K-Wurf

Mittwoch, 1. März 2023

Jetzt ist er da, der März mit seinen Bechern rundum in den Gärten. Auch das nach ihm benannte Märzenbier wird wieder gebraut, obwohl das heute nicht mehr notwendig wäre. Nach der bayerischen Brauordnung von 1539 und per Dekret durch Albrecht V. von 1553 wurde nämlich festgelegt, dass nur zwischen Michaeli (29. September) und Georgi (23. April) gebraut werden durfte. Danach war das Bierbrauen verboten, einerseits weil in den Sommermonaten beim Sieden erhöhte Brandgefahr bestand und andererseits das Brauen untergärigen Biers Temperaturen von unter 10 °C erforderte. Weil das zuletzt, also von März bis April gebraute Bier stärker gebraut wurde und am längsten haltbar war, wurde es auch zuletzt verbraucht und machte Karriere als Oktoberfestbier. Solche Einschränkungen gibt es heute nicht mehr, aber das Märzenbier gibt es immer noch – und die Biergärten mit ihren mächtigen Kastanien, unter denen in riesigen Felsenkellern das Bier kühlgehalten wurde.  

Da sich heute nicht viel in den Mauern des Bairischen Blues ereignet, schenken wir unsere Aufmerksamkeit zuallererst dem Bauern-Nostradamus, der sich wieder einmal selbst übertrifft, wenn er für den März folgendes kund und zu wissen gibt: Es lenzt nicht, ehe es gewintert hat. Wäre der Chronist noch aktiver Segler, würde er sich fragen, ob dieser Satz nicht Wer nicht lenzt, muss wienern[1] heißen müsste. So aber stellt sich die Frage, wie breit der Hirnriss dieses Satzes ist. Wie hat denn ein Winter auszusehen, der lenzwürdig wintert? Wenn wir ehrlich sind, hat es, zumindest bei uns, nicht so richtig gewintert; das bisschen Schnee, die paar wirklich kalte Tage – war das schon genug Winter, damit sich der Lenz herablässt? Und was haben wir zu erwarten, wenn es nicht lenzt? Sofortigen Sommer oder dauerhaften Schmuddelwinter?

Einen sachdienlichen Hinweis könnte der Hundertjährige Kalender geben, der den Eindruck erweckt, als würde er dem Winter, also uns, im März noch eine letzte Chance geben wollen: 1.-7.: rauh, kalt und windig, 8.-17.: sehr kalt, obwohl kein Schnee liegt, 18.-19.: es herrscht Wind, Schnee und Regen, 20.-21.: es ist klar und vormittags kalt, 21.: morgens hart gefrohren, 21.-31.: meistensteils schön und lustig.

So steht es (original!) nachzulesen, und wer möchte, kann die Schreibfehler darin als lustig empfinden, schön sind sie nicht. Vielleicht hat ja der Verfasser nur eine ländliche Zwergschule oder ein orthografisch verzwergtes zeitgenössisches Gymnasium besucht. Gar nicht schön und überhaupt nicht lustig sind die Aussichten, die er vermittelt. Am 18. März wollen wir unsere Knirpse unters Volk bringen, und ausgerechnet dann soll es Schnee, Wind und Regen geben. Es wird wohl am besten sein, wenn wir den Gehalt dieses märzlichen Schierlingsbechers Tag für Tag an der Wirklichkeit messen.

Heute messen wir -1 °C und es ist hochneblig bedeckt. Nachmittags ist es jedoch sonnig und 5 °C warm. Es ist also nur morgens kalt, der Rest der Vorhersage ist demnach schon mal Quatsch. 1:0 für uns.

Da dieser Mittwoch vor allem eins ist, nämlich sehr, sehr mittelmäßig, führen wir uns nur noch die Gewichtslage zu Gemüte und lassen diesen Tag schnell in der dokumentarischen Versenkung verschwinden.

Koschi 4470 (+190), Korbi 4370 (+260), Kini 4360 (+150), Klecks 4130 (+150), Kuno 4070 (+130), Käptn 4010 (+150), Krischan 3980 (+170), Kathi 3820 (+100). 1300 Gramm kommen so zusammen und ein Durchschnittsgewicht von 4151 Gramm.

 M3A3340 1 250Der Schwerste: KoschiZusammenfassend  M3A3430 1 250versus der Leichtesten: Kathilässt sich zur Gewichtsentwicklung sagen: Die Knirpse wachsen und gedeihen prächtig. Ein Abstand von 650 Gramm zwischen dem Ersten und der Letzten ist genetische Normalität, was nicht heißen muss, dass die Hündinnen immer hinterher hecheln; wir hatten schon Hündinnen, die den Rüden ganz vorne den Schweiß auf die Stirn trieben. In diesen Fällen schlug die Natur eben etwas später zu: Aus den schwächeren Rüden wurden noch richtige Kerle und die Hündinnen blieben zur rechten Zeit stehen und wurden auch optisch das, was man sich unter einer Hündin vorstellt.  

[1] Für Landratten: Die Pumpe, mit der man eingedrungenes Wasser aus der Bilge abpumpt, heißt Lenzpumpe

 

Donnerstag, 2. März 2023

Der Morgen begrüßt die Zuchtmeisterin mit 14 Bergen in einer Seenlandschaft. Das riecht nicht nur nach Verrat! Aber der Assi hat ein lupenreines Gewissen, nachts pflichtschuldigst durchs Revier mäandert zu sein und jeglichen Unrat säuberlichst beseitigt zu haben.

Als ob die Knirpsendompteurin ihre Schutzbefohlenen für ihre Sauerei auch noch belohnen wollte, reicht sie ihnen gleich nach dem ersten Schock erstmals in ihrem jungen Leben etwas, woran sie sich dringend gewöhnen müssen: Rindersticks (Kaustreifen). Und siehe: Sie verarbeiten auch diese komplett. Kini inhaliert seine allerdings vorsichtshalber gleich ganz (man weiß ja nie). Mal abwarten, ob er sie auch bei sich behält oder als schwabbeliges Gewebeband wieder hervorwürgen muss.

Hedda verhält sich dagegen konservativ und serviert ihnen zuerst einen Milchshake. Wir fragen uns auch heute, warum sie das nicht endlich einstellt, wenn sie es doch sichtlich nicht mehr schätzt. Logisch, die Pflicht und die normative Kraft der Instinkte. Aber lässt man sich dafür die Zitzen zerfleddern? Wo bleibt in diesem Szenario der Selbsterhaltungstrieb? Gehört Hedda etwa zu den Geschöpfen, die sich fürs das Leben der Kinder selbst opfern? Wie oft haben wir darüber schon die Köpfe geschüttelt und sie gelobpreist, aber nicht verstanden. Andererseits, wenn sie damit die erwähnte Immunlücke immer weiter schließt, wären wir die Letzten, die dagegen Beschwerde führen würden.

