K-Wurf

Mittwoch, 8. März 2023

Es ist freundlich bei wolkigen 1,5 °C, als wir am frühen Morgen aus den Federn kommen.

Überhaupt nicht freundlich ist der Zustand unseres Nachtasyls für Knirpse: Flitzekacke wohin das Auge reicht. Der dem Schlafteil abgewandten Teil der Küche ist ein fast durchgängiger Moorsee. Der Gestank ist widerlich, vermischt sich aber beim Öffnen der Fenster mit der Jauche, die die Bauern gestern auf die Felder brachten. Es ist eine Art systemischer Duftausgleich, was man rauslässt, kommt auch wieder herein. Ein amerikanisches Sprichwort besagt, dass man ein Stinktier nicht überstinken könne, was vom Bairischen Blues mit Leichtigkeit widerlegt wird. Die Knirpse schaffen es in einer einzigen Nacht, das notorische Stinktier „Vagener Landmann“ auf Eau de Cologne-Niveau zu reduzieren. Über eine Stunde zieht sich die Putzroutine des Assi heute hin, obwohl schon die Zuchtmeisterin einen großen Müllbeutel mit durchweichtem Küchenkrepp befüllt hatte.    

Freunde, ihr solltet uns jetzt nicht bedauern und nebenbei das Näschen rümpfen, sondern auf den alternden, brüchig gewordenen Kniescheiben für unseren Opfergang danken. Dieses tun wir nämlich für euch alle! Wir nehmen die Bürde und Schlechtigkeit der Welt auf uns, um euch darmstabile Knirpse zu übergeben. Jede Futteränderung bringt den kleinen Verdauungsapparat an seine Grenzen – und schiebt sie weiter hinaus. Wir waten im Kot, damit ihr ohne Kotflügel auskommen könnt. Wir beanspruchen für uns den Ehrentitel „Mutter und Vater Teresa der Darmkonditionierung“. Das bayerisch weiß-blaue Habit ist dabei Programm und Versprechen.

Zurück zum Ausgang unserer kleinen Abschweife. Wir sind schon ein wenig überrascht über den Zustand unserer Küche, denn gestern Abend waren noch die meisten Darmseligkeiten von stabiler bis strukturweicher Konsistenz. Und nun das! Aber es wäre Zeitverschwendung, darüber nachzudenken, worin die Ursachen liegen. Sie können sehr unterschiedlich sein, liegen jedenfalls nicht auf der Hand. Und das, was an den Fingern hängt, gibt keine Auskunft. Solange es den Knirpsen so gut geht, alle teufelsmunter sind, nicht in den Seilen hängen und kräftig zunehmen, können wir uns die Ursachenforschung sparen. Der Chronist hält sich in dieser Hinsicht an das (nicht immer) hilfreiche Motto seiner Oma: Ist von selber gekommen, wird auch wieder von selber gehen. Dennoch zieht die Lage eine unbedingte Konsequenz nach sich: Der Assi hat heute strengen Hausarrest. Denn bei Abwesenheit müssen die Zwerge mit ihrem Schneewittchen ins Haus. Und das sollte man unter diesen Umständen tunlichst vermeiden.          

 M3A5031 1 250Draußen kuschelt es sich wunderbar - findet auch KathiSchon jene 20 Minuten, in denen der Assi die Schul- und Zuchtmeisterin zur Bahn bringt, belegen die Richtigkeit dieser Analyse: Zwei mächtige Teiche in der Küche und ein abgefriemeltes Klebeband des Bodenbelags im Transit begrüßen ihn bei seiner Rückkehr. Man kann es ihnen nicht übelnehmen; sie fühlen sich fit und könnten die Welt auf den Kopf stellen, und müssen nun ihrer Energie unfreien Lauf lassen. Die Knirpse wollen hinaus in die Freiheit. Und als sie dann draußen sind, kuscheln sie sich sofort zusammen und wiegen und knarzen sich gegenseitig in ihre Träume. Uns wird ganz bange vor dem angesagten Schlechtwetter. Wir meinen nicht den hundertjährigen notorischen Schwarzseher, sondern die Isobarendeuter vom Deutschen Wetterdienst.   

Wie der Tag beginnt, so setzt er sich fort: Alles dreht sich mehr oder weniger um die Beobachtung und Bewältigung der Leckagen. Der Assi schafft es jedoch nicht, den ganzen Tag mit der häuslichen Betreuung der Knirpse zuzubringen; er muss zweimal aus dem Haus, um die Kinder auch morgen art- und bluesgerecht versorgen zu können. Doch die Horrorszenarien, die bei der jeweiligen Rückkehr vor seinem geistigen Auge aufsteigen, lösen sich schnell in Frohgemut auf. Beim ersten Mal begrüßten ihn zwei kleine Teiche, das zweite Mal sogar nur einer. Da weitet sich das Herz und der Mut lugt schon wieder hinter den Bedenken hervor.

Über die Berichterstattung des gastroenterologischen Zustands der Zwerge haben wir die Gewichtsreportage völlig aus dem Blick verloren. Um diesen doch einigermaßen verrückten Zahlen die ihnen zustehende Aufmerksamkeit einzuräumen, sortieren wir sie diesmal nach Gewichtszunahme von oben nach unten:

Kathi 5160 (+380), Käptn 5220 (+310), Klecks 5620 (+220), Krischan 5220 (+210), Korbi 5700 (+130), Kini 5800 (+100), Koschi 5690 (+70), Kuno 5270 (+70). Von den erwirtschafteten 1490 Gramm gehen allein 900 Gramm aufs Konto der Leichtgewichte Kathi, Käptn und Krischan. Von den Kraftpaketen konnte nur Klecks die gewohnten Erwartungen erfüllen. Koschi und Kuno bleiben deutlich unter ihren Möglichkeiten. Das Durchschnittsgewicht steigt heute auf 5460 Gramm.

Eine solche Leistungsspreizung lässt sich kaum interpretieren. Eine nachvollziehbare Erklärung wäre, dass die Schmalbrüstigen an den Futterschüsseln besser zum Zuge kommen, als wenn sie an den Ringen ständig von den Boliden weggerempelt werden. Das erklärt aber nicht, wer den strammen Maxen die Nahrungsaufnahme vermiest hat.

 M3A4947 Bearbeitet 1 250Gymnastik mit Onkel GirglHeute ist Girgl aus unserem G-Wurf zu Besuch. Girgl ist neben Gismo (Gosh), der den Knirpsen auch schon seine Aufwartung machte, vermutlich der denkbar beste Knirpsenonkel, den man sich vorstellen kann. Schon bei den vorangegangenen Würfen macht er sich um die Kinder sehr verdient. Er hat einfach einen Riesenspaß mit den Kleinen und ist damit ein weißer Rabe unter den Rüden, denn erwachsene Rüden finden Welpen bestenfalls zum Speien und geben Fersengeld, so hoch und weit sie von ihren Beinen getragen werden. Aber diese beiden, und vor allem Girgl, können gar nicht genug kriegen vom Knirpsengeplänkel. Es stört ihn nicht, wenn sich mehrere an seine Rute hängen und durchs Paradies zerren lassen, er wird noch nicht einmal panisch, wenn ihm ein Knirps an seine einzige Zitze geht. Eine geschmeidige Bewegung bringt diese aus der Gefahrenzone und das Spiel geht weiter. Girgls unbändige Begeisterung für Kinder hat allerdings auch unappetitliche Folgen: Er speichelt und schlonzt herum, dass alles, was in seine Reichweite gelangt, anschließend in die Wäsche muss. Ein normales Handtuch saftet er quasi im Vorübergehen durch.

 M3A4956 1 250Regenpause genutzt und ausgiebig gespieltIm Laufe des Tages wird es immer wärmer, nachmittags steigt das Thermometer auf über 10 °C. Glücklich macht das trotzdem nicht, weil abends Regen einsetzt. Und jetzt wollen die kleinen Warmduscher plötzlich nicht mehr raus! Was ist denn nun los? Sonst können sie es nicht ertragen, im Hause kaserniert zu sein und nun stehen sie unter der Terrassentür und denken nicht einmal an ein kleines Abend-RoundUp.

Folgenlos bleibt das für die Nachtschicht des Assis erwartungsgemäß nicht. Er hat einige Restbestände zu beseitigen, die meistens strukturiert weich sind, darunter jedoch nur ein wirklich breiiger Output. Wem der zuzuordnen ist, bleibt Geheimnis der Knirpse. Sicher ist nur, dass Käptn, der erste und größte Scheißer, auch wieder fester wird.

 

Donnerstag, 9. März 2023

Nachts fegt ein heftiger Sturm mit querfliegendem Regen durchs Mangfalltal. Und dieses atlantische Sturmwetter hält auch den ganzen Tag über durch. Unter solchen Bedingungen kann sich noch nicht einmal der lenzophile Chronist mit den 10 °C schon frühmorgens anfreunden.

Für unser Welpenparadies bedeutet dieses Atlantikwetter, dass nun alles, was noch nicht verteilt war, verteilt ist oder durch die Luft fliegt. Was der Arbeitsplatzbeschreibung des Assis ein neues Topic hinzufügt: Flugobjekte sichern und scharen. Diese von Natur aus anspruchsvolle Verrichtung wird von den Knirpsen tatkräftig begleitet, also veranspruchsvollert, indem man etwa die soeben zusammengescharten Bälle des Bällebads mit Vergnügen wieder aus diesem heraustaucht. Als der Assi schließlich doch zu einem allseits befriedigende Ergebnis gekommen ist, finden die Knirpse überhaupt keinen Gefallen mehr am windigen Geschehen und ziehen sich in ihr Bett zurück, das unter diese Bedingungen heute doch die etwas schützendere Wanne ist.

Doch dann pfeilt wieder Regen ins Revier, also müssen die noch nicht windfesten Kleinen unter Dach und Fach, weil der Regen so quer daherfliegt, dass auch die gesamte Terrasse mitsamt der Kuschelbetten unter Wasser gesetzt wird. Jetzt, den Windgeistern entronnen, toben sie sich nach Herzenslust aus, behindern vielbeinig und vielstimmig unsere Frühstücksvorbereitungen, hängen uns an den Beinen und haben sichtlich Spaß am schaurigen Geschehen. Da die kurzen Wege konsequent und sehr clever zugelagert sind, machen wir bei jedem Gang ausgreifende Umwege. Auch die Transittüren sind belagert, was zur Erkenntnis führt: Steigt man mit Frühstück über die Transitgitter, droht ein Sturz, nutzt man die belagerten Türen – auch. Wer hätte jemals gedacht, dass man kein großes klassisches Szenario braucht, um an einem unauflösbaren Konflikt zu scheitern?   

Erst als im Laufe des Vormittags das Thermometer langsam steigt, der Regen für die Sonne Platz macht und nachmittags 15 °C erreicht werden, strahlt der Chronist wieder (Erinnerung an den Hundertjährigen: 8.-17.: sehr kalt, obwohl kein Schnee liegt). Das vergeht ihm jedoch fix wieder, als er seine Mädels ausführen will (soll) und dabei vor lauter Weststurm kaum vom Fleck kommt und seine Mädels windverknotete Ohren und dennoch jede Menge Spaß haben. Da hat der Spaß für den Allesbe- und umsorger ein Riesenloch. Schluss für heute, mes cheries, Geschäfte erledigt: Amies, go home! Wir drehen um. Als er dann auf dem Rückweg kaum noch die Bremse findet, die verhindert, dass er über die zulässigen 50 Km/h gen Auto geweht wird, wünscht er sich wieder ein miserables Spätwinterwetter zurück.

Die gastroenterologische Morgendiagnose ergibt um 5:30 Uhr: drei Teiche, zwölf Häufchen, die meisten strukturiert, aber nicht fest. Später, während der Aufräumarbeiten im Paradies, kann sich der Assi schon wieder an deutlich stabilerem Output erfreuen, was ihn die gesamte Spezialoperation „Rammadamma“ (für Exobavaresen: Wir räumen auf) leichter von der Hand gehen lässt.   

Gar nicht leicht von der Hand, sondern eher schwer geht die Routineoperation „Waagschale“ am frühen Morgen: Für Koschi musste sich die Zuchtmeisterin beinahe zur Wuchtmeisterin umschulen oder einen Flaschenzug installieren lassen. Der Bursche hat an einem Tag fast ein halbes Kilo zugenommen!

Koschi 6170 (+480), Kini 6160 (+360), Korbi 6040 (+340), Klecks 5940 (+320), Kuno 5570 (+300), Krischan 5400 (+180), Käptn 5220 (0), Kathi 5180 (+20). Die Wuchtbrummen legen zusammen mit ihren Federgewichten somit 2000 Gramm zu und erreichen ein Durchschnittsgewicht von 5710 Gramm.

Die Zwölfpfünder haben aber noch mehr erreicht: Sie könnten wir bereits heute an ihre neuen Besitzer ausliefern, denn das Abgabegewicht muss mindestens sechs Kilo betragen.

 M3A4981 1 250Koschi bringt das Wackelbrett in Schieflage - bei dem Gewicht 😊Gute Güte, was für ein Bullenrennen. Mit diesem Gewaltakt hat Koschi den Kini wieder abgelaufen. Auch die Verfolger specken auf, was die Schwarte hält und als ob sie sich für einen langen, kalten Winter wappnen müssten. Am hinteren Ende regiert dafür Schmalhans. Käptn war der erste Durchfaller und hat seither am längsten damit zu kämpfen. Dann muss man sich nicht wundern, wenn an das Kerlchen nichts hinwächst. Man weiß ja, dass der Eimer nicht voll wird, solange unten ein leckes Loch ist. Auch Kathi quälte sich mit dem Darmgestöber, aber eigentlich recht moderat, insofern wären etwas mehr als die 20 g schon möglich gewesen. Krischan, der andere Hauptscheißer, zeigt sich dagegen sehr abwehrbereit.

 M3A4986 1 250Tüftler und Entdecker KrischanKrischan ist auch diesseits der Diarrhö ein besonderes Kerlchen. Der Chronist beobachtet ihn heute auf der blauen Wippe, wie er auf deren Scheitelpunkt steht und einen Schritt nach rechts macht. Die Wippe neigt sich zur Seite, Krischan denkt und macht einen Schritt nach links. Die Wippe senkt sich zur anderen Seite. Krischan grübelt, tritt wieder hinüber, die Wippe gibt nach, Krischan denkt… etwa zehnmal wiederholt Krischan sein Experiment, bis er wohl den Schlüssel zum Geheimnis gefunden hat und genug weiß. Kurz darauf hockt er auf der gelb-roten Schaukel und knabbert sich das gesamte Gestell entlang, leise, nicht grob, nur so, als wolle er die Holztextur mit der Zunge erfühlen. Krischan ist zweifellos der Tüftler und Ingenieur im Knirpsenland.

