7. Woche (12.04. - 18. 04. 2017)

Mittwoch, 12. April 2017

Als ob uns ein seltsame Ahnung gestreift hätte oder besser: unseren Hugo. Als er letzten Donnerstag seine Morgen-Show abzog, attestierten wir ihm, dass er alle Belcanti von Caballé bis Gabalier durchschreiten würde – und heute hat sie Geburtstag, die Caballé, Montserrat mit Vornamen. 84 Jahre zählt sie und überlässt das Singen inzwischen gottseidank unserem Hugo. Und noch einer darf heute jubeln: der unvergleichliche Herbert Arthur Wiglev Clamor. 61 wird er heute. Wer?? Na? Keine Ahnung, wer sich dahinter verbirgt? Bitteschön: Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer. Unser Gröni! Welch eine großartige Weitsicht seiner Eltern, dass sie ihm seine Zukunft gleich mit dem Namen in die Wiege gelegt haben; clamor ist lateinisch und bedeutet Geschrei. Man stelle sich vor, der Schneider von Ulm hätte nicht Albrecht Ludwig Berblinger geheißen, sondern Albrecht Luftikus Berblinger. Was sollte so einer anderes tun als vom Ulmer Münster springen und sich das Genick brechen? Und Gröni hat auch nichts anderes getan, als sich den Vorahnungen seiner Eltern zu beugen und sie mit Leben zu erfüllen. Glamour Clamor. Die anderen Jubilare des heutigen Tages wurden von einer solchen Hypothek verschont, zum Beispiel Josef Martin Fischer (69), Joschka gerufen oder Franz Eberhard August Krüger (89), bekannt als Hatari-Hardy. Herzlichen Glückwunsch von uns allen, vielleicht können wir ja Hugo nochmal zu einem Ständchen für euren Jubeltag animieren.

So viel zum offiziellen Teil für heute, wenn schon die Bauern nichts Sinnstiftendes beitragen wollen. Wenden wir uns also wieder unserem Tagesgeschäft zu: der Gewichtskontrolle. Die fällt heute mit 2220 g sehr erfreulich aus, zu denen Hugo vom Bairischen BluesHugoallerdings Hakuna wegen ihres gestrigen Durchfalls wenig beitrug. Ganze 10 g rettet sie herüber und stürzt damit fast ins Bodenlose: von vier auf acht (4170). Das ist nicht weiter verwunderlich. Aber zwei Entwicklungen sind heute erwähnenswert. Alle, außer Hubsi, sind seit heute Achtpfünder und, zweitens, die Spreu trennt sich vom Weizen. Der Weizen, bekanntlich schwerer als die Spreu, sinkt zu Boden und die Spreu fliegt auf und davon, was sich darin ausdrückt, Hubsi vom Bairischen BluesHubsidass (wieder außer Hubsi) nun alle leichtfertigen Burschen vor den inhaltsschweren Mädchen platziert sind, also sechs Buben, dann vier Mädels und am Schluss der Zauberzwerg Hubsi, der weniger als ein Mädchen wiegt, aber ein Herz für mindestens vier seiner Brüder hat; der ist so schwerwiegend, dass er sogar noch unter den Weizen sinkt. Die großen Tagessieger sind die ehemaligen Spargeltarzane Hartl und Hias. Hartl hat ja schon seit einigen Tagen seinen Anspruch auf Höheres geltend gemacht und sich bis auf Platz fünf hochgearbeitet; doch die nun bilanzierten 290 g tragen ihn auf 4400 Gramm und Platz drei. Hias meldet mit 280 g auch Ambitionen an und klettert mit 4200 Gramm von neun auf sechs. Hugo genügen 180 g, um mit 4470 Gramm seinen 2. Platz zu bestätigen und Hallodri macht sich mit 200 g über seine Geschwister lustig; was die sich mühsam anspeichern müssen, inhaliert er im Vorübergehen (4900), das sind schlanke 430 g vor Hugo. Harpo geht mit 230 g plus und 4300 Gramm von sechs auf fünf hoch, während Hobo mit 170 g und 4370 Gramm von drei auf vier rutscht. Hubsi polstert sich mit 290 g auf und bleibt mit 3520 Gramm der gehaltvolle Bodensatz der Hallodris. Bei den Mädchen tat sich Hedda mit 240 g hervor – und bleibt trotzdem, wie Hubsi, wie mit einer Fußfessel auf dem Vor-Hubsi-Platz verankert. Halina kommt mit 200 g zur Registratur und rutscht wegen Hias' Kampfansage trotzdem einen Platz ab auf neun (4160). Hetty schafft es dagegen, mit 130 g ihren 7. Platz zu halten (4190).

Der Tag beginnt morgens mit Hochnebel und 1° C, steigert sich auf 20° C nachmittags, wobei die Sonne durch Milchglas blickt, und legt sich mit wolkigen 12° C ins Bett. So könnte es immer weitergehen.

Hartl vom Bairischen BluesHartlNicht ganz so erfreulich ist der neuerlich Durchfall morgens in der Küche, der uns aber keinen Schweiß auf die Stirn treibt, weil alle Hallodris frisch und munter in den Tag starten und keinerlei Anzeichen von Krankheit zeigen. Wir haben es schon erwähnt: So ein Welpendarm muss viel lernen, und den einen oder anderen Lerninhalt quittiert er mit Renitenz. Aber solange die Besitzer der Därme mit diesen fröhlich durch unsere Küche springen, ihre Hinterlassenschaften maximal verteilen und sich dann unermüdlich im Garten austoben, soll uns das recht sein. Ein Virus würde lägrige Leidenswürmer präsentieren, denen die Lust auf Spiel vergangen ist. Es ist also alles gut. Fast alles.

Die neue HundeliegeDer Renner - Die neue HundeliegeEine Eingebung veranlasste die Chefin, eine Welpenliege zu bestellen, und die wird heute geliefert und den Hallodris in den Garten gestellt. Wenn wir gewusst hätten, welchen Hype wir damit auslösen, hätten wir so ein Mini-Feldbett schon längst gekauft. Dieses Lager ist binnen Minuten der Renner der Saison, wird sofort belegt, und wer nicht aufs Oberdeck passt, legt sich darunter und nervt seine Geschwister durch das Gitter hindurch, das die oben Liegenden im Normalgebrauch an warmen Tagen von unten belüften soll. Nichts kann dieses Lager toppen, kein Kuddebett, keine ausgepolsterte Wanne, kein Vetbed und keine Palette, die bislang der Bungalow der Wahl war. Es gibt nur noch dieses Feldbett. Was für eine Anschaffung! So eine Sensation kostet bei Zoo Plus 29 Euro, besser haben wir unser Vermögen noch nie angelegt. Wir wollen unsere Welpenkäufer schon mal vorsichtig darauf hinweisen, dass sie möglicherweise auch nicht um diese Anschaffung herumkommen, weil es sehr gut denkbar ist, dass ihnen die Hallodris die bereitgestellten Strohsäcke und Hundepritschen, seien sie noch so teuer und trügen sie noch so stolze Namen, vor die Tür schieben und ihnen anbieten, sich Die Verpackung der LiegeDie Verpackung der Liegegefälligst selbst in diese Zumutungen zu betten. Aber 29 Euro, das wird sich wohl noch machen lassen. Für einen Engel mit Schlappohren. Außerdem bietet dieses Welpenlager den Zusatzbonus einer Verpackung, die mit ähnlich ausgeprägter Begeisterung genutzt wird. Ein besseres Schnäppchen kann man sich kaum denken, denn dieses Lager wird weit über das Welpenalter hinaus seinen Wert behalten; unsere Hallodris hatten jedenfalls alle Pfoten und Kiefer voll zu tun, um ihre bräsige Mutter von ihrer Sonnenliege zu vertreiben.

Da sind wir ja mal sehr gespannt, wer sich in Zukunft auf dieser Liege das Hausrecht verschaffen wird, Fianna oder ihre Tochter, die ihr bleiben wird. Wir jedenfalls räumen die ungeliebte Plastikwanne, die sechs Würfen eine heimelige und begehrte Schlummerstätte war, weg, weil die Hallodris nie mit ihr warm wurden und ersetzen sie durch dieses Paradebett. Da liegen sie nun drunter und drüber, so, wie es eben zugeht beim Blues, derzeit jedenfalls.

 

Donnerstag, 13. April 2017

"So wie Martin es will, zeigt sich dann der ganze April." Das macht Mut zur Verzweiflung. Martin ist ein windiger Mistkerl, bedeckt und grau, genau genommen ist er ein unfreundlicher Lackel, mit dem man nichts zu tun haben will. Zwar lässt er uns nicht frieren, weil er wenigstens so um die 12° C im Gepäck führt, die er abends dann doch auf Sparflamme von 6° C dimmt, weil er sich entblößt. Was kann man von so einem schon erwarten? Gründonnerstag heißt Martin mit Nachnamen, besser hieße er Graudonnerstag. Und dass er es gleich im Voraus weiß: Wir werden ihn für alles zur Rechenschaft ziehen, was er unseren Hallodris klimatisch antut.

Manchmal hat man Eingebungen, von denen man nicht weiß, warum und von wem sie einem eingegeben werden. Beim Eintrag der heutigen Gewichte in das Excel werfen wir aus reiner Neugier einen Blick auf die Gewichtstabelle des G-Wurfs und sind auf den Schlag geflasht: Am heutigen 45. Tag des Wurfs verzeichneten wir das gleiche Durchschnittsgewicht der Welpen. Damals wogen sie 4481 Gramm im Schnitt, heute 4482 (das eine Gramm schreiben wir aufs Konto von Messrundungen). Soll einer sagen, Genetik sei ein mendelscher Taschenspielertrick. Fianna kann nur elf, Fianna kann nur Fleckvieh und Fianna bringt immer die gleichen Stoffwechsler.

