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- H-Benichts und H-Selmaus wachsen auf und ziehen aus (2. Woche)
2. Woche (08.03. - 14. 03. 2017)
Mittwoch, 8. März 2017
Eine alte Bauernregel besagt: "Perpetua kalt, Winter lang". Perpetua war gestern und nun stellt sich die Frage: Sind ganztägige Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt für die Jahreszeit kalt oder eher die Norm? Müssen wir also noch mit mehr Winter rechnen? Und was bedeutet nun der Losspruch für heute: "Wenn's donnert um St. Cyprian, zieht man noch oft die Handschuh' an"? Von Donner kann weit und breit nicht die Rede sein, gestern nicht, heute nicht und morgen sehr wahrscheinlich auch nicht. Heute Morgen messen wir -2° C, die sich später auf bis zu 10° C aufheizen, was jedenfalls auch nicht mehr als kalt bezeichnet werden kann. Gegen die Bauernregeln war sogar das Orakel von Delphi ein Ausbund an Klarheit. Immerhin blitzt überall zartes Blau durch die Wolken und ist ein Fingerzeig, dass nun bald auch zartes Blau unter den Lidern unserer Hallodris hervorblitzen müsste, wenn sie ihre Augen öffnen. Lange kann es nicht mehr dauern. Wir kreieren also einen neuen Losspruch, speziell für Caniden- und Felidenzüchter: "Wenn's Blau unter den Lidern blitzt, ein Augapfel im Köpfchen sitzt". So uninterpretierbar wünscht man sich eine Bauernregel, nicht so ein Geschwurbel, das tägliche Wetterumstürze induziert.
Halten wir uns also weiterhin an Fakten und stellen fest: Die ganztägige Abwesenheit der Chefin bringt die Kinder in die Nähe des Grabes! 320 Gramm Gewichtszunahme für elf Welpen am achten Lebenstag ist ein ernährungsphysiologisches Desaster, von dem der Vize nicht weiß, ob er es sich selbst oder der pflichtvergessenen Mutter zuschreiben soll? 320 Gramm hat der Elferrat schon am dritten Tag gestemmt. Wir müssen nun nicht gleich das Sterbeglöckchen in Schwingungen versetzen, so ist es auch nicht, und die Bande macht auch nicht den Eindruck, als ob wir die UNICEF bemühen müssten, aber Fragen müssen sich beide gefallen lassen, die Mutter, weil sie vor
Hetty auf der Waagelauter Trennungsschmerz ihre Pflichten vernachlässigt und der andere, weil er keine Autorität hat, sie an diese zu gemahnen. Welch ein Loser-Duo! Doch zwei echte Situationsgewinnler bringt dieser Tag immerhin, wie es selbst dann noch Gewinner gibt, wenn die halbe Welt in Schutt und Asche fällt. Der eine ist Hallodri, der Fiannas sparsame Öffnungszeiten optimal genutzt und 70 g aufgeladen hat, was ihn zum Schwergewicht und Gewichtsvorsitzenden des Elferrats macht – 850 Gramm. Der abgelöste Ex-Vorsitzende Hartl brachte es nur auf 20 g plus und 810 Gramm. Die weitere Reihenfolge sieht so aus: Hetty 790 (+20), Halina 780 (+20), Hobo 770 (+40), Hedda 720 (+60), Hias 720 (0), Hakuna 710 (+20), Hugo 700 (+20), Harpo 680 (0) und Hubsi 530 (+50!!), der zweite Krisenkönig. Der Kleine ist ein cleverer Kriegsgewinnler; wenn sich die anderen von der Situation überraschen lassen, greift er zu. Unterschätzt mir nur die Kleinen nicht, Napoleon, Picasso, Chaplin, Kant, Gysi...
Deutlich souveräner betreibt Fianna ihre Babyfürsorge bei der Revierpflege: Zuwanderer, Durchreisende, Eindringlinge, Gestrandete, Gegenwärtige und Allgegenwärtige – alles wird als potentieller Problem- oder gar Schadbär eingestuft. Nur ausgewiesene Freunde duldet sie weiterhin in ihrem Revier und behandelt sie mit unverminderter Freundlichkeit und Zuneigung. Alles andere wird beargwöhnt und, sofern wir nicht unseren Einfluss geltend machen, weggemährt. Aggressiv wird sie dabei nicht, aber groß und mächtig, schicksalsträchtig wie der legendäre Watzmann eben; Fianna gibt die Mangfalltaler Watzfrau. Selbstzweifel befallen sie nur, wenn das vermeintliche Opfer unbeeindruckt bleibt, wie der Elektriker, der sich um unsere
Hugo und sein GeierPhotovoltaikanlage kümmern soll, ausgewiesener Hundefreund und -kenner, und sich mit unserer Zustimmung ihrer Kinderkiste nähert und sich von einer mährenden und sich vor ihren Welpen querstellenden Mutterhündin nicht beeindrucken lässt, ihr sogar dreist die Schlappohren krault, wo sie ihm doch sogar auf die Zehen steigt und ihr Waffenarsenal aufblitzen lässt. Zefix, hat dem der Strom das Hirn zerfressen? Fianna weiß, wann sie verloren hat oder zumindest keine Punkte mehr sammeln kann und betrachtet die Szene aus dem defensiven Rückraum, jederzeit bereit ihre Meinung bei Bedarf wieder zu ändern. Und gut erzogen, wie sie ist, begleitet sie unseren Besuch schließlich in aller Form wieder zur Tür und komplimentiert ihn mit der ihr innewohnenden Höflichkeit wieder hinaus. Wäre der Photovoltaiker Vorhut einer osteuropäischen Knackerbande, wüsste er nun, dass beim Blues die zu erwartenden Verluste höher ausfallen würden als die erhofften Gewinne.