1M3A4879 1 250Lustiges Spiel rund um die BoxNach getaner Gartenarbeit geht die Hatz im Hause weiter. Wir haben ihnen dafür inzwischen eine Gitterbox in die Küche gestellt, die sich seither größter Beliebtheit erfreut. Diese Gitterbox besitzt an der Front- und Längsseite jeweils eine Tür, was einem tollen Ringelreihen Tür und Tor bei offenen Türen öffnet. Aber gelegentlich legt sich darin auch eine(r) zur Ruhe. Dafür haben wir sie aufgestellt, dass die Knirpse sich an eine solche Box gewöhnen können, falls sie in ihren neuen Familien mit etwas Vergleichbarem konfrontiert werden. Solche Kisten sind eine sehr empfehlenswerte Anschaffung, um einem Welpen oder Junghund ein Séparée zu bieten, in dem er zur Ruhe kommt und sich geborgen fühlt.

 

Freitag, 10. März 2023

Für den knapp bemessenen Freitagmorgen geben sich die Knirpse richtig viel Mühe, ihn uns nicht zu sehr zu versauen: drei Häufchen nur. Was seid ihr lieb!

Knapp ist auch die Temperatur um 4:30 Uhr: 1,5 °C bei klarem Himmel. Um 6 Uhr steigt die Sonne orangefeuerrot hoch, doch aus dem Westen drohen schon wieder schwarze Wolken, die ahnen lassen, dass das Vergnügen nur ein kurzes sein würde. Mittags ist es dann soweit: schwerer Regen und Sturm.

Der Stuhlgang der Knirpse ist jetzt überwiegend wieder fest, und als Folge dieser Genesung haben sich auch die Gewichte schön entwickelt:

Kini 6500 (+340), Koschi 6450 (+280), Korbi 6350 (+310), Klecks 6070 (+130), Kuno 5770 (+200), Krischan 5720 (+320), Käptn 5520 (+300), Kathi 5330 (+150). 2030 Gramm verkünden eine frohe Botschaft von überwundenen Verdauungsproblemen.

1M3A5075 1 250Der Pansen vom vorherigen Tag hat bei Kini wohl gut aufgepolstertNun hat sich also Kini wieder an die Spitze der Zwergenkarawane gesetzt. Klecks erleichterte sich gestern noch dünn, weswegen er zum Gesamtumsatz wenig beisteuern konnte. Krischan dagegen erhebt kraftvoll Ansprüche, in die Reihen der Großen aufgenommen zu werden.

Trotz der gerade erst überstandenen Darmexzesse müssen wir nach vorne denken und all das ins Werk setzen, was gesetzt werden muss. Dazu gehört die dritte Entwurmung. Die wird heute vollzogen, allerdings in ihrer denkbar rücksichtsvollsten Form: eine Tablette Milbemax in Leberwurst verpackt. Und dann war es das - Ende der Wurmkur. Ob uns der milde Max dann wieder einen flotten Otto beschert, bleibt geduldig abzuwarten.

 M3A5196 1 250Papa Kuno zu BesuchEigentlich könnten wir die Chronik dieses doch eher betulichen Tages schließen, wenn, ja wenn nicht Papa Kuno aus der Pfalz angereist wäre, um seine Lendengewächse zu begutachten. Die Begutachtung ist jedoch so eine Sache, gänzlich ohne Begeisterung vorgetragen, wie man es von den meisten Rüden kennt: Soll mal die Mutter machen. Kuno bleibt lieber auf Distanz und pflegt dafür die innige Freundschaft mit uns. Die ist ihm erheblich wichtiger als die nervigen lieben Kleinen.

Die Familienaufstellung wird komplettiert, indem auch Papa Lando, der von Heddas J-Wurf, aus Niedersachsen angereist kommt, eher nicht, weil er an seinen Nachfolgergewächsen interessiert wäre, sondern weil seine Leute ein paar Tage in Bayern Urlaub machen und ihre Neugier über die Knirpse befriedigen wollen. Wir freuen uns, dass beide da sind, egal warum. Seid herzlich willkommen alle zusammen und fühlt euch wohl beim Blues und in Bayern.  

 M3A5092 1 250Schnell nochmal richtig Krach mit der Klappersocke machen, bevor es wieder rein geht: Klecks, Kuno und KorbiWeil es richtig stürmisch ist, sind die Knirpse abends zum größten Teil im Haus, außerdem haben sie heute viel und ausgiebig geoutdoort, weshalb sie rechtschaffen müde sind. Und so ruhen sie leise zuckend, jede(r) am Lieblingsplatz, gekuschelt oder seulement, ein Bild des inneren und äußeren Friedens, das irgendwann sogar die Gespräche mit unseren Gästen zum Stillstand bringt.

Frieden ist, wenn man sich unbesorgt zum Schlafen legen kann.

 

Samstag, 11. März 2023

Es schlägt 3 Uhr und Hedda will zu ihren Kindern, die in der Küche krähen und jammern. Wir haben es geahnt oder sogar befürchtet, dass es so kommen würde, denn die Knirpse waren gestern Abend zu lange friedlich und haben sich kaum noch bewegt. Jetzt sind sie ausgeschlafen und munter. Es ist das Vorrecht der Zuchtmeisterin, komplexe Gefechtslagen zur Chefinnensache zu machen. So stapft sie denn zwischen mutig und missmutig die Treppen hinunter, lüftet die Knirpse im Garten, die draußen kaum von sich hören lassen, beseitigt sechs Häufchen und legt das Revier trocken. Um 3:30 Uhr hat alles wieder seine Ordnung, die Zwerge werden herein und die Mutter nach oben gebeten. Ende des Intermezzos. Bis 6:30 Uhr herrscht nun wieder mümmelnder Frieden in den Gemächern des Bairischen Blues. Und die Chefin hat sich um den Seelenfrieden des Assis sehr verdient gemacht und damit dem anstehenden Samstag einen fröhlich-ausgeglichenen Assi geschenkt.

Die morgendlichen Routinen erweisen sich als unspektakulär, schließlich wurden größere Restbestände schon nachts entsorgt. Ein wenig sind wir dann aber von den Gewichten enttäuscht, schließlich gibt man sich größte Mühe den Knirpsen genug Substanz mit auf den Weg zu geben und dann honorieren die das nicht in erhoffter Weise. Es geht einfach nichts ab auf der Waage; einen kleinen Aufreger wünscht man sich schon insgeheim, so ein yeah und wow am frühen Morgen. Das stellt sich jedoch nicht ein, wenn zum zefixten Mal Koschi und Korbi die Plätze wechseln, Klecks und Kuno hinterherdackeln, Krischan tapfer den Anschluss hält, und auch dann nicht, wenn es Kathi wieder einmal gelungen ist, den verträumten Käptn in einer Schaffensflaute auszumanövrieren. Und ob sich dann Kini als Sonnenkönig behauptet oder nicht, haut den Korken auch nicht aus der Schampusflasche. So ist das mit den Routinen: Irgendwann sehnt man sich nach einer little big sensation. Die kommt aber meist nur infolge eines kleinen Dramas - worauf man auch wieder gut verzichten kann. Die Welt ist sowas von uncool! So liefern wir eben das unterkühlte Ergebnis von heute Morgen.     

Kini 6650 (+150), Korbi (+190), Koschi 6500 (+50), Klecks 6270 (+200), Kuno 5880 (+110), Krischan 5810 (+90), Kathi 5680 (+350), Käptn 5620 (+100). Das macht 1240 Gramm und 6118 Gramm im Durchschnitt. 1240 g verteilen sich als 155 g auf jede Knirpsennase. Da stopft man denen morgens einen Eimer Milch mit Hüttenkäse und Eier in den Schlund, mittags 800 Gramm hochenergetisches Welpenmus, nachmittags ein knappes Kilo Fleisch mit Beilagen und abends nochmal 800 Gramm Welpenbrei, und dann extrahieren die daraus nur 155 Gramm pro Nase. Was machen die mit der ganzen teuren Energie? Sind das etwa Prepper, die sich die Hälfte beiseitelegen für schlechte Zeiten? Wenigstens Kathi muss sich vom Chronisten nichts vorwerfen lassen. Gut, dass der Große Hund uns zum Schluss noch eine Kathi geschenkt hat, wer weiß, wie die Statistik mit einem achten Kerl aussehen würde.  

Heute dreht sich aber alles um Papa Kuno, nicht um die unterperformenden Knirpse. Der Papa ist nicht nur gekommen, um seine Kinder zu begutachten (was er dann nachhaltig vermeidet), sondern vorrangig, um sich deren Abnehmern in vorteilhaftem Licht zu präsentieren. Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Baum, und so soll ein Abglanz des schicken Vaters auf die Kinder fallen. Die Sache hat nur einen Haken, den wir Kuno nicht mitteilten: Es sind kaum Abnehmer da, weil die weit verstreut residieren und den langen Weg nicht antreten wollen, um einen Vater zu begutachten, dessen Kinder – zweitens – sowieso schon alle verkauft sind. Ein Rückgaberecht wegen eines, wie seine Kinder, lustlos performenden Vaters ist nicht vereinbart. So bleibt die Hoffnung auf das eine oder andere Bild vom Papa. Das muss reichen. Reicht auch. Die Lücken der ferngebliebenen Kidnapper füllen Freunde, die Kunos Auftritt den angemessenen Rahmen verleihen. Dazu kommt noch Lando und seine Familie, sodass wir nicht vereinsamen und einen sehr geselligen Tag und Abend verbringen.         

 M3A5170 1 250Kampf um ein Stück PansenFür diese Gesellschaft haben wir, wie immer, wenn Besucher kommen, noch ein kleines Spektakel vorbereitet: Es gibt frischen, rohen und ungewaschenen Pansen am Stück.

 M3A5186 1 250Korbi mit seinem Stück PansenDie Knirpse zögern keine Sekunde, greifen sich den Lappen, den wir ihnen reichen oder vor die Nase werfen und stieben auseinander, um sich ihre Beute zu sichern. Klecks verzieht sich wieder ins kunterbunte Tunnel und bleibt dort fast durchgängig unentdeckt. Korbi macht sich hinter der Hundehütte unsichtbar. Die anderen verzehren ihr Stück auf offener Bühne, was die Fotografen glücklich macht, und fallen auch nicht mehr auf Mama und Oma rein. Sie haben unzweifelhaft dazugelernt und senden eindeutige Signale, welche die beiden auch instinktsicher respektieren: Kein Stück wird geklaut. Wenn das der Sinn des Kleptomanenprogramms von neulich war, haben Oma und Mama ganze Arbeit geleistet. 

 M3A5192 1 250Käptn umlagert, aber mit strategisch günstiger PositionEiner liefert jedoch wieder die Show, die man erhofft, wenn Publikum unterhalten werden soll: Käptn. Er mag ja ein Napfträumer sein und sich den Brei vor der Nase wegschlabbern lassen, aber wenn es ernst wird, ist er hellwach und zielstrebig. Käptn versteckt sich nicht und speist nur augenscheinlich auf offener Bühne wie die anderen. Er sucht sich den für ihn und das Publikum perfekten Platz. Der Po vom Zelt abgesichert, die rechte Flanke an den Welpenzaun geschmiegt, hat er alles im Blick und im Griff und kann nicht hinterrücks überrascht werden. Das ganze Feld liegt offen vor ihm, und so tut er sich in aller Ruhe gütlich. Das geht so lange gut, bis die anderen ihren Pansenlappen zerwirkt und verarbeitet haben und aufmerksam werden, dass da noch einer Manna hat. Und jetzt nimmt sie Show erst richtig Fahrt auf. Das neidische Pack bedrängt seinen Bruder, kläfft, keift, fährt Scheinattacken und versucht, ihn zu umtanzen und einzukreisen. Aber da gibt es nichts einzukreisen, Käptns Rückseite ist unzugänglich und seine Vorderseite ist in gewisser Weise auch unzugänglich, weil er sich zu wehren weiß; er hat alle Triumphe auf seiner Seite. Wenn ein Konkurrent zu nahe kommt, fährt er kurz hoch, klärt die Umstände mannhaft und speist demonstrativ cool weiter, weil der Kollege die Ansage verstanden hat: Mit Käptn ist jetzt nicht gut Pansen essen. Erst als er genug hat, verlässt er seinen Platz und lässt den Rest des Pansens liegen. Den greift sich der eigentlich pappsatte Klecks. Und der fackelt nicht lange, hält sich auch nicht mit Kauen auf, wie wir das von ihm schon kennen, und schluckt den ganzen, nicht gerade kleinen Rest weg. Die äußerst amüsierten, aber auch beeindruckten Zuschauer bemühen für ihn eine Alliteration, wie sie in der Billigpresse gerne bemüht wird: Klecks kaut kaum. Das ist zwar bemüht affektiert, trifft aber den Sachverhalt.

 M3A5184 1 250Koschi hat die Technik rausPansen ist sehr gesund, und augenscheinlich hat die Natur Hunde schon im Welpenalter darauf vorbereitet, mit diesem Superfood klarzukommen. Die brauchen keine Anleitung der Mama oder einen VHS-Kurs, um zu wissen, was ihnen guttut und wie sie damit zurechtkommen. Es ist einfach erstaunlich, mit welcher Souveränität sie diesen Gummilappen aufarbeiten, wie sie ihn zwischen den Pfoten festhalten, an ihm zerren und dehnen wie einen Kaugummi und Stücke mit den Reißzähnen abscheren. Es kommt uns immer wieder vor, als täten sie das nicht zum ersten Mal. Aber wer hätte ihnen schon heimlich nachts eine Ladung Pansen in die Küche werfen sollen? Wir sind nun schon das im elften Anlauf von dieser Show begeistert und können es immer noch kaum glauben, wie die damit umgehen.

Kaum glauben können wir auch, dass Hedda nach dem Spaziergang in den Garten stürmt und ihre Welpen säugen möchte. Da kann doch nichts mehr fließen… Und welch ein Tohuwabohu an ihrem Bauch, der kaum noch Platz für drei oder vier bietet. Zum Glück sind die Zurückgestoßenen so brachial, dass Hedda ihren Irrtum schnell einsieht und das Weite sucht. Dennoch: Was geht in dieser Hündin vor? In der achten Woche!

Still und dennoch vergnügt beschließen wir alle einen herrlichen Tag unter Sonne, Wolken und Wind. Als wir die Knirpse gegen 20:30 Uhr ins Haus holen, waren sie einen ganzen, ereignisreichen Tag in ihrem Paradiesgarten unterwegs und sind nun hin und kaputt.

1M3A5225 1 250Kuno total erschöpft nach dem TagHoffentlich so hin und kaputt, dass sie nicht wieder um 3 Uhr zur Morgenandacht bitten.