Schauen wir also mal, wie sich diese 4482 Gramm Durchschnittsgewicht auf die elf Hallodris verteilen. Man könnte sich nun fett zurücklehnen und sagen: Der Hallodri trägt die Hauptlast für diese Gewichtsentwicklung, was bei 5120 Gramm Hallodri vom Bairischen BluesHallodri ist kein Kostverächternatürlich nicht ganz falsch ist. Aber: Ohne Verantwortung für das große Ganze zu übernehmen und davonpreschen kann jeder, die Kunst liegt in der Wahrung des Gleichgewichts. Und dafür ist Hubsi zuständig. Hubsi muss bremsen, um Fiannas interne Logik umzusetzen. Für jedes Gramm, dass sich der Berggorilla aufpolstert, muss Hubsi an sich halten. Hubsi ist das mendelsche Korrektiv, das die These bestätigt. Weil Hallodri heute zwar die fünf Kilo übersprungen, aber nur vergleichsweise bescheidene 220 g zugelegt hat, darf Hubsi etwas mehr naschen und sich 270 g gönnen. Das bringt den kleinen Justus auf 3790 Punkte. Kontrollieren kann man das Feld nur von hinten, und Hubsi hält sich daran. Fast schämt sich der Vize, dass er dem Kleinen eine Gewichtskarriere prophezeit und auf einen fetthaltigen Endspurt gewettet hat, ohne zu bedenken, dass Hubsi einen Auftrag hat, dem er peinlichst und pflichtschuldig nachkommt.

Was erzählt uns die heutige Tabelle noch? Die geschlossene Männerreihe ist gesprengt, die Mädels haben sich wieder untergemischt. Dabei hat sich vor allem Hetty hervorgetan: Ihren 380 g können Harpo und Hias nichts entgegensetzen; mit 4570 Gramm rückt sie auf den 5. Platz vor. Harpo schafft nur 140 g, was natürlich in diesem Feld kaum das Überleben garantieren kann und fällt mit 4440 Gramm auf den 6. Platz zurück. Noch härter trifft es Hias. 170 g sind nicht genug, wenn man die Lage von oben betrachten will, und 4370 Gramm reichen eben nur für den 8. Platz, den er sich auch noch mit Halina teilen muss, die immerhin 210 g zulegen konnte, also die eigentliche Gewinnerin im internen Duell dieser beiden ist. Zwischen Harpo und Hias hat sich Hakuna geschoben. Ihre 220 g reichen für 4390 Gramm und eben den 7. Platz. Der Vor-Hubsi-Platz gehört weiterhin Hedda, die Hubsi als Handlangerin im mendelschen Korrektiv zur Hand geht; 210 g sind durchaus respektabel, führen aber nur zu 4240 Gramm, was noch kein weiteres Vorrücken ermöglicht. Die erweiterte Spitze und der 4. Platz gehört immer noch Hobo (4640, +270). Der Bursche macht sein Ding, fällt nicht auf und aus der Rolle, ist sozusagen das Scharnier zwischen den Karrieristen und den Aufstiegswilligen. An ihm muss vorbei, wer nach oben will, wie man am Erzengel Gabriel vorbei muss, wenn man ins Paradies will. Vorbeigekommen am hoboschen Flammenschwert ist Hartl gestern schon. Heute hat er auch noch Hugo weggevespert und mit 300 g den silbernen Reserve-Hallodri an sich gerissen (4700). Bleibt noch Hugo, der seriöse, aber unzulängliche 210 g aufgespeckt hat; zur Strafe hockt er nun auf dem Bronze-Stockerl.

Bezüglich dessen, was den Hallodris die Gewichte spendiert, stellen wir seit einigen Tagen das Frühstück um, indem wir die Eier mehr und mehr durch körnigen Frischkäse (Hüttenkäse) ersetzen, was leichter verdauliches Eiweiß zur Verfügung stellt.

Harpo vom Bairischen BluesHarpo hat ein ProblemWeder an den Eiern noch am Hüttenkäse liegt es, dass Harpo plötzlich mittags Probleme mit seinem Allerwertesten hat. Er drückt. Er presst. Er kreiselt. Er jammert. Er klagt und drückt und presst und kreiselt, aber es will ihm nichts gelingen. Eine nähere Inspektion seines Pos durch die Chefin lässt die Vermutung aufkommen, Harpo sei gar kein echter Hund, sondern ein ausgestopfter, so einer mit Stroh und Seegras, denn was da hinten herauslugt, ist nicht das, was man erwarten muss. Die Chefin zieht und entfernt dem kleinen Vagabunden Stroh aus dem Hintern. Wo er das gefunden hat, bleibt uns verborgen. Der Eingriff bringt aber nicht viel, er jammert nämlich weiter und drückt und presst. Anscheinend sind ihm schon einige kleine Erfolge bei der Presserei geglückt, jedenfalls ist sein Po reichlich unappetitlich verschmiert. Also bekommt er eine Rektaldusche unter dem lauwarmen Wasserhahn, wofür er sich damit bedankt, dass er eine satte Darmspende auf das Vetbed im Transit setzt. Aber er jammert weiter und presst, immer in einer Haltung, die man eher von älteren Menschen kennen, die einen Rollator schieben. Lustig ist das nicht, aber neu für den Blues. Wir geben ihm Lactulose, die wir gegen die Verstopfung unserer alten Jamie immer im Haus haben, damit sich die Korken in seinem Darm lösen. Und wir rufen unsere veterinärmedizinische Vertraute Karin an, die uns insofern beruhigt, dass ein Fremdkörper eher unwahrscheinlich sei, weil diese weniger mit Blockade als mit Erbrechen einhergehe. Sie vermutet, dass ihm das Stroh und eventuell noch im Darm verbliebene Reste einfach pieken und quälen. Wir einigen uns aufs Beobachten. Er entledigt sich alsbald eines Würstchens, dann entscheidet er sich doch wieder für flüssige Materie und legt sich unterm Dach zum Schlafen. Wir beobachten. Aber es gibt nichts mehr zu sehen. Im Laufe des Nachmittags bewegt er sich wieder wie ein Hund ohne Rollator, klagt auch nicht mehr und tobt mit seinen Geschwistern. Vermutlich waren es doch die Strohstengel, die ihm ein unwohles Kneifen im Darm verursachten. Wenn du denkst, es gibt nichts mehr, was du nicht kennst, kommt von irgendwo ein Haar-Po her. Und man ist wieder um eine Erfahrung reicher, die man im Buch des Blues abheften kann.

An dem Kilo Rinderkopffleisch, das wir mittags mit Reis, gekochten Karotten und pürierten Erbsen servieren, beteiligt er sich auch, vielleicht, weil er damit den Stopf von oben bearbeiten möchte. Möglicherweise hat das ja zusammen mit der Lactulose auch für die Erlösung gesorgt. Wer weiß das schon?

Wenn man dann allerdings mit seinem Eimerchen und Schäufelchen durch den Garten streicht, wünscht man sich mehrere Harpos, anstatt seiner ungeniert auslösenden Geschwister. Für den Vize, der sich mit seiner Nase immer noch auf höchstem olfaktorischen Niveau bewegt, ist diese Wanderung durch den Garten wie Apnoe-Tauchen: Luft anhalten und an eine Zukunft glauben. Wenn heute nicht so ein mieser Graudonnerstag wäre, könnte man auch den ältlichen Spruch herauskramen: Es riecht aus den Aborten, es wird Frühling allerorten. Aber am Frühling kann es heute nicht liegen. Es können nur die Hallodris sein.

All dem Gestank und dem Graudonnerstag zum Trotz, lassen sich die Hallodris nicht kleinkriegen. Sie beschäftigen sich eher damit, ihr Paradies kleinzukriegen. Zum Beispiel die Kletterrose, die im unteren Teil wohlbedacht im Buchs verläuft, aber Hakuna vom Bairischen BluesHakunanun doch von den nimmermüden Killerblicken der marodierenden Kleinkindergruppen entdeckt und angegriffen wird. Wir verpassen ihr einen Schutzmantel aus Jute, was aber nicht leicht zu bewerkstelligen ist bei einer Pflanze, die sich im Schutz einer anderen emporrankt. Wo legt man den Jutesack an? Die Hallodris beobachten unsere Bemühungen mit eifrigem Interesse, machen sich ebenso eifrig Notizen und nach Fertigstellung des Jutemantel unverzüglich an die Aufdeckung aller Schwachstellen dieser Konstruktion. Es dauert nicht halb so lang, die Rose wieder zahnreif zu strippen, wie sie zu verhüllen. Wir nehmen uns vor, morgen einen neuen Anlauf unter Ausschluss der hallodrinischen Späher zu versuchen. Falls die Rose noch ein Morgen hat.

Hallodris mit GießkanneHalina vom Bairischen BluesHalina mit dem BrausekopfAndere wiederum spezialisieren sich aufs Gegenteil der Pflanzenvernichtung und schleppen unsere Gießkanne überall hin, wo sie meinen, dass sie gebraucht wird. Ob die Rose sie morgen noch braucht, wissen auch sie nicht zu sagen. Halina bereichert das Gießkannenspiel damit, dass sie den anderen den Brausekopf vorenthält, die diesen dann wieder erobern müssen, weil eine Gießkanne ohne Brausekopf keine Gießkanne und, ihrer Ansicht nach, auch kaum einsatzbereit wäre.

Hias vom Bairischen BluesHias genießt seine HängematteWer rettet unsere Botanik? Wir versuchen es mit der Pendelschaukel und dem Bällebad. Die Schaukel ist die sofortige Attraktion und verschafft der Rose, dem Lavendel und der Minze etwas Luft. Das Bällebad ist wegen des Bälledoms in der Küche kalter Kaffee und wird nur von Fianna benutzt, die umgehend eine Knabberstange unter den Bällen vergräbt. Das hat sie Fianna und das BällebadFianna auf der Suche nach der Knabberstangeschon beim G-Schwader so gemacht und nicht dazugelernt, dass sich unter Bällen nichts vergraben lässt. Deswegen befördert sie die Bälle umgehend aus dem Bottich, um ihr wiedergefundenes Knabberzeug an anderer Stelle zukunftsträchtig zu verscharren. Es würde uns nicht wundern, wenn sie es mit Hilfe ihrer Kinder unter der Kletterrose tun würde. Oder unter der Buchshecke, die sieht sowieso schon aus wie ein Minenfeld.