Heute gehen für den Vize die stillen Tage im Kämmerlein zu Ende: Die Chefin zieht mit ihrer Kindsmutter wieder ins Schlafzimmer. Die Tür bleibt offen und Fianna tapert zwei- bis dreimal die Nacht zu ihren Kindern, legt sie sich an die Brust, putzt ihnen die Hintern, kommt dann wieder zu uns, haut sich dröhnend und stöhnend in die Ecke, damit wir auch Notiz von ihr und ihrem Engagement nehmen und setzt ihren unterbrochenen Schlaf fort. Das tun wir auch in der Gewissheit, dass die kleine Schwarze weiß, was sie zu tun hat.
Donnerstag, 9. März 2017
Es donnert noch immer nicht um St Cyprian herum, aber es nässt, es seicht, es schifft, es plätschert den lieben, langen Tag, die Wolken hängen fast bis zum Boden und das Thermometer hängt rund um 7° C fest. Zusammen mit dem Schmelzwasser reicht ein solcher Tag aus, dass die Mangfall vollläuft und Fiannas Flanierwiesen knöcheltief unter Wasser stehen. Ein einziger Tag nur! Das kommt davon, wenn man alles ungeniert betoniert, ramponiert und kanalisiert. Wenn wir unsere Kinder aufs blanke Holz legen und ihnen keinen saugenden Laken und Vetbeds unterschieben würden, würden ihre kleinen Bächlein, sofern sie nicht von der Mama entdeckt und aufgeleckt werden, auch unsere Küche fluten. Diese Erkenntnis hat sich den Machern des Bairischen Blues sogar schon bei ihrem ersten Wurf erschlossen, und zwar ganz ohne bodenphysiologische und rheologische Gutachten.
Vize, reich mir die Kinder!Die pitschnassen Wiesen sind nicht der Anlass, dass Fianna heute Morgen die kurze Spaziergangsvariante wählt, sich also an den Kreuzwegen konsequent für die kurze Biege entscheidet, ein Entscheidungsmuster, das ihr Musterkatalog normalerweise nicht im Angebot hat. Fianna hat Sehnsucht nach ihren Hallodris und volle Milchtanks. In solchen Augenblicken zeigt sich, dass ihr Mamaprogramm nun voll von ihr Besitz ergriffen hat und alles sonst Wichtige aufgeschoben werden muss.
Gestern hat sich der Elferrat offenbar darauf verständigt, Fastenzeit Fastenzeit sein zu lassen und mal richtig über die Stränge zu schlagen. 560 Gramm Aufschlag deuten jedenfalls nicht auf Selbstkasteiung hin. Dass Hallodri groß herauskommen will, hat er gestern schon angedeutet, indem er Hartl die Krone des Wammerlprinzen abgenommen hat. 70 g war sein Testballon schwer, und der hat voll eingeschlagen. Da kann so einer schon mal einen Höhenflug anstreben und es am nächsten Tag mit 100 g versuchen, mit der Gewissheit, dass ihm bei diesem Zwischenspurt kaum einer folgen kann. Und so geschah es: 950 Gramm! Und wenn man sich nun nach einem Verfolger oder einer Verfolgerin umsieht, geht der Blick ins Leere; die nächste Messgröße liegt bei 830 Gramm, 120 Gramm zurück. Kann man da noch von Verfolger sprechen? Die 830 Gramm (+40) gehören Hetty, die sich aber eigentlich auch schon dem Fußvolk zurechnen muss, weil ihr die nächsten direkt an den Fersen kleben: 820 Gramm für Halina (+40) und Hartl (+10). 800 Gramm (+30) meldet Hobo. Hedda ist mit 790 Gramm (+70) offenbar voll
Hoboim Bilde, wenn es um die Besetzung der besten Zapfstellen geht, ein Spielchen, das auch Hugo nicht schlecht zu beherrschen scheint: 780 Gramm (+80); da hat einer noch was vor. 760 Gramm (+50) lässt sich Hakuna in die Bücher schreiben und Harpo ließ sich mit +70 (750) auch nicht lumpen. Hias bescheidet sich dagegen mit 10 g plus (730). Und wer hätte darauf gewettet, dass Hubsi einen hinter sich lässt? Keiner! Das wäre ja direkt monströs gewesen und hätte Fiannas Milchproduktion in die Nähe von Müllermilch bringen müssen. Deshalb ein Hoch auf 60 g Auflastung (590) für Hubsi.
Man sollte ja nicht alle Lebensäußerungen und Verhaltensweisen seiner Kinder gleich überinterpretieren und symbolisch aufbrezeln, aber man darf über die Symbolik eines abgehalfterten Wammerlprinzen Hartl nachdenken, wenn dieser sich in seiner Schnullerbox vor der Chefin aufbaut – hinterrücks, wohlgemerkt –, einen Buckel macht und ihr exemplarisch eine prächtige Wurst vor die Füße setzt. Will er damit ausdrücken (herausdrücken?), dass ihm das alles wurscht ist oder gegebenenfalls darauf hinweisen, dass einer, und er ist immerhin der erste mit dieser ausgeprägten lebenserhaltenden Funktion, der solche Abgänge vorzuweisen hat, eben auf der Waage nur noch mit einer Art Restlast dienen kann. Was im Umkehrschluss hieße, dass die Geschwister überbewertete Schlackenhalden sind und man ihnen vor dem Wiegen erst einmal die Därmchen ausdrücken müsste, um zu seriösen Wiegeergebnissen zu kommen, was er im Falle seines Bruders Hallodri sehr gerne auch selber übernehmen würde. Wie dem auch sei, die Chefin kann sich gar nicht mehr einkriegen wegen dieser Mordwurst des Hartl vom Bairischen Blues, Ex-Wammerlprinz, aktueller Darmol-Repräsentant. Manche können sich eben auch in vorangeschrittenem Alter über jedem Scheiß freuen.