 

Sonntag, 12. März 2023

Es ist ein Sonntag, an dem man eigentlich nicht mehr vorhat, als zu erledigen ist. Kuno reist wieder in seine Pfalz, wir wickeln ab, was jeden Tag abzuwickeln ist und freuen uns auf einen entspannten Tag des Herrn. Und da passt es einfach nicht, wenn es am 12. März morgens um 6 Uhr bei -0,5 °C schwermütig bedeckt ist und feiner Schnee ins Paradies zuckert. Wenn es dabei wenigstens bliebe, nein, im Laufe des Vormittags fällt Pappschnee aus allen Wolken (und der Chronist auch; wir erinnern uns wieder einmal: 8.-17.: sehr kalt, obwohl kein Schnee liegt). Und am frühen Nachmittag regnet es dann auch noch. Erst später am Nachmittag zeigt sich die Sonne zwischen den Wolken und liefert uns 8 °C. Immerhin wenigstens ein einigermaßen versöhnlicher Tagesabschluss.

1M3A5233 1 250Schlafwache vor der Terassentür - drinnen sein ist irgendwie doof  Morgens, als der Schnee noch aus den Wolken zuckert, aber noch nicht liegenbleibt, entsorgen wir in der Küche dagegen einiges, was über Nacht liegenblieb. Immerhin sind all die Liegenbleibsel fest und proper. Stinken tun sie aber trotzdem, wie einem an einem solchen Tag das Wetter stinkt.

Gestern haben wir uns über das Gerangel auf der Waage ein wenig mokiert und es als kaum morgenfüllend, geschweige denn abendfüllend abgemeiert, und dann geht das heute gerade so weiter. An der Knirpsenspitze geht’s zu wie beim Kampf um die Kanzlerkandidatur: Lautete die Rennliste gestern noch Kini, Korbi, Koschi, melden wir heute Koschi, Korbi, Kini. Das wäre für sich, wie erwähnt, keine Schlagzeile wert. Ein Hingucker ist dagegen der Wahnsinnsschub, den sie gestern gemeinschaftlich ins Werk gesetzt haben: 2850 Gramm ist legendär. Ob es an den Pansenhappen liegt oder doch den vielen kleinen Gratifikationen unserer Besucher zuzuschreiben ist? Käptn hat jedenfalls eine mächtige Pansenbrise genutzt, um wieder an Kathi vorbeizuziehen. Mit dem heutigen Tag sind alle Burschen über sechs Kilo und somit zur Abgabe bereit. Nur Kathi muss noch ein bisschen nachsitzen. Dann wollen wir doch mal sehen, auf welchen Rippen sich die 2850 Gramm wie verteilen:

Koschi 6950 (+450), Korbi 6940 (+400), Kini 6890 (+240), Klecks 6650 (+380), Kuno 6370 (+490), Krischan 6110 (+300), Käptn 6020 (+400), Kathi 5870 (+190). Das Durchschnittsgewicht ist auf 6475 Gramm angewachsen.   

Ein wenig Sorgen machen wir uns um Hedda. Schon wieder bat sie morgens ihre Kinder im Garten zur Brust. Das, so lehrt die Erfahrung, täte sie nicht, wenn sie keine Milch mehr hätte. Folgerichtig beschäftigen wir uns mit der bangen Frage, ob wir sie eventuell ab nächsten Samstag abpumpen müssen. Mal sehen, ein paar Tage bleiben noch bis dahin.

 M3A5308 1 250Käptn ganz schick mit neuem rotem HalsbandHeute haben wir noch Besuch von Welpenkäufern mit drei Kindern. Das ist die ideale Gelegenheit, den Knirpsen erstmals Halsbänder umzulegen. Da ist was los, da ist man abgelenkt, da wird man auf den Schoß genommen und durchgekrault, ein paar Goodies fallen auch ab und herab – und eh sich der Knirps versieht, hat er ein Halsband um. Alle bekommen ein Bändchen in ihrer Farbmarkierung, und so haben wir dann zwei rote Halsbänder herumwuseln. Gut dass Käptn und Kathi kaum zu verwechseln sind. Das wäre sogar dem Assi peinlich. Der Zeitpunkt erweist sich tatsächlich als perfekt, weil alle kaum etwas von dieser kleinen Zumutung mitbekommen, nur Korbi, der Großchecker, sitzt kurz im Transit und kratzt sich ein bisschen, was aber eher ein Akt der Verlegenheit ist.       

Nachts nehmen wir ihnen die Bändchen wieder ab, nicht dass sich noch einer beim Versuch den Transit zu übersteigen, erhängt.

Gute Nacht, Freunde ...

 

Montag, 13. März 2023

Die letzte Woche bricht an, und uns wird ganz flau im Magen und schwer im Herzen. Die Knirpse haben uns bisher nicht nur mit schierem Glück überschüttet – aber wer lacht schon acht Wochen am Stück?

Am wenigsten sicher die Sonne, die uns jedoch heute Nachmittag einen Lachmittag bereitet. Und 15 °C fühlen sich wie acht Wochen Knirpsenglück an.    

Doch was ist denn Knirpsenglück? Wenn Hedda schon wieder morgens die Bar öffnet? Sicher ist es kein Knirpsenglück, wenn man zu spät aufsteht und viel Bodenbelag in der Küche vorfindet, davon etwa die Hälfte in schwer fassbarer Konsistenz. Für das späte Aufstehen sind die Knirpse nicht verantwortlich, aber für die Sauerei. Und die nehmen wir ihnen schon ein bisschen krumm, weil sie unsere Sehnsucht nach dem perfekten Glück der Abschiedswoche gleich zu deren Beginn zunichtemacht.

Belustigt sind wir dagegen vom Gezerre der Frontmänner, die tatsächlich ständig die Rangordnung durcheinanderwürfeln. Heute sind sie wieder bei der Reihenfolge von vorgestern: Kini, Korbi, Koschi. Mannhaft den Anschluss hält Klecks, wogegen wir Kuno nun schon langsam zur Nachhut zählen müssen. Am Ende bleibt alles beim alten. Nein, stopp: Jetzt darf auch Kathi ihr Geburtshaus verlassen, sie ist jetzt auch ein Zwölfpfünder. Weiter ist erwähnenswert, dass sich heute die Zahlen, wenn man Kini ausklammert, wieder normalisiert haben: 1990 Gramm Zugewinn ist standesgemäß (Durchschnitt: 6723 Gramm).

Kini 7350 (+460), Korbi 7150 (+210), Koschi 7110 (+160), Klecks 6970 (+320), Kuno 6650 (+280), Krischan 6400 (+290), Käptn 6130 (+110), Kathi 6030 (+160).

460 Gramm für Kini sind schon irgendwie maßlos. Was uns und vielen Besuchern andererseits immer wieder auffällt, ist, dass sich Kini, Klecks und Koschi auch so schwer tragen, wenn man sie auf den Arm nimmt, Korbi fühlt sich dagegen viel leichter, luftiger und eleganter an. Und er sieht auch nicht so mächtig aus, wie es die Waage behauptet. Das hat mit der Fellstruktur zu tun. Die einen sind richtige Wuschelbären und Korbi trägt die Haare anliegend. Man sieht, die Außenwirkung lässt sich vom Outlook nicht trennen.  

Apropos Outlook: Heute ist ein Tag wie geschaffen für einen „Outlook“ der Knirpse ins schöne Mangfalltal, sprich: einen Spaziergang. Bis auf 15 °C shuffelt sich das Thermometer dem Hundertjährigen zum Trotz hoch, doch leider lassen das die Verhältnisse nicht zu: Die Zwerge und ihr Schneewittchen haben heute um 14 Uhr einen Termin beim Tierarzt. Vorher schaffen wir das nicht und nachher haben sie genug zu verarbeiten, um ihnen noch etwas Neues zuzumuten.

Der Doppelsitz in der zweiten Reihe des Caddyllac wird umgelegt, der Einzelsitz wird von der Zuchtmeisterin belegt. Die gewonnene Freifläche bekommt eine bequeme VetBed-Polsterung, und dann werden die acht in das Mobil gebracht. Dort ist es schön kuschelig, und es kann losgehen: Die erste Ausfahrt, die allerdings kaum fünf Minuten dauert, weil die Praxis gleich im Nachbarort ist. Kaum ein Ton ist zu hören, alle sind locker und gefasst. An der Praxis werden alle wieder ausgepackt, vom stöhnenden und strahlenden Personal ins Wartezimmer gebracht, wo sie sich schamlos ausbreiten, schamlos, weil sich Klecks, der an heraufziehendem Durchfall leidet und ein Unbekannter gleich mal ins Sprechzimmer entleeren. Das schafft eine dicke Luft, die sich jedoch nicht auf die Stimmung, nur auf die olfaktorischen Rezeptoren legt.

1M3A5284 1 250Nun 1M3A5261 1 250Korbi wird durchgechecktwird im Akkord Blut abgenommen, geimpft, gechippt und ein erster Puppy-TÜV abgenommen. Die Knirpse sind alle kerngesund. Und sie sind duldsam. Was haben wir bei dieser Übung schon erlebt! Welpen, die minutenlang Mordio plärrten, bis ihnen das Blut in den Augen gerann, Kampfbubis, die sich unters Mobiliar verkrochen und so martialisch darunter hervorkeiften, dass sich das Praxispersonal nicht traute, den Frischling hervorzuholen; wozu gibt es denn einen Assi. Manches was sich da abspielte, hätte auch einem antiken Drama gut zu Gesicht gestanden. Doch die sieben Zwerge und ihr Schneewittchen lassen sich nicht aus ihrer Gelassenheit locken, dafür aber gern mit Leckerlis bestechen. Manche bedienen sich gleich selbst aus dem bereitgestellten Leckerlieimer. Nur gelegentlich simmert leises Wimmern und Jammern auf. Ist ja auch schaurig, diese Welt. Während die einen verhalten klagen, die anderen es auf dem Behandlungstisch leichtnehmen, erleichtern sich wieder anderen auf dem Boden (mal abwarten, was das Fernsehen, das auch mit dabei ist, davon einarbeitet). Kurz: Die Knirpse verhalten sich fast alle so, als ob wir ihnen vorher Valium gegeben hätten.

Mit einer Ausnahme: Kathi, die Amazone. Früher mussten wir einräumen, dass immer die Kerls auf dem Tisch ein Nahtoderlebnis hatten, die Mädels dagegen eher gelassen mit den kleinen Pieksern umgingen. Das hat sich offenbar in der Me-Too-Welt verändert, die auch vor kleinen Hunden nicht haltmacht. Kathi kämpft um ihre Beinvene wie andere um ihre Jungfräulichkeit, will auch keine elektronische Fußfessel in Form eines reiskorngroßen Transponders in ihrem Hals. Das Schneewittchen windet sich hyperventilierend in den Armen übergriffiger Mannweiber. Es nützt alles nichts: Sie wird entehrt und geschändet, und das schändlichste daran ist, dass ihre sieben Zwerge ihr nicht einmal zu Hilfe eilen, sondern an ihren bunten Verbänden lutschen.

Wenn das nun alles gewesen wäre! Aber nein: Als wir die acht im Paradies einsammelten, waren alle, bis auf Kuno, voller winziger Zecken und Nymphen, vor allem an den Bäuchen und in den Ohren. Irgendwo unter unseren Sträuchern und Hecken, wo sie sich verstecken, gibt es ein Nest voller Zecken. Schon während der Anfahrt, hat sich die Zeckmeisterin an ihnen zu schaffen gemacht, aber nun kommt beim Tierarzt zum Standardprogramm noch ein Zeckenprogramm, das Kathis Leid noch verlängert. Hedda kümmert sich sofort um ihr leidendes Mädchen und bietet ihr einen Brustnuckel zu Beruhigung an, wie sie es ihren leise und sehr zurückhaltend klagenden Buben auch angeboten hatte, aber die Brust ist inzwischen so trocken wie das Wadi Tarfaui. No merci…    

Und plötzlich haben wir wieder partiellen Durchfall, Klecksens Peinlichkeit in der Praxis war demnach kein Versehen: Klecks kleckert richtig. Aber auch andere kleckern wieder herum, nur sagen sie es uns vorher nicht an, weshalb wir immer nur das Produkt, nicht aber den Erzeuger kennen.

Gegen den Durchfall reichen wir nachmittags wieder Blättermagen, der sollte die Darmflora ins Reine bringen. Allerdings macht Kathi abends gar keinen guten Eindruck, liegt träge herum und lässt auch ihr Futter liegen. Solange es die anderen ihr nicht gleichtun, werden wir noch nicht unruhig. Erst wenn Massenlethargie einsetzt, schrillen die Alarmglocken, noch ist es eine Unpässlichkeit, die zum Erwachsenwerden gehört. Bei ihr, so viel steht fest, hat der Blättermagen nicht geholfen.

Lando und seine Leute, die in Bayern ein bisschen Urlaub machen, kommen wieder auf einen Sprung vorbei, wir beschließen aber, weil es heute schön ist und möglicherweise der einzige Tag der Woche ist, der das von sich behaupten kann, die Grillsaison zu eröffnen.

Kathi bekommt nichts von den Lammsteaks, und die anderen auch nicht. Das letzte Mal, als sie Lamm hatten, hatten wir anschließend Schlamm. Vielleicht wäre ein Stück Holzkohle für sie eine gute Alternative.

 

Dienstag, 14. März 2023

Heute sind die Knirpse acht Wochen bei uns um und morgen dürften wir sie abgeben, doch sie dürfen noch ein wenig bleiben, weil die neuen Familien teilweise so weit verstreut sind, dass sich das unter der Woche nur schwer umsetzen lässt.

Für unsere Erben ist das ein unverdientes Glück, denn die Sache mit dem Blättermagen hat nicht so funktioniert, wie wir uns das erhofft hatten. Es sieht recht schlimm aus am frühen Morgen und es riecht nach Kloake, aber – alle Knirpse sind lustig und munter, auch Kathi, die nach dem Fastenabend inniglich den Platinumstäbchen auf der Waage zuspricht.

 M3A5337 1 250und auch Kathi ist wieder fitAber Klein-Kathi kann beim Wiegen gar nicht so viel abgreifen, wie sie gestern verloren hat.  M3A5127 1 250Käptn blödelt wieder herumDas gilt auch für Käptn, die beide massiv Substanz verloren haben und hinter ihr Gewicht von vorgestern zurückgefallen sind. Bei den Zwergen geht das sehr schnell; sie haben einfach nicht genug Substanz, um einen Durchfalltag zu kompensieren. Für die beiden bedeutet das Nachsitzen, denn unter sechs Kilo müssten sie bei uns bleiben, wenn wir sie heute abgeben wollten. Sogar der mächtige Kini hat ein bisschen von seinem Panzer verloren, sieht deswegen aber längst nicht wie ein Fakir aus. Gewichtsverluste sind für uns immer die besten Indikatoren, wer gerade leidet. Bei acht Welpen kann man nicht den ganzen Tag daneben stehen und beobachten, wer sich wie entleert. Spätestens am nächsten Tag kommt die Wahrheit ans Licht. Und so bestätigt sich, was wir gestern gesehen haben, dass Kathi und Käptn am meisten zu leiden hatten, aber auch Kini sich schwertat.