Dieser Morgen ist schon ein ganzes Celsiusgrad wärmer als der gestrige, liefert demnach 0,5 °C und ist trotzdem noch zweifelsfrei kalt. Rau ist er nicht, aber wieder Hochnebel verhangen, entspricht also durchaus dem Hundertjährigen. Nur der Wind geht ihm ab. Allerdings verzieht sich der Nebel am frühen Nachmittag und bestrahlt uns mit sonnigen 6 °C. Ätsch! 2:0 für uns.

Ein völlig neues Bild liefert uns dagegen die Waage. Ohne Witz: Wir wiegen Kini und Koschi zweimal, weil wir es nicht glauben wollen, aber die Waage lügt nicht. Kini wienert Koschi ab. Und gleich wie! Gestern lag er noch 110 Gramm hinter Koschi auf dem dritten Platz, Korbi noch zwischen den beiden. Und dann inhaliert der sich 260 Gramm an einem Tag an die Rippen und geht mit 4620 Gramm an die Spitze. Der Versuch, diesen Zuwachs auf die Kaustange zu schieben, die er sich heute vor der Waage einverleibte, geht in die Irre, weil die anderen auch eine hatten, nur haben sie sie eben zerlegt und nicht am Stück verschluckt.

Nach diesem Hauruck sieht die Gewichtsstatistik folgendermaßen aus:

Kini 4620 (+260), Koschi 4570 (+100), Korbi 4520 (+150), Klecks 4340 (+210), Kuno 4150 (+80), Krischan 4120 (+140), Käptn 4090 (+80), Kathi 3930 (+110). Das summiert sich auf 1130 Gramm und einen Durchschnitt von 4292 Gramm.

Nun haben alle Kerle die Vier-Kilo-Marke übersprungen, nur Kathi liegt noch knapp darunter.

Das sieht alles sehr zufriedenstellend aus, auch wenn Kuno und Käptn wieder einmal metabolisch im Schlummerland vor sich hin träumen. Die Darmseligkeiten haben auch schön langsam durchgehend die gewünschte Konsistenz. Wir sind demnach auf der sunny side of life.

Donnerstags muss die Zuchtmeisterin immer erst am späten Vormittag zur Bahn, was für uns einen entspannten Morgen bedeutet. Die Knirpse werden ins Haus beordert, die drei Mädels drehen eine weitschweifige Morgenrunde und der Assi besorgt Frühstück. Das ihm dann umgehend vergeht, bevor es zu sich nehmen kann, denn bei seiner Rückkehr hat einer (oder auch zwei) dieser Verdauungskünstler einen Mordshaufen vor die Terrassentür gesetzt, dass es dem Assi schon beim Öffnen der Haustür die Luft verschlägt und dann, wie gesagt, beim Anblick der Bescherung gleich noch den Appetit. Wer sich da verewigte, ist nicht mehr zu rekonstruieren, weil das Kunstwerk großflächig vor der Tür bis in den halbe Transit hinein verteilt vor sich hin stinkt. Der Transit und größere Teile des Küchenbodens sind mit Jack-Wolfskin-Ornamenten verziert, die mittels einer ausgedehnten Seenplatte geschmeidig gehalten werden.

So beginnt der Assisiphus sein Tagwerk von Neuem und fragt sich, was in die acht gefahren ist, dass ihnen so viel entfährt. Schon heute Morgen die Bescherung und jetzt wieder, obwohl sie dazwischen schon mindestens eine Stunde im Garten waren. Die Auflösung, ob sie sich das Lösen extra fürs Haus aufgespart haben und der Garten rein wie eine Jungfrau ist, wird sich erst bei dessen Begehung klären. Die überlässt der Assi standesgemäß der Oberaufseherin.

1M3A3454 1 250Frühstück vorbereiten unter erschwerten BedingungenDas Frühstück findet dann doch noch statt, umwölkt vom Duft des Essigreinigers und von Spiritus, die mit den ordinär-süßlichen Ausdünstungen der Berger-Duftlampe eine olfaktorische Gemeinheit zusammenwabern, die nur von der Duftmelange aus Sauerkraut und Bohnerwachs in den Stiegenhäusern der frühen Chronistenjahre übertroffen werden.

 M3A3599 1 250Käptn und Klecks beim BibertransportVon der Sonne bestrahlt liegen die acht Zwerge völlig losgelöst schon ab 11 Uhr in ihrem Terrassenbett und drehen dem Hundertjährigen eine lange Nase. Nachmittags kichern sie sich sogar bei frühlingshaften 6 °C in die Samtpfoten. Und das können sie sehr ausgiebig tun, denn außer zu jenen Zeiten, in denen das Personal außer Haus ist, sind sie ununterbrochen draußen, im steten Wechsel von Schlummer, Spiel und Träumereien.

Damit sie sich nicht allzu sehr in ihrer Gartenlaube einsülzen, liefern wir ihnen eine neue Herausforderung, die sie alle auf die Beine bringt: die Rappelsocke. Viel Geld kann man ausgeben für Hundespielzeug, dabei gibt es nichts Günstigeres und Spaßfördernderes als eine Rappelsocke. Alles, was man braucht ist eine alte Dose, ein paar Steine rein, Deckel drauf, eine alte Socke drumrum, zubinden und los geht’s. Und wie das losgeht! Diese Socke will jeder haben. Keiner gönnt sie dem anderen, da fliegen die Ohren, da kennt der Knirps kein Hindernis und keine Geschwister mehr, da wird nur noch gerast, eingefangen, gezerrt, gekeift, gezetert und gerauft. Einem starken Gewichtszuwachs ist die Socke nicht unbedingt förderlich, der Fitness und der Ausbildung arttypischen Verhaltens dafür umso mehr. Und nach diesem Höllenspaß sind alle zurecht müde und liegen wieder schiedlich-friedlich und geschwisterlich in ihrem Bett und berappeln sich in den Schlaf.

Nach der Hetze und dem Rekreationsschlaf serviert der Butler-Assi zur Abwechslung wieder Blättermagen, ordinär stinkend wie eine Kuhstallpissrinne, aber genau das Richtige zur rechten Zeit für die Knirpse. Die Schlagzahl von mehreren Welpen an einem Futterring ist immens, aber die beim Blättermagen übertrifft alles, was man für möglich halten mag. Dementsprechend sehen sie dann auch alle aus: beschissen. Das freut Mama und Oma, die sich an der Reinigung und Körperpflege ihrer Schutzbefohlenen mit Hingabe beteiligen, bis die nicht nur wie frisch geduscht aussehen, sondern sich auch so anfassen.