Hakuna und Hubsi leisten sich dagegen einen sehr eigenen Blick auf die aktuellen Ereignisse in der Schnullerbox, indem sie nämlich ihre Lider als Erste einen winzigen Spalt öffnen und versuchen, sich einen Überblick zu verschaffen, was ihnen im Augenblick nur sehr schemenhaft gelingen dürfte. Ein Segen eher als ein Schaden, denn wer weiß schon, was mit der Seele eines Kindes geschieht, wenn sein erster Blick auf ein dampfendes Darmendprodukt fällt? Slumbewohner müssen über Generationen mit so etwas klarkommen, aber doch kein Spross des Bairischen Blues'. So jemand wird doch vermutlich depressiv oder Richter.
Und der Vize denkt vor dem Einschlafen darüber nach, ob er diesen 9. März nun wegen des Wetters und der Ereignisse in der Kinderstube als Scheißtag bezeichnen darf? Wurscht, er macht es einfach.
Freitag, 10. März 2017
Und wieder geht der Blick zuerst in den Bauernkalender und dann hinaus aus dem Fenster und hinüber zum Thermometer. "Friert`s am 40-Ritter-Tag, so kommen noch 40 Fröste nach." Knapp über 0 Grad, also definitiv kein Frost! Entwarnung. "An Vierzigritter kalter Wind, noch vierzig Tage windig sind." Kälte ist bereits geklärt, aber die Bäume regen sich nicht, also auch kein Wind. So kann's weitergehen. "Regen, den die 40 Märtyrer senden, wird erst nach 40 Tagen enden." Nein, es ist wolkig und von Regen ist auch bei den Wetterfröschen heute keine Rede mehr. Alles gut. Oder doch nicht so ganz? "Wie die vierzig Märtyrer das Wetter gestalten, wird es noch 40 Tage halten." Das ist nun doch eine kalte Dusche: Bis nach Ostern wolkig bei 0 bis 5 Grad? Da würden ja die Hallodris zu Stubenhockern ausgebildet. Wer traut sich denn, solche apokalyptischen Aussichten in die Welt zu setzen. Immer diese Märtyrer, die ganze Welt seit Menschengedenken voller misslauniger und miesmacherischer Märtyrer. Und bloß weil die Bibel einen Narren an der Zahl 40 gefressen hat, sollen auch wir uns mit solchen nicht enden wollenden Aussichten anfreunden. 40 Tage und Nächte dauerte angeblich die Sintflut, das finden die 40 Ritter auch für uns gerade angemessen. Moses kuschelte 40 Tage mit seinem Herrn auf dem Berg Sinai, Jesus fastete 40 Tage in der Wüste, bis er nur noch Hirngespinste und Teufelszeug wahrnahm, und die Israeliten irrten nach ihrem Abmarsch aus Ägypten 40 Jahre durch die Wüste, bis sie endlich nach Hause fanden. Und wir sollen uns demnach auch mit 40 Tagen Gruselwetter anfreunden? Nix da, wir sprechen der biblischen Zahlenrabulistik und ihrer distanzlosen Gefolgschaft das Misstrauen aus und glauben an die Corioliskraft und die Macht der Jetstreams, an den Golfstrom und das Azorenhoch. Gerne auch 40 Tage lang.
Auch die Hallodris halten nichts von Zahlensymbolik und schon gar nichts von 40-tägigem Fasten bis Karsamstag (falls jetzt jemand nachzählt: Sonntage sind ausgenommen, weil an Sonntagen nicht gefastet wird!) und genehmigten sich auch gestern wieder einen ordentlichen Schluck aus Mamas Pulle, deutlich weniger zwar als am Vortag, aber offensichtlich waren einige noch mit Verdauen beschäftigt. Die mit dem langsamen Stoffwechsel sind Hubsi, Hedda und Halina, die alle ihr gestriges Gewicht gehalten haben. Bescheiden zugelegt haben Hobo (820) und Hias (750) mit jeweils 20 Gramm. Ebenfalls noch im ernährungsphysiologischen Normverhalten mit 40 Gramm plus bewegen sich Hartl (860) und Hakuna (800). Doch dann entlarven sich die Zitzenkicker und Ellenbogenrempler: Hallodri (1020, Geburtsgewicht verdoppelt) und Harpo (820, Geburtsgewicht verdoppelt) mit je 70 Gramm mehr. Hetty belegt mit 910 Gramm (+80) den zweiten Platz auf der Speckrangliste, schafft aber bei ihrem luxuriösen Geburtsgewicht die Verdoppelung trotzdem noch nicht. Der gewaltigste Zitzenzuzler war gestern Hugo mit 90 Gramm plus (870). Damit haben diese Vier allein 310 Gramm der gesamten 430 Gramm für sich in Anspruch genommen, das sind 72 Prozent des Bruttozitzenprodukts. In der Schnullerbox geht es zu wie im richtigen Leben. Damit das nicht so weitergeht, vermitteln wir speziell Hubsi heute ein paar Zusatztanktermine, weil das zarte Kerlchen sonst von den Ellenbogen der Großökonomen, rein sozialmarktwirtschaftlich natürlich, kampfsportlich ausgehebelt wird. Wir sorgen dafür, dass bei uns keiner bei Hartz IV landet, nur weil es seine Mutter bei den ausgeglichenen Startbedingungen nicht so genau nahm.