Dann schauen wir mal genau hin, was gestern passiert ist, wer gelitten hat und wer der Flitze eine lange Nase gedreht hat:   

Korbi 7560 (+410), Koschi 7440 (+330), Kini 7340 (-10), Klecks 7240 (+270), Kuno 6910 (+260), Krischan 6630 (+230), Kathi 5700 (-330), Käptn 5700 (-430), das läuft auf sehr bescheidene 730 Gramm Zugewinn hinaus und ein Durchschnittsgewicht von 6815 Gramm.

Doch jetzt geht’s augenscheinlich wieder bergauf. Der Appetit ist morgens und mittags groß, alle sind munter und freuen sich ihres Lebens, obwohl das Regenwetter dazu wenig Anlass gibt. Diese Diagnose gilt auch für Kini, der immer noch dijongelb plattert, aber keine Beeinträchtigung erkennen lässt.

 M3A5319 1 250KiniTrotzdem ist er ständig unterwegs, drückt, möchte etwas loswerden, aber es fallen nur ein paar giftgelbe Tropfen aus ihm. Man kennt das, wenn der Darm in Aufruhr ist. Wir verschaffen ihm etwas Erleichterung, indem er nachmittags keine Fleischdose wie die anderen bekommt, sondern Vegetarisches (Gemüse, Moro, Hüttenkäse). Darüber ist er sichtlich erbost, nimmt es aber in Ermangelung eines besseren Angebots an. Es hilft ja nichts, wir müssen seinen Darm beruhigen. Er wird dann sichtlich ruhiger, legt längere Schlafpausen ein, ohne dauernd ein Örtchen suchen zu müssen. Abends bekommt er wieder Diät, diesmal aber mit ein wenig Hühnchen. Es geht ihm auch sichtlich gut, offenbar kommt sein Darm langsam zur Ruhe.

Heute, am eigentlich letzten Tag des Aufenthalts der Knirpse bei uns, müssen wir erstmals die Flaschen aus dem Flaschenregal in der Küche räumen, weil Krischan, der Tüftler, bei dessen Inspektion fast von einer CO2-Flasche eschlagen worden wäre. So ein Ding ist ganz schön schwer, wenn es da herauspurzelt. Aber noch belassen wir es nur bei den zwei unteren Reihen…

Eine ganz andere Sache ist die mit dem Wetter: Nachmittags setzt kräftiger Regen ein und die Knirpse müssen im Haus bleiben. Daraus folgt deren zunehmend schlechte Laune, anhaltender, vielstimmiger  Protest und ein hygienischer Allgemeinzustand, der eines bürgerlichen Haushalts zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht würdig ist. 

1M3A5327 1 250Wenn es drinnen langweilig wird, dann muss man doch mal die Wäschekiste enternSo gelaunt, schaffen es die kleinen Kannibalen tatsächlich abends noch, diesem Tag ein Highlight zu schenken. Gemeinsam, wer wie beteiligt ist, lässt sich rückblickend nicht mehr auflösen, hebeln die Panzerknackerknirpse das Transittürchen zum Wohnzimmer aus und machen sich zu sechst auf Inspektionsrunde: Korbi, Kathi, Käptn, Krischan, Kuno und Koschi. Die anderen beiden sind nur nicht dabei, weil sie gerade schlafen. Gleich nach ihrer postwendenden und protestbegleiteten Rückführung in den Transit, machen sie sich wieder ans Werk, denn was ein Welpe gelernt hat, vergisst er nicht mehr. Und wenn es etwas Lustbetontes ist, schon zweimal nicht. Tatsächlich klappt das auch wieder, weil es aber ein bisschen dauert, bis der Coup gelingt, sind es nur zwei Grenzverletzer, Korbi und Krischan, weil es den anderen zu langweilig wurde. Die beiden lungern nun vergnügt unterm Esstisch herum. Berichten muss man von dem Vorfall vor allem, weil der Assi, der am Tisch sitzt, von all dem nichts mitbekommt: Völlig entrückt bei der Betrachtung der Galerie der 7. Woche ist er in die virtuelle Welt der Knirpse abgetaucht. Deren reale Welt ist weit weg für ihn. Erst als die Zuchtmeisterin den ungeheuerlichen Vorgang anmahnt und Alarm schlägt, taucht er wieder auf und relokalisiert die Marodeure in den Transit. So ist das: Männer können sich eben in jeder Lebenslage aufs Wesentliche konzentrieren!

Der Tag geht mit diesem Intermezzo einem pfiffigen Ende entgegen. Aber auch unsere Zeit mit dem Knirpsen geht dem Ende entgegen. Bei solchen Gelegenheiten wird uns das besonders bewusst, weil wir sie gerade wegen ihres herz- und riegelbrechenden Charmes ins Herz geschlossen haben.

Doch abschließend müssen wir zugeben, dass es gerade nicht leicht für uns ist. Aber wir merkeln uns durch nach dem Motto: Wir schaffen das (jetzt auch noch).

Und so ward von Mittwoch bis Dienstag die achte Woche.

 

Mittwoch, 15. März 2023

Nachspielzeit

Gestern haben die Knirpse ihren Pflichtaufenthalt bei uns abgeleistet und heute wären sie, wie bereits erwähnt, in allen vorangegangenen Würfen auch abgeholt worden. Doch diese Herzensverzauberer bekommen noch eine verdiente Nachspielzeit bis Samstag. Wir gehen in die Verlängerung.

Und als ob sie uns für die Extrazeit danke sagen wollten, sieht sie Küche morgens aus, wie lange nicht mehr: fünf Häufchen, alle stabil. Und die Knirpse schweben offenbar auf Wolke sieben und klabautern durch ihr Reich. Mit dabei, an vorderster Front: Kini. Na, wer sagt’s denn! Sie sind eben aus edlem Holz geschnitzt, die Knirpse.

Wie gut es ihnen allen geht, zeigt sich dann auf der Waage, so gut, dass wir mehrmals ungläubig eine zweite Messung vornehmen. Was uns staunen macht, ist nicht Korbi, der inzwischen wohl endgültig allen den Rang abläuft, auch wenn ihm das niemand ansieht, sondern die gestern so abgestürzten Kathi und Käptn. Die beiden haben nicht nur ihre Flitze-Depression wettgemacht, sondern sich gleich noch zu einem Allzeithoch aufgeschwungen. Und Kini, der sich so quälen musste, hält sich für diese Umstände mehr als tapfer:

Korbi 7730 (+170), Koschi 7550 (+110), Klecks 7510 (+270), Kini 7310 (-30), Kuno 7150 (+240), Krischan 6830 (+200), Käptn 6690 (+990), Kathi 6210 (+510). Die 2460 Gramm Aufwuchs gehen zu weit mehr als die Hälfte aufs Konto von Käptn und Kathi. Das Durchschnittsgewicht erfährt damit auch einen kräftigen Aufschwung: 7122 Gramm.  

Nach dem Wiegen fährt der Morgen dort fort, wo der gestrige Abend aufhörte, bei Mistwetter, heute zur Abwechslung Schnee, und übermotivierte Knastkinder. Denn ganzen Morgen toben sie wie Kobolde durchs Haus, veranstalten ein Heidenspektakel, brauchen offenbar keinen Schlaf mehr und haben nichts als Murks im Kopf.

 M3A5344 1 250Klettermaxe KoschiWährend wir unter diesen Umständen unser Frühstück genießen und, wie sich das in einer Bildungsbürgerfamilie gehört, unsere Zeitungen lesen, tut es plötzlich einen mächtigen Plopp – und Koschi liegt bei uns im Zimmer. Mit einem kraftvollen Zug hat er sich aufs Transitgitter (60 cm) gehebelt und auf er anderen Seite hinunterplumpsen lassen. Er hat den gestrigen Erfolg nicht vergessen, und Erfolg macht süchtig, eine Erkenntnis, die sich übrigens sehr gewinnbringend in der Erziehung und Ausbildung aller Hunde einsetzen lässt. Wenn wir ihn jetzt überschwänglich loben und belohnen, würde er wahrscheinlich den ganzen Tag das Transitgitter übersteigen, im schlimmsten Fall bis zum Genickbruch.

Dass Erfolg nicht nur süchtig macht, sondern auch neidisch, beweisen Krischan, Korbi und Klecks, die herzzerreißend plärrend am Gitter hängen und rütteln, wie einst Gerd Schröder an den Toren zum Kanzleramt, es aber im Gegensatz zu ihm und Koschi nicht schaffen, die Hürde zu nehmen: zu kurz, zu schwach und möglicherweise auch zu ungeduldig. Eine Entspannung der Gesamtlage ist unter diesen Umständen nicht zu erwarten. Wir lassen sie zetern und randalieren, es ist eben heute mal Frühstück im Dschungelcamp.    

Aber dann, um 8 Uhr kommt die Sonne heraus und die Knirpse auch, nämlich unverzüglich ins Paradies. Und seltsamerweise verstummen sie dort und legen sich zur Ruhe. So ein Paradies hat schon etwas Magisches. Dort bleiben sie auch die meiste Zeit heute, denn Sonne und Wolken begleiten sie fast den ganzen Tag, nur gelegentlich fällt auch etwas Regen herunter. Solange der nicht vom Wind unter die Terrasse getrieben wird, sind sie draußen gut aufgehoben.

Den Durchfall haben nun auch alle hinter sich gelassen, manche liefern noch etwas weich, aber wegen des Regens und des Schnees, weiß man bei dem, was man auffindet auch nicht, was haus- und was naturgemacht ist. Wir sind jetzt sehr entspannt. Die Knirpse sind voller Lebensfreude- und Kraft, die haut nichts mehr um.

Der beste Beweis für den überwundenen Durchfall ist eine klinisch reine Küche, nachdem sie alle während des Ausgangs von Hedda und Fianna eine Stunde eingesperrt waren: nichts, kein Häufchen, kein Teich, einfach nichts nach über einer Stunde. So wird aus einem runden Tag ein nahezu perfekter Tag. Das gilt auch dann noch, wenn Koschi nach dem Abendmahl schon wieder auf dem Transitgitter hängt und vom Assi gerade noch abgepflückt werden kann.  

So viel Hartnäckigkeit und Hingabe kann im Leben nicht schaden.

 

Donnerstag, 16. März 2023

Nebel füttert das Mangfalltal aus, packt es in frostige Watte von 1 °C. Für unseren Schlussspurt ist das nicht ohne Belang, denn es fehlen noch drei wichtige Wegmarken auf dem Marsch der Knirpse in die Freiheit. Ein Termin ist schon fix: die Wurfabnahme um 11 Uhr. Wegen des Wetters oder anderer querliegender Termine fehlen noch ein gemeinsamer Spaziergang und das Foto-Shooting für die Welpenordner. Für beides sollte das Wetter einigermaßen passen. Und zwar heute, denn morgen ist die Zuchtmeisterin wieder Schulmeisterin, und der Assi kann, bei aller Lebens- und Welpenerfahrung, diese Aufgaben nicht allein stemmen.  

Bevor wir uns jedoch mit dem beschäftigen, was uns der heutige Tag bringen kann und wird, müssen wir fünf Häufen, feste Prachtexemplare ihrer Zunft aus der Küche räumen. Darüber hinaus haben wir keine Klagen vorzubringen; die drei kleinen Teichen müssen ganz en passant weichen. So kann der Tag beginnen, so finden wir das Morgenleben mit unseren Knirpsen schön. Und wenn es immer so wäre, würden wir sie vermutlich nicht hergeben.

Auch die Waage liefert keine nennenswerten Sensationen. Dass Käptn nach dem gestrigen Kilo heute etwas zurücksteckt, ist nicht erstaunlich, und dass in allen noch ein wenig Durchfall-Potential steckt, wundert uns auch nicht. Die Ergebnisse geben über die Instabilen Aufschluss.  

Korbi 8010 (+280), Koschi 7790 (+240), Kini 7630 (+320), Klecks 7590 (+80), Kuno 7200 (+50), Krischan 6920 (+90), Käptn 6730 (+40) und Kathi 6330 (+120). Da bleibt es heute bei 1220 Gramm und einem neuen Gewicht von 7275 Gramm im Schnitt.

Nachdem das und die Morgenroutinen erledigt sind und die Großen ihren Morgenspaziergang hinter sich gebracht haben, sehen wir aus dem Fenster – der Nebel hat sich auf die Anhöhen zu beiden Seiten des Mangfalltals hochgezogen – und uns an: Bingo! Los geht’s: Shooting. Man braucht für ein Foto nicht immer die lachende Sonne im Nacken, Licht genügt.

 M3A5371 1 250KlecksEs  M3A5379 1 250ist 8:45 Uhr, als wir Klecks, den ersten Knirps hinüber zum Damm tragen, für ihn die erste Begegnung mit der Welt außerhalb seines kleinen Paradises. Die Zuchtmeisterin setzt den Kleinen auf die Dammkrone, der Fotofix postiert sich im Graben darunter, um mit ihm auf Augenhöhe anbandeln zu können, und dann kann es losgehen. Tut es aber nicht, weil Klecks heute schlecht geschlafen hat und mental unterpräsent ist. Er kauert sich zusammen, dreht sich weg, zittert und klagt. Ach, du Scheibenkleister! So eine Zitterpappel hatten wir ja noch nie. Die Zuchtmeisterin muss also erst einmal ein paar Entspannungsübungen mit ihm machen, bevor er bereit ist, sich der Kamera zu stellen. Aber dann macht er sich doch locker und spielt mit, allerdings erst, als wir ihm versprechen, ihn nicht bei Insta oder TikTok zu vermarkten. Wir bringen ihn zurück zu seinen Geschwistern und machen uns Gedanken, ob Klecksis Bimmelbammel darauf zurückzuführen ist, dass wir mit den Knirpsen noch nie draußen waren. Ihre Vorgänger waren immer schon ein- oder zweimal unterwegs und hatten kaum bis keine Probleme mit dem Shooting; wenn, dann hatten wir sie, weil sie so flippig waren, dass wir sie kaum abschießen konnten. Das wird sich ja jetzt gleich zeigen.

 M3A5401 1 250KäptnAuftritt  M3A5395 1 250Käptn. Auch er bekommt einen Lift zum Damm (wenn wir sie marschieren lassen, werden wir heute überhaupt nicht mehr fertig, und unsere Zeit ist knapp). Der Capitano herrscht nicht nur über die Weltmeere, sondern auch über den Mangfalldamm. Er hockt sich hin, blickt sich um – wo ist hier Norden, ach dort – und geht erst einmal ein wenig spazieren. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals, nachdem er von der Fotoassistentin (schau, schau: Rollentausch) replatziert wurde. Geduld ist vonnöten, wenn ein Käptn sich orientiert. Aber dann lässt er sich entspannt und sehr gelassen ablichten und stapft munter hinter der Assistentin her nach Hause. Ihm fehlt der unterlassene Spaziergang jedenfalls nicht, der Käptn ist stracks und wohlgelaunt auf Kurs.

 M3A5420 1 250KiniNun  M3A5431 1 250kommt Kini. Hockt sich hin, schaut sich um, geht spazieren und inspizieren, macht sehr gute Miene zum kleinbürgerlichen Schauspiel – wenn es wenigstens die Blaue Grotte wäre, in der er posieren soll, vorzugsweise auf einem Schwan thronend unter aufbrausendem Wagner-Tschingtärä – und trabt abgelichtet und ebenfalls unbeeindruckt hinter der Assistentin her ins Paradies zurück.