So ein Vorfrühlingstag mit acht Knirpsen ist wie eine Aromadusche, nach welcher man sich abends kaum mehr an den Morgen erinnert.

 M3A3535 1 250Kini toppfitPS: Kini hat seine Rinderstange bei sich behalten und trotzdem noch Platz für alle weiteren Tagesmahlzeiten gefunden.

 

Freitag, 3. März 2023

Der Freitag beginnt immer sehr früh, weil die Zucht- und Schulmeisterin schon um 6:30 Uhr mit der Bahn los muss. Deshalb rappelt bereits um 4:30 Uhr zwar keine Socke, aber der Wecker. Und ohne schläfrige Übergangsübungen werden die Morgenroutinen professionell und fix abgearbeitet.

Für uns zahlt es sich jetzt aus, dass die Welpen mittlerweile mit Leckerli aller Art zurechtkommen. Wir streuen ihnen dann eben Kleinzeug auf den Boden, das sie versammelt, sodass wir sie überall hinlocken können, wo wir sie haben wollen. Das gilt für draußen wie für drinnen. Vor allem so früh morgens können wir sie unter Umständen nicht im Garten lassen, wenn sie sich zu sehr über den neuen Tag freuen und dies der ganzen Nachbarschaft mitteilen wollen. Dann bringt eine Handvoll Streugut schnell Ruhe ins Revier. Zum Glück ist diese Truppe einer der leisesten, die wir je hatten. Viel Spektakel machen sich nicht, sondern beschäftigen sich lieber mit sich und ihrem Paradies.

Aber auch auf der Waage helfen die kleinen Verführerli, den Knirps still zu halten; ein knuspernder Knirps flüchtet nicht, sondern konzentriert sich aufs Wesentliche. Heute gibt es kleine, weiche Stangen von Platinum, die sie noch nicht kennen, aber mit Begeisterung verarbeiten – außer Kathi. Die hat eine von Fianna liegengelassene Pansenstange entdeckt und zerknuspert sie in einer Abseite, in der wir sie allerdings schnell entdecken. Als die Zuchtmeisterin sie ihr wegnehmen will – das Ding ist einfach noch zu mächtig für sie –, kneift sie zu wie ein Schraubstock und macht auch vor den Fingern nicht Halt. Mon déesse! Aber die kleine Göttin wird schon noch katholisch...

Kein Morgen kann so knapp bemessen sein, dass wir uns nicht ausführlich mit den Knirpsen und der Waage beschäftigen. Besonders interessant ist heute, ob sich der kraftvolle, wenn auch halbvegetarische Blättermagen, oder die Rappelsocke auf der Waage durchsetzen wird: Es ist der Blättermagen (im Verbund mit den anderen Mahlzeiten und den Leckersnacks).

Kini behält seinen Platz an der Sonne, aber Koschi ist ihm schon wieder bis auf 10 Gramm auf den Fersen, und hinten fängt Käptn wieder den Krischan ein. Insgesamt sind es heute gewaltige Werte, die sich die Knirpse auf die Rippen gepolstert haben; es soll schon was heißen, wenn Krischan mit 180 Gramm der Spargeltarzan ist. Und die kleine Kneifzange ist zwar immer noch die letzte, bringt aber nun auch schon vier Kilo auf die Waage. Kann sich irgendjemand da draußen vorstellen, wie aufregend es bei uns jeden Morgen ist? Lassen wir die Katze aus dem Sack:

Kini 4810 (+190), Koschi 4800 (+230), Korbi 4710 (+190), Klecks 4580 (+240), Kuno 4390 (+240), Käptn 4330 (+240), Krischan 4300 (+180) und Kathi 4140 (+210). Das sind 1720 Gramm und somit 590 mehr als gestern (Durchschnitt: 4507 g).

 M3A3686 1 250Krischan übernimmt GartenarbeitGrau ist nicht nur alle Theorie, noch grauer als diese ist heute Morgen und Vormittag der Himmel. Mit 0,5 °C startet der Tag unter einem dicken Hochnebel. Hochdrucklagen bringen in dieser Jahreszeit eben gerne Hochnebel mit sich, unter dem das Thermometer kaum die Nullergrenze überwindet, doch nachmittags reißt der Nebel auf und es wird freundlich bis zu 7 °C. Der Bauern-Nostradamus meint dazu: Lachende Kunigunde bringt frohe Kunde, und schön langsam erwarten wir, dass der Hundertjährige aus dem Fenster springt und auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Falls er noch einen Funken Charakter im Leib hat…  

Wie gestern sind die Knirpse fast durchweg in ihrem Spieleparadies und beweisen inzwischen ein sehr langes Durchhaltevermögen. Wenn sie richtig auf Touren sind, sind sie schon bis zu einer Stunde aktiv, dabei wird gerannt und gerauft bis kurz vor den Achsschenkelbruch. Derzeit ist Kuno die auffälligste Aktiv-Kapsel. Er ist auch der Geschmeidigste und Pfiffigste, überall unterwegs und immer vor der Linse. Wenn er in seinem Reifen sitzt und vertrieben werden soll, worauf er auch spekuliert, verteidigt er seine Kautschukbude mannhaft und meist erfolgreich. Die Rampensau Korbi hält sich dagegen gerade etwas bedeckt und macht auf Mauerblümchen, so sehr, dass wir kaum ein Foto von ihm bekommen, obwohl wir ihn längst wieder im Tagesbild präsentieren müssten. Der Nesthaken Kathi rabaukt und mobbt seine Brüder und die anderen flippen herum wie bei Pomp Duck and Circumstance.

Weil wir die Anforderungen an unsere Kinder immer ein wenig nach oben schrauben, machen wir heute die gelb-rote Kinderschaukel frei, die bislang noch ein wenig aufsaß, damit die Zwerge nicht allzu sehr kopfüber gehen. Jetzt heißt es balancieren, aber das ist dieser Freibeuterei Jacke wie Hose; sie preschen einfach drüber, und wir vermuten, dass sie nicht einmal registrieren, dass sich der Boden unter ihnen soeben davonmachte. Logo: Wer kaum ein Bein auf den Boden bringt, hat keine Haftungsprobleme.