Am Gründonnerstag gedenkt die Christenheit des letzten Abendmahls des Herrn mit seinen Jüngern. Am Graudonnerstag wird uns und unserem Garten schmerzlich bewusst, dass es besser ist, wenn die Jünger bald dahin- und davonfahren, anstatt sich selbst und den Garten zu opfern.

 

Karfreitag, 14. April 2017

Stell dir vor, es ist Karfreitag und keiner schert sich drum? Die Abwandlung des alten Spontipruchs kommt einem in den Sinn, wenn man sich die Gewichtsentwicklung der Hallodris vor Augen führt. Nun kann Welpenzeit natürlich keine Fastenzeit sein, kaum für die Menschen, sicher aber nicht für die Zwerge. Aber muss man denn ausgerechnet von Gründonnerstag auf Karfreitag zu einem Gelage mit den entsprechenden Auswirkungen ausholen. Nach dem letzten Abendmahl hat der Herr bestimmt kein Jota zugenommen, schließlich war es ja auch eine Art Henkersmahlzeit. Aber 3170 Gramm Auflastung ausgerechnet am Höhepunkt der Fastenzeit ist lästerlich. Dabei registrieren wir eine Streuung von 160 g bei Hedda bis 400 g bei Harpo. Und dann friert uns doch das Blut ein wenig ein: Trotz dieser gewaltigen Zunahme und der enormen Streuung steht die Tabelle still, wie die Welt am Tag der Kreuzigung stillgestanden sein soll. Kein einziger Platz verändert sich, nur Hetty schafft es mit 280 g zu Hobo aufzuschließen. Gute Güte, spielt das Universum mit unseren Hallodris? Wir können uns wirklich nicht daran erinnern, dass wir jemals eine eingefrorene Tabelle hatten. Deswegen verkünden wir nun in Demut und ohne jeden Firlefanz das Ergebnis (der Spötter ist beeindruckt und hält das Maul):

Hugo und Hartl vom Bairischen BluesHugo und Hartl1. Hallodri (5420, +300), 2. Hartl (5060, +360), 3. Hugo (4930, +250), 4. Hobo (4850, +210) und Hetty (4850, +280), 6. Harpo (4840, +400), 7. Hakuna (4770, +380), 8. Hias (4760, +390), 9. Halina (4620, +250), 10 Hedda (4400, +160), 11. Hubsi (3980, +190).

"Tiburtius kommt mit Sang und Schall, bringt Kuckuck und die Nachtigall." Heilix Blechle, nicht die schon wieder! Vermutlich singen Kuckuck und Nachtigall 'Oh Haupt voll Blut und Wunden' als Quintessenz einer langen und brandgefährlichen Reise. Im Mangfalltal singt und schallt jedoch noch immer kein Kuckuck und schon gar keine Nachtigall, was bezüglich des Kuckucks nicht verwundert, weil der ja bereits erfroren ist, wie wir wissen. Aber der Karfreitag ist bekanntlich Voraussetzung für die anschließende Auferstehung – und warum sollte unser Kuckuck nicht auch dafür gut sein? Kuckuck war nicht umsonst jahrhundertelang ein Tarnname für den Teufel (Auf einem Baum ein Kuckuck saß...). Und vielleicht steht er ja wieder auf, der totgesagte Mangfallkuckuck. Der Rest der Weissagungen changiert selten hemmungslos ins Dümmliche und schwurbelt sich ums Grün herum, wohl weil gestern Gründonnerstag war. "Am Tiburtiustag, alles grünen mag." Ja, warum auch nicht, Mitte April? Oder: "Grüne Felder am Tiburtiustag, die ziehen viel Getreide nach." Noch besser: "Tiburtius kommt uns sehr gelegen, mit seinem grünen Blättersegen." Kommt er uns, auch wenn er uns dumm kommt und dafür verkauft. Der Verfasser dieser Weissagungen war definitiv Schüler von Nostradamus und dem Mühlhiasl (ist kein direkter Vorfahre unseres Hiasls) und im späteren Leben deutscher Außenminister. Es ist nicht auszuschließen, dass er auch der Verfasser des bekanntesten aller trefflichsten Sprüche war: "Liegt der Bauer tot im Zimmer, lebt er nimmer." Kann man nichts dagegen einwenden.

Der Karfreitag beginnt meteorologisch, wie man es von ihm erwarten darf, hochneblig bedeckt bei 6° C, nachmittags kann er sich dann nicht so recht entscheiden, ob er sich bedecken oder ein wenig entblößen will, gelegentlich lässt er es auch ganz zünftig blitzen, aber so richtig freimachen kann er sich von seinem düsteren Erbe nicht.

Fetzer Jr. vom Bairischen BluesFetzer Jr.Heute ist Fiannas Bruder Fetzer jr. zu Besuch aus dem Schwäbischen. Die beiden mögen sich, und er gibt Fianna auch keinen Grund, wegen ihrer Welpen gegen ihn einzuschreiten. Er ist ein erwachsener Rüde und demnach nur tangential glücklich mit Saugwelpen. Dafür macht er es aber sehr gut, ist nicht begeistert, aber eben auch nicht hysterisch wie manch anderer, er hält sich im Hintergrund, läuft aber nicht davon. Es ist Fetzis ganz persönliches Karfreitagserlebnis ohne schauriges Ende. Im Brechtschen Theater hätte man in dieser Inszenierung den Delinquenten nochmal davonkommen lassen, mit der Auflage abzuschwören, ganz wie beim 'Galilei' eben. So kommt auch Fetzi glimpflich davon und hat dazu durch seinen unaufgeregten Auftritt selber am meisten beigetragen. Nicht schlecht, Fetzi. Respekt. Da haben andere schon erheblich längere Fäden gezogen.

Hallodri-EierAlexandras Hallodri-EierZurHallodri-Eier Generierung der Vorfreude auf Ostern bringt Alexandra elf ausgeblasene braune, mit Hallodrigesichtern bemalte, Ostereier vorbei, dazu noch zwei große weiße Eier, stellvertretend für Ery und Fianna. Die kommen an frisch geschnittene Obstzweige und lachen uns nun schelmisch an. Ei, Ei, Alexandra, das ist eine preiswürdige Idee. Danke dir und deinen pustefixen Helfern.

Den Hallodris gönnen wir unsere Eier nicht, zumal sie eh schon inhaltsleer sind; sie bekommen, was sie brauchen und vertragen, z.B. das bekannte Trockenfutter, das wir nun aber nur noch einweichen, nicht mehr pürieren. So langsam müssen sie sich der realen Futterwelt annähern. Nachmittags gibt es wieder einmal gekochtes Hühnchen mit Reis und Gemüse, eine leicht diätetische Futtervariante, um zu verhindern, dass die Hallodris aus den Nähten platzen, wo doch die Fastensaison schön langsam ausläuft. Wenn die schon während der Fastenzeit so schlemmen, was hätten wir dann ohne Diätbremse danach zu erwarten? Zumal wir natürlich auch am Karfreitag nicht von unseren Gästen und Freunden vergessen werden, die wiederum bestimmt nicht vergessen haben, sich die Taschen mit Leckereien vollzustopfen. Es gilt also Disziplin zu wahren.

Die Hallodris und die KrawallsockeDie Hallodris und die KrawallsockeInHetty vom Bairischen BluesHetty einer besucherfreien halben Stunde sitzen wir zwischen unseren Zwergen und haben fast Tränen in den Augen, weil wir einfach glücklich sind mit ihnen. Wir können es nicht verheimlichen, dass wir in unseren Augen den schönsten Blues-Wurf aller Zeiten vor uns haben, der dazu auch noch unsere Herzen mit Süßholz verkleistert. Die Hallodris sind einfach zauberhaft: zauberhaft hübsch, zauberhaft wild, zauberhaft herzhaft und zauberhaft herzlich. Der Hallodrizauber legt sich wie ein Parfum aus Bergamotte und Ylang Ylang über unsere Herzen und den Pissoirgeruch des Paradieses.

Dabei hätten wir allen Grund zu trauern, denn heute hätte unsere unvergessene Anouk, die Grande Dame des Bairischen Blues, ihren 16. Geburtstag. Zwei Jahre geht das Leben nun schon ohne sie, und wie man sieht, geht es sogar zauberhaft. Gar nicht daran zu denken, wie es wohl gehen würde, wenn sie noch bei uns wäre. Andererseits hätten wir der alten Dame diese Rasselbande und die Sperrgitter wohl nicht mehr zumuten können und wollen und hätten vielleicht sogar wegen ihr auf die Hallodris verzichtet. Wie man es sich wünscht, ist es irgendwie verkehrt. Ohne Anouk ist es nichts und ohne die Hallodris wäre es auch nichts. Wir trösten uns damit, dass Anouk uns noch immer fest im Griff hat: Wir rufen Anouk, wenn wir Fianna meinen und wir schreiben Anouk, wenn wir Fianna schreiben wollen. Und das nach fast zwei Jahren und bei einer Fianna, die wir verehren und über die wir nichts kommen lassen. Es heißt, das Internet vergisst nicht. Gegen ein liebendes Herz ist das Netz geradezu dement.