 

 

 

 M3A5477 1 250KunoKuno  M3A5464 1 250ist der nächste, und uns beschleicht langsam die Ahnung, dass Klecks der Einzige sein könnte, der heute mit dem linken Fuß aufgestanden ist. Kuno ist jedenfalls auch in dieser Situation aufgeweckt genug, das abzuliefern, was wir von ihm erwartet haben. Er bringt seinen kleinen Po gleich gar nicht auf die Erde, weil die optischen Reize ihm keine Ruhe lassen. Vor allem der rot-weiß gestrichene Sperrpfosten auf dem Damm hat es ihm angetan. Wenn er jetzt nicht das Bein hebt und ihn anpinkelt, liegt das nur daran, dass er die Übung noch nicht beherrscht. Aber irgendwie kriegt die Assistentin auch ihn für die notwendigen Sekunden so positioniert, dass ein paar Bilder herausspringen. Auf dem Heimweg lässt er nichts aus, was in seiner Reichweite ist, um es breitbeinig anzubaggern und abzuspeichern. Der ist kein Kuno, der ist ein Kunikum!  

 M3A5520 1 250KathiTheoretisch  M3A5517 1 250kann es jetzt nur noch schlechter werden, aber Kathi ist dafür nicht das geeignete Modell. Sie steht Kuno in nichts nach, interessiert sich für das rot-weiße Gestänge fast noch mehr als Kuno, zeigt aber kein Markierungsbedürfnis, treibt den in der Hocke eingerasteten Fotofix fast in die Orthopädie, weil ihm sein lahmes Knie schön langsam Endzeitsignale sendet. Halt durch, Fotograf, es fehlen nur noch drei! Den Rückweg bewältigt Kathi ebenso quicklebendig wie Kuno, hat dem jedoch voraus, dass sie noch Bekanntschaft mit Jack, einer französischen Bulldogge, machen darf, was aber bei beiden keine Sensation, noch nicht einmal gesteigertes Interesse hervorruft. Abgang Kathi, Schwänzchen hoch, das kann der pummelige Gallier nämlich nicht. Ätsch.

 M3A5561 1 250KrischanJetzt  M3A5544 1 250kommt Krischan! Der ist stante pede so knurpsig, wie er knirpsig ist und scheint nur aus Schalk zu bestehen. Der Ernst der Lage um des Fotografen Knie ist ihm schnuppe. Er hat nur Müll in der Birne und gibt den Dorfclown. Na warte, Kerlchen! Mit einem Federspiel jagt ihn die Assistentin ein wenig im Kreisel, damit er kurz die Orientierung verliert und drei Sekunden auf seinem Allerwertesten verharrt. Klappt. Close up, shoot out! Krischan im Kasten, Knie im Ar…m. Den Heimweg gestaltet er ebenso zünftig wie seine Vorgänger. Nur noch zwei…

 

 

 M3A5588 1 250KoschiKoschi  M3A5593 1 250hängt beim Anmarsch über den Arm der Assistentin wie Salvador Dalís Uhr am Baum seines Gemäldes Persistance of Memory, man kann auch sagen: Wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Teilnahmslos? Hosenschissig? Oder doch nur tiefenentspannt? Angekommen auf der Bühne ergibt sich eine unentschiedene Mischung aus schissig und wurschtig. Jedenfalls ist er gerade nicht in der Stimmung, die Welt zu erobern und sei es nur der belanglose Mangfalldamm. Da grummelt es schon ein wenig im Magen und es flattern die Hosen. Andererseits ist Koschi auch nicht der Typ, der in drei Sekunden von Null auf Hundert ist. In ihm schlummert die Gewissheit, dass ein langes Leben genug Zeit zur Verfügung stellt, nichts zu verpassen. Aber keine Frage: Ganz geheuer ist ihm diese Aktion nicht. Er kann seine Zweifel nicht verhehlen, versucht sie aber zu überspielen. Solche Models haben den Vorteil, dass man sie sogar mit langen Belichtungszeiten scharf kriegt, wenn sie sich denn überhaupt dazu herablassen, wenigstens einmal einigermaßen freundlich in die Kamera zu blicken. Kaltblüter mit Charme auf Abruf eben.

 M3A5639 1 250KorbiDas  M3A5617 1 250Beste, so ist es allgemein der Brauch, kommt immer zuletzt auf die Bühne: der Top-Akt. Was bei der Qualität der meisten Vorturner nicht leicht zu toppen sein wird. In unserem Fall kann das nur Korbi, der Checker, sein. Na gut: Ein Axl Rose ist er nicht, aber immerhin auch kein Roland Kaiser, eher ein Udo Lindenberg nach einer Flasche Eierlikör. Korbi baumelt zwischen seinen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Wer den Oberchecker kennt, wundert sich über die zumindest anfängliche Unentschlossenheit. Nach einigen Minuten fühlt er sich sichtlich wohl und beginnt, sich, genau wie einige seiner Geschwister, sehr interessiert umzusehen und – eben – zu checken. Jetzt passt das Bild wieder und er ist vollformatig im Bilde. Am Ende der Vorstellung zieht er leise pfeifend davon. Meint er uns, weil er uns hinter die Fichte führte oder ist er tatsächlich eins mit dieser Welt?

Um 10 Uhr haben wir das Schauspiel hinter uns und genehmigen uns ein petit petit-déjeuner.  Aber kaum dass wir déjeunieren, bittet schon die Zuchtwartin zur Wurfabnahme um Einlass. Es geht heute Schlag auf Schlag wie im Taubenschlag.

Allen, die nicht wissen, was bei dieser Gelegenheit mit den Knirpsen angestellt wird, liefern wir hier eine kurze Skizze. Alle anderen können mit dem nächsten Absatz weiterlesen.

Wenn es das Wetter, wie heute, zulässt, sind die Welpen draußen. Dann wird einer ins Haus geholt und in seinem bekannten Revier auf den Boden gesetzt. Das ist die erste kleine Prüfung, weil man sehen will, wie er sich in einer bekannten Umgebung verhält. Wer sich wundert: Es gibt auch Welpen, die unter diese Umständen keinen Mucks machen. Anschließend wird der Welpe von der Zuchtwartin in einen nicht zu großen Raum gebracht, in dem er noch nie war. Neben dem jeweiligen Mobiliar findet er dort einen Karton, eine knisternde Folie, einen Ball und einen Stofflappen. Der Zwerg ist nun mit der Normenkontrolleurin allein, und die beachtet ihn eine komplette Minute nicht, blickt ihn nicht an, tut nichts und bewegt sich nicht. Unheimliche Konstellation! Nach der Minute spricht sie ihn an und motiviert ihn, über die Folie zu marschieren, irgendetwas mit dem Ball zu machen, klopft auf dem Karton herum und versucht, mit dem Lappen seinen Beutetrieb zu aktivieren. Der Kandidat soll interessiert sein, soll sich alles möglichst unbeeindruckt anschauen, den Ball bespielen und den Lappen packen, idealerweise nicht mehr herausgeben und wegtragen. Nach dieser Prüfung wird er wieder zurückgebracht, von wo er kam, und optisch in Augenschein genommen: Haarkleid, Farbe, Zahninspektion, bei Rüden Hodeninspektion, Ruten- und Ohrenkontrolle. All das soll er dulden, am besten freundlich sein, die Zuchtwartin nicht beißen, eher küssen und eben keine Probleme machen. Nach dieser Erscheinungsbildkontrolle wird er wieder auf den Boden gesetzt und überprüft, wie er sich nach all den Zumutungen fühlt, ob er gelassen und heiter seiner Wege geht und der Zuchtwartin für ihre Bemühungen dankt oder ob er wie ein Häuflein Elend herumkauert und nach einem Kriseninterventionsteam verlangt. Da gibt es einige, die mit all der Aufmerksamkeit um ihre Person nicht klarkommen. Solche gab und gibt es beim Blues nicht!

1M3A5677 1 250Das Kleckschen von Klecks wird vermessenMit der Erscheinungsbildkontrolle halten wir uns nicht lange auf: Dem Blues ist noch nie ein optisch so gelungener Wurf geraten. Danke an Hedda und vor allem an Papa Kuno. Ohren und Ruten sind alle ohne Beanstandung, ebenso die Zähnchen (so viel man in diesem Alter sehen kann). Das Haarkleid ist bei allen tiefschwarz, die Unregelmäßigkeiten in der Zeichnung unerheblich, außer bei Klecks, der nicht umsonst diesen Namen trägt. Dessen weißer Brustfleck muss weiterhin beobachtet werden, aber nach derzeitigem Augenschein wird auch er deswegen keinen Zuchtausschluss bekommen. Die Augen sind auch dunkel, die Markenfarbe bei allen, wie man sie sich wünscht, die Körper mittelkräftig oder kräftig. Genug der Lobhudelei: Die Knirpse sind den beiden Turteltauben in pfälzischer Nacht prima gelungen.

Spannend ist für alle Beteiligten der Wesenstest im Séparée. Den Anfang macht der kleine Käptn – und der legt die Latte so hoch, dass sich alle danach strecken müssen. Er ist jederzeit aktiv und neugierig, beschäftigt sich mit allem selbständig, braucht also auch keine Motivation, geht sofort aufs Beutespiel ein und schleppt den Lappen ab. Seins! Während der optischen Kontrolle bleibt er durchgehend freundlich, aktiv und neugierig, ist anschließend sofort wieder aktiv und hat, wer hätte es gedacht, ein lebhaftes Temperament. So wünscht sich das ein Züchter. Und so sollen, bitteschön, alle performen. Wir nennen das linksbündig performant.

Nach Klecksis Vorstellung während des morgendlichen Shootings sind wir natürlich gespannt wie ein Flitzebogen, was er auf dieser Bühne bietet. Machen wir es kurz: Klecks ist Klecks. Wenn er keine Lust hat, hat er keine Lust und lässt sich auch nicht belustigen oder vorführen. Im Schnelldurchgang bedeutet das, Klecks nimmt zwar schnell und unproblematisch Kontakt mit der Zuchtwartin auf, schaltet dann aber im Séparée auf superstur: er zeigt keinerlei Aktivität, untersucht nichts, lässt sich auch zu nichts motivieren und spielt nicht. Klecks steht und sturt. Bei der optischen Kontrolle ist er wieder superfreundlich und gelassen, ist auch anschließend keineswegs beeindruckt, sondern sofort wieder unterwegs und aktiv. Für diese Vorstellung bekommt er ein ruhiges Temperament attestiert, der Chronist hätte ihm ein „lethargisch“, lieber noch ein infames und geschäftsschädigendes Verhalten ins Stammbuch geschrieben. Sack!

Die anderen halten es anschließend mit Käptn und laufen zu großer Form auf, liefern praktisch das gleiche linksbündige Ergebnis, nur Kini lässt es etwas ruhiger angehen, aber immer noch meilenweit davon entfernt, als Streichergebnis in die Annalen einzugehen. Kini ist wirklich ein etwas betulicher Typ, der trotzdem alles tut, nur eben nicht so auf Zuruf. Es muss ja nicht gleich heute sein, morgen tut’s auch noch.

Eine Sonderheit muss für diese Wurfabnahme noch zu Protokoll gegeben werden, die nicht im Prüfbogen vorgesehen ist: Zeckenkontrolle. Seit Montag vergreifen sich diese Biester an unseren Knirpsen, und zwar gleich im Dutzend und mehr. Unter unseren Sträuchern müssen einige Nester sein, und wir können den Kleinen nicht verbieten, dort zu tollen. Also steht täglich Zeckenrazzia auf dem Programm. So auch jetzt neben der Erscheinungsbildkontrolle: Wenn man die Knirpse schon von oben bis unten abfummelt, kann die Normenkontrolleurin auch gleich das Notwendige mit dem Nützlichen verbinden. Selbstverständlich mit unserer Unterstützung. Nach der Wurfabnahme ist unser Spiritusgläschen gestopft voll mit diesen Quälgeistern. Und auch dieses tun wir nur zum Wohle unserer Welpenkäufer, weil sich die Zwerge schon vor ihrer Abreise gelassen von oben bis unten abfingern und -zupfen lassen. Wer bekommt schon so einen Mehrwert ohne Aufpreis?   

So eine Prüfung dauert schnell mal zwei Stunden, dann lassen wir uns gemütlich bei Kaffee und Kuchen nieder und freuen uns mit der Zuchtwartin über einen wirklich sehr gelungenen Wurf.

Nun könnte der Tag für die Knirpse eigentlich zu aller Zufriedenheit gelaufen sein, aber wir wollen jetzt den Deckel drauf machen, damit alles erledigt ist, was erledigt sein sollte: Spaziergang!

Um kurz nach 15 Uhr packen wir die Knirpse in den Caddyllac. Das geschieht ohne Tamtam, weil sie schon auf er Fahrt zur Tierärztin alles stoisch bewältigt haben. Warum sollten sie jetzt Panik machen? Es ist eigentlich das ideale Wetter, Sonne und Wolken und gerade mal 8 °C, damit niemand überhitzt, weder im Auto noch in der gleißenden Feldflur des Mangfalltals. Die Fahrt dauert auch kaum fünf Minuten. Kaum dass sie sich in den VetBeds eingerichtet haben, müssen sie schon wieder raus. Und wie sie das tun. Einer nach dem oder der anderen kugelt vor lauter Neugier heraus, dass wir gar nicht nachkommen, sie schonend herauszuheben. Was soll’s? Ein Cadyllac ist kein LKW. Wenn sie das nicht aushalten, geben wir sie wieder zurück.

1M3A5761 1 250FreigangUnd  M3A5779 1 250nun geht’s los, immer hinter der Mama und der Oma her, den Übergang über einen Bach nehmen die meisten kaum wahr, so beschäftigt sind sie. Jetzt liegt ein weites Feld vor ihnen, auf dem sie sich wie Mama und Oma austoben können. Die beiden dürfen nämlich ihre Bälle jagen, was sie mit Leidenschaft tun, vielleicht auch, um den Knirpsen zu zeigen, was ein echter Hovawart ist. Koschi und Krischan nehmen das Angebot gerne an und zerren gemeinsam mit der Mama um deren Ball. Ebenfalls als gute Hovawarte erweisen sich Korbi, Kini und Kathi, die sich gleich beim ersten Ausgang bis zu den Schultern in Mäuselöcher buddeln. Krischan ist auch an dieser Übung eifrig beteiligt. Und was macht eigentlich Klecks, der Unmotivierte? Er ist frisch, fromm, fröhlich mit dabei, lässt nichts anbrennen und wirkt keinesfalls beeindruckt von dieser viel weiteren Welt als die am Mangfalldamm und im Séparée. Klecks ist einfach ein liebenswerter Bär, der offenbar in einer Phase steckt, in der er sein Rudel braucht, um sich ausleben zu können. Hier hat er sein Maximum an Rudel. Das macht ihn glücklich und lässt ihn vor Lebensfreude strotzen, obwohl ihn niemand an die Hand nimmt und über die Wiese und den Bach führt. Vielleicht ist er ja sogar seinen Geschwistern um einiges voraus und steckt schon fast in der Pubertät, in der man bekanntlich auch nur Grütze im Hirn hat.