Heute, knapp zwei Wochen nach der Geburt, dürfen die ersten Interessenten den Hallodris ihre Aufwartung machen, Kreißsaalpersonal und Nachbarskinder durften ja vorher schon. Acht Leute lassen sich diesen Premiumtermin nicht entgehen und hocken, gottlob nicht alle gleichzeitig, andächtig und voller Rührung um die Blues-Krippe herum. Nach anfänglichen Ressentiments arrangiert sich Fianna mit dem Andrang und den Zudringlichkeiten der Schaulustigen, platziert sich leger zwischen sie und macht das Beste daraus, indem sie sich ganztägig und ganzkörperlich durchwalken lässt. Die von Hand zu Schoß gereichten Hallodris lässt sie dennoch nicht aus den Augen und ein in einer Jackentasche versenkter entginge ihr gewiss nicht. Ihren Mutterpflichten kommt sie ebenfalls zuverlässig nach, indem sie die Speisung des Elferrats zu einem kleinen Event macht, vor allem dann, wenn sich das ganze Mitleid der Besucher und deren Fürsorgeautomatismen über ihre Trödler und Schlafmützen ergießt, jene also, die mit falsch kalibriertem Kompass maunzend und gurrend durch die Kiste irren – und wenn sie nicht geholfen werden vielleicht gar 40 Tage lang.
Hubsi riskiert ein AugeUnd natürlich gilt das größte Interesse den Augen, ob und welche sich schon geöffnet haben. Aber viel hat sich noch nicht getan, winzige Schlitze sind es noch immer und für einen tiefen und innigen Blick reicht es noch nicht.
Ein süßer Dank an EryEine der acht Besucher ist heute auch die Hospitantin Alexandra, die sich die Bitte des Chronisten, auch Ery mit einem Sahnemuffbeutel zu bedenken, so zu Herzen genommen hatte, dass sie ihm gleich eine ganze Herztorte gebacken hat. Nicht weniger als diesen herzigen Rotweinkuchen hat er auch verdient. Wegen deiner Kinder, lieber Ery, haben wir leider keine Zeit, ihn dir persönlich zu überbringen, deshalb lassen wir ihn uns in deinem Namen schmecken. Das geht doch in Ordnung, oder?
Als die letzten Besucher spät abends wieder weg sind, legt sich eine zufriedene Müdigkeit über den Blues. Fianna ist auch so mit sich im Reinen, dass sie vor der Box liegen bleibt, während wir ins Schlafgemach abwandern. Sie will eine Zeit mit ihren Hallodris alleine verbringen und gegebenenfalls noch einen kleinen Night-Cup spendieren, einen Absacker für die Erschöpften und Zerschmusten. Dabei muss sie wohl auch eingeschlafen sein, denn erst eine knappe Stunde später gesellt sie sich zu uns – da hat der Rote Korsar schon längst seine Chance erkannt und ergriffen und sich in den Arm des Vize gekuschelt und ihn in den Schlaf geschnurrt. Fianna durchbricht bei ihrer Ankunft diesen eingeschnurrten Schlaf, indem sie dem Vize die Frage nach der Korrektheit dieser Beischlafgemeinschaft stellt. Der Korsar macht sich klein, kriecht vorsichtshalber unter die Decke und schnurrt dafür umso lauter. Mit einer großen Handvoll Zärtlichkeiten lässt sich Fianna überzeugen, dass der Rote rechtmäßig dort ruht und ihr dadurch kein Schaden entsteht. Sie rumpelt sich in die Ecke und lässt den Roten schnurren, bis ihm die Luft ausgeht. Und wenn er erstickt, soll es ihr auch recht sein. Den Gefallen tut er ihr aber nicht, sondern kuschelt und schnurrt durch, bis der Morgen mit roten Bäckchen aus den Federn steigt.
Samstag, 11. März 2017
Gut, dass die 40 Märtyrer einen Tag früher zu Wort kommen, sonst hätten wir jetzt Frost bis Ostern, denn die roten Bäckchen des Morgens sind den -3° C geschuldet, mit denen er uns aufwartet. Aber der Mangfalltaler Himmel ist, wie es sich gehört, weiß-blau.
Ob es an diesem Spätwinterwetter liegt oder der an der verloschenen Macht der wetterfatalistischen Rittermärtyrer aus dem frühen 4. Jahrhundert oder einfach nur, weil es heute Samstag und die Chefin ganz entspannt ist: Fianna zieht nicht zu ihren Kindern nach Hause sondern ihre wieder erweiterten Kreise durch ihr Revier, dort entlang, wo sie gerne mit ihrer Chefin an den langen und terminfreien Morgen flaniert.
Die Waage macht uns heute schwindelig, denn wie es funktioniert, dass an einem besucherintensiven Tag 670 Gramm zugenommen werden kann, ist das Geheimnis der Hallodris, zumal sich ihre Mutter meist zwischen den Beinen der Schaulustigen tummelte, anstatt ihrer Mission nachzugehen. Nein, sie hat schon getan, was getan werden musste, aber 670 Gramm waren da doch eigentlich nicht drin.