 M3A3632 1 250Schaut mal, wie gut sich ein Tunnel zusammenfalten lässtBeliebter Tummelplatz ist auch das bunte Tunnel, das man einzeln oder in Gruppen durchgaloppieren kann. Was der Erfinder des Tunnels nicht ahnte, ist, dass man sich noch besser auf es stürzen und zusammenfalten kann. Man glaubt ja kaum, wie kleinteilig so eine Röhre sein kann, wenn man sie mit vereinten Kräften zusammenfaltet. Es ist eine richtige Hatz im Paradies.

Und zur Krönung des Tages der Geisterball! Der Geisterball hat ein Innenleben mit einem Pendelgewicht und einer Batterie. Wenn er aktiviert ist, rollt er von allein und wegen des Gewichts auch noch völlig unvorhersehbar in alle Richtungen umher. Natürlich stürzen sie sich umgehend auf den neuen Eindringling in ihrem Paradies, aber sie kriegen ihn nicht richtig zu fassen und schon gar nicht unter Kontrolle. Wenn immer sie glauben, ihn zu haben, kullert er ihnen aus den Pfoten und macht sich davon. Mehr Fassungslosigkeit geht nicht! Die Ratlosigkeit steht ihnen in die Gesichter geschrieben, und die Gründung eines Arbeitskreises steht kurz bevor.  

 M3A4005 1 250KunoNach  M3A3983 1 250Koschiall diesem Bohei wir es Zeit, wieder ein wenig Ruhe in die Zwergenschar zu bringen. Perfide ist es allerdings, wenn man dazu Pansenstangen einsetzt. Jedem seine Pansenstange – und schon offenbaren sie ihren Charakter. Da outen sich die Kleptomanen, die lieber in Nachbars Garten wildern als sich mit ihrer Beute zu beschäftigen, weil, wie wir wissen, die Kirschen in Nachbars Garten besonders süß sind. Ganz anders gestrickt sind die Egomanen, die in Windeseile eine Abseite finden, in der sie in Ruhe speisen können, was uns beweist, dass die Knirpse nicht nur durch ihr Paradies toben können, sondern es in allen seinen Details kennen und für sich ausnutzen können. Dann gibt es die Unentschlossenen, die sich mit den Spielregeln noch nicht so genau auskennen und deswegen oft Opfer der Kleptomanen werden, weshalb sie auch wieder auf Beutezug gehen müssen. Von Ruhe kann also kaum die Rede sein, außer bei jenen, die in irgendeiner Ecke, nur von uns geortet, ihre Stange verknuspern.

Die schlimmste Kleptomanin ist jedoch Fianna. Mit trieftreuem Omablick schleicht sie sich heran: „Was hast du denn da Schönes? Lass doch die alte Oma auch mal sehen, was du da hast.“ Und wenn der Knirps doof genug ist, auf diese gütigen Augen hereinzufallen, ist die Stange – schnapp – weg und der Knirps schaut blöd hinterher. Da reden alle von Omatrick, wenn alte Leute um ihr Geld gebracht werden sollen. Eine Oma, die die jungen Leute mundberaubt, ist der Gottseibeiuns der Trickbetrüger.

Und weil das alles viel zu schön ist, um in Vergessenheit zu geraten, ist heute wieder einmal das Fernsehen da, das mit einem ganzen Kasten toller Knirpsaktionen nach Hause gehen kann. Geplanter Sendetermin ist bereits der 22. März – falls es Lukas, dem Objektivführer gelingt, das ganze Material in vier Tagen nach der Abgabe zu einem 20-Minuten-Film zusammenzuschneiden. Wir halten euch auf dem Laufenden.   

 

Samstag, 4. März 2023

Wieder ducken wir uns morgens unter einem dicken Hochnebel weg, und müssen dem Hundertjährigen wenigsten heute eine gewisse Treffsicherheit zugestehen: 0 °C, Hochnebel und einen frischen Wind kann man eindeutig als rauh, kalt und windig gelten lassen. Ab Mittag bleibt dann allerdings bei sonnigen 8 °C nur noch windig über, weil uns der frische Wind den ganzen Tag erhalten bleibt.

Auf der Waage tut sich nichts bis wenig und ist trotzdem erwähnenswert, denn Kini hält hartnäckig den 10 Gramm-Vorsprung vor Koschi, obwohl der sich mit 250 Gramm Auflast nichts vorzuwerfen hat. Immerhin weiß er jetzt, mit welchem Kaliber von Gegner er es zu tun hat. Aber auch die anderen scheinen noch etwas vorzuhaben, denn eine richtige Blöße gibt sich keiner. Voilà:

Kini 5060 (+250), Koschi 5050 (+250), Korbi 4920 (+210), Klecks 4730 (+150), Kuno 4610 (+220), Käptn 4530 (+200), Krischan 4520 (+220), Kathi 4290 (+150). Wieder haben die acht stattliche 1650 Gramm eingefahren (Durchschnitt: 4713 Gramm), und die beiden Standartenführer sind die ersten Zehnpfünder.

 M3A4613 1 250Ein kleines Schläfchen im Garten - KorbiKennt noch jemand den alten Werbeslogan für die Liebestöter aus Angorawolle? Wie das Wetter auch wird in unsrem Klima – Medima, Medima. Unsere Knirpse tragen ja so etwas Ähnliches wie Ganzkörper-Angorawäsche, also sind sie auch die meiste Zeit des Tages draußen. Allerdings nutzen wir die zunehmend angenehmeren Temperaturen, die Terrassentür offen zu lassen, was bei den Knirpsen die höchstmöglich Zufriedenheit auslöst, denn nun kann sich jeder nach seinem Gusto drinnen oder draußen aufhalten. Und so kommt es dann, dass Käptn und Krischan in der Küche schlafen, Korbi im Transit, von wo aus er, falls nötig, alles überblicken und checken kann. Kini ruht auf dem Trampolinthron und die anderen vier kuscheln sich in ihrem Terrassenbett zusammen, in dem sie immer zusammen kuscheln.  

1M3A4300 1 250Lecker so ein Hennehax - Koschi genießt ihn auf jeden FallBeim Hühnerhof unseres Vertrauens, von dem wir auch die vielen Eier haben, die täglich in den Kindermägen verschwinden, haben wir uns einen Sack Hühnerkrallen besorgt und gedörrt. Die bekommen heute ihren Auftritt. Jeder Knirps einen Hax. So ein knuspriges und sperriges Ding ist schon eine Herausforderung für Knirpse, zumal die Begehrlichkeiten auch in diesem Falle hoch sind. Klecks, Käptn und Korbi sind die besten Abseiler und schaffen es tatsächlich, ihre Beute unentdeckt bis zum Ende zu zerwirken. Eine besondere Leistung liefert dabei der kleine Käptn, der sich unter die kleine Holzpalette legt und seinen Hax bis zum Schluss gegen die kläffende Meute seiner Geschwister verteidigt. Immer wieder starten sie Angriffe von allen Seiten, doch der Käptn zeigt die Zähne und erhebt die Stimme. Er hält die Stellung und behält die Kralle.