Nach eine knappen halben Stunde rumpelt der Güllebaron daher, wild entschlossen, seine Rinderbrühe ausgerechnet auf der Knirpsenwiese zu verteilen. Also machen wir Schluss, eine halbe Stunde ist mehr als genug fürs erste Mal. Zuhause angekommen, ist es still im Paradies und still im Haus. Die acht haben sich komplett abgemeldet. Es war auch ein toller Tag mit endlos viel Ereignissen, an denen entlang sie noch lange träumen können.

 

Freitag, 17. März 2023

Es ist 5 Uhr, und schon wieder hat es nur -1,5 °C. Wenigstens ist kein Wölkchen am Himmel. Insofern hat der Hundertjährige, sehr zum Verdruss des Chronisten, zum Ende der Aufzeichnung doch noch rechtbehalten (8.-17.: sehr kalt, obwohl kein Schnee liegt). Andererseits: Ist eineinhalb Grad unter Null sehr kalt? Der Chronist denkt in diesen Dingen großzügiger.

Unstrittig sind die drei Morgengaben unserer Knirpse in der Küche; die Engelchen meinen es zum Ende hin richtig gut mit uns.

Man kommt nun nicht mehr umhin, dem nahen Ende ins Auge zu blicken: Der letzte Tag mit den Knirpsen bricht an, und der macht den Eindruck, als ob er ein strahlender werden wollte. Immerhin. Und trotzdem geht es uns nicht gut.

Den Kindern geht es dafür überwiegend sehr gut, auch wenn der Durchfall in Gänze noch nicht besiegt ist. Wir finden immer wieder mal Breiiges, allerdings nicht wirklich Flüssiges.

Der Waagereport dieses Morgens belegt auch, dass die Indisponiertheit immer noch ihre Wirkung zeigt. Erstaunlich ist Korbis Ergebnis, der 20 Gramm verliert, obwohl er weder durchfiel noch an Appetitlosigkeit litt. Wir wollen nicht ausschließen, dass die 8010 Gramm von gestern einer frühmorgendlichen Fehlsichtigkeit der Wägmeisterin zuzurechnen sind, was für ihn jedoch bedeutet, dass er das Privileg, als einziger über acht Kilo zu haben, möglicherweise zu Unrecht beanspruchte. Anders sieht es bei Krischan aus, der in der Tat mit seinem Darm im Unreinen war, und auch Kuno und Koschi waren erst auf dem Weg der Stabilisierung. So summieren am Ende eben nicht mehr als 1100 Gramm für alle zusammen (Durchschnitt: 7412). Im Detail ergibt sich folgendes Bild:

Korbi 7990 (-20), Klecks 7950 (+360), Kini 7900 (+270), Koschi 7870 (+80), Kuno 7270 (+70), Krischan 6900 (-20), Käptn 6850 (+120) und Kathi 6570 (+240).

Im allgemeinen geht man davon aus, dass am letzten Tag alles gesagt und getan ist, auch im Innenverhältnis von Mutter und Kindern. Die Kinder sind reisefertig, und dafür hat sich die Mama acht Wochen ins Zeug gelegt, gelitten und ihre Bedürfnisse hintangestellt. Was hätte sie ihnen jetzt noch Neues zu bieten? Hedda wäre nicht Hedda, wenn sie nicht noch ein kleines Glanzlicht im Repertoire hätte. Als ob ihr einfiele, das sie ihren Kindern noch nicht vorgewürgt hat, holt sie das heute nach. Wir haben darüber schon gesprochen, dass Hündinnen vorverdaute Speise den Welpen vorwürgen, um den Übergang vom Säugen zur Aufnahme fester Nahrung zu gestalten. Die Knirpse verarbeiten schon lange feste Nahrung, haben sogar mit Gummipansen kein Problem, aber Hedda meint wohl, dass das Vorwürgen zum Pflichtprogramm einer guten Mutter gehört. Vielleicht hat sie ein schlechtes Gewissen, weil sie nun endgültig keine Milch mehr liefert und auch diesbezügliche Zudringlichkeiten konsequent abwehrt. Folgerichtig versuchen es die Kleinen damit, ihre Lefzen zu triggern – und haben Erfolg damit: Hedda würgt ihnen ihr Frühstück aus. Nun haben sie zweimal und die Mama keinmal. Wir gleichen das aus, kann ja nicht sein, dass der Hungerhaken hungern muss.  

An einem Tag wie diesem ist darüber hinaus nicht mehr viel los. Die Zuchtmeisterin hat sich eine prächtige Erkältung geholt und den Schülern und sich freigegeben, schnieft und krächzt herum, trinkt Tee und genießt dennoch oder gerade deswegen den letzten Tag mit ihren Kindern.

 M3A5971 1 250Käptn und KoschiDie  M3A6053 1 250Korbi und Kunosind den ganzen, schönen Tag draußen, die Temperaturen steigen auf 15 °C (ätsch, Hunni!), turnen über ihre Gerätschaften, jagen und bespielen sich, bis sie erschöpft zusammenklappen und schlafen. Das geschieht inzwischen einzeln, irgendwo im Garten verstreut, jeder auf seinem Lieblingsplatz. Kuscheln im Bett muss nicht mehr sein. Die Knirpse zeigen uns eindeutig, dass sie täglich selbstständiger werden und es höchste Zeit wird, sie rauszuschmeißen. Jeder arbeitet daran, seine Persönlichkeit zu entwickeln und sein eigener kleiner Kosmos zu werden. Der Kinderstube sind sie längst entwachsen, auch wenn sie noch richtige Kindsköpfe sind. Spätestens wenn sie ihr Paradies nach dem Schlaf wieder auf links drehen, besteht daran kein Zweifel mehr. Doch das alles ist nicht genug, die Seiten der Knirpsenchronik mit Neuem und Spannendem zu füllen.

Neu und irgendwie spannend ist für die Zwerge, dass wir ihnen heute noch einen Futterball spendieren, so einen, der ein Loch hat, aus dem Futter fällt, wenn er gerollt wird. Nicht nur Hedda hat immer noch eine Überraschung parat; da lassen wir uns nicht lumpen. Der Ball findet sofort großen Anklang, doch der Großchecker ist wieder einmal Korbi, der abräumt, bis die Plauze platzt. Gleich nach ihm macht sich Kathi einen Namen, zeigt aber vor allem, dass sie das System verstanden hat, ohne dass sie sich abfüllt.

Die Vögel zwitschern uns eins an unserem letzten Tag, die Sonne lacht und schnell schauen noch zwei Nachbarskinder vorbei, die Abschied nehmen wollen. Mittags servieren wir heute gekochten Seelachs, was wir wegen der Durchfälle aufgeschoben haben, um den Verdauungsapparat nicht vor eine zusätzliche Herausforderung zu stellen. Jetzt sollte das klappen, auch wenn noch immer nicht alle stabil sind. Dafür liefern wir ihnen noch etwas Möhrensuppe dazu und ein Löffelchen Bactisel. Wir machen uns keine Illusionen: Der Durchfall wird erst in den neuen Heimen verschwinden, zumal wir nicht überblicken können, was die Herrschaften außer unserem Speiseplan sonst noch alles in ihrem Paradies ausgraben und verarbeiten. Auch in dieser Hinsicht ist es Zeit, dass sie ausziehen.

Damit wir nicht vor lauter Sonnen- und Knirpsenglück in Rührung vergehen, hat die Pflicht noch ein wenig Arbeit für uns vorgesehen: Die Welpenordner müssen noch zusammengestellt werden. Vieles ist schon erledigt, aber es bleibt noch zu tun. Wir arbeiten es weg. Es schützt vor Gedanken.

Zum Abschied spendieren wir unseren Knirpsen am sehr späten Nachmittag nochmal einen kräftigen Lappen Gummipansen, den sie jetzt schon sehr routiniert wegputzen: keine Aufregung mehr, keine hektische Suche nach einem geeigneten Versteck. Mutter und Oma schleichen herum und behalten genau im Auge, was geschieht. Und erst wenn ein Pansenstück liegengelassen wird, nehmen sie sich dessen an. So viel Souveränität und Gelassenheit auf allen Seiten…

Und dann ist eigentlich alles vorbei. Kennt ihr das, wenn man todmüde ist und nicht ins Bett will, um den nächsten Tag nicht zuzulassen?

Post knirpsem omne bluesius triste est…

 

Samstag, 18. März 2023

Der Tag des Abschieds beginnt völlig unsentimental um 4 Uhr. Die Knirpse machen Party in der Küche. Gestern den ganzen Tag im Freien und aktiv, waren sie früh müde und schliefen auch früh. Jetzt sind sie wach, sehr wach.

Die Begrüßung in der Küche ist stürmisch und unerfreulich: Durchfall allüberall und ein siecher Korbi, der nichts frisst und herumhängt. Gut, dass er erst morgen abreist. Die anderen sind dagegen bei bester Laune. Wir nicht.

Trotz dieser finalen Unannehmlichkeiten schreiten wir nun zuerst zur Preisverleihung auf der Waage. Die Abschlussgewichte stehen nun felsenfest und gehen so in die Annalen des Bairischen Blues ein.

Wer liebt es nicht, beim Sport einen gewieften Taktiker und Strategiefuchs als ersten im Ziel zu sehen? So einen, der sich immer am Ende der Spitzengruppe aufhält, Kräfte spart, gelegentlich, wenn ihm das Tempo zu langsam wird, kurz nach vorne sprintet und wieder Gas gibt, weil er weiß, dass er im Sprint keine Chance hat. Und wie aus dem Nichts ist er da und als erster im Ziel! Und wer ist dieser Stratege unter den Knirpsen?

Kini ist es.  M3A5991 1 250KiniMeist auf Platz drei oder vier von hinten das Feld kontrolliert, nur selten nach vorne geprescht, das letzte Mal montags, und nun mit 8290 Gramm (+390) alle nass gemacht. Tusch!

 M3A5598 1 250KoschiDen zweiten Platz sichert sich der designierte Throninhaber, der jedoch letztlich zu viel Substanz gelassen hat: Koschi geht mit 8210 Gramm und 340 Gramm plus durchs Ziel. Möglicherweise hat ihm sein Darm den Sieg verpatzt.

 M3A6124 1 250KorbiDer Checker hat sich ein wenig vercheckt: Korbi, der auch schon wie ein künftiger Strahlemann auftrat, bringt es am Ende auf 8130 Gramm und 140 Gramm plus.

Klecks landet  M3A6000 1 250Klecksauf dem vierten Platz, also jenen, den er die meiste Zeit beanspruchte: 8110 Gramm (+160).

 M3A6111 1 250KunoAuch Kuno geht mit dem Platz durchs Ziel, der wie für ihn gemacht schien, als Bindeglied und Vermittler zwischen den Dicken und den Dünnen: Platz 5, 7670 Gramm (+400). Sein Schlussspurt kam eindeutig zu spät.

 M3A6079 1 250KäptnAm Ende ist die Reihenfolge eine Frage der Tagesform. Das bessere Ende hat Käptn mit Platz 6 und 7300 Gramm (+450) für sich.

Krischan hängt  M3A6020 1 250Krischansich auch noch einmal richtig rein, kann aber nur Krischan sein, was im übrigen mehr als genug ist: Platz 7, 7260 Gramm (+360).

 M3A5814 1 250KathiUnd dass Kathi auf die lange Strecke auch mit ihren leichteren Brüdern nicht würde Schritt halten können, war trotz einiger vielversprechender Zwischenspurts nicht zu erwarten. Kathi nimmt 7100 Gramm (+530) mit hinaus in die Welt und ist so elegant, wie es Helena und Aphrodite zusammen nicht waren.

Insgesamt melden wir heute nochmal eine gewaltige Bereicherung von 2770 Gramm. Das finale Durchschnittsgewicht aller Knirpse beträgt 7758 Gramm.     

Ein prächtiger Tag steigt ins Mangfalltal auf, der den Hundertjährigen mit seiner Miesmacherei und es herrscht Wind, Schnee und Regen am 18. endgültig blamiert. Wir hofften, dass der kleine Aufschub der Auslieferung sich positiv auswirken wird und haben recht behalten.    

Der Morgen der Abgabe ist ein Morgen der gedankenlosen Routine. Man nimmt wahr, was man eigentlich nicht wahrnehmen möchte, zum Beispiel ein in der Ecke liegender Korbi, der sein Frühstück verweigert. Alle anderen sind reisebereit, flitzen fröhlich herum, obwohl sie gelegentlich auch noch afterwärts flitzen.

Das Büffet fürs Weißwurstfrühstück wird aufgebaut, die kleinen Geschenke für die Knirpse werden zusammengestellt, die Ordner zugeordnet… und der Morgen fliegt dahin. Ach ja, die Mädels müssen auch noch aus.

Die Knirpse versuchen wieder einmal, Hedda zum Vorwürgen zu animieren, tun das aber, bevor sie gefrühstückt hat, was zum Scheitern verurteilt ist. Nach Spaziergang und Frühstück, lässt sie sich dann noch einmal erweichen und liefert ihnen ein letztes Mal ihr eigenes Frühstück ab.

Schnell nehmen wir uns die Zwerge und ihr Schneewittchen noch einmal vor und kontrollieren sie auf Zecken. Die Ausbeute ist erschreckend hoch, leider jedoch nicht lehrreich, denn sie liegen schon wieder unter dem Gesträuch. Fortan müssen sich andere damit herumschlagen.

1M3A6145 1 250Jetzt heißt es Abschied nehmenKorbi wird auch schon wieder munterer. Noch schnell eine innige Kuschelrunde, ein letztes Mal alle zusammen in den Arm nehmen und dann steht bereits die erste Kidnapperin vor der Tür. Von nun geht es Schlag auf Schlag. Bald ähnelt das Paradies einem Flohmarkt und einem plappernden Theaterfoyer.

 M3A6167 1 250Abschied und Neubeginn - unter dem Motto treffen wir unsDas Büffet wird geplündert, man macht sich bekannt und tauscht sich aus. Die Zuchtmeisterin wird los, was sie an Infos loswerden muss, ist den Tränen nahe und geht zur Tagesordnung über: Papierkram, Unterschriften, Fragen, Antworten, Hinweise, Bitten. Bitteschön…

Und dann gehen die Knirpse, einer nach der anderen, hinaus in die Welt. Krischan verlässt uns bereits um 11:30 Uhr. Eine halbe Stunde später folgen ihm Kini und Koschi. Um halb eins zieht Kathi davon. Klecks macht sich kurz nach halb eins auf den Weg und Käptn folgt ihm gegen 13 Uhr.