Da sich an den vorderen und hinteren Platzierungen nichts verändert hat, eine solche Wachablösung auch nicht zu erwarten war, bauen wir die Speckrallye der Zugewinnler von oben nach unten auf. 130 Gramm stehen da als Angebot im Raum. Bietet jemand mehr? Nee! And the winner is: Hias! Von 750 auf 880 Gramm (dafür hätte der dyskalkulatorische Chronist beinahe einen Taschenrechner gebraucht). Damit hat sich Hias vom Vorhubsiplatz auf den
Hartl saugt sich fest7. Platz katapultiert. 110 Gramm eigneten sich Hartl und Hakuna an. Hartls Ergebnis ist historisch und wissenschaftlich besonders wertvoll, weil er sie von 860 Gramm ausgehend erzuzelte, was ja immer schwieriger ist, als von einem niedrigeren Ausgangspunkt aus. Außerdem konnte Hartl den Beleg liefern, dass männliche Besucherfinger durchaus ergiebig sind, wenn man sich nur lange und innig genug an ihnen festsaugt, immerhin eine knappe Viertelstunde und so innig, dass auch ein Spaziergang mit dem am Finger baumelnden Hartl denkbar gewesen wäre. Entsprechend lange Baraufenthalte bei Mama sind nicht dokumentiert. Hartl erlutschte sich damit wieder den zweiten Platz. Hakuna erarbeitete sich den 4. Platz von einer 800-Gramm-Basis aus und ganz ohne Zuhilfenahme irgendeines Fingers. Geht also auch. Strahlende 80 Gramm (670) meldet Hubsi, der seine Verdauungsdepression überwunden und den letzten Platz mit Ausrufungszeichen stabilisierte. Mit 70 Gramm (890) gehört Hobo am heutigen Tag eigentlich schon zu den Low-Performern, wogegen er an anderen Tagen damit Staat machen könnte, und entsprechend unspektakulär ist seine Platzierung: Rang 6. Hugo konnte 60 Gramm erwirtschaften (930), auch nicht schlecht, aber ... siehe Hobo. Der Lohn, Platz 3. Hallodri ließ es bei 50 Gramm bewenden (1070), wozu sich auch den Schlund verrenken? Das sind immer noch 100 Gramm vor Hartl, dem Zweiten, also FC-Bayern-Klasse. Hias bleibt Hias (trotz der bemühten 130 g) und mia san mia. Scheiß di nix, dann feit da nix (Exobavarisch: Mach dir keinen Kopf, dann klappt's schon). Gegen Ende registrieren wir Hedda (+40 g, 830) und Platz 9 sowie Halina (+20 g, 840) und Platz 8. Das Ende des Fettgerangels markieren ausnahmsweise Hetty (910, Platz 5) und Harpo (820) mit je einer Nullnummer. Harpo hat sich damit auf den vorletzten Platz geträumt; ein bisschen mehr Engagement, bitteschön, vor allem für uns, die wir immer an Eides Statt versichern müssen, dass mit euch Fastenkönigen auch wirklich alles in Ordnung ist.
Harpo geht stiftenNachdem das erste Indoor-Shooting, wie berichtet, nur suboptimales Material lieferte und heute der Himmel so herzerweichend blaut, bitten wir die Hundsbuam und Herzibopperl zu einem Outdoor-Shooting in den Garten. Das klappt dann schon besser, erstens, weil der Vize die Models nicht mehr erwürgt, sondern, zweitens, auf einem Vetbed drapiert, was sie trotzdem zu
Baby-Shooting - So wird's wasAbwendungen und Fluchtversuchen animiert. Man kann die Models platzieren, wie man will, immer drehen sie sich weg. An der Sonne, in die sie schauen müssen, kann es noch nicht liegen, dazu sind die Äuglein noch nicht offen genug. Was ist es? Ein gestörtes Magnetfeld im Garten des Blues, eine aufgebrachte Wasserader unter uns? Oder der Fluch der 40 damischen Ritter? Wir wissen es nicht, es ist immer so gewesen und wird vermutlich auch immer so bleiben. Und es wird die Stimmung des Vize auf ewig ramponieren. Deswegen ist das Shooting jetzt auch Chefsache und die Mama führt Regie. So wird es dann auch was.
Und weil sich heute nur zwei Besucher zu uns verirren, verstreicht der Samstag sehr entspannt. Nicht für den einäugigen Korsar, der heute seinen Einsatz verpasst und wie immer im Bad schlafen muss. An einer vor dem Bett liegenden Fianna wagt er sich dann doch nicht vorbei. Und das ist es auch, was sie ihm dringend rät.
Sonntag, 12. März 2017
"Gregori zeigt dem Bauern an, ob im Feld er sähen kann" oder "Wenn Gregorius sich stellt, muss der Bauer aufs Feld". Wir wollen jetzt nicht kleinlich sein und nachfragen, was der Gregorius denn angestellt hat, dass er sich reumütig stellen muss; so tief wollen wir nicht in die Tiefe der Bauernseele eindringen. Eher schon stellt sich die Frage, wie der Gregor dem Bauern anzeigt, dass er säen kann (bei welcher Gelegenheit man auch gleich noch die Rechtschreibung – säen, nicht sähen – korrigieren kann). Die Zusammenhänge sind offenbar nicht nur für den Chronisten allzu nebulös, sondern auch den Bauern wenig hilfreich, die sich damit behelfen, aufs Feld zu fahren und braune Brühe zu verspritzen, so viel, dass der Vize gar nicht mehr weiß, wohin er seine Mutterhündin führen soll, wenn er sichergehen will, dass sie sich nicht komplett verschissen und stinkend zu ihren Welpen legen muss. In jedem Fall ist nach der Heimkehr erst mal eine Dusche angesagt. Wenn unter diesen Umständen auch noch folgender Spruch Gültigkeit haben würde "Wenn Gregori fällt, heißt`s die Saat bestellt", wird dieses Jahr außer Greifvogelansitzen nicht viel wachsen auf den Feldern des Mangfalltals. Gesät ist jedenfalls nicht geworden. Weiterhin lernen wir, dass um St. Gregor die Schwalben "vorkommen", was darauf schließen lässt, dass dieser Bauernkalender aus dem südbadischen Raum stammen muss, jedenfalls nicht aus dem Mangfalltal, wo auch am Gregorstag, entgegen aller Vorhersagen, das Eis nicht "ins Meer schwimmt". Immerhin messen wir heute Morgen -4° C. Ach ja, sollte es heute windig sein, werden wir – na, wer ahnt es schon? Genau! – 40 Tage Wind haben. Es ist wolkenlos, kein Wind und die Moral von der Gregorigeschicht lautet: Ist das Bauernbrevier zu schrill, macht das Mangfalltal, wie immer, was es will. Ist nicht ganz rhythmisch, dafür aber wahr.