Manch einem mag jetzt auffallen, dass wir den Geburtstag unserer ebenso unvergessenen Franzi, Fiannas Mama, am 5. März nicht entsprechend gewürdigt haben. Das ist nur im Außenverhältnis richtig. Die Anfänge der Hallodris hatten uns so in Beschlag genommen, dass wir vergaßen, ihn zu erwähnen, aber wir haben unseren Franz ganz sicher nicht vergessen, eine Kerze haben wir ihr auf unserem Hausaltar angesteckt und uns vorgestellt, wie stolz sie auf ihre Tochter und ihre Enkel wäre. Und gerade die haben ihr die Nichtnennung eingehandelt. Nein, unser Franz ist unvergessen und beansprucht nicht weniger Raum in unseren Herzen als Anouk. Wenn wir irgendwann dort auch noch Fianna unterbringen müssen, sollten wir uns vorher ein Sportlerherz zulegen, dass auch wirklich alle Platz haben. Und dann, so gehen die Gerüchte, soll auch noch eine Zwergin der Hallodris die Ahnenreihe des Blues verlängern. Der Vize beschließt, umgehend wieder mit dem Training zu beginnen, damit keine der dann immerhin schon vier Damen zu kurz kommt in seinem pulsierenden Liebesbeutel.

Doch das Paradies im Herzen und das Paradies der Hallodris ist mangelhaft, geradezu ein Mangelfall, wenn man dem Chronisten diesen Kalauer verzeihen möchte. Auch nicht unser Paradies, das die Hallodris heute bis nach 21 Uhr durchstöbern und genießen dürfen. Einerseits gibt das die Wetter- und Temperaturlage her, andererseits haben wir die Reduzierung der Darmwürmer in unserer Küche im Sinn: Je länger die draußen, desto weniger da drin. So denken wir uns das aus. Was wir nicht einkalkulieren ist, dass die Hallodris der Rechnung nicht zustimmen, weil wir sie nicht gefragt haben, wann sie ins Warme wollen. Jetzt, gegen halb zehn jedenfalls noch nicht. Und das machen sie unverzüglich und unmissverständlich mit einem akustischen Elferrat-Special deutlich, dass uns das Trommelfell knattert und das liebende Herz zuschnappt. Dieses vokale Terrorregime bewegt sich weit jenseits jeglicher Lärmschutzverordnung. Die Chefin verscherbelt alle für die Hallodris reservierten Plätze in ihrem Herzbeutel, bindet ihn zu und droht mit kollektiver Exekution der Ausgewiesenen. Diese pfeifen auf die leere Drohung und keifen auf die Kasernierung. Bis ihnen die Luft ausgeht. Und das Licht ausgeht. Der Vize hält noch bis Mitternacht Brandwache, um jedes Aufflackern im Keim zu ersticken. Hat er nun einen Tinnitus oder ist es doch nur das Echo der Hallodris?

 

Karsamstag, 15. April 2017

In der Reaktion auf dezent vorgetragenen Tadel zeigt sich der Charakter. Auf grob vorgetragenen Tadel reagieren gelegentlich sogar die Dickfelligen mit Einsicht; sobald er aber an die feinen Verästelungen des Wesens andocken will, findet er meist keinen Rezeptor. Seit heute Morgen können wir nun die Hallodris separieren, in jene mit dem gusseisernen Gewissen und chronisch verstopften Gehörgang und die anderen mit den feinen Sensoren für die dezente Ansprache, die demnach auch die feinen Antennen in der Ausbildung haben dürften. Um deutlich zu werden: Unser gestriger Vorwurf bezüglich unsensiblen Umgangs mit den Bräuchen der Fastenzeit hat erwartungsgemäß gerade bei denen nicht gezündet, denen eine kleine Diät nicht schaden würde. Dafür haben die Schmalbrüstigen und die echten Hungerhaken an sich gehalten, diejenigen Hallodris, die sich bewusst ernähren und nicht nur die Futterluke öffnen und Brennstoff einfüllen, bis der Kessel glüht.

Hetty vom Bairischen BluesHettyIn der Registratur sieht es dann so aus. Das Häuslergewicht Hias hat sich am heftigsten kasteit und 160 g abgenommen. In Worten einhundertundsechzig Gramm abgenommen! Das wirft ihn von 4760 auf 4600 Gramm und vom 8. auf den 9. Platz zurück. Die zünftige Hetty ist unter ihrem schwarzen Rock erheblich feinfühliger als man ihr anmerkt: 50 g hat auch sie abgenommen, was sie auf 4800 Gramm und von Platz fünf auf Platz sieben bringt. Ein Glanzstück der statistischen Äquilibristik vollbringt Harpo, der sich einfach nicht bewegt, kein Gramm zu- oder abnimmt und dennoch mit seinen 4840 Gramm von Platz sechs auf Platz fünf vorrückt. Auch Hakuna darf man noch zu denen zählen, die sich die kleine Gardinenpredigt zu Herzen genommen und nur 40 g zugenommen haben; wir haben ja keine Nulldiät oder asketisches Fasten verordnet. Für Hakuna stehen damit 4810 Gramm in den Büchern und Platz sechs statt sieben, weil Hetty sie so generös vorbeigewunken hat. Wem nun angereichertes Fastenverhalten oder eingebremste Völlerei zu bescheinigen ist, lässt sich bei der nächsten Gruppe nicht so leicht beantworten. Halina hat beispielsweise 120 g zugelegt; das ist der geringste Wert seit fünf Tagen. Wir bescheinigen ihr also, dass der Geist vermutlich willig, aber das Fleisch zu lecker war: 4740 Gramm, eins rauf auf acht. Und wer will Hubsi vorwerfen, dass er sich sittenwidrig und traditionsvergessen gestopft hat – bei 130 g! Von Fastengewinnlerei kann dabei wirklich nicht die Rede sein. 4110 Gramm halten ihn am Tabellenboden fest. Hedda ist jedoch schon ein Grenzfall. Für ein Leichtgewicht am Tabellenende sind 150 g nicht wenig, obwohl sie natürlich in den vergangenen Tagen deutlich mehr geliefert und dennoch nicht vom Fleck gekommen ist. Ihr bringt der Fastenschmaus nichts, außer 4550 Gramm und weiterhin den Vor-Hubsi-Platz. Nun wird es zunehmend schwieriger, einen guten Fastenwillen mit den Zahlen in Einklang zu bringen. Hartl, ein g'standenes bayerisches Mannsbild auf dem zweiten Rang, muss nicht 170 g zulegen, um zu überleben. Nur wenn man sich da oben im Bullenrennen keine Blöße geben will, muss man sich einspreizen. Er kommt damit auf 5230 Gramm und hält die Position. Über die Notwendigkeit einer Gewichtsauflastung bei Hallodri ist jedes Wort überflüssig. Ihm ist das wurscht, Brauch und Tradition sind bei ihm eine Untermenge von Bauch und Gravitation. Die 180 g sind bei ihm eher ein kleiner Nachschlag zu gestern (300 g!) und eher beiläufig an ihn herangetragen worden als aktiv eingefahren: 5600 Gramm. So einer befolgt keine Regeln, so einer macht sie. So einer darf sogar in einem öffentlich rechtlichen Studio rauchen, falls er Helmut Schmidt hieße. Und so einer darf an Karfreitag seinen Geschwistern die Noagerl wegfressen, wenn er Hallodri heißt. Hugo sieht aus wie ein Messdiener und ist ein ganz hinterkünftiger Fressschlawiner, dem man seine Pfunde nicht ums Verrecken ansieht. Selbst die karfreitäglichen Hobo vom Bairischen BluesHobo220 g aus der Baiblues-Diätküche (linksdrehend und glutenfrei) bauen ihn nicht zum stiernackigen Starkbiermönch um. Er hat offensichtlich kein Pölsterchen zusätzlich auf seinem Sixpack: Jetzt auch Zehnpfünder, 5150 Gramm, 3. Platz gehalten. Aber der Großsünder des Bairischen Blues ist ihm nähergerückt: Hobo! 280 g. Am Karfreitag. Schamlos, sittenlos, selbstverliebt. Als Vorbild ein Totalversager. Oder ein heimlicher Salafist? Wir registrieren widerstrebend (und mit der 2. Sure, Vers 184 auf den Lippen[1]) 5130 Gramm und stabilisierter 4. Platz. Wegen der Abstinenzler kommen insgesamt dann doch nur saisonal angemessene 1080 Gramm heraus.

Man kann auch die Fastentreuen anders interpretieren, nämlich als diejenigen, die für die ekligen Fladen und Lachen in Küche und Garten verantwortlich zeichnen, diejenigen also, die die Mahlzeit und damit auch das Gewicht nicht halten können. Tatsächlich kriegen wir den Durchfall nicht in den Griff, was uns aber nur aus ästhetischen und hygienischen Gründen besorgt, denn selbst der Super-Minus-Mann Hias zeigt keinerlei Defizite. Wir rätseln, was der Grund für den Darmkatharr sein könnte. Grünzeug im Garten? Das hatten wir immer schon. Oder der laktosefreie Hüttenkäse, den wir versehentlich gekauft haben? Den werden wir jetzt mal weglassen. Mal sehen. Aber solange die Hallodris über jedes Stöckchen springen, das wir ihnen und sie sich selber hinhalten, machen wir uns keine Gedanken. Nur die Miasmen drücken sehr auf die Stimmung.

Doch ganz untätig wollen wir nicht bleiben und nur zusehen, wie sie aus unserer Küche einen Augiasstall machen, deswegen probieren wir es mit der Moroschen Karottensuppe, von der wir ihnen nun immer ein Löffelchen eine halbe Stunde vor dem Frühstück geben. Die Morosche Karottensuppe ist ein uraltes Hausrezept, für das die Karotten mindestens 90 Minuten gekocht werden müssen. Durch das lange Kochen entstehen Oligosaccharide, die von der Struktur den für die Erreger bestimmten Rezeptoren der Darmwand zum Verwechseln ähneln, weshalb sich die Erreger nun nicht an der Darmwand, sondern an diesen Zuckermolekülen niederlassen und mit diesen gleich wieder hinten hinaus abserviert werden. Tatsächlich haben wir den Eindruck, dass die Kinderkacke nachmittags schon deutlich schnittfester ist.