 M3A3969 1 250Gut, dass Kathi noch ein geheimes Versteck mit einer Pansenstange hat - dann ist der Verlust des Hennehax nicht ganz so schlimmAuch Kathi ist gut positioniert, setzt sich lange zur Wehr, aber ihr fehlt der Vorteil einer Deckung unter der Palette. Schließlich muss sie der Übermacht der Kleptomanen weichen. Sie hält sich jedoch tapfer wie die Heilige Johanna, ist sehr geschickt im Ausweichen und hält die Beute gut in Deckung, doch schließlich sind es der Häscher zu viele. Die allerdings müssen sich mit solchen Teilerfolgen zufrieden geben, weil sie ihre eigenen Stücke vernachlässigen. Oma und Mama halten es in solchen Fällen kalten Herzens mit der Einstellung: Wer nicht will, hat schon gehabt. Und schon haben sie sich die Kralle gekrallt. Es ist schon erstaunlich, dass ein Welpe so einen ganzen spröden Hühnerhax verdrücken kann. 1M3A4303 1 250Klecks findet immer wieder einen unbeobachteten Platz, um seine Beute zu verspeisenKlecks findet diesen Einwand so abseitig wie das Versteck, in dem er seine Kralle verputzte und organisiert sich gleich noch eine weitere, die er irgendwo auf dem Schlachtfeld findet. Sorry, Klecks, aber das ist nun wirklich zu viel des Guten. Wir nehmen sie ihm weg, bevor er sie noch rückwärts isst.

Neben den Leckereien zwischendurch wachsen auch die Mahlzeiten sukzessive mit den Welpen und deren Aufgaben. Zwar bleibt es bei drei Portionen Welpenmilch morgens (mit geriebenem Apfel oder zermatschter Banane) für alle, aber die Trockenfutter-Portionen steigern sich bereits auf 500 g, ebenso die Fleischmahlzeiten nachmittags, bei denen der Kartoffelbrei-Anteil etwa bei 80 g liegt, das Fleisch bei 500 g. Heute gibt’s erstmals gewolfte Hähnchenhälse. Auch in diesem Falle gilt: wurscht! Alles, was geliefert wird, wird eingesaugt. Auch das Abendmahl ist heute eine Premiere, weil es erstmals aufgeweichtes Platinum-Puppy gibt, nicht mehr das Babygranulat.

 M3A4916 1 250Kini hat seinen Spaß auf der SchaukelUnd weil die fixen Knirpse die gelb-rote Kinderschaukel mit den Bullaugen bislang als unwürdig erachten und sie völlig respektlos durch- und überqueren, stellen wir ihnen heute die „Große Schwinge“ ins Paradies, eine viel größere Schaukel, die nach allen Seiten ungehindert schwingt, während sie sich auf der Kinderschaukel wie ein Seiltänzer auf einer Eisenbahnschiene bewegen. Die Dynamik der GS nach allen Seiten hält deutlich größere Herausforderungen bereit. Und das erkennen sie sofort, weswegen sie sich vorerst keine Blöße geben wollen und sich lieber an deren Halteseile vergreifen. Wir können kaum erwarten zu erfahren, wer der Erste sein wird, den die Große Schwinge abwirft wie das Teufelsrad auf dem Rummel. Es werden noch Wetten angenommen.  

 

Sonntag, 5. März 2023

Heute hätte unsere Franzi Geburtstag gehabt, obwohl sie den mit 19 Jahren wohl kaum noch erlebt hätte. Aber eine dicke Träne tragen wir dennoch im Knopfloch, weil sie einfach viel zu früh gehen musste, ausgerechnet sie, die das Leben so liebte. Und weißt du noch, liebe Franzi, wie wir deinen 1. Geburtstag 2005 beinahe vergessen hätten, weil es so schneite, dass wir den ganzen Tag mit Schneeschippen beschäftigt waren? Alles ringsum lag tief im Schnee vergraben, es war still wie in der Kapuzinergruft, nichts bewegte sich mehr und was sich zu bewegen wagte, stand bald wieder still. 18 Jahre sind das her, und niemand kann sich heute noch vorstellen, dass so etwas jemals wieder passieren könnte. Wir machen schon ein langes Gesicht, wenn es, wie heute, grau bei 1 °C ist und auch so zu bleiben scheint. Wir, und vor allem der Chronisten-Assi, erwarten heutzutage Anfang März lauen Lenz, nicht schenkelhohen Schnee.  

Wir beginnen nun langsam, das Frühstück zu ändern. Ziel ist es, zur Abgabe genau das zu füttern, was auch im neuen Heim weiter gefüttert werden kann. Das ist pro Welpe etwa ein halber Becher Hüttenkäse, eine halbe Banane oder Apfel, 1 Tasse Ziegenmilch und 1 El Distelöl.  Wir reduzieren deshalb heute auf 550 g Quark, 3 Tassen Ziegenmilch, 6 Eier und 9 El Distelöl. Ab nächster Woche löst dann der Hüttenkäse den Quark ab. Zur Befriedigung der Ungeduld während der Wartezeit gibt’s heute kleine, gedörrte und sehr stinkende Sprotten als „Vogelfutter“ auf den Boden.

1M3A4625 1 250Sieht doch ganz gesittet ausUnd  M3A4746 1 250Na ja, zum Ende hin wird es leicht chaotischnoch etwas ist neu für die Knirpse: Sie bekommen ihr Mahlzeiten jetzt, nicht immer, aber vorwiegend in Einzelschüsseln in einem Gestell serviert. Das reduziert einerseits die Kampfbaggerei im Futterring, weil sich die meisten zuerst auf ihre eigene Schüssel konzentrieren und erst später bei den anderen nachputzen, aber vor allem gibt es uns die Möglichkeit, die Portionen besser zu kontrollieren und, wenn nötig, auch Medikamente zu dosieren. Diese Schüsseln nehmen sie genauso unspektakulär an und zur Kenntnis wie alles andere bisher. Und sie verhalten sich überraschend zivilisiert, nur wenn die eigene Schüssel ausgeräumt ist, beginnt die hektische Suche nach Resten in allen anderen. Das ist auch gut so, wir wollen ja keine triebreduzierten Klosterschüler züchten; das Leben ist ein Kampf, nicht zuletzt ums Futter.