Die Gewichtstabelle gibt heute wenig Anlass zum Jubeln: 330 Gramm sind nicht üppig. Die Tabelle spaltet sich in Profiteure und Abgehängte auf. Die Profiteure sind Harpo (+90, 910) und Hakuna (+80, 990), eventuell noch Hallodri, der mit +60 Gramm (1130) an der Grenze zum unspektakulären Zugewinn liegt. Alle anderen haben sich unwesentlich angereichert oder ihr Gewicht gehalten. Somit bleibt es dabei, dass Hallodri der einzige und absolut unangefochtene Doppelpfünder ist. Hakuna hechelt mit ihren 990 Gramm schon mit gehörigem Abstand hinterher.
und vor sechs Tagen
Die Auslastung des Kuddebetts heuteTrotz dieser letzten Schwächephase füllt sich das Kuddebett nun in einem Maße, dass man sich nur noch die Augen reiben kann. Legt man sich ein Bild des Kuschelbetts daneben, das noch nicht einmal eine Woche alt ist, sieht man, dass die Hallodris (und nicht nur der Hallodri) beinahe explodiert sind. Mama Fianna macht doch einen sichtbar guten Job.
Ebenso rasant wie die Gewichte entwickeln sich die Fertigkeiten der Knirpse. Einige sind in ihrem bescheidenen Rahmen schon recht gut zu Fuß, taumeln zwar noch herum, als ob sie auf der Deichkrone von einer Bö erfasst würden, aber fast stündlich sieht man ihre Fortschritte. Andere, und das ist fast noch beeindruckender, beschäftigen sich nicht so sehr mit ihrer Körperstatik, sondern nehmen Kontakt zu ihrer Umwelt auf. Sie können zwar nur schemenhaft sehen, aber eine in die Kiste gehaltene Hand wird nach Vermögen angesteuert, taumelnd und schleudernd, aber sie wird erreicht, angestupst und angelutscht. Der Nestverbund reicht jetzt schon nicht mehr aus, sozialer Kontakt jenseits des Geschwisterkreises wird wichtig. Aus Stubenhocker werden Naseweise.
HallodriDie motorischen Fertigkeiten beeindrucken naturgemäß mehr als die stillen sozialen Aufbauten. Wenn der Hallodri mit einem einzigen, wuchtigen Kraftakt seinen doppelpfündigen Leib zu Mama ins Kudde wuchtet, löst das im Publikum ein andächtiges Staunen aus, eine Übung, die den zierlichen Hubsi noch überfordern muss, nicht weil er ungeschickter ist, sondern weil er die körperlichen Voraussetzungen noch nicht erfüllt, sich hochzuwuchten und darüber zu stemmen. Es käme ja auch kein Mensch mit 1,60 Meter auf die Idee, sich im Hochsprung zu üben und mit den 2-Meter-Typen mithalten zu wollen. Der Hallodri hat die Größe und die Kraft, die er dafür braucht. Aber auch Hetty und Hedda sind schon ziemlich wieselflink über den Wulst und bei Mama, wenn sie hören, dass die Zapfhähne geöffnet werden. Hias ist dagegen ein beharrlicher Heimwerker am eigenen Leib: Unverdrossen und unermüdlich arbeitet er sich an den Tücken des glatten Fliesenbodens ab, glitscht und gleitet, schlürft und scheitert, aber wir prophezeien, er wird eines Tages der flinkste und spursicherste der ganzen Bande sein.
Die Chefin ist heute den ganzen Tag in Vereinsangelegenheiten außer Haus, was den Vize zum Chef macht – und Fianna gleich testen lässt, ob er auch dazu taugt. Sie beschert ihm, als sie sich in der Küche erhebt, eine mächtige Blutspur, die sie anschließend durchs ganze Erdgeschoß zieht. Zur Strafe muss sie dafür wieder ein Thermometer ertragen, das eine kuschelige Temperatur von 37,8° anzeigt. Auch sonst macht Fianna keinen elenden oder reduzierten Eindruck, also wird schon alles in Ordnung sein. Wer glaubt, die Geburt eines Elferrats sei eine schnell erledigte Sache, sollte sich zur Belehrung die konstituierende Sitzung eines rheinischen Karnevalsvereins zu Gemüte führen. Wem das Lachen dann nicht vergangen ist, kann auch Chef eines Elferrats mit der Präsidentin Fianna werden, ohne sich aus Angst vor dem Tod zu entleiben. Wie ihre Vorgängerinnen hat auch sie jederzeit einen fragwürdigen Scherz auf Abruf parat.
Dennoch ist der Vize und seine Hallodri-Mama ein Herz und eine Seele, vor allem bei einem langen Spaziergang durch den lauwarmen Sonntag. Sie zieht nicht nach Hause zu ihren Welpen, genießt die Sonne und die fliegenden Bälle, während der Interimschef eifrig damit beschäftigt ist, diese in die güllefreien Korridore zu werfen. Unbeschwert könnte man das Treiben bezeichnen, allerdings nicht so ganz unbeschwert, weil Fianna noch sichtbar durchgetretene Füße hat, was man von ihr nun wirklich nicht gewohnt ist. Auch daran kann man erkennen, das die Geburt noch nachwirkt: Die Hormone, welche die Sehnen und Bänder für die Geburt weich und geschmeidig machten, machen auch vor den Beinen und Füßen nicht Halt. Und deswegen patscht die sonst so edle Swingerin mitunter daher wie ein Plattfußindianer.
