was nicht.
Ein Gutes hat das Wetter ja, denn es ist ein mächtiger Feind bakterieller Durchfälle, mit denen wir, aber auch viele andere Züchter, in diesem Alter der Welpen rechnen müssen. Die meisten Hündinnen säugen (schon länger) nicht mehr, wodurch die durch die Muttermilch gewährleistete Immunabwehr abklingt. Die erste externe Immunisierung erhalten sie aber erst kurz vor der Abgabe in der achten Woche. Deswegen spricht man in diesen Wochen von einer Immunlücke. Sobald es warm ist, fühlen sich Bakterien und Erreger aller Art sauwohl und fahren Attacken auf die Welpen, die gegen sie zunehmend schutzlos sind. Dann legt einer mit einem wässrigen Durchfall los und alle folgen, meist ohne Ausnahme, obwohl immer mal einer wie durch ein Wunder allen Anfechtungen trotzt. Die Umstände sind widerlich, aber auch besorgniserregend. Meist hält so eine Attacke 24 Stunden an, in denen der Welpe völlig apathisch herumliegt. Wir versorgen ihn dann wegen des Flüssigkeitsverlustes mit Elektrolyt, mehr können wir nicht tun. Nach etwa 24 Stunden steht der Knirps dann auf, als wäre nichts gewesen und ist wieder voll dabei (wenn er Pech hat, steckt er sich von den anderen noch ein zweites Mal an). Wenn es so abgeht, ist es schlimm und bedrohlich, aber vor allem eine Riesensauerei. Es kann aber auch schlimmer kommen, man kann auch einen Welpen verlieren. Vor allem ein Darmverschluss wegen des Durchfalls und einer möglichen Darmentzündung droht. Gottlob sind wir bisher immer mit der Riesensauerei davongekommen. Wenn also Hedda immer noch säugt, ist das in dieser Hinsicht für uns und die Welpen ein Segen. Und auch ein herzliches Dankeschön an den Himmel, der sich nicht an die Schlaubauern und den Frühling unter Verschluss hält.
Hedda feiert ihren Geburtstag mit Mama FiannaJetzt aber zu Erfreulicherem: zu Heddas Geburtstag, der natürlich nicht ohne eine Geburtstagstorte verstreichen darf. Eine Hackfleischbombe, gespickt mit Leckerli und sechs Kerzen wartet abends auf sie, die sie jedoch traditionell mit Fianna teilen muss. Üblicherweise warten die beiden brav vor dem duftenden Versprechen, bis wir fotografiert und die Kerzen entfernt haben. Doch heute fließt Quecksilber in Heddas Blut, und wir können sie kaum zurückhalten. Es fehlt nicht viel, dann greift sie zu und verputzt die brennenden Kerzen mitsamt ihrer Halter gleich mit. Wir haben Mühe, sie auf ihren vier Buchstaben zu versammeln. Wir üben uns in Nachsicht und guten Worten, denn wer eine so aufopfernde und aufmerksame Mutter ist, hat einige Entgleisungen frei. Heute ist die Geburtstagsbombe so schnell vertilgt wie nie zuvor.
KiniKaum ist das Geburtstagsfest Vergangenheit, dringt ein mörderisches Geschrei aus dem Transit. Kini ist es. Seit seinem Erfolg, die Gittertür zu öffnen und ins Wohnzimmer zu gelangen, hat er nie aufgehört, es immer wieder einmal zu versuchen. Hovawartwelpen vergessen nichts, was ihnen Erfolg beschert hat. Hovawarte generell vergessen nur, was sie nicht vergessen sollten. Während der Geburtstagsfeier in der Küche, waren die Knirpse in den Transit gesperrt. Und wenn sich niemand kümmert, kann man ja wieder mal einen Versuch starten, das Wohnzimmer wie am Aschermittwoch zu erobern. Doch heute geht das fatal schief: Kini verhakt sich mit seinen Fangzähnchen in den Gitterstäben und kommt nicht mehr frei. Sperrangelweit steht der Fang, mit dem er noch schreien, ihn aber nicht mehr weiter öffnen kann, um freizukommen. Ringsherum grölen und paniken die Geschwister mit, auch Mama und Oma eilen herbei: Wir alle wissen, das hier ist keine Schaueinlage, um Aufmerksamkeit zu erheischen. Hier ist Feuer unterm Dach. Wir haben richtig zu tun, den Knirps wieder frei zu klempnern, aber dann zetert er immer noch weiter. Und das ist für Hedda wieder Anlass genug, ihrem Sohn einen Trostschluck am lauwarmen Buffet anzubieten. Nach dem Vagener Gittersturz also wieder eine Soforthilfe mittels Zitze. Nach ein paar kräftigen Zügen, die vom Andrang der anderen beendet werden, haben wir glücklicherweise bereits das Abendmahl der Knirpse fertig und können servieren. Anschließend ist die Welt wieder so rosarot wie sie es schon seit Tagen nicht war.