Das gibt uns die Gelegenheit, eine kleine Prognose einzufügen. Diejenigen Knirpse, die zu anderen Hunden gehen, werden weiterhin in Konkurrenz sein und, um es deutlich zu sagen, wahrscheinlich fressen wie Scheunendrescher. Die Einzelkinder aber werden schon nach wenigen Tagen die Konsequenz ihrer Besitzer ausloten – und oft werden sie erfolgreich sein. Unsere Erfahrung zeigt, dass schon nach wenigen Tagen die Näschen gerümpft werden, die neuen Leute Krankheit oder zumindest Unpässlichkeit diagnostizieren, und schon kommt etwas anderes auf den Tisch und im Handumdrehen stehen Filetspitzen, Lachs und 150-Gramm-Feinschmecker-Schälchen mit Petersilien-Topping auf dem Speiseplan. Wollen wir wetten? Glaubt uns, etwas konsequent Durchtriebeneres als einen Hovawartwelpen findet man selten. Wir können Bücher über diese Beispiele füllen. Deswegen ein ernstgemeinter Rat: Ein Knirps speist bei euch grundsätzlich das gleiche wie bei uns, und wenn er das Näschen rümpft und sich angeekelt abwendet, stellt es ihm noch einmal vor die Nase. Bevor er verhungert, greift er zu. Er will nicht verhungern, und er wird definitiv nicht verhungern. So viel Ausdauer wie ein kleiner Hovawart hat, sollte seine Familie mindestens auch haben.

Nun zurück zur Gegenwart und zu den Folgen der Ernährung à la Blues. Wenn wir die Zeitung mit den ganz großen Buchstaben wären, würden wir heute Titeln: Koschi kackt ab. Krischan rempelt Käptn weg (auf die Versalien verzichten wir im Sinne der Texthygiene).

Was also ist geschehen? Koschi schlendert sich mit 100 Gramm plus ins Abseits, was ziemlich fatal ist, wenn nicht nur Kini seine seit einiger Zeit gewohnte Performance abliefert und 220 Gramm aufspeckt, sondern Korbi sogar mit 290 Gramm aufwarten kann. Dann findet man sich plötzlich auf Rang 3 wieder, eines Rädelsführers eigentlich unwürdig. Die neuartige Vorstellung, dass zur Führerschaft eher Hirn- als Muskelschmalz gehört, hat sich in archaischen Populationen noch nicht durchgesetzt. Bei uns im Gäu hat ein einfältiger Bauer mit Ranzen immer noch mehr zu sagen als ein spirgeliger Agraringenieur mit Durchblick. Koschi sollte sich also sputen, wenn er noch gewisse Ansprüche geltend machen will. Aber vielleicht will er ja nicht.

Und was ist am hinteren Ende passiert? Eigentlich nichts Spektakuläres, nur dass Krischan schon gestern mit 220 g hat aufhören lassen, obwohl sich der kleine Käptn mit 200 g auch mächtig ins Zeug legte. Aber heute nutzt Krischan Käptns Zögerlichkeit aus und zieht an seiner Lee-Seite vorbei, was ein ziemlich cooles Manöver ist. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt, die Rempeleien der beiden mit wechselndem Ausgang beobachten wir ja schon länger.

Was hat uns also die Waage heute zu berichten?

Kini 5280 (+220), Korbi 5210 (+290), Koschi 5150 (+100), Klecks 4950 (+220), Kuno 4760 (+150), Krischan 4660 (+140) Käptn 4630 (+100) und Kathi 4420 (+130), das ergibt 1350 Gramm mehr und ein Durchschnittsgewicht von 4882 Gramm.

Und was lernen oder schließen wir daraus? Nun, dass 1350 Gramm erstaunlich wenig sind, weil es zwischen den Hauptmahlzeiten immer wieder Pansenstangen und reichlich Leckerli von Besuchern gab. Vermutlich sind die Hühnerhälse, die es gestern Nachmittag gab, doch deutlich weniger gehaltvoll als die diversen Rindermahlzeiten. Dafür haben sie die Hälse exzellent verdaut, denn morgens zieren kaum Verdauungsrückstände die Küche und die wenigen sind kompakt und ansehnlich.  

 M3A4738 1 250Unsere Welpen genießen Besuch - hier begrüßt Klecks Onkel GismoBleiben wir noch einen Augenblick beim Essen, schließlich dreht sich im Leben fast alles darum. Heute Nachmittag servieren wir erstmals Dosenfutter: Hähnchen, 800 Gramm, dazu Rübenmix von Lunderland und einen Erbsen-Möhren-Stampf. Lecker! Abends, zum Platinum Puppy (jetzt wieder mal in den Futterringen), weht zünftige bayerische Blasmusik aus der Nachbarschaft herüber und macht die Zwerge heimatfest, egal wo sie sich demnächst herumtreiben werden. Und wer fest verwurzelt ist, schlägt auch anderswo leichter Wurzeln, weil ihm seine eigentlichen Wuzeln festen Halt in allen Lebenslagen geben. Es ist wie mit Fremdsprachen: Wer die Muttersprache nicht beherrscht, wird es in keiner Fremdsprache weit bringen. Man sieht, wir scheuen keine Mühen, den Knirpsen alles Denk- und Machbare für die Zukunft mitzugeben.

Wenn wir schon über Heimat und Fremde sprechen, ist jetzt der große Augenblick gekommen, die gerade heute beschlossene Verteilung der Knirpse bekanntzugeben.

Käptn geht nach Meitingen, in die Nähe von Augsburg. Klecks verramscht seinen grünen Fleck und wird rot-weiß-rot: Er geht nach Guntramsdorf in Niederösterreich. Korbi zieht es 130 km nordöstlich von Budapest in einen Ort, dessen Namen wir hier nicht buchstabieren müssen, jedenfalls auf einen Bauernhof mit Schweinen, Schafen und Hühnern, wo sich Himmel und Erde in der Puszta vereinigen. Dort kann er checken von morgens bis abends. Kini wird Hesse und zieht nach Wetzlar, Koschi hat sich Freiburg ausgesucht, Kuno bleibt in Holzkirchen, ganz in der Nähe seiner Wiege, Krischan zieht es nach Hardissen, Westfalen-Lippe und Kathi wandert in den Nahen Osten, nach Dessau, aus. Liebe Knirpse, wir versprechen euch, wir haben euch alle nach bestem Wissen und Gewissen bestens untergebracht.