So gesehen ist also alles, wie es sein soll und zur vollen Zufriedenheit des Vize angerichtet. Nur einen Wunsch hegt er tief in seinem Herzen, und es ist derselbe, der ihn schon sieben Mal um diese Zeit im Würgegriff hatte: Lass es endlich richtig losgehen mit den Knirpsen, lass sie endlich richtig lebendig werden, lass es endlich nach draußen gehen, in dieser Kreißsaalküche kriegt man einen Lagerkoller und wird schwermütig, wenn man mit der Kamera im Anschlag wartet, dass endlich mal ein Hallodri etwas tut, das es lohnt, den Finger am Auslöser zu drücken. Und wenn sich ein bisschen etwas tut, steht immer jemand oder etwas im Weg oder... Immer die gleichen an ihren Geschwistern lutschenden Tollpatsche zu fotografieren, ist nicht seelenfüllend.
Montag, 13. März 2017
Wolkenlos kriecht der Montag aus seinem -6° C frostigen Lager und hat immer noch keine Schwalbe im Gepäck. Eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer, aber ein frostiger Gregor macht halt auch keine Schwalbe. Es stellt sich die schicksalhafte Frage, ob wir nun damit rechnen müssen, auch die nächsten 40 Tage keine Schwalbe zu Gesicht zu bekommen. Auch die sorgenvolle Blicke während des Tage in den weiß-blauen Himmel vertreiben die Befürchtungen bezügliche eines eventuell schwalbenfreien Sommers nicht.
Lange, aber nicht unerwartet lange Gesichter, gibt es auch beim Blick in die Gewichtstabelle. Ein Tag ohne die Chefin verhöhnt die Lehre vom immerwährenden Aufschwung und verhagelt die Bilanz: 270 Gramm! Ein kostenbewusster Unternehmer hätte für eine solche Ausbeute seinen Laden gar nicht erst aufgesperrt. Andererseits, und das sollte man bei solchen Erwägungen auch immer berücksichtigen, gibt es sogar an solchen Tagen Kundschaft, und nicht unbedingt die schlechteste. 100 der 270 Gramm gehören nämlich Halina, die das ganze Angebot getestet und für gut befunden hat; eine solche Kundschaft bleibt schon mal hängen. Wenn man die 50 Gramm von Hallodri, der sich nie für nichts zu schade ist, sowie die 40 Gramm von Hedda addiert, bleiben für den achtköpfigen Rest der Mannschaft noch 80 Gramm, die es nicht wert sind, in ihrer ganzen Bescheidenheit dokumentiert zu werden. Nur die strammen Wammen und Wadel ohne Fehl und Tadel der Hallodris lassen uns vom Gedanken an eine Zwangsernährung Abstand nehmen. Für eine neue Ausgabe des Bauernkalenders reichen wir folgenden Vorschlag ein: Ist die Hebamm' nicht im Haus, geht der Amm' die Milli aus.
Wie stramm die Wadeln der Hallodris sind und wie viel Leben auch nach einem Fastentag in ihnen steckt, zeigen Hetty, Hakuna, Hallodri und Harpo, als sie sich direkt nach dem Wiegen aus dem Kudde davonmachen und einen Inspektionsgang in der Küche wagen. Von weichen Beinchen kann nicht die Rede sein, eher von herzerweichender Komik. Aber Mumm hat die kleine Viererbande für elf. Zirpend und kauderwelschend strapsen sie durch ihr noch immer unbekanntes Revier und bitten bald um ein Taxi zu Mami. Nur Hallodri erledigt die Heimkehr auf eigene Faust, zielstrebig und trittsicher, so, wie ein erprobter Liebhaber das Fensterln bewerkstelligt.
Die Chefin ist nach den Erzählungen des Vizes über die gestrigen Spaziergänge stark verunsichert, was nicht allzu häufig vorkommt, denn den heutigen Morgenausgang hält Fianna wieder kurz: Erster Winkel links, zweiter Winkel links, dritter Winkel links, und schon sind die beiden wieder zurück. Ein lustvoll ausgedehnter Morgenspaziergang sieht definitiv anders aus. Sie wird sich vermutlich denken, was hat der, was ich nicht habe? Ein Auto, ist die verblüffend simple Antwort! Die Lösung ist schlicht und für jeden Welpenbesitzer ein Naturgesetz: Pack den zögerlichen Hund ins Auto und fahre nur ein paar hundert Meter weg, schon ist er freudig bei der Sache. Beim Start direkt vom Nest, wählt der Welpe wie die welpenprogrammierte Mutterhündin den kurzen Weg.