Abends sind die Knirpse rechtschaffen müdeSo glimpflich Kinis Einbruchsversuch ausgegangen ist, er lässt uns umwölkt zurück. Wie soll man unbeschwert bleiben, wenn man einen solchen Querschädel im Hause beherbergt. Man traut sich kaum noch aus dem Haus. Dann kommt man zurück und der Kini hängt seit einer halben Stunde im Gitter wie seinerzeit die Schildaer Kuh auf der Stadtmauer. Selbst nach zehn Würfen hält die Wut des Zeitalters eine Menge Überraschungen bereit.
Aber immerhin hat Kini eine weitere Portion Immunpower bei Mama abgreifen können.
Dienstag, 28. Februar 2023
Die Faschingsferien sind vorüber, die Zuchtmeisterin muss wieder ihre Schüler züchtigen. Mit der trauten Zwölfsamkeit ist damit auch vorbei, und so regiert ab heute, gerade dass die närrische Zeit beerdigt ist, beim Bairischen Blues wieder ein Elferrat. Bei uns ist eben alles ein wenig hirnverdreht.
Die Knirpse helfen beim Haushalt - zum Beispiel bei der Entsorgung alter KartonageDer frühe Morgen wird infolge dieser Umstellung wieder ein noch früherer Morgen, deshalb ist um 4:30 Uhr die Nacht vorbei und um 5:30 Uhr auch der ganze Morgenumtrieb erledigt. Jetzt bekommen die Knirpse vor dem Wiegen „Vogelfutter“ auf den Boden gestreut. Damit sind die Hungerleider so beschäftigt, dass sie kaum bemerken, wenn sie ins Wiegekörbchen gesetzt werden.
Trotz der vier Mahlzeiten, eine davon mit Kopffleisch, Pansen und Kartoffelbrei, können die Knirpse nicht an das Popcorn-Ergebnis von gestern anknüpfen. Aber 1210 Gramm sind auch kein Diät-Ergebnis. Wie gesagt: Wir wollen sie nicht hochmästen, sondern sie ihrer individuellen Metabolik überlassen. Koschi behält weiterhin das Heft in der Hand und führt den Laden mit 4280 Gramm (+180) vor Kini an (4210, +180). Korbi folgt ihm mit 100 Gramm Abstand (4110, +110). Damit sind die Achtpfünder durch. Die Sechspfünder werden von Klecks angeführt (3980, +140), gefolgt von Kuno (3940, +160), Käptn (3860, +120), Krischan (3810, +150) und Kathimausi mit 3720 Gramm (+170). Ein Hungerödem müssen alle acht nicht befürchten, dazu sind die Tagesumsätze zu gehaltvoll. Der Tagesdurchschnitt liegt knapp unter vier Kilo: 3988 Gramm. Wir sind mehr als zufrieden.
Nach dem Morgenapell im Garten bei einer Milchsuppe mit geriebener Apfeleinlage, achtfacher innerer Reinigung und einem einstündigen Nachschlaf bei sternklaren -5 Grad, ist die Zwergenbande so energieoptimiert, dass sie, wieder ins Haus gelassen, eine volle Stunde die Küche und den Transit auf Links drehen. Offensichtlich hat ihnen jemand gesteckt, dass heute wieder Assi-Tag ist und das mit dem Auftrag verknüpft, sich so asozial wie möglich zu verhalten. Nichts belassen sie in seinem Originalzustand, alles wird einmal umgedreht, der Assi dreht sich im Kreisel mit ihnen, aber wohin er sich auch wendet, mindestens ein Knirps hängt ihm in den Fersen oder knapp unterm Knie im Hosenbein. Es gibt in Europa viele Bärenstationen, in denen geschundene Tanz- und Zirkusbären ihr Gnadenbrot bekommen. Der Tanzbären-Assi bittet hiermit um beschleunigte Aufnahme in einer dieser Bärenverwahranstalten. Wen er keinesfalls, nicht einmal als Kuscheltier mitnehmen wird, ist Kathi, die derzeit kompromissloseste Kneifzange. Die Letzten werden die Ersten sein, so ähnlich raunt im Neuen Testament der Evangelist Matthäus. Im Fall von Kathi wird damit nicht die zu erwartende Gewichtsentwicklung vorhergesagt, sondern die Wahrscheinlichkeit, als Erste überhaupt im Bairischen Blues-Verlies lebenslang auf Gnadenbrot mit Wassersuppe gesetzt zu werden.
Nichts ist mehr sicher vor den KnirpsenLangsam erholt sich der Tag von seine frostigen Attitüde und bringt es letztlich doch auf stramme 2 °C und etwas Sonnenschein. Den Assi freut das sehr, weil es Balsam auf seine Wunden ist, den seelischen wie körperlichen gleichermaßen. Ansonsten geht alles seinen gewohnten nicht sozialistischen, aber Bairischen Blues-Gang. Die Knirpse verbringen den Tag, nicht nur zur Wiederherstellung der inneren Ordnung beim Blues, sondern auch aus Gründen der Wetterfestigkeit, zum großen Teil in ihrem Paradies, schlafen sich ihre Umtriebigkeit dort aus dem Leib, bekommen ihre Mahlzeiten unter freiem Himmel und werden nur eingeschlossen, wenn der Assi das Haus verlässt. Mit ihnen zusammen im Haus hat er sich für heute trotzig abgeschworen.
Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die sechste Woche.