Hedda und Hallodri mit der KalbshaxeHedda und Hallodri mit der KalbshaxeWenig nahrhaft, aber ein Aufreger ist der originale Kalbsfuß mitsamt Fell, den wir den Hallodris servieren. Erst ist er ganz hin- und hergerissen, der Hax, irgendwann wird er dann in einer Gartenecke die Beute eines weltvergessenen Nagers. Noch nie haben Welpen einen solchen Kalbshaxen bei uns kleingekriegt, aber er fördert die Beharrlichkeit, sich an etwas Begehrtem festzubeißen und so lange daran zu arbeiten, bis ein Erfolg zu verzeichnen ist. Für die Hunde kann so ein nachhaltiges Dranbleiben von größtem Wert sein, von ihren späteren Besitzern erwarten wir dafür kein Sonderlob. Spätestens, wenn die ersten Manolo-Pumps in aseptische Einzelteile von Erbsengröße geraspelt sind, hält sich die Begeisterung über die Hartnäckigkeit des neuen Familienmitglieds in engen Grenzen. Aber wir sind für die Lebensfähigkeit unserer Welpen verantwortlich, nicht für die von Luxusschühchen und das seelische Gleichgewicht von Hundenarren.

Fianna und ihre WelpenFianna hat noch H-MilchNoch immer – wir gehen stramm auf das Ende der 7. Woche zu – kann es Fianna nicht lange ohne ihre Kinder aushalten. Noch immer gibt sie beim Spaziergang an jeder Ecke Gas in Richtung Heimat. Und der Vize gibt ihr nach, nicht zuletzt, weil auch ihn das Sauwetter nicht länger als nötig im Freien hält. Für Fianna wäre das unter normalen Umständen allerdings kein Grund, den kurzen Weg nach Hause einzuschlagen. Kaum zurück, stellt sie sich und serviert wieder die begehrte H-Milch. Dass da immer noch was kommt!

Das Mistwetter beginnt morgens bei 6° C locker bewölkt mit blauen Flecken und einem Wind, der den Hallodris Schleifchen ins Fell knüpft. Ab Nachmittag fährt der Himmel schwere Wolkenlast auf. Ihr folgt der Regen, der mitunter zur Dusche wird. Für die Hallodris bedeutet das, dass sie sich anfangs noch draußen unter dem Balkon aufhalten können, weil es nicht kalt ist. Als aber der Wind gegen 19:30 Uhr den Regen bis an die Hauswand treibt, ist die Freiluftsaison bis auf Weiteres beendet. Wir beschweren uns trotzdem nicht: Es ist tatsächlich das erste richtig schlechte Wetter, seit die Kinder draußen sein können.

Wir nutzen die Gelegenheit und legen den schlummernden und träumenden Hallodris erstmals ihre Halsbänder an. Die merken nichts, und wenn sie aufwachen, werden sie sich wundern und kratzen. Und bevor hier die Lichter ausgehen, machen wir sie wieder ab, damit sie sich nicht verletzen oder gar am Halsband durch die Küche zerren. Denen ist alles zuzutrauen.

 

Ostersonntag, 16. April 2017

Der Osterhase irrt durch das garstige Osterwetter und steht pudelnass und zerzaust vor unserem Garten, um den Hallodris ein paar Eier zu legen, aber die sind im Haus, und wir sagen ihm, dass er die anderen Kindern beschenken soll, wir haben ja schon die von Alexandra. Da trollt er sich und ist vermutlich ganz froh, dass er in dem miefigen Garten nicht herumhopsen und liefern muss.

Es ist einfach nur grau draußen, dick bewölkt, und Regen ist der Hauptgast an diesem Ostertag. Die 6° C sind bei dem mitgelieferten Wind auch keine Einladung für unsere Hallodris, sich im Freien aufzuhalten. Wir müssen sie also ein wenig bespielen, damit sie keinen Lagerkoller bekommen.

ZHobo vom Bairischen BluesHobo bei der Morgenbambuleum Morgenappell und zum Putzen sind sie allerdings draußen unterm Balkon, unter den wir ihnen die neue Liege schieben, was zur Folge hat, dass sich die Bande am Ostersonntagmorgen um 7 Uhr einen heißen Kampf um die Plätze auf oder unter der Liege liefern. Und sie streiten nicht lautlos. In unserem Garten geht es zu wie am Hamburger Fischmarkt. Da bleibt kein Auge trocken und vor allem kein Nachbarauge im Schlaf geschlossen. Wir müssen ihnen die Liege wieder wegnehmen und legen dafür zwei Vetbeds aus. Um die lohnt es sich nicht zu streiten. Und schon ist wieder Ruhe. Der Osterhase schüttelt nur den Kopf und ist froh, dass er dieser Schlägertruppe entkommen ist.

Der Durchfall gehört so ziemlich der Vergangenheit an, möglicherweise wegen der Karottensuppe, aber trotz der Inflation von Knabberstangen und Pansenstangen unserer Besucher und der nahrhaften Kalbshaxe. Auf der Waage summiert sich diese Völlerei zu nahezu 4000 Gramm Gewichtszunahme, was nichts anderes ist als ein Gewichts-Tsunami, eine gewaltsame Befreiung vom Fastenkorsett. 3970 Gramm sind es exakt, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Möglicherweise müssen wir unseren Hallodris doch Abbitte leisten mit unserem Vorwurf, sie hätten nicht gefastet; wenn das hier halbwegs normal sein sollte, dann hat sogar der Kalorienstaubsauger Hobo gestern noch gefastet, auf seinem Niveau eben. Aber das dürfte man ihm nicht verübeln.

Die Urgewalt dieses Fastenbrechens lässt sich am besten darstellen, wenn man ganz unten anfängt, beim Kaloriensparmodell des Tages, und das ist Hartl mit 270 g. Er bleibt mit 5500 Gramm auf dem 2. Platz. 280 g meldet Hugo, der es damit nicht schafft, seinen 3. Platz zu verteidigen, sondern auf Rang vier abfällt (5430). Dass Hallodri mit vergleichsweise schwächlichen 290 g seinen Sonnenplatz nicht verliert, weiß jeder, der dessen Polster im Kopf hat und rechnen kann (5890). Hubsi ist dagegen ein hoffnungsloser Fall: Selbst mannhafte 310 g lassen ihn noch Boden verlieren (4420). Mit 320 g schafft es Hobo, sich an Hugo vorbei auf den 3. Platz zu schieben (5450). Hias versucht, sein Image als Spargeltarzan gar mit 360 g aufzupolieren und bleibt mit 4960 Gramm dennoch auf dem drittletzten Platz hängen. 380 g lässt Halina registrieren, schafft damit zwar die Fünf-Kilo-Marke, aber auch keinen Schritt nach oben (5120). Ab jetzt wird es adipös. 400 g sind für ein zartes Geschöpf wie Hedda fast schon monströs, schließlich hat sie sich an diesem einen Tag fast ihr Geburtsgewicht von 450 Gramm aufgebürdet. Ein Weg aus der Positionskrise ist es an einem solchen Tag der Maßlosigkeit dennoch nicht; sie bleibt mit 4950 Gramm noch unter der Fünf-Kilo-Marke und Vorletzte, legt aber ein bisschen mehr Abstand zwischen sich und Hubsi, was weder ihr noch ihm hilft, beziehungsweise schadet; reine Ergebniskosmetik. Es ist schwer vorstellbar, dass man mit 420 g einen Platz einbüßen kann – Hakuna vollbringt das Kunststück, weil es noch skrupellosere Futterverwerter als sie gibt: 5230 Gramm und einen Platz von sechs auf sieben runter. Fehlen uns noch zwei Mitwirkende an diesem wirklich hinterletzten Abendmahl. Harpo fehlt noch, der Schelm, dem seine Schwester Hetty einen üblen Streich spielt. Man kann sich vorstellen, wie es ihm heute Morgen auf der Waage zumute gewesen sein muss, als er seine Differenz von 440 g auf dem Display aufflackern sah, rot unterlegt wegen Überschreitung des zulässigen Tagesbedarfs, und dann mitgeteilt bekam, dass ihn diese Ergebnis vom fünften auf den sechsten Platz verbannt! Er schrie nach einem Eichmeister, um das Ergebnis anzufechten, aber es konnten keine Messfehler nachgewiesen werden: Seine Schwester Hetty ging als Schwergewichtsmeisterin des Blues aus der Rallye: 500 g! Ein halbes Kilo! Und Aufstieg von Platz sieben auf Platz fünf mit 5300 Gramm. Liab's Herrgöttle von Biberach! Das Verstörende an dieser Bilanz ist, dass man den Hallodris diese Leibesfülle nicht ansieht, sogar der sogenannte Berggorilla sieht nur wie ein männlicher Hovawartwelpe in der 7. Woche aus.

Wir beschließen, dass das ersehnte Osterlamm heute ausfällt und kredenzen ihnen das, was sie eigentlich in der Fastenzeit hätten bekommen müssen: Gekochten Fisch mit Kartoffeln und Karotten. Wohl bekomm's.

Das Bunny ist erlegtDas Bunny ist erlegtAls Hias und das BunnyHias unternimmt einen StresstestDas OsterbunnyDas Osterbunny stellt sich vorOstergeschenk bekommt heute das rosarote und monströse Osterbunny seinen Auftritt, das sie sich sofort in Mannschaftsstärke zur Brust nehmen, während der gleichzeitig zugeführte Orka Willy links und rechts liegen gelassen wird. Die Vorgänger der Hallodris stürzten sich mit Verve auf Willy, diese hier nehmen ihn kaum zur Kenntnis. Vielleicht liegt es ja an Ostern, dass Bunnys besser ankommen als Killerwale.