Was dem Nesthocken entgegenwirkt, ist die Neugier, deshalb macht die Chefin heute mal die Schnullerbox auf. Die Mutter wird deshalb ihr nesthockendes Verhalten nicht ändern, aber die Hallodris wird es hinauslocken. Und kaum ist die inzwischen auf 30 Zentimeter angewachsene Barriere abgehoben, sind die Ersten draußen, nur eine Handbreit vor dem großen Tor, aber einfach hinaus geschritten, naja: hinaus gewackelt. Es ist etwas ganz anderes, ob man aus dem Kudde der Mama fällt, in das man gesetzt wurde oder ob man seine Höhle aus eigenen Stücken verlässt. Der Schritt hinaus ist nicht deshalb wichtig, weil der Vize lamentiert hat und in der Kiste keine Bilder mehr bekommt (so viele wird es hier in der Küchen auch nicht geben), sondern weil das Reizniveau in der Box ausgereizt ist. Alle versuchen, auf dem engen Raum ihre Beinchen auszuschütteln, klettern über den heiligen Elefanten ihr
Hugo ist ein besserer Jäger als Spaziergängerer Oma Franzi, der nicht nur sie, sondern auch alle ihre und Fiannas bisherige Welpen überlebt hat und geduldig wie ein ausgestopfter Buddha alles mit sich machen lässt. Eine weiße Ratte, eine schwarze Ratte, ein Flauschi – nicht genug, um der kleinen Welt der Hallodris einen neuen Kick zu geben. Die Außenwelt, für die sie sich nun entschieden haben, muss man bestehen. Es sind nur drei, die sich hinauswagen, und zwei machen schnell wieder einen Rückzieher, auch weil die Mama in der Kiste liegt: Warum in die Ferne schweifen, wenn die Gute liegt so nah? Nur Hugo treibt sich noch vor der Tür herum und macht umgehend Erfahrung mit den Tücken der Welt. Als nämlich die Chefin ein kurzes Video von der Boxenöffnung per WhatsApp in den erlauchten Kreis der Welpenaspiranten schickt und dabei eine Sequenz zu sehen ist, wie Hugo sich einen Stoffgeier greift (der, in den er sich schon zu Wochenbeginn in der Kiste verguckte), vor sich herschiebt, hinter sich herzieht und besteigt, gibt das asoziale Netzwerk seine ganze Bandbreite zum Besten. Während die einen sich euphorisch über den frühkindlichen Beutetrieb begeistert zeigen, raunen die anderen über eine Fehlorientierung und -steuerung, der man eventuell mit einem Psychologen begegnen müsse. Kaum ist der kleine Kerl aus der Box, soll er schon auf die Couch! Also, alles was Recht ist: Hugo ist kein Psycho, er ist ein Beutehugo, der von der Symbolik der Menschenwelt offenbar mehr versteht als diese und sich deshalb sofort über einen Geier hergemacht hat. Ob er eventuell nur auf die Geiermilch scharf sei, sorgt sich jemand? Geiermilch? Da fragt man sich doch, wer auf die Couch muss? Der Hugo doch nicht!
Hugos Weltraumspaziergang währt naturgemäß nicht lange, dann zieht er sich freiwillig in sein sicheres Lager zurück. Ohne Geier. Während abends Besucher um die Box sitzen, öffnen wir sie wieder und lassen die Hallodris zum allseitigen Vergnügen ein letztes Mal an diesem Tag hinaus. Zwei der elf hauen an diesem späten Abend noch eine Nummer raus. Hallodri klettert nämlich
als vom Jagen
Hallodri hält mehr vom Spazierengehenumgehend ins Kuddebett zu seiner Mutter (Oh, ah und uiii), hangelt sich zwischen deren Rücken und dem Küchenbuffet, vor dem das Bett liegt, zum anderen Ende, stürzt kopfüber hinaus, dreht um, stemmt sich wieder hinein und legt sich zu seiner Mama, die ihren Sohn und die Huldigungen des Publikums voller Stolz in Empfang nimmt. Unglaubliches Staunen, der Kerl ist eine Wucht und ein Bewegungsgenie. Hobo will da nicht nachstehen und zeigen, dass auch er was kann. Auf den Beinen der Kreißsaalhospitantin Alexandra ruhend, lässt er seinen Pummelpo nach hinten sinken und plätschert ihr einen Teich zwischen die Beine auf den Küchenboden. Dafür erntet er nicht so viel Respekt wie der Hallodri, aber ein lautstarkes Hallo und bestimmt nicht weniger Aufmerksamkeit.
Es sind solche Momente, die uns das Herz öffnen. Es sind solche Momente, die uns immer wieder züchten lassen, die uns den mangelnden Schlaf vergessen lassen, den Ausnahmezustand, in dem man acht Wochen lebt, die Geruchsbelästigung und die Dauerübersäuerung des Magens vom vielen Kuchen. Das alle nehmen wir gerne immer wieder in Kauf, das alles geht immer wieder weg, aber die Erinnerungen an solche Momente bleiben und diejenigen, die für sie verantwortlich sind: die Kinder, die Knirpse, die Hallodris und viele von denen, die an diesen Eskapaden der Zwerge ebenso viel Spaß haben wie wir.
Dienstag, 14. März 2017
Heute liegt das Glück 870 Gramm schwer in der Kiste: die Gewichtstabelle. 870 Gramm, und das trotz der vielfältigen Attraktionen und Herausforderungen. 100 Gramm schreiben wir für Hallodri auf (1280), ebenfalls 100 für Hartl (1070) und 60 Gramm für Hakuna (1070). 120 Gramm lässt Hetty aufschreiben (1060), Hobo, der Deichgraf von gestern, bringt es auf 130 Gramm (1020), Halina, ebenfalls 1020 Gramm schwer, legt 80 Gramm zu. Die letzten beiden Doppelpfünder sind Hias (1000, +110) und Hugo (1000, +30). Harpo hat es nicht mehr weit bis zum ersten Kilo (980, +40), aber Hedda muss noch ein bisschen Gas geben (930, +30). Und Hubsi mampft sich 70 Gramm an und landet bei 760.
Krafttanken für große TatenViel mehr Glück und Erwähnenswertes gibt dieser Dienstag nicht her, außer dass es Hedda und Hetty jetzt dem Hallodri nachmachen und fix ins Kudde zu ihrer Mutter steigen. Hilfe brauchen sie keine mehr. Der Lernprozess ist atemberaubend. Die anderen bemühen sich, dem Küchenboden kleinere Wegstrecken abzutrotzen und werden dabei immer geschickter. Am Ende der kommenden Woche werden wir uns nicht mehr vorstellen können, wie tapsig sie heute noch sind.