 M3A4692 1 250Käptn gegen die gelben Riesenschlangen von obenEigentlich  M3A4831 1 250Klecks inspiziert die neue Brückeist damit unsere Mission erfüllt und wir könnten unsere Bemühungen einstellen, denn nun sind alle vergeben und alles, was jetzt noch kommt, ist gewissermaßen vergebens. Dennoch, wir können halt nicht anders, lassen unsere Knirpse nicht im Stich und beliefern ihren Vergnügungspark mit neuen Herausforderungen und Spaßkram, z.B. Schrägrampen mit Dachpappenbelag und hölzernem Spaltboden (eventuell für Korbi wegen der Schweine interessant). Auch diese Rampen werden sofort unter die Lupe und die kleinen Läufer genommen. Abstürze sind einkalkuliert und scheinen sogar Lust auf mehr zu machen. Dazu kommen gelbe Flatterbänder, in denen sich schon Generationen von Blues-Welpen verknotet haben wie seinerzeit Laokoon mit seinen Söhnen. Nur zum Todeskampf ist es bei uns noch nie gekommen und wird es auch nicht. Neugierig machen diese Flatterdinger auf jeden Fall, und ihre Widerstandsfähigkeit wird auch unverzüglich auf die Probe gestellt.

Ob es heute noch Sinn macht, übers Wetter zu sprechen? Eher nicht. Zwischen 1 °C morgens und 4 °C nachmittags bewegt sich nicht viel, noch nicht einmal der dumpfe Hochnebel. Tatsächlich ist von Lenz noch nichts zu sehen, aber das Licht, das Licht ist wieder da. Über eine Stunde ist der Chronist nachmittags mit seinen Mädels unterwegs, und als er um gegen 18 Uhr heimkehrt, tut er das immer noch bei Tageslicht. Er hat es euch an Lichtmess versprochen: Jede Woche 21 Minuten länger…

 

Montag, 6. März 2023

Heute steigen wir etwas später aus der Schlummerkuhle, weil die Zucht- und Schulmeisterin montags schulfrei hat, aber 6:15 Uhr ist für acht Welpen schon viel zu spät. Zur Strafe duften 16 Verdauungsreste in der Küche, umrahmt von ur(in)igen Teich-Arrangements. Unzeitigen Müßiggang straft der Herr eben sofort, schließlich legte er fest, dass man am siebten Tag, nicht am ersten ruhen soll. Das haben wir nun davon.

Zudem hat der Hundertjährige mehr recht als uns lieb sein kann: knapp im Minus das Thermometer, Hochnebel und ganztägig sehr unangenehm frisch. Aber egal wie unwirtlich ein Tag beginnt, Hedda bittet ihre Kinder immer noch jeden Morgen zur Tränke. Das grenzt schon fast an Selbstverleugnung, und wir denken darüber nach, ihr einen schicken Body anzuziehen.

Mit diesem könnte sie außerdem so eine bella figura machen, dass sie sogar Michelangelo in Marmor hauen würde, dem der Chronist diese etwas ungelenke Überleitung schenkt, weil er heute Geburtstag hätte. 548 Jahre wäre er geworden. Und auch Jakob Fuggers Geburtstag jährt sich heute zum 564. Mal. Der hätte die Kohle gehabt, unsere Marmorgöttin zu erstehen. Ist ja nicht so wichtig... Wichtig ist, wie es unseren Kindern geht, und das offenbart sich nicht an deren Unverkäuflichkeit, sondern auf der Waage.

Dort zeigt sich Koschi stark erholt und macht sich schon wieder bis auf 50 Gramm an Kini ran. Dass da vorne noch längst nichts entschieden ist und jeder noch irgendeine Taktikvariante im Ärmel hat, sollte uns nicht überraschen. Aber dass der Käptn immer noch nicht gemerkt hat, dass ihn Krischan leeseits abwienerte und weiter vor sich hinträumt, zeugt entweder von sitzfleischigem Null Bock oder von maximaler Gelassenheit: abgerechnet wird am Ende. In der Tat, aber mit 20 Gramm wird er am Ende nicht viel Kleingeld zum Abrechnen haben. Krischan macht sich dagegen auf, in die Phalanx der Diadochen einzudringen, jedenfalls hat er Kuno schon eingeholt. Von der Kopfnote jetzt also zu den unbestechlichen Zahlen:    

Kini 5450 (+170), Koschi 5400 (+250), Korbi 5380 (+170), Klecks 5150 (+200), Krischan 4880 (+220), Kuno 4880 (+120), Käptn 4650 (+20) und Kathi 4620 (+200). Das macht einen Zugewinn von 1350 Gramm und ein Durchschnittsgewicht von 5051 Gramm.

 M3A4918 1 250Immer noch liebster Schlafplatz: Koschi im Freiland-HundebettDa heute Janitschek zu Besuch ist, der Kobold mit der Himmelfahrtsnase aus Heddas erstem Wurf, ist das eine gute Gelegenheit, frühere Welpen mit den aktuellen zu vergleichen. Und dabei fällt auf, dass die Knirpse in der Tat ziemlich anders sind. Das beginnt schon mit ihren Schlafgewohnheiten. Alle zehn Vorgängerwürfe schliefen auf der Terrasse vornehmlich in der schwarzen Kunststoffwanne, eng zusammengekuschelt. Schneewittchen bittet dagegen ihre sieben Zwerge immer in das einen Meter daneben stehende grüne Matratzenbett, auf dem früher vornehmlich die Besucher Platz nahmen, wenn das Wetter es hergab. Und sie kuscheln sich nicht eng zusammen, sondern lagern locker und weitschweifig, weil die Matratze das auch ermöglicht. Wer gibt das Kommando für ein solch außertourliches Verhalten? Was hundert Welpen für gut befunden haben, kann doch nicht plötzlich schlecht sein.

Eine ganz unbeliebte Angewohnheit beim Personal ist die Vorliebe für Fußbodenleisten, die den Vorgängern meist egal waren. Auch die Neigung, Wände anzuknabbern findet wenig Gegenliebe und kam bislang im Verhaltenskodex nicht vor. Andererseits haben die Knirpse nicht nur negative Vorlieben und Interessen. Das Flaschenregal blieb bis auf wenige Augenblicke großer Langeweile bislang unbeachtet. Zum aktuellen Zeitpunkt waren dort früher längst keine Flaschen mehr gelagert. Auch die Gemüsekörbe im Küchenblock bleiben noch immer ohne Schäden. Immerhin schreiben wir schon das Ende der siebten Woche, da waren die Körbe längst im Keller und der Küchenblock war zum Nachtlager der Welpen umfunktioniert worden. Wir werden sehen, ob sich in dieser Hinsicht noch etwas tut.   