Das Ende des BälledomsDas unwürdige Ende des BälledomsDas miese Wetter und der Regen zwingen uns heute wieder zur Käfighaltung, was zweierlei zur Folge hat. Erstens: Die Hallodris sind unleidig und nörgelig, krakeelen dauernd herum und gehen uns auf den Nerv. Und zweitens: Sie vergreifen sich am bisher heiß geliebten Bälledom und vergewaltigen ihn. Wie eine Horde Bandidos stürzen sie sich auf ihn, versudeln ihn und die Bälle mit ihren Exkrementen, verteilen die Pampe gleichmäßig und falten ihn versandfertig zusammen. Wir sehen für ihn keine Chance auf Genesung mehr, schaffen ihn ins Auslieferungslager und bringen die Bälle zur Grundreinigung in die Hundedusche. Weil er auch unzählige Zahnmarken und Laufmaschen hat, glauben wir, dass wir uns schon nach einer Spielzeit von ihm wieder verabschieden müssen. Er hat uns und den Hallodris viel Freude bereitet und die Küchenromantik spürbar erhöht, aber jetzt ist mit ihm kein Staat mehr zu machen; der Dom hat seine Schuldigkeit getan, der Dom muss gehen.

Um die sich im Haus dahinschleppende Zeit mit Sinn zu füllen, klemmen wir uns die Hallodris einzeln unter den Arm und bringen sie zu Einzeltests ins Dachstudio. Dort waren sie noch nie, dort finden sie einen Raum mit 60 m2 vor, in dem alles Mögliche herumsteht: Erstaunliches, Beunruhigendes, Fremdes, Beeindruckendes und Verlockendes, vor allem aber – viel. Der Test läuft so ab, dass der Vize und Chronist mit der Kamera still in einer Ecke hockt, der Fernseher läuft, die Chefin den Probanden oder die Probandin ins Studio holt, absetzt und einfach machen lässt. Sie setzt sich daneben und macht sich Notizen. Später bringt sie Bälle und ein Baby-Beißkissen ins Spiel.

Die erste Kandidatin ist Hedda, weil sie nicht schläft und sich naseweis wichtig macht. Hedda schaut sich einen Moment um und stapft dann vorsichtig los, mal hier hin, mal dort hin. Die Rute ist in Wohlfühlstellung, Hedda ist mehr entspannt als Hedda vom Bairischen BluesHeddaHedda vom Bairischen BluesHeddagespannt. Auf ihrem Weg vorbei an der Chefin begrüßt sie diese mit einem kleinen Nasenstüber, greift sich ihren Kuli vom Boden, trägt ihn eine Runde im Kreis herum und bringt ihn ihr zurück. Als die Chefin zwei Bälle hervorzaubert, kugelt sie diese eifrig durchs Studio. Das zum Schluss angebotenen Baby-Beißkissen bekommt einen ordentlichen Anbiss und wird auch herumgeschleppt. Und auch der Vize wird noch begrüßt, damit er in seiner Fotonische nicht an gebrochenem Herzen verscheidet. Das war eine beeindruckend souveräne Vorstellung; man darf eben nicht unterschätzen, was es bedeutet, plötzlich in ein völlig unbekanntes Terrain mit lauter unbekannten Bauteilen versetzt zu werden. Hedda legt die Latte ganz weit oben auf.

Hetty vom Bairischen BluesHettyHetty vom Bairischen BluesHettyKandidatin Nr. 2 ist Hetty. Auch sie orientiert sich kurz und marschiert dann los. Sie arbeitet die interessanten Studiobereiche intensiver ab als Hedda, verweilt länger und vertieft sich stärker. Sie arbeitet den Raum ziemlich systematisch ab, jammert gelegentlich, geht auch mal Energie bei Frauchen tanken, sieht sich aber alles sehr genau an, ist dabei jedoch immer leicht in Spannung. Entspannung hofft sie in der intensiven Beschäftigung mit Pflanzen und deren Verkostung zu finden. Besonders fasziniert ist sie von den Fernsehbildern, die sie immer wieder magisch anziehen. Der Ball kommt ihr beim ersten Kontakt auch ein bisschen spanisch vor, geht dann aber befreit und gelöst auf ihn ein, spielt mit ihm und trägt ihn genauso umher wie anschließend das Kissen. Keine Leistungsabzüge, alles unerhört prima, weil es völlig normal ist, wenn ein Welpe sich einer neuen Umgebung mit Umsicht nähert.

Halina vom Bairischen BluesHalinaHalina vom Bairischen BluesHalinaDas Damengambit setzt sich mit Halina fort. Sie fühlt sich während des Transports ins Dach nicht ganz wohl und klammert. Oben angekommen holt sie sich erst Kraft beim Vize, wedelt ihm freudig zu und geht ihn besuchen. Dann geht auch sie auf die Rundreise, ebenfalls intensiv wie Hetty, interessiert sich aber nicht mehr für uns; sie braucht uns jetzt nicht mehr, ist viel zu sehr beschäftigt und abgetaucht. Als sie bei der Chefin vorbeikommt, nimmt sie ihr auch den Kuli weg, findet aber keinen Gefallen an ihm und lässt ihn wieder fallen. Ähnliches zeigt sie bei den Bällen und der Beißwurst: Sie ist interessiert, spielt damit, solange sie animiert wird, alleine ist sie daran nicht interessiert: Halina steht definitiv nicht auf tote Beute, sie sollte sich schon bewegen.

Hakuna vom Bairischen BluesHakunaHakuna vom Bairischen BluesHakunaLetzte Dame ist Hakuna. In der Orientierungsphase, bevor sie sich umschaut, nimmt sie schon Witterung auf und schnüffelt herum. Dann läuft sie los, schnell und doch vorsichtig. Sie überstürzt nichts, ist aber offen für das, was kommt. So ambivalent geht es weiter: Einerseits trägt sie die Rute wie einen Flaggenmast, andererseits muss sie sich immer wieder verlegen kratzen. Als Kraftspender scheint ihr Chefins Kuli gerade recht zu sein; sie greift ihn sich und trägt ihn durchs Studio, schaut sich mit ihm intensiv um. Der Ball ist sofort ihr Freund, nur ungern gibt sie ihn wieder heraus, was ihr Probleme bereitet sich zu entscheiden, als der zweite Ball dazu ins Spiel kommt. Auch das Beißkissen macht ihr sofort Laune auf ein zickig-zackiges Zerrspielchen. Mon dieu!

Hartl vom Bairischen BluesHartlHartl vom Bairischen BluesHartlUnd nun: Hartl. Der Knirps pflanzt die Rute auf wie ein Bajonett und stapft los. Allerdings führt ihn sein erster Weg zum Vize und auf dessen Schoß, kurz innehalten, Kraft tanken und so tun, als ob das zum Programm gehörte. Aber viel Zeit verspielt er mit diesem Zwischenstopp nicht, macht sich gleich wieder auf den Weg durch den neuen Orbit: alles spannend, alles cool. Auch das Angebot von Bällen und Beißkissen nimmt er ohne Zögern an, geht darauf ein und lässt sich nicht zweimal zum Spielchen bitten. Er legt während des Spiels immer mehr zu, baut immer mehr Trieb auf. Dieser Hartl hat noch Reserven.

Hugo vom Bairischen BluesHugoAlsHugo vom Bairischen BluesHugo nächsten Kandidaten bitten wir Hugo in den Ring. Er macht es nicht anders als seine Geschwister: schaut sich kurz um und geht los. Auch er wählt als ersten Boxenstopp den Schoß des Vizes, lässt sich bestätigen, dass er ein gaaanz toller Hecht ist und geht dann weiter seine Runde, bei der er anfangs noch ein wenig unsicher ist, dann aber schnell die Rute nach oben bringt und seine Kreise zieht. Aufs Ballspiel und das Beißkissen lässt er sich ebenfalls problemlos ein, macht aber die Kiefer nicht richtig zu; ihm sind Menschen wichtiger als Bälle und Zerrzeug. Deswegen steigt er der auf dem Bauch liegenden Chefin auf den Rücken und schaut ihr über die Schulter beim Schreiben zu. Er will genau wissen, was sie über ihn zu berichten hat. Bestimmt nix Schlechtes, so viel ist sicher.

Hias vom Bairischen BluesHiasHias vom Bairischen BluesHiasMit Hias geht es weiter und hört für heute auf, weil während seiner Examination Besuch kommt. Hias gibt gleich Gas, jammert zwar ein bisschen dabei, aber man kann nicht sicher sein, ob es ein Jammern ist oder ob er sich einfach nur Mut zuspricht. Die Rute trägt er jedenfalls wie eine Antenne und unbegutachtet lässt er nichts. Der Chefin klaut er den Kuli, bringt ihn ihr auch wieder zurück, frisst ihr dafür den Schreibblock unter den Fingern weg. Als die Chefin dann den Besuch einlässt und er mit dem untätigen Vize allein ist, nimmt er die Dinge selbst in die Hand, holt sich einen herumliegenden Ball, treibt ihn durchs Studio, angelt nach dem zweiten, wenn er gerade neben ihm auftaucht, und auch das Beißkissen bekommt den einen oder anderen Freiflug. Der braucht keine Chefin, keinen Vize, der ist sich selbst genug und weiß etwas mit sich anzufangen. Potz Abraham und Zauberstab!

Wegen des Besuchs ist nun Schluss, die anderen müssen warten. Damit ihnen die Wartezeit nicht zu lang wird, bekommen sie noch schnell die dritte Entwurmung, diesmal mit Milbemax, das nur an einem Tag gegeben werden muss. Damit haben wir auch diese Pflicht rechtzeitig genug vor dem Impftermin nächsten Freitag erledigt.

Und draußen tanzt der Regen Polonaise. "Regnet's stark zu Albinus, macht's den Bauern viel Verdruss." Hat schon was, wenn man kein Bauer ist.