Der Rest der Anwesenden lehnt sich ein wenig zurück und entspannt sich. Eine der Anwesenden, so erfährt man, hat heute Geburtstag, und da fällt uns plötzlich ein, dass Klecksis neue Leute eine Sachertorte aus Wien mitbrachten, die im Trubel völlig in Vergessenheit geraten war. Nun gerät sie in Ver-Essenheit und bildet einen köstlichen Rahmen für die kleine Feier.

Kuno und Korbi der nun schon wieder fidel ist, fragen sich, wo ihre Geschwister sind und laufen herum wie Falschgeld. Um 15:30 Uhr zieht dann auch Kuno aus.

Nur Korbi hat noch eine Gnadenfrist oder besser: gewährt sie uns. Er darf noch bleiben. Er muss eine lange Reise nach Ungarn antreten, das wäre heute nicht mehr zu schaffen, außerdem fährt man die Strecke besser sonntags, wenn keine LKW unterwegs sind.

Wir beginnen nun, den ganzen Spielkram abzuräumen, damit sich Mutter und Oma mit dem Abschied leichter tun. Sie wussten schon morgens, was heute gespielt wird, haben sich aber tapfer gehalten. Nur als Krischan als erster ging, haben sie Alarm geschlagen: Da klaut eine unseren Krischi! Danach wussten sie Bescheid und haben sich dem Schicksal ergeben.

Korbi wundert sich zwar, wohin seine Geschwister verschwunden sind, kommt aber schnell damit klar. Um 20 Uhr verkündet die Zuchtmeisterin dem Assi, dass sie jetzt bettlägrig sein will und er Kinderdienst habe. Was sonst? Wer sonst, wenn nicht der Assi?

Der geht mit Korbi hinaus ins verlorene Paradies, damit der tut, was er tun soll. Der tut aber nix, sondern lungert ihm nur um die Füße herum. Na, dann gehen wir eben gemeinsam in Assis Dachstube, schauen ein wenig in die Glotze. Dort will Korbi dann, was er unten sollte, aber nicht wollte und pinkelt dem Assi aufs Parkett, der aber aus langer Erfahrung alles dabei hat, was man für die Welpenhygiene so braucht. Korbi schaut sich um, jammert ein wenig, klettert zum Assi aufs Kanapee, zerknabbert ihm die Finger und die ganze Hand, bis er erschöpft mit zwei der Finger im Mund einschläft. Auch Welpen lieben Schnuller.

Gegen 23 Uhr machen die beiden einen weiteren Versuch, im Garten die notwendigen Geschäfte zu erledigen, doch Korbi legt sich lieber aufs Feldbett zum Schlafen. Nach 20 Minuten ist es dem Assi dann doch endlich zu kalt und er beendet das einseitige Spiel. Schluss für heute.

Neben dem Bett der Zuchtmeisterin steht eine hohe Aufbewahrungsbox, mit dicker Decke bestückt und wartet auf Korbi. Als der Assi das Schlafzimmer noch einmal verlässt, um die letzten Dinge zu regeln, meldet sich Korbi schon im Treppenhaus von der Stiege herab, dass er ihm gerne helfen würde. O Mist, so eine Box ist kein Hindernis für einen acht Wochen alten Checker. Also den kleinen Ausreißer wieder zurück in die Box und Flurtür schließen. Als der Assi endlich fertig ist und ins Schlafzimmer kommt, sitzt Klein-Korbi in seiner Box und strahlt ihn an. Gute Nacht, Mgyar.   

Korbi verlässt uns am Sonntagmorgen um 8:30 Uhr und kommt zwölf Stunden später wohlbehalten und in aufgeräumter Stimmung in seiner neuen Heimat an.   

 

Epilog I

Käptn ist ein  M3A6368 1 250Familie SchillerLeichtgewicht, aber sicher kein Leichtmatrose. Wieviel Substanz in dem knuffigen Kerl steckt, beweist er, indem er als erster nach bereits zehn Tagen die 10er-Sperre der Schnullerbox überwindet. Ob er es seinem Bruder Kini nachmacht oder diesen dazu animiert ist nicht überliefert. Der Vorgang belegt jedoch, dass der Käptn auch ein Eroberer ist, der selbst in längeren Flauten seine nahezu immer gute Laune nicht verliert. Neugierde und Abenteuerlust verwachsen sich im Laufe der Wochen in einen unstillbaren Spieltrieb. Wo gespielt und gezockt wird, ist er dabei oder gibt den Ton an. Dabei entwickelt er jedoch nur selten das Bedürfnis, dem Spielgerät das Innerste nach außen zu kehren, wie es sich einige seiner Geschwister zur Aufgabe gemacht haben. Nein, er nutzt lieber die Gelegenheit, sich mit sich selbst zu beschäftigen, in sich und die Welt zu hören und daraus Schlüsse zu ziehen. Und wenn das Ergebnis dieser Introspektive so viel Sanftmut und Lebensfreude ist, dann kann die Welt nicht so schlecht sein, wie sie uns gelegentlich anmutet. Mitunter hatten wir den Eindruck, Käptn lacht uns unentwegt an und wäre das perfekte Model für ein Wahlplakat der Grünen: Lachender Welpe neben einer fröhlich blühenden Sonnenblume. Doch dann kann es unvermittelt geschehen, dass aus der Sonnenblume eine fleischfressende Pflanze wird, der man sich besser nicht nähert. Wie er seine Beute im Garten stand- und wehrhaft verteidigt, sich in eine unangreifbare Position bringt und Geschwister wie Erziehungspersonal erfolgreich vom Leib hält, zeigt Käptns andere Seite, die des lebenstüchtigen und durchsetzungsstarken Kämpfers, der sich nicht wegduckt, nicht versteckt, sondern seine Scharmützel auf offener Bühne austrägt, damit kein Zweifel aufkommen kann: Der Käptn muss keine Muskeln zeigen, hat aber welche, wenn sie gebraucht werden.
Käptn ist am 18. März in Meitingen bei Augsburg in einer Familie mit drei Kindern vor Anker gegangen. Mit denen kann er nun schiffschaukeln und sie kielholen, wenn sie auf seiner Bounty meutern.

 

 M3A6342 1 250Familie HoffmannWer wissen will, wie ein Rudel beschaffen ist und wie ein Hund tickt, der das typische Mitglied eines Hunderudels verkörpert, muss sich mit Klecks beschäftigen. Klecks lebt für sein Rudel und fühlt sich in ihm wohl und geborgen. Klecks ist also nicht weniger als ein Welpe, wie ihn der Große Hund geplant und gedacht hat. Sein Gemeinschaftssinn macht ihn zum immer verfügbaren und gemütlichen Spielbären für seine Geschwister. Besonders ins Herz geschlossen hat er Krischan, der alles mit ihm anstellen kann, der ihn an den Ohren knabbern, knuffen und umwerfen kann. Dann liegt Klecks auf dem Rücken und strahlt mit dem kleinen Krischan um die Wette. Aber auch alle anderen dürfen an ihm ihre Kräfte und Kniffe üben; Klecks wird selten etwas zu viel. Im Garten braucht er seine Geschwister nicht unbedingt. Vor allem, wenn es um Beute geht, trickst er sie geschickt aus und macht sich vor allen unsichtbar. Außer seinem Erhaltungstrieb haben wir wenig Kampfeslust bei ihm gesehen, es sei denn, man hätte es geschafft, ihn an die Außengrenzen seiner Contenance zu bringen, die allerdings weit gespannt sind. Dann kann Klecks auch mächtig sauer werden und dem Rest der Welt seinen Standpunkt pauken. So sind auch seine schüchternen bis halsstarrigen Auftritte beim Foto-Shooting und der Wurfabnahme zu werten: Klecks allein außer und im Haus. Klecks rudel-ratlos. Im warmen Bett seines Rudels läuft er zu großer Form auf, daneben bekommt er schon mal weiche Knie. Doch Klecks ist Kerl genug, sich der Welt ohne sein Rudel zu stellen, beziehungsweise sich sein neues Rudel nach seinem Geschmack zurechtzubiegen. Mit und in ihm biegt er sich dann auch die ganze Welt zurecht und macht dabei weder vor Gefängnisgittern noch vor Tunnelwänden Halt. Sein namensgebender weißer Klecks hat ihn oft genug als Rädelsführer solcher Biege- und Beugeaktionen verraten.
Klecks kleckert fortan frohgemut in Guntramsdorf, Niederösterreich.  

 

Korbi fällt 1M3A6461 1 250Familie Wiedemannanfangs vor allem durch die Schönheit seiner Markenzeichnung auf. Schon als Stummelzwerg scheint er sich seiner Sonderstellung unter seinen Geschwistern bewusst zu sein und taucht auf allen Fotos auf. Ein tägliches Tagesbild mit Korbi wäre uns leicht von der Hand gegangen. Dahinter stecken die Gene seines Urahns Cherom. Die Rübe fällt eben nicht weit vom Rübezahl. Doch dann beginnt er, in sich hineinzuhören und andere Qualitäten zu entdecken. Und so wurde aus dem Macker der Checker. In dieser Hinsicht gerät ihm dann seine auffällige Schönheit zum Nachteil, weil er, auch ohne seinen blauen Punkt, jederzeit identifizierbar ist. Andererseits könnte ihm gerade diese Eigenschaft den Ruf als Alleschecker eingebracht haben, weil er eben auffälliger ist als seine eher unscheinbaren Mittäter. Aber seien wir nicht ungerecht und beckmesserisch: Wer jedes auch nur leicht angelehntes Gittertürchen als begehbar und Aufforderung zum Ausbüxen versteht, hat sich einen Ehrentitel mehr als verdient. Nichts entgeht Korbi, immer ist er auf der Höhe der Situation und Entwicklung und mit der Nase mittendrin. Doch wenn es nicht nach seiner Nase geht, kann er zur krähenden Nervensäge und zum Dauermäkler und -nörgler werden. Den Begriff Angst scheint Korbi nicht zu kennen. Er schmeißt sich mitten ins Getümmel und gestaltet es mit, ohne Sorge, der Situation nicht gewachsen zu sein. Mit diesem Selbstbewusstsein muss man auch vor erwachsenen Hunden, noch nicht einmal vor grummelnden Rüden weichen. Diese dicke Hose kann er auch in Zukunft gut gebrauchen, denn er wird einen Drei-Männer-Haushalt komplettieren. Korbi zieht zu seinem Onkel (Heddas Bruder) Henry (Hugo) und dem gereiften Barney, einem Enkel unserer Anouk. Sogar nomenklatorisch ist er mit allen Wassern gewaschen: Sein neuer Haushälter ist Bayer und wird ihn, bayerisch konnotiert, Kurbi rufen. Seine Haushälterin ist Engländerin und macht mit Körbi sicher nichts falsch.
Um Korbis Internationalität zu komplettieren, wird er sein Leben in Mezönagymihály (Ungarn) zwischen Schweinen, Schafen und Hühnern verbringen und auf diese Weise der Bestimmung als Hofwächter von all seinen Geschwistern am nächsten kommen.
P.S. Der Chronist gibt ihn nur deswegen aus seinen Armen, weil er ihn in ebenso liebevolle und starke übergeben darf.

 

Koschi ist das  M3A6256 1 250Familie RatzKraftzentrum der Knirpse, ohne dabei ein Kraftmeier zu sein. Koschi ist eher der Coole und Autonome im Team. Er ist präsent, ohne sich aufzudrängen. Koschi geht seiner Wege und macht sein Ding, ist dabei aber nie ein Außenseiter. So sehen wir ihn dann auch öfter schlafen, wenn die Geschwister eine Sause veranstalten. Und wenn diese ruhen, streift er gelegentlich gedankenverloren durch sein Reich und sucht auf einem Schoß Trost vor der Einsamkeit. Wenn er in Gesellschaft und im Getümmel ist, misst er sich bevorzugt mit Korbi, von dem er sich aber auch die Weltgewandtheit und Raffinesse abschaut. Sie und seine Körperkraft lassen ihn schließlich nicht nur das Transitgitter überwinden, sondern zum vielbeachteten (und bereits angesprochenen) Kraftzentrum werden. Nicht alles dreht sich um Koschi, aber vieles bewegt sich um ihn. Koschi hat einen langen Atem und eine, wie man so sagt, „lange Lunte“. Bevor ihm der Draht aus der Mütze springt, muss viel passieren. Provozieren und provozieren lassen gehören nicht zu seiner Basisausstattung, denn Koschi ist, ähnlich wie Klecks, ein Rudel-Rudi und ein Cushion-Kuschler. Solche Kerle sind aus Herzenswachs gezogen und mit Gold kaum aufzuwiegen. Für seine zukünftige Wohngemeinschaft mit dem erfahrenen Hovawartrüden Bosse ist er demnach bestens ausgestattet.
Und so heißt es ab jetzt: Zweisam mit Bosse in Freiburg (Breisgau) an der Dreisam…
Zukünftig firmiert Koschi als Koshi, weil, wie man hört, ein Mitglied seiner neuen Familie das deutsche „sch“ nicht ausstehen kann. Das hat man nun von der Durchanglizierung der deutschen Sprache, an dessen Ende ein germanistisher Sherbenhaufen steht und der seinen Anfang nahm, als Schappi zu Chappi wurde. So etwas löst beim Chronisten shon mal Chnappatmung aus. Was für ein Glück, dass Freiburg nicht in Shwaben, sondern in Baden liegt. Kos(c)hi wird es sowieso shnurzpiepwurshtegal sein. Und dem Chronisten eigentlich auch, solange ihn niemand zwingt, Frau Schubert wie Shubert zu shreiben.

 

1M3A6383 1 250 JPEG 250 2Nadja WelleDer Chronist hat bei der Chefredaktion den Antrag gestellt, über Kuno ein Drehbuch für einen Sechsteiler schreiben zu dürfen. Er möge sich beschränken und Kuno auf den Punkt bringen, wurde ihm beschieden. Der Punkt ist, geometrisch betrachtet, nichts, in Kunos Fall ist er so groß wie der Mittelkreis eines Fußballfeldes, und nicht weniger Platz braucht man, um seine Persönlichkeit auszubreiten. Fangen wir ganz vorne bei ihm an: Er ist naseweis. In der Mitte hat er ein Großraumherz, einen langen Atem und einen Bärenhunger, und ganz hinten wedelt er unentwegt freundlich der ganzen Welt zu. Nichts als Eckdaten, wie man ahnt, und doch umfassen diese Marker sein ganzes Wesen. Sucht man nach Unwesen, sucht man vergeblich. Kuno ist ein immer freundlicher Herzensbub ohne Spaßbremse mit Gute-Laune-Garantie. Wenn er morgens aus dem Bett steigt, hat er Sonne in den Augen. Den Tag füllt er mit Menschenbesuchen und -umgarnungen und abends legt er sich in ein Bett aus Sternen. Kuno ist immer unterwegs auf der Suche nach einem Arm, nach einem Bein und nach Glück. Er ist im besten Sinne von Werner Schmidbauer ein Momentensammler. Und seine größten Momente findet er in der Begegnung mit Menschen; er ist der Erste, der sie begrüßt und der Letzte beim Abschied. Kein Spiel und keine Unternehmung ist ihm wichtig genug, dass er sie nicht für einen Menschen unterbrechen würde. Sein liebster Sparringspartner ist Käptn, weil mit ihm auch der Zweikampf nie die Grenzen der Leichtigkeit überschreitet.    
Kuno nennt sich fortan Kiano. Das ist kenianisch und beschreibt sein Wesen umfassender als all die Worte des Chronisten. Kiano steht für voller Freude, kühle Brise aus den Bergen, Wind in den Wellen oder Wirbelwind. Geht es treffender? Aber es kann auch kleiner König bedeuten, und dass er das in seiner neuen Heimat in Holzkirchen sein wird, steht außer Frage: Der kleine König Kiano in Nadjas Hundereich. Und dass er in seiner väterlichen Linie auch noch den Namen vom Nadjangrund trägt… Jetzt fehlt nur noch, dass drei Magier aus dem Morgenland vorsprechen.

 

Kini nennen 1M3A6217 1 250Familie Kahldie Bayern liebevoll ihren Märchenkönig Ludwig II, den sie als feschen, jungen Burschen in Erinnerung behalten wollen. Dem späten Ludwig lassen sie diese Zärtlichkeit kaum mehr angedeihen. Unser Kini ist und bleibt ein junger, fescher Kini, einer, der diesen Kosenamen nicht verwirkt hat. Kini verdiente sich seinen Namen wegen der royalen Flügel, die er auf der Brust trug, derer er sich aber bis zur Trennung entledigt. Zusammen mit Kuno gründet er das kongeniale Kuni-Kino, das an Tagen mit „r“ wie Hanni und Nanni die Herzen erobert, an solchen ohne „r“ wie Bonnie und Clyde herummarodiert. Wenn er seinen Tag ohne Kuno gestaltet, taucht er fast unter, was nicht bedeutet, dass er nicht allgegenwärtig ist. Im Gegenteil. Kini verwandelt sich dann zum Tarnkappen-Knirps. Er ist es, der leise und heimlich die ersten Flaschen aus dem Flaschenregal zupft, er ist es, der die von Korbi gecheckten Schwachstellen der Teppichverklebung aufarbeitet und er ist es, der sich so lange gegen das Transitgitter wirft, bis er die Stützsteine auf Körperweite wegstemmt. Dass dahinter dennoch nicht die Freiheit winkt, ist nur Pech. Schon früh macht er sich mit seinen einsamen und ausgedehnten Fußmärschen durch die Küche einen Namen, bei denen er seine Umgebung einsaugt und kartiert, Deckenstapel und Sitzkissen exploriert, falls verfügbar auch Schöße. Kini gehört auch zu den autonomen Knirpsen, die ihr Leben oft antizyklisch gestalten. Sehr zyklisch ist er dagegen bei der Essensausgabe. Seine Einsätze an Hosen- und Fersenbeinen sind eher zyklonisch. Aber mit seinen Geschwistern fängt er keine Rauferei an, was nicht heißt, dass er einer im Gange befindlichen aus dem Weg ginge. Die bestreitet er dann, wie alle seine Spiele, mit vollem Körpereinsatz.         
Weil Kini sein royales Flügelchen abgelegt hat, kann er auch auf den Kini verzichten und in Zukunft Tino heißen. Tino ist die Kurzform des italienischen Valentino, was wiederum auf das lateinische „valens“ zurückgeht, das „gesund“, „stark“ und „kräftig“ bedeutet. Kräftige und stark ist er ohne Zweifel, dass er lange gesund bleibt, wünschen wir ihm und seiner neuen Familie, mit der er nun im hessischen Wetzlar lebt.

 

1M3A6213 1 250Jasmin Evers-SchmidtIrgendjemand hat einmal den kleinen Krischan als Duracell-Äffchen bezeichnet. Das ist nicht ganz falsch, greift aber nicht tief genug. Denn Krischan ist tatsächlich nahezu unermüdlich, aber ein hektischer Trommler ist er keinesfalls. Krischi ist ein Bossler, ein Tüftler, ein Ingenieur, der alles auf links dreht und so lange inspiziert, bis ihm ein Licht aufgeht und er dessen Funktionsweise versteht. Das treibt ihn an, da steigt er ein und hört nicht auf. In solchen Augenblicken trifft es sich gut, wenn ihn seine Geschwister zum Tanz abholen. Dann ist er ein ebenso unermüdlicher Spielratz und Tanzbär. Folgerichtig nutzt kein Knirps seinen Abenteuerspielplatz wie er. Kaum eines seiner Geschwister kennt all die Ecken, Kanten und verborgenen Fallstricke wie Kirschen. Das verschafft ihm bei Verfolgungsjagden oft den entscheidenden Vorteil – und weg ist er, wie vom Erdboden verschluckt. Krischan stolpert kaum und rennt sich nie die Birne ein, was man nicht von allen seinen Geschwistern behaupten kann. Wie Kuno ist auch Krischan ein ausgewiesener Menschenfreund, ein Dauerschatten und Wegelagerer. Für einen Lift auf einen Arm oder Schoß verlässt er sogar seine Objektstudien. Auf den Punkt gebracht, hat Krischi zwei Leidenschaften: lifteln und tüfteln. Und ein richtiges Strahlemännchen ist er auch. Beim Tüfteln strahlt er nach innen und beim Lifteln nach außen. Dieser Zuckerbube hat das Zeug, die Welt in Licht zu tauchen. Ob ihm so viel Licht vielleicht dann doch etwas zu viel ist? Es wäre die Erklärung, warum er selbst an strahlend schönen Tagen lieber im Haus schläft als bei seinen Geschwistern auf der Terrasse. Wer ist schon frei von Widersprüchen.  
Krischan tüftelt nun in Hardissen-Lage (Westfalen-Lippe) und hört auf den Namen Jänner. So bezeichnen vor allem die Österreicher, aber gelegentlich auch noch andere Bergvölker, den Januar. Das wirft Fragen auf. Warum Jänner? Man denkt sich dann eventuell, ja warum denn nicht? Wenn Robinson Crusoe seinen farbigen Dienstleister Freitag nennen darf, warum sollte dann Krischan nicht Januar heißen? Und doch befriedigt diese Begründung nicht hinreichend. Seit dem Jahre 153 vor unserer Zeitrechnung beginnt das römische Kalenderjahr nicht mehr im März, sondern im Januar. Und dieser Januar ist nach dem römische Gott Janus benannt, der mit den zwei Gesichtern und jener, dem man nachsagt, dass er Türen und Tore öffnet. So gesehen ist der nach Janus benannte Januar der Monat, der noch ins alte Jahr zurückblickt und den Weg ins neue Jahr freimacht. So ein Janusköpfchen ist auch unser Krischan ganz gewiss.

 

 M3A6292 1 250Ellen ErnestiAls Kathi nach sieben Burschen in die Kiste plumpste, plumpsten noch zwei Steine auf den Küchenboden des Bairischen Blues: doch noch ein Mädchen! Die sieben Zwerge hatten ihr Schneewittchen, ohne das sie niemals als sieben Zwerge wahrgenommen worden wären. Bald wird klar, wer die Hosen im Zwergenreich anhat. Kathi setzt sich schnell zur Wehr und durch. Schon um nichts zu versäumen oder ausgetrickst zu werden, ist sie überall mitten unter ihnen, mischt mit, teilt aus und steckt ein. Wenn die Rüpel zu übergriffig werden, findet sie in Koschi einen Bodyguard, der für Ordnung sorgt. In diesem Testosteron-Biotop gedeiht Kathi prächtig und entwickelt sich zu einer jungen Dame mit knisterndem Selbstbewusstsein. Bei jedem Stammtischzwist mischt sie mit und bei jeder Kirmesschlägerei heißt es bald: Kathi, get your gun! Aus solchem Holz waren wohl Johanna von Orleans und die vermeintliche Päpstin Johanna geschnitzt: kurz geschoren, kurz angebunden und kurz entschlossen. Dabei ist Kathi eine echte Zuckerschnute, was sie jedoch nur auslebt, wenn sie vor ihren Brüdern sicher ist. Wenn man sie ans Herz drückt, fühlt man ihre Seele leise schwingen. Und die ist zart und fluffig wie Salzburger Nockerl. Die harte Schule ihrer Brüder liefert ihr den lebenswichtigen Firnis für ihre zarten Seiten. Nur wenn sie in Kampfeslaune ist, zweifelt man an der Existenz eines weichen Kerns. Dann greift sie zu wie ein Schraubstock und hängt wie ein Piercing in den Hacken. Als ob das nicht genug Leistungsdaten für ein erfolgreiches Leben und Überleben wären, macht sie die tägliche Konkurrenz zusätzlich blitzschnell auf den Beinen und fix im Kopf. Die Butter lässt sie sich nicht vom Brot nehmen, noch weniger das Pansenstück aus den Zähnen. Und nach all den kleinen Reifeprüfungen, nimmt sie sich bewusst ihre Ruhepausen, deren ungestörte Einhaltung von ihren Brüdern ausnahmslos respektiert wird.
Ein bisschen von ihrer Lebenskraft und Durchsetzungsstärke wird sie auch in Zukunft gut gebrauchen können, denn in ihrem neuen Revier in Dessau hat seit elf Jahren die Hovi-Dame Banya das alleinige Prinzessinnenrecht, das sie vermutlich nicht verramschen möchte. Und wenn schon: Bisher haben noch alle Blueskinder die Platzhirsche und -kühe eingeseift und niedercharmiert. Und ausgerechnet Kathi sollte das nicht gelingen?
Zu guter Letzt steht mit diesem Rüstzeug auch einem Erfolg als zukünftige Man-Trailerin nichts im Wege. Viel Glück und Spaß dabei.

 

Epilog II

Die Knirpse sind in die Welt hinausgegangen, haben sich häuslich eingerichtet und sich teilweise schon ihren Platz bei bisherigen Platzhirschen und -kühen erarbeitet, sie niedergeschmust und eingeseift. Erste Bilder zeugen von ihren Erfolgen. Der Alltag wird die Knirpse mit ihren Familien zusammenschweißen und anfängliche Irritationen auflösen. Es gilt, sie in die Bräuche und Umstände der neuen Familien zu integrieren, die anspruchsvollen Wochen bis zum Zahnwechsel zu überstehen, ihnen ohne zu hyperventilieren die Grenzen zu zeigen und ihr scharfkantiges Interesse umzulenken. Lasst sie machen und lasst sie lachen. Geduldige, einfühlsame und konsequente Führung ist die Zauberformel.

Wir vermissen sie noch ein wenig, ohne zu trauern. Der Abenteuerspielplatz ist geräumt, Hedda ist wieder Hedda, nur Fianna, findet noch immer irgendwo Plüschis, die sie durchs Haus trägt. Der Geruch der Knirpse steigt trotz ausgiebiger Putzaktionen noch immer aus manchen Ecken und verlängert ihre Anwesenheit.    

Die Knirpse waren ein sehr erfreulicher und ganz besonderer Wurf. Nie hatten wir so wenig Randale und Geplärre, auch die Attacken hielten sich sehr in Grenzen. Von Krankheiten blieben wir auch verschont, sowohl bei den Welpen wie bei der Mama: keine entzündeten Zitzen und keine Infektionen, nichts. Das Bisschen Durchfall gehört zum Geschäftsmodell. Zu allem kommt, dass dieser Wurf der schönste aller Blues-Würfe ist. Alles zusammengefasst waren die Knirpse der perfekte Wurf.

Wie mehrmals erwähnt wurden die Knirpse wöchentlich vom Regionalfernsehen Oberbayern (rfo) begleitet, und am 22. März eine 23-minütige Doku darüber ausgestrahlt. Sehr einfühlsam und dennoch sachlich, mit viel Hintergrundinformationen über den Hovawart und unsere Zuchtvorstellungen, machen den Beitrag für uns und alle, die mehr wissen wollen, sehr wertvoll und empfehlenswert: Ein Hingucker und Muss für alle Hovawart-Liebhaber. Der Beitrag ist ab sofort auch in der Mediathek verfügbar: rfo/Mediathek/Süd Leben/Ein Süd Leben als Hundezüchter.

Wir danken Lukas, dem Objektivführer sehr herzlich für seine Mühe und seine auch im Beitrag vermittelte Freude mit unseren Knirpsen.

Unser erster und wichtigster Dank gilt Hedda und Kuno-Kosinus, die uns diesen zauberhaften Wurf schenkten, und natürlich Hedda für ihre unermüdliche und aufopfernde Rolle als Mutter. Nicht vergessen dürfen wir Fianna, die den Wurf routiniert, gelassen und dennoch mit viel Omaliebe begleitete und den Welpen viel mehr mitgegeben hat als wir alle jemals ahnen können. Eine solche Harmonie zwischen Mutter und Tochter ist ein großes Glück und keinesfalls selbstverständlich.   

Darüber hinaus danken wir allen, die am Gelingen des K-Wurfs beteiligt waren, auch wenn wir sie an dieser Stelle nicht namentlich nennen. Eine Ausnahme machen wir mit Anna-Maria und Soo-Mi, die besonders viel Zeit den Knirpsen widmeten. Wir und die Knirpse haben euch allen viel zu verdanken.

Ein ausdrücklicher Dank geht an alle Freunde, Nachbarn und Hovawartbesitzer, die die Knirpse besuchten und damit dazu beitrugen, dass diese gelernt haben, Menschen als ihre Freunde zu betrachten und zu lieben. Nichts ist heutzutage wichtiger als menschenfreundliche Hunde. Und unsere Knirpse lieben Menschen – und andere Hunde.

Wir danken unserer Waschmaschine, dass sie, im Gegensatz zum Trockner, durchgehalten hat. Der Trockner ist jetzt auf dem Alteisenteil, sein Nachfolger ahnt vermutlich bereits, was es bedeutet, eine Stellung beim Bairischen Blues anzunehmen.

Auch danken wir dem Personal in den verschiedenen EDEKA-Filialen, dass sie den Assi wegen seines exorbitanten Klopapierumsatzes nur hinter vorgehaltener Hand als „Scheißkunden“ führen.

Der Chronist dankt dem Assi für seinen unermüdlichen, selbstvergessenen, gelegentlich auch tollpatschigen Einsatz, der ihn, den Chronisten, in die Lage versetzte, viele Seiten, oft genug mit nicht gerade historisch bedeutenden Episoden zu füllen.

Unter diesen Umständen will sich dann auch der Assi keine Undankbarkeit nachsagen lassen und dankt dem Chornisten für seine unermüdliche und selbstverleugnende Berichterstattung.

Und nun taucht der Bairische Blues wieder in den Alltag ab. Wann er aus ihm wieder auftauchen wird, überlassen wir dem Schicksal und den laufenden Ereignissen. Bis dahin empfehlen wir

Keep on the sunny side, always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life
It will help us ev'ry day, it will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life