Der smarte Janitschek äußert sich dazu nicht, er ist ja schließlich in den vergangenen zwei Jahren zu einem perfekten Wiener Gentleman gereift. Dabei ist er immer noch ein liebenswertes Schlitzohr geblieben, das die Knipse unwiderstehlich anzieht. Doch der Jani zieht den Umgang mit seiner Mama und Oma vor. Am innigsten ist jedoch seine Zuneigung zum Assi, dem er seine wochenlange Fürsorge bis heute nicht vergessen hat. Schon immer waren die beiden eine Herz und eine Seele, und alte Liebe rostet wirklich niemals.  

 M3A4876 1 250Kini findet den Lammknochen superleckerDann hat die Zuchtmeisterin eine zündende Idee: Sie bringt fünf Lammknochen ins Welpenparadies, ordentliche Brocken zum Abarbeiten. Und die bringen richtig Leben in die Bude. Auch heute outen sich Kleptomanen und Egomanen, zumal nur fünf Knochen für acht Knirpse im Ring liegen. Besonders tut sich schon wieder der Käptn hervor. Möglicherweise ist ihm die kleine Schelte wegen seines Gewichts heute Morgen nicht entgangen und er will nicht als Käptn Null Bock in die Annalen des Blues eingehen. Er lässt, wie schon mit der Hühnerkralle, nichts anbrennen und verteidigt seinen Knochen mannhaft.  M3A4873 1 250Korbi sichert seine Beute erfolgreich abErst als ihm Kathi so auf den Leib rückt, dass er seinen Knochen zu dessen Verteidigung verlassen muss, ist Korbi zur Stelle und verzieht sich als Kriegsgewinnler ins Tunnel, wo er lange unbemerkt seinen Knochen aufarbeitet. Selbst als die anderen ihn entdeckt haben und von beiden Seiten ins Tunnel kläffen, bleibt er ruhig, knabbert und nagt und ranzt unmissverständlich nebenbei zurück. Aber sie können ihm dort drinnen nichts anhaben, ohne Opfer seines Zorns zu werden.

Wir lösen die Situation auf, indem wir ihnen ihr Nachmittagsmahl liefern, roher und ungewaschener Pansen mit Erbsen-Möhren-Stampf. Als jetzt der Matze-Matze-Ruf erklingt, kommt sogar Korbi aus seinem Tunnel und stürzt sich auf die leichtere Beute. Es ist Wahnsinn, wie sich Welpen in diesem Alter schon zurechtfinden und durchs Leben schlagen können.

Um 22 Uhr klingt dann ein schöner Tag besch…eiden aus: Käptn schießt einen dünnen braunen Strahl in den Transit. Das viele Lamm war für ihn vermutlich eine doch zu fette Beute. Die anderen bleiben noch bei fester Losung.

 

Dienstag, 7. März 2023

Durch Schleierwolken schielt ein fahler Mond am frühen Morgen. Es bleibt auch bei dem kleinen Tanz um die Null-Grad-Marke: heute 1 Grad Plus. Doch schon vormittags löst die Sonne den Mond ab und lächelt statt seiner frühlingsfreundlich durch die Wolken. Und die 7 °C nachmittags fühlen sich schon eher vorfrühlingshaft an.  

Dem Sang und Klang des Vorfrühlings und seiner Boten zum Trotz, herrscht in der Küche eine submaximale Sauerei: Eine große, aber nicht mehr genau zu bestimmende Anzahl von ausgedehnten Darmlachen. Und dann dieser Geruch, der durchs ganze Haus wabert, als die Zuchtmeisterin um 5 Uhr die Küchentür öffnet. Mit Routine können wir diesem Zustand heute nicht mehr Herr werden. Klaglos und guter Dinge trägt der Assi die Bürde des Kloakenarbeiters, weil seine Kinder ebenso flott wie ihr Stuhl durch ihr Gartenparadies toben: die sind von eins bis acht putzmunter. Aber das fette Lamm hat sie jetzt fast alle im Griff. Wer noch nicht ergriffen ist, ist derzeit nicht festzustellen.  

Auch die Gewichte liefern keinerlei Anzeichen von diarrhöherer Auszehrung:

Kini 5700 (+250), Koschi 5620 (+220), Korbi 5570 (+190), Klecks 5400 (+250), Kuno 5200 (+320), Krischan 5010 (+130), Käptn, 4910 (+260) und Kathi 4780 (+160). Summe = 1780 Gramm und Gesamtgewicht = 5273 Gramm.

Sieht so Auszehrung aus? Die Knirpse rasen ohne Tempolimit durch den Garten über Block und Rampen, alle mit Vollgas und Hollaraidulliö. Schei.. auf Diarrhö!

 M3A5108 1 250Wieviel Hovawartwelpen passen in ein Bällebad?Damit sie sich nicht langweilen müssen, wird der Garten nun endausgebaut: Bällebad, Kettengalgen, Pendelschaukel am Apfelbaum und Konterleder am Ginko. Alles wird sofort inspiziert und die ordnungsgemäße Anbringung kontrolliert. Bevor wir alles an Ort und Stelle ordnungsgemäß platziert haben, ist das Bällebad bereits ausgeräumt und die vielen bunten Smarties verteilen sich im ganzen Garten. Diese Knirpse haben einfach keine Scheu vor gar nichts. Die Rampen rennen sie nach Lust und Laune rauf und runter, und die Schwingschaukeln stehen ihnen bei der Hetzjagd bestenfalls im Weg. Das sind Riesenknirpse! Wahnsinnswichtel. Wow…

Nur der Flotte Otto lässt sich von ihnen nicht unterkriegen. Er hält sich hartnäckig. Einmal scheint einer durch zu sein, dann fängt ein anderer damit an. Abends kommt es zu einer Spritzeinlage in der Küche. Also müssen alle raus, sonst kann das Malheur nicht beseitigt werden. Einige finden es supergut, nachts draußen herumzurangeln, andere wollen wieder in die Höhle. Das geht nicht ohne Gezeter ab. Macht man es den einen recht, zetern die anderen. Und umgekehrt. Es lässt sich nicht übersehen, dass es langsam endzeitlich wird. Die kleinen Herrschaften haben nicht nur einen dicken Po, sondern inzwischen auch einen dicken Kopf. Gegen unerfüllte Wüsche wird lauthals protestiert. Es wird psychologisch. Logisch…

Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die siebte Woche.