 

Ostermontag, 17. April 2017

Der Vize lässt es sich nicht nehmen, heute Morgen der Gewichtskontrolle beizuwohnen, um zu sehen, ob der Zunahme-Tsunami wieder über die Waage schwappt oder vielleicht doch ein wenig Bauchgrimmen seinen Tribut fordert. Beeindruckend ist die Souveränität der Hallodris auf der Waage. Wenn jemand der Ansicht sein sollte, dass man von Welpen am Ende der siebten Woche doch wohl erwarten könne, kein Problem auf einer Waage zu haben, ist das ein Irrtum. Unsere Hündinnen haben wenig Welpen gebracht, die leicht zu beeindrucken oder ängstlich waren, aber es gab immer welche, die sich auf dieser Babywaage, oben auf dem Küchenblock oder dem Gartentisch, lange oder bis zum Schluss nicht wohlfühlten. Und wir erinnern uns eine ein paar wenige, die bis zum letzten Tag mit weichen Knien wie Schmidtchen Schleicher auf der Waage standen, zitterten und jegliche Bestechung ablehnten. Doch die Hallodris stehen da und mampfen ihre Platinumstückchen, lässig und locker, als wäre es ein kleines Amuse-Gueule vor dem Frühstück. Keiner hat die Rute unten, keine versucht, das wacklige Schiff zu verlassen und wenn der Versuch doch gemacht wird, dann, weil die Leckerli aufgesaugt sind, die Chefin aber wegen der hippeligen Ladung zu keinem eindeutigen Ergebnis kommt und die Kandidaten länger als es denen lieb ist dort oben festhält. Das alles bestätigt die unerschrockene Performance der ersten Testkandidaten gestern im Studio.

Die Gewichte zeigen die erhoffte Normalisierung; vermutlich geht es den Hallodris wie uns nach ein paar üppigen Tagen. Nur Halina füttert möglicherweise einen Bandwurm, sonst würde sie nicht schon wieder mit 310 g in die Registratur kommen. Gestern 380, heute 310, das sind 690 g an zwei Tagen. Da liegt eine Karriere als ukrainische Traktoristin nahe. Für sie bedeutet das heutige Ergebnis 5430 Gramm und Aufstieg von Platz acht auf fünf. Das deutet an, dass sich die anderen etwas mehr zurückgehalten haben müssen. Die nächste Hausnummer liefert Hartl mit 280 g, was sich bei ihm auf 5780 Gramm summiert und ihm den zweiten Platz sichert, nur noch 220 g hinter Hallodri. Der lässt es nämlich gerade etwas gemächlicher angehen und begnügt sich mit 110 g, und die tragen ihn auf glatte sechs Kilo. Tärä! Eine engagierte Leistung muss man auch Hias mit 240 g konstatieren, die ihm 5200 Gramm eintragen und seinen Lieblingsplatz Number Hakuna und Fianna vom Bairischen BluesFiannas Morgenpflege bei HakunaNine sichern. Den Rest beten wir jetzt runter: 3. Platz Hugo (5630, +200), 4. Platz Hobo (5610, +160), 6. Platz Harpo (5420, +140), 7. Platz Hetty (5300, 0), 8. Platz Hakuna (5280, +50), 10. Platz Hedda (5100, +150) und 11. Platz Hubsi (4600, +180).

Das Osterwetter ist immer noch engagiert, auch den letzten widerborstigen Hasen in seine Kate zu treiben. Morgens ist es kalt, stark bewölkt und windig bei 4° C, im Tagesverlauf wird es zunehmend regnerisch bei nicht mehr als 7° C, bis sich er Regen in eine stürmische Wasserfront verwandelt, die die Hallodris selbst in der Deckung unterm Balkon durchnässt. Das bedeutet wieder Kasernierung. Das bedeutet wieder nörgelige und zickige Kinder. Aber das heißt auch, dass wir das Hallodri-Assessment im Dachstudio fortführen können.

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiHubsi vom Bairischen BluesHubsiHeute beginnen wir mit dem Rotlichtträger Hubsi. Er geht die Sache etwas vorsichtig an, weiß nicht so recht, was wir da mit ihm planen. Als wir ihn jedoch ansprechen, ist er sofort Feuer und Flamme, wedelt mit dem ganzen Körper wie eine Vogelscheuche im Sturm und stürzt sich auf uns. Hubsi ist ein Philanthrop wie Hugo; erst der Mensch und dann sein Sach. Getrieben von seiner Neugier, macht er sich nach der Begrüßung auf den Weg und versucht, alles aufzunehmen und sich einzuprägen, langsam und intensiv. Jetzt nimmt er von uns nur noch beiläufig Notiz. Auf das Ballspiel steigt er sofort ein, wird dessen aber auch genauso schnell wieder überdrüssig. Das Beißkissen dagegen erklärt er zu seinem besten Freund, da kontert er wie ein Profi und will es nicht mehr herausgeben. Dass er mit seinen Zähnen umzugehen weiß, hat nicht nur der Vize schon am eigenen Leib spüren dürfen. Für einen, der unzweifelhaft zwei bis drei Tage nach den anderen in Produktion gegangen ist, also um diese Zeit jünger ist, was sein Federgewicht erklärt, aber auch die immer noch eindeutig kleineren Zähne belegen, ist eine solche Vorstellung sehr beeindruckend, weil in dieser Entwicklungsphase zwei oder drei Tage einen enormen Unterschied bedeuten. Wir stellen Hubsi ein sehr vielversprechendes Zeugnis aus.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodriHallodri vom Bairischen BluesHallodriWenn man acht sich sehr gleichende Vorstellungen gesehen hat, will und muss man natürlich die Unterschiede herausarbeiten, um überhaupt differenzieren zu können. Deswegen holen wir nun als Kontrastangebot nach dem Nachzügler die Dauervorhut: Hallodri. Er hält sich nur sehr kurz mit der Orientierung auf und läuft dann sehr zielstrebig in alle Ecken davon. Dabei ist er der Erste, der sich auch die ganz finsteren Ecken vornimmt und auch dabei gelassen und unaufgeregt bleibt. Das in der dunkelsten Studioecke liegende japanische Sitzkissen erwählt er sich als Feldherrnhügel, um die Lage von oben herab zu überblicken. Das Prüfungsteam begrüßt er im Vorübergehen freundlich, aber geschäftig, soll heißen: keine Zeit, ich komm später auf euch zurück. Die ganze Zeit ist er schnell auf seinen Beinen unterwegs, ohne dabei getrieben oder hektisch zu wirken. Auf die Spiele geht er auch sofort ein, bringt allerdings die Beute nicht zurück, sondern sichert sie. Eine ausgereifte Vorstellung.

Harpo vom Bairischen BluesHarpoHarpo vom Bairischen BluesHarpoNun Harpo. Man möcht fast sagen, auf Groucho folgt Harpo, nach dem gewichtigen und souveränen Chef kommt der Hansdampf und Oberschelm. Er findet nicht einmal die Zeit, einen Blick rundum zu senden, sondern läuft sofort in die Richtung los, in die er zufällig gestellt wurde. Auf seiner sehr zügigen Rundreise macht er einen Zwischenstopp auf dem Schoß des Vize, hält ein Pläuschchen und ist wieder weg. Feldherrnhügel überlässt er Wichtigeren, dafür hat er einen Sinn für die kleinen Dinge des Alltags, z.B. die Flasche Maxlrainer Weißbier unterm Glastisch. Die hat bisher noch keinen der Hallodris interessiert, aber Harpo entdeckt sie und macht ihr seine Aufwartung. Er ist ein Kobold auf Betriebstemperatur, er galoppiert herum, macht den Affen und ist in jeder Phase seines Tests völlig unbekümmert. Den Bällen ist er sofort hinterher und treibt sie durchs Studio, so, dass wir völlig überflüssig sind, weshalb wir ihn ans Beißkissen locken, was er ebenso offenherzig annimmt wie alles andere. Er ist wirklich ein sensationell fröhlicher und unbekümmerter Tropf ohne Hemmungen, Allüren und Flausen.

Hobo vom Bairischen BluesHoboDerHobo vom Bairischen BluesHobo letzte Auftritt gehört Hobo. Der bleibt erst einmal stehen und schnüffelt seinen Standort ab, dann geht er los. Hobo wedelt und sieht sich um. Hobo klettert auf Schöße, verteilt Liebesbriefe, wedelt und wandert weiter. Hobo wedelt und entführt einen Kugelschreiber. Hobo vergreift sich an Grünpflanzen und wedelt. Dabei betritt er allerdings nie die äußeren und finsteren Lebensräume, sucht hingegen immer mal wieder die Nähe der Tür, durch sie er hereingetragen wurde. Mit den Bällen freundet er sich sofort an, dem Beißkissen kann er anfangs nicht viel abgewinnen, lässt sich aber schnell überzeugen, es mit ihnen zu versuchen, was ihm dann auch Spaß bereitet, unbefangen ist er dabei jedoch nicht. Hobo verkörpert heute den interessiert offenen, aber bedächtigen Typ. Er wäre in der heutigen Verfassung erste Wahl für viele Hundesportler, die sich nämlich entgegen der allgemeinen Meinung nicht für den Kamikaze-Typ entscheiden, der mit verbundenen Augen auf Kommando von der Brücke springt, sondern eher für den kontrollierten Typ, der sich den Dingen offen und interessiert, aber mit Bedacht nähert. Solche Hunde haben für den Sport häufig den längeren Atem und mehr Tiefgang. So gesehen hat Hobo heute das kleine Sportabzeichen abgelegt.

Was wir gestern und heute gesehen haben, ist äußerst ungewöhnlich und fast beängstigend souverän, andererseits darf man nie aus den Augen verlieren, dass wir über 50 Tage alte Welpen reden. Bewertungen und Einschätzungen sind eine Momentaufnahme, der typische Charakterzüge zugrundeliegen, die aber nicht als Wechsel auf die Zukunft verstanden werden darf. Es ist eine sehr beeindruckende Basis vorhanden, gefestigt oder festgelegt ist nichts. Dieses Potential kann zum Blühen oder zum Welken gebracht werden. Aber was in ihnen steckt und was aus ihnen werden kann, haben die Hallodris eindrucksvoll gezeigt.

Der Rest des Tage spielt sich heute vorwiegend in Küche und Transit und ohne nennenswerte Ereignisse ab, die Outdoor-Phasen sind meist kurz und eher garstig. Diese Konstellation ist besonders unangenehm, weil Harpo und Halina wieder einmal Durchfall haben, breiige Grüße aus Darmstadt, ohne klinische Begleiterscheinungen. Aber in der Küche und im Transit gehören sie nicht zu jenen Gaben, die das Osterfest ideal beschließen.

 

Dienstag, 18. April 2017

Der Vize schaut frühmorgens mit verkleistertem Blick aus dem Fenster und denkt, ihn laust der Hase: Hat doch der vermaledeite und frustrierte Osterhase sämtliche Puderzuckerreste für die nicht abgerufenen Osterlämmer im Hallodrigarten entsorgt. Da ist ja alles weiß; Puderzucker, keine Frage, der ganze Garten kandiert. Spinnt das Bunny jetzt komplett? Erst als sich die Schlafjalousetten vor seinen Pupillen heben, wird ihm klar, dass er dem Hasen Unrecht tat: Das ist Schnee! Und der fällt auch noch in Schneefetzen so groß wie Kartoffelchips aus allen Wolken. Zwischendurch schauert es, dann schneeregnet es. Der Winter ist zurück; in Garmisch-Partenkirchen mit 30 cm Neuschnee, in Rottach-Egern, nur eine kräftig ausgestreckte Armlänge von hier, auch noch mit 15 cm. Im Mangfalltal reicht es nur zu einem Zuckerguss. Dieses Treiben zieht sich weit in den Nachmittag hinein, dann erst löst sich der eisige Deckel in Wolken mit Sonne auf, allerdings auch mit viel Wind. Und abends bleibt der Papp, der dann wieder über uns kommt, bei 0° C liegen. Schöne Nachbescherung.

Wegen der hohen Feuchtigkeit und der Morgentemperaturen um 0° C müssen wir die Hallodris nach dem Putzen gleich wieder ins Haus holen. Obwohl wir gerade dabei sind, ihre Leben, mindestens aber ihre Gesundheit, zu retten, stimmen sie ohne Verzug ein gellendes Kakadu-Konzert an: Wir sind das Volk, wir wollen raus, wir sind das... Und während die einen an den Grenzanlagen kreischen und sich das Volk nennen, verscheißen die anderen ihr Staatsgebiet, das frisch geputzte, wohlgemerkt. Das Volk, das selbsternannte, ist dümmlich meist, immer aber laut und dreist. Und das Staatsoberhaupt erkennt die Vergeblichkeit des guten Tuns. Dabei fallen ihm, etwas verspätet, die zwei Kernsätze des Karfreitags ein, "Es ist vollbracht", was sich im vor-liegenden Fall auch mit "es ist prachtvoll" übersetzen ließe und "Noch heute werdet ihr mit mir im Paradiese sein". Das aber würde voraussetzen, dass er des Lebens überdrüssig wäre. Davon kann keine Rede sein, schon aus purem Trotz nicht. Dorthin senden würde er das ganze Pack allerdings leichten Herzens. Express mit UPS (Universal Paradise Service).

Zur Beruhigung der Gemüter bietet sich das Wiegeprotokoll an. 2060 sind nach dem Exzess von vorgestern und dem Reduktionstag gestern eine vernünftige Marke. Dabei dürfen wir nicht außer acht lassen, dass Harpo und Halina wieder Durchfall hatten, was sich prompt auf deren Ergebnis niederschlägt. Harpo liefert heute 80 g mehr als gestern, was für einen Diarrhoe-Hollaraiduljöh gar nicht so übel ist. Mit 5500 Gramm rutscht er vom 6. auf den 7. Platz. Bei Halina macht sich der Durchfall deutlicher bemerkbar: 50 g und 5480 Gramm. Die Konsequenz ist ein Durchfall von fünf auf acht. Überhaupt keine Kenntnis hatten wir von einer Unpässlichkeit Heddas, die uns mit nur 30 g beglückt, dabei sieht sie uns an, als Hias vom Bairischen BluesHiaswollte sie ein Kompliment über ihre Modelfigur hören: 5130 Gramm, 10. Platz, wie gehabt. Was soll das Gehabe? Im Weiteren verfolgen wir das Protokoll von links nach rechts, also in der Reihenfolge der Erdenfahrt unserer Hallodris. Hartl meldet 200 g an, die ihn auf 5980 Gramm anwachsen lassen und weiterhin zum ersten Anwärter auf die Thronfolge machen (2. Platz). Das kann Hias trotz seiner 260 g nun wirklich nicht von sich behaupten. Ihm geht es ähnlich wie Hubsi: Er gibt sich Mühe und sieht kein Land (5460, 9. Platz). Da geht es Hakuna deutlich besser, weil im Mittelfeld Bewegung ist, während die Ränder festgefügt sind. Sie kommt gar mit 290 g mehr auf die Waage. Die 5570 Gramm tragen sie von Platz acht auf sechs. Hugo gibt sich dagegen mit seinen 140 g eher zugeknöpft. Zur Strafe rutscht er von drei auf vier (5770). Hedda haben wir bereits besprochen. Hubsi liefert 100 g, zu wenig, um des Vizes Vorhersage Wirklichkeit werden zu lassen, aber genug, um stetig an seiner Rüdenwerdung zu arbeiten (4700, Rotlicht). Hetty hat so etwas Maßloses und Unstetes, sie ist der lebende Jo-Jo-Effekt der Hallodris. Heute bereichert sie das Tableau mit 330 g (5630) und ihrem Aufstieg von sieben auf fünf. Halina und Harpo haben wir auch schon abgearbeitet. Fehlen noch Hobo und Hallodri. Hobo meldet 210 g, was ihm mit 5820 Gramm den 3. Platz von Hugo einbringt. Und wenn zwei sich ums Besteck rangeln, löffelt der Dritte die Suppe aus: Hallodri. Mit 370 g zeigt er, dass er immer kann, wenn er will und keiner glauben soll, dass er ihm irgendwann das Fett von eben jener Suppe abschöpfen kann: 6370 Gramm und up, up and away.

Die RampeRampensauAls nachmittags das Wetter zwar frisch, aber sonnig ist und die Hallodris ihren Garten genießen können, lassen sie richtig die Sau raus (offensichtlich fehlt ihnen ein tierischer Spielpartner, weil in den letzten Tagen der Hase ein Totalausfall war). Gerade haben sie noch gekuschelt und jetzt geht die Post ab; vermutlich haben sie beim Kuscheln nur die Muskeln Hetty und Hartl vom Bairischen BluesHetty und Hartlvorgeglüht. Der echte Bringer ist die neue Rampe, mit der sie erstmals in luftige Höhen von etwa 50 cm klettern können – und beim Absturz auch noch die Lacher auf ihrer Seite haben. Das Motto des Tagesbildes "Young Fast Loud" füllen sie heute Nachmittag kompromisslos mit Leben, vor allem das loud hat es ihnen angetan. Es ist schon gut, dass der frische und windige Nachmittag niemand außer dem Fotofix des Blues auf einen Aufenthalt im Freien lockt. Da können sie krakeelen so lange sie wollen. Wir haben nur liebenswerte und absolut keine kleinkarierten Nachbarn, aber auch sie haben das Recht, nicht alles kommentarlos schlucken zu müssen, was ihnen eine Horde unerzogener Welpen zumutet. Wir haben allen Grund, uns bei dieser Gelegenheit auch mal bei der gesamten Nachbarschaft für ihr Verständnis herzlich zu bedanken.

Als der Abend vorangeschritten ist und die Hallodris die Küche belagern wie besoffene Landsknechte, erbricht Hetty einen großen schleimigen Berg undefinierbaren Inhalts. Das einzige, was der Vize in dem Pamp identifizieren kann, ist eine Art Knochenstück oder irgendetwas anderes großes Weißliches. Hetty geht es unendlich schlecht. Sie erbricht immer wieder Schleim, sie hat definitiv Schmerzen und jammert und wimmert. Die Chefin gibt ihr Nux vomica, um Magen und Darm zu beruhigen und nimmt sie zu sich ins Bett; Wärme und der Herzschlag der Chefin sollen Harpo vom Bairischen BluesHarpoihr helfen. Aber Hetty bleibt unruhig und fahrig. Wir machen uns richtig Sorgen, bringen sie jedoch wieder zu ihren Geschwistern und hoffen auf die Hilfe von Nux vomica; wenn es wirkt, hilft es relativ schnell. Gegen Mitternacht macht der Vize nochmal eine Visite bei seiner Patientin und findet sie zwischen ihren Geschwistern, entspannt auf der Seite liegend. Als er sie ein wenig berührt und streichelt, grunzt sie schläfrig und streckt sich mit Hakuna vom Bairischen BluesHakunaallen vier Beinen und einem Katzenbuckel, wie es Hunde tun, wenn sie sich entspannen. Das sieht wieder gut aus. Gegen ein Uhr wirft der Vize nochmal einen Blick auf Hetty und findet, dass sie zwischen ihren Geschwistern kaum mehr zu finden ist. Offenbar alles wieder gut. Wahrscheinlich hat sie ihrer Mama ein Stück ihres Kalbsknochen abgekupfert und einen deutlich zu großen Brocken geschluckt. Da hat auch ein Großer schon mal Aufruhr im Bauch.

Es geht in die finale Woche mit den Hallodris, da kann man auf solche Dramas gut verzichten, wo doch die ganze kommende Woche ein einziges Drama ist. Vor allem für die Welpenbesitzer, für die es nun heißt: Off Limits. Kein Zutritt mehr. Wir haben genug um die Ohren und um die Herzen. Was diese erleichtert, sind die ersten Schwalben, die uns gerade heute wegen der tieffliegenden Insekten im Tiefflug um die Nasen rauschen. Eine Schwalbe macht zwar keinen Sommer, füllt aber die Leere, die die überfälligen Nachtigallen und erfrorenen Kuckucke erzeugten. Und sie kündigen den Sommer an, die Zukunft, Glück und Wärme. Auch ohne Hallodris.


[1] Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage fasten. Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet!